Archiv der Kategorie: Sauerrahmbutter

Alltagsberichte – das Tagebuch

Der Geist von Weihnachten

19.12. Herr PM hat eine Räumungsklage und ich bestelle mich gegenüber dem Gericht und zeige die Verteidigungsbereitschaft an, obwohl es hier gar nichts zu verteidigen gibt. Das Betreuungsgericht ist zeitgleich der Meinung, dass er mich zahlen kann, weil seine Schwester noch 4.000,- € für ihn verwaltet. Denen schreibe ich, dass wir das Geld für die Räumungsklage und vor allem den Umzug und die Mietkaution benötigen und ein Betreuter von mir sich 2013 suizidiert hat als er umziehen sollte und da war schon eine Wohnung vorhanden, in die er ziehen konnte. Die Details erspare ich dem Betreuungsgericht, aber er ist zu einem Hochhaus in Ricklingen gefahren, wo er einmal eine Wohnung besichtigt hat und offenbar wusste, dass man reinkommt und ins Treppenhaus und an einen Außenbalkon und gesprungen in der Nacht bevor die Umzugshelfer kamen, die morgens vor verschlossener Tür standen. Ich denke, meine Aufgabe ist es, meine Betreuten auch dann zu unterstützen, wenn sie rechtlich keine Prozesskostenhilfe bekommen, weil die Rechtsverteidigung keine Aussichten auf Erfolg hat und, dass das Umziehen müssen mit hohem Stress verbunden ist und ich hier gerade allerhand zu tun habe, ich aber auch nicht umsonst arbeiten will mit dem Hinweis, dass der Rechtspfleger, der ihn für vermögend hält, die Akte bitte dem zuständigen Richter vorlegen soll, weil ich doch der Meinung bin, dass ich meinem Betreuten beistehen und nicht die Arbeit einstellen sollte.

Ich fahre zum Amt und treffe  mich mit einem Betreuten um einen neuen Antrag zu stellen. Es wurde festgestellt, dass er länger als 6 Monate nicht erwerbsfähig ist. Lange Schlange, Russen mit ihren Eltern und andere, die erst am 19.12. gemerkt, dass sie kein Geld für den Monat bekommen haben.  Alles läuft wie am Schnürchen. Ich bin bekannt in der Hamburger Allee und dort sitzen viele sympathische Menschen, mit denen ich mich verstehe u.a. ein Typ, der aussieht, wie der Schwager von Walter White aus Breaking Bad, der in der Serie allerdings bei der DEA arbeitet (Drug Enforcement Administration ist die Abkürzung glaube ich).

Meine kleine Querulatorin, die immer will, dass ich ihre Rechte wahrnehme und überall Klagen einreiche, wollte mich los werden. Ich wäre auch nicht dagegen gewesen, habe nur gesagt, dass ich sehr wohl was tue und der Wunsch nach Betreuerwechsel in der Krankheit begründet liegt. Das Landgericht schreibt nach einer Beschwerde des Hasen: „Die Voraussetzungen für eine Betreuerentlassung gemäß § 1908 b Abs. 1 Satz 1 BGB liegen nicht vor. Ein wichtiger Grund für die Betreuerentlassung ist, wie das Betreuungsgericht zutreffend ausgeführt hat, nicht ersichtlich. Auch aus dem Beschwerdevorbringen ergibt sich nicht, dass die Betreuerin eine konkrete Pflichtverletzung vorzuwerfen wäre. Die Betroffene wirft der Betreuerin lediglich allgemein vor, ihre Interessen nicht durchzusetzen. In welcher Form sie hierbei pflichtwidrig gehandelt haben soll, ergibt sich aus den pauschalen Vorwürfen nicht. Die Betreuerin hat sich ausweislich ihrer Stellungnahme um die Angelegenheiten der Betroffenen intensiv gekümmert, ohne dass konkret ersichtlich wäre, inwieweit hier Pflichtverletzungen vorliegen sollen. Die Betroffene verkennt, dass die Betreuerin lediglich gehalten ist, die Interessen der Betroffenen wahrzunehmen; ob sich die Interessen auch durchsetzen lassen, ist vielmehr eine Frage der jeweiligen gerichtlichen Entscheidung…Dem Wunsch der Betroffenen nach einer Austauschentlassung kommt zwar ein besonders Gewicht zu….Es widerspräche dem Wohl der Betreuten, ihrer gegen die Betreuerin gerichteten, krankheitsbedingten Stimmung nachzugeben.“

Auch ganz schön zu lesen.

Ich bekomme Fotos von einer Freundin von unserem Feininger als Welpe. Das war Modenschau bei Anne Behne vor gefühlten 100 Jahren. Ach, wie süß, der helle Hund, unser Sonnenschein und was waren wir für stolze Eltern. Wir haben keinen neuen Hund, weil ich immer noch Feininger habe, in meinem Herzen. Ich schrieb der Freundin, die mittlerweile 2 Hunde hat, dass ich immer noch einen Hund habe, aber meiner tot ist und ich daher nicht mehr Gassi gehen muss oder darf mit ihm.

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Ich habe abends einen Termin zum Buttonbasteln für einen Junggesellinnenabschied. Die Buttons sollen das Wort „PENIS“ ergeben, aber nur einzelne Buchstaben, die im Bedarf zu dem Wort zusammengesetzt werden können, wegen der Kinder. Ich muss das nicht alles verstehen. Es wird das erste Mal mit Glitter gearbeitet in der Buttonwerkstatt. Ich bin hundemüde wegen der Weihnachtsfeier, die feucht-fröhlich war von meiner Seite und mit einem Nachgang in kleinerer Runde noch länger ging. Ich gehe um 21 Uhr ins Bett. Vorher noch eine mail an kunsthistorisches Museum wegen der Freund-Ausstellung. Verlängert vom 06.01. auf den 12.01. Ich bin verunsichert, aber den Flug haben wir eh schon gebucht.

20.12. Ich bin um vor 5 wach und habe ausreichend Zeit alles zu erledigen was heute noch auf dem Programm steht, privat und dienstlich. Nerve meine Eltern mit Anrufen um 8 Uhr. Sie sind im Bad. Lege den Kalender des Nachbarn kommentarlos vor seine Tür.

Morgens kommen die Fensterputzer. Der Typ redet gar nicht und benutzt nur Zeichensprache. Den Kopf in Richtung Flurende drehen und dabei fragend gucken soll heißen, ob die Mitarbeiterin der Steuerberaterin weiß, wann der Psychologe mit seinem Termin fertig ist. Das Museum in Wien antwortet mir prompt und ich bedanke mich. Schreiben kann man sich sehr gut mit den Wienern, aber in geschäftlichen Angelegenheiten sollen sie verschlagen sein, d.h. sie sind charmant und hauen einen zugleich übers Ohr, halt nicht so gradlinig wie die Deutschen. Selbe Sprache, trotzdem andere Kultur.  Meine Betreute sagt ihren Termin ab, der Sohn ist krank geworden. Sie kommt dann nach Weihnachten am 30.12. Ich erledige Post. Gegen Mittag fahre ich mit dem Kollegen zu der Computerfirma um mit denen nach einer Lösung zu suchen. Im Auto ist er knallhart, vor Ort hat er viel Verständnis. Er macht ihnen aber auch deutlich, dass wir über 2 Wochen keine Rechner hatten und kein Geld verdienen konnten und das alles nacharbeiten müssen. Sie haben das Problem nicht ernst genommen (jeder Mitarbeiter bekommt täglich 90 Anrufe und jeder ist der Meinung, dass bei ihm die Hütte brennt) bzw. erst nach meinem Fax. Unser Programmierhamster hält sich bedeckt, sein dicker, schielender Kollege sagt, es wäre blöd gelaufen und das sie so was nicht noch mal machen würden. Das sei ihr Fazit. Wenn man ein Supportticket für 300,- € von der Softwarefirma kaufen muss und sich darüber einig ist. Wer kümmert sich darum? Der IT-Spezialist oder der Endverbraucher und Kunde? Ich sage, es sei doch so als sei man beim Hausarzt gewesen nach einer Blutuntersuchung. Der sagt, der eine Wert sei verdächtig, aber er könne das nicht beurteilen, da müsse ein Speziallabor ran. Wer organisiert das dann?

U wie uneinsichtig

16.12. Die Woche beginnt. Ich bin Beraterin für den Fall: Mutter in der Psychiatrie und habe ein offenes Ohr. Ich kenne die Frau von der Feier einer Kollegin.

In der Mittagspause überlegen wir Spiele für Silvester. Mäxchen und Flaschen drehen sind meine Vorschläge.

In unserer Küche hängt eine Liste mit Bildern der Mitarbeiter unserer Computerfirma, die so grob versagt hat. Die sehen durch die Bank nach Joeys Pizzaservice aus. Alle bis auf 2 sehen aus wie Fahrer und die 2 sehen dafür aus wie Stammkunden, die täglich bestellen. Ich habe die Sache schon fast überwunden. Hatte zwischendurch Gewaltphantasien und dachte bei einem hellblauen Flippchart mit dem falschen Blauton an Taubenblau, Babyblau und blaues Auge Blau auf den Spezialisten bezogen, der hier tagelang herum saß, der immer nicht zurück ruft und nicht mit denkt für 5 Pfennig. Jetzt denke ich nur noch, dass die echt armselig ausschauen, wie Pizzafahrer halt. Mein Kollege hatte die Idee mit dem Küchenaushang und dachte dabei an Darts. Danach ist mir gar nicht mehr. Wie verflogen. Gut, schlechte Laune bekomme ich schon, wenn ich den noch mal in Echt sehe, aber so ergreift mich wieder vorweihnachtliche Milde.

Nachmittags bin ich bei Herrn Maßregelvollzug verabredet und habe Stephan zwei Ernährungstabellen aus dem Internet ausdrucken lassen, außerdem habe ich den Ausweis im Gepäck. Gottseidank entscheide ich mich gegen Fahrrad und fahre dann schön spießig und doof mit dem Bus in Wunstorf. Der Zug ist megavoll und viele mit umständlichen Einkäufen, z.B. Bilderrahmen, finden nur einen Stehplatz. Ich lese Tante Jolesch und freue mich. Noch bevor der Zug losfährt kommt im Sekundentakt eine Durchsage, dass der Ausstieg links ist. Dann eine sehr trockene, niedersächsische Livedurchsage des Zugführers, dass wohl der allerletzte jetzt mitbekommen habe, wo der Ausstieg ist. Das sei der Boardcomputer, der einen männlichen Namen trägt, den er auch nennt und der würde heute viel labern und sei nicht abzustellen. Alle müssen schmunzeln.  Im gemütlichen, ausbruchssicheren Besprechungszimmer der KRH gibt es die große Runde. Meiner ist verzettelt und will immer wissen, wer ihn beruflich fördert und wegen Abi, das macht er dann schneller als es die Regel ist. Ich sage, bevor es um ein Hochbegabtenstipendium geht, muss erst mal eine Butze her. Es ist mal wieder lustig festzustellen, dass es nicht darauf ankommt, was einer sagt, sondern wer und wie. Der Schließer oder Pfleger, die Übergänge sind hier sehr fließend sagt was und Herr MRV sagt nein. Ich sage dasselbe und er willigt ein. Dann sei das so. Erst mal vielleicht Wohnheim anschauen, auf jeden Fall ambulant betreutes Wohnen akzeptieren. Innerlich spreche ich ein Stoßgebet. Außerdem sage ich ihm, zu wackelig wieder zu dem Vermieter, der ihm per Untermietvertrag Unterschlupf gewährt. Geduld reicht keine 3 Tage, dann ist er auf der Straße und Frau A. im Weihnachtsmodus mit Telefon im Flugmodus und nicht zu erreichen. Ich hoffe, er hat es verstanden. In der Bahn ist es richtig voll, dass die Hannoveraner genervt sind und echt Leute nicht einsteigen können, damit ist da für japanische und auch englische Verhältnisse noch viel Platz in der Mitte, aber die Leute rücken nicht vernünftig auf und sind schon am Limit. Eine sehr kleine Frau steht neben mir, die sich beschwert, dass es schon seit Monaten so voll sei. Ja, ist doch lustig, denke ich da. Schön auf Tuchfühlung gehen.

Anruf wegen Rechte am eigenen Bild. Fotos eines Toten. Trauerbewältigungsarbeit der Freundin. Jetzt meldet sich die Familie und ein Anwalt. Mit Lebenspartner ist nicht die uneheliche Freundin gemeint, sondern eingetragene Lebenspartnerschaft, gleichgeschlechtlich, wie Ehe. Ohne Ehe nix Wert, rechtlich, oder? Gottseidank hatten wir die Rechte an unserem toten Hund.
Den haben wir ganz viel fotografiert zur Bewältigung des Schocks und mit den Fotos konnte man auch schon Leute schocken und das war nur ein Hund.

Der Mond ist schon schön. Ich bin immer wieder verliebt. Mit den Wolken als Beilage. Gerahmt vom Fenster meines Sportstudios. Es sieht traumhaft aus. Letztes Mal mein Montagssportkurs in diesem Jahr.

Wir liebäugeln mit Wien schon im Jänner. Letztes Jahr waren wir auch 2 x Anfang des Jahres dort und wenn so eine „Tradition“ erst mal Einzug erhalten hat. Schön Naschmarkt und Kaffeehaus und die Lucian Freund Ausstellung. Das wäre schon eine feine Sache und mein Schatz und ich sind uns Gesellschaft genug, auch wenn ich die Wiener Freunde sehr liebe, sollte man sich nicht in Abhängigkeit begeben und auch keinem auf den Zeiger gehen. Das muss nicht sein, oh nein. Da kann man schön unabhängig hin, was Schönes anmieten und herrliche Stunden dort verbringen, wo die Zeit stehen bleibt. Im Café Sperl z.B. Und da sehe ich auch schon das perfekte Apartment. Die Frau schreibt geiles Englisch mit deutschem Satzbau: „Fridge and Waschmaschine are hiding behind red courtains“ ist dort zu lesen. Dusche in der Küche, alles gut. Lustig schaut’s aus und gleich neben dem Sperl. „Super clean“ sei es dort, preist die Vermieterin ihre Bude. Ähhh: next to Sperl = super clean! Zumindest in meiner Definition der Dinge.

17.12. Nein, ich meine nicht heute, wo ich schwitze im Wintermantel mit Wollschal und meine Riemchenschuhe wieder ausgepackt habe und die Handschuhe bleiben in der Tasche, ich meine Freitag auf dem Weg ins Kino, Spätvorstellung. Es war eisig kalt und Stephan trägt bei eisigen Temperaturen auf dem Fahrrad eine dünne Sommerhose und zwar extremdünn und ist stolz darauf, freut sich, dass er so männlich ist. Lange Unterhosen werden abgelehnt. Schon als Kind sei es demütigend gewesen eine Strumpfhose zu tragen. Wie Leander, der mir verrät, die müsse er nur tragen, wenn er in die Hose gemacht hat. Ich sage, Schatz, eine lange Baumwollunterhose, schön gemütlich, es müsste Dir ein Bedürfnis sein und dann sitzt Du wie gepolstert und warm auf dem Fahrrad. Meine Worte verhallen ungehört.

Ich habe keinen anwaltlichen Killerinstinkt. Es geht mir ab mich darüber zu freuen, wenn die Gegenseite einen Einlauf bekommt. Ich habe Mitgefühl. Heute mündliche Verhandlung in meiner Mietsache. Die behinderte Mandantin wurde krank durch den Kontakt mit Behinderten (quasi Hund mit Hundehaarallergie) und hat fristlos gekündigt, was der Vermieter ablehnt, wobei vorher gesagt wurde, dass es mit ärztlichem Attest kein Problem sei.  Vorgerichtlich wollte ich mich einigen und hatte mich noch geärgert auf ein Angebot 2/3 in Raten zu bezahlen nicht eingegangen zu sein. Jetzt fragt die Richterin die Gegenseite, einen dünnen Mann mit Outdoorkleidung über dem Anzug nach Untervollmacht. Nein, der Typ ist aus Berlin angereist. Dann nach Einigungsbereitschaft. Gottseidank sage ich nichts an dieser Stelle. Sie will mal sagen, wie sie das sieht. Meine Argumente greifen alle. Mietverhältnis endet zum 30.11. und nicht erst 3 Monate später. Nicht wegen des Kündigungsgrundes meiner Mandantin, sondern hier gab es einen anderen, vertraglichen Kniff auf den ich aufmerksam gemacht hatte. Es gab einen zweiten Vertrag, den die Behinderten mit einem Pflegedienst abschließen müssen und diese waren aneinander gekoppelt. Beim Pflegevertrag war es mir jedoch gelungen, diesen zum 30.11. aufheben zu lassen. Die Renovierungskosten sind verjährt, weil Verlängerung der Verjährungsfrist in den AGB nicht zulässig. Keine Abweichung vom Gesetz, nur in Ausnahmefällen. Die liegen hier nicht vor. Wir vergleichen uns so, dass die Klage insgesamt hinten runter fällt. Dafür behalten sie die Kaution, die sie schon haben. Meine Kosten müssen sie auch zahlen, außer der Vergleichsgebühr. Dafür hat die Mandantin Prozesskostenhilfe bekommen. Mal sehen, ob der Vergleich hält, sonst Risiko Landgericht, was alles anderes sehen kann. Hey, das ist ja mal besser gelaufen als erwartet. Der Vermieter ist ein Arschloch, aber für den Kollegen, der extra angereist ist, tut es mir leid. Ich gehe zur Belohnung ins Fairkaufhaus und da ist heute „Adventskalender“ Türchen 17. Dezember, 30 % auf Damenkleidung. Hey, heute ist mein Tag! Dafür muss ich schon in der Adolfstraße auf dem Weg zum Gericht über das Plakat von Scooter lachen. 20 Jahre Hardcore. I don’t think so. Was hat das mit Hardcore zu tun? Kann mir das bitte mal einer erklären.

Scooter

Ich verschiebe Zahlungsfristen und meine Betreute fragt sich, warum? Ich sage entweder weil mir langweilig ist oder weil sie sonst nichts zu essen hat im Januar und wir jeden Euro gebrauchen können. Ja, auch ein Abschlag der Stadtwerke von 35,- €, der erst am 13.02. fällig ist. Ihre Idee war, sich in der MHH einweisen zu lassen, damit sie dann warmes Essen hat. Das ist noch weniger sinnvoll und ich bin gegen eine unbegrenzte Aufstockung des Dispo, der die 2.000,- € Marke schon gesprengt hat. Ich bin sauer, aber sie kann es wohl nicht besser. Es täuscht mich, dass sie alle Zahlen auf dem Schirm hat, nur danach handeln gelingt ihr nicht. Das meint auch die MHH. „Frau Arnhold, ich habe gute Nachrichten für Sie. Das Blindengeld wird erhöht im April“ oder so ähnlich lauten ihre Worte. Warum sind das gute Nachrichten für mich, lautet meine Gegenfrage. Ich bin nicht sehbehindert.

Ich verrichte die Dinge, die vor Weihnachten noch sein müssen. In der Erbschaftssache war ein Vergleich schon beschlossen. Die Gegenseite hat ihre Anwältin gekündigt. Ist jetzt alles wieder offen und kann von vorne anfangen? Habe ich nicht schnell genug den Vergleich angenommen? Hätte nichts genutzt. Die müssen zum Notar. 35.000,- € zahlen und dann nicht in der richtigen Form, dass es auch beim Grundbuchamt anerkannt wird, wäre auch keine Lösung gewesen. Scheiße ist es trotzdem. In der Familiensache ruft mich die neue Freundin an, ob mein Mandant den Dauerauftrag für Kindesunterhalt ändern soll. Ja, so haben wir es besprochen lautet meine Antwort. Er versteht es manchmal nicht richtig. Gut, dass sie noch mal nachfragt. Überzahlten Unterhalt bekommt man nicht zurück. Sie lobt mich, dass ich viel besser sei als ihr Anwalt, weil ich schneller bin und ihr Freund schon geschieden. Das ist mal wieder ein Blick auf die Sichtweise der Klienten.

Dicke Akten vom Versorgungsamt und ein großer Kalender werden zur Post gebracht. Lange Schlange. Bei den Akten ist es mir ein Einschreiben Wert.

Morgen lerne ich meinen neuen Hasen kennen für den der Strafverteidiger mich vorgeschlagen hatte. Ich klingele bei ihm zuhause. Das ist mit dem Bewährungshelfer, der Stille Post für uns macht, so vereinbart. Morgen haben wir auch Büroweihnachtsfeier. Bis zuletzt war unklar, wie viele Personen teilnehmen 11 oder 12. Wie im Großraumbüro geht das hier zu. Hintergrund sind aber immer irgendwelche Krisen, also nicht so lustig, auch wenn ich nicht direkt betroffen bin. Schrottwichteln hatte ich letztes Jahr initiiert im Titus. Da mochte man den Anblick nicht besonders. Ich habe das beste Geschenk ever bekommen und daher keine Ambitionen das zu wiederholen. Könnte nur eine Enttäuschung sein. Von Schwiegermutter aus dem Osten, Glas mit Griff und Sandlandschaft und künstlichem Vogel und echten, aber toten Kakteen sage ich nur.

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Schnell zu Sport, außerhalb der Reihe, aber letzte Chance überhaupt in 2013, also auf. Danach essen und Haare waschen nach Wochen. Kopf kratzt nachher schlimmer als vorher. Stephan schneidet die Spitzen.

18.12. Morgens viel Telefonate u.a. mit der Grundbuchabteilung eines auswärtigen Gerichts in meiner Erbschaftssache. Der eine sagt so, der andere so. Dort anfragen, wo der Entscheider sitzt.

Die Vegetarierin hat sich krank gemeldet für die Weihnachtsfeier. Erst eine Extrawurst und dann unpässlich. Ich muss das anders sehen. Ich bin dankbar, dass ich so wenig gesundheitliche Probleme habe. Da gibt es Rücken oder Magen, kein Sekt- oder Weißwein darf mehr getrunken werden und das sind Leute, die jünger sind. Ich denke immer, ich strotze vor Kraft und der Zenit ist noch nicht erreicht. Klar, ich bin faltig geworden um die Augen und sehe nicht mehr so prall aus im Gesicht wie früher und auch nicht mehr so niedlich, aber ich bin zufrieden.

Der Hase ist nicht im Hochhaus. Mittags sollte eine gute Zeit sein. Die Tante steht unten vergeblich vor der Tür. Ich bekomme seine Nummer vom Bewährungshelfer und er kommt vorbei. War erst in einer anderen Straße. Da ist unter der Hausnummer 10 auch ein grünes Haus. Er schaut mich mit großen Augen an und erzählt mir was von den Magneten in den Wänden und der Bewährungsauflage eine ambulante Therapie zu machen.  Nach Familie gefragt gibt es eine Oma und die Pflegeeltern und -schwester. Ich rufe gleich den Betreuungsrichter an. Der will ihn noch mal begutachten lassen. Dann ruf ich ihn noch mal an und frage ihn, ob ich dem Gutachter seine Handynummer geben darf. Dann tue ich das und der hat zufällig nur noch heute Termine in Linden. Alle Vorzeichen stehen positiv bzw. was bin ich nur für ein resolutes Organisationswunder.

Auch in meinen anderen Fällen läuft alles super. Fotos für die neue Versichertenkarte. Eine ruft an, dass sie mir die Urkunde vorbei bringen will. Welche Urkunde, frage ich. Ach ja, eingetragene Lebenspartnerschaft. Sie hat geheiratet. Wie unsensibel von mir. Sie will ein Praktikum in der Pathologie machen. Das sei immer ihr Traum gewesen. Auch wenn sie da nich arbeiten könne, dann wenigsten ein Praktikum. Nachmittags kommt eine neue Betreute und lacht als ich schnell alles erledige und sage, dass mit der Stadtwerkenachzahlung reichen wir erst mal nicht ein, haben die überhaupt Zündstrom für die Therme gezahlt? Ich merke mal wieder, was es den Leuten für eine Last nimmt, wenn ich Ihnen die Dinge abnehme. Erst mal dem Amt schreiben, was sie überhaupt meinen. Sie schreiben Reha und schicken Rentenanträge und wegen der bevorstehenden Weihnachtsfeiertage sowieso Fristverlängerung bis Mitte Januar. Auf die 2 Wochen kommt es wirklich nicht an. Wie kann man meinen Hasen so viel Stress machen vor Weihnachten. Das werde ich nicht dulden! Zumal das diejenige ich, die nicht so sehr am Leben hängt, wie sie mir anvertraut hat und seit dem 9 Jahr regelmäßig Suizidversuche unternimmt. Ich höre mir das an, weil es mir so fremd ist als am Leben Klammernde, habe aber keine Gesundheitssorge.

Dazwischen ein loyaler Mandant, der immer kommt und bar zahlt und dann soll ich was machen. Er ist sehr zufrieden mit meinen Leistungen. Er lobt mich und sagt immer: viel besser würde ich arbeiten, als die, die er früher hat arbeiten lassen. Ich bin auch mit unserer geschäftlichen Liaison. Er ist zuverlässig. Kommt pünktlich, sagt ab, ist freundlich. Manchmal bringt er mir Essen. Schnelles Schreiben, 50,- €. Das geht. Jeder bekommt den Dienstleister, den er verdient hat. Das ist schon lange mein fester Glaube.

Bekomme Fax. Ich glaube, die familienrechtliche Klage wird sich doch nicht abwenden lassen.  Manche Anwälte verstehe ich nicht, aber vielleicht vertreten sie die Interessen nur besser oder anders. Einen anderen Kollegen, der mir bis heute eine Frist gesetzt hat, rufe ich nur an. Mehr als Ratenzahlung wird schwierig und dann ohne seine Kosten und Zinsen. Er wirkt sehr umgänglich. Mittellosigkeit ist manchmal ein tolles Argument. Auf die Weihnachtsfeier bin ich auch gespannt, weil es dieses Jahr auch bedeutet, neue Leute, zumindest eine neue Mitarbeiterin kennen zu lernen. Eine wird in Kürze wieder ausscheiden. Mal sehen, ob ich jemanden beleidige oder wie der Abend läuft.

Boring art

Ich bin gerne wieder zurück in Hannover und freue mich sogar über das Amtsgericht und sein Personal. Der Alltag geht mit der Strafverhandlung gegen Herrn I. los. Der Gerichtssaal ist voll von Zeugen (mindestens 6 Polizisten sind geladen, eine Frau, die für einen Kerl gehalten wird und das schmeichelt ihr). Die Geschädigten, ebenfalls Zeugen, sind Flachpfeiffen. Mein Kollege, der Verteidiger, ist super und fragt den einen, nachdem er ihn hat belehren lassen, dass er nichts sagen muss, durch das er sich selbst belastet, ob es sein könne, dass er Herrn I. gefragt hat, ob er ihm Marihuana besorgen könne. Als er verneint, wird er gefragt, ob er kifft. Das schon, er hat auch eine MPU am Laufen. Dann wisse er ja auch, dass man so was am Steintor kaufen könne. Mag sein, war die Antwort, aber woher wisse das er Verteidiger will die Richterin wissen. Von Berufs wegen ist seine Antwort. In einer Verhandlungspause erzählt der Kollege, dass er gestern beim Landgericht gewesen sei mit der Praktikantin, die hinten drin sitzt und es bestätigen könne. Die Frau Vorsitzende hätte vor Beginn der Verhandlung gesagt: „Hier hat einer gekifft. Ich rieche das genau“. Allgemeines Gelächter. Der Zeuge, der von meinem Betreuten verletzt worden sein soll, hat bei der Polizei angegeben, dass I. ihm mit dem Fuß in den Bauch getreten habe. Heute will es ein Schlag gewesen sein. „Der Tritt fühlt sich heutzutage wie ein Schlag an“. Solche lustigen Sachen bekommen wir zu hören. Zum Schluss gibt es für meinen, der wohl zumindest geschubst hat und dann das Handy genommen hat, welches vorher schon kaputt war und 100 Meter weiter von der Polizei wieder sicher gestellt wurde 1,5 Jahre und es gibt Rechtsmittelverzicht. Ich bin immer fassungslos, aber ihm Strafrecht zählt nicht unbedingt, wie erfolgreich man in kriminellen Dingen war. Sein Mitangeklagter bekommt 1 Jahr und 2 Monate zur Bewährung auf 3 Jahre. Er ist nicht vorbelastet, außer einem Vorstoß gegen ausländerrechtliche Meldeauflagen. Er kann nur französisch und seine kleinen Kinder sind in Belgien bei Freunden untergebracht. Er sieht aus wie ein böser Clown, mit grobporiger Haut und Glatze und bekommt im Gegensatz zu meinem wenig Sympathiepunkte. Im Schussplädoyer stellt er fest, dass er sich nichts vorzuwerfen habe, außer die falsche Gesellschaft gesucht zu haben. Das sieht nicht nach Einsicht aus, wie die Richterin feststellt, habe ihr das die „Schuhe ausgezogen“. Nach der Verhandlung erfahre ich, dass ich eine neue Betreuung übernehmen soll. Der Typ sieht überall Hobbits und verlässt dann seine Wohnung nicht. Wenn der Hunger zu groß wird, geht er raus und fährt los (ohne Fahrkarte). Das klingt spannend. Auch hier stellt die Richterin, die mich aus einer anderen Betreuungssache kennt fest, dass Herrn I. eine Superbetreuerin habe. Na, dann. Vorher weiß sie das. Weil ich so schön im Zuschauerraum sitze.

Freitag kommt Besuch aus Hamburg und wir essen Suppe und spielen Mahjong. Samstag machen wir einen kleinen Ausflug in die Ole Deele. Ich habe meinen passenden Kopfschmuck auf, der sehr gut ankommt. Das Essen ist super und ich habe nicht umsonst Vertrauen in Toni gehabt. Er hatte hinter den Kulissen das Zepter bereits übernommen, wie wir erfahren.

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Sonntag ist noch etwas Spielen angesagt und sonst basteln. Am Montag wird eine Hilfeplanung wird von meiner Betreuten 15 Minuten vorher per SMS abgesagt. Freitag hatte sie mir die Teilnahme noch bestätigt und auf die Mailbox gesprochen.

10.12. Morgens Langenhagen mit der Dauerpatientin, die doch keine Depotspitze nimmt und mit der man kaum reden kann. Großes Aufgebot mit Richterin und Verfahrenspflegerin und Oberärztin. Nachmittags um 16 Uhr steigen wir in die Bahn Richtung Eilvese. Es ist zu voll für 2 Fahrräder, für die wir noch nicht mal Karten haben. Als wir beim Geburtstag meiner Schwiegermutter ankommen, verabschieden sich gerade die anderen Gäste. Es gibt Kuchen und es ist sehr entspannt. Wir bekommen Geld zu Weihnachten und Essen mit für den Rest der Woche. Sie sind einfach nur lieb und anspruchslos, meine Schwiegereltern. Freuen sich über einen kurzen Besuch, erwarten nichts. Ich klebe die Walnuss-Erdnuss Teddies die fehlenden Gliedmaßen wieder ran, die meine Schwiegermutter sofort findet. Es war Tischschmuck. Bei Bedarf kann ich ihn mal genauer beschreiben. Sie hat auch eine Heißklebepistole und wir machen Späße, weil sie sich beschwert, dass ihr Tochter die kaputten hingestellt habe und ich sage, was habe sie gegen Behinderte. Stephan macht die Narkose. Einmal klebe ich schlecht und das Bein muss noch mal gebrochen werden. Ich liebe meine Schwiegereltern. Sie sind so unproblematisch und wenn ich beruflich gestresst bin, hilft mir die Familiensoße sehr, dass ich mich stärker und geborgen fühle. Ich habe einen blöden Scheidungstermin am nächsten Tag. Auch das geht vorbei und die Parteien einigen sich. Ich kann bei dem Mandanten und seinem Bruder, der auch mal Mandant war mit meinem Charme gut punkten. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Das heißt nicht ganz, keine Abänderungsklage vor Weihnachten wegen Kindesunterhalt muss doch noch sein. Wir haben einen Gästehund, den ich ins Büro nehme. Vorbildlich verhält sich der kleine, graue Terrier. Abends sage ich Yoga und die anschließende Kneipenrunde, die ich angeleiert hatte in letzter Minute ab. Besuch der toten Tanten. Auch mein schlechtes Gewissen kann mich nicht zwingen. Ich denke immer, ich ziehe es durch bis ich merke, es geht nicht. Sofa.

12.12. Morgens habe ich ganz früh einen Termin. Die Fachärztin soll zu meinem Betreuten. Klappt alles gut. Sie nimmt sich sehr viel Zeit, er ist verhältnismäßig gut drauf. Ein Wechsel in ein Heim, würde ihm nichts bringen. Hier hat er seine gewohnt Umgebung, dort kommt er unter die Räder oder hat weniger Platz und Rückzugsmöglichkeiten. Für mich ist das Gespräch gut, weil ich dann die Bestätigung bekomme, dass ich nichts versäume. Wir beschließen Essen auf Rädern, weil er sich von Cola und Zigaretten ernährt.

Dann Hilfeplanung bei einer anstrengenden Betreuten in der MHH, die ihr Konto mit 2.000,- € überzogen hat und nächsten Monat umzieht. Sie bekommt klare Ansagen von ihrer Therapeutin und ich dann die Kontokarte zur Verwaltung, damit weiterer Schaden verhindert werden kann. Angeblich hätte ich gesagt, ich hätte genug Termine und sie sei alt genug und damit die Geldeinteilung verweigert. Damit spiele ich, indem ich mehrfach diesen Satz in der Frauenrunde sage, weil ich mir sicher bin, dass diese Worte nicht über meine Lippen gekommen sind.

Am späten Nachmittag bekommen wir unser neues Lichtobjekt. Es gefällt mir sehr gut und sieht etwas aus wie H.R. Giga. Schönes Putzlicht. Da hat man erst den Lichtdesigner beauftragt, der einem viel Schummerlicht in die Wohnung gebaut hat, aber da musste erst der Mann von der HBK Braunschweig daher kommen um mal richtig für helles Licht zu sorgen. Ich bin begeistert.

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Ich brezele mich auf zur Kestnervernissage und gehe in einer Anwandelung von nervöser Unruhe vorher noch mal ins Büro um was zu faxen in meinem familienrechtlichen Mandat. Bei Kestner finde es ich so dröge, dass ich lauthals meine Kündigungsabsicht heraus posaune. „Auch wenn die Kündigung dann erst 2015 wirksam wird, dann hätte es wenigstens eine Ende. Ich bin dafür, dass hier wieder ein Schwimmbad eingebaut wird“. Als wir gehen wollen und nur noch auf unseren Nachbarn warten, werden wir von einem jungen Ding angesprochen, ob wir vielleicht Mitglieder werden wollen. Das könne man auch als Weihnachtsgeschenk verschenken, die Mitgliedschaft. Ich sage zu Stephan: „sag ihr, das ist ein ganz schlechtes Thema“. Sie sagt, was Weihnachtsgeschenke und ich sage: nein Mitgliedschaft, weil ein Lichtobjekt, was einen geraden Strich an die Wand macht und damit einem riesigen Raum blockiert, da gehe wieder gleich wieder schimpfend raus aus der Dunkelheit. Da kann ich im Fahrstuhl auch interessante Lichteffekte studieren. Diese Architektenkunst spricht mich nicht an. Zu vielen schlechten Ausstellungen, die mich null ansprechen. Wer sucht das aus? Wer lässt diese Leute hier rein? Wir kennen genügend gute Künstler, z.B. in Berlin, die echt ihr Handwerk beherrschen und die sieht keiner. Dann kommt sie mit den Preisen und Nominierungen und ich sage, das sei mir wurscht. Ich beurteile das selber, ob es mir gefällt. Ich würde mir die Musik auch nicht danach aussuchen, ob das auf Platz 1 der Charts sei, so von wegen, verkauft viel, muss ja dann toll sein und musikalisch anspruchsvoll. Es sei für sie interessant, unser Feedback, betont das junge Ding mehrfach und erklärt mir den verschiedenen Auftrag, den der Kunstverein und die Kestnergesellschaft hätten, während jene Nachwuchskünstler fördern würden, ginge es ihnen darum internationale Größen der Kunstwelt nach Hannover zu holen. Aber bittschön, da muss doch auch jemand dabei sein, der mich auch interessiert. Die Leute sehe ich dann im White Cube in London. Die haben einfach keinen Geschmack, die Leute, die hier das Programm zusammenstellen. Das ist mein Fazit. Ich will Kunst, die mich anspricht oder verstört oder zum Lachen bringt, weil sie geistreich ist und nicht so ein nichtssagendes Beleuchtungszeug und schlechte Skizzen. Wir trösten uns im Roma. Gefühlte 10 Jahre nicht da gewesen und genauso lecker wie damals. Die haben es echt drauf.

Freitag. Habe keine Lust zu arbeiten. Hole den Perso von Herrn Maßregelvollzug ab, den ich  Montag sehen werde. Jeden Tag ruft er mich an und hat neue Hausaufgaben, Wohnungsanzeige mit der Rückrufnummer des Patiententelefons ist keine gute Idee. Ich lehne es auch ab bei der Hotline der ILF anzurufen und mich über mögliche Studiengänge für ihn beraten zu lassen. Das mit dem Ausweis hingegen mache ich. Bedanke mich bei dem Mitarbeiter des Bürgeramtes, dass er mir telefonisch weitergeholfen habe. Manchen schreien gleich Datenschutz, auch wenn ich die ganzen Daten gebe und keine haben will und dann wäre ich nicht in die Stadt gefahren auf Gut dünken und mein Betreuter hätte seinen Ausweis nicht bekommen. War also spitze so. Wir holen 2 Kisten Wein aus dem Rossini ab. Eine Holzkiste steht in meinem Fahrradkorb. Der Nachwuchs hat sich verrechnet und dann bei Stephan für seine Ehrlichkeit bedankt. Vorher habe ich heute bei sonnigem Wetter in einem Anfall von Spontanität bei der Staatsanwaltschaft gehalten um kurz vor 13 Uhr um einen meiner Kalender los zu werden. Zwei Wachtmänner in Begleitung kamen durch das hohe Eisentor und haben unten die Tür aufgeschlossen. Ich zu dem einen: „hallo, Entschuldigung“. Er reagiert nicht und zwar überhaupt nicht (ignorance is strength, sage ich auch immer). Ich lasse nicht nach: “Ähhhh, Tschuldigung, ich wollte fragen, ob Sie feststellen könnten, ob Frau K. von der Staatsanwaltschaft noch da ist“. Er: „da ist alles schon geschlossen“. Ich: „Ja, aber Sie haben doch ein Telefon und könnten anrufen, ob sie vielleicht noch da ist und dann kommt sie bestimmt runter, wenn sie weiß, dass ich es bin“. Dann mischte sich der dritte Mann und einzige Nicht-Justizwächter ein und meinte, er könne nachschauen, ob Frau K. da sei und sie dann ggfls. runter schicken. Ich: „na, dann könnten sie das gleich freundlicherweise mitnehmen und ihr auf den Tisch legen oder in der Geschäftsstelle abgeben, aber es soll nicht im Altpapier landen, es ist selbstgebastelt und sehr wichtig“. Er fragte dann zwei Mal nach meinem Namen. Ich sagte ihn: Vor- und Nachnamen oder nur Vornamen und ergänze, dass es privat sei, wir kennen uns vom Studium. Danke. Leider habe ich nicht gefragt: „und wie heißen Sie, dem ich mein Geschenk anvertraue?“ Ich kann aber eine eins-A Personenbeschreibung: Er hat eine schwarze Wellensteiner Jacke, schwarze, leicht gelockte Haare und rote Flecken im Gesicht. Etwas kleiner als ich und ca. 45 Jahre alt, vielleicht auch älter oder jünger. Das Geschenk ist in doppelter Hinsicht gut angekommen. Die Menschkenntnis hat mich nicht getäuscht. Auf dem Mann war Verlass.

Sport, dann kaufe ich Obst ein und Joghurt bei Denn’s ein, weil ich gefühlt seit Wochen kein Obst gegessen habe. Zuhause esse ich ein riesiges Stück Cheddarkäse von Sainsbury mit Weißbrot und eine halbe Schachtel Butterkekse mit Schokoladenüberzug, dann bin ich auch wieder satt. Habe das Abendprogramm entdeckt, den neuen Film von den Cohen Brüdern OmU. Das muss man ausnutzen. Stephan sagt was von ausverkauft und es sitzen vielleicht 2 Duzend Leute im Kino. Die Ausstattung ist toll. Tolle Wohnungseinrichtungen mit 60er Jahre Möbeln, großen Plattensammlungen, Plakaten aus Wien an der Wand (US-Bildungsbürger), tolle Besucher, gemischte Paare, sie ist Asiatin, tolle Brillengestelle, wie die Insekten bei Gary Larson, tolle, enge Strickpullis u.a. trägt Justin Timberlake trägt immer einen. Der Film ist traurig und es geht halt wirklich alles schief, was schief gehen kann. Ist das Leben wirklich so? Es kommt mir an diesem Abend so unrealistisch vor wie das Gegenteil.

Unverschämt lange Ausschlafen Samstag und Sonntag und ich verlasse das Haus nicht das ganze Wochenende über. Samstag bastele ich zwei Ketten. Die eine ändere ich um, weil das Plastikobst doch sehr abstand und ich es nicht tragen mochte. Dann eine lila Ratte aus Shanghai, die lange als Schlüsselbundanhänger diente in neuer Funktion.

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Ich habe insgesamt 29 Kalender gebastelt und jetzt wo diese Zeit vorbei ist, ist wieder Zeit für andere Projekte. Ein Objekt aus den Verpackungen der Lonsdale Sport-BHs und Schmuck für Weihnachten. Ein Hütchen aus Lebkuchenschachteln und eine Kette aus weißen Plastikweihnachtssymbolen und Vieles mehr. Der Weihnachtsschmuck bleibt allerdings ohne Foto.

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Siehst Du Kathrin, hat sich doch gelohnt den Koffer mit den ganzen Verpackungen voll zu machen…Deine und meine.

Nachmittags kommt ein Freund vorbei und einer der Kalender wandert in sein neues Zuhause. Abends kommt eine Freundin zum Essen. Es gibt Gänsestopfleber (das Mitbringsel fürs Hunde sitten aus der Galerie Lafayette in Berlin)  mit einem Glas Süßwein und einen improvisierten Eintopf mit Spitzkohl und sehr schönen orange-lila, gelb-grünen Möhren sowie Christmas Cake von Fortnum and Mason (Apollo’s Muse). Wir sprechen über die wechselseitigen Silvesterpläne und wollen auf jeden Fall was zusammen machen. Eine private Einladung erscheint wenig verheißungsvoll, aber wir werden einander haben und die Aussicht zusammen gehen zu können (Exit through the gift shop) um vielleicht noch tanzen zu gehen. Wir bestätigen uns wechselseitig das lustigste Silvester der vergangenen 10 Jahre miteinander verbracht zu haben. Das sind gute Aussichten. Damals war ich kurz davor vor 12 Uhr ins Bett zu gehen nachdem ich 1,2,3 im Fernsehen geguckt hatte. Freunde waren zum Mahjongpspielen da, wollten dann aber weiter. Wir waren auch dorthin eingeladen, sind aber nicht gegangen. Als ich schon die Frisur gelöst und den Schmuck abgelegt hatte, klingelte es und Larissa stand mit einer Flasche Schampus vor der Tür. So begann alles, was sich spontan entwickelte und uns bei weißer Pracht zunächst zum bösen Wolf auf die Straße und dann auf eine fremde Teenagerparty führte, wo die Gastgeber euphorisierende Drogen genommen hatten. Irgendeine Vodka-Götterspeise wurde auch uns zur Begrüßung angeboten, aber wir bleiben beim rosa Cremant. Ich sei die Anwältin ihres Freundes mit den lustigen Hütchen werde ich begrüßt. Wir hatten ein weiteres Pärchen im Schlepptau und es gab leckere Getränke, die wir uns selber mitgebracht hatten (bzw. die von einem Kavalier durch den Schnee zu uns gebracht wurden), ich habe zu einer kleinen, leisen Anlage getanzt oder draußen auf dem Balkon mit Nadelbäumen im Schnee (einer unwirklich Aussicht für Linden Mitte) geraucht. Alles war zauberhaft gedämmt und es war ein so runder und herrlich unerwarteter Abend, der mit schlechter Laune und vor 12 ins Bett gehen begann. Heute spielen wir probehalber eine Runde Scrabble und stellen fest, dass ist ziemlich langweilig und ungeeignet für Silvester. Aus Sorte wird Eissorten und dann Reissorten und schließlich Südreissorten. Auf ein Pokerspiel, was den ganzen Abend dominiert und was Einige wieder zu ernst nehmen, wollen wir uns jedenfalls nicht einlassen an Silvester. Am frühen Abend hatte ich mit Claudia aus Hamburg telefoniert, die mich schon vorab nach meiner Jahresbilanz 2014 gefragt hat. Positiv unterm Strich, auf jeden Fall. Sie hatten viele Veränderungen, es gab gemeinsame Reisen u.a. nach Kopenhagen und wir lieben unseren TCM-Tee, wie wir während des Telefonats festgestellt haben.

Sonntag fange ich mit einem neuen Collageprojekt an, mit kleinen Kontaktabzügen, die ich in Farbfotos aus Baden-Württemberg hineinmorphe. Meine Schwägerin versteckt sich auch in mindestens 3 Bildern. Dazu mache ich ein Hütchen mit einem kleinen Rest Delfinstoff von meiner Freundin Andrea. Die Delfine schwimmen jetzt in meinem Zwiebelnetz (Gemüsezwiebeln, Klasse II). Es ist eine sehr gelungene Kreation. Schlafen, basteln, leckere Reste essen. Tee und Christmas Cake im Wintergarten, nähen, noch mehr basteln. Was für ein herrlicher Sonntag, ganz nach meinem Geschmack. Einziger Nachteil. Ich habe ein Hütchen gebastelt für ein Kleid, was ich nicht finden kann. Auf keiner meiner Kleiderstangen. Habe doch zu viel Zeug. Im Fernsehen läuft eine Dokumentation Edvard Munch. Oh Mann, der war auch nicht so gut drauf, der Typ und mit Frauen hatte er es auch nicht so. Da freue ich mich über meinen Mann, den Frauenversteher, der seinen Körper gerade beim Sport stählt und wende mich meinem Tagebuch zu.

Seit Dienstag will ich meine Schwiegereltern anrufen und mich bedanken. Das Kleid was ich suche, taucht in der Bügelwäsche auf.

Hier ist das Londonzebra mit den neuen Knochen aus dem Wald von den Hamburger Freunden.

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Stephan ekelt sich davor, aber ich habe einen richtigen Fetisch mit Knochen und fasse die gerne an und finde sie einfach ästhetisch. Die Zähne sitzen noch richtig fest im Kiefer. Den kleinen Hüftknochen, den sie mir mitgebracht haben, habe ich schon liebevoll abgeseift und er wird zum Schmuck verarbeitet und ist hier nicht zu sehen. Gerd wird noch ein Lichtobjekt für unser Gästezimmer machen. Ich schlage vor aus den Waldknochen. Er sagt, klar, ich soll die sammeln und ihm mitgeben. Ob ich das fertig bringe, die herzugeben für so was, auch wenn es ja trotzdem bei mir bleibt. Der Kampf tobt in mir.

Depri vor London

25.11. Traum mit einem alten Freund, der ca. 20 Jahre älter ist und mit dem wir seit einigen Jahren nur noch sporadisch Kontakt haben. Der hat Krebs und ich kümmere mich um ihn, was vor allem darin besteht, dass ich alle Leute weg beiße, die was von ihm wollen. Ein Drogenhändler oder Geldeintreiber, der kommt und sein Geld will. Die gehen eine Treppe nach unten, wo er im Bett liegt und ich packe sie am Kragen und befördere sie im großen Bogen nach draußen. Dann kommt ein Kumpel bzw. der Bruder. Zu dem bin ich netter und sage aber, dass es ihm nicht gut geht und er schlafen muss. Der soll später wieder kommen. Dann passe ich einen Moment nicht auf und der Gerichtsvollzieher liegt neben ihm im Bett. Den nehme ich gleich mit raus und sage ihm, dass er jetzt mit mir verhandeln darf. Der bettlägerige Freund soll mir mündlich eine Vollmacht erteilen. Tja, wo ich das nur her habe.

Auf der Arbeit Außentermine beim Wohnungsamt mit Herrn PM. Im Büro wieder major problems mit dem Server, den Programmen. Ich lasse einen Teil des Sportprogramms ausfallen und schreibe ganz primitive Anschreiben in Word, die gar nicht nach Anwalt aussehen. Die Umschläge beschrifte ich von Hand. Was bleibt mir übrig? Post muss ja trotzdem raus.

Die Weihnachtsbeleuchtung in Linden hilft nicht bei meiner melancholischen Stimmung. Geht mir jedes Jahr so, wenn es auf Weihnachten zugeht. Steigert sich und findet seinen Höhepunkt in der Zeit zwischen den Jahren. Jedes Jahr heißt seit ein paar Jahren. Früher kannte ich keine Jahreszeiten, d.h. sie waren mir egal. Netzstrumpfhosen haben auch gewärmt, sagte zumindest meine Freundin Claudia und zwar solche mit großen Maschen, wie ein Fischernetz. Jetzt bin ich alt und bemerke Jahreszeiten. Früher war ich wie ein Hund, wie Cesar sagt: „he doesn’t care that he has to die, when and how, he’s just living in the moment“. Dass ich Anfang Dezember geheiratet habe, wäre heute vermutlich nicht mehr vorstellbar mit dem ganzen Deprigedönse. Damals war’s mir Wurscht. Claudia, die gute Trauzeugin hatte Feuerspucker aus der Glocksee organisiert, die mit Molotowcocktails die Stufen des alten Rathauses gesäumt hatten und die Girlanden des Weihnachtsmarkts fast abgefackelt haben. Meine Stimmung war bestens. Winter oder Nachdenklichkeit: Fehlanzeige.

Abends will ich eine heiße Schokolade machen zu stellen fest, dass unser Riesenzottervorrat voller Maden ist, Krümel und Würmchen in jeder Packung. Alles weg bis auf 6 Stück, die ich als sauber befinde. Ich muss bestimmt ¾ oder mehr entsorgen. Das tut richtig weh. Darf ich gar nicht dran denken was das gekostet hat. Sesam-Grüner Tee. Alles verseucht. War wohl schon drin, sonst sind die Lebensmittel in der Küche sauber. Hatte ich vor Jahren mit Pralinen von Lindt. Komische Streusel dachte ich und so unregelmäßig, unten in der Packung war dann der Salat und die dicken, weißen Freunde. Damals war ich junge Punkerin und hatte die Pralinen als Frühstück. Als ich gesehen habe, was ich gegessen habe, war das schon eklig. Ich habe die restliche Packung eingeschickt und Entschädigungspaket sowie einen tollen Brief von der Firma Lindt bekommen, darin wurde erklärt, dass nicht nur Menschen die Schokolade mögen, sondern eben auch die Lebensmittelmotte und dann der lateinische Name und sie sei harmlos bei Verzehr.

26.11. Im Zeichen der Frau Dauerklinik. Hat Depotspritze genommen und will wieder nach Hause. Bedankt sich weinend bei mir am Telefon. Langes Telefonat mit der zuständigen Mitarbeiterin der Krankenkasse, was man alles an den Start bringen kann, Soziotherapie, noch mal ambulante psychiatrisches Pflege für 4 Monate. Wohnheim in Schleswig-Holstein ruft mich an. Ich sage ab. Sie lehnt es dermaßen ab, dass es keinen Sinn habe. Sie beißt und spuckt und hat auch gedroht, sich was an zu tun. Die Klinik bevorzugt mittlerweile ein offenes Wohnheim. Auch das ist unvorstellbar, leider. Sicherlich wäre es auch mein Wunsch. Dann Telefonat mit den Pflegeeltern, die ca. 80 sind. Stellt sich heraus, dass Gas und Strom wieder abgestellt sind. Ich rufe bei den Stadtwerken an. Das war bereits Ende 2011 der Fall. Damals habe ich das aus der Schweiz heraus zu Ende geregelt, dass wieder angestellt wird nach einem Darlehen vom Amt. Erst mal Fax an die Stadtwerke, dass sie selber schuld sind, wenn sie bei einer Betreuung den Betreuer nicht involvieren und wie sie mir entgegen kommen wollen. Die Frau ist seit Frühjahr in der Klinik, hat nichts verbraucht und kann aber nicht nach Haus, wenn es dort dunkel und kalt ist. Dann Anruf bei Frau DK., ob sie sich vorstellen kann, warum sie nicht nach Hause kann. Ich bin sehr sauer, dass sie mir solche Details nicht anvertraut, ich sage, es sei keine Vertrauensbasis da und wie sie es geschafft habe im Schnitt 400,- € im Monat in der Geschlossenen zu verballern, wo sie lange Zeit in Separierung und Fixierung war, dass sie die 1.100,- € jetzt nicht zahlen kann und dann will sie sich noch mal heute Nachmittag melden und ich sage ihr, ich wolle heute nicht mehr mit ihr telefonieren, sie solle in sich gehen. Bedingung für Entlassung ist jetzt Vermögenssorge. Sie ist einverstanden, so wie sie sich mit allem einverstanden erklären würde, Leber spenden und beide Nieren, wie ich immer sage. Ich rufe die Richterin an. Wir machen Termin zur Anhörung für nach London. Ich erzähle ihr, wie ich ausgeflippt sei der Betreuten gegenüber und wie wir dann die Rollen tauschen und sie mich beruhigen und beschwichtigen müsse. Die Richterin sagt, ich wäre ein 6er im Lotto für meine Betreute, was ich da alles getan hätte und noch tun würde. Das tut gut.

Da der Rechner wieder nicht geht, gehe ich außerplanmäßig zum Yoga. Besser so als nur ausflippen.

27.11. Habe heute einen Termin bei meiner neuen Demenzfrau, die ausschaut wie Schauspieler mit Glubschaugen. Marty Feldman? Ich träume, dass ich eine Rentnerin beaufsichtigte und mich freue, als zwei betagte Nachbarinnen zum Schlafen hoch kommen zu ihr in die Wohnung, quasi Ablösung. Die Betten stehen an drei Wänden des Zimmers, geradeaus unter dem Fenster und dann links und rechts davon. Ein Nachbar ist misstrauisch, wer ich sei und will mich kennen lernen. Das ist ein junger Typ und es artet in einen Flirt aus. Als er wieder weg ist, fällt mir die hohe enercity-Nachzahlung meiner Betreuten ein und ich frage die Nachbarinnen, ob sie sich jeweils zu einem Drittel beteiligen könnten. Sie lehnen ab, weil sie eigene Wohnungen haben und ich sehe das ein und bin natürlich trotzdem dankbar, dass sie hier sind und die Beaufsichtigung übernehmen. Ich gehe durch das Treppenhaus und suche die Wohnung des Nachbarn, weil ich den Flirt fortsetzen möchte. Habe mir leider den Namen nicht gemerkt und es sieht aus wie in einem besetzten Haus in den 80ern, vollgesprühte Wände und plakatiert. Er kommt von sich aus raus. Statt Knutschen oder Sex, gibt es Rechtsberatung. Er hat einen Mitbewohner und sie haben die ganze Wohnung mit dünnem Blechen, die sie ausgeschnitten haben, in eine künstliche Landschaft verwandelt. Sie wollen das vermarkten und fragen, wie man es am bestem dem Vermieter beibringt. Ich frage, ob gewerbliche Nutzung der Wohnung gestattet sei. Sie erklären mir, dass die Blechobjekte, die sie beliebig ausschneiden und anmalen können auch als Heizungen funktionieren würden und das finde ich genial, weil Heizkörper immer so hässlich sind und so kann man eine blaue Wolken oder ein rosa Schwein nehmen und an die Wand machen. Nach dem Erwachen weiß ich, welche Betreuungsfälle ineinander gespielt haben.

Mein Fax an die Klinik ging gestern nicht raus wegen des Dauerproblems mit dem Server. Heute um 10 Uhr wurde neue Software geliefert. Ca. 11:30 Uhr fahre ich zu Marty Feldman. Sie hat eine offene Bierflasche auf dem Tisch stehen und hat heute wieder 500,- € abgehoben. Das dritte Mal diesen Monat. Sie weiß nichts von den anderen Malen. Ich bin mit einer Frau der Stadt Hannover vom Besuchsdienst dort verabredet. Wir unterhalten uns. Die wird jetzt immer dienstags von 16 – 18 Uhr was mit ihr unternehmen. Die Wohnung riecht nicht mehr nach Katzenpisse und das Katzenklo und der Kühlschrank sind sauber. Ich bin begeistert und muss den Pflegedienst unbedingt loben für die Arbeit.

Nachmittags bin ich mit meiner Betreuten der Frauennotunterkunft beim Insolvenzverwalter. Wir warten, er war im Stau und kommt mit Hackenporsche und ist jovial. Leider war zu viel auf dem Konto für eine Mietkaution, wir hätten es besser abräumen sollen. Ich sage, sie braucht es, weil kein Amt ihr ein Darlehen gibt für eine Mietkaution und sie nicht ewig im Mehrbettzimmer hausen wolle. Er weiß auch keine Lösung und will uns helfen, aber die Insolvenzordnung ist gnadenlos. Wieder was dazu gelernt. Das hätte ich besser machen sollen. Die Dame am Empfang wünscht uns einen schönen ersten Advent als wir die Grammophonfabrik verlassen.

28.11. Tag der Abreise. Morgens soll ich einen Zweizeiler an die Computerfirma schreiben, daraus werden 3 Seiten mit Fristsetzung, Ablehnungsandrohungen und angekündigtem Schadensersatz. Viel Post, das Gerichtsfach war voll und dann kurz vor Mittag bekomme ich einen riesigen, gelben Umschlag. Das kann nichts Gutes sein. Asylfolgeantrag abgelehnt bei Herrn A., der am 09.12. einen Therapieplatz hat (endlich), Abschiebungsandrohung innerhalb einer Woche soll er Deutschland verlassen. Muss noch Eilantrag und Klage machen und der Kollege, der mit meinem zum Mittag verabredet ist und viel Ausländerrecht macht, kommt wie gerufen. Erst mal die Klinik zusammen stauchen, von denen ich seit August ein Attest oder eine ärztliche Stellungnahme haben will. Meine Nerven liegen blank. Früher konnte ich so was besser. Der Kollege soll beim Gericht fragen, ob alles eingegangen ist oder sie noch was brauchen. Dann Flughafen, Stansted und auf ins Cay Tre, ein Vietnamese, wo wir Halina und ihren Freund. Sie hat unseren Schlüssel für das Apartment gegen Kaution abgeholt und trifft uns dort. Es ist voll und gerade war Aufregung, weil eine Frau gehen wollte ohne zu bezahlen und die Polizei trifft wenig später ein. Sie wartet schon mit metallic Schuhen von Doc Martens. Der Freund kommt nach. Wir zwingen ihnen etwas unseren Essensstil auf, der vorsieht, dass man tauscht und alles durchprobiert, aber sie sind jung und anpassungsfähig. Wir essen unter anderem Aubergine, gehäutet, die aussieht wie Vagina, wie ich mehrfach betone, mit Hackfleisch, süßliche Brühe, sehr lecker. Dazu gegrillte Häppchen und einen vietnamese pancake. Nach einer kurzen, gemeinsamen Busfahrt, wird Marmelade von Rewe und der Adventskalender von Niederegger auf der Straße aus dem Koffer gezerrt und übergeben und wir verabschieden uns und fahren nach Dalston. Das Apartment ist riesig, aber wir finden die Heizung nicht und sind zu müde. Zunächst herrscht noch Euphorie und ich sage, ich sei nicht müde und wolle ausgehen und Stephan macht einen Weißwein in das Gefrierfach, dann landen wir kurze Zeit danach im Bett. Der Wein wird vergessen und ist am nächsten Abend durchgefroren. Morgens bei Kunst und Krempel mit Versteigerung und einer Mischung aus Dating und perfekten Dinner Show verstehen wir die Heizung und es wird warm.

Braune Kackwolken

18.11. Letzte Woche wollte meine geistig behinderte Betreute gerne eine Karte für ein Andrea-Berg-Konzert kaufen. Ist 2014, aber die Karten gibt es wohl jetzt. Behinderungsbedingt steht mein Schützling auf Volksmusik und hat eine 96 Dauerkarte mit Begleitperson. Ich musste leider sagen, ist kein Geld für da. Die Fußpflege kostet wieder 2 Monatseinkommen von dem Salär in der Werkstatt und die ganzen anderen Extrawünsche haben das Budget aufgezehrt. Am Wochenende habe ich diese schlimme Frau im Fernsehen gesehen und seitdem habe ich dem festen Wunsch, meine unvorteilhafte Betreute, die neulich selber auf der Bühne stand, allerdings talentfrei, in die erste Reihe zu bugsieren. Da wo sie hingehört für so einen Event.

Während ein angetrunkener Gast auf der Feier am Samstag zu mir meinte, dass er in meinem Hütchen entweder einen friedlichen Elefanten oder einen wütenden Oktopus oder ein noch aggressiveres Huhn sehen würde, geht das Raten heute weiter. Affe? Oh nein, doch Bär. Hallo? Den habe ich aus einer Strumpfhose modelliert. Das sind Bildhauerqualitäten und nichts anderes. Auf das Ratespiel der Psychokollegin sage ich, es sei eine braune Kackwolke, das sollte heißen, man kann alles Mögliches darin sehen.

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Doch ein bisschen schwer so ein Bär auf dem Kopf, während man alleine im Büro am Schreibtisch sitzt.

Der Zauber ist vorbei. Gehe zur Post, weil ich Benachrichtigung habe, dass ich Nachporto entrichten soll. Ist von Frau S., die mir jahrelang unfrankierte Post erfolgreich geschickt hat. Ich bin nicht mehr Betreuerin, verweigere die Annahme und denke, irgendwie konsequent, dass die Post da mitmacht und die Briefe nicht mehr ohne weiteres an mich zustellt.

London wird noch mal umgepackt, was auch wieder Stunden dauert. Weniger zu packen, ist das wirklich schwierige. Ich werde willkürlich und will zur Sicherheit doch noch das und das mitnehmen doch so wenig wie möglich wegen der Kekse und Sport-BHs von Lonsdale.

19.11. Alte Betreuungsfälle werden aufgearbeitet, weil der Server zickt. Jeden Tag haben wir Totalausfall und können nicht weiterarbeiten. Das nervt. Ich mache Ablage und tauche in die Vergangenheit ein. Meine ersten Betreuungsfälle, die nach 10 Jahren entsorgt werden können und die Frist ist auch schon überschritten. Es sind eher fast 15 Jahre, wir schreiben das Jahr 2000. Das eine war eine Querulantin mit Schäferhund, den sie gerne auf Kinder gehetzt hat, der aber vom örtlichen Polizeihundeverein beste Noten bekommen hat. Der frühere Betreuer hatte ihr Geld geklaut und mit mir hat sie sich anfangs verstanden, aber irgendwann war ich auch fällig. Die hat Ordnerweise Briefe an Jugendämter, Vermieter, das Gericht und die Polizei geschrieben. Zum Schluss auch Strafanzeigen gegen mich, weil ich Pelze aus ihrer Wohnung geklaut habe. Ich habe heute einen an, aber den habe ich zufällig selber gekauft (Fairkaufhaus, 100 ,- €, toller Mantel).  Oxfam verkauft keine Pelze, nur Billigware aus der dritten Welt von h & m und verseuchte Kunstpelze. So hat jeder seine politischen Prinzipien. Tolle Karikatur. Peta aktivisten besprühen Pelzen und sagen, für die Kik-t-shirts lohnt sich das nicht. Da sei die Farbe zu teuer im Vergleich. Schweren Herzens schmeiße ich den Ordner weg bzw. gebe ich frei für den Reißwolf, aber zuvor mache ich noch mal eine Reise in die Vergangenheit und suche mir exemplarisch einige Briefe heraus, die ich als Andenken behalte. Einen dicken Ordner voll habe ich davon. Taugt das für einen Veröffentlichung? Ich finde den Schreibstil schon toll, aber wie sie Ich immer groß schreibt und die ganzen anderen Fehler sowie der Satzbau.

Ein noch größeres Lehrstück war meine andere Betreute, die ca. so alt wie ich und die hatte eine Messywohnung, so was habe ich davor und danach nie wieder gesehen. Sie hat gerne getrunken und hieß wie eine Biermarke. Das Badezimmer voll mit vor sich hin gammelnden, schimmelnden, rostenden Besteck, aber über 1 Meter fünfzig hoch. Es sah aus wie eine Kunstinstallation (Documenta oder so) und ich habe damals schon überlegt ob man das nicht zu Geld machen kann. So krass wie es da aussah. Filmkulisse, aber für einen richtig krassen Streifen. Die Küchenzeile war im Wohnzimmer und alles voller Viecher, Fliegen, Maden. Der Kammerjäger kam dann, damit wenigstens nichts mehr fliegt. Sie hat gerne getrunken und hatten einen älteren Verehrer, der ihr nachgestiegen ist (Stalker auf Neudeutsch). Der hat sie immer mit Süßigkeiten und Schnaps und Sektchen gelockt und dann den Geschlechtsverkehr mit ihr gepriesen in ganz skurrilen Briefen. Es gab mehrere Unterlassungsverfügungen. Briefe von dem Kerl im Original sind in der Akte sowie Schreiben der Mutter, die sich für meinen Einsatz bedankt. Die Betreuung wurde irgendwann aufgehoben, weil es andere Hilfsmöglichkeiten gab, niederschwelliger, z.B. ambulant betreutes Wohnen und der Typ hat sie tot in der Wohnung gefunden. Das hat mich noch geschockt, obwohl ich den Fall schon lange abgegeben hatte.

Ich wollte mal allen Betreuten von mir, die verstorben sind Kurzgeschichte widmen. Das mache ich vielleicht noch mal.

Erst mal zum Wochenmarkt. Hier quatscht mich ein Bekannter, der wohl Hausmann ist und sich dort auch immer herumtreibt von der Seite an. Welche Kartoffel meine Lieblingskartoffel sei. Ähhh, ich kenne keine Kartoffeln mit Namen, sorry. Der hat mich echt auf dem falschen Fuß erwischt. Ich will nichts von ihm und unterhalten will ich mich auch nicht.

In meinem Erbschaftsfall sind die Originalunterlagen bei der Versicherung nicht eingegangen. Ich schicke doch nicht alles per Einschreiben. Ärgerlich ohne Ende. Diese Vollpfosten oder doch Selbstvorwürfe. Darf ich wie ein Idiot zur Post dackeln und Nachforschungsantrag stellen und beim Nachlassgericht Zweitschriften anfordern. Wie überflüssig. Heute erst mal ärgern darüber.

Ich trage zufällig ein Embryo für meinen Frauenarzttermin. Embryo vom Pferd.

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Ich sage, das müsse doch die Gynäkologin erkennen, ob das menschlich sei. Wenn das in mir drin wäre, dann wäre ich von einem Einhorn schwanger. Hier ist kein Stuhl sage ich als ich das Zimmer betrete. Ähh, zum Sitzen schon, aber ich meine den Friseurstuhl. Das sei besser zum Unterhalten, meint sie, entspannter. Humm, o.k. Mir egal. In der Umkleide passend zum Friseurstuhl Haarspray. Ich frage nach dem Zweck. Wenn sie ältere Damen mit toupierten Frisuren hätte. Was macht sie denn mit denen? Pullover ausziehen reicht wohl. Mit Elnette hat sie auf alle Fälle die richtige Sorte bestätige ich.

Sie fängt mit der guten Nachricht an, dass meine Gebärmutter noch auf den Bildschirm passen würde. Ich sage, sie muss sich mal einen ordentlichen Flatscreen anschaffen. Ich bin ganz begeistert vom Ergebnis. Freude und Dankbarkeit, obwohl meine Gebärmutter kaum noch auf den Bildschirm passt. Die Eierstockzysten sind weg. Ich kann es nicht glauben. Die Frauenärztin sagt, das sei normal, die kommen und gehen. Ich sage ja, aber bei mir nicht. Da kommen die, gehen aber nicht wieder weg, sondern wachsen und dann soll ich Mal um Mal unters Messer. Ist das doch der TCM-Tee? Die Zunge, die ich jetzt auch auf Belag kontrolliere, wird auch besser. Oder ist es Buttermusch, die mich geheilt hat. Wie dem auch sei, ich kann das Ergebnis kaum glauben und natürlich ist es die chinesische Medizin. Die Ärztin hat versprochen, dass sie meine Zysten weg kriegt und ich habe da nicht mehr dran geglaubt. Jetzt ist es passiert. Womit habe ich das verdient? Positive Gedanken waren es sicher nicht. Habe nur Hiobsbotschaften erwartet von der Frauenärztin. Unterleibskrebs und so was. Stephan sagt auch als Reaktion auf die Nachricht, das Gerät von der ist wohl kaputt. Zur Belohnung kaufe ich mir 2 Unterhosen in der Kinderabteilung. Trotz der großen Gebärmutter passen die mir einfach am besten. Frau bei Kaufhof schaut mich von der Seite an. Das ignoriere ich immer und sie dann: das sei toll. Ich könne es wirklich tragen. Im Portemonnaie ein Foto was Herrn Wulf verblüffend ähnlich sieht. Das wird ihr Sohn sein. Sie kauft Barbie-Haus, wird also Enkel haben. Ich wundere mich immer, wer sich freut. Sind teilweise ältere Leute, die ich als konservativ einstufen würde. War neulich Diskussion auf dem Geburtstag. Darf einer CDU wählen in unserem Freundeskreis oder schließt sich das aus. Ich bin mir da nicht sicher und denke, je älter ich werde, dass das eigentlich keine Rolle spielt oder weniger als man denkt. Wichtiger ist es, einen ähnlichen Humor zu haben. Der Glaube sich wirklich nur mit Gleichgesinnten sich zu verstehen wird überbewertet. Nur Leute, die auch studiert haben und die gleichen Designermöbel zuhause stehen haben. Das wäre doch traurig und auch sehr einseitig.

Mein Paps schlägt angesichts des Frauenarztergebnisses eine halbe Flasche Sekt vor. Wir gehen ins Kino und schauen endlich Oh Boy. Schöner Film. Schöne Berlinszenen und Sekt trinke ich dort auch.

Zuhause schreibe ich dem Ritz in London eine email. Wir haben dort für High Tea reserviert und man darf nur mit Sakko und Krawatte als Mann in den Palmengarten. Ich frage per email an, ob man sich so was leihen oder mieten kann. Ich habe natürlich von nichts eine Ahnung und schreibe denen was von dinner jacket. Das ist offenbar noch formeller und das Ritz schreibt zurück, dass eine normale Anzugjacke genügt. Mein Mann soll sich in London ein Sakko kaufen, in dem tollen Second Hand Laden im Camden Market mit dem gutaussehenden, schwarzen Schwulen, der in Deutschland stationiert war und der großen Auswahl. Ich habe weiß Gott genug Zeug und finde nichts wieder. Anlässlich des Packens einen Alpaka-Wollrock, den ich mir Fair Trade in Wien teuer gekauft habe und jetzt wiederfinde. Die Motten haben mir ein Loch in den Hinten reingebissen bevor ich das Ding jemals anhatte. Bei mir ist Einkaufsstopp. Das reicht jetzt wohl. Das Maß ist voll. Messy-Dekadenz.

20.11. Wieder Systemausfall. Mache mittags zuhause Pfannkuchen. Mein Borderline-Betreuter macht sich Sorgen, dass ich angespannt sei. Fragt mich mehrfach, ob es mir gut gehen würde. Ich habe deutlich das Gefühl, dass ich aggressiver und launischer bin. Das spricht für eine Hormonumstellung. Die Frauen werden unregierbar, sagt meine TCM-Ärztin. Östrogen macht brav. Flippe aus, weil eine Ordnungsmamsell hier aus dem Büro (meine liebe Kollegin) mein Butterbrot was ich nachmittags essen wollte entsorgt hat. Vermutlich sah das Papier zu faltig aus. Ich bin in Rage und werde rausfinden wer das war und Ersatz verlangen und zwar nicht von dem Billigbäcker an der Ecke.

Wir machen High Tea im Ritz mit Mädchenchor. Stephan hat herausgefunden, dass es im Palmen (hier sitzt man besonders schön) einen Dresscode für Männer gibt. Sakko und Krawatte. Ich soll denen eine email schreiben, ob mein legerer Mann sich was leihen kann.  Das ist dekadent und Messy hoch zehn. Einkaufsstopp. Schön meinen Mann beraten, ein tolles, kariertes Retroteil. Das geht.

21.11. Wunstorf. Herr Maßregelvollzug in der Fixierung und außer Rand und Band. Er tritt, soweit er kann und schlägt sich selber und hat dolle Verkennungen. Die eine Mitarbeiterin sei Muslimen mit Kopftuch. Das ist eindrucksvoll. Dann meine Verfahrenspflegschaftssache mit dem Landgericht. Einwilligungsvorbehalt Vermögenssorge wird aufgehoben, aber Wohnung darf wohl gekündigt werden. Die Betroffene ist deutlich kritikgemindert und ihre neue Betreuerin ist aber auch nervig und spießig. Ich war lange in der Kälte und in Wunstorf bietet auch das Bahnhofsgebäude kaum Schutz. Ich fahre direkt weiter zu einer Hilfeplanung nach Empelde und treffe die ambulant Wohnbetreuer meiner Betreuten und kenne diese aus der Sturmglocke. Das ist lustig. Sie und ich, wir bekommen von der Betreuten Bestnoten. Als der Sozialarbeiter sagt, bei Frau C. würde es mir gut oder böse geben und keinen Grad dazwischen, denke ich, wie bei mir. Wenn sie jemanden mögen würde, könne sich das auch ändern und ich sage, aber nicht bei Frau X (der Wohnbetreuung) und mir, weil wir hätten „100 Prozent auf ewig“ von ihr bekommen. Ich bin durchgefroren als ich wieder im Büro ankomme.

Nachmittags kommt u.a. Elisabeth, die dem Amtsgericht geschrieben hat, dass sie ihre Bankkarte freiwillig mir gegeben hat und ich sie nicht wieder herausgeben würde und dazu soll ich Stellung beziehen. Ich frage sie was das soll. Ich gebe sie ihr sofort wieder. Das macht mir nur Arbeit. Nein, nein, dann hat sie wieder Stress mit den Bankmitarbeitern. Warum sie das erklärt hat, kann sie auch nicht sagen. Die hätten sie immer nach Betreuerwechsel gefragt und das wollte sie nicht, weil sie doch Vertrauen zu mir hat.

22.11. Herr W. ist gestorben. Das Heim ruft mich an. Sie hätten ihn morgens gegen 4 Uhr tot im Bett gefunden. Ich frage nach der Todesursache. Haben die ihm Tavor gegeben und ihn im Bett ersticken lassen? Schon ruft die Stadt Hannover – Stelle für Nachlässe an und will die Daten der Familienmitglieder. Ich blocke ab. Irgendwie bin ich geschockt von der Nachricht. Den neuen Fernseher hatte er keine Woche. So flüchtig ist das Leben manchmal. Ich habe Termin in der Reha-Abteilung der Agentur für Arbeit und gönne mir anschließend ein Panini bei Piu auf den Schreck. Schnell zu Piu eintauchen in die Welt der Frau mit den Vorderzahnlücken à la Madonna, die mit Liebe Panini gelegt. Mit einem Flügelschlag kann es vorbei sein. Also auf den Schreck erst mal mit was Leckerem trösten.

Anfang der nächsten Woche meldet sich der eine Sohn. Er ist selber Vater geworden im Oktober und mein Betreuter ist ein Fremder für ihn. Zu seinem Halbbruder hat er auch keinen Kontakt. Alles traurig, aber so ist es. Die Stadt Hannover möchte nicht, dass ich Angehörige berate wegen Ausschlagung des Erbes. Ich berate sie nicht, sage nur, welche Möglichkeiten es rechtlich gibt.

Ich habe keine Lust zu Sport, warum auch immer, traurig, müde, es ist dunkel und regnet. Ich fahre nach Hause, Stephan kocht Rouladen für Samstag und ich setze die dicken weißen Bohnen auf, d.h. bedecke sie mit Wasser. Die brauche ich für die Vorspeise und habe mir Tipps von Claudia aus Hamburg geholt, die auch notfallmäßig für Samstag ihre Hilfe. Telefonseelsorge in Sachen Kochen angeboten hat. Hilfe, die werden schrumpelig.  O.k. vielleicht ist das normal und sie werden wieder glatt. Die Nacht ist ja noch lang. Wir dann zu Rossini. Weinprobe mit einem befreundeten Pärchen aus Hagenburg. Der irre Hund, aber süße alte Hund ist mit dabei, der unseren in den Tod getrieben hat, wie Stephan immer sagt.

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Die Winzer aus Italien sind da und sehen aus wie Mafiosi. Rasierte Schädel und verpflegte Bärte.

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Der Chianti Classico schmeckt superlecker und auch der Reserva und die Trüffelgerichte. Gefüllte Wachtelravioli mit Wachtelei und Salbeibutter und Trüffel.

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Warmer Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern und Eis mit Trüffelgeschmack. Ich trinke zu viel Rotwein. Ich habe extra kein Hütchen gewählt nur eine kleine und dezente Haarspange und alle sprechen mich darauf an. Männer passen mich auf dem Weg zur Toilette ab und wollen mit mir drüber reden! Da muss ich mich doch betrinken. Außerdem: die Vergangenheit holt mich ein. Der Kollege dazu ist auch da mit seiner Frau.

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Wir bringen die Freunde zum Zug und fahren mit dem Taxi zum Hanomagkreisel. Es ist dunkel. Die Vernissage ist wohl vorbei. Statt Kultur und Party, haben wir uns wieder für essen und trinken entschieden. Wir laufen nach Hause durch den Park. Irgendwie bin ich ins Bett gekommen. Ab 5 Uhr kann ich nicht mehr schlafen. Oh Gott, die Bohnen muss ich kontrollieren und tatsächlich haben sie das ganze Wasser aufgesogen und sitzen auf dem Trocknen. Mit Restalkohol und Schüttelfrost bastele ich den Bürokalender, der um 8:30 Uhr fertig ist. Dann koche ich die Bohnen und backe einen Kuchen. Mittagschlaf. Abends Besuch. Ich halte mich zurück mit dem Alkohol nach gestern. Alle Menschen, die in Hannover zur Schule gegangen sind kennen sich um 3 Ecken. Das beweist wieder der heutige Abend. Die Bohnen verursachen unglaubliche Darmgeräusche und auch –gerüche, aber ich liebe sie. Auch Montagabend mit Schafskäse und grünem Salat. Lecker. Ich könnte mich reinsetzen. Außerdem gewöhnt man Körper offenbar daran, so dass es auch mit der Verdauung am dritten Tag besser wird.

Sonntag erfahre ich Neues, dass man Echsen nicht einschläfern kann wie Säugetiere, sondern ihnen eine Nadel durch das Maul ins Gehirn stechen muss, auch als Tierarzt. Das ist fies. Ich bastele den ganzen Tag, eine Kette mit einer Pfote von einem Schneehuhn aus Frankfurt vom Flohmarkt und einen Kalender für London und freue mich. Am frühen Abend telefoniere ich mit Claudia aus Hamburg. Wir sprechen über, alte Freundschaft, neue Abenteuer und die Bedeutung von Geheimnissen und Anvertrauen von Dingen für eine Freundschaft. Eine Tierdoku läuft im Hintergrund ohne Ton und ein Mann hält ein großes Küken und hat eine Zange in der Hand und nimmt den Fuß des Tieres und ich denke, der wird ihm doch jetzt nicht bei lebendigem Leib abgeknipst vor meinen Augen!? Das ertrage ich nicht. Er hat aber nur einen Ring festgemacht (Quetschperle, quasi). Essen haben wir noch für Tage und das ist auch schön. Das ist himmlisch, ich darf basteln und es ist genug leckeres Essen im Haus. Herrlich!

Neuer Server als Geschlechtskrankheit

Von dem vergangenen Wochenende kann ich nicht sonderlich viel berichten. Samstagabend waren meine Schwiegereltern und meine Schwägerin zu Besuch und es gab Rösti mit geräuchertem Lachs und Meerettichquark. Ein angeheiratetes Familienmitglied, welches schwere Schuld auf sich geladen hat, ist wohl verstorben. Dadurch, dass man keinen Kontakt hat, erfährt man vom Todesfall durch die Dorfgemeinschaft und ist erleichtert über die Nachricht. In die Spätvorstellung Kino schaffen wir es nicht und gehen lieber ins Bett. Denn es ist wieder Bastelmarathon angesagt. Sonntag will ich doch mal raus und wir gehen ins Kino. Finsterworld im Koki um 16 Uhr. Was für eine geniale Uhrzeit, gerade in den Wintermonaten für einen Sonntagskinobesuch und das denken sich auch andere. Die Bude ist voll von Bildungsbürgern. Manche kenne ich aus Studienzeiten und sie sind längst in Amt und Würden und gehen mit der Gemahlin ins Kino. Vorher halten wir bei Urfa Sofrasi und essen Pide, Grillfleisch und Künefe in weniger als 30 Minuten. Die Bedienung hat den Auftrag verstanden und setzt ihn konsequent um. Der Film gefällt mir, jetzt nicht übermäßig, aber schon sehenswert. Die Schauspieler sind überwiegend sehr überzeugend und die Geschichte an sich auch gut und mal nicht so gradlinig, langweilig erzählt, wie sonst gerne im deutschen Kino, sondern so Parallelgeschichten und auch die Doppelseitigkeit der Charaktere gefällt mir, Täter und Opfer zugleich. So wie es halt auch ist.

Die Woche plätschert so dahin. Montag hält mich mein Eilverfahren auf Trab. Wie es ausschaut hat mein Betreuter, der Untersuchungshäftling, doch Anspruch auf 38,- € Taschengeld monatlich und nicht 28,- € und sie wollen 30,- € nachbezahlen. Für ihn ist das eine Erleichterung und ich wundere mich trotzdem über den Aufwand, den ich deswegen betreiben muss. Die waren der Meinung, dass sie ihm bis Jahresende nichts mehr zahlen müssen und es gar nicht sein könne, dass er finanziell auf dem Schlauch stehe, sonst habe er wahlweise die Betreuerin was falsch gemacht mit der Geldeinteilung. Ich sage, weltfremdes und arrogantes Geschwurbel. Seit 10.07. sitzt er und konnte das erste Mal am 18.09. einkaufen. Da will ich den Sachbearbeiter, der das schreibt sehen in solch einer Lage. Meiner ist Raucher und den Fernseher muss er sich vom Knast mieten für 5,- € pro Monat zzgl. 2,- € für Strom. Wenn wir dann schreiben von den 111,- € hat er Schulden zurück gezahlt, will das Gericht wissen, wie, wenn er doch nur einkaufen war. Mein Gott, auch denen muss man die Welt erklären. Er schnorrt sich Tabak und die Mithäftlinge wollen das dann wieder. Schulden in Naturalien, Mann, Mann, Mann. Die Betreuerin soll ihm sein Geld einteilen. Das lohnt gar nicht bei der lächerlichen Summe und dadurch würde es auch nicht reichen. Ich will wirklich mal so einen Futzi vom der Widerspruchsstelle in gleicher Lage erleben, ob er dann auch der Meinung ist, das reicht alles lange Meter. Ach ja und wenn er was ansparen würde von dem lächerlichen Betrag, dann wird ihm das im Folgemonat als Einkommen angerechnet. So bringt man den Leuten wirtschaften bei. Abends Doppelstunde Sport. Das tut gut. Da kann ich immer etwas ablassen von dem Beamtenmief, mit dem ich mich tagsüber beschäftigen muss.

12.11. Wir sind mit einer alten Studienfreundin und ihrem Kollegen zum Mittagstisch im Abendmahl verabredet. Stephan will vorher zur Blutentnahme wegen seiner Blutwerte und erscheint nicht. Wir bestellen schon mal. Eine halbe Stunde zu spät kommt er dann und musste sei Rad schieben und lange Pflaster in beiden Armbeugen und sieht aus als käme er frisch aus dem Krankenhaus bzw. irgendwie auch wie der gekreuzigte Jesus in leicht abgewandelt. Die Gefäße liegen zu tief unter dem festen Bindegewebe und wenn er dann verkrampft, kommt erst recht kein Tropfen Blut raus. Es tut mir leid, dass man sich in so was derart reinsteigern kann. Ist vielleicht wie ich mit Zahnarzt, wobei ich es mir zu Herzen genommen habe und seit der Zahnreinigung tatsächlich Zahnseide benutze, weil ich ein besserer Mensch werden will. Stephan weiß genauso, dass es Quatsch ist, aber aus der eigenen Psyche kommt man nicht raus. Er will ein Praktikum in der Arztpraxis machen, damit das mehr normal für ihn wird. Mittagstisch im Abendmahl für 7,50 € kann man durchaus empfehlen. Es gibt 2 Gänge. Wir nehmen italienische Vorspeisen und Putenroulade mit Pfeffersauce und Kartoffel und Gemüse. Ist jetzt nicht superlecker, aber preis-leistungsmäßig völlig in Ordnung. Wir werden von der Bedienung gefragt, ob wir vom NDR kommen würden, was derzeit bei der Staatsanwaltschaft Hannover leichte Paranoia auslöst. Nachmittags hole ich meine neuen Röcke von Andrea ab und die sind so was von schön geworden. Für den weiß-roten mit dem gestickten Motiv hat sie genau einen passenden Knopf mit Folkloremuster in rot und silber. Der Hammer. Die Frau achtet auf jedes Detail.

Es ist so ruhig, weil Herr MRV keinen Ausgang hat und teilweise fixiert ist und mich nicht täglich von morgens bis abends bombardieren kann. Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht.

Die neuen Stifte wurden geliefert in einer monströsen Verpackung. Ich leere sie erst einmal aus in meine alte, kaputte, aber viel kleinere Packung.

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Mit dem vielen schwarzen Schaumstoff werde ich noch was anfangen. Ein bis zwei Hütchen lassen sich daraus basteln. Das erste Hütchen bastele ich am Sonntag. Es heißt „Schwäne auf dem Ihmezentrum“ und ist echt auffällig, also damit will ich wohl wirklich angesprochen werden… Ich kann es wohl leider kaum tragen, ist mein Fazit. Höchstens mal kurz abends auf eine Vernissage.

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Mittwoch habe ich mal wieder einen Traum über den ich mich sehr freue. So lang und mit so vielen schönen Verknüpfungen. Das Zentralthema ist, dass Stephan auf ein Konzert gegangen ist und ich unser Hotelzimmer nicht wieder finde. Alles sieht gleich aus und ich irre durch das Hotel und tue immer so, als sei alles in Ordnung. Schaue mir dann Kunst im Foyer an um mein Verlorensein zu überspielen. Dann treffe ich unser Zimmermädchen und lobe ihre Arbeit, gebe mir aber keine Blösse, sie nach der Zimmernummer zu fragen. Dann fällt mir ein, dass es ein Foto von mir gibt, auf dem die Zimmernummer zu erkennen sein müsste. Es ist 444 und dann finde ich es trotzdem nicht, obwohl ich die Nummer weiß und irre auf dem Stockwerk umher. Auf einmal bin ich in dem Restaurant und obwohl ich keinen Hunger habe, setze ich mich zu einem großen, schwarzen Amerikaner (wie ein Baskettballspieler), der auf einem Sofa sitzt. Seine Frau und Schwiegermutter sitzen auf Sesseln daneben. Ungewöhnliche Eindeckung zum Essen gehen, denke ich mir. Dem erkläre ich dann alles und überlege, dass ich einen Nachtisch oder Käsegang noch nehmen könnte. Lass mir die Karte geben und schaue, ob es viel Chesterkäse als Käseplatte gibt, wenn hier so viele Amerikaner als Gäste sind, aber ich will eh was Süßes essen. Jetzt muss ich nur noch das Zimmer finden um mein Portemonnaie zu holen. Ich glaube, dass ich dann einen Angestellten frage und auch wach werde und denke, warum bin ich im Traum noch desorientierter als in Echt. Das ist ungerecht. Im Traum ist man doch ein Superheld und kann fliegen und hat bessere Eigenschaften als in Wirklichkeit und nicht noch desolatere Handicaps. Na ja, bei mir eben nicht. Ich fand den Traum trotzdem lustig und so was würde mir nicht passieren, weil mein Blindenführhund Stephan mich vor dem Konzert aufs Hotelzimmer begleiten würde.

Ich bin sehr deprimiert, weil ich mit BM schon an der 4 Gigabite Speichergrenze angekommen bin. Ich ziehe meinen Kollegen zu Rat und er bestätigt mir 1117 Bilder seien sehr viel und ich müsse mich nach einem anderen Tarif mit mehr Speicher erkundigen. Ich bin niedergeschlagen, weil ich denke, auch der wird dann irgendwann voll sein und spamme ja wohl alles zu? Sollte es das schon gewesen sein mit Buttermusch nach 3 oder 4 Monaten ist jetzt Schluss. Ich habe keine Ambitionen mehr, was zu schreiben und überlege aufzuhören. Ja, so leicht kann man mich frustrieren.

Bei der Arbeit erfahre ich auch, dass Morgen der neue Server angeschaltet wird und man dann von 8 – 16 Uhr nicht an den Rechner kann. Und zwar so nebenbei von der Steuermitarbeiterin. Ich hatte den mit Fragezeichen eingegebenen Termin im Google-Kalender nicht ernst genommen. Praktisch freier Tag, unfreiwillig, aber man muss das Beste daraus machen. Morgens gleich ins Café, in die Bar? Ich plane schon mal ein paar Außentermine. Frau P. hat mich auf ihren Geburtstag aufmerksam gemacht und ob die Tochter wohl aus Hamburg kommt. Ich sage, sie soll sie selber anrufen und ihr sagen, dass sie sich freuen würde. Ich komme mir blöd vor, sie anzurufen  und ihr zu sagen, übrigens, ihre Mutter hat Morgen Geburtstag. Dann will sie wissen, was passieren wird. Ich rufe das Heim an. Von denen gibt es Blumen und ein Geschenk und ich frage, ob man Torte einkauft, wenn sie das will. Das wird bejaht. Dann rufe ich sie wieder an und sage nichts von den Geschenken wegen Überraschung, frage sie, ob sie nicht einen ausgeben will. Sie sagt, dass man an seinem Geburtstag doch Geschenke bekommen würde und ich sage, ja, aber man gibt auch einen aus, ob sie das nicht kennen würde und das ist wie ein Geschenk, weil die anderen mit einem feiern. Die Tochter kommt und wir wollen in die Wohnung wegen Fotoalben gucken und ich organisiere den Schlüssel von der Diakonie und organisiere, dass der Klostuhl aus 2008 endlich abgeholt wird.

Abends beim Yoga meditiere ich und der Fuß ist vorher schon eingeschlafen, aber es gelingt mir das zu ignorieren. Ich spüre meine Extremitäten nicht so und bin nur im oberen Bereich meines Körpers, d.h. Bauch oder Rumpf oder Kopf. Danach ist es natürlich ganz schmerzhaft, aber ich denke, toll, bald kann man mich operieren in dem Zustand. Die Yogalehrerin redet sehr viel, was ich als hinderlich empfinde. Die eigenen Gedanken kann ich ausschalten, aber dann kommen ihre Tipps, das Herz zu öffnen oder alles zu lieben, „ob bekannt oder unbekannt“ und ich denke: Klappe halten, aber anderen Schülern hilft die Anleitung. Es geht bei ihr immer um Wünsche und Dankbarkeit und ich denke, bei mir geht es in der Mediation um Auflösung des Ichs, Zustand der Wunschlosigkeit, den zu erreichen und auch Dankbarkeit hat wieder was mit Wünschen und Ego zu tun und darum geht es dabei gar nicht für mich. So koche ich hier mein eigenes Süppchen.

14.11.Schönes Wetter, erst Büro, etwas telefonieren. Der Mann im Flur, der mich am Arbeiten hindert nervt und ich sage zu meinem Kollegen bezogen auf den Server, dass Geld ausgeben doch Spaß machen müsse und das hier aber so gar nicht der Fall sei. Dann mit Stephan ins Wilhelm-Busch-Museum einen Kalender abgeben. Ich fahre zu meinem Klostuhltermin und er kauft für Herrn W. einen Fernseher. Der reißt sich derzeit fast täglich die Kanüle aus dem Hals und dabei hat er einen mit Gegengewicht, die tiefer sitzt, weil der Tumor immer größer wird. Er bekommt Luftnot und zieht die, dann Krankenhaus. Der Typ tut mir so leid und auf seinem Taschengeldkonto stapelt sich das Geld. Ich spreche die Tage mit einem Pfleger, mit was man ihm eine Freude machen könnte. Essen kann er nicht mehr, sprechen kann er auch nicht mehr. Ich sage, Blumenabo oder eine Stripperin, er solle mal kreativ sein. Die Stripperin auch mit Ganzkörperlatex wegen seines Orsa-Keimes. Dann kommen wir wieder auf Fernseher. Er hat einen, der gehört ihm aber nicht und ich denke, anderes Gerät kaufen, bringt ihm auch keinen Vorteil. Dann erzählt mir der Pfleger aber, dass seiner keine Fernbedienung hat und er immer bettlägerig wird und daher will ich Abhilfe schaffen. Stephan bringt den Fernseher direkt ins Heim, so dass weniger als 2 Stunden später einer da steht. Das ist wirklich eine gute Tat und die Betreuerin war mal wieder so schnell, dass die das gar nicht glauben können. Mein Termin läuft weniger erfolgreich, weil die Diakonie sich verguckt hat und doch keinen Schlüssel mehr für die Wohnung hat. Die neue Betreuerin der Herrn K., der nicht mehr zurück soll/kann in die Wohnung hat die Schlüssel. Tolle Wurst. Ich sage, jetzt dürfen sie sich um den Klostuhl und angeblich wollen sie das tun und ich bekomme dann die Abholquittung. Da bin ich mal sehr gespannt. Frau P. ist beim Mittagessen und ich werde gefragt, ob ich ihr helfen können beim Essen, wenn was nicht klappt, also wohl sie füttern. Wie machen die das, wenn ich nicht da bin? Es liegt ein Pamphlet aus mit einer Geschichte, die mir gefällt. Irgendwas in der Art, dass ein Rabbi Himmel und Hölle sehen will und erst wird er in einen Raum geführt mit einem Kochtopf in der Mitte mit leckerem Essen darin um den die Menschen sitzen. Sie sehen alle mager und elend aus und haben lange Stiele an den Löffeln, so dass sie das Essen nicht zum Mund führen können. In dem anderen Raum wieder derselbe Topf in der Mitte und Menschen darum versammelt, die lange Löffel in der Hand haben, aber alle lachen und sind wohl genährt, weil sie sich mit den langen Löffeln wechselseitig füttern. Ja, da steckt viel Weisheit drin. So einfach ist das. Die Tochter kommt verspätet an, aber auch und ist sehr befremdet im Umgang mit der eigenen Mutter. Sie weiß nicht so recht, wie mit ihr umgehen, da bin ich schon fast vertrauter. Das ist traurig. Dann kommt noch eine Frau vom Besuchsdienst, die meine Betreute wohl schon lange kennt und ich verabschiede mich langsam. Draußen ist die Kaffeetafel schon gedeckt und kleine Sektgläschen stehen auch schon bereit. Ich fahre Richtung Linden. Es ist 10 vor 1 und ca. 1 wollte ich Stephan nach seiner Saturn-Hansa-Mission treffen. Er ruft mich von der Telefonzelle an. Das Timing zwischen uns ist mal wieder perfekt. Bis gleich bei Pio. Es ist knallvoll und mein Mann kommt nicht. Habe ich ihn innerlich zu früh gelobt. Er war zu Mio Mio gefahren. Es gibt leckere, riesige gefüllte Nudeln mit Spinat und Ricotta, die bis abends knallsatt machen. Stephan ist beim Gericht Christian Wulff direkt in die Arme gelaufen oder umgekehrt, der mit 2 Leibwächtern zu einem Nebeneingang wollte an einer ganz schmalen Stelle, Flur des Landgerichts. Ich werde nach dem Essen auf mein Hütchen angesprochen, so welche gäbe es in New York in einem Atelier. Ah hah, sage ich. Ja, selbst gemacht. Nein, hat keinen Namen. Könnte ich aber sofort nachliefern denke ich mir dann. Die Babuschka auf den goldenen Bällen oder so. Nachmittags ist wieder Geldabholzeit. Ein Termin kommt, der andere nicht. Frau K. kommt und Elisabeth nicht. Bei Frau K. wurde das Insolvenzverfahren eröffnet und sie hat ca. 220,- € zu viel auf dem Konto. Ich hoffe, der Insolvenzverwalter gibt das frei, sonst haben wir umsonst gespart. Sie wohnt in einem 4-Bett –Zimmer in der Frauenunterkunft und braucht das Geld für eine Mietkaution, schreibe ich ihm. Ich bin auf die Antwort gespannt. Die Pfändungsgrenze liegt bei 1.045, € pro Monat, aber ihre Einkünfte liegen weit darunter bei weniger als 700,- €. Der Überschuss ist hiervon angespart worden, weil sie von keinem Amt ein Darlehen für die Mietsicherheit bekommen wird. Wenn der Insolvenzverwalter das Geld für die Gläubiger vereinnahmt, würde das meinem Rechtsempfinden widersprechen, aber das wäre auch nicht das erste Mal.

Dann noch ins Autohaus und die 20 Essengutscheine abgeben. Das war der lustigste Vergleich meiner Karriere. Zur Abgeltung der Klagforderung gibt es Gutscheine für Eintopf. Ich rufe vorher an, wer zuständig ist und treffe den Chef des Autohauses. Ich sage, hier steht eine Waschmaschine, die können wir prima als Schreibunterlagen benutzen und Sie quittieren mir bitte den Empfang der liebevoll laminierten Gutscheine und dann sage ich ihm, dass ich im Showroom unten ganz alleine war mit den Autos und das war fast unheimlich und er fragt: „fahren Sie Auto?“. Guter Verkäufer, aber da kann ich nun wirklich beim besten Willen nicht aushelfen als Nichtführerscheininhaber und Überzeugungsradfahrerin. Ich glaube an die Abschaffung des Individualverkehrs, aber das musste ich ihm nun nicht auf die Nase binden. Ich verabschiede mich nur so und freue mich immer neue Räumlichkeiten einmal von innen gesehen zu haben an denen man jahrelang vorbei fährt. Es gibt einen anderen Blick auf die eigene Stadt.

Ich mache früh Feierabend.

Abends gehen wir auf die Vernissage einer Freundin, kommen aber zu spät und sehen die Performance kaum noch. Es sind so Bekannte da und ich merke, dass man etlichen Leuten auch echt nichts zu sagen hat. Bei einigen finde ich das fast schade. Eine Bekannte finde ich einfach unsympathisch und freue mich, wenn ich sie nicht mehr sehe, auch wenn es früher gemeinsame Abende gegeben hat. Vielleicht passen zwei egomane Frauen einfach nicht gut zusammen. Ich finde sie oberflächlich und harsch und will mir ihr nichts zu tun  haben. Anderer Lebensstil, anderer Geschmack in allen Bereichen des Lebens und auch einfach mal den Altersmut das zu erkennen und es nicht weiter zu versuchen.

15.11. Rechner ist noch nicht fertig installiert, obwohl mein Kollege mit dem teuren Arbeiter bis nachts um 23:30 Uhr in der Kanzlei war. Er tut mir leid. Er ist geduldig und ich wäre bei dem Typen schon ausgeflippt. Ich fahre zum Fachbereich Senioren und lass mich beraten, was es für Demenz und Seniorenbegleitdienste für meine Neue gibt, auch wenn sie am Telefon immer sagt: „jetzt lasst mich doch in Ruhe, Kinder, ich hab doch noch keinen Blödsinn gemacht, ich will doch nur in Ruhe gelassen werden“ und mehr oder weniger alles ablehnt, was ich ihr vorschlage. Auf dem Rückweg hole ich meine Buttonstanze wieder ab.  Mein Kollege schlägt dem PC-Fredi immer vor, eine Checkliste zu machen. Der ist aber auch beratungsresistent, weil er über die Hälfte der Sachen immer vergisst und das einfach nicht beherzigt und diesmal ist es genauso. Als er sich verabschiedet Freitagmittag sind meine Drucker nicht angeschlossen. Ich denke, wie geht so eine Installation in einem Großraumbüro mit 500 Mitarbeitern? Die Software-Updates machen mich schon immer fertig. Die Benutzeroberfläche ist wieder anders, alles neu. Die Schritte, die man gehen muss, leicht abgewandelt. Ob mir das bitte einer erklären kann, warum das immer so ist. Software Update und man muss alles neu lernen. Das ist hinderlich. Das ist wie Auto in die Werkstatt bringen und Gas und Bremse werden ausgetauscht. Das will doch keiner? Warum machen die das? Dann gibt es noch ein kleines Detail, dass wir alle von unterwegs und zuhause die Emails nicht abfragen können. Da muss man selber drauf stoßen und der Rechnertyp kommt nicht auf die Idee, dass dieses Detail stören könnte oder er es ansprechen sollte. Wie soll das gehen, wenn ich demnächst 6 Tage in London bin. Das ist meine Verbindung zur Arbeit. Hallo? Die Wut auf den Typen staut sich und alles muss mein armer Kollege aushalten. Ich sage zu der Steuermitarbeiterin. Neues Server kommt mir vor, als hätte mir einer eine Geschlechtskrankheit für teures Geld aufgequatscht so nach dem Motto: „wenn Se erst mal den Tripper haben, werden Se gar nicht wissen, wie sie ohne leben konnten“.

Sport und dann nach Hause und um 21 Uhr in die Weinbar (hier bekommen wir Einladungen für eine andere Vernissage kommenden Freitag, aber da sind wir schon verabredet, mal sehen) und nach langer Zeit mal wieder ins 11 A. Der Chef begrüßt uns mit Handkuß und es gibt außerhalb der Karte Gänsestopfleber und im Ganzen gebratenen Fisch. Beides sehr lecker. Ein sehr lauter Geburtstag feiert und beschallt alle mit Gröllliedern. Eine Frau bekommt einen Kicheranfall. Ein bisschen Kindergeburtstag. Vorne im Raucher ist der Stehtisch mit Männern besetzt. Einer sagt, wer so ein Hütchen trägt, wolle wohl angesprochen werden. Ich darauf, nö, es gefällt mir halt. Ob es von Astrid sei? Manchmal denke ich auch, die haben keine Augen im Kopf, die Männer und sage ihm das auch.

Das Emailfach ist kahl und leer und ich kann keine Emails abfragen das ganze lange Wochenende. Das ist ein Gefühl der Unvollständigkeit und Abgeschnittenheit, aber ich halte mich, wie immer mit Basteln beschäftigt, außerdem packe ich schon für London. Zu früh, zu viel, ich will doch Kekse einkaufen en masse. Immer wieder dasselbe. Ich habe ein Londonhütchen schon vor Monaten gebastelt. Thema: Movember. Spültuch aus Koppenhagen. Na, wenn ich da mal nicht wieder drauf angesprochen werden will….

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Samstag feiert ein lieber Freund seinen fünfzigsten Geburtstag nach. Das Büffet ist köstlich und die Wohnung total auf Feier umgebaut inklusive einer Cocktailbar an der seine Mitbewohnerin den ganzen Abend über hantiert und leckere Drinks macht. Gute Gespräche, Gäste waren vor einigen Jahren in Brasilien und erzählen davon und ich komme mit der Frau meines Kollegen, die ich sehr selten sehe ins Gespräch und sage ihr, dass ich mich auf die Büroweihnachtsfeier freue und ihr eine Tasche aus Paris schenken will, die ich nicht nutze und von der ich denke, dass sie besser zu ihr passt. Ich tanze ganz kurz. Das Geburtstagkind ist offen und umarmt die Gäste, auch mich und sagt persönliche Dinge und mir wird klar, dass ich zu dieser Clique noch nicht so lange dazu gehöre, aber sie jetzt eine große Rolle für mein Leben spielt. Viele kommen aus Hannover und kennen sich schon vor der Schule. Ein Fotobuch vom vierzigsten Geburtstag des Gastgebers macht die Runde und dort wurden die Gäste mit Zetteln, auf denen sie schreiben sollten, woher sie das Geburtstagskind kennen vor einer Mustertapete abgelichtet. Wir sind noch nicht dabei. Heute ist dieser Freund jedoch eine wichtige und sehr wertvolle Person für mich und unersetzlich in meinem Leben, so dass ich ihm am nächsten Tag schreibe, dass es nicht sei wie Knast bei einer Haftstrafe und nur auf die Dauer ankomme bei einer Freundschaft und ich mir einbilden kann mit ihm zur Schule gegangen zu sein so verbunden fühle ich mich und das nach weniger als 10 Jahren. Das ist beachtlich und ich fühle mich gesegnet durch diese Freundschaft, die mir schon so viel gegeben hat. Auch mein Kollege, der leider krank im Bett liegt ist nach meinem Mann vielleicht in männlicher Hinsicht das Beste, was mir im Leben passiert ist, weil meinen Vater nehme ich mal aus, weil dem bin ich ja passiert, den Kollege kenne ich auf einer Freundschaftsebene noch nicht so lange. Im Studium kannten wir uns nur vom Sehen und unter ferner liefen und heute kann ich von Glück sagen, dass er schwierige Frauen ab kann und sich mit Technik auskennt, weil die meisten Berufskollegen von uns sind ähnliche Analphabeten wie ich und dann wären wir richtig aufgeschmissen. Hinzu kommt die menschliche Komponente, das ich ihn schätze und gerne mit ihm zusammen bin, was das Arbeiten sehr angenehm macht. Das ist besser gar nicht vorstellbar. Ja, ich kann nur ein Loblied auf mein Umfeld singen. Meine Nähfreundin, die an diesem Abend auch dabei ist, zählt dazu. Die Annäherung war da und wurde auch ein paar Jahre unterbrochen und jetzt ist sie wieder da und ich genieße sie. Auch wenn ich nicht aus Hannover komme, bin ich hier doch angekommen nach 25 Jahren und das ist sehr schön und ich will nicht weg, nur immer wieder kurz zum Verreisen….

Abenteuer in Oberricklingen

04.11. Heute fahren alle weg. Steffi und Sabine nach New York und Jörg und Charlotte nach Spanien.

Es ist ein langweiliger Tag, an dem ich viel Schreibkram erledige. Morgens wird die Rampe von Herrn W. abgeholt von Brandes und Diesing, die ich seit dem 03.07. mein Arbeitszimmer dekoriert.

Andrea hat schon 2 Röcke fertig von meinen Auftragsarbeiten.

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So ein schnelles Mädchen und so gut. Morgens kommt das erste Foto, dann nachmittags das zweite. Die haut einen Rock nach dem anderen raus. Ich freue mich und kann es kaum erwarten meine neuen Lieblinge in Empfang zu nehmen. Ich meine, der schöne mit der Antik-Tristesse ist so was von herrlich (und es war einst ein Stoffrest vom Fairkaufhaus für 1,50 €) und der andere, da steht ja schon „Wien“ drauf.

Herr Maßregelvollzug ist wieder in die Einrichtung geflüchtet und wollte dort erst mal Essen und Schlafen und als er jetzt wieder Kräfte gesammelt hat, mischt er sie wohl richtig auf. Stationswechsel, Fixierung, alles was man sich vorstellen kann. Sozialamt droht mit Hausverbot. Es ist Chaos pur.

Abends als ich zum Sport gehe, habe ich heftige Unterleibskrämpfe (und zwar ohne erkennbaren Anlass). Da ich schon in der Umkleide bin und keinen Rückweg sehe, schlucke ich eine Schmerztablette und komme mir etwas pervers vor und ziehe dann schön durch. Ich glaube, keinen Sport zu machen, hilft auch nicht weiter. Wenn ich eines Tages aufgefunden werden und das Alien ist auch meinem Bauch ausgebrochen, dann können alle auf Buttermusch nachlesen, was Sache war.

Was ich an Hannover liebe ist, dass hier die Radwege kontinuierlich ausgebaut werden. Der reinste Luxus. Wenn man was gemacht wird, dass wird es schön aufgemotzt, knallrot wird ein breiter Streifen der normalen Fahrbahn entrissen und als Radfahrer kann man schön bequem und nebeneinander fahren oder auch mal überholt werden. Das ist herrlich.

05.11. Auf dem Weg ins Büro, wundere ich mich über die Marktständerbetreiber, die morgens um 8:30 Uhr schon Bier und auch Schnaps am Kiosk trinken. Für den Perser, der mir immer die Taz mitgibt, ein willkommenes Geschäft.

Der junge Richter, der neu im Amt ist fragt mich, ob ich eine Verfahrenspflegschaft im Friederikenstift übernehmen will, kurzfristig, heute Nachmittag. Es geht um eine 82-Jährigen und eine Unterbringung und dann auch Auflösung der Wohnung. Bevor mich wieder Herrn PM versetzt mit dem Wohnungsamt, sage ich zu. Das Ganze findet auf der 2 Süd statt, wo ich vor einigen Jahren fast drauf gegangen wäre. Gemischte Gefühle als ich die Station betrete. Ach ja, das war die Hepatitis-Toilette, wo man nicht drauf sollte und da war mein Zimmer. Ich frage nach Frau W. Das Personal sagt: sschhh.  Sie weiß von nichts. Ich stelle mich vor. Ihre Freundin mit den kleinen Füßen (sie erinnert mich an meine Schwiegermutter) ist zu Besuch. Dann kommt der Richter und wir erklären ihr, dass die Betreuerin, das ist offenbar die Schwiegertochter der langjährigen Freundin (beide kennen sich seit 30 Jahren) eine Heimunterbringung für sie beantragt hat, weil die Wohnung nicht mehr tragbar sei und sie nicht mehr alleine zu Recht kommen würde. Frau W. fällt aus allen Wolken. Wer ihr da was anhaben wolle, sie habe immer ihre Rechnungen bezahlt und ihr Leben gelebt und das komme nicht in Frage, dass andere über sie bestimmen. Ihr Vater war bei der Schutzpolizei und sie mussten früher „gerade gehen“. Sie könne jedem in die Augen schauen. Das sagt sie beides mehrfach. Sie habe 19 Jahre lang als Geschäftsführerin bei Edeka gearbeitet. Sie sei Drogistin und habe ihr Leben bisher gut gemeistert. Diese Betreuerin meine es nicht gut mit ihr. Natürlich, sie trinke mal ein Bierchen, das dürfe sie doch und sie gehe gerne am Platz frühstücken, weil was solle sie alleine in der Wohnung.  Ein Gutachter, den das Gericht beauftragt hat, war wohl in der Wohnung und spricht auch von Gefahrenquellen und dass es ein Wunder sei, dass noch nichts passiert ist. Der Richter will sie zur Kurzzeitpflege überreden, aber sie bleibt hart. Droht damit, sich was anzutun. Dann beschließen wir in die Wohnung zu fahren mit dem Taxi, zu viert mit der Freundin. Frau W. hakt sich bei mir ein, im Alter tue alles weh, daran müsse man sich gewöhnen sagt sie zu mir. Sehr süß. Ich helfe beiden Frauen mit den Gurten beim Anschnallen. Wir fahren nach Oberricklingen. Es stinkt nach Katzenurin, aber die Stubentür ist zu, so wie sie es uns gesagt hatte. Die Viecher haben irgendwo hingepisst, auf die Teppiche, aber sonst ist es eine ganz normale Wohnung, eher spartanisch eingerichtet, Wäsche hängt und ist nicht weggerämt, Klo braun, Kühlschrank auch, aber das kann ja nicht der Grund sein. Die Nachbarin schaut gleich, was sich in der Wohnung tut und kündigt an mit Frau W. morgen zu Edeka fahren zu wollen, wenn sie entlassen werden. Frau W. ist ganz aus dem Häuschen, ihre Püppies, das sind die beiden Katzen in der Wohnung, die Babies für sie sind. Wir fahren zurück ins Krankenhaus. Ich schlage Betreuerwechsel vor und Frau W. will das auch und die andere offenbar überfordert sei. Der Richter hat die Schnauze voll von den Ehrenamtlichen, denen man erklären müsse, dass sie nur wegen des Aufgabenkreises Aufenthaltsbestimmung hier trotzdem nicht schalten und walten können wie sie wollen. Und ich denke mir, Geld sparen durch ehrenamtliche Betreuung, so hatte das die jetzige Frau W. schmackhaft gemacht und die meldet einen dann im Heim an. Das spart nun auch kein Geld! Alle schauen auf mich und bitte, bitte, also sage ich ja und bin dann ab Morgen früh im Amt. Frau W. bedankt sich überschwänglich bei mir. Wie können sie mir danken, ich habe sie gerettet. Und ich denke, wenn ich mit Demenz (diagnostiziert 2009) und 82 Jahren noch solche Plädoyers halten kann, dann klopfe ich mir auch auf die Schulter und sage zu ihr, alles gut.

Sport muss ich heute sausen lassen. Ich rufe statt dessen meine Vorgänger an, wie wir das mit dem Schlüssel machen, weil Frau W. hat keinen und einen braucht , weil sie Morgen entlassen werden soll. Die zu mir: „Ich lege Beschwerde ein dagegen. Ich übernehme keine Verantwortung.“. Ich daraufhin. Da ist schon ihrem Wunsch entsprochen worden. (Sie ist abgelöst und hat keine Verantwortung mehr. Da braucht sie nicht Beschwerde einlegen). Erneut frage ich nach dem Schlüssel oder dem Namen der Nachbarin, die einen hat. Sie wieder: „Ich wirke bei gar nichts mit. Ich sage Ihnen den Namen der Nachbarin nicht. Ich gebe den Schlüssel nicht heraus. Ich bin enttäuscht von der Justiz und mache jetzt gar nichts mehr. Morgens heißt es, ich bekomme den Beschluss. Dann ist alles anders. Ich sehe das nicht ein…“. Ein echtes Schätzchen also.

06.11. Ich lasse mir morgens den Beschluss zufaxen und rufe bitte dann die Polizei um Mithilfe, dass sie es telefonisch mal versuchen, weil sie vielleicht überzeugender sind als ich. Die ist uneinsichtig. Da sei nichts zu machen, heißt es. Also auch der Polizist, der erst gar nichts machen und mich auf den Zivilrechtsweg verweisen will, beißt auf Granit. Ich erstatte Anzeige wegen Unterschlagung. Da wird nichts bei rumkommen, aber das muss ich schon tun, um meine eigenen Ärger Luft zu machen. Die blöde Kuh. Dann ruft der Polizist mich noch mal an, weil die Ex-Betreuerin ihm den Namen der Nachbarin gesagt hat. Ich recherchiere und finde eine Telefonnummer mit dem Namen 10 Hausnummern weiter. Das sind die Eltern der Nachbarin, die eine Geheimnummer hat, die nicht herausgegeben werden darf. Tochter arbeitet bis 15 Uhr. Dann bitte im Krankenhaus auf Station melden. Ich frage schon mal beim Schlüsseldienst was es kostet. Dann fahre ich um 13:20 in den Friederikenstift. Frau W. sitzt am Fenster und ist schon aufgelöst. Ich sage, alles gut. Sie kommt heute nach Hause, so oder so. Dann kommt der Anruf der Nachbarin. Dann Taxi und Transportschein. Ich soll mitfahren, habe aber einen Termin beim Gericht und muss sie alleine schicken.

Der Gerichtstermin, wieder eine Verlängerung dauert ca. 2 Minuten. Dann versuche ich das Scrabble-Spiel umzutauschen, weil da nur 4 mal der Buchstabe „H“ drin ist, dann 5 mal, wie in dem Buch beschrieben und daher nur 118 Steine, statt 119 und erfahre, dass die Frau von Oxfam mir nur anbieten kann, mir ein „H“ aus Pappe zu basteln. Das hätte ja irgendwann mal verloren gehen können nach dem Kauf am 01.11. Sie könne nichts machen. Ich raste aus und kündige an, nie wieder was in dem Laden zu kaufen, in dem ich schon viel Geld gelassen habe und Stammkundin bin seit der Eröffnung und sage, es ist anders: sie müssten beweisen, dass der Fehler nicht da war beim Kauf und nicht umgekehrt. Ich gehe schließlich und nehme das Spiel wieder mit und mir vor, daraus ein Mottohüttchen mit dem Scrabble-Buchstaben zu basteln und dem Satz: Ein „H“ fehlt, aber die Frau von Oxfam kann mir nur anbieten, ein „H“ aus Pappe zu basteln und das trage ich dann und einen Brief an Oxfam wird es auch geben. Ich bin richtig sauer und koche vor Wut und kann mich das so reinsteigern, dass ich denke, das ist querulatorisch.

Abends kommt eine langjährige Mandantin. Die hat auch so was, lieb, aber kann sich auch reinsteigern, wo man sich fragt, ob sich das lohnt. Deswegen mögen wir uns vielleicht auch so. Sie ist sehr reich, hat eine Immobilie verkauft und streitet sich jetzt um 60,01 € Grundsteuer. Daneben erzählt sie mir ihre Krankengeschichte, weil sie jetzt eine Zeitlang weg war vom Fenster. Darm-OP. Die Klammern am Bauch, Entzündung, es habe ausgesehen wie bei einem Schweinebraten, so gekräuselt. Und dann immer Spülen. Das habe weh getan (und ich weiß, was sie meint, lasse mir aber nichts anmerken) und ein Schwamm war da drin, der immer kleiner und unter Vollnarkose gewechselt wurde.

07.11. Heute kann ich nicht zu meiner neuen Betreuten, weil ich zu viele Termine habe. Morgens gleich Sozialgericht. Vorher hatte ich zuhause mit den Scrabble-Buchstaben gebastelt und festgestellt, der Satz geht nicht, weil es nur ein „P“ gibt und ich 3 brauche. Dabei erfahre ich von Wiki, dass Scrabble in der deutschen Version nur 102 Buchstaben hat, ich habe also 16 zu viel und die meisten davon Vokale. Alle Aufregung umsonst. Ich werde das Spiel spielen und räume es weg. Doch kein Querulantenbrief, Schade eigentlich.

Dann Sozialgericht, meine Betreute ist ausnahmsweise da und wartet schon. Es geht um eine Schilddrüsenerkrankung und ernährungsbedingten Mehrbedarf. Ein ehrenamtlicher Richter wird vereidigt und sie will wissen, ob das ernst gemeint sei. Wir haben schlechte Karten, d.h. Prozesskostenhilfe gibt es, so dass ich mir um meine Gebühren keine Gedanken machen muss. Leider hat ihr Arzt, der eine Stellungnahme für das Sozialgericht machen sollte gesagt, Übergewicht, weniger Essen hilft schon. Teurer sei das nicht. Die Richterin ist einfühlsam und meine Betreute kommt ganz viel zu Wort und erklärt, was sie alles im Internet nachgelesen hat und wie die Ärzte alle keine Ahnung haben. Ergebnis wie erwartet.

Bis zu meinem nächsten Termin habe ich Luft, gehe zum Arzt, der Blut von mir will. Lese im Geo-Heft einen Artikel über einen einsamen Schäfer in den Abruzzen oder war das Apulien? Die haben Hunde wie Kangals, aber nicht zum Hüten der Schafe sondern gegen die Wölfe. Gegen so einen Wolf kann ein Hund nichts ausrichten, heißt es so schön, aber der Wolf jagt nicht so gerne, wenn er dabei ausgekläfft wird. Sie tragen Stachelhalskrause mit Nägeln, die nach außen zeigen als Schutz am Hals. Ich werde nach meinem Gewicht gefragt. Was habe ich denn letztes Mal angegeben frage ich. Dann wieder so. 76 kg. Sie schaut so. Ich sage, das ist doch nicht kriegsentscheidend und gehe auf die Waage 77,6 mit Schuhe, also genau wie ich gesagt habe.

Termin bei dem Psychiater. Meine Betreute wartet unten schon, weil sie mich wohl auf dem Fahrrad gesehen hat. Es geht um die Verlängerung der Betreuung. Wir kommen nicht zu ihrem normalen Arzt, sondern eine Kollegin. Eine kleine Yoga-Fee. Grober Strick, zierliche Figur, niedliche Perlenarmbände mit diversen religiösen Symbolen darauf. Auf dem Rückweg halte ich bei Rossmann, weil ich meine Wollmütze, die ich in Berlin mit Heikes Hilfe genäht habe färben will. Sie sieht skurril aus und kommt gut an, nur die Farbe (beige, wie die Klamotten der Ärztin) steht mir nicht. Kann man wohl im Topf färben und Salz ist mit drin. Das habe ich nicht mehr gemacht seit Abiturzeiten.

Der dritte Rock von Andrea ist fertig!

Foto

Abends geht Stephan zu den Musikern der Scala in CCL und ich färbe im Topf. Schön blau wird das. Früh ins Bett, da Morgen Zahnarzt um 8 Uhr. Ich Angstpatientin und fand keine Ausrede als es hieß, da könne ich doch schön anschließend arbeiten gehen und jetzt habe ich den Salat. Ich meine um 8 Uhr kratzt da schon einer an meinen Zähnen. Das ist auch nicht so ganz meine Uhrzeit. Schlafe schlecht ein. Bin echt nervös und ein Angsthase. Seit Tagen esse ich weniger Süßes, weil ich die Wurzelbehandlung vor Augen habe….

08.11. Erst finde ich die Praxis nicht (war auch erst ein Mal da und das ist fast 2 Jahre her), dann liege ich auf dem Stuhl und wir hören NDR 2. Ich sage nach der letzten Zahnreinigung hätten meine Zähne tagelang weh getan, weil mein Mann verkaufe mir das immer als Wellnessprogramm. Sie tut ihre Arbeit und sagt, es sehe gut aus, mit Ausnahme der Zahnzwischenräume. Wenn ich noch anfangen zu flossen, bekomme ich eine eins.

Als dann die Ärztin mich nur nach meiner Cousine fragt und sagt, es sei nichts, bin ich in Hochlaune. Mit der Bahn fahre ich vom Lister Platz nach Oberricklingen. Erst zum Pflegedienst. Da riecht es nach Zigarettenqualm und ich lese in einer Pflegezeitschrift, ob der Einsatz von Pflegerobotern sinnvoll sein kann. Sie haben wieder einen Schlüssel. Wir sprechen über die häusliche Versorgung. Ich bekomme einen Gutschein mit für Essen auf Rädern für Frau W. Dann fahre ich zu ihr. Es stinkt erbärmlich in der Wohnung nach dem Katzenurin. Sie will zum Platz frühstücken und ich will neues Katenstreu kaufen. Ich sage, hier muss geputzt werden. Das soll die Nachbarin unter ihr machen. Ich soll die mal gleich fragen. Da ist nur der Mann zuhause und sagt, seine Frau macht es erst nach einer Grundreinigung der Wohnung. Ich wieder hoch. Frau W. ist beleidigt. Dann kann sie ihr gestohlen bleiben. Wir schauen uns ihre ganze Fundstücke, afrikanische Schnitzereien und so was an. Die seien von ihrer Nichte. Die war beim Auswärtigen Amt in Brüssel, ist aber schon tot. Herzinfarkt mit 62. Wenn die noch da wäre, würde es ihr anders gehen. Ich stimme zu. Dann stellt Frau W. fest, dass sie nur noch 5 Euro im Portemonnaie hat. Zur Bank hat sie immer die 30 Jahre alte Freundin begleitet, aber die ist jetzt nicht zu erreichen und vielleicht auch sauer, weil ihre Schwiegertochter abgesägt wurde. Na dann, würde ich doch mitgehen, oder? Was bleibt mir. Es ist Freitag um 11 Uhr. Zur Station. Fahrtkarte kaufen, kennt sie nicht. Ich kaufe nur Kurzstrecke, weil ich mich verzählt habe. Am Schünemannplatz steigen wir aus. Frau W. muss sich erst mal orientieren und ich denke, scheiße, ist hier gar keine HVB. Dann weiß sie es wieder. Wir gehen hin, gleich ruft der Mitarbeiter eine Kollegin von hinten. Dann findet Frau W. die Bankkarte nicht und zeigt wahlweise ihren Personalausweis und meine Visitenkarte und fragt, ob das nicht die Bankkarte sei. Das macht mir jetzt Angst und auch, dass sie die Mitarbeiterin so nennt, wie ihre Freundin heißt, obwohl die ein großes Namensschild an hat. Sie holt 500,- € und wir lassen die Vollmachten der früheren Betreuerin löschen und die Karten sperren. Dann wieder zurück. Jetzt will sie wirklich frühstücken. Das ist der Kiez:

Funny stylish bar Kampfkunst Zentrum

In der Bäckerei fragen sie: „wie immer“ und ich schaue derweil nach Post, weil eine Bankkarte verschickt worden sein soll. Nicht mal ihr Name steht am Briefkasten. Dann gehen wir in den russischen Supermarkt, wo es wirklich andere Produkte gibt z.B. geflochtenen Rauchkäse (ich muss ein Foto machen, sie wundert sich):

Lackmann Teig

Essen will man das nicht. Sie kauft ein: 1 Orange, ein paar Weintrauben, 2 Pflaumen, 1 Dose Fischsalat, ein russisches Bier, 2 Piccolo Sekt (zusammen im Karton) und einen einzelnen einer anderen Marke (Riesling), dann Käse, Brot und ein deutsches Bier, 2 kleine Feiglinge und eine kleinen Jägermeister sowie 8 mal Katzenfutter und ein mal Katzenstreu. Ich will erst 2 Tüten, aber das hätte ich nicht geschafft. Die wiegen 10 kg und fühlen sich schwer an wie Zementsäcke. Dann auf zur Wohnung. Die Nachbarin, die putzen will ist zwischenzeitlich nach Hause gekommen. Wir gehen nach oben. Immer wieder fragt Frau W. ob sie Geld geholt habe und ob die alte Betreuerin noch an das Konto dürfe. Während wir mit der Nachbarin das zukünftige Putzen besprechen sage ich, heute könne sie die Anwältin sehen, wie sie das erste Mal in ihrem Leben ein Katzenklo sauber macht. Es gibt einen kleinen Plastiklöffel, das Streu ist ein einzigen fester Klumpen, wie ausgehärteter Beton mit Kotstücken oben drauf. Es riecht beißend, aber ich kämpfe mich durch und entleere alles in die Plastiktüte, die wir vom russischen Supermarkt gerade mitgebracht haben und soll es nun in der Badewanne ausspülen. Dann trocknen mit Klopapier. Dann ist der Abfluss etwas voll und muss wir frei gemacht werden, dann das Katzenklo neu befüllen. Als ich mir die Hände waschen will, ist keine Seife da. Die Nachbarin bringt mir Pril. Während ich am Waschbecken stehe, gehen beide Püppies unter mich schon auf die Box und ich höre sie kratzen. Die haben offenbar sehr darauf gewartet, was ich mir auch schon dachte. Ich glaube bei der Nachbarin macht das schon Eindruck, wenn sie sieht, dass auch andere bereit sind anzupacken. So ist zumindest meine Erfahrung. Mit der Nachbarin geht es dann um das Austauschen der Teppiche. Frau W. meint, sie seien noch in Ordnung und will nicht und weint und fragt immer wieder, ob sie genug Geld habe, dabei hat sie sich den Kontostand zeigen lassen. Das wird noch harte Überzeugungsarbeit. Ich sage, es gibt eine Pflegegeldnachzahlung (weil seit Anfang der Jahres nicht alles gezahlt wurde, worauf sie einen Anspruch hat) und davon machen wir das und wir nehmen genau die Teppiche wie vorher und sie wird es auch toll finden. Sie sagt doch immer, dass sie keine Fernreisen gemacht habe, weil es zuhause am schönsten sei und was solle sie sich in fremden Hotelzimmern herumtreiben. Die Nachbarin sagt Frau W., dass sie bald zusammen ihren Geburtstag feiern, wie letztes Jahr in dieser Gaststätte (nennt den Namen). Frau W. will mir wieder was Gutes tun. „Wie kann ich mich nur bedanken, Schwester?“, fragt sie immer wieder. Ich denke, sie hatte eine gute Fassade und ich bin ihr auf den Leim gegangen, das heißt ich habe ihre Kompetenzen überschätzt. Es ist fast 2 Uhr. Ich fahre noch mal beim Pflegedienst vorbei und sage, dass meine zusätzlichen Betreuungsstunden aufgebraucht seien (eine Anspielung darauf, dass der Pflegedienst diese Sachleistung rückwirkend ab 01.01.2013 abrechnen und verbrauchen kann, weil ich es neu beantragt haben).

Auf dem Rückweg, es stinkt immer noch in meiner Nase, aber ich habe noch nichts gegessen, halte ich endlich bei der Kaffeerösterei mit dem Esel in Ricklingen und esse ein Brötchen und trinke einen Kaffee. Ich hatte das Fluorid einziehen lassen wollen in die Zähne. Mein Fascinator wird gelobt von der Bedienung, die sogar den Namen dafür weiß, was ich erst vor wenigen Monaten beigebracht bekommen habe. Der Laden hat einen Extraröstraum und auch Preise für den Kaffee gewonnen. Der Inhaber in sympathisch, der Laden ist nur etwas weg vom Schuss, so hinter dem Schünemannplatz. Ich rufe Stephan an, dass ich mich abends belohnen will. Fisch im Titus soll es sein.

Dann ins Büro und u.a. einen Schwerbehindertenausweis mit Begleitperson für Frau W. beantragen. Ich mache Witze darüber, dass die Demenz ansteckend ist und frage die Steuermitarbeiterin immer, habe ich das Teewasser schon aufgefüllt? Habe ich das schon gescannt? Und die Fragen sind nicht gespielt. Irgendwie bin ich auch mitgenommen und nicht ganz auf der Höhe.

Abends fahren wir nach Döhren, vorbei an den ganzen Lemmingen. Ich sehe eine Steilküste vor meinem inneren Auge und wie die Massen darauf zulaufen und sich alle in den Abgrund stürzen, aber es ist nur der Maschsee. Neben uns ist eine Weinprobe und die 17 Leute sind etwas lauter, vor allem mit zunehmendem Alkoholpegel. Ich kenne das. Die ca. 60 Jährige, der Rädelsführer ist sagt: „Hartmut sagt Du mal was zu dem vierten Rotwein, was Dir dazu einfällt“ und zu einem Jüngeren sagt er: „Du hast Dich jetzt genug blamiert. Du bist später wieder dran“. Es geht um das Raten der Weine, welcher ist welcher. Daneben bekommen wir zwangsläufig mit, dass das Spiel 0 zu 0 ausgegangen ist. Auf  dem Rückweg viel Hubschrauber mit Suchscheinwerfer und ich sage immer wieder zu Passanten, die in Gruppen unterwegs sind und Schal tragen: „ohhh, haben eure Babies es nicht geschafft ein Tor zu schießen?“.

Ich sage zu Stephan: es ist eine Illusion, dass wir so sein werden wie jetzt sind wenn wir achtzig sind. Entweder vorher tot oder man kann sich auf wesentliche Veränderungen einstellen. Da macht man sich immer was vor. Wir werden andere Menschen sein, womöglich mit einem ganz abgeflachten Charakter, auf jeden Fall mit körperlichen Einschränkungen, alles wird mühsam sein und die Leichtigkeit und Arroganz der Jugend verschwunden. Er verweist auf die guten Energien in meiner Familie. Ich sage, trotzdem, wir leben auch hart und man glaubt das immer so, dass man derselbe Mensch sein wird und da macht man sich was vor. Es ist eine Fortentwicklung, so wie man mit 30 auch nicht mehr so war wie mit 3 Jahren. Außerdem ist Frau W. eine tierverrückte, kinderlose, alte Frau. So werde ich auch. Mich beim Bäcker nach jedem Hund verzehren, der vorbei geht. Aus dem Haus bei uns kommt ein älteres Pärchen. Wir kennen sie. Sie entschuldigt sich, dass sie zu viel getrunken habe und kann sich kaum auf den Beinen halten, d.h. sie fällt wie ein gefällten Baum auf die Schienen und ihr Mann zieht sie wieder hoch und legt den Arm dann fest um sie, um sie zu stabilisieren. Auch kein schöner Anblick. Plötzlich fühle ich mich ganz nüchtern und der Amoniakgeruch ist immer noch in meiner Nase.

Wochenende in der Bastelsauna

02.11. Ich habe mir ein Scrabble Spiel bei Oxfam gekauft und es fehlt ein „H“. Ich dachte, die würden da alles nachkontrollieren, die engagierten Rentnerinnen, die dort ehrenamtlich arbeiten. So will ich es nicht. Umtauschen oder gleich weg. Hat nur 3,- € gekostet. Nach einem Tag in der Bastelsauna abends zum Theater an einem ungewöhnlichen Ort. In der Menagerie. Sehr entspannte Stimmung und auch gutes Stück, d.h. die beiden Darsteller haben sich richtig ins Zeug gelegt. Wir sind ihnen auf den Leim gegangen und dachten, wir würden mit einem Alleinunterhalter Bingo spielen. Mit Bingo Bruno und ich war da auch schon ganz heiß drauf, aber dann kam alles ganz anders, d.h. es gab eine Wendung in dem Stück Richtung Musical, aber gut. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, falls jemand noch reingehen will. Wir haben dort Freunde aus Essen getroffen und ich habe Rotwein und Kaffee getrunken und ich habe den Arabischen Mokka vom Kaffee Wacker übergeben. Ich war halbherzig auf Halloween zu Recht gemacht mit einer dezenten Kunstblutspur im Mundwinkel, aber sonst kaum verkleidet. Ein Hütchen mit Halloweenanleihen, was ich aber auch normal anziehen würde. Als wir gehen wollen um ca. Viertel nach 11 fragt mich ein Typ, der vielleicht Mitte 50 ist und sich als Teilhannoveraner vorstellt was ich beruflich mache so nach dem Motto, immer sieht er mich, wenn er in Hannover ist und ich sei ja auch nicht gerade unauffällig. Auch wenn Hartmut El Kurdi zuhört, nützt es nun nichts zu lügen. Ja, ich habe einen bürgerlichen Beruf und mache beruflich nichts mit Kunst und Mode. Das ist nur Ausgleichssport. Rein privat. So und jetzt raus hier.

Wir gehen noch den Geburtstag einer Freundin und dann ab in die Sturmglocke. Schön voll und stinkig, aber ich tanze erst mal eine Runde und verschaffe mir etwas Respekt, d.h. Platz auf der Tanzfläche. Die gruseligen Outfits nehme ich nur ernst, wenn die Inhaber auch tanzen, sonst sind sie wieder Standaschenbecher für mich. Nach Gin Tonics und netten Gespräche u.a. mit dem Mann mit der Axt im Rücken (sehr überzeugend, weil echte, schwere Axt, d.h. coole Unterkonstruktion) torkeln wir nach Hause bzw. fahren beim heftigem Regen durch den Matschepark. Ich frage Stephan bin ich jetzt wie Liberace, der heimlich in die Darkrooms geht, weil ich einen bürgerlichen Beruf habe, aber darauf stehe in der Sturmglocke zu hotten? Nein, ich stehe ja dazu und habe gerade kein Doppelleben.

03.11.2013 Sonntag werde ich wieder wach nach wenigen Stunden und spiele, d.h. bastele weiter. Dann fahren wir zu Boesner, wo es heute verkaufsoffenen Sonntag und 20 % Rabatt gibt. Da sind auch andere auf die Idee gekommen, hier einen Ausflug hin zu machen und die Schlangen vor den Kassen gehen quer durch den Laden. Recht schnell stellt sich heraus, die haben nicht was ich suche. Einen Ersatz für die Stifte, die ich nach der Wende in Magdeburg gekauft habe (tschechisch) und die langsam zur Neige gehen und die ich für die Kalenderproduktion brauche. Ich will keine schmierigen Ölkreiden und keine puderigen, verwischbaren Sonstwaskreiden und nichts Wasserlösliches. Ich  will keine Buntstifte mit dünner Miene zum Anspitzen. Nein, das will ich alles nicht. Ich kaufe doch nicht jetzt für teures Geld irgendwas, was mich nicht überzeugt und stehe dafür noch eine halbe Stunde an! Zeug habe ich schließlich genug. Wir fahren mal einen anderen Weg, erst weiter stadtauswärts und ich fluche viel, aber dann ist es auch interessant. Schön durch die Gärten und dieses Pferdchen braucht auch mal ein bisschen Auslauf. Exercise, discipline, affection. Schön zu Rossi und 3 Stücke Kuchen verdrückt (zu zweit) und eine Freundin von früher und eine von letzter Nacht getroffen, dann nach Hause. Stephan erzählt mir von dem über 80-jährigen in München, der in einer Wohnung zwischen Messie und Louvre wohnte. Auf die Schliche gekommen sind sie ihm, weil er mit Bargeld an einer Grenze erwischt wurde und dann haben sie ihn beobachtet und schließlich seine Wohnung durchsucht. Als ich am nächsten Tag lese, dass sie Bilder beschlagnahmt haben frage ich, warum und auf welcher Rechtsgrundlage. Das ist doch sein Eigentum. Stephan sagt: Steuerfahndung, das seien die Gefährlichsten und Steuerdelikte, weil der Bilder verkauft hat ohne das zu versteuern. Ich sage, na gut, dann sollen sie halt einen weiteren Beckmann versteigern und davon die Steuerschuld begleichen, aber die können ihm doch nicht alle Bilder wegnehmen!

Miss Marple hat schon die Herstellerfirma entdeckt und so scanne ich meine Antiquität ein und schicke sie der Firma Koh i noor und noch am Sonntagabend antwortet mir einer. Ich finde die Stifte auch selber. Es sind Hartpastellen. Yuhu.

001739 001818

Abends schauen wir uns Vacation Rentals Central Coast, Kalifornien an. Da gibt es Dinger. Ich sage nur Big Sur mit Blick auf die Küste und Hot Tub draußen. Hippie Luxus pur. Da kommt immer sofort Heimweh auf, aber auch Müdigkeit.

Immer wieder Frankfurt, unreife Jungs und die Neuentdeckung von Frederik Lau

28.10. Ich hatte meine Eltern vom Bahnsteig aus angerufen um die Zugverspätung zu überbrücken und ihnen die Dürer-Ausstellung empfohlen sowie das Hotel mit der Bar im 22. Stock und den Sonderangeboten für Zimmer am Wochenende. Da lobe ich mir doch meine Rentnereltern. Mein Vater schreibt mir kurz vor dem Tatort um 19:14 während ich im Zug sitze folgende email:

Haben für die Museumsnacht am 16.11. Tickets und Zimmer im Innside.
Danke

Paps“

Das nenne ich mal schnelles Reagieren. Ich finde es gut, dass meine Eltern noch so jugendlich sind. Geld sparen tun sich nicht mehr. Auch die richtige Einstellung. Kann ich nur applaudieren.

Ich wollte noch vier Frankfurt-Themen nachtragen. Zum einen die Disko Maxim, die ich erwähnen wollte, die es nicht mehr gibt, wenn ich es richtig verstanden habe. Da waren Charlotte und ich früher zu Gast und Jimmy, der leider verstorben ist, ein Urgestein aus Hannover, der dann nach Frankfurt gewechselt war, erzählte auch immer von dem Laden. Mitten im Rotlichtviertel war der gelegen und Jimmy war die erste Person, die wir in Hannover kennen gelernt haben an einem Kiosk in Hainholz mitten in der Nacht während man auf Munchies sich nicht entscheiden konnte, welche Süßigkeit es nun sein sollte. Mit ihm haben mich viele Dinge verbunden, obwohl wir so verschieden waren. Ich erinnere mich daran, wie er erzählt hat, dass in seiner Kindheit die Mitschüler alle Süßigkeiten bekommen haben zu Matten mähren und er als einziger eine Banane (wegen seiner dunkleren Hautfarbe). Dann ging es mal darum jemanden in einem Wort zu charakterisieren und sagte spontan auf mich bezogen: „überkandidelt“. Das hat gesessen und bleibt unvergesslich wie viele andere Jimmy-Geschichten. Da hatten die Frankfurter auf jeden Fall ein Original aus Hannover.

Dann kommen die Lappalien. Zum einen diese Plakate mit David Garrett, dem Teufelsgeiger, die überall in der Stadt plakatiert waren. Hier habe ich bislang keine gesehen. Da hatten wir neulich im Kino eine Vorschau gesehen vor dem Liberace-Film. Ich weiß nicht, ob die so Amazon-mäßig dachten, wer das mag, mag auch dies. Hier lagen jedenfalls gründlich daneben und das ganze Kino hat sich ausgeschüttet vor Lachen über den peinlichen Film, den man als cineastisches Ereignis überhaupt nicht ernst nehmen konnte, gesponsert von Thomas Sabo, der Marke für schrecklichen Modeschmuck aus Sterling Silber und einer Sonderedition zum Film mit einer silbernen Geige, die Herr Garrett auch an einer Kette um den Hals trug und als individuellen Schmuck lobte. Oh Mann.

Dann hatte ich mich mehrfach darüber ausgelassen, dass die Straßennamen in Frankfurt auf den Schildern alle ausgeschrieben sind. Auch bei langen Doppelnamen wird auch am Wort Straße nicht gespart. Das sieht lustig aus, wie eine Übertreibung aus der Caricatura.

Als letztes Anliegen. Die vielen Hochhäuser der Commerzbank. Aus meiner Zusammenarbeit mit denen bekommen die die Note mangelhaft. Jetzt versuchen sie ihr Image zu retten mit einer joggenden Frau, die allerhand pseudokritische Fragen stellt, ob wir noch so eine Bank brauchen, die einfach weiter macht. Ich bin ja der Meinung, dass wir auf ihr Haus und noch einige andere ganz verzichten können. Zufriedenheit garantiert? Die sollen erst mal das online banking für Berufsbetreuer auf die Reihe kriegen. Warum können die sich so viele Hochhäuser leisten? Haben die Frankfurter dort alle ihr Konto aus Solidarität?

Ich lese morgens bei Spiegel online, dass Lou Reed gestorben ist und bin total traurig. Das ist vielleicht doof, traurig zu sein bei jemanden, den man gar nicht persönlich gekannt hat, aber ich war echt Fan und habe die Musik und die Texte sehr gemocht, das heißt ich tue mir selber leid, dass er gestorben ist. Dann finde ich noch ein Bild aus dem Juni 2013, wo er mit Laurie Anderson und einem Terrier-Malteser-Mischling in einem Straßencafé in Tribeca sitzt und bin noch mal extra traurig. Den ganzen Tag habe ich Liedzeilen von den Velvet Underground Hits im Kopf: „What costume shall the poor girl wear to all tomorrows partys“, obwohl das war dann Nico. Lieber eine Zeile aus Perfect Day. 71 Jahre ist er geworden. Das klingt erst mal nicht so alt. Das sind noch mal 25 Jahre bei mir oben drauf und dann wäre das Leben allerdings ziemlich voll gewesen. Da müsste man sich wohl zufrieden geben mit der Bilanz als Sterbliche, sage ich mir.

Heute ist Verhandlung vor dem Jugendgericht. Das Kind M.A. meiner türkischen Betreuten ist als Zeugin vorgeladen. Der Beschuldigte hat in einer Gartenlaube der Kleingartenkolonie mit seinem Smartphone Samsung Galaxy, S III, blau unterliegt als Tatmittel der Einziehung…Der Beschuldigte ist ein pausbackiges Dickerchen, den die Mädchen nicht ranlassen und der ex-Freund und sein Kumpel sind zwei Jüngelchen, unreif und doof. Sie sind jetzt noch ganz verrückt darauf sich wechselseitig Bildchen auf dem Handy zu zeigen. Da hat auch der Vorfall, der heute zur Verhandlung ansteht nichts daran geändert und als eine körperbehinderte Mitarbeiterin des Amtsgerichts den Gang entlang läuft, kriegen sie sich auch nicht mehr ein. Einfach unreif. Wenn das nicht besser wird, prognostiziere ich die Wiedergeburt als Eintagsfliege, d.h. noch mal ganz von vorne anfangen. Die Frau von Violetta ist sehr gut und schirmt Mutter und Tochter ab, das heißt, wie gehen in einen anderen Gang und sie schaut immer und sagt uns dann Bescheid. Dann beschreibt sie M. wo wer sitzt und wen sie anschauen soll und wie es ablaufen wird. Ich sage, dass ihr klar sein muss, dass sie nicht angeklagt ist, bloß weil sie auch vor Gericht muss und nach Name und Geburtsdatum gefragt wird. Ihre Reaktion: was, das wird gefragt. Die Schuldfrage wird ohnehin familienintern kontrovers diskutiert bei der konservativen Einstellung. Schließlich kommt der Richter mit Zopf raus zu uns, d.h. um die Ecke. Er will M. von einem Täter-Opfer-Ausgleich überzeugen. Wir sind erst dagegen, mache es dann aber doch, weil M. einwilligt und die Frau von Violetta sie begleiten will. Ich sage, ein Versuch ist es wert. Vielleicht bringt es ihr was, sonst kann man es immer abbrechen und landet wieder hier. Außerdem sei das im Ihmezentrum und damit gleich bei meinem Büro um die Ecke. Wenn was sei, könne sie zu mir kommen. M. will ein Praktikum im Kindergarten machen und dann Berufsschule und Ausbildung. Gutes Mädchen. Ganz doof die Kerle. So unsensible Vollpfosten. War doch klar, dass ihr Freund da Bescheid gewusst haben muss. Wer läuft sonst als Jugendlicher durch eine Gartenkolonie. Sie hat sie Schule gewechselt und der Vorfall hatte einen großem „Impact“ auf ihr Leben. Das soll sie dem Dickerchen mal klar machen, wenn da nicht Hopfen und Malz verloren sind.

Zivilgericht Shok Detlef Tag

Abends Geburtstag in der kleinen Küche einer Freundin. Auch hier fallen die Männer mit Stokeligkeit auf. Es ist ein netter Abend und ich bekomme den Ausstellungskatalog von „about“ den ich haben wollte sowie ein dickes Stück Käsekuchen, was ich mir mit Stephan teile für den nächsten Tag.

29.10. Deutsche Bank bestellt mich ein in 2 Betreuungssachen, weil sie meinen Ausweis kopieren müssen, d.h. ich wurde angeschrieben. Ich bringe gleich die Unterlagen aller Fälle, die bei ihnen spielen mit, weil ich das heute insgesamt erledigen will.

Mittags hätte Anhörung von Herrn I. beim Betreuungsgericht stattfinden sollen. Das habe ich letzten Freitag schon abgesagt, morgens bevor wir nach FF fuhren. Der Typ sitzt seit Monate in Untersuchungshaft. Schön wäre, wenn er auf einen Plausch zum Betreuungsgericht vorbei schauen könnte.

Herr Maßregelvollzug (MRV) braucht Geld. Ich will ihm keines leihen, aber eine Alternative dazu gibt es nicht. Er soll um 13:30 Uhr vorbei kommen und kommt nicht vorbei. Dafür bekomme ich abends einen Anruf der Klinik. Eine Psychologin, die mir während ich turne vier Mal denselben Text auf mein Band spricht. Er war heute um 15 Uhr dort verabredet und ist nicht erschienen. Das mit dem Probewohnen wird dann schwierig und sie müssen einen Hausbesuch machen, was er ablehnt. Ich soll als Betreuerin auf ihn einwirken. Dann noch mal. Er ist heute nicht gekommen usw. Mann, Mann, Mann.

Meine Freundin Andrea kommt vorbei und holt sich Tischtücher und Vorhänge ab, aus denen sie mir Röcke nähen will. Nicht ohne mit einen Leinenrock und eine Sommerbluse mit Brusttaschen und Applikationen aus gestreiften Krawatten zu schenken.

Endlich erreicht mich die Frau, die sich meine Buttonmaschine ausleihen will. Sie erzählt was von einer Selbsthilfegruppe. Sie kommt aus Frankfurt und wir sprechen etwas darüber. Vor allem über die wechselseitig negativ Wahrnehmung der Städte untereinander. Ich sage ihr, dass sie die Buttonstanze bekommt und dann nach Herzenslust Vorlagen herstellen kann und ich ihr die Buttons mache. Die Maschine selber will ich nicht verleihen. Das ist alles zu umständlich. Ob ich sie nicht kennen lernen muss. Nein, Gabi reicht mir als Leumund.

30.10. Die Eltern des schwer kranken jungen Mannes, der immer betteln geht und dann vertrieben wird haben einen Termin bei mir. Er ist Architekt im Ruhestand und sie ist so eine ganz penible Person. Schwarz angezogen mit Hahnentrittblazer, sehr schlicht alles. Sie loben die Räumlichkeiten des Büros und interessieren sich für den Innenhof. Ob es hier laut sei oder man gut hier wohnen könne. Am Ende stellt sich heraus, dass sie ihre Wohnung im Osten der Republik verkaufen wollen und nach Linden ziehen. Der Sohn und ihre bisherige Bleibe ist in Misburg. Der Wochenmarkt am Samstag gefalle ihnen so gut. Oh Mann, der wird uns noch ganz viele Landeier bescheren, so beschaulich wie der ist.

Mitten in der Besprechung kommt Herr MRV zu früh. Ich muss unterbrechen. Er sieht schlimm aus mit Schorf am Kopf, ganz abgemagert und blaue Hände, offenbar ein Unfall mit Tinte. Er hat heute einen Termin in Wunstorf. Ob er das hinbekommt?  Wir haben eigentlich Morgen ein Treffen mit dem ambulanten Wohnbetreuer. Den lehnt mein Herr MRV allerdings ab, so dass ich das absagen kann. Alles soll an mir hängen.

Per Email wird angefragt wegen eines Raumsprays für Herrn W., weil es so unangenehm riecht wegen des Tumors. Pflegedienstleitung fragt, ob sie das anschaffen dürfen. Auf dem Taschengeldkonto stapelt sich das Geld und ich kann nur immer wieder um sinnvolle Verwendung für den Bewohner, meinen Betreuten bitten. Die kriegen das nicht hin.

Hat mein neues Fahrrad Nazi-Symbole und ich darf es nicht fahren? Der Fahrradhändler aus Linden, der auf Oldtimer steht sagt, er hätte ein ähnliches Rad als Herrenrad im Keller stehen, aber irgendwie hat er Gewissenbisse wegen des Adlers. So unsensibel wie ich bin hatte ich darüber noch nicht nachgedacht, ob man ein altes Fahrrad vielleicht nicht fahren darf. Das politisch nicht pc ist. Was soll das? Ist doch kein Panzer. Ich sage, ich glaube, die Fahrräder haben kriegstechnisch weniger eine Rolle gespielt.

Ich bin ganz verliebt in die penible Auflistung der Restaurierung des Fahrrads vom Vorbesitzer. Der Rahmen im Wohnzimmer vor dem Spitzendeckchen und der selbstmalten Excel-Tabelle und das soll jetzt böse sein?

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Elisabeth kommt heute und erzählt von sich aus was von Kleopatra-Badezusatz, den sie neulich gekauft oder verwendet hat. Innerlich bin ich sehr irritiert, weil ich denke, kann sie Gedanken lesen. Ich habe die Assoziation und sie kommt mit mir jetzt Kleopatra und Eselsmilch.

Stephan trägt einen Frank Hanebuth Solidaritätsbart, weil er sich langsam auf Movember in London vorbereiten muss und wir gehen mittags zu Mr. Thang als Iimori-Ersatz. Der Schick ist nicht da, aber der Sushi-Mittagstisch M 1 für 5,90 € schmeckt gut und der Grüntee und die Edamame sogar besser als im Iimori, aber halt ohne die Atmo.

Kurz vor dem Sport bekomme ich eine Email aus Wunstorf in Sachen Maßregelvollzug:

Hallo Frau A.,

Herr MRV kam am Mittwoch zwei Stunden zu spät, aber er kam – ausgemergelt, mit Rötungen/Beulen (wie Sturzverletzungen aussehend, was Herr MRV bestritt), aber gedanklich geordnet, alltagspraktisch jedoch völlig ungeordnet..

Er gab an, gelegentlich Bier zu trinken; er laufe und fahre viel in Hannover herum. Könne in der Wohnung nicht kochen; duschen auch nicht – der Mitbewohner fühle sich gestört. Er wolle alleine eine Wohnung suchen, nur im Notfall auf Herrn Hem. zurückgreifen. Ich werde deswegen auch keine Fachärztl. Stellungnahme schreiben.

Er wolle sich gerne bei uns duschen und schlafen, was er dann tat. Er habe nicht genug Geld für Essen; bekam von uns noch etwas. Man habe ihm beim Ladendiebstahl erwischt – Hausverbot, keine Polizei.

Nächstes Treffen: Nächsten Dienstag 11.00 Uhr zur Visite.

In anderthalb Wochen schreiben wir eine Entlassungsempfehlung.

Grüße, A. K.

Abends scheuere ich mir den Ellbogen wund beim Yoga und merke es nicht, d.h. auf dem Fahrrad tun die Ellbogen weh und ich denke, komisch und schaue zuhause nach und finde das:

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Das heißt, ich bin ganz schön weggestrahlt bei der Yogapraxis und könnte vermutlich auch dabei operiert werden ohne weitere Narkose.

Gilt das als Sexunfall außerhalb des Sex oder mit mir selber?

Eine Freundin mit ihrer Freundin ist da wegen New York-Tipps. Der Hund hat auf meinen Teppich gekackt. Das ist mein Lieblingsteppich.

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31.10. Ich verschicke die Topflappenpostkarte von Rattelschneck an Susann, eine Freundin in Köln, die unsere Topflappen gehäkelt hat. Darauf ist eine Frau in Hausschuhen in der Küche zu sehen, die aufgedreht hüft und damit ruft: „Toll! Ein Topflappen mit vier Schlaufen. Kein langes Suchen nach der Schlaufe mehr!“. Ich finde die Karte toll, aber die waren ja auch zum Verschicken gedacht.

Der ambulanten Wohnbetreuung von Herrn MRV musste ich ja absagen, weil es ohne Proband sinnlos ist. Dafür kommt eine langjährige Betreute, die derzeit mit den Nachbarn Ärger hat mit ihrer Wohnbetreuung, die sie schon seit 2 Jahren betreut, die ich aber heute das erste Mal kennen lerne. Es geht um die Wohnung, die wohl ganz vollgestellt ist, so dass meine Betreute auf dem Sofa schlafen muss und da kommen die Sprungfedern schon durch. Ich sage: ahh, Massagesessel. Wir überreden sie, dass wir mal einen 3 Stunden Einsatz bei ihr machen und sortieren und mal schön Altpapier in Säcke machen. Ich sage, das wird ganz entspannt, weil sie will keine Fremden in der Wohnung und deswegen kommen nur wir in Frage. Wenn es ihr nicht gefällt, kann sie alles wieder auspacken, wenn wir gehen und wenn sie vorher schon alles erledigt hat, dann trinken wir nur Tee. Dann hole ich aber Petit Fours dazu. Sie ist sehr ernst, aber es gelingt mir etwas, sie aus der Reserve zu locken. Ich finde es immer pervers, wenn ich dann beim Aufräumen helfen soll, wo ich da selber Hilfe gebrauchen könnte, aber bei anderen Leuten geht das immer ganz gut und deswegen bin ich vielleicht gerade geeignet, weil ich weiß, um was es geht bzw. keine Berührungsängste habe.

Mittags kommt eine ältere Freundin und wir gehen ins 11 A. Ihr Serviettenknödel schmeckt wie ein altes Brot stellt sie fest, also es scheint ihr nicht so zu schmecken. Sie hat eine wirklich vorzügliche und sehenswerte Sammlung von Salz und Pfefferstreuern, die wohl derzeit im August Kestner Museum gezeigt wird. Sie wollte, dass die Leute sie anfassen können und nicht alles in die Vitrine hinter Glas. Dafür wollte der Direktor, dass sie die Wache dazu schiebt. Da sei am Museumstag, dem Sonntag wohl eine alte Frau da gewesen. Bestimmt so an die 90 mit Rollator und die habe ihr erklärt, warum sie den Salzsteuer in Form einer Zitronenscheibe brauche, weil sie nämlich täglich Tequila trinken würde und das Salz dafür müsse aus diesem Salzsteuer kommen und die Sammlerin hätte ja schließlich genug. Dann solle sie den am besten gleich einpacken war die Reaktion unserer sehr großzügigen Freundin, die damals als Unisekretärin auch nur damit beschäftigt war alle am Lehrstuhl und an den Nachbarlehrstühlen zu verwöhnen und die edelsten Snacks auszugeben, die man von ihren Gehalt gar nicht richtig finanzieren konnte.

Die Gerichtspost bringt etliche neue Nachrichten u.a., dass die Querulatorin einen Betreuerwechsel will nach einem Jahr. Das war die Frau, bei der zuletzt der Mieterverein Braunschweig die Klage zurück genommen hat. Ich würde ihr gesundheitlich und finanziell schaden und nichts für sie tun. Sie will eine andere, die mit dem Wechsel einverstanden ist. Ich soll dazu Stellung nehmen. Ich hätte misstrauisch werden sollen, dass sie auf meine letzten Mails nicht geantwortet hat, wo ich doch sonst gerne 4-6 am Tag von ihr bekommen habe.

Nachmittags kommt eine Mandantin von früher mit ihrer Mutter (Kopftuchträgerin, alles bunt, kleine Frau). Beide mühen sich in den zweiten Stock und sind atemlos abgehetzt, weil sie mich nicht gefunden haben. Dann bimmelt das Handy der Mutter, orientalische Klingeltöne, wie beim türkischen Jugendlichen. Die Tochter scheißt die Mutter zusammen. Dann geht es um den Fall. Zahnersatz. Implantate. Die Mutter spricht schlecht Deutsch und wusste nicht, dass sie was dazu zahlen muss. Dann war die Tochter mit in der Praxis und wollte fragen und immer hieß es, dass wird nicht teuer. Jetzt wollen sie über 2.500,- von der Frau, die Grundsicherung bekommt und damit nur 382,- € pro Monat zum Leben hat. Die Tochter hat eine Ratenzahlungsvereinbarung über 300,- € pro Monat unterschrieben, weil der Arzt vorher die Zähne nicht herausgeben wollte und jetzt Anwalt: mach mal. Nein, sie sind ganz nett und dankbar, aber leider ohne Beratungsschein. Auch der muss erst über mich beantragt werden.

Dann noch schnell Eilverfahren vor dem Sozialgericht anhängig machen, weil sie Herrn I. bis Jahresende kein Taschengeld mehr zahlen wollen und der ist doch Raucher, mein Untersuchungshäftling, der neulich schon Tabak wollte. Es geht nur um 40,- € pro Monat, aber das doofe Amt will die nicht rausrücken und es sitzt auf dem Trocknen. Mal sehen, was das Gericht dazu sagt. Seine Mittellosigkeit hat er eidesstattlich versichert, dass er das Geld, die 111,- € verbraucht hat und nur noch 32 Cent auf dem Taschengeldkonto sind.

Abends habe ich einen Wohnungsbesichtigungstermin mit dem Typen von der Sparkasse. 50er Jahre Haus. Leider sehr viel hässlich. 4 OG. Nur toll sind die großen Doppelfenster mit Blick auf die Rampenstraße, da konnte ich mich nicht satt sehen, aber dafür muss man auch den Rest kaufen. Die Kabuffs und die scheußliche Küche und das schlimme Bad. Verliebt ist was anderes und wenn man das alles ändert, von den kleinen braunen Türen angefangen mit dem hässlichen Türklinken und dem gelben Riffelglas und die Plastiksteckdosen mit rotem Rand. Dann ist man am Ende bei astronomischen Preisen.

01.11. Beim Warten auf dem Makler war mit die Sigg-Flasche ausgelaufen und vor allem das Portemonnaie mit Inhalt war nass. Das hatte ich nicht ausreichend beachtet. So konnte ich die 15,- € Eigenbeteiligung für die Beratungshilfe am nächsten Morgen nicht einzahlen, weil der Automat mein nasses Geld nicht wollte, wie feuchte Windeln fühlte sich das an. Ich muss mich anstellen und das nasses Geld gegen trockenes tauschen. Während ich warte beobachte ich Trockenbauer, die sehr sauber und souverän arbeiten, so dass es eine Freude ist denen zuzusehen. Monatswechsel . Schöne Kontoauszüge ziehen.

Morgens kommt ein Mandant nicht. Ich fahre die Klage zum Sozialgericht und in die Stadt Kalendernachschub holen. Ein Bastelwochenende steht vor der Tür.

Ich erledige die ganze Schreibarbeit die noch ansteht diese Woche. Nachmittags kommt eine neue Betreute, die sich über einen anderen Betreuten bei mir beworben hat. Sie ist gut organisiert und bringt mir Listen mit allen wichtigen Daten und Telefonnummern. Die wissen das alle nicht mit der Betreuung und es ist nur für den Notfall. Ich werde diskret damit umgehen verspreche ich ihr. In einem Nebensatz erzählt sie, wie die Suizidalität sie ihr ganzes Leben begleitet seit sie 8 Jahre alt ist. Sie lächele, gehe raus und suche dann nur ein Gebäude zum Springen oder nehme Tabletten. Das sind für mich fremde Welten. Das sage ich ihr auch. Ich hänge am Leben. Sie ist bei Therapeuten angebunden und ich habe auch keine Gesundheitssorge, sondern soll sie nur dem Antragskram entlasten. Sie hat in Frankfurt studiert. Noch mal Frankfurt also diese Woche. Heute war mal ein erster Termin, an dem wir ein paar Dinge auf ihrer Liste angegangen sind und die abgearbeitet haben. Ich sage ihr, dass sie nächstes Mal sagen soll, wenn sie einen Kaffee will. Heute denke ich erst daran einen anzubieten als es schon zu spät ist.

Heute Abend ist Brotzeit in meinem Ex-Atelier, d.h. die haben Leute, Freunde und Interessierte eingeladen und ich will hingehen, Ralf zu liebe. Bloß nichts da essen. Das Büffet kann ich mir schon vorstellen. Ich sehe Salzstangen und abgelaufene Bonbons von Street irgendwas, dieser Aldi-Marke. Ich will ins Da Etna und dann in die Spätvorstellung ins Apollo-Kino. Türkischer Film aus Berlin über einen Typen, der für den Verfassungsschutz gearbeitet hat und ausgestiegen ist und neue Freunde gewinnt und dann von der Vergangenheit eingeholt wird. Die Bilder haben mir gut gefallen. So meine Überlegungen als ich das Büro verlasse Richtung Sport.

So und danach: Atelier fiel aus, weil ich keinen Bock hatte auf Pflichtveranstaltungen in meiner Freizeit. Im Da Etna hat man sich gefreut uns mal wieder zu sehen und ich hatte Antipasti, sowie Kalbsleber mit Salbeibutter und eine ½ Flasche Rotwein. Dann zu Onkel-Rewe um die Zeit zu überbrücken und mit einer doppelten Ladung Toffifee und Mango-Lassi sowie einer Packung Buttertoast ins Kino. Luisa aus meinem Sportstudio treffen wir an der Kasse. Die Stimmung unter den wartenden Besuchern ist lustig. Der Film ist geht so und bekommt nur Note 4. Die Vorschau hatte mal wieder die ganze Munition verschossen. Ich finde allerdings den Hauptdarsteller attraktiv. Frederik Lau heißt der offenbar. War mir noch nicht aufgefallen, aber ich gucke auch wenig deutsche Filme. O.k. und dafür waren zu wenig Sexszenen in dem Film, nämlich genau keine.

Remington and the curse of the Zombiedings

23.10. Der Herbst ist schön vor unseren Fenstern.

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Morgens ruft noch mal Herr MRV an und will noch mal wissen, wo er den Ausweis herbekommt. 100 mal habe ich es ihm das erklärt und bin ungeduldig mit den Worten, ob wir uns jetzt täglich sehen würden. Viel machen, wenn es darauf ankommt, aber auch auf Abstand halten mit aller Deutlichkeit, das ist meine Devise.

Ich bekomme die entwerteten Sparbücher über knapp 31.000,- €. Hat alles gut geklappt, zumal die Grundsicherungsleistungen des Mandanten zum 01.11. auslaufen und er erst mal von seiner Erbschaft leben wird.

Nachmittags habe ich einen Termin beim Kollegen in der Innenstadt, der meinen russischen Alkoholikerbetreuten strafverteidigt. Am 03.12. ist Verhandlung. Ich bin in London. Heute ist Vorbesprechung. Er sitzt mit seinem Kumpel im Wartezimmer, hat ein dickes Auge mit Schnittwunde in der Augenbraue und ist betrunken, sein neuer Job wurde gekündigt und er braucht 100,- € von mir um seine Schulden bei einem Kiosk in Bückeburg zu begleichen. Ich sage, dass ich ihm kein Geld mitgebe in seinem Zustand. Ich werde das Geld an den Typen überweisen. Wie heißt der denn, will ich wissen. Nee, das klappt nicht. Ob ich so türkische Läden mit türkischen Typen kennen würde. Ich: äähh, ja. Nützliche Unterlagen, wie seine Kündigung fürs Jobcenter hat er nicht dabei. Ich lasse mir seine Fahrkarte für heute zeigen. Der Typ, Marke kleine Boxer mit großem Ego. Alles immer kein Problem. So einen Job, findet er Morgen wieder oder er arbeitet schwarz. Ich sage ihm, dass er beim nächsten Job für seine Freundin mitbezahlen darf wegen Bedarfsgemeinschaft und die sich lieber eine eigene Wohnung suchen sollte. Dann wären sie finanziell besser gestellt. Er darauf, wenn er ein Steak hat, soll sie auch eines haben. Als wir beim Strafverteidiger drin sind, geht es darum, dass seine Bewährung vermutlich widerrufen wird und er dann mindestens 6 Monate in den Knast geht. Das ist ihm egal, sagt er, man merkt aber, dass er Schiss hat. Es geht um Ladendiebstahl. Es gibt Bilder der Überwachungskamera. Er kann sich nicht erinnern, weil er vermutlich einen Filmriss hatte. Er klaut nur, wenn er betrunken ist. Warum haben sie ihn nicht vor Ort festgehalten und angesprochen, lautet seine berechtigte Frage. Das wird der Kollege Strafverteidiger dann in der Verhandlung klären. Zum Schluss muss sein Freund, den ich schon kenne und der nüchtern ist, mir versprechen, dass das Geld beim Kiosk-Mann landet und er das beaufsichtigt. Mein Betreuter, der mich sehr mag und in betrunken zu leichter Distanzlosigkeit neigt sagt immer wieder, dass ich nicht sauer sein soll auf ihn. Er schickt mir die Sachen zu. Kündigung, Monatsfahrkarte und Foto für die Krankenkasse. „Ich mag Sie mehr, als Sie wissen“. Doch, das weiß ich schon. Beim Verlassen der Kanzlei wird mir dann viel die Tür aufgehalten, weil sie sind Gentlemen, wie mir die Herren erklären. Herr W. bemerkt sofort mein neues Fahrrad, was er noch nicht kennt. So betrunken kann der gar nicht sein, dass ihm das nicht aufhält. Was ist mit dem schwarzen mit dem Klackerteilchen dran? Ist das neu oder nur neue Lackierung, will er wissen.  

Wir treffen uns bei Piu mit M. und M. Ich übergebe zwei Mal große Kalender an diesem Abend, die nicht gescannt werden können wegen der Größe und weil auch zu viele private Fotos darin sind von den jeweiligen Freunden. Bei Piu haben wir mal Michael Thurnau oder Thürnau gesehen, der Typ, der Bingo-Umweltlotto macht. Wie es der Hannoveranerart entspricht, habe ich so getan, als würde ich ihn nicht kennen. Das fällt sonst auch auf einen zurück, wenn man Sendungen wie Bingo-Lotto kennt. Ich hatte ihn zuvor live auf der Infa gesehen, unfreiwillig. Er ist am Stehtisch gegenüber und isst eine große Portion Pasta. Dann ich alles abgeräumt und ein junges Pärchen trifft ein, die ihm diversen Sachen aus einer Mappe zeigen und wohl dienstlich mit ihm zu tun haben. Er lässt sich dann neu die Karte geben, ganz unschuldig von wegen, was gibt es denn heute und isst dann nochmal mit denen. Das fand ich damals sehr geschickt, obwohl ich denke, dass ich zu meiner Gefräßigkeit stehen werde, auch wenn es noch schlimmer bei mir werden sollte. Heute teilen wir uns jeweils eine Pizza und das Tagesgericht, italienische Fleischklösschen in Whiskysahnesauce mit Dreierlei Gemüse.  Draußen sitzt ein dicker mit seinem Freund auf der Fensterbank und raucht. Ich muss an mein Fahrrad ran und werde darauf aufmerksam gemacht, dass es so was wie Fahrradstellplätze um die Ecke gibt. Ich parke immer direkt vor der Tür bzw. dem Fenster. Unsere Freunde hingegen wissen sich zu benehmen.

„It get’s better“ ist ein thailändischer Film bei dem es um Ladyboys geht. Vorher wird noch Werbung gemacht für einen Kurs für Frauen, die männliches Gehabe üben wollen (ich habe vergessen wie das heißt). Der findet Samstagnachmittag statt und es sind noch Plätze frei. Stephan will mich anmelden. Ich sage, ich kann gut beibringen, wie man sich als Junge verhält bis ca. 5 Jahre. Diese Mischung aus Krawall und Heulsuse habe ich super drauf. Der Film ist größtenteils schmalzig, langweilig und unglaubwürdig. Mehrere Geschichte, die dann am Ende aller zusammen hängen, aber man kapiert es nicht und es ist auch unglaubwürdig. Die Schauspieler haben das Talent von Vorabendserien. Ein Typ, dessen Vater, den er nicht kannte einen Ladyboy-Club in Bangkok betrieben hat, wo Männer als Frauen auftreten und singen und tanzen. Der Sohn ist Erbe und verguckt sich in Ladyboys, aber dann doch nicht, weil er ein Problem dabei hat und sich irgendwie ekelt. Ein anderer wird ins Kloster geschickt von seinem Vater. Das ist dann der Nachtklubbesitzer in seiner Jugend.

Der zweite Kalender wird übergeben an Freundinnen, die noch nie einen hatten. Dann Spätvorstellung. Erst ein serbische Kurzfilm, der dafür recht lang ist (30 Minuten). Eine Dokumentation über einen transsexuellen Mann in Belgrad, der als Sexarbeiter Geld verdient und seine Nichte aufgezogen hat. Die Filmemacherin ist da und bekommt als Dankeschön nach dem Interview Blumen von Gabi, die den Film ohne Untertitel verstanden hat. Er gefällt mir sehr. Er hat was von der Ästhetik von Nan Goldin Fotos. Nicht nur das Metier, sondern auch die Essens- und Küchenszenen mit gebratenen Eiern, viel Weißbrot und immer Wurst oder Würstchen und Pommes und Tischdecken und Wandfliesen dazu. Der Mischlingshund der Hauptdarstellerin ist total schlecht erzogen und flippt immer aus, wenn sie eine Hormonspritze bekommt und muss ausgesperrt werden, aber auch sonst weiß er sich nicht zu benehmen. Die brauchen Cesar Millan und müssen lernen Pack Leaders zu werden, aber das gehört vielleicht nicht zu den zentralen Problemen, auf die der Film aufmerksam machen wollte.

Dann läuft „Bambi“ eine weitere Dokumentation über eine Frau, die als Jean-Pierre in Algerien geboren wurde. Der Mief der Kindheit. Sie liebt ein Kleid mit aufgestickten Punkten und sollte immer wieder ihren Namen sagen, den sie hasst und sich für Autos interessieren und dann ging es in die Schule und die Haare wurden abgeschnitten. Dann Freund, aber sie wollte nicht schwul sein, sondern die Frau, ein normales Paar. Das wurde als Verkleiden zurückgewiesen. Sie ist dann nach Paris und wurde in den 50er Jahren zum gefeierten Showstar und sah so was von überzeugend aus, dass die Kandidatinnen im Publikum nur staunen können und ich mich auch wundere. Die Haut ist hell und voller Sommersprossen und dazu ein tolles Gesicht und kleine Brüste, die sie gerne zeigt. Die Hormone haben hier echt Wunder bewirkt und auch ihre Haut, die nicht verrät, dass sie keine Frau ist. Sie lebt nur für die Auftritte und kennt Paris gar nicht. Das Wetter sei auch schlecht gewesen (nach Algerien). Sie macht dann Jahr später eine Geschlechtsumwandlung, lernt eine 180 m große Blondine kennen mit der sie jahrelang einen Show-Akt macht, in dem beide wie Schwester aussehen und vermutlich allabendlich auftreten, Moulin Rouge mäßig. Die kommen dann zusammen. Irgendwann beschließt Bambi ihr Abitur nachzumachen und studiert an der Sorbonne und arbeitet dann 29 Jahre anonym (d.h. niemand kennt ihr Vorleben) als Lehrerin. Mit der Uta ist sie immer noch zusammen und jetzt weit über 70. Jahrgang 1935. Ein eindrucksvoller Film wie eine starke Frau ihren Weg geht so ganz ohne Unterstützung z.B. aus dem Elternhaus. Das dagegen arbeiten kann auch stark machen genauso wie die bedingungslose Unterstützung. Offenbar ist es so.

24.10. Werde von allein um 7 Uhr wach. Versuche das P-Monster am Handy zu erreichen. Wieder nur Mailbox. Dann muss ich davon ausgehen, dass der Termin stattfindet. Um 20 nach 8 klingelt das Bürotelefon und eine metallische Bandstimme sagt den Termin ab: „Ha be Fie ber und ei ne Zin kver gif tung vo m Schwei ßen u nd mu ss den Ter min he ute lei der ab sa gen….“. Das war klar. Ich rufe vom Büro aus beim Wohnungsamt an und lasse mir bestätigen, dass sie ohne persönliche Vorsprache meines Betreuten nicht tätig sein können. Die Wohnung war schon zum 30.09. gekündigt und der Vermieter wird langsam ungeduldig, aber was soll ich machen?

Den ganzen Tag über ruft Herr MRV nicht an, was für eine Wohltat. Das ist fast so überraschend wie der Umstand, dass ich neulich aus dem Büro kam und dem „Schimpfer von Linden“ direkt in die Arme gelaufen bin und er hat nicht geschimpft. Das war so einer mit Zeitung unterm Arm, DDR-Dialekt und der hat immer besonders aufgedreht, wenn er mich gesehen hat. Das war zumindest mein Eindruck und ich habe die Begegnungen gefürchtet, vorallem wenn ich nicht schnell mit dem Rad flüchten konnte und jetzt auf einmal nichts mehr. Das war verblüffend und auch erholsam.

Mittags 11 A. Ein bisschen draußen sitzen bei dem herrlichen Wetter. Sonne ist leider nicht mehr da. Ich beichte Stephan, dass ich heute nicht mitkomme ins Kino. Ich schaffe das nicht. Sonst bin ich ganz unausgeschlafen und schlecht gelaunt in Frankfurt und das will keiner. Will dem Kollegen meine Karte andrehen.

Ich bekomme private Post in Gestalt einer Collagenpostkarte meiner Freundin Andrea, die ich für sehr gelungen halte:

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Bei Frau P. im Altersheim ist heute die Telekom und legt ihr den Anschluss. Ich rufe sie nachmittags an und wir telefonieren, was sehr schön ist. Sie wird immer klarer. Ich sage ihr, dass ihr Lebensgefährte Herr K. wieder von Kornkreisen spricht und sie: „der braucht seine Spritze“. Dass die Wohnung in Spanien verkauft wird, findet sie auch gut. Ja, ihre Tochter wird die nicht übernehmen und sie kann ja nicht mehr hin. Seit sie aus dem Messiehaushalt raus ist, wo Herr K. ihr immer Puddingteilchen zu essen gibt bei Diabetes, ist sie richtig fit. Das hätte wohl schon viel früher stattfinden müssen. Ich rufe die Tochter in Hamburg an um ihr die neue Nummer ihrer Mutter zu geben und sage ihr, dass die Betreuerin von Herrn K. die Wohnung kündigen will und wie schlau ich das gemacht habe, dass er den Mietvertrag übernommen hat und wir nichts mehr mit dem ganzen Zeug zu tun haben. Sie spricht von alten Fotoalben. Ich schlage vor, dass sie sich meldet, wenn sie in Hannover ist, aber zeitnah, ich dann einen Wohnungsschlüssel von der Diakonie hole und den Klostuhl abholen lasse und sie in der Zeit die Wohnung durchschaut nach den Fotoalben. Sie zu mir: „Melden Sie sich also wieder“. Ich: nein. Noch mal im Klartext: „Sie melden sich, wenn Sie es nicht tun, sind die Sachen weg in ein paar Monaten. Ich halte es nicht für schlau gegenüber der Betreuerin oder der Diakonie noch offiziell Besitzansprüche aus der Wohnung anzumelden. Möbel braucht Ihre Mutter nicht und ich habe im Schweiße meines Angesichts alle Frauenklamotten und den ganzen Schmuck rausgeholt und rübergeschafft sowie alle Bilder an den Wänden ihres Zimmers und die Tiffany-Lampe“. Oh Mann, diese Tochter nervt und macht nichts. Die ist unfitter als ihre bettlägerige Mutter. Was ist an meinem Plan so schwer zu verstehen? Und natürlich muss sie sich melden, wenn sie in Hannover ist und zwar mindestens 24 Stunden vorher, damit ich das mit dem Klostuhl organisiert bekomme.

Nachmittags treffe ich mich mit einem Betreuten aus Syrien beim Arzt. Der Typ war Jahrzehnte lang Taxifahrer und hat keinen anderen Wunsch im Leben als Auto zu fahren. Vor ca. einem halben-dreiviertel Jahr war er zuletzt in einer manischen Phase nachdem er die Medikamente abgesetzt hat, wollte sich einen alten Mercedes kaufen und mir ein neues Fahrrad. Dann Klinik. Seitdem ist es wieder ruhig. Der Facharzt hat ein Gehirnmodell auf dem Schreibtisch, mit dem ich spiele während wir warten. Auseinandernehmen traue ich mich nicht, weil ich es sonst vielleicht nicht mehr zusammen bekomme. Der Arzt sagt, auf die Frage nach Fahrtauglichkeit: was wollen Sie fahren? Straßenbahn? Ja, das geht. Auto? Das würde nicht gehen. Das hätte der Gesetzgeber ausgeschlossen. Das wisse ich ja als Anwältin. Das ging nicht wegen der Diagnose und auch wegen der Medikamente. Er schaut betrübt und ich frage ihn, wo das stehen würde in der StvO oder einem anderen Gesetz, weil ich es nicht kennen würde die Vorschrift. Außerdem sei Herr K. er sehr guter Fahrer und ich würde Jederzeit mit ihm mitfahren. Er sei sehr umsichtig. Dann heißt es auch einmal, na ja, er solle in einer Fahrschule 2 Probestunden absolvieren und schauen, was die sagen. An der Wand hängen ganz schlechte Bilder von roten Ferraris, schlecht gerahmt, wie Jugendzimmer oder Baumarkt sieht das aus. Ich zu dem Arzt, das wäre ja grausam, wie Alkoholiker behandeln und dann Jack Daniels Werbung an der Wand hängen haben. Ich bitte Herrn K. schon mal rauszugehen und frage den Doktor noch mal nach Elisabeth Taylor, die gerne wieder beim ihm Patientin werden wolle. Er reagiert vehement beim klang des Namens. Die will er nicht wieder haben. Die hätte die Mitarbeiterinnen so derbe beschimpft. Das ginge nicht.

Um 18:30 Uhr mache ich Feierabend und bekomme derart einen Energieschub angesichts der Tatsache, dass ich Morgen frei habe, dass ich nachdem der Nachbar sich den Schlüssel abgeholt hat für Ersatzmöbel für seine Feier am Wochenende, zu der wir auch eingeladen sind, aber nicht teilnehmen können, mich erst mal umziehe und meinen neuen zuvor frisch gemachten Divine-Button anlege zusammen mit einem schwarzen Rock mit einem Hundekopf im Schritt, der in diesem Zusammenhang eine symbolische Rolle spielt. Dazu einen kleinen Kapuzenpulli in Regenbogenfarben und mein Perlenhüttchen, eine Art Krone aus festem Schaumstoff mit den grünen Originalperlen (jetzt sind sie seit Jahren Lila). Als Stephan vom Sport kommt bin ich total aufgekratzt. Ich schaue alte Fotos durch für Nachbestellungen und noch weitere Kalender 2014 und überbrücke damit die Zeit.

Dann fahren wir erneut zu dem Freiluftkronleuchter in die Innenstadt. Markus hat uns Flyer bzw. eine Speisekarte vom Inder „Jewel of India“ und eine Visitenkarte von Iimori aus Frankfurt mitgebracht. Wie lieb. Ich erzähle Gabi, dass wir zuhause so schöne Blumen von ihr haben in Lila. Ganz herrlich und ich bin zuversichtlich, dass die länger halten, weil die einen sehen schon aus wie Trockenblumen und die anderen haben so kleine Perlen, also Beeren dran.

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„Remington and the curse oft the Zombiedings“ wird gegeben und ich freu mich, weil ich die Filmidee schon großartig finde. Ein Junge, der sich über Dragqueens lustig macht, wird von einer mit einem Fluch belegt, der ihn im Erwachsenenalter einholt. Ein Mann mit Maske spricht die Begrüßung. Der Film ist neben der Divine-Doku mein Lieblingsfilm des Festivals und bekommt meine beste Bewertung auf den Stimmzetteln für die Verlosung. Das Kind Remington deutet auf Schwule und ruft „Homo, Homo, Homo“. Dann geht er zu Beichte und vertreibt den Priester mit diesen Rufen aus dem Beichtstuhl. 15 Jahre später. Es geht ein Serienmörder um in der Kleinstadt und die Opfer sind alle schwul und verwandeln sich in Dragqueen-Zombies mit toller Schminke, sobald sie sterben. Zwei Polizistinnen ermitteln. Die eine ist die Mutter von Remington. Die Kollegin mit kurzrasierten Haaren und einem langen Ohrring, asymmetrisch auf einer Seite z.B. mit langen Federn spielt den Badcop. Sehr lustig. Remington verliebt sich in Hanna, die Tochter der Dragqueen, die ihn verflucht hat und das weiß sie. Sie lehnt ihn deswegen ab. Die Mutter, die die Sachen ihres toten Mannes weggegeben hat wegen der schmerzhaften Erinnerung und mit Inlinern durch die Wohnung fährt, genauso. Dann beginnt der Fluch und Remington ist auf einmal rasiert am ganzen Körper und mag vor dem Spiegel seine unförmigen T-shirts nicht mehr tragen und wählt eine bunten Mädchen-T-shirt von der Wäscheleine und verändert entsprechend sein Wesen. Das führt dazu, dass die trauernde Witwe ihn total lustig und sympathisch findet und Hanna sich in ihn verliebt. Er wiederum ist mittlerweile in seinen besten Freund Jinxs verknallt. Der Mörder hat eine Waffe, die ausschaut, wie ein alter Fön mit einer Glühbirne vorne und bunten Lichtern (es wurde mit Heißkleber gebastelt). Die Waffe erkennt, wer schwul ist. Hanna sagt, Remington, er sei nicht schwul und müsse für die Liebe kämpfen. Um den Fluch zu lösen, muss er einen Mann finden, der im Hinblick auf Liebe mit Männern Jungfrau ist und der freiwillig schwul wird. Das macht dann Remingtons Vater. Der Film ist toll, toll. Ich hätte es gerne, dass ein Masken- und Kostümbildner uns so für Halloween so ausstattet als Dragqueen-Zombies und Polizistinnen mit Uniform und Hüten (ein bisschen wie Heilsarmee) und mit der gebastelten Waffe aus dem Film. Das wäre toll. Die Filmkritik hatte Recht. Auch die Nebenrollen sind alle toll besetzt. Ich mag auch die philippinische Optik und habe jetzt Lust in das katholische Asien zu reisen. Die Friedhöfe sehen toll aus und die Vegetation ist eindrucksvoll bis scary. Grüne Tsunamis. Da fand ich die als imposant gelobten Landschaften aus Thailand im Film „It get’s better“ im Vergleich langweilig wie die Kasseler Berge. Neben dem Stimmzettel nehmen wir zwei Mitgliedschaftsanträge für die Perlen mit nach Hause.

Wir fahren mit M. und M. nach Hause über den Opernplatz. Dort am jüdischen Mahnmal steht eine betrunkene Gruppe Jugendlicher um eine Parkbank. Eine Frau reißt sich gerade von der Gruppe los und läuft Richtung Opernhaus und ruft dabei: „Den bringe ich jetzt um. Das ist mir egal“. Ich daraufhin: „ohh, hier sind auch lauter Zombies unterwegs“. Daraufhin einer der Typen: „Halt an, stehen bleiben, Du Hure“ auf mich bezogen. Sehr lustig. Es gibt noch den Extragrusel auf dem Heimweg, ob er es schafft mich einzuholen und warum eigentlich „Hure“, weil ich sie Zombies genannt habe? Stephan sagt, es sei das schlimmste Schimpfwort was ihm eingefallen sei.

25.10. Im Zug läuft ein Typ durch unser Abteil, den ich aus Hannover kenne: weiß Haare, immer in der Innenstadt unterwegs, Flohmarkt am Hohen Ufer, Langhaarschäferhund und rot-weiße Trainingsanzug. Er schimpft vor sich hin: „nicht die Hälfte hat Bahn-Comfort“. Ah ha!

Weil die Singles einen nicht zusammen sitzen lassen, setzen wir uns nach Kassel noch mal um mit Sack und Pack damit wir zumindest für den Rest zusammen sitzen können. Neben mir hatte die Frau, die mit Printmedien was zu tun hat auch gerade angefangen unangenehm zu telefonieren: „Hallo Frau Soundso. Ach so, Ananas. Ja, manche Südfrüchte z.B. Orangen gehören ja gar nicht in den Kühlschrank“. Jetzt erklärt sich ihr Werbekulli mit Food-irgendwas und ihr Buch über Fette in der Ernährung. Es wurde Zeit, dass ich mich weg setzte.