Archiv der Kategorie: Sauerrahmbutter

Alltagsberichte – das Tagebuch

Schlaganfall Angie – die Woche vom 09. -13.09

09.09. Beim Zurückkommen aus Hamburg war mir wieder eingefallen einer der Hauptgründe warum ich meinen Atelierplatz gekündigt habe als ich die Zinnober-Plakate hängen sehe und wir mit der Stadtbahn vorbeifahren. Diese Veranstaltung war immer Horror für mich und sie hat an diesem Wochenende wieder stattgefunden und ich musste weder mitmachen bei einem Künstlerspeeddating (die reinste Zwangsprostitution für mich) noch mich herausreden (und damit asozial sein und die blöde Kuh, die nicht mit macht), aber dann wenigstens vorher meinen Platz schön aufräumen, damit sich die Lehrerinnen nicht für mich schämen müssen. Beides grauenhaft und überflüssig zugleich und dann die interessierten Landeier, die einen Fragen, was es bedeutet und wie man auf die Ideen kommt und ich fühlte mich immer penetriert und will mit diesen Menschen einfach nichts zu tun haben, wie ungebetene Gäste, die zuhause die Schränke aufmachen und sich alles erklären lassen wollen oder der Gorilla hinter der Glasscheibe im Zoo.

Ich wundere mich die Tage auf dem Weg zum Sport oder in die Stadt immer wieder über das Wahlplakat von Frau Merkel, auf dem ihr Mund schief verzerrt ist wie nach einem Schlaganfall und das bei all den technischen Bearbeitungsmöglichkeiten von Fotos heutzutage, dieses verkrampfte und asymmetrisch verzogene Lächeln, was keines ist.

Der teure Schokoladenkaviar aus Hamburg-Ottensen und: hat sich die Investition gelohnt?

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Doppeltermin in Langenhagen in der Psychiatrie. Die junge Frau neben mir stiert mir auf den Kopfschmuck und überlegt sich wegzusetzen. Ja, es ist das, wonach es aussieht und war früher mal im Klo. Ich bin so eine Sau. Beim ersten Termin mit Herrn A. ist ein Praktikant der Sozialarbeiter studiert, Bachelor heißt der Abschluss, mit dabei. Der Regen, ich muss mein Fahrrad zuhause lassen und sogar einen Schirm mitnehmen (!). Das passiert mir ganz selten und ich lehne dieses Hilfsmittel eigentlich ab. Der Herbst hat Einzug erhalten, ganz plötzlich. Ich sehe am CCL ein herrliches Plakat auf dem für ein Hamburgbesuch geworben wird. Die Plakate unterwegs mit Steuersucht statt Steuerflucht oder so ähnlich, auf denen für Steuerlehrgänge geworben wurde, konnte ich leider nicht ablichten.

Hamburg denken

Nachdem wir gestern den total langweiligen Bericht über Karl Lagerfeld, den Stephan für mich aufgezeichnet hat geguckt haben, bis ich abbrechen wollte wegen Langeweile mache ich mir Gedanken zu Thema Luxus. Was ist Luxus? Sauberes Wasser was aus dem Hahn kommt, aber eine Handtasche für 30.000,- € gegenüber einer für 30,-, die denselben Zweck erfüllt, kann ich nicht verstehen. B-Promis kommen nach Hannover, wohin auch sonst denke ich als wir am Wasserturm vorbeifahren. Marc Terenzi war neulich auf H 1, in einer ganz erbärmlichen Pro Gay-Sendung, die das Schützenzelt für Gays und das Maschseefest empfohlen haben. Pro Gay finde ich gut, aber nicht diesen Spießerkram. Das muss ich leider auch bei Gleichgeschlechtlichen konsequent sein. Marc war im Interview und sagte so was wie: Ich bin gemoved nach Hannover, because I have a Projekt hier. I work mit einem DJ together. Schlimmes Denglish spricht der Mann. Elisabeth Taylor kommt vorbei mit dem Gaszählerstand (sie hatte nur Strom richtig abgelesen beim ersten Anlauf). Sie trägt einen riesigen Wal (Stofftier) über der Schulter. Modell Orca. Das ist filmreif. Ich bleibe ganz ernst und lass mir nichts anmerken.

10.09. Der Herbst grätscht sich fest, statt noch mal auf Altweibersommer zurück zu stellen. Psychiatrische Praxis Nordstadt, Versichertenkarte einlesen lassen. Mein Betreuter hat die Fachärztin nicht reingelassen. Dann Amtsgericht. Frau hat über das ambulant betreute Wohnen eine Betreuung angeregt wegen u.a. Schulden. Erscheint nicht. Zuständig ist ein ganz junger Richter, der mich bei der Gelegenheit als Verfahrenspflegerin bestellt. Es geht wieder einmal um einen Alkoholiker, der Korsakov hat und gerade im Nordstadtkrankenhaus ist und nach Langenhagen soll. Die Anhörung findet am selben Nachmittag um 17 Uhr statt. Es ist genau die Infektionsstation auf der ich auch mal gelegen habe mit meiner Lähmung. Alte Erinnerungen werden wach. Der Mann hat doch erhebliche Gedächtnislücken beim Kurzzeitgedächtnis und erzählt lieber von früher, als er bis zu 16 Lkw samstags gewaschen hat. Er weiß nicht, wo er wohnt, aber was er weiß ist, dass es in Langenhagen schwarz gekleidete Jungnazis gibt, die die Alkis grundlos verprügeln und dann einfach weiter gehen, als sei nichts gewesen. Eiskalt seien die und da sei es besser, wenn man in einer Gruppe von Trinkern sei. Da trauen sie sich nicht so ran oder man muss sich in den Rewe flüchten und einen Verkäufer bitten, die Polizei zu rufen. Bis die dann kommen, seien die in alle Himmelsrichtungen verschwunden.

Ich liebe den schönen Friedhof gegenüber dem Krankenhaus. Das Efeu auf der Mauer hat eine schöne Frisur. Auf dem Weg in die Nordstadt treffe ich einen Bekannten, der mit seinem schwarzen Königspudel durch den Park joggt. Ich war mittags noch mal zuhause und habe mit einer Wollmütze nachgerüstet. Nach dem Termin flüchte ich mich beim immer stärker werdenden Regen zu Edeka und dann nach Hause und nehme ein Vollbad mit dem Gartengebräu, was man eigentlich sofort hätte verwenden sollen. Es riecht auch nicht mehr so super, aber ist ja nur äußerliche Anwendung. Den ganzen Tag denke ich an Tom ka gai, vietnamesisch mit dem knackigen Blumenkohl. Das war superlecker und hat mich glücklicher gemacht als das teure Haus an der Alster. Ich bin halt einfach gestrickt. Kaufe vor lauter Sehnsucht einen Blumenkohl auf dem Markt, Suppe muss ich selber machen und das wird eine pürierte. Lieber wäre mir die andere, aber die bekomme ich so nicht hin. Dazwischen ruft Elisabeth Taylor an, die mich fragt, ob ihre Üstramonatskarte ungültig sei, wenn sie sie einschweißen lässt. Das habe sie getan und das sei ihr dann erzählt worden. Warum hat sie das machen lassen frage ich. Wegen Flecken und Knickerei. Sie war übrigens „da“, sagt sie mir. Da? Frage ich. Sie nennt mir den Namen des Psychiaters, also bei der Spritze. Das ist gut, auch wenn man es nicht so merkt. Wie wäre es wohl ohne?

11.09. Vormittags ein Telefonat mit einem Kollegen bei dem ich mal in der Ausbildung war im Referendariat. Wir kommen ins quatschen und ich frage ihn, ob er auch Samstag Karten für die Opernpremiere habe. Ja, Premierenabo und auch fürs Schauspielhaus. Fleißig. Ich sage ihm, dass es für mich eher eine Pflichtveranstaltung sei und er macht mir Mut, das wäre eine schöne Oper, der Maskenball und die Veranstaltungen der Musikhochschule seien auch immer ein guter Tipp. Die experimentieren mehr, die jungen Leute. Ich fahre nachmittags nach Neustadt. Große Holzkrawatten in rot, gelb und blau hängen in den Bäumen. Blöder geht es nicht. Das will ich noch nicht einmal fotografieren. Mey ist es hässlich hier, denke ich immer wieder. Meine Betreute ist schüchtern und wartet schon ca. 1 Stunde. Die Anhörung dauert nur Minuten. Der Richter hat verwackelte Farbfotos an den Wänden, die bunten Lichter bilden Striche, sehr originell und ein Dartspiel hängt auch. Ob ich einen Ausschlag im Gesicht hätte, fragt sie mich anschließend. Was soll ich darauf sagen, die Hormone haben meine Haut versaut, was andere in der Pubertät hatten, ereilt mich im Alter, aber darüber reden will ich nicht. Ich hatte Jahrzehnte tolle Haut und habe nie Probleme gehabt, jetzt habe ich sie und denke, es gibt Schlimmeres, z.B. Krebs. Der Zug ist voll mit Schülern und die Stadtbahnlinien 3, 7 und 9 sind durch einen Unfall beeinträchtigt. Ich habe ein Buch: „Zum Glück gab es Punk“ dabei und bin bemüht, es abzuarbeiten. Den Anfang fand ich spannend, aber jetzt ist es mehr Pflicht und Ehrgeiz es zu Ende zu bringen als alles andere. Die Demo für die Abholzung der Eilenriede zugunsten einer Rollschuhbahn mit Plastikbäumen umsäumt finde ich lustig. Der saure Regen tötet die Natur, dann lieber gleich kurzen Prozess und Plastikbäume aufstellen, die der Modernen gewachsen sind. Sahra Wagenknecht macht auf Frieda Kahlo. Wollen die mir alles verderben? Ihr alter Knacker, Macker aus dem Saarland ist dann der Freskenmaler oder was? Mir ist schlecht. Abends die Doppelyogastunde tut gut. Beim Kundalini merke ich, dass meine Kräfte noch nicht bei 100 % sind. Ich habe Schwindel und Kreislaufprobleme. Gottseidank findet alles heute im Sitzen und Liegen statt. Ein tolles, energetisches Set. Ich bin nach den Klopfübungen und der Selbstmassage und den Mantren wie weggebeamt und sage: Stehen wird überbewertet und ist beim Yoga echt nur eine Option. In der normalen Yogastunde ist noch etwas Körperarbeit angesagt und Mikael demonstriert etwas an mir, was er für „schon fast pervers“ hält. Das sorgt für Heiterkeit. Abends gibt es die zweite Portion Pasta an diesem Tag. Die Tochter meiner Cousine verkauft Doc Martens in London. Die wollen wir aufsuchen auf der Hochzeitsreise Anfang Dezember. Das ist eine lustige Erfahrung, wenn die Kinder der anderen auf einmal erwachsen sind und man kann etwas partizipieren, auch wenn es nicht die eigenen sind. Meiner Lieblingsyogalehrerin, die bei Triyoga unterrichtet kommt doch nicht nach Hannover, weil keiner außer mir ihren Workshop buchen wollte. Das finde ich natürlich total schade, weil ich das initiiert habe und die richtig gut unterrichtet, aber offenbar gehen die Yogaschülerinnen nur zu dem Yogastars, die sie von Youtube kennen. Ist halt wie überall und ich werde einfach in London wieder einen Klasse von Mimi besuchen, die mir ihrem tollen, fordernden und interessanten Yogaunterricht mit Qigong-Elementen neue Anregungen gibt und einen voran bringt mit der eigenen Praxis.

12.09. Traum. Wir sind in New York und passen auf den Säugling meiner Kollegin auf. Ein hellblondes Mädchen, ganz klein. Ich bin noch müde und frage mich, ob ich neben der im Bett einfach schlafen darf oder sie dann aus Versehen zerdrücke. Dann sind wir im Park. Eine Frau kommt mit ihrer Tochter zu uns heran und will den Namen des Babys wissen. Den haben wir uns leider nicht gemerkt. Das kommt komisch an. Ehepaar mit Säugling und sie wissen den Namen nicht. Wir erklären ihr dann,  dass sei die Tochter der Kollegin und die ältere Tochter (ca. 8 Jahre, so alt wie Du, sage ich zu dem Mädchen) von der hätten wir uns den Namen schon gemerkt, aber leider nicht von der Kleinen und sie kann auch nicht helfen, weil sie noch nicht bestätigend auf ihren Namen reagieren kann. Sie heißt Claire, wie sich später herausstellt, komischer Name denke ich mir und einen kleine Chihuahua-Mix haben die beiden auch, meine Kollegin und ihr Mann, der ist lieb und schnappt gar nicht, im Gegensatz zu den Problemhunden bei Cesar Millan (tatsächlich hatte die Kollegin sich einen Bürohund anschaffen wollen, den ich dann streckenweise auch genommen hätte, aber dazu kam es nicht) und ich mache mir im Traum Gedanken um den Langstreckenflug im Säuglingsalter und halte das irgendwie für unverantwortlich, aber jetzt erst mal einen leckeren Kaffee. Wir gehen im Hotel die Treppe hoch, dicker Teppich liegt auf den Stufen. Der Wecker klingelt.

Heute 80er Jahre Delight-Outfit und ich fühle mich etwas wie aus Denver Clan. Ich weiß gar nicht, ob ich diesen Look mit Schulterpolstern so gut finde, aber bei den jungen Mädchen, die sämtliche Geschmacksflauten der 80er abfeiern wird der Look gut ankommen, außerdem hat das Kleid eine tolle Verarbeitung, einen ganz tollen Wollstoff und einen langen Schlitz, so dass man bequem aufs Fahrrad kommt. Alle fahren weg in den Herbstferien, nur wir nicht. Gut, wir waren echt genug weg dieses Jahr. Ich habe keinen Grund mich zu beschweren. Trotzdem denke ich sehnsüchtig an Istanbul, Wien und New York habe etwas Fernweh. Da ich mit Stephan schon über 25 Jahre zusammen bin, ist mein Leben beim Thema Partner von einer großen Liebe geprägt. Bei den Städten gab es viele große Lieben an die ich mich sehr gerne erinnere. Vor allem das erste Mal Barcelona ist mir sehr präsent, aber auch Istanbul und Wien.

Mittags gehen wir in einen neuen vegetarischen Imbiss in der Deisterstraße. Viel Fertigsoße (die süße Chili-Soße aus den großen Flaschen). Mehr frisch und knackig wäre mir lieber. Allerdings freue ich mich sehr über die Nachbarläden. Hier wird vom Prittstift, bis 10 Gebote auf Gummilappen, head and shoulders, ambulant betreutes Wohnen, zumindest der Prospekt, Teelichter bis Staub und Stempeln alles Mögliche feilgeboten. Auf der anderen Seite gibt es hochwertige Etuis, die zwar schwarze Flecken haben, aber dafür herabgesetzt sind.

10 Gebote ABW Pritt Head und shoulders Qualität Etui

13.09. Morgens ruft meine Mutter an, sie kommen gerade von einer Dienstreise mit Hotelübernachtung in einem Schloss und Restaurantbesuch wieder, mein Vater wird Morgen in einer Woche an der Schulter operiert und heute Nachmittag sind sie wieder unterwegs und werden abgeholt. Sie will mir aber sagen, dass ich kürzer treten soll. In Wirklichkeit wird es ihr zu viel und deswegen wohl der Hinweis an mich und/oder wegen Muttersorge. Mich macht das allerdings bockig. Ich lass mir doch von meinen Rentnereltern, die ständig unterwegs sind nicht vorschreiben, dass ich kürzer treten soll!

Am Nachbarhaus sind ganz liebevolle Maler zugange. Der eine junge Bursche liegt auf dem Rücken auf einer Leiter und streicht den Giebel über sich. Die leisten gute Arbeit und ich lobe sie gegenüber unserem Nachbarn. Wir hatten seinerzeit eine Malerfirma Flecks, die den für teures Geld frischsanierten Sandstein nicht abgeklebt und mit Farbklecksen versehen hat und einfach überall Farbe hingeschmiert hat. Wenn man aus dem Haus ging, wurde man selber getroffen, ein gelber Handschuh mit passendem Farbabdruck landete auf dem Dach unseres Nachbarn usw. Unglaublich schlecht waren die und diese sind unglaublich gut. Auch bei Handwerkern gibt es beides. Ich sage nur Better call, Saul. Saul Goodman aus breaking bad bekommt eine eigene Sendung.

Die Kastanien erwischt es doch als Erstes. Braunorange geflammte Blätter, die Früchte sind noch grün, die Blätter schon voller Herbst. Ich habe einen Scheidungstermin und die Mandantin hat ihre volljährige Tochter mitgebracht, die dabei sein soll und auf einem Zuschauerplatz sitzt. Immer wieder freut sie sich demonstrativ, dass sie den Typen los ist. Danach gemeinsam zu Oma und dann zum Tätowierer schlägt die Mutter vor. Er kommt und ich denke, dass ist noch eine erwachsene Tochter, die vor der Tür auf ihn wartet, aber es ist wohl seine Neue. Meine trinkt unter vor der Tür des Amtsgerichts Rotkäppchensekt aus der Flasche und freut sich, dass sie „den Schmarotzer endlich los“ ist. Es wirkt aber ganz anders, so als würde sie mit allem dem sehr schlecht fertig werden und zitternd ihre Überlegenheit beteuern und demonstrativ zur Schau stellen, während sie sich aufregt, wie er mit seiner Neuen Arm in Arm läuft und dabei braucht sie noch die Unterstützung der Tochter, die herhalten muss und sich vermutlich mitfreuen über die Scheidung der Eltern (das ist pervers) und auf einmal blutet sie und weiß nicht woher. Sie ist panisch: ist es im Gesicht, ist es im Gesicht? Es ist ein Schnitt am Finger. Die Tochter sagt: „ohh Mama, chill doch mal ein bisschen“ und dann muss ich noch mit einem Taschentuch aushelfen. Was für eine peinliche und erbärmliche Vorstellung. Das ist die Bilanz einer 18 jährigen Ehe. Ich weiß warum ich diesen Anwaltskram am liebsten gar nicht mehr machen will nur noch schön mit meinen Verrückten. Da habe ich mehr Draht dazu.

Nachmittags ist Demo am Lindner Marktplatz angesagt. Die Polizisten tragen seit neustem hinten Nummern. 7213 und so. Leider sind die Nachwuchspolizisten alle nicht schussfest und haben ein dünnes Nervenkostüm, d.h. so eine Veranstaltung ist schon eine Zumutung für sie und wenn dann noch was dazu kommt, gibt es Burnout und Dienstunfähigkeit.

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Während sich die Gegendemonstranten einfinden, kann ich den Feind nicht richtig ausfindig machen. Sind das diese armseligen Hanseln? Der eine dick mit weißer Regenjacke (see through) durch die was Rotes durchscheint, was aussieht wie eine rosa Wurst, der andere auch dick mit Blaumannhose, der vor dem Rathaus ein paar prollige Gesten macht. Beide Daumen nach oben oder unten, Becken nach vorne. Ich verstehe diese Veranstaltung nicht und weiß auch nicht, ob man diesen peinlichen Gestalten, offensichtlich lernbehindert nicht mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt, als sie verdient haben. Anhänger haben sie keine. Es sind nur die Gegendemonstranten und die Polizei da. So richtige Nazis, die Obdachlose und Alkis verprügeln und denen man auf die Klappe geben will sind sie einfach nicht, sondern so peinliche Opfer, die sicher in der Schule viel gehänselt wurden und nicht richtig lesen und schreiben können. Sie scheinen die ganze negative Aufmerksamkeit zu genießen, sie baden im Geräuschmeer der Pfiffe und Buhrufe und jetzt wird eine Runde Deutschlandflagge geschwenkt. Oh mein Gott. Bald ist der Spuk vorbei und die packen das Klappplakat wieder ein und rollen die Fahne auf und steigen wieder in ihren Tourbus.

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Mein Betreuter, der um 14 Uhr einen Termin hat, taucht nicht auf. Ein ungünstiges Timing, zumal Herr T Anti-Aggressionstraining machen soll (laut seiner Bewährungshelferin, die für Oktober mit mir einen gemeinsamen Termin vereinbart hat) und ein Problem mit Bullen hat er auch und das bei den Aussichten am Lindener Marktplatz. Ist er nicht durchgekommen? Gab es Probleme unterwegs?  Mir hat die letzte Strafverhandlung gut gefallen. Es war mal kein Drogendelikt, sondern er hatte seinen Nachbarn vertrimmt, der zuvor seine Freundin geschlagen hatte, die dann bei meinem Schutz gesucht hat. „Der Typ schlägt Frauen, der soll nicht heulen, der soll selber leiden“, war sein Fazit. Guter Junge, dachte ich mir damals. Die Frau war dann wieder zu dem Schläger zurück gegangen. Auch eine fiese Erfahrung für ihren Helfer, aber leider typisch nach meinen Erfahrungen.

In der Sache, in der ich Verfahrenspflegerin bin und der Wohnungskündigung nach 39 Jahren nicht zugestimmt hatte, beschwert sich der Betreuer beim Gericht über mich. „Frau A., war aus meiner Sicht in ihrer lauten, dominanten, autoritären, selbstherrlichen und unsensiblen Art dermaßen voreingenommen, voreilig kritisierend und anklagend, unangebracht belehrend und unfähig zu einer konstruktiven Kommunikation, daß ich hiermit Beschwerde gegen diese Verfahrenspflegerin einlege“. Lesen wie anderen einen sehen ist doch immer wieder herrlich. Ja, so bin ich. Was ich inhaltlich falsch gemacht haben soll, konnte ich dem Text von lauter beschreibenden Charaktereigenschaften leider nicht entnehmen. Er tauscht das Schloss aus von seiner Betreuten als sie im Krankenhaus ist und kassiert das Sparbuch und versucht sie – aus meiner Sicht – ohne hinreichenden Grund wohnungslos zu machen gegen ihren Willen. Ja, das habe ich kritisiert und auch wie er seine Rolle als Betreuer wahrnimmt, weil hier der Willen des Betreuten gilt und dann erst mal kilometerlang nichts. Jetzt mag er mich wohl nicht mehr, aber meine Klientin ist wieder in ihrer Wohnung und hat einen Pflegedienst und ich habe regelmäßigen Kontakt zu ihr und dem Helfersystem, also ich bin da ganz gelassen, dass ich doch ihre Interessen wahrnehme und halt nicht die Interessen ihres gerichtlich bestellten Vertreters, der offenbar alle Alkoholiker, die sich ja latent selber gefährden in Heimen unterbringen will und deren Meinung dazu ihn reichlich wenig interessiert.

Wir bekommen Post aus Hamburg von Normann. Eine süße Lockengans von Greenpeace.

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Ich rufe die prollige Verwandtschaft meines Mandanten an, die im Ruhrpott lebt. Es geht um das Testament und meiner ist Alleinerbe. Die Schwägerin will das nicht einsehen und schimpft die ganze Zeit, meiner (der im Übrigen schwerbehindert ist und in einer beschützen Werkstatt arbeitet sowie eine Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht) der hätte seine Lehre zu Ende machen sollen damals, was soll die Scheiße. Sie wollen Halbe/Halbe und nichts anderes. Ihr Mann kann auch anders, dann geht es halt auch zum Anwalt und wenn das ganze Erbe dann für den Rechtsstreit drauf geht das ist ihnen auch scheißegal. Das mit der Mutter und dem Testament, da sei nur Scheiße gelaufen und sie hätten sich immer gekümmert und jetzt wird noch ihre Tochter eingeschult und ihr Mann würde arbeiten und sie würden es nicht einsehen. Eine supersympathische Frau. Ich bin geradezu dankbar als der Mann mich noch mal zurück ruft, mit dem man etwas vernünftiger reden kann, auch wenn sie im Hintergrund die ganze Zeit zetert was mich sehr aggressiv macht. Ich erkläre ihm, dass wir eine Lösung finden wollen und keinen Streit, aber an den letzten Willen seiner Eltern gebunden sind und sein Bruder da vor allem nichts dafür kann. Schwierige Sache.

Abends fahren wir zum Abschluss der Woche zu Biagio. Ich habe total Lust auf die Pasta mit geschmortem und gebratenem Zickleinragu, eine Lasagnette. Der Hammer. Das kann keiner so wie er. Auch die lackierte Wachtelbrust ist sehr gut und die Wirsingsuppe mit einem dicken Parmesanflatschen unten drin. Köstlich. Es gibt eine halbe Portion Pasta mit Meeresfrüchten und Steinpilzen und Stephan isst Wels mit sehr leckerem geschmortem Salat als Gemüse, knackig und Safranrisotto.

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Wir nehmen den großen Nachtischteller für 2 und ich verleihe der einen Stammbedienung (Benny) einen antiken Weintraubenknopf als Somelierzeichen zum Annähen. Auch dem Chef gefällt der Knopf, aber er ist anderweitig schon seinem Mitarbeiter versprochen gewesen. Ein runder Abend. Schade, dass der Laden am anderen Ende von Hannover ist.

DSC00812 DSC00813 DSC00798 Linden oder List

Darm gegen Gehirn

31.08. Ich gehe abends zur Weinprobe zum Wein Weib und mein Kopfschmuck kommt gut an, auch der Ohrschmuck vom VDP. Ich sage, was soll dieser dicke Adler. Die Ösis machen das viel geschickter. Da kann selbst ich als Weinanalphabetin quer durch den Raum die Weine erkennen an dem Verschluss oben mit rot-weiß und Wiedererkennung, darum geht es doch. Dieses Mal halte ich mich auch zurück mit Essen und vor allem trinken. Ich lerne neuen Winzerjargon. Beigewächs für Unkraut. Das ist z.B. Rucola oder wilde Erdbeeren. Dann: Wer „die Primäraromen“ mag, sollte den Wein schnell trinken bzw. nicht lagern. Halbtrocken gibt es nicht mehr, sondern das heißt jetzt „feinherb“. Feinherb ist doch Schokolade denke ich und sage es auch. Kommt mir vor wie Schwachsinn, diese neuen Begrifflichkeiten.

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Wir brechen dann auf zur Bauwerkstattparty und Stephan holt vorher ein paar CDs von zuhause. 23 Uhr. Es ist reichlich voll dort und ich tanze erst mal eine Runde. Im Hof ist es noch voller als innen und als Jan mich fragt, bist Du jetzt wieder gesund sage ich ja, ja, merke aber in dem Moment, dass es mir echt schlecht geht. Genau in dem Moment quasi wie bei Tannhäuser oder welche Wagner-Oper war das mit der Erlösungsfrage: wie geht es Dir? 1 Uhr ich sitze zuhause auf dem Sofa und mir ist ganz schlecht und ich habe ein übles Völlegefühl. Ich denk dann: schlafen. Schlafe ein paar Stunden und werde wach mit flüssigem Stuhlgang, der in die Kloschüssel schießt, quasi hinten wie vorne. Ja, das wollte keine lesen. Leiden ist angesagt. Schlafe den Sonntag über, nur nachmittags durch heftiges Erbrechen unterbrochen (offensichtlich nur Magensäure nach so vielen Stunden). Abends schlafe ich weiter und die Nacht durch. Trinke nur wenig, ekele mich vor allem was ich schlucken muss nur schlafen und schwitzen geht. Darm hat genauso viele Nervenzellen wie das Gehirn, sagt mein Paps.

02.09. Morgens wache ich kraftlos auf und lege mich ins Gästezimmer, wo ich mit kurzen Unterbrechungen bis 16:30 Uhr schlafe. Wenig trinken, wenig pinkeln. Mein Gott geht es mir übel. Fieber, Gliederschmerzen. Zum Glück haben die Auswürfe aufgehört, aber appetit- und kraftlos. 2 Emails und ein Telefonat mit der Psychiatrie in Sachen PM ist alles was ich schaffe. Er hält sich nicht an Absprachen, kommt vom Ausgang nicht zurück, lag nackt mit einer Frau im Zimmer und soll jetzt vorzeitig entlassen werden. Irgendwie verkehrte Welt. Entlassung wegen guter Führung sieht sonst anders aus. Ich denke, der ist denen lästig und sie wollen ihn los werden. Ich interveniere so gut ich kann. Dann kommt Krankenbesuch. Ein Freund aus Hannover und einer aus Fürth trauen sich in mein Ebola-Zimmer, wie ich es nenne. Es gibt Eingekochtes aus dem Garten. Bei der Vorstellung wird mir schlecht, aber das ändert sich ja bestimmt noch. Dazu ein Badeelixier aus dem Garten, selbstgebraut und entzündungshemmend. Abends wieder früh zu Bett. Ich sage zu Stephan, das Bett ist nass und er sagt, ja, aber nass ist ja relativ heutzutage.

03.09. Ich schlafe bis morgens um 6, bleibe dann noch bis 7 liegen. Ich sitze auf dem Sofa und trinke schwarzen Tee. An Kaffee ist nicht zu denken. Der kalte Schweiß beunruhigt mich. Heute muss ich ran. MHH-Termin mit Herrn W. Das wird nicht an mir scheitern. Um 8 Uhr bin ich im Büro. Habe alles so weit abgearbeitet, z.B. Termin für Mittwoch abgesagt, die allesamt nicht dringlich sind, so dass ich um 11:47 Uhr mit der Bahn fahre und um zwanzig nach 12 mich an der bekannten Info-Box der HNO-Abteilung melde. Ohne Patienten geht nicht. Ich sage, weil wir doch einen Folgetermin im Haus haben, wollte ich helfen den Zeitplan einzuhalten. Der asiatische Pfleger vom letzten Mal bringt Essen to go für alle. Um 13 Uhr werde ich nervös. Leider habe ich mein Handy im Büro liegen lassen. Bitte meine eine Freundin im Heim anzurufen. Dort geht ein AB an. Wo gibt es denn so was, sagt sie. Sie sollen sich überlegen, ob sie mit mir Vorlieb nehmen und ich mich verpflichte die Überweisung und Versichertenkarte nachzureichen. Während sie das klärt, kommt Herr W. mit 2 Pflegern. Der eine, ein älterer Cooler sorgt dafür, dass er gleich in den kleinen OP-Raum durchgeschoben wird, statt wie letztes Mal stundenlang im Flur zu warten mit seinem Orsa. Das rettet uns an diesem Tag. Der Typ ist Held. Schreib die Telefonnummer auf für den Rücktransport und die Wagennummer, weil dort die Originalverordnung sei (echte Profis). Wir warten. Ich lese die Schilder. Tür immer geschlossen halten auf der geöffneten Schiebetür des anderen OP-Raums, innen kommen Geräusche aus dem Raum als würde jemand kräftig in einer Werkzeugkiste wühlen. Bitte abholen in den 3. Stock, danke Silke. So tolle handgeschriebene Schilder in Mädchenhandschrift kann ich ohne mein Handy nicht fotografieren. Dann liegt der Geschäftsmann auf der Liege, im Anzug, die schwarzen Lederschuhe kann ich sehen. Er hat Nasenbluten, was nicht aufhören will. Er wird gefragt nach Bluthochdruck und blutverdünnenden Mittel und verneint beides, dabei ist sein Blutdruck mit 180 zu 100 und damit „nicht schön“, wie er zu hören bekommt. Er bekommt erst mal etwas Eis zum Kühlen. Da sei wohl ein Gefäß in der Nase geplatzt. Bei uns ist es schließlich derselbe Arzt mit dem schleimigen Lächeln und den weißen Mokassins wie letztes Mal. Erst kommt sein Hiwi und geht mit einem langen, dünnen Gerät in sein linkes Nasenloch, auch ohne den Patienten vorher anzusprechen als sei er ein Tier bzw. mit denen wird gewöhnlich viel mehr geredet. Herr W kneift die Augen zusammen, dann wird das Einauge noch vorne in die Metallöffnung des Tracheostoma reingehalten und dann zeigt mir der andere Arzt Daumen nach oben. Was heißt das? Krebs hat nicht gestreut, jetzt soll mal die Strahlenambulanz sagen, was getan wird. Medikamentöse Therapie oder so. Ich sage, dass ich schon mal vor gehe um den Termin pünktlich einzuhalten und wir besprechen noch, wo das ist. Es wird ein Transport bestellt. Ich habe schon Angst, dass sie es nicht gebacken bekommen ihn innerhalb des Hauses von A nach B zu bewegen und warte über ½ Stunde auf ihn und werde das zweite Mal an diesem Tag nervös. Hier wieder viel Wind um den Orsa. Falscher Raum, Kollege Bockmist gebaut. Viel Geschimpfe der Mitarbeiter untereinander. Einmal lässt man ihn einfach so im Wartezimmer und jetzt große Panik, so dass ich schon sage, wenn das Ebola so schlimm ist, wie will man den alten Rollstuhl, aus dem das Futter rausquillt eigentlich wieder desinfizieren? Dieses Mal nette Ärztin. Meiner ist noch beeindruckt von dem Schlauch. Ja, das hat er sich gemerkt. Hier rein und bis unten. War ein bisschen steif. Ich berichte ihr von dem Daumen nach oben was wir geerntet haben. Sie will wissen, was das heißt. Das kann ich ihr auch nur bedingt sagen. Dass der Tumor nicht gestreut ist. Sie kommt auf die Idee mal seinem Schmerz nachzugehen. Steinharte Lymphknoten. Hätte ich auch sagen können, nachdem sie nekrotische Lymphknoten im CT festgestellt haben, den Befund hatte ich dabei und er eine deutliche Schwellung links am Hals hat und ich aus eigener Anschauung weiß, wie die Dinger weh tun können, wenn sie dick sind und so dick waren meine bestimmt noch nie. Ich sage was davon, dass es ja rauswuchern würde aus dem Halszugang und sie kommt auf die glorreiche Idee, dass Verbandtuch zu heben und da drunter ist ein schönes Gewächs, Blumenkohl aus Gewebe. Haben das die Kollegen gesehen? Ich sage, nö. Nur mit Schlauch in Hals durch die Nase und dann in die offizielle Öffnung am Hals. Dann soll Foto gemacht werden und ich werde als Kameraassistentin benötigt und darf das Verbandmaterial weg halten fürs Bild. Ja, ich desinfiziere mich danach 2 x. Ich bin kaputt und schaffe es nicht mehr mein Rad aus dem Büro zu holen. Das muss Stephan mache und eine Suppe wünsche ich mir. Ich bekomme einen Haufen Nudeln. Ich mag keine Udon-Suppen. Wusste mein Mann nicht, geht zu selten mit mir essen (haha). Egal. Ein paar Löffel essen, mehr geht eh nicht. Er isst die dicken Regenwürmer raus, damit ich etwas Brühe kriege. Ich wollte Flüssigkeit und nicht diese Pampe. Ich hatte den ganzen Tag mit Schwindel und Kreislauf zu kämpfen. Es muss besser werden. Sonst bald Doppelbestattung mit Herrn W. Späten Nachmittag ruft mich noch der Lebensgefährte meiner Frau PM an, erst grüßen wir freundlich, dann soll ich was an seiner Waschmaschine gemacht und an sein Konto gegangen sein, was jetzt mit 30,- € überzogen sei. Das wird er melden. Bevor ich reagieren kann, wird der Hörer aufgedonnert. Ich schlafe bevor Stephan vom Sport wieder kommt.

04.09. Es muss mehr unternommen werden. Erinnere mich an Perenterol und esse davon was. Vielleicht hängen die Infekte zusammen oder ich gebe einfach zu viel Gas. Krank, essen gehen, Urlaub, krank, essen gehen, Urlaub, krank. So kommt es mir vor und so ist es vermutlich auch. War die Sommergrippe noch nicht überstanden? Mein Geruchsinn war ja so schlecht. Gestern in der Bahn musste ich mich fast wegsetzen, weil ich so deutlich alles Mögliche, Parfüm und einen Geruch nach Orangenbrausetabletten gerochen habe. Die TCM-Leute sagen ja, Durchfall = Entgiftung. Keine Ahnung. Vielleicht war das andere doch nicht richtig auskuriert und ich musste mich von irgendwas frei machen oder was kommt als Nächstes und wann hört das Ganze auf? Der Sommer der Reisen und Krankheiten. So wird er eingehen in meiner Geschichte.

Heute alle Termine abgesagt, erledige Arbeiten, viele Briefe und Telefonate. Telefoniere mit der Frau, die ins geschlossene Wohnheim soll, weil sie sich zu Tode hungert und sonst alle 6 Wochen mit der Feuerwehr aus der Wohnung geholt werden muss, die bombardiert mich mit Anrufen. Das Heim, welches laut Gutachter geeignet war, hat abgesagt, dann doch wieder Wohnung. Gehe nächsten Montag dort hin, auch in meiner Sache A., der entgiftet da gerade und war suizidal. Ich hoffe endlich auf die Atteste, die wir für den Asylfolgeantrag brauchen. Ich rufe sofort an wegen Hilfeplanung. Ich kann meine Strategie ändern. Schnell handeln ist angesagt und keine Zeit verlieren auf Kosten der Klienten. Ich beschließe nur Reis zu essen und mittags macht mir Stephan welchen. Computerupdate und ich bleibe gleich zuhause. Das muss ja wieder werden mit mir. Arbeite etwas von zuhause. Telefoniere mit dem Strafverteidiger mit dem ich gerade zwei gemeinsame Fälle habe. Einmal Maßregelvollzug. Termin in knapp über 2 Wochen. 10 Jahre drin. Er hat sich schon aufgegeben. Ich habe allerdings auch Angst, dass er wieder Mist baut und dann war’s das. Da steht eine Begutachtung der Gefährlichkeit an. Der Typ ist einfach durch und hat ganz unrealistische Vorstellungen und ist nicht lenkbar, aber originell ist er schon oder war er zumindest früher. Der Hungertod wäre schlimm für mich. Wie ich schon leide, wenn ich einen Tag nur Reis essen soll mit etwas Butter, Salz und Sumak. Nachmittags esse ich etwas Wurst zum Reis, aber die gute aus Oberfranken dazu. Stephan schimpft. Ich muss mich so beherrschen keine Süßigkeiten aus der Schweiz, Karamell zu essen, kein Käsegebäck von Niederegger (liegt in der Küche, hatte ich gestern etwas genascht) und ich tue mir dabei soooo leid. Yogalehrein hat mir Kokoswasser empfohlen wegen der Elektrolyte. Hat Stephan brav besorgt. Das schmeckt schlimm. Ich muss Kokoswasser trinken und Reis essen. Wääähhh. Ihr könnt euch vorstellen, was ich für ne Heulsuse bin, wenn’s echt ernst wird. Allen Sport abgesagt, die ganze Woche. Würde gerne, geht aber nicht. Draußen ist Sommer, mache die Türen und Fenster zu. Morgen muss ich wieder richtig ran. Die ganzen Anstrengenden kommen und holen Geld, mehr als sonst, von allem Frau Taylor. Ich werde weitere Fristverlängerungen beantragen müssen. Ich habe dem Kollegen geschrieben, dass es mir Leid tut, dass ich ausfalle und ich nicht absichtlich faul bin. Er schreibt sehr süß zurück, dass keiner auf die Idee käme dieses Attribut in Bezug auf meine Person zu verwenden. 21 Uhr werde ich immer müde. Der Hamburgausflug am Wochenende ist stark gefährdet und dabei so ein Herzenswunsch von Stephan. Santiago Sierra Vernissage. Freunde besuchen, die mir dem Gutschein für Jerwitz geschenkt haben und gleich in der Nähe wohnen. Yuhu, neue Stifte, Berlin Basteltasche mit Inhalt am Zaun hängen lassen hat Spuren hinterlassen und die Sachen werden immer noch schmerzlich vermisst. Ich wollte Yoga machen. Zuhause bleiben und ihn alleine fahren lassen macht mich auch nicht glücklich. Ich will jetzt nicht mehr über meine Krankheit und Verdauung schreiben. Ihr werdet an den Bildern merken, ob Hamburg geklappt hat. So. Punkt.

05.09. Mir geht es wieder besser. Mehr Kraft. Die Konsistenz und Farbe des Stuhlgangs lasse ich an dieser Stelle mal weg. Ich finde neue Mottenschäden. Ich denke an das was der Biologe und Schädlingsbekämpfer mir geraten hat. Die Sachen ausschütteln, weil die Eier nicht haften und dann leicht rausfallen und in die Sonne hängen, weil die Larven das nicht vertragen. Warum haben die Dinger nur aus den Faltenröcken und auch hier nur vorne mittig über dem Schritt riesige Löcher ausgeschnitten. Ist das ein modischer Hinweis an mich?

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Ich lese Spiegel online: Juhu: Deutsche Städte verkommen. Endlich mehr Detroit-Feeling. Ich mag ja Schrottplätze und Abgerocktes. Der Arbeitstag läuft ohne besondere Vorkommnisse. Nachmittags holen etliche Schützlinge Geld von mir, mehr als sonst. Auch Elisabeth Taylor kommt. Die Mutter hat Morgen Geburtstag und sie darf nicht kommen, weil sie sich mit der Freundin der Bruders nicht verträgt. Mutter will ihr was kaufen. Sie hat einen Haufen Werbeprospekte dabei. Es gibt wieder diese Katzenpullis oder ein Longshirt. Sie liebt ja diese Longshirts. Dann will sie ihr noch eine Jacke kaufen. Sie hätte gerne eine Fleece-Jacke von Frankonia, die haben auch schöne Taschenmesser. Ich habe Phantasien, wie ich sie bei Shopping-Queen anmelde und stelle mir vor, wie sie in ihrem Bunker die weiblichen Gäste bewirtet und anschließend mit 500,- € durch Hannover zieht und dann ihre Konkurrentinnen beleidigt.

Ich schreibe Rechnungen, mahne ab in einer neuen, alten Sache, der fast gewonnen Mietrechtsstreit, die Mieterin kürzt immer noch fleißig weiter die Miete und ist uneinsichtig, obwohl das Landgericht ihr das doch auch noch mal seitenweise erklärt hat und das muss per Einschreiben. Bringe selbiges zur Post. Um 17 Uhr ist Feierabend. Bloß nicht übertreiben. Immer noch kein Sport. Dafür packe ich. Ich nehme es ernst mit Santiago Sierra und Stephan hat einen neuen Banh-Mi Laden in Hamburg entdeckt. Da habe ich richtig Bock drauf. Nur 4 Sandwichs auf der Karte. Das macht einen richtig guten Eindruck. Die Vernissage ist in Harburg und ein alter Freund von uns macht was in Hamburg. Ich habe leichte Shopping-Pläne: Teeladen, Andronaco, Jerwitz, Schuhe gucken. Gerne auch eine Runde Mahjong spielen. Mal schauen, wie lange die Batterie hält. Heute hält die Batterie bis nach 23 Uhr. Eine Folge Cesar Milan rundet mal wieder den Tag ab.

06.09. So ein Darminfekt hilft bei der Figur…. Ich bin bester Dinge und die Darmfloraaufbaupillen sind unterwegs. Auch eine Stuhltransplantation ist ja heutzutage schon möglich. Leider muss ich meiner Cousine absagen, die mich zu ihrem fünfzigsten Geburtstag nach Bühl eingeladen hat, weil wir schon anderweitig im Schwarzwald unterwegs sind an dem Wochenende. Das ist auch Jammern auf hohem Niveau. Es tut mir aber trotzdem leid, dass nicht beides geht und ich eine Feier auslassen muss. Das ist doch wieder die richtige Einstellung!

Da wir ab 13 Uhr ein Softwareupdate haben und man eh nicht mehr arbeiten kann, kommt mir das zu Pass. 2 Beratungshilfesachen abrechnen (Kleinvieh macht auch Mist) und etwas arbeiten. Wurstbrote im Büro verteilen sowie den Ginko-Tee, den Stephan für mich eingekauft hat (ich trinke jeden Kräutertee war die Ansage gewesen) und den ich leider nicht herunter bekomme. Wacher Geist hin oder her, das Zeug schmeckt grauenhaft. Der Kollege kommt später und hat einen Katalog von Frankonia dabei mit den neuen Kanzleioutfits. Ich sage, er könne sich mit meiner Betreuten Frau XY zusammen tun beim Modegeschmack. Ich freue mich irrsinnig über den frühen Feierabend und bin ganz happy und bester Laune. Immer noch. Das geht gar nicht mehr weg. Erkläre der Mitarbeiterin meiner Kollegin meine Vorliebe für den neu entdeckten Stadtteil Ottensen. Da ist die Hamburger Kaufkraft noch ungebrochen. Da kann man mit allem einen Laden aufmachen. Treibholz und Feinkost. Einfach ein bisschen ausgewaschene Holzbretter hin dekorieren und 2 Salami in die Auslage und fertig ist die Laube.

Beim Verlassen der Wohnung stellen Stephan und ich beide fest, wie toll unsere Bananenpflanze ist und was sie uns für Freude macht. Anlässlich der WEG-Versammlung habe ich sie von oben bewundern dürfen und da sieht die noch besser aus. Sie ist wie unser Kind.

Aber auch unsere Rankpflanze im Garten kann einiges. Fahrrad ein Wochenende am Zaun stehen lassen = eingewachsen. Hier etwas Müll, den sie sich auch zu Eigen macht bzw. mit einbaut in ihr Werk:

Trichter

Beim Fahrkartenautomat an der Haustür ein toller handgeschriebener Aufruf:

Handy Finderlohn

Beim Einsteigen in den Zug drängelt sich ein Hamburger Jungspießer, Typ Burschenschaftler mit breitem Grinsen und vielen Zähnen vor und ergattert 2 Sitzplätze neben einander. Sie sind auch zu zweit, er und sein Kommilitone, auch gebräunt Lacoste Polo-Hemd mit Lederhose. Was soll’s, so ist es halt, mit derlei Klientel muss man rechnen wenn man Richtung Hamburg fährt. Die beiden haben alles dabei, Anzugtasche und Freizeitequipment. Die Studentenpartys der letzten Tage waren anstrengend und so schlummern dann beide nach einer kleinen Dose Bier. Ich sitze „getrennt“ von Stephan, er neben einem Rentner, der viel schläft, aber den Gangplatz wählt und so geweckt werden muss, ich neben einem Betriebsratsmitglied der Messe-Hamburg, der Protokolle und Betriebslohntabellen studieren muss und sich handschriftliche Anmerkungen macht, „Regelung hat große Nachteile“….

Sonst sitzen Badener Touristen in der Nähe. Die letzte Stunde der Fahrt sei anstrengend. Sie ist junge Studentin, die Mitreisenden sau alt, also mein Alter wahrscheinlich. Als ich dann höre, erst ins Hotel einchecken und dann vorher noch was essen, überlege ich, wo die heute Abend hingehen, Rocco, König des Tarzan oder so was. Irgendjemand aus der Familie vermute ich wohnt da, denn „sie hat gegen 17 Uhr Feierabend“ und ob sie den Laptop noch braucht oder sie den wieder mitnehmen wird spekuliert. Dann geht es um sonstige Kofferkapazitäten und Niederegger Marzipan. Das ist teuer, aber gut, stellt Mutti fest. Ich muss sagen, das ohne Schokolade, was aussieht wie Nacktmulche ist langweilig und hat viel zu viel Verpackungsmaterial, nämlich einen ganzen Berg für 8 Nacktmulche. Nächstes Mal nehme ich das Geflammte oder keines mehr.

Thomas hat um 15 Uhr Feierabend und will auch zu Andronaco. Alle Zeichen stehen auf ein tolles Wochenende. Einziges Risiko, zu hohe Erwartungen, zu viel Vorfreude. Claudias erste Woche Urlaub ist auch bald um. Ich denke an sie.

Die Pflaumenernte als Sturzgeburt

26.09. Ich habe herrlich in der neuen Wohnung unserer Freundin Claudia geschlafen. Die Matratze ist fest und es ist superruhig, selbst bei gekipptem Fenster. Erfrischt werde ich wach und es gibt gleich einen großen Humpen Sojamilchkaffee.

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Die Taxifahrerin kommt ewig nicht. Nervosität- War ein Müllwagen vor ihr. Man hört ganz nah das Horn (?) eines Schiffes. Hafen muss ganz in der Nähe sein als würde das Schiff in einer Querstraße gerade vorbei fahren.

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Sie empfiehlt My Taxi als App, obwohl es problematisch sei mit Vor- und Zuname im Internet zu stehen und da könnte auch jeder alles reinschreiben z.B. die Fahrerin hatte dreckige Fingernägel. Grds. ist sie der Auffassung, die Technik versaut die Menschheit, die Menschlichkeit gehe flöten. Durch die moderne Technik wegen die Menschen in den Niedriglohnsektor getrieben. Dann wird der Altbundeskanzler Schmidt zitiert, der gesagt haben soll, dass jeder schon mal eine Tafel Schokolade im Supermarkt geklaut habe, aber diese Hegdebonds….sie verstehe nichts davon.

Ich liebe den Himmel zwischen Hamburg und Hannover und Stephan sagt, ich stehe auf schlechte Fotos aus dem Zug heraus machen.

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Die Ankunft erfolgt so, dass ich mit leichter, aber unmerklicher Verspätung im Büro ankomme. Mittags kurz nach Hause. Der Maissalat von Migros ist leider nicht mehr genießbar. Ich habe von Claudia ein Stück Pflaumenstreuselkuchen mitgenommen und gegessen, ohne jetzt schon zu ahnen, dass dies die nächsten 2 Wochen mein Hauptnahrungsmittel sein würde.

Nachmittags kommt eine Wohnbetreuerin mit einer Mandantin, die Probleme mit dem Amt hat wegen eines Umzuges. Sie hatte sich wegen zu teurer Wohnkosten zum Auszug drängen lassen und war in eine Wohnung gezogen in der sie sich nicht wohl fühlt. Hat vorher mit dem Sohn zusammen gewohnt. Jetzt nach einem Jahr wieder Umzug, lauter fachärztliche Atteste. Der Sachbearbeiter spricht wie Tamme Hanken und ich sage, wäre sie gleich zu mir gekommen, hätten wir uns wegen der ersten Wohnung auf die Hinterbeine gestellt und dann wäre uns wechselseitig viel Kosten und Mühen erspart geblieben, vor allem der Mandantin. Ich glaube, dass das Amt formal einen Fehler gemacht hat und keine Chancen hat. Der Umzug an sich wurde genehmigt, die Folgekosten sollen abgeblockt werden. Wer A sagt, muss auch B sagen….

Ich erhalte die Stellungnahme einer Bezirksrevisorin des Landgerichts Hannover im Fall einer verstorbenen Lehrerin/Betreuten von mir. Die Geschwister haben nach und nach das Erbe ausgeschlagen. Der Fall war aufwendig, die Betreute hatte Krebs und war beihilfeberechtigt – viel Papierkram. Sie war Selbstzahlerin. Beim Tod habe ich noch knapp 1.400,- € zu bekommen (unverzinst) und auf den Konten waren ca. 8.000,- €, aber Mieten gingen noch runter ca. 9 Monate lang. Die Oberfinanzdirektion wird Erbe und statt zu zahlen auf meine Titel, erzählt mir der Typ was von Aufgebotsverfahren falls das Geld nicht ausreicht und Ansprüche des Vermieters. Ich sage, der hat doch monatelang weiter kassiert und ich bin vom Staat bestellt und habe hart gearbeitet. Jetzt die neue Post, ich soll das irgendwo anmelden meine Forderung sonst verwirkt für den Fall, dass es am Ende nicht reicht (hatte hilfsweise Mittellosigkeit und Zahlung aus der Staatskasse beantragt). Habe ich doch schon gemacht, überall angemeldet, noch lauter schreien? Werde unsicher und telefoniere herum. Weder die Bezirksrevisorin noch die Nachlassrechtspflegerin haben so einen Fall je gehabt oder davon gehört (!), bei dem der Stadt das macht – Aufgebotsverfahren. Ende des Liedes ist, außer mir hat nur eine Arztpraxis eine Forderung angemeldet. Ich sage, warum Arztforderung, die hatte doch prima Krankenversicherung und Beihilfe. Hätte man doch nur dort einreichen müssen als Erbe bzw. Rechtsnachfolger. Die waren auch immer großzügig mit Verspätung, war immer alles kei Problem. Was macht dieser Typ von der Oberfinanzdirektion? Ja, das versteht das Nachlasspflegerin auch nicht und will mal schriftlich bei ihm nachfragen. Ich kenne die Arztpraxis und suche den kurzen Dienstweg. Es sind laut Nachlassgericht 2.500,- € im Topf. Die Arztpraxis hat eine Forderung i.H.v. 571,- €. Am Ende des Tages gibt es hoffentlich für alle ein Happy End.

Die von Stephan frei Haus gelieferte Gerichtspost lässt mich einen Freudenschrei ausbringen. Ein ätzender Rechtsstreit mit Beweisaufnahme (Mietsache) war zu unseren Gunsten beim Amtsgericht ausgegangen und die uneinsichtige Mieterin legte Berufung ein. Mit der Berufungsbegründung bekomme ich einen 5-seitigen Beschluss des Landgerichts. Die Kammer beabsichtigt die Berufung als offensichtlich unbegründet zurück zu weisen. Sehr ausführlich wird der Sachverhalt gewürdigt. Aus dem ganzen Schriftverkehr ginge hervor, dass keine verbindliche Vereinbarung getroffen worden sei. Außerdem wird das Ansinnen der Mieterin ohne Kostenbeteiligung einen Anspruch auf Bau eines zweiten Balkons gegen den Vermieter zu haben als lebensfremd bezeichnet. Das ist eine Genugtuung für mich, aber vor allem für die Vermieter es so deutlich bestätigt zu bekommen. Manchmal sind halt auch Mieter total frech und glauben, sie hätten sonst was für Ansprüche. Bei solchen ist es schlecht nett zu sein, weil sie sofort einen Rechtsanspruch für sich aus allem her leiten. Bestellen sich Nostalgiehaustürklingeln aus England mit anderen Anschlüssen und wenn der Vermieter aus Kulanz sagt, das könne sich ein befremdeten Elektriker vielleicht mal anschauen, schon einen Rechtsanspruch auf Installation meinen zu haben und sonst Mietminderung schreien.

Abends erfahre ich, dass wir Morgen WEG-Versammlung haben

27.09. Morgens werde ich wach und denke, scheiße der Pflaumenbaum ist leer. Haben wir die Ernte wieder verpasst. Im Treppenhaus stehen Körbe mit Pflaumen. Zum Amtsgericht, Betreuungsverlängerung, die nur 3 Minuten dauert, danach einen kurzes Frühstückspause bei Kreipe, wo ich seit Jahrzehnten nicht mehr war. Bilde mir ein, dass ein Pärchen aus unserer Jugendzeit vor der Tür sitzt, es waren damals Freunde von Freunden. Der Typ schaut auch so wie: kennen wir uns nicht von früher. Er sieht aber ca. 10 Jahre zu jung aus. Dann Hamburger Allee in einer Mandatssache, die aber eigentlich eine Betreuung sein könnte. Die Mandantin hat immer wieder Mietschulden, weil das System des Sozialamtes, Mieten doch nicht direkt zahlt und dann Stadtwerke wieder nicht, weil es aus dem System wieder rausfliegt. Die Mandantin kommt nicht und ich sage der Sachbearbeiterin, dass ich bei dem Chaos der Meinung bin, dass sie selber schuld sind, wenn Schulden i.H.v. über 4.000,- € entstehen, das sei unverantwortlich bei so einem minderbemittelten Frau. Sie hat einen Flyer ausliegen mit für mich neuen Stöbertreff im Rehhagen und das nennen sie Social Department Store. Dieses fragwürdige Direktübersetzen erinnert mich an das Plakat mit Oliver Kahn an dem ich immer vom Sport zurück vorbei fahre. Er versucht eine Emotion auszudrücken, das seht aber so falsch aus wie dritte Zähne und ist heißt in einem vermeintlichen Siegel: „Your bet in safe hands“. Das ist wohl Pigeonenglish denke ich, wie eine Freundin von früher immer sagte: this is where the rabbit runs oder die Karte von Heike aus Berlin I am so simply knitted…

Um 16 Uhr kommt eine Frau ins Zimmer und ich frage, wer sie ist und zu wem sie wolle. Sie nennt ihren Namen und will zu mir. Wir hätten miteinander telefoniert. Ich bestreite alles und will sie wegbeißen, weil ich gleich zur Versammlung muss bis sie anfängt den Sachverhalt zu schildern und ich gestehen muss, stimmt alles, wir haben telefoniert, ich habe den Termin mit mir ausgemacht und ich bin auch ich. Es geht um einen alten Mann, der ein gemeinschaftliches Testament widerrufen wollte, was nicht mehr geht, weil zwischen den Entwurf und dem Vollzug (genau 2 Monate) die Ehefrau gestorben ist. Leibliche Kinder werden enterbt und jeweils eine Pflegeperson soll Erbe werden, jetzt aber nicht bei A, sondern meine Mandantin B. Auch für den betagten Mann ist eine Betreuung angeregt. Alles schwierig, handelt es sich um Erbschleicherei? Sie Frau geht 6 mal die Woche hin, hat aber auch geldliche Interessen und wird bezahlt für die Betreuung.  Ich hetze zur Versammlung, deren Mitglieder, unsere Miteigentümer schon vollständig anwesend sind außer Stephan und die neue Verwalterin. Es sind zwei Damen, die meinem Mann beim Chutneyeinkochen in der Küche zusehen. Die Wohnung sieht explodiert aus und die Koffer von mehreren Reisen sind nicht ausgepackt. Überall große Haufen Wäsche. Ich treibe sie nach oben. Die Pflaumenmasse kocht unten weiter vor sich hin. Die Versammlung läuft humorvoll ab. Zu Schluss bedanke ich mich, dass sie uns übernehmen. Wir seien wie der Problemhund aus dem Tierheim, der schon 3 mal zurück gegeben wurde. Sie lachen. Ich meine es auch nur als Spaß, weil wir tatsächlich so was von pflegeleicht sind, dass wir uns jahrelang nicht bei der Hausverwaltung melden bis sie uns kündigen, weil wir zu klein seien und damit uninteressant und nicht ihrem Profil entsprechend. Die Pflaumenmasse, die 5 Stunden kochen soll (dann ist aber die Gasflasche leer) wird ausgestellt und Stephan und ich gehen erst mal zum Sport. Ich habe dabei die gedankliche Eingabe es einmal mit einem Pflaumencrumble zu versuchen, den ich nach Rückkehr aus 1 kg mache, weil das auch als Backlegasteniker geht. Schmeckt sogar lecker. Muss ins Bett. Stephan kocht weiter ein bis 1 Uhr nachts. Morgens sind die Gläser gefüllt und stehen auf dem Kopf.

28.09. Wo bekommen wir Weckgläser her? Die Pflaumenernte ist wie eine Sturzgeburt und ich kann doch einfach welche Einmachen und dann gibt es die auf Milchreis und Grießbrei. Morgens kommt ein Dauermandant, der gerade arbeitslos geworden ist. Der lässt hier viel arbeiten von Stromanbieter bis Einbürgerung. Stephan fährt zum Zollamt und kommt mit dem Überraschungspaket wieder. „They swalloded it“ sagt er und ich verstehe zunächst nicht, dann schon. Es sind neue Mützen aus den USA und ich freue mich wahnsinnig. Eine Faschingsmütze ist dabei zum Thema Brain Eating Zombies. Ich muss an den Sohn von Heike denken und das Computerspiel bei dem die Zombies immer „brains, brains, brains“ sagen. Mein Mann hat auch die Gerichtspost dabei und es gibt erneut eine gute Nachricht vom Landgericht. Das langersehnte psychiatrische Gutachten liegt vor und meine Mandantin war geschäftsunfähig (ein klare Moment der Geschäftsfähigkeit kann sicher ausgeschlossen werden) als sie in einer manischen Phase mit einem Morgenmantel bekleidet in der Altstadt für über 8.000,- € Klamotten gekauft hat. Die Tochter hatte der Verkäuferin noch gesagt, dass ihre Mutter krank sei und sie der nichts verkaufen dürfe, aber das Geld lockte dann wohl doch. Zuerst wurde eine Umtausch auch zugesagt und dann nicht mehr. Mein Mitleid geht gegen null und ich freue mich. Ich werde der Mandantin später auf einen Anruf sagen, noch nie hat man so gerne gelesen, wie unzurechnungsfähig man war, stimmt’s. Zeitgleich scheint eine anstrengende Scheidungssache aus dem Jahr 2008 (Horrorakte) zu Ende zu gehen.

Nachmittags kommt u.a. die anstrengende Elisabeth Taylor und heute bin ich sehr schlecht drauf. Die Monatskarten der üstra, die mir geschickt werden sollten, wobei die falsche Adresse angegeben wurde, sind nicht angekommen. Ich rufe bei der üstra an, wo nur bis 16 Uhr gearbeitet wird und um 15:50 Uhr schon keiner mehr zu erreichen ist, dann doch. In der Warteschleife frage ich sie, warum bei ihr immer alles schief geht und es bei allen anderen klappt. Sie will eine Hausratversicherung um ihre Sachen zu schützen. Ich sage nein, Haftpflicht. Sie sagt, sie sei doch kein Kind mehr und die Autos der anderen würden sie nicht interessieren. Die Araber stehen auf so Frauen wie mich, mit meiner Figur und meinem Status. Sie überlegt eine Gruppenreise mit einem Sozialladen nach Paris zu machen oder Juist, weil bei mir sei es auch nicht immer so erholsam (heute muss ich ihr so was von Recht geben) und sie wolle mal irgendwo hin, wo es ein Schwimmbad gibt. Ich sage, dass klappt doch nicht mit Gruppenreise. Zum Schluss kriegen wir noch mal die Kurve.

Abends mache ich Doppelyogastunde mit meiner eigenen Matte, kommt müde nach Hause. Einmachgläser stehen in der Küche. Das Einmachen klappt nicht, ich nehme zu viel Wasser. Kann ja nicht alles klappen. Telefonat mit einer Freundin, deren Ex-Freund die Flüge storniert hatte aufgrund eines Missverständnisses und die neu buchen musste für kommenden Sonntag und weil alles schon anderweitig geplant war für den Urlaub. Auch hier wieder, kann ja nicht alles klappen. Gehe ins Bett.

29.09. Träume verrückt, aber unbefriedigend. Habe mir was eingefangen und soll operiert werden. Davor Schau mit Hunden, z.T. ausgestopft. Es sind zwei kleine Eiterabzesse in meinem Bauch zu sehen. Gruppe von 50 jungen Menschen steht bei der Untersuchung im Kreis drum herum und ich frage den Arzt, was die Schulklasse soll. Man glaubt, dass ich einen Pflegedienst betreiben würde, weil ich sagte, dass ich mit dem zweiten Pflegedienstauto komme. Stephan hat Traum, dass er auf einem Kinderstuhl in der Oper sitzt (geht nach vorne in die erste Reihe und sieht dann erst, dass es Kinderstühle sind) mit einer großen Robe bekleidet. Will gerade Ode an die Freude mitsingen, dann klingelt der Wecker und er denkt, scheiße, den findet er nicht so schnell in seiner aufwendigen, großen Robe. Lustiger der Traum. Sammele morgens selber mal eine Runde Pflaumen. In der Mittagspause Pflaumenmus auf den Weg bringen. Ich kann 3 kg Pflaumen in 15 Minuten waschen, entkernen und klein schneiden. Stephan macht den Rest. Das Ergebnis kann sich echt sehen lassen. Leckerer noch als das Chutney.

Ich rufe meine Schwiegermutter an nachdem ich über meinen Mann eine email erhalte mit der Info, dass Familienmitglieder teilweise im Krankenhaus sind und andere demnächst operiert werden. Ich liebe meine Schwiegermutter, wie sie neben den ernsten Themen den Sinn fürs praktische im Auge behält und natürlich immer an mich denkt und womit sie mir und anderen eine Freude machen kann. Ein guter Freund der Familie ist sehr krank, Lungenfibrose, aber seine Schwägerin, die jetzt schon tot ist, konnte echt gut stricken und da muss ich mir demnächst mal ein paar Strickjacken anschauen. Das Gespräch pendelt zwischen Krankheiten und einem Sack mit Blumenerde, in dem total viele Ameiseneier waren und ähnlichen Amplituden. Ich liebe sie einfach.

Nachmittags Fragebogen für movenyo, weil ich mit durchschnittlich 3 Besuchen pro Woche zu den Sportkanonen zähle. Ratschläge Ernährung mindestens 1 x zu Woche 6-Gänge Menü mit Weinbegleitung und dazwischen viel Butter. Ich meine, Leute, die in meinem Alter eine sportliche Figur aufweisen, legen andere Schwerpunkte im Leben und sind meist spaßfrei, weil das geht dann nur mit viel Disziplin und das macht unlustig. Ich sage Freitag zu meinem Kollegen, nach der abendlichen Weinprobe noch in Mitleidenschaft gezogen, ich fühle mich so was von menschlich – wabbelig, fehleranfällig und auslaufend – in Bezug auf Science Fiction und es stellt sich am Ende der Geschichte heraus, wir sind doch Avatare oder Halbmaschinen. Das kann ich bei mir ausschließen.

Abends Weinprobe Dreissigacker. Wir sehen unterwegs eine Mischung aus Dackel und französischer Bulldogge und sind beide hingerissen und als ich denke, das geht nicht zu toppen begegnen wir einem Exemplar Rottweiler-Dackel mit Stummelschwanz, gedrungen und breit und kurz. Es ist der schönste Hund der vergangenen Jahre, Stephan und ich sind uns einig. „Schöne Südstadt“, „schönes Döhren“:

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Wir biegen in die Wiehbergstraße ab (Baustelle). Die anderen Gäste sehen uns und gehen rein. Ich sage beim Fahrrad abschließen zu Stephan, ob wir heute nette Leute kennen lernen und meine das ironisch. In der Vergangenheit war es immer schlimm vom Publikum her. Der Winzer stellt sich vor, man siezt sich und alles ist steif wie immer. Dann taucht ein junges Pärchen auf und alles verändert sich plötzlich. Sie haben 3 Töchter und wollen noch ein Kind, gehen gerne essen und wir haben viel Spaß miteinander. Es sind genau die hedonistischen Begleiter, die wir gebrauchen können. Der Abend fängt an mit hand shaking und siezen und endet mit Mehrfachumarmungen. Sie lockern alles auf, den Winzer duzen wir auch. Die Bedienung des Ladens trinkt mit und lässt zum Finale einen Stapel schmutzige Teller herunter fallen, überall Splitter und Essensreste. Der Abend war kurzweilig, die Fischgerichte wie gewohnt der Hammer und ich dachte nicht, dass mir so etwas noch mal passieren würde, quasi neue Leute kennen lernen in Hannover. Ich liebe das Gazpacho mit Maki sowie das Lachstartar mit schwarzem Sesam, den Zackenbarsch mit Bärlauchcrumble, Hauptgericht muss auch sein wegen Rotwein….

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Wir radeln um 2:30 Uhr nach Hause und fragen uns am nächsten Morgen, ob wir gezahlt haben. Das kann wohl keiner mehr feststellen.

30.08. Heute kann das Outfit nicht dokumentiert werden, weil der Fotograf zerstört im Bett liegt. Ich hole Unterlagen bei Methadonarzt ab und werde interessiert gemustert. Dann fahre ich in ein Wohnheim. Ich bin von einem Rechtspfleger als Verfahrenspflegerin bestellt worden und soll schauen, ob die Wohnung einer Frau von ihrem Betreuer zu Recht gekündigt wurde. Ich unterhalt mich 1 Stunde mit der Frau und verstehe die Welt nicht mehr. Ihr Mann ist verstorben im Dezember 2011, 2 Tage nachdem der große Fernseher geliefert wurde. Sie war überfordert mit der Post und hat in die Betreuung eingewilligt. Sie war dann im Krankenhaus und der Schlüssel wie immer bei der Nachbarin über ihr. Der Betreuer ist dann mit deren Hilfe in die Wohnung und hat ihr Sparbuch aus ihrer Handtasche genommen und ihre Rentenunterlagen und das Sicherheitsschloss was innen mit Kette an der Tür befestigt war abgeschraubt. So was macht man doch nicht. Ich muss ihr Recht geben. Sie hat den Heimvertrag gekündigt und will sich am 15.09. von der Schwägerin mit dem Auto abholen lassen, ist aber sehr unsicher wegen der rechtlichen Lage. Ich gebe ihr wieder Recht. Ist auch schwierig, zumal das Gericht dem Betreuer mit Beschluss vom 08.08. einen Einwilligungsvorbehalt eingerichtet hat für Vermögenssorge und Wohnungsangelegenheiten, d.h. er entscheidet für sie, entmündigt. Ich sage ihr, dass ich dagegen Beschwerde einlegen werde. Sie lebt schon seit 39 Jahren in ihrer Wohnung und hängt daran und „einen alten Baum verpflanzt man doch nicht.“ Ins Büro zurückgekehrt telefoniere ich mit dem Betreuer, den das Heim schon vorgewarnt hat. Er sagt, klar, ich muss das machen. Ich sage nein, oft genug bin ich auch einverstanden mit Wohnungskündigungen. Hier könne ich es nachvollziehen. Ich frage, was ambulant probiert worden sei. Er sagt, alles und sie sei Alkoholikerin und er habe den Einwilligungsvorbehalt beantragt, als sie das Sparbuch mit 2.000,- € darauf wieder zurück haben wollte. Wenn sie angeblich Geld verschleudert und Schulden macht, passt das nicht mit den Ersparnissen zusammen. Ich sage, auch Alkoholiker habe das Recht in ihrer Wohnung zu bleiben. Er soll sie gefälligst unterstützen und ihr Wille sei Maßstab. Wenn das weit käme, würde ich meinen Vertrag mit Deutschland bald kündigen. Dann rufe ich den Pflegedienst an, der mir Auskunft gibt, dass die Frau sogar Pflegestufe II hat und genau gar nichts ambulant probiert wurde. Ich bin mal wieder entsetzt, wie andere „Kollegen“ ihren Besuch ausüben.

Ich schreibe unseren neu gefundenen Freunden, dem blind date bei der Weinprobe über die Firma des Mannes, die ich im Internet finde. Mein Kollege spottet, dass sei die wechselseitige Anziehung von Jugend und Alter, so wie bei seinen Freunden, die von ihrer neuen Freundin auch sagen, die studiere bald, wenn sie noch Abitur schreibt. So viele Minderwertigkeitskomplexe habe ich nicht, ist meine Antwort. Man wird sehen, ob es nur der Alkoholrausch dieser Nacht war, aber schön war ist in jedem Fall.

Das Sportprogramm ist anstrengend und soll mich vom Restalkohol befreien. Zuhause besucht uns ein befreundeter Künstler, der mir eine Raumschifflampe baut. Ich mache nebenbei doppelten Pflaumencrumble, ein mal mit Haselnüssen, weil mir die Mandeln ausgehen. Ich bin müde und will heute früh ins Bett, damit ich wieder fit bin. Die nächste Weinprobe steht Morgen an. Der Gast hat keinen Kontakt zur leiblichen Tochter und den Enkeln und Stephan sucht erfolgreich bei Gesichtsbuch. Manche Menschen sind sozial echt behindert denke ich, weil er vorschlägt ihr einmal heimlich aufzulauern oder sie heimlich zu beobachten, aber nicht anzusprechen und ich sage, warum er will doch Kontakt, dann halte ich das nicht für so eine gute Idee und sage, vielleicht sei sie auch nicht begeistert, weil er seine Vaterschaft immer abgestritten habe und biete mich für ein Vermittlungsgespräch an. Er hat eine große Tüte Modeschmuck für mich dabei und probiert unsere Pflaumenprodukte und nimmt gottseidank auch welche mit. Ich schaue eine Folge Cesar Milan, the dog whisperer mit Stephan und falle ins Bett.

die kurze Woche mit Gartengemüse

19.08. Überraschungen nach dem Urlaub. Der Perso von Stephan ist nicht in der Post, dafür 7 entwertete Titel der Telekom, auf die ich gewartet habe in einem außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren (insgesamt ca. 12 Gläubiger). Das war cool, dass das geklappt hat und für mich auch ein Novum, zumal eine bestimmte Vergleichssumme zur Verfügung stand und das Gericht die fehlende Zustimmung einer Minderheit der Gläubiger einfach ersetzt hat und dann konnte man sich das ganze jahrelange Insolvenzverfahren sparen und hat die Quote ausgezahlt und die Titel wieder zurück gefordert.

In einer anderen Betreuungssache hatte ich vor der Reise nach einem Widerspruch im Mahnverfahren und angesichts der Terminierung um 9 Uhr morgens beim Amtsgericht Stadthagen angekündigt, die Hauptforderung anzuerkennen. Hier wurde die Klage zurück genommen, so dass ich zum Termin nicht erscheinen muss. Auch gut.

Was manchmal als Beratungshilfesache daher kommt, entwickelt sich dann ganz anders. Mein Mandant kommt in Begleitung eines Sozialarbeiters der Wohnassistenz, der mich als Anwältin empfohlen hat. Seine Eltern sind nacheinander verstorben. Der Vater am 10.07. und die Mutter dann am 20.07. Der Bruder war Betreuer der Eltern und mein Mandant ist Alleinerbe geworden. Die Erbschaft beträgt ca. 60.000,- €. Ich soll ihm behilflich sein. Beratungshilfe können wir vergessen, es wird nach RVG abgerechnet.

Eine junge, intellegente Frau bewirbt sich als Betreute und will mich kennen lernen. Das Gespräch verläuft gut. Ich bin ihr von einem Schützling von mir empfohlen worden.  Ich denke, es waren wechselseitige Sympathien vorhanden.

Mittags gehe ich nach Hause um all die leckeren Schweizer Lebensmittel zu essen. Das ist toll. Wir müssen bestimmt 2 Wochen außer Milch und Brot und frisches Gemüse und Obst nichts einkaufen. Quark, Mandelblättchen, andere Leckereien aus Konditoreien und Bäckereien, 7 Kalbsbratwürste, Speck und Käse und andere Dinge sind im Kühlschrank und ich freue mich ohne Ende darüber.

Abends gehe ich nach Wochen mal wieder zum Sport und turne ausversehen auf einer Kindermatte, was ich aber nicht merke, bis die Studioleiterin mich darauf aufmerksam macht. Danach gibt es Käsenudeln. Der Schweizer Käse zieht feine Fäden, wie ein Spinnennest sieht es im Topf aus. Dazu Tomatensalat. Sehr leckere macaroni and cheese.

20.08. Endlich mal wieder ein toller Traum, den ich den ganzen Tag noch weiß und erst abends niederschreibe. Es handelt sich um eine juristische Prüfung, aber irgendwie sind die Fragestellungen weniger juristisch. Es sind insgesamt 4 Fragestellungen. Man soll aus zwei Buchstaben zwei Abkürzungen bilden. Ich nehme SB für Selbstbedienung und Suchtberatung und die anderen rätseln noch. Es gibt eine Aufsicht, wie bei den juristischen Klausuren und Examina. Dann soll man irgendwie Punkte verbinden und daraus ein Gebäude darstellen. Ich will aus Pelztaschen, die ich aus einem Magazin ausschneide Häuser malen mit dem Kuli und dann aus Alu-Folie Fenster ausschneiden wie Hundertwasser. Dann bin ich in einem Klamottenladen und sage der Inhaberin, dass sie schöne Sachen hat, aber schlecht präsentiert. Sie beauftragt mich mit der Gestaltung des Schaufensters und Ladens und das kann ich dann irgendwie als Prüfungsaufgabe machen. Ich sage viel weniger hinlegen und das dann beleuchten und irgendeinen roten Faden bei der Deko. Vielleicht irgendwas Buntes aus dem Supermarkt. Dann tut es mir leid, dass ich nicht so gut in so etwas bin wie meine Freundin Andrea, die ständig hier das Schaufenster des Hutladens umgestaltet und ich versuche mich daran zu erinnern, wie sie das macht. Dann bin ich wieder an meinem Platz und gebe die Arbeit ab. Ich habe lauter Fanpost bekommen, die ich durchlese von rothaarigen Männern, die mir Fotos schicken und Briefe und meine Sachen bewundern. Dann sehe ich mich selber von hinten. Der leichte Buckel stimmt bei der Figur, aber ich habe einen total großen und breiten Hintern. Erstens ungewöhnlich sich so von hinten zu sehen und dann weiß ich jetzt, auch wenn ich mir mehr Hintern wünsche, es passt nicht zu mir. Ich war mir ganz fremd von Hinten.

Beim Gericht sind mal wieder Einlasskontrollen. Im Trakt der Staatsanwaltschaft steht ein Typ im Flur, der mir von weitem auffällt wegen seines abartigen Hemdes bzw. des Musters. Es ist kurzärmelig und hat braune Flecken als Muster. Das sieht aus als hätte ihn jemand mit Scheiße beworfen. Dazu trägt er eine schlecht sitzende Jeans und ein Schild, was senkrecht an der Knopfleiste seines Hemdes hängt und auf dem steht: „Besucher“. Ein Bild für Götter.

Regionalexpress-Fahrt zu Herrn PM. Er ist auf der dritten Station mittlerweile. Er kam alkoholisiert aus dem Ausgang und ist wieder auf der geschlossenen. Ich warte mit einem sportlichen, grauhaarigen Mann, der auch mit seinem Rad in der Bahn hergefahren ist und den ich auf dem Klinikgelände wieder begegne. Er hat das Haus schneller gefunden und wartet schon vor der Tür zur Station als ich eintreffe. Es ist Gruppenvisite, d.h., dass die Patienten alle im Kreis sitzen und was erzählen, sich gegenseitig, ihre Befindlichkeiten. Ich höre nur meinen reden. Er ist erstaunt mich zu sehen und will mit mir in sein Zimmer. Dort liegen 6 Hüte auf einer Ablage und zwei Gitarren auf dem Bett. Ich frage nach dem erneuten Stationswechsel und er sagt, das sei eine Station für Depressive gewesen und die seien nicht so mit ihm zu Recht gekommen. Ich frage ihn, ob Alkohol im Ausgang was damit zu tun haben könnte. Er dementiert. Die zwei kleinen Biere, die er hatte, die wären längst wieder abgebaut gewesen. Ich gebe ihm seine Post. Teilweise habe ich die Briefe aufgemacht (von der Bank z.B.). Das regt ihn auf, die anderen öffnen wir dann zusammen bzw. ich soll es tun, weil er Werkzeug dafür braucht, aber bei mir der Finger reicht. Ich soll die Post auch beantworten und bearbeiten, sofern es sich nicht um Werbung handelt, was überwiegend der Fall ist. Als es um die Wohnungssuche geht, bei der ich Skepsis äußere, fängt er an rumzuschreien, dass ich ihm diesen Beschluss reingedrückt hätte. Irgendwann kommt jemand vom Personal und fragt, ob alles in Ordnung sei und sagt, dass ich nicht alleine mit ihm im Zimmer bleiben soll, lieber in den öffentlichen Tagesraum. Ich will gehen, weil ich mich nicht anschreien lassen will. Er sagt, dass er mir nichts tut. Ich enttäusche ihn vielleicht indem ich ihm auch sage, dass ich keine Angst vor ihm habe. Er will mir erzählen, wie es wirklich war. Eine Bande, die chemische Drogen herstellt und er hätte ein paar Mal Amphis genommen. Die hätten ihm aber LSD und Cristal Meth untergejubelt und sich amüsiert, wie er abgegangen sei. Deswegen sei er zum Soko und hätte die auffliegen lassen und die seien nun hinter ihm her. Wir kommen überein, dass ich ihn mal beim Wohnungsamt anmelden soll. Er sabbert vor lauter Erzähldrang auf meine Tasche und wischt es ab und entschuldigt sich, sei nur Speichel gewesen. Er sei aufgeregt. Als ich gehe, bestätigt er, dass ich ganz schön in Ordnung sei und entschuldigt sich. „Nichts für ungut, vertragen wir uns wieder, sind Sie mir nicht böse, ne?“ Ich sage, natürlich nicht, alles gut.

Abends gibt es Kalbsbratwurst  als Currywurst mit Paprikagemüse. Was wir alles aus diesen Schweizer Lebensmitteln machen. Das dürfen die Schweizer gar nicht wissen.

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21.09. Anhörung  zur Verlängerung einer Betreuung dauert 2 Minuten. Ich fahre dann zu einem Betreuten, den ich selten sehe und der sehr krank ist. Vorbei an herrlicher Streetart in Kleefeld.

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Er hat einmal studiert und jetzt kann er kaum noch was. Wohnt in der Wohnung der Eltern, die in einem anderen Bundesland sind und nur teilweise zu Besuch da. Er bettelt die Nachbarn und Taxifahrer am Taxistand an. Ich hatte über den Vater einen Brief von einer Nachbarin bekommen, die sich Sorgen macht und helfen will. Ich klingele und er macht nicht auf, kommt dann aber um die Ecke. Wir gehen rein. Er ist total aufgeregt und kann auf keine Frage adäquat antworten. Er sucht seinen Ersatzschlüssel. Überall sind Kippen und leere H-Milch-Packungen. Er will Geld, den ambulanten Wohnbetreuer, der ihm das bringt, vor mir hat er Angst. Kann ich ihm einen Kaffee ausgeben. Ich denke, warum nicht, dann halte ich ihn noch etwas bei der Stange. Wir betreten den Kiosk, der voll ich mit Kunden, die Fachzeitschriften und Tabak kaufen wollen, sowie Lottoschein ausfüllen oder abgeben. Als der Inhaber meinen Betreuten sieht schreit er: raus hier. Sie haben hier nichts zu suchen und ich sage daraufhin. Ich wollte Herrn W. einen Kaffee ausgeben. Das ginge nicht, er dürfe auch nicht Leute anbetteln, sagen die Eltern. Ich sage, ich bin die gesetzliche Betreuerin und sei zu Besuch. Dann sei das wohl ein wenig anders. Ja dann wolle er sich entschuldigen bei mir und bei meinem Betreuten und den Kaffee wie immer mit Milch und Zucker. Meiner rennt sofort wieder los und verschüttet seinen 80 Cent Kaffee. Für mich ist es eindrucksvoll hautnah zu erleben, wie er vertrieben wird wie ein räudiger Straßenköter. Als ich gehen will spricht mich ein Mann an der Ecke an mit Kruzifix an einer Halskette und fragt, ob ich die Betreuerin sei. Das sei schlimm mit ihm, er würde alle anbetteln und die Eltern, die hätten doch Geld und warum sie ihn nicht zu sich nehmen würden. Er sei ja auch psychisch krank, aber nicht so doll, aber er bekomme auch Ergotherapie und demnächst Wohnbetreuung, 2 mal die Woche. Während meiner draußen herumtigert kommt er noch mal rüber und nutzt die Gelegenheit meinen Gesprächspartner nach einer Zigarette zu fragen, die er nach einem Augenaufschlag und einem kurze Protest des Angeschnorrten, ich habe auch nicht viel Kohle und habe Dir gestern schon eine gegeben, auch bekommt. Ich fahre im Anschluss noch zur MHH und besuche eine sehbehinderte, die sehr auf mich fixiert ist. Die ist über den Spontanbesuch ganz aus dem Häuschen. Unsere Frau A. ist da. Wie hübsch sie wieder aussieht. Unsere Betreuerin schwärmt sie allen auf Station vor.

Abends nach dem Sport kommen junge Verwandten meines Mannes, die uns Bücherregale, die einmal handgefertigt wurden und die man als Bilderrahmen nutzen kann abnehmen. Es gibt Suppe aus einer gelben Giftschlangenzucchini. Die sieht aus wie ein großer gebogener Buchstabe oder eine Kobra und passt nicht in das Waschbecken. Ich wollte sie eigentlich fotografieren, war dann aber zu schnell mit dem Schneiden, Kopf ab. Sie kommt aus einem Schrebergarten von Freunden und angeblich hätten wir die Samen gespendet. Ich bin skeptisch, weil es sehr gesund daher kommt, aber mit Schweizer Creme Fraiche verfeinert und Maggi-Kraut lecker und noch mehr Zucchini grün aus dem Garten gebraten mit Knoblauch und Majo aus der Schweiz und frische Brombeeren aus dem Garten in Joghurt gibt es auch. Alles muss weg, weil wir schon wieder eine Kurzreise vor uns haben. Ich mag die jungen Verwandten, die so schön unproblematisch sind und mit allem zufrieden und ich freue mich, dass sie die Maßmöbel mitnehmen.

Noch mehr Gartengemüse, die Peniskarotten:

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22.09. Arbeiten, Akte kopieren bei der Ausländerstelle. Wieder deprimierendes Kapitel in Sachen Ausländerrecht. Lustige Karikatur über dem Kopierer mit: Das ist Akteneinsicht, was meinen Sie warum die sonst da hinten ein Loch drin haben. Beim Kopieren vergeht einem die Lust.

Der Akteninhalt ist langwierig, aber ich will, dass er gelesen wird. Mein Betreuter ist ein supernetter junger Mann, der immer ganz leise sagt, das sind schöne Farben, Frau A. oder die Bluse gefällt mir. Einmal haben wir ihn am Samstag mit der Familie auf der Limmerstraße getroffen. Er hat eine Frau und 3 Kinder und grüßt mich auch immer von seiner Frau. Ich war mit dabei als er seine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen hat und habe ihm noch das Geld dafür geliehen. Die Vorgeschichte sehe ich heute anhand der Ausländerakte der Landeshauptstadt Hannover und finde den Inhalt skandalös:

geb. 12.09.1980

13.11.89 Einreise des Vaters (aus der Türkei)

24.11.89 Asylantrag des Vaters

21.03.90 Einreise der Mutter und den vier Geschwistern

28.03.90 Asylantrag der Restfamilie

09.05.90 Asylantrag abgelehnt

Begründung Anhänger der PKK 2 Strafverfahren, weil er (der Vater wohl) Freiheitskämpfern zur Flucht über Syrien verholfen haben soll, Ausweise gefälscht, Behörden bestochen. Hat sich 1985 gestellt nachdem seine Frau abgeholt worden sei. 14 Tage lang in Cizre festgehalten und anschließend 2 Monate und 20 Tage gefoltert. 4-jährigen Sohn wurde von türkischen Soldaten das Bein gebrochen, der Mutter die Zähne ausgeschlagen, weil ihr Mann auf der Flucht und sie ihn verraten sollte.

Aus dem Vorbringen der Antragsteller ergeben sich unter Berücksichtigung der Lage in der Türkei keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür, daß sie sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung außerhalb ihres Heimatstaates aufhalten oder bei einer Rückkehr mit Verfolgungsmaßnahmen im Sinne der genannten Vorschrift rechnen müssen.“

Aus dem Urteil des Gerichts für schwere Strafen in Midyat geht hervor, dass der Antragsteller vom Vorwurf der Bestechung freigesprochen wurde. (Anm.: na, dann). „Der vom Antragsteller vorgelegte Beleg – Verhörprotokoll vom 08.07.1989 des Friedensgerichts Nusaybin wegen Unterstützung der PKK – ist ebenfalls nicht geeignet eine politisch motivierte Verfolgung des Antragstellers annehmen zu können.“….“Dieser Einschätzung wird durch die während des Strafverfahrens ca. 1985 erlittenen Folterungen nicht beeinträchtigt, die ohne Zweifel eine menschenunwürdige Behandlung darstellen, jedoch im Rahmen eines kriminellen Strafverfahrens standen und mit der im März 1989 erfolgten Ausreise nicht mehr im Zusammenhang gesehen werden können und bei einer Rückkehr erneute Folterungen aus diesem Grund auch nicht zu erwarten sind.“ (!!!!)

Der Vortrag der Antragstellerin zu 2), ihr seien die Zähne ausgeschlagen worden, weil ihr Mann auf der Flucht gewesen sei, ist asylrechtlich irrelevant. Sollte es tatsächlich dazu gekommen sein, ist der Antragsteller davon überzeugt, daß diese ihr widerfahrenen unmenschliche Behandlung im Rahmen der Strafverfolgung ihres Ehemannes 1985 passiert ist und weder politisch motoviert war, noch in einem kausalen Zusammenhang mit der jetzigen Ausreise steht.“ (!!!!)

26.06.90 Abschiebungsandrohung

26.07.90 Klage

21.01.91 Geburt der Schwester

13.01.92 Klage bzgl. des Vaters nach Rücknahme eingestellt

12.03.92 Asylfolgeantrag des Vaters

07.10.93 Verwaltungsgericht Oldenburg stellt fest dass bzgl. der Mutter und des ältesten Bruders die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 AuslG vorliegen, im Übrigen wird Klage abgewiesen.

Anwältin hat 08.09.2000 den Antrag für meinen Betreuten, damals 20 auf Feststellung der Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 AuslG, zurückgenommen.

„Am 06.09.1994 wurde Ihnen als minderjährigem Kind nach §… erstmals eine bis zum 05.09.1996 befristete Aufenthaltsbefugnis zur Wahrung der familiären Lebensgemeinschaft erteilt, die in der Folge, zuletzt befristet bis zum 09.12.2000 verlängert wurde. Vom Landkreis Cloppenburg wurde Ihnen am 25.02.1997 irrtümlich ein Internationaler Reiseausweis ausgestellt, in den eingetragen wurde, dass die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 AuslG vorliegen.“

Am 26.10.1999 beantragte Sie die Erteilung einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis.

Erstmals am 06.09.1994 eine Aufenthaltsbefugnis erteilt, die fortlaufend bis 26.09.2002 verlängert wurde.

2002 wird die Ausweisung angeordnet.

Anwalt 2002: Mandant befindet sich seit 12 Jahren in der BRD und besitzt seit dem 06.09.1994 eine Aufenthaltsbefugnis.

13.01.2003 Antrag beim Verwaltungsgericht Hannover. Wird abgelehnt. Antrag beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht wird am 14.03.2003 abgelehnt.

Schreiben Stadt Hannover vom 05.05.2003, dass Abschiebung soll bis zum 15.05.2013 erfolgen soll. „Dabei bitten wir zu beachten, daß Sie höchstens 20 kg Gepäck mitführen dürfen“.

12.05.2003 Petition an den Niedersächsischen Landtag durch meinen Betreuten. In Oldenburg zur Grundschule gegangen. „Vor ca. 2 Jahren wurde ich von meinen Eltern mit meiner Cousine …zwangsverheiratet. Aus dieser Zwangsehe ging ein Kind hervor. Ich habe mich inzwischen scheiden lassen. Für den Unterhalt des Kindes komme ich auf. Wegen dieser Problematik habe ich die Beziehungen zu meinen Eltern und anderen Verwandte abgebrochen. In der Türkei könnte ich deshalb in der Heimatregion meiner Eltern nicht leben. Neben Deutsch spreche ich auch meine Muttersprache kurdisch. Die türkische Sprache ist für mich eine Fremdsprache. Ich fühle mich inzwischen ein Teil der deutschen Gesellschaft und habe in der Türkei keinerlei Lebensmöglichkeiten. Meine ganze Verwandtschaft (Brüder, Onkel) leben als anerkannte Flüchtlinge in Deutschland. Mir ist ursprünglich kein Asyl gewährt worden, weil die Meinung vertreten wurde, dass mir als Kind nichts drohe. Nur Erwachsene Mitglieder unserer Familie hätten mit politischer Verfolgung zu rechnen.“ Beigefügt war Kopie des Arbeitsvertrages. Handschriftlich an den Oberbürgermeister: “Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Bitte helfen Sie mir.

14.05.2003 ärztliche Bescheinigung über Reiseunfähigkeit wegen blutigem Urin und Fieber.

10.04.2003 Attest der Firma, dass mein Betreuter 35 % des Umsatzes der Firma generiert.

20.06.2003 Petition vom Landtag abgelehnt.

24.07.2003 Asylfolgeantrag durch Anwältin. Begründung diverse öffentliche Auftritte als Musiker mit PKK-nahen Gruppen und Musikern. 2002 Newroz-Fest in Hannover, 6 weitere Auftritte in Köln und im gesamten Bundesgebiet.

Abgelehnt, weil zu spät gestellt. Antrag scheitert bereits an den Zulässigkeitsvoraussetzungen.

23.07.2003 Klage auf Erteilung eines Aufenthaltserlaubnis, hilfsweise Aufenthaltsbefugnis.

16.02.2004 Anwaltsschreiben einer anderen Kanzlei an Landeshauptstadt, „unseren Mandanten weiterhin im Bundesgebiet zu dulden“.

17.11.2003 Verwaltungsgericht Hannover lehnt Antrag auf Aufenthaltserlaubnis ab.

09.12.2004 Festnahme zur Abschiebung.

Duldung wegen Asylverfahren. 22.11.2005 Antrag auf Durchführung eines weiteren Asylverfahrens wird abgelehnt. Zum Thema Musiker O-Ton des Gerichts: „Der Antragsteller hat in diesem Zusammenhang lediglich vorgetragen, dass er eine kurdische Musikgruppe seines Onkels bei einem kurdischen Festival begleitet und als Musiker im Fernsehen aufgetreten sei. Dass er hierbei an exponierter Stelle als ernst zu nehmender Kritiker an den Verhältnissen in der Türkei wahrgenommen werden konnten und daher bei einer Rückkehr in die Türkei Verfolgungsmaßnahmen i.S.d. Art 16 a Abs. 1 GG bzw. § 60 Abs. 1 AufenthaltG ausgesetzt sein könnte, ist seinem Sachvortrag nicht zu entnehmen.“….“Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Behauptung des Antragstellers, wegen der Vorfälle, die sich nach seiner Rückkehr in die Türkei ereignet haben sollen, psychische Probleme zu haben. Unter Berücksichtigung der Angaben des Antragstellers ist nicht erkennbar, dass er an einer schwer wiegenden psychischen Erkrankung leidet…hat lediglich erwähnt, dass er Schlaftabletten einnehmen würde, weil er ansonsten nicht einschlafen könne“…

24.11.2005 Duldung erloschen, zur Ausreise verpflichtet. „Wir weisen ausdrücklich noch einmal darauf hin, dass eine Abschiebung zu einem unbefristeten Einreiseverbot führt“.

Niederschrift über eine Anhörung beim Flüchtlingsamt 02.11.2005 in Nürnberg.

F: Wie genau sind Sie eigentlich im August 2004 in die Türkei zurück gekehrt?

A: Es war so, dass mir gesagt wurde, dass ich freiwillig in die Türkei zurückkehren müsste. Man sagte mir, dass man mich ansonsten abschieben würde. Ich musste dann zum Generalkonsulat gehen. Dort bekam ist einen Zettel. Mit diesem Zettel konnte ich dann in die Türkei einreisen…

F: Auf welchem Weg sind Sie am 27.08.2004 in die Türkei zurückgekehrt?

A: Ich flog mit einer Maschine der Turkish Airlines von Hannover nach Istanbul.

Als ich in die Türkei zurückkehrte, wurde ich von Polizisten in Gewahrsam genommen, Ich wurde dort drei Tage in einem Gefängnis festgehalten. Man fragte mich warum ich in die Türkei zurückgekehrt sei. Man fragte mich nach dem, was ich hier gemacht hätte. Man fragte mich auch nach dem, was meine Eltern hier tun würden. Man fragte mich, warum ich in die Türkei zurückgekehrt sei, obwohl ich dort überhaupt keine Verwandten oder Bekannten hätte“…“Nach drei Tagen wurde ich zusammen mit anderen Gefangenen in einem Transport nach Cizre geschickt. Dort wurde ich zur Antiterrorabteilung gebracht. Sie stellten mir Fragen zu meiner Betätigung als Musiker. Es ist so, dass wir hier viel aufgetreten sind. Man hat uns oft im Fernsehen gesehen. Ich war oft mit bekannten Sängern, beispielsweise mit …., aufgetreten. …Der Beamte der Anti-Terrorabteilung, der mich befragte, fragte dann danach, ob ich Kurier der PKK sei. Als ich das verneinte, änderte sich sein Tonfall sofort. Er sagte, dass ich nie wieder die Freiheit erlangen würde. Er hielt mir eine Pistole an den Kopf. Ich war sehr eingeschüchtert. Ich hatte bis dahin nie etwas mit der Polizei zu tun….Er gab mir Bedenkzeit. Er ließ mich mit dem Dolmetscher allein. Ich weinte. Der Dolmetscher riet mir, die Fragen so zu beantworten, wie der Beamte es wollte. Er sagte mir, dass ist dann ein gutes Leben haben würde. Andernfalls würde es nur Probleme geben. Es war so, dass man bei meiner Festnahme mein Handy mit beschlagnahmt hatte. Die Sicherheitskräfte sichteten dann das Telefonbuch in dem Handy. In dem Telefonbuch befanden sich Telefonnummern verschiedener Unterstützer der HADEP. Unter anderem befand sich der Name des Bürgermeisters von Cizre darin. Dieser ist ein Patenkind meines Vaters. Mein Vater hatte mir die Telefonnummer dieser Leute gegeben, damit ich mich bei ihnen melden könnte… Ich musste meine Aussagen jeweils unterschreiben. Irgendwann kam dann die Frage nach der Kuriertätigkeit für die PKK. Als ich die Frage verneinte, änderte sich die Atmosphäre sofort. Sie schüchterten mich so sehr ein, dass ich schließlich die Frage nach der Kuriertätigkeit bejahte. Ich wurde dann freigelassen. Es war so, dass man mir vorwarf, dass ich jetzt kämpfen gehen solle. Man forderte mich daher auf, mich täglich bei ihnen zu melden.

F: Wurden Sie anlässlich Ihrer Festnahme misshandelt?

A: Ja.

F: Wurden Sie in  Istanbul oder in Cizre misshandelt?

A: Das war in Cizre.

F: Wie sage das konkret aus?

A: Ich möchte da nicht so gerne drüber reden.

F: Können Sie mir wenigstens ungefähr sagen, was dort geschah?

A: Das Ganze fing an, nachdem ich die Frage nach der Kuriertätigkeit verneint hatte und man mir Bedenkzeit gegeben hatte. Danach kam der Beamte wieder. Ich musste mich bis auf die Unterhose ausziehen. Der Beamte hatte einen Gummiknüppel, mit dem er mich schlug. Außerdem verbrannte er mir die Haut am rechten Handgelenk.

F: Gab es während Ihrer Haftzeit noch weitere ähnlich schwer wiegende Vorfälle?

A: Nachdem ich die Frage nach der Kuriertätigkeit beantwortet hatte, wurde ich ja freigelassen. Ich tauchte dann sofort unter.

F: Wissen Sie, ob, nachdem Sie sich nicht mehr bei der Anti-Terrorabteilung gemeldet hatte, nach Ihnen gesucht wird?

A: Ja, mir wurde berichtet, dass man nach mir sucht.

F: Wer hat Ihnen das berichtet?

A: Es war so, dass die Bekannten, deren Namen ich eben schon erwähnt habe, meinem Vater mitteilten, dass nach mir gesucht wird. Sie sagten ihm, dass er schleunigste dafür sorgen solle, dass ich das Land wieder verlasse.

F. Wie lange wurden Sie in Cizre insgesamt festgehalten?

A: Es war dort vielleicht ein oder zwei Tage. Ich kann dies nicht genauer sagen, weil ich zwischendurch auch eingeschlafen bin. Ich möchte noch sagen, dass es jetzt so ist, dass ich kaum allein in einem Zimmer sitzen kann. Ich muss dann unbedingt raus.

23.11.2005 Bestätigung Arbeitgeber, dass mein Betreuter voraussichtlich zum 15.12.2005 seine alte Stelle als Teamleiter wieder antreten wird.

14.12.2005 Fachärztliches Attest, dass er immer wieder auf das Ihmezentrum wollte um sich herab zu stürzen. Der Facharzt schreibt: Er gab an, 17 jg. in die BRD gelangt zu sein und sie vor einem Jahr wieder verlassen gemußt zu haben. Ein Jahr in der Türkei sei er als junger Einzelrückkehrer der Tätigkeit der PKK verdächtigt worden und hätte an sich in den für Kurden besonders unangenehmen Militärdienst gemußt. Auch hätte er sich mit Tuberkulose infiziert, die derzeit nicht infektiöse wäre, und hätte zur Ruhigstellung eines Lungenlappens operiert werden müssen.

In den Jahren in Deutschland wäre er 18 jg. zwangsverheiratet worden. Die Eltern seiner von ihm nicht akzeptierten Frau trachteten ihm nach dem Leben und hätten schon Rächer in die BRD geschickt, die aber gottseidank rechtzeitig wieder abgeschoben worden wären.

In Deutschland wieder mit einer Cousine verheiratet hätte diese ihn verlassen, als sie von seinem z.T. erzwungermaßen unruhigen und bzgl. des Hierbleibens ungesicherten Leben erfahren hätte.

Zurück in der Türkei würde er als Wehrdienstflüchtiger und noch dazu Kurde die schlimmsten Behandlungen befürchten müssen. Der Vergeltung seiner Schwiegereltern wäre er unentrinnbar ausgesetzt, da diese ihrerseits ihre Ehre wieder herstellen müßten.

In dieser Ausweglosigkeit drängten sich Selbsttötungsgedanken für ihn unabweisbar auf und drängten ihn, sein Leben zu beenden. Eigenartigerweise zöge es ihn oben auf das Ihmezentrum mit dem Wunsch, durch einen Sprung sein Leben zu beenden.

Diagnosen: Depression mit Suizidgedanken.

Erneute Eingabe beim Landtag. Landeshauptstadt in einem Schreiben vom 10.01.2006: „Es besteht kein Anspruch auf Erteilung eines Aufenthaltstitels und wir beabsichtigen, den Aufenthalt des Ausländers vorbehaltlich der noch in Klärung befindlichen Transport- und Reisefähigkeit zu beenden.

Auch Landtag lehnt ab, weil eine Integration nicht  zu erwarten ist. Hat 8. Klasse ohne Abschluss verlassen. Seit 2003 in ungekündigter Stellung, Arbeitsverhältnis scheint zwischenzeitlich beendet zu sein, bezieht Leistungen vom Staat. Erschwerend kommt hinzu, dass er wegen Körperverletzung zu 6 Monate auf Bewährung verurteilt wurde (Anm.: Jugendstrafe 26.04.2000). Fazit: Alle Angaben widersprüchlich. Tut offensichtlich alles um einen Aufenthaltstitel zu erlangen.

Ab 26.12.2005 in der psychiatrischen Klinik in stationärer Behandlung. Schwere depressive Episode mit Suizidalität. 21.03.2006 folgt weitere Diagnose posttraumatische Belastungsstörung. Keine Reise – und Transportfähigkeit.

Am 22.09.2006 Begutachtungstermin. Langes psychiatrischen Gutachten. Mein Betreuter berichtet immer wieder zusammen brechend unter Tränen, in welcher Weise genau er gefoltert wurde. Die Techniken sind so krass und demütigend, dass er dem Gutachter sagt, dass das niemand erfahren dürfe, sonst würde er sich umbringen. Der Gutachter bescheinigt ihm alle psychischen Störungen und noch mehr.  (Anm.:  Dieses 44-seitige Gutachten erhalte ich mit anderen Unterlagen über die Rentenversicherung am 07.09.2000).

25.04.2007 Stadt Hannover an RAe Klage hat keine aufschiebende Wirkung, vollziehbare Ausreispflicht besteht.

16.08.2007 zwei neue Diagnosen aus der Klinik: Dissoziative Störung und Depersonalisationssyndrom; beginnend andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung. Suizidalität bei Rückführung in das Herkunftsland.

10.01.2008 gemeinsame Sorgerechtserklärung für Kind, was voraussichtlich am 09.06.2008 geboren wird.

02.06.2010 meine Bestellung. Unbefristete EU-Rente seit dem 15.12.2009.

10.11.2011. Das kannte ich schon. Prüfung der familiären Bindung. Die Ehefrau und mittlerweile 3 Kinder haben die Deutschen Staatsbürgerschaft. Wie ist das Verhältnis zu seinen beiden Kindern. Könnte nicht besser geben. Enge Kontakte? Sehr sogar. Welcher Art sind die Kontakte? Alles was ein Vater und Kind haben. Die Kindesmutter schreibt: „Mein Mann ist der beste Mann der Welt. Jeder kann sich ein Beispiel von ihm nehmen er ist immer für uns da auf Religion sind wir schon verheiratet. Wir warten auf türkische Papiere, dann machen wir das amtlich ich bin wieder schwanger in 11. Woche u. am besten geben sie ihm gleich denn deutschen Pass weil er ein Teil Deutsch ist.

Jetzt geht es um die Einbürgerung. Die soll er nicht bekommen, da er erst seit dem 12.12.2008 eine Aufenthaltserlaubnis hat und davor nur eine Duldung hatte und der rechtmäßige Aufenthalt sei erst nach 8 Jahren am 12.12.2016 erfüllt.

Nach Einsicht in  diese Akte koche ich vor Wut und will eigentlich den Staat auf Schadensersatz verklagen. Hatten sie ihm nicht gesagt, dass ihm keine Gefahr droht bei einer Rückkehr und keiner sein Musizieren zur Kenntnis genommen hätte und das auch gar nichts mit politischer Kritik oder Betätigung zu tun hätte. Er ist jetzt lebenslang arbeitsunfähig durch Folter (Erwerbsunfähigkeitsrente bis zum Erreichen der Altersrente am 15.02.2050), weil hier entschieden wurde, der gehört hier nicht her und wird schon nichts Schlimmes passieren. Der Onkel ist behindert durch Folter. Das betrifft die ganze Familie und diese Leute leben unter uns und betreiben hier Imbisse und Kioske und wollen hier leben, obwohl man so hart versucht sie wegzubeißen.

Angef Akten

Wir fahren um ca. 16 Uhr Richtung Lübeck. An der Station vor unserem Haus spricht uns ein älterer russischer Typ an mit Bart und Expo-Pin. Ob er uns was fragen dürfe. Er wolle herausfinden, was die Hannoveraner über Leibniz wüssten. Was hätte der denn gemacht. Ich sage, der war Philosoph und Stephan sagt: Universalgenie und Mathe und dann die nächste Frage, was er denn erfunden hätte, wofür er berühmt war und Stephan antwortet: eine Rechenmaschine und der Typ dann: Haben Sie studiert? und Stephan: Ja, aber nicht Leibniz und ich bin auch etwas ungeduldig und erkläre ihm, dass die Uni damals noch nicht so hieß und er solle doch mal zu der Leibniz-Uni hinfahren. Vielleicht hätten die mehr Ahnung. Nein, sie wollten ja gerade wissen, was der durchschnittliche Bürger über Leibniz wisse. Er klärt uns dann auf. Das binäre System wäre die korrekte Antwort gewesen und dass er den Computer praktisch schon vorgedacht hat, deswegen nennen man ihn auch Vordenker des 21. Jahrhunderts. Ich drehe dann den Spieß um und frage ihn ob er wisse, dass es eine Leibniz-Apotheke in Hannover gibt. Ja, es gäbe alles Mögliche mit dem Namen (klar auch Backware). Ich hake nach, ob er die kennen würde. Er verneint. Da zieren ganz herrliche Zitate von Leibniz die Wände, dass er leider in keiner Weltstadt wie Paris oder London leben würde, sondern in Hannover, wo es kaum jemanden gäbe, mit dem er sich unterhalten könne. Jetzt fährt die Bahn ein und er will abschließend wissen, ob wir dafür seien, dass ein Kinofilm über Leibniz gedreht wird, wo dem Zuschauer in ca. 2 Stunden alles beigebracht wird und wir sagen selbstverständlich: ja, wir sind dafür.

13.08. Vor der Abreise

13 Uhr. Der ganz schwierige wöchentliche Besuch ist am Telefon. Eine Mischung aus Elisabeth Taylor, aber in alt und Dieter Degowksi. Sie ist heute um 15 Uhr bei mir angemeldet. Es ist 13 Uhr. Das Telefon klingelt und sie sagt: „Frau Arnhold ich bin hier gerade bei der Spritze, der I N J E K T I O N und da sagt man mir, dass ich eine halbe oder Dreiviertelstunde warten muss. Dann heißt es eine Stunde. Was soll ich tun?“ Meine Antwort: warten. Sie: „O.k. dann bis nachher um 3“. Boah, das war knapp, aber Furchtlosigkeit ist das einzige was hilft.

Sie sieht den Mitarbeiter und will schon abdrehen im Treppenhaus und schaut ganz grimmig. Dann komme ich an die Tür und sie strahlt und läuft auf mich zu. Ich frage nach der Spritze und sie zeigt mir ihr Pflaster am Oberarm. Sie ist jetzt bei der Bethlehemkirche in Herrenhausen. Die sind alle voll nett. Sie war heute ihre geschenkte Tasse abholen aus dem Spint und hat den Schlüssel zurück gegeben und sich das Pfand geben lassen, weil sie da nicht mehr hin gehen will, weil da sind lauter „iranische Powerfrauen, die kochen lernen wollen“ (gemeint war einer der Sozialläden für Frauen). Der Bruder hat neue Freundin mit dünnen Beinen, der macht zu viel Bodybuilding und sieht ganz aufgebläht aus. Das gefällt ihr nicht. Außerdem hat er ihre Kette, die 300,- € gekostet hat und will sie nicht wieder rausgeben. Sie schaut jetzt immer schon, ob „sie“ die Kette umhat und fragt sich, was sie Weihnachten machen wird, geht sie dort hin d.h. zu ihrer Familie, wird sie vielleicht die Freundin anmachen, die wird heulen und ihr „leiblicher Vater wird ihr eine knallen oder sie rausschmeißen“. Er will sie an die Volksmudschaheddin geben. Die Freundin vom Bruder hat ein Fahrrad mit dem gleichen roten Rahmen wie ihres, an die gleiche Laterne gestellt, sie will sie nachmachen. Sie will die Mutter Weihnachten nicht allein lassen oder die Katze nicht. Der könnte sie einen Fisch kaufen. Sie will zur Massage und sich die Beine locken lassen. Sie war jetzt bei der Kopfmassage für 6,- € bei den Trionauten hat sie das machen lassen. Erst war das Wasser ganz heiß, das war nicht so schön. Sie will heute den 50,- € Schein, der hält länger, da muss sie nicht zu ihrer Mutter und nach Geld fragen und die Farbe gefällt ihr besser. Vor blau hat sie eher Angst. Sie bekommt mit, wie ich mit einer Kollegin telefoniere und der sage, dass wir keine Rechtsstreitigkeiten vor dem Amtsgericht Braunschweig führen bei einem Streitwert von 50,- € wegen Mitgliedsbeiträge für den Mieterschutzbund und meine ist nicht prozessfähig und wenn sie da jetzt eine utopische Widerklage einreicht mit einem Wahnsinnstreitwert und ihr Geld nicht bekommt, dann habe ich kein Mitleid, weil die Betreuung war bekannt bei ihr im Hause und da muss man überlegen, was für Mandate man annimmt. Apropos Mieterschutzbund meine hat ein Werbeprospekt in DIN-A4 von genau denen dabei und zeigt mir den im Anschluss an mein Gespräch und will wissen, ob sie da Mitglied werden soll. Ich sage, bloß nicht, haben sie doch gerade gehört. Sie haben doch mich. Ja, das hätten die vom Mieterschutzbund ihr auch gesagt. Bevor sie geht drückt sie mir eine Plastiktüte in die Hand. Das sei ein Geschenk, was ich hinstellen kann. Ich sage, ich will es nicht, der Mutter schenken, wieder mitnehmen. Keine Chance. Es ist ein kleines Plastikgebäude, wie für ein Aquarium oder Spielzeugeisenbahndeko, schlecht gearbeitet ohne Ende. Man soll es aber offenkundig nicht im Aquarium versunken, sondern tatsächlich aufstellen, weil es einen Untergrund aus grünem Filz hat. Sie fragt mich: haben Sie es nicht erkannt? Es ist das Opernhaus, aber in hässlich, aber wie. Hannover steht davor auf den Sockel geschrieben.

Hannovers Plastik Oper

Bevor ich mein Büro schließe darf ich noch einen sehr wütenden Türken am Telefon besänftigen, dem ich ein Fax geschickt habe auf meinem Briefpapier, weil der Ausweis von Stephan nicht an Land kommt und der Typ telefonisch nicht mehr zu erreichen war und auch nicht – wie zugesagt – zurück gerufen hat und ich sagte: der verarscht Dich. Der aufgebrachte Türke: Mein Mandant (Stephan) wäre ein 46-jähriges Kind, was seinen Ausweis unter der Werbung auf dem Tresen liegen gelassen habe (Anm.: das schließe ich aus und ich kenn das Kind seit über 25 Jahren) und sage, eher im Kopierer oder und jetzt wäre er so nett gewesen, den zu schicken und jetzt hat das nicht geklappt und er hat die Post zurück bekommen, aber Fehler hat er auch keinen gemacht und jetzt ist er sauer, weil er ein Drohfax bekommt und Kundschaft hat und bringt den Ausweis zur Polizeidienststelle, welche weiß er noch nicht. Ständig werden Ausweise dort liegen gelassen (!!??) und die kommen sogar in Korea an und man bedankt sich und jetzt der anwaltliche Drohbrief. Eine Frechheit. So nett hat man sich über das Abnehmen unterhalten. Er erinnert sich noch. Ich sage, das klingt nun auch nicht sonderlich erwachsen, seine Reaktion und was haben deutschen Ordnungsbehörden damit zu tun, wenn er seinen Bürokram nicht auf die Reihe kriegt und nicht zusieht, dass er Ausweise wieder zurück gibt nach dem Kopieren, wenn das ständig passiert würde ich mir da an seiner Stelle Gedanken drüber machen. Ich einige mich darauf, dass ich ihm jetzt einen frankierten Rückumschlag schicke und er ihn nur noch rein machen muss. Uuh, da können wir die Fahrradleihe wohl vergessen wenn wir mal wieder in der Hauptstadt sind. Zum Glück gibt es noch mehr Spätkäufe von denen man Drahtesel leihen kann. Stephan hat ohnehin Knieschmerzen, weil der Sattel falsch eingestellt war.

Mal sehen, ob nach der Reise der Ausweis wieder in unserer Obhut ist. Zum Glück hat das Kind noch einen Pass.

Die Kriegserlebnisse

Ein Freund, der gerade gesundheitliche Probleme hat und mich nach dem Arzt gefragt hat, der mir damals geholfen hat, löst ein Déjà-Vu bei mir aus. Ich hatte die Tage schon daran denken müssen, weil damals auch mein Geruchssinn abhanden gekommen war und auch ca. 2 Jahre weg blieb bis er zum Glück wieder kam. Die jetzige Erkältung hat bei mir alles so verstopft, dass ich panisch die Seife direkt unter meine Nase halte um zu prüfen, ob ich was feststellen kann und ja, ganz schwach merke ich was, also nicht ganz weg. Nicht wie damals, da habe ich Stuhlgang und Parfum nicht riechen können und zwar null und habe dann gemerkt, dass dieser Sinn sich wohl verabschiedet hat. Als Stephan mich mit Transpulmin einreibt und ich das irgendwie nicht richtig rieche, denke ich an damals.

Damals war ich in der Probezeit in einer Hamburger Großkanzlei. Ich fühlte mich wahnsinnig unfit und musste immer so schnell ich konnte laufen um mit den Kollegen mitzuhalten auf dem Weg in die Gruner und Jahr Kantine nebenan und hatte Wadenschmerzen. Ich dachte, Bürojob und jetzt bist Du so unfit…. Ich hatte eine Grippe und Fieber und habe nur an den Wochenenden krank gemacht und bin sonst zur Arbeit. Jede Nacht geschwitzt, immer abends um 8 Uhr ins Bett. Ich konnte dann die Strumpfhose morgens nicht mehr im Stehen anziehen, sonst musste mich auf die Bettkante setzen und musste an der Ampelschaltung Schlump z.B. warten, wenn die Ampelphase schon auf grün war, weil ich wusste, dass ich das nicht schaffen würde (das war deprimierend) und Treppen steigen konnte ich auch nicht mehr und habe mich an den Armen am Geländer hochzuzogen. Ganz schön traurig, aber viel Verdrängung war im Spiel. Ich war am Wochenende des 1. Mai in Hannover und konnte nicht mehr. Montag bin ich zum Hausarzt und der meinte gleich, es sei was Neurologisches. Es war eine Lähmung der großen Beinmuskeln, deswegen hatte ich auch Muskelkater in den Waden, weil die das mit übernehmen mussten beim Gehen. Es folgte Krankenhausaufenthalt und viel Diagnostik. Die Lumbalpunktion lief so ab, dass der erste Arzt es nicht hinbekommen hat und es sich anfühlte als würde einen jemand in den Rücken stechen (was ja auch passiert), aber eher so mit einem Dolch, wie im Krimi. Der setzte noch mal an ohne Ergebnis. Der jungen Frau ist es dann gleich gelungen. Es folgten Tage der Hölle, weil einem leider keiner sagt, was das für Kopfschmerzen macht. Man liegt flach auf der Matratze und beobachtet die eigenen Haare, wie sie auf dem Kopfkissen liegen. Ich habe anschließend Bilder gemalt, die aussehen sollten wie Komikbakterien mit Haaren  unter der Abdeckplatte unter dem Mikroskop, wenn die so platt gedrückt werden, weil so fühlte sich das an. Sie sahen vielleicht ein bisschen so aus wie Babamama und Babapapa. Ich habe viel getuscht als die Kopfschmerzphase vorbei war und das haben die auch in meine Akte reingeschrieben. „Patientin geht es gut, sie bastelt“. Die Lähmung ging weg, weil ich an einen begnadeten Arzt geraten bin, der nach einer halben Stunde mit Infusionen begonnen hat, wo ich zuvor 2 Wochen im Nordstadtkrankenhaus gequält wurde. Ich sage nur Nervenleitgeschwindigkeit messen mit Nadeln in den Beinen, an denen gerührt wird während sie im Fleisch stecken. Die Räume sind im Keller, damit man die Schreie nicht hört. Ich bin gegangen, als man im Nordstadtkrankenhaus meine Blase spiegeln wollte (das Sammeln meines Urins und Untersuchung war ohne Befund), weil ich bemerkt hatte, dass ich immer aufs Klo muss, wenn ich mich hinlege, auch nur kurze Zeit z.B. beim Mittagschlaf. Mein Bruder studierte damals noch Medizin und sagte, wenn die Beine gelähmt sind, wird die Flüssigkeit nicht richtig abtransportiert und wenn man liegt, fließt sie in den Körper und dann in die Blase und man muss aufs Klo. Das leuchtete ein und ich dachte, wenn die geballte Krankenhauskompetenz da nicht drauf kommt, dann können die mich mal. Der niedergelassene Arzt hatte modernere Geräte als das Krankenhaus (was mir sehr zu denken gab) und musste lachen als ich beim Wort Nervenleitgeschwindigkeit messen panisch guckte, weil das hier schmerzfrei mit Elektroden von statten ging. Jede Infusion hat so viel gekostet wie ein Kleinwagen und es war eine durchsichtige, klebrige Flüssigkeit, die aus Blutspenden, ich meine dem Plasma gewonnen wird. Man hat sich total fit gefühlt danach und brauchte nur 3 Stunden Schlaf. Die allerbeste Droge, die ich je genommen habe. Ich konnte auch bald wieder alles, z.B. den Fuß heben und auch wieder gehen und Radfahren und nicht nur auf dem Rad geschoben werden (cooler als Rollstuhl).

Ohne Geruch war das auch ganz schön doof, weil ich nicht feststellen konnte, dass ich die Heißklebepistole noch eingesteckt war (das riecht man sonst). Ich hätte immer ganz schön viel vorgetäuscht beim Essen gehen, wie meine Freundin Claudia meinte, weil die Aromen sind ja alle weg, d.h. ob Zimteis oder Vanille, das schmeckt man nicht, nur süß. Ich habe gesagt, war nicht vorgetäuscht, ich bin halt so schlicht gestrickt, dass mir das Essen trotz der Einschränkungen so gefällt und das ist auch heute noch so, d.h. ich kann mich in Essen reinsteigern und es macht mir Spaß, ohne dass ich nun dieser begnadete Schmecker wäre, der alles raus schmecken und riechen kann. Darauf kommt es offenbar beim Vergnügen nur zum Teil an. Dass die Aromen zurück gekommen sind, zumindest so wie das bei mir halt ist, dafür bin ich unendlich dankbar, weil ich mag Vanillegeschmack viel mehr als nur süß. Ich hatte Glück, weil die Prognose eher negativ war, dass es meistens dann ganz weg bleibt.

So Kinder und nächstes Mal erzählt die Mutti eine andere Kriegsgeschichte vom perforierten Blinddarm und den Komplikationen und dem echten Krankenhaushorror, der sich über einen Monat hinzog. Hier hätten sie mich fast um die Ecke gebracht. Immer wieder aus der Notaufnahme weggeschickt und dann Not-OP. Das hat auch Schmerzensgeld gebracht und ich weiß seitdem, dass ich ganz schön hart im Nehmen bin. Nach der zweiten Notfalloperation sagte der Chefarzt, „ein Normaler wäre auf der Intensivstation gelandet“ und ich habe mir noch vorgeworfen, dass mir leicht übel war nachts nach der Narkose. Wie ein Stück Vieh wurde man von einem Metallbett aufs andere verladen, schemenhafte Wahrnehmung, weil noch halb in der Narkose. Da haben sie damals den Herzkatheter überprüft durch Röntgen, ob der richtig sitzt. Dass der so lang ist und wirklich bis zum Vorhof des Herzens geschoben wird, wusste ich erst, als ich beim Ziehen sagte, dass ich den gerne mitnehmen würde und die Schwester meinte, dass sie nicht wisse, ob sie so eine große Tüte da hätte!!?? Panik, aber dann war es ja auch schon vorbei, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich fühle mich auf jeden Fall schon besser, wenn ich mir vor Augen führe, was alles schon war und was ich überstanden habe, dann ist so eine kleine Sommergrippe, doch nur lästig, wie ein Mückenstich.

Frau C. in Höchstform

12.08. Ich noch leicht angeschlagen kommt mir keuchend und strahlend Frau C entgegen. Die Straßenbahn sei zu weit gefahren. So sei das immer und dann war Justiz ausgeschildert da hat sie gedacht, ohweia, hier ist sie ja ganz verkehrt und nicht, dass sie zu spät kommt und dann hat sie sich verknotet und ist hier einmal um die Pudding gelaufen und hoffentlich kein Giftdoktor. Da hat sie Angst, die haben so viel seelischen Schaden bei ihr schon angerichtet. Ich sage, es wird alles gut. Die eine Freundin in der Maßnahme hat ihr schon Angst gemacht, dass die ihr den Schwerbehindertenausweis gleich wegnehmen. Das dürfen die doch nicht, der? Sie hat den extra verlängern lassen bis Januar 2014. Die Freundin hat gesagt, sie nehmen ihr den weg, weil sie keine Psychologin mehr hat. Aber die Gute hat ja aufgehört und deswegen geht sie nicht mehr. Heute Nachmittag kommt die neue Frau vom ambulant betreuten Wohnen und fährt mit ihr einkaufen. Dann macht sie zwei Stunden. Das ist dann Notfall, Großeinkauf für den ganzen Monat. Das schafft sie nicht, die 35 Stufen hoch und dann wollen sie freizeitmäßig ins Grüne fahren, das was die andere Betreuerin ihr gezeigt hat. Da wo es nicht so gefährlich ist. Diese Scheißlastwagenfahrerarschlöcher die drängen sich auf den Radweg, obwohl sie das nicht dürfen. Das hat sie neulich gesehen, wie so einer mit einem Lastwagen und einem Anhänger so einen Kreis fährt (sie malt die Bewegung in der Luft) und sich dann mitten auf den Radweg stellt und den blockiert, wie Tier. Sie ist dann vom Rad abgestiegen und war voll enttäuscht und hat das Rad wieder nach Hause geschoben und hat den Ausflug abgebrochen. Schlimm ist das. Und die Ärztin in soundso (auf dem Land, damals), die wollte umbringen. Die gute Ärztin hat dann gesagt, das Tavor nicht nehmen, ist ganz gefährliches Zeug, lieber in der Apotheke abgehen und dann hat die ihr Zeldox verschrieben, die sie umbringen wollte und sie ist fast verhungert. Die ganzen Lebensmittel sind schlecht geworden im Kühlschank und sie immer dünner, Pappgeschmack im Mund. Das darf man den dicken Kranken verschreiben, aber nicht uns Dünnen, resümiert sie weiter. Hausärzte kann man auch vergessen, die haben alle nicht dieses wichtige Dings, mit dem man innen rein gucken kann in den Körper, was da los ist. Sie macht eine Rasierbewegung in Höhe der Schilddrüse. Ultraschall fällt ihr ein. Das ist ganz wichtig, wenn mal was ist, dann muss man reinschauen können, was da innen drin los ist, sonst kann man gar nichts machen.

Waterloosäule

Irgendwann kommt ein körperbehinderter Arzt und wir folgen ihm den Gang entlang. Es sieht aus wie zu Zeiten der Bezirksregierung. Ich sage, die reinste Gemäldegalerie als wir an den verschiedenen gerahmten Hafeneinfahrten und Blumen in der Vase vorbei laufen. Er bittet mich vor der Tür Platz zu nehmen und will mit meinem Schützling alleine reden. Da freue ich mich schon darauf und lese etwas in einer Modezeitschrift und höre nur Frau C. reden durch die geschlossene Tür ohne Punkt und Komma. Igrendwann nach ein paar Minuten geht die Tür auf, sie strahlt mich an, dass ich jetzt auch rein kommen darf. Dann geht es um ein paar Zahlen und Daten. Ich mache den Briefkram, lauter Fremdwörter, da füllt sie sonst was falsch aus. Er fragt nach Therapie und ich sage, ich mache nicht die Gesundheitssorge und habe das Gefühl, dass es mit der Tagesstruktur durch die Tagesstätte und dem ambulant betreuten Wohnen ganz gut klappt. Erst geht es um die Nachbarn. Alles Assoziale, ganz Empelde voll davon. Haben das Motoarrad angezündet um die Versicherungssumme zu kassieren und sie hat die Stichflammen gesehen und davon hat sie das Trauma, alles Alkis und das ganze Drogentheater. Sie kennt das von zuhause. Er sagt, dass der Versicherungsbetrug per se nichts mit der sozialen Schicht zu tun habe. Er verwehrt sich sehr gegen die Anschuldigungen Empelde gegenüber, so dass ich vermuten muss, dass er auch dort wohnt. Dann geht es um Hobbies, Tischtennis spielen auf einer öffentlichen Platte (das kennt der Behördenarzt auch nicht und fragt, wo) oder Tennisfußball, aber jetzt haben sie die Krökelanlage abgebaut. Leider, schade. Da hat sie mal gegen den Chef von der Beratungsstele gespielt 7 zu 10. Sie hat 7 Tore geschafft und der andere 10, war aber schwer so mit beiden Händen (sie zeigt es uns in der Bewegung) oder sie spielt mit der Betreuerin Tennis auf der Wiese mit dem Schaumstoffball. Tennisball ist viel zu gefährlich. Der Schaumstoffball ist weich und nicht so schwer. Sie zeigt ihren Schwerbehindertenausweis vor und den neuen Perso. Der ist toll. Ich bin ja so ne Glittertante und der hat ganz toll Glitzer drauf und der schöne rote Adler und hinten das kleine Bild. Da fallen ihr die Lichterketten ein, die sie im Winter immer an die Tür klebt, weil Wohnung zu klein für Weihnachtsbaum und, dass sie die Glühbirnen bemalt gegen die Winterdepression. Da holt sie Farben, Tauchlack, 6 Stücke. Ein Kumpel hat ihr jetzt auch eine Birne vorbeigebracht zum Bemalen. Der kannte das gar nicht. Schnell nach Hause, Zeitung drunter und dann bemalen. Das ist Lichtherapie. Der Gutachter ist erstaunt, dass sie überhaupt noch Glühbirnen hat und korrigiert sie, dass es keine Lichttherapie sei. Oder wenn sie einen Panikanfall bekommt, dann T-Pumpe rausgeholt und den Ding-Ball, wie im Büro, da wo sie drauf sitzen müssen, aufpumpen und darauf hüpfen, bis es weg geht. Nein, das ist nicht laut, der ist weich. Er hat genug und will uns nun endgültig aus seinem Büro raus haben. Ich sage, jetzt wisse er ja Bescheid, dass sie Glühbirnen bemalt, auch als Auftragsarbeit, wenn da mal Bedarf sei so im tristen Büro. Vorher frage ich ihn, ob er eine Therapieidee habe, weil er es ins Spiel brachte. Die Tagesstuktur und der Sozialpychiatrische Dienst (also das was läuft), mehr würde ihm auch nicht einfallen. Wir ziehen von dannen und Frau C. schaut sich noch mal mein Fahrrad an. Da können wir mal alle zusammen (also zu dritt mit der Wohnbereuung) eine Radtour machen ins Grünzeug, da wo es nicht gefährlich ist und keine Lastwagenfahrerarschlöcher sind. Ja, klar. Machen wir mal. Sie ist glücklich, er war nett und vielleicht bekommt sie einen unbefristeten Ausweis und dann kann sie ermäßigt ins Freibad. Sie strahlt und winkt mit ausgestreckten Armen und sagt, dass ich ihr immer helfe. Ich fahre mit ganz wenig Lungenvolumen wie Oma wieder ins Büro und freue mich über so viel Euphorie.

Haie und Goldfische

Wahrscheinlich machen wir alles falsch, wenn ich mir diese Franzosen auf 3Sat so anhöre, was das Geheimnis einer langfristigen Beziehung sei und wie man dafür sorgt, dass das Feuer nicht ausgeht. Es wird geschwafelt davon die Frau täglich aufs Neue zu erobern oder zu verführen. Genau hinhören was der andere sagt und Begrüßungsrituale, sich Zeit nehmen wenn der andere von der Arbeit nach Hause kommt. Wir sitzen auf dem Sofa und schütteln beide nur den Kopf. Humor hält die Beziehung zusammen, weil den anderen zum Lachen bringen beinhaltet per se einen Überraschungseffekt (mein Argument) und macht sexy, ansonsten eher mal weghören bzw. auf die Tonlage kommt es an, wie bei Tieren, der Text ist unwichtig. Stephan stupst mich immer an und sagt dazu vorwurfsvoll: „hast Du wieder zugehört?“, wenn er mich gerade anfasst und dazu irgendwas redet und ich dann „was?“ frage. Dann muss ich lachen. Die Geschlechtsteile sollten gut harmonieren. Das hatten die Franzosen ganz vergessen, die gerade beim Thema körperliche Liebe sehr verklausuliert sprachen. Ist ja auch egal bzw. vielleicht auch sehr verschieden, wie es funktionieren kann.

09.08. Nach 6 Tagen abends um 20 – 21 Uhr ins Bett gehen, geht mir langsam die Geduld aus. Ich hatte schon eine Weile kein Fieber mehr, kenne mich aber mit krank sein zur Genüge aus. Leider ist es bei mir auch nie so, dass eine Sache, die angefangen hat, einfach so wieder verschwindet, sondern es wird das ganze Programm durchgezogen, von Halsschmerzen über Schnupfen und dann Husten und literweise Schleim an die Oberfläche transportieren. Da ist mein Körper konsequent, nenne ich es mal so. Gestern am späten Nachmittag ist ein Junkie noch unangenehm aggressiv geworden am Telefon, weil er nicht kam und ich nicht mehr im Büro war. Ich hätte ihn nicht angerufen (habe ich doch, aber wäre das nicht sein Part gewesen, weil er doch nicht zur Verabredung kam?). Da muss heute erst mal klar Text gesprochen werden. Der darf ab jetzt seinen Scheck vom Sozialamt abholen oder selber Kontoführungsgebühren zahlen. Die Tour läuft nicht bei mir. Ich muss auch an die Kollegen und Mitarbeiter denken bei so was.

Foto

Der Fleischbilderschreibunterlagenblock auf meinem Schreibtisch geht langsam zur Neige. Die verschiedenen Schinken („Ganzjahresschinken“, „Die österreichischen Schinkenklassiker mit dem AMA-Gütesiegel“), die irgendwie alle gleich aussehen. Ich kann beim Telefonieren darauf herum malen und wenn es zu kricklig ausschaut abreißen und es ist wieder neu. Ich habe das Teil aus einer Vitrine im Café Prückl in Wien (da macht die Chefin Garage Sale) und es handelt sich um ein Werbegeschenk und es war schon recht angegrabbelt, aber die wollten dafür allen Ernstes 5,- € haben. Habe ich gezahlt und das hat sich mehr als gelohnt. Ich weiß gar nicht, was ich mache, wenn ich die letzte Seite abgerissen habe. Vermutlich einen Heulkrampf bekommen.

Pflaumentrauma

Der Sturm hat was ganz fieses mit unserem Zwetschenbaum gemacht und einen großen Ast abgebrochen. Der Baum hat sich aber auch irgendwie übernommen und zu viele Früchte daran versucht auszutragen und da war er wohl zu schwer. Obstbäume müssen nachgeschnitten werden, fällt meinem Mann dazu ein, aber das hilft jetzt auch nicht weiter.

Spinne im Gegenlicht DSC00004

Abends habe ich ein neues Hobby, mein Draußenhaustier. Die Spinne vor dem Küchenfenster kommt raus und setzt sich in ihr Netz und meistens hängen da auch schon ein paar kleine Fruchtfliegen drin. Hinter der Scheibe bin ich mutig und schaue mir das Tierchen an, wie Hannibal Lecter. Ich freue mich vor allem darauf, dass sie jeden Abend so zuverlässig erscheint und ich sie dann sehe. Schönes Ritual und da ich keinen Hund haben darf, ist das eben die Alternative, die sich mir derzeit bietet.

Nächste Woche wird mein kleiner Bruder 40, d.h. ich war sehr lange Einzelkind. So ein Abstand von 6 Jahren fühlt sich im Erwachsenen Alter an wie ein langer Sommer, quasi 7 Hundejahre, 1 Menschenjahr oder so ähnlich. Früher lag ein ganzes Universum in dieser Zeit. Das liegt daran, wie mein Paps immer zu sagen pflegte, dass man mit 18 Jahren emotional schon die Hälfte seines Lebens hinter sich hat. Als meine Mutter entbunden hat, war ich bei der amerikanischen Verwandtschaft geparkt und dann kam der Anruf und ich wurde ans Telefon im Flur geholt: Du hast einen Bruder, sagte meine Mutter mir und weiß noch, dass ich als erstes gesagt habe: ich wollte aber lieber eine Schwester. Nach dem anfänglichen Drall ihn wieder los zu werden und auch dem immer wieder Verwundert sein darüber, warum bei ihm irgendwelche Dinge gelobt werden, die ich schon längst konnte, entwickelte sich eine innige Verbundenheit in der Kindheit und ich bin aufgegangen in der Rolle der großen Schwester, wie ich ihm immer die Welt erklärt habe. Wie die Tiere sind, wobei der große weiße Hai von allen Tieren die meiste Anziehungskraft auf ihn hatte. Die hat er auch sehr viel gemalt mit riesigen Mäulern und ganz großen, dreieckigen Zähnen. Das lag bestimmt an dem ganzen „Jaws“ Fieber der 70er Jahre in Kalifornien. Das ist als Kind auch nicht spurlos an einem vorbei gegangen. Alleine der Bucheinband mit diesem riesigen Hai 50-mal so groß wie die zierliche Frau, die an der Wasseroberfläche darüber krault. Wegen der Hai-Sache wollte ich zu seiner Feier ein Goldfisch-Hütchen tragen. Ich dachte,  das passt irgendwie und mache mir nur Sorgen um nackte Arme, die Temperaturen in der Schweiz und mein Wärmeempfinden mit dieser Krankheit im Nacken. Mein Führertum hat meinen Bruder vielleicht unterdrückt, auf jeden Fall zu einer sprachlichen Hemmung bei ihm geführt. Er hat immer angefangen was zu erzählen und hat dann gesagt: erzähl Du Giga, Du kannst das besser. Lang hatten wir nicht zusammen, da ich mit 17 ausgezogen bin und da war er ja noch recht klein. Dann hatte er ein paar Jahre als Einzelkind, wenn man so will.

Heute kommt eine gute und alte Freundin aus Hamburg zu Besuch. Sie kennt mich gut und weiß, dass ich es hasse wenn man mich während der Arbeit anruft und dann noch auf dem Handy. Sie hat nur nachfragen wollen, ob sie mir was mitbringen kann. Losen Fencheltee aus dem Teegeschäft, was ich selber gar nicht kenne, aber den Tee literweise trinke. Heutzutage muss man ja bei Kräutertees mehr aufpassen als bei Rotwein, quasi gefährlicher. Ja, sie kennt mich gut und fragt auch vorsichtig, ob es mir nicht zu viel wird, ihr Besuch. Ich bin optimistisch, weil ich bei alten Freunden weniger das Höflichkeitsgesicht aufsetzen muss. Wenn Besuch kommt, den ich nicht so kenne, ist es anstrengender, weil ich mir selber mehr abverlange, d.h. aus Höflichkeit sich überfordern und dann doch mit Lungenentzündung in der Klinik landen statt einfach zu sagen, dass man keinen Bock mehr hat. Da bin ich bei diesem Besuch zuversichtlich, weil ich mir mehr Ehrlichkeit zutraue und denke, dann muss sie halt mit meinem Mann vorlieb nehmen. Ist ja auch nicht das Schlechteste. Vielleicht stellt es einen Widerspruch da, dass ich bei fast Fremden bereit bin mich zu verstellen und verbiegen und bei guten Freunden nicht, aber es ist ein Zeichen der Wertschätzung, dass die Maske auch mal fallen gelassen wird, auch wenn es vielleicht schöner gewesen wäre für denjenigen, wenn ich sie aufgelassen hätte….

Das Wochenende fordert noch sehr viel Geduld von mir ab und so richtig viel geht nicht. Freitag mache ich kurz wieder einen Essensgehausflug und sonst: Wohnung, Wohnung, Wohnung. Sonntag klappt das Basteln ganz gut und ich mache eine hübsche Kette für meine Mama.

Salmiakkette Salmiakkette Rückseite

Beide Dosen habe ich in Berlin gekauft. Die Kleine in einem gut sortierten Trödelladen und gleich daran gedacht sie für meine Mama zu einer Kette zu verwandeln. Das ist nämlich ein Insiderwitz zwischen uns mit den Salmiakpastillen. Als Kind waren wir in Travemünde bei meiner Großmutti, ihrer Mutter zu Besuch, die dort 3 Drogerien geführt hat. Da gab es in Gläsern diese schwarzen Raute als lose Ware und sie gab mir welche und aus Höflichkeit habe ich gesagt: mhhh, lecker. Die schmecken mir gut, dabei mochte ich sie überhaupt nicht. Die Rache der Unehrlichkeit (es war ja ein Höflichkeitslügen) folgte prompt. Zu Weihnachten gab es ein großes Paket aus Travemünde mit allerlei lustigen Seifenprodukten aus der Drogerie. Rosafarbenen Schweine aus Seife an einer Kordel (das war wohl in den 70ern der letzte Schrei hier in Deutschland) und einen weißen Schwan, der eine Seifenschale war (das war dann kurz vor Teenager). Den Schwan benutzen wir heute als Aschenbecher. Für die ganze Familie gab es Niederegger Marzipan (was ich geliebt habe) und für das Franzele die Salmiak-Pastillen, die sie so mag. Meine Mutter hat mit mir getauscht und es irgendwann man ihrer Mutter gesteckt, dass ich das Zeug nicht mag. Dann habe ich in Berlin in dem Lakritzfachgeschäft noch Salmiak-Ware passend zu dem Anhänger gefunden. Ich bringe es meiner Mama mit. Auf Geburtstag warten war noch nie mein Ding. Sehe ich keinen Sinn drin. Dann bringe ich ihr ein Wollkleid von meiner Tante Käthe, der unverheirateten Schwester von Großmutti. Hier haben die Motten riesige Stücke heraus gefressen. Ich habe dann Fallen von Rossmann von Stephan besorgen lassen und die sind einigermaßen voll geworden, so dass ich wohl richtig ein Problem mit den Tierchen hatte. Das ist ärgerlich, aber meine lebenslanger Stopf- und Flickgutschein kommt mir zugute. Salmiak-Pastillen waren offenbar DDR-Ware, wie ich jetzt feststellen musste VEB Pharmazeutische Erzeugnisse Halle. Das hätte ich nicht gedacht.

Claudia erlebt mich ziemlich unfit und der Unterhaltungswert ist  ausreichend bis ungenügend, aber was soll ich machen. Leide ja am meistens selber unter der Grippe und überlege langsam, ob das noch was wird mit mir und ich das hinbekomme und jemals wieder fit sein werde und ich nicht vielleicht doch ein Antibiotikum hätte einnehmen sollen. Claudia sagt, warmes Getreide frühstücken. Das macht Wärme in den Unterleib, sagt der TCM-Chinese. Nicht so Brötchen, eher Porridge. Ich esse warme Haferflocken mit frischen Beeren und Joghurt aus der Schweiz. Meine Schwägerin hat uns Freitag schon lauter Produkte von der Migros mitgebracht und uns damit verwöhnt. Ein Joghurtsortiment, Majo mit Senf und Thunfischcreme. Das ist herrlich und stimmt mich ein auf die Reise. Das ist auch Liebe. Immer leckeres Futter geben.

12.08. Ich stehe um 6 Uhr morgens auf und bin euphorisch. Ich glaube, ich bin wieder gesund. Ich habe keine Kopfschmerzen und fühle mich normal. Abends war ich doch immer noch mit 37,3 ° und so was geschlagen und es fühlte sich halt auch noch nicht gut an. Die Euphorie verfliegt etwas als ich merke, dass der Kaffee immer noch nicht schmeckt und ich noch Husten habe und nach zwei Male im Büro Altpapier runter bringen total nass geschwitzt bin. Die Tendenz stimmt aber jetzt zumindest und die Richtung ist klar erkennbar. Ich bin mal gespannt, wie die Woche und die Reise sich entwickeln. Es gibt dort einen See, aber Badesachen werde ich nicht mitnehmen. Bin eh nicht so der Freibadtyp und wenn es nicht knallheiß ist tue ich mir das nicht an. Verzichte schon aufs Haare waschen wegen der Erkältung. Außerdem Solidarität mit den Asylbewerbern, oder? Habe schon zu meiner Schwägerin gesagt, ob sie nicht mal dafür Sorgen könne, dass einer von denen mit ins Freibad darf. Jetzt wo sie Urlaub habe. Die Schweizer sind schon putzig. Das Thema Asylanten ist dort ein Dauerthema und die Umsonstzeitung 20 Minuten oder so heißt die berichtet garantiert über ein Asylantenheim, was in einem Urlaubsort gebaut werden soll und das Dorf und die Hoteliers wehren sich. Dann sind die Mister und Misswettbewerbe dort beliebt wie in den 50ern und ständig wird ein Mr. Ostschweiz oder so gewählt. Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie sehr die sich für so etwas interessieren. Außerdem beliebt auch andere reaktionäre Themen, Mütter sollen nicht arbeiten, das schadet dem Kind, wenn „das Mama schaffen“ geht. Auf das Birchermüsli von Sprüngli freue ich mich trotzdem und teure Handtaschen will ich auch keine kaufen.

Unschuldig krank

05.08.  Auch wenn sich das anders liest, ich war sehr brav am Wochenende. Ich bin Samstag um 22 Uhr ins Bett gegangen und habe dem Tanz auf dem Vulkan nicht beiwohnen können (wohl eine neue Rampe/Pipe bei den Skateboardern, mit Rauch aus dem Vulkankegel über den auf Brettern gesprungen wird, sehr eindrucksvoll).  Sonntag habe ich den ganzen Tag das Haus gehütet und bin abermals vor 22 Uhr ins Bett gegangen. Ich habe die Wohnung überhaupt nur Samstagabend für einen kleinen Imbiss verlassen. Ich bin also nicht schuld daran, dass die Erkältung nicht weg geht, sondern sich eher verschlechtert.

Die Augen fühlen sich an, als wären sie an Fäden aufgespannt im Schädel und die Bewegung der Augäpfel schmerzt. Ich habe jetzt einen sehr rauen Hals und klinge grauenhaft, auch etwas Husten und mir ist einfach elend zumute. Heute weiß ich, das Schwitzen ist krank und nicht Wetter.

Die von mir beantragte Unterlassungsverfügung ist Freitag um 16:04 Uhr schon ergangen und wird jetzt über die Gerichtsvollzieherverteilerstelle zugestellt.

Heute kommt eine sehr zierliche Frau, die einst bei den Stadtwerken in Istanbul gearbeitet hat und leider querulatorische Züge trägt und sich immer von ihrem minderbemittelten Sohn Begleitschutz geben lässt. Sie ist körperlich schwer krank und kann kaum zum Gartentor laufen, arbeitet aber zugleich als Außendienstmitarbeiterin im IT-Bereich. Jetzt soll sie berentet werden. Das ist die neuste Frechheit. Alles wird angegriffen, Beschwerde, Eingabe bei der Kammer, Ablehnung wegen Befangenheit, Ärzte müssen verklagt werden und das Finanzamt. Das ist entweder mutig oder einfach durchgeknallt, wenn man glaubt, es mit denen aufnehmen zu können. Das sage ich ihr und, dass ich heute etwas angegriffen sei und sie bitte meine Nerven schonen solle. Wenn sie eine Rente bekommt, verbietet ihr keiner das Arbeiten. Es ist eine Absicherung und sie kann trotzdem Karriere machen (sie arbeitet sogar für eine konservative Partei auf Lokalebene, wie ich nebenbei  im Internet nachvollziehen kann. Das lässt ja tief blicken). Es gehöre zum Erwachsensein dazu, dass man weitergeht auch wenn einem einmal Unrecht widerfahren sei. Immer wieder geht es um Mobbing am Arbeitsplatz von vor über einem Jahr, der Tinnitus, den sie deswegen bekommen habe und der der Berufsgenossenschaft gemeldet werden müsse und der Nachbar aus Braunschweig, damals, der gestalkt hat, komischerweise ist das Verfahren in einer Anklage gegen sie wegen übler Nachrede geendet. Ich sage, wenn man jede Ungerechtigkeit des Lebens immer vor sich her schiebt und jeden Tag neu auffrischt und durchlebt, tut man sich selber keinen Gefallen damit. Jedem von uns seien Ungerechtigkeiten widerfahren seit damals im Kindergarten als ein anderes Kind das Spielzeug oder Pausenbrot weggenommen hat. Wir müssen darüber hinweg kommen und können uns nicht daran festklammern. Es bringe nichts. Bestimmt ist es auch mein Zustand heute, der mich extra versöhnlich macht.

Angesichts der neuen Hütchenproduktion will ich das allererste Hütchen freigeben. Ich trage es einfach nicht mehr, weil es eben zu hübsch und ordentlich, sprich langweilig und nicht selbstgemacht ist. Ich halte es in Ehren, weil so alles anfing. Es waren Pferderennen in Hannover-Langenhagen und ich habe die weinroten Lackblüten gekauft für teures Geld.

Hausnansicht + Haarteil

Es sah gut aus und stand mir und es war sein Geld Wert,denn es hat mich vor allem auf eine Idee gebracht. Am darauf folgenden Wochenende fing die Produktion an und ich habe meine ersten 20 Hütchen selber produziert aus Bastelmaterialen und Gesammeltem. Seit dem und 500 Hütchen später gehe ich immer noch darin auf. Wenn ich meine Schmuckproduktion chronologisch beschreiben sollte, dann war es zuerst dieser Punker in Bayreuth, der die Figuren aus den Ü-Eiern mit dem Feuerzeug anders zusammengeschweißt hat und irgendwie spielten Eisenbahnfiguren und diese kleinen Gummitiere, Schweinchen und so was eine Rolle. Das waren damals Ohrringe, die einzeln und asymmetrisch getragen wurden und im Ohrloch und nicht als Clips. Dann irgendwann fing ich an mit Rohlingen große Ohrclips zu produzieren, Riesendinger. Davon habe ich noch 2 große Schubladen, trage sie aber nicht mehr. Dinosaurier spielten eine große Rolle und Wollpudel, Baufahrzeuge, Hubschrauber und kleine Collagen als Perlen, Müll und Text. Irgendwann fing ich an mit Haarspangen und habe hier riesige Konstruktionen für den Hinterkopf gebaut (Brett vor dem Kopf wurde da gerne gesagt). Die habe ich über einem schlecht gebundenen Dutt getragen und sie waren z.T. sehr schwer und haben Kopfschmerzen verursacht, außerdem sah man vor vorne die Rückseite, auch ein Nachteil. Nach der Phase der Haarspangen, die ich gar nicht mehr trage (ca. 3 Umzugskartons wurden hergestellt mit Haarspangenrohlingen), bin ich mehr in die Kettenproduktion eingestiegen. Erst viel mit Quetschperlen und dem Seil dazwischen sichtbar, dann auch immer größer und frecher. Parallel wurden Plastikarmreife wiederentdeckt und Ringe zur Komplementierung des Outfits. Hier passt auch gar nichts mehr auf die Halterungen (altes Batterieregal, knallvoll). Ketten mache ich nur  noch sehr selten. Ketten habe ich als einzigen Schmuck auch schon verschenkt an Verwandte hauptsächlich. Dann kamen die Hütchen als Renaissance der Haarspangen und viel besser, weil sie eben vorne sitzen und damit viel mehr das Outfit komplimentieren und mir auch einfach viel besser stehen. Die  Ohrringe sind kleiner geworden und hier sammele ich auch alte Modeschmuckohrringe. Die Ohrringe mache ich durchgehend, aber die Taktung hat auch schwer nachgelassen, weil ich einfach genügend habe.

Heute möglichst keine Konfrontation suchen, also möglichst wenig telefonieren, weil ich einfach nicht überzeugend bin. Fristsachen machen, Klage Sozialgericht. Stephan wird sie einwerfen. Dann muss ich Stephans Studio anschreiben, hoffe das kostet ihn nicht seine Mitgliedschaft, aber die sind echt dickfällig. Mein Studio muss heute wieder ohne mich auskommen. Mir brummt der Schädel. Herr A. kommt ohne Termin vorbei und will was. Das ist schon fast zu viel für meine Nerven heute. Ich bin heute zu zart besaitet. Ich streiche um vor 15 Uhr die Segel. Ich hatte Sonntag schon über 37 ° und habe es für leicht erhöhte Temperatur gehalten.

07.08. Es ging dann von 38,8° (Montag) über 37,8 ° (Dienstag) auf 36,2 ° (Mittwochmorgen) und es war sehr anstrengend und mit viel Schwitzen verbunden.  Am Dienstag habe ich nur 1 Stunde Büro geschafft und Termine abgesagt, einen Brief bringe ich zustande ein paar Telefonate und dann wieder schlafen. Auf dem Sofa erreicht mich der Hilferuf einer Frau, deren Freundin sie das neugeborene Kind weggenommen hätten seitens des Jugendamtes. Ein Auftrag, den ich sicher nicht vom Krankenbett aus annehme. Außerdem ruft mit der Vermieter von Herrn W. an, irgendeiner aus diesem Riesenladen und will einen Termin zur Wohnungsübergabe mit mir ausmachen. Ich sage, sie seien ja geil unorganisiert. Die hätte schon stattgefunden. Die Durchschläge der Protokolle seien in meiner Akte.

Meine Schwiegereltern haben Blaubeeren und grüne Bohnen und Bohnensalat mit gelben Bohnen vorbeigebracht. Meine Schwiegermutter hat es sich nicht nehmen lassen am Schlafzimmer zu klopfen und Hallo zu sagen. Ich hatte mich verschanzt, weil ich echt nicht gästetauglich war. Es ist schön, wenn man sich wohl fühlt im eigenen Krankenlager. Ein Baum vor dem Festern soll ja die Heilung beschleunigen. Ich mache Kopfkino und genieße das Farbspiel der Rot- und Pinktöne bei geschlossenen Augen. Dazu das Licht- und Schattenspiel der Sonne die immer wieder durch die Äste des Baumes durchbricht. Mein Fuß liegt in der warmen Sonne. Die Mustermixtempos aus Wien kommen zum Einsatz. Während ich Montag nix gegessen habe, wollte ich Dienstag schon eine scharfe Sucuk zum Bohnensalat, d.h. dass die Lebensgeister wieder kommen. Zum krank sein gehörte auch ein unsägliches Tagesfernsehprogramm. Eine Zoosendung aus dem Berliner Tiergarten, die das Zeug dazu hat, krank zu machen. Dass die Berliner einen Knall haben in punkto Tiere und vermeintlicher Tierliebe, davon bin ich schon länger überzeugt, dass sie Hunde vermenschlichen vor lauterGroßstadtblues und bekannt ist ja auch, dass sie Kurt zu Tode gepflegt haben. Die Sendung belegt all diese berechtigten Vorurteile. Wildkatzen gehören nicht in kleine Betonkäfige bei denen die Menschen ihnen ganz nah auf die Pelle rücken und in die Augen glotzen können. Das wird alles mit ganz viel „na Mäuschen“ usw. kommentiert, wie bei dem Sheba-Tiger zuhause. Wenn die Löwin auf den präparierten gefüllten Sack mit Stroh und Fleischstück nicht reagiert, weil sie hospitalisiert ist und sich am liebsten umbringen würde, wenn sie es könnte, dann heißt es seitens des Tierpflegers, „ditte is ne Schick-Micki-Dame, bloß nich dreckig machen, wa“. Hallo? Geht es noch. Herrn Mollath habe sie gestern rausgelassen, aber dieser Maßregelvollzug für Säugetiere mit psychiatrischer Zwangsbehandlung findet kein Ende. Die glauben wohl auch noch, dass ihre Folter irgendwas mit „Tierschutz“ zu tun hat oder die Tiere sie lieben würden. Keine Ahnung wie weltfremd man sein kann. Raubkatzen stehen nicht darauf, ein totes Stück Tier durch die Gitterstäbe geworfen und per Lichtschalter eine gute Nacht gewünscht zu bekommen von so einer Irren Katzenmutti. Hier würden die Katzen den Nachwuchs instinktiv sterben lassen aus Tierschutzgesichtspunkten, aber das wird durch Katzenmutti verhindert und das Leiden geht weiter. Ich wünsche mir einfach nur, dass einmal die Käfigtüre nicht richtig zu gemacht wird. Mehr Chancengerechtigkeit.

Heute am Mittwoch bin ich stolz auf meine Temperatur und nehme mir jedes Mal vor, meine Körpertemperatur zu messen, wenn ich mich mal absolut gut fühle, weil ich sicher bin, dass ich Untertemperatur habe, fühle mich aber leider noch so was unfit. Ich schwitze an den Beinen, das ist schon unnormal (dafür fühlen sich meine Hautporen richtig sauber an vor lauter Schweißdurchlauf) und dann habe ich Kopfweh, leichten Druck auf den Ohren als wären die mit Watte ausgestopft, die Mundhöhle fühlt sich an, als hätte sie jemand gefüttert und bin sehr geräuschempfindlich und kälteempfindlich. Lüften ist unangenehm. Schön warm anziehen. Ich nehme heute mal eine Aspirin, weiß aber, dass ich mich schonen muss. Ich muss das weiter beobachten. Nächste Woche habe ich eine Reise vor und familiäre Verpflichtungen. Sport macht noch gar keinen Sinn. Die Wadenbeschwerde, die ich vermeintlich für Muskelkater gehalten habe, wollen einfach nicht weggehen und hängen irgendwie mit diesem Infekt zusammen. Hat mich Herr PM doch mit Ebola angesteckt?

Verballere meine gesamten Briefmarken für die ganzen Regio-S Karten und Hannover Pässe und die bekomme ich auch noch für bereits Verstorben sowie ehemalige Betreute zugeschickt und wenn man da versucht den Fehler aus dem System zu bekommen, ist die Kraft für den ganzen Tag fast schon verbraucht. Bei meiner einen Betreuten ist die Adresse der Werkstatt für Behinderte statt der eigenen angegeben. Keiner kann helfen. Die Stelle, die verschickt, kann die Daten nicht einsehen, die anderen sagen, alles Paletti. Ich sage, ist es nicht und das kann ich schon sehen, weil bei einem Vordruck vom Amt auch diese Adresse als Anschrift auftaucht. Irgendwo muss doch der Fehler drin sein und dann wird er immer perpetuiert. Warum bekomme ich diese Dinger überhaupt zugeschickt? So betreut kann kein Mensch sein, dass sein Betreuer die Ermäßigungskarten bekommt statt der Berechtigte selber. Wer hat sich das ausgedacht? Jahr für Jahr. Ich ergebe mich schließlich und frankiere eine Runde um und führe eine Liste wo ich was reklamiert habe. Für wen eigentlich?

Ich bin schwächer, fahre an die Seite auf den Marktplatz und biege nicht aus dem fahrenden Verkehr ab. Ist mir zu viel mit Straßenlärm, Kopf drehen zu anstrengend. Mein Sattel löst sich und dreht sich mit. Schon damit bin ich überfordert. Im Büro wird mein Kopfputz kommentiert. Sitzkissen, haha. Mit fällt nichts Schlagfertiges ein und ich ignoriere es einfach. Dann fragt mich der Kollegen, wem das Birchermüsli gehören würde, weil 3 große Packungen da seien und es nur noch 4 Monate haltbar sei. Ich frage ihn, ob er sich langweilt und ob es schon mal was von Mindesthaltbarkeit gehört habe. Außerdem isst das der andere Kollege in rauen Mengen, gerade wenn die Hitze vorüber geht, wird er täglich einen Napf wie für einen großen Hund davon verzehren.

Ich bekomme Post in einer alten Betreuungssache. Die Frau ist mit über 90 Jahren verstorben. Sie kam ursprünglich aus Berlin und war mit einem Mann verheiratet, der Kriegsverletzungen hatte und im Landwirtschaftsministerium gearbeitet hat. Sie hat große Renten bekommen, hatte eine Eigentumswohnung im 50er Jahre Stil und war dement. Ihr Sohn war Alkoholiker und wohnte auswärts, kam aber regelmäßig zu Besuch, wenn er Geld brauchte. Danach hatte der Pflegedienst doppelt so viel Arbeit. Er hat sie ausgenommen und war von der fiesen Sorte, daher war eine Berufsbetreuung vorgeschlagen worden. Die anderen hatten sich abschrecken lassen, weil er drohte, außerdem hatte er einen großen Hund. Sie war so was von süß, hatte Vertrauen zu mir und hat mir gleich das Du angeboten. Sie hat so niedliche Sachen zu mir gesagt wie: wenn Du mal Probleme hast und jemanden zum Reden brauchst, kannst Du ruhig zu mir kommen. Das war für mich ein ernst zu nehmendes Angebot.

Den Hund habe ich nie kennen gelernt, weil ich da war mit dem Pflegedienstleiter und er nicht und dann erhielt ich eines Tages einen Anruf von ihr, dass der tote weiße Schäferhund von ihm auf ihrem Balkon liegen würde und Gerhard sei gegangen und sie wisse, ob er wieder kommen würde. Sie hätte schon versucht, das Tier an den Beinen in die Wohnung zu ziehen. Es war Hochsommer. Ich sagte ihr, dass ich mich kümmere. Das war dann Tierarzt über Google Maps ausfindig machen. Der gab mir die Info, dass der Sohn sturztrunken in der Eckkneipe gegenüber sei, dann schließlich Tierbestatter und den weißen Schäfer abholen lassen. Der Tierarzt hatte nur Kapazitäten für Kleintiere zum einlagern.

Ich habe ihn dann auch kennen gelernt und er saß auf der Couch und trank Schnaps mit Cola und musste sich an der Wand festhalten bzw. konnte nicht frei stehen oder gehen. Daneben erzählte er Märchen über Fliegereinsätze und andere berufliche Abenteuer, die so was von weltfremd waren, wenn man ihn sah in seinem desolaten Zustand wie ein Penner mit Plastiktüten und eingepisst und stinkend. Außerdem drohte er mit der Kanzlei Willig. Das tun nach meinen Erfahrungen gerne Menschen von diesem Schlag. Sie hat das immer in Schutz genommen, dass er krank sei, auf den Kopf gefallen, ein Unfall und nichts dafür könne. Er müsse starke Medikamente nehmen wegen der Schmerzen. Es war eine Gradwanderung aus ihn wegbeißen, aber nicht so sehr, dass er gar nicht mehr kam, weil einziger Sohn und leiblicher Verwandter. Vor wem soll man das Geld schützen? Er würde es eh bekommen. Außerdem hätte er auch Hilfe benötigt, aber ich war nicht für ihn bestellt und er wohnte auch nicht in Hannover. Alles sehr schwierig.

Sie ging dann 4 oder 5 mal die Woche in die Tagespflege und war so etwas aus der Schusslinie. Eine Vorsorgevollmacht haben wir noch gemacht für sie. Das war gut, weil auch klar, dass Gerhard sich um nix kümmern wird. Sie hat mich behandelt, als wären wir alte Jugendfreundinnen. Sie hat viel von ihrer Jugend erzählt und von ihrem Bruder, mit dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte. Da ging es um Wandern, Zelten am See, Lieder singen, Kameradschaft, dass er immer ein Wörtchen mitzureden hatte wenn sie einen Freund hatte und den mitbeurteilt hat, ob er der richtig für sie sei. Eigentlich klang es mehr so, als hätte sie gerne den Bruder zu Mann genommen. Sie hat über die Tagespflege neue Klamotten bei Karstadt gekauft, für die wohlhabende Kundschaft wird da mal ein Taxi spendiert um sie aus der Pflegeanstalt abzuholen. Als sie dann ins Krankenhaus kam und ich kam zeitgleich mit dem Krankenwagen mit dem Fahrrad an, hat sie geweint und war ganz glücklich mich zu sehen. Sie sagte mehrfach: „Du bist doch meine beste Freundin“. Wie will man bei so etwas emotional nicht betroffen sein, frage ich mich. Geht das? Ich glaube nicht.

Sie wurde operiert und das ging gut. Dann wenige Wochen danach kam sie wieder ins Krankenhaus und ist verstorben. Das passierte an einem Wochenende und ich war im Atelier und habe mehrfach mit der Klinik gesprochen, Schlagader im Bauch geplatzt, der ganze Darm und alles löste sich auf, auch mit Intensivmedizin war hier nichts mehr möglich. Dann fingen die Probleme an, weil ich noch Geld für meine Arbeit zu bekommen hatte. Titel musste umgeschrieben werden auf ihren Rechtsnachfolger, den lieben Sohnemann. Ich musste für diesen einen Erbschein beantragen! Hat mich auch gewundert, war aber so. Die Konten, die zum Todestag über 35.000,- betragen hatten, waren mittlerweile schon leer. Das alles dauert alles fast 1,5 Jahre und meine Gebühren sind nicht verzinst und ein alter Studienkommilitone ist der Rechtspfleger und ich habe schon ganz schlechte Laune bei dem Thema, weil Gerhard die Konten leer geräumt hat und ich nicht schnell genug an mein Geld komme. Ich bekomme mein Geld von einer Versicherung. Erfolgreich habe ich vollstreckt. Parallel kommt die Meldung, dass auch der Sohn verstorben ist, knapp 1 Jahr nach der Mutter. Er hat damals schon ca. 20 Jahre älter ausgeschaut als seine Mutter obwohl er über 30 Jahre jünger war. Jetzt bekomme ich Post einer Hamburger Großkanzlei, dass es ein Nachlassinsolvenzverfahren für ihn gibt, d.h. seine Kinder haben das Erbe ausgeschlagen und er hatte Gläubiger und dafür wird nun die Wohnung verwendet. Es gibt schon Kaufinteressenten. Die werden dann befriedigt und dann ist endgültig Ruhe. Von mir wollen sie eine Aufstellung der Konten, damit sie nichts übersehen. So denke ich heute noch mal an meine alte Freundin und das ungleiche Paar von Mutter und Sohn. Schade, dass ich damals noch nicht Tagebuch geführt habe, weil die Erinnerungen verblassen etwas.

Abends auf dem Sofa wieder 37,2 °. Eine bunte Tüte für 2,- muss herhalten. Nur gesunde Ernährung kann mir hier wieder raushelfen.

Rahmenforschung

Mein Mann ist viel feinfühliger als ich. Ich bin ein Holzklotz. Ich bin immer wieder erstaunt, dass Menschen so ein falsches Bid von mir haben und mich z.B. für eete-petete halten? Mich! Ich bin die größte Schlampe und kann kein Buch anschauen, ohne meine Spuren zu hinterlassen. Jede Seite, die ich mir angeschaut habe, markiere ich unfreiwillig mit einem fettigen Fingerprint und bin immer wieder aufs neue erstaunt: „dhoo“, wie Homer. Ich lache auch sonst, weil ich das Gegenteil von Prinzessin auf der Erbse bin und schon auf mehreren Schere nebst Stiften, Büchern und Geodreiecken, Linialen, geschlafen habe.

Stephan hatte sofort gemerkt, dass nur ich eingeladen war, als ich schon für uns beide zugesagt hatte. Er hatte auch die Intuition, dass es als anlässlich eines Geburtstages sein könnte. Ich war ahnungslos. Er hatte Recht. Ca. 15 Frauen treffen sich im Wilhelm-Busch-Museum zu einer privaten Führung der Gastgeberin. Sie ist mit Leib und Seele Kunsthistorikerin und das steckt an. Sie erklärt so viel zu den Bildern, dass es für mich so ist, als würde ich sie noch mal sehen, ganz neu, d.h. ich war zur Vernissage bereits dort, aber die vielen Menschen und die vielen Glotzer haben mich in die Flucht geschlagen. Heute lerne ich neue Worte wie „Rahmenforschung“, dass der Wechselrahmen erst erfunden wurde und davor das Bild eine Auftragsarbeit war mit einer festen Bestimmung in einem Schloss oder in einer Kirche zu hängen und da war der Rahmen fester Bestandteil der Arbeit. Erst als Bilder als Wertanlage entdeckt wurden kam der Bedarf ein Bild auch mal dem bisherigen Rahmen zu entnehmen. Alles was ich hier schreibe steht unter der Prämisse, dass ich es hoffentlich richtig verstanden habe. Das will ich mal ganz klar stellen, bevor ich fortfahre. Interessant war auch die Bildersprache, dass mit bestimmten Tieren etwas angedeutet wurde. Ein Schwertfisch oder eine Eule als Nachttier sollten jedem klar machen, dass die Dienstleister, die auf dem Bild dargestellt wurden windige Zeitgenossen oder Quacksalber waren. Auch ein Schmetterling, der auf einem riesigen Bild mit Tiermalerei (Kühe und Schafe) gegenüber einem Pärchen winzig klein in der anderen Ecke des Bildes zu entdecken ist, soll andeuten, dass der Flirt der zwischen den Menschen dargestellt wird, eben nur ein Flirt ist und die Liebe nicht von Bestand. Dass die Jagdstilleben so beliebt waren, weil die Jagd dem Adel vorbehalten war und das Bürgertum, welches zu Geld gekommen war seine Räume trotzdem nicht mit Geweihen schmücken konnte und sich dann den aufgehängten Hasen neben totem Fasan und Rebhuhn dekorativ umrahmt von Blumen sehr gerne als Motiv hat malen lassen. Dass es in Amsterdam mehr Maler als Bäcker und Metzger gab zur Zeit der Blüte der niederländischen Malerei. Es ist kühl im inneren des Museums, gefühlte 12 ° und die Damen, die eine Strickjacke dabei haben nutzen sie auch.

Wilhelm Busch liegt der Gastgeberin besonders am Herzen und ich bin nun kein Wilhelm Busch Kenner, überhaupt nicht, finde es aber total interessant Neues über ihn zu erfahren, weil es eben so interessant erzählt wird. Am meisten hat mir die Erkenntnis beeindruckt, dass er im Alter nicht konservativer wurde, sondern eher Richtung moderne Malerei gegangen ist. Er war Fan der niederländischen Malerei und das ist ja auch Thema der Ausstellung, hat sich in seinem Spätwerk aber von seinen früheren Vorbildern gelöst und sehr modern und abstrakt gemalt. Auch für mich erkennbar ein Vorreiter der Moderne. Das war sehr interessant nachzuvollziehen mit professioneller Hilfe. Außerdem gefällt es mir gut, wenn einer in diese Richtung tendiert, die ich auch an mir selber feststelle, dass ich mutiger werde, mehr zu mir selber finde und nicht konservativer, aber das Gegenteil. Das andere scheint normal zu sein. Als Jugendlicher Punk und dann Banklehre und Perlenstecker. Aber, es muss nicht so kommen.

Anschließend gibt es einen Sektempfang und ich habe kurzweilige Gespräche mit einer Französin, die ein schönes Möbelgeschäft in der Innenstadt betreibt und die ebenfalls Salzbutter liebt und einer sehr sympathischen Zahnärztin mit viel Ausstrahlung u.a. über das Projekt der Tochter für den Kunstleistungskurs eine Truhe mit Papageienfedern und Papageienlauten und einer mechanischen Vorrichtung zu bauen á la Rebecca Horn. Außerdem über das Gebiss des OB-Kandidaten Waldraff auf den Wahlplakaten. Ich erfahre nämlich, dass meine Zähne schwierig sind für die Prothesenherstellung, weil man bei mir das Zahnfleisch sieht. Das leuchtet ein und hat sogar einen eigenen Namen. Was für ein schöner Nachmittag, der damit abschließt, dass ich in einen Kreis aufgenommen wurde, zu dem ich vorher nicht gehört habe und die Gastgeberin mir das Du anbietet.

Für die Verabredung mit Freunden bin ich zu früh dran. Ich will auf eine schattige Wiese, aber wegen Fährmannsfest ist alles weitläufig abgesperrt. Auf der Limmerstraße merkt man deutlich, dass die Hitze die Psychosen geradezu ausbrütet, wie bestimmte Bakterien auch in einem bestimmten klimatischen Milieu am besten gedeihen. Mein lieber Swan. Gut, dass ich nicht für die alle zuständig bin. Als nächstes denke ich mein Fahrrad hat einen krassen Platten, weil ich auf einmal abbremse bis ich merke, dass sich der Teer wegen der extremen Hitze erweicht hat und ich darin quasi stecken bleibe.

Beim Essen läuft mir die Brühe den Körper herunter und ich muss mit der Papierserviette meine Kniekehlen auswischen. Die junge Bedienung frage ich, ob es warm genug sei, wie in Italien und sie sagt, zu warm, weil dort könne man Abkühlung im Wasser finden und hier gäbe es nur den Maschsee und da würde sie nicht reingehen wegen der Leichenteile. Da würde doch zurzeit immer wieder Unglaubliches in der Zeitung stehen. Das muss man sich in einer sizilianisch geführten Trattoria von der sizilianische Bedienung sagen lassen, wie unsere Freundin zu Recht feststellt. Anschließend wollen wir noch mal draußen sitzen. Der Versuch im eigenen Garten scheitert wieder, weil es zu abenteuerlich ist, zu viel Natur, nass vom Rasensprengen, dunkel, ich verlege sofort meinen Schlüssel und bekomme Panik, dass ich uns in den Garten eingeschlossen habe. Meine Füße sind nass, wir verlegen das Ganze auf den Balkon. Dort ist man der Zivilisation näher. Auch das ist bei uns Abenteuer, Möbel rausstellen, schnell wieder die Balkontür zumachen, damit keine Mücken und Falter in die Wohnung geraten, im Dunkeln sitzen. Die Sterne sind nicht mehr so herrlich klar wie am Vorabend, aber es ist schön draußen zu sitzen. Wenn ich Glück habe, werde sich diese Freunde auch nach Wien locken lassen.

Samstag weiß ich noch lauter Träume, habe aber den Ehrgeiz schon wieder verloren, sie zu behalten oder aufzuschreiben. Es ist wieder Traumdemenz angesagt. Immer wieder einschlafen und noch mal wirres Zeug träumen. Es ist herrlich. Beim Kaffee lese ich in meinem neu erworbenen Otto Dix Kunstbuch im Wintergarten. Das habe ich gestern aus einer Flohmarktkiste im Wilhelm Busch Museum erstanden und sehe dann, dass es aus der DDR stammt (VEB) aus meinem Geburtsjahr. Wir lieben Otto Dix. Wie der einen Dackel oder einen Schäferhund malen konnte und die Porträts, auf denen das Wesen der abgebildeten Menschen erkennbar wird. Dann die tollen Porträts seiner Kinder, Ursus und Jan und Nelly (seine Tochter). Wer war Bettina? Ich lese es nach dank Internet. Seine Tochter Nelly hat Zwillinge geboren, die verstorben sind und dann Bettina und ist dann im Alter von 33 Jahren an den Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs gestorben, so dass Otto Dix Bettina adoptiert hat, die Tochter seiner Tochter. Ganz schön tragisch. Den verbleibenden Vormittag und auch Nachmittag verbringe ich damit die Fleischbilder aus den Edeka beilagen auszuschneiden und daneben ein paar Buttons aus der Presse jagen.

215030

Ich bin leicht krank und weinerlich und das Chaos in der Wohnung nervt mich und die Erdbeeren mit Vanillejoghurt schmecken nicht (beides sind Zeichen, dass ich krank bin) neben den körperlichen Symptomen, Halsschmerzen stärker, Kopfschmerzen, Gefühl der Schlappheit und wie Fieber, aber bei den Temperaturen weiß man nicht, was ist krank und was ist Wetter.

Ich will es nicht einsehen, dass ich ins Bett gehöre und will eher eine Aspirin nehmen, sonst gar nicht meine Art, aber das passt mir einfach nicht ins Programm. Ich bäume mich auf. Wir werden sehen, wer diesen Kampf gewinnt. Körper oder Geist.

Was Essen gehen mit einem Freund geht noch, aber Zweierskateboarding findet ohne mich statt.

Beckmann gratinierter Ziegenkäse Beckmann Martini

Ich werde mehrfach wach und Stephan ist noch nicht zuhause. Schließe das Fenster und ziehe ein anderes Nachthemd an, weil ich verschwitzt bin.

Sehr intensive Traumwelten. Zuerst bin ich bin einer Betreuten zu Besuch und zufällig kommt eine ganze Gruppe Richter zu einer Anhörung um mir zu sagen, dass meine Anträge, die ich im Februar gestellt habe überwiegend unzureichend sind. Ich sage, die Amtsgerichtsrichterin, die das entschiede habe und jetzt aber nicht mehr zuständig sei (es ist im Traum eine befreundete Staatsanwältin, die es im wirklichen Leben gibt) habe mich darin bestätigt, dass die Familie mindestens dies und jenes brauche (was ich im Einzelnen argumentiere). Sie habe es deswegen damals so entschieden. Außerdem hätten sie mir ja sagen können, dass ich die Anträge umschreiben müsse wegen richterlicher Hinweispflicht und überhaupt, wenn sie das jetzt ablehnen würden, dann fahre ich ins Büro und formuliere alles neu mit Hilfe meiner Freundin und sie dürfen erneut darüber entscheiden. Das mache nur mehr Arbeit. Ich kann sie schließlich überreden, statt nur dem Wanddurchbruch 3 von 4 Punkten zuzustimmen und wir schließen einen Vergleich. Wieder im Büro angekommen ruft mich die Geschäftsstelle an und sagt, wir müssten das noch mal vergleichen und dazu mündlich verhandeln. Ich sage, wir hätten uns doch schon geeinigt und das sei auch mündlich gewesen und weigere mich jetzt noch mal deswegen zu einer Verhandlung zu kommen.

Dann treffe ich die Frau eines Kollegen, mit denen das Verhältnis etwas abgekühlt ist seit man sich mal in einem Fall gegenüber stand. Ich war da nachtragend. Ich bin ernst einmal blöd zu ihr, wie immer. Ich habe auch einen Dackel dabei und sie will mir was zeigen. Ganz spielend bringt sie dem Hund eine kleine Choreographie bei mit der Pfote, die einzelnen Fingerglieder werden bewegt, 2 mal damit, dann 2 mal damit und dann der Äußere, der Daumen und der Äußere (irgendwas Komplizierteres Abfolge schließt das Ganze ab). Sie zeigt es ihm einmal und mein Dackel kann es auf Anhieb und hat auch noch Spaß daran. Ich bin irgendwie gerührt und es hat mich weich gemacht und ich liege weinend in ihren Armen.

Irgendwann zwischendurch schaue ich mir die Farbe meiner Zähne an und sie sind ganz hell gelb. Es ging am Freitag im Gespräch mit der Zahnärztin um Sauerstoffbleaching. Ich glaube daher.

Dann zweite Traumhälfte: Stephan und ich sind im Theater und es ist englisch sprachig und sehr schlecht besucht, aber das Stück ist toll. Es tanzen unwiderstehliche junge Mädchen unterschiedlichen Alters und Könnens in niedlichen Kostümen (wie Ballett, aber in individuelle Ausstattung) und dann gibt es tolle Verkleidungen mit Gesichtsmasken, so dass man die Schauspieler nicht sieht und tolles Bühnenbild und es wird mit den Masken und Sprache gearbeitet und dann wieder Tanzeinlagen und alles ist sehr innovativ und auf Englisch. In den Pausen machen die Schauspieler Impro und reden mit dem Publikum und reichen Werbematerialien. Ich sitze in der ersten Reihe und wir bekommen ein paar rosa halterlose Strümpfe für 6,95 € und innen ist eine Orange eingepackt. Das Mädchen neben mir will wissen, ob ich die kaufen will/anziehen will und sagt selber, dass ich dafür wohl zu alt sei. Es ist Größe M (das sind Sequenzen aus Shopping-Queen, ich muss wohl das ganze schlechte Fernsehprogramm aufarbeiten, was als Hörspiel lief während ich mit halber Kraft gebastelt habe). Ich sage, dass ich nur den Text lesen wolle. Dann nehme ich die Orange aus der Packung und pelle sie und esse sie und mache die Packung wieder zu und hoffe, dass sie mir dafür nicht 6,95 € in Rechnung stellen. Ich will eigentlich schon gehen, weil es mir dann reicht, aber irgendwie ist abgeschlossen und man wird wieder hineingeleitet. Dann erzählt der Regisseur und Schauspieler, wie er die Leute rekrutiert, dass es Laiendarsteller seien, straffällig Gewordene zum Teil und was er für Vorurteile gehabt habe und spielt mit einem jungen Mann die Szene nach, wie sie sich kennen gelernt haben. Dann ist das Stück vorbei und es gibt einen Plan von Niedersachsen, der N’esque heißt und in Landkreise aufgeteilt ist mit unterschiedlichen Farben und man sieht wo sie überall spielen werden im Umland. Ich finde das witzig und will unbedingt die Werbetrommel dafür rühren (das hat sich damit was zu tun, dass mein Kollege eine Karte der Landgerichtsbezirke der OLG Celle an der Wand hängen hat, Stadthagen, Hildesheim und ich kommentiere das, Hannover ist zu klein und auf Verden und Stade bezogen, das sei auch Niedersachsen). Dann sollen wir auf einen Schauspieler warten und der hat einen sehr unerzogenen Schäferhund, der randaliert, d.h.in die Leine springt und Stephan will den auf Teufel komm raus und 10 Minuten erziehen (wir haben kurz Herrn Rütter geguckt und uns wieder gewundert, was Tierbesitzer sich alles von ihren Vierbeinern gefallen lassen). Erst dreht Stephan auf und will dadurch irgendwie Dominanz ausdrücken, was den Schäfer noch mehr aufputscht. Dann geht er mit ihm raus und ist superstreng und will ihn schlagen und ich sage, das dürfe er nicht, es sei ein fremder Hund. Dann befreit sich der Hund von der Leine, kommt aber auf Rufen wieder und lässt sich wieder einfangen, d.h. gerade als ich ihm das Halsband ummachen will, beißt er hinein und ich werde wach. Es ist erst 8 Uhr, aber ich habe genug geschlafen.

Es ist bewölkt. Alleine zum Flohmarkt habe ich keine Lust, außerdem ist es hier eh zu voll und Hütchen und Bastelmaterialien habe ich genug. Dann lieber so aufregende Dinge tun wie die Bügelwäsche, den großen Berg, einmal abarbeiten.

Ich fange stattdessen an mit Hütchen basteln und stelle erneut fest, wie mich das Berlinwochenende mit Heike nachhaltig inspiriert. Heike, die eigentlich aus dem Bereich Nähen kommt hat mich neu aufs Kleben mit der Heißklebepistole gebracht. Ich war da schon ganz weg davon, so von wegen schlechte Arbeit, Pfusch, darf man nicht. Total Quatsch und es hilft einfach verschiedenen Materialen zu verbinden und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich mache erst mal 3 Hütchen, 1 genäht und zwei geklebt mit Plastiktüten und Papier. Herrlich, dann wecke ich Stephan weil ich der Meinung bin, dass er wohl genug geschlafen hat. Insgesamt werden es heute 6 Hütchen. Das mit dem Schwein ist von einem Weinkarton vom Winepunk.

Haarschmuck 1 Haarschmuck 2 Haarschmuck 3 Haarschmuck 4

Daneben tut sich aber nicht so viel. Die Fleischcollagen bleiben unfertig und irgendwann muss ich sie wieder einsammeln, weil sonst kein Platz mehr auf dem großen Esstisch ist, so wie ich überhaupt die ganze Wohnung in Beschlag nehme….Beim Bügeln läuft mir die Suppe runter. Ich habe noch nie eine Folge Shaft gesehen, aber auch die stehe ich nicht bis zum Schluss durch.