Wien-Liebe

unb’soffene Wiener G’schichten

Vergesse meine Armbanduhr und die Schlafbrille – beides Dinge, die ich nicht brauchen werde dort wo ich hin fahre, nach Wien.

Die Vermieterin empfiehlt das Café C.I. Das war als erstes am Yppenplatz. Das steht für Club International (während CAY für Café am Yppenplatz steht, knick-knack) und hier kann man Sprachkurse machen A1 usw., also sie arbeiten politisch. Der Kaffee ist stark und lecker, die Mohnschnitte, warm mit Schokosauce und Haferflocken oben drauf gestreut (was Lehar an ihre Oma erinnert, immer was Gesundes hinzufügen….) begrüßt mich richtig gut in Wien.

Nach Humana in der Josefstätter gibt es Ente im What the duck. Die Lampen mit ausgestopften Enten unten den bunt bezogenen Schirmen sitzen sind originell und werden im Dorotheum versteigert, die Drinks sind lecker und auch die Keule mit Sauce und Frühlingszwiebeln zum Selberwickeln, wer nur Brust nimmt, hat langweilig gewählt.

Der erste Morgen mit kleinem Wiener Frühstück im Weidinger, abgetackelter DDR-Charme, graue Zugmöbel, wechselnde Kunst und auch durchaus frequentiert und der geile Kellner, lustig, die Uniform etwas verrutscht, der sich entschuldigt, dass er uns ausländisch angesprochen hat (nachdem er es englisch bei mir probiert hatte). Raucherlokal und das gleich morgens und gleich im Separée neben uns, wo der Aschenbecher gefüllt wird.

Nach den Neubau-Rädern (die Frau ist spaßfrei/unsicher und irgendwie habe ich sie nachhaltig irritiert, mit dem Wort Puch-Rahmen) habe ich Tourette vor lauter Freude: „Felber bäckt selber“ rufe ich immer wieder laut vom Rad. Alternativ ist: „Verlasse zu früh das Haus und die Mittagsmenüs sind aus“ in Vorfreude auf Bilderbuch. Die Räder von Reanimated Bikes sind wieder spitze. Auch wenn die Alpenvereinsfreundin meint, der Radverkehr habe zugenommen (und jetzt noch die e-scooter – es wird eng) wir können das nicht feststellen, wenn alle Radständer immer (auch samstags vor einem Wochenmarkt oder einer gut besuchten Abendveranstaltung) doch alle leer sind und alte Männer ihre Hände in Gebetshaltung vor’s Gesicht nehmen, wenn man sie zu viert auf Rädern passiert (haben so was offensichtlich noch nie erlebt und befürchten das Ende der Welt, zumindest ihrer Welt, man hat sie halt zu Tode erschreckt mit dem Anblick), dann hat das nichts mit Radverkehr zu tun, wie sie in jeder deutschen Durchschnittsstadt (Bayreuth) üblich ist. Dass wir radeln war auch nötig, weil Stephan eine schwarze Zehspitze hat oder zumindest dunkelblau. Zum Glück ist der Nagel nicht betroffen, aber es gibt einen kleinen dunkelblauen Fleck zwischen dem kleinen Zeh an der Innenseite zum Nachbarzeh, wie ein getuschter Punkt.

Flying High, was für eine eindrucksvolle Ausstellungen. Bilder von 1865, die supermodern wirken. Irrenanstalt Waldau und so. Als ein Arzt es genutzt hat um die Entwicklung seiner Patienten zu dokumentieren und dann erstaut war über die Qualität der Arbeiten. Toll gemacht vom Forum Austria, auch das gedruckte Begleitheft mit allen Frauen und deren Biographien, soweit bekannt. Madame Fauvre, die feine Zeichnungen aus Bärten, Zöpfen und Haaren mit Gesichtern dazu, ineinander übergehend malt und über die nichts bekannt ist z.B., aber auch andere, die viel gemacht haben, gereist sind, als Schauspielerinnen tätig waren bis sie euthanasiert wurden. Das Atelier Goldstein führt die Tradition fort. Art Brut berüht. Es ist wie in den Puff gehen, diesen studierten Künstlern kann man technisch nichts vorwerfen, aber das Gefühl bleibt auf der Strecke. Die Laien küssen eben auch.

Ins Kameel mit der Kameelbrosche. Lehar muss mir zeigen, was ich nicht kenne. Saftige Trockenpflaumen beim Meinl neben dem frischen Obst. Die schmecken nicht nur, sondern helfen auf Reisen und werden mein Begleiter sein in die Länder von Pasta und Weißmehl…. Das Mitskandieren macht Spaß: Kurz – weg, Kurz – weg, Kurz, Kurz, Kurz – weg, weg, weg und Ibiza, Ibiza, Antifascista! Dann durch die Straße rasen. Wenn ich hier vom Rad fliege bei dem Tempo, ist es vorbei, aber Meixners wartet. Grammelknödel gibt es auch in der großen Portion mit 5 statt 3 – ich Depp. Stephan ist schlau und meldet gleich Nachtisch an, weil die Küche schließt. Der Nachwuchs findet es nicht so ansprechend, eher etwas räudig und heruntergekommen, nicht so schönes Ambiente, aber es ist unser Lieblingsladen. Gut, auf die Frage nach vegetarischen Hauptspeisen ein Cordon Bleu vorzuschlagen, bei dem man den Schinken weg lässt, wirft einige Fragen auf….und es ist geschultes Personal. Zweigelt Rosé. Die Freundin hat schon getankt. Sie lädt zu sich nach Hause ein. Wien, der Bahnhof und die Gleise liegen uns zu Füßen auf dem Balkon.

Wir fahren zum Kutschkermarkt und Stephan kauft den Bestand an Mohn-Zelten auf. Zuerst heißt es 11, aber 10 nimmt er zur Not auch. In dem Geschäft mit alten Möbeln, die auch 60er Jahre Sofas aufpolstern mit den Stoffmustern aus Schottland und einem Engländer, der sich über die Meinl-Buttons freut. Er hat die Tassen mit den roten Henkeln, die nach vorne geschwungen sind erfunden (finde ich nicht so überzeugend, was ich aber für mich behalte), aber ich mag die Kunst von dem befreundeten Künstler und die Lampen und Vasen. Kaufe eine Pfeffermühle aus Holz, angeblich dänisches Design. Wir fahren erneut zum Hundertwasserhaus und gehen in die Fotoausstellung, die echt wieder sehr gut ist. Ich sage nur: Too tired for sunshine. Der Kollege und ich haben dieselbe Idee, aber das Buch ist vergriffen.

Mittagstisch im Sperl und wie super ist das denn. Einzig, dass ein junger Kellner unter der Last des XXL Tabletts in einer halben Rückbeuge beim Abstellen fast zusammengebrochen und dann noch eine Beschwerde: „Ich habe keine Kartoffel bestellt, sondern Salat“ und dann ein wenig im Stadtpark auf dem wahnsinnig üppigen Rasen chillen. Eis bei Tuchlauben (der Kollege nimmer Maccaron und das schmeckt erst crazy, etwas süß, aber toll) und er will nach Prada-Schuhen schauen. „Super rich kids haben Stress, wir haben Sandwishes, sandwishes, sandwishes“. Nur Bilderbuch kann hier weiterhelfen. Es gibt Socken für 80 €. Das ist echt nicht angemessen. So kann man es wohl ausdrücken.

Die gelbe Sissi-Kulisse ist Hammer. Schwarze Vögel tummeln sich vor der Schlosskulisse. Der Gitarrist von Bilderbuch ist ein Gott. „5 tausend likes, aber nicht so cool wie Mike“ sage ich nur. Das durchsichtige Netzoberteil, die neon-farbenen Nägel, das Muster aus rasierten Smileys auf dem Schädel, wie er hinter dem Kopf seine E-Gitarre spielt. Als er das erste Mal auf die Knie fällt, kann ich mir vorstellen, wie es den jungen Dingern bei den Beatles ergangen und kann mir eine Ohnmacht bei so was vorstellen. Maurice ist eh spitze. Ja, es ist kein Clubkonzert, aber eben eine Bühnenshow mit Rauch gefüllten Seifenblasen und krickel-krackel-Zeichnungen auf der Fassade des Schlosses von Schönbrunn. Die Jungs sind sympathisch und ich stelle mir vor, wie anstrengend es für sie war. Immer gefilmt werden auf Schritt und Tritt und dann das angespießte Publikum, die Probleme haben mit Männern mit lackierten Nägeln und Homophobie ist voll schwul. Eh. Da war die 60er Jahre Halle bei der Faust doch viel entspannter für die Jungs.

Das Parlament in der Hofburg. Hier heiraten heute nebenan Adelige mit einer schlagenden Verbindung vor der Tür, eine abgemagerte Braut, die fotografiert wird von den Schaulustigen – doch keine Weinprobe, wie Stephan meint als sie morgens schon die Stehtische mit weißen Bezügen aufbauen. Die moderne Kunst kommt gut in den schwülstigen Räumen, sehr gut sogar, war vorher schon da, nach einem Brand. In diesen Räumen und mit der üppigen Julia will ich gleich The Favourite Teil 2 drehen. Julia ist Queen Anne und ich eben ihre erste Liebhaber, die von der blutjungen, gut aussehenden und schlauen Lehar abgelöst wird…Auch die Pavillons sind mit allem ausgestattet, was es braucht, vor allem immer gleich mit Gegenwartskunst. Da würden sie bei uns irgendeinen Schrott aufhängen. Oben unterm Dach ist eine abhörsicherer James Bond Kugel im Raum, innen ein runder Besprechungstisch. Giftshop mit den Mitarbeiterprozenten. Die Angestellte ist barfuß, wie man sieht als sie von hinterm Tresen zu uns kommt – wie sympathisch. Der Kollege kauft einen Aufklappbaren Automatikschirm mit Reichsadler, den man aber nur von innen sieht, oben dezentes Grau.

Mittagstisch im Palmenhaus und hier waren wir noch nie und das Kuchenbuffet sucht seines gleichen. Der Marchfelder Spargel solo mit Beinschinken ist sehr gut, aber auch mein Seesaibling, der im Ganzen serviert wird und dazu Salat. Dann in den Augarten zu den Flacktürmen. Ich liebe sie sehr. Hinter Zäune so eine Art zahme Eichhörnchen, die sich füttern lassen. Wir verstehen es nicht ganz. Auf den Rasenflächen wird hier und da ein Geburtstag gefeiert. Im Biergarten am Nachbartisch eine junge Familie, die alles richtig gemacht haben. Zwei Kinder gleich hintereinander. Die Mutter hat den Säugling und der Vater das Kleinkind, der erst mit Autos spielt und dazu redet und dann so müde ist, dass er das Würstchen (Frankfurter nicht Wiener) mit Ketchup nicht mehr essen kann und die Waffel mit Nutella und Rhabarber im Extraschälchen, was eigentlich abbestellt worden war und sich nur in Paps Schoss verkriechen will. Die Eistruhe läuft wie bombe und ständig muss ein Karton aufgeschnitten und irgendein Twister nachgelegt werden. Ich komme an den Tisch mit der Frage: soll ich ein Ben and Jerry’s Erdnuss Salzkaramell oder halten wir noch an der Eisdiele am Schwedenplatz. Das reicht den Nachbarn, mit denen wir noch kein Wort gewechselt haben, dass sie nicht mehr an sich halten können und der Typ sagt mir, das sei Dreck und die Eisdiele am Schwedenplatz die beste der Stadt, was ich wiederum nutze für die altbekannte Diskussionen, Tuchlauben, Tichy…Herrlich. Ich gebe ihnen den Tipp mit Mohnzelten am Kutschkermarkt und zeige die total eingesaute Tüte mit Pöhl & Mayr, zerknittert und voller Fettflecke, einfach mörderunansehnlich. Er zückt sein Handy und macht ein Foto. Das liebe ich an den Wiener, das Essen nehmen sie ernst. 25 hours mit Blick über die Stadt und Drinks. Am Nachbartisch die Friseurinnung wie ich feststelle. Lehar kann schon sehr gut die Sprache und wird für eine Einheimische gehalten.

Wie sich alle in der Eingangshalle vom KHM versammeln und der Mitarbeiter sie mit Handzeichen, aufstehen, herkommen…aus der Ferne dirigiert ist großes Kino. Der reinste New Yorker Verkehrspolizist. Dann kommen die Schauspieler und schnappen sich einzelne Leute für eine lange Umarmung (Gany Med in Love). Ich kommen 3 x an die Reihe und es tut echt gut. Wie im Puff. Ich traue mich mehr als bei Freunden und Bekannten, wo man sich immer überlegen muss, ist das zu doll, wenn ich meine Brüste da voll ranpresse, hier kann man einfach reinhauen. Ich bekomme viel Komplimente für mein Hütchen, auch von Frauen, die ich rattenscharf finde, die alleine im Café in der Mitte sitzen mit der Wahnsinnskulisse draußen vor einem roten Abendhimmel und einen 0,1 Sekt trinken. Sie schauen mich an und zwinkern sehr lange mit einem Auge während der Daumen nach oben zeigt. Sonst ist das Publikum sehr unruhig und respektlos. Kommen und gehen und knatzen auf den ehrwürdigem Holzboden und das während den Darbietungen, so dass eine Schauspielerin so irritiert ist, dass sie wieder von vorne anfängt. Ich denke, die sind Theater erfahren in dieser Stadt…. Für den kleinen Theaterhunger danach geht’s ins Schwarzenberg. Die Frauentoiletten sind so schön und ich schicke den Kollegen los. Die Herren wohl weniger. Ich spreche den Kellner darauf an, der meint, er kennt sie nicht und darf da auch nicht rein, nur das Reinigungspersonal oder im Notfall, wenn er erste Hilfe leisten muss. Das kann ihn seinen Job kosten. Denkt er, ich bin ein Lockvogel und das hier Ibiza Teil 2?

Wir wundern uns, dass so wenig Menschen es genießen, durch die Hofburg zu fahren, wenn der Himmel rosa ist oder hinter einem Fiaker ganz langsam mit dem Drahtesel- große Freude.

Immer wieder Kaffee am Yppenplatz. Die 3 silbernen Eichen, eine klassische Trinkerkneipe öffnet als erstes und kann auch Kaffee. Hier sind die meisten Besucher bzw. die anderen Hippsterdinger sind für die Touristen. Raucher, dicke Hunde wissen wo sie hin müssen und werden pausenlos mit Keksen gefüttert, wie der reinste Streichelautomat. 3 Türken gesellen sich dazu. Albertina geht auch noch. Neben Nitsch, Ochsenblut und den Räumen mit Farbe (die Arbeiten mit den Verläufen sind sehr schön, Rotho schwach dagegen) und dann gibt es noch eine tolle Fotoausstellung. Der Typ hat Sachen gemacht, die etwas wie Leuchtkästen von Jeff Wall wirken oder Tischszenen wie von Spöri und das alles schon 10-20 Jahre vor den anderen. Tolle Arbeiten sind dabei und tolle Serien auch.

Favoriten hat mir gefehlt. Die neue Bleibe der Atelierfreundin ist großartig und ich freue mich, dass sie hier eine neue Familie gefunden hat. Wir machen Atelierchillen vom feinsten mit 2 Flaschen Prosecco. Der Keller ausgebaut mit Holzwerkstätten mit allen Maschinen und 20 Schraubzwingen in Reih und Glied, davor ein Übungsraum und die Raucherbar, im Innenhof essen wir 1 Liter Eis und neben dem Tichy gibt es noch Gavaz in der Laxenburger Straße empfiehlt die Vermieterin. Da seien die Schlangen nicht so lang. Als ein paar Tropfen fallen wechseln wir nach innen. Ich darf mir 2 Insektenbuttons raussuchen und bastele etwas, Lehar steigt irgendwann mit ein. Gela kommt nach und wundert sich über die riesigen Sandalen (die ausgelatschten Birkenstöcker meines Kollegen). Ich mag Wanda Kanterreit und Konsorten nicht. Ist mir zu heimatverbunden. Andreas Gabalier lässt grüßen. Gut, ich bin fies und das ist Geschmackssache.

Am Naschmarkt gibt es heute asiatisch und das gefällt dem Nachwuchs am allerbesten von allen Läden bisher.

Humanic und der Kollege wird Mitglied um sich die Füße ausmessen zu lassen was ergibt dass der 45,5 hat, wo er in Wirklichkeit aber 47 hat; ich um 30 % zu sparen. Habe Lehar eine Tasche von DKNY gekauft und mir neue Turnschuhe in Lachs- oder Shrimpsfarbe. Sie ist so bescheiden und wehrt sich lange (kann ich doch nicht machen…). Es ist schön zu sehen, wenn sich jemand so freut. Als es anfängt zu regnen nimmt sie die Tasche unter ihr Sweatshirt und trägt sie am Körper, damit ihr nichts passiert. Sie liebt sie wirklich. Meine Schuhe haben schon deutliche Tragespuren nach der ersten halben Stunde.

Das Roastbeef vom Gerhard ist pornographisch genug, da hätte es der angeblichen deutschen Lyrik nicht bedurft. Wondratschek: „Ich folge, jeder Frau nach Rio, jedem Hund zur Hündin….“ „Ich stehe nackt vor Dir, ich will mehr, ich will“….das braucht kein Mensch. Was ist mit dem Sperl los? Ich hatte unsere Reisegesellschaft vorgewarnt, dass hier Frauen bedienen statt der üblichen Wiener Kellner, die sie jetzt schon kennen, aber sie haben die tollen Bedienungen gegen Männer ausgetauscht. Das finden wir nicht in Ordnung. War gut so, wie es war. Wir kaufen Lebensmittel ein gegen die Vergänglichkeit. Essig, Kuchen, Käse, Zotter bis wir bis oben voll sind. Lehar zeigt mir wieder was in gewohnter Umgebung. Es gibt hier die schönsten Blumen überhaupt. Pinkfarbene Riesenpfingstrosen – so toll, ohne Schleierkraut und Bindungschichi. Wenn ich hier wohnen würde, würde ich den Eimer voll kaufen.

Dem Kollegen gefallen die Tassen von Hornig J. mit Sprüchen auf der Untertasse, die zum Vorschein kommen, wenn man die Tasse abhebt. „Die dunkle Seite ist schön“ oder „Nichts ist für die Ewigkeit“ usw. Außerdem überzeugend, dass die Aussparung für die Tasse nicht mittig ist und man so Platz auf der Untertasse hat für den Löffel oder einen Keks. Warum ist da bisher keine drauf gekommen? Er will welche fürs Büro. Auf dem Weg zur Räderrückgabe kommen wir an einem Laden vorbei und halten kurz. Hier ist auch Kaffeebetrieb, aber man soll im Internet bestellen. Der Traditionsbastelladen Dieroff und Söhne osä (Nachfolger) mit Bast, Holz zum Flechten und riesigen Bambusstangen, alles gut sortiert und säuberlich ist wieder so spitze. Es gibt auch dicke Holzperlen und Seile (falls ein anthroposophischer Kindergarten Makramee machen will frage ich und wo ist hier der Zusammenhang will ich vom Chef wissen, Naturmaterialien? Lehar kauft sich Karabiner um ihre durchsichtige Umhängetasche zu reparieren.

Wir brechen auf, der Kollege trägt seine Birkenstocks mit gebrochener Sohle und holt sich nasse Füße an der Haltestelle in den Pfützen, seine Latschen bauen einen Damm, aber einen brüchigen eben. Wir begleiten Lehar zum Bahnhof, Berlin Mitte, 17:30 nach Innsbruck zu einer Freundin von Gleis 8, wir fahren 17:42 von Gleis 9 zum Flughafen Wien-Schwechat. Ich finde einen schwarzen Automatik-Schirm von Pierre Cardin im Netz des Sitzes vor mir.

Merke erst nach Wien, wie schrottig mein Fahrrad wirklich ist. Es wackelt und fühlt sich total unstabil und unsicher an. Wie kann es sein, dass sie ausgerechnet dort bessere Räder bauen können. Gott sei dank vergisst man das schnell und es fühlt sich am Tag danach wieder ganz normal an.

Die Ganymed-Texte will ich noch mal nachlesen über die Liebe zu einem Leben, was nur noch ein dünner, rissiger Faden ist. Vergiß mein nicht mit einem vergleichsweise schlechten Bild a la Spitzweg, eine Szene am Fenster mit Blumen davor, die Frau auf der Pritsche, die eine Bettlägerige gespielt hat, die am Leben hängt, auch wenn es nur aus so wenig noch besteht. Aufwachen, Schmerzen haben (der Körper erinnert sich) und man nur noch wenig versteht und zahnlos mitlacht. Nur das was sich nicht verändert, die Wolken, der Himmel, man hängt an dem brüchigen, dünnen Faden des Lebens. Schön, dass wir 2 Exemplare bekommen haben und Stephan seines weder zerschnitten noch entsorgt hat. Das hilft mir heute. 30.05.2019