Archiv der Kategorie: Der Himmel voller Butter

Reiseberichte

22.02.2014 Jesus statt Alkohol

22.02. 8:40 Uhr bin ausgeschlafen, aber es dauert noch bis die anderen wach werden. Kein Problem: hier kann man immer schön zum Fenster rausglotzen.

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Sunla will auf den Bauernmarkt am Reumannplatz und Schmorgurken kaufen, Stephan will lieber zum Kutschkermarkt in Währing oder einen neuen Wochenmarkt mit mir entdecken. Nach dem Kaffee mit Schoko-Soja-Milch ziehen wir los und fahren zum Rochusmarkt. Schon ganz unter dem Einfluss der herannahenden Gemeindebaufeier heute Abend freuen wir uns über die ganzen Verbotsschilder.

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Gut gefällt uns das Motto: „kiss, kiss, peng, peng“. Die Laune ist bestens, der Markt ist an einem schönen Platz gelegen mit der Rochuskirche angrenzend. Hier auch wieder sehenswerte Schilder, die das Leben leichter machen.

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Ich kaufe bei einem superkleinen Stand Wurstwaren, Dauerwurst, Krustenbraten und Brekies für Erwachsene, das sind Speckstücke. Das kalte Fett in knusprig finde ich nicht so prickelnd wie erwartet. Außerdem gibt es cremigen Honig aus Österreich.

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Das Tresnjewski hat hier eine Filiale und wir kehren kurz ein. Es ist Mittag und eine Frau bestellt ¼ und einen 1/8 zu ihren Brötchen. Sind das die Spiegeltrinker oder macht sie eine Weinprobe mit sich selber? Es scheint jedenfalls normal zu sein.

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Ich kaufe mir eine Werbetasse von dem Laden und nachdem mein Exemplar entstaubt und eingepackt wurde, gebe ich es zurück und entschließe mich dasjenige mitzunehmen, was ich gerade in Benutzung habe und in dem er heiße Apfelsaft mit Gewürzen drin ist, den ich dann mitnehmen kann. Wir schauen in die prunkvolle Kirche und die Zeitschriftenauswahl hätte Wenzel Storch viel Freude bereitet, vor allem die Jugendblätter. Ich sage nur „Jesus statt Alkohol“. Das ist ja auch mein Motto bei dieser Reise. Dieses Magazin nehme ich mit für Collagen und lese es morgens, wenn alle noch schlafen und die Artikel sind der Hammer. Einmal geht es um Tipps der katholischen Jugend, wie man sich die Zeit in der Schlange am Skilift vertreiben kann. Die reichen von Ave Maria beten bis hin zu dem Vordermann auf die Schulter tippen und dann wegschauen, als sei man es nicht gewesen, Das sei immer für einen Lacher gut. Wahnsinn. Auch gut ist die Horoskop-Seite auf der verschieden Heilige vorgestellt werden, die in dem jeweiligen Monat Geburtstag haben und auch der Artikel über „dirty talk“, dass wir schon ahnen, dass es nicht in Ordnung ist, auch wenn es vermeintlich beide wollen und das schon durch den Begriff instinktiv zum Ausdruck bringen. Welch ein Fundus. Ich hätte zwei Exemplare mitnehmen und eines ganz lassen und nach Hildesheim schicken sollen. Neben der Kirche finden wir einen second hand Radladen, der schöne, alte Fahrräder hat und auch welche vermietet. Genauer gesagt handelt es sich um „Kinder-Spiel und Sportartikel“ in der Sechskrügelgasse 2. Wir halten einen Plausch mit dem Inhaber und ich nehme eine Karte mit, weil ein neues Wienrad muss her, gerade im Sommer, will ich durch die Stadt fahren und mich beschimpfen lassen von militanten Autofahrern und Pensionisten. Ich habe so gute Laune, dass ich auch Hüpfe, d.h. statt normal zu gehen, fassen wir uns an den Händen und „skippen“, wie man auf Englisch sagt und offenbar strahle ich auch, so dass mich viele Menschen zurück anstrahlen. So einfach geht das. Wir freuen uns weiter über die „freiwillig“ eröffneten Durchgänge der Stadt,.

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Ganz befriedigt von dem Markt sind wir allerdings nicht und können noch. Wir fahren an der Burgenvinothek vorbei weiter zum Kutschkermarkt. In dem Weinladen ging es um eine kurze Reklamation, weil eine Flasche Rotwein auf dem Weg zu uns kaputt gegangen war und die restliche Sendung verschönert hat mit originellen Flecken. Sie hatten das Paket darauf hin mit so viel Verpackungsmaterial eingewickelt, dass es aussah, als sei ein Babyelefant geliefert worden.

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Auf dem Markt gibt es so tolle Dinge, wie Gemüse für die Suppe. Warum denkt da bei uns keiner dran und so appetitlich.

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Außerdem Mohnbrötchen, die den Namen verdient haben. Nicht wenige Mohnkrümmel oben auf dem trockenen Brötchen drauf, sondern eine satte und saftige Mohnfüllung, die durch einen dünnen Teig gehalten wird. Der Wahnsinn. Jeden Tag will ich so was essen.

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Ich fühle mich an diesem Tag, wie eine Frau mit einem sehr tiefen Dekolleté auf dem Kopf. Es sind gerade die Männer, die mich entgegen kommen und es nicht schaffen mir ins Gesicht zu schauen, weil sie zu abgelenkt sind.

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Außerdem kaufe ich ein Stück Maronibrot (dachte zwar es wären dicke Haselnüsse, die an der Schnittstelle zu sehen sind, aber so ist es noch spannender) und einen selbstgemachten Aufstrich dazu. Ein Engländer führt einen schönen second hand Möbelladen, der auch als Café dient und hat tolle alte Wollstoffe auf Sofas, aber leider mit Holzarmlehnen dazu und auch hellblau ohne Muster. Das ist eh zu empfindlich für unseren Haushalt.

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Dann Café Schoppenhauer. Die Butterkipferl sehen wirklich unscheinbar aus, aber der Buttergeruch verschlägt einem fast den Atem wenn man das Teil zum Mund führt. Ich nehme wieder mein Müsli. Statt spanische Konversationskurse, wird jetzt für eine Frauenschachgruppe geworben, „Frau Schach – alle Niveaus willkommen“ oder so ähnlich. Ich trinke einen English Breakfast Tee und fühle mich vom Teingehalt her an meinen ersten High Tea im Balmoral in Edinburgh erinnert. Die Pumpe schlägt.

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Der Laden meines Vertrauens in dem ich letztes Mal zwei paar Handschuhe aus Stoff erstanden habe.

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Wir fahren etwas Bus, erst die Linie 40 und dann 41 (Bim). Es gibt Villen und den ein oder anderen Gemeindebau, den wir passieren.

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Außerdem gibt es tolle Gespräche in der Bim über eine Inszenierung von „Warten auf Godot“. Die hätte „keine Aussage gehabt, aber Tiefgang“, was auch immer das bedeuten soll. Im Café Mayer an der Endhaltestelle Pötzleinsdorfer Straße machen wir wieder Station und kehren ein.

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Als wir zurück fahren wollen, verpassen wir gerade eine Bim und Stephan kommt auf die Idee, dass sie um die Ecke fahren wird und gleich in der Parallelstraße auftauchen und wir rennen, weil wir die Geräusche der Tram schon hören. Die dünne Tramfahrerin mit den French Nails macht erst mal eine Runde Pause und checkt ihren WhatApp account und raucht eine dazu. In der Bahn unterhalten sich junge Erwachsene. Die eine ist Rädelsführerin und weiß: „man kann auch Jus studieren und nicht Juristin werden“. Sie kenne eine, die sei jetzt Goldschmiedin. Ich überlege, ob ich sagen soll, dass man auch gut Germanistik studieren und dann kellnern oder Taxi fahren kann. Das sei auch sehr beliebt und geht gut. Wir fahren zu Humana in der Alserstraße, mein neuer Lieblingsladen, der allerdings samstags nur bis 13 Uhr offen hat. Das verstehe ich nicht das typische Publikum schläft doch samstags mindestens bis 11 Uhr. Weiter mit dem Bus 1 A und ins Schwarze Kameel. Daneben kaufe ich ein schönes Geschirrhandtuch mit Insekten drauf.

Im Kameel ist es supervoll und wir quetschen uns dazwischen. Mein Hütchen kommt gut an und ich werde auf der Toilette darauf angesprochen. Am Stehtisch gegenüber unterhält sich die übliche, operierte Blondine mit dem älteren Kerl bei einem Glas Schampus über die Grillparty, die sie veranstalten wollen und welcher Fisch gekauft werden soll.

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Ich will bei Meinl noch Madelaines kaufen. Beim Reingehen kommen einem schon die frisch Nasenoperierten entgegen. An de Kasse ist eine ganz schlimme magersüchtige Tussi mit Pelz, die total hysterisch ist und behauptet mit einem hunderter bezahlt zu haben. Sie verlässt wütend den Laden und die 7-jährige Tochter, die dickere Beine hat als ihre Mutter darf die Tüte vom Schwarzen Kameel tragen. Wahnsinn, ich konnte nicht widerstehen ein Foto zu machen.

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Der 1. Bezirk ist Wahnsinn. Nur schnell wieder weg hier. In den Steffl will ich auch nicht rein. Begründung, ich bin noch ganz erfüllt vom Dom in Straßburg, der schönsten Kirche der Welt und wenn ich jetzt in den Steffl hineingehe, macht mir das nur alles kaputt.

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Etwas chillen und basteln. Sunla druckt Verbotsschilder aus für ihr Kostüm. Zwei Hupen, die durchgestrichen sind auf den Brüsten macht sich sehr gut. Andras ist im Krochalook mit Evva-Schüsselbund um den Oberschenkel gebunden und Palästinensertuch und Neonkappe als deutsche Exportschlager. Ich trinke zur Feier des Tages einen Red Bull Cranberry, das österreichische Nationalgetränk aus dem Vorrat des Gastgebers. Dann auf zum Café Europa. Im hinteren Raum treffen sich die Gäste von der Gemeindebauparty und es sind wieder tolle Kostüme dabei. Ein Ganzkörperrasenanzug mit Hundescheiße, die aus Baisergebäck mit Kürbiskernen besteht und Sackerl fürs Gackerl. Da einige Frauen Handtaschenhunde dabei haben, stelle ich Szenen von Divine nach. Verbotsschilder sind gut vertreten, eine Frau steckt in einem hautengen Backsteinkostüm. Das Muster hat sie auf der Haut weitergezeichnet. Auch sehr schön. Prolls, eine Frau als Typ mit Feinripp und gemalten Brusthaaren, die heraussprießen sowie einer Vokuhila-Perücke. Ihr Begleiter ist ein Briefkasten „wenn’s wichtig ist, dann mit der Post“ oder wie war das? Eine ganz wundervolle Peggy Bundy, mit toupierter Frisur, Haarreif, Strickjacke, Gürtel darüber, Steghose und Riemchensandale, von der Körpersprache her auch sehr überzeugend.  Ihr Mann ist eine Katze. Ein zweiter Krocha mit Glitzer-T-Shirt. Andras geht als Kevin und beherrscht die Tanzmoves dazu. Eine Gemeindebautranse mit Cowboyhut und High Heels. Dagmar und eine Freundin kommen mit einer Wäscheleine um den Hals gebunden und zwischen ihnen aufgespannt mit Unterhöschen, Socken und BHs, die daran baumeln. Gut, aber auch anstrengend zu tragen. Die Gastgeberin kommt als Selbstbedienungszeitungsständer daher mit meinen Lieblingscollageblättern der dortigen Presse. Sie freut sich über das für sie gebastelte Buch.

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Ich amüsiere mich prächtig. Musik immer wieder grenzständig mit Falco und deutschsprachigem Kram, d.h. Ösi-deutsch, was wir nicht verstehen. Ich trinke Pfirsich-Schorlen bzw. -spritzer, die teurer sind als Bier. Es gibt einen Live-Auftritt von einer Freundin, die im 50er Jahre Stil angezogen ist singt bzw. als „Blume des Gemeindebaus“ Männer wie Frauen aus dem Publikum den Kopf verdreht. Zum Schluss gehen alle ab zu Rage against the Machine. „Some of those who want forces are the same that want crosses“ passt natürlich sehr gut hier her. Auch dieses Jahr brauche ich nach dem Pogo Sportsalbe am nächsten Tag für mein Knie. Rentnerpunk halt. Sunla geht gleich nach Hause und auch ich zögere kurz, weil mir die Füße weh tun und die Verdauung gerade kritisch ist, trotzdem ist der Drang zur Würstlbude stärker. Wir steigen noch mal aus am Südtiroler Platz mit dem Ziel Würstl-Stand Südtiroler Platz. Da ist morgens um halb 3 eine Schlange!! Das finde ich beachtlich. Ein Typ, der etwas aussieht wie ein Sandler hat die letzte Waldviertler Wurst bekommen. Die wollte ich probieren, mal was anderes. Soll ich ihn einen 10er bieten um mal abzubeißen? Da bleibt nur Käsekrainer nach Art des Hauses mit Ketchup, Curry und einem Berg frisch geschnittene Zwiebeln.

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Ich habe etwas Angst wegen der angeschlagenen Verdauung, aber auch wenn es mich zerreißt. Die Sache war es mir wert. Ich schlafe gut, aber nicht so lange wie die anderen. Da bleibt nur basteln, was ja weiß Gott nicht schlecht ist.

Wien – der Fortsetzungsroman

Ohh Gott, entgegen der BM-Regeln wird jetzt noch mal über den zweiten Wienbesuch im Februar berichtet, also entgegen der chronologischen Reihenfolge und eine weitere Gesetzesänderung, ich mache das Abschnittweise, quasi Fortsetzungsroman, damit der Text mit Fotos nicht so lang wird, weil es mir angenehmer ist und vielleicht auch dem geschätzten Leser.

Es ist der 21.02. und in meiner Küche hängen die Misteln.

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Ich arbeite nach einem Horrorvormittag nur bis 14 Uhr. Sunla schreibt eine SMS, dass wir Puschen mitbringen sollen, weil sonst die Socken staubig werden. 1. Was heißt staubig und 2. Kann man die Socken nicht im Zweifel besser waschen als die Hausschuhe. Papalapap, Socken müssen reichen. Da heute ein großer Tag der Unzufriedenheit ist bedingt durch meine dienstlichen Termine, überlege ich auf dem Weg zum Flughafen mit was ich an mir zufrieden bin und weiß es auch, mit meinem Mund. Er macht, geschminkt, einen geradezu vorbildlichen Kussmund auf Papier, wie es optimaler nicht sein könnte. Wenn ich auf Papier küsse, sieht das aus wie Bilderbuch. Wir haben Karten fürs Burgtheater, das Wetter soll sonnig werden und um 20 Uhr einen Tisch im Meixners. Meine Laune wird sich bessern. Jetzt ist Wunden lecken angesagt. Manchmal denke ich als Anwalt wird man dafür bezahlt, Schläge einzustecken für den Mandanten. Stephan hat die Tupper für die Strudelorgie vergessen. Das ist nun eindeutig seine Aufgabe. Er will mal mittags ins 11 A und zwar dann, wenn er will und nicht wenn wir mit einer Freundin dort ohnehin verabredet sind. Ist mein Mann in den Wechseljahren? Wir wollen Günter treffen, der am Flughafen arbeitet, allerdings nicht in der Abflughalle zu sehen ist. Mein Mann läuft mit versteinerter Miene hin und her. Ich rufe Günter an und er isst gerade was in Terminal B, backstage. Jetzt holt sich Stephan auch was zu Essen und ich hoffe, seine Laune wird besser. Wir gehen vor die Tür, weil Günter rauchen will. Er hat bald fast einen Monat Urlaub und fährt nach Asien. Er ist voller Vorfreude. Ich zähle die Seiten in meinem Wientagebuch. Es sind noch 50. Das reicht für viele Reisen, mindestens noch zwei, aber es wird immer dicker und enger. Am Flughafen ist immer so ein Shop mit Manna-Sachen, aber die Waffeln schmecken nicht. Ich hätte gerne einen Sport-BH in der Manna-Hautfarbe mit blauer Schrift. Das wäre cool. Wir landen und am Förderband ist es 18:38 Uhr. Ich denke, die Bahn geht um :48 Uhr, aber wenn Stephan anfängt zu laufen, muss ich das ernst nehmen. Sie fährt um :43 oder so, wir springen jedenfalls todesmutig und ohne Fahrkarten rein in die S-Bahn, die nur alle 30 Minuten fährt. Uns ist alles egal, Hauptsache wir sind pünktlich im Meixners. Wir steigen Geiselbergstraße aus und lösen vor der Weiterfahrt selbstverständlich unsere 72 Stunden Tickets. Ich will dieser geliebten Stadt nichts schuldig sein. und freuen uns, dass wir wieder superpünktlich sind und alles wie am Schnürchen klappt. Ich freue mich über die Tram mit den Holzdielen mit Profil und dem nostalgischen Aussehen, auf dem noch besonders herumgeritten wird und muss meiner Freude durch Fotografieren ein Ventil verschaffen.

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Mit den dicken Koffern erst mal zu Sunla. Die Gasleitungen im Haus werden ausgetauscht und Sunla zeigt mir stolz, die Katze, die ihr die Handwerker in die Wand geschlagen haben.

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Es werden Geschenke übergeben. Eine Kette von mir, das Edelweiß gefällt ihr, der Fimoanhänger und das kleine rosa Schweinchen ist nicht ganz ihre Sache. Ich sage ihr, die Kette gehöre aber so bzw. es sei der bewusste Stilbruch, quasi von der Macherin so gewollt. Die rote Totenkopfradiergummis aus Kopenhagen haben fast 1 Jahr auf ihre Übergabe gewartet. Dann auf zu Meixners, auf unseren Stammplatz im Raucher. Nebentisch Eltern + Sohn oder Tochter mit Anhang, älteres Pärchen und junges Paar. Der ältere Mann liest aus einem Brief vor. Für uns kommt’s ganz schlimm: die Spagetti mit Chili und Garnelen sind aus (darauf hatte ich mich im Vorfeld über Internetspeisekarte schon fixiert). Das ist ein Schlag, den ich erst mal verkraften muss. Stattdessen gibt es die Pasta in Lachs-Sahne mit Dille. Ja, der Österreicher nennt das Gewürz nicht Dill, sondern Dille, war ziemlich behindert klingt.  Ich nehme die Presskasknödelsuppe nach Beratung und das Viech, was unter der getrübten Oberfläche nach oben gehoben wird, beeindruckt schon durch seine Erscheinung sehr und der Geschmack noch mehr. Hammer!!!

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Stephan nimmt die Blattsalate mit Ziegenkäse im Speckmantel mit Kernöl. Auch eine gute Wahl.

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Andras nimmt den Wiener Suppentopf, der mich auch interessiert hätte, aber dann blass ausfällt im Vergleich zu meiner Suppe, deren Einlage ich einen Namen verpasse sollte. Das Vitello Tonnato hätte mich auch sehr interessiert, weil wenn die eines können, dann ist es Fleisch und Nachspeisen. Wie dem auch sei, ich bekomme ein Donnerwetter (leckerster Apfel-Birnen-Saft) und die Jungs trinken Chardonnay in der Tonflasche. Sehr urig. Sunla nimmt das schwere Ding als Vase mit. Als Hauptspeisen wähle ich Skreifilet gebacken mit Erdäpfelmayonnaisesalat, Sunli nimmt Fischgröstl und Andras Kutteln, Stephan den legendären Zwiebelrostbraten. Toll, toll.

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Zum Nachtisch gibt es Malakofnockerln, klingt nach Waffe, ist aber Löffelbiskuit oder Biskotten wie das hier genannt wird und Mohnpanacotta mit richtig viel Mohn, richtig lecker. Das können die hier. Andras nimmt die Dessertvariation und darauf ist das Tagesdessert, gebackener Palatschinken. Das will Stephan nachbestellen, ist aber 20 Minuten zu spät. Dafür nimmt er Marillenpalatschinken und danach noch eine Portion. Er teilt aber auch und füttert uns alle. Ich bin im 7. Himmel.

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Andras hat über Delinski bestellt du wir sparen wieder 30 % oder so. Dafür gibt es ein gutes Trinkgeld, aber ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich auch. Ich stelle es mir total lustig vor, wenn ich an den Nachbartisch gehe, sie sitzen immer noch da und trinken und erzählen, der Vaterfigur auf die Wange küsse und sage: „danke, Herr Delinksi“, wie diese Tankstellenwerbung, bei der die Studentin sich als Tochter ausgibt beim Zahlen und dem Nachbar an der Zapfsäule unverhofft ein Küsschen aufdrängt von wegen “danke, Paps“. Was kein Spaß ist, ist unsere Liebe zu diesem Laden. Ich bin um 22 Uhr bereit den Rückflug anzutreten und es hätte sich alles gelohnt und zwar so was von.

Mein Ausgehdrang ist verflogen, ich hatte mir noch flache Schuhe angezogen und angekündigt mit meiner 72 Stunden Karte einen drauf machen zu wollen. „Ich gehe zu der Dance Hall Veranstaltung im siebten“ oder „ich fahre zum Steffel, einfach so, zum Schauen, ich will mal schauen, ob er noch steht, ich schaue mir das schöne Dachmosaik an“. Statt dessen nur nach Hause und etwas Tee in der Küche mit meiner Freundin. Ich habe einen kleinwüchsigen Hund mit grauer Schnauze in der Zeitung entdeckt, der ein neues Zuhause sucht und will da Morgen mal anrufen, also ab in die Gästebetten. Die Gastgeberin hatte sich angesichts meiner Kritik an frisch gewaschenen Bettbezügen in der airbnd Wohnung Gedanken gemacht, ob ich mich wohlfühlen würde und ich sage, dass alles gut, riecht nicht so doll nach Weichspüler, halt frisch, aber wenn sie es gut meinen würde, könnte sie nächstes Mal so rücksichtsvoll sein, bei sich die neuen Bezüge zu verwenden und uns ihre alten aufzuziehen. Dann fühle ich mich noch wohler….

Hellefejergässel – Bareiss und Straßburg

07.02. Gestern beim Sport war eine Walküre um die Mitte 30. Po und Oberschenkel wie eine Eisschnellläuferin. Brüste und Arme und Bauch auch dick. Als wir mit den Füßen in den Therabändern drin hingen und das eine Bein in großen Halbkreisen vor und zurück bewegten, fragte sie: „wo muss man das merken?“. Die Trainerin: eigentlich im Po und an den Innenseite der Schenkel. Die dann wieder: „Aber nur leicht, oder?“. Die Trainerin: das ist jetzt kein großer Schmerz. Sie ließ leider nicht nach und wollte immer wieder Aufmerksamkeit und stellte immer wieder die Frage nach dem wo man es merkt. Ich hätte am liebsten gesagt: im Kopf tut es weh, wenn man so blöde Fragen stellt. Es tat mir vor allem Leid um die Trainerin, die leicht zu verunsichern ist und so eine Art Privatunterricht geben musste, weil offenbar was nicht stimmt und die Teilnehmerin Einzelbetreuung braucht. Sie sagte dann noch zu der Walküre, dass sie es vielleicht so eine kräftige Beinmuskulatur hätte, dass sie es nicht sofort merken würde. An der Ballettstange war die Gute neben mir und Kniebeugen in den Highheels ging nicht so gut, also ich sage: Beinmuskulatur eher Pumpe, nur Aufmerksamkeitsdefizit. Ich frage mich danach, ob es vielleicht Menschen gibt, die so körperbehindert sind. Ich merke bei der Beinarbeit auch den Bauch und genau die Stellen, die gerade „involviert“ sind, wie die Muskeln des Körpers zusammen hängen. Vielleicht gibt es Leute, die ihren Körper einfach nicht spüren. Dann sollte man allerdings eine andere Therapie vorschlagen und keinen Sport in der Gruppe. Das sprengt den Rahmen, wenn man da mehr als eine davon im Kurs hat.

Gestern sagte die Mitarbeiterin der Steuerberatung, ich würde nach Zimt riechen. Heute muss ich sie bitten einem Betreuten von mir 50,- € auszuzahlen, der hatte mir nachts eine email geschickt und ich wäre heute nicht ins Büro gefahren, muss jetzt aber um 8 Uhr kurz noch mal hin. Das kommt davon, wenn man versucht sich heimlich davon zu schleichen.

Es gibt einen Handwerker von Elektro-Paulmann, der echt spitze aussieht, hat so geglättetes Haar, mit einem Scheitel und sieht irgendwie gar nicht wie ein Elektriker aus, sondern wie eine Figur aus Pulp Fiction oder Reservoir Dogs, schräg halt und wenn ich den den Firmenwagen packen sehe, Leiter rein usw. dann freue ich mich immer. Als ich gestern aus der Psychopraxis zurück fuhr, kam mir ein Handwerker aus Berlin entgegen. Der Typ sieht im Gegensatz zu dem Elektriker, auch total nach Handwerker aus und trägt so ein Käppi, weiß mit einem Rand ringsherum und Blaumann. Der ist so um die Mitte fünfzig und oft am Lindener Markt. Bei „meinem“ Kiosk und Zeitungsmann und beim Kaffeestand am Markt und der Typ spricht breiten Berliner Dialekt. Er schaut mich immer belustigt an und ich mag ihn auch irgendwie. Ich erkenne ihn jedenfalls auch auf dem Fahrrad wenn er durch den Georgengarten fährt und ich frage mich, hat der sich auch in Hannover verliebt? Wie ich. Ich finde es immer wieder toll hier. Diese Mischling aus alt und jung, Freaks und Ausländern, aus Stadt mit Altbauten und dazwischen tolle Grünanlagen. Balsam für meine Seele. Ich werde dann übermütig und denke, es ist wie Versailles, wenn ich z.B. durch den Georgengarten fahre und ich liebe es. Ich höre meine Freundin Claudia, die aus Hannover kommt lachen, wenn ich so schreibe. Nach der Psycho-Praxis als Entschädigung für den geplatzten Termin fahre ich in den Stöbertreff, da habe ich geballt alles was ich an Hannover liebe. Schräge Typen, altes Pärchen, er sieht aus wie ein amerikanischer Cowboy und sie ist blondiert und ganz dünn im Pelz, aber beide sind Mitte 70 und sehen aus wie Jonny Cash und Frau. Sie kauft sich Sonnenbrillen, die 30 Cent kosten (er will vorher den Preis wissen und sie sagt, sie würde immer ihre Sonnenbrillen hier kaufen und er genehmigt ihr den Kauf) und nachdem ich mir sie verwundert angeschaut habe, kaufen sie noch die alten 8×4 Deo-Seifen in Retro-Packungen und bekommen jede Menge geschenkt von der Mitarbeiterin. Ein Junkie und seine Mutter sind auch da und haben vorgestern eine Armbanduhr gekauft, die leider nicht funktioniert. Kassenbon oder so was haben sie nicht dabei. Sie sollen sich für 4,- was anderes aussuchen und holen stattdessen eine Puppe, vom kitschigsten, lockige Haare, Rüschchenkleid an ca. 40 cm groß und legen dann noch mal 6,- drauf, weil die 10 kostet. Ich werde auch fündig und freue mich einfach wieder. Das Spiel gibt es umsonst und das Katzenbuch auch. Das ist ja jetzt sehr brisant für mich derzeit, seit ich diese graue Katze liebe.

DSC02930Hüpf mein Hut Beute

In den Zug nach Zürich wollen viele einsteigen und Claudia hält brav Plätze für uns frei im 6er Abteil. Dort ist ein junges Ding aus Hamburg, die in ihre Jacke gemümmelt mit Füssen auf dem Sitz schläft und abweisend guckt, obwohl der Platz neben ihr noch frei bleibt. Hipster mit hässlichen Sachen, peruanischem Tuch, aber nachgemacht, Hipsterbrille, der obligatorischen Stofftasche sowie einem dicken, alten Heinrich Böll Buch, was bestimmt 2 Kilo wiegt und auch aus Imagegründen mitgetragen wird wie ein Accessoire. Lesen tut sie darin nicht, nur hin und wieder es hoch halten. Sie hat auf jeden Fall schlechte Laune und es ist Vorsicht geboten. In Frankfurt verlässt sie uns. Vorher ist ein Mann mit Outdoorjacke über dem Anzug und Sitzplatzreservierung eingestiegen und beansprucht den anderen Fensterplatz. Er hat ein idiotisches Buch dabei „The Secret of Consulting“ oder so ähnlich, mit vielen Bildern. Er muss dann leider mitanhören, wie wir uns über das Schwarzfahrproblem austauschen, weil Claudia hat einen Zug über Karlsruhe, dann Bimmelbahn in den Schwarzwald gebucht und wir über Baden-Baden und mit früherer Ankunft und wir werden vom Hotel am Bahnhof abgeholt, was erschwerend hinzukommt zu dem Umstand, dass wir nicht getrennt werden wollen. Ich bin für schwarz fahren, sitzen bleiben und Klappe halten die 15 Minuten zwischen diesen beiden ICE-Stationen. Stephan geht zur Kontrolleurin und sie ist gut drauf und segnet die gemeinsame Fahrt bis Baden-Baden ab. Nachdem ich überschwänglich das tolle Mannheim, wo ich unbedingt mal aussteigen muss, gelobt habe, kommt das „Scheißkarlsruhe“, „blödes, überflüssiges Kaff“ und hier steigt unser Verfassungsrichter, Stephan meint, es sei nur ein BGH-Richter gewesen, dann auch aus. Von Baden-Baden geht es nach Rastatt und dann von dort mit der Bimmelbahn in den Schwarzwald. Übermütig setzen wir die Reise fort und verlassen uns auf unsere Überzeugungskräfte falls hier eine Kontrolle stattfinden sollte und werden begleitet von Schülern und fahren über Gernsbach mit Rentnerwanderern mit Stöckern in den tiefsten Schwarzwald.

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Auf den Bahnen wird folgerichtig für orthopädische Schuhe geworben.

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Claudia stellt mehrfach fest, wie hässlich es hier sei und wie man hier nur freiwillig herziehen könne, sie würde sich umbringen. Kurz vor der Ankunft eine SMS von meinem Paps, dass sie schon da sind und er im Badebereich, während Mama nappt. Dann kommt die nächste um mir mitzuteilen, dass sie jetzt beide im Nassbereich sind. Man begrüßt uns überfreundlich, strahlend und mit Handschlag und überreicht eine Zimmerübersicht, wo die andere aus der Reisegruppe jeweils untergebracht sind und die Zimmer liegen auch noch praktischerweise direkt nebeneinander. Dienstleistung haben die hier gleich im ersten Lehrjahr 5 x die Woche auf dem Stundenplan gehabt. Wir begutachten die Zimmer mit riesigen Balkonen und leider nicht so leckerem Obst, die japanischen Toiletten fallen erst später auf und schmeißen uns in Badeanzugschale und gehen Richtung Sauna- und Badelandschaft.

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Dort belegen wir eine Familienspielwiese aus Leder und Dietrich holt trotz lädierter Schulter Getränke. Dann etwas den Körper nass machen und draußen im Salzwasser plantschen.

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Wenn die Haare erst mal nass sind halte ich es draußen nicht so lange aus. Wenn der altmodische Badeanzug nass ist, will ich ihn ausziehen und flüchte mich in die Rosendampfsauna. Dort sitzen wir mit einer Oma mit schwarzer Badekappe, deren Haare nicht nass werden sollen, weil sie dann krass werden und die Locken raus gehen. Sie hat offenbar Locken, will aber andere als die, die sie von Natur aus hat. Wir unterhalten uns und quatschen ihr zu viel, wie Claudia meint, sie geht. Man riecht anschließend nach Oma (wegen der Rosen). Dann nach oben und umziehen.

Wir treffen uns mit Birgit und Andreas um 17:30 Uhr in der Hotellobby. Von Kathrin bekomme ich eine SMS, dass sie an der Grenze im Stau steckt. Birgit hat einen sehr dicken Fuß, der in ein transformerähnliches Gitter aus Plastik eingeschnallt ist mit einem aufblasbaren Innenteil. Wir trinken doppelte Espresso Macchiato und Andreas ein Bier. Claudia erklärt meinem Vater What’s app und er ist total interessiert wie der reinste Teenager. Technische Neuerung sind seine Sache und dann noch eine Retro-Hülle (Musikkassette) um sein iphone. Der reinste Hipster. Dann geht es um das Thema Darm als zweites, älteres Gehirn. Das Urgehirn, weil Verdauen ist nun mal wichtiger als Nachdenken. Jetzt geht es Richtung Essenszeit und manche werden nervös, weil Stephans Schwester noch nicht da ist, nur Stephan sagt, entweder sie liegt tot im Auto oder sie kommt pünktlich ins Restaurant und 2 Minuten vor der Zeit erscheint sie professionell und fragt lächelnd, war doch 19 Uhr, oder?

Auf dem Weg ins Restaurant, die Käseauswahl für die anderen. Sieht auch gut aus..

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Herr Brandt, der Chef der Bedienungen ist wieder spitze drauf und ich lerne gleich was Neues dazu: schwäbische Reihe ist nicht nur Männer auf einer Seite, Frauen auf der anderen, sondern Frauen auf der Seite, die näher zum Küche ist. So. Das bekommen wir auch hin. Ich liebe das Damenklo und Herr Brandt bietet mir an, mir die Stiche auf dem Herrenklo auch zu zeigen und Schmiere zu stehen.

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Ich will es zusammenfassen: 8 Gänge mit den ganzen Extras, die es dann dazu gibt, sind zu viel. Es kommen schon 4-5 Grüße aus der Küche, dass man satt ist bevor es eigentlich los geht. Ich frage nach einem alkoholfreien Cocktail und ja bitter darf er sein, also was für Erwachsene, denke ich mir hoffnungsvoll. Ich bekomme stattdessen einen knallgrünen „Villa Kunterbunt“ Humpen, der erniedrigend ist und den Süßwein zur Gänsestoffleber extra böse vermissen lässt und dazu führt, dass ich gerne für den Rest des Abends nur Leitungswasser haben möchte. Ich kann den Geschmack gar nicht definieren, offenbar ist es Guave mit Farbstoff. Es gibt einzelne Gänge, die sehr lecker sind, wie der Heilbutt und auch das Milchkalb, klein geschnitten mit Sellerie und ganz viel Trüffel oben drauf, in der Mitte ein Eigelb flüssig. Da drehen alle durch und ich will das im Hipp-Glas für zuhause zum warm machen im Wasserbad, aber nicht alles ist so toll. Die beiden Nachspeisen finde ich alles andere als befriedigend. Statt eines warmen Schokokuchens mit flüssigem Kern, bekommt man eine gekünstelte Praline mit Blattgold und einer grünen Rotznase. So was mag ich gar nicht. Die sollen mir lieber was Primitives servieren, was Hammer schmeckt, statt etwas was 8 Stunden gebraucht hat zum Herstellen, aber nur interessant ausschaut. Die Hauptspeisen sind auch nicht optimal nach meinem Geschmack, wahrscheinlich auch zu kompliziert in der Herstellung, aber des Käsewagen ist einmalig und Claudia springt als erste nach vorne und beleuchtet die Ware mit ihrem Handy um sich einen Teller voller Blauschimmelkäsen auszuwählen. Es gibt herrliche Saucen und Nüsschen zum Käse. Da bleiben keine Wünsche übrig, nur das manche schon keinen Käse mehr wollen, weil man zuvor so abgefüllt wurde. Dann gibt es noch mehr süße Grüße aus der Küche und einen Pralinen und Süßigkeitswagen bis man nicht mehr kann.

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Der Meister unterhält sich mit uns und wird nach seiner Zusammenarbeit mit der Lufthansa für 1. Klasse befragt. Er hat auch eine gute Idee für uns, dass wir einen Langstreckenflug an Weihnachten buchen sollen, da hätte man den Flieger ganz für sich alleine. Andreas kauft noch eine Magnum-Flasche Champagner, „die Sorte, die Sie im Schwimmbad anbieten“, wie meine Mutter ihn umschrieben hat und wir setzen uns in die Hotelbar, die schwer an Butterfahrt erinnert und hier spielt einer an der Heimorgel und es quält. Komische Stimmung, Birgits Bein tut bestimmt schon seit Stunden weh, das ist zumindest mein Eindruck und der Sohn als Chauffeur ist schon im Anflug. Das Hotel will uns noch einen warmen Mitternachtssnack servieren. Das löst nur hysterisches Kreischen in unserer Gruppe aus. Ich habe durchgehalten mit dem Wasser und schwer war nur, dass es offenbar nicht allen so gefallen hat und man doch als Partypooper angesehen wird. Ich wusste es schon immer, Heroin und Junkieclique Dreck dagegen. Bitte, trink doch nur einen Schluck, nur 2 Finger breit, Deine Mutter hat doch Geburtstag. Gerade die greift beherzt ein und kommt ihrem Kind zur Hilfe mit den Worten: lass sie, sie will nicht. Todmüde fallen wir alle ins Bett und schlafen schlecht, weil wir zu viel gegessen haben und ich habe sogar Brand davon. Ich kann jetzt differenzieren und weiß, es war nicht der böse Alkohol, sondern nur das viele Fressen.

08.02. Ich werde vor 8 Uhr wach, Viertel nach gehe ich in den Dampfkeller auf der Suche nach Gruppenmitgliedern. Werde auch gleich fündig, Claudia schwimmt Bahnen im Becken, meine Eltern sind draußen, wo die Sprudelanlage wieder an ist und Gegenstrom. Ein kleiner Junge betrachtet interessiert die Falten und den alten Körper einer Oma, nicht seiner. Diese Faszination kann ich verstehen, das sieht dann echt noch mal anders aus. Er und seine Schwester sind noch zart und knackig wie Äpfel, aber später sieht das dann krass anders aus. Apropos anders aussehen, meine Badekappe mit den gelben Rosen sieht ultra fies aus und macht Abdrücke in meiner Stirn, die nicht mehr weggehen, aber die Haare bleiben trocken. Ich bin ganz alleine in der Saunawelt. Ein Fabeltier an der Wand spuckt alle 20 Sekunden Eis in eine Schale. Dann anziehen und in den Frühstücksraum. Dort ist ein Tisch für uns reserviert und das Hotel hat sich einen langen Brieftext überlegt zum gratulieren, eine Kerze an unserem Tisch brennt und persönliche Glückwünsche gibt es außerdem. Ich gehe ins Schinkenzimmer und greife schon mal zu, Roastbeef mit Tartar Sauce gibt es auch. Hier arbeitet ein Typ, der aussieht wie der junge Lumpp. Süß ist der und lässt sich von meinen Blicken verunsichern. Es gibt alles in dieser Frühstückswelt. Die kleinen Marmeladen von Stauds mit den Wiener Motiven, Müsli, 20 verschiedene Obstsorten von Mango bis Ananas. Trockenobst. Kinderbüffet mit kleinen Sandwichs, Schnittlauchpfannkuchenrollen aufgeschnitten zu dünnen Rädern mit Schinken und Lachs gefüllt, Milchreis in kleinen Schälchen und Amerikaner mit Gesichtern aus Schokocreme, Crepes mit heißen Kirschen, Weißwurst, Fisch, alles mögliche geräuchert, sauer eingelegt, mediterane Ecke mit Schafskäse und Oliven, Salate, Wurst-Käse in Essig-Öl, Käseplatte, Obst- und Gemüsesäfte und und und. Nach dem süß, Birchermüsli usw. hole ich Schinken nach und etwas Mango. Das Dickerchen steht an seiner Aufschneidemaschine. Gerne würde ich ihn fragen, wann er heute Feierabend hat….Ich trinke eine Kanne schwarzen Tee. Er macht seine Maschine gewissenhaft sauber.

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Ich räume das Zimmer und nehme die Bayreuther Wurst mit, die auf dem Balkon war über Nacht. Daneben freue ich mich über die Angebote des Hotels und die ganz eigene Ästhetik.

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Die Menschen haben Schuhe vor die Tür gestellt. Hier ist jeden Tag Nikolaus.

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Stephan ist enttäuscht, dass wir schon los wollen nach Straßburg. Claudia gibt meinen Eltern Tipps. Es gibt hinter den Saunen einen Ruheraum mit Wasserbetten und da kann man Smoothies trinken. Stephan bestätigt das und ist dort auch vorgedrungen. Da sollen sie hin.

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Ich treffe unerwartet auf Herrn Brandt (unerwartet deswegen, weil er schon wieder im Dienst ist)

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und wir machen die Exkursion auf die Herrentoilette. Ich sage ihm, „ich wäre jetzt so weit“. Der Gast, der die Stiche oder Federzeichnungen gemacht hat (erinnert mich an Stefan Klenner-Otto), hat dort eine Weile gewohnt und hat die Kunst hinterlassen als Bezahlung. Ich biete anschließend an, ihm die Damentoilette zu zeigen….Da gehe ich noch mal rein, weil ich sie zu sehr liebe, meine Kinderküchenkitschtoilette. Die darf nicht verändert werden, erkläre ich Herrn Brandt, ist Denkmalschutz.

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Auf Valentinstag sind die hier natürlich auch schon eingestellt. Was sonst? Ein Schrank voller Rosen.

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Wir brechen auf, wobei an der Kinderbespaßung

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zu unserem Peugeot. Das standesgemäße Fahrzeug haben wir. Es ist zwischen 12 und 1 Uhr. Etwas Berg hoch kurven und in jeder Ortschaft fragen, ob jemand was vom Bäcker will. Das erheitert ungemein angesichts unserer Sattheit. Nach kurzer Fahrt sind wir am Ziel. Straßburg begrüßt uns mit Regen. Stephane kommt und schließt uns seine Wohnung auf. Er hat wohl im Bareiss gearbeitet in der Patisserie und hat jetzt einen Laden Gagao in Straßburg. Da gibt es Schokolade. In seiner Wohnung gibt es 2 Schlafzimmer (mit bequemen Betten)

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und eine moderne Küche und Bilder an den Wänden, u.a. „I am so gay, I can’t even think straight“.

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Flammkuchen isst man außerhalb, weil die Holzöfen die man dafür benötigt sind in der Stadt verboten, erklärt uns der Gastgeber. In der Stadt ist es was für Touristen. Wir greifen seine Vorschläge gerne auf, aber sehen das nicht so eng, schließlich sind wir Touristen. Auf der Suche nach einem Wasserkocher, bewundere ich das Altglas des Gastgebers…

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Wir ziehen los, erst zum Fahrradladen mit ganz kleinen Peugeotfahrrädern,

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dann weiter zum Fluss mit den schönen Häusern, große Dächer mit Dachfenstern, wie in Nürnberg, aber noch schöner.

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Sehr bald fällt uns auf, dass es hier alles ums Essen geht. Jeder zweite Laden ist eine Chocolaterie und dann Bäckereien, Patisserie und dazwischen Gänsestopfleber und Wein und Restaurants und Weinstuben ohne Ende. Selten gibt es mal einen Friseur oder irgendwas ohne Essen. Wir beschließen, den Dom erst Morgen zu besichtigen und Shoppen zu gehen, leider regnet es. Überall –gerade rund um den Dom sind Souvenirläden aufgebaut und es gibt Störche in allen Varianten, als Stofftiere in allen Größe sowie auf Schürzen und Handtüchern. Ich kaufe erst Karamell mit Salz und Zimt und Nüssen usw. in einem ebenfalls sehr touristisch aufgemachten Laden, der mit französischer Nostalgie lockt, aber die Karamelwürfel haben mich trotzdem überzeugt (Fingertest, die sind weich), dann nehmen wir eine Gänsestopfleber (ich liebe den Türgriff, im Laden sind leere Dosen als Anschauungsmodelle, die Ware ist einfach zu wertvoll), dann sucht Stephan Käse aus und Wein, zum Schluss die gezuckerte Kondensmilch. Das Käsegeschäft ist der Hammer. Die Teile schimmeln vor sich hin und es ist Käse zum anfassen, nicht so hinter einem Tresen, sondern unmittelbar vor der Nase und den Augen, Streichelzoo für Käsefreunde.

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Claudia ist auch hin- und weg. Im Shoppingmal wird sie fündig und kauft einen neuen Duft bei Sephora. Patschouli und Vanille zum selber mischen. Stephan berät sie. Ich bin mit Kathrin im Supermarkt und kaufe 10 Tuben Kondensmilch (das macht 15,- €) und Butter sowie fromage blanc, creme fraiche (in riesigen Bechern) und Fruchtjoghurts sowie kleine fromage blanc mit Frucht (jeweils 4 Stück). Bei den Keksen halte ich mich zurück und kaufe nur eine Packung. Sind ja keine von Sainsbury. Der Korb ist ziemlich schwer an der Kasse. Stephan schleppt.

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Zurück ins Apartment und chillen. Ich könnte glatt auf dem Sofa einschlafen. Irgendwie geht es uns allen so, aber keiner will sich die Blöße geben. Wir raffen uns noch mal auf, obwohl es schwer ist, weil es draußen voll unfreundlich ist und wir alle müde und noch satt sind. Der schwarz vertäfelte Laden, den der Gastgeber empfohlen hat an der Rabenbrücke ist zu. Der zweite (vier Ziegen oder so ähnlich) hat keinen Platz und so landen wir in den Winstub Zuem Strissel (Strauss offenbar). Es war erst an dritter Stelle meiner Hierarchie im Vorfeld hinten dem Katzenladen, der zu hat aufgrund eines Unfalls und einer anderen Winstub Chez Yvonne. Ich nehme einen Flammkuchen mit Trüffel (das was ich für Rindfleischsülze mit Meerettich halte, wäre eine Suppe gewesen und ist aus), Claudia Kartoffelpuffer mit Lachs und Kapern, Kathrin Bibeleskäs, Quark mit Knoblauch extra und einem Stück Rotschimmelkäse und Schinken und Gürkchen und neuen Kartoffel, herrlich angerichtet wie eine Bentobox, wie Claudia feststellt und lecker und Stephan eine Zwiebelsuppe mit ca. 500 gr. Käse drin, absolut köstlich, viel Zwiebeln, süßlich, wenig Brühe, echt gehaltvoll und so was von lecker und Quarkklöße mit Bratensahnesauce mit Morcheln, auch köstlich. Dann Nachtisch. Ich nehme den Gugelhupf Pain Perdu als French Toast mit Eis und Sahne, Stephan Apfeltarte (mittel) und Claudia Merengen mit 3 Kugel Eis und Sahne. Diese Creme Chantilly macht uns kicherig und total glücklich und verrückt. Claudia ist ganz aus dem Häuschen mit ihrem Nachtisch und lobt ihn über den grünen Klee (zu Recht). Die Kombi aus Bröseln von dem Zuckerwerk (und zwar vom Bäcker und nicht aus dem Supermarktregal) mit Fruchteis und der hammer leckeren Sahne ist nicht zu toppen.

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Wir gehen glücklich nach Hause und schlafen diese Nacht gut und erholsam. Ich finde es bemerkenswert, dass uns (d.h. zumindest mir und Claudia) so ein Nachtisch besser schmeckt als im Sterneladen. Der Lumpp kann auch einen Palatschinken machen und den würde ich mal gerne probieren, aber das darf er nicht, zu primitiv, verliert er seine Sterne. Auf dem Heimweg kommen wir vorbei an einem syrischen Restaurant mit Luftballons im Fenster. Hier hat Mutti für alle gekocht und verabschiedet die Gäste mit Küsschen. Eine Karte scheint es nicht zu geben. Das sieht toll aus, aber Sonntag hat hier viel geschlossen.

09.02. Heute ist besseres Wetter. Ich will mich gerade davon schleichen, da kommt Claudi aus dem Zimmer und bietet an mich zu begleiten. Wir wollen Kaffee holen. Beim Bäcker gegenüber gibt es keinen, alles ist zu und wir landen beim Alimentari, Gemüsetürken, Spätkauf und „to go“ heißt á portir (ich muss Pantomime machen). Mutti lässt 4 Espressi aus der offenbar neuen Maschine, mit der sie noch nicht so zu Recht kommt. Der Sohnemann fragt immer geht’s und sagt mehrfach „trück“, Mensch wie schreibt man das bloß auf Französisch. Er ist fatigué und macht hier auch Pantomime. Kopf seitlich auf die zusammengelegten Hände. Ahh hah. Wir holen die Beute nach Hause. Nach dem Verzehr entern wir den Bäckerei „Au Pain de mon Grand Pere“ und kaufen alles Mögliche. Frühstücken tun wir gegenüber in dem dazu gehörigen Laden. Es gibt eine Schale voller Croissants und sehr leckere Baguette-Brötchen und O-Saft und Kaffee.

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Gleich in der Nähe ist der Katzenladen, der wegen eines privaten Unfalls geschlossen hat.

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Nach dem Frühstück schauen wir bei Gagao vorbei, der Laden unseres Vermieters. Der ist leider unterirdisch. Das Corporate Design ist eine Eins, alles gelb-schwarz, aber die heiße Schokolade, die aus Pulver mit viel Zucker von Dosiergläsern an der Wand in Pappbecher gefüllt wird und dann nicht richtig umgerührt und mit vielen Toppings ist einfach schlecht. Da ist der Kakao von Balzac der reinste Gourmet-Kakao. Der Kaffee ist wässerig. Die Jugendlichen freuen sich über die schönen Becher, das stylische Ambiente und die dekorierten Cupcakes und wie Kathrin meinte: wie früher Milchbar, Treffpunkt der Jugend und die vertragen eh nicht so viel Koffein. Es gibt auch die obligatorischen Stempelkarten Gagaomètre. Wenn man ein kleines Getränk nimmt, ist man Amateur und Venti ist hier Professionell. Ich glaube der Laden wird wirtschaftlich ein Erfolg. Es wundert mich, dass sie hier drauf reinfallen, in Japan oder einem Land ohne viel Schokoladenerfahrung wäre es noch einfacher. Es gibt immer wieder tolle Plätze, so auch direkt hinter dem Gagao und diese Bäume, die wie Edward mit den Scherenhänden ausschauen. Ich liebe es. Hier sind sie offenbar gerade nachgeschnitten worden. Woanders sind die Nägel noch lang….

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Dann auf zum Dom und weiter durch die Stadt bei schönem Wetter. Es gibt sogar extra Fahrspuren für Rolli-Fahrer. Wahnsinn!!!

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Karl Lagerfeld ist für Sicherheit im Straßenverkehr zuständig.

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Die Kathedrale toller als gedacht. Zweireihige Buntglasfenster, eine riesige Orgel in der Mitte des Mittelganges, eher Richtung Eingang mit einem riesigen holzgeschnitzten Unterbau. Ein tolles Gewölbe, teils bemalt. Hinter dem Altar sind neben dem Glasfenster alte Wandmalereien. Es sieht eher etwas duster und alt aus. Rechts neben dem Altar um die Ecke eine eindrucksvolle astronomische Uhr. Ich will schon wieder gehen und Stephan bringt mich links um die Ecke zum Jesus am Ölberg als Theaterkulisse aus Stein. So was habe ich noch nie gesehen. Teils sind die Figuren 3-D und teile Reliefs, die Mauern und Bäume und Soldaten, die aufgereiht ankommen mit Morgenstern und finsteren Gesichtsausdrücken. Es ist sehr beeindruckend und hat die Erwartungen weit übertroffen. Gelegentlich scheint auch die Sonne durch die Fenster. Das ist toll!!

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Wir gehen zu dem Madelaine-laden. Sehr plüschig und natürlich kein Platz. Vorne gibt es einen Shop, aber die Verkäuferin sagt sehr gerne „nein“. Kathrin will ein salziges Madelaine „nein“. Die gibt es nicht zum mitnehmen. Claudia will eine Extratüte, damit sie eines der Kunstwerke umpacken kann, wiederum mehrfach nein, bis sie es verstanden hat. Ich sage, die sind mit Butter und sie oberlehrerhaft: Madelaines sind aus Mandeln. O.k. die von Meinl waren mit Butter und auch lecker (das denke ich nur). Sie behandelt uns als wären wir Trottel. Sie sagt uns auch, dass sie sich ärgert, dass sie immer deutsch sprechen müssen und auf der anderen Seite der Grenze niemand französisch spricht. Sie hätten es in der Schule gelernt. Wir auch, aber wir haben seitdem keine Gelegenheit zum üben gehabt. Sie will jetzt nach Österreich fahren und sie hätten ihr auch auf Deutsch geschrieben und nicht auf Französisch. Die Frau nervt. Die Schilder hier sind zweisprachig. Das sie da einen gewissen Vorsprung haben ist doch klar. Soll sie sich freuen, dass sie zweisprachig ist. Wie war das. Hader sagt, erst Olivenöl-Diät, weil die auf Kreta so lange leben, Olivenöl bis es ihm aus den Ohren herauskommt. Jetzt liest er, die Franzosen leben genauso lang. Was ist also das Rezept für ein langes Leben, viel Butter, unfreundlich sein und keine Fremdsprachen sprechen. Daran muss ich instantan denken. Wir essen den zweiten Madelaine, den Stephan sich auf die Hand hat geben lassen und er ist mit Glitzerzucker, wie für Prinzessin Lillifee gemacht und es stößt mich eher etwas ab, weil es so künstlich aussieht, wie Schminke und ja, sie sind lecker, aber das Gehabe ist nicht gerechtfertigt, egal wie toll das Produkt sein möge und auch hier ist noch Platz nach oben. Was soll das?

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Weitere Außenansichten des Tages. An der Kathedrale ist ein Reiter in luftiger Höhe. Er markiert die Ecke eines Turms, so dass es ihn mindestens 2-fach oder auch öfter gibt. Er steht unter einem kleinen Dach, lässt sein Pferd auch immer draußen stehen, zumindest mit dem Kopf. Daher ist der Kopf des Pferdes schon ganz moosgrün.

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Wir laufen am Fluss entlang zu einer großen Brücke. Es ist sehr windig und ich muss mehrfach meine Hut festhalten. Wenn der abgerissen wird vom Wind und in die Fluss fliegt, ist meine Laune dahin.

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Man kann unter der Brücke durchgehen. Hier geht es wieder sehr französisch zu. Es werden Penisse und Erektionen ausgestellt und Penismaschinen, die arhythmisch und ruckartig Fickbewegungen machen.

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Auf der anderen Seite beim Museum skaten welche und andere üben Parcour. Das ist cool anzuschauen. Weil es uns kalt ist gehen wir ins Museum und setzen uns auf ein bequemes Sofa. Stephan meinte, schade, dass er seine Brille nicht dabei habe. Wir zeigen uns wechselseitig Bilder von Kamera und Handy und gehen aufs Klo und verweilen noch eine Weile. Komische Deutsche, wollen sich nur ausruhen und entleeren und schauen ihre eigenen Bilder.

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Wir wollen Kathrin zum Abschied eine Zwiebelsuppe gönnen, aber alles schließt gerade vom Mittag, auch der Käseladen, in dem es nur Käse gibt. Es ist die Zeit zwischen Mittagstisch und Abendgeschäft.

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Sie holt sich ein belegtes Baguette. Vorher gibt es noch einige Schaufensterauslagen zu bestaunen, vor allem Berufsbekleidung.

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Wir essen die Bäckerware mit viel Salzbutter im Apartment und ich mache einen Schwarztee des Gastgebers (Russian evening No. 50, mit weniger Teein). Wir schauen etwas Olympia und ich bastele.

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Kathrin verabschiedet sich. Knapp 300 Kilometer liegen vor ihr. Stephan, der uns durch die ganze Stadt getrieben hat, schläft eine Runde. Claudia macht den DJ mit den Musikprogrammen und schaltet durch. Es gibt viel Black Mucis und Musikvideos. Wir brechen auf mit dem Ziel Käseladen von Tourette. Das Restaurant. Vorbei am Dom. Die Orgelmusik lockt uns an. Organist in dieser Kathedrale. Das wäre doch noch ein Berufswunsch für das nächste Leben. Auch von außer ein tolles Bauwerk mit filigranen Säulen, die aussehen wie Bleistifte und ganz tollen, filigranen Ornamenten und Verzierungen, wie eine Sandburg mit dieser Tropftechnik gemacht. Im Käseladen macht uns die Frau auf, die nachmittags zumachte. Leider haben wir nicht reserviert. Erst um 21:30 Uhr hat sie einen Tisch. Wir wollen es wissen und willigen ein. Nebenan ist eine Bar. Auf Stadt entdecken haben die Frauen keine Lust mehr. Hier gibt es Zapfhähne an den Tischen und man kann sein Bier selber zapfen und sich durch die verschiedenen Sorten durchprobieren. Es gibt auch Wein und Cocktails (für mich alkoholfrei und mit französischem Maoam).

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Die Jugendlichen essen Salami und Käsewürfel zum Bier. Sie werden immer ausgelassener. Hier gibt es überall was Leckeres zu essen. Nach knapp einer Stunde wechseln wir nach nebenan. Ich nehme das Raclette und Stephan das Fondue mit Blauschimmelkäse und Claudia einen Käseteller. Die eigentlichen Käseteller gibt es erst ab 2 Personen. Ich bin enttäuscht. Das Raclette ist nicht am offenen Feuer, sondern ich bekomme einen Tischgrill. Ich bin überfordert mit der Bedienung und kann bald nicht mehr. Ich schiebe den Grill zurück, aber es fließt noch tonnenweise Käse auf den Teller nach, den ich dann zurück gehen lasse. Das ist mir peinlich. Stephan fragt beim Abräumen, ob wir was falsch gemacht haben. Da muss die andere Bedienung geholt werden wegen der Sprache. Die sagt dann, dass sie es sauber machen und noch mal verwenden. Lost in translation. Amerikanische Touristen sind an den Nebentischen. Stephans Fondueflamme geht mehrfach aus und die Masse trennt sich. Die festen Anteile schwimmen im Fett. Ich bekomme Lachanfälle und Stephan zimmert sich alles rein, auch den letzten riesigen Bissen, zäh wie Toffee dreht er den beigen Spieß und wäre daran fast erstickt. Ich befürchte eine schlimme Nacht, aber das bleibt aus. Ein fluffiges Fondue wie in St. Gallen war das nicht, viel zu viel und auch nicht richtig lecker, lieblos irgendwie. Der Laden bekommt keine guten Noten, außer für das Konzept und den Namen. Auch zum Käseteller gehören leckeres Früchtebrot und Chutneys.

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Am nächsten Morgen fällt mir ein, dass er den Speck, der lecker war, aber auch mit den Pilzen in Fett schwamm, auch noch in sein Fondue hätte kippen sollen. Den Speck hatte überwiegend ich gegessen, weil ich keinen Käse mehr sehen konnte. Zuhause läuft ein altes Video von Rita Mitsouko aus dem Jahr 1986. Ich gehe unmittelbar schlafen.

10.02. Schwarztee und eine selbstgemachte Postkarte für den Gastgeber.

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Leider schüttet es heute und unser Plan mit dem Gepäck am Dom vorbei langsam Richtung Bahnhof und auf dem Weg bei Chez Yvonne Mittagstisch machen geht nicht auf. Gut, dass wir unsere Einkäufe gleich am Samstag erledigt haben, dass wäre heute nicht gegangen oder in puren Stress ausgeartet. Wir duschen alle und nehmen einen Bus direkt vor der Haustür. Man kann im Eingang bzw. Hausflur stehen bis der Bus kommt. Wie zuhause.

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Nein, keine retour, wir hauen ab. „Aller Simple“, 1,60 €. Einmal umsteigen in die Straßenbahn mit den großen Fenstern und dann zum Bahnhof. Wir wollen das Gepäck einschließen. Das kostet 9,50 €, was uns viel erscheint für knapp 2 Stunden. Es wird durchleuchtet wie am Flughafen und den Automaten verstehen wir auch erst nicht. Den Typen wollen wir nach einem Restaurant fragen, er schickt uns zur Touristinformation. Die Frau da ist wieder geil unfreundlich. Ich erkläre ihr unser Anliegen. Sie: was leckeres Essen? Wir sind am Bahnhof. Hier gibt es Döner. Gegenüber wäre eine Brasserie Les Dix. Das könnten wir probieren. Ganz normale Gerichte gibt es da. Wenn wir was Leckeres wollen, dann müssen wir in die Altstadt. Sie zeigt sie uns auf dem Stadtplan. Nein, die kennen wir, ist klar. Nochmal wir sind am Bahnhof und wie dämlich ist meine Frage. Ich bedanke mich und wir gehen nach gegenüber. Es ist gut besucht. Dafür hätten wir das Gepäck nicht wegschließen müssen. Ich esse Fleischküchle mit Kartoffeln und Salat und Stephan Flammkuchen mit Münsterkäse und ich einen süßen Flammkuchen mit Äpfeln und Walnüssen. Zum Essen bestellen wir reichlich Kaffee, Claudia sagt, wie Russen.

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Ein schöner Abschluss. Dann im Bahnhof noch zu Paul, einem Bäcker. Ein Baguette für abends und einen Smoothie, weil der so eine niedlich Strickmütze mit Bommel hat und man für 30 Cent einen guten Zweck unterstützt. Als Deko für meine Sigg-Flasche nur bedingt geeignet.

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TGV- alles o.k. Katzensprung nach Deutschland. Ich frage die Zugbegleiterin, ob wir schon da sind und sie sagt was von Handynetz. Stephan sagt, alles Quatsch, der Fluss ist die Grenze, der Rhein. Rechts sind Berge, das sei der Schwarzwald und links das Rheintal. Erdkunde mal nicht im Atlas, sondern live.

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Nach Baden-Baden kein Halt bis Kassel. Schnell ist man zuhause. Vielleicht kommt Claudi mit nach Kalifornien. Jetzt ist dann erst mal Zeit zum Abschied nehmen.

Ist Straßburg das Hannover von Frankreich? Die Leute glotzen nicht, es wird viel Fahrrad gefahren, auch ohne Licht, es gibt eine kleine Skaterszene und die Leute können auch richtig unfreundlich sein. Gut bei uns am Flohmarkt ist es lange nicht so malerisch, da will ich mal die Gegend dort nicht beleidigen. Die Kulisse hier hat mich schon sehr beeindruckt. Das Fachwerk ist nicht Braunschweig. Das ist Manhattan des Fachwerks mit 5-6 Stockwerken und die Altstadt nimmt kein Ende und damit ist Mittelalter gemeint. Die Altbauten 18./19. Jahrhundert haben sie daneben auch. Das ist schon echt cool und schön.

Mein Rock zwickt. Gottseidank ist man dieser Fress- und Teppichhölle im Schwarzwald entkommen, selbst der Fahrstuhl ist plüschig, die reinste Gummizelle aus Textil. Die kleinen Handwaschseifen haben sie abgeschafft gegen einen Seifenspender. Schade, davon haben wir jahrelang gezehrt als Bidetseifen. Das geht also auch nicht mehr. Im Kleinen sparen für die Gänseleber.

Ich habe mich verlegen und mein Nacken tut einseitig weh. Kurz bin ich im Zug euphorisch und will zum Sport. Das ist ganz schnell durch das Thema, d.h. ich bin durch. Telefoniere nur noch kurz mit meinen Eltern. Es gab auch Tomatenkonsomée im Spa-Bereich und meine Mutter hat auf den Wasserbetten geschlafen. Es war also wohl noch schön. Sie sind weiter gefahren zu süddeutscher Verwandtschaft um sich den Tag zu vertreiben.

a biserl Wien zum Jahresbeginn 14

09.01.2014

Meine Kollegin hatte einen Nagel dabei und der Bürokalender hängt in der Küche. Ich habe den Programmierhamster der Versagerfirma noch in die Collage eingebaut. Ein Foto von mir aus Istanbul „süpper internet“ steht da zu lesen. Die Schrift auf dem Glasfenster ist fast weggerubbelt. Ein lustiges Foto, jetzt noch mehr durch meine Manipulation. Ich habe endlich mein Fahrrad weggebracht zur Inspektion. Die Handbremse geht seit Monaten nicht mehr und die Klingel auch nicht, die ich für unkaputtbar hielt. Ich schließe es vor dem Radladen ab und laufe zu Fuß nach Hause. Stephan hat heute seine Brille bekommen und hat mir nichts verraten. Es sollte eine Überraschung sein. Leider hat man ihm keine Hardschalenverpackung dazu geliefert, so dass er das 500,- € Teil einfach so in seine Lederjackeninnentasche verfrachtet. Später wird er in Wien von Sunla eine adäquate Behausung bekommen. Das wär sonst auch zu leichtsinnig.

Mein früherer Ausbilder fährt mit uns Bahn ohne uns zu sehen. Er hält seine Gitarre und kommt offenbar vom Unterricht. Wir halten unsere Koffer fest. Zu dem Ausbilder sind wir eingeladen und haben de Einladung aufgrund der Wienreise verschoben. Ich will ihm und seiner Frau was aus Wien mitbringen. Am besten irgendwas von der Lucian Freud Ausstellung, weil sie den auch mögen.

Am Flughafen lese ich Stephan aus meinem Wientagebuch vor, was wir am 17.01.2013 erlebt haben auf der Reise nach Wien. Da war nämlich der Flughafen gesperrt und wir sind mit deutlicher Verspätung als eine von 3 Maschinen an diesem Tag dort gelandet, quasi totales Glück. Ich merke, dass ordentlicher schreiben sich lohnt. Manche Passage kann ich gut lesen und andere, vermutlich in der Bahn geschrieben, gar nicht. Sunla schreibt mir eine SMS, dass sie heute Abend im Atelier ist, was gleich bei uns um die Ecke ist, aber wir sind schon verplant. Sie hatte sich nicht festlegen wollen im Vorfeld und jetzt sind wir festgelegt.

Im Flieger sind viele Geschäftsreisende. Uns gegenüber, d.h. nebenan in der anderen Zweierreihe sitzt ein junges, dünnes, blondes Ding. Sie schläft auffällig fest für 18 Uhr. Sie hat die Cowboystiefel ausgezogen und die Beine sind angewinkelt gegen den Vordersitz, dann hängt sie wiederum im Gurt, der sie hält, fast auf dem Boden. Dann sitzt sie wieder und die Beine suchen irgendwie halt in immer neuen Positionen. Im Schlaf fängt sie an, ausgiebig in der Nase zu bohren. Erst wird tief und fest gebohrt und dann kreist der Finger und sucht mühsam und umständlich die Mundöffnung und findet sie. Ca. 10 mal das eine Nasenloch und dann das andere und dann wieder Nr. 1. Ich muss fasziniert hinschauen. Wie schafft man es so breit ein Flugzeug zu boarden, frage ich mich. Ich tippe, dass die Drogen erst im Laufe des Fluges ihre Wirkung voll entfaltet haben. Kurz vor der Landung sind ihr Füße oben auf dem Sitz und dann hinten dem Sitz am Kopf des Geschäftsreisenden vor ihr. Der dreht sich wütend um und stößt den Fuß runter. Sie überlegt ca. 2 Minuten und beugt sich dann vor um sich zwischen den Sitzen zu entschuldigen. Das hält nicht lange an. Jetzt sind die Füße wieder oben auf der Kopflehne und die Augen sind auf. Sie redet mit ihren Füßen. Nach der Landung sehen wir sie bei Starbucks, wo sie sich eine XXL Kaffee holt. Ich will ihr sagen: nächstes Mal, höchstens die Hälfte. Die Szene ist wie aus Fear and Loathing in Las Vegas und sie muss bestimmt überlegen, ob sie einen Koffer dabei hatte. Unsere Koffer sind schon da und wir erwischen die frühe Bahn. Ziel Alser Straße. In der Bahn studiert eine Frau handschriftliche Texte. Es ist was von „Harmoniesymbolen“ zu lesen und dann sind Zahlen angegeben wie 3, 5, 12 usw. Oh weia. Das Umsteigen in die U 6 klappt prima. Die Bahn steht bereit und man wechselt zügig auf das gegenüber liegende Gleis. Das Apartment finden wir gleich, aber keiner macht auf. Stephan ruft Jasmina an. Alexander sei unterwegs. Er kommt Sekunden später. Der Fahrstuhl ist so groß wie eine kleine Dusche, nur Stephan und das Gepäck passen rein.

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Die Wohnung ist der Hammer. Superschön eingerichtet, ganz nach meinem Geschmack mit Dingen, die ich teilweise selber habe bzw. schon einmal gekauft habe z.B. eine Postkarte auf dem Klo: „Dicke Kinder sind schwerer zu kidnappen“ oder ein Retro-Untersetzer: „Ran into my ex, put it in reverse and hit him again“.  Dazu zahlreiche ausgestopfte Tiere, die auch gerne meine Hütchen tragen, eine Hausbar und eine prima Teekanne.

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So was liebe ich immer, wenn ich meinen Kräutertee nicht im Kochtopf machen muss. Sie ist sehr geschickt geschnitten mit einem offenen Wohn- und Kochbereich, einem Arbeitsblock mit Herd, dann abgetrennt die Dusche, mit Glas. Man kann sehr gut darin duschen und ein großer Balkon ist auch dabei. Der Innenhof ist betoniert, aber mit großen Bäumen und es erinnert mich an Berlin. Toll, toll, toll.

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Die Gastgeberin hat einen Brief hinterlassen, einen Korb voller Schokolade, einen Laptop, sowie eine Flasche Rotwein. Der Kühlschrank ist voll mit Schinken, gekocht und geräuchert, Lachs, Käse, Butter gesalzen, Butter ungesalzen, Philadelphia, Marmelade, Toast, alles, alles. Man fühlt sich wie bei Freunden und es ist offenbar viel Vertrauen da. Hinzu kommt, dass wir noch nie so nah an einer Station gewohnt haben.

Wir gehen zurück zur Hochbahn und fahren ins Steirereck in den Stadtpark. Das Steirereck ist eine Baustelle, geschickt weiß verkleidet, so dass ich es zuerst nicht schnalle. Roter Teppich zwischen dem weißen Holzzaun. Man geht die Treppenstufen hoch ca. 40 Stück und kommt am Empfang an. Dort wird einem die Garderobe abgenommen und der Liftboy drückt. Man fährt dann sehr langsam eine Etage nach unten (ca. 10 Stufen) und dort wartet der Liftboy. Ich sage: lustig. Ihr Zwillingsbruder arbeitet oben. Wir haben tolle Plätze und sitzen fast nebeneinander und schauen auf die Bühne quasi, d.h. auf den opulenten Vorhang und die anderen Tische davor. Die Chefin nimmt die Bestellung entgegen. Ich nehme mehr die Gemüsegänge aus dem Menü, aber wir wollen wie immer teilen. Die Weinbegleitung besteht aus sehr leckeren, auch französischen Weißweinen, die mal nicht nur Sancerre sind. Mit dem Somelier verstehen wir uns gut. Ich lerne ein neues Gemüse kennen. Italienischer Bittersalat, dick wie ein kleiner Finger, schmeckt etwas nach Artischocke. Der rohe Fisch ist der Hammer, auch das rohe Reh, wie Carpaccio. Ja, den Japanern aus Kyoto, die trinkfest sind, würde der Laden gefallen.

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Die Horndeko kommt aber aus Paris und nicht Wien:

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und die Schönbrunner Zitrusfrüchte, die durch die Gegend gefahren werden, schauen hauptsächlich gut aus.

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Wir lassen den Brotwagenkellner den Teewagen bringen und plaudern mit ihm über den geplanten Teesalon nach dem Umbau. Die schweren Metallkannen sollen abgeschafft werden, damit es vernünftig gemacht wird. Ich verstehe nicht, was er gegen die hat. Die Bedienung verrät uns eine Station, die näher ist als die vor der wir kamen und die Bahn bringt uns bis eine Station vor Ziel. Allgemeines Krankenhaus. Das ist auch nicht weit und wir vertreten uns noch die Beine. Ich schlafe mit Unterbrechungen. Die Bettwäsche stinkt „frisch“ nach Weichspüler und Lenor, so dass ich von dem Geruch im Schlaf gestört werde. Morgens klingelt es sturm, aber wir ignorieren das. Vielleich brauchte Jasmina wichtige Medikamente, witzelt Stephan.

Ich kuschele mit den fremden Tieren und setze fremde Brille auf:

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10.01. Nach dem Aufstehen gibt es Nespresso und irgendwie muss die Heizung angemacht werden. Es ist kalt. Dafür geht duschen super. Nicht nur die Alser Straße (Hochbahnsteig) ist gleich vor der Tür, auch die Tram oder Bim. Wir fahren Bim. „Es wird gebeten, sich festzuhalten“. Eine Frau spielt lieber ein Früchtematchspiel auf dem Tablett und knallt mehrfach fast hin. Wir steigen am Schottentor aus und laufen in die Innenstadt zum Schwarzen Kameel. Die weibliche Bedienung am Brötchentresen freut sich und begrüßt uns mit Handschlag. Es ist nichts los. Hinten sitzt eine alte Frau und raucht. Wir setzen uns an den Tisch gegenüber. Hans-Hermann bringt uns Kaffee.

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Dann kommt eine andere alte Schachtel und will die Raucherin vertreiben, erzählt ihr was von Tisch reserviert. Die zeigt sich unbeeindruckt, so dass die Frau die Hilfe von Hans-Hermann beansprucht, ihr den Platz frei zu machen. Der geht hin und erklärt der Uneinsichtigen, dass die Frau soundso und er Herr Gemahl reserviert hätten. Es ändert nichts am Ergebnis. Schließlich fragen die beiden, ob bei uns noch frei sei, was wir bejahen. Natürlich rauchen auch sie, entschuldigen sich zwar, weil wir essen, rauchen aber trotzdem. Die renitente Frau telefoniert Handy. Es ist 10:30. Sie sagt: „Du, hör zu, das wird heute nix mit unserer Verabredung um halb 12 zum Mittag“. Ich denke, die Alte ist ja noch härter als wir. Dann geht es weiter, nächstes Telefonat. „Heute Nachmittag bin ich bei der Petiküre“. Dann geht es an unserem Tisch zu Sache. Die Frau ist steinalt, aber der Typ mindestens 20 Jahre älter. Der Sugarboy will dirty talk mit ihr machen und ich höre immer so was wie: „Ist die Decke weich? Ist die so weich, dass man da nackt drauf liegen kann?“. Ich will so was nicht hören und ich will weg hier bzw. wir sind voll in Wien angekommen. Beide Antworten stimmen. Nach einem zweiten himmlischen Tramezzini sind wir draußen. Die herrliche Schaufensterauslage eines Tabakfachgeschäfts:

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Um etwas Zeit zu überbrücken gehen wir ins Meinl und Stephan findet die italienische Trüffelschokolade, die er früher tonnenweise gefuttert hat, wie Sunla später meint. Ich kaufe Meinl Madeleines mit ganz viel Butter, Kaffee und Zitrone und einen Früchtetee für eine Freundin in Hannover. Dann laufen wir zum KHM vorbei an dem ganzen Sissi-Kram, Sissi-Apartments, Sissi-Baustelle. Hofburg, viele Japaner. Der Himmel ist strahlend und toll. Stephan will keine Touristenfotos machen.  Wir kaufen schon mal Karten. Stephan entscheidet sich für eine Jahreskarte, weil die so schön eingefasst wird in eine Klappkarte von Archimboldo. Das hat was, ohne Frage.

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Wir warten auf Sunl und schauen uns derweil die ägyptische Sammlung an. Die ist wirklich eindrucksvoll und ich stehe sonst gar nicht auf so was. Die Tierfiguren wirken oft sehr modern oder zeitlos.

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Dann gehen wir schon mal rein zu Lucian Freund. Der Grund, warum wir gekommen sind. Die Bilder sind sehr eindrucksvoll und berühren mich sehr. Die Vergänglichkeit spricht aus ihnen. Danach gehe ich durch die Gemäldegalerie und denke, wer hat die Barbiepuppen mit den Plastikhaut gemalt? Lucas Cranach? So sehen doch keine Menschen aus. Die ganzen Töne des Fleisches, die bläulichen Elemente, alles stellt Freud schonungslos da. Leigh Bowery ist ein Highlight. Gerade sein Rücken. Wie kann mal so ausdrucksvoll einen Rücken malen? Sunla beschenkt mich zum einen mit einem Geschenk, was ich ihr wohl mal gemacht und dann zurückgefordert habe und dann mein rot-schwarz geringeltes T-Shirt: „Mensch mit Menstruationshintergrund“, was ich mir gewünscht hatte. Ich bin überglücklich.

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Ich kaufe viele Postkarten, auch alle von Lucian Freud ohne den doofen weißen Rand. Der Katalog gefällt mir nicht. Andras macht Feierabend und holt uns ab. Wir gehen bei strahlendem Sonnenschein

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ins Eiles und die Einheimischen wollen dort einen Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster essen, was sie auch tun und der ist sehr gut. Ich trinke einen Franziskaner. Das ist Kaffee mit Milch und Schlagobers, wieder eine Lektion in Sachen Kaffeekunde. Das Eiles war unser allererstes Kaffeehaus 2002? Jedenfalls war unser Hund Welpe. Wir kamen raus und eine Frau mit einem dicken Kampfhund mit Mantel um, fragte uns, ob das gut sei. Man ist so gut mit den Menschen in Kontakt gekommen mit einem Hund, mit unserem Charmeboltzen Feininger erst recht, der jeden Hund zum Spielen aufforderte und auch die Hartgesottenen nicht abgeneigt waren.

Wir wollen nach Hause, chillen. Ich entscheide mich um und wir fahren zum Naschmarkt.

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Erst mal zu Urbanek. Nein, heute habe ich kein Urbanek-Hütchen auf. Urbaneks erkennen mich wieder. Erst mal Jausenplatte mit Braten, Trüffelmortadella und Gelbwurst oder wie das hier heißt. Superlecker.

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Die Stimmung in der Bude ist wieder eins-A. Als ich sage, dass wir bald wieder da sind wird vermutet; nach dem Fasching dann und ich: nein, zu einer Faschingsfete mit dem Thema Gemeindebau. Der Sohn, Daniel, empfiehlt mir eine Serie zu dem Thema. Als ich den Namen nicht verstehe, schreibt er ihn auf einen Zettel: „Kaisermühlen Blues“ müssten wir schauen zur Einstimmung. Ein Freund der Familie gibt eine Flasche Unendlich Riesling für über 200,- € aus und beim Einschenken gerät etwas von dem Blumenstrauß in das Glas. Der Sohn Thomas entfernt den Krümel und kommentiert das mit den Worten: „Wenn’s ne Fliege ist, dann ist’s ne Suppe. Das kostet dann extra“. Es ist auch ein Pärchen aus Italien in der Ecke und die schauen sich die Szenerie freudig an und freuen sich über die Kultur des Ladens, die herrlichen Aufschnittplatten. Die Stammgäste lassen sich gerne ein Brot mit Käse überbacken, aber superstinkig. Dann lachen alle und machen Sprüche. Der italienische Mann interessiert sich auch für den Riesling. Dann Einkauf für Zuhause, Dauerwurst, Foie Gras der Extraklasse und Sacherwürste. Wo ist der Gerhard? Die Söhne finden nur die etwas würzigere Variante, die ich ja mitnehmen will. Wir gehen erst mal weiter. Stephan war vorgegangen ins Käseland und dann etwas Zotter, aber angesichts des Madendesasters kein Großeinkauf. Die heiße Schokolade will auch getrunken werden. Zurück zum Gerhard. Der Sohn Daniel hält mir eine eingeschweißtes Packet mit ganz kleinen Partywürsten durch die Scheibe entgegen. Ich gebe Daumen nach oben , die nehm ich auch. Er hat eine Primageschichte dazu. Fragt eine Kundin: wie viele Würste sind da drin (Anm.: wir sprechen jetzt von Babywürsten, die so dick sind wie der kleine Finger einer Frau, aber kürzer. Daniel: 10 Stück und sie darauf: „die mache ich dann mal, wenn ich Gäste habe“. Alle brechen zusammen vor Lachen.

Jetzt will ich noch meine Stempelkarte bei dem japanischen Teegeschäft einlösen. Es ist supervoll. Wir wollen trotzdem 2 x tea ceremony. Grüntee wirkt auf mich besser als Koks. Es macht eine supertolle, ausgeglichene und wache Stimmung. Der Hammer.

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Im Übermut kaufe ich ein bei Billa und zwar erst mal 5 Flaschen Pagosaft, aber 1 Liter Flaschen. Damit ist der Hohlraum im Koffer gut ausgefüllt. Stephan lässt mich gewähren, statt zu sagen, „spinnst Du? Stell die zurück“. Marillenmarmelade gibt es auch und schwer beladen gehen wir zum Karlsplatz und fahren Richtung Apartment. Dann in der Tram Spontanausstieg als wir an einem Humana vorbei fahren. Die Blase ist voll. Trotzdem Shoppingrausch, u.a. ein Morgenmantel mit rot-weißem Muster aus Wolle. Ich erkläre der jungen Verkäuferin, die ich duze, dass ich Morgenmäntel aus Wien besser gesagt aus Humana-Läden in Wien sammle, unfreiwillig und damit bald einen Laden aufmachen kann. Ich brauche sie nicht, aber sie sind zu schön und wenn dann doch mal die Gebärmutter raus muss, dann hat man’s wenigstens schön gemütlich im Krankenhaus. Dazu kaufe ich einen gestreiften Wollrock und einen Pulli dazu, bei dem die Streifen längs verlaufen, auf dem Rock quer. Der Rock ist selbstgenäht und wollweiß-orange, während der Pulli, orange-schwarz ist und 30er Jahre mäßig ausschaut mit einer Wollschleife vorne und paspelierten Mustern an den Schultern. Heißt das so? Eine tolle Kombi jedenfalls, die astrein zusammen passt. Fast wie ein Zweiteiler. Dann noch ein Polyesterkleid, an dem ein Knopf fehlt (wird gleich verhandelt) und 3 Hüte. Volle Tüte. Der Wahnsinn. Glücklich. Später bemerke ich, dass der Morgenmantel, der aus Italien stammt für eine kleinere Frau gedacht war, wie das weinrote Kleid aus London. Da bin ich immer sehr großzügig, auch wenn die Sachen dann Mini sind an Beinen und Armen und die Taille auch sehr hoch sitzt. Das ist mir manchmal egal, wenn die Liebe zu groß ist. Dann würde ich auch einen kleineren Mann nehmen.

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Ich schaue auch einen Tag später auf den Kassenbon, weil ich nachschauen will, wie viel der Strickrock gekostet hat (ich hatte bei mehreren Teilen gehandelt) und kann dem Bon nur entnehmen, dass 7 Teile 74,- € gekostet haben, dabei sind 4 x Wühl M.P. und 1 x Angebot für 4,- €. Ich steige da nicht durch, aber der Preis erscheint mir mehr als fair.

Humana Bon

Im Apartment wechsele ich kurz den Schmuck. Mehr englisch mit Karo und Plastikblumen, die mir unten meinem neuen, seriösen Hut an der Seite rauswachsen. Dann fahren wir zum Konzerthaus am Ring. Oben seriös. Wir sind im Keller. Da haben sie den Raum mit Baumstämmen dekoriert, wie einen Wald. Wir trinken Gin and Tonics, ohne Eis aus Plastikgläsern, die überraschend gut schmecken. Es muss an der Ware liegen. Der Laden heißt übrigens Brut. SMS von Gela, dass sie im falschen Laden ist, der auch Brut heißt, wo dann später ab 23 Uhr Disko ist, meinte die Sunla, aber in 5 Minuten da sei. Sie gibt noch eine Runde aus und ich bin langsam richtig in Stimmung für die Performance. Gela hat uns Plätze in der ersten Reihe gesichert, was ich für gewagt halte, aber ich bin zu allem bereit. Dafür muss Gela mitmachen und etwas 8 andere, aber wir nicht. Der rothaarige Engländer ist schmerzbefreit, er ist fast nackt, hat sein Geschlechtsteil nach hinten gebunden und viel Lack und Gaffa-Band an und rote Körperbehaarung und wohl strengen Körpergeruch, wie Gela uns später anvertraut und erzählt von seinen Erfahrungen auf der Suche nach Sexualpartnern im Internet. Auf der Bühne liegt ein Mann auf dem Rücken auf einem Schlafsack. Ein Mikro hängt von der Decke. Er legt sich zu dem Typen und zeigt ihm verschiedenen Sex-Stellungen und fragt, wenn er Sex hätte, wäre es dann in Stellung A oder B. Der Typ, den man für einen Nebendarsteller hält, ist auch aus dem Publikum rekrutiert worden. Er erzählt wie er sich als Frau ausgibt, weil das besser ankommt und dann seine Brüste zeigen soll. Dazu werden Filmchen eingeblendet. Er rasiert seine Brust und drückt sie zusammen bis das Ergebnis für ein Foto zufriedenstellend ist. Dann soll er seine feuchte Pussy zeigen. Auch hier wieder rasierten und dann nach hinten ziehen, dass sich eine Falte ergibt und Foto machen. Dann auch noch mal mit rohem Hähnchenbrustfilets. Auch hier gelingt es ihm eine Vagina zu formen. Die Statisten bekommen Kopfhörer und müssen mitwirken u.a. muss Gela backstage mit einer Frau engtanzen im Dunkeln, l’amour hatcher. Das wird nach vorne übertragen. Immer wieder Einspieler. Filme aus England, englische Häuser. Der Performer im Baumarkt mit Dienstuniform, der den Kunden erklärt, dass es ihm scheißegal sei, wo die Holzschrauben sind (sie hatten ihn vorher gefragt) und sie informiert, dass er zum Mitarbeiter des Monats gewählt worden sei und seine Auszeichnung zeigt. Die höfflichen Engländer gratulieren ihm dann.  Dann folgt der Anruf des Typen mit dem er den Internetkontakt hat und er hat seine Stimmung weiblich verfremdet und mehrere Sätze aufgenommen, die er abspielen kann. Leider fragt der Typ, wie viele Finger er gerade in seiner Muschi hat und er kann nur sein Alter, nämlich 35 antworten. Das müsste ich für die Faschingsparty von Gela machen mit ihrer Stimme, Wiener Slang. „Gemma, gemma, gemma“ oder so Sätze wie: „einen vertrag‘ ich noch“… „schau mal, der Gespitzte“. Der Höhepunkt ist dann ein Treffen im Hotel mit dem Internetflirt. Er rasiert mit Perücke und Strapse im Vierfüßler auf dem Hotelbett mit der Rückseite zur Tür. Der Typ kommt zur Tür rein und schaut, dann noch mal (großes Fragezeichen im Gesicht) und dann reißt er die Augen auf, Panik und haut ab und der Protagonist läuft ihm nach und ruft ihm nach und die Zimmertür fällt zu. Am Ende des Stückes tanzen alle Statisten miteinander l-amour hatcher und eine Diskokugel macht Stimmung dazu. Gela tanzt mit einer Frau, was sehr überzeugend aussieht, aber die wollte die ganze Zeit abhauen, wie uns Gela anschließend verrät.

Wir gehen dann mit Gela zum Naschmarkt ist Café Amacord (?) oder so. Stephan und ich essen was, vegetarisch und Gela besorgt herrliche Postkarten von dem Laden mit einem Pärchen, so um die 60-70 beim Nacktgärtnern. Er mäht Rasen und sie trinkt Tee und hat einen Hut auf. Das Foto kannte ich schon. Ich nutze die Postkarte für einen Gruß an meine Schwiegereltern. Gela will in den Ostklub zur Lindyhopparty und wir Richtung Heia. Stephan ist bei so was immer etwas unzufrieden und würde wahrscheinlich gerne mit ausgehen und ich bremse. Noch etwas Tram fahren und dann den Tag beschließen. Das reicht mir. Stephan will etwas an den Marktständen entlang laufen. So von wegen, vielleicht entdecken wir was Interessantes. Stattdessen sind es leer stehende Buden, die abgeschlossen sind. Die Salami hängt an der Stange und wartet auf Morgen. Stephan zeigt mir noch Sunlas Atelier bei einem Pfeiffenstudio und ich bin richtig müde und werde quengelig.

11.02. Schlafe gut bis 8:45 Uhr und dann richtig ausgeschlafen. Ziehe meine neuen Altkleider an, das orangefarbene Emsemble und mein Hütchen mit dem Stephansdom drauf. Dann gehen wir los. Die Sonne strahlt wieder vom Himmel. Die Hochbahn ist wieder das Ziel. Josefstädterstraße. Wir wollen ins Café Schopenhauer. Das hatte ein Wiener uns vor Jahren empfohlen und von dem kamen immer die besten Kaffeehaustipps. So ganz untouristische Dinger, die einfach nur toll sind, z.B. Kaffeehaus am Rathaus. Die Gegend, Währingen, gefällt mir wieder. Ein kleiner Laden mit Hütchen und Handschuhen und Wäsche, aber eher so Gesundheitswäsche. Ich kaufe 2 Paar Handschuhe aus Wolle mit tollen Mustern für nur 22,- €. Ich sage, die sind dicker, wobei das heißt hier stärker, korrigiere ich mich selber, auch bei Frauen. Typische Verkäuferin, die immer „bitte, bitte, danke“ sagt und viele Verkäuferinnenfüllwörter. Der Frau vor uns, die Strickmützen gekauft hat, gibt sie noch das Papier mit rein, dann schaut’s schöner aus, is auch ganz leicht. Unsinnig ist es auch, Wollmützen mit quasi Schuhspannern auszustopfen, aber egal. Die will die Rechnung nicht und auch damit kommt sie nicht so richtig klar.  Ich komme mit ihr ins Plaudern, weil sie Pferdekram dekoriert hat und es Karottenchips für Pferde gibt, quasi gesunde Nascherei. Das sei das Hobby ihrer Chefin, erfahre ich.

Der Wochenmarkt um die Ecke ist großartig. Ganz tolle Stände mit Gemüse, gelbe Möhren, kleine, dicke Bio-Möhren, die Frauen zum Lachen bringen. Käsestände, die keinen Wunsch übrig lassen. Gemüse, was ich noch nie gesehen habe. Mir gehen die Augen über und ich denke, Nachmarkt doch in weiten Teilen für Touris, aber was soll ich jetzt mit  Brot und Gemüse? Wir gehen ins Schopenhauer und der Laden ist toll. Ein Deckengewölbe und der Raum ist auch gekrümmt, geht rund um die Ecke, interessante Form. Der Ober schaut, als müsste sie uns erklären, dass wir Krebs haben als es keine Butterhörnchen mehr gibt und sie Stephan abschlägig bescheiden muss. Ein gequälter Gesichtsausdruck. Er nimmt Apfelstrudel und ich das gesunde Frühstück bestehend aus einem selbstgemachten Knuspermüsli mit leckerstem Joghurt und Früchten. Superlecker. Es ist wenig los. Auf den Tischen wird per Flyer für spanische Konversationskurse geworben, die immer donnerstags stattfinden. Es gibt auch Tee in Glaskannen. Sehr schön so eine Teekultur und das neben der Kaffeekultur. Allein die Teekannen verbreiten eine ganz gemütliche und entspannte Atmo. Hier kann man auch als Single stundenlang herumsitzen und im Internet surfen oder lesen. Ganz Kaffeehaus. Sie haben die Öffnungszeiten etwas eingeschränkt und machen nie länger als 22 Uhr. Es ist eine früh zu Bett geh Stadt, Wien. Im Gegensatz zu Hannover, Provinz, mäßiges Essen, aber Nächte durchmachen, das geht ohne Probleme. Neben uns im Separee sitzt auch ein mittelalte Pärchen und Stephan klaut dem Mann seine Zeitung, die in eine Holzhalterung eingepasst ist, wie sich das gehört, die dieser auf einem Beistelltisch abgelegt hat als er kurz den Tisch verlässt. Ich sage: Liebling, das gehört dem anderen Mann, das darfst Du nicht machen.

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Auf dem Weg zur Tram, renne ich ein Mädchen fast um. Wir fahren zum Volkstheater und dann Josefstädter Straße und zu diesem viel beschworenen Markt mit den Ständen. Hier gibt es viel türkisches Gemüse, alles was man braucht und Geflügelstände (sehr spezialisiert, einzelne Teile des Tieres oder Eier) und Fleisch (Rind und Lamm) und dazwischen ein Wiener Würstelstand. Auf dem Yppenplatz gehen wir schnurstracks zu Stauds, da hatte ich nachts schon an der Scheibe geklebt und ich suche kleine Marmeladengläser aus mit Motiven, die mich ansprechen aus Kunst und Wiener Stadtbild für ein Hütchen. Zu dem Mann an der Kasse sage ich dann, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich darüber bin, dass ich Ihr Haupthaus endlich entdeckt habe. Sie können sich nicht vorstellen, was ich schon in Museumsshops für Phantasiepreise gezahlt haben für 3 Marmeladenportionen, nur weil ich einen Deckel wollte. Er daraufhin: wo kommen Sie her? Ich Hannover. Er: er lässt in Seesen? Sarstedt? produzieren und ein Topf habe einen Deckel. Das seien Verschlüsse. Ich sage ihm, ich sei noch lernfähig. Wir kaufen gegrillte Artischocken, Rumkirschen in Eierlikör und Piri-Piri Schoten eingelegt. 5 Marmeladengläser kaufe ich (kleine für 99 Cent) und 2 bekomme ich von dem freundlichen Mann geschenkt. Ich gehe dann noch mal rein, um ihm zu empfehlen, eine Sonderedition mit den Bildern von Lucian Freud zu machen. Das wäre herrlich, aber wahrscheinlich nicht massenkompatibel, wie wir dann gemeinsam feststellen. Er sagt, ja, sie arbeiten mit dem Kunsthistorischen Museum, aber es muss lebensmitteltauglich sein und nicht blutrünstig. Alles klar. Wir kommen hier nicht auf einen Nenner.

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Auf einmal stehe ich vor Milch. Ein Designladen, den Stephan schon gefunden hatte. Erst bedienen mich 2 Schwule, die echt schöne Röcke machen, die sehr vorteilhaft sind. Sie sind Gastdesigner bei Milch. Ich verliebe mich in die Milchproduktion und bin 3 Liter (von der Größe). Die Frau näht aus alten Männerhosen Röcke und Kleider. Ich unterhalte den ganzen Laden und sage, wie ich Staud’s eine Lucian Freud Edition vorgeschlagen hätte und der Schwanz von Leigh Bowery sei sehr schön und würde gleich Lust machen auf ein Marmeladenbrot. Neben mir kaufen 2 Schweizerinnen ein. Ich schwanke zwischen 2 Kleidern, sie sind aus breiten Streifen genäht und man erkennt die Opa-Hosen an dem Material. Der Kragen besteht aus dem Bündchen und entscheide mich dann und ein Rock nehme ich eh, der ist umgekehrt und der Hosenstall ist unten am Knie der Schlitz quasi. Da ist die Bewegungsfreiheit halt leicht eingeschränkt, aber es geht. Ich bekomme den totalen Preisnachlass wegen Sympathie und freue mich über diese Mode. Später sagt mir Sunla, die die Mode kennt, dass sie findet, dass die Sachen nicht so gut sitzen würden, der Rock im Speziellen. Ich sage, dass sind die Schwierigkeiten, die sich aus der Form ergeben, aber Abzug beim Aussehen kann ich mir leisten und ich finde den Humor dahinter viel wichtiger als noch ein gut sitzender Rock. Das ist eine universale Sprache. Streetware in San Francisco, eine politische Aussage ist es eh, aus Männerklamotten Frauensachen zu nähen und die versteht man überall auf der Welt von Istanbul bis Italien und richtig kombiniert taugt es auch als Opernoutfit. Ich bin überzeugt davon, wie man merkt.

Jetzt hatte ich mein Shopping und Stephan will in die Burgenlandvinothek. Ich begleite ihn. Erst will ich ins Sperl, aber die Zeit reicht nicht. Wir wählen zufällig den richtigen Ausgang aus der U-Bahn und sind gleich da. Ich setze mich auf die Treppe und schreibe in mein Reisetagebuch und Stephan macht seine Bestellung. Hier ist schon auf Fasching dekoriert…

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Dann nutze ich – wie immer gerne die Toilette (günstige Gelegenheit und Zeit nutzen) und mache dann einen Scherz, dass die Frauenspielecke fehlen würde. Während die Männer Wein bestellen… Ich korrigiere mich dann und sage, vielleicht gäbe es auch Frauen, die Wein einkaufen würde oder Paare würden den Weineinkauf als eheliche Pflicht absolvieren. Immerhin finde ich noch Gewürze an der Kasse, die ich kaufen kann. Dann ist unerkannt eine Frau in das Kellergewölbe gekommen. Wir stehen zu dritt an der Kasse und Stephan deutet nur aus sie, so von wegen: doch eine Frau, die Wein kauft. Sie wird dann von der Verkäuferin gefragt, ob sie ihr helfen könne und die Frau (ohne Witz): sie will ein Buch über Wein. Die Verkäuferin fragt nach: einen Weinguide oder was? Das weiß die Frau auch nicht, worauf sie von der Verkäuferin zu Thalia geschickt wird. Ich denke mir, wie geil ist das denn. Wir sprechen gerade davon, Spielecke und dann kommt eine Kundin in den Weinladen und will ein Buch kaufen!

Um 15 Uhr sind wir mit Sunl verabredet. Ich schaue in den Laden mit persischen Lebensmitteln gegenüber. Ich kaufe eine Nussmischung und Süßigkeiten mit Pistazien wegen der Dose. Neben dem Perser, Unterwäsche, die aber eher nicht in Frage kommt:

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Dann essen wir den Krustenbraten vom Urbanek mit etwas getoastetem Toastbrot mit Butter von der Gastgeberin. LECKER!! Sie holt uns ab und bestaunt kurz unsere Absteige. Dann gehen wir in ihr Atelier und ich bestaune das und bin etwas neidisch 130,- € warm? Das habe ich für meinen Platz im Gemeinschaftsatelier Fössetraße gezahlt und das hier ist eine Wohnung. Klo vor der Tür im Flur ist nicht so das Problem für mich. Sonst gibt es alles, vor allem einen sehr potenten Ofen, der feuert ohne Ende. Während mein Mann nach Hause geht, d.h. zurück ins Apartment und Sunl zu Hofer, tusche ich vor mich hin und kann gar nicht so schnell basteln, wie das Zeug durchtrocknet. Herrlich ist das!

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Ich bekomme von Sunla noch lauter tollen Modeschmuck geschenkt und darf mir was aussuchen und genauso auch was ablehnen. Es ist toll. Ein bisschen Freundinnengespräche für ein Jahr nachholen oder aufholen. Wir besprechen, was Freundschaften stabil macht und wie wir unsere beurteilen. Ich will an der Freundschaft festhalten bei allen Unterschieden, das steht fest.

Mit Sunlas schweren Einkäufen zum Antonsplatz. Gela wartet schon und es gibt Bründelmeyerrosé aus der Burgenlandvinothek. Dann gehen wir zu Meixners und es ist wieder der Knaller. Ich sage nach der Vorspeise: Steirereck wird überbewertet. In welche Kamera darf ich das reinsprechen? Faschingsdeko ist noch nicht. Ist noch Weihnachtsdeko. Ich fotografiere leider nicht die Hauptspeisen, weil die Gier siegt. Hier ist meine Vorspeise mit Avocado, dann riss die Fotolust ab…

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Wir essen Tafelspitz, so lecker, wie ich ihn noch nie gegessen habe mit ganz frischem Apfelkren, wie Kompott, sehr erfrischend (beim ersten Mal war ich enttäuscht, weil ich das in sehr scharf aus Oberfranken kannte und dachte, was ist das für eine Marmelade, aber so wie hier, macht es auch Sinn zum Fleisch) und einer Schnittlauchsoße und als zweites Gericht Beinfleisch mit Kohl, der so hammerlecker zubereitet ist. Dazu trinken wir einen sehr leckeren Weißwein. Dann gibt es 3 Nachspeisen. Schokoladenpalatschinken, Schneenockerln und Powidl mit einer kleinen Sauciere mit brauner Butter. Ich sage, der Palatschinken schmeckt hier besser als in jedem Kaffeehaus. In welche Kamera soll ich das hinsprechen? Wobei ich heute sagen muss, dass die Schokolade sehr dominant ist und Marille mehr den Buttergeschmack durch lässt.

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Am Nebentisch werden Cola-Mixgetränke konsumiert und es wird durchgehend geraucht wie in einem Jugendkeller. Irgendwie zahlen wir viel weniger, weil Andràs einen Trick mit der Bestellung angewandt hat (irgendwas internetmäßiges, was ich nicht verstehe). Trinkgeld soll man nach dem eigentlichen Preis geben! Also es war eine erhebliche Ermäßigung, die Neukunden werben soll und man muss fast ein schlechtes Gewissen haben. Ich komme darüber hinweg.

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Bei Sunla und András schauen wir eine Folge Kaisermühlen Blues. Die Ösis zeigen noch lieber nackte Frauen im Fernseher, stelle ich fest. Minutenlang sieht am sehr buschige Schambehaarung. Es ist eine Fernsehproduktion und kaum zum Aushalten. Ich weiß aber, dass ich als Norddeutsche, die nervige Tante mimen darf, die mit dem Politiker verheiratet ist und als einzige Dirndl trägt, so dass die anderen sich lustig machen: wie schaut die wieder aus? Wie Opernball. Sie bekommt ihren Bruder aus Bremen zu Besuch, der Minipli trägt und will ihren Mann mit dem eifersüchtig machen: „komm, schnell, zieh Deine Hose aus.“  Erst haben wir Pech mit der Tram, die nur eine Station fährt und dann nehmen wir die falsche, die abbiegt, aber alles wird gut und die Laufstrecke zurück zum Reumannplatz war nur kurz.

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12.01. Aus den Zeitungen, die Sunla für mich gesammelt hat, mache ich schnell noch Collagen. Dann Probepacken und wiegen. Aus 8 kg (Hinflug, leere Koffer, sind 23 geworden) dabei habe ich Pago zum Teil schon vor Ort gekillt. Wir haben ein neues Kaffeehausziel. Das Café Hummel. Josefstadt. Tram hält vor der Tür. Später entdecken wir, dass es auch einen Nichtrauchereingang gegeben hätte. Das quält am Morgen, andererseits finde ich Raucherbereich an sich super, wenn man sieht wie überglücklich diese Raucher sind, wenn sie zum Kaffee ihre Zigarette rauchen dürfen und dabei wie Menschen behandelt werden und nicht in Plastikzelten vor der Tür kauern müssen dabei. Ich finde das durchaus lobenswert, stehe aber auf strikte Geschlechtertrennung zwischen Raucher und Nichtraucher. Sehr leckere Eier im Glas, dann ein Paar Sacherwürste und eine Germknödel mit Mohn.

DSC02448Hummelserviette mit Anna Germknödel im Hummel mit Stephan 2Germknödel nah DSC02449

Die Ösi-Frau am Nachbartisch ist total anstrengend und labert den Typen ohne Punkt und Komma voll. Sie will lästern und erzählt vom ganzen Bekanntenkreis. Der muss viel aushalten für Sex, denke ich mir. Ein älterer Typ, der in Protokollen liest und eine interessante Wurst- und Käsestulle mit Gewürzgurke bekommen hat auf der anderen Seite hat eine total schlecht erzogenen Hund, dem er ganz viel erklärt und ihn fürs betteln belohnt, indem er vom Tisch gefüttert wird. Gut, das ist auch ein Profi-Bettler, eine weiße dicke Wurst mit Glubsaugen. Der fängt dann an wegen eines anderen Hundes zu nerven und Herrchen: „Ja, Du willst zu der Dackeldame“. War dann auch noch ein „Dackelherr“. Oh Mann!  Die Wiener sind so was von dog lovers und so wenig pack leader das es fast schon weh tut. Die lassen sich selbst von einem King Charles Spaniel kurz und quer über den Bürgersteig ziehen. Das muss man erst mal schaffen!

Auf dem Weg zu den Toiletten ein „Kraft der Steine“ Automat.

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Wie kriegen die richtige Bim und fahren zum MAK.

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Da ist Designausstellung. Die Schließfächer sind alle besetzt. Die Frau an der Garderobe meint, das seien unsere Landsleute, die oben im Lesesaal sitzen würden (Studenten quasi). Ich sage: „ich gehe gleich hoch, mich beschweren“. Das macht ihr Angst. Es wird Jugendstil als Inneneinrichtungsform gezeigt, die Lampen, Vasen, Bestecke, Möbel, Kissen, Teeservice usw. Nur eine nervige Führung stört etwas. Der Typ hatte uns daran gehindert falsch herum in die Ausstellung zu gehen (so nach dem Motto, sonst versteht man es nicht?) und so waren wir seinen Erklärungen ausgeliefert. Beim Rausgehen will ich der Frau an der Garderobe sagen, dass ich den Studenten oben erst mal richtig einen Einlauf gegeben habe von wegen: geht ins Kaffeehaus, wenn hier surfen und abhängen wollt, aber es war Schichtwechsel in der Zwischenzeit.

An der Bimhaltestelle am Ring will ich Ergänzungstickets für den Flughafen kaufen und sehe eine Frau direkt auf mich zulaufen und denke, sie braucht ein Ticket und die Bahn kommt gleich und ich daddel hier am Automaten rum und mache gleich den Platz frei und erkenne sie nicht. Es ist Julia mit einer Mütze auf, die Gela und Dagmar im Schlepptau hat. Lustig, dass man sich zufällig trifft. Gela und Dagmar wollen spazieren und wir fahren ein paar Stationen mit Julia und steigen am Sperl aus. Unsere letzte Station. Stephan isst 4 Strudel. Der Apfelstrudel ist schön wie venezianisches Glas.

DSC02457 DSC02456 DSC02458 DSC02459Apfelstrudel nah Apfelstrudel

Ich sage, es sei unfair zu behaupten, der Palatschinken bei Meixners wäre besser als im Kaffeehaus, wenn wir ihn im Sperl noch nicht probiert haben. Wir müssen dem Sperl eine Chance geben. Leider gibt es keine. Stephan fragt, was man dann machen könne und bekommt Strudel mit Vanillesoße. Das gibt es hier sonst nicht so.

DSC02460Apfelstrudel mit Vanillesosse 2 Apfelstrudel mit Vanillesosse 1

Ich esse einen Caesars salad, der auch nicht von schlechten Eltern ist.

DSC02461Cesar Salad

Am Nachbartisch sitzen zwei junge Studentinnen, die sich ganz lange an ihren Bestellungen festhalten und die Frage der Bedienung, ob sie den Tisch am 17:30 Uhr vergeben darf einfach kackfrech verneinen. Es ist 14 Uhr. Darüber rege ich mich dann schon auf und denke, es wird zu sehr ausgenutzt das laissez faire des Kaffeehauses. Die haben schön ihre Laptops gegeneinander aufgeklappt und schreiben irgendwelche Arbeiten und recherchieren dazu im Internet und trinken in 5 Stunde einen Kaffee und eine Limo. Frechheit. Man hätte das nicht als Frage formulieren sollen seitens der Bedienung, sondern einfach sagen, der Tisch ist ab 17:30 Uhr reserviert. Aus die Maus. Na ja, das ist wieder norddeutsch. Eine andere Schlampe, die umzieht und einfach ihren Mantel hängen lässt und so einen ganzen Tisch blockiert schwärze ich gleich an mit Fingerzeigen, wer hier der Übeltäter ist. Das ist Stephan schon ganz peinlich, angeblich eine schlechte deutsche Eigenschaft. Leute anschwärzen. Ich meine, man muss die richtigen anschwärzen. Aber dann wieder Diskussion, wer sind die Richtigen. Das hat schon was Bestechendes. Manchmal kann ich halt nicht anders. Vor allem liebe ich die Bedienungen, gerade im Sperl. Unser muss unsere pervers take away Gelüste ausführen. Ich zeige die Tupper. Sie bringt es auf Pappe und Folie und ich mache das wieder kaputt, weil ich weiß, was mit dem weiche Kuchen im Flieger passiert und das ist nicht schön, tut aber dem Geschmack keinen Abbruch. Rein, immer rein, da passt noch was rein..

Strudel in Tupper 1

Im Gegenteil in Hannover überlege ich mir Extrabestellung fürs Sperl nächstes Mal: einen Topfen- und einen Apfelstrudel im Glas! So zusammengematscht ist das Zeug noch leckererer. Ich hoffe, die Wiener stehen auf Extrabestellungen. Habe mir auch überlegt, dass die die Soßen vom Tafelspitz im Meixners zu den anderen Fleischgerichten einfach dazu bestellen. Beinfleisch mit Apfelkren und Schnittlauchsoße. Mhhhh. Auch Gela und Dagmar werden Zeuginnen der deutschen Verfressenheit. Stephan sitzt wie beide am Fenster vorbeilaufen. Wir sitzen im toten Winkel. Ich springe schnell nach draußen und tatsächlich waren sie auf der Suche nach den Kaffeehausjunkies aus Deutschland. Dagmars Steinpilzrisotto sieht gut aus und riecht gut, aber meine Kapazitäten sind erreicht für den Moment. Wie Claudia schrieb auf die Mehlspeisenfotos hin: wir treiben es hart. In 6 Wochen sind wir wieder da. Da fällt der Abschied nicht so schwer. Doch Kanarienvogel auf Gelas Party. Ich will so gerne einen guten Auftritt hinlegen.

Im Apartment wird gepackt. Wir durften bleiben und schmeißen den Schlüssel in den Briefkasten. Unkompliziert wie alles an diesem Arrangement. Man kann basteln wie man will und muss sich keine Gedanken machen dass alles explodiert ausschaut. Überall verteile ich mich sonst und stelle Freundschaften auf harte Belastungsproben. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass ich den Morgenmantel unter meinen Mantel tragen muss und dann wirklich aussehe wie eine Rolle, aber ich hätte es gemacht. Ich habe Glück bzw. einen sehr großen roten Koffer mit fast unbegrenzten Kapazitäten. Als wir schon aufbrechen wollen, höre ich klack-klack Geräusche und gehe zum Fenster. Es sind tatsächlich die Fiaker, die hier in den Betriebshof gefahren werden wenn sie Dienstschluss haben.

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Auf dem Weg zum Flughafen ist der Himmel so schön rosa und blau. Ich hätte mehr Wien fotografieren sollen denke ich wehmütig!

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Ich habe was Wichtiges dazu gelernt:

HERNOIS IST OIS

kann ich aus voller Überzeugung bekunden. So lautet das neue Motto. Vielleicht auch mal Abenteuerurlaub im Atelier. Jedenfalls bin ich dankbar, dass das erst Teil 1 war und ich wieder kommen darf so bald. Es fehlen nur unsere Fahrräder! 3 Tage Wien war wie eine Woche. Ich will nächstes Mal auch noch mal ins Gartenbaukino. Die Zeitreise in die fünfziger, aber XXL und dann OmU Filme. Ich bin im Himmel! Wir hatten Django unchained geguckt und ich habe noch vor dem Film (wegen der Gewaltszenen) bereits Visionen gehabt, wie ich auf dem Beifahrersitz mit einem Lkw gegen die Scheibe fahre, die zerbricht während meine maskierte Bande blitzschnell reinrennt und mir alle Möbel, die nicht niet- und nagelfest sind rausholt.

Hier einiges meiner liebsten Anblicke in Vienna: die Schaufensterauslage in Arbeit:

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Lustig war übrigens noch, wie die Ösis auf Angelas Skiunfall reagiert haben. Das war leider ungeeignet für eine Postkarte. Es war so der Tenor, in Mathe und Russisch Überflieger, aber mit dem Sport hat sie’s nicht so, eher Pumpe.

Der Strudel zuhause:

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administrator

29. Dezember 2013

Die Weihnachtsreise 13

20.12. Wir fahren schön nach Würzburg. Im Zug nur kurzes Generve mit einer Frau, die nicht akzeptieren will, dass ich zwei Sitzplätze benötige, weil wir zu zweit reisen, mein Mann aber nicht so schnell durchkommt mit dem ganzen Gepäck und meint fragen zu können, ob wir alle Bahncomfort Kunden seien. Selbstverständlich antworte ich. Sie bekommt gegenüber einen Sitzplatz, belegt aber auch gerne 3, wenn es geht. Neben ihr auf dem Sitz die Tasche und gegenüber die Beine ausgestreckt.

In Würzburg angekommen erwartet den Besucher eine trostlose Unterführung. In dem eckigen Tunnel wird man zum Hauptausgang geleitet. Es sind zwei „Jungbullen“ in alten tarngrünen Uniformen gerade dabei eine Gruppe Punker zu filzen und sich die selbstgedrehten Zigaretten genau anzuschauen. Sofort fühlt man sich in die 80er Jahre zurück versetzt. Wer sehen will, wie es in der ehemaligen DDR ausgesehen hat, der muss nach Wolfsburg in die Innenstadt, sage ich oder nach Helmstedt, meint zumindest unser Freund Marc. Wer wissen will, wie es in den 80ern war, der kann nach Bayern fahren. Wir haben ein Ziel. Schließfächer. Das eine nimmt kein Geld, also müssen wir die riesigen Koffer in die obere Etage hochwuchten. Ein Rentner beobachtet das alles und nervt mich schon. Das eine Schließfach hat Stephans Geld geschluckt und weigert sich das anzuzeigen, geschweige denn das Geld wieder herauszugeben. Schließlich ist alles verstaut. Stephan geht zur Information, wo der Typ seinen Schalter verlässt und uns zu den Schließfächern folgt und Stephan bekommt seine 4,- € wieder. Meine Laune ist bestens. Ich bedanke mich und fasse den Typen dabei am Oberarm an. Wir verlassen den Bahnhof und gehen entlang der Bahngleise durch die dunkle Stadt. Gegenüber ist ein Park. Irgendwann biegen wir rechts ab. Es ist schwer die Straßen zu überqueren und sehr fußgängerunfreundlich. Ich schimpfe schon wieder. Dann führt eine Treppe den Berg hoch und man geht direkt an den Weinstöcken, die beleuchtet sind, vorbei. Irgendwann ist da eine Treppe und es stehen junge Menschen draußen (unsere späteren Bedienungen). Wir erst mal weiter. Oben ist eine Hütte mit weihnachtlicher Beleuchtung, die ausschaut wie eine Skihütte und ein Plateau. Vorne eine Glasbau, in dem Weinverkostung und –verkauf stattfinden und ein spektakulärer Blick auf die Stadt und die Festung Marienberg gegenüber. Dann gilt es herauszufinden, wo wir einen Tisch reserviert haben. Alles heißt hier gleich Winzer am Stein, Weinhaus am Stein. Ich bin schon wieder am Schimpfen. In dem Restaurant angekommen, ist keine Bedienung weit und breit und ich hänge mein Zeug erst mal an die falsche Garderobe. Mein Hut muss mangels einer Hutablage in den Weingläserschrank verfrachtet werden. Wir sitzen, der Raum besteht aus Wänden mit offenem Mauerwerk und schlechter Kunst. In der Mitte ein eingemauerter Kessel, wie zum Bierbrauen. Die junge Bedienung mit den kleinen Plugs im Ohr schlägt einen Winzersekt vor. Pur oder mit weihnachtlichen Aromen, Bratapfel z.B. Wir nehmen jeweils eines und die Laune ist wiederhergestellt. Das Zeug ist echt gut und wird auch durch die gefälligen Aromen, die nicht künstlich schmecken, nicht versaut, sondern eher aufgewertet bzw. man kann immer abwechselnd trinken. Ich eher mehr als Stephan. Dann die Entscheidung, was gegessen wird. Das Menü ist nicht näher definiert. Auf einer Seite stehen die Inhaltsstoffe, aus denen es gemacht wird. Wir entscheiden uns dafür, dass Stephan das Menü nimmt und ich ausnahmsweise á la Karte esse. Erst mal kommt der Gruß aus der Küche. Stockbrot, was draußen am Feuer vor der Tür gemacht wurde und fettig und lecker schmeckt, mit einem Frischkäse gefüllt und an kleinen Holzstöcken, dazu Entenrilette, eine Zitronenbutter und einen kleinen Salat aus Rotkraut.

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Das schmeckt schon mal super und ich sage beim Abräumen, dass ich mich gerne zu dem Sommerlager anmelden möchte, bei dem das Stockbrot so lecker schmeckt. Es geht weiter und ich bekomme geräucherte und gebratene Gänseleber und einen Süßwein und Stephan eine lange Schwarzwurzel, die mit Lauchasche schwarz gemacht wurde, geräucherter Aal und anderen kleines Deko-Zeug. Beides sehr lecker.

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Der Koch kommt an den Tisch und wirkt sympathisch. Er kennt sich auch mit den Weinen sehr gut aus. Das gehört hier dazu. Dann der Zwischengang mit Pasta. Ich Kaninchen, er Kalbsbries. Gut, aber nur zwei kleine gefüllte Pastateilchen. Das empfinde ich immer als unbefriedigend. Es muss ja keiner Pasta anbieten, der kein Italiener ist, aber wenn, dann esse ich schon gerne einen kleinen Teller voll und nicht nur zwei. Stephan bekommt noch Fisch.

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Zum Hauptgang gibt es den einzigen Fremdwein, also der kein Hauswein, selbst hergestellten hauseigener Wein ist. Ich esse Reh mit Artischocke und Stephan Rind, Bürgermeisterstück, geschmorte Bäckchen und ein kleines Stück Zunge. Beides wiederum sehr lecker.

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Ich will eine Rauchpause vor der Tür machen. Stephan schaut beim Weinverkauf rein. Ich frage nach dem herrlichen Bauwerk gegenüber, was so schön mit blauen Lichterkette beleuchtet ist. das sei ein Baukran, lautet die Antwort. Ich verlasse daraufhin den Weinshowroom. Ich schaue auf mein Handy, schon wieder diese 0911-Nummer, die es gestern oder heute Morgen schon versucht hatte und ich war darüber hinweg gekommen zurück zu rufen. Das Hotel? Ich rufe zurück, es ist 20:02. Der Sommelier vom Essigbrätlein ist am Telefon, dass wir heute einen Tisch für 4 Personen bei ihnen reserviert hätten. Ich sage, das kann nicht sein, mein Mann hat noch versucht für Morgen einen Tisch zu bekommen. Es muss ein Missverständnis sein. Ich gebe den Hörer an Stephan ab. Jetzt ist die Stimmung deutlich getrübt, weil das unser Lieblingsladen ist und das echt scheiße ist. Der Sommelier hat zu Stephan gesagt, dass man da nichts machen könne und wir doch immer so zuverlässig gewesen seien. Wir haben beide ein schlechtes Gewissen, aber irgendwie bin ich mir keiner Schuld bewusst. Es stimmt schon, dass wir vorletztes Jahr für letztes Jahr vor Weihnachten gleich einen Tisch bestellt haben, mit der Angabe, mindestens 4, vielleicht auch 12 Leute. Dann wurde im Vorfeld telefoniert und es blieb bei 4. Es mag auch sein, dass ich letztes Jahr Weihnachten gesagt habe, dass beim nächsten Mal der Sommelier wieder da sein soll, aber das war nur so ein Spruch und keine verbindliche Tischbestellung. Es wurde so eingetragen, dass ich das gesagt habe. Hilft nichts, weiter im Hier und Jetzt. Ich werde denen einen Entschuldigungsbrief schreiben, dass sie keine Tischbestellungen von der betrunkenen Tante mehr entgegennehmen sollen, nur noch per Fax. Beim Nachtisch können wir uns nicht entscheiden. Ich will fränkische schwarze Walnuss und der gebackene Camembert mit Preiselbeere, der ganz anders sei als gedacht und von der Bedienung empfohlen wird, klingt auch wie ein Must. Wir nehmen beides. Stephan bekommt den Nachtisch aus dem Menü, ein Cheesecake mit deutlicher Salznote. Die schwarze Walnuss ist sehr lecker, mit Eis dazu, aber der Camembert, der von einer kurzhaarigen, tätowierten Frau serviert wird, ist der Oberhammer. Sie stürzt das Törtchen. Es ist ein sehr fluffiges Sufflé, wie ich es noch nie so gegessen habe mit einem flüssigen Käsekern, sehr flüssig, fein und dezent und dazu frische Preiselbeeren und etwas Birne, sehr dünn geschnitten. Toll, toll, toll.

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Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und es ist eine tolle Location. Ich bin mir sicher, das wird nicht unser letzter Besuch gewesen sein. Wir nehmen den Zug um 21 Uhr etwas, der leicht Verspätung hat. Christian Wulf arbeitet jetzt offenbar in Würzburg bei der Bahnhofsmission.

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Stephan will unbedingt ins Essigbrätlein und noch eine Nachtisch essen und sich entschuldigen. Im Hotel sollen wir einen Gutschein vorzeigen, den wir zugeschickt bekommen, aber nicht dabei haben. Wie gucke ich wohl? Auf dem Zimmer sind die Betten getrennt. Das war’s dann für heute. Wir schieben sie zusammen. Ich genieße noch einen Blick nach draußen und dann heia. Hier ein Foto vom Fenster am nächsten Morgen. Etwas Nebel, aber auch Stimmung. Vor uns der Handwerkerhof mit einem Bratwursthäuschen mit rauchendem Kamin.

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21.12. Gutes Frühstücksbüffet im Victoria, mit Käse-Wurstsalat mit Essig-Öl Dressing und leckeren Früchtequarks und – joghurt und Birchermüsli, sowie Frenchtoast. Es sind viele schwule Amerikaner da. Gut, auch ein Pärchen was wir kennen sammelt alten tschechischen Christbaumschmuck… Das Hotel ist ausgebucht. Die Heteros fahren zum Münchner Oktoberfest, aber die Rentner, die Schwulen und die Familien pilgern nach Nürnberg. Home of Christmas. Christmascapital of the world. Ich habe mein Dürerhütchen auf. Neben mir eine gepflegte Rentnerin, die sagt, wunderschön. Ich sage: danke. Sie stiert mich weiter von der Seite an: beautiful und dann: verstehen Sie deutsch und ich: ja, deswegen habe ich danke gesagt, merci, thank you. Ich soll nicht immer so genervt sein, aber ich will nur in Ruhe frühstücken. Sie gesellt sich zurück an den großen Familientisch mit amerikanischen Kindern und Enkeln. Neben Amerikanern, sind auch Japaner stark vertreten. Wir sind um 10 Uhr im Café Neef verabredet mit Christian und Andreas. Auf dem Weg dorthin immer wieder Touristen. Japaner, die Metzgeien filmen, in denen eine Frau hinter dem Tresen (Straßenverkauf) steht und der Rauch der Bratwürste sie umgibt. Ich sage zu Stephan: wie wir in Japan. Alles ist different und interesting. Im Neef kann ich nicht noch mal frühstücken. Stephan nimmt einen Lebkuchenstrudel mit Vanillesoße zur Einstimmung.

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Ich sage den Jungs, dass mich hier alle anstarren in Nürnberg und ob sie da bitte etwas dagegen unternehmen könnten. Ich übergebe den Kalender, der mäßig gut ankommt, obwohl viele Fotos der Beschenkten enthalten sind und zu diesem Zweck nachgemacht wurden. Wir gehen auf den Christkindlesmarkt und beobachten, wo die Einheimischen Lebkuchenware für Hamburg einkaufen. Ich rede etwas Englisch und kommentiere Tücher und anderes textiles Zeug „this is not really Christmassy, it’s just stuff they’re selling“. „These are the really small local sausages“. Ein Stand mit kitschigen Tieren aus Stein. Ich fasse eine Robbe an und bekomme gleich einen Anraunzer aus dem Hintergrund, „nicht mit Handschuhen“. Ich sage, dass ist doch besonders vorsichtig und fröhliche Weihnachten auch. Der Typ ist ein Arsch. Ich muss trotzdem eine weinrote Vogelspinne mit gelben Augen kaufen. Ich glaube, er hat mir falsch rausgegeben und habe den Tag über noch viele Phantasien, die davon handeln, wie ich mir noch eines kaufe und es demonstrativ auf den Boden zu werfen, wo es in Stück zerbricht bis hin zu, ich bin auf dem Pferd und trampele seinen Stand kaputt. Wir gehen zu Lösch, einem legendären Küchenausstatter und suchen eine neue Pfeffermühle aus. Unsere ist die Pest und ich wünsche mir eine neue. Am liebsten mag ich die meiner Eltern, die sie zur Hochzeit geschenkt bekommen haben aus dem Jahr 1966, schlicht, aus Holz. Wir finden eine ähnliche. Gute Beratung. Das Mahlwerk wird ausgetauscht, Pfeffer bekommt ein Keramikmahlwerk. Die Pfefferkörner sollen nicht zu groß sein, weil sie sonst nicht durchfallen und der rote Pfeffer verklebt die Mühle. Es ist das Weihnachtsgeschenk meiner Eltern neben Vogelbeergelee und Vogelbeersaft von meiner Mutter (fast die komplette Ernte 2013). An der Kasse werde ich gefragt, was das für eine Tracht sei, die ich trage. Das können die sich nicht vorstellen, dass einer selber so was zusammen stellt oder einfach so trägt, sondern die Bayern denken immer in Uniformen. Ich kaufe den Jungs ein Küchenhandtuch. Wenigstens das kommt gut an. noch in einen Laden mit englischen Produkten auf der Suche nach Oxfam, dann ins Kunsthaus und dann folgt der Abschied. Wir gehen noch mal aufs Hotelzimmer und entspannen etwas. Stephans Cousin mit Familie, die wir 8 Jahre nicht mehr gesehen haben, kommen um 16 Uhr statt um 14 Uhr. Sie kommen tatsächlich kurz vor halb 5 und parken in der Tiefgarage des Hotels. Die Jungs haben die Köpfe nach unter gebeugt und wir machen uns erneut auf Richtung Christkindlesmarkt. Dort ist gerade Rushhour. Als wir an einem Lebkuchenstand halten, erkennt mich die Verkäufer und stellt fest, dass ich heute schon mal da war. Ich will einen Spaß machen und schaue zur Seite auf unsere Begleiter und sage; „nein, wir kennen uns nicht. Ich bin das erste Mal da“. Da mischt sich vehement ihre Kollegin ein und sagt, sie erkenne meinen Zylinder und ganz bestimmt sei ich es. Humor? Hoffnungslos. Die Frau meines Cousins macht ein paar Stimmungsfotos von den Bergen mit Lebkuchen, der Postkutsche, der Weihnachtsturm mit Figuren, der sich dreht. Es ist einfach nur voll und lauter trinkende Gruppen sind unterwegs. Volker gibt eine Runde Glühwein aus und das tut gut. Anschließend gibt es von seiner Frau eine Mentholzigarette, die ich bis zum Filter aufrauche. Wir müssen ins Steichele. Dort ist es sehr gemütlich und lecker. Die Kinder sprechen nicht nur spanisch, sondern auch akzentfrei Deutsch. Der ältere schaut auf Papas Handy Fußballergebnisse und der jüngere zeigt mir auf Mamas Handy das Spiel Minion Race. Ich sage, gut dass ihr zwei Eltern habt, schon alleine wegen der Handys. Der Kleine wird vertraulich und rückt immer näher an mich heran. Er kann Zahlen bis 100 schreiben und ich lobe ihn dafür. Die Reste der Gans werden eingepackt und wir machen uns auf den Weg zurück zum Hotel am germanischen Nationalmuseum vorbei und an der Stadtmauer entlang. Abschied. Die Familie fährt zurück nach Ingolstadt und wir beschließen uns mal in München zu treffen. Das ist für sie auch nur 1 Stunde entfernt. Stephan ist unzufrieden und will noch mal auf den Weihnachtsmarkt und Glühwein trinken. Ich verweigere mich. Ein Lebkuchen auf dem Hotelzimmer reicht ihm dann auch.

23.12. Wieder Frühstück. Eine ältere weibliche Aushilfebedienung fragt nach Kaffee. Stephan bestellt einen doppelten Espresso-Macchiato und sie stellt darauf fest: „also keinen Kaffee“.  Sehr lustig. Beim zweiten ist die Maschine kaputt. Wir checken aus nachdem unser Nachbar, der einen Schlüssel für unsere Wohnung hat uns mit dem Einscannen und Weiterleiten des Vouchers den Arsch gerettet hat. Das Gepäck bleibt da. Wir gehen in den Bahnhof und lassen und beraten. Es wird ein Oberfrankenticket plus. Dann geht es bei Sonnenschein zum Friedhof, unser Grab besichtigen. Irgendwas stimmt nicht. Ich bin ausnahmsweise besser orientiert als mein Mann. Das ist bedenklich. Ich hatte vor der Reise die Idee eine Grabschleife fertigen zu lassen mit dem Aufdruck: „hier wohne ich bald“, aber das war zu kurzfristig. Ich werde es nächstes Jahr umsetzen. Dieses Jahr habe ich ein Bindie mit den betenden Händen von Dürer, weil dieses Motiv auf unserem Grab zu finden ist aus den Todesanzeigen der Haz herausgeschnitten und mitgebracht für unsere kleine Fotosession.

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Ein Eichhörnchen ist furchtlos und hüpft von Grab zu Grab um in den Schalen nach Eßbarem zu schauen. Er grast sie systematisch ab. Stephan meint, er will Kerne aus Zapfen. Als ich in seine Richtung gehe, kommt er auf mich zu. Springt er mir gleich an den Hals und hat Tollwut? Was ist eigentlich ein Kunstanstaltbesitzer? Gutes Wort jedenfalls.

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In der Nähe des Friedhofs sind exquisite Geschäfte zu finden.

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An der Haltestelle, wir warten auf die Tram, schaue ich auf den Plan und entdecke die neuen Fahrpreise, die ab 2014 gelten. Ein betrunkener Jugendlicher kommt aus einer Spielothek getorkelt und will die Uhrzeit von mir wissen. Als ich ihn negativ bescheide, will er wissen, warum ich auf den Plan gucke, wenn ich keine Uhr habe. Das geht Dich nicht an, zieh weiter, kommt die freundliche Antwort von der Tante. Stephan sagt ihm zuvor die Uhrzeit nach der Funkuhr.

Wir gehen noch auf den St. Rochus Friedhof um mal einen Vergleich zu haben, ob wir vielleicht falsch gebucht haben, der gleich beim Plärrer ist, also mitten in der Stadt.

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Ist doch klar, dass Nürnberg nicht nur einen, sondern gleich zwei so spektakuläre Friedhöfe hat, die wir wunderschön finden. Die Gräber als weiche Mooskissen.

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Dietrich liebt die lateinischen Sprüche und will auch für unser Grab so ein Motiv. „Ultima latet“, was übersetzt wohl soviel heißt wie: Die letzte Stunde liegt im Verborgenen. Ja, latent, überall ist das Latein. Hier finden wir ein schönes „Per aspera ad astra“ und daneben ein schönes Haus aus Metall.

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Auch diese Ruhestätte ist noch in Betrieb und es sind etliche frische Gräber. Ich schaue mir die Schleifen genauer an, weil ich so eine auch machen lassen will. Wer schreibt eigentlich einen Dankestext auf eine Grabschleife? Das ist Schwachsinn. Zu Lebzeiten soll man sich bedanken und nicht bei einem Toten. Es bringt nichts. Wir gehen einen Kaffee trinken und neben uns sitzt ein alter Boxer, die viel bettelt. Herrchen isst das Frühstücksbüffet und ist streng mit ihm, aber nicht konsequent. Die Erziehung funktioniert also nicht.

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Wir fahren mit der U-Bahn zum weißen Turm und gehen ins Bratwursthäuschen bei der Sebalduskirche. Wie immer sitzen wir zwischen anderen Touristen. Es sind wieder junge Japaner dabei. Die Bedienung heißt Bianka und benutzt Körpersprache um zu signalisieren, die Gäste aus Fernost sollen durchrutschen. Herrlich. Das junge Pärchen teilt sich eine Portion von 8 mit Kraut. Wir nehmen jeweils 8 mit Kraut und 8 mit Kartoffelsalat und Meerrettich extra und eine schwarze Johannissaftschorle und sind dann wieder weg. Wir gehen noch mal auf den weltberühmten Jahreszeitenmarkt um selber Tonnenweise Lebkuchen einzukaufen und ich will Eierpunsch trinken. Den gibt es in kleinen roten Stiefeln, die 3,- € Pfand kosten.

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Die Gasse in der wir gestern standen und den Glühwein getrunken haben verstehe ich heute besser. Gestern standen wir im Dunkeln vor einem Stand mit französischen Keksen und Marmeladen und ich dachte noch, na ja, die verkaufen halt alles von dem Weihnachtsmarkt, heute sehe ich, dass die Gasse überschrieben ist mit Passage der Partnerstädte und der Stand von gestern war Nizza. Es gibt auch Antalya, Atlanta und Glasgow und hier ist es irgendwie netter, als der ganze Weihnachtskitsch mit Ostflair. Ich kaufe was Schönes am griechischen Stand für meine Freundin Sunla und Stephan trinkt einen spanischen Glühwein mit Anisschnaps. Nach dem Lebkucheneinkauf noch einen Abschiedskaffee im Di Sumo auf der Brücke.

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Die Sonne scheint, wir laufen noch etwas am Fluss entlang. Zuvor noch ein Blick auf die Burg/Altstadt.

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Stephan sucht ein Kino. Hier laufen Vorstellungen bis 2 Uhr morgens. Wir werden fündig. Es sind viele Fußballproleten von gestern unterwegs, die der Meinung sind, dass Fasching oder Karneval in Rio Dinge sind, die mir gesagt werden müssen. Weil wir noch Zeit haben, gehen wir noch mal in den Museumsshop des Neuen Museums und trinken einen zweiten Eierpunsch. Dann fahren wir um 14 Uhr etwas Richtung Bayreuth. Da wir 20 Minuten zu früh am Gleis sind bekommen wir auch noch Sitzplätze. Gegenüber sitzen Ossis, die von einer Fernreise wiederkommen. Der Sohn ist aufgeweckt und redet als Einziger. Er will wissen, ob ein Truthahn größer ist als ein Flamingo und da wo sie waren ist jetzt Nacht. Ich tippe auf Florida. Der neue Mann von Mama heißt Lutz. Wir werden abgeholt, zuhause ist der Baum schon geschmückt. Er ist recht minimalistisch und hat wenig Zweige, war aber wohl teuer. Stephan hat einen Blick dafür und findet ihn edel, die blauen Nadeln. Ich finde er sieht japanisch aus. Wir läuten das weihnachtliche Doppelkopfturnier ein. Dazwischen gibt es Abendbrot u.a. mit dem Käse aus der Feinkostabteilung in Nürnberg. Wir spielen weiter bis wir müde sind bzw. ich will die Helmut Schmidt Doku sehen und denke, etwas Fernsehen kann nicht schaden zum Einstieg. Nachts finde ich den Ausgang aus dem Zimmer nicht und muss das Licht anmachen!

23.12. Wir kann man den letzten Werktag des Jahres sinnvoll nutzen? Meine Mutter muss wegen ihrer neuen Brille zum Optiker. Ich sage, Stephan und ich müssen schon seit Monaten zu so was. Wir gucken immer schlechter und Stephan, er will keine Brille vor 50 und ich halte es für kriminell, weil er diese ganzen online Überweisungen macht. Mein Mutter ruft an und wir haben um 15 Uhr einen Termin beim Optiker des Vertrauens meiner Eltern. Stephan geht vormittags schon in die Stadt und will in die Rotmainhalle zum Wochenmarkt und mir eine Bauernbutter besorgen. Ich bin Einzelkind und es gibt Pasta mit Steinpilzen. Es war Steinpilzjahr und die Stücke sind riesig, ein paar Maronen sind auch dabei für den Geschmack. Sehr lecker was hier aus der Tiefkühltruhe hervorgeholt werden kann. Mittagschlaf. Dann wieder selbstgebackene Plätzchen und um 14:20 Uhr nehmen wir den Bus in die Stadt und treffen Stephan beim Novello, einem italienischen Feinkostgeschäft was von einem schwulen Pärchen geführt wird. Meine Mutter sammelt die Punkte, die es für den Einkauf gibt. Nudeln werden nachgekauft. Mein Vater stellt mal wieder fest, dass es auffälliger ist mit mir durch die Stadt zu gehen als mit meiner behinderten Schwester. Ich schnappe ein und sage, dass er vorgehen soll und ich ihn nicht kenne. Es nervt mich, dass ich nicht so sein kann, wie ich will und mir fällt das viele Geglotze natürlich genauso auf (die Nerven). Nach einem Abstecher in der Kurzwarenabteilung geht es zum Optiker. Herr Engelbrecht läuft meiner Mutter schon entgegen. Als sie angekündigt hat mit ihrer Tochter zu kommen und da müsse schon seit Jahren was gemacht werden, denken sie meine behinderte Schwester wird kommen und holen das alte Messegerät aus dem Keller, was schnellere Messungen macht. Jetzt wo ich es bin, kann das wieder weggebracht werden. Herr Engelbrecht misst mich und Stephan über 2 Stunden aus. Ich soll eine Lesebrille bekommen und Stephan sieht noch schlechter. Während er noch Stephan bearbeitet suche ich ein Gestell. Ich will nicht so eitel sein. Irgendeines muss her. Leider habe ich keine Erfahrungen was mir steht und ausnahmsweise auch keine Meinung oder wenig Meinung. Bei Kleidung habe ich nie Zweifel, hier könnte ich Beratung gebrauchen. Mein Vater mag ein dezentes Metallgestell, unten offen mit Reptilienprägung oben. Ich hatte mir eine dicke Brille, die nostalgisch aussieht und bei der mir die Plastikschichten, die mehrfarbig sind gefallen ausgesucht. Herr Engelbrecht sieht diese und sagt ohne die Vorgeschichte zu wissen, das sei die richtige für mich. Ich kann sie Freitag abholen. Bei Stephan wird die Brillenwahl heikler, weil die alle hinter den Ohren drücken und weh tun, so dass er sie nicht tolerieren kann und Bewegungen macht, wie ein Tier was die Pfote in der Falle abbeißen will. Es geht also weniger um die Optik als darum, was die Mimose überhaupt duldet. Die junge Azubine bringt eine Sportbrille von Lacoste oder was weiß ich welcher Marke mit weichen, farbigen Gummiverlängerungen an den Bügeln, die hinter dem Kopf per Magnet verschlossen werden. Die muss Stephan voll ausfahren um sie um seine Kartoffel herum zu bekommen. Das bunte Gummi auf dem rasierten Schädel. Das geht gar nicht. Er bekommt ein leichtes Metallgestell mit Bügeln, die gerade sind und nur aufliegen und nicht hinter den Ohren drücken. So 23.12.2013. Der Stichtag an dem die Zeit der Brillenlosigkeit endet. Ende unserer Jugend, wie Stephan meint. Wir trösten uns am Bratwurststand und anschließend fordere ich Stephan auf mir und Dietrich einen Eierlikör in der Süßen Quelle zu besorgen, während ich noch mal einen Wollladen aufsuche wegen Stopfgarn. Stephan kauft einen sehr leckeren mit Kirschwasser. Im Laden will ein Kunde Bier und wird abschlägig beschieden, weil es sich um ein Süßigkeitsfeinkostgeschäft handeln würde und sie kein Bier verkaufen. Ein anderer Kunde will einen Rotwein aus Franken für unter 10,- € die Flasche. Der Verkäufer schlägt einen für 12,- € vor, ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis, wie er dem Kunden erklärt, der ablehnt, weil der Preis nicht mit seinem Auftrag übereinstimmt. So deutet es Stephan. Männer mit konkretem Kaufauftrag. Meine Mutter ist noch beim Akustiker wegen der Hörgeräte. Neulich war ein Stöpsel von dem Hörgerät in ihr Ohr gefallen. Die Entfernung war wohl sehr schmerzhaft. Entsetzt habe der Akustiker sie angeschaut nach einem Blick ins Ohr, so dass sie gar nicht wusste, was da so Schlimmes drin sein konnte. Würmer, die rauswachsen. Der Mann flirtet deutlich mit mir und ist auch in meinem Alter. Es reicht mir allerdings, dass ich Herrn Engelbrecht heute kennengelernt habe. Wir gehen ins Café an der Oper. Es ist Viertel vor 6 und um 6 schließen die. Wir trinken heiße Schokolade und nehmen dann ein Taxi nach Hause. Dort fahren wir mit Dietrich noch mal zu Real. Letzte Besorgungen machen. Hier wird mein Hütchen nicht nur kommentiert: „süß“, sondern auch von einer Frau angefasst. Ich fühle mich ausgeliefert bei so viel Distanzlosigkeit. Bin ich im verdammten Streichelzoo, dass mich eine fremde Frau einfach anpackt. Schnell wieder ins Private. Etwas Abendbrot und dann wenden wir uns wieder dem Spiel zu mit den Rentnerkarten, die wir in Nürnberg besorgt haben mit extragroßen Zeichen drauf. Sehr angenehm. Hier fühle ich mich zu den vielen Steiff-Tieren hingezogen und bedauere, dass ich keinen Grund habe, eines auszusuchen.  Die haben es echt drauf mit dem Ausdruck und der Herstellung von Stofftieren. Dafür nehme ich den Steiff-Katalog mit und schlachte ihn ordentlich aus beim Kartenbasteln. Morgen wollen wir um kurz vor 8 meine Schwester aus dem Heim abholen. Wir gehen zeitig ins Bett.

24.12. Werde um 6:30 Uhr wach. Der Himmel über dem Wasserschutzgebiet ist viel schöner als das Foto es erahnen lässt.

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Als ich um 7 Uhr schon fertig bin, mache ich die Rohmasse für die Quarkklösschen, die ich mir für Heiligabend gewünscht habe. Ein Rezept meiner Oma. Reformhauskost mit Hirseflöckchen. Wir holen Steffi. Auf dem Rückweg halten wir beim Bäcker. Ich bekomme einen Premiumstollen für zuhause. Lasse mich noch vom Chef persönlich beraten. Etwas Mittagessen, dann der tägliche Mittagschlaf. Heute schlafe ich wirklich. Kaffee und Butter in Keksform, dann ein Spaziergang durch die Nachbarschaft. Dann duschen und aufhübschen. Um 16:40 Uhr gibt es singen unterm Baum und Bescherung. Von mir gibt es Kalender für meine Eltern und Stefanie. Wir trinken 2 Flaschen Sekt und tätigen im gelockerten Zustand diverse Telefonate. Ich bin entschlossen mit meinem Mann auszugehen, deswegen habe ich mich auch aufgebrezelt. Ich trinke Espresso. Meine Eltern kündigen an um 9 Uhr ins Bett zu gehen, statt dessen, spannendes Kartenspiel bis 1:30. Da habe ich auch keine Lust mehr. Draußen ist es dunkel und kalt und was soll ich da? Ich kenne da keinen. Die Oberfranken amüsieren und was hab ich davon? Der Misanthrop in mir setzt sich einmal mehr durch. Stephan, der erkältet ist, schläft. Ich kann nicht einschlafen und überlege zu basteln, aber das ist auch zu stressig.

25.12. Stephan schläft. Ich fahre mit meiner Mutter und Steffi zu den Enten. Mittags gibt es Gans und Sauternes. Die Gans ist superlecker.

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Ich helfe beim Anrühren der Sauce, weil mein Vater eine Schulter-OP hatte und noch deutliche Einschränkungen hat. Er muss im Stehen die Karten austeilen. Meine Mutter unterstellt ihm, dass er simuliert. Am ersten Morgen will ich ihm Yoga-Übungen zeigen, mir fällt aber nichts Dolles ein. Jedenfalls soll er nicht die Luft anhalten, wenn er versucht den Arm nach oben zu schleudern. Atmen, atmen, atmen. Nach dem Gänseessen Mittagschlaf. Stephan passt auf Steffi auf und macht den Abwasch. Heute kann ich keine Plätzchen essen, so satt bin ich. Wir schauen den Film vom Familienfest. Meine Gästevorstellung, die über 1 Stunde dauerte und als Performance gelobt und gepriesen wurde, ist fast komplett dokumentiert. Wie lustig und genial ich das gemacht hätte. Ich selber finde nur meine Stimme schlimm, weil sie außerhalb meines Kopfes sehr nervig klingt und sehe auch deutlich, dass ich einen Buckel habe. Ich sehe aus, wie meine Oma. Heute nur ganz kleines Abendbrot. Was wir danach gemacht haben dürfte allen aufmerksamen Lesern klar sein.

26.12. Ich schlafe mal bis 9 Uhr. Bam! Ich träume, dass das Patenkind von Stephan, Constantin nicht tot ist, sondern von seinen Eltern in die Psychiatrie eingewiesen wurde und jetzt wieder auftaucht. Sehr skurriler Traum. Meine Schwester ist sehr schlecht drauf. Nach dem Mittagessen bringen wir sie zurück. Meine Mutter ist deutlich am Ende mit ihren Kräften und schläft etwas im Auto. Hier einige unverfängliche Ansichten aus dem Heim.

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Nach dem Mittagschlaf und dem Kartenspiel fährt uns ein unsympathischer Franke mit seinem Taxi in die Stadt. Auf die Frage, ob er es gut gefunden hat, verweist er auf das Schild, dass kann jeder außer ein Depp oder ein Russe. So ein Herzchen. Im Wolffenzacher ist wenig los. Holzvertäfelung. Komponisten hängen gerahmt. Stephan traut sich nach Karten zu fragen. Wir trinken wieder fränkischen Sekt aus Würzburg. Wir werden durch das Menü getrieben, d.h. die Vorspeise kommt sofort und das Hauptgericht 5 Minuten zeitversetzt und dass wir mit der Vorspeise noch nicht fertig sind, interessiert den Kellner nicht. Ich hatte den hausgebeizten Lachs mit „pfannfrischen Baggala“, das sind Kartoffelpuffer aus Kartoffelklossteig, schön fettig und Feldsalat dazu. Dann hatte Stephan die Roulade mit Klößen und ich den Saibling.

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Meine Mutter trinkt einen Espresso und kündigt an, die Nacht durchspielen zu wollen. Dann bekommt sie einen Spielspruch von Stephan in den falschen Hals und es ist aus. Wir haben Verständnis, aber vermitteln kann ich auch nicht. Heute hilft nichts mehr. Schlaf muss her. Wir trinken mit meinem Vater Haarer Schnaps Zwetschge und planen ein Treffen in Stuttgart 2014. Außerdem geht es etwas philosophisch daher und wir stellen alle drei fest, dass wir eine große schwarze Null geschrieben haben im Leben und alles was noch kommt einfach noch mehr oben drauf ist, wie ein Füllhorn, was überläuft. Noch eine tolle Reise, noch ein gutes Essen….

27.12. Der Frühstückstisch ist gedeckt mit Käse und frisch gepresstem O-Saft. Die Putzfrau ist da. Wir packen. Dann noch eine Aussprache, dass wir den Vorabend nicht übel nehmen und Verständnis für Übermüdung und Überforderung haben. Ich sage, ich mache so was 1-2 mal die Woche und wenn die Familie das nicht aushält, wer dann. Mit deutlich besserer Laune fahren wir in die Stadt meine Brille abholen. Ich steuere zunächst auf ein Antiquitätengeschäft zu und kaufe 3 kleine gerippten bunte Weingläser für die Puppenstube sowie eine Bettflasche aus Metall mit einem Verschluss, den man öffnen kann und einem kleinen Fernseher, der postkartenartige Ansichten von Oberfranken zeigt. Das gibt es für 15,- €. Mir kommt es teuer vor, aber ich will das Zeug unbedingt zum Basteln. Die Inhaberin hat mir angeblich einen guten Preis gemacht, weil sie meine Eltern kennt. Auf dem Weg zum Optiker holt Stephan seine Taz und eine Frau, die sich bei einer älteren Frau eingehackt hat strahlt mich an. Ich habe sie nicht erkannt, es ist eine ehemalige Klassenkameradin, die sich am Telefon immer gemeldet hat mit der Ansage: „hier ist die Tochter von Prof. Hausmaus“. Oh Gott, wohnt die hier immer noch, vielleicht auch nur für Weihnachten zu Besuch. Meine Brille wird angepasst. Ich frage Stephan, wie er sie findet und er sagt laut: „potthässlich“. Ich lache hysterisch, weil ich den Spruch so sau cool finde, aber die jungen Mitarbeiter des Brillenfachgeschäfts sind geschockt und beschwichtigen, wie gut mir die Brille stehen würde und das ich gut aussehen würde. Jetzt fehlt nur noch das Wort „modisches Accessoire“ für diesen Krückstock.

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Wieder finden wir Trost am Bratwurststand am Sternplatz.

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Der Bratwurstgriller kennt mich und fragt, ob wir mal wieder in der Stadt seien. Ähhh? Nein oder wie lautet die Antwort darauf. Ich gehe noch in das Teegeschäft meines Vertrauens. Ich hocke am Boden vor dem Regal mit den Rooibuschtees und Stephan steht hinter mir. Die Verkäuferin will wissen, ob sie ihm helfen kann. Er: „Ich passe nur auf, dass sie nicht zu viel kauft“. Dann solle er doch lieber rausgehen ist das Fazit der Bedienungen. Das sei offenbar schlecht fürs Geschäft. Dann legt er nach und sagt: “Ich passe nur auf, dass sie nicht wieder klaut“. Das sei gut, finden dann die Frauen. Dann geht es in die Metzgerei meines Vertrauens. Die Verkäuferin ist der Hammer. Sie weiß, dass ich alles eingeschweißt will. 2 paar Weißwürste, dann die hausgemachte Salami italienischer Art. 100 gr. eingepackt und 100 gr. eingeschweißt (das war ihr Vorschlag), grobe Bauerstreichwurst, eine Walnusssalami, die noch lieber genommen als die andere und schließlich die Leberwurst mit Cranberries. Die ist der Hammer. Letzte Station beschwipste Krapfen. Es handelt sich dabei um Windbeutel. Leckerer Brandteig, prall gefüllt mit frischer Sahne mit Kirschwasser und zwar so deutlich, dass man leicht einen sitzen hat nach dem Verzehr am Vormittag.

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Dann gehen wir auf einen Kaffee ins Rossi. Der Laden ist einfach cool und der Kaffee sau lecker. Es ist gemütlich und nostalgisch mit Zuckerwürfelsammlungen in Holzkästen an der Wand. Die Strega-Flasche nach der wir mal gefragt haben war auch nur zur Deko, aber egal. Vorher sind wir endlich fündig auf der Suche nach Propolis. Das stark alkoholische Wundermittel gegen Erkältung. Das ist so ein Bienenkram, mit dem die ihre Waben einschmieren um den Nachwuchs gegen Bakterien zu schützen, quasi Bienenantibiotikum.  In der Mohrenapotheke mit der Orchideensammlung im Fenster werden wir fündig. Sie stellen es selber her und es steht auf einer vorderen Position. Der junge Kerl mit dem gut trainierten Oberkörper, der uns das Zeug verkauft gefällt mir auch. Jetzt haben wir noch so viel Zeit, dass wir noch mal zu meinen Eltern nach Hause fahren auf die letzte Runde Karten. Es wird nicht mehr aufgeschrieben. Dann Zugfahrt und meine ersten Experimente mit dem neuen Nasenfahrrad. Die Ferne ist deutlich unscharf, aber der Nahbereich so was von vergrößert. Die Schrift in meinem Buch, das Gesicht meines Mannes. Glücklich komme ich in Hannover an. Keiner glotzt mich an und zeigt mit dem Finger auf mich. Der Rentnertaxifahrer ist ruhig und sympathisch und im Radio läuft Hannoveraner Dialekt nach dem Ganzen „a wenig“. Ein spröder Typ, der erst einen Mischlingshund (englische Bulldogge) vermitteln will. Er hat nur einen Baum (häh, denkt man, es geht dann aber um den Weihnachtsbaum und die Moderatorin leitet über und sagt was davon, dass wenn eine Frau da wäre, würde er opulent Weihnachten feiern), also geht es dann doch darum eine Frau kennen lernen. Die soll humorvoll sein, weil er habe den Humor seiner Mutter geerbt und darauf sei er stolz und sie soll nicht zum Lachen in den Keller gehen. Aussehen ist nicht so wichtig, sie muss nicht 24 sein. Hauptsache, sie ist spontan und auch mal verrückt und man dachte, dann passt sie ja gar nicht zu dem langweiligen Sprecher, der sich das alles wünscht. Ich sage, also den Hund würde ich nehmen. Ich bin wieder zuhause und fühle mich ganz gelöst. Den Lebkuchen haben wir im Gepäck.

Zuhause wartet Weihnachtspost, darunter ein Brillentuch von Pipilotti Rist mit einem Motiv ihrer Kunst mit dem Hinweis, Mikrofaser, waschbar, Brillen- oder Bildschirmputztuch. Die Frau muss Hellseherin sein! Es ist schließlich der erste Tag meines Daseins als Brillenschlange.

The heavily eating and randomly shopping girl from Hanover visits London once more

Just to start out complaining, what really gets on my nerves in this great city is all the „sorry“ saying. I am great friend of politeness and apologies, but here the word is used like „fuck off“. People say it all the time with no meaning behind it. When people live together in cities and even more so when these cities are as crowded as London, you will face and slightly touch other people. So that is normal and what is the point of saying sorry all the time, even when nothing has happened and the other person is at a distance, just call „sorry“ to let him or her know your bothered or something is not right. That is what it sounds like to my. But I did learn the right answer. You say: „no worries“. Anyway I am always impressed how full it is in London. You ride the bus on the upper level and pass all these stores, department stores and big hotels with huge lobbies and it is full everywhere. You see these really great looking people or couples on the bus or on the street and somehow I think, it’s like a picture that’s to full, you can’t even see the details, the individuals, well you can, but they blend into the scenery like small flowers in a landscape. In Hanover it’s more like abstract art or ikebana, every flower has space and therefore will be seen or is more noticeable.

We had lots of space behind our gated walls and a day care center below as well as some nice old cars.

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I loved looking out of the windows. By day and by night.

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In the morning the school kids in their uniforms would gather around four or more table tennis tables standing outside the school. Starting out with only a few it got fuller and fuller getting close to school beginn, like watching the movement of a track of ants. They didn’t have padles to play but used their hands instead. It was fun to watch.

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One day I got to see the other sporting activities. Colourful round plastic plates were set on the lawn by a teacher, with no recognizable use. Then the boys would get into a push up position, meaning hands and feet on the ground holding the body weight. In this position they would face each other and purpose of the game was to try and pull one of the opponents arms away to make him fall without falling youself, holding yourself on one arm.

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When not looking outside the windows, we would watch some TV. A mixture between dating show and perfect dinner, where the candidate would pick 3 out of 5 menues, someone from the opposite sex was going to cook for him or her, deciding about the date just by the menue. I loved the dating shows, even the one I didn’t see, where the women get to see the guy and 80 % want to meet him, just by the appearance and then he starts talking about his hobbies like downhill bike riding and one woman after the other presses the „no“ or „I’m out button“ until only 6 out of 20 are left.

After we found out how the heating could be switched on, it was much more comfortable in our place. Although as good German women, we do travel with hot water bottles, which we also use. After return to Hanover I actually found the right bed wear. A white, angora, woolen sweater for the shoulders, so called shoulder warmer. It is great. Every year we are impressed and at the same time make fun of the English, who wear shorts in winter and women showing naked feet in their shoes or even naked legs, just wearing a skirt in the middle of winter like it’s a summer day. They make no difference. It is something we don’t see here and we don’t understand how it works. They are much tougher, the English and I am convinced they would have also worn shorts and flip flops in Stalingrad. The way they must do it was described by Darwin: survival of the fittest. You often see a baby outside in the winter in the stroller with naked feet or a naked bald head. As a German women you get „mother feelings“, as we say and want to put something woolen on the baby, but they don’t do that, which means, if the baby is to weak, it will die and cannot reproduce. That’s the secret of being able to wear shorts all year.

We did open the gate for the garbage collectors with their garbage truck one time. They said „recycling“ and „thanks“ for opening. When we got back, the recycling garbage was still full with a sign telling you that you can’t use it, so that was kind of a mystery.

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Just across the street, Shacklewell Arms, we had this very cute café with old fashioned cups and plates like grandmother style and very good coffee and also snacks, like all butter flapjacks.

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Next to that was the Yoga Studio called Yoga on the lane. My sister in law and I attended one of the morning classes, where the female teacher said interesting stuff like: „feel your teeth relaxing in your gums“. I had never tried that before. To some of the stores on our list, we didn’t make it, like „Tina, we salute you“. We just stood outside, but it looked promising anyway.

Right on the corner of Mouse & de Lotz and Yoga on the lane is a small area, where you can let your dog off the leash, a small park with some old trees and a monument in the center. Since I am in love with staffordshire terrier and other familiar breads, we often stood behind the wall, which is low and about chest high and watched the dogs run around. The owner would look at the dog pooing with a round back for about 30 seconds and then coincidently turn 180 ° to the other side and see nothing. Just like my cousin theoretically asked herself the question if she would buy our apartment and what actually speaks against that, I ask myself theoretically by every dog I see, if I would like to own that dog. In Dalston it’s about 90 % yes.

We couldn’t help but notice that in other areas of London, more posh, they have totally different dog breeds, like only white dogs (racist) and lots of poodles and Westhighland terrier. Barking away, unbalanced dogs with no leadership or rules, boundaries and limitations, as Cesar would say. I do love Hyde Corner, especially the large horse head there. But you could tell the neighborhood by the dogs and we definitely lived in the right one. Not only the Dalston Superstore can be highly recommended, also it’s heaven for fans of vintage clothing. I really shopped myself happy at „Beyond retro“ and they have a café next door as well. Here vintags shopping and coffee treats with some Carribean Cuisine and Turkish fashion.

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Then they have a vintage store called „Pelicans and Parrots“, which is maybe one of the best names for second hand I have come across.

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Then there was Mint, also very cool and they had two matching handknit sweaters with bowling pins on the front and then a woman and a man bowler on the back. Really great. Twin set for a couple, they suggested, we pick it. We didn’t. I did buy some things, that were really necessary like a cotton bag I will use for sport activies with the words „Will flirt for gin“ in a rather blurred writing. I love it. It was really good investment.

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Not all the stuff I bought wanted to stay with me. My tweedbird, a bird made out of tweed material left me on the last day, probably at the „Keu“, the Banh Mi Sandwich place. Oh well, I guess it wasn’t meant to be.

Right around the corner:

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We also liked the cemetary we accicently came across on our first day. No kind of gardening taking place here. Just nature taking over the memories some people have left. It still must be in use, but also has old graves. The founder of the Salvation Army is burried here as well as some people who fought slavery. I loved it there. A small church was off limits and there were some young people living there as well with the suitcases next to them eating something.

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The christmas tree of the fire station.

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There was this really funny „moth trap“ as big as a trash can and I said to Stephan, wow, I need that for home, but how does it work. So he says, the moths fly inside and there are no clothing their, so they starve.

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This was a African funeral place. Loved the plants and not only the banana, the other one, which has exploded as well….

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We also liked the l´Atelier on the main street with old school stuff like boards explaning the body of a horse or some stuffed animals. The toilets have walls made out of school boards with chalk at hand so everyone can leave a message and it always changes. Good idea!

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I cannot help writing: „Dalston rules“ with the pink chalk. And Dalston does rule, it is cool around every corner and different everytime up turn around. Like close to Stoke Newington station, all of a sudden everything is Jewish. Kosher store and also stores selling only black clothing and the black hats. Very interesting. I like it a lot.

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Some serious moustache stuff in the Dalston hood.

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My shopping results after 1 day (used clothing and cookies):

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I did attend 3 yoga classes during the holiday. One is „Finding your dog“ with Natasha and is very theoretical. She shows us a lot about the right postures and what her shoulder does in this and that movement and what to anatomically correct and thanks to her anatomy, you can see every bone and muscle of her body. It’s kind of like „Körperwelten“, the exhibition using prepared die bodies. After this class we have really spicy food Indian at the Trishna, an Indian restaurant we tried for the first time.

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Then I go to Mimi at Triyoga. I am a big fan of hers and tried to invite her to Hanover to teach at a yoga school, but it didn’t work out. Her class is inspiring. Buddas path of meditation. „When you’re breathing in, know that you’re breathing in and when you’re breathing out, know that you’re breathing out“. She shows us the shoulder stand using 5 blocks and I will definitely share that with my yoga class in Hanover, since the neck has more space and the whole pose is so much more comfortable. This must be a great help to those, who have problems in this pose. In the relaxation pose, she reads a poem, which a find very touching. English is such a great language for poems. The guy is called David Whyte. So a look it up at home:

The Winter of Listening

“No one but me by the fire,
my hands burning
 red in the palms while
 the night wind carries
everything away outside.

All this petty worry
 while the great cloak 
of the sky grows dark 
and intense 
round every living thing.

What is precious 
inside us does not 
care to be known 
by the mind 
in ways that diminish 
its presence.

What we strive for 
in perfection 
is not what turns us 
into the lit angel
 we desire,
 what disturbs
and then nourishes 
has everything 
we need.

What we hate 
in ourselves 
is what we cannot know
 in ourselves but
 what is true to the pattern
does not need 
to be explained.

Inside everyone 
is a great shout of joy
 waiting to be born.

Even with the summer 
so far off
 I feel it grown in me 
now and ready 
to arrive in the world.

All those years
 listening to those 
who had 
nothing to say.

All those years 
forgetting
 how everything 
has its own voice
 to make 
itself heard.

All those years
 forgetting
 how easily
 you can belong to everything
 simply by listening.

And the slow
 difficulty 
of remembering
 how everything 
is born from
 an opposite
 and miraculous 
otherness.

Silence and winter
 has led me to that 
otherness.

So let this winter
of listening 
be enough 
for the new life 
I must call my own.”

David Whyte

„In everyone is a great shout of joy waiting to be born“ or „forgetting how easily you can belong to everything simply by listening“. I love it!! While laying on my back, I examine my neck and it feels strange. I later compare it to a penis. Not really of course, but the consistence is weird and I can feel all the small, round balls, working on keeping you healthy. I ask myself, am I tolding my tonsils in my fingers? Mimi is doing a retreat and I am a bad listener and say: Oh Umbrian in Italy. I later see on the flyer that it is actually in Mexico so that is not really close. Anyway, I’m not flying to Mexico for Yoga classes.

After that yoga class we met up for the Nopi, all six of us on the birthday of Halina. They also had restrooms worth a shot….

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We did visit markets, with some old stuff and some handmade stuff, but especially lots of food.

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Very delicious Mexican food and Shrimp Burger and Vietnamese coffee in large cups for 1,50.

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This guy gets angry as I take a picture of his „property“, a children’s tea set, vintage for 120 pounds. I can’t afford to buy it, but at least wanted to take a picture. I say, well I am just a tourist and making pictures for happy memories and private purposes. I didn’t see any problem. Then he turns nice and wishes me a nice stay in London.

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We also find the new trend snack. Fried and crispy Kale, we know it from stews, but in London and New York it’s the new potato chip. For Stephan we finally do buy some vintage clothing at „Dandy in Aspic“. The same guy we met there last year. Really like him. Must be a pain in the ass working in your own store 7 days a week and no sun light just loads of tourists every day, like the movement of the ocean flooding them into your store and you have to be nice to them all, funny and friendly and in a selling mood. There was a moustache flash mob. The first one I attended but only 8 people took part, so I think that doesn’t count.

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Loved the market around Dalston Junction. More food from exotic places that doesn’t make its way to good old Germany. Plantain. Looks like banana and more of that stuff.

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At the station, which is London overground there is this stand up comedian. He takes the mic and comments on the stuff going on. I hear a voice coming out of the speakers „we have a baby in the house“ and I’m like looking around, where is it coming from and how can he see it. CCTV in operation? And then a see the guy on the other track with the microphone in this hand just enjoying his job and making it fun for himself and everyone else.

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We did get a great suggestion to visit the Sketch. I love this place. I was worried that a had ruined the plate, after eating my sandwich and the writing was messed up, but it was just a stencil writing made out of beet juice jelly. I really like the looks of that place, furniture and lights and pictures on the walls as well as the way they serve the food!! Even some Italians ordering the Tramezzini like sandwiches with a nice cup of tea instead of coffee. It tastes even better, actually. I guess they know that too. Stephan wanted the banana porridge, but it was ten past 12 and the were only serving breakfast until 12, so 10 minutes too late. He choose the mac and cheese with a double espresso instead.

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We also did High Tea in a fancy place. We had made a reservation already. Next time I will do it a the sketch as well. It’s more my style.

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We did have a Gin and Tonic almost every evening and they taste well. My sister-in-law and I sat in a booth at the Dalston Superstore as the young male with moustache approached to ask if we were having some food. We booth simultaneously chirped „gin, gin, gin“ like little hunger birds. Order at the bar, was the answer. You can even have Gin and Tonic watching a movie. „Double shot?“. We saw Don Jon and I loved it. Scarlett Johansson with a New Yorker accent chewing gum non stop. Great acting. Julianne Moore did a great performance as well and also the message of the movie I found very true and well explained. So, if you have a chance to see it without a terrible German translation, please do so.

Here we just watched the scenery on the ice…

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I loved the department store christmas decorations at Selfridges I took a picture of almost every window. Winter landscapes of different kinds.

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The lighted shopping streets…

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Then there was another store with animals made out of vacuum cleaner brushes and espresso cups. Very well done! Love it!!!

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Maybe the most embarrassing thing was us mixing up the stores, but those with brand names. So Halinas boyfriend works at Ben Shermans. So Stephan tried on wax jackets at a Fred Perry store, so he might get a replacement for the „Club RTL“ jacket from the fair, he got for free about 100 years ago and it looks like he is a security guy at some porn shop. Then asking for a retail just to find out, he can’t help us out, he works at the other Fred Perry, Ben Sherman. How can you explain that to the young people? Dementia? My only excuse is that I always mix up Mercedes and BMW as well. There is no difference to me or it’s hard to tell. I guess it’s the same here, although I do know that the Fred Perry sign looks like. Whatever! I like the boyfriend because he knows that washing clothing will ruin a lot and this at young age, so that is very sympathetic and wise as well. He tells my cousin, you’re not supposed to wash jeans. She looks like a car, as we would say in German. By the way, literally translating words and sayings is very funning. As we hear an announcement, „the bus is not stopping at the next stop“ Stephan says: „are they spinning?“ and I almost pee my pants.

Great Indian Food at the Cinnamon Kitchen.

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Our waiter is this young guy from Berlin, who has lived in Moscow and Iran and is only 25. It makes me sad to look at the lunch offer for 7,50 pounds and with a flavored lassi for 10,50, which is laying on Stephans desk. I would love to do that, but I can’t. I will write them and ask for a store somewhere in Germany, because they will have no one to match up, so it will be an easy game and we will come anyway, Berlin, Hamburg or Munich. The only thing I am not jealous of has to do with Turkish kitchen. Like East London has some Turks and late night stores and a hamam, but when I see the baklava places, I get really confident about Hanover and really think we can kick ass even compared to London in that area at least. So that does help getting over London.

I still have a 2 shilling coin in my wallet. Somehow a got it for change and thought it was 2 pounds. It’s old money you can’t use, so I might put it on the train tracks in front of our house and see what happens.

On the day of leaving our suitcases are heavy with Sainsbury shortbread and Lonsdale sport bras. Stephan decides to put down his moustache, like aggressive dogs are treated on the Cesar Milan show or at least they refer to it that way. We leave the packed stuff in the apartment and head for our last adventure. Fortunately Halina picked the Keu for the last Vietnamese sandwiches of this trip.

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We also visit Halinas place and the street behind it with a monster store, where they sell Jam, called Brain Jelly or earwax and everything looks very old-fashioned and cute and that’s just enough to run a business, just ordinary stuff with a good package. We have the Westminster Abbey on our list. I end up paying 108 pounds for 6 people, so that’s 18 pounds admission for a church!! They do have headsets, also in German so we visit the famous graves of Mary Stewart of Scotland and also the poets corner and hear Schubert songs as well as a Gregorian choir.

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We have a last Rooibusch-Tee at Mouse and 2 flapjacks and then the place is closing and I ring the door at James place. He is the guy doing the check in and check out. My sister in law had told him, that we want to meet at 4:44, strange time, but these Germans. Then I get really nervous and want to leave earlier, so he says, „you’re early“ and then: „I like your bindie“. He is very relaxed and believes us, that we didn’t smash up the furniture or tv. I tell him, he has to let us out and wave goodbye. No, because of the gate, we wouldn’t have a key anymore. He says, there is a trick to that, but it’s too late to learn tricks for the Independent Place now. Who knows, maybe next time.

I did love the patterns on the public transport…

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We also loved eating at the restaurant that sounds just like my office. They’re doing a great ceviche. It was incredible.

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The Vietnamese food from the first evening (Cay Tre). The aubergine that looked like a vagina. That’s what I said at least twice and I’m not implying anything about the banana dessert!

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Nice London skies:

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My zebra in London without the new bone decoration (I will show this later)DSC01820

and Stephans frozen riesling

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I am eating my cranberry tablets from Boots (3 for 2) every day. My zebra for 50 pence from the Charity shop has a really cool environment now, since friends of ours brought me lots of bones from the woods, hollow ones that have been cut with a saw, you can see the marks as well as a jaw with teeth, it is triangle shaped and probably belonged to a dear. Next to the thin zebra made out of coil, it looks like a friend of his. I will definitely make something about of this arrangement. In exchange the friends got shortbread from Fortnum and Mason in a nice tin with a stag and deer and nice checkered prints showing castles and hills in Scotland. I don’t have to keep everything I buyed.

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We eat cookies and cheese, we brought back every day and think of all the places we were. I like the idea of writing in English. It will keep me in practice for California next year. I call myself butterpuss then, I guess.

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Frankfurt riecht nach Kaffee und schmeckt nach grünem Tee

25.10. Bei der Ankunft in Frankfurt regnet es leicht. Wir laufen strategisch geschickt durch den Bahnhof zum hinteren Ausgang und haben so die Hälfte der Strecke überdacht zurück gelegt. So gut, mein Pfadfinderehemann. Der leichte Nieselregen trübt die Laune kaum. Einzige Probleme sind mein Dürer-Papierhütchen und das Loch in Stephans Chucks, aber es hört dann ziemlich gleich auf. Wir geben das Gepäck im Büro unserer Freundin ab. Die Kollegen gucken komisch, als ich zum Spaß das durchs Fenster Einsteig-Foto mache, was auch strumpfhosentechnisch schwierig ist. Das Büro erkenne ich an der Kunst an den Wände (Atelier Goldstein). Gepäck wird ins Auto verstaut und dann geht es auf nach Bornheim Mitte.

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Auf dem Weg zur Frankfurter Messe.

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Selbst die Plakatsäulen in Frankfurt sind cool und verheißungsvoll.

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Ja, verdammt. Dürer. Da wollen wir heute hin.

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Die Stationen haben herrlich Kacheln, farblich abgestimmt und Bornheim Mitte rules,

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Der Koreaner ist eingerichtet wie eine finnische Sauna nur der rote Lack ist unverkennbar asiatisch. Schöne Beleuchtung und man taucht auch sehr konsequent in eine andere Welt ein durch die Komplettverkleidung des Raumes inklusive der Türrahmen.DSC01477

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Vor allem der Glasnudelsalat (lauwarm) ist sehr köstlich.

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Das Holz wiederum ist tödlich für meine Strickstrumpfhose. An der Wand sitzt ein Typ mit einer jüngeren Frau, der er schwer beeindrucken will mit den ganzen toten Fliegen, die auf seiner Motorradlederjacke waren (toller Kerl). Peinlich ist das und sein Geburtsdatum wissen wir jetzt auch und er ist 1,5 Jahr jünger als ich, der alte Sack mit dem Haarkranz, der sich noch jung fühlt und fit für eine Eroberung bei der jüngeren Kollegin, die ihm vermutlich auf den Leim gehen wird. Wir essen zu viel und nehmen leider keinen Grüntee, der wirklich großartig aussieht, weil wir zu Wacker wollen, das Kaffeehaus ist wenige Meter entfernt. Die Getränkekarte ist gut und es gibt Dreßigacker Weinweine und Saftschorlen mit frischen Beeren dekoriert.

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Wir laufen mit schmerzenden Bäuchen zu Wacker trinken nicht nur Kaffee, sondern kaufen auch Bohnen (1,5 Kilogramm sowie Schokolade), die den ganzen Tag herumgetragen werden müssen von meinem sportlichen Mann (Rucksack voll). Ein Typ meint mein Hütchen wäre eine interessante Interpretation einer jüdischen Kippa. Wenn er meint.

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Wir schlendern Richtung Innenstadt und ich kaufe 4 Paar Strumpfhosen (u.a. schwarze Leggings mit Obama drauf, die jetzt konsequenterweise nur noch auf dem Grabbeltisch zu finden sind) und finde einen Oxfam, wo es sowohl einen Fisch aus Stoffresten, die mit einem passend geflochtenen Band eingenäht sind als auch eine Häkelmaus für die Katze des Hauses als Mitbringsel für je 1,- € gibt. Einheimische Sparkassenwerbung spricht mich an.

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Es werden Läden verbessert von emsigen Handwerkern und es finden sich fragwürdige Schaufenster sowie Bastelangebote for free. Auch für die Ausgehlaune wäre ein passendes Angebot vorhanden.

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Auch herrliche Parkanlagen werden von uns passiert. So gerne hätte ich ein Fahrrad zum durchbrausen.

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Langsam tun mir die Füße weh. Wir sind beim Gericht angekommen. Daneben ein altes Knastgebäude, was leer steht. Im Gericht gibt es eine Ausstellung über die Verstrickungen der NS-Herrschaft und der Justiz, die allerdings erst am 30.10. beginnt (neue Erkenntnisse der Forschung aus Hessen). Was heißt hier Verstrickungen? Nach Mengenlehre war das fast deckungsgleich und seit wann ist das neu? Ich wundere mich immer wieder.

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Wir sehen immer noch super aus.

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Dann Zeil und in die Nebenstraße, weil man es dort nicht aushält. Erst besuche ich einen trashigen indischen Bekleidungsladen. Auf mehrere Etage gibt es grelle und nuttige Klamotten sowie Schuhe für 3,- €. Alles riecht nach Billigprodutkion und Tod. Hier könnte gut eine Shopping-Queen aus Frankfurt einkaufen gehen. Zumindest suchen die gerne solche Läden auf um ihr Budget zu schonen. Highheels für 19,- €, aber dafür dann gleich zwei Paar, weil man sich nicht entscheiden kann. Mich hatten Leggings mit Schädeln in braun angesprochen, aber ich kaufe nichts und staune nur.

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Neben der Zeil ist ein respektabler Kurzwarenladen, den Charlotte uns empfohlen hatte. Kaufe bunte Elastikspitze und auf einmal ist es 16:15 Uhr. Schnell zum Taxi, weil wir um 16:30 Uhr im Städel verabredet sind. Rennen zum Taxi ist bei mir nur noch sehr eingeschränkt möglich. Der Taxifahrer ist sehr nett und die Fahrt angenehm. Das herrliche herbstliche Panorama, vor allem am Main, ist sehr eindrucksvoll und ich stelle fest, dass Herbst doch die schönste Jahrezeit ist, weil wirklich jeder Baum Hammer aussehen würde. Da können so ein paar Blüten im Frühjahr gar nicht mithalten. Ja, hier in Frankfurt sei das so, stimmt der Fahrer zu. Die großen Banner der Ausstellung und weiterer sind an den Pfeilern der Brücke gehisst, was auch eindrucksvoll ist.

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Ich sage zu Stephan, hier ist gleich einer fällig. Fällig, fragt er und ich: ja, von uns beiden ein Foto zu machen. Der junge Mann, den ich damit ansprechen wollte, fühlte sich auch angesprochen und tut was von ihm gewollt ist und ich bedanke mich sehr bei ihm.

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Wir spielen eine Runde im Außengelände

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und gehen dann schon mal rein in die Ausstellung. Dann will ich doch den Audioguide. Stephan holt ihn und ich bleibe vor dem Bild des ertrunkenen Jünglings in Basel stehen. Ein Frühwerk des Meister in den Farben rot und hellblau, passend zu meinem Outfit gehalten und es gefällt mir sehr. Privatbesitz steht unter dem Bild. Mann haben die es gut. Das macht mich neugierig. Ich würde dem Besitzer gerne gratulieren und mir anschauen, wo es sonst hängt.

Über das Headset lernt man das ein oder andere. Das Porträt von Dürers Mutter, was wir schon in der Nürnberger Ausstellung gesehen haben, wurde erst von wenigen Jahren Dürer zugeordnet. Dafür zweifeln die Kunsthistoriker jetzt an der Urheberschaft des Porträts des Vaters. Ah hah. Vielleicht wollen die sich auch nur wichtig machen und ihre Jobs sichern. Vieles erscheint mir auch weit hergeholt von diesen Kunsthistorikern, die nichts tun, außer Herunterinterpretieren in anderer Leute Arbeit. Adam und Eva, der Schnitt von Dürer. Oben ist eine Gemse im Hintergrund zu sehen, die für die Unentschlossenheit Adams steht. Das Zögern in den angebotenen Apfel hineinzubeißen. Auch Adam steht vor einer schwierigen Entscheidung. Ähhh?. Warum steht die Gemse oben auf der Klippe vor einer schwierigen Entscheidung. Das wäre als könnte ich nicht mehr Schriftsätze schreiben oder Rad fahren. Vielleicht wollte Dürer einfach eine Landschaft malen, wie er sich kennt mit Felsen (Oberfranken) und Tiere hat er eh gerne abgebildet. Das Porträt von Frau Tucher vom 20 DM Schein ist auch vertreten. Davon habe ich auch eine Kette mit Spielgeld aus Plastik. Na ja, für die nächste Dürer-Ausstellung. Es war ein Doppelporträt. Ein Diptychon. Hey, jetzt kann ich auch schlau reden. Der Mann dazu ist verschollen. Dann ein Bild eines italienischen Kollegen von Dürer, Jacopo de Barbari, der den italienischen Mathematiker Pacioli porträtiert hat. Pacioli (phonetisch Pachouly) ist also mehr als das penetrante Duftöl, auf was die Hippies in den 80ern abgefahren sind. Ah hah. De Barbari war davon beeindruckt, wie Dürer in seinen Porträts die einzelnen Haare malen konnte und bat ihn, ihm einmal den Pinsel zu zeigen, mit dem er das gemalt habe. Dürer zeigte auf seine ganz normalen Pinsel mit der Bemerkung, das könne er mit jedem Pinsel malen (alter Angeber, aber auch zu Recht). Ich gehe noch mal nach vorne in den ersten Raum der Ausstellung. Hier erklärt eine Besucherin gerade ihrer englisch-sprachigen Begleitung, dass diese Frau auf dem German money war. Ich sage: “No, I’m sorry, I have to correct you. This lady is Dürer’s mother. The chick you mean is in the back of the exhibition on the right side.” Alter, jetzt werde ich auch zur Klugscheißerin.

Jörg und ich vor einer Dürer-Tapete.

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Ich mache eine Auszeit mit Charlotte im Café und kaufe überteuertes Briefpapier mit Mustern aus dem 50er Jahren, wie von alten Kittelschürzen und aus den 30ern sowie ein hartgebundenes Buch über Dürer auf Englisch. Wenig Text, tolle Bilder, viel brillanter als im Ausstellungskatalog. Ich will das Buch einer japanischen Dürer-Verehrerin schicken, wenn ich mich davon trennen kann. In Nürnberg habe ich schon lauter Zeug für sie gekauft, was seitdem bei mir auf dem Schreibtisch herumfliegt (shame on me). Dann schauen wir uns noch den Neubau an und hey, der ist echt toll. Ich bin neidisch sage ich mehrfach und bringe die Aufpasser, die sonst nichts zu lachen haben zum Schmunzeln. Santiago Sierra und Helen Levit hängen hier. Wolfgang Tillmanns hat einen eigenen Raum. Was für eine tolle Beleuchtung. Was für ein schöner Raum. Da kann man reinhängen was man will und es sieht geil aus oder auch alles rausschmeißen. Das tut dem Raum keinen Abbruch. Warum kriegen wir so was nicht in Hannover? Warum reißen sie nicht das Sprengelmuseum ab und bauen uns was Vernünftiges an seiner Stelle? Was soll da ein Anbau? Stephan drängt darauf uns die Neuanschaffung zu zeigen. Den Schäferhund von Otto Dix und hetzt uns noch mal nach oben. Ja, das Bild ist auch toll.

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Sonst gefällt mir eine junge Frau mit Ziege aus Marmor. Das Haarnetz und die Glöckchen an der Ziege. Kitschig, aber ich würde es gerne aufstellen bei mir zuhause.

Wir fahren ins Caracol und essen und trinken. Das ganze Auto riecht derart penetrant nach dem Wacker Kaffee, wie ich es noch nie erlebt habe. Wir machen Witze über eine Fahrzeugkontrolle. Wir essen lecker, ich Feigenfrischkäse mit Salat (im Hintergrund sieht man meiner Neuanschaffungen, den Fisch aus Stoffresten sowie unscharf die Häkelmaus für die Katze). Es gibt auch Kürbisravioli und Hirsch mit Sternanis sowie ein Fleur de Sel Caramel, Apfel Nachtisch.

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Anschließend macht Charlotte eine Stadtrundfahrt mit uns. Vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt, Bauwerke und Straßenstrich, Bauwerke und Fixer. Ich schlafe dann fast im Auto ein, weil die Spätvorstellungen der Tage davor und der viele Alkohol ihren Tribut fordern. Zuhause lerne ich Socke, den Kater der Familie kennen, der das Spielzeug mit der Reizleine viel reizvoller findet als die tote Maus, den gehäkelten Klops. Wenn man ihn animiert, spielt er auch damit und steigert sich richtig rein. Das scheint normal zu sein bei Jungkatzen. Er wird von Herrchen und Frauchen geschult im harten Spielen und hat schon erfolgreich einen Kanarienvogel im Garten erlegt. Ich bekomme Ausstellungsbücher der Galerie Goldstein geschenkt und Samenbomben. Zu der Galerie wollen wir Morgen vielleicht hin. Es gibt Tee und Whisky und schließlich ist es fast 2 Uhr.

26.10. Es hat heftig regnet. Wir lassen es langsam angehen in der Hauptstadt der Erdbeere. Kriftel.

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Jörg holt Brötchen und es gibt lecker Frühstück. Ich nähe den Aufhänger aus dem Kurzwarenladen aus geflochtenem Leder in seine Kunstlederjacke. Ich hoffe, das ist kein böses Zeichen. Es haben sich schon Paare getrennt, wenn ich angefangen habe Näharbeiten bei dem Typen zu verrichten. Das fällt mir auch gerade erst beim Schreiben ein.

Wir fahren auf Umwegen nach Frankfurt, damit was zu sehen kriegen. Höchst, Nied und Griesheim sowie die Adlerwerke.

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Dann Innenstadt. Hier gibt es auch herrliche selbstgemalte und schwer verständliche Hinweisschilder.

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Sowie einen Bembel und Streetart mit Büchern.

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Erst zu Iimori schön Matcha Latte trinken

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und dann Bitter und Zart wo ich für teures Geld Schokolade einkaufen. Die Schaufensterdeko von denen ist schon sehr toll.

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Ca. 1,5 Stunden später und nach dem Dom und der Caricatura merke ich, dass ich die Tüte irgendwo habe liegen lassen. Das war entweder in dem Laden mit den Handschuhen oder im Dom, wo ich mich auf eine Bank gesetzt habe und das Iimorispeisekartengesangsbuch studiert habe. Das ist dekadent. Einkaufen und dann unterwegs einfach liegen lassen und vergessen. Ich bekomme sie zum Glück wieder in dem Laden in dem ich die petrolfarbenen Wollhandschuhe gekauft habe, liegt sie vor dem Tresen auf dem Boden und ist umgefallen und unbemerkt. Glück gehabt. Die Caricatura kostet keinen Eintritt. Eine tolle Rattelschneck-Ausstellung.

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Ich lache mehrfach unangebracht laut und kaufe dann in dem gut sortierten Laden Postkarten für 30,- €. Ich hatte versprochen den Eintritt in Karten umzusetzen. Ich freue mich sehr an ihnen. Dürerkarten habe ich keine gekauft, weil ich 2,50 € Wucher finde und dann auch noch mit einem hässlichen weißen Rand.  Das sollen andere, döövere Touristen kaufen. Das mache ich aus Prinzip nicht, aber diese tolle Auswahl gezeichneten Postkarten ist die Wucht, deshalb schlage ich zu und erfreue mich immer wieder daran. Im Café Metropol nehmen wir im Garten ein Getränk bei 20 °. Ich trinke Süßen. Das ist frischer Apfelsaft, der braun oxidiert ist und sehr lecker und wir essen Frankfurter Pflastersteine von Bitter und Zart und ich schreibe eine Runde Tagebuch.

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Dann geht es weiter zu Galerie Goldstein. Hier stellt ein Künstler aus, der HipHop-Motive mit einem alten Zeichenprogramm am Rechner umsetzt. Es sind sehr lustige und gekonnte Sachen, die dabei heraus kommen und sie sprechen mich sehr an. Gegenüber ist Wagners sowie das bemalte Haus. Beides wird kurz in Augenschein genommen.

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Daneben wieder toller Himmel, meist mit einem Flugzeug (weil wir sind in Frankfurt mit International Airport) und Schaufenster einer Apotheke sowie ein halbes Stellengesuch.

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Dann fahren wir zu einem Shoppingmall bei Charlottes Arbeit in der Nähe wegen der Aussichtsplattform. Hier oben kann man sogar inmitten der Hochhausskyline Tischtennis spielen. Das wäre was für Sabine und Stephan und auch für Larissa und mich als Zuschauerinnen. Das hat schon was und ist als Kulisse spannender als die Rampenstraße in Linden, der sog. Kackstreifen. Das muss ich zugeben.

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Dann fahren wir bequem im Auto die Stadt ab nach der Brasilian streetart und werden fündig.

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Schließlich gibt es prämierte Cocktails im 22. Stock eines Hotels. Tolle Aussicht, leckere Drinks. Das Herbstlaub hat seinen Weg durch die Eingangsschiebetür gefunden und dekoriert die Lobby unten mit großen, stimmungsvollen Haufen auf dem Boden. Dann fahren wir nach Bornheim ins Solzer. Ich lerne neue Worte kennen. Hier gibt es Imbisse, die nennen sich „Döneria“. Solzer ist sehr urig. Ein älteres Paar zahlt gerade und wir wollen an den Tisch am Tresen. Das bemalte Haus sei für ältere Leute. Da gebe es außerdem nur gekochtes Fleisch und der Wagner sei Touristenfalle. Da würde jeder Taxifahrer der Stadt die Japaner und ausländischen Touristen, die nach Frankfurter Küche fragen hinfahren. Hier gibt es Schnitzel und grüne Sauce. Mehr als man essen kann ohne sich den Magen zu verrenken, zumindest wenn man auch Handkäse und diverse Vorspeisen bestellen musste. Ich trinke Rauscher, die anderen Apfelwein.

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Die Bediengungen haben einen Konflikt, eine Frau aus dem Service und der Haupttyp am Zapfhahn bzw. Umfüller. An der Schrankwand hängt ein rotes Aufkleber: „Bevor isch misch uffresch is mer’s liewer egal“. Dieses Motto wird weniger praktiziert zwischen den beiden. Es geht sehr bodenständig zu und der Apfelwein wird aus großen weißen Plastikkanistern in die romantischen Tonkrüge umgefüllt und von großen Tonkrügen in kleinere und schließlich in die gerippten Gläser und dann erst in den Mund. Manche holen das Zeug auch als take-away und lassen es sich in mitgebrachte Cola-Flaschen umfüllen. Die Küche schließt um 23 Uhr, dann ist auch innen Raucher. Wie im Wagners ist hinten ein großer Baum in den Raum integriert und quasi eingebaut. Ich gehe gleich auf mein Zimmer und ins Bett mit Wärmflache und Ibuprofen. Unterleibsdings. Out of order.

27.10. Werde sehr früh wach und bastele eine Runde. Schaue die Goldsteinkataloge durch. Charlotte wird wach. Wir trinken Kaffee. Ihr ist aufgefallen, dass die Leute mich ganz schön anschauen würden und sie glaubt, das seien Touristen. Ich glaube, das sind genauso Frankfurter, zumal es oft die Ladenbesitzer waren und damit ist die Identität schon mal klar und einmal mehr überlege ich mir, warum sind die Hannoveraner derart cool. Kennen die mich vielleicht schon und sind abgehärtet?

Wieder gibt es total leckeres Frühstück mit leckerer Fleischwurst von der ich nicht genug kriegen kann und Honig aus dem Frankfurter Stadtwald.

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Dann kaufe ich ein altes Fahrrad von Jörg für 600,- €.

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Nein, nicht das. Ein herrlich restauriertes Adler-Fahrrad, Baujahr 1939 mit lauter Specials, die ich noch nie gesehen habe wie kleine rostige Ketten an den Ventilkappen und eine Klingel, die man über eine Handbremse betätigt, die wie ein Dynamo am Reifen funktioniert. Dann das Reifenschloss mit dem Metallstab. Dieses Teil muss ins Museum. Ein Typ, von dem Jörg das Rad gekauft hat, hat es restauriert und jeden Schritt minutiös dokumentiert und nur die Materialkosten in Rechnung gestellt. Ein Foto des Rahmens mit Spitzendecke aus seinem Wohnzimmer im Hintergrund ist auch mit dabei. Es ist so cool und leider fährt es auch richtig geil. Erst will ich es nach Wien liefern lassen, auch wenn die Jahreszahl hier problematisch sein könnte (Eroberungfahrrad). Dann entscheide ich mich um, weil ich so verknallt bin und will es als Sonntagsfahrrad hier in Hannover haben um damit anzugeben. Ich werde es jede Minute bewachen (zumindest beim ersten Ausflug).

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Ich bekomme ein Glas Honig und Charlotte schenkt mir ein herrliches Seidentuch aus den 50ern, was aussieht wie die Muster des Geschenkpapiers, was wir unter uns aufgeteilt haben und was ich seitdem durchgehend trage. Jörg mag Manschettenknöpfe. Das muss ich mir merken.

Wir packen unser Zeug zusammen und fahren nach Bergen-Enkheim zum Flohmarkt. Dieser findet in einer Parkgarage statt und es herrscht schon Abbaustimmung als wir um 14 Uhr eintrudeln. Die Lichtverhältnisse sind auch schwierig. Die Gastgeber wollten meine Bedürfnisse befriedigen mit dem Zielort werden aber selber reichlich fündig. Jörg, der nach dem Fahrradverkauf in Ausgeberlaune ist kauft eine 70er Jahre Armbanduhr und einen grauen Ledermantel und Charlotte einen Blechschrank von Kaffee-Hag mit Innenbeschriftung über die Lagerung von Kaffee.

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Ich nur Kleinkram und die Pfote eines Schneehuhns in Silber gefasst für 4,- €, die ich vergesse mit abzubilden.

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Zum Abschied fahren wir ins Iimori und essen noch mal quer durch die Bank und geraten dabei in die Prosecco-Happyhour. Meine Flohmarktgiraffe mit der herausgestreckten Zunge liebt grünen Tee!

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Man kann auch Backkurse machen. Im Hintergrund läuft gerade einer. Die Chefin trägt eine niedliche Schürze und hat eine Plastikschale in der Größe einer Kinderbadewanne in der die Backzutaten angemischt werden.

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Die Gastgeber bringen uns zum Bahnhof. Der Zug hat dann 15 Minuten Verspätung. In knapp über 2 Stunden ist man in Hannover. Da kann man ruhig öfter hinfahren. Ist sogar näher als Köln, Stuttgart sowieso. Eine Frau mit Coffee to go in der Hand drängelt sich am Bahnsteig total dreist vor und schaut noch bescheuert als ich dagegen halte. Im Zug packt sie einen Marsriegel aus und wickelt den unteren Teil in ein Papiertaschentuch zum Essen. Das sieht genauso bescheuert aus wie sie ist isst und ist.

Männer in Freizeitdress

29.09. Wir werden sehr früh wach, aber ich fühle mich ausgeschlafen, weil ich wirklich so tief und fest geschlafen habe. Zuerst höre ich den älteren Sohn (den ich für diesen Text einmal Qualle nenne, weil er immer stundenlang Quallen gerettet hat an der Ostsee durch wieder ins Meer werfen) und dann Marc, wie er sehr laut mit einem Tennisvater telefoniert (wir schlafen in einem Spitzboden, der offen ist, so dass der Schall uns ohne Barriere erreichen kann). Am Vorabend war vergeblich versucht worden den Vater des Mitspielers zu kontaktieren um es so zu organisieren, dass dieser Jürgen (?) Qualle mit abholt und dann mit beiden Jungs zu dem Turnier fährt und Marc zuhause bei uns bleiben kann, aber irgendwie hat der Vater und alte Tennisspieler auch Hummeln im Hinten. Ja, „die Jungs sind weiter gekommen“ und nicht ausgeschieden und er wird Qualle zum Turnier fahren, „alles klar“, wird immer wieder laut gesagt und „ja gut, bis dann“. Ich gehe eine Treppe tiefer, wo die Familie in trauter Einheit im elterlichen Bett versammelt ist und kuschelt. Ein herrlicher Anblick von Säugetieren im Rudel und so richtig gemütlich mit Körperkontakt, dass man sich dazu legen will. Häh stellt fest, dass er auch mit will, aber nur wenn Franziska auch mit fährt. Wer kann da schon nein sagen und wach bin ich eh und Lust auf einen Ausflug habe ich auch. Dann will Häh wissen, ob Steffi wach ist. Er will ihm nur sagen, dass wir mit fahren zum Tennis. Ich sage, den lassen wir noch schlafen. Als oben vom Dachboden Stephans Stimme zu hören ist mit den Worten „pupsen kann ich auch im Auto“, gibt es kein Halten mehr für Häh, der leicht hysterisch wird schon beim Klang der Stimme und sofort oben ist beim Chef. Beim Tollen am Vortag als er oben auf dem Bär geritten ist, hat Häh festgestellt, „Du hast wenig Haare hier“ und er streichelt zärtlich die Stelle oben an seinem Kopf. Stephans Antwort: Räude.

Die Gastgeberin weiß was ich am meisten liebe, kennt mich lange und gut und immer steht eine Kanne mit kaltem Kräutertee für mich in der Küche bereit. Herrlich. Andere schütten den alten Tee weg. Das ist ganz böse. Ich fülle meine Sigg-Flasche und bin reisebereit. Jasmin und Stephan lassen wir zurück. Stephan schläft sogar noch eine Runde. Marc und die Jungs und ich fahren an der Ruhr entlang nach Mühlheim und sind bald in dem Sport- und Tenniscenter angekommen. Auf dem Weg dorthin passieren wir die Mühltalautobahnbrücke. Sehr eindrucksvoll.  Viele Pfeiler, sehr hoch. Das Wetter ist sonnig und wir fahren unten hin durch. In Mühlheim angekommen sehe ich, dass heute Trödelmarkt ist, zum einen anhand der Plakate und dann sieht man auch schon den Konvoi mit Fahrzeugen mit Kartons hinten drin und bin noch freudiger gestimmt. Die Jungs spielen in der Halle, die farblich ausgesprochen gut zu meinem Outfit passt, zumindest der Teppichboden zu meinem Kleid und meiner Strumpfhose und in Strümpfe bewegen wir uns darauf. Mit Handschlag begrüße ich Jürgen, den anderen Vater und wir nehmen auf den Zuschauersesseln Platz. Ich gehe in das angrenzende Café auf der Suche nach mehr Koffein. Der Bordcomputer der vollautomatischen Maschine spinnt und verlangt immer „Trester ausleeren“ obwohl die Schublade bereits entleert wurde. Dann werden die Shops eröffnet und Tennis- und Sportklamotten vor die Tür gestellt in eine kleine Passage wie im Arosa-Hotel in Travemünde. Soll ich mir eine Dunlop-Hose kaufen für Yoga? Das muss nicht sein. Dafür gehe ich um 10:15 Uhr zu dem Trödelmarkt und sage Marc, dass ich in einer Stunde wieder da bin. Jürgen hatte mir zwar die falsche Richtung erklärt, aber ich folge einfach dem Strom der Menschen. Erst bin ich irritiert über die Neuware, Billigklamotten aus China und Lebensmittel und stelle dann fest, dass der Trödel in der zweiten Reihe verkauft wird, also ein gemischter Markt irgendwie, mit teilweise Trödel. Der Markt hat laut Plakat Öffnungszeiten von 11 bis 17 Uhr. Natürlich ist es schon knallvoll bei dem herrlichen Wetter, aber irgendwie eine komische Stimmung. Zwischendrin überall Autos, die noch einparken und ausladen und aufbauen und die rangierenden Autos zwischen den Trödelsuchenden. Das nervt. Dann heißt es, offiziell dürften sie erst ab 11 Uhr verkaufen. Das hätte letztes Jahr richtig Ärger gegeben und es wären welche rausgeflogen. Wo gibt es denn so was, frage ich mich. Ich binde mir gleich einen sauschweren roten Blumenübertopf ans Bein. Zum Glück finde ich später die passende rote Reisetasche für 3,- €. 5 sehr schöne farbige Eierbecher und eine Butterdose kommen hinzu. An diesem Stand sehe ich auch die dekorativen Sammelteller aus Baden-Baden und denke an unsere Freundin dort, aber die sammelt keinen Kitsch. Ein Foto muss genügen.

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Alles findet vor der Kulisse eines alten Förderturms statt. Man merkt doch, dass man im Pott ist. Auch das will ich fotografieren, den Gesamteindruck, die Stimmung auf dem Trödelmarkt in Mühlheim festhalten, aber die Batterie ist leer. Ich schaffe nicht alles, d.h. laufe nicht über den gesamten Markt, der zum Fluss hin sich erstreckt (Auen) und kehre um wieder zurück an den Hockey spielenden Frauen vorbei.

Ich sehe das letzte Spiel von Qualle. Er kann richtig gut spielen und ist talentiert und die Kinder entscheiden selber ohne Schiedsrichter, ob ein Ball im Aus ist. Qualle macht zusätzlich zu seinem anstrengenden Spiel die Ansage des Spielstandes und das bewundere ich schon. 15 zu 40, usw. muss er sich merken und richtig ansagen. Marc, der nebenbei mit Häh Tennis spielt, der einen Schläger mit sehr kurzem Griff hat, passt auf. Der blonde Junge ist kräftiger, aber Qualle spielt sehr elegant und macht immer Tricks mit dem Schläger und dem Ball, sehr gekonnt. Die Jungs sind sehr höflich und fair und einmal entschuldigt sich V. für einen „Netzroller“, wie man das wohl nennt und ich denke, warum, hat er nicht absichtlich gemacht, kann er nichts dafür, aber das mache man so, erklärt mir Marc. Die Väter sind schon auch ehrgeizig und sagen ihren Kindern, dass sie sich auf ihr Spiel konzentrieren sollen. Ich frage hingegen in einer Pause, ob sie nicht mal was trinken sollten. Nach dem zweiten Tie-Break scheidet Qualle aus. Ich lobe ihn, dass er toll gespielt hat, aber wir ihn auch so mögen, egal wie er spielt und sage als erstes: Jetzt ist endlich Frühstück angesagt. Die Jungs können nicht genug kriegen und wollen am liebsten weiter spielen, was sie auch noch eine Runde tun bis ich als treibende Kraft ermahne, dass wir uns angesagt haben zuhause.

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Qualle lobt meine rote Tasche und nur 3,- € habe die gekostet. Die würde seine Mutter für 60 kaufen.

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Zuhause hat die Gastgeberin die tollste Frühstückstafel aufgebaut mit Rührei, das einem schon entgegen duftet und kleinen Salaten (Humus, Tabouleh) bis hin zu einer beträchtlichen Käseauswahl, frischem Obst und Gemüse, geschnitten und selbstgemachten Marmeladen sowie einer Brot- und Brötchenauswahl. Sie hat sogar liebevoll eingedeckt mit dem Sonntagsgeschirr mit Goldrand, was dann von ihr von Hand gespült werden muss. Sie tut alles für ihre Gäste, das merkt man und fühlt sich sehr umsorgt und wohl. Da bleibt kein Wunsch offen. Doch: Häh wünscht sich nach dem Frühstück eine Runde Memory und die spielen wir auch. Mitten im Spiel stellt er fest: „Steffi liebe ich am meisten“ und ab da betätigt er sich als Hofsänger für Stephan und singt Lieder, die er spontan betextet und klatscht dazu: „Stephan ist ein schlauer Mann, der so gut Memory spielen kann“. Er ist eine richtige Rampensau und wenn ich mitgehe und auch klatsche oder Tanzbewegungen mache, dreht er noch mal extra auf. Häh hilft gerne im Haushalt und beim Kochen. Da sehe ich großes Potential. Während dessen macht die Tante lustige Fotos mit seinen kleinen Putzutensilien.

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Stephan und ich packen die Koffer und dann wollen wir noch mal einen Spaziergang machen. Erst geht es durch die Wohnsiedlung. Hier will ich für künftige Kalender eine Serie von Nachbarhäusern machen. Im Kalender 2014 gibt es ein Foto von mir auf einem weißen Elefanten vor einem geklinkerten Haus sitzend. Dieses Haus ist 3 Häuser neben dem unserer Freunde. Ich denke, ich mache mal eine lustige Yogastellung vor dem Haus auf dem Bürgersteig, auf den Rasen traue ich mich nicht und wer macht gleich mit? Unser kleiner Freund Häh.

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Dann geht es in den Wald, der richtig schön ist, auch wenn diese Fotos es nicht wiedergeben.

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Hier wird man immer wieder von Downhill fahrenden Männern überholt, die in ihrer Freizeit die gelbe Radlerhose anziehen und entweder mitten auf der Straße fahren wie Jan Ullrich und mit dem Auto überholt werden müssen (das hatte wir ständig auf dem Weg nach Mühlheim, wahnsinnig gefährlich und es gibt doch Radwege) oder eben durch den Wald pesen ohne Rücksicht auf Verluste. Immer wieder Zeichen der Industriekultur. Auf dem großen roten Förderrad machen wir einige Fotos. Die schöneren kann ich aus Datenschutzgründen hier leider nicht zeigen, sondern nur die von mir alleine (langweilig).

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Zwei ältere Männer haben sich verfahren mit ihren Rädern. Sie suchen die Ruhrquelle oder so. Ich sage Marc, er hätte die fragen müssen, wie viel sie heute schon getrunken haben. Die wirkten leicht verwirrt. Je näher wir an den Balderney-See kommen, desto voller. Immer wieder lärmende Motorräder trotz der Schilder: Naherholungsgebiet, Lärm vermeiden. Ich sage den Gastgebern, die sich lustig machen über die Hobbyradfahrer, die das Fahrrad oben auf dem Auto zum See fahren um dann dort um den See zu fahren, was ich noch peinlicher finde als die sind mittelalte dicke Männer, die sich gegenseitig ihre Motorräder zeigen und davon gibt es am See hunderte. Die Motorräder sind ca. 500 Meter aufgestellt in Reihe, alle auf dem Ständer, leicht in Schräglage und ich sage mehrfach laut „Domino-Day“ und habe die tollsten Phantasien dazu. Wenn ich jetzt eines anstoße, wann wird die Fallkette unterbrochen? An der nächsten Kurve? Ich bin für Sozialismus. Verbot von Motorrädern, Zwangsverkauf der Harley und mit dem Erlös eine Verhaltens- und Sexualtherapie finanzieren, damit diese Männer lernen sich sinnvoll zu beschäftigen in ihrer Freizeit. Allein die Freiheits-Biker-echter-Kerl-Uniformen, die sie tragen finde ich lachhaft. Marc sieht es ähnlich, sagt mir aber, dass dann hier die Revolution ausbrechen würde, weil der Rubi und sein Auto, verstehe ich zuerst und denke Abkürzung für Ruhrgebietler, aber es heißt Ruri. Im Kindergarten hätten sie was für die Umwelt tun wollen und das wäre dann eine Initiative für mehr Parkplätze in Essen-Werden gewesen. Unsere Gastgeber wollten dabei lobenswerterweise nicht mitmachen. Die Jungs haben Kickboards dabei und der Tante tun langsam die Füße weh. Häh will sich an den Händen von uns nach vorne schwingen lassen. Das tun wir einige Male und wieder brechen seine Lobgesänge aus ihm hervor.“ Stephan ist ein schlauer Mann“ usw. Klatschen dazu oder er greift Stephans Hand und küsst sie einfach spontan. Ich finde das so süß und sage zu Stephan, das sei Päderastentum in umgekehrt. Der kleine Junge wird körperlich und aufdringlich. Er ist verknallt in Steffi. Aber wir auch in ihn. Wir kehren ein im Haus am See. Hier ist der Blick frei auf den See und die Segelboote, Villa Hügel gegenüber nicht verstellt von den spießigen Campingplätzen und ein DJ legt loungige Musik auf. Man steht lange an für sein Getränk und hört immer wieder: Kuchen? Das dauert ½ Stunde und man denkt, warum, da stehen doch die Bleche mit dem Kuchen, aber Auflösung: der muss noch auftauen. Nicht nur TK-Kuchen, sondern es auch nicht schnallen wann man welche rausholen muss, weil dass bei dem T-Shirt Wetter am Sonntag Gäste kommen würden, war nicht vorherzusehen.  Das ist peinlich. Die Kinder wollen zu Mohammed. Das ist ein kleinerer Stand mit Kaffee und er macht Crêpes selber, aber heute auch nicht und das Haus am See musste sich bei ihm schon Kaffeebohnen leihen.

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Da ich quengele wie 5 Kinder, dürfen Marc und die Jungs und ich Frozen Yoghurt mit Toppings essen, während Stephan und Jasmin unser Gepäck holen. Die Waffeln am Stiel sehen aus wie Fischfilets…

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Dann geht alles schnell. Damit wir den Zug um 18:23 Uhr bekommen fährt uns Marc zum Bahnhof. Als Marc anhält vor dem Bahnhof, fährt ein Auto vor uns rückwärts und etwas in Marcs Auto hinein. Marc steigt aus und sagt gleich zu dem Fahrer: „nichts passiert“ und zwar so, wie man einem 3 oder 4-jährigen, der hingefallen ist erklärt, dass er keine schwerwiegenden Verletzungen hat und jetzt nicht wegen der Überraschung des Falles oder der Aufmerksamkeit anfangen muss zu weinen. Solche Anwälte liebe ich. Tatsächlich ist an Marcs Auto auch nichts zu sehen, es wird ohnehin als Gebrauchsgegenstand betrachtet, bei dem anderen, der reingefahren ist, ist ein deutlicher Riss vorhanden. Wir bedanken uns für die schöne Zeit bei unserem alten Freund.

Im der Bahn die Nachrichten. Da haben wir den Salat. Die Bahntickets werden teurer, nur weil einige Querulanten Erstattung bei Verspätung haben wollen. Ist doch klar, dass die Bahn sich das von den anderen Kunden zahlen lässt. Danke europäisches Gericht dafür! Dafür bietet der Sonnenuntergang einen herrlichen Blick.

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Stephan hatte die Eltern gefragt, ob er seine rote Trinkflasche aus der Fitnessstadt für Häh da lassen könne (das muss man die Eltern vorher fragen). Immer wieder hatte er danach gefragt, ob er die haben dürfe. Jasmin hat uns dann im Nachgang geschrieben, dass Häh mit der Flasche geschlafen hat und sie ganz stolz in den Kindergarten mitgenommen hat am nächsten Tag. Das muss Liebe sein. Von unserer Seite auf jeden Fall auch und auch zu Qualle, der in diesem Text vielleicht zu kurz kommt, aber von den Gefühlen her nicht. Beide sind gleichwertig, wie das bei Eltern oder in diesem Fall Möchtegern-Ersatz-Eltern halt sein muss. Es ist toll, wenn man keine eigenen Kinder hat, aber zumindest alte Freunde, Marc ist unser Trauzeuge, deren Kindern einem so sympathisch sind und auch so nah stehen und mit denen man sich so innig verbunden fühlt. Das intensiviert auch die Freundschaft. Hier tendiert man ja eher dazu sich auseinander zu leben, gerade wenn der Alltag in verschiedenen Städten stattfindet, aber das schafft ein neues Band und einen intensiven Zusammenhalt und es wird ein Mehr durch die nächste Generation, eine Bereicherung der Freundschaft durch die Kinder, statt dass die stören. Ich bin ganz glücklich. Wir wollen 2015 zusammen wieder verreisen und ein Haus in Italien mieten. Da hat Tante Franziska schon mal was zum Drauf freuen.

Essen und Essen

Bei herrlichstem Sonnenschein machen wir unseren Büroausflug nach Köln. Am Vierertisch nebenan sitzen 2 ältere Pärchen, die auch daher kommen wie ein Büroausflug, spaßfrei trotz Lachbonbons, die verzehrt werden von den rüstigen Rentnern. Ich rege mich auf über das Bahnurteil. Mein Rechtsverständnis ist damit wieder einmal nicht kompatibel. Die Bahn muss entschädigen bei höherer Gewalt? Und wer zahlt denn den Autofahrern Schmerzensgeld, wenn sie vor lauter Baustellen Stunden später als geplant ankommen? Ich kann es nicht begreifen.

Wie immer staunen wir über den Kölner Dom, steigen dann aber ins Taxi. Der Fahrer versprüht keine Kölner Unterhaltsamkeit, sondern hat ausgesprochen schlechte Laune. Mein Kollege fragt, wie das Fenster hinten zu öffnen geht. Erst ignoniert er die Anfrage und sagt dann auf eine erneute Nachfrage kurz angebunden und grantig: „wir sind gleich da“. Das muss reichen und es ist sein Fahrzeug. Das Chelsea Hotel

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sieht uns nur kurz, denn wir haben eine Mission. Das Le Moissonnier, eines unserer (d.h. Stephans und meiner) Lieblingsrestaurants in ganz Deutschland.

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Daher auch mein heutiges Outfit. Ganz klar: ich will mich einschleimen, auch wenn es eher die belgische Flagge ist, die ich in Herzform als Hütchen trage. Ich bin zuversichtlich, dass die Botschaft verstanden wird. Der Laden ist schön, locker und lecker. Wir laufen zu Fuß dort hin und schauen uns auf dem Weg Köln an. Es gibt viel Fitness und Piercing im Belgischen Viertel. Der Laden „Body Consult“ mit drei muskelbepackten Kerlen davor gefällt mir besonders, aber auch in anderen Läden kann man durch Schaufenster sehen wie Männer, die total verkabelt sind irgendwelche körperlichen Übungen machen und das offenbar gemessen und aufgezeichnet wird (Fitnessanalyse?).

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Es werden auch Fotos gemacht vor Häusern, die ich als typisch Köln empfinde und deklariere (Klinker, halt)

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und immer wieder der Dom am Ende der Straßenschlucht als Kulisse.

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Nach kurzem Blick in die Karte, zuerst in die Aperitifkarte, die ich so liebe, dann in die andere, entscheiden wir uns für das Menü. Ich bekomme zu meinem Aperitif so eine lustige Gabel, damit ich die Kirschen im Champagner harpunieren kann. Ich frage nach um zu erfahren, dass es sich um eine Austerngabel handelt.

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Wir werden nicht enttäuscht und das Essen hat sich sogar noch gesteigert gegenüber den Vorbesuchen. In der Vergangenheit waren die in drei Teilen servierten Gänge z.T. sehr klein und fast kalt und man hatte etwas den Eindruck lauter Grüße aus der Küche zu essen und ich weiß, wie toll hier Fisch zubereitet wird und wollte daher eigentlich eine Fischvorspeise in á la Carte Größe und ein Fischtagesgericht, so richtig viel und befriedigend, aber das Menü lockt doch und die Entscheidung muss tischweise gefällt werden. Kalbsleber mit Minzöl, Senfeis, Rohkost u.a. mit rote Beete und Zwiebelringen, die Vorspeise ist schon mal köstlich und mein Bedauern, dass es keine Gänsestopfleber gibt, ist sofort verflogen.

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Dann geht es weiter mit Thunfisch, Sashimi-Style mit Meerrettich und Kokosflocken, gratinierte Muscheln und einer lackierten Sardine bei der der Schwanz hinten nur angelegt ist zur Deko (easy eat, wie der Japaner sagt). Ich bin aus dem Häuschen vor Freude.

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Der St. Petersfisch, ganz glasig ist der Hammer und auch der Zwischengang, eine moderne Interpretation einer Paella mit Puffreis und einer kleinen Sangria im Schnapsglas (irgendein Alkohol mit Mango oben drauf) dazu ist sehr gelungen. Ich bin durch den Alkohol gelockert und halte mir vor Überschwung das Buttermesser an die Pulsadern. Es hat einen dicken Holzgriff auf dem es sogar prima stehen kann und keinen Teller benötigt.

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Dann gibt es Kaninchen mit orientalischen Gewürzen und Auberginenmus und Couscous. Wir teilen uns einen Käsegang (Kümmelgelee zum Neutralisieren) und dann gibt es Nachtisch. Walnussbrownie und Cheese Cake als Nachspeise, ohne Kuchenteig, sowie die üblichen Leckereien aus der Küche zum Kaffee.

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Auch die Weinbegleitung ist gut und wir sind erneut überzeugt von dem Laden. Der Inhaber fragt mich beim Gehen was eine Berufsbetreuerin sei und schaut mitfühlend und sagt was davon, dass ihm immer die Familien leid tun würden.

Ich und noch mehr mein Kollege sind in Tanzstimmung. Der Student, der uns an diesem Abend begleitet, weiß aber auch nicht, wo hin mit uns. Diverse Läden mit Schlangen vor der Tür, grässliches Jugendvolk, Tussis mit French Nails und „Damen umsonst“ schrecken uns ab und so landen wir im Hallmackenreuther, wo man zwar nicht tanzen kann, aber die Musik gut ist.

Ich schlafe nicht so gut und brauche dringend einen Kräutertee. Den bestelle ich unten im Café und schütte ihn zu dem Leitungswasser in meine Sigg-Flasche. Wir frühstücken bei Schmitz, einer ehemaligen Metzgerei, in der es viele Quiche und Kuchen gibt. Ich sitze im Schaufenster und die Sonne wärmt meinen Rücken.

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Der Metzger-Laden gehört zu dem Café nebenan, welches viel größer ist und ganz nostalgische Toiletten hat.

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Gegenüber ist ein toller Ballonladen, aber die Ware ist leider zu unpraktisch für Reisende. So gerne hätte ich mir einen kleinen Corgie-artigen Hund gekauft….

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Nach einem Besuch im Magazin, einem Möbelladen, für mich etwa genauso spannend wie Ikea, müssen mir alle zum Uni-Viertel auf einen Flohmarkt folgen.

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Auf dem Weg dorthin wird ein Straßenfest aufgebaut. Ich kaufe ein Buch aus den 50er oder 60er Jahren über Haustierhaltung für Kinder. Die Aquarien und Terrarien sind winzig klein und darin soll man Feuersalamander halten?  Papageien kommen darin genauso vor wie diverse Äffchen und eine griechische Landschildkröte, jeweils mit Haltungstipps. Es gibt zwar noch Zoos, aber die Zeiten haben sich doch etwas geändert, stelle ich fest. Nicht einmal Rihanna darf so was noch!

Auf dem Flohmarkt gibt es Karnevaldevotionalien und Vieles mehr, auch einen tollen Blick.

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Vor der Abfahrt zieht es die Gruppe in den Dom. Ich warte mit dem Gepäck vor der Tür. Ja, es muss wirklich ziemlich nach einem Wunder oder einer religiösen Erscheinung innen ausgesehen haben, aber mir reichen die Bilder auf dem Bildschirm der Kamera. Ich bin faul, auch wenn der Zauber wirklich gut ausschaut. Es sind die Glasfenster von Gerhard Richter, wenn ich es richtig verstanden habe.

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Andererseits sieht es auch zu niedlich aus, wie ich auf der Domplatte warte mit dem Gepäck. Dabei lese ich mein neues Haustierbuch….

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Mit einem Regionalzug geht es nach Düsseldorf und dann nach Essen. Im Zug ist es voll. Auf einem Viererplatz sitzt eine Frau mit dunklen Haaren, die einen Werbeballon trägt und Dienstbekleidung mit Werbung hinten auf dem Rücken und denke sofort: die kenne ich von Shopping Queen. Das ist peinlich, aber wahr. Manchmal wenn ich am Basteln war am Wochenende lief das und es war auch die Sendung aus Düsseldorf mit dem Thema „Traumhochzeit“ und sie war als erste dran und hat sich ein ganz spießigen, weißes Kleid ausgesucht und an den Outfits der anderen immer viel rumkritisiert (sie hat aber Gott sei dank nicht gewonnen, sondern ist zweite geworden). Sie hat Hasen als Haustiere und lebt mit ihrem Freund zusammen in einer kleinen, hässlichen Wohnung. Ich sage Stephan nichts, aber als die Frau aussteigt, sagt Stephan zu mir, guckt man cool, die kann japanisch. Auf ihrem Namensschild steht Franziska mit einer japanischen Flagge als Zeichen, dass sie diese Sprache spricht und ich erinnere mich daran, dass es in der Sendung auch Thema war, dass sie japanisch spricht und einen Satz auf japanisch sagen sollte und der Vorname stimmt auch. Die Bestätigung meines Verdachts, quasi.

Die Freundin und der jüngere Sohn holen uns vom Bahnhof ab. Wir wollen keine Eisdiele, sondern lieber gleich mit dem Gepäck mit dem Taxi zu unserer Gastfamilie. Der Taxifahrer überholt einen Bus, der gerade nach Blinken ausschert, nachdem er an einer Haltestelle gehalten hatte, aber wir überleben knapp. Die Freunde wohnen steil am Hang, es gibt dort einen schönen Blick vom Balkon und auch leckeren Kaffee. Die Gastgeberin nimmt zwei Blazer aus meiner Sammlung und ich bin glücklich, dass sie ihr so gut stehen. Ich nenne den jüngeren Sohn mal „Häh?“, weil das fragt er gerne und ich habe diese Eigenschaft von ihm übernommen. Häh will Star Wars Quartett spielen und sagt die Zahlen 6 und 7. Das sind dann Siebenundsechzig Abwehrpunkte von dem Jedi-Ritter.

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Beim Autoquartett (Autos 1976, mein Gastgeschenk neben Manschettenknöpfen für den Vater, dessen Sammlung ich bei jeder Gelegenheit auffülle und einem Schlüsselbundanhänger aus Paris mit Tennisschläger und Perle als Ball, seit frühster Jugend schenke ich dem Vater Tenniskitsch)

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können wir nur oben, d.h. Zylinder (geht wohl bis 8) oder unten Türen(geht bis 4) als Kategorien nehmen. Dazwischen will Häh mit Stephan tollen. Er nennt ihn Steffi und Steffi ist der Bär, auf dem er kreischend herum klettert. Die beiden sind herrlich zusammen und es gibt eine tolle Fotoserie, die ich allerdings leider nicht verwenden darf an dieser Stelle. Daher mache ich Übersprungsfotos im Kinderzimmer…

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Vater und der ältere Sohn V. kommen am späten Nachmittag von einem Tennisturnier des Sohnes wieder. Ich sage, was den ganzen Tag Tennis gespielt und Morgen vielleicht noch mal? Das lässt sich doch vermeiden durch Bälle ins Aus schießen und dann kann man das Elend schneller beenden. Der junge Spieler hat Ehrgeiz und würde das nie tun. Seine Freunde klingeln und wollen noch in den Wald. Das geht nicht, weil der Babysitter erwartet wird. Der tapfere Babysitter wird tatsächlich noch einen kurzen Spaziergang mit den Jungs und dem Freund in den Wald machen an diesem Abend.

Wir fahren zu der Lesung eines Freundes. Dieser liest in einem putzigen kleinen Laden, der wie eine Wohnstube eingerichtet ist.

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Die Wirtin hat kein Bier kalt gestellt. Außer uns ist noch ein weiteres befreundetes Pärchen anwesend. Unser Gastgeber sagt seinem Freund, dass wir einen Tisch vorbestellt haben und nur ca. 1 Stunde Zeit. Dieser scheint schwer enttäuscht und muss jetzt seinen ganzen Plan ändern. Erst mal isst er Bratkartoffeln, die nach 10 Minuten angeblich noch zu heiß zum Verzehr sind. Dann kommt die Poetry Slam-artige Geschichte, die davon handelt, dass der Autor immer wieder Frauen rettet, die den Drogen und dem Alkohol verfallen sind vor diesen Substanzen und ihrem fiesen Ex-Freunden und ihnen dann die Wohnung einrichtet mit schönen Retro-Möbeln. Statt ihm das zu danken, verlassen sie ihn dann bald und flüchten zurück in ihr altes Leben, der Hölle, aus der er sie errettet hatte. Er bleibt zurück und wundert sich. Stephan und ich teilen uns ein Schnittchen, d.h. eine Luxusknifte und trinken Weißwein.

Wir hatten im Vorfeld mit einem Japaner in Düsseldorf geliebäugelt, aber das ließ sich so spontan nicht umsetzen. Wir gehen noch mal französisch essen und das Menü für 56,- € muss gelobt werden. Rotisserie heißt der Laden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und ich esse gegrillten Ziegenkäse mit warmem Ratatouille-Salat (große Stücke), Ingwersorbet mit Vodka als Zwischengang. Kalbfleisch, rosa und zart 3 kleine Stücke auf Trüffelnudeln und dann entscheide ich mich statt für das Creme Brulée für Ziegenkäse mit Asche und dazu einer überbackenen Feige. (Ich habe mich hier gegen erneute Essensfotos entschieden).

Zuhause gehen wir bald ins Bett, nachdem der Babysitter ausgelöst wurde. Sie schaut Sportschau und 11,- € müssen vom letzten Mal verrechnet werden.

Schlaganfall Angie – die Woche vom 09. -13.09

09.09. Beim Zurückkommen aus Hamburg war mir wieder eingefallen einer der Hauptgründe warum ich meinen Atelierplatz gekündigt habe als ich die Zinnober-Plakate hängen sehe und wir mit der Stadtbahn vorbeifahren. Diese Veranstaltung war immer Horror für mich und sie hat an diesem Wochenende wieder stattgefunden und ich musste weder mitmachen bei einem Künstlerspeeddating (die reinste Zwangsprostitution für mich) noch mich herausreden (und damit asozial sein und die blöde Kuh, die nicht mit macht), aber dann wenigstens vorher meinen Platz schön aufräumen, damit sich die Lehrerinnen nicht für mich schämen müssen. Beides grauenhaft und überflüssig zugleich und dann die interessierten Landeier, die einen Fragen, was es bedeutet und wie man auf die Ideen kommt und ich fühlte mich immer penetriert und will mit diesen Menschen einfach nichts zu tun haben, wie ungebetene Gäste, die zuhause die Schränke aufmachen und sich alles erklären lassen wollen oder der Gorilla hinter der Glasscheibe im Zoo.

Ich wundere mich die Tage auf dem Weg zum Sport oder in die Stadt immer wieder über das Wahlplakat von Frau Merkel, auf dem ihr Mund schief verzerrt ist wie nach einem Schlaganfall und das bei all den technischen Bearbeitungsmöglichkeiten von Fotos heutzutage, dieses verkrampfte und asymmetrisch verzogene Lächeln, was keines ist.

Der teure Schokoladenkaviar aus Hamburg-Ottensen und: hat sich die Investition gelohnt?

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Doppeltermin in Langenhagen in der Psychiatrie. Die junge Frau neben mir stiert mir auf den Kopfschmuck und überlegt sich wegzusetzen. Ja, es ist das, wonach es aussieht und war früher mal im Klo. Ich bin so eine Sau. Beim ersten Termin mit Herrn A. ist ein Praktikant der Sozialarbeiter studiert, Bachelor heißt der Abschluss, mit dabei. Der Regen, ich muss mein Fahrrad zuhause lassen und sogar einen Schirm mitnehmen (!). Das passiert mir ganz selten und ich lehne dieses Hilfsmittel eigentlich ab. Der Herbst hat Einzug erhalten, ganz plötzlich. Ich sehe am CCL ein herrliches Plakat auf dem für ein Hamburgbesuch geworben wird. Die Plakate unterwegs mit Steuersucht statt Steuerflucht oder so ähnlich, auf denen für Steuerlehrgänge geworben wurde, konnte ich leider nicht ablichten.

Hamburg denken

Nachdem wir gestern den total langweiligen Bericht über Karl Lagerfeld, den Stephan für mich aufgezeichnet hat geguckt haben, bis ich abbrechen wollte wegen Langeweile mache ich mir Gedanken zu Thema Luxus. Was ist Luxus? Sauberes Wasser was aus dem Hahn kommt, aber eine Handtasche für 30.000,- € gegenüber einer für 30,-, die denselben Zweck erfüllt, kann ich nicht verstehen. B-Promis kommen nach Hannover, wohin auch sonst denke ich als wir am Wasserturm vorbeifahren. Marc Terenzi war neulich auf H 1, in einer ganz erbärmlichen Pro Gay-Sendung, die das Schützenzelt für Gays und das Maschseefest empfohlen haben. Pro Gay finde ich gut, aber nicht diesen Spießerkram. Das muss ich leider auch bei Gleichgeschlechtlichen konsequent sein. Marc war im Interview und sagte so was wie: Ich bin gemoved nach Hannover, because I have a Projekt hier. I work mit einem DJ together. Schlimmes Denglish spricht der Mann. Elisabeth Taylor kommt vorbei mit dem Gaszählerstand (sie hatte nur Strom richtig abgelesen beim ersten Anlauf). Sie trägt einen riesigen Wal (Stofftier) über der Schulter. Modell Orca. Das ist filmreif. Ich bleibe ganz ernst und lass mir nichts anmerken.

10.09. Der Herbst grätscht sich fest, statt noch mal auf Altweibersommer zurück zu stellen. Psychiatrische Praxis Nordstadt, Versichertenkarte einlesen lassen. Mein Betreuter hat die Fachärztin nicht reingelassen. Dann Amtsgericht. Frau hat über das ambulant betreute Wohnen eine Betreuung angeregt wegen u.a. Schulden. Erscheint nicht. Zuständig ist ein ganz junger Richter, der mich bei der Gelegenheit als Verfahrenspflegerin bestellt. Es geht wieder einmal um einen Alkoholiker, der Korsakov hat und gerade im Nordstadtkrankenhaus ist und nach Langenhagen soll. Die Anhörung findet am selben Nachmittag um 17 Uhr statt. Es ist genau die Infektionsstation auf der ich auch mal gelegen habe mit meiner Lähmung. Alte Erinnerungen werden wach. Der Mann hat doch erhebliche Gedächtnislücken beim Kurzzeitgedächtnis und erzählt lieber von früher, als er bis zu 16 Lkw samstags gewaschen hat. Er weiß nicht, wo er wohnt, aber was er weiß ist, dass es in Langenhagen schwarz gekleidete Jungnazis gibt, die die Alkis grundlos verprügeln und dann einfach weiter gehen, als sei nichts gewesen. Eiskalt seien die und da sei es besser, wenn man in einer Gruppe von Trinkern sei. Da trauen sie sich nicht so ran oder man muss sich in den Rewe flüchten und einen Verkäufer bitten, die Polizei zu rufen. Bis die dann kommen, seien die in alle Himmelsrichtungen verschwunden.

Ich liebe den schönen Friedhof gegenüber dem Krankenhaus. Das Efeu auf der Mauer hat eine schöne Frisur. Auf dem Weg in die Nordstadt treffe ich einen Bekannten, der mit seinem schwarzen Königspudel durch den Park joggt. Ich war mittags noch mal zuhause und habe mit einer Wollmütze nachgerüstet. Nach dem Termin flüchte ich mich beim immer stärker werdenden Regen zu Edeka und dann nach Hause und nehme ein Vollbad mit dem Gartengebräu, was man eigentlich sofort hätte verwenden sollen. Es riecht auch nicht mehr so super, aber ist ja nur äußerliche Anwendung. Den ganzen Tag denke ich an Tom ka gai, vietnamesisch mit dem knackigen Blumenkohl. Das war superlecker und hat mich glücklicher gemacht als das teure Haus an der Alster. Ich bin halt einfach gestrickt. Kaufe vor lauter Sehnsucht einen Blumenkohl auf dem Markt, Suppe muss ich selber machen und das wird eine pürierte. Lieber wäre mir die andere, aber die bekomme ich so nicht hin. Dazwischen ruft Elisabeth Taylor an, die mich fragt, ob ihre Üstramonatskarte ungültig sei, wenn sie sie einschweißen lässt. Das habe sie getan und das sei ihr dann erzählt worden. Warum hat sie das machen lassen frage ich. Wegen Flecken und Knickerei. Sie war übrigens „da“, sagt sie mir. Da? Frage ich. Sie nennt mir den Namen des Psychiaters, also bei der Spritze. Das ist gut, auch wenn man es nicht so merkt. Wie wäre es wohl ohne?

11.09. Vormittags ein Telefonat mit einem Kollegen bei dem ich mal in der Ausbildung war im Referendariat. Wir kommen ins quatschen und ich frage ihn, ob er auch Samstag Karten für die Opernpremiere habe. Ja, Premierenabo und auch fürs Schauspielhaus. Fleißig. Ich sage ihm, dass es für mich eher eine Pflichtveranstaltung sei und er macht mir Mut, das wäre eine schöne Oper, der Maskenball und die Veranstaltungen der Musikhochschule seien auch immer ein guter Tipp. Die experimentieren mehr, die jungen Leute. Ich fahre nachmittags nach Neustadt. Große Holzkrawatten in rot, gelb und blau hängen in den Bäumen. Blöder geht es nicht. Das will ich noch nicht einmal fotografieren. Mey ist es hässlich hier, denke ich immer wieder. Meine Betreute ist schüchtern und wartet schon ca. 1 Stunde. Die Anhörung dauert nur Minuten. Der Richter hat verwackelte Farbfotos an den Wänden, die bunten Lichter bilden Striche, sehr originell und ein Dartspiel hängt auch. Ob ich einen Ausschlag im Gesicht hätte, fragt sie mich anschließend. Was soll ich darauf sagen, die Hormone haben meine Haut versaut, was andere in der Pubertät hatten, ereilt mich im Alter, aber darüber reden will ich nicht. Ich hatte Jahrzehnte tolle Haut und habe nie Probleme gehabt, jetzt habe ich sie und denke, es gibt Schlimmeres, z.B. Krebs. Der Zug ist voll mit Schülern und die Stadtbahnlinien 3, 7 und 9 sind durch einen Unfall beeinträchtigt. Ich habe ein Buch: „Zum Glück gab es Punk“ dabei und bin bemüht, es abzuarbeiten. Den Anfang fand ich spannend, aber jetzt ist es mehr Pflicht und Ehrgeiz es zu Ende zu bringen als alles andere. Die Demo für die Abholzung der Eilenriede zugunsten einer Rollschuhbahn mit Plastikbäumen umsäumt finde ich lustig. Der saure Regen tötet die Natur, dann lieber gleich kurzen Prozess und Plastikbäume aufstellen, die der Modernen gewachsen sind. Sahra Wagenknecht macht auf Frieda Kahlo. Wollen die mir alles verderben? Ihr alter Knacker, Macker aus dem Saarland ist dann der Freskenmaler oder was? Mir ist schlecht. Abends die Doppelyogastunde tut gut. Beim Kundalini merke ich, dass meine Kräfte noch nicht bei 100 % sind. Ich habe Schwindel und Kreislaufprobleme. Gottseidank findet alles heute im Sitzen und Liegen statt. Ein tolles, energetisches Set. Ich bin nach den Klopfübungen und der Selbstmassage und den Mantren wie weggebeamt und sage: Stehen wird überbewertet und ist beim Yoga echt nur eine Option. In der normalen Yogastunde ist noch etwas Körperarbeit angesagt und Mikael demonstriert etwas an mir, was er für „schon fast pervers“ hält. Das sorgt für Heiterkeit. Abends gibt es die zweite Portion Pasta an diesem Tag. Die Tochter meiner Cousine verkauft Doc Martens in London. Die wollen wir aufsuchen auf der Hochzeitsreise Anfang Dezember. Das ist eine lustige Erfahrung, wenn die Kinder der anderen auf einmal erwachsen sind und man kann etwas partizipieren, auch wenn es nicht die eigenen sind. Meiner Lieblingsyogalehrerin, die bei Triyoga unterrichtet kommt doch nicht nach Hannover, weil keiner außer mir ihren Workshop buchen wollte. Das finde ich natürlich total schade, weil ich das initiiert habe und die richtig gut unterrichtet, aber offenbar gehen die Yogaschülerinnen nur zu dem Yogastars, die sie von Youtube kennen. Ist halt wie überall und ich werde einfach in London wieder einen Klasse von Mimi besuchen, die mir ihrem tollen, fordernden und interessanten Yogaunterricht mit Qigong-Elementen neue Anregungen gibt und einen voran bringt mit der eigenen Praxis.

12.09. Traum. Wir sind in New York und passen auf den Säugling meiner Kollegin auf. Ein hellblondes Mädchen, ganz klein. Ich bin noch müde und frage mich, ob ich neben der im Bett einfach schlafen darf oder sie dann aus Versehen zerdrücke. Dann sind wir im Park. Eine Frau kommt mit ihrer Tochter zu uns heran und will den Namen des Babys wissen. Den haben wir uns leider nicht gemerkt. Das kommt komisch an. Ehepaar mit Säugling und sie wissen den Namen nicht. Wir erklären ihr dann,  dass sei die Tochter der Kollegin und die ältere Tochter (ca. 8 Jahre, so alt wie Du, sage ich zu dem Mädchen) von der hätten wir uns den Namen schon gemerkt, aber leider nicht von der Kleinen und sie kann auch nicht helfen, weil sie noch nicht bestätigend auf ihren Namen reagieren kann. Sie heißt Claire, wie sich später herausstellt, komischer Name denke ich mir und einen kleine Chihuahua-Mix haben die beiden auch, meine Kollegin und ihr Mann, der ist lieb und schnappt gar nicht, im Gegensatz zu den Problemhunden bei Cesar Millan (tatsächlich hatte die Kollegin sich einen Bürohund anschaffen wollen, den ich dann streckenweise auch genommen hätte, aber dazu kam es nicht) und ich mache mir im Traum Gedanken um den Langstreckenflug im Säuglingsalter und halte das irgendwie für unverantwortlich, aber jetzt erst mal einen leckeren Kaffee. Wir gehen im Hotel die Treppe hoch, dicker Teppich liegt auf den Stufen. Der Wecker klingelt.

Heute 80er Jahre Delight-Outfit und ich fühle mich etwas wie aus Denver Clan. Ich weiß gar nicht, ob ich diesen Look mit Schulterpolstern so gut finde, aber bei den jungen Mädchen, die sämtliche Geschmacksflauten der 80er abfeiern wird der Look gut ankommen, außerdem hat das Kleid eine tolle Verarbeitung, einen ganz tollen Wollstoff und einen langen Schlitz, so dass man bequem aufs Fahrrad kommt. Alle fahren weg in den Herbstferien, nur wir nicht. Gut, wir waren echt genug weg dieses Jahr. Ich habe keinen Grund mich zu beschweren. Trotzdem denke ich sehnsüchtig an Istanbul, Wien und New York habe etwas Fernweh. Da ich mit Stephan schon über 25 Jahre zusammen bin, ist mein Leben beim Thema Partner von einer großen Liebe geprägt. Bei den Städten gab es viele große Lieben an die ich mich sehr gerne erinnere. Vor allem das erste Mal Barcelona ist mir sehr präsent, aber auch Istanbul und Wien.

Mittags gehen wir in einen neuen vegetarischen Imbiss in der Deisterstraße. Viel Fertigsoße (die süße Chili-Soße aus den großen Flaschen). Mehr frisch und knackig wäre mir lieber. Allerdings freue ich mich sehr über die Nachbarläden. Hier wird vom Prittstift, bis 10 Gebote auf Gummilappen, head and shoulders, ambulant betreutes Wohnen, zumindest der Prospekt, Teelichter bis Staub und Stempeln alles Mögliche feilgeboten. Auf der anderen Seite gibt es hochwertige Etuis, die zwar schwarze Flecken haben, aber dafür herabgesetzt sind.

10 Gebote ABW Pritt Head und shoulders Qualität Etui

13.09. Morgens ruft meine Mutter an, sie kommen gerade von einer Dienstreise mit Hotelübernachtung in einem Schloss und Restaurantbesuch wieder, mein Vater wird Morgen in einer Woche an der Schulter operiert und heute Nachmittag sind sie wieder unterwegs und werden abgeholt. Sie will mir aber sagen, dass ich kürzer treten soll. In Wirklichkeit wird es ihr zu viel und deswegen wohl der Hinweis an mich und/oder wegen Muttersorge. Mich macht das allerdings bockig. Ich lass mir doch von meinen Rentnereltern, die ständig unterwegs sind nicht vorschreiben, dass ich kürzer treten soll!

Am Nachbarhaus sind ganz liebevolle Maler zugange. Der eine junge Bursche liegt auf dem Rücken auf einer Leiter und streicht den Giebel über sich. Die leisten gute Arbeit und ich lobe sie gegenüber unserem Nachbarn. Wir hatten seinerzeit eine Malerfirma Flecks, die den für teures Geld frischsanierten Sandstein nicht abgeklebt und mit Farbklecksen versehen hat und einfach überall Farbe hingeschmiert hat. Wenn man aus dem Haus ging, wurde man selber getroffen, ein gelber Handschuh mit passendem Farbabdruck landete auf dem Dach unseres Nachbarn usw. Unglaublich schlecht waren die und diese sind unglaublich gut. Auch bei Handwerkern gibt es beides. Ich sage nur Better call, Saul. Saul Goodman aus breaking bad bekommt eine eigene Sendung.

Die Kastanien erwischt es doch als Erstes. Braunorange geflammte Blätter, die Früchte sind noch grün, die Blätter schon voller Herbst. Ich habe einen Scheidungstermin und die Mandantin hat ihre volljährige Tochter mitgebracht, die dabei sein soll und auf einem Zuschauerplatz sitzt. Immer wieder freut sie sich demonstrativ, dass sie den Typen los ist. Danach gemeinsam zu Oma und dann zum Tätowierer schlägt die Mutter vor. Er kommt und ich denke, dass ist noch eine erwachsene Tochter, die vor der Tür auf ihn wartet, aber es ist wohl seine Neue. Meine trinkt unter vor der Tür des Amtsgerichts Rotkäppchensekt aus der Flasche und freut sich, dass sie „den Schmarotzer endlich los“ ist. Es wirkt aber ganz anders, so als würde sie mit allem dem sehr schlecht fertig werden und zitternd ihre Überlegenheit beteuern und demonstrativ zur Schau stellen, während sie sich aufregt, wie er mit seiner Neuen Arm in Arm läuft und dabei braucht sie noch die Unterstützung der Tochter, die herhalten muss und sich vermutlich mitfreuen über die Scheidung der Eltern (das ist pervers) und auf einmal blutet sie und weiß nicht woher. Sie ist panisch: ist es im Gesicht, ist es im Gesicht? Es ist ein Schnitt am Finger. Die Tochter sagt: „ohh Mama, chill doch mal ein bisschen“ und dann muss ich noch mit einem Taschentuch aushelfen. Was für eine peinliche und erbärmliche Vorstellung. Das ist die Bilanz einer 18 jährigen Ehe. Ich weiß warum ich diesen Anwaltskram am liebsten gar nicht mehr machen will nur noch schön mit meinen Verrückten. Da habe ich mehr Draht dazu.

Nachmittags ist Demo am Lindner Marktplatz angesagt. Die Polizisten tragen seit neustem hinten Nummern. 7213 und so. Leider sind die Nachwuchspolizisten alle nicht schussfest und haben ein dünnes Nervenkostüm, d.h. so eine Veranstaltung ist schon eine Zumutung für sie und wenn dann noch was dazu kommt, gibt es Burnout und Dienstunfähigkeit.

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Während sich die Gegendemonstranten einfinden, kann ich den Feind nicht richtig ausfindig machen. Sind das diese armseligen Hanseln? Der eine dick mit weißer Regenjacke (see through) durch die was Rotes durchscheint, was aussieht wie eine rosa Wurst, der andere auch dick mit Blaumannhose, der vor dem Rathaus ein paar prollige Gesten macht. Beide Daumen nach oben oder unten, Becken nach vorne. Ich verstehe diese Veranstaltung nicht und weiß auch nicht, ob man diesen peinlichen Gestalten, offensichtlich lernbehindert nicht mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt, als sie verdient haben. Anhänger haben sie keine. Es sind nur die Gegendemonstranten und die Polizei da. So richtige Nazis, die Obdachlose und Alkis verprügeln und denen man auf die Klappe geben will sind sie einfach nicht, sondern so peinliche Opfer, die sicher in der Schule viel gehänselt wurden und nicht richtig lesen und schreiben können. Sie scheinen die ganze negative Aufmerksamkeit zu genießen, sie baden im Geräuschmeer der Pfiffe und Buhrufe und jetzt wird eine Runde Deutschlandflagge geschwenkt. Oh mein Gott. Bald ist der Spuk vorbei und die packen das Klappplakat wieder ein und rollen die Fahne auf und steigen wieder in ihren Tourbus.

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Mein Betreuter, der um 14 Uhr einen Termin hat, taucht nicht auf. Ein ungünstiges Timing, zumal Herr T Anti-Aggressionstraining machen soll (laut seiner Bewährungshelferin, die für Oktober mit mir einen gemeinsamen Termin vereinbart hat) und ein Problem mit Bullen hat er auch und das bei den Aussichten am Lindener Marktplatz. Ist er nicht durchgekommen? Gab es Probleme unterwegs?  Mir hat die letzte Strafverhandlung gut gefallen. Es war mal kein Drogendelikt, sondern er hatte seinen Nachbarn vertrimmt, der zuvor seine Freundin geschlagen hatte, die dann bei meinem Schutz gesucht hat. „Der Typ schlägt Frauen, der soll nicht heulen, der soll selber leiden“, war sein Fazit. Guter Junge, dachte ich mir damals. Die Frau war dann wieder zu dem Schläger zurück gegangen. Auch eine fiese Erfahrung für ihren Helfer, aber leider typisch nach meinen Erfahrungen.

In der Sache, in der ich Verfahrenspflegerin bin und der Wohnungskündigung nach 39 Jahren nicht zugestimmt hatte, beschwert sich der Betreuer beim Gericht über mich. „Frau A., war aus meiner Sicht in ihrer lauten, dominanten, autoritären, selbstherrlichen und unsensiblen Art dermaßen voreingenommen, voreilig kritisierend und anklagend, unangebracht belehrend und unfähig zu einer konstruktiven Kommunikation, daß ich hiermit Beschwerde gegen diese Verfahrenspflegerin einlege“. Lesen wie anderen einen sehen ist doch immer wieder herrlich. Ja, so bin ich. Was ich inhaltlich falsch gemacht haben soll, konnte ich dem Text von lauter beschreibenden Charaktereigenschaften leider nicht entnehmen. Er tauscht das Schloss aus von seiner Betreuten als sie im Krankenhaus ist und kassiert das Sparbuch und versucht sie – aus meiner Sicht – ohne hinreichenden Grund wohnungslos zu machen gegen ihren Willen. Ja, das habe ich kritisiert und auch wie er seine Rolle als Betreuer wahrnimmt, weil hier der Willen des Betreuten gilt und dann erst mal kilometerlang nichts. Jetzt mag er mich wohl nicht mehr, aber meine Klientin ist wieder in ihrer Wohnung und hat einen Pflegedienst und ich habe regelmäßigen Kontakt zu ihr und dem Helfersystem, also ich bin da ganz gelassen, dass ich doch ihre Interessen wahrnehme und halt nicht die Interessen ihres gerichtlich bestellten Vertreters, der offenbar alle Alkoholiker, die sich ja latent selber gefährden in Heimen unterbringen will und deren Meinung dazu ihn reichlich wenig interessiert.

Wir bekommen Post aus Hamburg von Normann. Eine süße Lockengans von Greenpeace.

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Ich rufe die prollige Verwandtschaft meines Mandanten an, die im Ruhrpott lebt. Es geht um das Testament und meiner ist Alleinerbe. Die Schwägerin will das nicht einsehen und schimpft die ganze Zeit, meiner (der im Übrigen schwerbehindert ist und in einer beschützen Werkstatt arbeitet sowie eine Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht) der hätte seine Lehre zu Ende machen sollen damals, was soll die Scheiße. Sie wollen Halbe/Halbe und nichts anderes. Ihr Mann kann auch anders, dann geht es halt auch zum Anwalt und wenn das ganze Erbe dann für den Rechtsstreit drauf geht das ist ihnen auch scheißegal. Das mit der Mutter und dem Testament, da sei nur Scheiße gelaufen und sie hätten sich immer gekümmert und jetzt wird noch ihre Tochter eingeschult und ihr Mann würde arbeiten und sie würden es nicht einsehen. Eine supersympathische Frau. Ich bin geradezu dankbar als der Mann mich noch mal zurück ruft, mit dem man etwas vernünftiger reden kann, auch wenn sie im Hintergrund die ganze Zeit zetert was mich sehr aggressiv macht. Ich erkläre ihm, dass wir eine Lösung finden wollen und keinen Streit, aber an den letzten Willen seiner Eltern gebunden sind und sein Bruder da vor allem nichts dafür kann. Schwierige Sache.

Abends fahren wir zum Abschluss der Woche zu Biagio. Ich habe total Lust auf die Pasta mit geschmortem und gebratenem Zickleinragu, eine Lasagnette. Der Hammer. Das kann keiner so wie er. Auch die lackierte Wachtelbrust ist sehr gut und die Wirsingsuppe mit einem dicken Parmesanflatschen unten drin. Köstlich. Es gibt eine halbe Portion Pasta mit Meeresfrüchten und Steinpilzen und Stephan isst Wels mit sehr leckerem geschmortem Salat als Gemüse, knackig und Safranrisotto.

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Wir nehmen den großen Nachtischteller für 2 und ich verleihe der einen Stammbedienung (Benny) einen antiken Weintraubenknopf als Somelierzeichen zum Annähen. Auch dem Chef gefällt der Knopf, aber er ist anderweitig schon seinem Mitarbeiter versprochen gewesen. Ein runder Abend. Schade, dass der Laden am anderen Ende von Hannover ist.

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