Archiv der Kategorie: Der Himmel voller Butter

Reiseberichte

Hobbies- Reisen durch Deutschland und kleine Hunde

17.11. Die Spielsüchtige ist nicht zur Therapievorstellung gefahren. Der neue Pflegedienst hatte auch angeboten sie mit dem Auto zu fahren. Umso wichtiger ist, dass die Helfer sich untereinander austauschen, damit wir nicht verarscht werden. Sie will es nicht, aber vielleicht extra um das zu verhindern. Die Wohnung sieht nicht so schlimm aus wie gedacht und die arbeiten auch langsam am Aufbau des Vertrauens.

Der Psychiater (Heimarzt), von dem Neuen, Robert De Niro auf Türkisch und Maßregelvollzug, hat mir aufs Band gesprochen. Er soll das Betreuungsgutachten schreiben und ärgert sich, dass die Institutsambulanz 1.555,- € pro Quartal kassiert. Ob ich wüsste was meiner gemacht hat. Am Tag der Entlassung aus dem Knast die nächste Frau vergewaltigt. Seine Opfer würden es vielleicht gut finden, wenn er abgeschoben würde in die Türkei und das sei dann so eine Art Neustart. Reiseunfähig sei er jedenfalls nicht und ich soll ihm bloß nichts versprechen. Ich sehe das anders und eher von einer grenzübergreifenden, feministischen Seite. In der Türkei leben auch Frauen und hier mit der engmaschigen Therapie besteht die Chance, dass er nicht rückfällig wird (weil trocken), außerdem hat das Gericht mich bestellt, damit ich mich für ihn einsetze und, dass er nicht Bonbons geklaut hat wusste ich auch vorher. Er war im Maßregelvollzug.

Namensänderung einer türkisch stämmigen Betreuten nach der Scheidung. Die Betreute die ihre Medis abgesetzt hat als wir in Kaliformieren waren kommt vorbei mit Blitzerfotos. Sie ist in der Zeit mehrfach über rote Ampeln gefahren mit dem Auto. Sie denkt, dass sie schon bezahlt hat, hat sie dann doch nicht. Führerschein 1 Monat weg. Sie hat wirklich schwere Gedächtnislücken aus der Zeit der erneuten Erkrankung.

Herr Borderline kommt und hat Unterlassungsverfügung der Nachbarin, die sich vor ihm fürchtet. Ist noch nicht erlassen. War der Richterin zu dünn, der Sachverhalt. Er hat ihr ein kaputtes Feuerzeug vor die Füße geworfen, was auf seine Türschwelle „hindekoriert“ war (so hat er es zumindest empfunden) nachdem sie die Treppenhausreinigung gemacht hat und gefragt, ob sie ihn provozieren wolle. Das ist weder Körperverletzung noch Bedrohung, aber angeblich lebt das ganze Haus in Angst und Schrecken vor ihm. Er hat jetzt auch eine Glatze um seine Gefährlichkeit zu unterstreichen. Die Frisur trägt er schon immer.

Ein Mandant von früher aus Linden. Die Zeitarbeitsfirma hat ihm nachträglich 600,- € pro Monat für den Dienstwagen abgezogen. Das war nicht vereinbart, jetzt Aufhebungsvertrag und Beratungsschein.

Manchmal denke ich, dass ich meinen Mann gar nicht gut kenne, mir liegt das Herz auf der Zunge und er, Brief mit sieben Siegeln.

18.11. Nach dem Actionfilm. Mein Partner ist in einen Schmetterling verwandelt worden von einem Gegner, der ihn mit einer Spezialzauberwaffe beschlossen hat, er wollte ihn größer machen und hat ihn kleiner gemacht So konnte er sich verstecken und den weiteren Schüssen entgehen und hat mehrere Jahre so verbracht bis der Zauber gebrochen war. Es geht um Zauberkräfte und Science Fiction, irgendwie Matrix. Wir treffen den anderen und beide müssen ihrer Bestimmung zugeführt werden, d.h. wir müssen ihn aufklären, wer er in Wirklichkeit ist. Da er Frau und Kinder hat und die Frau sehr spießig und kommt gleich mit als wir mit ihm spazieren gehen wollen, muss ich sie ablenken. Ich will meinen gehen lassen. Dann Schwimmbad und gleich schließe ich mich vertrauensvoll einem neuen Mann an. Ein hässlicher, kleiner Mexikaner und ich habe Hingabe nicht verlernt und kann es offenbar problemlos in der nächsten Beziehung abrufen. Wir spielen im Wasser ein Spiel an einem Tisch sitzend. Bewegung mit den Händen, wie beim Tanzen gestern und dazu was singen. Den Text versteh ich nicht ganz, spreche ihn einigermaßen mit (wie auf der Demo fällt mir im nach hinein ein. Alepo, alepo Antifaschista. Ich verstehe immer nur das Hauptwort. Ach ja, das muss italienisch sein. Arreta oder Alerta). Dann muss man was aus Abfall basteln, kleine Zahnstocher und Plastikspieße und das macht mir besonders Spaß und meines, ein Haufen, der aussieht wie eine Hütte und einen kleinen Korb habe ich gebastelt, der vor der Tür steht, ist mir besonders gut gelungen und ich bin ganz stolz darauf und fasziniert, während die anderen zur Tagesordnung übergeben wollen. Ich wache auf und überlege, was mir dieser Traum über mich selber sagen wollte oder will.

Zuhause weitere Garderobe für Jasmin. Dass die Linken in Nazimanier Leute überfallen haben ist das Letzte, wenn es so war. Das sind genau solche Hooligans wie die, die sie angeblich bekämpfen. Schande. Sozialarbeiterin aus der Peiner Straße ruft an. Es gibt nur die Einrichtungen, die ich schon kenne. Die 3 von Step und Haus am Seelberg, Haus Meerblick (im Wald, deprimierend, für Alkoholiker, die nichts mehr erwarten vom Leben) und irgendwas Heidehaus, ist weit weg. Die Bilanz ist und bleibt deprimierend.

Ich würde gerne mal Schwarzwurzeln machen. Meine Betreute schleicht auf dem Markt herum, sieht mich aber nicht. Sie kommt immer zu früh und wartet schon auf mich mit einem anderen zusammen der gar keinen Termin hatte. Ich bin genervt.

Der Kollege aus dem Siloah ist wieder zuhause. Er ist eingebunden. Ich wollte nicht weiter nerven. Muss ich ihm wohl die Sachen zuschicken, jetzt wo es nicht geklappt hat mit einem weiteren Krankenhausbesuch mit einem Essen takeaway. Poster des menschlichen Körpers für Kinder für einen Spind und den Stift von Ai Wei Wei auf Alcatraz.

Googele nach Einwohnermeldeamt und überlege dann, warum weiter Geld investieren, wenn die Forderung eh verkauft werden soll. Telefonat mit dem Kollegen. Den Titel schickt er mir. Mein Betreuter will die Forderung verkaufen. Der Einbruch, wo das Gericht die Beute an den Einbrecher in Polen ausgezahlt hat. Irgendwie war der Kollege auch dämlich und fängt gleich ganz komisch an sich zu rechtfertigen. Er bekommt ein Fax. Er bestätigt mich in dem Telefonat, dass irgendwas nicht richtig gelaufen ist. Jetzt soll er mal eine Lösung anbieten.

Von der Alkoholikerin Hund ist tot, sie wurde von der Polizei informiert und hat gesagt, sie wolle den nicht in tot sehen, die haben ihn dann verbuddelt. Rufe bei der Polizei in Lahe an. Hund ist tot auf dem Gelände der Polizei Lahe aufgefunden worden im Gebüsch. Keiner weiß was bei der Polizei. Man habe sich unterhalten, dass Giszmo tot im Gebüsch liegt. Wann das war, keine Ahnung, sie vergraben keine Hunde und waren angeblich nicht bei ihr zuhause, sonst gäbe es einen Vorgang. Die mauern und im Computer gibt es nichts. Das habe ich verstanden, schon beim ersten Mal als es gesagt wurde, aber es waren ja Menschen beteiligt und mit denen will ich sprechen. Sie sitzt hier nur am Empfang und macht die Telefonate. Ich soll beim Veterinäramt anrufen. Das Veterinäramt holt keine Hundekadaver ab. Komischer Fall. Da muss ich dran bleiben. Später stellt sich heraus, dass die Polizistin am Vortag bei ihr Zuhause war. Sie hatte mit Suizid gedroht und wurde in die MHH eingewiesen. Da sei versehentlich kein Eintrag gemacht worden von den Kollegen. Sie würde das nachholen.

Die Sozialarbeiterin in Wunstorf erzählt, ich sei Betreuerin eines Mannes, dessen Namen ich noch nie gehört habe.

Klage gegen eine Betreute auf Anwaltsgebühren als ich schon bestellt war, wurde eine Kündigung des Vermieters noch mal von einer Anwältin ausgesprochen (die reinste Gebührenschneiderei und ich hab mich viel darüber geärgert, eine Hausverwaltung, die keine Eier in der Hose hatte, dafür sollen sie selber zahlen). Das wird spannend. Termin zur mündlichen Verhandlung ist schon am 10.12.

19.11. Meine Eltern rufen morgens an um mir mitzuteilen, dass sie keine Weihnachtsgeschenke haben. Backen genügt. Mein Paps wünscht sich Seife von Lush. Hat einen unheimlichen Bedarf. Süß. Treffe morgens Andrea, die strahlend aussieht. Wenn Kurzhaarfrisur mal ansteht, dann so eine. Muss sie mal fragen, wo sie war. Ganz in braun. In diesen Tönen hat sie mir auch eine selbstgenähte Jacke vermacht. Will sie die vielleicht wieder? Frau Schwierig macht nicht auf. Hier ist ein interessanter Friedhof, Nähe Döhrener Turm, den ich mir mal genauer anschauen muss, bei Gelegenheit.

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Hilfeplanung Peiner Straße. Wir warten. Ich lese billige Modehefte, die dort ausliegen und so grandiose Weisheiten enthalten wie die Feststellung, dass früher dünne Strickschals spießig waren. Wie kann ein Kleidungsstück und dann auch noch ein solches per se spießig sein? Der Westi der Abteilung lässt sich blicken und mein Betreuten und ich schauen ihm interessiert nach. Andere Hilfen bringen nichts, die Bekannten, die er hat haben keine Ahnung. Da muss Frau A. her. Die leichte Post mache er selber. Das schwierige geht zu mir. Am Ende als das Protokoll geschrieben wird, stelle ich fest, ich habe die gleichen Hobbys wie mein Betreuter durch Deutschland reisen (er mit seinem Merkzeichen „G“ umsonst) und kleine Hunde. Zwischendrin klingelt mein Handy. Frage nach einer neuen Betreuung. Wie viele führe ich im Moment. Oh, das sind zu viele, dann sind es vielleicht doch nur soundso viel. Sie will mich missverstehen. Herrlich. Früh in die Rathausmensa und ich denke noch, das ist ja wohl ein geiles Gerücht, was früher gestreut wurde mit erst ab einer bestimmten Uhrzeit. Nein, Razzia. Die Frau fragt nach meinem Dienstausweis der Stadt Hannover und lässt mich abfahren, dann doch neues Federbett kaufen, da wo Ausverkauf ist. Stephan liegt Probe und ich frage die Verkäuferin nach der Herkunft der Daunen. Sie erzählt was ich hören will. Kanadische Wildgänse, dann als ich sage, steht aber Ungarn auf dem Zertifikat, keine Lebendzupfung, nur Schlachtvieh, aber ganz altes. Alte, freilebende Gänse, die ihre Daumen freiwillig gespendet haben. Ich verstehe. Wie dem auch sei, wir haben ein warmes Bett. Ich esse ja auch Foie Gras und das alte war einfach undicht.

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Zum Essen dann zurück in die Kantine, zu voll, kein Durchkommen mit dem Tablett. Zum Kaffee gibt es Agadio von der Holländischen Kakaostube, schön dekadent. Ich habe den Laden neu entdeckt.

Ich soll Unterlagen um 8 Uhr abgeben beim Jobcenter. Bei der vom Beschwerdemanagement lasse ich meinen Frust ab. Wohl kaum. Rege mich auf. In meiner Sache werde ich den Vorbetreuer belangen müssen, wenn ich das nicht wieder „so“, d.h. mit viel Energie und Drohungen den Ämtern gegenüber hingebogen bekomme.

Jazzclub, hat um 8 nach halb schon angefangen. Ich bin genervt. Stephan besorgt mit Schnittchen. Katze bekommt nur noch hier ihr Futter, damit sie sich an die Geräuschkulisse gewöhnt. Schlimme Männer, die auf ihren Sitzplätzen hocken und meckern, wenn man ihnen die Sicht versperrt. Sind wir in der Oper oder was? Dann dürfen die nur so viele Karten verkaufen, wie Sitzplätze vorhanden sind. Frauen haben sie erst in den 70ern in den Jazz-Club reingelassen. Die sollen sich am Dresscode ihrer Idole ein Beispiel nehmen, so scheiße wie die aussehen und ich kann schön sexistisch sein und auf die schwarzen Musiker bezogen sagen, gut aussehen tun sie ja und gut angezogen sind sie auch. Die Jungs, die echt Talent haben, sollen mal was anderes spielen nach der Pause. Schlagzeug mit Blechschere ausgeschnittene Spirale wie Mobilé, Bass ganz abgegrabbelt, so sehr liebt der Typ sein Instrument und wie kann man das nur spielen. Das muss doch weh tun. Ich will mich mit Lehrern vor der Tür schlagen oder eine Flasche abbrechen und ihnen über den Schädel ziehen. Gewaltphantasien nach einem Glas Weißwein. Alle Brötchen durchprobiert.

20.11.Traum: Gruppenreise in die Schweiz, wir wollen Claudia treffen, wechseln aber das Café zu dem auf der anderen Seite. Hier gibt es eine Semifredo in grün, was so ähnlich wie Sushi heißt, eine Abwandlung und Eigenkreation. Scheiben werden abgeschnitten, sehr lecker. Ich lasse mich ablenken und sollte doch schauen, ob sie vorbeiläuft. Laufe nach vorne, dann muss ich doch anrufen. Sie trinkt drüben noch einen Kaffee. Die Bedienung fragt mich, ob ich Franziska sei. Sie kennt mich von den Erzählungen meines Bruders. Ich überlege, ob ich mit dem abwaschbaren Stift eine Nachricht auf dem Spiegel hinterlassen soll, tue es aber nicht. Claudia setzt sich zu uns. Da sitzt eine ältere Frau. Wir kommentieren die s/w Fotos, die an der Wand hängen, es soll Architektur aus der Schweiz sein, dreieckige Dächer, die aussehen wie ein S-Bahn Depot, sehr modern. Hier sieht es überall gleich aus sage ich. Claudia baut einen Joint in dem Café und die ältere Frau fragt sie, ob das Afghane sei und Claudia „jetzt nicht mehr“. Im Vorraum beim Gehen Christian aus Fürth mit einer großen Gruppe Schwuler. Die Trampel in der Dorfdisko hätten geglotzt als sie mich tanzen sahen. Wir müssen weiter, wünschen einen schönen Tag. Vor der Tür wird gebacken und wir bekommen 3 kleine Madelaines geschenkt. Claudia hat sonst 5,- € dafür gezahlt. Sie sind noch ganz heiß. Ich sage, Du bist eben schon Stammkundin. Wir sehen, wie ein Typ einen Hund am Rad zieht, der nicht mit will und die Zähne zeigt. Dann verstehe ich warum. Es ist ein Muttertier und die Welpen kommen nicht so schnell mit. Der Vater ist auch zu erkennen an den Flecken. Die Welpen sind eine Mischung aus beiden. Sie müssen einer Kuh ausweichen. Dann hält der Typ und macht mit Brennholz ein Feuer. Ich kapiere, dass er die Welpen da rein schmeißen will und flippe aus, halte mir die Ohren zu, damit ich das nicht hören muss und will verzweifelt Hilfe holen, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass man das in der Schweiz darf. Ich werde davon wach von dem Alptraum. Es muss sehr früher Morgen sein. Schlaf noch mal und bin dann um 8 Uhr wie gerädert.

Lauter Anrufe zuhause. Vor allem die Vorbetreuer, die ich angeschrieben habe, weil er zeitweise nicht krankenversichert war und Schulden aufgebaut hat reagieren sehr nervös auf meine Nachfragen per Fax. Der eine rechtfertigt sich und will mir alles am Telefon erklären. Er soll einfach auf mein Schreiben antworten.

Telefoniere mit meiner Schwiegermutter, ihre Zwillingsschwester geht es sehr schlecht. Jahrelang wollte sie nicht zum Arzt und hat nicht mit sich reden lassen, jetzt Intensivstation.

Stadtwerke und meine Aggression. Es kostet viel Kraft, aber schlussendlich sind auch die Kosten für den Kassierer ausgebucht.

Saxophonist, der mit DJ Paul aufgetreten ist (angeheirateter Verwandter). Der Bachelor hat nur so getan als sei er DJ, war alles Lego. Hat seine Gage nicht bekommen, schlechte Beweislage, soll zum Kollegen. Kann mich da nicht reinhängen, auch wenn’s Verwandtschaft ist. Tipps. Kurzes Fax mit Eckdaten, wenn man die nicht kennt, sich nicht verarschen lassen von Leuten, die den Wendler und das ganze Kruppzeug unter Vertrag haben.

Kein Sport, keine Kestnervernissage und erst Recht kein Sprengelkino, Maria Abramovic hätte auf dem Programm gestanden, lange arbeiten und dann nach Hause. Ich bin müde. Koche die Petersilienwurzeln während ich meine Schwiegermutter am Telefon habe. Ihre Schwester ist an der Dialyse, erkennt aber die Familienmitglieder. Sie sagt, sie habe sich aufgegeben, ihre Freundin Else sagt, man solle sie gehen lassen, sie habe abgeschlossen und Dieter sagt auf NDR kommt ein Bericht über San Francisco. Stephan kommt nach Hause. Es war wohl langweilig, in der 1. Etage hat ein Typ was aus Klorollen gebaut. Wir bleiben etwas hängen an einem Bericht über Pornostars, die einen Tantrakurs besuchen und das alles zu intim finden. Wir sind uns beide einig, dass die sich was vormachen angeblich die abgebrühten Säue, die sich sofort nackt ausziehen, wenn sie eine Kamera sehen, halten sich auf einmal mit dem Handtuch bedeckt, weil sie in einem Raum mit lauter nackten Menschen sind. Die operierten Frauenkörper finde ich ganz schlimm, wie in einem Horrorfilm, benutzt jemand ihre Körper um damit Drogen zu schmuggeln oder was sind das für Implantate und die Lippen sehen aus wie nach einem Allergieschub. Schlimm.

21.11. Morgens betätige ich die Heißklebe. Eine alte Barbie-Punk-Handtasche soll auch mit nach Essen. Ich habe einen Koffer voller Sachen, die ich Jasmin anbieten will.

Hauptgewinn in Sachen Schwerbehindertenantrag 100% und Merkzeichen „G“, „aG“, und „B“. Freie Fahrt mit Öffis mit Begleitperson, Mobi-Hilfe für Taxifahrten, frei zu verwendendes Geld, mehr Grundsicherung.

Frau Borderline hat Termin bei mir. Will ihre Kinder nicht mehr sehen, weil das sie stresst und ihre Gesundheit wichtiger ist. So egozentrisch und was man die Kindern damit antut und schlussendlich ist es nur die eigene Krankheit und man kann es nicht einsehen, sondern schiebt die Verantwortung auf Minderjährige. Erbärmlich. Sie will zu ihrem Freund ins Ruhrgebiet ziehen. Soll sie machen. Ich unterstütze das und stelle sofort einen Antrag auf Umzugskosten. Das macht ihr Angst, dass ich das gleich anbiete, aber ich bin echt nicht traurig, wenn ich die nicht mehr habe.

Stephan erklärt mir in der S-Bahn zum Zug, dass dieses Wochenende wieder lustige Demos in Hannover seien, die wir dann verpassen würden. Homophobe würde demonstrieren und die Stadt Hannover hat das Steintor deswegen mit Regenbodenfarben versehen, als Beflaggung. Die sollen sich diese riesige Maschine aus San Francisco besorgen, die Regenbogenfußgängerüberwege auf die Straße aufträgt. Die ist vielleicht toll!

Im Zug merke ich erneut was dieses Strickprojekt für eine Sträflingsarbeit sein wird. Es ist teurer als gekauft, das ist egal, aber da steckt tageweise Arbeit drin und dann findet sie es doof und benutzt es zwei Mal. Das wird leicht unterschätzt von Leuten, die nicht selber stricken. Ich finde auch noch einen kleinen Fehler, eine linke Masche. Wie kann das passieren, wenn man nur rechts strickt, ich weiß es, durch das Aufheben einer Masche. Ich trenne auf und kriege richtig schlechte Laune. Das ist jetzt ein Totalfiasko, Wolle verheddert und ich bekomme die Maschen nicht mehr aufgehoben bzw. aus einem Fehler werden so bestimmt 20 neue, wenn ich es überhaupt hinbekomme. Es wird dunkel im Kinderabteil. Im Bahnmagazin steht, dass wir die Weihnachtsmärkte lieben, also wir nicht. Ich habe heute im Büro noch gesagt, dass ich auf meinen Anteil am Lebkuchenweihnachtskalender verzichte. Das wird mühsam zwischen allen geteilt und es gibt einen Plan. Wer einmal in Nürnberg einen frischen Kuhfladenlebkuchen probiert hat, saftig, frisch mit all den Gewürzen, will den Bahlsenverschnitt nicht mehr, den sie verschicken. Es wird außerdem im Magazin für gefüllte Klorollen geworben. Innen ist auch Klopapier und der Hohlraum wird auch genutzt (?), aber dann kann man gar nicht mehr lustige Kitabastelarbeiten machen oder was Neues fürs Museum. Die neue Mitarbeiterin meines Kollegen bestellt Klopapier bei Rossmann für 5,- € Porto statt auf dem Weg zur Arbeit welches zu holen.

So, jetzt Wolle gleich am Bahnsteig entsorgen oder ist es eine karmische Aufgabe? Jasmin holt uns ab. Sie ist mit dem Fahrrad unterwegs, etwas Bus fahren (da kommt man gleich in Kontakt mit den Einheimischen), den Berg hoch laufen. Sie erzählt von dem chauvinistischen Chef, der den Kolleginnen vorschreibt, dass alle total wie aus dem Ei gepellt aussehen sollen, nur schwarz anziehen und High heels. Das hilft bestimmt, wenn es um Sachthemen und wichtige Entscheidungen für die Firma geht! Dass es so viel Dämlichkeit auch unter Akademikern gibt!! Aber klar, zeigt nur, wie die gestrickt sind. Ich mache das Gestrickte wieder auf und Stephan muss bei dem lockigen Wollknäuel helfen, es wieder aufzuwickeln und die Knoten zu entfernen und ich merke, dass ich meine Kosmetiktasche im Zug habe liegen lassen mit Medikamenten und Schminke darin. Den Weleda-Stift aus Mailand. Das macht mir immer total schlechte Laune wegen des Kontrollverlustes denke ich hauptsächlich. Ich mache das Gestickte ganz auf und merke die Hoffnungslosigkeit des Unterfanges. Es waren 6 cm von 80. Marc kommt vom Tennis. Sie waren bei Aldi-Süd, direkt neben der Tennishalle, die ich kenne, wo es Sticker und ein Album dazu gibt. Der Babysitter kommt, wir fahren ins Residence. Heute mal rechts am Empfang vorbei und die Treppe hoch. In dem roten Raum haben wir noch nie gesehen. 2 x Menü opulent und 2 x da Japanische.

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Der junge Kellner fragt uns immer ob es noch etwas Leitungswasser sein darf und neigt dabei die Karaffe als sei es ein edler Tropfen. Ich nehme auch Weinbegleitung. Zuhause geht Jasmin schlafen und wir unterhalten uns noch mit Marc.

22.11. Schlafe gut. Werde wach und denke sofort an meinen Lippenstift und beschließe das Strickprojekt aufzugeben. Das war ein guter Entschluss. Ich werde eine schöne und werthaltige Babydecke kaufen und die wird ihr auch viel besser gefallen und mir fällt eine Last von den Schultern. Ich merke sofort, dass es die richtige Entscheidung war. Einen Abnehmer für die Wolle werde ich auch noch finden. Kalinka oder die im Heim meiner Schwester. Die können Wolle auch immer gut gebrauchen. Vielleicht stricke ich vorher noch ein paar Babysocken. Das ist kleiner und geht schneller. Auch wenn ich es noch nie gemacht habe, müsste es doch machbar sein. Jasmin packt die Geschenke aus. Sie hat rote Sportschuhe bekommen, vom Nachbarn, wie Leander total niedlich anmerkt (dieser hat wohl das Paket abgegeben). Ich sage, der will was von Dir, wenn er Dir rote Schuhe schenkt. Meine bebastelte Tasche mit den Barbie-Fotos und den Plastiksachen gefällt ihr und den Kids auch und ich werte sie als Geschenk. Dann noch den Kalender 2015, sowie ein Brettchen in Brotscheibenform und ein Tuch mit orientalischem Muster. Die Kinder überreichen selbstgemalte Bilder mit Glückwünsche (der jüngere Bruder hat das Motiv des Älteren übernommen) und wollen dann als nächstes wissen, welches Geschenk sie auspacken dürfen von den 3 oder 4, die vorhanden sind. Jasmin ist sehr langmütig und sie packen alles zusammen aus und schauen es sich an.

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Wir fahren mit Marc zum Fußball nach Heisenberg. Ich nenne den Stadtteil – leicht falsch und in Anleihung an Breaking Bad.

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Die Kinder spielen Fußball im Käfig, weil die Erwachsenen ein Spiel mit Elfmeterschießen austragen und den Platz belegen. Ich finde, dass man so viel besser zuschauen kann. Wir haben Elmar, einen bunten Stoffelefanten, das Klassentier von Leander dabei und ich mache Fotos für den Tagebucheintrag und entwickele einen leichten Ehrgeiz. Stephan hat die tolle Idee das Bild zu machen: Elmar trifft andere Maskottchen am Spielfeldrand.

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Es gibt immer wieder Waffeln und Kaffee aus dem Becher. Ich mache die Fotos gerne mit mir und Elmar und dann Elmar alleine.

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Die Kinder sind noch sehr jung und zum Teil kämpfen sie mit Spielern aus der eigenen Mannschaft um den Ball oder der Torwart steht mit dem Ball hinter der Linie im Tor. Die Zuschauer, überwiegend Männer sind spaßfrei und man bekommt halt mit, wie viele in der Republik wohl ihren Samstag so verbringen. Wer hier 20,- € Standgebühr für einen Flohmarkt mit 2 Ständen und kaum Publikum bezahlt hat, wird sich ärgern.

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Als es vorbei ist fahren wir zum nächsten Vereinsheim, wo der große Bruder spielt gegen die gelbe Mannschaft von RWE- sie sind mit einem grünen Deichmann „D“ bestückt. Hier sind ehrgeizige Väter am Spielfeldrand, die sich richtig reinsteigern und ärgern. Das Vereinsheim und die Schilder…ohne Worte.

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Danach gibt es eine bunte Tüte und dann fahren wir zum Brückengrill und die Kinder essen Pommes und Curry-Wurst. Jasmin kommt vom Friseur. Stephan und ich drucken vorher Fotos bei DM aus und ich bin begeistert, wie gut das funktioniert. Stephan holt eine Pizza von La Tombola aus dem Pizza-Ofen. Sehr lecker und man spielt um die Bezahlung, d.h. wenn man eine 90 zieht, dann muss man nicht zahlen. Marc muss jetzt zum Tennis und wir wollten uns das Aldi-Süd Sortiment ansehen, bleiben aber lieber da und schonen die Kräfte. Jasmin nimmt zum Teil meine Klamotten u.a. das bodenlange schwarze Seidenkleid, was mich sehr freut und 2 Blazer, einen roten, alten und einen grauen, der mit Spitzen und einem Reissack verziert ist. Stephan schläft und ich schieße Tore mit Leander und lerne, wie die Spieler von 96 heißen. Der Torwart heißt wie ein Stürmer mit Künstlernamen, Zieler. Ich mache mich klein und gehe auf die Knie und sage Bambini F Mannschaft und schieße mit dem Knie. Leander kriegt sich nicht mehr ein vor Lachen. Jasmin räumt unermüdlich die Wohnung auf, spült und hat dabei beste Laune. Die Jungs kämpfen, wobei die Aggression immer von dem jüngeren Geschwister ausgeht und der Langmut von Valentin schon bewundernswert ist. Der Kleine springt ihn an und tritt nach ihm und will ständig kämpfen und tollen. Ich denke, dass wird mit einer Platzwunde enden. Es fließt aber kein Blut, nur ein Bilderrahmen geht zu Bruch und das war auch noch Stephan. Der Catering-Dienst bringt das Fingerfood auf vielen kleinen Teller und Schälchen und wir machen uns darüber her. Die Tochter der Schwester in der Pubertät habe ich das letzte Mal vor 8 Jahren gesehen. Ich kann sie gleich familiär zuordnen. Sie will Architektin werden und überlegt schon immer was man im Garten bauen kann für die Kaninchen. Eine Schmuckdesignerfreundin aus Hannover, die in Ida-Oberstein wohnt ist auch da. Die 7-jährige Tochter einer Essener Freundin hat Jasmin Haarschmuck gebastelt mit Draht und Nagellack. Sehr originell, der Nagellack wie Tauchlack eingesetzt. Der Mann und der große, aufgeregte Hund kommen später noch kurz vorbei. Jasmins Schwager ist in Wien um dort einen schlecht erzogenen Hund einer anderen Schwester bzw. von deren Familie abzuholen und das habe ich ehrlich gesagt schon im Juli gedacht, Wahnsinn, dieser rotzfreche Riesenwelpe, da werden sie noch Spaß mit haben. Ich trinke viel Sekt, zu viel vielleicht. Später unterhalte ich mich mit einer forschen Frau, die RWE-schwarz trägt und die ursprünglich aus Wolfsburg kommt und der Mann ist Richter am OLG und hat einen guten Humor, in der Woche bekommt er 2 Emails (wenn er 3 Wochen im Urlaub war und wiederkommt hat er 5 Emails im Postfach), Sitzungstag haben sie nur alle 3 Wochen, dafür geht er 3 mal die Woche mit dem Vorsitzenden Kaffee trinken, aber juristische Themen sind dabei tabu. Er schiebt eine ruhige Kugel und muss Überflieger sein und es sei nichts für Leute, die viel menschlichen Austausch benötigen. Er kann viel trinken und leert erst den Rotwein und steigt dann noch mal auf Bier um. Der Typ gefällt mir (die Frau beäugt mich misstrauisch). Unterm Strich geht es mir so geht wie Marc, unserem Trauzeugen, dass ich irgendwie denke, diese Leute sind nicht meine Kragenweite und ich glaube, ich würde hier nicht reinpassen. Wie die Eltern am Spielfeldrand mich anschauen, ist Valentin schon aufgefallen und wie Marc regt mich der Personenindividualverkehr auf. Die Innenstadt von Werden ist durchzogen von einer Autostraße auf der der Verkehr nie still steht und man hat als Fußgänger Schwierigkeiten über die Straße zu kommen. Marc regt sich über Porsche Cayenne Fahrer auf, die einen Grünen Aufkleber am Auto haben (Witz: Unterschied zum FDP-Wähler, die halten mit dem Porsche-Cayenne auf dem Weg in die Waldorfschule noch beim Öko-Bäcker) und die Theorien über Weltwirtschaft und keiner der Gäste versteht ihn. Wer auf einem endlichen Planeten an unendliches Wachstum glaubt ist entweder geisteskrank oder hat VWL studiert oder wie was das? Um 3 Uhr gehen wir ins Bett.

23.11. Ich schlafe gut und werde wach kurz bevor die Kinderstimmen ertönen. Leander kommt hoch und will, dass „Steffi“ wach wird. Dann will er mit uns kuscheln, wir überlegen ob Ice Age 3 oder schon 4 Teile hat und ein Faultier hat 2 Arme und 2 Beine und nicht 4 Füße, wie Leander uns weiß machen will und dann will er wissen, warum Stephans Zähne Gelb sind und ob wir uns auf den Mund küssen und das wird mit „iiiihh“ kommentiert und ob wir uns lieb haben. In der zweiten Runde holt er einen Schulranzen und macht Hausaufgaben. Ich finde, dass er die Aufgaben total gut versteht und löst. Es macht Spaß das zu begleiten. Er soll Namen mit verschiedenen Buchstaben eintragen und bei „N“ schreibt er Nils und fragt mich was da steht. Ich verstehe es erst nicht und denke, kann der schon schreiben aber noch nicht lesen. Dann sehe ich, dass man die Namen von Namensschildern auf einem Bild übertragen soll. Ich will nach unten gehen, damit wir weniger Lärm machen, aber Marc liegt angezogen auf dem Sofa und die Spuren der vergangenen Nacht sind ihm deutlich anzumerken. Wir gehen wieder hoch. Später legt sich Marc noch ins Bett und ich spiele mit Leander ein kleines Lego-Starwars-Spiel mit winzigen Figuren, einem Zauberer und den Bösen. Die Spielregeln und auch das Spiel selber sind schwachsinnig, aber er mag es und das ist ja die Hauptsache. Die Schmuckfreundin hilft beim Geschirr und reist dann ab. Jasmin bügelt die Business-Garderobe, Leander spielt mit ihrem neuen Rimova-Koffer und wir chillen alle zusammen. Tee, Kaffee, Nutella-Baguette, später Vanille-Kipferl und Pralinen. Sonst würden wir spazieren gehen, aber heute passt es nicht. Leander erklärt uns auch, dass er erschossen ist und heute sportfrei. Die Phase hält nicht lange an, dann ist wieder das Gegenteil gefordert. Leander interessiert sich für Lebensmittel und Kochen und hat die tollsten Attrappen, mit denen ich natürlich auch Fotos machen muss.

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Wir unterhalten uns mit Jasmin und später mit Marc, die Junges verabreden sich zum Spielen und Marc fährt uns zum Bahnhof. Beim Abschied denken wir darüber nach uns mal im Barreis zu treffen und wir finden die Idee total gut. Zusammen mit den Kindern da mal abzusteigen. Mit meinem Bruder geht es leider nicht, aber hier besteht Interesse und es würde gut passen. Jasmin wird um 10 vor 6 vom Fahrer abgeholt und fliegt dann nach London für die nächsten 3 Wochen und am Wochenende immer nach Hause. Sie wollen das erste Mal seit 15 Jahren Weihnachten bei sich Zuhause verbringen und nicht bei Marcs Schwiegerfamilie in Hannover und die Kinder finden es total gut und freuen sich sehr darauf. Ich muss unbedingt zu Weihnachten ein Paket schicken. Leander liebt die Vanillekipferl und dann noch ein weiteres kleines Starwars Würfelspiel, hier kann man nämlich anbauen. Für Valentin muss ich mir noch was Besonderes überlegen. Irgendwelche coolen Schuhe. Er ist markenbewusst und Marc nennt ihn materialistisch. Ich finde, er ist einfach der tollste große Bruder der Welt und ich liebe ihn sehr. Auch die lange Freundschaft zu den Eltern ist was Besonderes und mir sehr wichtig.

Das einzig Nervige am Zugfahren sind die Mitreisenden, die behaupten Sitzplätze wären belegt und der Fahrgast taucht aber nie auf die ganze Fahrt über und die sich beschweren, dass ich zu laut tippe. Ich bin wohl auch etwas dünnhäutig.

24.11. Geschlafen wie ein Stein.

Meine Betreute, die sich nicht meldet, macht schon wieder nicht auf. Hilfeplanung in meiner neuen Sache läuft super. Soll länger in der Klinik bleiben um ihn zu stabilisieren und sich auf ein anderes Präparat statt Diazepam einstellen zu lassen, nicht wieder Probleme verschieben in die Therapie für die das Krankenhaus zuständig ist und die vor allem in die Pflicht nehmen. Er versteht es nicht. Ich sage, die meinen es gut mit ihm und lasse die deutlichen Hinweise der Regionsärztin für die Klinik ins Protokoll aufnehmen. Wenn es so weit ist genügt ein Anruf. Lego-Laden hat zu. Probiere den indischen Imbiss. Ich habe Flecken auf dem Wollkleid, finde aber gut Gehäkeltes im Fairkaufhaus (Puppenponcho) für ein passendes Hütchen und das Kind aus Hamburg. So originell und nur 2,- €. Man muss auch gut kaufen können.

Nachmittags ein Betreuter den ich selten sehe. Wir müssen Deutschlandradio verklagen, die Idioten. Freitag gibt es Käsefondue in Zürich, wenn das keine guten Aussichten sind!? Ich schreibe meiner Schwägerin, die den Tisch organisiert hat: “Du bist super, wollte ich auch noch mal sagen und: lass uns in flüssigem, warmem Käse baden! (statt Jacuzzi)“.

Email-Fach so voll, dass man nicht löschen kann!? Wenn mein Kollege nicht so tolerant wäre, wäre es noch schlimmer. Ich bin immer eine richtige Zicke.

Abends eine Runde tanzen. Ich und die Choreo, das ist so eine Sache.

Oper in Nürnberg buchen am 19.12. Calixto inszeniert mit einem großen Chor. Das ist unwiderstehlich. Wir brauchen Sitter für Suki oder ein tolerantes Hotel. Da ist schon viel ausgebucht. Unser Hotel der letzten 2 Male, Victoria, geht leider nicht.

25.11. Die türkische Betreute kommt ohne Termin, will ein Reihenhaus in Langenhagen kaufen mit der Tochter, die Azubiene ist.

Ich beziehe mich in der Mietrechtssache meiner Betreuten, wo das Urteil gesprochen wird wenn wir in der Schweiz sind auf die neuste BGH-Rechtsprechung mit dem Brand in der Küche. Das durfte der Vermieter auch nicht als Schadensersatz geltend machen, sondern die Versicherung belangen. Hier gibt es Elektronikversicherung.

Auf dem Markt treffe ich Chico. In Lausanne gibt es diese ganzen Brockenhäuser, wie es gehört hat. Geheimprojekt Kalender mit viel Berner Sennenhund. Ja, wir müssen uns dieses Jahr noch sehen.

Mein Betreuter in der JVA Sehnde hat sich selber verletzt. Der JVA-Arzt hat auf mein Schreiben wegen der Substitution nicht reagiert. Ich schreibe das erste Mal dem Justizministerium.

Mittagessen mit den Kollegen. Mein Ex-Kollege ist sehr speziell und die jetzige Konstellation ist besser für mich.

Schlichtungsverfahren wegen Behandlungsfehler bei der Krankenkasse beantragen.

26.11. Schreibe meiner Studioinhaberin, dass meine Figur und der Umstand, dass ich Klamotten verschenken musste nur auf ihr Studio zurück zu führen ist, weil ich esse abends immer fettig und süß, Pizza und großes Eis von Joeys und nicht wie die Frauen in der Umkleide, die sich vornehmen heute nichts mehr zu essen. Wir verabreden uns in der Weihnachtspause des Studios zum Essen.

Zahnarzt, der Junge sieht gut aus. Meine Zahnärztin ist die Beste und heißt Vanessa mit Vornamen. Der alte Zahnarzt, der nicht mehr da ist war ihr Vater und ist im Ruhestand. Sie trägt rote Handschuhe und bringt alles wieder in Ordnung. Gleich darf ich essen.

Meine Betreute, die die Zählerstände seit Jahren nicht abliest kann mich nicht reinlassen. Wir sprechen durch die kleine Tür in der Tür. Bei Edeka hole ich Cappuccino-Haselnüsse. Der englische Laden hat leider noch nicht auf. Da gibt es Ingwer-Tee und Tempos mit Londonmotiven. Kaufe zwei Adventskalender für die Schweiz.

Sonst durchackern den ganzen Tag. Mein Betreuter ruft mich an, dass die Klinik ihn rausschmeißen will, weil die Kosten nicht übernommen werden. Er soll das mit seiner Betreuerin klären. Will Ärztin sprechen, fliege aus der Leitung, die Hutschnur war mir vorher schon geplatzt. Fax an die Klinik.

Meine bipolare Betreute kommt mit Mieterhöhung. Dann Erstgespräch ambulant betreutes Wohnen. Der Hund gefällt. Nachmittags kommt der Mann, der Steuern nachzahlen muss. Die Mietzahlungen haben 2 Monate nicht geklappt und er hat die fristlose Kündigung, hat aber schon nachgezahlt. Wie konnte das passieren? Einen neuen Nebenjob hat er auch, aber diesmal nicht wieder auf Lohnsteuerklasse VI.

Mein Kollege und ich steigen bei den Gelben Seiten aus. Die Drückerkolonne braucht kein Mensch. Die werden dann richtig sauer.

Abends Yoga, hatte Angst, dass ich Kaya nur noch 2 x habe, aber sie bleibt uns erhalten. Ich bin im Unterricht immer wie weggestrahlt, irgendwie wie Thaimassage. Neben mir der kleine Engländer. Irgendwie ist es eine gute Gruppe. Die neue Frisur der Lehrerin gefällt mir auch. Pagenschnitt mit kurzem Pony. Würde mir das auch stehen? Zuhause kochen und Backshow gucken. Die eine Frau erinnert mich an einer Frau aus meinem Strickkreis von früher gepaart mit einer Freundin aus Baden-Baden- von der einen mehr das Aussehen und von der anderen die Art. Ich habe ein neues Baby-Projekt und versuche anhand einer Youtube-Anleitung eine Jogginghose zu häkeln. Ob das was wird?

27.11. Muss wieder einen Vorbetreuer belangen, der Bockmist gemacht hat, sonst fehlen meinem Betreuten ein Monat Leistungen und Krankenversicherungsbeiträge. Die reagieren da immer sehr empfindlich darauf. Was denken die, dass es mir egal ist, wie viele Schulden der hat oder ich dann zulasten meines Betreuten auf Geld verzichte. Wir machen das doch beruflich.

Der Typ bei der Ausländerstelle sieht leider richtig gut aus. Spanienkarte hängt an der Wand. Die Arme sind tätowiert und er interessiert sich für Snowboards, aber davon ab sieht er aus wie der Mann, der zum spanischen König gekrönt wird nachdem er irgendein Land entdeckt hat. Problem nur, ich als Königin bin ca. 40 cm größer als er. Er gefällt mir trotzdem gut und ich frage mich, ob ich ihm mal sagen soll, dass er echt gut aussieht, nur so theoretisch, bin ja verheiratet und will nichts in der echten Welt von ihm. Außerdem der Altersunterschied und der Größenunterschied wirken wie eine Schutzbarriere und lassen die Komplimente wirklich plantonisch wirken. Ich gehe mit einer frischen Fiktionsbescheinigung wieder. Die Haselnüsse von Ültje waren der Hammer. Leider gibt es sie nicht beim Edeka auf der Limmer, aber Ingwertee im Beutel.

Der arbeitslose Schriftsteller treibt sich mit Einkaufstasche herum. Auf dem Wochenmarkt ist es immer, aber unter der Woche auf der Limmer. Laaangweilig.

Haushaltsnahe Dienstleitungen kann man als Mieter von der Steuer absetzen. Guter Tipp vor allem für die Zukunft.

Noch mehr Arbeit wegarbeiten. Anruf der Klinikärztin wegen meines Faxes. Es hat gewirkt. Sie soll mit mir Rücksprache nehmen und nicht meinem Betreuten unter Druck setzen und dann auf die Betreuerin verweisen.

Der Brief der JVA, dass ich keine angemessenen Umgangston habe ist wie eine Auszeichnung. Das werde ich aufs Klo hängen. Da steht:

Ärztliche Stellungnahme

Sehr geehrte Frau A.!

Ihr „Forderungs“schreiben vom 06. Nov.2014 hat mich sehr irritiert, da Ihre Wortwahl zum Teil nicht den allgemeinen Umgangsformen außerhalb einer Justizvollzugsanstalt entspricht….

Dann weiter die Bestätigung, dass mein Betreuter „leitliniengerecht“ substituiert wird und vor allem in seinem Einvernehmen.

Schreibe gleich zurück, dass es sich um eine Nichtantwort handelt. Ich will wissen, was er bekommt und in welcher Dosierung, außerdem höre ich von meinem Betreuten das Gegenteil und außerdem habe ich eh die vorgesetzte Behörde angeschrieben.

Meine Selbstmordbetreuer schrieb mich vorgestern an wegen einer Haushaltshilfe. Habe alles organisiert und nächsten Mittwoch ist Erstgespräch. Ja, ich mache schon was und das schätze meine Leute auch, dass ich mich einsetze.

Anruf auf Französisch auf dem Handy. Lege gleich auf, weil ich denke, Belästigung, unseriös. Noch mal die Nummer mit 41er Vorwahl. Ach so, das Restaurant aus Lausanne. Tischbestätigung für unseren Hochzeitstag.

Lernbehinderte Betreute kommt außer der Reihe um Geld zu holen, wie shoppen in der Stadt und Handy aufladen. Konnte dieses Jahr nicht bei der Volkshochschule dabei sein. War letztes Jahr echt cool, das Schattenspiel. Nächstes Jahr wieder.

Fragebogen zum Versorgungsausgleich für meine Betreute ausfüllen, die sich nicht meldet. Mein Kollege macht die Scheidung und es wäre fast zur Verhängung eines Zwangsgeldes gekommen. Er weiß doch, dass ich Betreuerin bin und das alles unterschreiben kann. Das macht mir dann mehr Arbeit. Jetzt heißt es: so gut es eben geht und improvisieren bei den Antworten.

Dann zur Bank. Betreute hat Konto neu eröffnet und ich will es freischalten lassen. Ich will nur zu Frau Meier und nicht zu dem unfähigen Typ, der Teamleiter ist. Nein, dann warte ich lieber. Das muss ihm doch auch was sagen, wenn es so läuft. Heute in einem Monat läuft mein Perso ab. Muss wohl Foto machen, aber wenn das Hautbild einigermaßen aussieht und Hütchen muss wohl runter dafür.

Mein Bruder will sich einen Adams Family Flipper kaufen. Das muss unterstützt werden. Spielgeld

28.11. Morgens Ausländerstelle. Grenzübertrittsbescheinigung statt Duldung soll mir verpasst werden. So ist es doch immer, dass die sich nicht an das halten, was sie einem vorher mündlich gesagt habe. Das klingt unfreundlich und ist will es nicht und schon nicht 15 oder 30,- € zahlen für was, was ich nicht wollte. Gebe meine Anträge, die ich vorbereitet hatte, ab. Dann sollen sie erst mal darüber entscheiden. Ich gehe unverrichteter Dinge und informiere meinen Betreuten, dass ich leider nichts mitbringen konnte von der Jagd, wir zum Amtsarzt müssen, aber er erst Mal nicht abgeschoben wird. Ich sage ihm, Ausgang ungewiss. Das war der Tipp der Facharztes, bloß nichts versprechen und so tun als sei irgendwas sicher.

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Passfoto mit Hütchen. Ohne sehe ich noch mehr verkleidet aus. Irgendwie sagt mir der Automat, dass das Foto nicht taugt. Mal sehen, ob das klappt.

Jetzt ist erst mal Schweiz- und Hochzeitsreise angesagt.

Mit dem Therapiehund auf Reisen

05.09. Nach dem Aufwachen messe ich 37,9. Stephan will alles absagen. Ich muss ihn überzeugen, dass meine Energie ganz gut ist. Es sind dann nach etwas Aktivität nur noch 37,2. Steffi bringt Suki vorbei. Sie zeigt mir die Reisetasche. Den Hundenapf gebe ich ihr wieder mit. Wir wollen eine große Runde mit dem Hund drehen. Erst zum Lindener Markt, weil ich vergessen habe meine neue Errungenschaft, den AB, anzumachen. Der Hund läuft an der Leine am Fahrrad. Auf einmal löst er sich. Ich bin zu doof und habe sie an dem kleinen Ring mit der Handynummer von Steffi festgemacht, der nachgegeben hat. Ich drücke ihn wieder zusammen und wähle einen dicken Metallring vom Hundehalsband. Den Rest will ich später richten oder soll ich die Plakette gleich abmachen? Wir fahren zur Ihme und dann weiter zu Wasserkunst. Es ist ein goldener Herbstmorgen und die Sonne lässt alles erstrahlen. Wir treffen die Tochter von Feinbein mit Kinderwagen und Hund unterwegs. Stephan muss lachen, wie Suki immer wieder plötzlich abbremst aus dem vollem Rennmodus, wenn er was schnüffeln will und der Hintern fast den Kopf überholt. Ein Mann kommt uns entgegen, der seinen kleinen Hund in einer kleinen Babykutsche hinter sich her zieht. Wir müssen alle schmunzeln bzw. drehen uns anerkennend um. Ohhh, der hat eine Kutsche. Doch kein Kaffee, lieber nur Gassi. Zuhause lasse ich Suki alleine in die Tasche springen und dann gibt es Lob und Belohnung. Schon in der Bahn darf er üben. Er sitzt darin. Natürlich wollen alle in seiner Nähe sitzen, auch wenn sie Krücken dabei haben und es noch so umständlich ist. So wie die Schaffnerinnen sich nach ihm verzehren, werden sie wohl Milde walten lassen. Man rät uns zum hinteren Zugteil. An einem Vierertisch finden wir Platz. Erst mal sortieren. Dann lasse ich ihn reinspringen und Platz machen. Die Frau gegenüber will mir Tipps geben, wie er doch gegenüber auf dem freien Platz liegen kann. Ich kenne aber meinen Suki und er mag keine Trennung von den Bezugsmenschen, außerdem soll er jetzt eine Runde da drin bleiben, das Teil ist weit gespreizt und ich sitze auch nicht so bequem. Diese Tierhelfer immer. Der Hund war ausreichend draußen, alles ist gut. Ich kann das als Hundemutti selber beurteilen. Der Hund muss es üben, auch für künftige Reisen. Das alles denke ich nur und behalte es für mich.

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Die Frau strickt und schaut alle ausländischen Männer an indem sie deutlich die Augenbrauen hoch schnellen lässt. Unter diesen Umständen verzichte ich auf mein Strickzeug. In Würzburg steigen wir um in einen Regionalexpress. Ein Mann um die Mitte 59 kommt rein, der eine deutliche Neuropathie in den Beinen hat. Alle halten ihn für einen Alkoholiker. Ich habe eine andere Theorie, vor allem nachdem er ein Regenbogenarmreif aus Gummi trägt und seinem Telefongegenüber erklärt, dass er gerade noch mit seiner Mutter in der Stadt war. Er wechselt seine orthopädischen Schuhe kurz vor Bamberg. Wir fahren vorbei an den herrlichsten Blaukrautfeldern, die ich je gesehen habe, richtig dicke Köpfe, die fast schon zu groß aussehen. Ich muss an das abgeerntete Rosenkohlfeld in Cali denken, wo einzelne Schößlinge stehen geblieben sind und dann so groß wurden wie ein Blumenkohl. Auch toll sind die verwelkten und schwarzen Sonnenblumen. Leider kann ich nicht fotografieren, weil die Scheibe so dreckig ist. Ich will nachher mit meinen Eltern, wenn wir mit dem Volvo unterwegs sind an so einem Feld halten für Fotos. In Bamberg steigen wir noch mal um. Der Zug ist voll und ich nehme einen Stehplatz. Die Frau ob der Hund nicht 40,- € kosten würde. Ich sage, nein, weil er kommt gleich in eine Tasche. „Und da bleibt er drin“. „Ja, wenn Sie ihn nicht ablenken“. Sie hatte selber mal zahlen müssen und findet das unverschämt, d.h. sie wollte vermeintlich nur nett sein. Mich nervt die Alte und sie will ständig von uns wissen, ob sie im richtigen Zugteil sitzt. Keine Ahnung, aber dafür spricht, dass es so angezeigt wird mit Leuchtschrift. Auch die Schaffnerin muss sich anhören, wie ihre Verbindung falsch ausgedruckt worden sei, dabei ist kein Fehler zu entdecken. Die Alte ist einfach neurotisch. Ein Vater mit Bart unterhält das ganze, offene Abteil mit einem Ratespiel für Kinder. Wie heißt der Vorgänger der 10? Wie nennt man Messer und Gabel zusammen? Die Kinder scheitern an der Frage nach einem weichen Eis aus einer Maschine. Ich melde mich, aber das sieht keiner außer Stephan, der mir erklärt, dass ich hoch springen müsse. Zig mal wurde ihnen vom Vater erklärt, dass man hochspringen müsse um sich zu melden, weil sonst verschenke man den Punkt an den Mitspieler. In Lichtenfels ein letztes Mal umsteigen. Ich setze mich einfach irgendwo hin, da wir nur 8 Minuten fahren müssen. Die Kinderhorde von eben kommt reingelärmt um mich aufzuklären, dass sei die Kinderecke und nur für Kinder. Die Mutter sagt irgendwann, dass die Frau auch sitzen bleiben können. „Die Frau will aber gar nicht mehr“ sage ich voll genervt und nehme Hund und Kegel mit. Alle steigen wieder aus um andere im nächsten Zugteil zu vertreiben und zu unterhalten. Ich bin recht genervt bei der Ankunft. Suki kackt erst mal. Stephan will zu dem Bratwurststand an dem wir seit Jahrzehnten vorbeifahren, weil der Weihnachten immer zu hat. Coburger Bratwürste werden angeboten. Der Mann ist urig und hat wohl ein leckeres Bier. Paps erbettelt sich einen Schnitt, das ist ein halbes. Das gibt es normalerweise nur, wenn einer schon 3 oder 4 hatte, erklärt uns das Mann. Er hat gerade die Handwerker da, die ihm in seinen Wintergarten die Plastikfolie durch Scheiben ersetzen. Wir setzen uns in den Biergarten auf dem Parkplatz und ich esse mit Kraut und Stephan im Brötchen. Es ist lecker, gerade das Brötchen, aber auch die Wurst. Meine Mutter besorgt Wasser für Suki. Wir fahren zu Regens-Wagner. Auf dem Marktplatz ist Fest. Wir parken im Schatten und lassen zwei Fenster einen Spalt offen und gehen erst mal in die neue Gruppe. Im Wintergarten ist die Kaffeetafel für uns gedeckt. Es gibt selbstgebackenen Kuchen. Ich trinke Kräutertee. Der rohe, misslungene Kuchen ist nicht so gut für mich. Der Ausblick in die fränkische Landschaft ist herrlich. Ich lerne die Mitbewohner kennen. Manfred sollte ich von Johannes, meinem Bruder grüßen. Manfred hat eine Hundesammlung in einer Glasvitrine im Flur. Eine andere Bewohnerin ist schon 78 und sieht total gut aus für das Alter. Sie setzt sich auf das Sofa und wirkt zufrieden. Meine Schwester hat es gut hier. Man mag sie und jeder hat mal seinen Tag und heute ist sie dran wird mir plausibel erklärt. Wir gehen runter in den Garten mit den Leckerlis, die sie für Steffis Therapiehund besorgt haben und uns mitgeben. Wir holen den Trumpf aus dem Auto und leinen ihn ab. Er geht sofort auf in seiner Rolle nur in den Leckerlis ist eine Droge drin. Da vergisst er sich ganz und schnappt auch zu doll. Arnhild zeigt Steffi, wie man mit der flachen Hand füttert. Zwei andere Bewohnerinnen auf der Schaukel freuen sich auch über den süßen Hund. Überall geht es hin und verbreitet Freude.

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Dann merke ich, dass wir das Blechschild mit der Nummer verloren haben. Ich wollte den Ring austauschen in Bayreuth. Ich hätte es gleich abmachen sollen. Wie doof, er war doch eigentlich kaum draußen und so was sollte auf keinen Fall passieren, dass er ausgerechnet auf der Reise mit uns seine Nummer nicht um hat für den Fall des Falles. Ersatz muss her. Wir gehen durchs Heim in den Garten dahinten mit Obstwiesen und Pferden. Suki geht auf allen Untergründen souverän und geht über Gitterstege und überall mit. Er ist immer ruhig und zurückhaltend, auch gegenüber den Pferden. Der Schwanz ist in allen Situationen unten.

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Für die Datev-Werbung muss er auch ran.

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Steffi wird launisch und müde und wir anderen wohl auch. Wir gehen zurück in die Gruppe mit Hund. Hier läuft er zu Höchstform auf. Alle freuen sich und alle dürfen ihn anfassen. Zu der Dienstältesten springt er auf Sofa und leckt ihr den Arm. Sie strahlt und freut sich. Manfred, ausgerechnet der Mann mit der Hundesammlung, hat etwas Angst vor Hunden und ich zeige ihm, dass er vor Suki keine Angst haben muss. Wenn ich ihn parallel anfasse, bleibt er an Ort und Stelle und lässt sich ohnehin alles gefallen. Wir schauen uns Steffis Zimmer an. Zwei meiner gebastelten Kalender hängen da. Ich muss den aktuellen von August auf September aktualisieren. Wir verabschieden uns und sitzen alle etwas müde im Auto. Man könnte zu einem See fahren. Der verkauft der Mann vom Würstchenstand sein leckeres Bier. Wir sind alle für nach Hause. Der automatische Verkehrsfunk, der immer angeht und mich erschreckt meldet irgendwo weit weg südlich von Frankfurt einen Geisterfahrer, der einem in beiden Richtungen entgegen kommen kann. Der Sprecher will sich wieder melden, wenn er sich erledigt hat. Der der nächsten Ansage hat er eine Formulierungshilfe von den Kollegen bekommen und will sich wieder melden, wenn die Meldung sich erledigt hat. Zuhause gibt es Kaffee im Garten und wir machen die Räder fertig und fahren alle zusammen zum Flohmarkt, der nur zwei mal im Jahr stattfindet und heute länger geöffnet hat. Der neue Radweg für die Bundes- oder Landesgartenschau führt durch Felder und der Hund flitzt neben uns. Ich bin selber sehr umsichtig, aber meine Eltern noch nervöser, dass unserem Schatz nichts passiert. 500 Meter vor der Straße stellen wir die Räder ab und ich leine ihn an. Wir laufen über den staubigen Volksfestplatz und ich kaufe eine Tüte Filz und ein Frühstücksbrett in Brotscheibenform aus den 50ern sowie ein paar andere Kleinigkeiten, die ich zwischen den Kinderleichen und dem Teufel finde.

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Man baut schon ab, weil Samstag geht es um 6 Uhr morgens weiter. Man müsse sich schon entscheiden ob man Nachtflohmarkt macht oder normal. Beides stehen die Aussteller nicht durch bemerke ich an einem der Stände. Hier kaufe ich 3 Armreife für 1,- €. Einen für den Preis halte ich für Wucher, aber es waren alle drei gemeint. Auf dem Rückweg bremst Suki manchmal unvermittelt ab, weil sie schaut, wo ich oder wir sind. Er kommt mir auch übermüdet vor. Das sind die gefährlichen Situationen. Der Hund ist sehr umsichtig und man müsste das rechts neben dem Fahrrad laufen noch besser üben, sonst bin ich das größte Risiko für ihn und nicht die Autos. Für heute reicht es. Zuhause gibt es Waldpilze, die Paps frisch gesammelt hat mit Pasta und wir gehen früh ins Bett. Alle sind müde. Ich schlafe schlecht wegen der späten Espressos. Wann werde ich das je lernen? Suki schläft bei uns im Zimmer. Der Chef geht die letzte Runde um den Block. Ich liege im Bett und Paps hat eine neue Funkuhr über meinem Kopf installiert. Tock und dann warten aufs nächste Tock. das halte ich nicht aus, gehe hoch und frage, ob ich das Ding von Netz nehmen darf. Ich verfolge das Kabel, er führt in eine kleine Station mit Elektronik. ich ziehe irgendwelche kleinen Stecker, ein Licht geht aus, ich lege mich wieder hin und dann „tock“. Noch mal Licht an und besser gucken nach dem Kabel. Dort greife ich in Spinnweben und eine Riesenspinne ist direkt neben dem Bett postiert. Ich ziehe das andere dünne Kabel und das Licht geht aus. Ich lege mich frustriert wieder hin. Sehnsüchtig erwarte ich Stephan zurück von der Gassirunde und er entdeckt das weiße Kabel auf der anderen Seite der Elektronik. Am nächsten Tag lachen wir uns kaputt über meine Technikbehinderung und das alte Thema Spinnen und meiner Hysterie. Ich sage laute Funkuhr am Kopfende und Riesenspinne unterm Bett. Da hätten sie sich lieber das Betten neu einbeziehen schenken sollen. Ich hatte beim zweiten Anblick der Stephan, die das Kabel entlang gelaufen war Richtung Steckdose laut geschrien und Stephan in die Schulter gekniffen aus Reflex.

06.09. Ich werde zu früh wach und rede kurz mit Stephan. Der schläft und Suki und ich gehen eine Runde hoch. Meine Eltern schmusen mit dem Hund und mögen ihn sehr. Ich filze eine Travemündebrosche, d.h. eine Brosche mit einem 50er Jahre Kreuzfahrtschiff auf dem Travemünde steht (von Heike) und nähe noch Perlen daran, die die Wellen ergeben. Die Wolken bleiben unscharf und filzig. Meiner Mama ist es zu groß. Es gibt Frühstück. Ich fahre nicht mit in die Stadt, sondern gebe Stephan eine Einkaufsliste mit. Ich schaue mit Mama alte selbstgemalte Kinderbilder von mir durch 1972 und 1973. Sie hat fast immer hinten ein Datum drauf geschrieben sowie eine Erklärung was es sein soll („Schneemann der sich mit Sonnenschirm vor der Sonne schützt, damit er nicht schmilzt“ und so was). Dabei ist auch eine alte Zeitung Urach (das liegt bei Stuttgart) Jahrgang 1914, die ich zerschneide, obwohl noch ein wichtiger Artikel über einen Verwandten enthalten war. Stephan und ich freuen uns über den dämlichen Artikel über die Mini-Wagners die abgesägt werden. Der Künstler versteht es nicht, dass man das Risiko eingeht erwischt zu werden, damit könne man die auch kaufen, seine Kunst sei erschwinglich. In einer anderen Stadt sind die Mini-Karl-Marx auch geklaut worden. Wir sind der Meinung, dass die Leute sich von dem Kitsch-Müll befreien wollen, was denn sonst. In abgesägt findet Stephan sei es nun Kunst. Außerdem hat sich eine fränkische Kick-Box-Meisterin offenbar für den Playboy ausgezogen. Seitenweise freuen sich die Landsleute. Stephan geht mit Suki down town Bayreuth. Sie besuchen Luis, den Mops-französische Bulldogge-Mischling, der heute Morgen schon zum Tierarzt müsste. Wir erwarten die Ankunft der Schweizer. Ich bastele mich Papsi ein neuen Alu-Anhänger für Suki. Mein Paps ist gut ausgestattet und hat Alu-Blech und eine Säge und zuerst mache ich die Schrift mit einer Beschriftungsmaschine zum Aufkleben, dann schreibe ich Freestyle. Das sieht viel kultiger aus und da ich so viel Platz habe, schreibe ich auf die Rückseite seinen Namen. Ich wollte ursprünglich drauf schreiben: „bitte füttern“.

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Die Schweizer kommen und es gibt ein spätes Mittagessen und gleich Kaffee hinterher. Der neuste Geniebackstreich meiner Mutter heißt Rugele. Die sehen aus wie kleine Croissants für die Puppenstube, die man mühevoll in stundenlanger Arbeit gerollt hat und schmecken köstlich nach Haselnuß. Angeblich sind sie einfach zu machen….Als Stephan mit dem Hund kommt, ist die Freude groß. Vor allem mein Bruder ist auch verknallt in das Tierchen. Er hat die Schweizer Ware in einer Kühltruhe dabei.

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Irgendwann dreht der Hund zu sehr auf und wufft wie Schluckauf. Wie ein übermüdetes Kind. Stephan schickt ihn auf sein Körbchen unten den Tisch und übt eine Weile dort bleiben.

Johannes erzählt von der Borderline-Patientin, die immer Sachen schluckt, die er ihr entfernen muss, ein Brillenglas, Nägel, Nadeln und jetzt ein Feuerzeug. Wie teuer das ist, wird eingewandt, ja, aber auch prima für Schulungszwecke ist meine Meinung.

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Ich zeige den Kindern den Plastikschädel und das Trockenfilzen.

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Wir hängen ab im Garten. Ich liebe die Eichen. Früher waren die Bäume lächerlich klein und jetzt stören sie die Nachbarn.

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Wir wollen Suki mitnehmen auf die Feier. Stephan und ich fahren zum Hotel mit den Rädern. Da müssen wir schieben an einer Straße ohne Rad- oder Fußgängerweg. Dass es so was noch gibt und das in der Festspielstadt. Wir treffen unterwegs einen anderen Gast, der auch auf die Feier will und eine Blumenselbstpflückanlage muss für ein Fotoshooting her halten. Hier ist für den Notfall auch ein Tierarzt zu finden (wir hatten uns alle gefragt, wo einer im Notfall zu finden wäre).

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Eine große Gruppe steht auf dem Parkplatz und es gibt Sekt. Dann einen kräftigen Regenschauer und alle retten sich unter zwei Plastikdächer. Erste spontane Gespräche. Mein Cousin zigsten Grades, Klaus feiert seinen fünfzigsten. Seine Frau kommt aus Indonesien und hat eine Ballettschule in Regensburg. Neben mir unten dem Plastikdach steht ein Mann aus Indonesien, der auch in Regenburg wohnt. Schlagzeuger ist sein Traumberuf verrät er mir und die Kinder lernen Instrumente, dürfen aber nur eine Stunde am Tag üben, laut Hausordnung. Stephan und ich werden durch den Regen getrennt. Bei ihm liegt ein toter Vogel auf dem Dach.

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Eigentlich sollen die Gäste in die Eremitage laufen, aber es regnet immer wieder und der Spaziergang fällt aus. Frederik wollte Suki führen, stattdessen fahren wir Fahrrad und werden nass, stellen uns unter, werden von der Gruppe der tapferen Fußgänger eingeholt.

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Es gibt eine Führung und ich lerne neue Seiten an der Eremitage kennen. Einen Barockgarten und eine Gracht. Den goldenen Reiter sieht man in der Ferne über den Baumwipfeln. Diese Perspektive ist mir ganz neu, dabei wohnen meine Eltern nur 2 km Luftlinie entfernt, aber Fan dieser Anlage bin ich erst so richtig mit dem Alter geworden.

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Zu den harten Jungs gehören Rocker aus Berlin. Sie kennen Klaus seit 1984. Das sei länger als manche Ehe. Jedes Jahr treffen sie sich, auch wenn die Konfirmation der Tochter verschoben werden muss. Es sind offenbar auch Angler unter ihnen die erkennen, dass es sich bei den beiden toten Fischen um Hechte handelt. Ich sage den Berlinerjungs als wir bei der Apollo-Figur sind, dass dies das Brandenburger Tor von Bayreuth sei und sie bitte ihre Kameras zücken sollten. Frederik will mit Suki und der sperrt sich aber und will bei uns bleiben. An der Leine zieht er zurück und ohne konnte er noch nie so perfekt bei Fuß gehen. Er verschwindet praktisch zwischen unseren Beinen. Das finde ich interessant, weil ich ihn so eingeschätzt hätte, dass er mit jedem mitgeht. Offenbar lässt er sich nicht so gerne von Kindern führen. Meiner Mutter folgt er später anstandslos.

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Zu essen gibt es eine Mischung aus fränkischer Küche und asiatisch, d.h. Schäufele und Kloß und gebratene Nudeln. Dazu sehr leckere Salate. Ich bleibe sitzen mit Suki und Stephan holt vom Büffet. Die Bedienung erkennt mich wieder vom Familienfest meiner Eltern. Da hatte ich ja auch genug geredet durch die Vorstellung aller Gäste, wer könnte das vergessen….. Klaus wünscht sich in seiner Begrüßungsansprache, dass die Gruppen, die mit verschieden farbigen Post-it gekennzeichnet sind in Bayreuther Freunde, Regensburger Freunde, Freunde aus ganz Deutschland, Arbeitskollegen, Familie usw. sich mischen sollen. Ich nehme den Wunsch ernst und spreche Fremde an. Es macht Spaß und ich spreche zuerst einen gut aussehenden Sohn des Neffen an (Vater ist aus Indonesien und Bruder der Frau des Gastgebers), der mit seiner Freundin in Nürnberg wohnt. Wir sind Fans der Stadt, sage ich ihm gleich und der Lebkuchen und die Würstchen. Es gibt allerdings zwei Highlights an diesem Abend. Zum einen eine mir bis dato unbekannte Tante, die gerade ein Buch geschrieben hat. Sie und ihr total sympathischer Mann wohnen in Italien, im Friaul in einem Haus mit Fledermäusen unterm Dach. Wir sprechen über das Familienerbe und warum wir uns bisher nicht begegnet sind bzw. ich bei der letzten Begegnung erst 1 Meter hoch war und mich nicht erinnern kann. Ich will die Gelegenheit nutzen, weil ich nicht weiß, ob sich das noch mal ergeben wird. Sie ist eine sehr interessante Frau, die echt was zu erzählen hat und alle möglichen Berufe in ihrem Leben ausgeübt hat. Der zweite Highlight ist Holly, ein Mädchen aus der 6ten Klasse, die sich total selbstbewusst zu mir setzt und mir an den Lippen hängt. Sie kommt aus Plauen und die Oma wohnt nebenan und hat einen Neufundländer vertraut sie mir an. Die Mutter, eine sehr gut aussehende und humorvolle Frau ist Gynäkologin. Das ist ihr peinlich, wie sie mir sagt und ich, warum, das sei doch ein cooler Beruf. Was mache sie denn Geburtshilfe oder nur Muschis gucken, will ich von Holly wissen. Sie lacht sich tot und sagt, viel Ultraschall. Ich frage, ob sie bei ihrer Geburt auch schon Expertin gewesen sei und deute pantomimisch an, selber den Bauch schallen und das dann im Fernsehen angucken. Ich kenne es, dass Männer einen anhimmeln, aber der verliebte Blick eines Mädchens ist was ganz besonderes stelle ich heute Abend fest, als der Vater sagt, dass sie sich von mir verabschieden muss. Da Holly gut mit Hunden kann und weiß welche Lockgeräusche man machen muss, habe ich Suki ihr und Frederik mehrfach mitgegeben. Ich fand die beiden Kinder auch süß zusammen. Frederik neigt eher zu den Mädchen, denn Jungs in seinem Alter sind auch unter den Gästen vorhanden. Irgendwann komme ich auf die Idee den Hund ins Auto zu packen. Das ist für alle gut. Was für eine lockere Feier und die 130 Gäste hätten mir wochenlang für neue Gespräche getaugt. Nachts fahren wir auf Rädern durch die herrliche Eremitage und der Mond steht am Himmel.

07.09. Wieder zu wenig geschlafen. 2 Uhr ins Bett und um 6 schon hellwach. Außer mir keiner. Schreibe meiner Mutter eine Dankeskarte für ihren liebevollen Einsatz bei mir. Wie wichtig das für das ganze Leben ist, wenn man so geliebt und so viel angefasst wurde als Kind. Das kann man gar nicht aufwiegen. Dann werden meine Eltern wach und wir kuscheln zusammen auf dem Sofa, der Hund quetscht sich dazwischen auf Windhundart und legt seinen Kopf auf unsere Beine. Das schönste Motiv bleibt ohne Abbildung. Vor allem das Gefühl war so herrlich, wie Suki sich mit dem kleinsten Dreieck zufrieden gibt bzw. bewusst dieses wählt und so alle miteinander zu einem Kuschelknäuel verbindet. Nach dem Frühstück kommt mein Bruder auf die gute Idee meine Eltern beim Möbel rücken zu helfen, weil die Parkettschleifer und Maler waren da. Guter Junge. Mein Bruder interessiert sich für die Uhr, die eines Tages bei ihm stehen wird (so hoffe ich es, weil dieses Stück in der Familie bleiben soll und alle die wir nicht stellen gehen an unseren Halbbruder von der Uni). Die Bilder sehen aus wie für ein extremes Nischenblatt. Schwulenmagazin, ja der Altersunterschied ist durchaus verbreitet und dann aber auch welche, die zugleich auf alte Uhren stehen.

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Heute sollen die Kinder bessere Karten bei Suki haben. Ich erkläre ihm quasi, stell Dich gut mit Frederik, sonst ist keiner da, der mit Dir Gassi gehen kann und es klappt besser. Nach 2 Runden machen wir eine Pause, d.h. ich sage, jetzt ist genug. Ich erkläre Frederik, dass ich den Hund nicht vor ihm wegnehmen will, sondern ich will, dass der Hund auf ihn abfährt und sie beste Freunde werden und dazu will ich verhindern, dass der Hund durch Übertreibung eine negative Erfahrung macht und dann die Schnauze voll hat von ihm oder von Kindern allgemein. Ich glaube das war wichtig ihm das noch mal zu sagen und er hat es verstanden. Die Kinder wollen zurück in die Schweiz, weil sie noch Sachen zu erledigen haben, Schulsachen packen, spielen. Da heißt es Abschied nehmen. „Tschüss Samtpfötchen“, sagt Katalin aus dem Auto heraus. Danach gehen die Dagebliebenen noch eine Runde spazieren und treffen den Nachbarn, der meinem Paps die Pilzsammelstellen zeigt. Ob ich ihm nicht die Hand geben, will fragt der Nachbar, der mich aus Jugendtagen kennt. Ob er Witze machen würde, ich mache einen Knicks vor ihm, er ist der Pilzgott, ist meine Antwort. Wir sitzen auf einer Bank in der Sonne an der Mühle. Ich versuche es mit Stöckchenspielen und Suki versucht es mit kneipen.

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Ich glaube, dass er gerne mal Zerrspiele machen würde und werde ihm was dafür basteln. Küchenhandtücher habe ich ja ausgemustert und kann daraus eine schöne Voodoo Puppe basteln. Als wir das Grundstück meiner Eltern wieder erreichen, bellt der Hund. Alles klar, das gehört jetzt ihm. Die Perserteppiche stehen ihm aber auch gut!

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Die Friedhofspflanze von unserem Friedhof, St. Johannis. Ich hatte sie Weihnachten vergessen, aber auf meine Mama ist Verlass. Sie reist jetzt mit nach Hannover.

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Der Rückweg im Zug ist weniger stressig, weil wir nur einmal umsteigen müssen. Der Hund pennt. Wenn wir durch den Zug laufen, will er kaum mit und ich muss ihn richtig mitziehen. Immer umdrehen und schauen, wo Stephan bleibt und dass der Chef auch mitkommt. Das Rudel soll zusammen bleiben.

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Zuhause bellt er unten an unserer Haustür. Ich habe seine Sprache langsam verstanden. War schön mal wieder als Rudel unterwegs zu sein und der Hund war super für die Behindertengruppe meiner Schwester. Das wäre eine Aufgabe, den ihn auslasten würde und er wäre perfekt dafür geeignet und würde darin aufgehen. Vielleicht ein andermal. Meine ganze Familie ist verknallt, wie wir auch.

Wandern mit Handtasche

18.08. Die Telefonanlage ist tot im Büro. Erst denke ich, nur mein Gerät, Stecker raus, habe die neue Putzkraft im Verdacht. Unter dem Apparat Dreck und Staub, die Telefongeräusche aus dem Flur kamen von einem mobilen Gerät. Das Ausmaß des Ausfalls wird nach und nach klar. Den Büro-Ordner beim Kollegen suchen, Anrufe bei der Telekom, Geschäftskundenservice, Leitungen messen. Beim dritten Anruf höre ich den Ausdruck „8-Stunden-Vertrag“. Ab 9:20 (Meldung des Problems) müssen sie es innerhalb dieser Frist behoben haben bzw. einen Fehler ihrerseits ausgeschlossen haben. Telefoniere auf dem Handy. Herr Ihme war absprachefähiger, dafür hat er Cannabis auf Station gebracht und auf der Toilette gekifft und hat dafür 3 Tage Ausgangssperre. Die Stationsärztin wertet es als Erfolg und durch die höhere Dosierung sei der Wahn in den Hintergrund getreten. Entlassung voraussichtlich nächsten Montag. Mein deutsch-russischer Alkoholiker ist weder Freitag zu der Vorbesprechung mit der Oberärztin noch Montag zu der an dem Tag beginnenden ambulanten Arbeitstherapie erschienen. Ich scheiße ihn zusammen. Angeblich hat er keinen erreicht zum Absagen und die Krankenkasse übernimmt die Fahrtkosten nicht. Ich engagiere mich da auch nicht, wenn er es noch nicht einmal für notwendig erachtet mir Bescheid zu sagen und ich ihm hinterher telefonieren muss, dann will er wohl nicht und weiter Alkoholiker bleiben.

Mittagstisch mit meinem Mann gegenüber. Hilfeplanung, die nette junge korpulente Frau aus Hameln ist da. Ich muss immer wieder raus. Der Techniker der Telekom misst die Leitungen mit einem Gerät was ausschaut wie das Teil mit dem der Schaffner ICE-Fahrkarten im Zug ausdrucken kann. Er geht nach 15 Minuten unverrichteter Dinge und will einem Anlagentechniker Bescheid sagen. Ich kann nicht faxen und muss mindestens noch 10 Faxe verschicken vor der Reise. Außerdem wenn die Anlage kaputt ist nach 6 Jahren wird das richtig teuer.

Ein Typ der Herrn Yoga 2.000,- € schuldet und den ich angeschrieben habe, will mich unbedingt sprechen und kommt immer wieder vorbei. Zuletzt wimmel ich ihn über die Gegensprechanlage ab. Ich habe heute keine Zeit (will zum Yoga). Er hatte zuvor einen Brief abgegeben und schreibt, dass er zurückgezahlt habe, aber keinen Nachweis dafür hat. Herr Yoga hat seine Frau bedroht. Er hat Angst, dass ich das gerichtliche Mahnverfahren einleite. Ich sage, dass ich mich nächste Woche bei ihm melde. Er ist 1 Woche im Ausland und hat so Angst wegen meiner Frist. Ich schreibe Herrn Yoga, wer eine Zahnbehandlung über 15.000,- € in Auftrag geben kann (es sind wohl insgesamt über 45.000,- ), kann auch selber den Zahnarzt fragen, warum die Kosten vom Kostenvorschlag abweichen. Ich sei nicht seine Privatsekretärin. Darauf reagiert er leicht beleidigt, aber irgendwie muss ich den wegbeißen.

Ich werde von Stephan gefragt nach Kaffee trinken in der Sonne. Es hat sich Überraschungsbesuch angemeldet, die von der Küste auf dem Rückweg nach Wien sind. Nein, geht nicht. Ich will zu Yoga. Fahre äußerst schlecht gelaunt an ihnen vorbei. Sie sitzen bei Künne in der Sonne mit Stephan.

Kaya erzählt von den anstehenden Studio-Feier, die wie Herbst- statt Sommerferien seien und dass wir heute Kuschelyoga machen würden.

Essen im 11 A, wie immer. Sie waren nicht in Wien beim Grunaer am Freitag, weil sie es vergessen hatten und da auch zu viele Leute waren. Lieber in Hannover treffen, wo sie uns für sich haben. Essensgeschenke aus Wien. Marillenprodukte und einen trachtigen Gürtel mit Herzchen, grau. Das Leder ist schön weich und irgendwie steht er mir.

19.08. Werde früh wach und fliehe aus der Wohnung ins Büro. Wenn Besucher da sind, kann ich mich nicht rühren und dann trinke ich hier Kaffee um 8 Uhr. Fahre zur Ausländerstelle und die Frau mit der ich den Termin habe ist nicht da und hat mich vergessen. Der Kollege muss ran. Er geht viel in die Mucki-Bude. Anschließend MHH, Oberarztvisite in großer Runde, weiße Tischdecke, zwei Ärzte, Bezugspfleger. Meiner Herr Minus kann nicht nach Hause zurück und ich suche einen Heimplatz. Er sieht es nicht ein. Hat das Sprechen verlernt, wie der Oberarzt meint und soll erst mal zur Ergo und die Bezugspflegerin ist zuversichtlich, dass er sich in einem Heim anbinden lässt so nach dem Motto, dort wo Kaffee und Zigaretten sind, da ist er zuhause. Hier könnte man sofort einen Film drehen auf Station. Eine Frau wird gerade von Sanitätern abgeholt und zieht nach Langenhagen mit zig Plastiktüten. Eine andere Patientin läuft den Gang entlang und spuckt sich in die Hände und reibt die aneinander. Dann fasst sie mit der Hand die Wand an und läuft so den Gang entlang, egal wer da steht, der muss weichen. Sie blockiert den Raucherraumeingang und zum Schluss liegt sie auf dem Fußboden mitten im Flur und macht Schwimmbewegungen. Meine sehbehinderte Betreute ist auf den Nachbarstation, die neu gemacht ist und der statte ich einen Besuch ab. Sie gibt gerne mit mir an.

Der Telefontyp ist ein Traum und ja, er mag mich und erklärt mir die Telefonanlage und ja, dafür hätte ich ihm die Zunge in den Hals gesteckt. Ich habe jetzt einen notdürftig besprochenen AB (bin da nicht so eitel) und kann ihn selber ein- und ausschalten und die Nachrichten abhören. Die neue Freiheit. Den hat er mir auf „F1“ gelegt. Wir üben zusammen und ich bin überglücklich als er geht.

Nachmittags kommen meine Schwiegereltern und bringen die Bahncard für die Schweiz. Ich mache Zucchini-Kartoffel-Laibchen aus den Resten und vor allem viel Chaos. Ich gebe meinen Gürtel ab, obwohl es sich danach anfühlt wie ein Leistenbruch nachdem ich ihn abgemacht habe und das vorschnell war. Ich bereue es und habe noch nicht mal ein Beweisfoto.

Nach 6-7 Wochen Durchfall bin ich einfach unausstehlich muss ich mir selber eingestehen. Ich wollte eigentlich die Reise absagen, wenn er nicht vorbei sein würde.

Es juckt, ich sage Sport ab. Es gibt weitere Puffer und Kekse aus England. Die mit Schoko-Nuss. Das sind die besten überhaupt. Stephan skypt mit seinen Schwestern.

20.08. Früh wach. Energie. Arbeit klappt unheimlich gut. Ich schaffe alles weg.

Zum Abschied ein Streit. Es muss wohl immer so sein. Losfliegen, ankommen. Ich lese den neuen Roman von Friedhelm Kändler „Missis Jö“, der sich gut liest und mir gefällt, vor allem das erste Kapitel mit dem Briefträger, der seiner Frau zuliebe in den Urlaub fliegt und seine Vertretung in die Besonderheiten seiner Route einweisen muss. Der Flug ist fast zu kurz. Es gibt Schoggi-Eis für alle und der Stewart redet Englisch mit mir, weil er denkt, dass ich „tea“ bestellt hätte. Es gibt 2 Passagiere, die erste Klasse (oder Business) fliegen und vorne sitzen mit einem extra Steward und in einem extra Abholauto zum Terminal gefahren werden. Das Gepäck kommt trotzdem nicht schneller. Mir wäre das peinlich. Wir sollen uns an einer Umfrage beteiligen und da kann man einen Swiss Flug Business gewinnen. Das schreckt mich richtig ab.

Flug 8 Flug 6 Flug 5

Kathrin holt uns ab und wir haben den Zug gerade verpasst und 30 Minuten Zeit; Zeit für den ersten Einkauf u.a. Cashew-Nüsse mit Limette und Pfeffer. 2 Mal Kondensmilch in der Tube, sicher ist sicher. Sie zeigt uns Martinello. Was mir heute absurd teuer vorkommt, der Tee für 9,50 € (Kräutertee Frida Kahlo und Thymian-Zitrone), werde ich Morgen schon kaufen. Wir fahren zu ihr und Anke und Kevin sind eingeschlossen in der Wohnung. Unser Bett ist gemacht. Nach etwas Zeitungslektüre bzw. Materialbeschaffung, d.h. Ausschneiden geht es los. Ich lass mich in die Altpapiergepflogenheiten einführen, bei denen Papier und Pappe getrennt gesammelt wird. Kathrin teilt ihre Schätze mit mir, d.h. es sind meine, die Sammelfiguren von der Migros, die es derzeit nicht mehr gibt. Es waren die eigenen M-Produkte in Mini-Format, aber so gut gemacht, wie auch Anke feststellt, nicht einfach nur kleine schlechte und unglaubwürdige Schachteln, die schlecht zusammengefaltet sind wie für den Kaufmannsladen, sondern Chips-Tüten aufgeblasen und kleine Schachteln mit richtig Gewicht als hätten sie einen echten Inhalt. Ich habe ein Hähnchen, Reis, TK-Pommes und Chips abgegriffen zum Basteln und ick freu mir. Wir gehen in den Hardhof, die Gastwirtschaft am Platz, wo wir immer mal rein wollten aber das letzte Mal zu spät gelandet sind, so dass wir damals im Volkshaus waren, von dem ich großer Fan bin seit dem (siehe mein Hütchen). Der Hardhof ist sehr sympathisch und ich mache einfach alles was ich nicht soll, erst mal einen O-Saft mit Sanbitter und dann viel Essen. Unterschwellig verlasse ich mich darauf, dass auf einer Reise alles plötzlich wieder gut sein wird und so kommt es auch. Denise kommt dazu und erzählt nach Befragungen von Parship-Parties. Kevin bestellt nach einer Ernährungsberatung Zürcher Geschnetzeltes und Gemüse (was Leichtes) und isst keinen Bissen (bzw. einen, der dann wieder raus will). Alle machen sich Gedanken um Kevin. Denise sagt, ihm ist langweilig und er will Mädchen kennen lernen und Wildwasserraften, meine Schwägerin spekuliert, ob das tote Meerschweinchen Daisy Grund der rätselhaften Erkrankung sein kann. Ich ärgere mich, dass Stephan die Reste vernichten muss und wir keinen Käseteller nehmen können, sondern nur Nachtisch. Der ist allerdings bei mir totlecker, Creme Brulée mit Rosmarin und Honig. Der Laden ist absolut zu empfehlen, preis-leistungsmäßig ein Hit für Zürich, lockere Bedienungen, ambitioniertes Essen. Am Nachbartisch wird gejasst nach dem Essen (oder wie heißt der Schweizer Doppelkopf?) von den vier Frauen am Tisch.

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Mutter und Sohn gehen schon mal nach Hause und ein sehr Betrunkener setzt sich zu uns dazu und will permanent mit uns anstoßen. Es ist ein Deutscher aus Donau-Eschingen, der Denise nicht versteht als sie ihn auf Schweizerdeutsch nach seinen Freunden fragt, warum er nicht mit denen anstößt. Das war klar, Schweizer stoßen nur einmal an, aber er will es ständig tun. Er trägt Barfussschuhe und legt immer gleich einen 100 Franken-Schein bei jeder Bierbestellung auf den Tisch. Er hat sich das Motto, was auf einer Tafel vor der Tür steht: „Egal wie dicht Du bist, Goethe ist Dichter“ sehr zu Herzen genommen. Denise wohnt gleich am Platz und wir suchen noch den Coop Spätkauf und einen gut sortierten Gemüsetürken daneben auf. Bei Letzterem kaufe ich Mokka für meine Betreute aus der Türkei, die immer Mokka für uns kocht, wenn ich einmal im Jahr da bin und das wird nächsten Freitag sein. Ich will allerdings die Verpackung. Zuhause lese ich, dass ich Herrn Yoga über 100.000,- € erspart habe und die Telekom auf unser Angebot ein geht den Vertrag zu beenden gegen eine Ablösesumme von 100,- €. Zufrieden macht mich das nicht, weil der Typ nervt. Kathrin flössen wir eine Portion Propolis ein und gehen vorher mit guten Beispiel voran. Das Zeug brennt einfach gut.

21.08. Habe geträumt vor einem Familienfest, wir wollten alle zum Essen einladen. Die meisten kennen wir nicht. Wir haben ein großes Schlafzimmer mit einem weißen Hochzeitsbett. Wir lernen die Nachbarn kennen, die mit ihrem Baby vorbei kommen. Süß sage ich und gute Frisur, „du hast die Haare schön“. Es hatte einen Schlaganfall und ist blind auf einem Auge nach einem Bienenstich durch eine neue invasive Sorte. Die älteren Verwandten wollen das Frühstück ausgeben, brunch. Der Mann muss entscheiden, ob sie das anbieten darf. Dabei geht es um Wolle, die sie gerade verstrickt, wenn sie was weggibt, muss sie schwarz-weiß dazu kombinieren. Das Lokal wo man abends hingeht ist Beton pur (wir hatten es am Vorabend schon gesehen) und wirkt nicht einladend. Es wird vorgeschlagen umzubuchen. Wir sind auf einmal in einem Mittelalterladen, wo lauter Leute essen, große Gesellschaften, die eine Frau will umgesetzt werden und droht sonst auszurasten. Inwieweit dieser Traum mit unserem Essen gestern Abend im Hardhof, wo die Freundin meiner Schwägerin dazu kam und auf Nachfrage von ihren Parshiperfahrungen erzählte und sich zum Schluss ein sehr betrunkener Mann aus Donau-Eschingen zu uns setzte, der immer mit uns anstoßen wollte was zu tun hat, vermag ich nicht zu sagen, kann ich jedenfalls nicht ausschließen.

Wache auf mit einem Cat Stevens Lied auf den Lippen: „Don’t be shy, just let your feels roll on by“ and „loooove is better than a song, looove is where all of us belong.“ Es ist kurz vor 8, ich habe gut geschlafen, etwas Probleme beim Einschlafen, aber sonst super. Nur einmal kurz pinkeln und alles gefunden, nicht über die Türschwellen gestolpert. Ich habe das erste Mal deutlich das Gefühl durch zu sein mit meinem Verdauungsthema, ich habe Urlaub und bin in Zürich, mein Mann liegt neben mir und fasst mich gut an. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt und meine Laune steigt bis unten die Decke. Meine Schwiegerfamilie erwartet nichts und der Tag gehört mir.

Später fällt mir bei den Nackenschmerzen meiner Schwägerin ein, dass ich sie nachts im Traum massiert habe, auch am Nacken und so einfühlsam, dass sie gestaunt hat woher ich das so gut kann.

Nach einer Runde fertig machen und einer Portion Kaffee ziehen wir los ohne den Jugendlichen, der heute im Bett bleibt mit seiner Übelkeit und Appetitlosigkeit. Ich hatte meinem Kollegen, der Strafrecht macht eine email mit dem Betreff „scheiß StA“ geschickt und bekomme von seiner Sekretärin die Rückmeldung, dass ich Dr. N bis dann und dann im Urlaub befindet. Peinlich. Impressionen aus der Wohnung. Ich brauche kein Kissen und habe es nicht gemeldet. Das hatte schlimme Folgen. Ich habe eine squishy figure entdeckt, leider dieser Idiot von FFN.

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Wir fahren 2 Stationen und gehen frühstücken im dihei, die heute den ersten Tag nach der Sommerpause wieder geöffnet haben. Wir sitzen draußen in der Sonne im Garten, aber innen ist es auch herzallerliebst mit geblümten Tapeten und Sofas. Sie machen High Tea täglich von 17-19 Uhr mit selbstgebackenen Scones und Lemon Curd. Dafür werde ich wieder kommen, sage ich der Bedienung. Das selbstgebackene Brot ist der Knüller, feucht und weich und lecker und Kaffee und die Zimtlimonade einfach nur köstlich.

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Meine zweite Schwägerin zieht es zurück zu dem kranken Kind. Sie will es füttern, gestern gab es Chips. Obst mag er einfach nicht. Wir ziehen mit Kathrin weiter durch das sonnige Zürich, laufen vorbei an schönen menschenleeren Plätzen, einem einladenden Bio-Läden an der Ecke mit kleinen Schalen von Beeren – auch eine Ampelmischung – vor der Tür, malerische Altbauten mit interessanten Läden im Erdgeschoss und in den höheren Stockwerken tun wir die Dachgärten bewundern. Ich liebe die Altpapiergeschenke die allerorts am Straßenrand stehen und habe mir eine französische Kinderzeitschrift à la Geolino rausgepuhlt und immer wieder diese Abstimmungen über die Bratwurstdiskriminierung…

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Wir gehen vorbei an einer Schule, wo gerade Pause ist. Die besteht aus lauter kleinen Gewächshäusern besteht, alle nebeneinander und damit jedes Klassenzimmer für sich mit reichlich Licht. So deuten wir es jedenfalls. Die Caritas ist kein Schnäppchenparadies und ein Seidentuch kostet 55 Franken, das was günstig ist, ist auch wirklich totaler Mist, neue, gebrauchte Billigkleidung. Ich nehme ein altes Kabel mit, was es umsonst gibt. Das hatte zuerst eine andere Frau unter die Lupe genommen, aber der Stecker ist wohl euro- und nicht schweizkompatibel. Weiter geht es mit der Tram zur Kunsthalle. Die auslaufende Mitgliedschaft in der Kestnergesellschaft noch mal richtig auskosten und 25 Franken Eintritt pro Person sparen (die Sonderausstellung hätte nur 20 gekostet). Wir schauen auch nur diese, eine großzügige Auswahl von Cindy Shermann Arbeiten. Die bewegten Bilder von dem Film „Paper Dolls“ gefallen mir besonders. Eine Schulklasse wird geführt (bis 16 Jahre ist freier Eintritt, so soll der Nachwuchs an die Kunst herangeführt werden) und sie haben beim meinem Anblick Schwierigkeiten sich auf die Kunst an den Wänden zu konzentrieren. Ich bekomme hier extra viel Bewunderung für mein Hütchen, vom Personal. Im Café haben die Tischplatten unsere neue Lieblingsfarbe.

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Mir geht es nicht gut, unendlich satt und etwas übel. Wir ziehen weiter. Überlegen kurz einen Spontanbesuch bei meiner Cousin, mein Handy ist noch im Flugmodus und ich will es gerne so lassen. Statt dessen Langstraße, Brockenhaus, in dem ich eindeutig zu wenig fotografiere, nämlich gar nicht. Es gibt tolle Möbel, Lampen mit glänzenden roten Keramiksockeln und Waschtische aus Metall mit aufklappbaren Spiegeln mit Blumen ummalt. Alte Behandlungsstühle auf Rollen mit Kopfstütze, die an Elektroschocks denken lassen. Maison Blunt und etwas Tee und Falafel. Weitere tolle Cafés und Fahrradläden mit nostalgischen Farbverläufen im Rahmen. Die anderen Stationen, die wir anlaufen als da wären Ponticanova (aber es ist gerade keine Zuhause) und das Welschland, wo ich mit Buttermusch begrüßt werde und zugeben muss, dass ich bastelfaul war. Er verkauft seine reizenden Modelle am 20.09. Erst später kapiere ich, dass er die umliegenden Geschäfte nachbastelt, das Reisebüro usw. Am 21.09. ist Bananentag zeige ich ihm.

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Gerne würde ich für diesen Event noch mal kommen, aber es geht ja nicht. Sorge für Bastelnachschub, Stracciatella und Banane-Choco. Stephan kauft ein Stück Butter, auch in schönem, glänzendem Papier. Dann mache ich da einen Eisstiel rein, Buttereis scherze ich. Große Baulücke um die Ecke. Stephan hatte 28 Kräne von Kathrins Wohnung aus gezählt (21 vom Balkon aus und 7 zur anderen Seite). Mir kommt die Idee, was ich mit den Eispapieren samt Holzstielen mache. Ich werde eine trashige Allee davon machen, ein Miniaturmodell der anderen Art und ihm vor seinem Fest ein BM-Hütchen per Foto zukommen lassen. Das war bislang das Bastelhemmnis, dass ich seine Arbeiten als Vorbild hatte und dieses ordentlich Basteln ist einfach nicht mein Stil. Problem gelöst, Vision da. Das Yogahaus und die Designerinnen immer noch nicht da. Kein Problem, eher Erlösung, habe genug Sachen und wäre sonst vielleicht doch wieder fündig geworden. Kathrin fährt durch. Wir kaufen teures Schweizer Propolis und schauen in den Gebrauchtmöbelladen am Albisrieder Platz und ich auch in den iranischen Kiosk.

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Zuhause geht es bald los. Wir werden zum Bahnhof begleitet, ich kaufe eine Runde im Marinello und will mich dann verabschieden. Irgendwie kommt wieder Hunger auf und ich lasse mich zu einem Hotdog in der geschlossenen Laugenstange (wie in Wien) hinreißen. Ganz viel Ketchup unten drin. Wir sitzen im Zug an einer Sitzecke mit rundem Tisch. Uns gegenüber ein Geschwisterpärchen, was orientalisch ausschaut. Sie haben riesige Augen und dichte Wimpern. Er ist schwul und hat dichtes Haar wie Clark Kent (ich frage Stephan ob er sich an die Zeiten erinnern kann, wo er Haupthaar hatte, was man bürsten musste) und sie hat ein Iron Maiden T-Shirt an und eine Armbanduhr an einem Armband aus Zuckerperlen. Trés Chic. Sie sind mindestens zweisprachig und wechseln zwischen Deutsch und Französisch. Ich frage Stephan, ob er sich erinnern könne an die Zeit mit Kopfhaar, was man bürsten musste bzw. frisieren konnte. „Anus“ steht auf der Plexiglasscheibe. Johannes holt uns überraschend in Gossau mit dem Auto ab. Zuhause freuen sich die Kinder, die schon in Schlafsachen sind, zumindest Katalin. Sie will mit mir basteln in den kommenden Tagen. Es gibt Raclette. Ich schmelze mein gestanztes Stück Käse. Nach dem Essen fragen wir Johannes was er eigentlich genau arbeitet, meinen Schwägerinnen hätte ich das erklären wollen. Ich bekomme einen Flyer vom Spital Flawil, mein kleiner Bruder und seine Assistentin, beide mit weißen Schürzen. Im Fernseher läuft Anus.

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22.08. Werde zu früh wach. Gedanken treiben mich um zum Thema erfolgreich basteln mit den Kiddies heute, was muss ich besorgen? Will Katalin wirklich ein Hütchen mit mir basteln und wer von uns beiden soll es tragen? Warum habe ich die beiden Schinken Häger Schnapsgläser, die ausschauten wie kleine Bierkrüge im Brockenhaus nicht gekauft für 50 Rappen? So viel kostet hier eine Portion Butter, die ich dann nicht gegessen habe weil ich das frische, fluffige, selbstgebackene Brot mit dem Birchermüsli gegessen habe? Für 4 Franken kaufe ich ein ausgestanztes Stück Käse, weil ich es beim Raclette schmelzen sehen will. Essen hat immer einen höheren Stellenwert bei mir. Die Schinken-Schnaps-Gläser hätte ich dem Typen vom Welschland schenken können. An so etwas hatte ich nicht gedacht, nur, zu schwer für Hütchen und bei mir zu voll. Auch der 60er Jahre Krug mit den Gräsern wäre heute Morgen meiner Meinung nach was für Michi und Markus gewesen. Und warum habe ich so wenig Fotos gemacht in dem Brockenhaus? Von jenen Schnapsgläsern oder der riesigen Keramiklampe mit einem leuchtenden roten Keramikklumpen unter als Sockel? Um 6 Uhr gehe ich hoch als ich oben Geräusche höre. Mein süßer, fürsorglicher Bruder will mit Teewasser aufsetzen. Das kann ich nun wirklich alleine und habe ich am Vorabend noch gemacht. Ich sitze im Wintergarten inmitten der Schweizer Landschaft und schreibe. Herrlich.

Noch eine Runde gemeinsam basteln vor der Schule. Frederik hat ein hässliches Murmeltier von einer Fluggesellschaft. Das können wir benutzen. Ich trage ihm auf, erst einmal den Kopf vom Körper abzutrennen. Die Kinder frühstücken Obst und Müsli. Die Nektarine ist lecker und ich mache einen Kommentar, ob dieses Obst auch eine liegen gebliebene russische Lieferung sei. Daraufhin sagt Katalin, die armen russischen Menschen, die nichts zu essen hätten, weil die Politiker sie so isoliert hätten. Solches neunmal kluge Erwachsenennachgeplappere ignoriere ich. Eltern denken, die Kinder wären Überflieger, dabei sind sie nur Papageien. Als das Haus leer ist, esse ich die Obstreste auf Müsli mit griechischem Honigjoghurt mit sehr vielen Umdrehungen. Lecker. Füttere Stephan im Bett um ihn wach zu machen. Duschen, anziehen, Stephan reintreiben, Bus nehmen, in die Stadt. Die Fahrkartenautomaten im Bus funktionieren nicht. Ich beobachte die Einheimischen und tue es ihnen gleich. Ich liebe die Pippilotti-Rist Straßen. Kaufe eine neue Ziehharmonika-Flasche. Hier erklärt man mir, wie es funktioniert. In Zürich hat man mich kommentarlos scheitern lassen. Zürich eben, wie die Frau meint. Statt blau-metallic entscheide ich mich für die Zitronensaftfarben. Das erste Café ist gut, auch gut besucht, sieht aber snöselig aus, wir ziehen weiter. Dann hält mich ein Bastelladen auf. Filznadeln für die Kinder und Hütchengummi sowie „Lederresten“ für mich. Dann noch Blankokarten bei Coop-City und 3 Paar Strumpfhosen sowie 2 Packungen Schokolade mit Edelnüssen und getrockneten Blaubeeren (Occasion, sie werden verkostet und ich schlage gleich zu). Mitbringsel für die Schwiegereltern, die Heidelbeeren lieben und eine zum Selberessen, hilft gegen Durchfall. Das Café Oya – ist dänisch aufgemacht und es gibt Zimtfladen zum Kaffee. Abends ist es Club mit DJ. Mir geht es heute wieder nicht so gut. Im Brockenhaus geraten wir in Stress. Ich muss abbrechen mit einem Nachthemd und 3 Taschentüchern, eines mit dem Motiv St. Gallen. Gschwend Konditorei Großeinkauf. Wer Quiche bestellt sagt es falsch, weiß aber, dass der Kuchen nicht süß ist. Gewissenhaft wird alles eingepackt. Die Amaretti mit Sahne und Kirschwasser sind tausendmal besser als bei Sprüngli, viel frischer, die Sahne und viel preiswerter sind sie auch (die Überlegenheit muss Stephan auch zugeben).

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Wir verpassen den Bus und es ist zwanzig nach 11. Um 12 wollen wir schon wieder Richtung Innenstadt unterwegs sein. Ich bin super gestresst von dieser Planung mit dem hin- und her hetzen mit den Öffis und habe richtig schlechte Laune so nach dem Motto muss ich jetzt per Taxi zurück und um jeden Preis? Wir nehmen eine andere Buslinie und laufen dafür mehr. Das kann mein Mann total genial beurteilen solche Alternativen, auch in fremden Städten. Ich wäre aufgeschmissen und mein Durchdrehen lässt ihn klar denken und rasch handeln. Doro kocht gerade Pasta. Ich soll eh da bleiben zum Basteln und das tue ich auch, auch weil wir alles andere logistisch nicht hinbekommen, d.h. nur kurzer Boxenstopp und 10 Minuten später wieder im Bus sitzen, weil wir mit der Verwandtschaft aus Zürich verabredet sind. Mein Mann lädt ab und geht wieder los, allerdings ohne den Gästeschlüssel, der ihm vielleicht im Bus aus der Hosentasse gefallen sei. Nach dem Planungsstress sehe ich das als gerechten Ausgleich an, wenn dieser verloren sein sollte. Wir basteln zu dritt und Frederik probiert die Filznadeln aus, die ich für sie in der Stadt gekauft habe. Leider fehlt ein Schaumstoffblock als Untergrund. Wir bauen weiter an den vertauschten Körpern und ich nähe ein kleines Hütchen für den einen Typen und befestige die Köpfe an den neuen Körpern. Katalin stellt schon fest, dass sie lieber alleine spielen will wenn ihr Bruder gegangen ist. Sie redet dann laut und mit sich selber und das macht sie lieber, wenn sie alleine ist. Er ist auch tatsächlich der einzige der mit mir bastelt, sie spricht immer nur davon und er ist ein wahres Bastelwunder und klebt und baut eine Sache nach der nächsten. Ein Filzhütchen mit Auge ist das Ergebnis und zwei Eis am Stiel.

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Er inspiriert mich wiederum und ich mache ein Tannenzapfenauge mit gehäkeltem Lid und daraus Kopfschmuck für Katalin. Ich will Katalins Hütchen noch zu Ende basteln und gehe dann. Ich hätte ja genug zu tun und könnte Postkarten tuschen oder lesen, schlägt sie vor. Ja, vielen Dank, sie will lieber spielen und dazu führt sie Selbstgespräche und da bin ich störend. Doro ist immer noch da und wird auch nicht gehen. Es ging nicht im Kinderbetreuung, sie hat die Bastellust ihrer Tochter überschätzt, wie hier oft Kinderdinge zu ernst genommen und nicht realistisch eingeschätzt werden, so dass zwei Erwachsene darum ihr Urlaubsprogramm aufbauen sollen, d.h. wir sollten mit ihr in den Stadt, aber dann hätte das Mittagessenprogramm nicht abgespielt werden können bzw. wir hätten unseren Bus nicht verpassen dürfen, insgesamt war es mir zu viel Zeit im Nahverkehr und so interessant ist die Strecke nicht, die Wohngebiete durch die man fährt. Es ist nicht Zürich. Ich ziehe mich in den Keller zurück und ruhe. Katalin, die vermutlich von der Mutter ermahnt wird ruft meine Namen und sucht mich auf. Jetzt bin ich mal taub auf dem Ohr und stelle mich schlafend. Ich brauche wirklich eine Pause und bin auch nicht der Hans Wurst des Bastelns. Es klingelt. Doros Bruder ist da. Ich sage nur kurz hallo und tusche eine Runde im Keller. Frederik kommt von der Schule und hat lauter Sachen im Müll gefunden, die wir zum Basteln gebrauchen können (braver Junge, er gehört echt zu uns) u.a. einen alten Schulatlas aus der Schweiz aus dem Jahr 1955, wo die Bewohner Afrikas aus Bantu-Negern und Hottentotten bestehen. Ob wir weiter basteln können, fragt er. Er soll mich abholen, wenn er soweit ist. Ich tusche derweil im Keller. Das tut er und es geht weiter. ZU dritt sitzen wir im Zimmer. Alle Garnspulen des Hauses sind unbenutzt. Ich hatte ihm die Einfädelhilfe gezeigt und er meinte, dass er es von Hand macht und ich sage, dass sei auch von Hand. Ich würde mich nicht in einen Roboter verwandeln. Jetzt nach der Schulpause steigt er super auf meine Handnäharbeiten ein und probiert die Einfädelhilfe, wobei das Prinzip auch erst mal verstanden sein will und näht ein tolles Portemonnaie, auch wenn er feststellt, dass das Nähen ohne Maschine mühsam sei. Es gelingt uns diesmal Katalin besser einzubinden und sie faltet Tiere für mein Papierhütchen, alles aus Schweizer Landkarten. Sie plaudern aus dem Nähkästchen. Schade, dass Papa mit der Großtante Ärger hat und man die nicht mehr sieht. Katalin spielt Melodien an dem Spielautomaten, den sie von ihr geschenkt bekommen hat. Bei Oma und Opa war es am lustigsten in den Feiern. Hier ist man Achterbahn gefahren und Frederik mit Opa vorne und dann Opas Knie, was nicht mehr mitspielte. Dann geht es um Shoppingqueen und, dass die Frauen sich zu sehr in die Schuhe hineinsteigern und eine Dicke aus der Unterschicht gewonnen hat, für die die 500 € richtig viel Geld waren, während die andere sonst für 500,- € Schuhe kauft und sich einschränken musste. Man hört aus den Kindern das heraus, was die Eltern ihnen gesagt haben und zwar eins zu eins. Das ist immer aufschlussreich sich eine Runde ins Kinderzimmer auf den Boden zu setzen. Und auch die Denkweise der Kinder, weil ja, Frederik wäre traurig, wenn sie sterben würde, erklärt ihm Katalin, weil sie seien Geschwister, da ist das normal und sie wäre ja auch tottraurig, wenn ihm etwas zustoßen würde und würde richtig viel weinen. Als sie sagt, dass sie nur eine Tante zum Basteln hat, weiß ich erst nicht was gemeint ist. Es geht darum, dass ich eine behinderte Schwester habe, ihre Tante, die nicht basteln kann und Christian keine Freundin, wie sie anmerkt. Da weiß ich erst nichts darauf zu sagen. Später sage ich zu allen am Tisch, es gibt viele Tanten, das ist nicht nur leiblich zu verstehen, es gibt Wahltanten, z.B. ich mit Valentin, der bei unserer ersten Begegnung mit mir in der Bar, als wir auf den Stufen gesessen und Memory gespielt haben und ihm was umgefallen ist zu mir sagte: „wir müssen aufpassen, dass die Erwachsenen das nicht sehen“ und dann später: „ich glaube, unsere Eltern wollen jetzt gehen“.  Da bin ich Wahltante bei ihm und seinem Bruder und sie haben auch gute Freunde und nette Nachbarn, die Absinth-Brunnen haben und vorbei bringen. Das müsse man nicht so eng sehen, die Welt sei voller potenzieller Tanten.

Johannes kommt nach Hause und meine Laune ist besser. Stephan kommt auch und erzählt die Geschichte vom Fundbüro und, dass er den Schlüssel nicht richtig beschreiben konnte und das Band an dem er befestigt ist, auch nicht, er wusste die Farbe von dem Band nicht, er sei ein Mann eben, wie er zu dem Typen im Fundbüro meinte. Er hat ihn wieder, sie wollten ihn erst nicht mitgeben auf die mangelhafte Beschreibung hin und er versprach ihn wieder zu bringen, sollte es nicht passen, aber er passt und mein Mann hatte tolle Erlebnisse mit den Busfahrern aus St. Gallen und eine interessante Geschichte zu erzählen. In Deutschland hätte das sicher nicht so schnell geklappt, Stunden später schon. Wein hat er auch gekauft zusammen mit Kathrin. Doro fährt vor, ich ziehe mich um und wir anderen fahren zusammen mit dem Bus in die Stadt. Da wir zu früh dran sind, kaufen Stephan und ich noch eine Runde bei Migros ein. Ich kaufe Frederik gebrannte Mandeln, weil er bastelt für mich Hütchen und ich bin sein willenloses Werkzeug erkläre ich seinem Vater, meinem Bruder.

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Sehr sympathische Italiener fahren auf mein Hütchen ab und kommen heran um mir das sehr charmant zu sagen. In der Klubschule Gebastele aus Plastikfolien. Es gefällt mir ganz gut, aber genial oder richtig begabt geht meiner Meinung nach anders. Es erinnert mich an die dekorierten Straßen in Kyoto von 1986. Da habe ich genauso eine Plastikkette oder –girlande mitgenommen mit Blümchen dran, nur, dass meine bunt sind, mit denen sie die Straßen dekoriert hatten, die dortigen Künstler, die Plastiken geschaffen haben ohne es zu wissen. Meine Schwägerin passt farblich gut zu den Wandbemalungen der Klub-Schule. Ein aus St. Gallen stammendes Trio „Nahtlos“, die in Berlin leben, spielt elektronische Musiker. Sie sitzen hinter Nähmaschinen. Ich glaube, es kommt überwiegend vom Band, was hier angeblich live reingesampled wird, aber darauf kommt es vielleicht nicht an, da die Musik gut ist und die Band auch einen Unterhaltungswert hat. Sie kommen jedenfalls gut an bei dem gemischten Publikum mit vielen Rentnern. Ich werde auch mehrfach angesprochen und ein Mann fragt, ob er ein Foto machen darf von meiner Plastik auf dem Kopf. Ich sage zwar immer, nein, bin keine Künstlerin und denke dabei an Heike, die in der Topflappenausstellung in Syke ins Gästebuch geschrieben hat, was für wundervolle Dinge Menschen herstellen könnten, „nur Künstler, die können das nicht“ schrieb sie damals, weil die Künstlerin, die die Topflappen der anderen Hausfrauen und Omas gesammelt und zusammengetragen hat, die Sammlung um eigene, ganz peinliche ergänzt hat. Daran muss ich denken und bin wirklich von Herzen nicht hauptberuflich Künstler.

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Nachdem die Heuschrecken über das Migros-Büffet hergefallen sind fahren wir nach Hause. Die Kinder wollen keine Döner-Box. Es gibt Pasta mit Barilla-Soßen aus dem Glas, wie schon mittags. Wir essen die Quiche vom Café Gschwend, die mäßig gut schmeckt. Den Süßkram können die besser.

Es folgt ein ausgelassener Abend mit Kicheranfällen und offenen Worten über die Familiensituation und die gegenwärtigen Spannungen. Ich sage, ja, manchmal macht unser Vater böse Sprüche, aber meine Freunde kennen das von mir und können das ab, sie schätzen es, eine gute Beleidigung, wie Stephan es nennt und es gibt andere Totsünden, wie langweilig sein. Gewisse Ähnlichkeiten zwischen Familienoberhäuptern und Angeheirateten, die an diesem Abend behauptet werden, kann ich nicht nachvollziehen. Ich finde, dass sie gegenteiliger nicht sein könnten vor allem in punkto Selbstvertrauen. Wir neigen zur hoffnungslosen Selbstüberschätzung, immun gegen Zweifel und geben auch dort den Ton an, wo wir nichts davon verstehen sagen wir wo es unserer Meinung nach lang geht. Hier herrscht oft der Minderwertigkeitskomplex. Ich freue mich meinen Bruder so ausgelassen zu erleben und denke, langsam will der auch noch ein paar Dinge erleben im Leben und zwar jenseits von Elternabenden und Gartenarbeit. Mal sehen, wo wir da in 5 Jahren stehen, das wird spannend. Mit dem Aussprechen von Einladungen für anderer Leute Standhaus sollte man trotzdem vorsichtig sein. Seit er zuhause ist, geht es meinem Bauch wieder gut. Stephan hatte mir ein Poulet-Bürli vom Gemperli mitgebracht und auch alles andere habe ich gut vertragen, tassenweise gesalzene Erdnüsse, Büffet und Mocca-Joghurt inklusive. Ich bin glücklich und zufrieden. Die Frösche im Teich quaken so als hätte die Nachbarschaftskatze, die sie jagt und gebissen und mit einem Katzenvirus infiziert wie Vampire dies tun und sie in einer der ihren verwandelt hat.

23.08. Wieder vor allen anderen wach und der Wintergarten gehört mir. Ich fahre mit Doros Rad mit Johannes zum Bäcker „Al Forno“ und das ist herrlich. Das Rad fährt super und ich suche die leckersten Schokobrötchen aus, die es Morgen nicht geben wird, am Sonntag. Wir hätten gestern mal mit den Rädern fahren sollen. So macht es mir Spaß die Gegend zu erkunden und ich schalte gerne die Gänge, die hier Sinn machen und fahre gerne den Berg hoch. Hier gibt es Fisch mit Pralinecreme.

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Nach dem Frühstück geht es ins Appenzell. Unterwegs wechselt das Wetter ständig und es ist sehr malerisch, wir fahren durch Ortschaften, die Gais heißen. Den Kindern erzähle ich von den schwarzen Kampfkühen, über die wir einen Bericht im Fernsehen gesehen haben und die wir mal live sehen wollen. Der Parkplatz am Zielort ist voll, Ziegen machen sie an einem Auto zu schaffen, alle wundern sich was sie da machen, die Bremsschläuche anknabbern, wie Stephan meint und wir fahren mit der Gondel hoch.

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Ich frage den Mann unter an der Station, wann sie das letzte Mal abgestürzt sei. Auch mit dem Fahrbegleiter mache ich Scherze. Oben laufen wir vorbei an herrlichen Alpenblumen, die ich mit den Kindern versuche anhand des Flyers zu bestimmen. Ich bin die einzige Frau die mit einer Handtasche in der Hand auf dem Berg herum spaziert. Das mag dämlich ausschauen, unpassend ist es auf jeden Fall. Die Ausmaße der Kuhhinterlassenschaften sind beeindruckend. Dann gibt es eine Höhle, in der es tropft und Menschen haben überall kleine Steinkegel aufgestellt, dann kommt eine Einsiedlerhütte mit Skelett vom Höhlenbären und wir klettern mit Frederik unter das Dach.

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Dann kommen wir zu der Hütte, in der wir was essen wollen. Sie wurde an den Felsen gebaut. Die Kinder sollen nicht so abartig viel Fleisch bestellen, weil wir abends grillen. Der Vater sagt, sie können bestellen auf was sie Lust haben, aber dann wissen sind schon mal in welche Richtung es gehen soll und was auf keinen Fall geht. Wir essen einen Vorspeisenteller aus Appenzellerkäse und Mostbröcki und Aufschnitt und dann essen wir alle ein halber Käserösti mit Salat. Den Hammernachtisch, einen Weihnachtsbaum aus Sahne traue ich mich nicht zu bestellen. Die Wand im Klo ist toll und das hauseigene Puzzle auch. Ich überlege kurz es für Sabine zu kaufen, aber Schweizer Preis und nur lustig, wenn man auch hier war.

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Hier kann man prima hochalpine Dramatik inszenieren und Tiere gucken und neue Kothaufen finden sowie einen Steinfisch.

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Weiter geht es bergauf und durch den Wald. Das Bimmeln der Kuhglocken wird immer lauter und ich muss ganz schnell meinen Arsch in Sicherheit bringen. Ein Almabtrieb findet vor unseren Augen statt. Das gefällt mir sehr und die vielen verschiedenen Kuhtypen und wie sie nach unten schüsseln unter der Anleitung der menschlichen Betreuer und einen Berner Senenhund gibt es auch. Ich kann nicht genug bekommen von dem Spektakel und ich halte alle auf.

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Dann zieht es zu und regnet und es wird noch mystischer mit dem Wetter, dass die Hütte, die man eben noch vor Augen hatte im nächsten Moment verschwunden ist.

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Wir fahren wieder ins Tal und dort gehe ich an den Zaun. Das sind nicht die Kühe von eben, diese haben keine Hörner. Eine braune Kuh kommt zu mir und leckt mit ihrer Reibeisenzungen meine Hand, sie wickelt es herum und versucht sie zu sich ins Maul zu ziehen. So fühlt es sich zumindest an für mich als Stadtkind (O-Ton Bruder Christian). Wir fahren zurück und müssen etwas Geduld haben als Kühe auf der Straße nach Hause geführt werden

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und ja, ich gehe noch mal in den Migros mit Stephan und lasse keine Gelegenheit aus. Auch das wird bemerkt und immer wieder festgestellt. Ich wundere mich immer über das gut ausgestattete Kurzwarensortiment in einem kleinen Migros an der Ecke. Die haben nicht nur Einfädelhilfen und Hutgummi, sondern auch so ziemlich alles andere Nähmaschinennadeln, Aufnäher in großer Auswahl und hier kaufte ich auch einst die Stecknadeln in der grünen Metalldose für Steffi. Am liebsten würde ich hier im Café gegenüber noch einen Milchkaffee trinken aus einem Glas mit Michelin-Männchen-Glasreifen, aber ich fahre mit nach Hause und lege mich hin. Ich ruhe und Stephan schläft. Das war ein richtiges Erlebnis für ihn und er erzählt danach auch noch so süß, wie die Gondel senkrecht in den Himmel gefahren ist wie ein Fahrstuhl, halt Gondel, normal, er war noch nie Ski fahren. Dann Kaffee und Kuchen und Frederik erzählt von den Rittern anhand von Playmobilfiguren, Morgenstern und der schweren Kavallerie und den Wettbewerben, bei denen die sich nicht verletzt haben, weil sie befreundet waren „also nur 5 Ritter von 1000 wurden verletzt“. Ich verarsche das etwas und sage, klar, die Lanze war vorne mit Watte gepolstert, wie das reinste Q-Stäbchen in Übergröße. Dann noch mal Dog von Brändi (d.h. Holzspielsachen, die von Behinderten hergestellt werden), das Mensch-ärgere-Dich Spiel mit zwei Mannschaften mit Karten statt Würfeln, was strategisches Denken erfordert und Kartentausch der Mitspieler untereinander. Nachdem der Chef und ich zwei Mal bodenlos verlieren, soll Katalin meine Ehre retten. Sie tut es und spielt besser als ich. Als Johannes und Frederik in einer beispiellosen Aufholjagd einen Zug schneller im Ziel sind, ist sie am Boden zerstört. Frederik wird zum Spielen abgeholt und sie darf einen Film schauen. Es ist ein 80er Jahre Klassiker, den Hannes sehr mochte mit Matthew Broderik als High school Schüler, der Krankheit simuliert und schwänzt. Seine Schwester ist die aus Dirty Dancing. Alle Frauen haben abartige 80er Jahre Sachen an wie aus Dallas. Frederik kommt wieder und der Kindergeburtstag von Morgen wäre heute gewesen, die Einladung wird aus dem Altpapier gekramt und er heult und kann denen nicht mehr unter die Augen treten und will sich umbringen. Dann ist die Mutter aus dem Häuschen, die den Fehler bei sich erkannt hat und irgendwann liegen sich beide in den Armen. Sie macht sich schwere Vorwürfe, hatte aber zu viele Termine diese Woche. Es gibt Grillfleisch und leckere Salate und die Kinderwelt ist wieder in Ordnung an meiner Seite des Tisches und alles ist vergessen und ist schön wie es ist und es geht um Räuber- und Gendarm-Spiele und um sich beim Zelten im Mädchenzelt verstecken. Aufregungen des jungen Lebens. Ich werde abgefragt zu unseren Miteigentümern im Haus und ob alles abgeschlossen sei an Bauarbeiten. Themen, die echt nicht meine sind.

Der Abend verläuft heute etwas flauer, die Kinder spielen. Sie sind wie Hänsel und Gretel und hängen sehr aneinander. Vor allem Katalin tut alles für ihren Bruder, der sich gerne von ihr bedienen lässt und sie darf ihm assistieren beim Nähen, wo ist die Nadel, wo ist der orangefarbene Faden und die Schere? Hier finde ich ihn dem Opa sehr ähnlich. Er lässt gerne Frauen für sich arbeiten und Katalin ist seine Assistentin eins und ich die Assistentin zwei. Ihm wird gesagt, dass er körperlich dem Opi nachschlägt während Katalin feststellt, dass sie meinen Kinderbildern sehr ähnlich sieht. Was ist mit meinen Haaren passiert, will sie wissen, warum sind die braun? Stimmt als Mädchen war ich auch weißblond wie sie, aber so dicke Haare hatte ich nie, zu Recht liebt Dad ihre Haare und will sie bürsten. Als ich nach dem Spielen frage und erfahre, dass sie Frederik die Ritter spielt und sie die Natur und dann auch mal den Pagen oder Lakaien sage ich zu ihr, dass man beim Rollenspiel was anderes spielen sollte als sonst im Leben und dann ist Frederik noch nicht müde und darf als Entschädigung aufbleiben und es werden YouTube Videos geschaut über den Fernseher. Frederik interessiert sich für Musik Videos, Arschloch von den Ärzten wird uns vorgespielt und dann gibt es Auffahrunfälle, die Stephan ins Spiel gebracht hat und der andere Gast macht einen sehr frustrierten Eindruck auf mich. Er kann nicht verstehen, dass man auch im gesetzten Alter noch mal Party machen will und hasst Jan Delay. Er wirft seiner Schwester vor den Kindern falsche Familiengeschichten erzählt zu haben von einer Oma, die eklige Streunerkatzen hatte, die sich bei ihr aufs Gesicht gesetzt haben. Das seien gepflegte Nachbarschaftskatzen gewesen. Mir geht dieses ablästern über dicke Menschen ziemlich auf den Zeiger. Selbst das Pharell Williams Tanz Video gibt dazu Anlass. Dünn ist auch nicht immer schön und dick vor allem nicht immer unsportlich, unbeweglich und hässlich. Im Gegenteil dick mit Muskeln ist das was ich attraktiv finde, kenne die nicht die Insel Samoa? Mein Bruder hängt in der Vergangenheit und an ihr und erzählt die Geschichten seiner Jugend und dass er den Geruch von Kalifornien noch mal haben will. Er will in 3 Jahren noch mal in die USA. Beide Kinder haben dann einen Schulwechsel und Frederik ist dann 14.

24.08. Ich habe einfach zu viel Energie und bin sicher, das liegt an über 6 Monaten Alkoholabstinenz und ehrlich gesagt, wenn ich da solche Superkräfte entwickele, dass ich nur noch 5 Stunden Schlaf die Nacht brauche, werde ich mein weiteres Leben wie eine streng gläubige, muslimische Frau verbringen. Ich war gleichzeitig mit Stephan wach geworden und auf Toilette und dann lag ich im Dunkeln im Bett und habe den Heißluftballon gehört, wie er direkt über das Haus gezogen ist, sehr laut und wie laut mag es erst oben im Dachgeschoss sein. Habe gehört, wie er gezischt hat und mich gewundert, wie früh sie unterwegs sind und dann habe ich den Regen gehört und dann war Stille und nach einer Weile der nächste Ballon. Das ist ja wie auf der Autobahn. Ich erinnere mich an den Ballon im Garten als Johannes letztes Jahr seinen 40zigsten feiert. Das ist sehr beliebt hier. Schließlich stehe ich vor 5 Uhr auf und tapse durch die dunkle Wohnung. Nach über einer Stunde schreiben statt lesen lege ich mich noch mal hin bis 7:30 Uhr und träume davon, dass Johannes sich unseren großen Mörser leiht für ein Familienfest. Wir nutzen ihn nie und haben auch noch den Kleinen. Er macht spontan aus unseren Resten ein gestoßenes Tomaten-Basilikum-Pesto, was besser schmeckt als die Fertigsaucen. Ich bin begeistert und tue es ihm nach. Das meiste Gemüse ist schimmelig geworden, weil wir weg und verreist waren. Rote Beete verschrumpelt in einer Tüte. Meine Eltern und Claudia sind da und werfen mir Indiskretion vor, weil ich was weitererzählt habe, was meine Eltern ohnehin schon zu 80 % wussten. Ich verteidige das. Susanns Mutter ist da (die kenne ich gar nicht) und umarmt mich und stellt fest, dass ich auch dralle und gut beieinander sei, wie alle meine Freundinnen. Ich rege mich auf über Menschen, deren Leben aus Sorge vor Unfall, Krankheit und Tod besteht und sage, wenn ich so einen Kopf hätte, würde ich mich auf die Erlösung durch den Tod freuen, dass das Elend dann ein Ende hätte. Drei Schnaps-Gläser gehen kaputt, u.a. eins mit Hannover-Motiv. Kann man die Scherbe noch benutzen?

Die Heißluftballons waren die Heizungsraumgeräusche von nebenan im Keller. Gespräche mit meinem Bruder über neue invasive OP-Methoden, bei Pankreatitis OP durch den Magen, der punktiert wird um Eiter abzulassen bei Pseudozysten und so was. Weniger Infektionsrisiko, weil keine Verbindung zu außen. Ich finde es total genial und höre mir so was gerne an so wie die Blutung im Bauch stillen durch Verödung des Gefäßes, weil das so gut durchblutet ist im Magen-Darm, dass es durch eines der Nachbargefäße mit versorgt wird. Frühstück. Etwas Basteln, ich an meinem Welschlandeis. Katalin malt (Tiere und Natur kann sie echt genial zeichnen) und wieder geht es um eklig und dick und ich sage, wer mag schon ein dünnes Eichhörnchen? Und ich meine es ernst. Der andere Besuch bricht auf Richtung Freiburg. Wir duschen und packen, schauen Katzenvideos, bei denen den Katzen Sprünge nicht gelingen und andere Missgeschicke und gehen dann eine Runde spazieren vorbei an der Schule der Kinder, Drei-Linden oder Eichen heißt eine Stelle mit großen Bäumen, man hat einen Blick in die Berge. Auf einer Bank sitzt ein Hippie-Mädel, die mich an das Festival in St. Gallen erinnert, wo ich zwei Mal mit Stephan war, der Ostschweizer Heiratsmarkt mit weichen Drogen en masse. Sie hat einen freundlichen Mischlingsgalgo, der auf meine Anmache reagiert und sich gleich anlocken lässt. Vorbei an ordentlichen Wohnhäusern, einem Spar aus Containerteilen, Frederik’s Schnitzlehrers Haus mit den Bremer Stadtmusikanten aus einem Baumstamm davor hin zu einer sehr hohen Brücke die über Stromleitungen führt und ganz unten ist ein Fluss mit Kieseln und alten Holzbrücken.

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Die Kinder bleiben auf dem Spielplatz. Auf dem Rückweg ein Teich mit unerschrockenen Fröschen, dass ich lange denke, sie wären doch nicht echt so standhaft wie sie bleiben trotz Beschuss mit Steinen und Äpfel durch Frederik. Ich entdecke das Blumenmotiv im Straßenbau.

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Kurz von Heimkehr treffen wir die Eltern von Frederiks Freundin Malin, beide sehr sympathisch. Zuhause ist nur noch kurz Zeit. Vielleicht Bayreuth in 2 Wochen, wenn wir es schaffen. Johannes und Katalin bringen uns zum Bahnhof Bruggen und sie hat das Taschentuch von St. Gallen dabei. Ich hatte mir gewünscht, dass sie das 50er Jahre Taschentuch behält und mir damit mal zum Abschied am Bahnhof winkt und so gut hat sie sich das gemerkt und sofort in die Tat umgesetzt. Ich bin ahnungslos als sie es dabei hat und damit Knotentricks vorführt, d.h. die Knoten vorzeigt und dann mit einem Ruck das Ding wieder glatt zieht. Erst als wir eingestiegen sind und die Türen sich geschlossen haben fängt sie plötzlich an damit zu winken. Das rührt mein altes Tantenherz. Beide Kinder waren super. Katalin die Solidarische und gute Mitspielerin, die Gefühlvolle und Frederik der Bastelmeister.

Gossau, Baustelle, etwas Hektik beim Umsteigen. Wieder die Sitzecke. Mutter und Sohn gegenüber. Er ist weißblond, sieht aus wie das reinste Edelweiß.

Ich hatte nicht nur den ersten fast normalen Stuhlgang, sondern es war so gut, dass ich den ganzen Tag nicht daran gedacht habe. Was bin ich froh und dankbar. Jetzt treffen wir noch mal meine liebe Schwägerin beim Flughafen und spielen das Spiel: jeder darf sich 5 oder 8 Sachen bei der Migros aussuchen. Ich übe schon mal in Gedanken, kein Joghurt, Käse, harte Nusskekse, Chips aus Getreide, Wurst, Käse, einen Couscous-Salat. Ich kaufe tatsächlich mehr ein, auch Müsli und andere Dinge und entdecke die Bäckerei, für die meine Schwägerin Prozente bekommt, was beim zweiten Mal kritisiert wird, dass es nur für sie sei und nicht für andere. Ich habe sogar zwei Nektarinen vom Migros im Hartschalenkofferhandgepäck zusammen mit den Figuren, die ich mit Frederik gebastelt habe, die auf dem Bauch liegen. Ich darf beide Figuren mitnehmen. Das ist sehr großzügig von ihm und ich will was Tolles daraus machen, auch wenn die das Hütchenformat sprengen. Ich sage ihm, dass sie beste Freunde sind.

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Es ist schön Kathrin noch mal zu sehen, dass sie extra raus kommt um uns kurz noch mal zu sehen und durch den Flughafen begleitet, wie der reinste Blindenführhund. Sie lädt uns zum Kaffee ein. Wir werden uns in San Francisco wieder sehen. Ich sehe heute die Logos von Swissport und von Jetaviation ein Tankwagen auf der Rollbahn. Die Hedi aus Hamburg wird im Bordmagazin empfohlen. Es war eine schöne Reise und der Taxifahrer ist klasse. Man fährt einen Umweg in Hannover und ich bin froh wieder da zu sein, auch dass wir den früheren Flieger genommen haben. Es war anstrengend genug. Es gibt Chips aus der Schweiz (für fast 3 Franken) und ein halbes Sandwich. Ich bin voll und müde, die Woche ist voll und ich suche mein Bett auf.

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9999 auf 10.000

14.07. Telefonate von Zuhause. Fahrrad nach nebenan, kann ich ab 15 Uhr wieder abholen. Nee gratuliert greift meine Hand und gratuliert mir zu 9999 Tagen. Zuvor hatte sie Stephan zu dem Weltmeistertitel beglückwünschen wollen, was er aber ablehnte. An die Zahl hatte ich schon gleich nach dem Aufwachen gedacht, wie aus 4 Zahlen bald 5 werden. Die Mathematik. Stephan fragt sich, ob das dann wieder auf Null zurück springt, aber er spielt nur damit. Bei mir ist die Verwirrung echt.

Kaum im Büro muss ich mich wieder mit Wunstorf abmühen. Frau Tod sitzt auf gepackten Koffer und ihr Typ ist da um sie abzuholen. Dann hätte ich den Termin beim Jobcenter für Morgen, bei dem über ihre berufliche Situation gesprochen werden soll ja nicht absagen müssen, denke ich scherzhaft bei mir. Als nebenbei Visite ist und ich zusage mit einem Arzt zu sprechen und mich wieder zu melden und sie erneut anruft, raste ich etwas aus, dass sie mit dem Telefonterror aufhören solle. Sie hat verstanden. Ich rufe sie nachmittags wie verabredet an. Sie will mich kündigen, die Ärzte hätten ihr schon gesagt, dass ich der Meinung bin, dass sie noch da bleiben muss, sie merke langsam auf wen sie sich verlassen könne. Ich sei schon ganz schön verlässlich sage ich. Ja, vielleicht würde sie das auch mal anders sehen. Ich erkläre ihr, dass sie das nicht einfach so tun kann. Das Gericht muss die Betreuung aufheben und das werden die derzeit wohl nicht tun. Sie weiß.

In Sachen Herr Ihme ist die Stationsärztin heute nicht da, dann doch, jedenfalls liegt mir die ärztliche Stellungnahme nicht vor. Ich spreche dann mit ihr und sie schiebt die Schuld für das Chaos auf die Kollegin, die Wochenenddienst gemacht hat. Ich kläre, worum es mich geht, nämlich zu sehen ob sich sein Zustand durch eine kontinuierliche Behandlung noch verbessern lässt. Telefoniere mit der Fallmanagerin, die am 25.07. in den Mutterschutz geht und langsam selber sehr genervt ist von ihren Kollegen aus der Leistungsabteilung, die sich auch bei ihr nicht melden, von wegen so unter Kollegen könne man doch mal anrufen. Ich denke mir, ja hat sie recht und es zeigt das Ausmaß der Ignoranz, weil den Kunden veraschen ist normal, wenn da noch eine Anwältin/Berufsbetreuerin dahinter hängt ist es schon hartnäckiger, aber sich bei der eigene Kollegin taub stellen ist schon sehr dreist.

Der Kollege kommt rein und meldet uns, dass die Feier am Steintor noch andauert. Es ist gegen Mittag.

Nachmittags treffen bei Herr Borderline zuhause mit der ambulanten Wohnbetreuung. Das ist ein dicker Typ mit Plugs in den Ohren, der gerne kurze Hosen trägt und tätowiert ist und auf Death Metal steht. Ich war noch nie in der Wohnung in Ricklingen, wusste aber, dass es sauber ist und er eine Katze hat. Stephan erklärt mir wie ich fahren muss und hat Angst so von wegen, nicht dass jetzt auf den letzten Metern noch was passiert, er will die 10.000 jetzt auch voll kriegen. Meinem Schützling geht es schlecht, seit er sich mit seiner Mutter überworfen hat, die ihm immer das Geld eingeteilt und ihn überall hingefahren hat, läuft einiges aus dem Ruder. Er kokst, aber das hat den gegenteiligen Effekt auf ihn und bringt ihn runter, wie der Wohnbetreuer zu berichten weiß. Ich frage nach dem Schlaf und erfahre, dass er sich seit dem Überfall nur noch tagsüber zu schlafen traut, weil sie nachts kommen können und tagsüber keine Chance haben und das auch wissen. Das klingt alles recht desolat. Sein Dealer sei aber ein netter Typ und habe ihm auch Geld für Essen geliehen, er schuldet ihm derzeit 200,- €. Ist der denn versorgt mit Lebensmitteln will ich wissen. Ja, er hat eine Stange Toastbrot und eine Marmelade im Kühlschrank. Ein deutliches Bäuchlein hat er auch. Auslöser des Streites mit der Mutter war eine Fahrt an die Küste. Der neue Mann ist Berufsfahrer und wohl gefahren wie Sau. Er hatte Todesangst und hat nichts gesagt. Das kann ich beides nachvollziehen und habe es auch schon so erlebt, aber ich sage, die nehmen das anders wahr und es gibt das immer zwei Wahrheiten, weil gerade die Berufsfahrer immer meinen, dass sie das alles prima im Griff hatten und das gar nicht gefährlich war, andere Wahrnehmung eben. Sie hätten es wissen müssen, dass er das nicht ab kann und dann Panik schiebt. Ich wende ein, dass er das vielleicht vorher hätte klären sollen als Selbstschutz, weil vor allem er habe es doch gewusst von wegen, wenn der Fahrer mehr als 140 km/h fährt muss ich zuhause bleiben. Die Mutter hat wohl gesagt, dass er ohne sie nichts sei. Das ist hart, aber auch ein Stück wahr. Er ist nun dafür sich zugrunde zu richten bevor er sich bei ihr wieder meldet, „ihr wieder aus der Hand frisst“, darauf warte sie nur und würde dann triumphieren. Auch eine Variante sich dann lieber selber zugrunde zu richten oder sich seinem Dealer anzuvertrauen und passt zur Borderline-Erkrankung. Wir überlegen, wie wir die Aufgaben der Mutter mit übernehmen können. Der Dicke soll Geld einteilen, ich kümmere mich um eine Krisenintervention über Opferhilfe und Sozialpsychiatrischen Dienst.

Nein, in diesem Haus wohnt er nicht. Ich fand die Mieter Sieben, Neun und Zehn faszinierend.

neun zehn

Ich fahre am Ihmezentrum vorbei und denke an meinen Hasen. Ist jetzt besser für ihn, dass er eingefangen ist, davon bin ich überzeugt.

Beim Sport kommen mir Ballettmäuse mit Deutschlandrouge entgegen. Es geht in der Umkleidekabine darum, dass man nicht so doof sein soll zum Sport seinen Schmuck mitzunehmen. Die Klugscheißermädchen erklären der Lehrerin, wie sie den immer zuhause abmachen, weil ihre Tochter wohl was verloren hat, was teuer ist und „was hier ganz schwer zu bekommen ist“. Die Lehrerin spricht mit der Tochter Englisch, was schon immer total überkandidelt und idiotisch daher kommt. Dann im Unterricht erzählt Jenny von ihrem 1. Hochzeitstag. Das ist mal ganz weit weg von unserem Jubiläum.

Beim Yoga lässt Mikael uns die Arme kreuzen in der Vorderbeuge und ich bin erstaunt, was das für einen Effekt hat, diese kleine Modifizierung, aber so ist der Körper wohl.

Ich finde den Ayran-Deckel nicht, den ich gefaltet habe. Das macht mir so Stress, dass ich noch mal zum Türken muss und einfach Barfuß los laufe ohne Schlüssel. Erst zum Kiosk, die haben Ayran im Tetrapack, ich brauche es anders stottere ich und stürze nach gegenüber, kaufe, trinke, falte, aber kein Vergleich, meiner war aus Istanbul, glaube ich zumindest oder war es doch nur Berlin. Findet sich wieder was Neues, aber für mich erst mal schlimm wegen Kontrollverlust. Während ich den Anfall kriege, bleibt mein Mann ganz ruhig. Füttert mich mit Beeren und Vanillejoghurt in den Intervallen. Bietet mir Honigbrot und ich brauche nur zu schauen und er weiß Bescheid, Randstück wegbeißen oder andere Seite anbieten, die hat mehr Butter. Das läuft alles non-verbal. Ich habe so ein Glück gehabt einen Mann zu finden, der mich so verehrt und mich so gut kennt und so gut mit mir kann und gut aussehend ist er auch ohne Ende. Womit habe ich das verdient? Dann finde ich den Deckel noch, habe aber schon den anderen drauf genäht, dann eben zwei. Jetzt ist es eigentlich schon zu spät und ich werde Morgen müde sein.

15.07. Traum mit Marlis und Dieter, wollen ins Theater, buchen Hotelzimmer. Stellen irgendwann mal fest, dass sie nach dem Theater zurück fahren wollen, keiner kommt auf die Idee die abzusagen. Muss wohl so sein, weil die Schlüssel hatten wir zurück gelegt in die Glasvitrine und sie sind weg, weil wir praktisch nach eines Stunde schon wieder ausgecheckt haben. Stephan will unseres damit er sich in Ruhe umziehen kann. Ich nehme Comics mit 2 Bände á 22 SF, damit es sich wenigstens etwas lohnt. Dann sind Yogafrauen da und nette Hoteljungs. Der eine will uns noch einen Milchreis machen. Yuhu, ich liebe Milchreis. Mein Kleid was ich ausgezogen habe hängt an der Tür. Das darf ich nicht vergessen. Traum erinnert an die Reise nach Berlin für nur eine Nacht.

Fallmanager von Frau Yoga ruft an. Ausgesprochen nett, neuer Termin 18.08.

Fahre zu einer Betreuten durch die Eilenriede. Weiß jetzt, dass ich immer einen Umweg fahre und beim Kanapee schon gleich links abbiegen muss statt weiter bis zum Ende, wenn die Celler Straße in der Eilenriede mündet. Ich denke an Cesar Milan und den Bernersennenhund, den er neulich in der Sendung hat, Exotenrasse an der Westküste. Swiss Mountain Dog, erklärt er, „also known as the horse of the poor man“ und zeigt alte schwarz-weiß Fotos, wie sie vor einen Wagen geschnallt werden oder einen Holzwagen mit Kindern befüllt ziehen müssen. Ich mag die Rasse nicht, aber wenn ich einen hätte, würde ich mir einen Ben Hur ähnlichen Karren bauen und mich ziehen lassen. Das ist das Hauptproblem bei den Hunden, dass sie nicht ausgelastet sind, gerade bei Arbeitshunden, dann kommen die Verhaltensauffälligkeiten und hey, das würde ganz schön cool aussehen. Ich stehend im Wagen und wenn der Hund alt würde, könnte man den Wagen ans Fahrrad schnallen und es umgekehrt machen. Meine Betreute, die zum Messytum neigt, kenne ich schon lange. Sie ist trotz aller Einschränkungen aber noch voll orientiert und nicht will, dass ich ihr Geld an den Pflegedienst überweise und der dann für sie einkaufen geht, sondern will mit und selber was aussuchen und dann auch was erleben und ich erkläre der Frau von der Stelle Hilfe zur Pflege, dass ich dann nichts tun kann und wie es sich juristisch verhält, aber wenn hier die Motten und Fliegen schwirren und zu ihr sage, „Sie sollen die Süßigkeiten nicht stapeln, hier sieht es aus als hätten Sie 20 Enkel“. Sie esse eben gerne Süßes. „Ja essen, aber nicht die Ostereier aus 2009 horten“. Sie bewundert immer meinen Schmuck, heute würde ich japanisch ausschauen und vor allem meine Ringe will sie sich aus der Nähe anschauen. Bald ist die Sitzung vorbei, aber ich bleibe noch. Bin ja auch später gekommen, „nachsitzen“ sagt sie. Ich zeige ihr Fotos von früher, sie mit dem Sohn der verstorben in der Lüneburger Heide. Markus war so ein netter Typ, alle mochten ihn und jeden zweiten kannte er, wenn man mal in der Stadt unterwegs war. Ich sage, ja, wer Flohmarkt macht hat viele Sozialkontakte. In der Lüneburger Heide waren sie damals 9 Tage und haben Urlaub gemacht und gewandert bis ihr Vater keine Lust mehr hatte weil sein Knie ihm weh getan hat. Sie habe viel Zeit zusammen mit ihren Eltern verbracht. Immer die Feiertage mit der Familie und ihre Schwiegermutter hat gebraten und gekocht. Das waren schöne Zeiten und das kann einem keiner nehmen. Sie hat so Recht. Sie weiß noch, wie die Schwiegermutter gestorben ist, sie hat gesagt, ich mache mal Kaffee und dann hatte sie noch die Kaffeekanne in der Hand und hat ihnen erklärt, wo ihre Medikamente stehen und dann Krankenwagen, der viel zu lange gebraucht hat und am 22. Juni ist sie im Krankenhaus gestorben. Die haben ihren Kopf mit einer weißen Schleife umwickelt, dass der Mund zugehalten wird und sie habe ihren Kopf angefasst und der war noch ganz warm. Vielleicht war sie nicht tot? Doch bestimmt, wende ich ein. Vielleicht dauert es eine Weile bis der Körper auskühlt. Das Familiengrab in Lahe. Damals kurz vor seinem Tod hat Markus gesagt, auf den Friedhof gehe er nie wieder und sie hat gesagt, das würde seinem Vater aber nicht gefallen und dann als er tot war hat sie gesagt: „So, Markus und jetzt wirst Du dahin gefahren im Leichenwagen.“ Ich sage, manche Leute könnten das einfach nicht vertragen mit Friedhof und Krankenhaus und würden da rückwärts rausgehen. Sie erzählt von ihrer letzten Friedhofsbegegnung und hier muss irgendwo ein Brief liegen mit Fotos und tatsächlich, ich finde ihn. Sie hat ein Ehepaar kennengelernt, die ihr schreiben, „Als wir Ihnen neulich zufällig auf dem Laher Friedhof begegnet sind und sie das Grab bepflanzen wollten, hatten wir kein Werkzeug dabei und die Blumen konnten nur provisorisch in den Töpfen in die lose Erde gesteckt werden. Mein Mann und ich haben sie jetzt eingepflanzt als wir wieder einmal dort waren und tüchtig gegossen. Wir würden Ihnen allerdings dringend raten die Grabpflege in Auftrag zu geben und hoffen, dass Sie sich wieder gut erholt haben von dem Ausflug. Unterschrift mit Name und Telefonnummer sowie Fotos von dem bepflanzten Grab und die Frau daneben, die auch so ca. Mitte 60 ist. So nett, dass es so Menschen noch gibt meinen Frau Ring und ich. Ich will sie auch anrufen und mich bedanken. Frau Ring ist einverstanden. Dann erzählt sie, was sie mit dieser „Claudia“ alles erlebt hat. Das war eine Alkoholikerin, in die ihr Sohn verknallt war. Mit der hat sie gekämpft und auch auf dem Boden gerungen. Die hat sie und sich mit Feuerzeugbenzin oder Spiritus übergossen und sie wollte verhindern, dass sie an das Feuerzeug herankommt bzw. dieses betätigt. „Die dachte immer, sie ist groß und kräftig“ und dann hat sie ihr zack mit dem Finger ins Auge gestochen und hätte es rausholen können und die dann „aua“ und sei erschrocken zurückgewichen und Markus hatte sie gewarnt „leg Dich nicht mit meiner Mutter an, die ist kräftig“. Weiteres Foto, sie ein scharfen Geschoß mit B-52 Frisur wie sie ein Rentier füttert. Ja, die waren ganz zahm und das waren diese schwarzen Lackmäntel, kommentiert sie das Bild und ihr Outfit. Die hätten sie damals von Mäntelhaus Kaiser geschenkt bekommen, die Mitarbeiterinnen, weil sie davon eine ganze Stange hatten und die nicht losgeworden sind.

Bild mit TierKäse und WurstschnittchenHand mit Ringen Hand auf Decke2 Hnde mit Ringen

Lauter Kitagruppen unterwegs, aber wenn man schnell genug heizt, dann lassen die Erzieherinnen  ihre Herde nicht kreuzen. Vielleicht ist es ähnlich, ich mache mir weniger was aus süßen Kindern und Welpen, sondern mag die erwachsenen Tiere und dann gerne die, die skurril sind und vielleicht sonst nicht so gut ankommen.

Heute ist viel, viel schöner als Geburtstag. Der passiert so zufällig ohne Zutun, warum wird der überhaupt gefeiert, aber unser Jahrestag, das ist viel besser und stimmt mich viel fröhlicher. Juli statt Februar und so fühlen sich 10.000 Tage an. Nächstes Mal aber bestimmt anders. Wer hätte damals beim ersten Kuss in der WG gedacht, dass wir nach 10.000 Tagen hier landen? Jetzt geht es nach Berlin und wir fröhnen unseren Hobbies, die sich herauskristallisiert haben nach den 10.000 Tagen. Tim Raue liebt Mango, vergöttert sie, wenn ich mir das richtig gemerkt habe…

Ich musste neulich daran denken, dass wir so eine Art Lindeneinwanderer sind. Als wir ankamen wollten wir eine Wohnung in Linden und man erklärte uns, die sind schwer zu bekommen und die wollen viele und Linden nimmt nicht jeden, jetzt sind wir Hausbesitzer mit Immobilien in bester Lindenlage. So endete die persönliche Lindengeschichte.

Frau Tod entschuldigt sich, leider kann ich kein Taschengeld überweisen wie geplant, weil das online banking nicht klappt. Muss warten bis nach Berlin.

Tochter kommt Morgennachmittag und bringt mir das Portemonnaie. Sie wollte es dem Lebensgefährten geben mit ihrer Bankkarte und da sind wir alle dagegen. Gerne erkläre ich ihm das. Dann muss er vielleicht ins Kloster eine Runde meditieren.

Gebe meinem Kollegen seinen Button und den für seine Tochter mit Vorstellungstext. Er ist nicht dabei in Wien. Sein Besuch hat sich gewundert, weil die Fledermaus so klein war, dass er sie als solche nicht erkannt hat. Die Fledermäuse in Australien sind 10 x so groß, wie alle Tiere dort. Das will er seiner Tochter bald mal zeigen, wie es dort ausschaut. Der Freund ist ihr Patenonkel.

Ein Brief von der Tante im Briefkasten beim Gehen. Sie ist in der Reha und ich soll sie wohl mal anrufen.

Wir sind 20 Minuten zu früh, weil der Zug nicht um :11 sondern um :31 fährt. Das Planungstalent meines Mannes lässt nach, bzw. war in der ersten Hälfte der 20.000 Tage besser. Kontoauszüge holen und gucken ob was Komisches auf meinen Konten passiert, ohne online banking wird mein Mann nervös. Wenn es Morgen nicht geht, bringe ich das Taschengeld manuell auf den Weg. Zug hat ca. 25 Minuten Verspätung wegen „Arzteinsatz am Gleis“. Dann nehmen wir den IC sage ich. Stephan, das geht nicht wegen Zugbindung, nicht immer nur die Rosinen rauspicken. Ich frage den Bahnmitarbeiter, ab 20 Minuten Verspätung ist die Zugbindung aufgehoben. Ich sage typisch, das ist Deine Erziehung, dass das alles immer nicht geht und so hingenommen werden muss. Das ist unser Tag, verdammt noch mal und ich will nach Berlin. Ich habe einen Vertrag mit denen, aber der sieht vor, dass mein ICE um :31 fährt und um :11 ankommt und den haben die nicht eingehalten und ich nehme den IC und mach das Beste draus. Er entschuldigt sich wegen der Abfahrtszeit und ich sage; hey, ohne Dich wäre mein Leben viel Chaotischer, alles gut.

SMS von Steffi mit Glückwünschen zu unserem Zahlenspiel.

Keine Sitzplatzreservierung, auf meinem Kopf sieht es so interessant aus, deswegen bleibt die Frauen stehen

Warum ziehen die jungen Dinger diese grausamen Schlabber-Hippie-Hosen mit den schlimmen Mustern an? Unvorteilhaft ohne Ende, zeigen, dass sie alles tragen können? Können sie ja gerade nicht.

Über den Hund von Freunden stolpern kostet bzw. bringt 30.000 €. Ich halte das Urteil für idiotisch, amerikanische Verhältnisse, krass.

Wir fahren in Berlin ein. 4 Tierschädel in Kränzen außen an der Fassade, perfekt symmetrisch angebracht. In Spandau?

Erst fährt die U-Bahn nicht, dann die S-Bahn oder Regionalexpress und wir stehen ewig. Die größten Deutschlandvollpfosten (oder –spaten) haben sich hier versammelt und vermutlich nutzen sie die WM um sich zu vermehren. Wir steigen gleich an der nächsten Station und falsch aus (Stephan lässt auch nach bei der Reiseführung). Statt die lange Wartezeit zu nutzen um auf seinen Zettel zu schauen. Zug steht noch da, als wir zum Gleis zurückkehren. Kein gutes Zeichen, erst gehen die Türen nicht auf, dann doch, schnell rein, wieder warten, dann die vorhersehbare Durchsage: alle aussteigen. Defekt an den Türen, der war schon vorher da, aber jetzt geht nichts mehr haben sie nach 30 Minuten festgestellt. Stephan entschuldigt sich, aber ohne ihn wäre das Reisen undenkbar für mich, also was soll’s. Dafür fahren wir ohne. Deutschland rufen zählt heute als Fahrkarte.

Erst mal Kaffee und gebackene Schweinereien, Blaubeerkuchen vegan und Erdnusskekse mit ganz viel wie flüssiger Schokolade gefüllt oder sind es große Chocolate Chips, die etwas angeschmolzen sind? Der Blaubeerkuchen mit Haferflockenrand sieht aus wie Brot, schmeckt aber unglaublich saftig.

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2 Fahrräder, Kaution am Kiosk wieder holen, weil er erst um 14 Uhr aufmacht. Öffnungszeiten 14-18 Uhr, ein Traum. Das ganze Gespräch am Kiosk ist skurril. Wir erklären unser Anliegen, 2 28er Damenfahrräder bis Morgen. Wie sind die Öffnungszeiten? Ganz normal ab 14 Uhr. 12 Uhr etwas fährt unser Zug. Er dann: o.k., dann können wir sie vorher zum Flughafen bringen. Da hat er einen Zweitladen. ???? Oder vor der Kiosk 2 Häuser weiter abstellen und dort ist die Kaution hinterlegt. Das Mädchen muss nicht aufpumpen. Sie soll meinen Sattel höher stellen. Stattdessen wir überall noch eine halb Tasse Luft reingemacht und den Auftrag vergisst sie dabei wieder bzw. findet das Werkzeug nicht.

Kiloweise Lakritze. Lakritze ist das neue Heroin, wie man Mann zu Recht feststellt. Ich hätte Claudia damals ernster nehmen müssen. Die ist auf Nachtisch fixiert und ausreichend kundig und kennt die Butter, Schoko, Salzkaramellvarianten der Welt. Als sie nach einem Skandinavienurlaub so durchdrehte und immer von diesem Nachtisch erzählte mit Schoko und Lakritze und es sei das geilste gewesen, was sie je gegessen hat. Das hätte mir mehr zu denken geben müssen, aber ich bin noch dahinter gekommen und die Lakritztrüffel sind der Burner. Wir testen 2 und Stephan kauft den Rest auf, auch um die in Wien mit unseren Freunden zu teilen.

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Unser Hostel wird von Holländern betrieben und deswegen heißt es „lekkerurlaub“ (wäre sonst ein total idiotischer Name, aber so macht er Sinn). Das hätte man auch drauf kommen können. Diese Holländer sprechen immer akzentfrei englisch, so dass man erst denkt, sie seien aus einem englisch-sprachigen Land, dann kommen aber junge Backpacker und er, der Kleine mit den langen Haaren legt los mit der süßen holländischen Sprache. Fahrräder haben sie keine mehr und als ich später wissen will ob wir unsere Leihfahrräder in den Innenhof stellen können Übernacht meint die Frau, dass die Feuerschutztür nicht mehr aufgeht, wenn man sie zufallen lässt, dass wir dann nicht mehr reinkommen und ich: ja, aber wir sind zu zweit und auch nicht so doof. Sie: man weiß ja nie. Hat sie total recht und dann: vielleicht kennen wir uns erst 2 Stunden. Eine Steilvorlage, die ich einfach stehen lasse.

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Heike und Georg kommen zu uns mit meiner Buttonmaschine im Gepäck und mit Bergen von Geschenken, „Küssen“ und „Essen“ zwei Sonderanfertigungen der Honey-Bones zu unserem Jubiläum. Heike und Georg haben die Halbzeit schon überschritten mit 5030. Auch eine sehr schöne Zahl. Blutwurst und Stoffravioli und eine ganze große Wundertüte, die schönsten Stücke aus der Sammlung von Heike für mich, Polyesteroberteile mit verblichenen Blumen, massenhaft Hütchen vorgefertigt, Rohlingen, wie sie es nennt, mindestens 30 Stück. Für Stephan ein Küchenhandtuch „Scherben bringen Glück“ und wunderschöne Knöpfe, Perlmutt und aus blauem Glas.

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Wir schwelgen und essen.

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Ich liebe Heike und Georg sehr. Es sind ganz wertvolle und besondere Menschen. Mit niemandem hätte ich diesen Tag lieber gefeiert, zumal sie nicht nach Wien kommen. Sie genießen das Essen und die leckeren Weine. Ich versuche immer die Blutwurst neu in Szene zu setzen und Heike mich auf der Toilette.

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Dann Biergarten „Frank und Frei“, von Franken betrieben samt der Bierambulanz und noch mal Brigitte und Arnd treffen. Heike macht sich Gedanken um den Abwaschberg, den wir produziert haben und klingt so süß und auch irgendwie nach meiner Schwiegermutter, alles wurde immer abgeräumt samt Besteck und neu gebracht. Ich habe noch einen Gutschein für Blutwurstravioli sonst wäre ich todtraurig, dass dieser wunderschöne Abend vorbei ist. Brigitte sagt, ich hätte sie gut runtergebracht oder auf andere Gedanken und das sei nicht so leicht. Ich weiß gar nicht wodurch, freu mich aber, dass es so ist. Alte Freunde sind schon was Tolles.

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Toller Mond, muss nicht immer voll sein. Die jungen Menschen sitzen in Reihe auf dem Bordstein mit den Füßen auf der Straße. Wie Spatzen schaut das aus. Was für ein herrlicher Tag. Besser hätten wir es uns nicht vorstellen können. Hier das offizielle Foto nach 10.000 Tagen…

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Geburtsanzeige von Jola am 09.07. geboren und mit ganz vielen braunen Haaren auf dem Bauch ihrer strahlenden Mutter. Ich mache den Stoffglückskeks von Heike an meine rote Berlintasche. An Stephan dekoriere ich unsere neuen Honey Bones.

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16.05. Nach den nächsten 10.000 werden wir richtig alt sein, Stephan geht dann auf die 80 zu und es wird sich nur vorher eine Zahl von 1 auf 2 verändert haben und sonst alles Nullen. Mathe soll mal einer verstehen. Wo werden wir uns da hinbewegt haben? Sollte ich heute mal eine Prognose abgeben? 10.001 ist auch eine schöne Zahl meint mein Mann.

Es ist 20 nach 9 und der Langhaarhippie baut die Möbel auf und stellt die Blumen auf die Tische. Er hat total schlechte Laune und Stephan meint so passend. „Frühstück ab 9, hieß das für ihn und er möchte nicht gestört werden?“ Mein Gott, vielleicht sollte er früher ins Bett oder weniger kiffen. Das 9 Uhr in Berlin ist das 5 Uhr von woanders und deswegen macht es auch Sinn, dass der Fahrradladen erst um 14 Uhr öffnet, dass ich quasi 10 Uhr in übersetzt.

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Wir trinken Kaffee und essen Müsli mit Früchten und erreichen aber Dilek nicht. Dann schauen wir nach der Busstation, bringen die Fahrräder weg (der Kiosktyp weiß erst von nichts, aber es klappt dann doch) und kehren erneut in unserem Lieblingsladen ein.

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Die eggs benedikt sind so was von Hammer, dass ich sie vor lauter Aufregung nicht fotografiere, sondern nur den Carrot Cake und das Avocado Toast.

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Es sitzen die überdrehten Schönlinge aus ganz Europa im Café und viele sprechen Englisch.  Ein junger Mann, der aussieht wie Barbie mit rundem Gesicht und vermutlich gerade vom Yoga kommt, zu den rasierten Achseln hat er ein Tuch asymmetrisch um den Oberkörper gewickelt und auch die „Hose“ sieht aus wie die Windel von Jesus. Er bekommt von seiner Schwulenfreundin ein Geschenk und hat offenbar Geburtstag. Es folgt demonstratives auspacken und sich dabei bewundern lassen, ein anderer junger Mann mit Brille ist zwischenzeitlich eingetroffen. Das Geschenk sah schon außen schrecklich aus, aber der Inhalt ist schlimmer, Billigunterwäsche „Ellen“ mit passenden Socken. „It even smells like Ellen“, verkündet er, total überdrehte Szene, der nichtsnutzige Lebenswandel wird von Papa finanziert. Ein Husky liegt mitten im Weg. Das kann jetzt teuer werden. Pillen gibt es auf der Straße und mein Ayrandeckel steht auf einer Fensterbank

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Ich werde ein Ayranfreundschaftbändchensammelhütchen daraus machen. Das hatte ich vorher schon überlegt. Leider nehme ich ihn nicht mit. Kaufe eine Blechnähmaschine als Christbaumschmuck für überteuerte 6,50 €. Hat im Einkauf bestimmt höchstens 30 Cent gekostet. Ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich so mein Geld verdienen würde. Statt ein gutes Produkt anzubieten, einfach Billigware überteuert an Touristen verscherbeln, aber bei mir hat es heute geklappt. Wollte es unbedingt für ein Hütchen. Sie empfiehlt mir den besseren Boesner, den Heike schon erwähnt hat und wir waren abends mit den Rädern daran vorbei gefahren. Da würde ich richtig fündig werden. Es ist mir zu blöd ihr zu erklären, dass mein Material meistens von der Straße stammt und ich mich vom Zufall inspirieren lasse und nicht zu überteuerten Preisen Neues einkaufe. Das macht nämlich sonst keinen Spaß. Im Bus gibt es keine Fahrkarte, das passt schon wird mir bestätigt vom Fahrer. Was passt daran, wenn er keine Fahrkarten drucken kann, fahr ich umsonst. Ich bin offenbar zu spießig für die Hauptstadt. Die Klimaanlage ist nur laut und macht Klimaanlagengeräusche ohne Kühlung. Ist das wie ein japanisches Klo, fragt mich Stephan. Die Hauptstadt hat eine eigene Zeitmatrix und ist sehr esoterisch und wir fragen uns was kollektive Wundtherapie sein soll im Gegensatz zu der individuellen. Ein Schmerzmittel für alle?

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Am Berliner Hauptbahnhof stellen wir meine Kotzszene vom letzten Besuch nach und tatsächlich, der Fleck scheint noch da zu sein….

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Über Zugplatzreservierer habe ich mich schon genug aufgeregt. „Karin, welche sind unsere?“. Es muss das geilste sein ohne Not einen Platzrecht zu erkaufen. Auf die Frage, „ist das Ihrer“, „so sieht es aus!“ zu antworten. Dann fällt mir eigentlich nur fick Dich und noch eine gute Weiterfahrt ein. Die alten Mädchen, die sich Filmchen gegenseitigen zeigen auf laut gestellt versteht sich und über What’s App fachsimpeln um dann noch mal nach einem Magnum-Eis zu fragen, auch wenn sie schon wissen, dass die Kühlung defekt ist. Da hat sich jetzt während der Fahrt nichts geändert, weil der Elekrikerspiderman nicht auf den fahrenden Zug gesprungen ist und wenn er es wäre, wäre davon immer noch kein Eis an Bord. Was können wir tun, wird noch einer mit Bauchwagen zusteigen? „Ein Kollege mit einem Bauchwägelchen“. Kann das Bahnpersonal da was machen? Können wir nicht einen Extrahalt unterwegs machen und ich springe in Stendal kurz zum Kiosk und kaufe 2 Magnum? Man!! Mein Essen habe ich dabei.

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17.07. Alptraum, wir sitzen an einer langen Tafel und empfangen die Mandanten, die Unvorteilhaften zu mir, die Schicksen, die sich scheiden lassen wollen kommen zu meinem gutaussehenden, aalglatten Kollegen (es war nicht Hilmar) und wir lachen uns tot. Nehmen jeden Fall an. Gegen Aufpreis kümmere ich mich um die Tiere, sage ich der einen Frau. Landschildkröte im Vogelkäfig im Schrank (vorübergehend), fällt erst da runter und dann noch mal die Treppe und läuft anschließend aus. Wasser kommt aus dem Panzer, wie aus einem Wasserhahn und sie stirbt, dann doch wieder lebendig und läuft in den Garten mit Hunden, die sie abschlecken. Sie ist das erste Mal draußen, dann staunt über alles, Erde, Sonne, lieber hier sterben als ewig behütet innen, rechtfertige ich die Sache und freue mich. Irgendwie stirbt sie doch oder läuft weg und wie es passiert ist, darüber lüge ich die Besitzerin an. Insektenplage in der Speisekammer, exotische Fliegen und Würmer, ganz eklig. Im Keller weniger, die genau aussehen wie meine aus Gummi und auch die Konsistenz haben, die spieße ich auf und schmeiße sie in einen Eimer, wo sie nicht raus können und entsorge sie dann. Das Problem ist gelöst aber oben ist ein Sumpf aus Schlamm und Dreck mit viel Wasser, wie ein Teich des Grauens. Dann andere Szene, die Wallrosse haben im Süßwasser überlebt und sind riesig geworden (quasi wie bei Helge Schneider, der eckige Hai, der ins Aquarium reingewachsen ist), sie leben im Garten in ganz kleinen, quadratischen Teichen, die mit Holz umrandet sind wie Kompostkuhlen. Sie tauchen auf um die Atmen und ich ekele mich, wenn ich an ihnen vorbei muss und sie dabei berühre oder in die Nähe komme, dann werde ich hysterisch. Hier bin ich so eine Art Kindermädchen.

Ziehe die Termine durch, Geld austeilen, Betreute bespaßen, arbeite durch bis zur letzten Minute. Steffi meldet sich vom ersten Apfelstrudel, Wohnung und alles schön. Meine Tante in der Reha ruf ich nicht mehr an, schaffe ich nicht. Eine Frist ist mir durch die Lappen gegangen, wie sich später herausstellt. Dann schnell nach Hause und ab zum Flughafen. Wien wir kommen. Altes Aschanti-Foto zur Erinnerung.

Aschanti

Reise in die fränkische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

27.06. Jetzt ist es soweit. Die Kollegin schreibt mich an, weil ich über den Hund lästere. Zu wenig Unterstützung und Solidarität. Hat sie vielleicht auch Recht, aber immer wenn ich was gesagt habe, wurde das Verhalten des Hundes gerechtfertigt. Da muss auch ein Auftrag vorhanden sein sich in eine fremde Erziehung einzumischen. Frauchen muss allen im Büro sagen so und so haben wir uns zu verhalten gegenüber dem Hund. So klappt Erziehung, dass alle das gleiche tun und dazu müssen sich die Erwachsenen absprechen und erst mal einig sein, was ist das Richtige, was das Ziel, was die Methode. Ich will mich ihm bei einem langen Spaziergang vorstellen und nicht im Büro anbiedern. Ignorieren scheint mir derzeit das Beste. Wir haben uns wegen des Bürohundthemas in der Wolle und ich darf morgens 1 Stunde auf Vorwurfsemails reagieren statt Tagebuch zu schreiben. Es ist nur ein Hund, wie Stephan meint. Ich glaube aber jetzt nach dem Schreiben, er steht für viele emotionale Themen und die entladen sich daran. Andere Dinge, wie dass ich oft merke meine Betreuten werden nicht akzeptiert oder schräg angeschaut von den Kollegen, gerade von ihrer Mitarbeiterin, Die werden quasi von den Kollegen angebellt. Herr PM stinkt, beschwert sie sich oder Herr Ihme war wieder ohne Termin da usw. Sie will mir das vielleicht auch nur mitteilen, aber es kommt anders bei mir an.

Topfe Stephans Tomaten um. Das ist meine Aufgabe. Erst hatte ich mich geweigert, aber hey, so wenig wie ich mache, kann ich das wirklich tun und so sind die Aufgaben und Stellungen halt verteilt in unserer metrosexuellen Beziehung. Ich bin für die Wäsche (aufsetzen und bügeln, nicht wegräumen) und das Umtopfen zuständig. Die Ableger von Markus Pflanze, der kranke Penis, der ejakuliert und sich selber fortpflanzt mache ich in einen Plastiktopf der frei geworden ist. Das hätte wohl nicht sein müssen und war vielleicht sogar falsch und feuchtes Zewa morgens hätte auch gereicht bzw. wäre besser gewesen, weil dann werden sie wieder umgetopft. Die wachsen ja nicht an in 4 Tagen. Ich will sie meiner Frau Miesepetrig, mit der ich mich jetzt sehr gut verstehe und sie in Frau Balkon umbenenne vorbeibringen am Dienstag wenn ich vor einer Gerichtsverhandlung Post bei ihr abhole. Umtopfen ja, aber gießen tue ich sie nicht vor der Reise.

Wegen fehlender Kommunikation verfehlen wir den Zug um 9:26, weil Stephan nichts gesagt hat, sich rasierte und ich noch nackt auf dem Sofa sitze. Ich hole noch die Zeitung, meide aber das Büro. 10:26 hat aber Verspätung. Hoffe, es reicht für das Bratwursthäuschen in Nürnberg, aber das wird es wohl bei unseren Prioritäten. Ich spiele mit dem neuen Plastikspielzeug und plane schon die ersten Hütchen. Das wird tolle geben. Ich plane schon und bilde kleine Grüppchen mit Figuren. Die Putzschnecken mit dem weichen Vorderteil gefallen mir. Ich merke, dass ich wohl lange keine Ü-Eier mehr gekauft und gegessen habe. So finde ich es auch viel besser, den Konsum nicht aktiv unterstützen und doch so viele Teile bekommen. Eines setze ich allerdings gleich aus.

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Ich halte die vielen Reservierungsmeldungen Fulda-Würzburg in unserer Nähe für einen Systemfehler (einer wurde auch vom Zugführer angekündigt). Aber nein, es kommen die Fulda-Würzburg-Kurzstreckensitzplatzreservierer. Es sind mittelalte Menschen, die keine körperlichen Gebrechen haben und offenbar andere gerne verjagen. Es gibt genug freie Plätze, aber wir müssen umziehen. Dafür haben sie ja auch gezahlt. Wir lästern laut. Stephan meint, die haben länger am Bahnsteig gestanden als sie jetzt ihre Sitzplatzreservierung auskosten (der Zug hat 30 Minuten Verspätung). Wir verbessern uns und ziehen nach gegenüber in Fahrtrichtung. Die Wolken sind hier auch viel schöner.

Würzburg ist schön, die Wolken auf blauem Himmel über den Weinbergen bieten einen besonderen Anblick und lecker war es hier auch. Da sollten wir noch mal hin.

Die Zugführer haben keinen Anstand im Leib. Mein französisch ist grottenschlecht, aber wenn ich Durchsagen zu machen hätte, würde ich doch an den Wochenenden so lange Privatunterricht nehmen, bis ich diese 5 Sätze fehlerfrei und mit akzeptabler Aussprache hinbekomme!

Ankommen, Bratwürstchenhäuschen an der Sebalduskirche. Erst mal unten in der U-Bahn. Eine Säule die ganz laut tickt für Blinde.

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Habe ich noch nie gesehen, habe die hier in der alten Nazihochburg besonders viel wieder gut zu machen und demonstrieren jetzt Behindertenfreundlichkeit?

Oberfränkische Motorradfreunde sitzen im Biergarten neben Japanerinnen, die sich 6 Würstchen (die kleinste Einheit) teilen, dazu eine Cola und ein Weizen und die Würste hier sind totlecker, vor allem auch wegen der konsequenten Spezialisierung, aber sie werden auch immer kleiner. Neben uns ein japanisches Pärchen und die haben etwas mehr Appetit. Er hat eine Haxe gegessen und isst noch ihr Essen auf. Die Bedienung penetriert beim abräumen mit der lauten Frage „was it good?“ „hast’s geschmeckt“ und macht so lange weiter mit der Befragung bis sie ein „ja“ bekommt. Neben uns erzählt eine Oma von der Schulter-OP. Ewig könnte ich dem Dialekt zuhören.

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Ein Bratwursthäuschen Bus, der aus verschiedenen Segmenten, wie eine Kindereisenbahn besteht, fährt vorbei mit Touristen. Wer nicht hier war, der war nicht in Nürnberg.

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Wir laufen zur Station Lorenzkirche vorbei am Wochenmarkt, der sehr reizvoll ausschaut, aber wir haben keine Zeit. Mein Schuhwerk ist sehr unpassend für das Straßenpflaster. Ich liebe den Dialekt und könnte mich gleich stehen bleiben, wenn sich zwei alte Weiber über ihre Krankengeschichte unterhalten. Das unterscheidet diese Stadt von meiner Geburtsstadt Stuttgart. Wir fahren zum Plärrer und dann noch 3-4 Stationen zu einer Endhaltestelle und gehen dort zur Galerie Oechsner.

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Auf dem Weg treffen wir schon Andreas, mit dem wir verabredet sind. Die Gegend ist die Bronx von Nürnberg, dann eine türkisch geführte Autowerkstatt und die Galerie in einem modernen Gebäude, wo sich die Kunst sammelt.

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Wir laufen schnell und rücksichtlos durch die Ausstellung, wie es unsere Art ist und verärgern den Andreas. Ich mag ihn halt lieber als seine Sachen und sage ihm das auch. Sie gefallen mir schon, aber für Fleiß- und Geduldsarbeit habe ich von Haus aus wenig übrig. Ein älterer Typ meint auch zu ihm, dass es wohl vergebene Liebesmühe mit uns sei. Er hat Fotos von weißen Rosenblättern auf dunkler Wasseroberfläche. Andreas erkennt gleich was es ist. So einfach, wie er meint, die Frage alleine schon eine Beleidigung seiner Intelligenz. Die Galeristin hatte ihn gefragt, ob künstlich oder natürlich . Schönes Muster, vielleicht eine Vorlage für zukünftige Zeichnungen.

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Andreas und ich haben auf anderer Ebene Gemeinsamkeiten. Wir halten die Fahne hoch für die Provinz, er Nürnberg und Fürth und ich eben Hannover. Er mag Paris nicht sagt er selbstbewusst, die zehrten auch nur von der ruhmreichen Vergangenheit und in der Gegenwart sei wenig davon zu spüren. Kritisch gesehen könnte man auch sagen, dass Nürnberg etwas angebaut hat gegenüber dem Mittelalter, aber was soll’s. Ich sehe es ähnlich wie er und Arno Schmidt.

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Wir unterhalten uns mit der Galeristin, deren Mann in Wien für die ARD stationiert ist und tauschen Erfahrungswerte aus sowie Essenstipps. Sie rät auch zu einem Waldschwimmbad mit Blick auf Wien. Als es um den Zentralfriedhof geht, meint sie, wer was auf sich hält, der müsse dafür sorgen, dass er vor allem nach seinem Ableben den Menschen im Gedächtnis bleiben und sich für ein prächtiges Grab entscheiden. Das ist natürlich eine Steilvorlage für uns und wir sagen, dass wir uns hier in Nürnberg eingekauft hätten, gräbermäßig. Sie glaubt zuerst, dass wir sie verarschen. Dann geht es um den Tod der Eltern, Grab als Stätte um Emotionen abzuarbeiten. Wir verabreden uns lose für Wien und ich freue mich über das gute Gespräch und wir umarmen uns zum Abschied als die Putzfrau kommt. Andreas fährt Morgen mit dem Bus nach Berlin und dann weiter nach Marseilles und hat hier eine Auftragsarbeit als Kunstmaler. Einen besseren wird man nicht finden können. Die Einladung zum Grillen schlagen wir aus und wegen einer Reservierung im Essigbrätlein. Es ist heiß und ein Busfahrer hält den Daumen hoch und strahlt mich an als er vorbei fährt. Ich habe Glück, weil der Draht zu den coolen Säuen klappt offenbar städteübergreifend.

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Erst mal zu unserem Friedhof, der so üppig ist zu der Jahreszeit. Durch kontinuierliches Besuchen will ich zumindest was abarbeiten. ich schau mir immer wieder an, wo es dann hingehen wird, auch wenn das abstrakt bleibt. Die schönen Gräber gehören oft Metzgern und Privatierswittwen sind hier auch zu finden. ich lege mich auf eine Grabplatte und das ist Stephan  unangenehm bzw. „wenn einer das sieht“ (bzw. wegen des Denkmalschutzes und weil man das nicht anfassen soll). Und ich denke: Probeliegen für später und was soll ich dabei kaputt machen? Ich entferne nur Staub und Dreck. Stephan und ich sind gleichermaßen wieder total begeistert von unserem Friedhof und bereuen es nicht, uns eingekauft zu haben. Stephan meint nur, wenn die erste Mietzeit abgelaufen ist, könnten wir noch Grabstätten tauschen und in eine bessere Nachbarschaft umziehen, näher an Dürer. Süß!!! Ja, es gibt bessere Gräber und unseres ist schlicht, aber durch die Nachbarschaft zu den beiden Engeln finde ich es immer und es liegt am Weg und was soll’s- ist halt mittelprächtig, wie wir. Passt doch.

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Ein Skaterpark vor der Stadtmauer, man schaut von oben darauf. Meine Füße tun weh, keine überteuerten Turnschuhe kaufen. Tolles Schaufenster. Ist es wieder Luis Vuitton? Mit Pusteblumen. Einzelne Segmente mit Schirmchen sind schon rausgeweht und fliegen mit einem Edelstahlsamen durch die Gegend. Das passt zu den handwerklich perfekt umgesetzten Arbeiten unseres Freundes. Kaffee auf der Brücke, Latte Fredo

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und dann sind wird die ersten Gäste, mein Lieblingssommelier hat Urlaub, hat aber ganz sicher vorher die Weinauswahl getroffen. Das kann er und unterscheidet den Laden von vielen anderen. Hier ist die Weinreise Pflicht, wenn man auf so was steht und lohnt sich wirklich. Wir sitzen am Fenster hinten den Butzenscheiben. Was hier auch total cool ist, ist dass sie die Klos so lassen und das heißt, wie in einem fränkischen Landgasthof mit braunen Kacheln mit Blattmuster. Gut, de Waschbecken und Klos sind neu und Handtücher gibt es auch, aber ansonsten old school ohne Ende. Es hat was, ein Alleinstellungsmerkmal.

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Einige erwachsene Kinder, die sich von ihren Eltern offenbar aushalten lassen (Zahleoma, wie wir das früher im Clichy genannt haben). Ein Student sitzt neben uns mit Eltern, die ausschauen wie die von Otto Dix. Einzelkind? Ruhen die ganzen Hoffnungen auf ihm? Hoffentlich studiert er auch Jura und ist nicht nur eingeschrieben, dass sich das alles lohnt. Ich lasse den Cousin von Carlotta irgendwie grüßen. Er kocht hier und war früher am Timmendorfer Strand. Ein Studentenpaar aus Erlangen. Sie wirkt steif und spaßfrei, trinkt keinen Alkohol und ist Vegetarierin. Er ist nicht so alkoholgewohnt wie die anderen und hat nach der Weinbegleitung ordentlich einen sitzen. Beim blutigen Lammfleisch muss er die Augen schließen. Deutlich ist es ihm anzumerken, wie geil er das findet. Sieht ein bisschen aus wie Sex und ja, da kann man schon mehr drauf durchdrehen als auf Kohlrabi und Rote Beete. Wir hatten bekannt gegeben, dass wir einen Zug erreichen müssen und müssen dann selber drängeln. Das wäre dem Sommelier nicht passiert. Am besten schmeckt mir übrigens der erste Fischgang mit Sashimi und Gurken, eingelegt (süßlich) und frisch (wegen der Fischgänge hatten wir diesen Laden immer vorgemerkt sollten sich doch die Japaner aus Kyoto mal nach Europa verirren) und das Lamm mit Dillblüten und Auberginen (Mus und nacktem weiße, eingelegte Auberginen). Der Nachtisch begeistert nicht und ich vergleich es mit einem Coitus interruptus. Ich würde extra einen Patissier einstellen, weil ich finde das muss sich noch mal richtig steigern gegenüber dem Hauptgang zum Schluss hin und es den Gästen so richtig besorgen der Nachtisch. Am liebsten 2 wie im Artisan früher. Schön ist es schon und auch lecker und sie können nicht nur klein schneiden, sondern arbeiten sehr aromatisch und Gemüse lastig und dann kommt ein kleines Stück Fleisch und da hat man dann richtig Bock drauf und das ist richtig gut gemacht und das Tier nicht umsonst gestorben.

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Ich würde auch nicht Hannover gegen Nürnberg eintauschen, weil hier kann man 1 x im Jahr hin, sonst halten die sehr fest an Dingen, die sie entwickelt haben und das wäre das langweilig. Da gehe ich lieber zu Dieter Grubert. Der kann auch Fisch und Nachtische besser.

Wir warten auf die U-Bahn, deren Ankunft nirgends ersichtlich ist, alte Klapptafeln, kein Plan. Stephan findet den Schließfachschlüssel nicht. 60 Sekunden später und wir hätten den Zug nicht bekommen. Es ist voll und stickig und wir setzen uns ins Kinderabteil neben einem DB-Mitarbeiter. Als Stephan die Koffer hoch macht, wird dieser mit Staub berieselt. Das ist nicht unsere Schuld, wenn hier immer nur Pendler ohne Gepäck unterwegs sind und die Staubschicht schon so dick. Ich sitze neben ihm und er hat seinen Laptop aufgeklappt und lauter ebay Sachen mit alten Bahnhofsuhren am Laufen und liest dann ein Fachblatt der Bahn. Der Typ ist hard core. Paps schreibt eine SMS, dass sie doch zuhause sind und schon mal ins Bett gehen. Der letzte Streckenabschnitt quält. Ich kenne Schnabelwaid nicht. Taxi, der Knast steht noch. Morgen soll das Wetter schmuddeliger werden und Sonntag ganz schlecht, wenn er frei hat. Typisch wieder. Ich nutze mein Licht am Handy um den Schlüssel zu finden und mein Paps ist am nächsten Morgen entsetzt, dass ich nicht weiß, dass es Licht in der Garage gibt. Kein Tee, den Arnhild liebevoll gebrüht hat, nur noch ins Bett.

28.06. Früh wach und meine Eltern sind da. Nach dem Frühstück fahren wir mit Paps in die Stadt. Mama sagt, wir sollen bald wieder kommen, es sei eine Entbehrung für sie uns gehen zu lassen. Der neue Radweg. Für die Landesgartenschau 2016 wird der Main breiter gemacht, bekommt seinen natürlich Lauf zurück und einen neuen See und Parkplatz gibt es auch. Wir besuchen die Trödelläden der Vergangenheit. Im ersten gibt es nur eine Holzavocado und einen Jüngling, den ich entdecke um Blumen zu stecken. Hier gibt es ein tolles Quilt USA 1920. Ich finde es handwerklich eine eins, aber was soll ich damit, also nur Foto.

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Dann Zwischenstation bei der Kultmetzgerei Rauch. Der Bußfahrer hält mit seinem Bus davor und lässt sich ein Labla mit Sülze machen, duzt die Verkäuferin, „da machste mir 3 Scheiben drauf“ und steigt wieder in sein Fahrzeug ein, was direkt vor dem Schaufenster steht. Es gibt ein Hinterzimmer und sie biete Mittagstisch an. Da würde man mich regelmäßig finden. So viel ist klar. Zu Media-Markt, die Super-8-Filme abholen. Hier wirbt Herr Gloeckler über den Behindertenparkplätzen. Wir hatten Morgens so oft angerufen bis eine Stimme am anderen Ende meinte, dass er schon gemerkt hätte, dass ich ständig anrufen würde und gerne zurück rufen würde, er hätte gerade Kundschaft. 19,- € für 3 Minuten-Film, aber wir sind alle aus der Familie sehr gespannt, was sich in dem Überraschungspaket befindet.

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Dann weiter zu der Frau aus der ehemaligen DDR. Der Typ ist an Krebs verstorben und sie macht den Laden weiter. Kennt uns von früher. Dietrich hat mir hier meine Zuckerdose gekauft und ein Emaillewerbeschild haben wir auch im Keller mit einem Hofnarr drauf (Zigarrenwerbung). „Freilich kennt sie mich noch von früher“. Dietrich kauft Bleigewichte für seine Uhr aus dem Schwarzwald, der er gerade repariert und einen alten Aschenbecher von Bingen am Rhein, eine Figur, die den Franzosen mit der Faust droht, dass sie es nicht mehr wagen sollen über den Rhein zu kommen, ich Holzspielzeug aus dem Erzgebirge aus den 50er Jahren, 2 Spitze und 4 Tauben (Bauernhof, wobei ich die Ziegen und Küken zurück lasse), dann kleine Katzensammeltassen von der Sorte superkitschig für eine Kette zu meinem Briefmarkenhütchen und einen Windhund aus Plastik bekomme ich geschenkt sowie ein Briefmarkensammelbuch aus den 50ern. Ich mache einen Witz, dass ich ihr nur die Stadttiere abnehmen würde, Spitz und Tauben, um den Preis zu drücken. Sie erklärt mir, dass Spitze früher Hofhunde waren. Das weiß ich, die kläffen gut, sind klug und mutig, verteidigen und gehen auch mal ran und sind mittlerweile fast ausgestorben. Es geht um ihre Tochter im Ministerium auf die sie stolz ist, sie ist verbeamtet, was sie immer wollte und das Enkel, den sie mit einem Mann aus Südamerika gezeugt hat, sieht süß aus. Mein Vater erzählt von seiner Tochter, die auch gerade Karriere gemacht hat (meine schwerbehinderte Schwester) im Heim und durch Schuhe ins Klo stopfen, beißen und konsequent und absichtlich in die Hose machen sie jetzt in eine andere Abteilung durchgekämpft hat. Sie hat einen neuen Partner, ein alter Freund ihres Mannes. So kommt es ja oft und ich frage Stephan, mit wem ich dann zusammen kommen werde, mit Günter? Dann Bratwürste, Gottfried, ein Basset von beträchtlichen Ausmaßen, der sich immer gleich hinlegt während Herrchen in der Schlange vor dem Bratwursthäuschen steht, bekommt auch welche. Es ist „Handwerkmarkt“ und man kommt mit dem Fahrrad nicht durch, eine regionale Firmenschau und es gibt neben Nippes und Kinderbespaßung unseren Optiker Fischer und die älteren Herrschaften mit denen ich unterwegs bin, lassen sich die Brillen putzen und richten. Daneben ist konsequenterweise das Bestattungshandwerk angesiedelt und einen Mann im Rollstuhl haben sie davor abgestellt. Ich kaufe mit Paps Kissenbezüge für Arnhild und heute ist 3 für 2 genau auf diesen Artikel (als hätten sie es gewusst) und dann noch bunte Gummibänder für die Hütchenproduktion. Was werde ich eines Tages machen, wenn sie die hier aus dem Sortiment nehmen? Wir gehen ins Rossi und lassen Stephan alleine sitzen und auf die Bestellung warten. Ich kaufe bequeme Schuhe in schwarz-weiß mit Gummisohle und flach für 39,20. Sie sind von 49 ,- noch mal 20 % reduziert. Ja, Bayreuth ist unsere Einkaufsstadt. Der Eiskaffee ist zwischenzeitlich angekommen und man hat einen Blick auf den Lottohandwerker, der daneben seinen Stand aufgebaut hat. Dietrich hat seine frisch geputzte Brille mit Sahne eingesaut und seinen fast getrunken als ich ankomme. Wir ziehen ohne ihn weiter und kaufen eine Hose für Stephan. Die meistens sind an den Waden viel zu eng, aber die Verkäufer bemühen sich redlich um ihn. Ich bekomme Aufkleber geschenkt. Roboter mit Brustbehaarung. Das gefällt mir, dieser Trend mit den rasierten Männerbrüsten in T-shirts mit V-Ausschnitt sei falsch, erkläre ich dem jungen Mann an der Kasse, der zuvor einem Kunden erklärt hat, dass man jetzt wieder die Schleife sehen dürfe bei Turnschuhen und dieses Reingestecke von Knoten und Schnürsenkel passé sei. Es sei zum Laufen schon immer total unpraktisch gewesen. Wir gehen weiter zu Rainer, einem Freund von früher und schauen uns die Wohnung an und machen einen kurzen Kontakt, Zwischenstand, was gerade so ansteht bei ihm im Leben, aber in der kurzen Version. Seinen Sohn, die schon groß ist, d.h. Pubertät, muss er uns aufzwingen, wir haben mehr Interesse an seinem Hund. Drehen eine Runde mit Luis durch den Hofgarten an meiner früheren Schule vorbei und dem Kriegerdenkmal wo wir früher demonstriert haben am Volkstrauertag als Gegendemonstranten, ich zumindest als Schülerin. Es ist eine Rosenausstellung und alles schön herausgeputzt. Der Hund orientiert sich gut, ein echter Follower, er hat schwere Knochen und keine Kondition. Ein trächtiger Spring-ins-Feld ist interessiert, aber er nicht. Das läufige Weibchen ist auch nicht ihres, wie uns die Studentin mitteilt. Na dann könnten wir es einfach ausprobieren, aber Kaiserschnitt ist das sicherlich fällig bei der Geburt, so schmal wie sie gebaut ist, das Miniaturreh. Luis Zunge ist gerollt wie ein Blatt und er heuchelt und ist supersüß. Eine Mischung aus Mops und französischer Bulldogge, sieht auch aus eine englische Bulldogge in Miniatur. Ich liebe es wie er die Beine nach hinten klappt und den Bauch auf dem Küchenfußboden kühlt als wir wieder zuhause sind.

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Zwischen Hiphop und Reststubbe Mittelalter….Die Gaststätte Eule, wo Festspielgäste absteigen und unsere Freundin Brigitte früher gejobbt hat, gibt es immer noch.

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Wieder zuhause, die Haare in Lockenwicklern, angespannte Stimmung, etwas helfen. Ich hole mir tiefe Kratzer an den Beinen, aber bestücke den neuen Ikebanaständer, den wir gefunden haben.

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Die Gäste kommen um 18 Uhr u.a. mein früherer Deutschlehrer, mit dem ich dieses Mal das Du klar mache und Freunde meiner Eltern in unserem Alter, die im Wald wohnen und Geschwisterkater halten gegen die Wühlmäuseplage. Sie wohnen in Hof und sind damit ganz dicht an Tschechien und viel näher an Städten wie Karlsbad und Marienbad, wie ich vermutet hätte. Der Künstlerfreund des Hannoveraner Verlegers mit der Paketsendung ist dieses Jahr verhindert. Um nach 22 Uhr kommt die zweite Hälfte der Gäste, die in einem kirchlichen Kabarett waren und mein Halbbruder, wie ich ihn nenne, der Techniker, den mein Vater 1980 eingestellt hat und der ihn ergänzt und heute noch auf Reisen begleitet (sie waren gerade in Israel) grillt noch einmal auf dem Elektrogrill. Er hatte damals schwere psychische gesundheitliche Probleme und hat jetzt 4 erwachsene Kinder darunter 2-3 hochbegabte, die Stipendien bekommen. Das sind halt mal bald 35 Jahre. Ein weiterer später Gast ist eine Frau, die viel und lustig redet, auch Kunst mag und Bridge sehr ernst betreibt. Es ist eine lustige Mischung, einmal kommt die Polizei wegen einer Ruhestörung, die gemeldet worden sei als es gerade heftig regnet. Sie stehen mit ihren olivgrünen Uniformen im Garten und wir erklären, dass sie nicht uns gemeint haben und der Anlass ist auch schon vorbei seit einer halben Stunde. Mein Paps ist hardcore und ruft laut „Ruhe“, wenn er seinen Gästen was sagen will. Die kennen ihn und es tut mir gut, hier nicht angespannt sein zu müssen, sondern zu wissen, dass sie ihn so kennen und auch lieben. Wer weiß, ich werde vermutlich auch so enden. Holzhammer halt. Erst um halb 2 geht der Abend zu Ende. Wir haben draußen gesessen unter einer großen Markise mit Heizstrahlern. Mein Vater freut sich und als alle gegangen sind und der Tisch notdürftig abgedeckt ist wollen wir endlich die alten Schätze gucken als Belohnung. Das machen wir auch im Freien an Stephans Rechner. Die Filme zeigen mehr meinen kleinen Bruder als mich, sind aber trotzdem interessant und erfreuen das Herz. Er ist ein Bewegungstalent und unternimmt mit 5 Monaten erste Gehversuche, wie wir anschließend in den Fotoalben aus dieser Zeit nachlesen. Er darf auf Beton mit Stufen seine ersten Gehversuche machen und alles klappt, er hält sich fest oder geht runter auf den Boden und überwindet jedes Hindernis und entdeckt alles heldenhaft alleine. Dann misshandelt er die Schreibmaschine, die noch im Einsatz ist, aber auch hier lässt man ihn gewähren. Alles steckt er sich in den Mund, auch Holzbalken, die herumliegen. Ich staune, wie er zielsicher das Plastiktelefon aus dem Spielkorb nimmt und auf der Wählscheibe herumfuhrwerkt und sich den Hörer ans Ohr hält. Hat er schon voll kapiert. Klar konnte ich mit unter 18 Monaten ganze Sätze sprechen, aber die Papageien sind mit den Flugsauriern verwandt und plappern nur ohne höhere Intelligenz. Auf das Verstehen kommt es an. Ich spiele nur am Rande eine Rolle, weil wohl mit den Kurzfilmchen 1974 der Stammhalter für die Verwandtschaft in Übersee dokumentiert werden sollte und lege eine Tanzeinlage ein. Das Springen mit Hüpfseil gelingt mir grottenschlecht, weil es irgendwo hängen bleibt, am Hinterkopf oder am Ohr oder mir aus der Hand fällt. Arnhild herzt ihn nur mäßig in meiner Anwesenheit um Eifersucht vorzubeugen. Das habe sie ausgiebig tun können, wenn ich morgens in der Schule war. Ich habe blonde, lange Haare und bin schüchtern und zurückhaltend und ja, süß. Am besten gefallen mir die Szenen mit Tinkel, unserem Kurzhaarzwergdackel. Er war damals mein Baby und auch noch ein Welpe/Junghund. Ich greife hinter mich und zack befördere ihn nach vorne und er schaut interessiert auf mein Essen, was ich vor seiner Nase herumwedele, beherrscht sich aber. Ja, das mit der Hundeerziehung hatte ich damals voll drauf. Diese Selbstverständlichkeit mit der man dem Tier begegnet ist war der Zauber, kein Zögern, keine Angst, machen. Da ist mir auch viel von verloren gegangen durch Nachdenken und dadurch Ängste, Bedenken, Zögern. Das kann man da alles nicht gebrauchen. Machen und nicht fragen, alles musste er sich gefallen lassen und war dafür super sozialisiert und kinderverträglich, was bei dieser Rasse der Wadenbeißer nicht selbstverständlich ist. Meine Querulatorische Betreute schreibt mir: „ich bin wieder mit meinem Partner zusammen (der im Innenministerium arbeitet“. Verpisse mich ins Bett auf französisch.

29.06. Wieder viel zu früh wach. Noch mal die Filme, wie das Leben früher war. Kleinkinder haben beinhart und ohne Helme Gehübungen auf Betonstufen gemacht und durften sich alles in den Mund stecken, aber alte Holzplanken. Schauen auch die korrespondierenden Fotoalben durch. Arnhild hat so schöne schwarz-weiß Fotos gemacht und auch selber abgezogen. Im Album finden wir aber auch ein Foto von Arnhild und einer anderen Deutschen mit bodenlangen Musterröcken, dass man erblinden könnte, oben schwarz und flankiert von den Ehemännern im Anzug. Absprachen wegen Kalifornien, die Daten noch mal durchgehen, IBM-Mitarbeiter von früher im Internet suchen. Etwas Karten spielen und dann wird der Grill erneut angeschmissen und ich esse Würste bis ich nicht mehr kann und Sauerkraut. Heute schmeckt alles besser als gestern und Kuchen aus roten Johannisbeeren gibt es auch. Stephan isst Riesenstücke.

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Wir nehmen Grillfleisch mit. Ich habe mit in den Holundersirup verliebt (die Enkel helfen bei der Produktion, aber er ist zu zuckerhaltig) und nehme mir zwei Gläser aus dem Keller und mache sie in den Koffer, Marmelade gibt es auch noch und Cherrytomaten hätte ich auch mitnehmen sollen zum Blauschimmelkäse, den wir Freitag in der Feinkostabteilung gekauft haben und der schon einiges an Wegstrecke hinter sich hat.

Am Bahnsteig in Nürnberg ist ein skurriles Paar, Mutter und Sohn. Beide sehen aus als wären sie direkt den 50er Jahren entstiegen. Er sieht aus wie ein Möchtegernjurist, konservativ gekleidet, einer, der sich nach Karriere anzieht, aber noch zuhause lebt. Er schimpft viel mit Mutti, aber sie hat die Hosen an. Sie beweist Dominanz und ignoriert das Schimpfen und er geht immer wieder zu ihr. Im ICE ist der schönste Himmel. Woran liegt das? Vielleicht weil man durch die Landschaft braust bis er sich auftut und teilweise auch einen tollen Weitblick hat.

Frühpubertäres Mädchen fängt an zu weinen. Man spürt förmlich den Weltschmerz. Mutter tröstet kaum, tätschelt etwas und lenkt ab mit Gesprächen über Schuhe, die gekauft werden sollen. Die sollte man in den Arm nehmen oder zumindest das Gespräch suchen. Am besten beides. Richtig körperlich. Tut etwas weh, dass sie es gar nicht tut. Es geht wohl um getrennte Eltern und Umgang. Sie sind in Fulda zugestiegen und ich habe gehört „im Sommer bist Du auch eine Woche bei mir“ und „wollen wir Zelten“ und die Tochter, nein lieber was Ausgefallenes machen. Zelten sei ausgefallen.

Ein Hund, der ruhig vorne im Fahrradkorb sitzt mit brauner Schmiere unter den Augen gefällt uns beiden und ich denke zuerst, Tinkel war Kinderersatz für mich und deswegen bin ich da so darauf konditioniert und wollte keine Kinder, sondern reagiere statt dessen stark auf Hunde. Vielleicht ist es so, aber mein Mann ist angesteckt.

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Das Foto ist Juli 1973.

War heute schlecht drauf (zu wenig geschlafen, mehrere Nächte in Folge). Nicht mal die Filme habe ich auf den Rechner laden lassen und ein Ladegerät haben wir auch liegen lassen (gut, dass war weniger ich). Was ich vergessen habe war ein Sukulentenableger von unserem Friedhof. Dann hätte ich einen vom Friedhof Montparnasse gehabt und einen von dort. Steffi hätte ich im Heim anrufen sollen, weil man das jetzt machen soll nach meiner Mutter, auch da habe ich mich verweigert. Irgendwie war die Energie nicht da.

Kehrwochenende

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13.06. Ich ärgerte mich gestern, dass ich Stephan anrufen musste vom Handy, weil ich nicht weiß, ob ich die Marienstraße oder die Hildesheimer runter fahren muss nach Kleefeld. Ich kann es mir nicht merken, obwohl ich die Strecke schon zig mal gefahren bin. Ich baue mir nach dem Ärger eine Eselsbrücke KLM. Kleefeld liebt Marienstraße. Ich komme mir dement vor und total dämlich.

Mr. Borderline hat sich entschuldigt und ich fand das total klasse. Die ambulante Wohnbetreuung, die eigentlich schon fast Angst vor ihm hatte will weiter machen. Das finde ich total wichtig, weil gerade so Heimkinder haben oft die Erfahrung gemacht, dass es einen Konflikt gibt und dann die Bezugspersonen wegbrechen und das soll hier nicht der Fall sein. Wenn ich was zu sagen habe, halten wir das aus und schaffen Kontinuität.

Heute werde ich um 6 Uhr schon wach und um 7:58 Uhr habe ich das Üstra-Ticket am Automaten gezogen. Wir nehmen die Bahn, die Stephan rausgesucht hat um 8:17. Unser Zug mit Zugbindung fährt um 8:41. Leider fliegen wir am Schwarzen Bären raus und stehen mit vielen anderen auf der neu gebauten Haltestellenbrücke (Hochbahnsteig). Die nächste Bahn kommt in 10 Minuten. Schaffen wir das, will ich von Stephan wissen. Er bejaht, weil wir ja nur ca. 6 Minuten Fahrtstrecke vom Bahnhof entfernt sind. Taxi wäre ohnehin keines griffbereit. Ich bin schon angespannt. Dann kommt die U-Bahn endlich um halb und ist supervoll. Sie stockt, die Menschen sollen die Trittstufen frei machen. Immer wieder halten wir und es geht nicht voran. Irgendwann hilft nur auf eine Verspätung der DB hoffen. Wir rennen zum Bahnsteig, ich hyperventiliere und meine Beine drohen zu versagen. Dann steht fest, es ist 8:43 als wir oben ankommen und unser Zug ist weg. Ich drehe durch, will wieder nach Hause, alles absagen. Stephan will am Automaten ein neues Ticket kaufen, ich will Rache. Meine Laune ist so was von miserable, dass ich meiner Umwelt Angst mache. Ich schnappe mit am Gleis des Intercity nach Kassel eine Bahnmitarbeiterin und erkläre der schon mal alles und dass ich Genugtuung will, weil alle unsere Termine durcheinander kommen und wie früh soll mal noch losfahren usw. In dem Zug sind Hühner auf Junggesellinnenabschiedstour und Männer, die Sitzplatzreservierungen haben und Zahlen laut aufsagen. Bei dem einen bleibe ich ganz nah an seiner Kopflehne stehen und er will wissen, ob ich nicht durchgehen wolle und ich erkläre ihm, nein und, dass ich genau für diesen Stehplatz eine Stehplatzreservierung hätte. Wir gehen dann in den Speisewagen und ich bekomme einen lauwarmen Tee, bei dem sich das Wasser nicht verfärbt und ich kann meinen Finger hineinstecken und der wird noch nicht mal richtig gewärmt. Den muss ich auch reklamieren. Das für 3,20 € und das total schlechte Baguette-Frühstück kostet 6,80 €. Die haben sportliche Preise in der Bahn. Die Schaffnerin, die die üstra nicht kennt, weil sie aus München kommt und sagt, dass sie aus Kulanz die Zugbindung aufhebt und unserer Tickets gültig schreibt und fragt mich, ob meine Laune jetzt besser sei, was ich bejahe. Wenn ich richtig sauer werde habe ich doch Erfolg, auch mit privaten Anliegen.

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Das hat uns 125,- € und noch viel mehr Ärger und Frust meinerseits gespart. Umsteigen in Kasel-Wilhelmshöhe, eine Signalstörung in Gernsheim oder so ähnlich, wir kommen an mit erneuter Verspätung.

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Ich bin erleichtert aus dem Zug aussteigen zu können. Superlangweiler von Berufskollegen aus einem Verlag haben uns seit FFM gegenüber gesessen. Er ein alt wirkender Mann mit sehr schmalen Schultern und schlimmen Dialekt und Zähne und sie jung, mit langen blonden Haaren, aber auch kaum attraktiver. Im Verlag arbeiten, aber nicht richtig Deutsch sprechen können, „die Kamera, wo ich dabei habe“….Gefallen tun mir immer die Schrottplätze, sie erfreuen mein Herz. Wie ein riesiger Haufen Gold, das glänzende Metall zu einem Berg aufgetürmt, der in die Sonne glitzert und glänzt, die eine Seite rostig, die andere shiny. Wenn ich meinen dicken schweren Rung verliere, den ich heute trage, hat die weitsichtige Goldschmiedin vorgesorgt und meinen Namen in die Ringschiene reingestanzt. Orte, die Wolfgang heißen. Hey, wir haben noch nie in Hanau gehalten.

Der Stuttgarter Bahnhof ist nicht wiederzuerkennen und man muss ewig latschen. Taxi. Beim Apartment treffen wir meine Eltern, die unten beim Vietnamesen „Noodles“ was essen. Ich bin mehr als grantig und kriege mich einfach nicht ein und Stephan tut ihnen leid. Stephan macht die Wohnungsübergabe oben im Haus und ich lasse mich auf einen teuren, aber ausgezeichneten Mittagstisch einladen. Edles Sashimi-Fleisch mit Nudeln, Salat und frischen Kräutern. Der Laden ist gut. Die Dachgeschoss-Wohnung ist etwas bedrückend, aber die Dachterrasse bietet einen spektakulären Blick und viel Platz.

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Wir trennen uns von meinen Eltern, die zu Breuninger wollen, gehen Kuchen kaufen bei Nast. Ich sehe schon deutlich die ersten sicheren Anzeichen der Kehrwoche.

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Ewig laufen wir zum Taxistand, weil man keine Chance hat eines von der Straße anzuhalten und ich aufgegeben habe und fahren zu meiner Tante in den kühlen Wald, um wenigstens die Folgeverabredung einzuhalten. Hier gibt es Kaffee. Vieles ist schön 50er Jahre mäßig und irgendwie vertraut z.B. die gebatikte Arche Noah, die bei meiner Oma hing, die sie ihrerseits schon geerbt hatte und auf der mein Name steht, obwohl ich selber gar nichts damit anfangen könnte, d.h. ich freue mich, sie hier zu sehen und wir hören uns andere Versionen der Familiengeschichte an. Es gibt alte Servietten mit einem etwas anderen Stadtplan, irgendwie sehr komprimiert. Ich fühle mich wohl mit dem Nebendarsteller von Pooh. Außerdem geht es um Billigtaxen, kleine Nägel, vollgeblutete weiße Leinenhosen, chinesischen Tee. Es geht nichts über einen gut ausgestatteter Haushalt mit Sieben, Trichtern und alten Flaschen mit Bügelverschluss.

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Dann geht es mit klimatisiertem Bus und Bahn zurück.

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Ich schaue kurz in dem Tanzbedarfsladen rein, die ab Morgen Ausverkauf haben, aber es gibt im Sommer keine Wollleggings und meine Füße schmerzen schon in den ungewohnten Sandalen. Tanzschühchen mit Riemchen und Highheels sind mir nicht zumute. Die schauen auch alle als hätte der Elefant den Porzellanladen betreten.

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In der Puffstraße vor unserer Mietwohnung hängen sehr alte Zuhälter zum Fenster raus.

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Meine Mutter leiht sich meinen Rock mit den roten Jugendstilstickereien, den Andrea mir genäht hat. Der steht ihr gut, der Stoff stammt ohnehin von ihr und wenn ich ihr mal was Gutes tun kann, dann mache ich das gerne und so wechselt er den Besitzer, ohne dass ich ihn jemals getragen hätte. Wieder und jetzt gemeinsam verlassen wir unseren Bau auf Zeit und wir fahren mit der Zacke, das ist eine Zahnradbahn und unser Ticket von vorhin gilt noch, auch wenn mir das heute egal wäre bzw. ich auf meine Überzeugungskünste gegenüber jeglichem Personal der Personenbeförderung vertraue. Als wir oben aussteigen steht ein total gut aussehendes und sympathisches Paar von der Wielandshöhe und ich hoffe, es ist unser Blinddate an diesem Abend und das ist dann auch so. Herbert ist sehr charmant und Andrea sehr gutaussehend und sie hat ein tolles Kleid an mit fotorealistischen Blumen darauf. Das Essen überzeugt nicht so sehr. Es ist wohl eher die Lage, die dieses Restaurant herausragend und so beliebt macht. Nur die Wachtel als Vorspeise ist richtig lecker, das andere eher durchschnittlich. Das Hauptgericht noch besser als einige Zwischengänge und ich esse es sogar ganz auf, obwohl ich dachte, dass ich Stephan die Hälfte oder mehr abgeben würde.

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Mein Kollege erzählt vom Seminar mit anstrengenden Firmenjuristen, die total schwierige Fragen stellen und er gewohnt sind andere mit ihrem Wortschwall zu verwirren. Da hilft nur Columbo-Strategie. Sich doof stellen und sich das immer wieder erklären lassen bis die anstrengend Fragenden ganz mürbe werden. Ich sage, dass sie so lange Fortbildungen machen werden bis auch der letzte alte Lude sich auf Streitschlichtung und Interessensausgleich versteht. Meine Eltern laden uns ein, nachträglich zu Stephans Fünfzigsten. Meine Mutter legt sich beim Käsegang mit der Bedienung an, die ihr zu schnell abräumt, d.h. die Teller wegzieht während man noch beim Essen ist. Wir sind um 23 Uhr die letzten Gäste und die Angestellten räumen kräftig auf. Es ist eine Stimmung als würden sie schon für das Frühstück eindecken. Als wir anschließend zur Haltestelle Weinsteigen laufen trinken Jugendliche auf der Straße und es steht ein Schild „Bio-Avocados zu verschenken“ am Rande der Schrebergartenkolonie, was total lustig auffällt. Ich kann keinen Zusammenhang erkennen. Es ist der Hinweis auf einen besetzten Garten und illegalen Klub, wie Stephan später herausfindet. Andrea gibt eine Runde Fahrkarten aus und immerhin fehlen uns nur zwei von acht. Auf der Straße wird mein Kollege von seinem 45. Geburtstag ereilt. Wir gehen noch eine aus Runde auf unserer partytauglichen Dachterrasse und geben damit an. Ich hoffe, dass wir das Stuttgarter Pärchen noch mal treffen werden und beneide meinen Kollegen um diese Gastgeber. Herbert empfiehlt uns schwäbische Küche direkt bei uns im Rotlichtviertel, „Weinstube Fröhlich“ heißt der Laden und ich vertraue Herbert. Für Stephan gibt es auf der Dachterrasse ein Gedicht, obwohl er gar nicht aktuell Geburtstag hat. Meine Eltern umarmen alle und sind sehr vertraut, aber es wird konsequent gesiezt, auch mein Kollege und unser Freund. Das müssen wir ihnen noch mal abgewöhnen bzw. hätte am Abend gleich konsequent eingreifen müssen, was ich nicht tat. Um 2 Uhr gehen wir müde ins Bett. Ich habe am kleinen Zeh rechts außen die hammergroße Blase. Der Wahnsinn. Ich dachte, das wäre „Fußfleisch“ was da durch das Lochmuster gepresst wird, aber das gibt es an dieser Stelle nicht. Sie ist groß und hart, so dass ich erst überlege, ob mir hier auf die Schnelle eine riesige Warze gewachsen sein kann, was ich dann aber doch ausschließe. Schlimmer ist, dass ich meinen rechten Ohrring verloren habe und es sind ganz alte Ohrringe der ersten Stunde, d.h. aus den 80ern. Ewig nicht getragen und jetzt ist einer weg, d.h. nie wieder. Wenigstens wurden sich noch auf BM dokumentiert versuche ich mich über den Verlust hinweg zu trösten.

14.06. Meine Mama hat nicht geschlafen und das überwiegend auf der Wohnzimmercouch. Stephan hat die Kamera in der Wielandshöhe vermutlich liegen lassen, aber da ist keiner zu erreichen. So viel zu der Ohrringdoku.

Ich lenke mich etwas ab mit Dokumentationen bei uns im Treppenhaus (die geile Kakerlake) und anderswo. Unsere Gasse mit abgesperrten Mülltonnen.

Dead BugMülltonnensicherung 1 Mülltonnensicherung 2 Pizzakartonsammlung Schmelzgold vergrabener SUVBunte HantelnBlumen und gespegeltBlumen hinter GitternBild an HauswandAntemnnensicherungMetallspinneJakobschuleKehrwocheKehrwochutensilienKunstaugenpraxis

Wir gehen zu Herbertz Espressobar und frühstücken. Hier ist es entspannt und es gibt ein Pferd und ein Einhorn auf Rädern für die Kinder. Bei Mädchen sind beide gleichermaßen beliebt und werden viel geritten. Wir essen leckere Laugen-Sesam-Croissants mit Bauernschinken (das ist hier Schwarzwälder). T-Shirts gibt es auch.

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Dann schauen wir in einem Tee-Laden rein, der im Heusteigviertel von einem Engländer betrieben wird. Wir machen eine Teeprobe. Paps kauft Grüntee und wir Kekse und Clotted Cream.

Kuhkännchen

Da der Typ nicht rechnen kann, zahle ich nur, was die Ware auch Wert ist, weil hier werden englische Kekse überteuert verkauft in kleinen Mogelpackungen mit viel Verpackung und nur 80 gr. Kekse für Phantasiepreise. Die meistens Packungen hätten 4,90 € gekostet. So weit ist der Importweg von England nach Stuttgart nun auch nicht. Wir kaufen Blumen in einem tollen Blumenladen mit Feigenbäumen vor der Tür für unsere Gastgeber heute Nachmittag.

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Dann gehen wir noch eine Runde in die Markthalle und auf den Flohmarkt, der für mich keiner ist, weil hier lauter Leute ihre festen Plätze haben und immer dieselbe Ware am selben Platz. Was ist das für ein Flohmarkt? Ein schlecht gelaunter Uhrenhändler, bei dem ich schon mal eine Dose Ösen gekauft habe usw. Heute alles zum halben Preis, wirbt eine Frau. Was bedeutet das auf einem Flohmarkt? Haben die Dinge feste Preise und wenn ja, wirbt man damit auf einem Flohmarkt? Ich kaufe eine Serie Katzenbriefmarken für 50 Cent an der Stelle wo ich letztes Mal die Pilzbriefmarken gekauft habe. Dann noch zwei Indianer in meiner neuen Lieblingsfarbe, kupfermetallic für 1,- €. Mehr Umsatz ist mit mir nicht zu erzielen. Zuhause habe ich dann Katzen aus Nicaragua und Kühe aus Frankreich zum verbasteln.

Chamäleon an der Markthalle und unsere Wohnung auf Zeit.

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Stephan hat in der Zeit die Kamera geholt und wir treffen uns wieder, gehen ins Apartment und schauen nach den Öffnungszeiten eines sozialen Kaufhauses in Bad Cannstatt. Dazu hören wir MC Brudaal oder wie der heißt mit seinem herrlichen Song über die Kehrwoch. „Jetzt wird sauber gmacht, das is a Supersach. Das ganze Treppenhaus, so sauber check des aus“….“ein kleines Verschnauferle ….und en Energybier… und wenn’s hier nicht sauber wär, dann wärn wir ja am Prenzlauer Berg“. Nachdem es im Auto stressig ist zwischen der Fahrerin und dem Beifahrer (meinen Eltern) und das Wegdiktatgerät ewig nervt, sage ich den Programmpunkt soziales Kaufhaus ab, bevor es noch stressiger wird. Im Tunnel wird meine Mutter geblitzt, ein Radfahrer fährt im dichten Verkehr und wechselt die Spuren. Das regt die Rentner noch mehr auf. Wir kommen an in Untertürkheim und machen einen Überraschungsbesuch bei fast 90-Jährigen. Ein sehr nettes Ehepaar aus der Verwandtschaft. Er übt sich gerade in Kehrwoche als wir vorfahren und macht dann eine Flasche Trollinger auf in der guten Stube, sie holt das Käsegepäck aus dem Wohnzimmerschrank. Er noch sehr stattlich für sein Alter, wie mein Mann bemerkt. Das Wetter sei unnatürlich heiß dieses Jahr, die Traubenblüte war an seinem Geburtstag fast vorbei. Früh ist es, wenn sie da schon begonnen hat. Seine Johannis- und Stachelbeeren sind zum Teil verbrannt. Seine Weinberge hat er verkauft. Der Käufer hat jetzt 14 Hektar von 88, die die Genossenschaft insgesamt hat. Er hat ganzjährig 2 Polen da, sonst schafft man die Arbeit nicht. Dietrich will unbedingt den Keller sehen. Paul hat kaputte Knie und Treppen steigen bereitet ihm Schmerzen. Da wird keine Rücksicht darauf genommen und er tut alles, was verlangt wird. Das Haus wurde im 30-Jährigen Krieg zerstört, aber der Keller nicht. Er hat eine Raumhöhe von 5 Meter und ist ganzjährig kalt. Er diente im 2. Weltkrieg als Luftschutzbunker und ist schon beeindruckend. Ich will mir noch mal den Unimog aus den 60er Jahren anschauen, seinen Lebensbegleiter neben seiner Frau. Dieser steht in der Garage und kann angeblich alles. Auch Strümpfe stricken, will ich wissen. Das nicht, aber sonst alle Arbeiten, wobei man für die kleineren am Hang zwischen den Reben wohl auch ein anderes Fahrzeug nutzt. Er sieht aus wie ein Militärjeep und man könnte gut Modells daran posieren. Hilde macht sich Sorgen um den Enkel, der studiert und Tag und Nacht lernt und über den Büchern hängt. Das sei nicht gut. Da kann man auch überschnappen, wie sie so schön erzählt auf breitestem schwäbisch. Das sei der einen Mieterin von ihnen passiert. Einfach übergeschnappt. Sie sind einfach herzlich und lieb ohne Ende. Hilde erzählt beim Abschied, dass sie immer mehr Türken als Nachbarn haben. Das ist nicht rassistisch gemeint, aber man merkt, dass sie es nicht mehr verstehen, dabei passen Türken so gut hierher und machen auch die Kehrwoche anstandslos mit. Herbert hatte erzählt, dass ein Türke neulich einen einheimischen Kohlschneidewettbewerb (es wird wohl Kraut gemacht) gewonnen hat. Auch klar, aber die Einheimischen waren verwundert und haben den Wettbewerb seit dem nicht mehr abgehalten.

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Wir fahren zu den Jungen, Annette und Jörg und ich lerne die Zwillinge kennen, Johanna und Paul. Paul hat eine Badewanne voller Spielautos und kennt alle Marken, vor allem natürlich Daimler. Ich spiele am liebsten mit dem Unimog, den ich heute kennen gelernt habe und spiele damit so, wie es die Kinder nicht dürften. Stephan nennt mich beim Hochladen der Bilder eine Sau.

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Johanna lernt Ballett. Wir gehen nach Kaffee und Kuchen am Friedhof vorbei zum Collegium Baden-Württemberg.

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Das Sunset Wine Tasting ist auch für Nicht-Trinker und Kinder eine herrliche Veranstaltung und junge Wein-Stewardessen (Wine Guides, die aus Winzerfamilien stammen) führen einen durch die Weinberge. Es ist so schön dort. Sie haben ein paar Reihen Reben zur Bewirtschaftung übertragen bekommen, damit sie üben (Tamagottchi-Prinzip). Wir sollen raten, wie oft man die im Jahr aufsuchen muss. 2 mal am Tag ist mein Tipp zur Erheiterung. Sie haben einen sehr leckeren Silvana daraus gemacht. Beim Riechen tut es mir leid, dass ich den nicht probiere. Mein Paps und ein anderer älterer Typ halten die Guides mit Fragen auf Trab, aber dafür haben sie einen jungen Mann als Spezialbetreuer um diese Kundschaft etwas auf Abstand zu halten. Wir machen ein Fotoshooting mit den Zwillingen. Sie sind zu süß!

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Der Spaziergang an den Steinmauern entlang, aus denen auch die verschiedensten Pflanzen wachsen ist sehr schön. An der einen Stelle zeigt uns der Guide ein Versteck. Eine Plastikdose ist unter Steinen platziert. Da werden Schnitzeljagden veranstaltet. Ich verstehe das Prinzip nicht, aber tue das Pflaster hinein, was mir meine Mama für meine Blase gegeben hat und was ich nicht mehr gebrauchen werde.

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Ich sage den jungen Frauen, die die fachkundige Weinführung machen, dass sie bestimmt beide nur Weinköniginnen werden wollen und sich dafür wechselseitig die Knie brechen werden. Das gibt einen Lacher. Es ist schon klar, dass die beiden vom Fach sind und es hier um Fortbildung geht bzw. die Kultur zu vermitteln und die Tradition weiter zu geben. Wie war doch noch mal das schöne Zitat. Tradition bedeutet das Feuer weiterzugeben und nicht die Asche zu hüten oder so ähnlich.

Dann kommt Gerhard, der älteste Bruder unseres Gastgebers mit seinem Hobler den Hang hinauf gefahren. Den Namen hatte ich heute schon mal gehört. Er ist der kleine Bruder des Unimog. Er macht Tacker an Schnüre, die zwischen die Reben gezogen werden. Auch hier werden Fotos gemacht, außerdem ist Johanna mit einem Weinkranz unsere Königin. Gerhard hatte einen Trieb entfernt, den ich gleich im frischen Zustand geflochten habe.

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Die Männer machen ihre 5er Stempelkarte noch voll und kaufen Wein. Wir gehen am schönen Spielplatz hinter dem Haus nach Hause. Annette muss kurz darauf die Männer abholen und ich sage Johanna, dass sie jetzt die Verantwortung für uns alle hat und froh sein darf, wenn wir keinen Blödsinn machen. Arnhild und ich sind da. Sie ist sichtlich irritiert und will immer wissen, wer jetzt auf Paul und sie aufpasst. Es wird gegrillt und die Kinder haben mich als Reittiger (sie nennen sie mich so) entdeckt und springen immer beide auf mich drauf. Ich mache Katze –Kuh aus dem Yoga und dehne meinen Rücken schön durch. Da müssen sie sich gut festhalten. Am liebsten mögen sie den pinkelnden Hund. Hier ist das Festhalten eine besondere Herausforderung. Es gibt leckere Grillware (Scampi und Fleisch) und Sunset.

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Jörg holt die Schatztruhe aus dem Keller, das Tagebuch seines Vaters mit allem Einträgen zum Wetter und auch sonst. Er notiert, dass er seinen mittleren Sohn an die Industrie verloren hat und bedauert, dass nicht alle drei Söhne zuhause auf dem Hof bleiben können. Es gibt total schöne alte Fotoalben in kleinem quadratischen Format. Die Schutzhüllen, wie die Bücher für Singles (kleine Platten mit einem Song drauf, die es früher gab). Sie haben oft Blumenmotive und enthalten Fotos von Frau und Söhnen. Annette erzählt, dass er sich in Arbeitspausen in den Wagen gesetzt hat und die Fotos seiner Familie angeschaut hat. Es ist fast 12 Uhr und wir fahren wieder. Ich bin beeindruckt von dem Partybus, der auf den Rotenberg fährt. Kaum ein Stehplatz ist frei und an der nächsten Haltestelle steht noch eine Menschtraube, die zuvor Weintrauben getestet hat. So muss es sein, schön öffentlicher Nahverkehr bis 1 Uhr. Die Grabkapelle ist bunt beleuchtet und erinnert an die Expo. Schön ist es.

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Meine Knie tun nicht weh, sehen aber aus wie nach einem Sexunfall.

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15.06. Heute schlafen wir gut. Vor allem die anderen. Ich habe ausgeschlafen um 7 Uhr und überlege, dass ich mich beim Gerhard vielleicht als Erntehelferinnen bewerben werde. Ich bin ja hart im Nehmen und habe mittlerweile sogar sportliche Qualitäten. Wir genießen noch mal die Dachterrasse, die mit einer Hydraulik aufgeht (wenn ich das gewusst hätte, dass das so leicht aufspringt). Der Himmel ist toll, die Wolken sind atemberaubend.

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Ich schlage nach dem Frühstück einen auswärtigen Flohmarkt vor in Filderstadt. Das Wetter ist zu schön und meine Eltern wollen auch nicht ins Museum. Das wäre die Alternative. Ich merke, wie eingeschränkt mein Paps ist und wie beschissen es ist, wenn man seinen rechten Arm nicht zur Verfügung hat. Nach dem Frühstück hatte ich vorgeschlagen sich gleich zu trennen, weil die Stimmung gut ist und dann soll man Tschüss sagen. Die Polin will das Kuchenrezept nicht verraten und sagt was von „mit Liebe gebacken“ und Bio-Mehl. Stephan muss es meinen Eltern erklären, dass es ein Berufsgeheimnis ist und auf unsere Freundin Claudia verweisen, die auch hartnäckig ihre Brownierezepte hütet. Er hat an ihre Maultaschen im Kühlschrank der Ferienwohnung gedacht und sie sind ihm nun ewig zu Dank verpflichtet. Davor hieß es, wir dürften alles behalten was sie zurück gelassen haben. Vorbei an der Methadonszene. Das Parkhaus ist gegenüber und man darf sich nur mit Parkticket in dem überdachten Bereich aufhalten. Scheiß Nazis. Wir finden den Volvo, weil es total leer ist.

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GPS und Stephan finden das Ziel gleichermaßen, aber einmal mit viel weniger schlechter Laune und Stress. Der Flohmarkt ist die Dorfstraße entlang, auch hier vermengen sich gut durchtrainierte Türken und ältere dazwischen und es passt. Plastiksonnenschirme werden vor den Häusern gehisst. Ein schlecht gelaunter Typ will 5,- € für seine gebrauchten Flaschenbürsten, die aussehen wie tote Mäuse. Ich hatte gar nicht nach dem Preis gefragt, sondern mich etwas darüber lustig gemacht. Das war wohl zu viel. Das sei deutsche Wertarbeit und nicht „made in Schina“. Ja, ich habe eine schwäbische Oma und bin selber Millionärin. Ich habe die Hälfte der Flaschenbürstensammlung geerbt. Ich kann mir bald ein Haus in Stuttgart davon kaufen. Arnhild kauft Mädchen ein Armband aus Gummibändern ab. Ich finde es gut, das zu unterstützen, selbst gemachte Sachen von Kindern. Deutschland aus Gummi kostet nur 80 Cent und steht ihr gut.

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Ich will meinen Eltern eine Freude machen und verkünde, dass ich Nürnberg mehr mag als Stuttgart. Stuttgart ist teuer wie München und weniger schick, bietet weniger. Viel Autolärm und ich habe das Gefühl, dass es mit Humor schwierig ist, wobei das allgemein für Süddeutschland gilt, Oberfranken ist noch besser als Bayern und Bayern besser als Schwaben. Humor ist hier ein schwieriges Thema und es gibt viele Leute, die humorlos sind oder auf norddeutschen Dialekt mit Ablehnung reagieren und sehr schlecht gelaunt einen Flohmarktstand machen. Wahnsinn. Das sind richtige Stimmungsbomben im Vergleich dazu bei uns. Die Köche hier mag ich auch lieber, z.B. die Jungköche im Boca oder der Typ im Beckmanns.

Wir trinken noch einen Abschiedskaffee in Degerloch beim Italiener. Beliebig hässlich, Plastikstühle an der Straße „WM-Menüs“ werden beworben, aber eine ambitionierte Espressomaschine, die uns hat einkehren lassen. Verabschiedung, wir zurück. Wohnungsübergabe. Noch mal Fotos von der Partyterrasse at Daytime.

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Wir hätten den Müll runter bringen sollen, aber wie wollte sie dann 3 Stunden mit Putzen voll kriegen? Wir lassen die Koffer zurück und fahren in die Staatsgalerie. Erst mal gibt es noch ein Eis bei Pinguin. Am leckersten ist das Mercedes-Eis Mandel mit Schokostücken. Auch wieder typisch, dass das beste Eis danach benannt wird. Am Platz gegenüber gibt es einen Ausblick und Brunnen usw. Die Ausstellung zum Thema Textil haut mich nicht um. Natürlich hat einer Teppiche und Stoffe zu bestimmten Bildern ausgewählt und Jackson Pollack gefällt mir, aber das hätte man sich auch sparen können. Wir hätten lieber zu Klaiber fahren sollen und weitere Essenssachen einholt für die Höhle zu Hause, Hefekranz, Schokolade, Brezeln….

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Letzte Station Koffer holen und zur Weinstube Fröhlich. Der Innenhof ist idyllisch, aber wenn die Taubennetze die Atmo etwas kaputt machen. Wozu ein Brunnen, wenn man ihn verhängt, das bringt dann nichts. Die gratinierten Maultaschen auf Pastinaken-Bohnen-Gemüse sind die leckersten die ich je hatte. Das andere Essen ist auch sehr, sehr gut. Geeistes Gurkensüppchen mit Sauermilch usw. Wir sind ganz alleine und arbeiten uns zügig durch das Menü, was wir von der Karte gewählt haben. Es gibt Hightech-Teelichter, die flackern wie die echten.

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Ich mag den Chiquita-Stand im Hauptbahnhof. Cremige Milchschakes, die seit neustem verschweißt werden, was eh praktischer ist.

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Fulda hatte mal ein Emaillierwerk, ist jetzt aber eh eine Shoppingmall mit DM und Deichmann. Die roten Sonnenuntergänge sind einfach zu schön Ich kann mich gar nicht satt sehen. Ein junges Ding und eine ältere Junggebliebene freunden sich an. Sie erklärt der Mitreisenden alles über Eurorail oder wie das heutzutage heißt. Die Ältere kommt aus Oberfranken und will weiter nach Berlin und gibt ihr Reise- und Städtetipps. Langsam bei einer Packung Toffifee gehen sie vom Sie über zum Du.

Ich hoffe mein Hütchen wird nicht missverstanden als Fahne bzw. Fahne ist es, aber jede Fahne hat derzeit Fußballhintergrund. Jungs in Stuttgart haben wohl Scheißholland zu mir gesagt auf einer Rolltreppe und in Hannover wurde der holländische Pavillon angezündet. Dann habe ich wenigstens die richtige Fahne gewählt.

Taxi in Hannover. Ich lobe die Uhr in der Konsole, sie sieht so retro aus. Ist von Mercedes und erst 4 Monate alt, sein Taxi. Was sonst. Irgendwie mag ich die Türken hier, jedenfalls passen sie super zu den Norddeutschen, lakonischer Humor und sie lernen das bessere Deutsch. Ich falle umgehend ins Bett. Das ist zuhause wohl mal besser, auch ohne Dachterrasse.

Tief einatmen in Paris und dann aufatmen in der Provinz

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01.06. Der Tag startet auch in gewohnter Manier. Ich wünsche mir heute Marche aus Puces. Ich will nur einen Eindruck davon und nicht ihn systematisch abgrasen. Kathrin und vor allem ich kaufen alte Werbeschlüsselbundanhänger an einem Stand, der ausschließlich mit diesen handelt. Ja, es gibt hier durchaus eine gewisse Spezialisierung. Es sind Profis am Werk und Schnäppchen macht man wo anders.

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Mittags essen wir in einem schlimmen Laden, der bei mir unten durch ist. Das Essen ist kalt und ungenießbar und ich habe schlechte Laune und nein, ich meine nicht, dass es daran lag, dass wir nur das Tagesmenü genommen haben und nicht wie die Japaner eine Meeresfrüchteplatte für ein paar hundert Euro. Ich erwarte, dass auch die Tagesempfehlungen oder gerade diese gut gemacht sind. Ich ärgere mich total und fühle mich verarscht. Die Butter, die hier besonders gut sein sollte, war abgepackt in Einzelportionen wie im Hotel.

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Wir gehen in unsere frühere Nachbarschaft zum Centre Pompidou und sehen eine tolle Fotoausstellung (von Henri Cartier-Bresson). Der Typ am Einlass freut sich über mein Hütchen und will es fotografieren, fragt mich vorher, ob es „possible“ ist. Jetzt musste er bis halb vier Uhr warten bis zu diesem Lichtblick, so sinngemäß. Stephan sagt, ich komme bei den wichtigen Leuten an das u.a. sind die Mitarbeiter der Museen und die Crêpebäckerinnen.

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Dann trinken wir Kaffee bei dem schwulen Pärchen, der Inhaber ist Australier. Das kennen wir vom letzten Mal. Anschließend fahren wir mit den Rädern zum Pere la Chaise und die Glocken läuten als wir vor fahren. Um 18 Uhr schließen die. Wir fahren dann zum Notre Dame wo wir letztes Mal nicht reinkonnten, weil der rechte Idiot aus Protest gegen die Schwulenehe sich eine Kugel in den Kopf gejagt hatte. Es läuft eine Messe , die auf diversen Bildschirmen übertragen wird und es riecht stark nach dem katholischen Haschisch.

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Wieder nach Hause und heute ist der letzte Abend und wir sind recht erschöpft.

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Dann gehe wir mal den Montmatre zur anderen Seite runter und entdecken eine bürgerliche und ruhige Wohngegend und mal nicht den Touristenrummel der vorderen Seite. Das hätte uns mal jemand vorher verraten sollen. Es ist richtig erholsam und wir atmen durch. Ohne die übliche Hektik einfach durch die Straßen wandeln. Wir kehren ein in eine Kneipe und essen eine Kleinigkeit. Für mich gibt es wieder Diavolo und ein paar Nüsschen dazu. Kathrin muss früh raus. Man kann gar nicht früh genug zu diesem CDG aufbrechen und muss auf dem Weg mit Allem rechnen.

02.06. Ich werde wach und meine Schwägerin ist noch nicht angezogen. Basteln. Packen. Den Müll wegschmeißen, der nicht mehr ins Gepäck passt. Stephan warnt mich vor den ganzen Überwachungskameras.

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Erst mal zum Sacre Coeur. Die Kirche ist innen kitschig und nur von außen schön. So wie wir sie die letzten Tage gesehen haben und der Blick, den wir hatten, das war das reizvolle. Im Park machen zwei Frauen Gymnastik, aber reißen sich am Nacken und machen ruckartige Bauchcrunchs. Ich will hingehen und korrigieren. Das bringt so gar nichts und ist einfach falsch ausgeführt. So verdorben bin ich schon von Movenyo.

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Ohne App finden wir kein Fahrrad und der ganze Montmatre ist leer gefegt und kein einziges Rad vorhanden. Da sind die Franzosen wohl mal in der Stadt zur Arbeit gefahren.

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Ich kaufe mir einen afrikanischen Stoff. Die Wahl war schwer bei der Auswahl. Ich will mir von Andrea einen Faltenrock à la Margaret Thatcher daraus nähen lassen. Ich nehme einen günstigen Stoff für 15,- €. Es gibt Preisspannen bis 82,- € wobei ich keine Qualitätsunterschiede erkennen kann. Es gibt tolle Muster z.B. eines was ich nicht fotografiert habe in schwarz, gelb, weiß mit Henne, Küken, Eiern und in schwarz-gelb und etwas grafisches schwarz-weiß dazwischen. Total schön, aber ungeeignet für meine Zwecke, weil die Falten keine großen Muster vertragen und die Küken dann nur zerteilt werden wie die Brüderküken. Das will man nicht. Die Vögel, die aus den Käfigen fliegen und die Strauße gefallen mir auch, aber ich entscheide mich für einen anderen Stoff, aber aus diesem Laden.

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Dann zum 134 RDT und Croissants und Törtchen und Baguettes kaufen. Mehrfach im Büro denke ich noch an diese Salate und werde ganz traurig, dass ich das nicht essen darf so als Convenience Food fürs Büro. Das würde mir taugen. Schön Linsensalat und ernst zu nehmenden Käse und nicht so ein Rewe-Zeugs. Die Zitronentarte war auch der nackte Wahnsinn und Kalorien für einen halben Tag. So praktisch mit plus de beurre.

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Zum Glück werden wir fündig mit dem Fahrrad und können uns von der Metro verabschieden.

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Dann fahren wir vorbei an dem Turm, den ich immer Kondom mit Reservoir genannt hatte und den man von unserem Balkon aus sehen konnte. Er hat tolle schwarz-weiß Bilder außen dran, aber wir müssen weiter. Hier findet wohl in den nächsten Tagen eine namhafte Ausstellung statt. Auch an der Sorbonne und dem Jardin du Luxembourg, wo wir nur kurz einen Blick reinwerfen fahren wir mal schnell vorbei. Crêpes zum Abschied sind das Ziel und wir essen bis uns die Bäuche weh tun. Den mit Schokolade und Creme Chantilly hatte ich vor lauter Gier vergessen abzulichten. So ist das manchmal wenn die Lust siegt über die Systematik.

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Dann doch noch mal halten an der Brücke mit den Schlössern, wobei es da mindestens 2 von gibt. Die auf der wir die Fotos gemacht haben mit dem Holzsteg ist jetzt wohl zum Teil eingekracht. Grds. ist es eine Verschandelung und was mal originell begonnen hat ist zur Massenplage geworden.

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Das bewachsene Haus sehen wir auch kurz.

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Dann zurück zum Apartment. Nicht wieder zu spät kommen. Wir hetzen und treten rein und kommen genau pünktlich und durchgeschwitzt an, außer Atem und mit letzter Kraft. Die Energie ist verbraucht.

An meiner und Kathrins Handtasche waren die Reißverschlüsse defekt, damit sollte man die zumachen wegen der Taschendiebe. Da hätte ich gleich diese hier nehmen können.

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Ich habe in einem der vielen Souvenirläden eine Karte gekauft und es gab Kondome mit einem erigierten Penis in Baguetteform, leicht nach oben geneigt mit einer Eichel und dem Satz darauf „Eat my Baguette“. Davon hatte ich meinen Mitreisenden erzählt, aber es gibt sie wirklich bzw. altes Baguette verwandelt sich in eine Penisform, ganz von alleine.

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Jetzt heißt es Abschied nehmen. Ich denke an die vielen afrikanischen Muster, die ich gesehen an total aufgebrezelten Frauen mit großem Kopfschmuck, meist gebunden aus den Stoffen, die sie tragen. Was mit gut gefallen hat ist, dass eine rote Ampel nur ein Vorschlag darstellt. Das hatte ich am ersten Tag mit Fahrädern so richtig begriffen. Da wird die Umgewöhnung schwer.

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Wir finden noch eine szenige Kneipe bei uns um die Ecke und es läuft Indiemusik und wir erholen uns etwas bei Eiskaffee und Kusmi-Tee.

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Ich will nichts mehr und kann auch nichts mehr und so fahren wir viel zu früh zum Flughafen, weil alles andere auch nicht mehr lohnt. Im Zug junge Eltern aus Finnland und ein total süßes Baby. Der Mund sind die frühen Augen, wie Stephan meint. Alles wird zum Mund gezogen und damit „angeguckt“.

Ich denke, dass ich hier noch einkaufen kann, gut sortierte Shops mit Lebensmitteln und Raumduft schweben mit vor, aber das ist ein Trugschluss und es gibt nur einen Buchladen. Ich kaufe 3 Tüten Bonbons als Frustkauf.

Wir genießen die Architektur vom CDG und fahren mehrfach hin- und her mit dem Flughafenschuttelbus. Es ist mein Disney Land Paris und das ist die Achterbahn, erkläre ich Stephan.

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Davor gibt es Baguette von 134 und eine französische Limo, die allerdings nur mittel ist.

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Dann wieder die bunten Fenster, die gute Laune machen. Dieses bunte Glas sollte man viel öfter einbauen. Ich mag’s!

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Dann noch eine Birnentarte. Oh, wie lecker. Das lässt sich kaum beschreiben was der Teig hier für eine Konsistenz hat. Besser geht nicht.

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Der Flughafen ist zu hektisch für meinen Geschmack. Das Gate wird erst 20 Minuten vorher angezeigt und dann nicht mal das. ich fahre nächstes Mal wieder Zug, zumindest den Rückweg. Dann warten wir noch über 30 Minuten auf dem Rollfeld, weil das falsche Catering geliefert wurde (angeblich). Was soll das bei einem 40 Minuten Flug und es gibt 3 Butterkekse oder Chips (d.h. Minibaguettes). Es gibt dann Champagner als Entschädigung. Früher zuhause wäre wohl allen lieber gewesen.

Ich freue mich auf Zuhause. Das war echt anstrengend. Wir haben alle drei Muskelkater in den Waden gehabt.

Am Flughafen Hannover heißt es erst, dass das Gepäck vielleicht nicht mitgekommen ist. In meinem Koffer ist aber ein kg Butter, sage ich panisch. Am Förderband was nicht unseres ist fährt ein roter Koffer vorbei. Ich hetze Stephan hin, dann der Schock, der ist total kaputt, der Griff abgerissen und der Stoff auch eingerissen. Dann noch mehr Schock, der ist so leer (hat man die Butter geklaut) und dann die Erlösung, der hat ein Zahlenschloss und das ist nicht unserer und das verlorenen Gepäck betrifft höchstens die Bremer, die mitgeflogen sind und deren Flug gecancelt wurde.

Home sweet home.

Paris Teil II

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30.05. Heute treffen wir uns mit unserem Stadtführer. Es geht zu einer Bäckerei, wo man total modern bezahlt und wir frühstücken im Park. Ich liebe tatsächlich das Gebäck was ich an diesem Morgen esse sehr. Es kommt aus der Heimat von Guillaume und heißt irgendwas mit Königin. Es ist jedenfalls leckerster Blätterteig.

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Er führt uns etwas herum, hört aber auch sich selber gerne reden und wenn man nicht geduldig genug zuhört, ist er sauer. Er gibt Essenstipps, die wir diesmal gar nicht alle ausprobieren können und führt uns dankenswerter Weise in das Velib-System ein. Die Jahreskarte kostet nur 30,- € und man hat eine coole Plastikkarte und kann die einfach rauflegen und sich ein freies Fahrrad nehmen, während die Touristen ihre Nummer vom Ticket eintippen und dann leer ausgehen. Ein jüdischer Grill mitten im arabischen Viertel werde ich mir für nächstes Mal vormerken.

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Wir landen in der Fernfahrerkneipe, die echt cool ist und ich lerne den Diavolo kennen, alkoholfrei mit Minze. Mein neuer Cocktail.

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Am Kanal entlang fahren macht auch total Spaß und dann fahren wir zu kleinen Arbeiterhäuschen und gehen vietnamesisch Mittag essen. Ich habe Müll von der Straße aufgehoben, einen verwelkten Strauß und das hat ihm auch missfallen. Es ist zum Andenken an die Kämpfer der Resistance im 2. Weltkrieg. Er versteht meine Absicht dahinter nicht. Er zeigt uns eine russisch orthodoxe Kirche, die versteckt liegt. Die stillgelegten Bahngleise sollen in einen Radweg verwandelt werden. Da liegt auch lauter Müll, der mich interessiert, aber ich komme nicht ran.

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Dann in einen bergigen Park mit Aussicht. Etwas auf dem Rasen sitzen und dem Treiben zusehen.

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Ich bin fast froh als wir wieder unter uns sind. Er reagiert sauer als ich ihm berichte, dass meine Hütchen in der niedersächsischen Provinz gelassener aufgenommen werden als in der Hauptstadt der Mode. Hier bekomme ich schon hin und wieder einen Daumen nach oben von  einem Mann beim Vorbeifahren mit dem Rad, aber überwiegend sehe ich die fassungslosen Blicke der Männer. Die kennen nur Frauen, die schön und sexy aussehen wollen und nicht solche, die einen humorvoll gemeintes Hütchen aufhaben. Das betrifft vor allem meine krasseren Modelle, die ich abends aufsetze.

Am Bahnhof vorbei mit Rädern ist stressig, dann kaufen wir Käse und ich Butter und wir trinken in Ruhe einen Kaffee bzw. Tee.

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Abends sind wir im Chateaubriand und ich bin total anti, noch mehr als wir ausschließlich unter amerikanischen Touristen sind, aber ich lass mich überzeugen. Das Essen an diesem Abend ist Hammer und die gepiercte weibliche Bedingung ist auch super, die den Amerikanerinnen mit der Hand vor den Augen winkt und dazu so guckt wie „hallo“, als sie Essen serviert und was dazu erklären will und die einfach stumpf weiter auf ihren iphones herumspielen. Ich will nicht alles beschreiben nur eines. Die kleinen Garnelen waren knusprig und mit Himbeerpulver bestreut und die Hammerkirschen waren mit Essig und Kapern und das wirkt als Geschmacksverstärker. Es war hammerlecker. Mein Hütchen sitzt offenbar besonders gut, weil sich zufällig eine Haarsträhne bei dem Vogel im Schnabel verfangen hat.

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Anschließend fahren wir mit den Rädern am Kanal entlang und es sitzen Hunderte von Franzosen draußen, aber auf der Stange, der Metallbegrenzung zum Wasser. Gemütlich sieht trotzdem irgendwie aus und ich muss an den Film von Jim Jarmusch denken, „Night on Earth“ mit der Pariser Taxigeschichte.

31.05. Der morgendliche Aufbruch wie immer.

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Wir wollen zu „unserem“ Croissant-Laden RDT 134 und dann etwas im Marais in den Park und die Markthalle der roten Engel. Im Park sind viele Kinder und Familien, aber auch eine Frau, die einen total kaputten Koffer hat, schwarzer ehemals Rollkoffer mit großen Löchern, den sie über den staubigen Boden schleift und auf eine Park legt und dann irgendwie versucht zu flicken. Man kann sie schlecht einschätzen, ist sie obdachlos oder nur so total überfordert? Ich mag jedenfalls die Werbung. Ich sage nur „Jaune avec un grand „R“!“.

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Dann wollen wir ins Grand Palais. Da ist eine Mapplethorpe-Ausstellung. Der Mann mochte echt gerne Schwarze, vor allem Männer und da die Geschlechtsteile und die stehen echt auf so Stahlkonstruktionsgeschichten hier und es sieht auch geil aus, d.h. nicht nur am Eifelturm.

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Im Garten des Petit Palais (wir haben uns an der Schlange und den Securities vorbei gemogelt, ganz geschickt und zielstrebig) nehmen Kathrin und ich den Kaffee Gourmand und ich hoffe auf Creme Chantilly und sie auf Schnaps und wir bekommen Supermarktkekse dazu. Ich stelle fest, guck mal Deutsche, erst mal die Handtücher ausgelegt und alle Plätze reservieren. Sie schauen pikiert.

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Wir fahren ins Lafayette und mein Mann, dessen Fünfzigsten wir mit der Reise auch nachfeiern, kauft sich in der Sockenabteilung glücklich. Ich nehme einen Prospekt der Männerabteilung mit (schön Hochglanz) und verbastele den und wundere mich, dass man zum „Festival du Glastonbury“ als Jugendlicher mit einem gebatikten T-Shirt von Calvin Klein für 320,- € fahren soll.

Anschließend noch schnell in eine Modestraße, die uns Guillaume gezeigt hat mit Nachwuchsdesignern, die den interessanten Stadtteil jenseits des Champs Elysée bevorzugen. Ich mag „Chaussettes Orphelin“, die einzelne Socke, praktisch Stephans Lebensmotto. Dahinter verbirgt sich eine Frau, die aus alten Socken Klamotten näht und nähen lässt von Jugendlichen, die sie anleitet. Am besten gefällt mir ein Oberteil aus unvorteilhaften verwaschenen weißen Sportsocken. Es sieht aus wie Quilt, aber in seiner ursprünglichen Form. Hier haben Sklavinnen die alte Arbeitskleidung aufgebraucht und daraus Muster und Bilder genäht abends zur Beschäftigung, wenn sie sich unterhalten haben. Die Oberteile sind mir zu unförmig, aber die Idee ist top und Orphelin verstehe ich auch wegen Orphan, Waise, auf Englisch.

Abends hat Guillaume seine Party und wir übergeben ihm unsere Geschenke und stehen etwas herum wie Falschgeld. Das gute sind die französischen Limonaden, vor allem die Sorte Feige ist hammerlecker. Leider hat der Gastgeber nur Alkohol umsonst im Programm.

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Ich überrede meine Reisegefährten in das Fernfahrerresto einzukehren und es ist echt urig da. Stephan isst ein Steak so groß wie ein Ziegelstein und es gibt Kartoffel mit Munsterkäse und ich esse einen Schwertfisch á la nicoise und denke der ist mit Salat, aber statt dessen ist er mit einem Haufen gekochten Gemüse, vor allem grüne Paprika und Auberginen habe ich noch in Erinnerung und Fromage Blanc zum Nachtisch. Wir lernen unseren Nachbartisch kennen. Große Kerle, der eine gibt mir einen Nachtisch aus, Baba au Rhum mit Vanillecreme. Es sind 3 Typen und eine sehr nette und gesprächige Frau. Der Teller mit den Froschschenkeln als Chips gehört unseren Nachbarn und ich bin eher etwas gegruselt davon. Frösche und Schildkröten will ich nicht essen.

DSC04998 DSC04999 DSC05002 DSC05003 DSC05004 DSC05005 DSC05008Zum Abschied sagt Kathrin zu der Frau: „Bonne chance avec les autres“ und sie fügt „et avec Francoise Hollande“ hinzu. Das scheint ein Runing Gag zu sein.

Jeden Abend schauen wir vom Balkon aus auf das nächtliche Paris. Man kann sich nicht satt sehen.

Je suis fatiguée

28.05. Mit dem Einschlafen hat es besser geklappt, dafür werde ich um 5 Uhr wach und denke an unerledigte Dinge. Dem Zeitungskiosk absagen, schwarzen Tee in Beuteln aus dem Büro holen usw. Hier regnet es doll. Gutes Wetter zum Abhauen.

Telefonat mit meinem Bruder gestern Abend. Wir fehlen ihm und er will uns in die Schweiz locken im August. Wanderungen und Ausflugslokal sowie eine Vernissage, die meine Schwägerin organisiert stünden auf dem Programm. Mein Bruder ist süß in so anhänglich. Sonst kommt er uns mal alleine besuchen in Hannover ohne Familie kündigt er an. Dann aber bitte mit Skateboard, wie früher, verlange ich von ihm. Das waren Zeiten. Vielleicht quetschen wir es noch rein im August. Reisefreudig ist mein Mann ja!

Wie werden wir Paris vorfinden? Die Penner, die rechts gewählt haben, wohnen eher auf dem Land beruhige ich meine Nerven.

Meine Eltern fragen wegen Kinderfilmen im Kino, die Enkel sind im Anmarsch. Den DDR-Comic, Mosaik in New York, den ich gefunden habe, bekommen sie bei Gelegenheit auch noch. Mama sagt, ich soll einen Schirm mitnehmen, damit ich mich nicht erkälte. Aber Mama, ich benutze nie einen Schirm. Paps sagt, ich hätte nicht so panisch Angst vor Wasser wie meine Mutter, weil die Haare dann anschließend immer in die falsche Richtung zeigen. Es sei bestes destilliertes Wasser von oben.

Im Büro brannten noch Lampen und Kaffeemaschine. Das waren die Psychos und ich petze gleich. Die nutzen die Besprechungszimmer für ihre Patienten und müssen das auch kontrollieren, wenn sie gehen.

Ich habe ein Essensgeschenk für den französischen Guide, der 716 als Blog schreibt.

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Zuerst denke ich, dass mein Mann total krank ist, aber die Socken sind doch verschieden.

Socken

Das wahre Paris, aber was ist schon „wahr“? Wahrheiten gibt es bekanntlich viele.

Die Pariser tragen, wie ihre internationalen Stars, gerne Motorradhelme als Straßenbekleidung, auch wenn sie gerade zu Fuß unterwegs sind. Sie sind radfahrfaul und im Land der Tour de France fahren sie gerne mit dem Fahrrad den Berg herunter, aber nicht wieder hoch. Deswegen findet man kein einziges Velib-Fahrrad auf dem ganzen Montmatre am Montagmorgen. Die Franzosen haben die Touristenfahrräder alle zur Arbeit genommen und sind damit in die Stadt gefahren. Das Velib-System bietet einen Anreiz, dass einem Minuten gut geschrieben werden, wenn man bergauf fährt, um die Fahrräder auch irgendwie wieder nach oben zu bekommen, dass hat uns Guillaume, unser Guide erklärt, der uns überhaupt dankenswerter Weise in der Velib-System eingeführt hat. Die Jahreskarte kostet 30,- € und mit einer entsprechenden App auf dem Handy ist man damit flott unterwegs und wozu dann ein eigenes Fahrrad, denkt sich der Pariser. Wird nur geklaut und man hat Verantwortung und muss es aufpumpen, wenn es einen Platten hat, dann lieber immer wechseln und ein Neues nehmen, was gerade gewartet wurde und schön fahrbereit ist. Wir haben französische Abenteuer erlebt wie Bücktoilette, Natursekt quasi, die ich falsch herum benutzt habe um meine Schuhe anzupinkeln und richtig herum um mir selber ins Gesicht zu pinkeln. So ist will aber etwas der Reihe nach einsteigen in meinen Reisebericht aus Paris. Dieser mag etwas lustlos klingen, weil ich ihn quasi als halbe Pflichtaufgabe im Nachhinein erstelle. Ich glaube das tägliche Tagebuch ist mehr meine Sache als der Reisebericht oder ist müsste mir mehr Zeit zum schreiben vor Ort gönnen.

Der heimische Flughafen (Händewaschen nicht vergessen bzw. „nicht ohne Seife waschen“. So nennt ein Freund seinen Blog und ich weiß jetzt auch, woher der Spruch stammt, Harald).

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Das gute Wetter über den Wolken.

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Paris, CDG, kurzes Foto vom Eifelturm, hier schon.

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Ich mag das bunte Licht im Flughafen sehr.

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Am Flughafen gehen unsere Kreditkarten nicht am Automaten und ein aufdringlicher Amerikaner will helfen und steht mir im Nacken. Das macht mich aggressiv. Dann Schlange stehen, alle hauen von ihrem Posten ab. Ausfall der Rechner und dann darf man umsonst Zug fahren. Eine Engländerin telefoniert mit ihrer in Paris lebenden Tochter und wir versuchen herauszufinden ob sie im Zug sitzen bleiben oder im Gard Du Nord umsteigen muss. Dann wird doch abkassiert und die beiden Helfer der weiblichen Bahnmitarbeiterin sehen aus wie die französischen Verbrecher von Madame de Ville in Tausend und ein Dalmatiner. Wir machen den Fehler und wollen kurz mit dem Taxi ins Apartment, weil die Zeit drängt. Unter einer Markise warten ca. 200 Menschen auf ein Taxi und das muss erst abgearbeitet werden. Metro wäre viel schneller gewesen. Es folgen Telefonate und SMS mit unserer Vermieterin. Wir kommen zu spät, sie muss den Schlüssel in der Kneipe abgeben, aber kaum im Apartment drin, ist das alles vergessen und ich fühle mich wie Captain Kirk auf der Brücke. Die Betonwüste von Paris liegt zu unseren Füssen.

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Hier macht selber das Spülen Spaß.

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Das wird in den kommenden Tagen in jeder freien Minute mein „Arbeitsplatz“ zum Tuschen. So einen schönen hatte ich noch nie.

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Die Sitzbadewanne und das Bettchen.

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Ich hinterlasse Delphine politische Botschaften in der Wohnung.

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In ihrer Küche. Erst mal verwelkte Blumen in den Müll, Teekanne ausspülen und Tee kochen.

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Meine Schwägerin kommt und wir brechen auf. An der Kreuzung hält ein Auto mitten auf dem Fußgängerüberweg, fährt da rauf als schon rot ist und es gibt eine Runde Selbstjustiz mit seinem Auto, d.h. Faustschläge aufs Dach und beulen (durchaus beeindrucken). Ich rechne damit, dass er rausgezerrt und zerrissen wird vom Mob, aber es ist halb so schlimm und man muss hier auch erst mal ankommen. Erst mal ist alles für deutsche Verhältnisse bunter und anders. Fürs Ankommen gibt es erst mal Falafel, dann pilgern wir zu Stephans Schneider, der mittlerweile indische Fotos verkauft. Wir geben ihm unsere Geschirrhandtücher u.a. eines der Stadt Hannover mit einem Kalender aus dem Jahr 1973 und er meint nur, vielleicht würde er noch bessere finden und versteht nicht, dass wir unsere bewusst gewählt haben u.a. ein Guggelhupfrezept mit Klagenfurt und anderen Motiven. Ja, wir stehen auf so was. Drei sollen es werden.

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Ich kaufe den ersten Käse, Nougat aus altem Gouda und vermeintlich eine Milch. Es handelt sich aber um Dickmilch, die ich mir am nächsten Morgen in den Kaffee schütte.

Wir laufen etwas durch die Stadt

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und fahren zum Essen.

Meiner Schwägerin musste ich erklären, dass sie kein Vampir ist und nicht in Paris war als die Metro gebaut wurde, ach so, dass war diese Tram. Das kann dann schon stimmen. Hier gibt es Terrine und kleine Gürkchen als Snack vorweg. Am Nachbartisch zwei schwarze Amerikanerinnen, die auch keinen Wein trinken (wie ich), es sich aber essensmäßig total besorgen und vom Risotto mit Tintenfisch bis hin zum Reißpudding für 2 Personen als Nachtisch (Spezialität des Hauses) alles genüsslich in sich rein machen. Wir essen auch total lecker das Menü inklusive Soufflee als Nachtisch (hier leider schlecht abgebildet).

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29.05. Mein Zimmer habe ich schon „eingerichtet“.

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Ich mache schön Übungen an der Ballettstange.

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Die ganzen Tage über immer wieder Staunen. Wie kann sich an diesen Blick gewöhnen? Das braucht sicher seine Zeit.

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In den Straßen sind Bäume, die etwas ausschauen wie meine Mimose, aber in Groß und ich liebe die verschiedenen Lampen der Straßenbeleuchtung.

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Ich habe meine 5-Tages-Fahrkarte vergessen und Stephan geht zurück, was hier mit Treppen steigen verbunden ist.

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Zu diesem Zeitpunkt haben wir Velib noch nicht für uns entdeckt. Wir haben Karten für eine Van Gogh Ausstellung und das ist das erste Ziel im Musée d-Orsay. Dieses Louvre kommt mir lächerlich riesig vor. Haha, fickende Schiffe feixen wir albern.

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Die Selbstporträts von Van Gogh berühren mich sehr und ich könnte weinen. Sie haben so eine Kraft, das ist der Wahnsinn. Der andere, ein Franzose, der in den 50ern über Van Gogh geschrieben hat, ist nur so verrückt. Seine Kunst finde ich untalentiert und schlimm. Der Typ an der Garderobe ist auch entsprechend beleidigt, dass wir so schnell durch sind mit einem Museum.

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Gegen vom Museum gibt es Lederetuis aus Kröten. Die Augen sind schwarze Straßsteine und den Unterleib hat man abgeschnitten und mit einem Reißverschluss versehen. Nehme an, dass sie dafür eine andere Verwendung hatten. Wir essen Mittagstisch im Lipp. Neben uns ein kanadisches Pärchen um die 60, die innerhalb beachtlicher Zeit eine Flasche Rotwein kippen und Wasser strickt ablehnen. Der Typ hat lange Haare und sieht etwas freakig aus. Er will die Haxe mit Sauerkraut. Kathrin und ich essen nur einen Salat und Stephan den Bohneneintopf (Gericht des Tages), der uns nicht so schmeckt, dafür aber wieder der Nachtisch.

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Weiter geht’s.

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Wir wollen auf den Friedhof und eine Runde Crêpes essen, mache das in umgekehrter Reihenfolge und einen Flohmarkt gibt es auch. Wir pilgern sogar zu einigen prominenten Gräber und ich erfreue ich wieder an den Porzellanblumen. Der australische Vogel gefällt mir besonders. Wie Kathrin festgestellt hat, muss man schmunzeln und das ist bei Friedhof nicht mal das Schlechteste.

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Es beeindruckt mich, dass man Fahrräder hier noch nicht mal schieben darf. Wieder zuhause dekoriere ich etwas.

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Auch meine Einkäufe aus dem Supermarkt genießen den Ausblick.

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Dann umziehen und gut essen gehen. Der Laden ist schick, es schmeckt auch gut. Der Fenchel ist z.B. sehr lecker. Wir treffen eine ehemalige Arbeitskollegin meiner Schwägerin, eine Engländerin, die seit 20 Jahren in Paris lebt und mit einem Franzosen verheiratet ist. Beide haben einen guten Humor, er spricht sehr gut englisch und hat absichtlich keine Französin geheiratet, sondern eine Engländerin, wie er betont und wir verbringen einen netten Abend. Ich behaupte an diesem Abend noch tollkühn, dass ich nicht auf so einem Behindertenrad fahren würde, wie sie hier an der Straße stehen. Es geht um die teuren Autos von Kathrins Chef. Teure Autos seien mir egal, aber ein unsexy Fahrrad, das würde mir nicht in die Tüte kommen. Wir waren auf dem Hinweg am Arc de Triumph ausgestiegen, was durchaus beeindruckend war. Ich merke beim Essen gehen, dass man diesen Franzosen total leicht vor den Kopf stoßen kann. Der Kellner hält mehrere Jacken und ich erkenne meine als einer der hinteren und will sie greifen, tue das mit einem Spruch auf englisch wie: „I’ll just take mine“. Der Kellner ist total geschockt und äfft mich böse nach bevor er sich wieder einkriegt und sein Dienstleistungsgesicht wieder aufsetzt.

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Sangsusi

17.04. Geträumt von einer schrägen Kreuzfahrt, irgendwas Nordisches sollte das sein, dunkler Kies, alte Frauen, die mich fragen, wo ihr Taschen sind, die ich ihnen wohl zuvor gereicht habe. „Ich habe sie nicht geklaut und die Verantwortung dafür abgegeben als ich sie angereicht habe“ lautet meine Antwort. Es wird anhand zweier Models an Bord die neuste 70er oder 80er Jahre Mode demonstriert. Wir essen schick und der Tisch steht auf Rollen und wir albern damit rum. An einer Stelle sind wir nicht schnell genug beim Essen (unrealistischer Traum bzw. kann nicht stimmen) und die Bedienung nimmt den gepulten Scampi und die Artischocke in Öl mit den Fingern von unserem jeweiligen Teller und legt sie auf einen benutzten Servierteller in der Mitte und räumt unsere Teller dafür ab. Ich bin fassungslos. Irgendwer war in Frankreich und hat neue gesüßte Kondensmilchsorten entdeckt und für sich mitgebracht mit anderen Verpackungen, aber nur 9 % fett, außerdem habe ich ja noch einen Vorrat. Dann bin ich offenbar in Wien am Naschmarkt und frage nach dem Bruder vom Urbanek, weil nur einer im Laden ist und es heißt, Thomas ist gestorben. Ich werde sofort wach. Es ist erst 6 Uhr, aber das ist normal (Reiseaufgeregtheit wie wir sie aus Grand Budapest kennen) und heute geht es los nach Potsdam.

Kurzes Frühstück. Wir haben die geilste Erdbeermarmelade aus dem Bühlertal für 2,- €. Die stand an der Straße an der Toreinfahrt zu einem Hof mit Selbstbedienung, d.h. ein Stand, die Ware und eine Kasse zum Reinlegen des Geldes. Da waren auch sehr leckere Schale mit Beeren und eben diese Marmelade, die irgendeine Marmeladengöttin eingekocht hat mit großen Erdbeerstücken und dem Wahnsinnsgeschmack.

Kurz nach 9 steht Sabine an der Bushaltestelle. Ich erkenne ihren Unterkörper. Sie hat kleines Gepäck dabei im Gegensatz zu uns und war am Abend vorher aus. Fösse 77. Sie sei etwas versackt, dafür hat sie den Harald Glöckler aus Hannover kennen gelernt, zumindest von aussehen her und dabei hat sie sich verquatscht. Er hat ein Bestattungsunternehmen, Larissa bedauert später, dass sie nicht gefragt hat welches. Im Zug setzen wir uns an einen Vierertisch zu einer Frau, die auch was Handgeschriebenes in ein Buch schreibt und Kopfhörer trägt. Aus ihrem Rucksack holt sie ein dickes Kopfkissen mit starken Gebrauchsspuren, wie Linus Deckchen. Immer wieder sind Quak-Geräusche zu hören. Ich vermute das ist eine Ente vom Maschsee, die auch mal einen Ausflug machen will zu ihren Freunden auf dem Tegeler See oder Wannsee. Meine Laune ist bestens. In Spandau und Charlottenburg steigen wir um. Die letzte S-Bahn ist sehr voll mit jungen Menschen, französischen Ausflugstouristen mit Rädern dabei sowie einem Alkoholiker, der einen Spazierstock hat und die Tasche voller Schluck und einem Sozialarbeiter „Tolerantes Brandenburg“, der die Fahrt zum arbeiten nutzt und immer wieder unterbrochen wird und dieselbe Adresse am Handy durchgibt, so dass der ganze Zug im Chor mitsprechen könnte. Stephan trägt seine coole Pornobrille, die Scherzartikel und kein UV-Schutz ist, wie ich immer betone und kann sich aber nirgends festhalten. Als der Zug bremst fällt er auf die Sitzenden vor ihm, so dass ihm von einem jungen Mann, der liest und ihn mit auffängt, einen Sitzplatz angeboten wird. So ist es eben kurz vor 50 mit der ungewohnten Faschings-Porno-Brille.

Wir warten an der falschen Seite, am Hinterausgang des Bahnhofs und alles ist auf Touristen eingestellt, Doppeldeckertouribusse mit Schlösserrundfahrten und viele Menschen, die hauptberuflich Flyer und Stadtpläne verteilen. Ich lehne dankend ab. Gibt es hier was zu sehen?

Wir fahren in die Innenstadt, wo es die kleinen, netten Geschäfte gibt. Holländisches Viertel.

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Unserer Freundin ist hier immer nur zum Arbeiten und kennt es nicht, bei geöffneten Geschäften tagsüber im Café zu lungern, aber das tun wir heute. Wir laufen etwas herum wie die Touristen. Potsdam hat ein Brandenburger Tor und auch andere Tore, eines mit Jagdmotiven. Der Essenplan ist durchorganisiert und wir kehren ein ins Lindner und hier gibt es Feinkost und vor allem sehr leckeren Edelsalate, die man einzeln abwiegen lassen kann. Zum Nachtisch gibt es Nougathase.

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Über die riesigen, überdimensionierten Tortenstücke mache ich mich lustig. Später werde ich eine Filiale von dem Laden in Berlin am Prenzlauer Berg entdecken, allerdings geschlossen am Ostermontag. Bevor wir hier shoppen oder es versuchen, wollen wir lieber beim schönen Wetter eine Bootsfahrt unternehmen und Larissa fährt zur Uferpromenade. Hier wächst Hopfen an langen Seilen und dazwischen Tulpen. Das Schloss ist zu sehen, direkt neben einem sehr hässlichen Hotel, viel Plattenbau und dazwischen etwas Schloss und auf einer Verkehrsinsel haben sie eine Krimes aufgebaut, die sehr deprimierend aussieht. Larissa fragt die Butterfahrtsmatrosen und wir entscheiden uns für die Schlössertour für 13,- €. Wir sitzen an Deck und lauschen der Durchsage. Die englische Übersetzung ist peinlich schlecht und zum Teil auch richtig falsch und unverständlich. Es tauchen am Ufer oder weiter hinten zwischen den Bäumen immer wieder die tollsten Bauwerke auf und richtig viele davon. Der Akku unserer Kamera ist leer, was den Blog entlastet. Stephan macht Fotos mit Larissas Kamera, aber die habe ich nicht zur Verfügung. Zum Schluss sage ich, dass sich jeder ein Schloss aussuchen soll. Ich nehme das Pumpenhaus mit dem hohen Schornstein, der an Rapunzels Turm erinnert, direkt am Wasser gelegen, schön duster mit klitzekleinen Fenstern. Im Garten würde ich ein Rudel von Staffordshire Terriern halten. Larissa entscheidet sich für das Casino mit Billardzimmer und luftigen Arkaden im italienischen Stil. Sabine warnt sie noch, dass es zu klein sei, aber da gibt es wohl noch mehr Gebäude dahinter. Larissa kennt sich aus und Billardzimmer ist ja was für Sabine. Stephan entscheidet sich für die riesige Villa eines Windmühlefabrikanten mit Merkur auf dem Dach und über 2000 qm Wohnfläche. So hat dann jeder seine Residenz nach seiner Vorstellung in meiner Phantasie. An der Anlegestelle ist ein großer Brunnen mit Wagenfigur mit Wasserelementen, d.h. so eine Art Neptun und der wird von Wasserpferden gezogen, von dem kaum was übrig ist. Modern wurde es mit Drahtgestänge ergänzt. Das sieht schlimm aus, soll aber Dampf abgeben, aber der Automat, in den man das Geld einwirft für dieses Schauspiel hat einen Aufkleber mit „defekt“ und so probieren wir es gar nicht erst mit unserem Kleingeld, sondern gehen zurück zum Auto und fahren in die Ribbeckstraße. Wir schauen uns die Werkswohnung an mit großem Garten. Eine gemütliche Küche mit Blick in diesen. Eine ehemalige Scheue und eine leuchte gelb-orange blühende Hecke. Ländliche Idylle pur. Wir bauen unser Bett auf und während die Frauen etwas Mittagsruhe am frühen Abend halten, geht Stephan eine Runde laufen im Schlosspark Sanssouci. Er kommt total euphorisiert wieder und hat die Palmen gesehen und ist die 100 Treppenstufen zur Orangerie hochgelaufen wie in Rocky. Wir machen uns fertig für die Abendgestaltung. Da die Zeit knapp ist, lernen wir einen netten Taxifahrer kennen. Rechts sehen wir „Sangsusi“, wie die Einheimischen sagen. Wir haben einen Tisch bei Juliette. Nirgends in Potsdam gibt es Tafelwasser, weil der Chef das immer nicht so gerne sieht. Das Essen ist sehr lecker, foie gras und Kalbstartar mit Kapern und Sardellen, ein Paprikasüppchen mit Ochsenschwanzrsavioli, gerade der vegetarische Hauptgang mit Variationen vom Sellerie ist der Burner. Die Nachspeisen lassen etwas nach, dafür war der warme Käsegang jeweils sehr lecker.

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Die Toiletten sind über den Hof, der Durchgang ist knallrot und Bach Musikschule gegenüber mit einem Porträt des Herrn Bach und seit der Expo weiß ich, wie selten das ist (leider kein Foto gemacht). Unser Freund fährt uns wieder nach Hause und wir gehen bald zu Bett, weil wir Morgen das Schlossprogramm vor uns haben.

Ich konnte nachts das Klo nicht finden bzw. den Zimmerausgang. Rollläden dichten den Raum ab und ich taste mich entlang der Wand und fühle nur Schrank und nicht Tür, werde wütend, Stephan wach. Das Klo ist im Treppenhaus, aber wir sind alleine. Beim zweiten Mal sehe ich schon besser, weil es wohl dämmerig ist, lasse dafür die Spülung ausversehen laufen. Es ist 9:20 als ich wach werde und mich ausgeschlafen fühle.

18.04. Larissa hat liebevoll Frühstück gemacht und Sabine spült immer ab, so dass die Küche makellos ausschaut. Da wir ja paar Apfelstücke übrig haben, will ich die Pferde gegenüber füttern. Die habe ich durch die Fenster, die eine lustige verschwommen Sicht machen durch altes Glas hindurch gesehen. Ich darf sie aber nur bei dem humorlosen Ossistallbursen um die 60 mit der lustigen, selbstgehäkelten Strickmütze mit Bommeln abgeben und er wirft sie auf seine Schubkarre und erzählt uns, dass er den Pferden nur das lange Gras geben darf, weil sie beim kurzen zu viel Luft schlucken beim Fressen und dann Koliken bekommen. Sind auch so empfindlich dieser Viecher. Wir laufen wenige Meter und sind schon auf dem Gelände des Schlosses. Das ist ganz toll!!

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Alles was nicht Barockgarten ist und zufällig aussieht, ist englischer Landschaftsgarten. Das weiß ich seit der Führung neulich in Herrenhausen und es wird heute wieder bestätigt. Auch hier viel Urwald, ein Parkplatz mit Reisebussen aus Tschechien und Polen.

Der Himmel ist bewölkt, die Außenanlage beeindruckend. Eine holländische Windmühle gab es auch, aber Stephan meint ohnehin, dass ich zu viele Fotos veröffentliche…

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Sanssouci selbst ist echt schön, die 11 Räume. Sehr beeindruckend.

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Der Stuck mit dem Spinnennetz mit drei dicken Spinnen drin ist mein Favorit! Ja, Sanssouci hat was mit Lebenslust zu tun und Sinnenfreuden und Natur.

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Auch das Gästezimmer von Voltaire hat es mir angetan, über und über voll mit gemalten Holzblüten, Ranken und Vögeln. Herrlich und ganz nach meinem Geschmack.

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Hier kann man ihn nur schwach erkennen, aber ich habe Beweisfotos, hier habe ich meinen Button mit dem Mund und der grünen Olive darin noch. Den habe ist später in Berlin nicht mehr. Ein bisschen Schwund ist immer. Schade ist es trotzdem. Es war ein Barcelona-Button für mich.

Auch die Bibliothek ist wahnsinnig schön. Die Stimme im Ohr erzählt uns von dem bösen Vater, der die Bücher seines Sohnes einfach verkauft hat. Der Sohn, der König von Preußen, der Flöte spielte und nur sein Lehrer durfte ihn kritisieren durch leichtes Räuspern. Der König, der lieber Künstler oder Architekt werden wollte. Hartes Schicksal. Alle wollen immer was anderes werden, stelle ich mit Stephan fest. Der König Künstler, der Künstler König usw. Wir machen einen kurzen Abstecher in den Giftshop während eines Regenschauers und ich kaufe Postkarten und Samen für die Kleingärtner zuhause. Die sehen zu hübsch aus mit den Schlössern auf der Packung. Da fällt man leicht drauf rein. Dann gehen wir zur Orangerie und ich gebe mich gleich geschlagen. Ich habe ja gelernt, dass je mehr Orangenbäume, desto mehr Wohlstand und hier gibt es Palmen, groß wie Bäume und hey, da kann Herrenhausen nicht mithalten. Das ist mal ganz klar.

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Auch hier gibt es was zu besichtigen, aber trotz unserer Universaleintrittskarte ist das nicht so einfach. Immer wieder Kasse und sich einer Führung zuordnen lassen. Umständliches Procedere. Auf Filzschuhen folgen wir der ambitionierten Führerin, die besonders die Kinder animiert. Hier gibt es ein Bernsteinzimmer

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und verschiedene Edelsteinzimmer, Lapislazuli und Malachit.

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Die 4 Elemente in Porzellan, die typisch Meißen ausschauen für meinen Geschmack, aber durchaus charmant sind.

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Der König mochte gerne Seide und Porzellan. Die Gemäldegalerie ist nicht 100% meins, aber bestimmt auch nicht zu verachten. Ich stehe offenbar auch auf die kitschigen weißen Figuren, nackte, putzige Kinder mit Weinreben oder Hunden. Kategorie II Darstellungen auf jeden Fall.

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Auf den Turm steigen wir nicht mehr, sondern gehen ins Drachenhaus, wo wir einen Tisch bestellt haben.

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Auch hier gibt es Leitungswasser auf Anweisung des Chefs nur zum Kaffee. Wir essen das Spargelmenü. Der Spargelnachtisch mit Glibber ist leider ungenießbar. Ich esse ihn trotzdem. Als ich mir keinen grünen Tee (1 Kännchen) mit Larissa teilen darf, weil die Kännchen nur mit einer Tasse serviert werden, wird sie sauer. Ein andere Gast kommt ganz nah an mich ran und sagt sehr laut, dass er so eine Uniform noch nie gesehen habe, „Italien, interessant“. Ich sage irgendwann, dass ich seine Uniform „Funktionskleidung, Jack Wolfskin“ hingegen leider schon sehr oft gesehen hätte. Dann laufen wir zum Neuen Palais.

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Wir haben den Bemsel für die Fotoerlaubnis leider verloren, weil das schlecht gemacht ist und das Papier einfach abgeht vom Handgelenk und der Verschluss nicht taugt. In jedem Raum wird man angesprochen. Mir reißt die Hutschnur und ich sage, dass ich es dann lasse mit dem Fotografieren, wenn es so kompliziert sei und man wirklich in jedem Raum sich rechtfertigen muss. Eine Angestellte verspricht Abhilfe. Statt, dass sie uns einen neuen Bemsel bringt (das geht nicht), tackert sie den Bon mit dem Zahlungsnachweis an Stephan Brust, an das Sweatshirt. Es gibt wieder weiße Nackte und tolle Standuhren, mein Papa würde echt auf die abfahren.

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In jedem Raum ein Kamin mit königlichen Fliesen.

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Außerdem tolle Holzböden und immer wieder Hunde.

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Die Schlafnische. Ich kenne mich langsam aus.

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Tolles Porzellan. Der Greifvogel ist mein Liebling!

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Eine schöne Abdeckung aus Metall:

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und sogar eine Badewanne, weil die englische Königin für Hygiene war. Sehr schickes Teil, eingebaut in eine Ecke und man konnte durchbrochene Türen zumachen und dann rausschauen, aber nicht rein.

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Es gibt diverse Klingelknöpfe an der Wand, die Zugehfrau, die Zimmerfrau, die Ankleidehilfe und 5 weitere. Man weiß gar nicht, was die im Einzelnen alles machen sollten (außer Ankleidefrau natürlich). Sabine hat mich darauf aufmerksam gemacht. Das stammt wohl aus einer späteren Zeit nach der Elektrifizierung.

Die Gruppe ist gespalten, erkläre ich einem der Aufpasser. Ich bin strenger Befürworter des Rococo, aber Larissa ist Anhängerin des Klassizismus…. Draußen an der Fassade große Monsterengel, riesige Köpfe und fast verzerrte Gesichter.

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Im Neuen Palais gibt es silbernen Stuck an den Decken, das schafft eine ganz andere Atmo als der goldene. Ich kann irgendwann keine Prachträume mehr sehen.

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Wir laufen durch den Park zum Chinesischen Haus, was ich nicht so doll finde, aber die Fotos davon sind schön. Da sieht man mal was Wetter und Licht ausmachen.

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Auch hier wieder Schnitzeljagd. Mit den Generalkarten zu einem Bauwagen und Nullkarten holen (!?). Das ist alles unlustige Schikane. Larissa erledigt es für uns, aber überflüssig ist es trotzdem. Ein Mann will nur einen Blick werfen, das geht auch nicht. Innen ist es mäßig schön, der Kitsch hier ist nicht so meines. Auf den Fotos gefällt es mir wiederum besser.

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Vor Ort gut gefallen haben mir allerdings die Teller mit Phantasietieren.

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Der Fußboden ordinärer Marmor. Nicht alles was alt ist muss als Museum behandelt werden. Hier könnte man eine Gastronomie rein machen, ein flottes Café oder ein Yogastudio. Früher sind die Räume doch auch benutzt worden. Dafür sollten sie da sein. Stattdessen steht man in dem hohen ungemütlichen Raum und fragt sich was das soll.

Wir gehen zurück, die Sonne scheint auf die Parkanlage.

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Mit Brunnen hatte es der König nicht so, stellt Sabine zu Recht fest. Für den Turm reicht es nicht, zeitlich. Wir schließen die großen Koffer und Larissa fährt uns zum Bahnhof und wir nehmen um 18:09 Uhr die S-Bahn nach Berlin. Vorher bedanken wir uns bei unseren lieben Freundinnen für die herrlichen Tage. Mein Kopf ist voller Eindrücke.