Archiv der Kategorie: Sauerrahmbutter

Alltagsberichte – das Tagebuch

Die Woche der Berlinhütchen und das Kapitel im Wiener Roadtrip

A.

PM hat mir Sonntag auf die Mailbox gesprochen, dass er sich ein teures Hand auf Station kaufen musste um mich anzurufen und wegen seiner Katze…..Wieder Termin Jobcenter. Ich treffe meinen auf den Weg dahin und fahre eine längere Zeit unerkannt auf dem Fahrrad hinter ihm her. An einer Ampel spreche ich ihn dann an. Sein Rad hätte vorne einen Platten, daher sei er nicht so schnell gefahren. Ich sage: Platten? Ich sehe nichts. Das sei ein unkaputtbarer Reifen. Da würde man den Platten nicht sehen, aber daran merken, dass er beim Fahren schlackert. So was habe ich noch nie gehört. Ist das wie leeres Glas, aber statt Milch ist jetzt Dickmilch drin?

Die Sachbearbeiterin ist sehr erstaunt und unvorbereitet, dass ich dabei bin. Es ist eine Mutti mit wirren Haaren, die an Schambehaarung erinnern. Sie hat eine kupferne Perlenkette und spitze Finger mit denen sie nach oben zeigt. Meiner ist 1000%iger und will immer jede Formulierung verstehen und jede AGB und befürchtet immer dieses oder jenes könnte passieren und was ist wenn das usw. Meiner macht einen VHS-Lehrgang in Bilanzierung und Steuern nach dem anderen und besteht mit Bestnoten. Heute geht es darum über die ärztlichen Dienst die Erwerbsfähigkeit abklären zu lassen und meiner fragt bei der Unterschrift: mit diesem Kugelschreiber? Es liegen mehrere da, die aber alle gleich aussehen. Ob es daran liegt, dass ich dabei bin, weiß ich nicht. Jedenfalls werden alle Eventualitäten und Textbausteine der Eingliederungsvereinbarung vorgelesen, wie beim Notar beim Hauskauf. Kürzungen was, wie hoch, mehrere neben einander möglich bis zu 100 %, dann keine Krankenversicherung. Ortsabwesenheit melden, möglichst 2 Wochen im voraus. Gilt es schon als ortsabwesend wenn er zu seinen Eltern fährt, will meiner wissen. Mit Übernachtung streng genommen ja, aber das interessiere sie nicht sagt Mutti. Dann hat meiner eine Kostenrechnung des Gerichts bezahlt und mir dann geschickt. Ich sage, warum das denn. Ich mache das doch mit Stundung. Er hatte Angst, weil da was mit Vollstreckung drin steht. Ich sage, er muss dickfälliger werden. Wie soll ich das Geld jetzt zurück bekommen, wenn das erst mal gezahlt sei? Mit der Ansage, dass meiner verblödet sei? Wir müssen beide lachen. Er verspricht zukünftig zuerst zu fragen und keine Panikreaktionen.

Ich verabschiede mich und gehe nach gegenüber zu Frau P. ins Heim.

Sessel

Sie ist nicht in ihrem Zimmer. Ich schaue unter dem Bett und aus dem Fenster auf den Balkon. Dann ruft jemand. Sie sitzt im Flur mit am Tisch mit dem Rücken zum Gang und isst Mittag (es ist noch vor 12 Uhr). Ich freue mich, weil ich sie das erste Mal am Tisch essen sehe und nicht im Bett. Sie ist so überrascht, dass sie gleich aufhört zu essen. Außer ihr sitzen zwei Damen am Tisch, die mit Brei gefüttert werden. Beide reden nicht und die Schwester schiebt abwechselnd Brei rein, der zum Teil wieder rausgedrückt wird. Warum redet sie nicht mit den Frauen, frage ich mich. Das erscheint mir unwürdig, kommentarlos zu füttern, auch mit einem Kleinkind würde man doch sprechen, wenn man es anfasst oder irgendwelche Verrichtungen vornimmt oder sogar mit einem Tier. Frau P. spricht mit mir, der Lebensgefährte hätte total schlecht ausgesehen „wie Jesus am Kreuz“. Ich frage sie zu der Augen-OP, die sie abgesagt hat und sie, an dem Tag sei es so „grimmig heiß“ gewesen. Ich sage, was war es? Ich kenne nur grimmig kalt und nicht grimmig heiß. Das gibt es meines Wissens nicht und sie nur: bei mir schon. Alles klar. Das gefällt mir, wie sie kontert. Sie trägt zwei auffällige Ringe. Es hat doch was bewirkt, dass ich ihr den Schmuck herüber gebracht habe.

Auf dem Rückweg fahre ich zu Efendi Bey und der ganze Laden ist ausgestorben. Ramadan. Man, man, man. Da braucht man seine Kneipe gar nicht aufschließen. Kommt keiner. Nicht mal Getränke kann man tagsüber verkaufen. Auch mal ein neuer Einblick. Deswegen war vielleicht neulich um nach 22 Uhr noch so viel los bei dem Steintorgrill, weil alle erst abends zum Essen kommen.

Mein Eilverfahren ist erfolgreich außergerichtlich erledigt. Sie zahlen weiter. Das ist eine große Erleichterung, weil ich mir Vorwürfe mache, dass es soweit gekommen und ich nicht im Vorfeld mehr Gas gegeben habe. Ich hatte die Kürzungsdrohung irgendwie nicht ernst genommen. Jetzt war es Mehrarbeit, aber alles ist wieder in der Spur.

Herr PM will mir den Schlüssel für seine Wohnung schicken und hat Morgen Anhörung durch die Richterin. Da gehe ich nicht hin. Gibt auch sonst genug zu organisieren, außerdem ist es ungewöhnlich, dass die Betreuer dabei sind. Eher Arzt, Richter und Verfahrenspfleger.  Mittwoch ist das Landgericht bei meiner Betreuten, die in ein geschlossenes Wohnheim soll. Da wollte ich schon dabei sein und meine Entscheidung verteidigen bzw. diskutieren und Rede und Antwort stehen. Der Richter will es aber nicht, weil er befürchtet, dass sie noch mehr ausrastet oder unkontrollierbar ist. Diese Landgerichtsrichter (Beschwerdeinstanz) oder überhaupt welche, die es selten machen, haben da manchmal etwas Berührungsängste mit der Psychiatrie.

B.

Die Oberärztin ruft mich an. Meine Wohnheimkandidatin musste in die Vollfixierung. Sie sei gestern durchgedreht und habe in ihrem Zimmer Stühle übereinander gestapelt und das Zimmer wegen der Unwetter unter Wasser gesetzt. Sie ist anscheinend doch sehr aufgeregt wegen der Anhörung. Der Richter erzählte, dass sie ihn auch ständig anrufen würde.

Als ich mein Fahrrad auf dem Innenhof hole, ist wieder ein dicker brauner Vogel im Garten und ich bin mir sicher, dass es kein Spatz ist. Er kämpft auf einem Hügel voller Erde, die ausschaut wie Humus mit einem dicken Käfer, den er immer wieder pickt und auf den Boden drückt um ihn zu töten oder nach und nach zu fressen, wie ein großer Burger, der nicht auf einmal in den Schnabel passt. Ich schaue eine Weile zu und gehe dann.

Der Schlüssel von meinem Verlobten ist in der Post. Ein Einschreiben ohne Absender oder Anschreiben. Andere Schlüssel erwarte ich allerdings nicht. Ich will sie bei den Nachbarn abgehen und habe mir vorher versichern lassen, dass sie das machen wollen: Katzenklo sauber machen und die Pflanzen gießen. Heute muss ich den anderen Schlüssel von Herrn W. zum Entrümpelungsunternehmen bringen, weil Morgen die Wohnung entrümpelt wird, die zum 31.07. von mir gekündigt wurde. Vorher habe ich beim Amtsgericht angerufen und mir telefonisch bestätigen lassen, dass die Genehmigung meiner Wohnungskündigung rechtskräftig geworden sei. Da der Entrümpler und die Wohnung des Herr PM an entgegengesetzten Seiten der Stadt liegen, ist heute bei mir Kilometergeld angesagt, wie bei den Schließern vom Amtsgericht.

BierverkaufHorrorhagel Kleingärten platt

Beim Entrümpler kaufe ich mir eine herrliche Bodenvase mit Hannovermotiven für 7,- € (Ulmer Keramik). Ist bestimmt ein Schnäppchen. Der Mann, mit dem ich wegen des Schlüssels verabredet bin, erkennt Hannover nicht und ich muss ihm die verschiedenen Motive erklären.

Vase Kröpke Vase Marktkirche Vase Maschsee

Eine Frau neben mir kauft drei schwarze, billige Plastikregale á 3,- €, die man auseinander bauen kann und die schon vom Anschauen umfallen so flapsig sehen die aus und scheiße dazu. Ich schaue auch gar nicht hin, aber sie zu mir: sind für den Garten, Metall rostet und Holz verzieht sich, da nehme sie nun Kunststoff. Schwarzer Sondermüll für 9,- €. Im Büro schicke ich dem Vermieter erst mal ein Fax an diverse Nummern, nur eine geht durch. Es ist eine Wohnungsbaugesellschaft mit Sitz in Berlin und ich habe langsam den Eindruck, die wollen ihre beschissene Wohnung nicht wieder zurück haben. Seit Einzug hat der Vermieter bestimmt 3 x gewechselt und es war jeweils keine Verbesserung.

Zur Post gehe ich auch und bringe ein Paket weg für Berlin. 100 Sachen neu. Da musste eine weg.

Bei der Post am Lindener Marktplatz flirte ich immer mit den Mitarbeitern. Es gibt mehrere, die ich einfach großartig finde. Ich muss immer an Men in Black Teil 2 denken, dass es Außerirdische sind, die dort eine ruhige Kugel schieben. Bei dem einen, der mich heute bedient ist das jedenfalls total gut vorstellbar. Sie sind heute alle in Flirtlaune und tragen blaue T-shirts der Postbank. Er schiebt mein Paket durch den Schlitz oder versucht es und ich sage: pressen und er sagt was vom Meissner Porzellan. Wenn er wüsste…

Schale Rosen nah Schale Rosen Schale Rückseite

Bevor ich zu Herrn PM fahre, Telefonat mit der Schwester, die ganz erstaunt ist, dass ich den Schlüssel habe. Der wird alles zu viel. Auf die kann ich nicht zählen. Kurzes Telefonat so nach dem Motto: sie wird ihre Gründe haben, die muss sie mir nicht erklären. Ich muss jetzt weiter machen. Die Katze ist putzmunter. Frau A. entsorgt die schimmeligen Erdbeeren, die aufgeblähten Mozarella-Tüten, den stinkenden Müll und gießt die Pflanzen alle mal durch. Manche sind Attrappe, aber die meisten echt. Hinter dem Bett liegen Zombie-Filme und in der Küche hängt eine Klinikum Region Hannover Tasse an der Wand.

Altholz

Zwei unterschriebene Quittungen für Wohnungsschlüssel sind im Wesentlichen mein Tagwerk. Melde auch Herrn PM Vollzug. Dass er eine Strafanzeige wegen Widerstand hat, thematisiere ich heute nicht. Das kann noch warten.

C.

Jeden Morgen umstylen kostet zu viel Zeit. Ich mache es diese Woche, weil es die Woche der Berlin-Hütchen ist. Dem aufmerksamen Leser wird es schon aufgefallen sein. Erst Traum aufschreiben, dann stylen und Fotos. Bin erst um 9:30 Uhr im Büro. Dauerhaft geht das nicht und ich kann Kleidung durchaus auch 3 Tage nacheinander tragen, sowohl von der Abwechslung als auch vom Geruch her.

Hausverwalter von W. ruft mich an. Er ist zufällig aus Magdeburg vor Ort und hat Umzugsfirma angesprochen und ob ich zuständig sei. Er soll sich Schlüssel aushändigen lassen und wir vereinbaren für Morgen einen Termin zur Wohnungsübergabe.

Mal ein Wort zu meiner Hütchenmode: Ich kann es nicht leiden, wenn ich dem Hutladen bei uns im Haus zugeordnet werde. Zuletzt  am Dienstag vor einer Woche meinte der Typ, der den Kaffeewagen am Markttag betreibt, dass wieder eine Frau total begeistert gewesen sei von meinem oder unserem Laden und ich sage. Ich gehöre da nicht dazu. Auch beim Fahrrad abschließen werde ich des Öfteren gefragt, wann wir aufmachen. Ich finde in vielen Fällen macht Professionalität lieblos. Zu viel Technik tötet die Phantasie bzw. es ist ein anderes Arbeiten, wenn man improvisiert und das macht man nicht, wenn man etwas gelernt hat und weiß, wie es richtig geht.

Gleich steht Anhörung ohne mich bevor. Die Sozialarbeiterin aus der Weinstraße ruft an. Wahrendorff hat neongrün gestrichene Stationen. Sie macht mir noch eine andere Empfehlung.

Ich muss heute oder Morgen noch mal in die Wohnung von Frau P. die Zählerstände ablesen. Die Stadtwerke wollen die Zählerständer zum 11.07. nicht gelten lassen, obwohl eigentlich keiner in der Wohnung war. Der Lebensgefährte war kurz zuhause und kam dann wieder in die Klinik. Er hat jetzt auch eine Betreuerin, die oldschool arbeitet und noch zur Bank muss, bevor die schließt. Sie scheint mir etwas überfordert mit dem Fall und will immer von mir die Telefonnummer von ihrem Schützling und andere Informationen und fragt, wo er Geld her bekommen könne, von meiner vielleicht. Sie weiß nicht, ob er es überhaupt noch in der Wohnung packt, weil es ihm wohl schlecht geht. Dann haben wir reichlich aufzulösen. Das ist auch klar. Er sollte zum 01.08. das Mietverhältnis übernehmen. Das war bevor er die Kornkreise, die in der Nähe von Hannover besonders häufig aufgetreten seien so gedeutet hat, dass Jesus Großes mit Hannover vorhat und dem Amtsgericht geschrieben hat, dass eher ein Dicker durch ein Nadelöhr passt als dass ein Reicher in den Himmel kommt auf mich bezogen.

Mein wichtigster Termin des Tages ist eine sehr schwierige Klientin, die viel Unterstützungsbedarf hat, aber kaum einen außer mir akzeptiert. Sie ist sehr exzentrisch und eckt überall an. Die Sozialläden der Stadt frequentiert sich täglich und weiß wo es an welchen Tag für 1,50 € Frühstück gibt. Heute ist ein Dreiertreffen weil sie beim letzten Mal in dieser Konstellation (das mag ca. 3 Wochen her sein) der ambulanten Wohnbetreuung unvermittelt gekündigt hat mit deutlichen Worten. Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht mit Frauen, die dicker seien als sie selber. Die seien meistens neidisch. Die Wohnbetreuerin habe ihr geraten auf den Strich zu gehen und es mal mit Negern zu versuchen. Die junge Sozialarbeiterin ist leicht geschockt, auch weil mein Schätzchen sehr aggressiv ist und ich beende das damals und bedanke mich für die geleistete Arbeit und verabschiede sie. Die Widersprüche spielen bei meiner eine große Rolle. Sie will nichts von sich preisgeben. Die Frau B. hätte sie immer ausgefragt, anderseits will sie wissen, welche Religion die Wohnbetreuerin hat, weil mit evangelisch-lutherisch hat sie die besten Erfahrungen gemacht und wenn die das nicht beantworten wollen, weil es Privatsache sei, dann hat sie kein Vertrauen. Meine kommt aus dem muslimischen Bereich und ist zum Christentum konvertiert, d.h. von der inneren Einstellung her und hat sich selber einen christlichen Vornamen gegeben. Manchmal hat sie Angst vor dunkelhaarigen und will nur mit Blonden in der Straßenbahn fahren, dann wiederum hält sie diese für Rassisten. Sie zieht sich gerne aufreizend an und spricht über Intimpiercings in den Kitzler und bestellt Klamotten bei Beate Uhse oder Orion. Dann fährt sie auf christliche Freizeiten und fliegt dort auch raus. Bei mir kommentiert sie gerne meine Klamotten oder meine Figur, die sie gerne hätte. Sie mag meine Waden und ich soll mich freuen, dass ich nicht so behaart bin, nur die Augenbrauen müsste ich mir mal machen lassen. Ich kann sehr gut mit ihr und das wichtigste ist, dass ich wie sie sagt, ihre „letzte Instanz“ bin, d.h. ich kann sie lenken und auf mich hört sie.

Eine Woche nach dem Eklat mit Frau B. kommt der Sinneswandel. Sie habe gemerkt, dass Frau B. doch viel für sie getan habe und sie wolle einen Neuanfang. Das Schätzchen kommt wöchentlich zu mir und holt Geld ab und es vergeht keine Woche, in der es keinen Konflikt gibt. Arztpraxen sind besonders beliebt und das endet dann gerne mit einem Hausverbot. Jetzt rief mich der Nachbar an, dass meine die junge Betreuerin seines behinderten Kindes bedrohen würde und die hätte Angst vor ihr und der Träger der Maßnahme habe gesagt, dass sie dann nicht mehr zu ihnen kommen müsse. Jetzt habe er zusichern müssen, das junge Ding immer zur Straßenbahnhaltestelle zu begleiten um sicher zu gehen, dass sicher gestellt sei, dass sie meiner nicht ungeschützt ausgeliefert sei und überhaupt meine müsse in die Klinik. Ich sage, das habe immer noch ich zu entscheiden.

Frau B. kommt zuerst, dann meine und sie sagt, die neue Sprechstundenhilfe sei fies. Es handelt sich um einen jungen Studenten, der für meinen Kollegen arbeitet und ihr die Tür geöffnet hat. Ich sage, der ist nicht fies. Dann kommentiere ich heute mal ihr Outfit (statt umgekehrt), weil sie einen Ganzkörperanzug mit ägyptischen Motiven darauf an hat, der echt sehr speziell aussieht (walk like an egyptian sage ich nur). Sie ignoriert Frau B. Ich erzähle ihr dann von dem Anruf des Nachbarn und sie ist beleidigt und will gleich abbrechen so von wegen die tyrannisieren sie, das Kind klopft und klingelt grundlos an ihrer Tür und sie hätte vor denen Angst und ich sage, das gäbe es auch, dass beide Seiten wechselseitig Angst hätten und das sei ein Kind. Das darf alles. Ich sage, ich kenne das manchmal haben Leute vor mir Angst und ich bemerke das gar nicht. Dann Thema Vermieterin, die wolle, dass sie für sie Erde hole beim Baumarkt (sie wird des Öfteren für Dienstleistungen eingespannt von ihr). Das sei bestimmt wegen der Kakerlaken. Sie habe neulich eine in der Wohnung zertreten mit dem Absatz und jetzt wenn es irgendwo jucken würde, würde sie welche krabbeln sehen wie damals bevor sie in die Klinik musste. Die Vermieterin wolle bestimmt die Erde um die Kakerlakenlöcher zuzumachen, damit die nicht mehr raus kämen. Die wolle immer wissen, was sie mit ihrer Anwältin besprochen hätte und ich sage, darauf müsse sie doch nicht antworten. Sie könne höflich sagen, darüber wolle sie nicht sprechen oder sie sagt „übers Wetter“ und wünscht ihr noch einen schönen Tag. Sie lässt sich erklären, wie wir es zukünftig machen. Wenn ein Ball geworfen wird, müssen wir ihn nicht fangen und zurück werfen, wir können ihn auch auf den Boden fallen lassen. Dann ist das Spiel vorbei. Es ist immer eine Entscheidung bei so einem Spiel mitzuspielen. Irgendwie leuchten ihr meine Worte ein. Dann geht es darum, dass Frau B. sagt, wenn die Zusammenarbeit fortgesetzt werden würde, möchte sie, dass kritische Themen gleich auf den Tisch kommen, nicht, dass sich alles wieder so anstaut bis sie überschäumt. Dann sage ich meiner, auch das hätten wir gemeinsam. Das innere Konto. Eine Freundin macht was, was mir nicht gefällt, aber ich sage nichts und mache einen Strich in einer inneren Liste, dann kommt wieder eine Verärgerung meinerseits dazu und noch eine bis sie eines Tages zu spät kommt in die Eisdiele und ihr zu ihrer Verwunderung wegen einer Lappalie eine 20 jährige Freundschaft gekündigt wird. Ich sage dann, nicht nur Eisdiele heute, sondern damals 1994 schon war…. Ich sage, da sind wir schuld, weil das Gegenüber nicht merkt, dass was nicht stimmt und ahnungslos ist. Ich sage, wenn wir schon beim Thema sind, was passe ihr denn an mir nicht. Ich sei sehr autoritär, rigoros würde man das nennen und würde sagen, wo es lang geht und keinen Widerspruch dulden, aber das müsse ich sein. Ich sei Anwältin und hätte meinen Ruf und mein Einkommen und meinen Mann und meinen Freundeskreis um mich herum und meine Partys und wäre ganz fest verwurzelt, so dass man das überhaupt nicht erschüttern oder auseinander reißen könne. Ich sage, das Bild gefällt mir und ist auch treffend. Außerdem sei es so, dass sie mich durchaus emotional machen könne und wenn sie immer von einem Thema zum anderen springe müsse ich den Faden behalten und den Überblick und die Struktur vorgeben, sonst müsse ich Brotkrumen in ihren gedanklichen Wald streuen, damit ich wieder heraus finden könnte.

Sie fragt mich nach meiner Armnarbe und woher ich die habe und ich sage, es war ein Rollschuhunfall. Damals 1980 in Kalifornien, als die Rollschuhe noch 4 Räder hatten, da war für mich das größte der Aloha-Rollerring. Der hat Eintritt gekostet und ich bin dort vielleicht einmal die Woche mit meinem Vater hingegangen. Der war hawaiianisch aufgemacht mit einer blumenumrankten Kleiderordnung an der Tür, dass Männer nicht in kurzen Hosen und freiem Oberkörper usw. Die Stimmung darin war aufgeheizt und die schärfsten Schwarzen mit knallengen Schlaghosen und Girls mit „Foxy Lady“ T-shirts hätten zu Saturday Night Fever Hits die coolsten Moves getanzt und gefahren. Darauf wäre ich richtig abgefahren. Dann kam ein langsamer Romantiksong für Pärchen zum Anfassen und ich durfte mit meinem Vater rückwärts fahren üben. Der Unfall sei aber dann auf der Straße an einem steilen Berg mit meinem Bruder passiert. Sie will wissen, ob ich in Shows aufgetreten sei. Ich sage: ich war 13. Vor meinem inneren Auge bestimmt. Sie freut sich, dass ich was persönliches erzählt habe, weil sie hat geglaubt, dass ich früher Polizistin war und wollte eine Tasche kontrollieren und dabei hat mir einer mit einem Messer den Arm aufgeschnitten. Schön, dass wir das klären konnten.

Beim Gehen mache ich sie darauf aufmerksam, dass ihr Einteiler Skarabäus-Käfer im Aufdruck hat, die ausschauen wie Kakerlaken. Ich sage, merken Sie was? Frau A. will ihnen ihre Klamotten madig machen und abschwatzen. Das würde mir auch gut stehen. Ich sage, ich glaube, ich sei zu alt dafür und es würde einfach gut an ihr aussehen. Punkt.

Mittags bekomme ich Halsschmerzen und fühle mich leicht fiebrig. Nicht jetzt krank werden vor dem nahenden Besuch. Da hilft das Hütchen nicht unbedingt, was eng am Kopf sitzt und den Kopfschmerz macht oder verstärkt und die Eicheln schlagen rhythmisch gegen meine Schläfe. Wenn ich krank bin, dann überfordert mich mein Schmuck noch mehr als bei heißem Wetter. Ich will das Zeug einfach los werden, überall bammselt was und ich freue mich, dass Buttermusch ihr eigener Herr ist und einfach nach Hause auf die Couch kann auch wenn es erst 17 Uhr ist.

Vorher noch ein Anruf in der Klinik bezüglich Herrn PM. Ich vereinbare ein gemeinsames Ärztegespräch auf Station nächste Woche und will ihn ganz klar über die Alternativen aufklären: Wohnungsamt  50 qm Wohnung und entrümpeln oder Gerichtsvollzieher und Schulenburger Landstraße (Obdachlosenunterkunft) kann ich mir da vorstellen. Da werde ich wieder autoritär rüber kommen, aber es geht nicht anders. Wer die Lage so falsch einschätzt, braucht jemand der ihm die Wahrheit vor Augen führt, außerdem müssen hier Entscheidungen her und das muss ihm auch klar werden.

D.

Heute bin ich um 9 Uhr im Büro trotz der Widrigkeiten, Halsweh, eine Wäsche nach der anderen machen wegen neuer Bettwäsche, der man das aber nicht anmerkt, dass sie es ist, weil sie schon zu lange in irgendeiner Truhe liegt. Ich bearbeite Post und habe ein tolles Schreiben einer Nachbarin, welches mir schon angekündigt wurde. (Ich hoffe diesmal habe ich alles gelöscht an Personendaten).

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Ich merke, dass ich recht gereizt bin. „Es geht um einen alten, versifften Klostuhl und die Geschichte dazu habe ich schon 4 mal heute Morgen erzählt“. Das reinste Klostuhlmärchen. Es ist wieder Kilometergeld angesagt. Erst zu Frau P. ins Wohnheim. Da will ich jemanden ausfindig machen, der mit rüber kommt und den alten Klostuhl aus der Wohnung holt, damit er von dort abgeholt werden kann. Ich laufe im ganzen Haus umher und rufe laut „Hallo“. Kein Mitarbeiter weit und breit. Ich fahre erst mal den Schlüssel holen und soll das heute quittieren. Ich sage, das war noch nie und ich hole diesen Schlüssel heute das dritte Mal. Die Frau, auch wieder 50er Retro-Look, sie müsse das machen. Ne, ist klar, aber die Kolleginnen haben das nicht machen müssen die Male davor.

Tür automatisch

Dann treffe ich beim Zurückkehren einen Gärtner mit einer Frau, die mich beide grüßen. Ich erkenne die Gelegenheit und frage, ob sie zu dem Seniorenstift dazu gehören würden und wegen Klostuhl 100 Meter schieben. Das dürfe er nicht, er dürfe nur Abfall entsorgen. Ich könnte ausrasten. Das ist eine der Hauptprobleme, diese Menschen, die alles Mögliche nicht dürfen. Ich darf das zwar einen alten Klostuhl über die Straße schieben, habe aber keine Lust mehr dazu.

Die Zeit drängt. Eine dicke Akte der Staatsanwaltschaft muss weggebracht und Gerichtspost geholt werden. Dann fahre ich zu einem ehemaligen Heimkind, den mit 34 Jahren keiner mehr haben will. Er ist allen zu anstrengend. Bei dem Wetter lasse ich mir Mineralwasser vom Hartz-IV servieren. Den Ratten hat er das Sofa überlassen. Eine bekomme ich auch zu sehen. Dickes, unkastriertes Männchen und meiner stellt fest, dass die Ratten mal auf Diät müssten. Überall steht das Futter herum und gammelt zum Teil vor sich hin (das müsse er wegwerfen, weil Fruchtfliegen dran seien). Ich sage, die bekommen auch Gourmetfutter, Akademikerstudentenfutter sage ich (von den Hartz-IV Sätzen, denke ich). An der Wand ist die Hintergrundfolie für ein Aquarium dekoriert. Auch apart.

Rattenspielplatzsofa Uhrgirlande

Die Sozialarbeiterin erklärt mir anhand eines Stadtplans wie ich zum nächsten Termin fahren muss. Sahlkamp.

Ich bin zu früh und schaue mir den Nachbarschaftsladen an. Da werden Altkleider für 50 Cent feilgeboten und Mittagessen wird angeboten. Ein Salat mit Schafskäse und Putenstreifen für 4,50 €. Alt und Jung sitzt zusammen und ich denke, wenn man nur arm ist und nicht Alkoholiker und solche Treffs noch wahrnehmen kann, ist es vielleicht gar nicht so schlecht hier. Morgen ist Vernissage. Es gibt einen tollen Wollrock in dunkelblau-wollweiß Pepitamuster, aber Größe 38. Da habe ich ja noch mal Glück gehabt, sonst wäre ich hier wieder auf den Leim gegangen. Ich gehe 5 Minuten vor der Zeit vor die Tür und werde schon erwartet. Ich sage, hätte ich das gewusst, hätte ich mich nicht so lange in dem Nachbarschaftsladen herum gedrückt. 5 Minuten vorher da sein, das gehöre sich. Der Mann aus Magdeburg ist da und sagt, bei ihnen wäre alles topsaniert, als wir beide im Uringestank im Fahrstuhl stehen und er ausversehen Etage 16 gedrückt hat, weil die 1 weggerubbelt war und da hätten die Leute immer was über Plattenbauten in der DDR gesagt. Ich finde er macht die Wohnungsabnahme semi-gut. Er schaut nicht in die Schränke, ob sie leer sind, Küche, Einbauschrank im Flur, Küche. Ich wäre da genauer, aber ich muss es hier nicht sein. Mit meinen Entrümplern bin ich sehr zufrieden. So sieht besenrein aus und selbst vor den taubenverzeckten Sachen auf dem Balkon haben sie sich nicht gegruselt bzw. wie Profis alles entfernt.

Peekfußboden miot Fuß Taubenkackenbalkon 1 Taubenkackenbalkon 2

Der Hausmeister tauscht das Schloss als ich sage, das ging ja schnell meint er, ist einfach, könne sogar eine Frau. Dann trägt er die Rollstuhlrampe (Eigentum der AOK, aber Sonderanfertigung), die ich mitnehmen will für mich wie ein Kavalier alter Schule.

Goldrampe

Ich hatte immer im Verdacht, dass Kavalier sein und Chauvi zwei Seiten einer Medaille sind. Das Klo sieht desolat aus und die Fußbodenheizung war an. Im Keller hieß es noch, dass da jemand den Strom anzapft. Jetzt sind alle Sicherungen draußen. Während er die Kreuzchen macht und den Zustand erfasst richte ich in Gedanken die Wohnung ein. Ausblick gibt es immerhin in der 6. Etage. Auf dem Rückweg verfahre ich mich doch und bin bei irgendeinem Militärgelände. Dann wieder auf Spur ruft der Wiener Besuch an und ich erkenne erst nicht, wer es ist und bin recht unfreundlich. Sie fahren in einer halben Stunde aus Hamburg los. Strandperle hätte man noch empfehlen können bei den Temperaturen, aber ob die tagsüber überhaupt geöffnet hat. Lustig, dass wir in ihren und sie in unserem Land Urlaub machen. Sie fahren sogar nach Ostdeutschland. Warum das denn Kroatien reicht normalerweise, wenn man in Wien wohnt. Ihr Bus darf wegen Feinstaub nicht in die Stadt, aber zum Glück wohnen wir an der Stadtgrenze (Brücke Richtung Real) und von dort aus können sie zu uns laufen. Ich kündige einen früheren Feierabend an, wenn Herr A. Geld geholt und die restliche unaufschiebbare Post gemacht ist.  Wir wollen ins 11 A und ich hoffe, der tätowierte Wiener arbeitet heute. Andererseits ist das wirklich so originell, den Wienerinnen einen Exilwiener vorzustellen, mal was ganz Neues, quasi.

Schweinekotelett

Wenn ich mich schon nicht traue fremde Karikaturen online zu stellen, versuche ich es mal mit der Kunst/dem Kunstkalender meiner Freundin Sunla. Mal schauen, ob die mich abmahnen lässt.

Sunls Kalender

F.

Ich kann meine Traumerzählwoche nicht zu Ende machen und trage daher heute auch kein Berliner Hütchen. So. Der Himmel war gestern mittelblau hinter dem Heizkraftwerk und dem Rollifahrer auf einem umgebauten Fahrrad (Mad Max-Stil) wurde vor unseren Augen umgeschubst und die Kappe geklaut. Jugendliche nahmen die Verfolgungsjagd auf. Das war beim Fluchtachterl vor dem Ihmerauschen auf den Betonsitzgelegenheiten (urbanes Leben). Auf dem Rückweg spreche ich dicke türkische Männer an mit der Sprache, die mir der 4-jährige Leander beigebracht hat: „mmmhhh, Wasserlone“. Sie strahlen und verstehen mich sofort.

Pfirsicher Zuccker Ohnekerne

Traum funktioniert einfach besser mit weniger Weißwein oder keinem und vor 12 ins Bett gehen und nicht danach. Der Schlaf hat eine schlechtere Qualität und ich werde ab 6 Uhr morgens wach, weil mir der Rotz aus der Nase läuft, vermutlich wegen der Halsschmerzen, die jetzt am abklingen sind und da ärgere ich mich schon in punkto Traum. Ich schlafe noch mal ein und kriege einen Frusttraum hin, dass wir zwei befreundete Pärchen parallel verklagt haben irgendeine Feststellungsklage wegen Essen gehen und es wäre wohl ganz einfach gewesen, denen das zu erklären. Jetzt wurden schon Zeugen vernommen, Rechtslage unklar und der Termin zur Verkündung einer Entscheidung steht an und ich schreibe hektisch Mails, in denen ich die Beendigung der Freundschaft androhe, wenn sie nicht einlenken (alles irgendwo viel zu spät). Ich habe so was wie Geburtstag und bekomme nur Mist geschenkt, ganz schlecht gebackene Kekse, die aussehen wir kleine Kuchen aus Beton mit Steinen, Dinge aus Bastelgruppen, die gleich kaputt gehen, einen roten, hässlichen Gürtel, der reißt. Ich soll zu einer Bastelgruppe gehen, die aber schon vor 40 Minuten begonnen hat. Da kann gleich der Gürtel umgetauscht werden, sage ich. Eine ehemalige Mitbewohnerin hat Honig auf meine Sache verschüttet, aber ca. 1 Liter und weil ich dumm rum stehe, läuft der Honig von einem Morgenmantel zum nächsten und ich ärgere mich nur, weil ich alles auswaschen darf und bin auch auf die Frau sauer, von wegen, wie kann man einen ganzen Eimer Honig verschütten?

Stephan hat mit den Wiener Frauen noch länger gemacht und ich gehe arbeiten, zumal das Telefon immer wieder klingelt. Ich kann nicht ewig Schmuck durchwühlen. Das stört die Gäste. Mein Hütchen passt zu der Wilhelm Busch und die alten holländischen Meister Privatführung durch die Frau meines ehemaligen Kollegen, die heute Nachmittag um 16 Uhr ansteht, für Frauen. Wegen der Windmühle. Das ist doch hoffentlich deutlich. Auf die Privatführung bin ich gespannt.

Ein Betreuter hat sein Gewerbeobjekt auf dem Land nicht richtig geräumt. Der Beton den er vor die Tür gekippt hat ist ausgehärtet zu einem harten Block und er hat sich nach den Kontobewegungen zu urteilen erst mal an die Nordsee abgesetzt. Ich bekomme meinen neuen Ausweis, weil die gerichtliche Zuständigkeit aufgrund des Umzuges gewechselt hat. Jetzt muss ich versuchen ihn über seine Freundin, die in einer Zahnarztpraxis arbeitet und somit erreichbar ist, anzufunken, wie es hier weitergehen soll.

Ich habe zwei Abmeldungen bei den Stadtwerken. Frau P und Herrn W. Da rufe ich gerne noch mal an und stelle sicher, dass alle Daten vorliegen und die Endabrechnungen in Arbeit sind. Bedanke mich für die gute Arbeit bei der Entrümpelung. So was ist wichtig, weil ich sicherlich noch mal deren Dienste in Anspruch nehmen werde.

Dann ruft Frau C. an, dass ich mit kommen soll, wenn sie wegen der Einstufung der Schwerbehinderung zu dem Arzt des Landesamtes muss. Nicht, dass das wieder so ein „Giftbock“ ist.

Frau K. kommt mit Hund und wir formulieren eine Unterlassungsverfügung. Ihre Oberweite ist eindrucksvoll und dann geringelt und halterlos. Ich hätte da Angst. Ich rufe das Wohnheim an und lasse mir bestätigen, dass derjenige, der nervt, auch dort wohnt. Ich brauche eine zustellfähige Anschrift. Dann muss ich noch mal den netten Sachbearbeiter in der Hamburger Alle stören kurz vor dem Wochenende. Er ist Simpsons Fan und hilft immer sofort aus, so auch heute, holt die Akte und ruft mich zurück. Sie haben ihr 15,- € zu wenig per Scheck geschickt.

Dann erfahre ich, dass unsere Gäste eine Gastgeberversorgungslücke erwischt haben. Ich war schon weg und mein Mann noch nicht im Gastmaschinenmodus. Ohne Kaffee wieder on the road und ohne Verabschiedung. Das haben wir nicht so gut hinbekommen.

Herr A. ist in seinem neuen Wohnheim eingecheckt. Es gefällt ihm nicht, aber ich gebe mal vorsorglich meine Daten durch.

Herr PM ruft an. Ich frage ihn, warum man 300,- € braucht wenn man im Krankenhaus ist. Er sagt was von internetfähigem Tablet (in der Postbank gegenüber der Klinik habe man keinen Ratenzahlungsvertrag mit ihm abschließen wollen, mir ist sonnenklar warum) und Wohnungssuche und auf die 1.600,- € angesprochen, die er diesen Monat durchgebracht hat, er habe Gegenwerte geschaffen, die ich mir anschauen könne, z.B. eine Goldkette für 400,- €, die er um den Hals trage und die jederzeit wiederverkäuflich sei. Ich glaube ja, das ist wie Neuwagen, wenn er sie erst mal getragen hat, Wertverlust von 30 %. Ich sage, sein Konto ist irgendwie gesperrt und ich kann da nicht mehr einsehen. Das ist für ihn die Bestätigung, dass er gut angelegt hat in Schmuck, weil mit dem Konto immer was Komisches passieren kann. Das Tablet für die Wohnungssuche hat er sich ohne Hilfe der Postbank beim An- und Verkauf besorgt. Er muss ja online sein. Ich bin nicht überzeugt von diesem selbsternannten Financial Wizzard und seinen Ideen. Ich komme nächsten Mittwoch. Vorher schicke ich auch nichts per Post.

Alles klebt und mein Sport fällt aus mangels Teilnehmerinnen. Man schwitzt ja auch schon ohne sich zu bewegen. Die Krönung des Tages ist ein Großbrief aus Gernsbach. Ganz lieb hat Antje mir die Edeka-Beilagen gesammelt und ich flippe aus vor Begeisterung. Die Centerfolds mit Fleischauslage zeige ich überall im Büro herum. Da werde ich am Wochenende was zu basteln habe.

Die AOK will die Metallrampe wieder, die ich gestern auf dem Fahrrad im Korb ins Büro balanciert habe. Ich darf die Hilfsmittel ja bekanntlich von A nach B bewegen und freue mich, dass sich der Aufwand lohnt und die AOK ihr Eigentum wieder haben will, weil Sonderanfertigung für eine Türschwelle, die es so nicht mehr gibt.

Nach dem Museum geht es hoffentlich nach draußen. Wir treffen Freunde und die Woche ist vorbei. Mal schauen, ob das mit der Träumerei weiter geht. Mit den Berlinhütchen bin ich jedenfalls noch lange nicht durch.

Hier meine schöne Tapetenwand im Büro mit dem neuen Bild von mir (Geburtstagsgeschenk in Berlin):

Bürowand

 

Traum 01.08. Die Meeressäuger und der gelbe Werbekuli

Es ist erst 6:15 Uhr und ich schlafe noch mal ein. Hoffe, dass es die Träume nicht überschreibt, aber das ist wichtiger angesichts der Halsschmerzen.

Erster Abschnitt des Traumes. Wir übernachten in Wien bei der Freundin mit der das Verhältnis abgekühlt ist (die gibt es tatsächlich und im Traum ist sie es auch). Sie will auf einmal Geld für die Übernachtung. Ich lehne ab und sage, wir seien gekommen, weil sie zu ihrem Geburtstag eingeladen habe, dass es nun so komisch geendet sei, da könnten wir nichts dafür und außerdem hätte sie oft genug bei uns übernachtet und überhaupt wäre das Verhältnis des Geben und Nehmens 10 zu 1 zu unseren Gunsten. Ich sage ihr richtig meine Meinung, warum das Verhältnis von meiner Seite abgekühlt sei und dass ich unbedingt solidarisch zu der gemeinsamen Freundin wäre. Irgendwie vermittelt hier schon ein alter Freund Tyark, der dabei ist und aus Norddeutschland kommt und die beiden Wienerinnen von früher kennt und selber mittlerweile in der Nähe von Wien lebt. Sie tickt weiter aus, weil sie meine Pillen berührt hätte, die auf dem Tisch liegen und das würde jetzt brennen an der Stelle. (Ich denke mal dieses Ganz Wiengeträume hängt damit zusammen, dass zwei Wienerinnen im Anmarsch sind und am 01.08. bei uns eintreffen werden).

Nächste Szene ist, dass ich mit Tyark auf meinem Motorboot fahre, aber es ist nur der Motor, man sitzt dabei im Wasser. Wir sind jederzeit an einem großen Meer. Ich muss mich an ihm festhalten. Als wir eine Weile fahren, sage ich, dass ich immer tiefer sinke und mich kaum noch halten kann. Dann sind wir irgendwie an der Küste und ich kann mich wieder aufrichten. Wir gehen dort entlang und finden einen verwaisten Tresen, wo offenbar gefeiert wurde. Tyark guckt in den Kühlschrank nach einem Bier und ich überlege ob ich mein leeres Weinglas nicht hier lassen soll (vielleicht eine Anspielung auf den Glasbruch japanische Ikebana-Vase, den ich gestern verursacht habe). Wir gehen weiter und uns kommt ein Pärchen mit Hund entgegen, ein brauner Setter. Es wird langsam hell. Wir kommen dann zu einer Bucht und da sind riesige Seehund, der eine hat Hängeaugen. Es sind 4 hinter einander, die immer zugleich oder synchron auftauchen. Wir setzen uns unten einen Unterschlupf und ich versuche ein Foto zu machen, muss aber so viel halten, dass es nicht gelingt. Tyark fotografiert unentwegt. Schließlich rutscht mein gelber TUI-Kugelschreiber aus meiner Hand, ich balanciere mehrere Plastikteile, herunter ins Meer und ein Fisch kommt aus der Tiefe und schnappt ihn, d.h,. er beißt den Stift mittig und verschwindet wieder. Ich habe diesen Stift wirklich:

TuiKuli

Alle (d.h. andere Menschen sind auch da und Kinder sitzen über uns) sind entsetzt wegen der Umweltverschmutzung. Auch ich mache mir etwas Sorgen, was aus dem Fisch wird. Es ist mir ja nicht absichtlich passiert. Dann fallen mir andere Bilder der Reise ein. Wie wir über eine Brücke gelaufen sind und darunter ist gerade ein riesiger Wal vorbei geschwommen, den man hätte anfassen können. Das wäre aber gefährlich gewesen meint mein Begleiter, weil der dann vielleicht ausgeschlagen hätten. Ich sage noch krasser war es mit den beiden riesigen Haien, die ganz nah an Stephan waren als wir das Boot wechseln mussten, aber das Wasser war recht flach, so dass sie nicht an ihn heran gekommen sind, aber die sind immer wieder gesprungen und ich habe eindruckslos ihre Silhouetten gesehen wie aus dem Weißen Hai, aber sie seien etwas kleiner gewesen und dunkel. Dann setzt es einen lauten Krach und der Himmel öffnet sich und es fängt an zu schütten. Alle hauen ab, nur noch wir sitzen zu dritt unter dem Unterschlupf, der auch einmal ein Plastikzelt ist. Tyark sitzt am Rand und bekommt am meisten Wasser ab und zieht die Plane herunter und ich habe den besten Platz und bleibe relativ trocken. Dann ist der Spuk vorbei und als wir gehen wollen, sehe ich meinen Kugelschreiber, wir es an der Wasseroberfläche treibt und frage Tyark, ob er da ran kommt. Er holt ihn mir raus und er hat ein paar Dreckspuren vor seinen Abenteuern im Meer, aber ich konnte ihn wieder bergen.

(Anm.: heute komischerweise kein Kaffee. Ich bin ja auch noch nicht richtig wach und schlafe noch eine Runde).

Die Gutscheinvitrine Traum vom 31.07.2013

Irgendwas mit Berlin, wir sind mit Studenten unterwegs und unternehmen was. Nachts ziehen wir durch die Straßen und Kneipen. Meine Berliner Geburtstagsgäste sind zum Teil da, die beiden Jungs aus Hannover. Bei Georg aus Berlin bedanke ich mich überschwänglich. Dieser Traum ist blass (weiß nur, dass wir gestern versucht haben Georgs Pasta mit den Zuckerschoten nach zu kochen, nachdem ich die Zutaten auf dem Markt eingekauft habe. Das könnte der Anlass sein).

Bus fahren im Schnee. Karten werden kontrolliert. Eine liegt am Boden, der Typ sagt die hat so und so viel Geld gekostet und hebt sie auf und gibt sie mir. Sie waren offenbar für die Fahrräder. Überall stehen Fahrräder und ich dazwischen. Soll ich sie jetzt für ihn verwahren oder wie lange, frage ich den Kontrolleur, der neben mir steht. Er nimmt sie an sich. Irgendwie ist Schneechaos. Das Fahrzeug steht am Fahrbahnrand und kann nicht mehr in den Verkehr rein. Auf einmal sehe ich, dass er Bus zwei Lenkräder hat und mit beiden Seiten gefahren werden kann, vorne und hinten sitzen Fahrer. Das kommentiere ich. Alle Fahrgäste müssen aussteigen. Wir warten in einer Halle. In einem Schaukasten werden kitschige Dinge, d.h. ein Lamettaweihnachtsbaum in Silber ausgestellt und Gutscheine. Ich mache mehrere Fotos. Man kann die Gutscheine wohl kaufen. Ein Gutschein für eine Coca Cola aus den 60ern. Ich sage, wenn der nicht befristet ist, könne man dafür wohl noch eine Cola bekommen und wundere mich aber darüber, wer die Gutscheine kauft. Wir warten alle auf einen Ersatzbus. Ich muss nur noch eine Station fahren. Meine Schuhe passen vermeintlich nicht mehr und ich habe die Fersen nicht im Schuh, sondern trage sie wie Schlappen. Ich kann kaum laufen. Die Bustreppen muss ich mich hochziehen mit Kraft meiner Arme (habe etwas Muskelkater in den Beinen und kenne das kaum noch, ist das der Grund?). Die Stufen sind dick belegt mit festgetretenem Schnee. Ich bin auf der zweiten, die Tür ist noch offen, aber der Bus fährt schon los. Gut festhalten, denke ich und hoffentlich kommt es nicht zum Unfall und ich falle raus und auf die Straße. Das passiert aber nicht. Irgendeine Frau, etwas älter als ich ca. 15-20 Jahre will, dass ich sie noch zum Kaffee einladen oder ich biete das an. Wir sind in Wien (das liegt vielleicht daran, dass wir am Donnerstag Übernachtungsbesuch aus der Donaumetropole erwarten. Die Ladies machen einen Roadtrip und halten hier). An der Station liegt vermeintlich das Schwarze Kameel in einer Passage (sieht aber im Traum ganz anders aus als in echt). Ich wollte erst vorschlagen dort hinzugehen und überlege dann, dass ich sie was vorschlagen lasse. So lerne ich was Neues kennen. Als wir vorbei gehen, sage ich den Namen. Die Kellner sind am Aufbauen und Eindecken der Tische. Sie mag den Laden nicht. Die eine Bedienung kennt sie aber. Ein Typ mit längeren Haaren kommt aus einer Schwingtür und unterhält sich mit ihr. Wir gehen weiter. Ich sage ihr das, wie ich erst was vorschlagen und dann was dazu lernen wollte. Sie sagt, sie wisse, wo wir hingehen. An einer Ampel ist es sehr steil und Tiefschnee. Ich rutsche ab und kann mich nicht halten und rolle immer tiefer mitten auf der Fahrbahn. Es ist dunkel auf der Straße. Der Gegenverkehr naht und wiederrum hoffe ich, dass nichts passiert. Die habe ja wohl Licht an und strahlen mich dann an und werden mich sehen. Ich hangele mich an den Rand und dort ist ein bewachsener Zaun. Es ist ein Mädchen, die mit mir spricht, aber sie hilft mir nicht. Oben sehe ich, wie zwei Frauen in einem Zimmer nähen. Das kommentiere ich. Ich bin offenbar daneben mit der Frau verabredet. Sie sitzt an einem kleinen runden Tisch im Garten und der Kaffee steht schon auf dem Tisch. Als Keks zum Kaffee bekommt man kleine goldene Löffel aus Papier, auf denen ein klitzekleiner runder Butterkeks liegt und das in eingeschweißt. Das brauche ich unbedingt zum Basteln. Es sehe es genau vor mir. Irgendwie fehlt mir noch die dunkelblaue Wolljacke von meiner Oma. Wir sitzen oben und ich habe einen Ausblick auf die Straße. Ich sehe, dass ein anderer Mann an der Stelle gestürzt ist, wo ich gefallen war und ein anderer hilft ihm auf. Er lag offenbar auf meiner Jacke, die jetzt zum Vorschein kommt. Ich laufe runter und sage, dass sei meine und lasse sie mir von dem Helfer aushändigen. Irgendwann zwischendurch habe ich entdeckt, dass meine Schuhe mir doch passen und wenigstens einen wieder angezogen. Jetzt läuft es sich wieder besser. Dann bin ich wieder oben und die Besitzerin von dem Laden sitzt mit am Tisch. Ich lobe das Kaffee und es kommt heraus, dass der Frau mit der ich da bin dieser Laden früher selber einmal gehört hat. Das Mädchen ist auch wieder da. Ich empfehle ihr zu den beiden Frauen zu gehen, die nähen und sich das einmal anzuschauen.

Heimbewohnerinnen und Aalsalat (mein Traum 30.07.)

Wir haben ein Ritual des ins Bett Bringens. Ich werde gebracht. Dabei kommt Stephan die elementare Aufgabe des Decken Ordnens zu. Ich hätte drei Decken, die kreuz und quer liegen und dazwischen wären immer noch unbedeckte Körperstellen. Das kann ich nicht leiden. Heute erkläre ich ihm, dass man das kann nicht könne, die Decke selber ordnen, wenn man auf dem Bauch schlafen würde, so wie ich. Dann ist es verkehrte Welt und ich fordere ihn auf, die Decke zu lüften. Das ist im Winter immer das Schlimmste, wenn die Decke noch mal hoch gezogen und dann gerade gezogen wird und ich zetere und versuche alle Tricks und Bettelei um das zu verhindern. Bei den schwülen Temperaturen fordere ich: noch mal.

Immer wieder Traumsequenzen, die ich nicht mehr erinnere, weil ich wieder einschlafe.

Zum Schluss bin ich bei der verstorbenen Betreuten, die die Apothekerin betrogen haben soll (ich wurde letzte Woche deswegen angerufen) auf dem Geburtstag. Sie lebt jetzt im Heim und hat sich dort gut dort eingelebt. Es ist irgendwie Samstag und ich bin trotzdem der Einladung gefolgt, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, dass wir uns so lange nicht gesehen haben (Abgrenzung von meinen Schützlingen? Ich soll für Herrn PM seine Pflanzen gießen, wünscht er sich von mir. Nein, auch wenn die Polizisten auf dem Südstadtrevier mich beim Reinkommen als erstes für seine Verlobte gehalten haben. Das bin ich nun definitiv nicht. Das wäre wirklich noch mal schöner. Der Vermieter hat angeboten den Schlüssel mit dem Auto abzuholen. Das will meiner nicht, weil er ihm aufgrund des Films, in dem er ist nicht traut. Der Schwager war da, hatte aber keine Zeit. Wir sind übereingekommen, dass er mir den Schlüssel per Post schickt und ich den Schlüssel dem Nachbarn aushändige, der mich zuerst angerufen hat. Er arbeitet für die Presse und es besteht vollstes Vertrauen seitens des Herrn PM. Ich rufe dort an, spreche mit der Frau. Der Katze geht es gut, sie spaziert über das Dach und wird über den Balkon der unteren Wohnung versorgt. Das Katzenklo müsse mal gemacht werden. Sie sind dazu bereit und auch die Pflanzen zu gießen). Im Altersheim hat meine ein Apartment bestehend aus 3 Räumen und schläft mittlerweile nicht mehr im Badezimmer auf einem Sofa, sondern hat das Schlafzimmer belegt und hier ist neben einer Couch auch ein Bett, klein, dünne Matratze mit sichtbaren Springfedern. Die Pflegerinnen scherzen mit ihr, wie durchgelegen die dünne Bettmatratze sei und drücken sie rein und küssen sie. Sie essen im Nebenraum, dem Badezimmer, was sie offenbar als Personalfrühstücksraum benutzen. Die Räume sind frisch renoviert und gestrichen in lindgrün und gemaltem Blumenmuster, sowie einem Konterfei des Gründers ebenfalls auf die Wand gemalt. So was wie Rudolf Steiner, aber offenbar aus Hannover. Ich bin mit zwei anderen Frauen zum Geburtstag erschienen. Die anderen sind wohl Bewohnerinnen. Wir sitzen am Tisch und es geht  zunächst um die Diskussion bei der jemand erklärt, dass manche Paare, die lange zusammen seien keinen Sex mehr hätten und nur wegen Deckelchen zusammen seien, d.h. weil sie sich so gut ergänzen würden. Ich denke mir im Traum, wie Freundinnen dann halt und erkläre den Frauen, dass ich mich mit so etwas auskennen würde, weil meine Partnerschaft schon über 25 Jahre andauern würde.

Die eine, die noch dünner und zierlicher ist als meine sagt, dass sie bedauere, dass kein Yogakurs im Heim angeboten werden würde (Mikael ist krank und meine Yogakurse fallen diese Woche aus). Sie komme gar nicht mehr richtig an ihre Füße. Sie steht auch auf einer Matratze, die auf dem Boden liegt  (ich glaube Matratze spielt deswegen so eine große Rolle, weil ich so gerne second hand Bettwäsche kaufen möchte und wir angeblich Sondergrößen haben und ich gestern die Decken mit dem Maßband ausgemessen habe) und trägt eine hautfarbene Strumpfhose unter ihrer Hose, man sieht die Füße und sie versucht dann eine Vorderbeuge bzw. dass was Mikael, mein Yogalehrer das extreme Dreieck nennt. Im Stehen sind die Beine gespreizt und man läuft mit den Fingern nach vorne und versucht den Oberkörper Richtung Boden zu bekommen. Alle haben Angst, dass sie hinfällt. Auf einmal sagt meine Frau H,, Rückbeuge das habe doch so einen lustigen Tiernamen, das nenne man doch Kamel und ich sage, wo ich doch schon kein Geschenk dabei hätte, weil ich einfach direkt gekommen sei und pünktlich da sein wollte…und fange an Yogatricks vorzuführen, quasi als Darbietung. (Ich glaube die Szene mit den Mitbewohnerinnen, die sich beschweren nicht mehr an ihre Füße ranzukommen hat was mit einer erlebten Szene bei Frau P. im Heim zu tun. Hier bin ich schließlich mit am Tisch und Zeugin wie die Bewohnerinnen mit Brei gefüttert werden ohne Ansprache. Die eine hat sehr blaue Augen. Werden wir auch so enden. Warum redet die Pflegekraft nicht mit ihnen?).

Als ich mitbekomme, dass meine Frau H. mit der Yogabewohnerin offenbar ein Spiel spielt, schlage ich vor, ein neues Spiel zu lernen als Beschäftigungsidee für den heutigen Geburtstag und denke, dass wäre ein gutes Geschenk gewesen und sage es auch. Das Spiel müsste aber auch zu zweit spielbar sein. Das sei nicht so einfach. Ob sie Kartenspiele kennen würde, frage ich. Dann könnte ich vielleicht mit dem Vorhandenen was Neues beibringen. Uno ist wohl zu primitiv, es sind Rentner und keine Kinder. Ich denke an das neue Spiel, was in Hannover 3 Pärchen aus dem Freundeskreis schon spielen, vor allem im Urlaub. Ich muss sie anrufen und fragen, wie es heißt oder noch besser Stephan zu hause, der gleich recherchieren soll, wo ich es kaufen kann. Am Lindener Marktplatz. Ich will losfahren und habe noch keinen Kaffee getrunken (ich träume sehr oft vom Kaffee kurz bevor ich wach werde). An der Ecke ist ein Café mit dunkelgrünen jugendstilartigen Fliesen und es ist gut besucht. Ich stelle mich dazu. Überall sind Tapas auf Schälchen. Sauer eingelegte, panierte Fische. Das eine ist ein Salat aus kleinen Aalen, nur so groß wie Streichhölzer (eindeutige Reminiszenz an das Weinweib mit den ganzen venezianischen Häppchen und Schälchen, es gab dort auch frittiertes Brot mit Ricotta und Schinken in kleine Würfel geschnitten. Da musste ich gestern auch noch mal wehmütig dran denken). Ich esse davon und der Aalsalat schmeckt völlig Knoblauch verseucht. Ich spucke den Bissen wieder aus. Der Kellner hat mich gesehen und ich gehe ihm entgegen an den Tresen und muss einen weiteren Bissen unbedingt loswerden und suche den Mülleimer. Das mit dem starken Knoblauchgewürz machen die um zu übertünchen, wenn der Fisch nicht mehr frisch ist denke ich bei einem Blick in die Küche (ich glaube das hängt damit zusammen, dass ich gestern einen Anruf bekomme, dass ich meinen TCM –Tee, den ich bisher täglich mit kochendem Wasser übergossen und über Nacht habe ziehen und dann morgens mit Sud getrunken habe, das war ganz wichtig nunmehr ganz anders zubereitet werden soll. 10 Löffel 1,5 Liter Wasser, 1 Stunde auskochen und durch ein Sieb gießen, ist jetzt angesagt. Ich frage, anderer Tee, soll ich den bisherigen wie bisher zubereiten. Nein, ab jetzt alles anderes, dass sei nur um sicher zu sein, falls da Schadstoffe drin seien!? Stephan sagt mir, dass die Schadstoffbelastung der TCMs Tees in den Medien Thema gewesen sei. Ich bin sehr verunsichert und die Erklärung ist kinderkram, seit wann geht eine Pestizidbelastung durch kochen und durch ein Sieb gießen raus?).

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Ich bin mit dem vollen Schälchen zum Tresen gegangen und sage, ich wolle zahlen, weil ich ja schon was davon gegessen habe. Wenn es mir nicht schmeckte, muss ich nicht. Klar sie haben riesige Eimer wo sie einfach wieder auffüllen können. Ich will jetzt mit Stephan los fahren und mein Fahrrad hat hinten einen Platten (aber wirklich nicht wie bei meinem Betreuten am Montag). Ich wollte eh zu meinem Fahrradladen (wollte ich wirklich, nach 2 Monaten sollte ich zu Nachinspektion, es sind jetzt fast 3), jetzt brauche ich einen, der das Fahrrad auf die Schnelle flickt, so dass ich es gleich wieder mitnehmen kann. Ich schaue mir den Reifen genau an und zwischen dem Profil sind lauter kleine Splitter einer durchsichtigen Folie, die ich rausziehe (so was lag gestern vor dem Sportstudio auf dem Boden so eine Folie und ich habe mein Rad daneben abgestellt). Nach dem zweiten gezogenen Splitter werde ich wach.

29.07. Traumbotschaften

Es ist wie Birgit aus Bühl, aber doch eine andere Frau. Die hat was in der Autoindustrie entwickelt und ich soll das Produkt dort vorstellen und habe eine Spirale dabei, die irgendwas Tolles kann. Ich nehme irgendeinen Außentermin war, wo ich wie ein Vertreter bin. Ich rede und zeige und schreibe mir Telefonnummern auf und schäkere herum mit dem wichtigen Typen, der dort was entscheidet. Dann überschlagen sich die Ereignisse und lauter einzelne Automarken werden verkauft und übernommen von einer anderen Firma. Da hängen die Nutzungsrechte doch irgendwie dran (Hintergrund ist meine Paranoia wegen der Kunstpostkarten, die ich eingescannt und für meinen Blog benutzt habe. Verletzung von Urheber- und Leistungsrechten. Stephan sagt, das weiß jeder Schüler. Ich werde es künftig strenger beachten und hoffe, dass mir für meine bisherigen Taten keiner den Arsch aufreißt oder es irgendwie als Gesamtkunstwerk durchgeht. Ich würde von gerne eine TIL Karikatur aus der Taz benutzen, traue mich aber nicht. Ich glaube aber, ich darf sie beschreiben. Es sitzen zwei Schülerinnen auf einem Kasten (Strom oder Müll) und es gehen zwei Frauen vorbei mit glatten Haaren, die eine trägt Clutch und Brille. Während die Karikatur in schwarz-weiß gehalten ist, sind die Zeichnungen bei den Frauen aus den Körpern, Arme und Beine, Ranken längs und quer und undefinierbare Blümchen und Herzen, die nur angedeutet sind, blau. Das eine Mädchen schaut den Frauen nach und das andere sagt zu ihr: „Manchmal wünschte ich, ich hätte auch ein Tattoo…aber das ist wohl unterschwellig nur der Wunsch in der Masse von kleinbürgerlichen Spiessern nicht aufzufallen“. Nach dem Termin in der Autofirma fahre ich zu meiner Auftraggeberin und es wird gekocht, irgendwelche Salate, wo ganz viel Joghurt raufgeschüttet wird und dann muss ganz langsam gerührt werden in großen Töpfen. Sie hat nämlich Freunde eingeladen. Die haben auch Kinder, die in meinem Koffer spielen mit meinen Sachen. Der eine findet eine stark verzerrende Kinderbrille und ich sage, die habe ich mit, weil ich sie irgendwelchen Kindern schenken wollte, aber er und seinen Schwester sind ja beide schon Brillenträger und haben von daher wahrscheinlich weniger Freude an so einem Scherzartikel (Hintergrund ist nach meinem laienartigen C.G. Jung-Verständnis der eine Gast beim Weinweib, der hatte so eine dicke Brille (Glasbaustein) und in betrunken habe ich dazu Sprüche gemacht und wollte sie aufsetzen. Außerdem wollte seine weiblich Begleitung, die ebenfalls Brille trug, aber im 80er schick und Pony-Frisur am nächsten Tag nach Kopenhagen und ich bat Stephan ihr Tipps zu geben. Ihm schlug ich immer wieder vor, dass er doch mit fahren solle bis er sauer wurde und mir immer wieder als Antwort gab, dass sie nur eine gute Freundin sei, was ich jedoch irgendwie nicht zählen ließ. Es ist also mein schlechtes Gewissen). Dann habe ich noch eine kleine Mädchenhandtasche dabei, die auch irgendwie verschenkt werden soll, aber unpassend ist. Hintergrund ist eine kleine lila Handtasche aus Berlin, an der der zweite goldene Flügel hing und eine Handtasche von Jan für die ich sehr schwärme, aber nicht weiß was ich damit anfangen soll. Sie sieht genau aus wie eine Omahandtasche für eine Beerdigung, schwarz, streif, kastige Form, Metallverschlüsse, aber sie ist nur ca. 20 cm breit, also sage ich zu meinem Vater bei einem Telefonat am Wochenende, wenn man ein Mädchen hätte, was in den Hort geht, würde ich sie zwingen, diese Handtasche zu benutzen. Das würde einfach zu geil aussehen. Andererseits würde sich die Imaginärtochter bestimmt weigern so was zu tragen und dann wäre die Idee wieder hinfällig. (Die Streichholzschachtel aus Bühl dient als Größenmaßstab).

Rebstock Handtasche

In meinem Traum geht es weiter, dass ich jetzt diese vermeintliche Freundin und Auftraggeberin frage, wie ich abrechnen soll, da der Fall sich irgendwie wohl erledigt habe. Ihr die Kontaktdaten meines Außentermins geben und Bericht erstatten und dafür dann irgendwie nach Aufwand, schlage ich ihr vor. Dann gehen wir alle in ein privates Zimmer, aber riesengroß und es soll als Kinosaal fungieren. Es ist wie ein Familienfest und die Leute kennen sich untereinander. Wir suchen einen Platz am Boden, wo wir keinem im Weg/Bild sitzen. Wir, das ist in diesem Fall Steffi, meine Näh- und Yogafreundin, die Samstag beim Weinweib auch mit dabei war und ich, sind irgendwie neu in der Runde und damit interessant und man befragt uns zu Hannover, ob da immer Mannschaftswagen der Polizei stehen würden. Ich sage, so berichtet das die Stuttgarter Zeitung und wir haben wenigstens interessante unabhängige Jugendzentren. Das hier gegenüber dem Bahnhof sei doch Langeweile pur. Dann geht es gegenüber meiner Auftraggeberin noch darum, dass ich die Erfindung irgendwie auch in meinem Koffer dabei habe, was wohl ausversehen passiert ist, weil es ja eine private Veranstaltung/Reise ist und ich sage, ist doch kein Problem, die kann ich gleich da lassen. Ich nehme sie aus ihrer Schachtel. Sie sieht auf einmal aus wie ein großes milchiger Armreife und der druckknopfartige Verschluss geht nicht mehr zu. Ich zeige es Stephan. Ich habe den Prototypen irgendwie kaputt gemacht. Letzte Szene ist, dass ich mit irgendwem und Steffi auf Fahrrädern durch eine sehr steiles Stadtbild fahre und wir fahren zwar bergauf, aber sehr schnell wie Schuss und immer knapp vor einem Unfall freihändig usw. (das ich nach meinem Dafürhalten, wie ich meinen Zustand in der vorherigen Nacht bewerte) und gleich bei der nächsten passsenden Gelegenheit will ich hinter einem parkenden Auto anhalten und dann werde ich wach und habe wirklich ausreichend geschlafen und es ist Montagmorgen.

Giraffe und Wildschwein – das Wochenende 27.-28.07

P1080845 Heute heißt es erst mal die letzte Rutsche Sachen aus dem Atelier holen. Schön zu Fuß mit dem Bollerwagen bzw. Fahrradanhänger mit einem Putzkittel gekleidet. Dort lasse ich gleich die Schlüssel da bzw. gebe sie beim Nachbarn ab und jetzt ist mein Schlüsselbund wieder schlanker. Es ist was Neues dazu gekommen durch das Handschellenschloss, aber jetzt durch die Schlüsselabgabe auch wieder eine Reduktion eingetreten. Gleichgewicht quasi. Es ist nach wie vor eine Erleichterung für mich, die ganze Auflösung des Ateliers.

Auf dem Weg dorthin amüsiere ich mich über die Zeitungsmeldungen. Hanebuth bleibt nach wie vor in Haft. Dann ist es ja bestimmt ähnlich gelaufen, wie bei meinem Haftprüfungstermin. Andere Überschriften regen zum Schmunzeln an.

Kultgiraffe

Vorher noch mal Sachen vor die Tür stellen, Gasmaske der amerikanischen Armee, ABC-tauglich, aber unerprobt unsererseits. Der Korbsessel wird wieder seine Weg zurück finden in die Wohnung. Da konnten Gäste dann doch so praktisch darauf sitzen im Flur beim Schuhe aus und wieder an ziehen.

Sperrmüll Gasmaske

Heike hat mir eine riesige Freude gemacht und mir erneut einen goldenen Flügel geschickt, den ich verloren hatte. Ich mache ihn wieder ran an die Kette und zwar sorgfältiger und beschließe, dass er dieses Mal bei mir bleiben wird. Ist auch kein Elfenschmuck, sondern im Gegenteil. Elfen klatschen bzw. einer den Flügel rausgerissen. So sieht das nämlich aus.

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Ich merke wie unrealistisch meine Idee des Nachbaus war. Ich hatte auf der Fahrt am Dienstag angehalten, weil ich aus den Augenwinkel etwas sah, was mich von der Form her an den Flügel erinnert hat. Es stellte sich als Schuhsohle heraus. Aus der wollte ich einen neuen Flügel basteln. Das wäre wohl doch nichts geworden, wie es ausschaut oder doch arg anders.

Flügelvergleich

Nachmittags lege ich mich aufs Ohr und ruhe etwas. Ich werde von den Regengeräuschen wach. Während ich einen Kaffee mache, denke ich, dass Stephan vom Sport kommt und gerade die Tür aufschließt, bis ich schnalle, dass das Hagel ist. Lustige Bällchen springen auf dem Balkon kreuz und quer umher, prallen ab und springen weiter und ich mache mir etwas Sorgen um das Glasdach im Wintergarten. Nix passiert. Wir machen uns auf zu einem Event bei Weinweib. Ich kenne das nicht, habe aber viel Positives gehört. Meine Erwartungen werden übertroffen. Erst die coole Garage mit dem Werkstattcharme und dann dahinter die offene Küche mit einem Ofen für die kalte Jahreszeit und einem großen Tisch sowie der Wasserfritteuse für die Nudeln und dann kommt man in einen herrlichen, verwunschenen, romantischen Garten. Völlig unerwartet zwischen den Häuser am Lindener Marktplatz. Es ist mein „Revier“ aber ich fühle mich wie in einer anderen Stadt. Eine tolle Überraschung und Neuentdeckung. Die kleine Abkühlung mit den Eiswürfeln vom Himmel kam genau richtig und es ist einfach herrlich. Ich kriege mich nicht mehr ein vor Begeisterung und tatsächlich, hier ist auch der besagte Teich. Wo sollte der auf dem betonierten Innenhof auch sein? Es musste ein Mehr geben, aber ich konnte mir dieses nicht vorstellen und bin nun verzückt. Schön, dass man von seinem näheren Umfeld noch solche Überraschungen erwarten kann.

Teich und Grill Mülltonne als Wassersammler Olivenöl und ChampagnerWeintraubendeko

Die Gastgeberinnen sind charmant und aufmerksam und der Weinpunk ist zu Gast. Es gibt lauter leckere Häppchen und gute Weine aus Veneto. Tounge Pogo und Porseo Flying White Pig gehören zu den Weinen, die ausgeschenkt und getrunken werden. Ich lerne neue Dinge z.B., dass Barrique ein Holzfass mit einem Fassungsvermögen von 225 Litern meint (es sind einige vom Fach auch im Publikum) und von einem anderen Gast werde ich belehrt, dass ich nicht immer Sardellen sagen soll, wenn es Sardinen sind. Die gibt es z.B. gekocht und eingelegt mit Essig und Zucker und Zwiebeln und Rosinen und Zitrone in kleinen Weck-Gläsern – ganz köstlich. Ich sage nur: „May the Porc be with you.“

Porseo

Dann gibt es Tagliatelle Vongole und gegrillte Salsiccia. Die Grissini sind auch selbst gemacht und ich versuche für ein lustiges Foto zu posieren. Anschließend ist mein Gesicht komplett abgepudert mit Mehl.

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Es sind einige der üblichen Verdächtigen aus Linden dort, aber auch Gesichter, die ich schon lange nicht gesehen habe. Die frühere Inhaberin vom Marktcafé, die glaubt, dass sie mal eine weiße Katze von mir aufgenommen hat, aber es waren die Miteigentümer, aus ihrer Sicht also richtig. Die kocht für die Veranstaltung und lebt nicht mehr in Hannover. Dann gibt es auch neue Begegnungen. Ein Mann aus Detroit, der seit 18 Jahren in Hannover lebt z.B. In den Gesprächen geht es zunächst u.a. um den Austausch von Restaurantempfehlungen (das Seven Swans klingt sehr interessant für die nächste Reise nach Frankfurt oder Weinsinn). Dann geht es aber auch um Vaginaabdrücke aus Gips, die ein Gast fertigt. Ist das Pornographie und wieder verdient ein Mann daran? Ich sehe das nicht so, will aber lieber ein Foto von mir und Stephan in eingeschweißt (mittels einer Vakuumpumpe wird die Luft herausgesaugt aus einem durchsichtigen Beutel, in dem man zusammen drin liegt, das macht ein Japaner) als so einen Vaginalabdruck übers Bett hängen, aber die Vorlieben sind verschieden und wenn einer sich für dieses Thema interessiert, habe ich erst mal nichts dagegen. In dieser Diskussion werde ich von dem Künstler angesprochen auf das älter werden, sich nicht mehr attraktiv finden, der Zerfall und das hadern damit. Ich sage, das ist mir wurscht, wie faltig ist noch werde, Krankheit und Sterben sind die Probleme aus meiner Sicht. Irgendwann sitzen wir auf den Hollywoodschaukel und schauen auf den Birnbaum. Eine herrliche Kulisse. Um 2 Uhr morgens torkeln wir nach Hause.

Nach zu wenig Schlaf stehe ich auf. Statt Flohmarkt, muss aufgeräumt werden. Das Wohnzimmer hat deutlich zu viele Tische. Der Neue aus dem Atelier ist aber nun wirklich sehr geeignet zum Mahjong spielen.

Mahjongtisch Mahjong aufgebaut

Es sind streng genommen nicht nur zu viele Tische, auch zu viele Stühle und Sessel. Von meinen lieben Schwiegereltern haben wir zwei Cocktailsessel geschenkt bekommen in grün und rot. Sie sind wunderschön und ich liebe sie und der Umstand, dass sie sie für uns geborgen haben, vom Sperrmüll gerettet ist eine Liebeserklärung der besonderen Art. So wie ich überhaupt die besten Schwiegereltern der Welt habe. Das musste an dieser Stelle einmal gesagt werden. Sie lassen einen machen und akzeptieren das und unterstützen immer. Zum Geburtstag gibt es selbst gemachtes und Geld. Was will man mehr. Die Wohnung platzt aus allen Nähten, die Koffer aus Berlin müssen ausgepackt werden. Die Putzfrau war den Juli über nicht da und kommt erst nächste Woche und unsere Wohnung tendiert stark Richtung unschönem Chaos. Dies gilt es etwas einzudämmen. Basteln ist auch angesagt mit Sprüchen, die mir meine Freundin Heike laminiert hat wird ein Hütchen gemacht in der Bastelsauna, dem Wintergarten. Es herrschen unmenschliche Temperaturen. So viele Hütchen. So viele Bastelsachen. So viele Möbel. Ich hätte gerne zwei Zauberstäbe. Mit dem einen könnte ich mich und andere von A nach B beamen, d.h. man könnte in San Francisco zu Abend essen im Delfina und sich dort mit Bill und Andrea treffen und anschließend sich wieder ins heimische Wohnzimmer zurück versetzen ohne Jetlag und morgens wieder zur Arbeit erscheinen. Für diese Zauberkraft würde ich sogar bis zu 5 Lebensjahren opfern. Dann hätte ich gerne einen zweiten Stab mit dem man Sachen schrumpfen kann. Meine ganzen Sammlungen könnte ich klein schrumpfen, so dass sie in eine Schublade oder sogar eine Streichholzschachtel hineinpassen, das reisen wäre herrlich, die Wohnung übersichtlich und dann bei Bedarf könnte ich alles wieder zu Normalgröße erwecken.

Damit könnte ich auch Herrn PM helfen, der für seine 90 Kubikmeter Sachen einen Schrebergarten kaufen sollte.

Vagina war gestern. Die Kastanien im Garten sehen aus wie grüne Hoden und leuchten mir entgegen.

26.07. Jetzt noch mal alles rausholen

F.

Ist ein dicker brauner Vogel ein Spatz, frage ich mich auf dem Weg ins Büro. Vorher habe ich meine vermeintlich bequemen Sandalen, bei denen meine Füße aber streiken, einfach vors Haus gestellt. Das ist jetzt mein neues Ding. Rausstellen und freigeben in den Kreislauf der Dinge. Neulich habe ich einen Karton mit Sachen rausgestellt mit einem Schild „Zum mitnehmen“ und alles, wirklich alles war am Ende des Tages weg, sogar angebrochene Haarspraydosen aus dem Ausland, Holland usw. Jahre alt. Es kann immer einer gebrauchen, zumindest bei uns in der Gegend und man muss nur den leeren Karton wieder reinnehmen.

Sandaletten

Heute wird die Woche mit etwas weniger Druck zu Ende gehen. So ist meine begründete Hoffnung. Manchmal denke ich, dass ich am Klang des Aufschließens erkennen kann, wie voll der Briefkasten bei der Arbeit ist und manchmal liege ich richtig und manchmal nicht. Heute klingt er voll, ist es aber nicht. Da täusche ich mich gerne.

Ich treffe um 10:30 Uhr einen jungen Schützling beim Jobcenter. Vorher erfahre ich im Büro, dass Herr PM nun doch nicht mehr freiwillig da bleiben will und wir einen Beschluss brauchen. Schade, dass das gestern nicht schon so gesehen wurde als die zuständige Richterin zu Anhörungen in der Klinik war und ich es eh schon mehr als absehbar fand. Kann man nichts machen. Klinik will ärztliche Stellungnahme schreiben. Antrag habe ich ja schon Dienstag gestellt. Alles klar. Ein Herr Soundso, offenbar ein Klinikmitarbeiter lässt mich grüßen. Ich kann überhaupt nichts mit dem Namen anfangen, täusche es aber vor.

Bevor ich losfahre noch ein Telefonat mit dem Jobcenter in meinem Eilverfahren. Es geht um Wohnkosten, die zu teuer sind und nicht mehr anerkannt werden und Kinder, die nur selten besuchsweise in der Wohnung verweilen und noch seltener über Nacht. Ich habe alle möglichen Atteste eingereicht und es dauert mir schon zu lange das Ganze. Das werte ich als schlechtes Zeichen und greife zum Hörer um mit der Gegenseite zu besprechen, wie ein Lösungsweg aussehen könnte. Das mache ich um einer gerichtlichen Niederlage zu entgehen und schnell eine pragmatische Lösung zu finden. Keine Ahnung, wie, aber ich muss mal wieder überzeugt haben am Telefon und der Sachbearbeiter will sich das alles noch mal durch den Kopf gehen lassen und wir telefonieren am Montag. Die AOK ruft mich an und die Frau sagt: „Sie schreiben immer so böse Briefe“. Und ich sage darauf: „dabei bin ich total lieb“. Das ist meine Strategie von Zuckerbrot und Peitsche mit der ich wirklich gute Erfolge habe und Dinge im Sinne meiner Klienten regeln kann. Wenn andere zu lahmarschig arbeiten, kann ich das nicht ab. Außerdem muss ich hier zusehen, dass ich die Arbeit wegbekomme und den Dschungel rode. Ich gehe allerdings gerade in den Betreuungssachen sehr auf. Für anwaltliche Mandate interessiere ich mich zunehmend weniger. Wenn eine Anfrage an mich herangetragen wird, ich wirke so durchsetzungsstark und die Frau fühlt sich nicht richtig vertreten ist für mich absehbar, dass wird nur anstrengend. Tendenziell Querulanten ohne Geld, also wie ein Betreuungsfall, aber eher ehrenamtlich und die Bezahlung ist unklar. Ich kann mich in so einen Fall meistens nicht so schön reinsteigern und emotional binden wie bei meinen Schützlingen und nur diese Bindung lässt die Löwenmama in mir zum Vorschein kommen. Das ist mein berufliches Zwischenfazit.

In meinem Kopf will ich zum neuen Jobcenter Vahrenwalder Straße fahren und zum Glück schaue ich noch mal nach der Hausnummer vor dem losfahren um zu sehen, nein, ist Calenberger Esplanade. Direkt vor der Haustür. Ich habe es meinem Betreuten falsch geschrieben, aber der hatte auch die offizielle Einladung mit Adresse, Zimmernummer usw. und ist hoffentlich nicht auf meine Verwirrung reingefallen. Ich habe durch den unerwartet nahen Zielort mindestens 25 Minuten gewonnen und kann noch etwas meine Telefonkunst spielen lassen. Ich weiß ja jetzt nach dem Telefonat mit dem Gutachter wo der Hase lang läuft in meinem schwierigen Unterbringungsfall, in dem es um Wohnheim geht und führe entsprechend Telefonate um hier die Sache voranzubringen. In der Weinstraße heißt es: „die sind gerade am Steuern“. Da muss ich lachen. Das nennt sich zwar Steuerungsstelle, aber das klingt schwer nach Moby Dick, wie ich meinem Gesprächspartner sage.

Meiner sitzt schon oben im Wartebereich im Flur und macht mir die Tür auf. Die Sachbearbeiterin sieht aus wie die Hauptdarstellerin aus die Fabelhafte Welt der Amelie und ist auch vom Wesen her ganz entzückend. Ich beichte gleich meinen Irrtum mit der Adresse und sage, da hat Frau A. wieder Quatsch erzählt, aber er habe den Intelligenztest bestanden. Meiner will einen Bildungsgutschein und eine 1-jährige Ausbildung zum Pflegehelfer machen. Er hat schon ein freiwilliges soziales Jahr hinter sich und wartete nur auf die Bereinigung des Führungszeugnisses um in diesem Bereich weiter machen zu können. Sie erklärt, dass er zum Eignungstest muss und auch eine Schadensersatzvereinbarung unterzeichnen, d.h., wenn er abbricht, bekommt er nicht nur 3 Monate 30 % weniger, sondern muss auch die Lehrgangskosten zurück zahlen und hat damit Schulden. Meiner, der schnell zu allem, „ja“ und „klar“ und „das weiß ich“ sagt, willigt ein. Ich punkte mit meinem aktuell erworbenen Wissen über Fachkräftemangel in der Pflege (Gutachtertelefonat von gestern Abend) und lobe seine berufliche Wahl. Zum Eignungstest sage ich ihm, die Frau Amelie muss sich absichern, wenn sie hier Geld in die Hand, weil wenn das nicht klappt und sie hat es vorher nicht prüfen lassen, dann bekommt sie Ärger und auch kein Weihnachtsgeld. Auch Frau Amelie muss über meine Ausführungen lachen. Sie sagt, es schade nicht, sich vor dem Test die Grundrechenarten noch mal zu Gemüte zu führen. Es ginge nämlich nicht nur um Motivation, sondern auch um Eignung im Sinne der geistigen Fähigkeiten. Die Tests seien natürlich abgestuft, je nach angestrebtem Beruf. Ich sage ihm, also kein Medizinertest, sondern nur ein bisschen Dreisatz, eine Pizza kostet 2,50, wie viel …. Das sei deswegen, damit man der Oma das Wechselgeld nach dem Einkauf richtig rausgibt und so was. Nach diesen Ausführungen müssen der Schützling und ich beide sehr lachen über ein Hinweisschild im Gebäude der Agentur. Apropos Wissenstest, wer hat das denn geschrieben?

Umbauarbeiten

Da wir keinen Kaffee mehr zuhause haben, biege ich rechts ab und will ein Kilo Bohnen in der Calenberger Straße in dem einen Café kaufen. Das tue ich und vor der Tür sitzt die Mutter einer Freundin, die ich begrüße. Sie klangt etwas über das Wetter und ich sage, sie komme doch aus Wien und müsse Schlimmeres gewohnt sein, so heiß, wie es da immer sei und sie darauf: Aber i wülls nimmer. Mir fällt die Freundin ein mit dem Grillplatz an der Donau und der Absage und sie klärt mich auf, da gibt’s feste Grillplätze, die man mieten muss. Das kost sogar Geld. Da ist nicht einfach wild grillen wie bei uns hier. Sie fragt nach meinen Wienplänen, weil sie weiß, dass wir oft hinfahren und ich sage, im Winter waren wir 3 x. Erst mal sei nix geplant außer grob nächsten Juli. Vorher aber vielleicht auch noch mal im Winter, Kaffeehauszeit. Sie versäumt keine Gelegenheit mir zu sagen, wie glücklich sie und ihr Mann in Hannover seien. Wien würde ihr nicht mehr taugen und sie sei Wienerin. Die Menschen san bös. Ich sage, das stimmt schon, gerade Rentner können nerven, die sonntags oben aus dem vierten Stock herunter bölken: verkehrt rum in die Einbahnstraße, wo gibt’s denn so was?“ wenn man dort mit dem Radel langfährt und sonst weit und breit weder Auto noch Fußgänger vorhanden ist, den man stören könnte. Ich sage dann, nix gegen Rentner an sich und sie stimmt mir aber zu, die Rentner seien die Schlimmsten. Sie sei bei einem ihrer letzten Wienbesuche beim Zentralfriedhof gewesen, weil sie dort Familiengräber hätten. Da führt eine breite und lange Straße dran vorbei an der auch die S-Bahn lang fährt. Es sei kein Auto zu sehen gewesen und sie sei bei rot über die Ampel. Da hätte ein Rentnerpärchen so geschimpft und so böse Sachen gesagt. Sie zitiert im herrlichsten Wiener Dialekt, aber ich verstehe sinngemäß: Schau Dir die Alte an, wie sie sich aufführt. Um die ist net schad, aber der arme Autofahrer, der se dawischt“… Sie haben erst mal zur Beruhigung der Nerven ins Café Schwarzenberg gehen müssen. Eine vortreffliche Wahl und so mache ich es auch immer, wenn die Spießer mich ärgern, den Ärger mit einem Topfenstrudel und einem großen Braunen hinunter spülen.

Im Büro die Frist eintragen für den Bildungsgutschein bzw. Beginn der Maßnahme, damit ich da ggfls. auch nerven kann, wenn sich abzeichnet, dass das Amt nicht in die Gänge kommt und ich wieder böse Briefe und überzeugende Telefonate führen muss.

Der Nachmittag verläuft ruhig und die Wärme staut sich etwas in meinem Büro, so dass ich meinen Armschmuck wieder ablegen muss, weil es zu sehr quält. Bei diesem Wetter zeichnen sich ganz deutlich zwei Gruppen ab, die Lüfter und die Nichtlüfter. Wir  zuhause gehören eher zu den letzteren und schmoren gerne im eigenen Saft, aber bei dem Wetter wird schon etwas auf Durchzug gesetzt. Im Büro wird gelüftet was das Zeug hält und da sind grds. immer alle Fenster auf kippt. Dauerlüften. Nach meinen Beobachtungen gibt es vor allem unter den Frauen, die gerne putzen und Raucherinnen sind fanatische Lüfterinnen, die dauernd die Fenster sperrangelweit offen lassen, ob sie da sind oder auch nicht. Der Frischluftbedarf bei diesen Raucherinnen ist sehr ausgeprägt, wo ich immer denke, weniger rauchen hilft auch bei der Verbesserung der Luft, aber egal.

Um kurz vor 3 ruft die Klinik an in Sachen PM, ob ich schon einen Beschluss bekommen hätte, weil die Stellungnahme sei dort vor 12 Uhr hingefaxt worden. Jetzt muss ich mich darum kümmern, weil das sonst rechtlich nicht in Ordnung ist. Beim Amtsgericht läuft das Band, aber ich habe Geheimnummer und dort geht tatsächlich noch eine Mitarbeiterin ans Telefon und schaut nach, nein kein Fax vorhanden. Ich stimme die Faxnummer ab und faxe die Klinikstellungnahme aus meiner Akte und meinen Antrag noch mal und sie will es dem Eilrichter vorlegen. 10 Minuten später ist der 6-Wochen Beschluss geboren. Ich google den Menschen aus der Klinik, der mich hat grüßen lassen, weil ich seinen Namen unter der ärztlichen Stellungnahme wieder erkenne und dann weiß ich wer es ist anhand eines Gruppenfotos. Ich kannte nur den Vornamen von einer privaten Geburtstagsfeier. So, jetzt weiß ich auch, was er beruflich macht. Schreibe ihm kurz eine mail wegen des gemeinsamen Falles.

Heute Nachmittag hat die Sportpause ein Ende und ich bin mit meiner Freundin Steffi in Stephans Fitnessstudio verabredet um einen Probetag zu absolvieren. Wir haben uns natürlich für das fortgeschrittenen Yoga interessiert und wie Yoga in einer Mucki-Bude unterrichtet wird und damit es sich lohnt wollen wir vorher Bauch intensiv eine halbe Stunde lang machen. Der Typ habe total gute Muskeln bereitet mich Stephan auf diesen Kurs vor, so dass meine Erwartungen schon recht hoch sind. Einchecken tut uns eine junge Frau mit künstlichen Wimpern und dann geht es in die Umkleide, die riesige Ausmaße hat wie in einem Schwimmbad und dann weiter in den Kursraum. Der Trainer ist optisch eine Enttäuschung. Die Muskeln mögen definiert sein, aber er leitet den Kurs nicht oben ohne und sein T-shirt ist auch viel zu groß und labberig. Außerdem sieht es langweilig aus. Wie eine Schaufensterpuppe, wie meine Begleiterin treffend anmerkt. Wir sollen uns erst mal Hanteln holen, eine leichte und eine schwerer. Ich greife erst zu den runden Dingern, die Löcher haben und farblich sortiert sind und denke, so sehen die Hanteln also hier aus, bis ich merke, das sind die Gewichte für die Stangen und die Hanteln sehen hier ganz normal aus. Dann geht es auch schon los. Alles Frauen nur ein Typ im Kurs und es läuft die Techno vom Schlimmsten wie Scooter und ähnlich und der Typ feuert uns an wie der reinste Drillinstructor, aber er schreit damit nicht, sondern skandiert Pseudoanfeuerungssätze wie „jetzt Gas geben“. Die Sprache ist verkürzt im Anweisungsstil und nie wird ein ganzer Satz gesprochen. „Set vorbei“ heißt es dann oder „jetzt alles rausholen“. Ich muss lachen, was meint er damit, die Brüste oder was sollen wir rausholen. Ich will gleich vorwegnehmen,  dass der Kurs Wirkung gezeigt hat in meiner gesamten Bauchmuskulatur, von allem der seitlichen. „I love my sixpack so much, I protect it with a layer of fat“ sage ich nur.

Dann ist Yoga angesagt. Das macht eine Frau, die aussieht, als würde sie sonst Thai-Massage anbieten. Sie freut sich über die bunten Teilnehmerinnen, das sind u.a. wir und stellt zu Recht fest, dass der Raum in zwei Hälfte geteilt ist, die Schwarzen sind rechts und die Bunten links. Es ist wieder nur ein Typ im Kurs, der aber beim Yoga stöhnt als würde er ein Kind bekommen. Die Lehrerin macht ihre Sache gut und lässt uns Balanceübungen machen und Rückbeugen und alle Übungen werden zwei Mal gemacht, was ich sehr gut finde. Kurz nachspüren, heißt es immer und sie kommt zum Schluss auch zu jeder und dehnt noch mal nach, d.h. man selber ist passiv und lässt sich ziehen und dehnen. Dann gibt es einen ganz kurzen Exkurs in Sachen Atmung, Feueratmung. Es sind auch ältere Frauen im Kurs, u.a. auch Türkinnen. Das fällt mir positiv auf. Dann ist es vorbei. Sie macht wohl nur noch nächste Woche, ist also Urlaubsvertretung.

In der Umkleide sind viele Frauen voll im Wellnessprogramm und laufen nackt herum die Haare zu Turbanen mit dem Handtuch umwickelt, cremen sie sich ein und haben wohl vor, hier Stunden zu verweilen. Das ist nicht so meins und wir verlassen rasch die Umkleide. Es geht vorbei an Männern, die Eisen stemmen und auch Bänken liegen. Ich komme mir vor wie ein Voyeur in dieser fremden Welt. Am Tresen sollen wir noch mal einen Fragebogen ausfüllen und bekommen als Belohnung ein isotonisches Getränk, bunt gefärbt und Aspartam verseucht. Wir verweilen am Tresen, weil es draußen angefangen hat zu gallern. Im offenen Kühlschrank stehen 100 Liter fettarme H-Milch von Aro für die Eiweißshakes. Der Chef guckt immer wieder auf mein Hütchen und will wissen, „was es das?“. Kopfschmuck sage ich „D E K O R A T I O N“. Sollte es so sein oder habe ich es gemacht? Ich habe es gemacht. Wie sieht es innen drin aus. Ich beuge den Kopf nach vorne und nehme es dann ab und sage: er könne sich jetzt mal die technischen Details anschauen. Er will dann wissen: „Bin ich der erste, der fragt“. Nein, ist er nicht. Ich muss jetzt gehen, egal wie sehr es schüttet draußen. Die Musik macht Gehirnkrebs.

Ich bin müde von der Woche, esse eine riesige Dose Sardinen in Öl und gegrillte Artischocken ebenfalls in Öl und bin ein sehr uninspirierter Gesprächspartner als eine Freundin aus Hamburg anruft. Duracell, Akku leer. Wie bei 3-4 jährigen, wird die Sprache dann verwaschen, Sätze werden nicht beendet und ich muss ganz schnell ins Bett. Unvermittelt gebe ich den Hörer an Stephan. Das Gespräch ist damit für mich beendet ohne Tschüss. Zum Glück kennen mich meine Freundinnen und die guten nehmen mir so etwas nicht übel. Sie kennen es auch, wenn sie da sind, dann verpisse ich mich auch einfach ins Bett ohne Abschied wenn es soweit ist, „französischer Abgang“ nenne ich das und kenne diese Praxis von zuhause. Für mich dient es dem Zweck, keine Aufbruchsstimmung zu erzeugen, sondern einfach sang- und klanglos zu verschwinden. Meine guten Freundinnen müssen noch mehr abkönnen. Denen gratuliere ich auch am falschen Tag zum Geburtstag. Ich will im Erdboden versinken. Mit den Geburtstagsfristen bin ich einfach beschissen und bekomme eine 6.

Anwaltsgebiss

Ein Wort an meine treuen Leser. Jetzt war ich fleißig und wegen der Sportpause war es zeitlich möglich und habe genau Protokoll geführt und ihr habt einen Einblick in eine typische Arbeitswoche von A – F. Das wollte ich einmal machen, weil ich mir sicher bin, dass ich so ein Tagebuch nicht dauerhaft durchhalte, sonst müsste ich die anderen Hobbies abschaffen. Es ist exemplarisch und diente der Anschauung.

25.07. Speeddating aus der Haftzelle

D.

Vor dem ersten Kaffee will ich schon im Krankenhaus anrufen, tue es aber erst danach, weil vor 8 Uhr muss auch nicht sein und ohne Koffäin bin ich weniger überzeugend. Frage, ob Herr PM gut angekommen ist. Ja, er ist da. War wohl doch Polizei nötig und er wurde nachts fixiert. Noch mal den Pfleger briefen über den Stand und wieder die Bitte, ihn unter alle Umstände da behalten, sonst war der ganze Einsatz umsonst.

Auf zum Amtsgericht und in die Kellerkatakomben zu den Haftzellen. Ich biege falsch ab und frage eine Frau, die Akten wegsortiert nach meinem Schützling. Sie darauf: ich kenn nicht jeden, der hier arbeitet. Es stellt sich heraus, dass ich im Archiv der Nachlassabteilung gelandet bin. Ich nehme den anderen Weg und eine gutaussehende dunkelhaarige Geschäftsstellenmitarbeiterin (Sekretärin), die 50er Jahre Retro Sachen trägt, aber solche, die nachgenäht werden mit Pünktchen und Streifen und Rock mit viel Stoff, aber enger Taille und Schuhe mit Keilabsatz weist mir den Weg. Gegenüber den Haftzellen ist ein langes Steinwaschbecken, wie ein Trog. Meiner wird aus der Zelle geholt, die er mit einem anderen Häftling teilt und wir bekommen eine freie Zelle als Besprechungsraum. Er freut sich mich zu sehen und sieht sehr aufgeräumt aus. Unser Besprechungsraum hat einen schönen Holzfußboden und die Wände sind künstlerisch gestaltet.

Haftzelle Graffittis Haftzelle

Er will mir erzählen, wie es wirklich gewesen sei. Ein Algerier, den er nicht kannte, wollte irgendwelche krummen Dinger mit ihm abziehen, was er aber abgelehnt hat. Dieser sagte, er habe gesehen, dass eine Frau gegenüber soo einen Stapel Bargeld hat und meiner daraufhin, sie ist Junkie, vielleicht hat sie einen Freier abgezogen. Dieser Frau sollte meiner was in das Getränk tun, was meiner vehement abgelehnt: „spinnst Du, ich kenn die Frau“. Das war der Anfang der Geschichte, die für meinen im Tatvorwurf des gemeinschaftlichen Raubes endet, weil er ein Handy, was bei einer körperlichen Auseinandersetzung an der er nicht beteiligt war, zu Boden ging aufgehoben hat und das leider später eingeräumt hat als es von der Polizei gefunden wurde. Ich sage ihm, interessante Geschichte, aber darauf wird es heute nicht ankommen, sondern nur auf die Haftgründe. In seinem Fall Fluchtgefahr. Ich rede noch eine ganze Weile mit im und sage ihm dann, dass ich nun den Verteidiger suchen gehe und dann wieder komme. Dann muss man durch die Gitterstäbe hindurch greifen und nach der Krankenschwester klingeln, um wieder rausgelassen zu werden.

Apropos Krankenschwester. Die Klinik ruft mich auf dem Handy an wegen Herrn PM. Der sei freiwillig da. Das wundert mich etwas. Von gerade noch fixiert und Polizeieskorte bis tragfähiger Freiwilligkeitserklärung ist normalerweise ein längerer Weg. Ich äußere Zweifel gegenüber der Ärztin, aber es ist ihre Entscheidung.

Ich gehe rüber zu den Sekretärinnen von davor und frage nach, ob der Kollege schon da sei. Der Termin sei erst um 10:30 Uhr. Sie hätten sich auch gewundert, warum ich schon da bin. Ich sage, der Termin ist mir nicht nur von meinem Schützling, sondern auch von Sozialarbeiter der JVA gesagt worden. Ich hatte keinen Grund daran zu Zweifeln. Dann sagen mir die beiden Grazien, dass sie nicht glauben, dass die Richterin mich daran teilnehmen lässt, weil das sei eine Haftsache und nicht öffentlich. Ich sage, ich bin keine Öffentlichkeit, wenn er das will, dann entfällt der Schutzzweck, dem der Ausschluss Dritter dient und außerdem, ich kann auch zum Sozialamt und für ihn Anträge unterschreiben und das ist rechtlich so, als wäre er das gewesen wegen Vertretung in Rechts-, Antrags- und Behördenangelegenheiten und überhaupt: das werden wir schon sehen. Rufe im Büro des Kollegen an um den Zwischenstand durchzugeben an das Sekretariat. Dieser will um 10 Uhr beim Mandanten sein. Dann werde ich auch da sein und mich so lange beschäftigen.

Telefonat mit dem Büro, Stephan, dass es wohl länger dauern wird als geplant. Er sagt, die Haftzellen im Keller seien bestimmt angenehm bei dem Wetter und ich sage, ich gehe wieder rüber und lass mir ein paar andere Kandidaten aus dem Boxen rausholen. Speeddating aus der Haftzelle oder Tierheim. Irgendwie hat es genau so was.

In Wirklichkeit mache ich Gerichtspost. Der Taubenschlag der Anwälte. Der Raum mit den ganzen Postfächern. Dann steht mir der Sinn nach einem Kaffee und ich fahre mangels anderer Örtlichkeiten, die geöffnet haben Richtung Zoo-Viertel zu einem beliebten Stadteilitaliener. Vor der Tür sitzen Handwerker und andere und machen Frühstückspause. Ich nehme ein Brötchen mit Rosmarinschinken und einen Cappuccino. Das Brötchen schmeckt alt und zäh. Man muss beim Abbeißen Stücke herausreißen wie ein Raubtier aus seiner Beute. Es ist lieblos belegt ohne ein Salatblatt oder Butter. Ich nehme mir vor, mehr Kritik zu üben. Sonst habe ich so etwas für mich behalten und gebe mir nun die Mitschuld am schlechten Niveau der hiesigen Gastronomie. Wenn alle das immer kommentarlos aufessen, dann denken die wo möglich, es schmeckt auch. Ich zahle 3,- € und sage, das Brötchen habe alt geschmeckt. So als hätte ich mir gestern eine Stulle gemacht und die jetzt gegessen. Die Frau sagt, das sei aber frisch geliefert worden. Ich rate dazu, den Lieferanten zu wechseln. Durch die List zurück zum Gericht. Dort wird auch gerade irgendwas modernisiert…..

Bauschutt

Vor den Haftzellen warte ich etwas und bewundere die Lastenaufzüge, Baujahr 1966, die schönen Holztüren und das liebevoll arrangierten Plastikbesteck für die Häftlinge.

Haftzelle Tür Haftzelle Besteck Haftzelle Aufzug

Ich lausche den Gesprächen der Mitarbeiter, die soll tolle Dinge sagen wie: „Heute ist wieder Kilometergeld angesagt“, weil wohl viel aus den Zellen geklingelt wird und sie dann aus der Amtsstube rüber müssen.

Ziemlich bald taucht der sympathische Kollege auf, der legere in Jeans und einem bunten Hemd gekleidet ist, sich meinen Kuli leiht und mir die Wasserflecken auf seiner Brust damit erklärt, dass er gerade vom Sport kommt und etwas nach schwitzt. Ich erzähle ihm, dass die blöde Richterin verhindern will, dass ich teilnehme und er sagt, dann stellen wir für Sie eine weitere Verteidigervollmacht aus. So einfach kann die Lösung sein, denke ich mir da. Wir gehen zu Herrn I. und dieser erzählt wieder seine Story und der Kollege fragt ihn, ob wir uns darauf einigen könnten, dass er die Klappe hält und uns reden lässt. Er stimmt zu und ich denke, das wird schwer für ihn, weil er immer sehr impulsiv ist. Das mit der weiteren Vollmacht wäre auch cool, wie ein Prominenter, mehrere Verteidiger.

Nach kurzem Warten empfängt uns die Haftrichterin, die aussieht wie Prinzessin Lillifee und die dunkelhaarige Sekretärin führt Protokoll und sitzt am Rechner. Die Richterin hört sich das alles an, wie gut er angebunden ist und sich immer überall meldet, bei mir, der Bewährungshelferin, lässt sich freiwillig sein Geld einteilen. Wer macht schon so was? Echtes Lamm. Er kann nirgends hin, hat keinen Ausweis, kein Geld, würde auch als Meldeauflage sich täglich bei der Polizei vorstellen. Dann sagt sie uns, wie sie die Sache sieht. Das sei alles schön und gut, aber angesichts des dringenden Tatverdachts, dass die Geschädigten ihn wiedererkannt hätten bei einer Lichtbildvorlage und der drohenden Strafe und des Bewährungswiderrufs von 3 Bewährungen und ein Wohnheim sei kein richtiger fester Wohnsitz, will sie die Haft fortdauern lassen. Dagegen gäbe es das Rechtsmittel der Beschwerde. Der Kollege dann ganz trocken: „dann nehme ich meinen Antrag zurück“. Ich schreie innerlich: Beschwerde. Das werden wir schon sehen, was das Landgericht sagt und denke dann kurz, hat ihn Prinzessin Lillifee so verzaubert? Der Aufklärung folgt danach. Beschwerde ist aussichtslos. Landgericht entscheidet nach Aktenlage. Wenn er es entscheiden lässt, kann er innerhalb von 2 Monaten keinen neuen Antrag auf Haftprüfung stellen. Die Sache ist ausermittelt und die Anklage wird innerhalb weniger Wochen voraussichtlich kommen. Dann wechselt die Zuständigkeit des Richters und wir beantragen erneut Haftprüfung. Das haben sowohl ich als auch Herr I. verstanden. Guter Kollege.

Im Büro werde ich mit Anrufen in Sachen PM bombardiert. Er selber und der Vermieter und der Nachbar machen sich Sorgen um die Katze in der Wohnung und das gekippte Fenster. Ich bin keine Tierrettung, dann ist die eben mumifiziert und es gibt mehr Singvögel ist meine Reaktion. Nein, ich rufe die Schwester an, die sich den Schlüssel holen soll am Samstag, der Vermieter will sie füttern, sie hat noch Futter und einen Wassernapf und es ist weniger als 24 Stunden her. Ich sehe das Tier noch nicht in Lebensgefahr. Morgens beim ersten Telefonat mit dem Pfleger ging es um vollgepisste Klamotten und Wechselsachen. Da sagte ich auch, Herr PM hat 600,- € abgehoben. Da müssen ein neues T-shirt und 2 Unterhosen gekauft werden sowie eine Tube Rei. Ich rate zur Handwäsche. So etwas sprengt meine Kapazitäten und ist nicht mein Job.

Nachmittags schreibt mir eine Freundin aus Wien per Email, dass sie wegen der Hitze und Trockenheit einen Anruf bekommen habe, dass Grillen an der Donau ab Morgen verboten sei und sie ihren Geburtstag nun von der Grill- in die Badeparty ummünzen müsse. Ich bin verwirrt, seit wann wird man angerufen von irgendjemandem nur weil man vor hatte zu grillen?

Es ist wieder eigentlich Sportzeit, aber durch die Sportpause erreiche ich um 19 Uhr den Gutachter, den ich seit Montag sprechen wollte. Es ist ein total nettes und für mich aufschlussreiches Telefonat und ich erfahre neue Dinge über Katatonie bzw. katatone Schizophrenie und Vernachlässigung in der Kindheit. Das passt total, weil meine bis zum 7. Lebensjahr im rumänischen Kinderheim aufgewachsen ist. Er erklärt mir in groben Zügen: Schizophrenie bewirkt einen Zerfall der Persönlichkeit, dass Verfolgungswahn und das Projizieren auf außenstehende Feindbilder mit einem sozialem Helfersystem etwas zu tun haben. In Ghana habe man Schizophrene an schwere Eisenketten gelegt und in die Sonne gestellt. Wenn es keine Bezugspersonen gibt, dann tritt die Katatonie ein. Überhaupt wer bis zum 2. Lebensjahr keine Bezugsperson findet, hat eine irreversible Bindungsstörung und wenn die Vernachlässigung weiter geht, dann tritt ein hirnorganischer Schaden ein und ein Abbau, die Kinder verlernen Dinge, die sie schon konnten, nässen und koten wieder ein und sind irgendwann auf dem Level eines Behinderten. Dann geht es darum, dass die Psychose klare Strukturen verlangt. Bereits ein Zimmerwechsel auf einer Station kann zu einem neuen Schub führen. Ich finde das wahnsinnig spannend. Wenn mein Job nicht so super zu mir passen würde, müsste ich glatt noch mal so was anderes studieren. So bin ich auch in diesem Bereich Autodidaktin und kann gut damit leben. Ich lerne auch neue Dinge bezogen auf meine Probandin. Die klagt nämlich immer über diverse somatische Beschwerden und der Gutachter stellt ganz klar fest, diese körperlichen Beschwerden sind psychotisches Erleben im Körper. Er rät in seinem Gutachten zu einer sehr zurück haltenden Gabe von Schmerzmitteln, nach denen sie immer wieder verlangt. Wer so aufspringt von der Liege, hat nichts am Rücken, sind seine Worte mir gegenüber und insofern sehr aufschlussreich. Außerdem spricht er allgemein über den Fachkräftemangel in der Pflege, die deprimierenden Zustände in Heimen, Demenzkranke würden in nicht individualisierten Zimmern untergebracht werden (was eigentlich ein dringender Bestandteil der Pflege in diesen Fällen sei) und es geht um psychiatrische Unterversorgung auf dem Land usw. Ich sage ihm, dass ich eine Patientenverfügung machen will, um sicher zu stellen, dass ich nicht mit Volksmusik beschallt werde und warum es so sei, dass alte Menschen entmündigt werden und man für sie ein paar praktische Kleidungsstücke auswählen will und ihnen ihre Persönlichkeit nimmt, dabei werden wir alle alt und ich will nicht, dass einer meine Sachen auf praktisch hin zensiert. Er kann es auch nicht mehr hören, die ganzen vermeintlichen Eigengefährdungen durch das Verhungern und Rauchen im Bett. Er bestärkt mich darin, dass meine einen Anspruch auf eine geeignete Einrichtung hat und nicht ich die suchen muss, sondern die Klinik. Auch ein guter Hinweis. Das Gespräch ist so kurzweilig, dass ich deutlich überziehe und schon längst draußen sitzen sollte, wo ich verabredet bin. Hier entstehen wieder Urlaubsträume der Zukunft. Frankreich, die Bretagne, Buchten am Atlantik, Flohmärkte, bei denen man den Schildern mit Pfeil folgt und die auf Gemeindewiesen stattfinden mit Pommes und selbstgebackenem Kuchen, Meeresfrüchteteller mit Ausblick, jeden Tag ein neuer Wochenmarkt. Die Phantasie geht mit mir durch.

24.07. Ebola in the City

C.

Heute bin ich verabredet bei Frau SK. Das Betreuungsgericht hat moniert, dass ich im Jahresbericht angegeben habe sie zuletzt im Januar gesehen zu haben. Persönliche Kontakte hätten alle 2 Monate stattzufinden. Ich sage, je nach Bedarf. In der Vergangenheit gab es viel Bedarf. Sie hat Freier abgezogen, es waren laufend Strafverhandlungen, in Hannover und bei umliegenden Gerichten, immer saß hinten eine Schulklasse drin mit kichernden Schülern. Es war die Hölle. Dann gab es diverse Prozesse wegen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie hat dann massiv Widerstand geleistet, so dass die Diensthabenden nach 2 Jahren noch schwer traumatisiert waren und Angst hatten sich mit Aids oder was auch immer angesteckt zu haben, weil gespuckt hat sie auch. Einer jüngeren Polizistin wollte ich nach ihrer Zeugenaussage schon raten, den Beruf zu wechseln, so zart beseitet war sie, wollte die Entschuldigung von meiner nicht annehmen, die in der Verhandlung ausgesprochen wurde und hatte einen persönlichen Groll. Dann kann man diesen Beruf an den Nagel hängen. Das ist meine Meinung. Dienstunfähigkeit wegen schwacher Nerven war hier meines Erachtens vorprogrammiert. Es gibt viel Verfolgungsideen meiner Betreuten, wobei man ihr zugestehen muss, dass hier einige sehr üble Sachen auch tatsächlich im Milieu passiert sein mögen. Dinge, die sie immer und auch jetzt noch begleiten sind die Angst vor den Hell’s Angels, Frank Hanebuth, den sie wohl auch kannte und, dass ihr irgendwelche Leute Heroin oder Methadon gegen ihren Willen spitzen, im Schlaf z.B. Daneben hat sich aber Vieles beruhigt. Während sie früher die Katze von ihrem Balkon im 6. Stock geworfen hat und dann eine Anzeige wegen unerlaubter Tierkörperbeseitigung von der Stadt Hannover bekommen hat, hat sie nun einen spezialisierten Pflegedienst, der in täglich Medikamente stellt, geht nicht mehr anschaffen, hat 30 Kilo zugenommen und einen Dackelmischling, der leider völlig unerzogen ist. Der Mann, der am ambulant betreute Wohnen macht ist Wagner-Fan und soll heute ein Geschenk von mir bekommen,; eine Holzschachtel, die ich ausgemustert habe.

VideoüberwachtMokkasinsbeißermix LauensteinHundespielebox

Ich stehe dazu, wie ich diesen Fall führe und rede offen mit ihr, dass ich sie mag, das wisse sie hoffentlich auch, aber eben professioneller Helfer sei und keine Freundin von ihr, die einfach so vorbei kommt, wenn nichts anliegt zum Kaffee trinken. Heute habe ich eine Überzahlung der Krankenkasse dabei, die ich ihr auszahlen muss. Sie versteht das und alles ist in bester Ordnung. Sie trinkt Wasser aus einer taillierten Plastikflasche mit einem riesigen gefroren Eisblock innen drin und sagt, Leitungswasser schmecke lecker, wenn es stark genug gekühlt sei und man müsse Bescheiden sein. Das ist schon eine andere Frau SK als früher. Ich sage ihr, so stabil wie sie geworden sei, könne sie mich auch los werden, aber das will sie nicht. Es gibt auch wieder ein Problem mit einem Typen, der aus dem Knast entlassen wurde und im Männerwohnheim lebt und ihr nachstellt = Unterlassungsverfügung. Also auch wieder juristische Arbeit für mich. Der Wohnbetreuer fährt heute nach Bayreuth zu den Festspielen. Wie passend ist das denn?

Der Weg zu Frau SK. führt vorbei an meinem Lieblingsbunker in Hannover. Auch hier kann man sehen, wie herrlich die Stadt ist, von der ich schwärme, auch wenn Freundinnen aus Berlin und vor allem Hamburg stark darüber schmunzeln.

offener Bunker 2 offener Bunker offener Meidenbunker

Katzengras ist auch im Angebot.

Katzengras

Hannoveraner sind auch nicht alle nett zu mir. An einer Ampel am Hainhölzer Bahnhof steht ein grauhaarige Rentner neben mir, der einen Fahrradanhänger dabei hat, der mit einer Waschmaschine beladen ist, die mit einem Gummiband festgeschnallt ist. Er mustert mich von der Seite und nuschelt irgendwas. Ich sage: wie bitte und er darauf: „Mit der Frisur kannste ne Omma (Hannover-Dialekt) erschrecken. Die fällt tot um.“ Ich lasse das unkommentiert und fahre weiter. Bei der Plakatierung Sommer of Soul muss ich an Brigitte und Berlin denken.

Heisse arte Onkel Olli feiert lovetoblock

Im Laufe des Tages eskaliert die Situation mit Herrn PM. Morgens hatte ich noch mit dem Vermieter telefoniert, der mir Recht gab in meiner Einschätzung, dass es nicht besser wird und sagte, Herr PM habe nun angegeben, dass er ihn ins Grundbuch mit reinnehmen wolle und ich telefoniere länger mit seiner Schwester, die auch vermutet, dass es übel enden wird und lange dauern und viel Arbeit für mich werden wird. Nachmittags bekomme ich einen Anruf der Polizeiinspektion West, Herr PM habe aus einer Telefonzelle angerufen und um Hilfe gebeten, Verfolgungsideen geäußert, ob ich wüsste, wo er sei. Ich sage, leider nein, aber wenn sie ihn wieder antreffen, bitte festhalten und mich sofort anrufen.

Ich bekomme einen mysteriösen Anruf bei dem es um einen Fall geht, den ich schon fast abgeschlossen habe. Meine Betreute war verstorben. Die Vermieterin war Apothekerin und jetzt ruft ein mir unbekannter Arzt und ehemaliger Liebhaber (da könne er ja offen darüber reden) und Angestellter von ihr, der Apothekerin bei mir an und erzählt mir, dass die Vermieterin Betrügerin sei und meiner Betreuten einen Leihwagen in Rechnung gestellt habe und ihm auch (es geht um knapp über 200,- €). Sich das also zweimal habe bezahlen lassen. Ich hätte meine Arbeit gut gemacht und die eine Rechnung moniert, weil der Rechnungsempfänger mit Tipp-Ex verändert wurde und die Apotheke mit Anschrift überschrieben und in meine Betreute umgeändert wurde. Das hätte ich dann zurück gewiesen. Es ging seinerzeit um eine gebrauchte Küche und die ganzen Elektrogeräte habe sie ausgebaut und die stünden in der Apotheke und habe sich das von meiner Betreuten bezahlen lassen. Im übrigen handele die Apothekerin mit abgelaufenen Medikamenten, die umgefüllt werden würden und habe versucht ihn umzubringen. Er würde nun Morgen zur Staatsanwaltschaft gehen und den gesamten Sachverhalt zur Anzeige bringen mit versuchter Körperverletzung, Betrug, Verstoß gegen der Arzneimittelgesetz usw. Er habe mich davon in Kenntnis setzen wollen. Bei den Beweisen, die er vorlegen würde, seien auch meine Schreiben an die Apothekerin aus 2011. Verjährt sei die Sache noch nicht. Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Anruf halten soll, aber bevor ich mir zu sehr den Kopf darüber zerbreche, werde ich wieder abgelenkt. Als ich Feierabend machen will oder sonst zum Sport gegangen wäre, ruft die Polizeiinspektion Süd an und sagt, Herrn PM habe sich im Neuen Rathaus verschanzt und wollte nicht gehen. Ich bespreche die Lage und sage, bitte lieb sein zu ihm und ärztlichen Dienst informieren. Ich komme gleich auf die Wache.

Auf dem Weg dorthin nach ca. 40 Minuten, weil ich weiß, dass es alles lange dauern wird und daher vorher noch kurz nach Hause fahre um meine Sandelen auszuziehen, in die meine geschwollenen Füße nicht mehr reinpassen wollen, fahre ich auch am Neuen Rathaus vorbei und sehe eine Polizeistreife und jemand in Polizeiuniform, der halb im Wagen hängt mit dem Oberkörper. Ich beschleunige und denke entsetzt, die haben doch wohl nicht immer noch Herrn PM am Wickel, oder? Es sind 2 Fahrzeuge, die hinter einander auf der Fahrbahn stehen. Als ich näher komme, sehe ich, es ist nur eine Fahrzeugkontrolle, die nichts mit mir zu tun hat und bin erleichtert.

Auf der Wache sitzt er in einem Glaszimmer und ich soll erst mal alleine mit den Beamten reden. Ich erzähle die Vorgeschichte und die ganze Wache steht hinter mir und hört zu. Das sei wohl sehr interessant für sie merke ich an. Ja, Geschichte des Tages, lautet die Antwort. Sie sagen mir, dass sie jetzt einen normalen Arzt rufen müssen bzw. schon gerufen haben, der entscheidet dann, ob ein Psychiater gerufen wird und der entscheidet dann über die Klinikeinweisung. Das kann also noch dauern. Ich setze mich erst mal in den Glaskäfig mit rein und verschaffe mir einen Eindruck. Herr PM, der literweise Wasser aus einer Plastikflasche trinkt, erzählt mir von einer großen Verschwörung, die er anzeigen wolle, mir könne er auch nicht mehr trauen, wie viel hätten die mir gezahlt, damit ich die Klappe halten. „Mensch, Frau A., früher waren Sie doch auch mal alternativ.“ Ich sei Zeugin gewesen, wie auch er bestochen werden sollte, von dem Vermieter, der ihm gesagt habe, er habe so viel für das Haus getan, dass er ihn im Grundbuch haben eintragen lassen. Da hätte ich daneben gestanden, aber er sei misstrauisch gewesen und habe das erst sehen wollen. Er habe dann nachts nicht schlafen können, wegen der Schreie, es waren Baby-Schreie und Schreie der Nachbarn, furchtbare Geräusche und auf dem Baugerüst sei ein Gepolter gewesen und Schüsse habe er gehört. Die Hell’s Angels waren da und morgens keine Spuren und das Gerüst am Haus wird abgebaut. Dann habe er einen Anruf bekommen und der Akku von seinem Handy habe sich aufgebläht und sei groß geworden wie ein Tennisball. Da ein Kumpel ihm mal erzählt habe, dass man eine Atombombe in so ein Teil reinbauen könne, habe er das Handy mit einem Stein zerschlagen. Dann sind überall Drogenkrümel auf seinen Klamotten und er versucht sie abzustreifen. Dom sagt er immer wieder und ich frage, was das sei. Ganz hochkonzentriertes LSD, erfahre ich. So schwarze Krümel. So lerne ich was Neues, wenn es denn stimmen sollte. Das kann ich aus dem Stehgreif nicht beurteilen. Stechapfel in der Straßenbahn, überall auf seiner Haut würden die festkleben wie Kletten. Das sei doch nicht normal. Ich sei auch nicht mehr nüchtern, meine Pupillen riesengroß. Wir seien alle auf Droge, was auch verständlich sei angesichts der Lage, in der sich die Welt befinden würde. Jetzt hätte gerade einer gesagt, dass die Welt in einer Stunde untergehe. Das Schlimmste seien die Bilder im Fernsehen. Es gäbe ein zweites Bild. Ein Kumpel hätte ihm geraten den DVBT-Receiver auf Reset zu stellen und da hätte er es gesehen, das furchtbare Gemetzel. So schlimm, er habe bitterlich geweint. Dann der Gasgeruch, nur im Rathaus sei er noch sicher gewesen. Er erzählt nich mehr, aber das reicht mir eigentlich an Eindruck. Jetzt ist warten angesagt. Nach ca. knapp einer Stunde kommt ein übergewichtiger Arzt, der nur mit mir spricht und einen Überweisungsschein mit einer unleserlichen Schrift ausfüllt und dann telefonisch veranlasst,er diensthabende Nervenarzt informiert wird. Wir schauen, welches Krankenhaus zuständig ist. Er sagt mir, der Kollege haben keinen anderen Fall, aber das würde noch ca. 1 ½ Stunden dauern, bis der Beschluss fertig sei. Es ist jetzt ca. 9 Uhr. Ich darf auch in eine Kneipe. Sie rufen mich dann an. Mir ist nicht danach und die Gastronomie an der Ecke, eine Sportbar mit schrecklichem Speisenangebot, ist mein zweites Fernsehbild. Nein, danke. Ich laufe draußen auf der Straße etwas umher. Es ist Schichtwechsel und nach und nach kommen alle Kollegen raus in ihren kurzen Hosen und Freizeitdress und sehen alle ganz normal aus. Dann fängt es an zu regnen und ich setze mich in den Vorraum der Station und beschäftige mich mit den dort ausliegenden Flyern. Tipps an jugendliche Radfahrer, keine nicht verkehrssicheren BMX-Räder im Straßenverkehr fahren z.B. Die Broschüre „Richtige Verhalten bei Blaulicht und Martinshorn“ gefällt mir besonders. Orten aus welcher Richtung die Einsatzfahrzeuge kommen, dann unbedingt Blinker setzen um anzuzeigen, in welcher Richtung man ausweichen und Platz machen möchte. Das Unfallrisiko ist 17-fach erhöht bei so etwas. Das glaube ich sofort. Dann gibt es auch Rätselspaß. 12 gezeichnete Bilder mit Auto, Radfahrer und Bus und manchmal Kreisel und Pfeile wer in welche Richtung möchte und man soll angeben, in welcher Reihenfolge gefahren bzw. abgebogen werden darf. Also Busse haben immer Vorfahrt. Auch falsch? Als Stephan anruft muss ich ihm entsetzt mitteilen, dass ich total durchgefallen bin in der Theorie, es lauter Verkehrsschilder gibt, die ich mir noch nie bewusst angeschaut habe und die mir eigentlich untersagen müssten mit dem Rad nach Hause zu fahren. Scheiße, die Fenster sind auf. Die hören das mit.

Polizei oben ohne

Mein total heldenhafter Mann, der mit mir nach dem Sport was Essen gehen wollte, bietet an mich abzuholen. Dann wartet er und ich bin irgendwann mit dem Psychiater, der einen sehr starke Brille trägt innen zu Gange. Er kennt den Kollegen von vorhin mit der unleserlichen Schrift und hatte gestern zusammen mit ihm schon Dienst. Es ist etwas rechtliches Chaos, was ich darf, weil ich die Bereich Gesundheitssorge und Aufenthaltsbestimmung habe oder ob doch ein PsychKG-Beschluss erforderlich ist. Die zuständige Klinik will meine Verfügung nicht gelten lassen. Der Nervenarzt vor Ort ruft einen dritten Kollegen an, den er weckt und nach dessen Einschätzung fragen möchte. Sie sagen mir, es sei auch ungewöhnlich, weil sie sonst nachts keine Betreuer zu fassen bekommen würden. Dann Arztgespräch mit Herr PM. Ich bleibe draußen und höre nur, dass er angesichts dessen, dass es sich um einen Arzt handelt die Sorgen um seine Gesundheit ansprechen möchte, hat er vielleicht Ebola? Warum nein, warum weiß das der Arzt, hat er eine Blutprobe von ihm gemacht? Hat der Arzt ihm ein Schmerzmittel ins Wasser getan, weil seine Zahnschmerzen sind auf einmal weg. Überhaupt sei er ständig anders, von Minute zu Minute. Das sei doch nicht normal. Dann habe er auch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit der Frau von, „machen Sie mal die Tür zu, das muss ja nicht jeder mitbekommen.“ Dann höre ich weniger. Im Anschluss telefoniere ich mit dem Stationsarzt und sage ihm in aller Deutlichkeit was Sache ist und das mehrfach Suizidversuche eine Rolle gespielt haben in der Vergangenheit und er massive Verkennungen hat und sie ihn bitte um Gottes Willen da behalten sollen. Die gerichtliche Unterbringung sei schon beantragt. Ich lasse meinen Ausweis kopieren und schreib meine Nummer darauf für die Klinik. Das Kopieren des Ausweises, einer Seite Papier gestaltet sich als schwierigen Unterfangen und mehrere Versuche an mehreren Geräten sind erforderlich, einhergehend mit Flüchen. Der Arzt auf der Wache ruft den Krankenwagen. Leider sind das zwei unbedarfte Jüngelchen, die von nichts ne Ahnung haben. Der A-Dienst der Feuerwehr ist das Beste was einem in solchen Fällen passieren kann. Die haben die Lizenz Gewalt auszuüben, müssen es aber nicht tun, weil sie einfach coole Säue sind. Ich habe da schon Sachen erlebt. Die kommen auch mit nackt herumspringende und um sich schlagende sehr korpulenten Frauen klar usw. Zwei Erfahrene von denen können 3 Mannschaftswagen Polizei überflüssig machen. Wir erklären nun den normalen Grün-weißen mit denen wir an diesem Abend vorlieb nehmen müssen, ich habe die Unterbringung verfügt und er will freiwillig mitgehen, wenn er unterwegs raus will, Arzt anrufen, der macht dann PsychKG-Beschluss und dann Polizei anrufen. Ich verabschiede mich von meinem Schützling, der sagt: „Frau A., Sie sehen ja jetzt ganz anders aus, ist alles wieder gut?“. Ich sage, alles sei bestens und wünsche ihm alles Gute. Wir sehen uns.

Ich gehe raus zu meinem Mann, der so lieb gewartet hat. Der Nervenarzt hat ein Taxi warten lassen, in das er wieder einsteigt. Essensmäßig bleibt uns nur das Steintor. Es gibt einen neuen Laden neben Efendi Bay und der ist sehr gut besucht und hat Außentische. Ein Urfa-Grill. Den wollen wir antesten. Sie haben einen großen, sehr ordentlich dekorierten und geputzten Fleischtresen und einen guten Abzug, man riecht von dem Gegrille nichts. Ich nehme Lammhack mit Auberginenmus und Stephan einen Beyti-Kebab und noch ein Künefe zum Teilen und 2 Ayran.

Adana Kebab Beyti Kebab youghurt Künefe

Unsere Bedienung sieht aus wie eine Mischling aus Rudolf Mosshammer und Amy Winehouse. Sehr sympathisch. Im Keller neben den Toiletten ist ein Gebetsraum „Nur für Mitarbeiter“. Wir sitzen am Fenster. Draußen hinter den Scheibe sitzt erst eine größere Gruppe Männer, der gerade aus, sieht aus wie Robert De Niro in jung, aber mit grauen Haaren. Immer wieder muss ich hinschauen. Dann wechselt die Gruppe und 3 Bodybuilder essen die tägliche Ration Fleisch im Fladenbrot. Der, der dann zahlt ist ca. 2 Meter groß und hat ein sehr breites Kreuz und einen definierten, dreieckigen Oberkörper, richtig superheldenmäßig. Das sieht beängstigend aus. Dass sie sich mit Küsschen mit der Bedingung begrüßt haben, entschärft die Sache etwas.

Ich bin total müde und will nur nach Hause. Habe Morgen Haftprüfungstermin in Sachen I.; um 8:45 Uhr muss ich da sein. Ich komme als Betreuerin und der Verteidiger bzw. seine Urlaubsvertretung wird auch da sein. Das ist gut, wenn nicht alles auf meinen Schultern lastet und ein spezialisierter Kollege gibt auch mir Sicherheit und ich kann voll in meiner Sozialarbeiterrolle aufgehen.

Jetzt geht es mir auf, dass soweit ich das beurteilen kann 5 von 7 Psychosen mit Frank Hanebuth zusammen hängen. Ist das ein Hannoverphänomen, frage ich mich.