Archiv für den Monat: Oktober 2014

Zu wenig Hummingbirds

04.10. Wir sind wieder da. Erfüllt von der Liebe der Menschen dort und der Schönheit des Landes und dem leckeren Essen. Musste am letzten Tag noch eine Traders Joe Kühltasche für das Extragepäck kaufen in Burlingame und habe dabei Malcolm kennen gelernt, der mir zum Kauf gratuliert hat. They took it to a concert and the ice stayed frozen the whole time. He retired and now he’s at Trader Joes and he loves it there, he loves the people. Do we have any extra space in the luggage to take him to Germany? He sings in a choir and „Brahms, The Requim is the best“. He also collects old German stamps. His wife thinks he’s crazy and he says to her, „what do you want me to do instead? Drink beer?“ Die Himbeeren von Trudy, ihr tunafish salad, der Pazifik, die Pelikane, San Francisco, mit den Rädern durch die Stadt brausen, die Akademy of Science, die Lumpsuckerfish, die ausschauen wie süße kleine, dicke Hunde, der japanische Garten, die Golden Gate Bridge, von der aus ich Delfine von oben gesehen habe, die Cafés und Restaurants, die funkige Wohnung in der Capp Street, die neighborhood, die vierundzwanzigste Straße, Dynamo Donuts, die Bäume, die Hügel, die Autos die mit Hydraulik springen und die Fahrer, die sich animieren lassen, mein gelbes Leihrad, in das ich so verliebt war (Farbe „Taffy“), der Golden Gate Park, die Familienfeier, Kauboi Sushi in Aptos, Safeway und die coole alten Hippies in Santa Cruz, die grauhaarigen Surfer in Pajaro Dunes, die Sonnenuntergänge, die chips und dips, die neunzigjährige Freundin und wie vorbildlich sie mental an einem anderen Ort ist und mir ihr Reisealbum Bayreuth 1982 schenkt mit all den künstlerisch wertvollen Bildern im Sinne eines schlechten Bildes, aber Zeitdokuments (sie kann das Zeug nicht mehr gebrauchen). Abschied auch für mich. Die 13-jährige Verwandte, die ernst und traurig ist, so dass sich Mama und Oma Sorgen machen, aber einen deutlich Bezug zu uns hat. Sie spielt uns in der Küche auf ihrem Bass mit Verstärker vor, weil sie jetzt in einer Band ist und dazu singt. Stephan ist so gerührt, dass er sie nicht anschaut dabei. Die Freundin, die auf die gelben Ü-Eier Minions malt und sich mit Edding eine Armbanhuhr auf’s Handgelenkt gemalt hat. „What time is it“, frage ich. „3 o’clock. That’s when school is over“. Die Antwort ist sympathisch. Sie nennt die Mutter der Freundin „Mrs. C“ und darf bei ihrer Freundin erst übernacht bleiben, wenn sie 16 ist. Erst sagten die Eltern 18 und sie musste ihnen erklären, dass dann das sleeping over vorbei ist mit 18. Die jungen Mädchen wollen uns mal besuchen kommen. Oktoberfest und nach Belgien wegen der Waffeln. Das wird passieren, hoffe ich. Dann der Offiziers Club im 18. Stock und Troy passt auf die Fahrräder auf für 10 Dollar, alle wollen uns einladen zu sich und freuen sich, dass wir da sind, selbst welche, die uns neu kennen lernen, Ai Wei Wei auf Alcatraz, Smitten Ice Cream, Mr. Pollo, the wiggle, Nopa und die leckerste Bolognese die ich je hatte, Defina und die leckerste Caprese, die ich je hatte mit allerlei Tomaten und grünem Basilikumöl (man kann nicht nur gut asiatisch essen in SF, sondern gerade italienisch vom Feinsten), einen Minion-Piniata für die Mädchen, alle bei uns im Stadtteil haben sich so gefreut wie Stephan ihn spazieren getragen hat, mein neues Handy, neongrün mit Seifenblasen gefüllt, Helden von früher: Weezer aus dem Campus in San Jose und Trudy hat uns noch mal getraut, bei sich im Garten (das war meine Idee). Das alles ist fest verankert in meinem Kopf und Herzen und ich bin voll. Selbst ein unersättlicher Typ wie ich, ist satt. Ich will hier gar nicht mit Fotos anfangen, weil es mich überfordert. Das Versagen des Akkus hat das ein oder andere Handybild provoziert bzw. notwendig gemacht. Sie sind nicht besonders gut und die Auswahl ist willkürlich, aber ich muss sie nicht treffen. Daher, please enjoy:

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Zu Hause in Linden fragt Stephan: Machen die eine guided tour? So viele Radfahrer, viel mehr als auf der Valencia. Das ist schön. Nie schaue ich diese Sendung, aber so im Zwischenzustand des Jetlags und außerdem sind es Müllfahnder in Hannover. Supercool. Linden Nord, schöne Asimänner mit nacktem Oberkörper und Knasttätowierungen, die sich als alleinerziehende Väter vorstellen. Großartig, auch der Dialekt der Müllmänner. Ich bin wieder zuhause.

05.10. Post im Büro, schön in Ruhe. Stephan hilft mir. Allein durch seine Anwesenheit.

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Frau S, die ich seit Jahren nicht mehr betreue und die damals immer schon gespürt hat, wenn ich im Urlaub war, hat mir ca. 6 mal auf den AB gesprochen. „Frau A. lassen Sie Ihre Blase untersuchen“. Ich bin wieder zuhause.

06.10. Schlimmer Termin beim Arbeitsamt zum Einstieg. Wo wurden die geschult? Sie sagt, dass wir vielleicht einen Termin bei ihr hätten und will die Einladung sehen, statt sich mal mit Namen vorzustellen. Sie weiß nicht, wer ich bin und, dass wir schon miteinander telefoniert haben. Das muss sie irgendwann einräumen. Die zweite Krankmeldung, die persönlich abgegeben wurde ist angeblich nicht da. Die merkt gar nicht, wie sie die Leute behandelt. Katastrophe. Ich gebe Anti und werde die noch ganz schön ärgern. Da hat sie sich die falschen ausgesucht für das Spiel. Gleich Termin beim EDC ausgemacht. Gleich geklärt, dass die Türkin die Medis wieder nimmt unter Aufsicht. Da hat tatsächlich ein Machtwort von mir gefehlt. Mein Kollege hatte Recht. Sport geht heute noch nicht. Abends immer Avocado und See’s essen.

07.10. Thanks Germany, now I know what rain is again. Kalt und naß bis auf die Haut. Die Sukkulenten würden verfaulen bei dem Wetter draußen. Der Urlaub hätte besser nicht sein können. Zu wenig Hummingbirds gesehen sonst alles perfekt.

Anhörung beim Gericht. Ich fühle mich etwas wie Justin Bieber. Meine Betreute umarmt mich anschließend im Gang des Gerichts und sagt mir, was für ein wichtiger Mensch und eine Stütze ich für sie bin und für mich ist das alles recht abstrakt und ich kann es nur staunend annehmen.

Beim Sport erzählt die Trainerin von der Dauerkarte im Heidepark und, dass man sonntags zwischen 17 und 18 Uhr keine Schlangen hat, auch nicht vor den neuen Gerätschaften. Das sei ein Geheimtipp. Ich bin immer wieder erstaunt, was die Leute so machen.

08.10. Heute kaufe ich ein Päckchen größe M. L gestern war zu groß. Arnhild hat Trudys Granola gemacht. Sooo lecker. So kann man sich einbilden man sei in Burlingame, nur dass es hier kalt und nass ist und die Himbeeren nicht im Kilo-Paket zu haben sind…..Anhörung beim Gericht. Die spießige Studienkollegin ist wieder Betreuungsrichterin. Ist sie rausgeflogen beim Ministerium? Mein Gott bin ich froh über meinen Job. Das Gehirn hilft mir sehr und dass ich mir die Dinge so gut merken kann. Mein Betreuter ist verwirrt, ich sage wie es war. Beim Radfahren denke ich an SF und die Brücke und fahre mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Why don’t we use Fedex ist hier nicht so witzig wenn ich es hier sage. Ich sage es auch nicht laut, sondern denke es nur. Herrn Borderline getroffen mit der Hardrock-Wohnbetreuung. Wohnung sieht zu schlimm, sagt er, daher beim Bäcker im Café. Er will sich nächsten Monat das Geld einteilen lassen von Mr. Hardrock, dem Sozialarbeiter, der kokst zur Zeit. Ich trinke nichts. Schrecklich ist es da eingerichtet und das Essen sieht schrecklich aus. Wie in der tiefsten niedersächsischen Provinz, sauber und geschmacklos ohne Ende. Springen muss er selber oder Kopf auf die Gleise legen. Er hat Angst, dass es weh tut. Ich sage, dann geht es nicht. Mit Tier einschläfern hat das aber nichts zu tun. Er hatte mir im Urlaub geschrieben, dass ich seine Sterbehilfe beim Gericht durchboxen soll. Ich spreche das Thema Gewalt in der Kindheit an und dass seine Mutter durch ihre jahrelange Hilfsbereitschaft das kompensiert hat. Auf dem Rückweg bin ich unendlich dankbar für meine Mutter, die schon gut kochen kann, aber lieben kann sie noch besser.

09.10. 4 x Post, alles angegeben für den Zoll, selbe Luftpolsterfolie, die ich aus SF habe. Mein neues Horn-Bakelit-Deko-Teil mit Krebsen und Scampis. Constantins Erbe nach SF. Hier gibt es diese dicken Blasen nicht. Oktoberfestcookie, Pralinen vom Elysée. Das geht doch schief. Persönlich vorbei bringen empfiehlt sich. Ich phantasiere darüber, wie ich den Bürohund um die Ecke bringe. Natürliche Rangfolge, ich bin das stärkere Raubtier und er nervt mich. Darüber reden mit meinem Mann hilft allerdings. Wir fahren trotz Regen zur Kestnergesellschaft. Die unglaublich warme Farbe des Himmels lässt es nicht so kalt und naß erscheinen. Ich will als scheidendes Mitglied die aktuelle Ausstellung noch sehen. Dana Schutz ist gut, die anderen nicht. Jeff Wall sollte man woanders sehen. Die Frau, die die Ticktes verkauft, gibt einem Stammgast/Mitglied nicht die Hand und entschuldigt das mit Ebola. Ich sage überall „Ebola“ und bin leicht hysterisch gestimmt. Die Alte tritt doch sowieso bald ab lästere ich. Weiß schon, warum ich ausgetreten bin aus dem Verein. Die Bildungsbürger versammeln sich und ich mache Reißaus. Wir probiere uns altes Stammlokal das Gattopardo, ist modern, aber irgendwie wollen sie doch an die Tradition anknüpfen. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Bedienung macht nur Garderobe bei Pärchen. Die Messegäste verlieren immer wieder die Jacken, die auf den abgerundeten Lehnen zu Boden rutschen. Der Breitbildschirm aus Messegästen und auch das sonstige Ambiente ist langweilig und ich werde wohl nicht wieder Stammgast werden. Lieblos fühlt es sich an. Ich bin totmüde um 21 Uhr. Die Nacht ist leider um zehn vor 3 vorbei.

10.10. Ich leide ordentlich. Schlafe ja gar nicht und bin daher wach. Ich fahre gleich nach Bemerode. Man ist es unterirdisch da. Mittelalterlokal und unvorteilhafte Bekleidungsgeschäfte bei denen die reine Existenz verblüfft in Zeiten des Internethandels und überhaupt. Oben wurde hässlich, aber dann wohl liebevoll ein Tisch gedeckt. Kaffee und Tee müssen die Mitarbeiter des Jugendamtes selber zahlen. Das Budget beträgt 5,- € pro Jahr. Termin läuft gut, meine ist halt Borderliner und dreht gerne auf, wenn ihr nichts Besseres einfällt. Das kann ich auch, aber die lügen und glauben es noch, was sie erzählen. Alles um Aufmerksamkeit zu bekommen. Voll auf die Tränendrüse. Ich werde dann innerlich ganz kühl, weil ich eine Berechnung unterstelle und das vorgetäuschte Leiden nicht ernst nehmen kann. Sie leiden natürlich wirklich. Um 12 müssen wir raus. Der Kammerjäger kommt, sie haben Fliegen. Sport schaffe ich heute nicht.

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11.10. Streit vor dem Kollegen, Mini-Golf mit dem Nachbarssohn. 3 Kinderfahrräder und Helme dazu. Erst mal Crepes auf dem Markt. In Essen gibt es nur Waffeln, stellt Leander fest. Der Junge von unten versteht das nicht. Der versteht dafür viel von Autos, die T 2 bis T 5 Serie und dass ein Freund von Opa die in Wolfsburg gebaut hat und ab wann der Motor vorne drin war. Das Elternhaus kann man direkt an den Kindern ablesen. Die Jungs wollen mich alle beeindrucken, aber auf Testosteron stehen sie. Steffi und seine tiefe Stimme übt eine magische Anziehungskraft auf die aus. Die Oma von unten wundert sich, dass ich im Garten verstecken spiele. 2 Sakkos und ein Hosenanzug wechseln die Besitzerin, ich bekomme Camper Schuhe in rosa mit hohem Absatz. Eher etwas groß. Das ist gut. Freund aus dem Studium. Wer viel in sozialen Netzwerken aktiv ist, hat eher ein desolates Sozialleben. Lauter 20-Jährige. Ein Typ sitzt am Rechner und verkauft einer jungen Frau ein Auto. Das Essen ist wie auf dem Kindergeburtstag. Sehr desolat. Blaue Schlümpfe in Tüten. Gut, dass wir dafür nur eine Stunde eingeplant haben. Vor der Tür spricht uns einer Frau an, dass Autos in der Voßstraße geklaut wurden. Man fühlt sich wie in SF, wo sich auch immer alle Leute um die Fahrräder Sorgen gemacht und ohne Aufforderung darauf aufgepasst haben. Die Theaterpremiere ist schlecht. Der Kritiker, der neben mir sitzt, riecht stark. Mir ist schlecht als es vorbei ist. Auf zur Häkelglocke (ich halte es für eine Lichtinstallation und bin auf Expo-Niveau hängen geblieben) und See’s awesome walnut bar. Zuhause zum Nachbarn hoch. Das Essen ist fast fertig und sehr lecker dieses Jahr. Zu viel Rotwein, vor allem meine bessere Hälfte trinkt wieder als sei es Wasser. Ist fast 3 und wir sind die letzten Gäste. Ich bin genervt.

12.10. Kann heute nur Kalender und bleibe im Nachthemd. Der Nachbar bringt die Stühle runter. Ich muss einen Termin beim Jugendamt Hameln für Morgen absagen, Stephan holt die Akte. Email muss reichen.

13.10. Dr. Po. Auf dem Weg hält ein Auto voller Trockenbauer und die Daumen gehen anerkennend nach oben. Meine Laune ist beflügelt durch diese Fans. Ich stehe auch auf Trockenbauer und dann noch so schön ohne Hupen. Wasser läuft als Raumteiler. Ich werde gleich aufgerufen. Der Untersuchungsraum nebenan ist nur Sichtschutz. Nein, nicht ausziehen, nur Gürtel lösen und die Schuhe in die Schalen. Sie pressen fest beim Stuhlgang. Das dürfen Sie nicht machen. Sie pressen sich ihren Hintern kaputt.“ Als der Arzt rüberkommt weiß ich schon, dass die Schuhe in die Schalen sollen. Er will wissen, was alles im Blut untersucht wurde. Das weiß ich doch nicht. Er soll sich halt welches zapfen. Ich habe genug. Ich kaufe 2 Lippenstifte bei Liebe und Verkäuferin malt sich die ganze Hand voll. Dafür packt sie mir einen farbneutralen Ton ein, den ich nie nehmen würde, den man praktisch nicht sieht. Ich raste etwas aus, so ein einfacher Beruf, wie doof kann man sein. Nach 11 A Umtausch und zufällig treffen wir meine Schwiegereltern vor der Apotheke. Das passt mir heute irgendwie nicht. Hole Großpackung Flohsamenschalen mit Apfelgeschmack und habe das Gefühl, dass sie uns aufgelauert haben.

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Doch keine neue Kaffeemaschine, die Müllberge produziert, sondern nur Ausfallschutz. Ich verstehe die Werbung nicht. Die Strumpfhose ist in den Kniekehlen blickdicht. Ach so, die soll man ohne Unterhose anziehen. Frühes Yoga und alle sollen ganz viel Platz machen für Anna Franziska. Ich könnte im Boden versinken und werde wohl nicht mehr hingehen.

14.10. Herr Palästina ist im Knast. Ruft morgens an. Ich lege gleich los. Die Suchtberatung hat die Schnauze voll, aber ich nicht.

Neue Betreuungssache. Jordanier, der als Kind vom Vater entführt wurde und Drogenproblem hat. Kommt in Begleitung seiner Mutter. Mein alter Nachbar leitet die Drogenberatung. Will mein Fahrrad in den Innenhof stellen. Warum. Ich misstraue dem Personal nicht so sehr wie er. Au0ßerdem muss man das anders machen. Mehr Autorität zeigen, gar nicht abschließen und dem Anführer der Bande anweisen darauf aufzupassen. Innen begegne ich dem Bekannten aus einer gemeinsamen Betreuungssache, Mr. Hardrock. Es läuft Heavy Metal.

Langsam kenne ich die Kundentoilette im GVH-Kundencenter. Gestern und heute schon wieder fliehe ich beim Vorbeifahren in den ersten Stock.

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Mein 18-jähriger Betreuten mit Begleitung im Büro. Er mag das Wetter nicht, sondern die Dunkelheit. Ab 18 Uhr ist seine Zeit. Das ist normal, sage ich ihm. Wir wollen alle auf die Vampirschule. Das ändert sich wieder. Mittag Zuhause. Die Eltern meiner Suizidbetreuten sind zu früh da. Sie hat Ähnlichkeiten mit dem Vater. Es geht um einen geistig behinderten Onkel.

15.10. Alles zu voll. Flut von Spams. Streit um die Tomaten im Wintergarten. Irgendwas wird mein Mann ja dürfen. Brief an die Freundin in Bayreuth, die keinen Kontakt will, aber mir indirekt hat ausrichten lassen, dass ich wohl schreiben darf.

Morgens begleite ich eine Betreute zur Gerichtsvollzieherin und helfe bei der Abgabe der eidesstattlichen Versicherung. Es läuft eine Diashow auf dem Bildschirm. Urlaubsbilder, die ablenken sollen wie beim Zahnarzt. Meine bettlägerige Betreute, die ich anschließend besuchen wollte, vergesse ich. Nachmittags kommt meine Neue. Sie sieht aus wie ein Kerl, verhärmtes Gesicht. Erzählt von ihrer Spielsucht, wie man getrieben weiter macht und es nicht lassen kann, rastlos, wie man sich Vorwürfe macht und intellektuell einsieht, wie dämlich das alles ist. Ich vermittele Termin in der Beratungsstelle. Sie ist sehr misstrauisch. Ich soll nichts machen, helfen, aber nichts tun. Sie befrüchtet den Verlust der Autonomie und traut mir nicht und nicht nur mir traut sie nicht. Die Tochter, der sie Geld schuldet, soll bloß nichts raus kriegen. Ich mache es nach dem Vorbild der Psychologen. Intensiv 50 Minuten, dann neuen Termin. Der Bahnstreik und der Kollege hat es nicht mitbekommen bzw. erst durch mich. Hatte Glück und jetzt eine Sitzplatzreservierung. Ich sage ihm, „don’t praise the day before the evening, but good luck“.

16.10. Fahre nach Wunstorf, wo mein Herr Ihme bald entlassen wird. Große Runde. Frage nach einer offenen Station im Anschluss an den Beschluss. Ich muss mir von dem Oberarzt erklären lassen wie aussichtslos das sei und das sie Dinge, die schon 5 x gescheitert sind nicht noch mal probieren. Mir muss er nicht erklären, wie schwer es in diesem Fall mit Absprachen und Terminen ist, ich mache das ja ambulant und selbst auf einer geschlossenen Station kriegen sie es nicht hin, aber sie haben eine Medikamentenumstellung gemacht und es kann ja sein, dass sich was verbessert hat. Stattdessen erfahre ich, dass er bei dem neuen Depot 4 Stunden im Wartezimmer eines Arztes verbringen muss, der ihn in dieser Zeit kontrollieren muss. Ähhh? Wie unrealistisch ist das denn? Welche geile Stationsärztin hat sich das ausgedacht und wo hat das Genie studiert? Hinzu kommt, dass es ihm nicht besser geht und er immer noch Insekten im Kopf hat. Durchsichtige Ameisen, wie Kakerlaken. Das sage ich dem Oberarzt, aber interessieren tut es keinen. Sie wollen ihn nur los werden. Ich nehme eine Werbebroschüre für Ungarn mit aus dem Jahr 1989, kurz vor der Grenzöffnung. Geile Farbfotos. Kann ich für meine Kalender gebrauchen, das Material.

17.10. Früher Termin. Es regnet fies und ist dunkel. An der Haltestelle treffe ich eine Freundin, die wohl immer so früh unterwegs ist. Es ist mild und der Regen hat aufgehört. Ich fahre doch Fahrrad nach Misburg. Der Typ vom MKD hat eine Glatze und raucht erst mal eine. Ich grüße ihn und er geht weiter. Hallo, ich komme nicht vom Land, wir sind verabredet. Ohne die ambulante Wohnbetreuung will ich nicht rein. Auf sie warten wir und ich erzähle ihm in der Zeit so viel, dass er danach unbesehen Pflegestufe I gibt. Der Typ will nur noch weg. Er stellt sich förmlich bei meinem Betreuten vor und will dann gleich wieder gehen. Herr Minus ist wieder aus dem Heim, seiner neuen Bleibe, abgehauen. Er stimmt zu, dass wir ihn wieder hinfahren dürfen. Ich habe dafür gesorgt, dass er ein neues Zimmer mit einem neuen Mitbewohner hat. Ich sage der persischen Wohnbetreuung, dass sie mich wieder zurück fahren muss, weil ich mein Fahrrad hier stehen lasse. Wir unterhalten uns darüber, dass ich keinen Führerschein habe und sie zu ihrem dreißigsten Geburtstag von ihrer Mutter ein Auto geschenkt bekommen hat, weil das so sein muss, dass man mit 30 einen Wagen hat. Dann geht die Karre aus und es heißt: „scheiße, ich habe vergessen zu tanken“. Wir stehen aus der Hans-Böckler-Allee morgens um 9 Uhr. Mein Betreuter sitzt vorne und ihm ist es egal. Ich sehe, wie die Autos auf uns zurasen und dann kapieren müssen, dass es hier einspurig wird. Sie läuft zur Tankstelle und kommt mit einem Schluck Sprit in einer Wasserflasche zurück (aber so einer mit Nuckelverschluss). Ich bete, dass das Auto merkt, dass es einen Schluck Benzin bekommen hat, wenigstens runter von der Straße. Der Motor springt an und auf dem Radweg fahren wir verkehrt herum auf die Tankstelle. Gerettet. An ihr gefällt mir, dass sie ihren griechischen Straßenköter ohne Leine laufen lässt, auch wenn ihr erster Hund überfahren wurde. Keine Angst und keine Aufgeregtheit, der Hund macht sich gut im Heim, lässt sich anfassen und geht zu den Bewohnern hin. Er scheint Autos als Gefahrenquelle zu erkennen und somit ist alles gut, nur der schwarze Hausmeister ist aufgeregt, weil ein Hund ohne Leine herum läuft.

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Danach Kleefelder Seniorenheim. Für 6 Wochen Kurzzeitpflege soll ich ca. 40 Unterschriften leisten. Nein, ich gebe keine Erklärungen zu Fotos ab und ob Bilder meiner Betreuten gemacht und verwendet werden dürfen. Herr je. Ich mache mich mit der Verwaltungstussi an, bis sie dem Sozialamt erklärt, dass die Betreuerin sich weigert die Anträge mitzunehmen (ich will mir die nur selber besorgen und habe Angst, dass ihre veraltet sind und überhaupt, blöde Kuh).

Die Fensterputzer haben abgesagt. Ich kriege Hysterie wegen Schimmelbildung. Büropflanzen werden entsorgt. Das verblüfft die Kollegen. Pop-Art-Blazer zu Andrea.

Ich soll Frau S. einweisen lassen. Dass sie es nicht kapiert, dass ich nicht mehr die Betreuerin bin,aber dass das Heim es nach 3 Jahren nicht weiß. Großes Fragezeichen in meinem Kopf.

Doppelstunde Sport. Dann ins Sprengelmuseum zur Martin Parr-Ausstellung. Sie haben sich richtig Mühe gegeben mit der Deko und es gibt Metallickonfetti mit „GB“ in rot, blau und silber. Nehme ich gleich welches mit. Die Funkenmariechen, die man von der Postkarte kennt, sind live da. Das macht auch was her. Genauso das Modell aus dem Diane Fanclub mit großem Hut. Auf der Damentoilette erkenne ich sie. Sie hält sich wohl für ein Modell oder einen Star. Ist sie wohl auch. Der Künstler hat die Niedersachsen richtig gut erwischt. Grauhaarige Seeadler vor Transen im Schützenfestzelt. Echt cool. Der Künstler ist da und sehr sympathisch. Das hätte ich auch gemacht mit dem Etat, dem man einen Fotoauftrag erteilt. Was Besseres kann man zu dem Jubiläumsjahr kaum machen. Wir müssen nach Hause und den Hund überwachen, der eine Alu-Tube intus hat und eine komplizierte Medikation verordnet bekommen hat von der TiHo, die bekannt ist für überkandidelte Lösungen. Steffi kocht Schweinefilet mit Metaxa-Soße. Sehr lecker, sehr lieb. Irgendwann ruft Stephan an, der aus Neustadt wieder da ist und auch Spaß hatte und ich gehe nach Hause. Was für ein schöner Abend.

18.10. Traum: Obszönitäten am Strand. Irgendeine Familienfeier. Mein Vater ruft ganz laut, der kann einen Sandabdruck, Wasser und einen Furz haben, als jemand sagt, er habe seine Badehose vergessen und mir ist das peinlich. Ich verstecke mich im Ankleidezimmer. Da sind Leute unten auf der Straße können mich sehen, weil das Licht an ist. Ich schmeiße mich auf den Boden, damit mich keiner sieht und es sind lauter Leute, Frauen, bei mir im Ankleidezimmer. Meine Mutter und andere. Wo kommen die auf einmal her, so voll wie es da ist? Habe ich gar nicht so viele Klamotten, weil da überall Leute drunter liegen? Lauter Frauen, die mir sagen wollen, welche Kette wirklich hässlich ist und ich erkläre, was ich mir dabei gedacht habe und stelle beim Zeigen meiner Ketten fest, dass ich kaum noch welche habe.

Suki. Flohmarkt unter den Bäumen. Bestimmt 10 Jahre war ich nicht mehr auf dem normalen Flohmarkt. Der Szenerie gefällt mir. Samttischdecken und die heruntergefallenen Blätter als Deko. Es ist herrlich unter den Bäumen. Charmante Hannoveraner. Ein Typ zu mir: Junge Frau, die Art, wie Sie sich kleiden, gefällt mir gut/ist interessant. Das ist nicht das „awesome“ was ich immer in SF zu hören bekommen habe, aber es gefällt mir. So schön trocken und zurückhaltend, aber auch direkt. Ich kaufe zur Feier des Tages einen englischen Doppeldecker, der einen Auffahrunfall hatte (unrealistisch sage ich, diese Busfahrer sind so gute Autofahrer, wenn das nicht ein Junge war, der sich als Busfahrer ausgegeben hat) und lass mich am Nachbarstand beraten wegen Briefmarken für Malcolm. Dann noch einen herrlichen Gürtel, der zu eng ist und eine große Brosche mit einem Plastikkamel. Die Perlen fangen an, meine Lieblingsjahreszeit. Jan bekommt bald einen Wippet aus Springe. Wir fahren am Beckmanns vorbei, der Chef steht draußen in Zivil und wir freuen uns wechselseitig uns zu sehen und reservieren für später. Rossi, ich liebe den Laden, sie können aufhören zu backen, aber bitte nicht mit der Quiche aufhören sage ich beim Zahlen. Welche hatte ich denn? „Die vegane Hackquiche“.

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Sprengel noch mal mit M & M. Es grölt vom Station zu uns rüber. Radspackos üben down hill und trinken Energy Drinks dazu. Die sollen mal aufpassen, dass ihr Tunnel nicht reißen. Wieder ist das Diane Fanclub Modell da. Stalkt die mich? Dasselbe könnte sie auch denken. Wieder auf der Damentoilette hat sie mich erwischt. Ich kann auch nicht genug davon kriegen, von den Bildern dieser Ausstellung. Die Bilderwand habe ich zum Teil als Magnete zu Hause (von Jasmin aus einem Gift Shop aus London), wusste nur nicht, dass sie von Herrn Parr sind. ich mag sie jetzt umso lieber.

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Beckmanns, Mahjong. Zu viel Messie. Ich räume einen Tisch frei, der eigentlich als runder Tisch nur da steht um daran mal Mahjong zu spielen. Den Krokodile-Hut aus SF bin ich los und der Mahjongtisch soll frei bleiben. Es muss sich was ändern.

19.10. Aufräumen, doch kein Nähen. Noch mal Flohmarkt, aber nur kurz bei Real. Herrlich warmes Wetter. Es gibt Uhrenprojekte, interessante Taucherfiguren und Glashühnersammlungen vom Feinsten.

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