Archiv der Kategorie: Plus de Beurre

Prosa und Kunstaktionen

Lungenqualle

Wenn der Bleistift hält unterm Busen – Hängetitte und 450 Gramm Kochsalzlösung auf jede Seite reinspritzen

Wie schön und majestätisch ist so eine Qualle

Da kommt ein Mensch nicht ran und Verbessern macht es nicht besser

Nedlin 17.07.2019

Houten – meine Verkehrswelt

Also, dass Radfahrer immer Vorfahrt haben praktiziere ich schon, aber so wie die es machen, ist es echt sinnvoll

Wie Venen und Arterien, zwei getrennten Kreisläufe für Autos und für Radfahrer. Das macht schon Sinn

Dann eine Ringstraße um die Stadt, mit der man zwar reinkommt, aber die einzelnen Stadtteile sind untereinander nicht verbunden für Autos, nur Radwegen durchziehen alles

Das führt zu einer faktischen Fußgängerzone oder sehe ich das verkehrt

Das muss man sich mal bei uns vorstellen mit den ganzen SUVs, die jeden Tag mehr werden und überhaupt den ganzen hässlichen teuren Neuwagen, in denen nur einer drin sitzt und sie fahren schnell bis zur nächsten Ampel und meinen, man müsse mit ihrer Zumutung in der Stadt rumgurken, obwohl die Straßen nicht breit genug sind für ihre Blechhaufen, so dass nicht mal ein Rad vorbei passt und sie gnadenlos alles zuparken und verschandeln, von den lauten Motoren und Autorennen will ich jetzt gar nicht sprechen. Die sehe ich als Körperverletzung und lebensbedrohliche Gefährdung, junge Männer auf Testosteron, Fahranfänger, die ein Problem und irgendwas missverstanden haben

Ich will Houten überall

Neldin 02.07.2019

Maskottchen

Der bunte dünne Stadtteilpunker arbeitet bei jetzt der Hannoverschen Volksbank – als Maskottchen

Früher hing er mal hier und mal da auf der Straße ab, an einer Haltestelle oder auch daneben

Jetzt macht er sich morgens auf den Weg und postiert sich unter dem Vordach der HVB in der Minister-Stüve-Straße am Eingang neben der Glastür mit seinem Pappschild und harrt dort ca. 8 Stunden aus

Nedlin 02.07.2019

Filmkritik

Tilda Swinton in der Kleinstadt Centerville, wie sie als Alien-Bestatterin, die zugleich Kill Bill mäßig asiatische Schwertkampftechniken beherrscht, anhand eines Modemagazins 2 tote Golfer schminkt, Color Blocking mäßig – noch nie hat sie mir so gut gefallen.

The Dead don’t Die ist zugleich der neue Men in Black.

Ich mag neben den lakonischen Dialogen, wie immer die Rolle der Musik und die tollen Drehorte, der er findet. Selena Gomez mit zwei Jungs, Hippster aus Ohio, die in die Kleinstadt einfallen und nach einem Diner fragen, aber der einzige Diner der Stadt hat leider auf unbestimmte Zeit geschlossen, weil die Zombies, zu aller erst Iggy Pop, ihn as erstes hingesucht haben. „Zombies gravitate towards things they did when they were alive“. Schön, wie Jarmusch uns die Süchte vor Augen führt und die Diner-Zombies sofort aufhören die Leichen zu essen als sie die beiden gläsernen Kannen auf dem Tresen entdecken: „coffee, coffee, coffee…“ . Dann gibt es noch die Zombies mit erleuchteten iphones in der Hand auf der Suche nach „wifi, wifi, wifi“ sowie die Jugendfreundin von Bill Murray „Did she just say Chardonnay?“….

Man kennt sie aus dem wirklichen Leben und entdeckt sie nach dem Film umso mehr…

Ich mag auch, dass Jarmusch es – wie ich – nicht blutig mag und sie nur stauben, wenn man ihnen den Kopf abschlägt. Wir bestehen aus Wasser, wie Wasserballons oder Würstchen auf 2 Beinen, aber die Zombies sind schon ausgetrocknet. Diese Idee hatte er bei einem Spaziergang las ich in einem Interview.

Nedlin 27.06.19

Schauspielliebe

Ich bin traurig. Ob bis zum Grunde der Traurigkeit glaube ich nicht, aber bemerkbar eben.

Ich habe mich besser gefühlt in einer Stadt zu schlafen, in der auch Beatrice Frey aufwacht.

Es war eine Liebesgeschichte und sie haben sich hier verliebt und Kinder gekriegt.

Schön einen Niedersachsen angeln oder einen Hannoveraner (und ich meine nicht als Pferd), der weiß wie man Frauen anfasst und keinen SUV-Fahrer mit lautem Motor, keinen Applewatch tragenden Schrittezähler, keinen selbstverliebten Poser, sondern ganz im Sinne von „my baby don’t care for cars and races, my baby don’t care for high-tone places. Liz Taylor is not his style and even Lana Turner’s smile, is something he can’t see…“

Wir haben sie geliebt und sie uns auch – zumindest ein bisschen. Hannover hat ihnen viel gegeben. Da bin ich mir sicher, ich weiß es von mir. Dieses Unaufgeregte und die ganzen Ecken und die Freiräume und außerdem:

Ich will nicht Christoph nur noch in der Werbung sehen.

Nedlin 19.06.2019

Der Menschenhass

Der Typ will vom Anwalt wissen, ob er die Brust-OP seiner Ex mit zahlen muss. Die „hat sich die Titten machen lassen“ um dem Neuen besser zu gefallen. Mich überfällt Menschenekel. Erst der Männerhass. Die Typen, die Ballons statt Brüste abfeiern, oberflächlich und doof, die Frauen auf das Äußere reduzieren, kein Gegenüber, nur eine Phantasie, eine aufblasbare Puppe  oder ein Pin-Up. Sie selber phantasielos, die nicht mit geschlossenen Augen sehen können weder sich noch andere und sich nicht eingestehen, dass das Gehirn das größte Sexualorgan ist und die Frauen, die sich unters Messer legen, weil sie allen ernstes glauben, dass das der Ausschlag dafür gibt, ob ein Typ auf sie abfährt oder sie am Ende selber zwei Ballons haben wollen. Wie rückständig ist das denn und Frauen werden nach solchen Kritierien beurteilt und noch schlimmer bewerten sich offenbar selber danach. Mir ist schlecht.

Dann der Bericht über Knäste in Ohio. Männer, die 23 Stunden am Tag eingesperrt werden in Käfige hinter Glas, abgeschieden von jeder menschlichen Zuwendung, in Käfigen jeder für sich Sport machen und an Ketten hintereinander gehen. Man nimmt ihnen die Würde, isoliert sie, behandelt sich wie Tiere und wundert sich, dass sie welche werden. Manchmal werden sie wegen Jugenddelikten oder relativen Kleinigkeiten weggesperrt und wenn sie dann die Mühle geraten, ist ein Entkommen fast unmöglich. Wenn man keine Perspektive hat und nichts mehr zu verlieren und machtlos ist und eben verroht, dass dann Regeln gebrochen werden und die Aggression immer da ist und jederzeit explodieren kann. Das ist derart vorherrsehbar, aber das System auch derart unmenschlich und man kreiert genau das was man ihnen vorwirft. Es ist teuer und verbessert keinen, sondern schafft Straftäter und Gewalt. Wenn ich diese Berichte sehen ist es als würde es 2019 noch Sklaverei geben.

Nedlin 18.06.2019

Hoffnungsloser Versuch


Berittene Polizei, ausnahmsweise männlich, sitzen auf ihren riesigen Gäulen (Hannoveraner Pferde sind da dann wohl) und versuchen sich hinter zierlichen Bäumen, die kaum Deckung bieten, am Opernplatz zu verstecken

Wem sie auflauern bleibt verborgen, aber es gelingt ohnehin nicht

Das eine Pferd vergrößert den Abstand zwischen Vorder- und Hinterbeinen und ich überlege noch, was das für eine komische Geste sein soll, da strullt es schon los

Als ich aus Manufactum rauskomme, strullt es immer noch, aber der Untergrund ist wenigstens weich

Ich meine zu erkennen, dass es seinem Reiter langsam peinlich ist

Nedlin 10.04.19

Wer macht das und wer will das?

Apropos falscher Gott sitzt am Rechner. Das gilt für mich nicht für das richtige Leben, sondern nur für die virtuelle Welt

Update und alles ist immer anders und man muss es sich neu aneignen und im Zweifel kapiert man es nicht mehr. Wer denkt sich das aus? Von datev über Telefon. Es betrifft jedes Programm

WordPress das neue Programm ist so frustrierend, alles ist immer weg, Fotos und dann haben sie gleich eine Unterzeile, also der Beleg, dass ich sie schon bearbeitet habe. Ich kriege einen Wutanfall nach dem nächsten. Die wollen es mir echt versauen. Eine andere Erklärung gibt es nicht. Ich werde keine Urlaubsfotos mehr machen. Das ist viel zu anstrengend und lohnt nicht

Ich bin nicht geschaffen für die Moderne und sollte es einsehen….Bald sage ich Tschüss und kehre zurück in die analoge Welt, wo ich hingehöre oder halt ohne Bilder, das klappt das gut und die werden ohnehin überbewertet

Ich muss besser beschreiben üben

Nedlin 10.04.19

Weltfrauentag 2019

Bin mit einer Betreuten beim Jobcenter in der Lützeroder Straße verabredet, sie ist schon da

Da kommen die hin mit Schwerbehinderung, vorher waren wir im normalen JC in der Calenberger Esplanade bis dem streikbegeisterten Mitarbeiter das mal einfiel mit der Schwerbehinderung

Die Fallmanagerin erklärt meiner, dass sie nichts muss, wenn sie nicht will und es auch keine Sanktionen geben wird, also eigentlich gut, kein Stress, man erwartet nichts von ihr

Sie schaut nach Aushilfsarbeiten in der Küche und Putzstellen und liest vor und wenn es um Gebäudereinigung geht oder technische Reinigung, sagt sie wiederholt: „Das ist zu schwer für Sie, das muss ein Mann machen“….

Und das alles am Weltfrauentag 2019

Nedlin 08.03.2019