Archiv der Kategorie: Sauerrahmbutter

Alltagsberichte – das Tagebuch

Toxic

25.02. Werde früh wach und mache morgens gleich eine volle Wäschetrommel mit meinen neuen Polyesterblusen vom Humana (ja, das ist Wienerisch. Ich sage nur: schaut grantig drein im RTL). Ich habe echt Lust auf eine liebevoll belegte Käsesemmel von der Kantine des Akademie-Theaters. Ohhh Mei. Ich könnte heulen. Nächstes Mal will ich nach dem Yoga dort hin. Stephan hat wieder Bedenken, ob die öffentlich außerhalb der Vorstellungen. Ich habe keine Bedenken. Ich versuche zu analysieren, warum ich Kaffeehaus so liebe. Klar, ich bin sehr verfressen und bei Meixners können echt besser kochen als ich zum Beispiel, aber das kann nicht alles sein, weil Wasser kann ich ziemlich gut kochen, d.h. z.B. Tee zubereiten nach allen Regeln der Kunst und der Tee schmeckt auch bei mir, aber trotzdem trinke ich ihn lieber im Café Schwarzenberg oder im Café Schoppenhauer. Warum? Es ist die ganze Atmo. Es sind die Ober, die einem das servieren. Heute muss allerdings das Muster vom Steffeldach auf meinen Handschuhen genügen um mich an all das zu erinnern.

Ich bekomme eine heftige Nachzahlung vom Finanzamt. Freue mich aber tatsächlich mehr darüber, dass sie Stephan das Geld für die erste Perücke erstatten wollen. Das war echt eine Frechheit, das Teil. Passte auf keinen Kinderkopf, der reinste Sondermüll. Wir haben eine zweite gekauft und ich den Schatz überredet, das bestellte Teil für 4,10 € zurück zu schicken. Aus Prinzip. Nachmittags schreibt mir der Steuerberater, was er seiner Haftpflicht gemeldet hat. Ist immer Umsatzsteuernachzahlung, die dann zu Einkommenssteuernachzahlung führt und dann ist ein Teil des Gewonnen wieder weg. Ich merke, dass mich diese Zahlen gar nicht interessieren. Gottseidank mache ich meine Arbeit gerne, zumindest die Betreuungen, um die es bei dieser Sache ja auch geht. Das andere ist bedrucktes Papier. Gut, von der Summe will ich mir eine Beteiligung bei Urbanek kaufen.

Ich fahre zu meinem Termin, Hilfeplanung. Erst mal nach Alten. Im Zug ein total schwuler Typ, der Handy spricht: „Ich habe die Küche aufgeräumt und im Wohnzimmer, Flur und Schlafzimmer gesaugt. Da muss nur noch der Abwasch gemacht werden. Die Töpfe. Das schaffe ich erst Morgen. Habe heute Abend eine Vorstandssitzung. ….Kann ich nicht genießen. Ich sitze die ganze Zeit am Schreibtisch (Anm.: wir fahren Zug bei herrlichstem Sonnenschein). Bist Du sicher, dass Du 10.0000 bei der Region beantragt hast? Ich würde mehr bei der Klosterkammer beantragen. Die haben einen extra Fonds im Kinder- und Jugendbereich…“ I love it. Irgendwie sieht dieses an den Gleisen geparkte Fahrzeug nach einer Filmszene aus.

Auto zwischen Bahnlinien 2

Mit dem Bus durchs Dorf. Man ist das deprimierend hier. Lauter moderne, hässliche Bauteile, ich kriege das Fürchten. Ich steige eine Station zu früh aus und komme genau pünktlich an. Ich treffe meine Betreute vor dem Eingang und frage sie, wie es Freitag war. Sie sagt, sie habe Schlaftabletten genommen. Ich: nein, ich meinte die Wohnheimbesichtigung in der Mellendorfer Straße. Ach so, die sei gut gelaufen. Bin ich unsensibel? Ständig nimmt sie Pillen und meldet es dann. Für das Verständnis ist heute die Sozialarbeiterin aus der Weinstraße da. Die ein ganz sorgenvolles Gesicht macht und immer fragt, wie fühlen Sie sich dabei? Was muss passieren, dass es Ihnen gut geht mit diesem und jenem. Gespräche als Ventil im Vorfeld, schlägt sie vor. Bevor die ganzen Kleinigkeiten wieder zu so was führen. Meine Betreute wird einen Tagesstätte in Lehrte besuchen und hat da Lust drauf und dann mehr Ablenkung und dann eine eigene Wohnung suchen. In meiner Dauerkliniksache, die bald ein Jahr voll hat, soll das ambulant betreute Wohnen nach Aktenlage entschieden werden, sagt mir Frau Verständnisvoll im Anschluss. Ich fahre zurück. Wenn ich weg war, fällt mir der Dialekt wieder stärker auf. Hier sagt man nach einem Satz, einer Erklärung so isoliert als Nachtrag: „deswegen“. Das sage ich selber gerne, weil es so schön dämlich klingt und hatte es mir zugeschrieben, aber isse Dialekt. So wie in Wien: Ohh ja, aber mit einer bestimmten Betonung. Das heißt da: doch, das stimmt. Bekräftigend.

Das Wetter ist eine einzige Freude. Ich habe das Gefühl, alle, jeder Vogel merkt, dass es jetzt nur noch bergauf geht. Frühling und dann der Sommer und Wärme und Licht.

Stephan wartet um 13 Uhr vor dem 11 A und hat eine kleine Zeitung in der Hand. Würde ich normalerweise für die Taz halten, aber die habe ich ja dabei. Ist die Taz II, weil wir derzeit den Nordbayerische Kurier umgeleitet bekommen, weil Detlef im Urlaub ist. Wir gehen zu Mr. Thang, allerdings müssen wir innen sitzen. Für 5,90 € bekomme ich Sushi des Tages und eine Miso-Suppe. Neben uns sitzt eine nervige Tussi. Ihr französisch kommt mir so falsch vor wie die Designertasche, die sie trägt. Sie rückt den Tisch (2 an einander) etwas weg, als wir uns dazu sitzen. Penetranter Ausschnitt und ganz penetrante Tonlage, sie tätschelt immer die Hand des Typen, der ihr gegenüber sitzt so wie ein Hund am Baum markiert. Ich muss an das Stück am Sonntag denken. Toxic. Das hat der Typ immer zu der Frau mit der Nervstimme gesagt: Du bist toxic. Dich kann man nicht genießen. Du bist ungenießbar. Du bist toxic, an Dir würden die Kröten lecken. Mir geht es so, dass das Stück nachwirkt. Direkt im Anschluss war ich überfordert und jetzt kommen nach und nach Sachen hoch. Es wirkt nach. Kaffee gibt es gegenüber in der Bar. Das Mädchen ackert wie blöd und ist alleine und alle wollen was bestellen, mitnehmen, zahlen und als wir gehen kommt noch die Frage: „habt ihr auch Gutscheine“ und ich zu ihr: „Das jetzt auch noch. Schöne Schicht noch“. Davor steht eine Frau hinter mir und sagt: „keine Angst, ich nehme nichts“, weil meine Handtasche da steht. Ich sage ihr, dass ich mein Portemonnaie eh in der Hand habe. Sie hat dann doch was genommen, also bestellt, wie Stephan meint. Das ist norddeutscher Humor. Gefällt mir.  Wir kaufen einen herrlichen Strauß für die Wohnung.

Nachmittags viel Post und abends mal wieder etwas zum Sport. Ich leide und will die ganzen Kuchen aus Wien nicht anfassen (ja, so schlimm ist es). Ich glaube, mein Körper zwingt mich zu einer kleinen Anti-Pilz-Diät ohne Zucker und Weißmehl. Das wird hart, mal schauen, was sich umsetzen lässt und wir es mir dabei geht.

26.02. Morgens erst mal die Arbeiten der Baumbeschneider in Augenschein nehmen. Die Misteln ist der Baum jedenfalls los.

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Wir haben ein gerahmtes an der Fassade. Das Motto gefällt mir schon mal und sollte man sich da nicht geehrt fühlen, dass man auserwählt wurde? Das soll nach Meinung einer Partei wieder weg und ich bin Fürsprecher der Street Art, also wieder von der Querulanten- Messiefraktion. Warum immer alles abmachen? Ist doch schön urban, der Beitrag. Seit wann schadet Silikon dem Putz? Damit sind doch auch die Fenster eingeklebt worden. Es ist wohl eine Galerie in Lehrte oder so, die hier für sich wirbt. Ein Freund konnte das Zeichen in der Ecke mit dem Handy einlesen.

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Die neue Mitarbeiterin des Kollegen schreibt mir eine email, dass die Ärztin aus der Klinik mich in der neuen Betreuungssache um einen Rückruf bittet um „das weitere Vorgehen abzustimmen“. Ich rufe an und erfahre, dass meiner gestern während eines Ausgangs im Hof über die Mauer gestiegen ist und abgehauen. Welches weitere Vorgehen soll ich also abstimmen. Die Mitarbeiterin ist sehr bemüht und will meine Post wegbringen und eine Post abstempeln. Ich lehne ab, mache ich alles selber. Ich hätte viel Post bekommen, ob sie den Stempeln soll. Viel Post? 6 Briefe sind nicht viel Post. Egal.

Meine Kestnerkündigung zu Ende 2014 wurde bestätigt und ich schicke ihnen heute gerne ein Fax in dem ich den Grund angeben: Die Ausstellungen haben mir nicht gefallen. Den Shop, die Konzerte, Katalogen habe ich nicht wahrgenommen.

Mache einen Schriftsatz in der ärgerlichen Stufenklage. Sehr wohl kann das Gericht den Schaden schätzen. Schreibe ich alles schön, nur das Gericht denkt nicht dran.

Dann hole ich mir einen Brei zum Frühstück. Schmeckt nicht so toll. Ich erhalte einen Anruf von der Region wegen Übernahme einer neuen Betreuung. Die ist Jahrgang 85 und gestern aus dem Fenster des Wohnheims gesprungen und jetzt querschnittsgelähmt und liegt im Krankenhaus. Frühere Betreuungen endeten damit, dass sich Betreuer und Betreute nur noch über Anwälte schrieben. Nöö, das klingt nicht so verlockend. Mir reicht mein Ausbüchser und die andere Arbeit.  Ich rufe seine Oma an und spreche der auf den AB. Die Nummer hatte ich von der Ärztin.

Nähe Marktkauf werde ich von einer überzeugenden Transe überholt. Gefällt mir, überholt mich allerdings mit dem alten Klapperrad, hat doch mehr Kraft.  Auf dem Rückweg fahren wir wieder zusammen. Zufall? Macht überzeugend auf dunkelhaarige Tussi, nur die sehr große Nase fällt leicht aus dem Konzept (halt wie bei einer Frau vor der OP).

Erstmalig die Wohnung meiner Betreuten. Ich kannte nur Vorwohnungen. Ja, alles voller Verpackung. 5 Jahre keine Plastikflaschen weggebracht und bei jedem Lidl und Rewe-Einkauf 1-2 Tüten gekauft. Daneben ca. 20 stabilere, große Tasche von Rossmann etc. Stofftaschen in allen Größen. Warum nimmt man die nicht? Warum spart man nicht an Plastiktüten? Warum nimmt man die Plastiktüten nicht als Müllbeutel, sondern auft dafür extra Mülltüten? Muss ich wohl alles nict verstehen. Gottseidank gibt es Wertstoff- und Altpapiertonnen im Hof. Sie hat sich immer gewundert, was da rein soll (bezogen auf den gelben Sack). Da bin ich gerne behilflich. Diese Kinderbons, z.B., Plastikpapiere – gelber Sack, Karton – Altpapier. Da bleibt nichts für den Normalmüll übrig, außer Kaffeesatz und kaputte Plastiktritte. Mache den Altpapiercontainer voll. Bin ein bisschen stolz auf mich. Nachbarn gucken, aber ich bin ganz offensiv freundlich und grüße. Vertrockneter Kranz aus Buchsbaum mit großer Metallschrift „Believe“ an einer Nachbartür. Mache ich nächstes Mal Foto, habe ich vergessen. Man muss auch mal beschreiben können. Über 700 Plastiktüten. Das mögen die Wale nicht, sage ich meiner Betreuten. Über 500 Plastikflaschen und einen Sohn, der einfach nichts macht. Lauter alte Schulsachen von ihm und Fitnessverträge, alles extra, reiche ich ihm rein. Zeichenblöcke für die Kinder, mindestens 7 Stück, er lernt doch jetzt Erzieher, soll er sich zur Arbeit mitnehmen und verschenken. Sein Zimmer besteht aus Bett und großen Müllsäcken, sehr wohnlich. Er hat einen Kumpel zu Besuch, die können nur stehen, weil sonst nirgends Platz ist. Bei einer Kinderjeanshose sage ich, dass ich mal klopfen will, die soll er über ziehen, ob sie ihm noch passt. Altkleider nehme ich mit und schmeiße sie auf dem Rückweg in den Container, der ist auch gleich um die Ecke. Für alles ist gesorgt. Planungsbüro der Modernisierung ist das gute, alte Lindener Baukontor. Die können ruhig kommen und besichtigen, haben eh drei Frauen angekündigt. Wände sind tacko, weiße Tapete und ohne Löcher und das andere stinkt nicht und geht sie auch nichts an. Das sagt Frau A. dazu. Das Natur bewusst 7/8 Physik, Chemie und Biologie-Buch nehme ich mit zum Basteln, da kann ich im Buchbinderkurs so schöne Tüten daraus falten und kleben und es kommt daher nicht in den Container. Praktisch, wenn man so einen vor der Tür stehen hat. Mit blauen Säcken wäre das nicht gegangen. Alleine die Menge und viele Kartons, die wären aufgerissen und geplatzt und ich hätte einen Knall bekommen. Zum Schluss muss ich den zweiten Container „anbrechen“. Zum Glück waren beide leer. Die haben nur auf uns gewartet. Ja, ich drapiere oben eine Kestnerwerbung fürs Foto.

Kestner Altpapier

In 2 Wochen gibt es die Fortsetzung, dann kommt die Rumpelkammer dran und das Wohnzimmer. Das wurde ihr heute auch zu viel, obwohl ich mich gerade warm gelaufen hatte. Sie hatte nassgeschwitzte Haare, damit war ich 20 Mal zum Container gelaufen. Es ist der Psychostress. Der Sohn will vor der Wohnungsbegehung die Küche machen. Sein Wort in Gottes Ohr. Ich wunder mich, wie viel Spaß aufräumen machen kann, wenn es nicht die eigenen Sachen sind. Das Gefühl der Befreiung, etwas geschafft, verändert zu haben. Alles, was so dazu gehört. Jetzt bracht sie nur noch eine Matratze und hat ein Schlafzimmer und muss nicht mehr auf der Wohnzimmercouch hausen. Hier hat sie ein Nest gebaut aus Decken, Kissen und vor allem Verpackung.

Nach der Aktion mache ich früh Feierabend, weil Martin zu Besuch ist. Yoga fällt also die ganze Woche aus. Wir schneiden mein neues Adlerrad aus der Verpackungen heraus und die Jungs schrauben die Pedale dran. Für den Sattel brauchen wir Ricarda. Sie empfiehlt schwarzen Nagellack für den Gepäckträger. Hier gibt es weiße Stellen dort, wo das Gaffa auf dem Lack war. Wir fahren ins Boca. Das ist der neue Laden vom 11 A in der Kriegerstraße. Erst heißt es, keinen Platz, dann dürfen wir am Tresen sitzen. Dort bleiben wir auch, obwohl Tische die ganze Zeit frei geblieben sind. Der Laden ist cool eingerichtet, aber das Konzept will erstmal jedem erklärt werden. Nur ein 3-Gang Menü, Frauen und solche mit Kindern verstehen das oft nicht. Sie wollen dann nur einen Gang. Das muss grds. auch möglich sein. Mit einem Rentnertisch gibt es Probleme und die Bedienung muss Verstärkung holen. Der Opa bleibt beim Gehen in der Tischbeleuchtung hängen. Als der Chef auftaucht, ist die Stimmung zwischen den Mitarbeitern und ihm deutlich angespannt. Das merkt man sofort, dafür wird mehrfach gefragt, ob alles gut gewesen sei. Ja, war es. Mit der vegetarischen Jugendlichen wollen wir Samstag vor dem Theater hier hin statt ins Pio. Ich reserviere für 17:30 Uhr einen Tisch. Dann sitzen wir auch mal bequemer.

Der Adler fährt wie ein Dampfer, sagt Martin. Auf dem Rückweg will ich damit fahren. Am geilsten ist die Sturmklingel, die wie eine Bremse und ein Dynamo funktioniert. Auch der Klang ist toll und ich klingele vor lauter Lebensfreude. Muss mir das abgewöhnen, weil es nervtötend ist. Zuhause gibt es noch etwas Strudel aus Wien. Ich will draufweinen. Mit Martin besprechen wir seine Lisabonreise und einen gemeinsamen Städteurlaub im Sommer nach Berlin oder Paris. Er muss morgen um Viertel vor 8 gehen und wir uns den Wecker stellen, damit wir noch zusammen Kaffee trinken können.

27.02. Gestern war sein Thema Mäuse in der Passarelle (was für ein Wort, eigentlich? Klingt wie eine Pasta-Sorte: ich nehme die Passarelle mit Tomatensoße). Heute steht eine Hygieneprüfung in einem Lebensmittelbetrieb auf dem Plan.

Viele Bürotermine. Viel menschlich Deprimierendes an diesem Tag. Die erste Betreute kommt zu spät und bringt den Plan durcheinander. Sie verteidigt sich, dass sie keinen Missbrauch an ihren Kindern gemacht hat. Nur intensiv auf Genitalhygiene geachtet, 5-Jährigen beaufsichtigt, dass unten herum alles sauber gemacht werde und laut der Jugendeinrichtung den Sohn bis 9 Jahr gestillt. Er habe es gewollt. Sie mussten ihr dann erklären, dass das kein stillen mehr ist, wenn sie keine Milch gibt. Das ist ein schwieriges Thema. Offenbar sind beide Eltern Täter und die Mutter zumindest selber auch Opfer. Ja, sie wünscht sich Liebe und Umarmung von den Kindern und bekommt sich jetzt nicht. Die Kinder machen Therapien und distanzieren sich. Das ist insgesamt eine grausame Situation, in der es nur Opfer gibt. Leider kann meine Betreuten ihren Beitrag nicht richtig einsehen, warum sie die Kinder wegtreibt und was sie stattdessen machen könnte. Wie immer beende ich das Gespräch gegenüber der Jugendeinrichtungsmitarbeiterin mit einem Witz, dass es bald vorbei sei, wenn die 18 werden, dann hätten wir es alle überstanden. Dann erfahre ich, die Tochter ist erst 13, sieht nur aus wie 15. Ich sage, ich weiß nicht, wie sie ausschaut. Habe sie vor etlichen Jahren dort im Haus bei einer Hilfeplanung das letzte Mal gesehen und sonst würde ich die Kinder weder sehen noch duschen. Das fürs Protokoll und duschen wird überbewertet. 2 x die Woche reicht.

Dann der neue Erbfall. Die Mandantin ist total süß. Ihr Mann ist ihr Bevollmächtigter und betont, dass sie in der Werkstatt arbeitet. Insolvenzverfahren hatten sie beide, ihres läuft noch. Der Vater ist gestorben. Das hat sie über die Lebensgefährtin des Vaters mitbekommen, die seine Eltern angerufen hat. Seit 8 Jahren keinen Kontakt, wusste das Geburtsdatum des Vaters nicht. Da war Gewalt im Spiel. Mutter ist 1995 schon verstorben und Schwester ist tödlich verunglückt, Verkehrsunfall als sie 18 war. Da hat sie Schulden geerbt. Ich telefoniere nachmittags mit der Lebensgefährtin, die mich zurück ruft. Sie ist sehr nett und hilfsbereit am Telefon. Das Auto hatte er schon verkauft, weil er nicht mehr fahren konnte. Im Hintergrund bellt ein Hund. Ein Testament hat er nicht gemacht. Das Haus gehört ihr. Sie schickt mir Unterlagen zu.

Mittags zuhause Käsebrot und für abends vorkochen. Schmorgurken gibt es. Mal etwas Gemüse. Dem Kuchen aus Wien kann ich erneut nicht widerstehen und mache auch nur ganz wenig gesüßte Kondensmilch in den Kaffee.

Die Oma des neuen Betreuten, der Stimmen hört ist lustig bzw. ich amüsiere mich über das was sie sagt: Im Januar war er schon mal in der Klinik. Er sagte ihr, „er hätte sich im Marihuana vergriffen“. Er wurde auf eigenen Wunsch entlassen und sie konnte es nicht fassen, sie dachte, sie „laust der Affe“, als die Ärztin ihr das gesagt habe. Auch jetzt hat sie ihm Geld geschickt und wusste nicht, dass er schon wieder ausgebrochen ist. Die früheren Betreuer haben alles das Handtuch geschmissen. Er hat dann wieder was erzählt von zeugen Jehovas und dass ihn jeder in Linden kennen würde. Das sei die Paranoia oder Schizophrenie, den Unterschied würde sie nicht kennen. In Wunstorf raucht er mehr Tabak, weil er den Kiff wohl nicht bekommt. Sie weiß nicht, wo man so was kauft, braucht es auch nicht zu wissen. Dann machen ihr anderen den Vorwurf, die würde die Sucht finanzieren und sie sagt dann,“ mit 10 Euro kann man doch keine Sucht finanzieren“,. Ich frage, wer ihr die Vorwürfe macht. Da seien wohl Freunde. Ob die in der Klinik nur Sucht machen würden. Es würde immer Sucht heißen. Ich sage, ne, die machen auch psychiatrische Erkrankungen und von Marihuana kann man nicht süchtig werden, wie von Alkohol. Man kann auch keine Psychose davon bekommen, es sei denn man hat eine Neigung dazu, dann kommt es dadurch zu einem Schub, dass es dadurch ausgelöst wird. Ach so, endlich würde ihr das einer mal erklären. Sie gibt mir Name, Nummer und Anschrift der Pflegemutter. Da rufe ich nachmittags an. Erst will der Mann wissen um was es geht, ich will das aber seiner Frau persönlich erklären. Die will sich dann auslassen bei mir. Er hätte schon viele Betreuer gehabt, aber die hätten immer aufgegeben, weil er so unzuverlässig sei. Vor 8 Jahren sei er bei ihnen schon ausgezogen und man habe ihn immer eingeladen zu Weihnachten oder zum Geburtstag, zuletzt nicht mehr. Es sei ihr zu viel geworden und sie habe vorgeschlagen, eine Pause zu machen. Er hätte im Gegenzug ihr nicht mal zum Muttertag gratuliert oder so was. Nichts. Er habe auch nur immer bei den Geschenke geschaut, ob Geld dabei sei. Er wollte Bettwäsche, aber die hätte er dann gar nicht abgeholt. Sie kennt auch den Unterschied zwischen Paranoia und Schizophrenie nicht und sagt mir, dass ich einen schweren Job hätte. Sie hätte auch Jura studiert und Betreuungen „durchgemacht“, bestimmt 14 Stück. Wie viele Betreuungen ich denn hätte. Ich sage, mehr als 10 (Anm.: das ist die Grenze zum Berufsbetreuung). Das geht sie nun wirklich einen feuchten Kehricht an, denke ich mir. Er habe das Tafelsilber gestohlen und den Ehering der Mutter, die wäre nach einem Schlaganfall zu ihnen gezogen. Beides musste sie zurück kaufen, unten bei Karstadt. Ich bedanke mich für das Gespräch und denke nur, wie traurig ist das alles. Umso mehr bin ich entschlossen, diesem jungen Mann eine Konstante in seinem Leben zu sein. Ich hasse Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit und habe deswegen nicht nur einmal in meinem Leben Freundschaften aufgekündigt, weil die Parameter nicht stimmen und ich mit so was nichts anfangen kann. Da bin ich rigoros, aber bei einem Betreuten mit einer Krankheit ist das Gegenteil der Fall. Meine Geduld ist endlos.

Elisabeth Taylor schaut heute das Strickzeug aus der Tasche. Was wird das? frage ich, der längste Schal der Welt. Die Handarbeit ist sehr unregelmäßig und in krasser Farbkombi. Ganz viel Dottergelb und dann irgendwelche nicht dazu passenden Farben an einem Ende. Ihre Mutter hat gesagt, da könne man drei Mützen draus machen? Wie soll das denn gehen, wende ich ein. Da muss man doch abketteln. Sie schaut groß. Ja, so die Maschen übereinander ziehen, wenn man aufhören will. Soll das Frau A. mal machen? Die kann das. Sie muss lachen. Ja, die Betreuerin beherrscht die Grundrechenarten des Bastelns.

Nachmittags kommt ein Betreuter schon wieder nicht und will neuen Termin für Morgen. Da kommt er 100%. Als ich das Büro verlasse Richtung Buchbinderkurs läuft mir der Ausbüchser in die Arme. Angesichts meiner wippenden Kopfbedeckung und weil ich ihn auch anstrahle, muss er, der sonst gar ernst drein schaut lächeln.

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Emil, der Junge, der unten bei uns im Haus wohnt hatte auch schon durchs Treppenhaus gerufen: „Was hast Du denn auf dem Kopf? Einen Hubschrauber?“. Ich hatte bejaht und zu meinem Betreuten sage ich: hey, aber nicht jetzt. Wir sind Morgen um 12 verabredet. Ich hätte heute ein langes Gespräch mit seiner Oma geführt und es sei gut, wenn wir uns Morgen mal in Ruhe sprechen könnten. Sei er denen von der Klinik ausgebüchst ? Er habe sich entlassen lassen. Ich sage, beim Hofausgang über en Zaun steigen sei keine reguläre Entlassung. Er sei ja auf freiwilliger Basis dort gewesen und es würde zu wenig zu essen gehen, nur ein paar Scheiben Brot und Tee. Davon würde man krank werden.

Ich mache Buchbinderkurs und nähe mein Familienalbum. Die Füll- bzw. Abstandshalter, die ich gefaltet habe, brauchen wir doch nicht. Das muss jetzt trocknen. Ich mache weiter am Buch meines verstorbenen Betreuten und pfusche etwas bei der japanischen Bindung. Dann mache ich die Rückseite aus dem „Hüpf mein Hütchen“ Spiel-Karton und mache noch aus dem lila Seidenpapier eine kleine Einfassung und eine Aids-Schleife (Impro). Laura erkundigt sich nach meinen zukünftigen Projekten. Nächstes Mal will ich Tüten kleben aus dem Schulbuch. Dann habe ich Geschenkverpackungen mit lustigen Motiven bis an mein Lebensende. Tüten kleben, das sei doch Knastarbeit. Außerdem noch einige Bücher mit neuen Seiten befüllen, die ich dann bebasteln kann. Doch, doch, ich bleibe noch eine Weile. Ich will größere Wurstcollagen machen und Laura schlägt statt eines Buches, ein Libretto, ähh ne Leporello vor, das ist so ein Faltbuch, was man dann auch aufgeklappt schick hinstellen kann. Es macht mir weiterhin Spaß. Diesmal ist eine dabei, die viel redet und von ihren ganzen anderen Kursen auch erzählt, Kaligraphie und Tuschen und was sie alles belegt.

28.02. Heute muss ich schreiben: armes Hannover. So unvorteilhafte Modebloggerinnen. Das kann wohl jede verkrachte Germanistikstudentin, die sich bei H & M und Zara einkleidet von sich behaupten. Peinlich ist das!! Die erste studiert Journalistik und zeigt uns ihre neue Jeansweste (!!!) in XS. Die sieht schlimm aus und wie bei Kik in der Kinderabteilung gekauft. Dazu trägt sie ein lachsfarbenes Sommerkleidchen in mini und schwarze, blickdichte Strumpfhosen und hässliche schwarze Stiefeletten. Insgesamt ein gutes Beispiel für die Kategorie: No-Go. Die Nächste mag es verspielt. Auch hier ist alles schlimm, was sie anhat. Am besten noch die schwarze, glänzende Leggings. Davor warnen dafür die anderen alle, weil alle Konturen sichtbar wären und das wäre unvorteilhaft bei vielen Trägerinnen. Das stimmt ja nun nicht, wenn die Beine trainiert sind, wie bei meiner Freundin Claudi, sieht eine Leggings super aus, außerdem überspielt eine Leggings noch mehr als eine Strumpfhose. Außerdem trägt sie eine hässliche, einfarbig graue Strickmütze, vor der auch seitens der anderen gewarnt wird (Beanie). Dazu ein ganz schlimmes Tuch, Marke Hermes Fake, schwarz mit großen, goldenen Ketten. Dazu einen verspiegelte Sonnenbrille, die man höchstens im alpinen Bereich oder zu einer Faschingsfeier tragen sollte. Superspießig insgesamt und das im zarten Alter von 21. Vor allem was hat das bitte mit verspielt zu tun? Die Dritte ist noch schlimmer. Studiert Public Relations und arbeitet als Werbetexterin. Ganz in schwarz, mag sie es bunt und Hüte seien wichtig, daher trägt sie ihren in der Hand. Das erinnert an die OB Werbung: schützt da, wo die Menstruation stattfindet (im inneren der Hand). Sie rät zu Maxi-Kleidern, die die Figur umspielen, dazu eine Kunstlederjacke in schwarz und hochhackige Riemchensandaletten mit nackten Füßen (Ende Februar, sehr überzeugend, genauso wie der Sommerhut mit sehr großem Schirm). Man wird blind! Die vierte sieht aus, wie eine Hippster-Braut und trägt einen Pop-Art Print shirt. Das geht noch. Der 5. Ist ein Typ, der sein Gesicht nicht zeigen will und Sachen batikt. Mir fehlen die Worte, wer alles über Mode bloggen darf und anderen Moderatschläge erteilen. Oh, mein Gott.

Arbeitsmäßig steht ein unangenehmer Anruf an. Irgendwie will die Sparkasse vom Konto meiner Betreuten in der Insolvenz über 900 an den Insolvenzverwalter überweisen, weil ich nicht genug runtergeholt hätte. Ich verbrauche jeden Monat mehr oder weniger was reinkommt, aber es darf wohl nichts drauf stehen bleiben. Bei solchen Telefonaten habe ich mir angewöhnt, gut drauf sein, überzeugend und charmant und es angehen. Hat geklappt, die Mitarbeiterin will die Freigabe des Kontos gegenüber der Sparkasse erklären. Jetzt bleibt nur noch Daumen drücken.

Einer kommt zur Geldabholung und eine andere kündigt sich an. Statt über die vielen Rückbuchungen und Fitnessverträge zu sprechen, will sie nur wissen, ob sie den Mann als Karlsruhe jetzt heiraten soll. Was meine ich dazu? Ihre Eltern sagen, sie muss sofort heiraten, anders geht es nicht.

Ein Typ ruft an wegen einer Sorgerechtssache und ich verweise auf die Kollegen, die Familienrecht machen. Er weiß nicht, wie dringend es sei und brauche Beratung, auch darüber was es kostet. Er sei nämlich nur Student. Stephan, dem ich es erzähle wie froh ich sei, dass ich kein Familienrecht mehr mache, sagt dazu: vorsichtig sein beim Reinstecken. Das ist total lustig und tatsächlich ein Rat, den ich in solchen Fällen gerne kostenlos geben würde. Dann meint Stephan noch, nach Baden-Württemberg ziehen und sich umerziehen lassen.

Der Ausbüchser kommt nicht (wie zu erwarten war). Macht aber nichts. In der Kaffeepause gaben wir Empfehlungen für eine Städtereise nach Stuttgart. Da wird der Zettel ganz schnell voll, Vorder- und Rückseite.

Die Braut in Spe kommt und holt sich 50,- €. Zeigt mir ein Foto von dem Typen (Stephan hatte noch Witze gemacht, ich solle mir ein Nacktfoto zeigen lassen). Er arbeitet bei Mc Donalds und hat überhaupt viele Jobs. Die Eltern von ihr bieten ihm Geld und Goldschmuck. Das lehnt er ab. Wenn, dann würde er ihr Schmuck kaufen. Ich sage, dass sei schon mal ein gutes Zeichen. Ihren Sohn fragt er, was er sich wünscht. Ein i-pad, sagt der 5-Jährigen, der alles bedienen kann, i-phone, Samsung, Tablett. Danach muss ich zur Bank, weil online banking nicht klappt. Spreche die Bankmitarbeiterin auf ihre Wimpern an (aber die sind wohl nicht echt und ich bin wie ein Kerl darauf reingefallen). Haftpflicht und Taschengelderstattung von Hand überweisen. Wir haben jetzt einen Termin am 07. um das Thema mal gemeinsam mit der behandelnden Ärztin zu besprechen.

Jeder Tag dieser Woche stelle ich fest: Zucker ist die viel stärkere Droge als Alkohol. Wenn ich hungrig werde, dann bekomme ich einen ganz stark zu kontrollierenden Drang in eine Bäckerei zu gehen und mir Teilchen zu kaufen. Das ist so schlimm, dass ich es kaum kontrollieren kann. Das Roggenbrot schmeckt nicht ohne haufenweise Marmelade und Honig und ich mache Ausnahmen für Kuchen und Schokolade. Ich kann nicht anders. Ganz schlimm ist das. Habe mich echt nicht im Griff. Immer, das Gefühl, dass ich verhungere oder was ganz Schlimmes passiert, wenn ich nicht sofort was Süßes bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Heroin stärker ist. Selbst der Alk-Verzicht muss mit Zucker kompensiert werden (Donnerwetter, d.h. süße Säfte und Nachspeisen), ohne schein ich verloren zu sein.

Mein Betreuter, der ausschaut wie Heinz Ehrhard kommt und will seine Lücken im Rentenverlauf klären (die Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht es schon seit 2006). Hat aber spitzenmäßige Jugendfotos dabei aus seinem Schülerausweis der Bismarckschule und seinem Wehrpass, mit graphischen Hemden, mit großem Kragen. Ich sage, Mensch, Herr H., da wären Sie ja heute Diskokönig. Abi-Note wie ich, Schnitt 1,9.  Er hat eine Ausbildung in der Landeszentralbank gemacht bevor er psychiatrisch erkrankt ist. Er will seine private (sinnlose, teure) Rentenversicherung kündigen und vom Rückkaufswert die Lücken in der gesetzlichen schließen. Sage, weiß nicht, ob das geht, die Botox-Unterfütterung. Er hat Schmerzen in der Seite. Ist gefallen beim Pommes wenden im Ofen ausgerutscht, vielleicht Rippenfellentzündung. In der Werkstatt ist er der langsamste. Wenn das nicht geht mit Rente, dann vielleicht mit einem Bestatter eine Versicherung abschließen. Schon wieder die nächste. Er soll die mal vorher vorbei bringen und nicht gleich unterschreiben.

Mein depressiver Betreuter kommt ½ Stunde zu spät im dritten Anlauf. Er denkt oft an Suizid und die Totem im Iran. Dann wiederum will er mich und meinen Mann einladen, alte Städte dort gucken, Hotel brauchen wir nicht, da können wir Geld sparen, er kenne genug Leute. Erst mal geht es um die Rentennachbegutachtung. Ich will mit hinkommen und beschwöre ihn, pünktlich zu dem Termin zu kommen. Dann hat er wieder Ruhe und kann auch in die Iran reisen, in die Natur.

Im Treppenhaus hat unsere Vermieter über den Briefkästen einen tollen, handgeschriebenen Zettel angebracht: „Lieber Mitbewohner, ab sofort wird das Treppenhaus wieder gereinigt, Grüße Name“. Da wir viele Zahnärzte im Haus habe und sie auch Zahnärztin ist, möchte ich und Zettel dazu kleben: „Liebe Mitbewohner, ab sofort werde ich meine Zähne wieder putzen, Frau A.“.

Abends Sport, ich will eigentlich kneiffen, weil es mir echt noch nicht so gut geht, verdauungsmäßig, gehe aber trotzdem nach dem Motto: Sport hilft. Danach kommen Markus und Christian vorbei und wir essen Wurst und Käse aus Wien und machen uns einen netten Abend. Die Jungs trinken Schnaps und Stephan kann die Reste aus 3 Flaschen unter seinen Gästen verteilen. Christian dachte, auch hier sei, wie in Bayern, Dienstagnachmittag wegen Fasching frei. Ich schlage vor, sie könnten ja verkleidet zur Baustelle gehen und pflastern und sie probieren die Faschingsperücke von Stephan aus sowie meine Löwenkinderkapuze aus Wien…

Christian und Markus Fasching 2

Es gibt auch Grammelschokolade von Zotter. Parallel fragt mich Markus, ob ich alte Handtaschen von seiner Mutter gebrauchen kann. Ich will sagen, dass ich nur noch Handtasche benutze, in die meine Sigg-Flasche passt sage aber statt dessen: „ich nehme nur Handtasche, wenn da Speck drin ist.“ Wir lachen Tränen. Das ist ja mal eine Freudsche Fehlleistung, wie sie im Buche steht.

01.03. Übe morgens japanische Bindung und mache ein kleines Barreisbüchlein und eine Papierkette. Stephan fährt sein neues Regal anschauen und geht dann zum Markt. Ich will mit ihm zu Boesner und das machen wir im Anschluss. Ich kaufe 4 x Fimo (Effekt, soll aussehen, wie Edelsteine), aber vor allem Papierkram, Gaze, diverse teure große Papierbögen (insgesamt 4, d.h. nur einer davon ist richtig teuer, d.h. 5,- €), dann eine Rolle Naturpapier mit Blättern drin, Seidenpapier DIN A 4, Sprühkleber, Planatol (eine große Dose) und dann will ich eine Schneidegerät kaufen. Stephan überredet mit, was Gescheites zu kaufen und wir nehmen ein richtig großes Ding, was sich gerade noch so auf dem Rad heimbringen lässt mit Haltervorrichtung und einem großen Schneidemesser. Eine Ahle (habe nachgeschaut, wie das Ding heißt) gibt es nicht. Wir müssen auf dem Rückweg noch bei Hornbach halten. Der erste Mitarbeiter schaut mich doof an, aber der in der Eisenwarenabteilung kennt sich aus und ich kaufe ein bedrohlich ausschauendes Werkzeug, mit dem ich Dracula ins Herz bohren könnte, aber da muss man ja bekanntlich Holz nehmen oder wie war das? Dann noch eine Henkellocheisen (?) mit dem man 6 mm breite Löcher schlagen kann. Beides gibt es sehr preiswert für unter 8 insgesamt. Wir balancieren nach Hause und mache gleich das Planatol auf und klebe eine Runde.

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Dann holen wir Rahel ab und fahren ins Boca. Ich esse den Hauptgang mit Fisch. Chef und Chefin sind wieder da. Der Chef will einen F & B Manager. Abends bei einer Doku im Fernsehen kommt so ein Mitarbeiter vor, der auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet und nach schaut, um festzustellen, dass noch 40 kg Kaviar an Bord sind. Hier sind die Nachspeise, ein Kussmund aus weißer Schokolade und der Kaffee, der aus der

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Wir schauen und Black Rider an und ich mag besonders die beiden Teufelsfiguren und hier besonders den kleinen Teufel. Der muss Tänzer sein, so wie der sich bewegt. Das Stück ist gut, aber nicht überragend. Die Darsteller sind sympathisch und es sind gute Effekte eingebaut, z.B. die Metallschienenbahn, auf der die Kugel rollt und auch, dass alle Darsteller zum Schluss auf der Bühne sitzen und sich dann hinlegen beim Applaus um anschließend einzelne sich wieder in die Sitzposition vorzubeugen. Das ist gut, aber die Zugaben sowie die Kostüme gefallen mir sehr. Der Auserwählte der Tochter ist Gelehrter und hat einen Scham hinten an der Ledertasche und lustige Aufnäher an der Universitätsuniform, die an komische Stellen genäht sind. Die kolumbianisch oder peruanisch wirkenden Wollröcke der Musikerinnen gefallen mir auch sehr und die Sonnenbrillen. Die junge Frau an dem Stück „Wirtshaus im Spessart“ spielt die Mutter und hat wieder die Rolle der Überdrehten. Das kann sie gut. Anschließend bringen wir Rahel nach Hause und unsere Fahrräder und holen den Gasthund. Mit dem gehen wir erst mal eine Runde Gassi. First the walk, das ist wichtig nach Cesar. Wir holen Kontoauszüge und gehen dann zur Hundewiese, dort leinen wir Suki ab und er läuft eine wenig. Zuhause ist er unruhig und schnüffelt viel herum. Die Ohren, die draußen anliegen als wären sie kupiert, stehen ab und wenden sich in alle Richtungen. Er ist sehr aufmerksam. Ich habe schon Befürchtungen für die Nacht, aber alles ist gut. Der Hund kommt zur Ruhe, ich schlafe durch, keine Zwischenfälle.

02.03. Morgens ziehe ich die Jogginghose an und warme Sachen und es geht raus. Er ist sehr aufmerksam und ich mache die ganze Runde ohne Leine. Es ist wenig Verkehr und man kann gut üben. Er lässt sich 1-A abrufen und bleibt sofort stehen, wenn man halt sagt. Er macht es sehr gut. Die Allee in Herrenhausen, ist unsere neue Rennstrecken. Der Hund, ein Wippetmischling muss laufen. Das wird mir hier ganz deutlich. Er braucht es, wie atmen. Er macht Spaß, ihn zu beobachten und alle Menschen freuen, weil er so süß ausschaut. Es ist eine große Freude mit ihm. Nach einer Stunde am Fahrrad ist er zuhause auch wieder unruhig. Es dauert eine Weile, bis er sich einfach auf den Teppich in die Sonn legt. Es soll nicht der letzte Spaziergang des Tages gewesen sein. Ich wende mich wieder meiner neuen Schneidemaschine zu und bestätige einen 60sten Geburtstag im Wilhelm-Busch-Museum, zu dem ich eingeladen bin. Mit zum Zuschneiden großer Bögen auf DIN A5 komme ich nicht zurecht. Die Bögen passen um 1 cm nicht in die Maschine, die schon riesig ist. Da hilft nur warten bis Stephan aufgestanden ist, auch mit dem Rechnen ist das nicht so meine Sache.

Ein toller Hundetag. Fotosession mit dem Modell, was mir die Show stiehlt. Einer meiner Lieblingsstellen in Hannover, der wilde Westen hinter der Wasserkunst.

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Ist das ein Windhund, werde wir mehrfach gefragt z.B. im Café Rossi. Nein, ein Mops, aber er muss hungern. Ich mag meine Hunde dünn, wäre die richtige Antwort.

Sperrmüll können wir auch als Kulisse gebrauchen.

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Ja, ich finde auch, der Hund steht mir, aber mit Hund, kein Blog. Die Zeit reicht nicht und bei so viel Draußen spielen, kommt das Basteln und Schreiben zu kurz. Aber die getuschten Augen von dem Tier!!!

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Kantinen sind jetzt Kasino

Samstags geht Stephan immer auf den Markt, wie sich das gehört für Männer aus Linden Mitte. Ich bin ihm dankbar, dass ich es nicht tun muss und er belohnt sich mit dem Crepestand, hat diese Aufgaben allerdings schon vor dieser Zeit übernommen. Das muss ich zu seiner Ehrenrettung dazu sagen. Ich sage ihm immer, was er für mich mitbringen soll und wünsche mir diesmal – ganz bescheiden -eine Banane für den Fromage Blanc aus Strassbourg, ein ansehnlicher Humpen. Ich glaube, so große Plastikgefäße gibt es bei uns gar nicht. Er kommt wieder und sagt: „sorry, Schatz, aber Bananen wurden einzeln versteigert und haben Preise bis zu 10,- € pro Stück erzielt“.

Auf dem Weg ins Theater am Samstagabend war der Himmel bonbonbunt.

Himmelsrosa mit St Himmelsrosa

17.02. Wenn ich wissen will, wie ein Hütchen funktioniert, probiere ich es in Hannover aus. Wie krass ist es, wie gut ist es, der Barometer, frei nach dem Motto: „if you can make it here, you’ll make anywhere, it’s up to you, New York, New York“ und dann Arno Schmidt, der zum Thema New York sagt: „Und was heißt schon New York? Großstadt ist Großstadt; ich war oft genug in Hannover“.

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Immer häufiger und sei es der nahende Wienbesuch sage ich „Gemma, gemma“, wenn zum Beispiel Radfahrer vor mir nicht anfahren wollen bei einer Ampelschaltung. Genialer Ausdruck, ersetzt einen ganzen Satz. Nach dem „Bam, Alter!“, meine zweiter Wiener Ausdruck, den ich im Alltag integriere.

Morgens im Büro, ein Anwaltsfachblatt. Diesem entnehme ich eine Entscheidung des BGH, dass ich doch 1,6 Gebühr nehmen kann für eine Berufung, wenn ich den Abweisungsantrag vor der Berufungsbegründung gestellt habe. Die Rechtspflegerin meinte, Gebührenschneiderei, nur 1,1 und ich soll zurück nehmen und verwies auf das OLG-Celle. Ich schaue schnell in der Akte nach, ob das zeitlich noch was zu machen ist und stelle fest am nächsten Tag läuft die Rechtsmittelfrist ab, also erst mal schön sofortige Beschwerde. Der Himmel meint es mal wieder gut mit mir. Die Begründung des BGH leuchtet auch ein, die sagen, Gebühr angefallen und erstattungsfähig, wenn Rechtsmittel dann später begründet wurde (und ich mir den Scheiß theoretisch durchlesen musste). Der Fall war ärgerlich genug und die Gegenseite hat eine Rechtsschutzversicherung, also nehme ich gerne noch mal 250,- € mehr.

Die Steuerberatermitarbeiterin war am Wochenende in Zürich, Zug hin, Konzert, 4 Stunden schlafen und zurück. Das sind Fans. Ihre Haare sind ganz wellig, weil sie eine Flechtfrisur getragen hat. Ich spreche sie darauf an und mir fällt dabei ein, wie ich früher als Hippiemädchen abends immer Zöpfe geflochten habe, manchmal die Haare noch feucht gemacht, was sehr unangenehm war. Morgens dann aufmachen und kurzeitig aussehen, wie bei Hair, wobei die Spitzen und der Ansatz gerade sind, was auch peinlich ausschaute, aber großzügig übersehen wurde. Dann mit dem Fahrrad in die Schule und an der Ampel stand ein Typ mit Naturkrause. Der schaute mich immer mitleidig an, wie meine Wellen bei Luftfeuchtigkeit sich zusehends wieder in Spaghettis verwandelt haben und bis ich in der Schule war, war nur ein kümmerlicher Rest vorhanden, der wirklich erbärmlich aussah und kaum Spuren der nächtlichen Prozedur auswies. Ich frage mich, wie lange ich das gemacht habe, ein Jahr bestimmt.

Dann kommt eine Betreute mit ambulanter Wohnbetreuung. Wir haben nächste Woche einen Termin in der Wohnung um eine Runde aufzuräumen. Jetzt hat der Vermieter Modernisierung angekündigt, die von Juni bis Jahresende andauern soll und auch Steigleitungen, sowie Bad- und Küche einschließt, also auch angefragt wegen Ersatzwohnungen. Das verunsichert ungemein. Kenne mich selber wenig aus mit dem Thema, was man alles mitnimmt für 2 Monate (4-8 Wochen dauert der Innenumbau). Meine Betreute kennt Ersatzwohnung sogar schon. Das hatte sie bereits bei einem früheren Vermieter und es endete in einem unfreiwilligen Wohnungstausch. Ich rufe die zuständige Frau an und erfahre, dass es Dixi-Klos vor der Tür geben wird und abends das Klo jeweils wieder funktionieren wird, lasse sie auf eine Liste setzen für die Ersatzwohnung. Dann sage ich, kann sie überlegen, was weniger stressig ist und sie soll es als Abenteuerurlaub sehen. Manchmal hilft etwas verharmlosen unheimlich. Sie hat schlechten Kontakt zu den Nachbarn und kann dann auch nicht bei denen aufs Klo. Die Wohnbetreuung und ich sind der Auffassung, dass diese Extremsituation anders solidarisch macht. Ich sage: „ist wie bei einer Naturkatastrophe, es wird dann Kaffee auf der Straße verteilt“.

Mein Kollege sitzt mit seiner neuen Mitarbeiterin im Zimmer vor seiner Flippchart. Ohne die geht offenbar nicht mehr, wenn man nicht Diagramme oder Organigramme aufmalen kann. Na ja.

Mittags habe ich wieder Lust auf Kantine. Ich bin richtig wie neu verliebt. Ich hatte die vegetarische Pasta und Schokolade gibt es auch günstig für 1,-. Hauptgericht und Nachspeise war fast mehr als man schaffen konnte.

Rathausravioli

Später erst, beim Studieren des Wochenplans- habe ich gelesen, dass eine Krustentiercremesuppe auch im Angebot war. Außerdem nennt sich der Laden jetzt „Das Kasino im Neuen Rathaus“. Alle Kantinen in Hannover heißen jetzt wohl „Kasino“.  Ich dachte immer, das ist wohl zum Kartenspielen, aber da bin ich wohl doof. Ich muss mich erst wieder einfinden in die Kantinengänge und auch vorher das Angebot sorgfältig prüfen. Mittwoch klingt gut. Kartoffelpizza „Romana“ am Mittwoch, wobei das leider keine Pizza ist daher die Pizza in Anführungsstriche hätte gesetzt werden sollen statt des Wortes Romana, sondern Tellerrösti mit Spinat, Tomate und Mozzarella belegt oder Morgen die Currywurst mit Chili-Ketchupsauce „Hot Fruit“ oder Donnerstag einfach die Maiscremesuppe für 1,50 € und Kartoffelsalat Essig-Öl für 0,95. Ich bin wieder voll drin. Die Suppenpreise wurden erhöht von 0,90 auf 1,50 €. Das ist total berechtigt. Viele Rentner essen Suppe und Nachspeise und das reicht völlig, weil auch hier wieder üppige Portionen angesagt sind.

Essensplan Rathaus

Das schwarze Brett spricht für sich:

Rollator2 Rollator1 Rolli mit neuer Batterie

Weitere Eindrücke, die unbedingt geteilt werden müssen. Ja, hier gehen auch welche Essen, die die Rechtschreibung beherrschen.

Automatictür Rathaus aus Pappe

Als Stephan mich beim erneuten Besuch der Rathauskantine fragt, warum ich diese Männer anstrahlen würde, merke ich, dass es besonders gut bei Männern ankommt, mein Delfinhütchen. Ich sage, die haben eben doch Humor und Stephan meint, er sei eben groß genug, dass sie ihn auch sehen könnten.

Da man mit dem Alter immer feinfühliger wird für die Natur und Jahreszeiten, habe ich etwas Neues entdeckt. Ich finde man spürt den Frühling vor dem Entstehen. Es ist kurz davor, wie eine Nacht die zu Ende geht kurz bevor es hell wird und man ahnt schon was bevorsteht. Ich sehe auch die Osterglocken, wie sie das Grüne schon mal in Vorbereitung dessen was bald ansteht, haben raus wachsen lassen.

Nachmittags schreibe ich die Klage gegen die erkennungsdienstliche Behandlung. Verwaltungsgericht. Seine Narben und Körpermerkmale sollen fotografiert werden. Das ist das schlimmste für ihn, da er als Borderline-Patient sich regelmäßig selbst verletzt und heftige Narben am Oberkörper und den Armen hat. Er schämt sich die vor Fremden zu zeigen und auch noch fotografieren zu lassen und das alles wegen eines Joints auf dem Spielpatz. Wir werden den Rechtsstaat austesten.

Außerdem geht es um Fahrtkosten zur Traumatherapie. Das Versorgungsamt Hamburg hatte mich morgens angerufen, dass sie meinen Antrag nicht bearbeiten können, weil die Akte beim Berufungsgericht sei. Ich frage, was der Vorschlag sei, als nichts kommt, sage ich: dann Akte zurück fordern. Es geht um Fahrtkosten ab 2009. Wie lange soll meine noch warten. Nachmittags folgt ein freundliches Gespräch mit dem Mann von der Opferhilfe, was sehr förderlich ist, da ich im Anschluss auch der Krankenkasse ein Fax schicke. Hier muss ich in gewohnter Manier wieder allen Beine machen.

Stephan kommt um 18 Uhr noch ins Büro um mir was zu bringen und fragt meinen Kollegen im Treppenhaus, der gerade nach Hause geht, ob sein kleines Trampel noch da sei (als ich oben schon auf der Treppen zu hören war).

Beim Yoga gibt es Bananen und ich greife zu. Endlich, Banane. Ich lege mich mal auf die andere Seite des Raumes und Mikael will heute auch mal von dieser Seite aus unterrichten. Habe er noch nie gemacht. Es ist nur noch eine Matte neben mir frei und der Typ, der regelmäßig teilnimmt, Lutz, findet darauf Platz. Mikael fragt, ob er sich wohl fühle, was er bejaht und meint dann noch, neben mir sei es sehr „inspirierend“.  Das ist mir etwas peinlich. Da heute ein ganz neuer Typ auch im Kurs ist mit seiner Freundin, die ihm die Blöcke holt, wie wahrscheinlich auch zuhause höre ich nach dem Unterricht, wie die Männer beim umziehen klagen darüber, wie unbeweglich sie sind. Der Neue will gar nicht mehr kommen. Es habe keinen Zweck, es würde weh tun und man fühle sich wie Robocop. Dann neben einem Typen zu üben, der kaum an die Füße ran kommt in der Vorderbeuge, geschweige denn sie ausstrecken kann, also ein normaler Mann ist und kein Tänzer oder Yogi, während ich mit dem Kopf zwischen den Knien liege, das macht mir keinen Spaß. Ich will nicht abschrecken. Mikael drückt eines der Mädchen in die Vorderbeuge. Als er los lässt schnellt ihr Oberkörper nach oben. Er fragt uns warum. Zu viel Druck? Nein, die Antwort ist die Atmung, sie hatte dabei die Luft angehalten und dann wieder eingeatmet als er losgelassen hat. Das finde ich ganz interessant, wie sich das auswirkt.

Stelle fest, eine Woche danach ist der Nacken so gut wie durch. Das war langwierig.

18.02. Morgens entnehmen wir der Zeitung, dass hier nächstes Wochenende Opernball ist während wir in Wien sind. Das passt ja wieder. Frau Ries rät zu dezentem Kopfschmuck. What else is new? denke ich mir. Ich rate zu dem Gegenteil. Faszinatoren können nicht groß und auffällig genug sein, gerade beim Tanzen sollten sie viel hin- und her wackeln und richtig auf sich aufmerksam machen. Auch Brüste sollten sich bewegen und erkennen lassen, dass hier Schwerkraft herrscht und nicht aussehen, wie aus Beton gemeißelt. Sonst noch Tipps gefällig?

Was ist nicht mehr sehen kann ist Dutt am Hinterkopf. Das ist der Vokuhila des Jahres 2013 bei Frauen. Die Hipsterbräute steigen zu viert aus dem Wagen und alle haben diese identische Ballerinafrisur. Mein Gott!!! Wenn ich schon am Schimpfen bin. Ich finde SUVs gehören verboten. Diese total dicken und aufgeblasenen Autos, die ausschauen wir aus Cars, aber nicht so freundlich lächeln. Meistens haben die Lenker, wie der Wiener sagt, nur unterdurchschnittliche Fahrfähigkeiten. Die Straße ist dann echt zu klein. So was gibt es auch von Porsche. Habe ich neulich nach dem Sport in gelb gesehen, ist unglaublich hässlich. Ich denke schon, dass Potenzprobleme eine Hauptursache ist bei Männern und die Frauen haben Angst und wollen sich total sicher fühlen.

Heute sollte mein Betreuter vorbei kommen und Stephan wollte ich dazu ordern und wir versuchen online ein Visum für Großbritannien zu beantragen. Ich kann das nicht alleine, bin zu doof und schon ganz genervt, was alles zu meinen Aufgaben gehört, aber er ist sonst pflegeleicht und die Mutter seiner 3 Kinder ist Deutsche und sie wollen zu der Hochzeit von Freunden nach London am 29.03. Da muss ich doch helfen. Seiner Frau wird gerade ein Zahn gezogen, der Termin wird auf nachmittags verschoben. Ein Anruf bei der Botschaft in Hannover, die keine richtige ist, ist nur bedingt aufschlussreich. Eine persönliche Vorsprache bei einer Botschaft in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, sei nicht immer erforderlich. Das Programm würde einem das dann sagen. Das laufe alles über Liverpool und der Pass wird dorthin eingeschickt, weil das Visum da direkt reingemacht wird. Dauert 15 Tage. Meine Frage war nämlich, ob das zeitlich noch hinhaut, weil da was von 6 Wochen stand. Auch hier kann sie nur sagen: „Risiko“ und „versuchen“.

Hey, dieser Arno Schmidt gefällt mir. „Wenn ich nicht von Geburt an Atheist wäre, würde mich der Anblick Deutschlands dazu machen.“ ist genauso spitze wie: „Ich verachte jeden Menschen, der gern Uniform trägt.“  Am besten ist noch: „Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben“. Ich habe sehr doll geschmuzelt.

Wieder Kantine, warum nur die Sterneküche fotografieren? Das ist doch auch ganz hübsch.

Currywurst mit Suppe

Intellektuelle Vorträge gibt es auch und meine Lieblingsinstallation mit dem Datenschutz (Datenschutz = Arbeitsverweigerung).

Aktion deutsche Sprache Datenschutz

Dann neue T-shirts mit Collagen, die Stephan sich ausgesucht hat in Auftrag geben und in die Apotheke. Hier gibt es heute kleine Farbstifte in Form von Pillen. Ich finde die toll und erbettele 6 Stück, leider 2 mal 3 dieselben Farben. Dann gehen wir in ein Haushaltswarenfachgeschäft was fast so heißt wie meine demente Betreute und lassen uns fachkundig geraten. Es geht um ein Geschenk, was man laut Aberglaube nicht verschenken soll, aber da sind wir großzügig.

Dann wollen wir Karten kaufen für das Stück „Der Hals der Giraffe“ mit meiner neuen Lieblingsschauspielerin, Frau Frey. Am Kunstverein steht ein großer Container und oben schauen die Rollen von Drehstühlen sowie die Blätter von Zimmerpflanzen raus. Hier hat einer wohl ein komplettes Büro entsorgt. An der Kasse im Schauspielhaus heißt es: Alles ausverkauft. Am 28.02. ganz pünktlich sein und hoffen, dass man Karten für April ergattern kann. Wieder schlecht informierte Mitarbeiter. Ich frage nach dem Plakat von „Black Rider“, weil die Jugendliche mit der wir in das Stück gehen wollen, das Plakat haben will. Alle Theaterplakate der aktuellen Stücke würde es gegenüber im Theatermuseum an der Kasse geben. Die Frau, die im selben Gebäude Luftlinie 10 Meter sitzt, weiß nichts davon und das gesuchte Plakat gibt es nicht. Beim Gehen sehe ich Frau Frey im Foyer stehen und sage zu Stephan: da ist sie. Ich gehe noch mal rein und sage ihr, dass ich Fan bin und sie jetzt schon stalken wollte mit einem Brief. Ob ich ihr was aus Wien mitbringen könnte, ich hätte noch Kapazitäten im Koffer, weil die Schränke noch voll sind von Marillenmarmelade von dem letzten Ausflug im Januar. Sie lacht und hat ein paar Tage frei und fährt selber nach Wien. Ich sage, ich finde es unterstützenswert, dass sie Hannover mit ihrem Talent beglückt und schwere Entbehrung aus Wien hierher zu ziehen. Sie sagt, sie habe es gewollt, weil sie an das Theater hier glauben würde. Wir gehen beide und ich steuer wieder auf sie zu und sage sowas wie: „ich wollte ihnen nicht an die Wäsche gehen, nur an mein Fahrrad“. Ich finde es einen großen Zufall, dass wir ihr gleich über den Weg gelaufen sind und freue mich, dass ich sie angesprochen habe. Ich bin darüber hinweggekommen ihr zu sagen, welches Stück ich überhaupt gesehen habe und loben wollte. Vielleicht doch einen kurzen Brief hinterher, weil ich dann die Hälfte vergesse, wenn ich spontan bin und meine Aufgeregtheit mir im Weg steht.

Fr P. hat eine neue Bettnachbarin, aber nur Kurzzeitpflege. Sie sagt, sie wäre hinter das Licht geführt worden, weil man ihr ein Einzelzimmer mündlich versprochen hat. Ich sage, Gesellschaft ist doch netter als immer alleine liegen. Ja, das schon und die sei echt in Ordnung, die Nachbarin und nicht so pingelig. Die Nachbarin hält ein Stofftier in der Hand und schaut geradeaus. Wenn wir über sie reden reagiert sie sofort und man merkt,  sie ist hellwach und da. In einer Plastiktüte, die unten am Bett hängt, wird ihr Urin gesammelt. Es ist mal wieder eine Lektion über das alt werden. Werde ich auch eines Tages so da liegen und niemanden haben, nur eine fremde Frau, die genervt ist von meiner Anwesenheit und nicht mit mir spricht und dann kommen auch noch fremde Besucher von der. So genervt wie ich manchmal vom Paketdienst bin, wäre das vermutlich die Hölle für mich. Frau P. fragt noch nach den Verhandlungen mit der Hausverwaltung in Spanien. Sie will ihre Wohnung verkaufen und wir werden uns aber wegen des Preises nicht einig. Ein Nachbar hat Interesse. Ich soll noch mal nachfragen 58.000 müsse sie schon haben, die Wohnung sei für spanische Verhältnisse feudal eingerichtet und die Sachen müssten übernommen werden. Ich habe Zweifel, ob Frau P das realistisch einschätzt, verspreche aber nachzuhaken bei der Hausverwaltung, die mir immer kryptische Emails schreibt, d.h. in abenteuerlichem Englisch. Ich gehe ins Erdgeschoss zu Schwester Adelheid. Sie hatte einen Todesfall und das Zimmer muss noch fertig gemacht werden. Frau P. soll dann wieder alleine liegen. Der ganze Schrank sei mit ihren Sachen belegt. Schwester Adelheid erzählt mir, dass die Verstorbene fast blind gewesen sei und eine riesige Truhe voller Papiere und Fotos gehabt habe. Was wollte sie damit? Fragt sich die Mitarbeiterin. Ich kann es verstehen. Die Angehörigen würden meistens den ganzen Zimmerinhalt in den Container schmeißen und könnten mit nichts was anfangen. Mein Herz als ambitionierte Buchbinderin und Trödeltante blutet bei so einer Ansage, aber ja, so sei es wohl. Sie hätte ein Foto ihrer Mutter behalten. Das würde genügen, wenn man auch noch Sachen von Toten trägt, müsse man ja noch viel mehr an sie denken. Ich oute mich, dass ich das tue. Kleider von Omas und Tanten und auch Nachthemden mit eingesticktem Namen, weil sie auch im Altersheim waren. Erstaunen auf der Gegenseite.

Zurück ins Büro. Kundschaft wartet schon. Die Stadt fällt lauter Bäume vor dem Rathaus, richtig dicke. Die Tötung ist schon vollzogen und die Motorsägenauftragskiller schneiden die Leichen in kleine Stücke. Wir brauchen Genehmigung um unseren Silberahorn nach einem Baumgutachten, was auch Geld gekostet hat 5 Meter nachschneiden zu dürfen, von seinen 35 (Stephan sagt 5-6 von seinen 17). Die hacken alte dicke Bäume reihenweise ab.

Mein Bürotermin wartet schon. Um 16 Uhr kommt mein türkischer Betreuter und zusammen mit Stephan füllen wir über 2,5 Stunden die Fragen der Engländer aus, alles von seinen Reisen der letzten 10 Jahre, Stempel in seinem Pass entziffern, seinen Eltern bis hin zu Einkommensverhältnisse und Reisekasse. Alles wollen sie wissen. Seine Freundin muss ihre Passdaten per Whats App schicken bzw. macht das so und auch die Pässe der 3 kleinen Kinder.  Dann als es ans zahlen geht, muss man ein Paypal Konto haben oder eine Kreditkarte. Ich will von meiner die 102,- € zahlen, aber es klappt nicht mit dem Security Code. Stephan muss nach Hause fahren und wieder kommen und wir müssen von seiner zahlen und bekommen uns vor dem Betreuten in die Wolle. Der bedankt sich überschwänglich und will uns was aus London mitbringen. Lila Miniveilchen hatte er heute schon dabei. Ich bin total erledigt nach der Aktion und dem Streit. Ich denke, wir haben was Gutes getan. Würde Deutschland meinem Betreuten endlich einen Pass geben, hätte er den Ärger nicht. Ich will, dass er zu der Hochzeit nach London fliegen kann und den bürokratischen Hindernissen trotzen. Stephan hat Bedenken, ob es klappen wird und diese zu doll vor dem Betreuten geäußert. Das kam falsch rüber und hat meine Autorität untergraben. Darum ging der Streit, dass er nur technisch helfen sollte, aber keine Verantwortung tragen muss, das mache ich dann schon. Wir fühlen uns beide missverstanden. Zusammenarbeit vor und unter direkter Beteiligung von Dritten ist halt auch noch was anderes. Da hilft nur noch Sport. Vorher schreibe ich endlich die Kestnerkündigung. Ich solle kündigen, meinte Stephan. Er fühlte sich durch mich unter Druck gesetzt. Das passt ja dann, auch wenn der Brief erst Morgen rausgeht, habe ich es getan, wollte es Montag schon tun.

Die Therabänder gefallen mir heute besonders. Man kann im Liegestütz springen, das ist toll und fühlt sich an als hätte man Superkräfte. Ich hätte diese Bänder mit Schlaufen, die schwer nach SM ausschauen, gerne für zuhause. Viel lieber als ein Trampolin. Ein junges Mädchen hat hinter mir geturnt und geht vor mir im Treppenhaus. Sie hat so eine Tasche, auf der ein Ortsname als Schriftzug und Stoffmuster zigfach draufsteht. Das kennt man mit London, Hannover was auch immer. Ich lese laut vor: Bodensee? Muss es nicht Sylt heißen frage ich und will einen Witz machen. Sie erklärt mir, dass es die von allen möglichen Orten geben würde. Ich sage, ja bestimmt auch von Wunstorf. Sie habe die Tasche gekauft als sie ganz jung war vom ersten Taschengeld im Urlaub, ihre erste Anschaffung. Ich sage, das spreche dafür, dass sie sehr jung sei, weil die Taschen würde es noch gar nicht so lange geben. Sie sei nicht so jung, sie sei 21. Na ja, Ansichtssache.

Vor dem Pflegeheim Weddingufer entferne ich ein Plakat „Black Rider“ für unsere Theaterbegleitung. Von wegen, ich müsse aufpassen, mich nicht erwischen zu lassen. Die müssen aufpassen, wenn sie wild plakatieren an Sicherheitsabsperrungen. Ich bringe das für die Zaunfirma nur wieder in Ordnung.

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Abends nach dem Essen will ich ins Bett und habe Magenkrämpfe. Darüber hatten die Kollegen auch geklagt. Es ist so schlimm, dass ich noch mal aufstehe und mir als Übersprungshandlung die Haare waschen und mit Wärmflasche aufs Sofa ziehe und mir Sendungen über Zollermittler anschaue.  Wie sie die bösen Zigarettenschmuggler an der Grenze zu Polen, d.h. einer Brücke in Frankfurt/Oder erwischen und dann keine Gnade walten lassen, weil sie erst belogen wurden. Oh Mann, was für ein Sendungsbewusstsein. Ich könnte schon wieder Arno Schmidt zitieren.

19.02. Komische Träume der letzten Tage. Ich hatte borstige Kotletten, die Stephan mir ganz kurz schneiden sollte. Letzte Nacht ein Traum, irgendwas auf einer Alm. Die jungen Kühe spielen miteinander und sind ganz klein und haben in jungen Jahren offenbar Flügel und flattern kurze Strecken, wie Enten. Ich bin fasziniert, werden die später abgeschnitten oder fallen sie ab, weil die Kühe dann zu schwer werden zum Fliegen? Gegenüber auf dem Berg ist eine Hütte und es schallt herüber, Blasmusik und Gejodel und die Gesellschaft in Tracht bricht auf ins Tal. Irgendwie habe ich Geburtstag und Stephan hat ein Video gedreht. Mitglieder meiner ehemaligen Strickgruppe sagen, dass sie mich vermissen und man liest es nur an den Lippen ab, weil das Video mit einem sehr anstrengenden experimental-elektro Stück vertont ist. Es ist wie ein Beerdigungsvideo für mich, aber auch irgendwie Pipilotti Rist, von der Machart her und es kommen Kühe darin vor. Wir unterhalten uns über Gästezimmer, die nur knapp größer sind als ein Bett und direkt an der Limmerstraße liegen, die man mieten kann. Es sei super, nur etwas laut morgens. Irgendwann sind nur noch zwei Gäste da Kalinka und Schwarzi und sie haben nichts mehr zu trinken. Ich muss ins Nebenzimmer und Stephan fragen, was wir noch haben.  Das ist sehr eingeschränkt, aber etwas von dem Maoam aus Straßburg, was nicht schmeckte, haben wir noch und dann Bier, weil einen Sekt will Stephan nicht mehr aufmachen.

Morgens erhole mich noch von meiner Bauchsache und gehe spät ins Büro. Eine Prollmutter vom Fenster ruft ganz laut Brei-en. Stephan fragt ob das Brian der neue Kevin sei. Frau C. ruft an während ich noch zuhause bin und will wissen, ob ich ihren Brief bekommen hätte. Ich bejahe. Sie: „dann hat die Post mal keine Bockmist gebaut“.  Sie hat jetzt eine neue Telefonnummer ohne den Vertragsmist, ich habe sie rausgeboxt und sie passt da jetzt auf, „nimmt keine Viecher mehr an“. Das neue ist 9 Cent in alle Netze und heißt Callya und ist ohne den bösen Vertrag, so berichtet sie es mir. Ich bin kurz angebunden.

Stephan liest wieder aus der Haz vor. Eine 55-Jährige hat sich vor den Augen der Besucher in der Ernst-August-Galerie in den Tod gestürzt und wurde mit einem Zelt, das man speziell für diese Fälle bereit liegen hat, abgedeckt.

Das Gut eV hat neue Räume in der Nähe vom Kunstverein. Wurde das Büro mit der rigorosen Entsorgung von Möbeln und Pflanzen etwa für die geräumt?

Neuer Erbfall einer Mitarbeiterin aus der Werkstatt meldet sich, Empfehlung des anderen Mandanten. Mache ich mir hier gerade einen Namen?

Muss Freitag nach meiner Verhandlung beim Landgericht vor der mir graut und vor dem Flughafen noch in der Oststadt Post abholen.

Die spanische Hausverwaltung schreibt indes: „With not long ago that Ms. P. will not flat … but as I say the floor is super bad neighbors … you see … an old building and facilities … as are all However I just … you are brokered ask it again .. „ Was soll ich damit anfangen? Wie soll ich da Verhandlungen führen.

Ich rufe die Betreuerin des Lebensgefährten an wegen der Räumung der Wohnung. Biete an, mich dort mit ihr zu treffen. Das sei schlecht, weil man die Wohnung nicht betreten darf, weil Schädlingsbekämpfer vor Ort im Einsatz sind und wahrscheinlich müssen die Dinge überwiegend entsorgt werden. Ist doch nichts mit Fotoalben retten. Warum schreibt sie mir dann, dass ich räumen soll. Ich rufe den Lebensgefährten an, habe Angst, dass sie seine ganzen Bilder entsorgen wird. Der vertraut mir an, dass er der Messias sei, der kommen wird, aber ich soll es für mich behalten.

Trotz etwas Magenkrämpfen Kantine. Stephan macht sich Gedanken um die Leute, die die Garderobe nutzen. Unsere Erklärungsmuster dafür sind verschieden. Ich sage, die wollen sich besser bewegen können, bei der Essensausgabe keine dicken Jacken anhaben. Stephan sagt, die trauen ihren Kollegen nicht. Ich werde wieder fündig:

Kartoffelpizza  Kräutergartenfenster Partyduo Nr 1 Baumbachstrassenchor

Außerdem hängt meine Cousine Christiane am Brett, mit ihrem neuen Stück „Kleine Eheverbrechen“. Sie spielt im Theater in der List, so, so. So sehen übrigens die Café- und Cocktailbars in Hannover aus, wie ein Bettenhaus:

Cafebetten Coctailbetten

Wir holen die mit Collagen bedruckten T-shirts ab, werden dort als Stammkunden gelobt. Seit 16 Jahren würden wir das tun, erklärt der Chef seinem Angestellten und mein Stil habe sich nicht verändert. Was eine „Wapplersteuer“ ist wissen sie trotzdem nicht. Strumpfhosen sind im Angebot und eine zweite Minipliperücke für Stephan wird gekauft. Die morgens von Amazon geliefert wurde, passt nicht. Es gibt eine tolle Vampirratte, die wenig überzeugend ausschaut und daher von 6,99 auf 0,99 herabgesetzt ist. Ich sage es doch, in diesen Faschingsabteilungen wurde ich früher immer schon fündig. 2 neue Spannbettlaken gibt es auch. Nur zum gucken, die Playmobiltierarztpraxis:

Plymobiltierklinik

Wir unterhalten uns über die Sache mit Nacktbildern. Ich sage, es ist doch Zufall von was man sexuell angezogen wird und Kategorie 2 Bilder, da machen wir uns beide drüber lustig. Ich sage nur rasierte Pudel und apropos. Ich habe eine ganze Zeit lang auf Tierheimseiten gesurft und mir die Hundefotos angeschaut und gerne auch krasse Extremfotos und –seiten wie „Windhunde in Not“ oder „Alter Hund, na und?“. Gerne schaue ich mir Fotos von dicken, behinderten Hunden an. Ich hoffe, die Staatsanwaltschaft klopft nicht bald bei mir an. Vermeintlich leben wir in einer sexuell freizügigen Welt. Jetzt wollen sie Fotos von nackten Kindern und Jugendlichen verbieten? Die ganze FKK Kultur hat so was immer propagiert. Ich denke mal, die Traumatisierung der Kinder entsteht dadurch, dass man ihnen erklärt, wie unmoralisch und erniedrigend das alles war. Wie gesagt, Hunde sind auch Schutzbefohlene und manchen sehen ganz schön gequält aus auf den Bildern. Ich glaube, die waren nicht immer freiwillig. Apropos Kategorie B Bilder. Wir werden bald den Hund von Steffi sitten und da will ich viele Porno-Bilder mit machen. Wie der amerikanische Gassi-Geher ihrer Hunde zu Recht festgestellt hat: „Suki is a good dog, but Mikrusch is a mess.“ Sie hat nämlich 2 Hunde und wir bekommen Suki, den Windhundmischling, der ausschaut wie Scratch aus Ice Age. Das wird süüßß. Steffi, meine Profinähfreundin, die mir das BM-Outfit Kleid vom 19.02 auf den Leib maßgeschneidert hat und so viel Verständnis hat für Second Hand Liebe und auch das Kaufen von Teilen, die nicht passen nur weil man sie liebt, sagt übrigens „Perlmutti-Knöpfe“. Der ist auch gut. Toll ist das Kleid geworden. Ich freu mich darüber. Ist genau mein Ding.

Ich habe die Schwerbehindertenausweis sowie die Wertmarke zum Fahren bekommen für meine neue, demente Freundin. Meine Betreute, für die eine Kurzstreckenfahrt schon abenteuerlich ist und die das Ganze gar nicht ansieht, wird sie wohl nicht nutzen, ich will sie ihr trotzdem zukommen lassen. Extra hinfahren erscheint mir doof. Ich schicke sie dem Pflegedienst, mit der Bitte sie ihr auszuhändigen und es noch mal mit ihr zu besprechen. Dann wissen die auch Bescheid.

Meine Verhandlung am Freitag hat auch eine strafrechtliche Komponente. Der Fall läuft schon seit 2008 und das Strafverfahren war so geendet, dass was mit Hausdurchsuchungen begann, langsam vor sich hin verjährte. Ich rufe angesichts des nahenden Termins an um zu erfahren, dass die Zuständigkeit bei der Staatsanwaltschaft wieder gewechselt hat, die Neue aber nunmehr alles was nicht verjährt ist, u.a. falsche eidesstattliche Versicherungen, Betrug und Untreue zur Anklage gebracht hat. Das Gericht entscheidet gerade, ob das Verfahren eröffnet wird. Wie die Justiz manchmal tickt, kann man keinen Mandanten verständlich machen.

Frau aus Belgien ruft an. Sie ist Kolumbianerin und hat mit ihrem Mann in Deutschland gelebt will Hilfe in einer familienrechtlichen Sache. Sie will „divorce“. Hat uns im Internet gefunden. Hat Angst vor dem Mann. Er soll den Sohn nicht sehen. Zumindest die Kollegin lehnt  den Fall dankend ab. Klingt anstrengend und wenig lukrativ.

Ich schreibe 2 persönliche Briefe, an unsere Mittagstischbegleitung, die zu einem ländlichen Gericht gewechselt ist. Testen, ob Post ankommt und noch mal an Frau Frey mit einer Sperl-Postkarte.

Mache ich noch einen Schriftsatz, wo die Gegenseite offenbar ein schlechter Verlierer ist. Lust habe ich keine, aber es muss trotzdem sein. Gutachter hat Beweisfragen zu unseren Gunsten beantwortet. Der schlaue Anwalt hat sich neue Nachfragen ausgedacht und dafür noch mal 500,- € eingezahlt bzw. seine Mandantschaft musste es tun. Der Gutachter hat sein Gutachten bestätigt und ist nicht umgeschwenkt angesichts der kritischen Nachfragen (was auch nicht zu erwarten war). Ach! Jetzt lässt er immer noch nicht locker und schreibt, das Gutachten sei nicht zu gebrauchen. Ja, für ihn nicht.

20.02. Noch komischere Träume, die mit meinen Nachbarn zu tun haben und die ich mal nicht preisgebe. 2 Kaltwäschen zum ausspülen. Die neu erworbenen Bettbezüge und die T-shirts, die für Wien bereit stehen sollen.

Schriftsatz für Morgen. Anklage wurde erhoben, nochmal dies und das verdeutlichen, einfach zur Vorbereitung. Es hilft mir und wirkt vielleiht auch so, wie es auch ist, als Unsicherheit. Eine geschätzte Bezifferung in einer Stufenklage ist einfach eine heikle Sache und ich weiß nicht, was mich erwartet.

Ich sage den Termin bei der Polizei zur erkennungsdienstlichen Behandlung ab. Der Polizist: der andere kommt auch nicht. Tag gelaufen, sagte er sinngemäß. Soll ich jetzt wieder den Arno Schmidt bemühen? Immerhin bin ich höfflich und sage ab.

Mein neuer Betreuter, der Stimmen hört, kommt ohne Termin vorbei. Ich empfange ihn trotzdem mit offenen Armen. Endlich kann ich loslegen. Jobcenter, Stadtwerke, gehe nach gegenüber zur Bank. P-Konto war schon eingerichtet. Er hat seit Monaten keine Kontobewegungen, lässt sich das Geld bar auszahlen. Konto über 20,- € im Minus wegen der Gebühren. Sonst tut sich nichts. Wozu dann Konto? Muss ich mit dem Gutsten besprechen.

Mittags wieder Kantine, aber zu dritt, mit dem Kollegen. Maiscremesuppe und Süßkartoffelgratin sowie Milchreis mit Kirschen. Ich habe die Woche voll gemacht und war 5 x da.

Mensaessen 20.02.14

Der Kollege fragt nach dem Tischtennisraum bei uns im Keller. Ich sage, Tischtennis ist Kinderkram und solche Phantasien sind Kategorie 2 Bilder. Ich frage mich, ob bald einer verbieten wird, dass sich Rentner in der Öffentlichkeit küssen oder was jetzt alles noch unter die Zensur fallen kann, weil sicherlich die Mehrheit der Bevölkerung das ablehnt oder ekelhaft findet. Ich weiß, ich habe da eine krasse Auffassung, aber ich denke, Pädophile gibt es (angeblich 1 % der männlichen Bevölkerung), aber das sind nicht Monster für mich. Vergewaltigung von Kindern passiert nicht notwendigerweise durch sie. Das machen meistens oder oft „normale“ Männer mit „normaler“ Veranlagung. Ich glaube nicht, dass Menschen schwul werden, wenn sie von Schwulen erzogen werden. Ich glaube nicht, dass sie schwul werden, wenn es als gleichwertig dargestellt wird im Sexualunterricht. Ich glaube nicht, dass man durch das Zeigen oder Nichtzeigen von Bildern eine sexuelle Orientierung beeinflussen kann. Ich glaube nicht, wenn man Nacktfotos unter Strafe stellt, dass man irgendwas ändert. Es ist einfach ignorant und dann immer Keule „Kindeswohl“. Totschlagargument, was dann nicht weiter hinterfragt wird.  Ich freu mich, dass ich meinen Neigungen, den Hundefotos, nachgehen kann. Glück gehabt. Hätte auch anders kommen können. Ich sage nur: rasierte Pudel.

Heute vor der Reise musste ich einen Berg Arbeit erledigen, da fällt der Bericht einfach kürzer aus. Wichtig ist, dass die Arbeit getan wird. In Wien wartet wieder die Entspannung auf mich. Ob ich am Dienstag nach Wien nach Ilten pilgern muss, erfahre ich Montag.  Wenn ich einen Hänger habe,  denke ich an das Menü von Meixners. (Das haben wir online schon gelesen und es ist richtig Porno und der Tisch ist für Morgen um 20 Uhr schon reserviert. Danke Andras) oder ich fasse das Medallion von Stauds mit der Venus von Willenberg an. Dann geht es wieder. Sie hat Zauberkräfte. Hammer, fett, Bombe, krass. Ach ja, in den Pausen wird dieser Text geübt.

Nachmittags kommt die Betreute, die neulich ihre Kontokarte bei mir abgegeben hat und will 100,- €, sind aber nur noch 50 auf dem Konto und lauter Rückbuchungen, die es noch mal versuchen werden. Sie nimmt dann nichts mehr und hat eine Karlsruhe Karlsruhe Karlsruhe Karlsruhe …Tasche. Das scheint gut gelaufen zu sein mit dem neuen Freund dort. Ich sage: haben Sie sich gleich eine Tasche gekauft, war es so gut. Die habe sie geschenkt bekommen.

Abends quälen mich Verdauungsprobleme und Morgen steht Wien an. Das ist schlecht. Ich leide richtig. Gut ist, wir gehen ins Burgtheater. Da treffen wir vielleicht Frau Frey.

21.02. Termin läuft so was von schlecht. Das Verfahren läuft seit 2008. Die Richterin hasst uns, d.h. mich und meinen Mandanten. Verbrechertum lohnt sich ist mein Fazit, einfach sagen, man hat Kommissionsware nie bekommen. Auch wenn die nachweisbar irgendwo hängt, weil sie verkauft wurde von dem Beklagten und es deswegen ein Strafverfahren gibt, will das Landgericht die Klage abweisen, weil der Kläger nicht nachweisen kann, für welchen Preis sie verkauft wurde. Die Zeugin sagt nur, ja wurde angekauft. Preis unklar. Der Verkaufspreis der Beklagten soll hingegen nicht gelten. Werde ich dafür bezahlt, dass ich hier die Schläge einstecke?

Ich muss gegen schlechte Laune und Depri ankämpfen. Hole dann noch Post von einer Betreuten, die genau schlechte Laune und Depri verkörpert. Da kann ich heute gar nicht drauf. Die begleite ich zur Begutachtung für die Rentenversicherung. Das kostet mich einen halben Tag. Schlecht gelaunt ist sie trotzdem.

Mein neuer Betreuer, der Stimmen hört ist mit einem 18ner Beschluss in der Klinik (Niedersächsiches PsychKg, akute Eigen- oder Fremdgefährung), aber ganz friedlich, d.h. er ist an dem Tag als er bei mir war noch eingefahren. Der Arzt will es auf freiwillig umstellen. Ich muss heute mal zusehen, dass ich bald Feierabend mache. Telefoniere mit dem Arzt. ich muss vermutlich die Unterbringung beantragen, da reicht ihm die mündliche Zusage und wenn ich es Dienstag nach der Rückkehr aus Wien tue.

Ich mache der Klinik Dampf, in der meine Betreute seit fast einem Jahr ist, weil hier die Entlassung ansteht und hierzu eine Mitwirkung der Klinik erforderlich ist: Verordnung ambulant psychiatrischer Pflege, fachärztliche Stellungnahme für eine Hilfekonferenz und ich deutlich das Gefühl habe, dass die nicht in die Strümpfe kommen. Lasse mich nicht abwimmeln, Telefonat Oberärztin und Stationsarzt, dann Sozialarbeiterin und mails an die zuständigen Stellen.

Esse Heilerde „Magenfein“. Gibt es jetzt auch als Granulat.

Ich hatte einen Fortzahlungsantrag am 15.01. persönlich abgeben wollen und im Zuge der Fernsehgebührenfristen im Original in der Akte gefunden und schon Panik, dass meine Betreute ohne Geld dastehen würde und es mein Versäumnis ist, zumindest diese Sache ist entschärft.

Was heißt schon Hasenschaukel. Das geht Claudia immer Tanzen in Hamburg und ich war schon so lange nicht mehr. Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen und die Aussichten am Wochenende auf der Faschingsfete der Gela richtig zu tanzen. Endlich. Bin ausgetrocknet und dieses Jahr nüchtern. Das wird ein ganz anderes Erleben. Wien- wir kommen.

Papieringenieure und Gruselgeschichten

11.02. Das neue Rad, der Oldtimer wird vor 8 Uhr geliefert. Das führt zu Geschimpfe meinerseits wenn ich wildfremden Männern im Morgenmantel widerwillig die Tür öffne und die ihrerseits genervt sind, weil sie das schwere Ding hochschleppen mussten und keiner runter gekommen ist.

Ich habe Ehestreit wegen einer Kestnermitgliedschaftskündigung (die Rechnungen mit Aufkleber 2014 sind gekommen, mein Aufkleber geht nicht ab und muss geschnitten werden, quasi symptomatisch) und ich sage: „Schatz, Du kannst Mitglied bleiben. Ich schreibe in meiner Kündigung, dass mein Mann ihnen als Einzelmitglied erhalten bleibt und der Bankeinzug auch wie bisher bestehen bleiben kann“. Was will er mehr? Er will zusammen mit mir im selben Verein sein, dass wir gleich sind. Ich gehe dann nicht mehr zu den Vernissagen wird mir vorgehalten. Doch. Ich will nur mein Geld anderen Leuten geben. Aus was mein Mann alles eine Glaubensfrage und eine Frage der ehelichen Solidarität machen kann. Ich bin immer wieder fassungslos.

Morgens ist die Schweizervolksabstimmung Thema. Ja, sie haben meine Schwägerin wieder reingelassen. Die Kollegen von ihr sind geschockt über das Ergebnis. Ich wundere mich weder über das Resultat noch über das Gefälle, d.h. je weniger Ausländerberührung, desto mehr Anti, das haben die Soziologen schon vor Jahrzehnte erklärt, nicht etwa, die die zu viele in der Nachbarschaft haben wollen das eindämmen, sondern die, die keine Ausländer zu sehen kriegen, wollen dass das auch so bleibt. Außerdem Großstadt, Zürich, liberaler und Landeier konservativer, auch normal.

Die beruflichen Highlights des Tages: Der Poststapel ist bis mittags abgearbeitet. Es ist sehr schöne Post dabei.

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Ich habe mit u.a. einem Kollegen zu tun, der Haßdenteufel mit Nachnamen heißt. Besser geht ja wohl nicht.

Meine Betreute mit den familiären Problemen sagt ab und gibt Geld aus und fährt nächstes Wochenende weg.

Meinen neuen Betreuten, der Stimmen hört, erreiche ich nicht, auch nicht eine alte Betreute, die bis Morgen einen gesundheitlichen Fragebogen fürs Jobcenter ausgefüllt haben muss.

Meine demente Betreute hat doch Merkzeichen „H“ bekommen, hat also Anrecht auf eine kostenlose Wertmarke und ich muss zusehen, wie wir das mit dem Passfoto machen. Ich mit der Digitalkamera und dann Rossmann. Geht das als Passfoto? Erst mal die Kosten des Widerspruchsverfahrens schön abrechnen und Stephan hat auch einen Fotografen in der Nähe aufgetan. Bahn fahren geht schon mit dem Bescheid, ich als Begleitperson.

Zyste am Backenzahn entfernen kostet 180,-. Nur den Zahn ziehen übernimmt die AOK. Das ist doch bescheuert. Ich sage, wenn eine Entzündung im Fuß ist, dann immer amputieren, dann ist das Ding weg oder was.

Das Baguette von gestern macht Kieferschmerzen beim Essen, aber ich muss es tun, weil so viel von der Salzbutter darauf ist. Gugelhopf aus Hefe gibt es zum Tee und am frühen Nachmittag bringt Stephan mir den Joghurt und fromage blanc aus dem Supermarkt. Der „yaourt à la greque sur lit de fruits“ von der Hausmarke mit dem roten Vögelchen schmeckt herrlich fettig, obwohl er flüssig ist und die Frucht schmeckt auch lecker, vor allem Himbeere. Fabrique en France. Suggestion de présentation verstehe ich allerdings nicht, weil die Beere mit einem grünen Blatt dahinter zu sehen ist und sonst nur das rote Vögelchen der Marke. Vielleicht soll man es wie bei Sheba mit einem Minzblättchen dekorieren und das ist der Serviervorschlag. Die fromage blanc mit Frucht schmecken wie meine neuen Fruchtzwerge. Insgesamt hilft die Kalorienzufuhr locker um bis heute Abend durchzuhalten.

Um 18 Uhr ist software update. Man darf nicht mehr arbeiten und ich nutze die Zeit für Blog. Die neue Kollegin kommt rein, dass jemand von der Computerfirma angerufen habe, der Rechner der Steuermitarbeiterin im Flur muss angeschaltet werden und er sagt immer, dass er schlafen geht. Sie hat den Aktenvernichter statt den Rechner angemacht und sich schon gewundert, dass das so ein dickes Ding sei. O.k., jetzt bin ich nicht mehr „bottom of the pecking order“ in den technischen Fragen hier im Büro. Dafür sieht die Kollegin gut aus. Sie trägt ausnahmsweise einen Rock. Das steht ihr viel besser als Hosen. Ich würde sagen, dass nur ca. 5 % der Frauen Röcke tragen, aber ca. 70 % der Frauen Röcke besser stehen als Beinkleider. Meine Kollegen, die die Geschichte lustig finden, sagen, dass ich auch öfter an dem Rechner sei und auch am Schredder und deswegen einen Vorsprung habe, also technisch schätzen sie mich genau auf diesem Niveau ein. Wohl zu Recht.

Beim Sport habe ich heute die lange Leitung. Ich bin so in Gedanken versunken. Nach dem Trampolinhüpfen macht Berna, die Trainerin immer noch weitere Übungen in kniender Position auf dem Trampolin. Ich finde das super, weil die wackelige Unterlage des Trampolins bietet mehr Herausforderung als der Boden. Man muss ausbalancieren. Als ich aus den Augenwinkeln sehe, dass Bernas Beine am Boden sind, stehe ich sofort auf und fange an, mein Trampolin einzuklappen. Hinter mir die Frau, wieder eine Neue, schaut mich entgeistert an und ich denke, weil ich so schnell/forsch zu Gange bin. Dann merke ich, dass andere auch entsetzt schauen und dann höre ich erst, wie Berna zu mir sagt, wir sind noch nicht fertig und ich: ich wollte nicht verweigern, stelle das Trampolin wieder auf und muss lachen über meine Ignoranz. Später sollen wir uns einen Platz an der Stange suchen, auch eine sehr geläufige Aufforderung in diesem Kurs. Ich denke, alle trinken einen Schluck und merke erst als keiner mehr im Raum direkt steht, dass alle an der Stange sind, also letzte und wieder gepennt. Ich träume wohl von Straßburg.

12.02. Morgens von zuhause versuche ich schon jemanden von der MHH an die Strippe zu bekommen wegen einer Hilfeplanung bei der ich das Gefühl habe nicht alles optimal organisiert zu haben. Hatte gestern beim Anbieter vom ambulant betreuten Wohnen angerufen und die zuständige Mitarbeiterin ist krank, die Vertretung kennt meinen Betreuten nicht und ihn erreiche ich nicht (was ungewöhnlich ist). Ich hatte nicht vor hinzufahren und wollte den Termin nur koordinieren was mir wohl angesichts des Straßburgausfluges etwas entglitten war (so mein Gefühl). Im Büro klärt sich dann alles. Mein Betreuter war krank und hatte sein Telefon ausgeschaltet und kennt auch die Vertretung des Anbieters und diese wird auch hingehen, also doch wieder alles gut bzw. bestens. Ich rufe in der JVA an und nenne Namen von Mitarbeitern, die wieder keiner kennt. Meine Namen hingegen kennt man schon sagt mit die Drogenberaterin. Es habe sich herumgesprochen, dass ich sehr penetrant sein könne und Dinge durchsetze, die normalerweise nicht gehen oder lange dauern, so quasi man zittert, wenn man meinen Namen hört. Ich sage, ich trete ja keinem vors Schienbein und das sei eben mein Job. Sie hingegen sagt, sie würde denken, dass man mit den Leuten noch länger zusammenarbeiten muss und daher nett sein (das geht zwischen den Zeilen daraus hervor). Ich denke mir, das ist ein Kompliment für mich und ich muss nicht nett sein, dafür werde ich nicht bezahlt. Anyway, auch an diesem Tag werden auf meine Veranlassung zwei Faxe geschickt, was eigentlich nicht zu ihren Aufgaben gehört.

Da ist jetzt frei habe fahre ich zu meiner Demenzbetreuten um Passfotos für den Schwerbehindertenausweis zu machen, jetzt wo sie doch das kostenlose Merkblatt bekommt mit dem Merkzeichen „H“. Stephan sucht einen Fotografen in der Nähe und ich rufe an wegen Mittagspause und kündige uns schon mal an. Dann rufe ich meine Betreute an um ihr die frohe Nachricht mit dem Ausweis zu überbringen. Sie würde jetzt zum Platz gehen und frühstücken. Ich könne sie dort abholen. Das tue ich auch und fahre vorbei an einem Großeinsatz mit Hubwagen und Motorsägen wird die Böschung zu den Schrebergärten konsequent bereinigt und die Motorsägenprofis haben allerhand zu tun. Am Schünemannplatz trifft sich wie immer die Drogenszene, überwiegend mittelalte Männer mit Bierdosen und Hunden. Über ihnen das Transparent „Lindener Narren“. Meine sitzt beim Bäcker und erkennt mich, winkt mir zu. Ich stelle mein Rad ab und sie hat schon aufgegessen und aufgetrunken. Wie immer will sie mir einen Kaffee ausgeben. Wie immer lehne ich ab, aber setze mich dazu. Wir unterhalten uns. Wie die demenzspezialisierte Mitarbeiterin damit Probleme haben kann, ist mir schleierhaft. Bei mir sprudelt es nur so aus ihr raus und ich höre auch gerne zu. Sie hat Drogistin gelernt und war dann bei Zenker. Ich sage, die waren am Pariser Platz in Linden. Sie bestätigt. Ganz lange hätten da die alten Schilder noch gehangen. Das sei ein Eckhaus gewesen. Richtig, sage ich. Sie hat noch in einer anderen Drogerie in der Deisterstraße gearbeitet. Der Name sagt mir nichts. Bei einem Durchgang. Der Hauptladen war am Platz. Sie war alleine und in der Passage gab es Mäuse. Da hat sie manchesmal auf dem Schreibtisch gesessen. Sie war ja alleine in der Filiale. Mittags ist man nach Hause gefahren und wenn sie dann wieder aufgeschlossen hat, hat sie so Zssshh-Geräusche gemacht beim Reinkommen um die Mäuse zu vertreiben. Das war bei der Hautklinik. Da mussten die leichten Mädchen immer zur Untersuchung hin, einmal die Woche. Dann geht es wieder um ihre Familie. Der Vater war ein Fremdgeher, immer schick in Uniform, der brauchte nur zu winken, da hatte er eine an der Hand. Aber mit ihrer Mutter habe sie Glück gehabt. Die war erste Geigerin im Frauenorchester. Der Vater hat sich getrennt und ist dann immer nur sonntags zum Essen gekommen und dann Zigarre geraucht und Kuchen gegessen und wieder gegangen. Die Enkeltochter (Tochter der Schwester, die verstorben ist, als das Kind 8 Jahre alt war) habe dann zur Oma gesagt, das machst Du nicht mehr und zum Opa, ich soll Dir von Oma ausrichten, dass sie nicht mehr für Dich kocht. Alle aus ihrer Familie seien tot. Der eine ältere Bruder starb mit 4 Jahren, er war nierenkrank. Das war vor ihrer Geburt, da haben ihre Eltern dann wohl sie angesetzt. Ich frage nach Ehemann um zu erfahren, dass sie nicht mehr weiß, was der gearbeitet hat, aber Arbeit habe er gehabt. Sie hätten beiden gearbeitet und keine Kinder gehabt. Er sei allerdings ein Halodri gewesen und nächteweise nicht nach Hause gekommen. Außerdem habe er abends gefeiert und sei dann morgens nicht zur Arbeit aufgestanden. Dann habe er auch eine Kündigung bekommen – logischerweise –  und sie habe sich getrennt. Das ginge nicht, feiern und dann nicht zur Arbeit aufstehen. Sie sei aufgestanden und zur Arbeit gegangen und er sei liegen geblieben. Sie sei da immer „reeller“ gewesen. Ich muss zum Aufbruch drängen. Sie zahlt und zählt das Geld richtig ab. 2,35 €. Sekunden später weiß sie nicht mehr, dass sie gezahlt hat. Sie fragt noch insgesamt 2 Mal und ich bestätige immer wieder, ja, passend habe sie es gehabt. Man nennt sie beim Vornamen und kann nur hoffen, dass die es alle ehrlich mit ihr meinen. Ich glaube aber schon.

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Die Sonne scheint. Wir fahren wieder schwarz bzw. den Bescheid mit Anerkennung ab 08.11. habe ich schon dabei. Ich finde, das genügt. Sie hakt sich ein und ich sorge für einen Platz in der Bahn. Beim Fotografen kommt sie gleich ran und findet das Bild sei gut geworden. Beim Warten auf den Ausdruck, stellen wir fest, dass ihr Perso im März abläuft. Sie gibt mir ihr Portemonnaie zum zahlen. Ich frage nach dem Bürgeramt und das ist wenige Meter entfernt. Das wollen wir gleich erledigen. Sie ist niedergeschlagen, weil sie nicht mehr so kann. Sie sei wie der Vater, der habe auch so abgebaut im Alter. Die Mutter sei bis zum Schluss fit gewesen. Sie sei nichts mehr. Früher habe sie geritten und jetzt? Ich sage, was es nicht gibt, ist Stillstand. Wir waren alle mal Babys ohne Zähne. Jetzt ist sie eine alte, nette Frau mit Katzen. Sie bedankt sie bei mir, ich sei so geduldig und sie sei so froh, dass es mich gibt und ich das mache. Ich sage, dass ich sie gerne begleite, es wäre auch für mich ein schöner Ausflug und eines Tages brauchen wir alle Hilfe, wenn wir nicht vorher an Krebs sterben und das will auch keiner. Alle wollen alt werden, aber keiner will alt sein. Wir verstehen uns und ich kann ruhig mal vorbei kommen, auch wenn ich nicht mehr Betreuerin sei. Sie nennt mich immer Schwester und will zur Bank. Ich sage, sie hat noch 125,- €. Das reicht erst mal. Sie sagt, sie hat Geld und braucht nicht jeden Pfennig umdrehen und wer weiß, wie lange sie noch lebt. Sie war immer selbständig und will sich nichts sagen lassen. Sie geht gerne in die Kneipe und täglich. Dafür hat sie gearbeitet und eine schöne Wohnung, darauf habe sie immer wert gelegt. Als wir im Bürgerbüro warten, zeige ich ihr meine Katzenfotos von dem grauen Liebling auf dem Handy. Sie unterschreibt sehr unsicher, trifft aber das Feld. Fingerabdrücke brauchen wir nicht. Einen Pass hat sie nicht. Die Bahn kommt schnell. Sie erzählt wieder, dass sie aus dem Sudetenland kommen, sie aber hier in Hannover geboren sei. Sie mag Hannover. Ich sage, ich auch, da hätten wir was gemeinsam. Auf dem Rückweg will sie wieder ins Café, aber ich schlage die Wohnung vor. Der Kühlschrank ist nicht voll, aber sie geht ja auch auf den Platz. Die ca. 12 Bierflaschen, die seien von einer Woche erklärt sie mir. Ich sage, ach so, nicht von gestern Abend und wir lachen. Sie will, dass ich bleibe, aber ich muss ins Büro. In 2 Wochen bringe ich ihr den neuen Ausweis. Sie soll dann bloß nicht zu mir sagen, warum ich wieder kommen würde und dass wir sie alle in Ruhe lassen sollen. Ihre Katzen sind übrigens Geschwister.

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Auf den Rückweg halte ich bei Edeka und kaufe Extrakekse aus England. Muss mich mit „Walker“ zufrieden geben. Dann halte ich zum zweiten Mal an diesem Tag bei einer Betreuten, die auf dem Weg liegt und die sich nicht meldet bzw. noch von mir erreicht werden kann und es läuft heute eine Frist ab beim Jobcenter. Ich klingele mich über Nachbarn ins Haus, ihre Klingel ist abgestellt und der Briefkasten voll. Fristverlängerung beim Amt, den Arzt rufe ich Morgen an. Ich muss einem starken Impuls widerstehen beim spanischen Supermarkt zu halten und mir ein Stück Manchego zu kaufen. Die Käsesorten, die Stephan in Straßburg gekauft hat und wegen derer man immer merkte, wenn jemand am Kühlschrank war (die Rotschimmelkäsen waren schuld) sind mir allesamt zu krass vom Geschmack. Ich bin doch eher für Hartkäse und gemäßigte Sorten als die allerfiesesten Ziegenteile.

Den alten Hefegugelhupf esse ich mit zentimeterdicker Salzbutter. Das geht.

Gute Emails, eine Betreute bedankt sich bei Stephan, dass ich was geregelt habe seit gestern und ich habe aber noch nichts gemacht. Alter, das ist langsam scary. Dafür ärgerliche Post nachmittags. Eine Kanzlei aus München, die einen Rechtsschutzversicherer vertritt, weist meine Kündigung in einer Betreuungssache zurück mangels Originalvollmacht. Die Mehrkosten gingen zulasten meiner Betreuten. Frechheit. Ich koche und mache meinem Ärger Luft, rufe die Sekretärin an und sage, sie könne dem Kollegen, der sich offenbar in Betreuungsrecht nicht auskennt, ausrichten, ich brauche keine Originalvollmacht, ich brauche gar keine Vollmacht. Er kann das gerne in Hannover vor Gericht klären lassen. Gegen den Mahnbescheid hatte schon der frühere Betreuer Einspruch eingelegt. Sie will mich verbinden. Es dauert mir zu lang, ich lege auf.  Eine Vereinsbetreuerin schreibt mich an. Meine lebt seit über einem Jahr im Heim. Der Messy-Lebensgefährte hat die Wohnung übernommen und die soll jetzt aufgelöst werden, weil der auch ins Heim kommt und ich werde aufgefordert, die Sachen von meiner bis zum 31.03. zu räumen. Ihrer könne nicht sagen, was wem gehöre oder was weg soll. Ihrer hat vor über ½ Jahr den Mietvertrag übernommen. Ich habe das schon unter „abgelegt“. Sie hat wohl schlechte Karten. Ich werde ihr schreiben, die Sachen von meiner sind schon draußen, was auch stimmt, zumindest die ganze Kleidung und die Bilder. Die Sachen gehören alle ihm. Ich habe mal versucht mit ihm aufzuräumen, ein total volles Zimmer. Jedes Stück, was ist mit dieser Puppe, mit diesem kaputten Stuhl, mit dieser Phantasiefigur. Einiges konnte einem Kirchenbasar gespendet werden und es war nach 1,5 Stunden etwas Luft im Zimmer. Nächstes Mal als ich kam, war es doppelt so voll wie zu Beginn. Er hat alles gesammelt, Bücher, Sperrmüll. Er hat immer was gefunden auf der Straße und angeschleppt. Denke mir: guter Versuch, aber von so einer Vereinsbetreuerin lasse ich mich nicht aufs Glatteis locken. Da muss man früher aufstehen. Die erste unangenehme Email an meinen Steuerberater seit meiner Kanzleigründung vor fast 15 Jahren. Heute ist Aggro-Tag.

Aber auch Liebtag. Ich antworte meiner Ex-Betreuten mit einer handgeschriebenen Karte und erkläre ihr, dass ich nicht mehr zuständig bin. Schicke ihr eine Shampoo-Probe, weil sie immer Haarpflegetipps für mich hatte.

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Vielleicht vor der Kündigung der Kestnermitgliedschaft doch noch die Valentinsveranstaltung dort am Freitag abwarten. Die hatte die junge Mitarbeiterin seinerzeit uns so warm empfohlen. Ich glaube zwar nicht, dass die Burlesque-Tänzerinnen mich umstimmen können, aber so lange kann ich noch abwarten mit der Kündigung.

13.02. Abends beim Yoga war ich wieder Gleichgewichtsschwächling und auch Kopfstand war nicht prall. Mir machen die Nackenprobleme noch zu schaffen und es ist nicht meine Disziplin. Dafür kann ich hinten im Rücken, bei den Nieren atmen. Wegen meiner dünnen Haare verliere ich jetzt einfach Haargummis, die mir unbemerkt aus den Haaren fallen. Wie scheiße. Ich fahre am nächsten Tag die Strecke noch mal ab. Es waren breite aus Elastikstoff, ohne Metall in den Farben zartrosa und grün. Wenn die einer zwischen Königsworther Platz und Linden gesehen hat, bitte melden.

Werde vor 4 Uhr wach. Koche schwarzen Tee, gehe dann doch wieder zu Bett ohne ihn zu trinken. Diskussionen über Urlaubsplanung und Zweisamkeit bzw. die Unwucht ungerader Zahlen gehen mir nach. Außerdem Bastelideen für den Buchbinderkurs. Will einen großen Papierhut aus einer Foie Gras Papiertüte machen und dann ausstopfen, wie sich das thematisch gehört. Das Fernsehprogramm um so eine Uhrzeit. Pseudoreality-TV. Eine Frau, die ihren Mann beschatten lässt um dann zu erfahren, dass er mit mehreren ihrer besten Freundinnen ein Verhältnis hat, lassen mich ins Bett zurück flüchten.

Thema beim Arbeitsamt. Rehaabteilung.

freundliches Lächeln Händedruck

Der Mann mit den Streichholzsammlungen. Meiner hatte einen Berufsunfall und will umschulen. Will was Soziales machen und seine handwerkliche Ausbildung damit verknüpfen und dann in er Werkstatt für Behinderte arbeiten oder im Knast. Das sei schwierig, weil er selber psychisch erkrankt sei und daher keine Fremdverantwortung übernehmen soll. Ich sage, das sei doch Quatsch, gerade die Leute könnten anderen helfen, die durch so was durchgegangen seien und es überwunden hätten. Wer hinterfragt eigentlich wer warum Psychologie studiert. Das sei doch auch Selbsttherapie und die dürften anschließend auch Leute auf der Couch beraten. Der Reha-Berater gibt mir Recht. Er sagt immer „der Junge“ als es um ein ärztliches Gutachten geht und meint damit einen Arzt der Agentur für Arbeit. Ich denke, der redet leger über seinen Kollegen, aber das ist der Nachname. Es geht um Vogelhäuschen die die Werkstattleute herstellen und er hat sich eines im Hundertwasserstil machen lassen mit 3 Einflugschneisen und er wollte es mit 96-Logo. Das durften die nicht bzw., wurde vereinbart, dass er es selber so angemalt habe. Wir das überhaupt angenommen für den Vögeln, will ich wissen. Hier schon (mein Betreuter kommt ursprünglich aus Braunschweig). Ich sage, nicht deswegen, sondern wegen Einsturzgefahr. Dann erzählt er was von Büschen, die er geschnitten hat, aber außerhalb der Brutsaison. Sein Büronachbar sei Jäger. Trotzdem hätte das die Vögel so irritiert, dass die Eltern nicht mehr gekommen sind. Ich sage, das Vogelhäuschen sei wohl Wiedergutmachung. Dann geht es um ein Gutachten der Rentenversicherung. Die faxen nicht wegen Datenschutz. Ich sage, dass sei auch nur eine Ausrede, wenn man nicht arbeiten wolle. Wir hoffen, dass die Dinge jetzt endlich laufen. Mein Betreuter ist vor knapp einem Jahr aus der medizinischen Reha gekommen und so lange wird hier begutachtet und von Kostenträger zu Kostenträger geschoben.

Bekomme wieder eine Postkarte von meiner Ex-Betreuten. Geb. zaht Empf. Es nimmt vielleicht doch überhand.

Mittags Kaffeepause. Mütter sollen nicht unverdeckt stillen, das verdirbt mir den Appetit. Schnell zu uns. Die erste Tube Regilait und die letzten Madelaines. Ich werde immer fassungsloser was da für ein Aufriss gemacht wurde und mit welcher Arroganz die Törtchen repräsentiert wurden. Franzosenvorurteile festigen sich wieder. Das würde keinem Spanier einfallen wegen ein bisschen backen. Die Madelaines vor Ort waren die besten und Salzkaramel, was aussieht als wäre ein Stück Munsterkäse darauf geschmolzen. Der mit Schoko und Baileys ist unspektakulär. Mag sein, dass die etwas geiler sind als die von Meinl, aber dafür stehen die dort auch im Supermarktregal und nicht in einem eigens gebauten Schloss Neuschwanstein mit sektenartigem Sendungsbewusstsein. Alle Promis, die einen verzehrt haben, hängen aus mit Fotos und Autogrammkarten. Interessierte werden abgewiesen, alleine 3 Gruppen in der kurzen Zeit, in der wir da waren.

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Betreute mit dem familiär-religiösen Hintergrund gibt Bankkarte ab und will wieder Geld sich einteilen lassen. Sie fährt am Wochenende heimlich zu ihrem Freund nach Karlsruhe und hat heute eine Kontopfändung über 2.000,- € rein bekommen. War schon bei der Bank wegen erhöhtem Freibetrag wegen Kind. Wir müssen Post abwarten.

Herr PM, der Messy, der umziehen soll meldet sich. Die Untermieterin ist seit dem 04.02. nicht zu erreichen. Was soll er tun. Er hat keine Lust zu renovieren und sie setzt sich ins gemachte Nest. Ich finde recht deutliche Worte: er ist selber schuld. Er hat sich doof angestellt. Er hat den Untermietvertrag unterschrieben und ihr mitgegeben und da war schon vorher klar, dass die unzuverlässig ist, wie alle Leute, die er kennt. Statt sich von mit beraten zu lassen, hat er selber gemacht und ich soll jetzt alles wieder rückgängig machen. Er hätte ihr den nicht unterschriebenen Vertrag mitgeben sollen und sagen, sie klärt das erst mal mit dem Jobcenter und unterschreibt, dann wäre er am Drücker gewesen. Er ist dem Vermieter gegenüber alleine verpflichtet und muss jetzt zusehen. Er hat Montag einen Termin. Mein Gott bin ich genervt von so was. Selber machen, Mist bauen, 5 fache Arbeit für mich. Wer auch nervt ist eine Frau mit Ossi-Dialekt, die in einer familienrechtlichen Sache die Kollegin erreichen will, aber immer mich anruft. Dann geht es darum, dass sie eine Firma haben und auch der Mann mal ans Telefon geht. Ich richte das alles brav aus und wenn sie weiter nervt und in meiner Mittagspause zu hause anruft, sage ich, sie soll aufhören mich anzurufen. Heute hat sie offenbar Stephan erreicht und sich dann überschwänglich bedankt, dass er so freundlich ihr geholfen habe. Das ist auch in meinen Betreuungssachen unsere good cop, bad cop Strategie. Eigentlich wollen die Leute immer nur mit mich sprechen und sagen Stephan gar nichts oder sagen mir, dass sie mit meinem Mann nichts zu tun hätten, so werden sie da etwas aufgeschlossener.

Meine erste Kandidatin, die Geld holt, kommt nicht und das ist ungewöhnlich. Die Linie 9 fuhr nicht, es waren lauter Feuerwehrautos auf der Falkenstraße berichtet sie mir dann. Elisabeth Taylor schafft es trotzdem pünktlich und kommt nahtlos im Anschluss. Sie will blaue Kontaktlinsen wie ich und geht Samstag auch ins Theater, aber ein anderes Stück. Sie will sich die Karten auch an die Wand hängen, wie ich es mache. Das sei jetzt modern und sie will sich Farbe kaufen und jede Woche eine Wand streichen und Goldglitter, das passt zu den Gardinen. Gut, die Lampe ist Weiß und Lila….Sie war nicht bei der Spritze und will auch nicht mehr hin. Die Wucht mit der die reingerammt wird sei wie ein Auffahrunfall. Mehrfach zeigt sie es mit den Armen sehr anschaulich und macht dazu Auffahrgeräusche. Sie übergibt mir eine Postkarte. Dann müsse sie sie nicht schicken. Eine Briefmarke sei drauf.

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Abends der Buchbinderkurs. Der neue Ateliertyp hat wohl gemerkt, dass Bücher nicht so seins sind, ist aber trotzdem da. Nein, wir stören nicht. Ich glaube, der will eine Frau kennen lernen. Laura sagt mir, ich müsse nicht jedes Mal kommen mit der 5er Karte. Ich habe mir das aber so eingetragen bzw. dann hätte ich heute mit Stephan und Detlef zu Wenzel Storch gehen können. Ich habe mich schon als Darstellerin beim Meister gemeldet, wenn er dann für seine nächste Produktion alte Frauen in hautfarbener Wäsche als „Bordsteinschwalben“ braucht, deren „Haltbarkeitsdatum abgelaufen“ ist. Laura hat mal für den Meister gearbeitet und musste Bettfedern gold anmalen. Das ist klar, weil auf Ausstattung legt er bekanntlich sehr viel wert. Heute kommt auch der penible, schweigsame Mann nicht. Dafür 3 Frauen vom letzten Mal, die eher Faltarbeiten verrichten und ich muss mich korrigieren, dass was ich für Mutter und Tochter gehalten habe ist wohl eine ältere Frau mit schlechten Zähnen und eine jüngere, die nur etwas kleiner ist (manchmal bin ich unaufmerksam). Dazu kommen zwei Freundinnen im Rentneralter. Die wollen ein Cappuccino-Buch machen und einer weitere Frau auch und letztes Mal wollte es auch eine. Das scheint der letzte Schrei zu sein. Man nimmt DIN-A 3 Bögen und bemalt die mit Wasserfarben. Die eine Freundin erklärte der anderen immer, wie sie es zu machen hat, z.B. nicht so dunkle Farben, weil man da noch was draufschreiben will. Das führt dazu, dass die Freundin erst alles ihr nach macht, sie wählt dieselben Farben und macht die selben Muster. Dann kommt die Freundin doch auf eigene Ideen, z.B. Zahlen schreiben mit den Wasserfarben und überholt so die Expertin und erzielt auf Anhieb ein besseres Ergebnis. Die Bögen werden mit Fön getrocknet und dann gefaltet und genäht und zwischen zwei Kartons, d.h. in einen Einband, gemacht. Dann nimmt man eine Schere und schneidet die Papiere auf. Manche kann man dann lang rausklappen und aus manchen macht man Taschen, die „praktisch“ sein sollen. Große Begeisterung für das Ergebnis, ein selbstgemachtes Notizbuch, bei dem man überrascht wird, was dabei herauskommt. Ich denke, das sind Kandidatinnen, die bisher ganz wenig Bastelerfahrung oder Tuscherfahrung haben und das jetzt so toll finden, wie Kinder kriegen, die überraschenden Resultate und dieses Machen und dann Schauen und Staunen. Ich freunde mich langsam mit der mit den schlechten Zähnen und der jungen, Kleinen an. Erstere hat eine sehr gute Auffassungsgabe und bemerkt gleich, dass mein Schmuck aus Papier gemacht ist und will heute auch Schmuck machen. Sie bringt es sich selber bei und nimmt ein Buch mit Anleitung. Zum Schluss hat sie einen Fisch gefaltet und ich bringe ihr nächstes Mal Broschenrohlinge mit. Ich kaufe die Säckeweise und dann muss sie nicht die Phantasiepreise von Idee zahlen. Sie hat letztes Mal meinen Pinsel ausgewaschen. Das soll sich bezahlt machen. Außerdem hat sie einen Sinn für Humor und ist schlau und aufmerksam. Das macht alles die Verfärbungen an den Zähnen wett. Ich mache weiter meine Familienfotos, weil ich im Bareiss 12 neue bekommen habe. Vorher schneide ich die Gans aus der Papiertüte (doppelseitige Tüte, der Laden in dem wir Foie Gras gekauft haben in Straßburg) aus und klebe die Seiten mit dem starken Leim, oben lasse ich eine Öffnung. Lass trocknen und stopfe die Gans dann – themengerecht – mit Watte aus und klebe die Öffnung zu. Dann kommt die Gans unter die Metallpresse (Karkasse, pressen, auch thematisch logisch). Es soll ein recht großes Hütchen werden. Woher ich nur auf die Ideen komme, will die Junge wissen. Darauf weiß ich immer keine Antwort, weil es mir so logisch erscheint und ich es mir anders nicht vorstellen kann. Mit der Älteren bin ich mir einig: Papierschmuck rules. Dann ziehe ich mich zurück und loche meine alte Betreuungsakte, Laura zeigt mir wie, sie hat dann 4 Löcher statt 2. Dem ermordeten Betreuten mit HIV, dem ich ein Buch widmen möchte. Die total schrägen Pornos aus seiner Haushaltsauflösung (nur das eine Heft ist aufgeklappt DIN-A4) hefte ich dazwischen und finde das recht überzeugend. Dann mache ich den Einband. Ein grünes Buch über Haustiere wird zerschnitten und mit dem lila Papier des Madelaine-Ladens eingefasst. Das sieht so schön nach Oma-Schlüpfer aus. Es ist leider sehr dünn und reißt immer wieder, wenn man es nass macht mit dem Kleister, aber viel Kleister muss sein und ich mache es mehrlagig, wie Pappmache und lass es dann erst mal trocknen. In der Restzeit falte ich Duschhaubenkartons aus dem Bareiss nach mit Einbänden von alten Merian-Hefte und einem alten Feinschmecker. Ob das auch ein Hütchen werden soll, will die Junge wissen. Ich sage, nein, ich will jetzt immer Duschhauben zu Geburtstagen verschenken.

Der Kurs geht bis nach 9. Ich hole mir einen Cheese-Burger vom Türken an der Ecke. Ist voll wie immer, die Männer nehmen alle vegetarische Taschen das ist dann Salat in einer Dürüm-Döner Rolle oder im Fladenbrot. Zuhause gibt es noch Joghurt mit roten Vogel und die Reste vom Gugelhupf, getoastet mit viel Salzbutter.

Detlef und Stephan kommen. Detlef schaut sich meine Kursergebnisse an und hat wieder Nordbayerischen Kurier mit dabei. Ich kann ihm belegen, wie wichtig die Überschriften sind, die ich für die Antik- und Familienfotos als Untertitel benötige. Ich schenke ihm den alten Fernseher mit Postkarten zum klicken aus Oberfranken. Er wird dort einfach besser gewürdigt. Detlef muss um halb 7 schon zur Arbeit und ich erst um 7 Uhr aufstehen, aber ich bin Weichei und gehe Heia. Ich merke beim Zeigen der Resultate erneut, wie gerne ich den Kurs mag. Nähkurse z.B. das war gar nichts für mich. Das mache ich dann wieder privat. Sonntag mit Steffi. Freu ich mich schon drauf. Ich glaube das liegt daran, dass ich da weniger Bezug zu der Technik habe. Steffi näht ja für mich und ich brauche kaum was machen außer die Unterhaltung zu erwidern. Außerdem verstehen die normalen Nählehrerinnen nicht die etwas anderen Anliegen. Ich hatte einen Nähkurs bei meiner Freundin Andrea im Laden bei der Nählehrerin gebucht mit Aenne und die wollte eine Männeranzugjacke umnähen, dass sie besser sitzt. Da war großes Unverständnis bei der Lehrerin. Laura ist da anders und man kann mit jedem Projekt ankommen, was mit Papier zu tun hat und sie leistet Geburtshilfe.

14.02. Früh wach. Ich frage Claudi zu Gary Newmann, wer das denn noch mal sei. Sie schreibt: „Der ist so von früher, also ein sehr alter Mann! Cars ist eins seiner berühmten Stücke, dass kennst du! Hier ist das Konzert am Montag und richtig krass teuer. Also ich warte gerade auf Nachricht ob ich auf der gasteliste stehe. Sonst geh ich nicht. 50,- € find ich stark. Also ansonsten lieb ich den sehr! Aber ich glaub nicht dein Geschmack, eher so elektronisch gruftig gitarrig…… aber mal reinhoren???“. Seit ist gelesen habe, dass Philip Boa and the Voodoo Club am 07.03. in Hannover spielen, muss ich auf dem Fahrrad Stücke von denen singen. Da bin in wenigstens textsicher. Nach der Anhörung um 8:30 Uhr führt mich Container Love zum Fairkaufhaus, aber die packen gerade neue Ware aus bzw. ab und machen erst um 10 Uhr auf.

Was ich nicht mag an Männern sind kleinere Männer mit ganz großen Schuhen, die so spitz zulaufen und vorne gerade abgeschnitten sind. An Frauen finde ich derzeit anstrengend diese lustigen Desigual oder wie die spanische Marke heißt Sachen. Die so lustig selbstgemacht ausschauen sollen, damit werden sie als Massenware hergestellt, die aber individuell gestaltet ausschauen sollen. Das verstehe ich nicht. Ist wie Punker-t-shirts, die vorgerissen sind und Musikbuttons schon drauf haben bei H & M kaufen, oder. Die Buttons machen dann schlecht bezahlte Frauen in Bangladesch ran bis die Fabrik abbrennt. Was ist da jetzt der Punk. Oder wie jemand neulich so schön sagte, seit wann ist nackt auf einer Abrissbirne herumturnen Punk?

Vor der Anhörung treffe ich den Kollegen im Anwaltszimmer. Wir sprechen über den Vater-Sohn-Fall. Er sagt, die Staatsanwaltschaft will 1 Jahr, schwerer Fall, seinen 16-jährigen Sohn zum Drogenkauf losschicken. Der Stiefvater hat sie alle ans Messer geliefert. Der Jugendliche lebt in einer Einrichtung. Ich sage, das sei doch eher ein erzieherisches Problem als den eines der Strafjustiz. Den Stiefsohn anschwärzen und vor den Kadi zerren. Ich find’s nur zum Kotzen. Dann frage ich den Kollegen, warum er so bedächtig mit mir spricht, sein dienstliches Auftreten. Wir sind doch nur privat. Gibt es hier überhaupt eine „inoffizielle Seite“ meines Kollegen frage ich mich. Ich empfehle ihm Robert Picker zu kaufen. Der sei alt und nicht mehr lange günstig zu haben. Die Arbeiten hängen im Anwaltszimmer und ich überlege mir selber eine Zweitanschaffung. „Handtaschen und Parfum“ oder „Notebook“, aber wohin damit.  Ich sage dann noch zum Kollegen , ich warte auf den Tag, wo es ihm zu viel wird und er mitten in der Verhandlung zusammenbricht eine Lebensbeichte ablegt. Wir lachen, die Leute sind derart gesprächig gegenüber der Polizei. Davon lebt die Strafermittlung, dass Leute das nutzen um mal alles zu erzählen, was sie je gemacht haben. Damals Mutti 50 DM aus dem Portemonnaie geklaut usw. Wir unterhalten uns auch über die strafrechtliche Reform der weichen Drogen. Da tut sich was, verrät mir der Experte. Ich sage, das sagen sie schon seit Jahren. Er erzählt von dem letzten Strafverteidigerkongress, da sollten sie einen Änderungsentwurf einreichen. Die Alkohollobby ist mit allen Mitteln dagegen eine Konkurrenzdroge auf den Markt zu lassen und die Rechtsprechung müsse sich bei den Straßenverkehrsdelikten vor allem komplett ändern. Jetzt sei es so, 2 Flaschen Schnaps auf dem Beifahrersitz ist egal, solange der Fahrer die nicht getrunken hat vor der Fahrt. Tüte Gras im Auto, Fahrer nüchtern, trotzdem Führerschein weg. Das dürfte auch jedem Nichtstrafrechtler einleuchten, dass hier grundgesetzliche Rechte der Gleichbehandlung nicht eingehalten werden.

Im Gerichtsfach ist weder mehr Post für die neue Kollegin als für mich. Die will ich langsam in die Pflicht nehmen. Miete mit zahlen und auch Holdienste. Ich werde die Post immer wiegen und eine Excel-Tabelle anlegen, zumindest gedanklich. Ihre Post ist 3-4 x so schwer. Kleinlich ja, aber sie muss offenbar darauf gestoßen werden, dass hier eine Beteiligung angezeigt ist. Manche kommen auch von allein drauf. Ihre Ex-Kollegin war in der Zeitung und ist auf Unterhalt für Eltern spezialisiert.

Die Kammer ist in Jeans und anderer Besetzung. Mein Mittagstischfreund scheint schon an seiner neuen Dienststelle zu weilen. Ich werde ihm eine Postkarte schicken, habe ich mir überlegt. Herr Maßregelvollzug kommt rein und darf wieder vorne sitzen zwischen dem Kollegen und mir. Er hat einen spitzenmäßigen grauen Hoody an, kurzärmelig mit Schrift und darunter etwas kurzärmeliges mit Zeitungstext. Ich lese „Manager Mc Laren und seine Lebensgefährtin Vivienne Westwood in ihrer Londoner Boutique „Seditionaries“ neben Second-Hand-Fummel unter dem Transparent „Kleidung für Helden“ auch mancherlei Nazi-Orden zeigt, weil „das so interessante Dekorationen“ sind. In einem anderen Artikel lese ich „Austin, Texas….angesehenes Gewerbe floriert…ein westdeutscher Gemeinderat noch ernsthaft gegen ein Eros-Center votiert…Beate Uhse. Meiner wurde zwischenzeitlich endlich wegen seines Leistenbruchs operiert, hat aber keine realistischen Pläne. Er ist zurückgegangen in den Maßregelvollzug, bevor er „irgendeinen dummen Fehler“ macht. Das rechnen ihm alle hoch an und die Kammer meint es gut mit ihm. Er will kein ambulant betreutes Wohnen und auch ohne Wohnung entlassen werden. Das halten alle außer ihm für unrealistisch. In ca. 6 Monaten nach einem weiteren Gutachten, wird die Sache für erledigt erklärt. Die Alternative wäre Bewährung. Er plädiert für die Erledigung. Der Strafverteidiger erklärt ihm die Risiken, die Kammer auch. Wenn dann noch was passiert, irgendwas, ist er lebenslang Weg vom Fenster. Das Risiko nimmt er in Kauf. Er war schon immer so. Unbeugsam, egal wie schmerzhaft das für ihn ist. Ich finde das irgendwie beachtlich (auch beachtlich undiplomatisch, aber eben zu keinem Zugeständnis bereit); besser als die ganzen Schleimscheißer.

Nach der Sitzung sagt mir der Kollege, das ist da hinten was dran hätte, am hellgelben Mohairmantel. Er vermutet Kettenschmiere und ich sage, das sei eine Funktionskleidung , „Du weißt schon, draußen zuhause“.

Heute Abend bei Kestner ist nicht nur Burlesque (Spießerkram aus meiner Sicht) sondern Mr. Sketchs Artschool und man soll Malstifte und Zeichenblock mitbringen. Auf so ein lustiges, verordnetes Mitmachspiel habe ich gar keinen Bock. Gehe aber davon aus, dass es auch andere Verweigerer geben wird und will mir das ja nur mal anschauen und sehe mich schon bald nach Hause fahren.

Was ich auch noch mal schreiben wollte zum Thema Handwerker. Für mich sind das große Jungs, die den ganzen Tag basteln und spielen dürfen. Also Handwerker, z.B. Automechaniker Adolfstraße = Lego oder Playmobil spielen. Bauarbeiter, Landwirte = Bobbycar, Sandkasten, Bagger fahren. Das klingt jetzt überheblich, aber ist es nicht. Ich kann das total verstehen, diese Befriedigung aus dem Spieltrieb heraus.

Die total nette Psycho-Ärztin ruft mich an, die erst einen langen Hausbesuch bei einem meiner schwierigsten Fälle gemacht hat und uns dann neulich „versetzt“ hat, als ich mit den Eltern einen Termin hatte, weil sie notoperiert wurde. Sie kann uns keinen früheren Termin geben, weil sie hat Bestrahlungstermine. Sie ist an Brustkrebs operiert wurde. Ich warne sie vor, dass meine schwierige Elisabeth Tylor neulich ihren Namen genannt habe und ich hier auch Ansprechperson sei, ich beschreibe die Kandidatin etwas, sie lacht. Ich wünsche ihr alles Gute. Was für eine nette Frau und was für eine Offenheit, da habe ich großen Respekt davor. Die Eltern übrigens, er Architekt und sie immer in schwarz, gerne Hosenanzug und Rollkragen, ziehen wieder nach Hannover in ein Bauprojekt in Linden. Der Sohn soll es nicht wissen, weil er sonst ständig auf der Matte steht. Sie gehen dann auch samstags auf den Markt, wie die Touristen, wie sie jetzt wissen würde (das hatte ich offenbar gesagt, als sie mich zu der Gegend in Linden befragt haben, wie es dort sei u.a. mit Junkies).

Mittags wollen wir endlich mal ins August Kestner Museum, Bürgerschätze und Bestiarium anschauen und freitags ist der Eintritt frei (wieder gespart für den nächste Gänsestopfleber). Die kitschigen und skurrilen Lichtobjekte von Dietlind Preiss gefallen mir. Tolle Keramik, wenn nicht meine Wohnung schon so voll wäre, würde ich ernsthaft über die Anschaffung nachdenken. Ich denke zuerst, es ist ein Kerl, weil der Name mit „Diet“ anfängt und ich nicht weiterlese. Der Salz- und Pfeffersammlung unserer Freundin Heidemarie ist schon abgebaut. Es ist tote Hose in dem Museum und man spürt förmlich, wie es bald schließen wird, wenn sich da nicht jemand ein ganz neues Konzept einfallen lässt. Ich kaufe immerhin eine Keramikkatzenpostkarte für 50 Cent.

 

Hirschkopflampe rote Mopskopflampe

 

Eine Schnupftabakdose in Form eines Hundekopfes:

Kampfhundekopfkeramik

Anschließend gehen wir ins alte Rathaus. Ewig war ich nicht mehr in der Kantine. Es ist voll. Viele Rentner, die schon um 5 aufstehen und ab 11 Uhr richtig Hunger bekommen. Ich stehe an für Fisch in Kartoffelkruste und nehme die warmen Speck-Kartoffel-Salat und einen fromage blanc mit Waldfrüchten und einen frisch gepressten O-Saft. Der Chefkoch hier ist ein Freund von Günter und kennt mich (vom Sehen). Er grüßt mich und freut sich, dass ich mal wieder da bin (lange nicht gewesen). Später bekomme ich mit, wie eine Frau Mitte 30 sich bei ihm beschwert und wohl richtig derbe und er muss laut werden, dass sie es doch jetzt bekommen habe. Auch sonst stöhnen die Besucher zum Teil darüber, dass es so voll sei. Hey, das ist eine Kantine! Die leckeren Hauptgerichte (Stephan nimmt vegetarische Gnocchi mit mediterranem Gemüse) kosten unter 4,- € 3,70 oder 3,90. Wer mehr Exklusivität möchte und viel Platz, dem empfehle ich das Clichy. Es ist ein totales Privileg, dass es so eine Kantine gibt. Für welche, wie die Beschwerdetussi, die blöd daher kommen, empfehle ich gleich das Hausverbot auszusprechen. Es ist herrlich, was die Leute Unterschiedliches Essen. Die meisten nehmen eines der Menüs, Steak „Stuttgarter Art“ gab es auch, aber manche halt einen Salatteller, der seit neusten gewogen wird (finde ich auch besser weil das beladen des kleinen Tellers ist ja sehr beliebt) oder auch nur 2 Würste, eine Suppe und eine Erdbeermilch. Es gibt sogar Windbeutel mit Kirschen und Sahne für 1,-. Sie haben das Nachtischsortiment ausgeweitet. Ich bin sehr zufrieden und hatte ganz vergessen, wie sehr ich den Laden liebe. Ich sage, jeder auswärtige Besuch sollte hierher geführt werden. Man bekommt einen eins-A Eindruck von Hannover. Auch die Japaner, wenn sie mal kommen sollten. Gut für die ist es gruselig, nicht nur das Essen, sondern vor allem die Tuchfühlung und das ganze, unsaubere Procedere, aber da müssen sie durch. Wir haben auch Kugelfisch und Fischsperma gegessen.

Nachmittags kommt eine relativ neue Betreute, die einen Termin hat und für die wir gerade eine Rente beantragen. Nachweise über Ausbildungszeiten hat sie dabei. Sie arbeitet total gut mit und ich mag sie. Kurz Frage zu Zeugnis, aber sie hat es schon selber im Internet recherchiert und die Formulierungen der IHK übernommen und abgewandelt. Dann kommt  ein Betreuter, der unbedingt einen Termin haben wollte. Er ist Kurde, der gefoltert wurde und berentet ist und hat die türkische Staatsangehörigkeit. Nie wird der Mann wieder in die Türkei gehen. Er hat dauerhaften Aufenthalt in Deutschland. Die unverheiratete Frau hat die deutsche Staatsangehörigkeit und die 3 Kinder auch. Sie wollen Ende März nach London, weil Freunde heiraten, ob er dafür ein Visum braucht. Stephan recherchiert schnell und ja und 6 Wochen vorher beantragen. Das könnte knapp werden. Er sagt, dass ich elegant aussehe. Er gehört auch zu denjenigen, die mir immer Komplimente machen. Es ist sehr freundlich. In Straßburg sind wir eine Gasse entlanggegangen und ich blieb zurück, weil ich fotografiert habe, da sprachen mich die Alkis an mit: tu es tres jolie et tres sexy“. Die Franzosen sind da direkter. Es soll charmant sein, aber bei mir kommt die Norddeutsche Art besser an.

Typ, könnte obdachlos sein, wohnt glaube ich im Ihmezentrum und ist immer mit einem Rudel unangeleinter Hunde unterwegs in Linden. Nach viel Cesar Milan verstehen wir die Rudelaufteilung. Ein kleiner schwarzer Mischling mit der Rute oben wie eine gehisste Flagge ist Anführer und läuft vorneweg. Dann kommt der Mensch, dann 2 wuschelige, schwarze Mischlinge, die aussehen wie Zwillinge, dann ein alter Schäfermix mit Rute entspannt und ein anderer Pudelmix trotten hinter her. Die Follower halt.

Elisabeth soll 40,- für die Depotspritze an Zuzahlung leisten an die Apotheke. Als ich der Apothekerin erkläre, dass dies noch nie der Fall, über Jahre keine Zuzahlung, vermutet diese, dass die Arztpraxis vielleicht bisher bezahlt habe, weil sie die Patientin behalten wollten. Ich sage nur, eher nicht und weiß ja, in wie vielen Praxen die Hausverbot hat, weil sie die Arzthelferinnen beleidigt und bedroht hat und zwar in Praxen, die einiges abkönnen. Ich deute das an und sie macht weiter mit Spekulationen über Machenschaften der Arztpraxis, weil das Medikament so teuer sei. Ich sage, die sind praktisch Stadt Hannover und nicht dem Wettbewerb ausgesetzt, sondern öffentliche Hand. Ich werde nachfragen, aber ihre Vermutungen finde ich merkwürdig.

Valentinstag in der Kestner fällt aus. Ich wollte mich nur kurz lustig machen und dafür zahle ich keine 5 Euro Eintritt. Ich dachte Mitglieder frei, aber die zahlen 5 statt 7. Jetzt ist die Kündigung fällig. Essen gehen fällt auch aus, weil wir noch so schön satt sind von der geilen Kantine. Morgens hatte ich noch triumphiert, weil ich einen Verrechnungsscheck meiner Krankenkasse über 160,- bekommen habe. Geil, ich glaub’s nicht. Heute Abend ins Beckmanns. Ich konnt’s auch gar nicht glauben, warum, die TK tut so viel für mich. Scheck muss erst noch eingelöst werden und heute gehen eh alle Essen, die ein Mal im Jahr die Frau einladen müssen. Valentinstag kann mich mal. Ich frage den Kollegen, der einen Strauß Blumen in der Hand hält als er das Büro verlässt, ob er fremdgegangen sei. Auch hier im Haus war mal eine Frau, die da äußersten Wert darauf legte an diesem Tag beschenkt zu werden. Die sind jetzt schon lange geschieden. Ich finde es idiotisch von den Frauen hier was einzufordern. Entweder der Typ schenkt Dir Blumen, weil er will und nicht weil es ihm vorgeschrieben wird von der Floristikindustrie oder weil Du darauf bestehst oder Du kannst es knicken. Stephan hat uns in Straßburg, wo alles auf „Straßbourg mon amour“ und Valentinstag dekoriert war, dass es an diesem Tag mal ein Progrom gab und 3000 Juden verbrannt wurden. Das sollte thematisiert werden und nicht Pralinen von Edeka. In den USA war Valentinstag toll als Kind. Das hat man ca. 30 lustige „Be my Valentin“ Karten, meist mit Tiermotiven in die Schule mitgenommen und an die Mitschüler verteilt und dann ca. 30 auch erhalten. Vielleicht wurde da die Liebe zu Karten und Papier in mir angelegt.

Abends etwas Eiskunstlauf der Männer und dann als ich schon ins Bett wollte ausversehen noch einen Film mit Robin Williams und vor allem der großartigen Toni Collette (heißt die so) geschaut. Apropos Film und Valentinstag. Ich will allen Lesern noch mal „Don Jon“ meinen Lieblingsfilm des letzten Jahres ans Herz legen. Der ist so gut gespielt von Scarlett Johanson als Prollette und Juliane Moore, es ist eine Freude und so wahr, was die Aussagen zu Pornoindustrie und eigentlichem Sex anbelangt. Dass in der Pornoindustrie sexuelle Lust gespielt wird und der Konsument mit sich selber Sex hat oder mit seinen Phantasien und es nicht um das Gegenüber geht, was sogar eher hinderlich ist, während es beim echten Sex darum geht, sich in einem anderen Menschen zu verlieren. Ich glaube, gerade viele Männer kennen diesen Unterschied nicht. Ich denke manchmal, dass ich es ihnen sogar ansehe zu welcher Sorte sie gehören. Außerdem ist bei Vielen, auch gerade bei den Frauen das Problem, dass man sich da fallen lassen können muss. Darum haben viel Sex auch nicht die gut aussehenden, schönen Modells, bei denen das dann gut klappt, sondern die Menschen, die Freude am Sex haben.

Ich habe noch Nacken-Beschwerde rechts. War schon besser und wurde gestern wieder doofer. Wärmflasche geht so schlecht an der Stelle. Ich schlafe nachts mit Kissen. Das ist krass für meine Verhältnisse. Normalerweise auf dem Bach und ohne. Da fühlt sich mein Hals überdreht.

Auch Stephan ist übermüdet. In übermüdet soll man keine Beziehungsdiskussionen führen. Schlafen. Morgens sieht alles anders aus, aber die Themen müssen schon ernst genommen. Zweisamkeit im Urlaub, der Wunsch ist nachvollziehbar und ja, Stephan ist bei mir Ehemann, Familie an erster Stelle. Die anderen spielen gar nicht mit in der Liga, egal wie verwandt oder gut befreundet. Dem Mann vertraue ich 100%, er verwaltet meine Konten und er ist der einzige, der mir nicht auf die Nerven geht auch bei Vollzeitkontakten über Jahrzehnte. Das schaffe die anderen meist schon nach 2 Tagen oder weniger. Es ist so lustig, wie die Welt Kopf steht, wenn er mal launisch ist. Das ist mein Vorrecht und er hat es gefälligst auszuhalten und auszugleichen.

15.02. Mohairmantel waschen ist wie Haare waschen. Ist ja auch logisch. Der Samstag ist wie jeder Samstag zuhause wieder herrlich ein Bastelsamstag. Buchbinderkursvorbereitungsarbeiten, endlich mache ich mal wieder Tapetenkleister an (kann man im Marmeladenglas vorrätig halten) und probiere mich an meinem Urbanek-Hütchen. Ergebnis unklar. Die Idee auch. Sie soll beim Machen entstehen. Ich bin gegen Skizzen, gegen Berechnungen. Das hat noch nie geholfen. Ich sage nur Maschenprobe – für den Arsch. Meine Mama hat meine Handschuhe geflickt und sie mir geschickt. So lieb. Außerdem ist packen für Wien angesagt. Diese BM-Outfits sind schließlich kein Zufallsprodukt. Es scheint wieder warm zu werden von den Temperaturen her.

Ohne Handy los, hat letztes Mal geklappt, dann vor verschlossener Tür, doch zurück. Der Kollege war mit seiner Tochter noch Handy kaufen (für sich). Wir fahren ins Röhrbein und essen eine leckere Kleinigkeit. Stephan hat Fisch mit Risotto, die Jugendliche nimmt das vegetarische Gericht, Ziegenkäseravioli mit Trüffel du getrockneten Tomaten und ich esse Entenfleischsülze mit Bratkartoffeln, Tartarsauce und Gemüse. Es ist sehr lecker. Zum Nachtisch gibt es Apple-Crumble. Der Laden ist auch am frühen Abend schon gut besucht. Viele Geburtstage und Familienzusammenkünfte. Aufgrund der großen doppelten Wandspiegel hat man den totalen Überblick und wir unterhalten uns über die Sitzordnung der großen Gesellschaft. Hier sitzen 8 Paare nebeneinander und die Jungen auf einer Seite, die Alten auf der anderen. Ungeschickt, wie die Jugendliche meint, die hätten sich bald nichts mehr zu sagen. Sie spricht aus Erfahrung, nehme ich an. Nach dem Essen um die Ecke ins Schauspielhaus. Wir sind voller Erwartungen und sitzen neben der Frau, die Text mitliest und uns wohl über Freunde kennt in der ersten Reihe. Vorher frage ich mit der Leihtochter nach Plakaten für Black Rider. Leider nein. Das müssen wir uns dann von der Straße holen, erkläre ich und die Mitarbeiterin belehrt mich, dass wir uns dabei nicht erwischen lassen sollen. Ein Banjospieler mit bleichem Gesicht kommt aus dem Publikum spielend und singend auf die Bühne. Er ist der Erzähler. Das Lied ist ein Ohrwurm mit finsterem Text und stimmt auf den Abend ein. Der rote Stoffvorhang geht auf und ein riesiger Mond ist am Himmel. Die beiden Handwerksgesellen sind unterwegs und es wird Nacht. Der eine trägt eine Nebelmaschine in einer kleinen Handtasche. Bereits jetzt merkt man, diese Schauspieler sind richtig gut. Ohne Kulissen, nur Mond und Nebel spielen sie die Waldszene und die Angst sehr überzeugend. Der Abend bleibt gut, steigert sich. Die Schauspieler sind richtig super. Eine Frau, die wohl auch viel Yoga macht, ist in den Gruselstories mal 13-jähriger Junge, mal verunstaltet ohne Hals mit Strumpfhose über den Kopf und mal böser Geist, der tobt und sich verausgabt. Auch ein korpulenter Mann, der u.a. den Fuhrmann spielt, macht das richtig super und scheint auch sehr sportlich, wie er auf den Balken des Hauses herumturnt. Alle Beteiligten schlüpfen mühelos in die verschiedenen Rollen. Wie mit spärlich Requisiten gearbeitet wird, die gerne mehrfach benutzt werden, ist total super. Ein goldenes Blaßinstrument, mit dem gespielt wird, ist das Werkzeug mit dem der gierige Fischer, der wahnsinnig wird, nach Gold sucht. Es ist in diesem Fall ein Metalldetektor, der entsprechende Piepsgeräusche macht. Überhaupt, die Geräusche, für die der Conférencier zuständig sind, sind genial. Die Kostüme und das Bühnenbild bekommen eine glatte eins. Endlich mal wieder ein Theaterstück, das ich empfehlen würde. Ja, geht da rein. Ich mochte die ältere Schauspielerin Beatrice Frey so gerne, dass ich mir ihren Namen gegoogelt habe. Die junge verausgabt sich zwar, aber das können Viele in jungen Jahren. Bei der älteren Frau Frey merkt man einfach diese unglaubliche Ausdruckskraft und Präsenz. Einfach Weltklasse hat die gespielt. Ich sage zu Stephan, die kommt aus Süddeutschland und google am nächsten Tag und sie kommt aus der Schweiz und war länger in Wien. Ich finde, das schreit nach Fanpost. Außerdem schaue ich, was sie gerade sonst noch spielt. „Am Hals der Giraffe“ in der Cumberlandschen Galerie. Ich glaube, das will ich auch rein. Endlich macht Theater mal wieder Spaß! Wohnt Frau Frey vielleicht in der Fundstraße? Soll ich ihr meinen Schwarzwaldhäuschen zum Knipsen der Postkartenmotive aus Zürich schicken oder gar ihr was basteln? Fragen über Fragen. Sie spielt in einer der Geschichten, die im Schwarzwald spielt den guten Geist, der dem unzufriedenen Kohlenpeter rät sich was Vernünftiges zu wünschen wie Klugheit, dann kommt Reichtum von alleine. Stattdessen wünscht der sich, dass er immer so viel Geld in der Tasche hat wie ein Halodri aus dem Wirtshaus, den er beneidet. Die beiden machen Glücksspiel und der Neureiche verliert alles und will sich von dem Peter was leihen, nur leider ist er in dem Moment auch pleite, wie er nur so viel Geld in den Taschen haben wollte wie jener. Es steckt neben dem Gruselelement auch Weisheit in den Geschichten und viel erinnert an das Leben. Menschen wollen nun mal den leichten Weg gehen. Ich denke an Lottomillionäre, die am Leben der oberen 1000 teilhaben wollen, dann aber nach einem Jahr mit dem Maserati gegen den Baum fahren, weil sie ihren alten Charakter behalten haben mit den Millionen und daher doch nicht so ein anderen Leben führen, weil man sich selber nicht entkommen kann. Auch die beiden Fischer, die zum Leben genug haben, der eine ist fleißig und der andere eher faul, aber Stabilisator. Leider reicht das nicht, als der Fleißige richtig reich werden will und sich auf der Suche nach dem Schatz völlig aufreibt und schließlich den Verstand verliert. Er findet nichts und statt aufzuhören, sucht er nur doller. Er arbeitet dann gar nicht mehr, sondern geht nur noch auf Goldsuche. Der andere macht ihm keine Vorwürfe. Zum Schluss schlachtet der wahnsinnig Gewordene die einzige Kuh, ein Geschenk an seinen Freund, weil ihm eine Stimme erzählt hat, dass er dann den Goldschatz eines versunkenen Schiffes finden wird bzw. erfahren wird, wo das Schiff versunken ist. Er findet auch Gold, aber auch hier reicht ihm die erste Truhe voll nicht und das wird ihm dann zum Verhängnis. Man kann sich schon denken, wie das weiter gegangen wäre. Nie hätte es ihm gereicht. Dafür war er schon zu sehr aus dem Gleichgewicht geraten.

Die Jugendliche will noch in die Korn. Da wird heute Elektro aufgelegt. Wir fahren erst mal zusammen zurück nach Linden. Ich hatte ihr beim Essen meine graue Katze auf dem Handy gezeigt und sie weiß über 3 Ecken, wem die Katze gehört. Ein überaus erfolgreicher Abend für mich. Ich glaube, da geht noch was. Ausgehen zur Abendmodenschau in der Badenstedter Straße mag ich nicht mehr. Fühle mich immer noch etwas verwunschen und ohne Hals wie der Junge aus dem Stück, weil die Bewegungen eingeschränkt sind und weh tun. Der macht sich über eine buckelige Frau mit langer Nase mit lustig, d.h. die Mutter, die Marktfrau tut es auch und wird von der Alten verflucht. Die Mutter schickt ihn mit ihr mit und er muss die Kohlköpfe für sie nach Hause tragen. Das macht er immer und bekommt gut Trinkgeld oder was zu essen, weil er so hübsch ist. Dort muss er dann 7 Jahre als Eichhörnchen der Hexe in ihrem Haus dienen, zusammen mit anderen Eichhörnchen bis er wieder gehen darf, wobei der denkt, er habe geschlafen und sei vom Schlafen etwas steif, wie ich, aber nach Hause kann er nicht, weil seine Eltern ihn nicht erkennen und forttreiben. Sie sind voller Trauer über den Verlust der Sohnes vor Jahren, als er vom Markt nicht wieder kam. Ich habe jetzt einen anderen Blick auf Eichhörnchen, so viel ist sicher.

Zu hause schaue ich mir noch mal an, ob dieses Stück der Originalvorlage entspricht und das wohl nur zum Teil. Der Hauff kommt aus Baden-Württemberg, daher auch die Schwarzwaldgeschichten mit Glasbläsern und Kohlenköchen. Die Episoden, die dann stark nach Operette riechen, wurden uns erspart. Die Gräfin, die ins Wirtshaus kommt, taucht hier nur am Rande auf, während sie in der Originalfassung tatsächlich Zielobjekt der Räuberbande ist und der junge Zirkelschmied verkleidet sich als Gräfin und lässt sich an ihrer statt entführen um sie zu retten. Es ist dann seine Patentante, die ihm die Ausbildung finanziert hat, der er das Leben gerettet hat, wie sich zufällig herausstellt.

Papierhütchen basteln für Urbanek und so manches mehr. Ich bin mit der Papierkonstruktion zufrieden. Ich merke langsam, das ist mein neues Metier. Kleben war schon immer mehr meines als nähen. Außerdem hat Papier so viele Vorteile, sehr variabel, leicht, selbst die Nässeempfindlichkeit kann man beheben, wenn man will. Das ändert natürlich etwas den Charakter.

Beim Bettenabziehen merke ich, dass unsere eine Federdecke wohl ein Loch ist. Wie Frau Holle stehe ich am Fenster und es hat sich offenbar auch Zeug in meinen Haaren festgesetzt. Passend zur Gans.

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Hier der Beweis, dass wir bei den Hotelseifen bei den letzten Exemplaren angelangt sind. Mit den Apartments wird das auch immer seltener und offenbar schaffen die auch Seifen ab, also was soll’s.

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Tertium non datur

03.02. Frauen ohne Schminke und gekünstelte Frisur sehen besser aus. Im Dschungel sehen sie besser aus als dann für die Show zurecht gemacht und dann wozu der Aufwand. Sie bekommen es auch noch gesagt und ignorieren es trotzdem. Denken sie, dass man sie anlügt? Können sie es selber nicht so sehen, dass natürlich einfach schöner aussieht? Finde Antworten auf alle Fragen im Fernsehen. Das mit meinen wenigen Haaren macht nichts bzw. wird von mir überschätzt. Will ich so eine beknackte Frisur, die einfach nur künstlich ausschaut? Nein. Bin ich der Typ praktische Kurzhaarfrisur? Nein.

Nachtrag (es wird der Beitrag der Nachträge): Fetzen aus meinen Träume der letzten Nächte. Ende der letzten Woche hatte ich einen. Da war eine Faschingsparty und da war so eine Art Geisterbahn im Keller, aber richtig gruselig und man musste vorher an großen Spinnen und Horrorzwillingen usw. und ich habe abgebrochen und gesagt, ich muss aufs Klo. Oben habe ich dann gesagt, ich will da nicht mehr runter. Das macht mir Angst. Alle anderen: das ist ganz normal, stell Dich nicht so an. Da ist eine Diskoveranstaltung im Keller, wenn Du erst mal an den Gruseldarstellern vorbei bist. Ich blieb aber hart und habe mich nicht verbiegen lassen und fand das gut, so für Traum und so. Dass ich dann sage, ist mir egal, auch wenn alle anderen das normal finden. Dann habe ich mehrere Träume, in denen es offenbar um meine neue Buchbindertätigkeit/-erfahrung geht. Gestern Nacht war es ein Tapetenkleisterkurs, den ich mit mehreren Asiaten besucht. An der Wand asiatische Schnitzereien, Wolken und so was. Alles sehr aufgeräumt und man sitzt auf Barhockern an Tischen, alle Plätze voll.

Morgens schaue ich mir noch mal meine neue Katzenfreundin an.

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Stephan sagt, es war vielleicht ein Luchs. Die gäbe es wieder in Niedersachsen laut Haz. Die Vorstellung finde ich lustig. Außerdem will ich bei dem Haus in der Gartenstraße klingeln und mich als Urlaubssitter für meine graue Freundin anbieten, aber ich weiß nicht wo und die halten mich dann auch für verrückt, wenn ich sage, die Katze steht auf mich und überhaupt es war Liebe auf den ersten Blick. Sie hat sich so schön streicheln lassen und trotz des langen, buschigen Fells, hatte man nicht die ganze Hand voller Haare. Sehr angenehm.

Hier im Büro gibt es einen neuen Hund, aber der ist für zuhause und nicht fürs Büro. Ich gucke Handyfotos. Süüüß, die Mischlingshündin (Modell kleiner Schäferhund mit was anderem drin)  in ihrem neuen Körbchen. Schade, dass ich da nicht ran darf. Ich probiere mich in Überredungsversuchen, dass ich ihn nicht jedes Mal aufpeitsche, wenn ich zum Kopierer gehe- versprochen. Das klingt wohl recht hohl. Dann sage ich, die noch mit der grauen Riesenkatze vergesellschaften, dass beide zusammen im Körbchen liegen….ähhhh, jetzt geht wohl meine Phantasie mit mir durch. Die Mitarbeiterin steht auf Depeche Mode und ich sage ihr, da ist Party im Ferry oder war. Da ist sie auswärtig zum DM Konzert, war eh Depeche Mode – elektro. Was heißt das? Das die Hits housig aufgemacht werden? Nein, aber zwischendrin würde halt Elektro gespielt, statt 80er Jahre, ihr wäre das lieber. Ich sage, das versaut doch Depeche Mode, also für mich klingt das wie Spagetti Carbonara (extrem versalzen). Das will ich dann auch nicht mehr.

Nachtrag Rossi am Sonntag. Hier gab es total leckere Engadiner Nusstorte und auch ein älteres Publikum, was eher zu uns passt (gegenüber den Jungeltern und Hipstern in der Menagerie).

Nachtrag Wochenende. Ich schreibe Emails mit meiner Cousine, die uns eingeladen hat zu ihrem fünfzigsten und das ist eine Sternekoch, der eine Kochschule hat im Bühler Tal und dann Wellnesshotel und am nächsten Abend Whiskyprobe. Das klingt alles so, als hätten wir da viel Spaß gehabt und das wir ausgerechnet an dem Wochenende was Ähnliches, gleich um die Ecke gebucht haben, ist Pech, weil das wäre auch Stoff für zwei Wochenenden gewesen, aber nicht so gierig sein, manchmal geht nicht beides und doppelt geht sowieso nicht.

Nachtrag zum Kunstverein. Mir geht diese Videotechnik nicht aus dem Kopf und ich überlege immer welche Filmausschnitte ich aneinandermorphen würde, wenn ich das könnte. Filmausschnitte, bei denen jemand Blumen überreicht bekommt und die wegpfeffert oder Särge, die in die Erde gelassen werden oder Eiskugeln, die beim Lecken herunterfallen. Es gibt so viel!

Bei der Arbeit behelligen mich alle mit diesen Musterklagen gegen die Müllgebühren. Ich habe da keine Meinung dazu. Haus und Grund verschickt eine Musterklage. Da sollen sich die Leute dran lang hangeln. Frage meinen Mann was wir machen und die Antwort ist: nix. Ihm komme das jetzt gerechter vor. Gottseidank lassen wir uns nicht von der Haz aufhetzen, wie aufgezogen sind die Leute. Ich will mich da wirklich nicht mit beschäftigen als gäbe es sonst nichts. Ich glaube, dass dieses Klagen für viele einen unerhörten Unterhaltungswert hat. Etwas Spannung im Leben.

Das mit Philip Seymour Hoffmann ist traurig. Das geht bestimmt vielen so und da kann man mal wieder sehen. Man schaut nicht hinter die Fassade (ob Hollywood oder sonst was) und außerdem eine schöne Bestätigung für mich was das Aufhören anbelangt. Der Typ hat mit mir Geburtstag! Ich denke, der hat intensiv gelebt, das ergibt sich schon aus den Rollen, die er gespielt hat. Das ist bestimmt wie viele Leben auf einmal leben oder zumindest emotional mehrstimmig im Gegensatz zu den reinen Konsumenten (des Kinos). Habe Theater geplant und frage die Tochter des Kollegen, ob sie mit den alten Säcken rein will. „The Black Rider“ und Schillers Räuber mit Geräuschen stehen auf meiner Wunschliste.

Den neuen Mietvertrag gibt es in der Räumungssache. Ich bin nur bei der Umsetzung skeptisch. Neue Wohnung renovieren und Laminat verlegen und das alte alles Räumen, die Berge voller Sache nicht einzeln mit der Bahn von A nach B. Das ist Armeisenprinzip und bringt uns nicht weiter. Im Moment wird es aufgrund arbeitgeberbedingter Umstände erst mal mehr. Nein, keine Sachen bei ebay verkaufen. Wir müssen uns jetzt etwas fokussieren. Das wird noch anstrengend. Auf de Klage muss ich wohl erwidern, ich kann mich unter diesen Umständen nicht auf einen Räumungsvergleich einlassen und dann schafft er das nicht und ich kann keinen Räumungsschutz beantragen. Das geht leider nicht. Sonst normaler Arbeitstag. Ich bin leider sehr ungehalten mit der sehbehinderten Betreuten, die dem Handyanbieter einfach Raten anbietet, weil sie so süchtig ist nach dem Scheißteil, dass sie eine Niere verkauft bevor das abgestellt wird. Ich sage ihr, sie macht meine Arbeit zunichte, dann soll sie das wieder übernehmen und dann halt das Essen einstellen. Wie kann man so handysüchtig sein? Alle haben Handys außer Katzen (Wladimir Kaminer), sage ich nur.

Mittags Marktkaffee. So sieht es aus, wenn ich Zitronentarte gerecht teile (die ist allerdings von der Kaffeepause).

Zitronentarte Kaffeepause

Ich denke, wir sind wie Tote, die ein paar Mal mittags ins Marktkaffee gehen. So muss man leben, in dem Bewusstsein. Das hilft. Wie Hader singt: „In 70 Jahren weiß keiner mehr, wie wir uns begegnet sind, damals in der Josefstädter Straße, weiß keiner mehr von unserer Liebe, von den dämlichen Magneten am Kühlschrank“. usw. Diese brutale, aber ehrliche Sichtweise hilft. Genauso hat es mir schlussendlich geholfen, dass man Anfang 20 dachte, bei mir lohnt sich das Studieren nicht mehr. Es hat alles intensiver gemacht. Seitdem hat allerdings oft die Verdrängung überhand genommen und das Negieren der Endlichkeit ist ein Spezialfach von mir. Ich muss dagegen ankämpfen und mich zwingen, es mir immer wieder vor Augen zu führen, wie es ist.

Nachmittags kommt der Mann mit dem obszönen Namen im dritten Anlauf. Er hat frisch lackierte Nägel. Alle im Büro müssen lachen bzw. ohhh Gott sagen, wenn sie den Namen hören. Armer Kerl. Das beeinträchtigt einen schon so ein Name, wenn er so krass ist. Ich freue mich auf das Doppelprogramm Sport und die Linzer Torte im Anschluss.

Den BaföG-Schuldner kurz vor dem Rentenalter. Erlass wird vom Bundesverwaltungsamt abgelehnt, aber wenigstens Freistellung für 3 und nicht 1 Jahr. Dann ist er definitiv Rentner. Da fragt man sich auch, was das soll.

Mikael liest meinen Blog und spricht mich auf die Wiengeschichte an, dass man den Eindruck haben würde beim Lesen, dass es genau so gewesen sei, wie ich schreibe. Das macht mich ein bisschen stolz und freut mich und ich schätze so sehr seinen Yogaunterricht. Ich denke regelmäßig an einen Liedtext: „weil wir sind gesegnet mit den Menschen, die uns begegnet sind“ (Nosliw). So ist das hier. Unser Freund Nils hat die Tai Chi Schule. Eines Tages frage ich ihn, ob da nicht so ein Typ Yoga bei ihm unterrichtet und lerne Mikael kennen und merke, was er für Fähigkeiten hat, die aber weitgehend ungenutzt vor sich hin schlummern und dann hat er dem Movenyo-Studio ausgeholfen, die einen vernünftigen Yogalehrer dringend brauchten und kann er jetzt ganz viele Menschen glücklich machen und voran bringen mit seinen Fähigkeiten und er selber ist auch glücklich und merkt sich alle 25 Vornamen (in jedem Kurs andere und neue), so dass man ihn bei „Wetten dass…..“ anmelden will. Wechselseitige Segnung, quasi. Dass er Franzose ist und lustige Sachen sagt, das kommt noch oben drauf. Bei der Stuhl-Asana, sag er Stuhlstellung und letztes Mal zwei Mal Stuhlgang als Versprecher und da steht dieser Kopfstandhocker, der medizinisch ausschaut daneben. Es war sehr lustig.

Heute ist der Kurs wieder knallvoll und es üben auch eine russische Mutter mit ihren zwei Töchtern gleich in meiner Nähe. Die Töchter sind wie aus dem Märchen, sehr verschieden. Mehr sage ich dazu nicht. Auch eine Tierärztin ist wohl bei uns im Kurs. Das Gesicht muss ich mir merken.

Es geht weiter mit dem Philosophieren! Auch die Betreuten sind wie Freunde, ich sehe sie gerne und sie geben mir Trost und Halt. Nachtrag: Das ist das Geheimnis. Auch an einem guten Arzt-Patienten-Verhältnis, dass man sich mag und nicht alles nur 100% professionell ist oder was dafür gehalten wird. Die Oberärztin mag meine Dauerpatientin, die die meisten nur schlimm finden. Sie geht mit ihr zu einem Konzert und ist begeistert, wie musikalisch sie ist und was sie alles weiß und hört. Das merkt man dem Behandlungsverhältnis an und das ist gut so. Diese Sympathie schafft was, was die Qualität der Behandlung eher steigert. Ich will auch lieber von Ärzten behandelt und von Betreuern betreut werden, die mich mögen bzw. von meiner Warte aus geht es nur über diese Bindung, die ich aufbaue, sonst würde ich es nicht machen können oder nicht so, wie ich es mache. Ich denke an meine Betreuten mit Demenz und dem Alkoholikersohn, die gestorben ist und immer sagte, ich wäre ihre beste Freundin (natürlich aus der Demenz heraus, aber das war egal). Die hat mal so schön gesagt, wenn Du mal Probleme hast, kannst Du ruhig zu mir kommen und Recht hatte sie. Nicht, dass ich das tue. Das Gefühl, dass ich es könnte reicht mir schon. Wenn ich mal schlecht drauf bin, fahre ich einfach zu einem meiner Schützlinge und der ist vielleicht gerade in der Klinik und gehe mit dem/der im Park spazieren und ich bin mir sicher, anschließend geht es uns beiden besser.  Beim Rattenkönig wurde ich gefragt, ob ich mit ihm raus möchte und sagte nein. Dafür war keine Zeit, aber ich weiß,  dass es gegangen wäre und in gegebener Situation zu dem obigen Ergebnis geführt hätte.

Mein Oldtimerfahrrad lässt auf sich warten. Muss ich mal Jörg anhauen, der es losschicken wollte. Der Kurierdienst hätte es Anfang letzter Woche liefern sollen, unsere Rufnummer hatte ich gegeben, frag mal nach, denke ich am Küchengarten, dann Lichtenbergkreisel Zischgeräusche, so dass ich erst denke, da ist ein Papier eingeklemmt zwischen Schutzblech und Reifen, aber nein, einfach ein total lauter Platten, der so ein hörbar großes Loch macht, dass der Reifen in sekundenschnelle leer ist. Ich war fast zuhause. Hatte Glück.

Ich hatte dann mal im Internet geguckt, wie es da ausschaut in Straßburg und ich finde so, wie ich mir Belgien vorstelle, alte Häuser, klein, malerisch, ein Fluss in der Mitte. Ich schaue Restaurants, aber nur die Namen und auf der dritten Seite klicke ich das erste an und hier gibt es so eine Art High Tea mit selbstgemachten Madelaines. Da haben mir die vom Meinl aus Wien so gut geschmeckt! Ich bin aus dem Häuschen. Das ist ein Zeichen, rufe ich Stephan zu.

04.02 Traum vom Fliegen nach Australien. Der Punkt im Traum ist der lange Flug. 16 Stunden, immer wieder ausrechnen, wann wir ankommen. Im ersten Flieger, die Kurzstrecke, die anderen beneiden uns, weil wir so weit fliegen. Das Hauptticket fliegt zwei Mal aus dem Fenster und klebt von außen an einem heraus geklappten Flugzeugteil. Einmal muss ich es holen und einmal kontrolliert es die Stewardess und lässt es ausversehen los, kann es aber wieder bergen. Ich bedanke mich morgens bei der kalifornischen Verwandtschaft, die uns zu Ehre ein Familienfest ausrichtet und schreibe, dass ich schon von Langstreckenflügen träume und die Vorfreude unermesslich groß ist.

Heute findet der Rücktransport der Verletzten von Österreich aus dem Skiort nach Süddeutschland statt. Wir denken beim Kaffee trinken an sie. Ihr Mann holt sie ab.

Ich muss mit der alten Gurke zum Gericht fahren und meine dicke Gerichtsvollziehertasche hängt neben meiner sperrigen Handtasche und wenn die Autos so knapp an mir vorbeifahren bekomme ich Wutanfälle und sage, die müssen mich dann richtig überfahren, sonst haue ich denen welche rein, wenn die mich umreißen mit ihrem Außenspiegel. Denen gehört ihrer Meinung nach die Straße und je dicker das Auto, desto mehr. Ich fahre in einer halben Vorderbeuge und meine Knie reichen fast bis zum Kinn. Ich merke erst mal, wie komfortabel mein neues Fahrrad ist.

Nachtrag: was mit schon öfter in diesem Winter aufgefallen ist und was gar nicht geht sind Plastikjacken mit einem Pelzkragen. Das sieht beschissen aus und ist echt schade um die Tiere. Meine Pelzmäntel, die aus den 50ern stammen sehen alle noch tadellos aus und halten noch mehrere Generationen. Das macht Sinn so was zu tragen, sich eine neue Jacke zu kaufen, die aus gefütterten Plastikringen besteht und damit das niedlicher ausschaut einen Pelzring um den Kopf hat, das macht keinen Sinn und sieht auch richtig beknackt aus, vor allem wenn es Männer tragen, Weicheimode.

Scheidungstermin in der türkischen Sache. Es kommt zu zeitlichen Verschiebungen und wir warten mit einer echt netten Kollegin, die hat graue, kurze Haare und ich mag sie sehr. Aus dem Sitzungssaal kommt eine total gekünstelte und schlimme Kollegin, die später bei uns im Büro auftaucht. Ich bespreche die Sache mit meinem, weil das natürlich nie eine Ehe war und er so was nicht sagen darf. Ich werde reden. Ich dachte, die Frau wäre nach der Eheschließung zurück in die Türkei, weil ihre Mutter krank geworden ist. Mutter wurde auch krank, wohnte und wohnt aber in Deutschland. Sie ist damals vor 10 Jahren zurückgegangen, weil sie zwei Kinder aus erster Ehe dort hatte, die heute 16 bis 18 Jahre alt sind, damals also richtig klein waren.

Danach kaufe ich Theaterkarten für 3 Stücke, 2 x mit Schülerkarte dabei. Immer 1. Reihe. Das gibt teilweile nur 25 % Ermäßigung mit der Schülerkarte und das andere Mal kostet die Karte mit Schülerrabatt nur 9,30 €. Also ganz schöne Preisspanne. Einmal billiger als Kino und das andere Mal 3 x so viel. Soll für Wenzel Storch auch Karten besorgen, aber hier macht die Vorverkaufsstelle erst um 12 Uhr auf. Damit kann ich nicht dienen.

Streichhölzer

Kurz auf den Markt. Das sitzt das Weinweib mit ihrem Freund. Ich überlege kurz, ob ich rüber gehe und mich für meinen Auftritt neulich entschuldige. Das ist schon schlimm, wenn es soweit ist. Andererseits machen die das beruflich und kennen die Ausfälle der Leute. Sie nehmen es ja billigend in Kauf, quasi, also muss ich das auch nicht tun. Die Ausfälle hatte ich nicht näher beschrieben, aber sie waren schlimm. Es war nicht nur lallen und Filmriss, sondern ich hatte auch Ausfälle der Beinmuskel/-nerven und das hat mir Angst gemacht (Nervenstörung durch Alkohol?) und mich an meine Lähmung damals erinnert und war dann auch der Ausschlag für meinen Entschluss. Wie ihr merkt, richtig freiwillig ist das nicht und ich frage mich immer, wie ich das nächstes Wochenende in Frankreich erklären soll, dass ich keinen Wein trinke. Wird es der Franzose an sich akzeptieren? Womit werde ich anstoßen?

Wohngeldstelle nervt, hatte Mieterhöhung geltend gemacht. Sie haben gesehen, dass es zwischenzeitlich wohl noch eine Mieterhöhung gab, die ihnen nicht gemeldet wurde. Ich sage, berechnen Sie doch nach den Zahlen, die Ihnen jetzt vorliegen oder wollten Sie was nachzahlen? Nein, es wirkt sich gar nicht aus. Und warum soll ich dann nachschauen? frage ich die Tussi und frage mich was das soll. Ist das Sukodu-Heft voll?

Mittags gibt es Erklärungen für das Finanzamt ausfüllen und Linzer Torte mit Marillenmarmelade. Außerdem den letzten Bonbon mit der gesüßter Kondensmilch von Regilait. Das kann man auch keinem normalen Menschen erklären, dass ich nach Frankreich will um da gezuckerte Kondensmilch in rauen Mengen einzukaufen.

Ja, ich bin sehr verfressen und bestelle mir Salami nach Baiersbronn. Meine Eltern sind zwar auch der Meinung, dass wir doch dann nach Frankreich fahren würden, aber sie machen es, weil bei Salami bin ich eigen, wie ich das Begehr begründe und ich will die vom Metzger meines Vertrauens, nach italienische Art aus eigener Herstellung. Da weiß ich, dass die mir schmeckt. Jetzt gerade wo ich keinen Alkohol trinke, brauche ich viel leckeres Essen. Auf meine Eltern ist Verlass. Meine Mutter sagt gleich: „alles“ und ich soll nicht so herumdrucksen, sondern raus mit der Sprache. Mama und ich beschließen, dass Frauen so eine Weinbegleitung zum 8-Gänge Menü auch gar nicht schaffen können. Andere haben das vorher schon eingesehen, nur ich nicht. Sekt und dann 8 Gläser Wein, da bin ich kein Gewinn mehr für gar niemand. Das kann man gar nicht schaffen. Ich zumindest nicht mehr.

Ich habe jetzt die Idee für ein weiteres Buch. Ich werde es mit Fleischcollagen, ich hatte die Serie mal Wurstfamilie genannt, machen. Ich habe mir von Verwandten aus der Nähe von Baden-Baden, Gernsbach oder so die Edeka-Prospekte zuschicken lassen, die ich zuvor dort auf dem Küchentisch entdeckt habe bzw. diese taten es freundlicherweise und da sind so große Fleisch- und Wurstbilder drin, dass sie das Postkartenformat sprengen. Ich hatte immer überlegt, wohin damit, (wollte erst ein großes Format damit bebasteln) zumal die Wände bei uns schon voll und das Projekt dann beiseite gelegt. Jetzt weiß ich es: Buchprojekt! Yuhu!!!

Ich muss mein Fahrrad selber zur Reparatur bringen zum Laden nebenan, weil Stephan boykottiert, dass ich das Fahrrad nicht dort gekauft habe, sondern von einem anderen kleinen Fahrradladen in Linden. Das muss ich nicht verstehen, aber konsequent ist er dann schon. Sonst tut er alles für mich, aber hier hat er es mir gesagt, dass er dann nicht mithilft und zieht das auch durch.

Nachmittags kommen Betreute ohne Termin. Einer kommt von einem Eignungstest vom Arbeitsamt, der sich letzte Woche beschwert hatte über mich und sich dann entschuldigt hat, dass er nur genervt war, aber nicht von mir. Ein anderer, für den ich noch nicht bestellt bin. Dieser Fall wird interessant. Der junge Mann hört Stimmen. Heute wollte er erst mal nur meine Visitenkarte, dass er meine Nummer hat.  Er war in der Klinik und hatte mich anrufen wollen. Als er geht, stellt sich durch einen Anruf beim Gericht heraus, dass die Richterin doch schon bei ihm war (das hatte er verneint), aber er wohl nicht so ganz bei sich war. Ich bin bestellt.

Nachmittags hole ich mein Rad wieder ab. Die Inhaberin ist freundlich wie immer. Die hat nicht das Thema meines Mannes. Ich bin auch nicht sauer, wenn die Leute zum Kollegen gehen. Warum auch. Ich bedanke mich überschwänglich für die schnelle Arbeit. Ohne Fahrrad sei bei mir wie Rollifahrer ohne Rollstuhl und so waren es weniger als 24 Stunden insgesamt ohne bzw. mit der Notlösung. Ich bin euphorisch, dass mein fahrbarer Untersatz wieder da ist.

Paps hat wieder einen lateinischen Spruch neu entdeckt.: „Tertium non datur“, bezogen darauf, dass manche sagen, für den Preis des Treffens mit Essen und Übernachtung im Bareiss könne man eine Woche Urlaub in Italien machen. Es gibt Dinge, die gibt es nur in dieser Konstellation oder gar nicht. Man kann sie so erleben oder eben nicht. Es gibt dazu keine Alternative. Ich sage, die Grabstätte in Nürnberg ist nicht groß genug für die ganzen herrlichen, lateinischen Sprüche. Die ist dann ganz vollgetagt. Wäre auch noch cool.

05.02. Heute stand es in der Haz. Stephan hatte mir gestern davon erzählt, dass er einen Anruf bekommt, eine Stimme, die indische Englisch spricht und von Microsoft aus anruft und fragt, ob er in der Nähe seines Rechners sei, sei er doch bestimmt. Stephan fragte ihn dann, ob er jetzt alle seine Passwörter benötigen würde und beendete das Gespräch in dem er ihm sagte, er sei demnächst persönlich in Kalifornien und würde dann vorbei schauen. Mein Mann ist sau cool mit Scherzanrufern.

Morgens noch ruft der Handyanbieter meiner Blinden an und ich drohe schon und sage, die ist jetzt auch in der Klinik gelandet und, dass ich es ungeheuerlich finden würde und jetzt wissen wolle. Am Ende statt über 700,- € nur noch 260,30 € und ab nächsten Monat wieder normal um die 30,- €. Alles andere storniert.

Dann kommt die Anklage gegen meinen schwerbehinderten Betreuten, der seinen 16-Jährigen Sohn losgeschickt haben soll Hasch zu kaufen. Wir brauchen jetzt fachliche Unterstützung. Stephan sagt, hoffentlich wird sein Elektrorolli nicht beschlagnahmt.

Heute freue ich mich über „Tertium non datur“. Das leuchtet mir ein und gefällt mir der lateinische Spruch. Nicht wörtlich übersetzt auf Englisch war der Vorschlag: „take it or leave it“, ein Drittes wird es nicht geben, eben.

06.02. Ich träume davon, dass ich ausversehen ein Glas Sekt getrunken habe. Ich habe angestoßen und dann war es schon drin und ich dachte nur, scheiße. Kann ich nicht rückgängig machen und dann wieder: ist nicht so schlimm, war ein Ausrutscher und ich höre sofort wieder auf und dann war es nicht so tragisch. Ich glaube, der Hintergrund ist meine Angst: Wie soll ich es den Franzosen erklären? Bareiss finde ich nicht schlimm, aber ich überlege die ganze Zeit krampfhaft wie man sagt: „ich würde gerne was Leckeres ohne Alkohol trinken“ auf Französisch sagt. Oh Mann, ich langweile auch mit dem Thema, ich weiß. Der andere Traum war auch lustiger. Unser Dackel, Tinkel, kam darin vor und spielte mit einem anderen Hund und ich wurde gefragt, wie alt der Hund sei und habe dann angefangen zu rechnen. Ich bin 44, musste dann auf 46 verbessern und habe den Hund zur Geburt meines kleinen Bruders bekommen, also ist der Hund 29. Das sei schon sehr alt für einen Hund, wunderte ich mich in dem Moment. Mein Bruder ist übrigens auch schon 40, wie Stephan dann beim Erzählen zu Recht anmerkte. Auch im Traum hapert es mit dem Rechnen.

Jeden Tag findet mein Mann lustige Artikel in der Haz. Heute, ein Filmemacher filmt sich selber als Napoleon. Das Kostüm hat ihm seine Mutter genäht. Dann Busfahrer (58) schlägt Lindenerin (35). Die Frau war mit einer Freundin am Küchengarten eingestiegen mit einer Flasche Sekt. Der Busfahrer meinte, der Bus sei voll. Das haben die Frauen ignoriert und ihre Monatskarten vorgezeigt und sind eingestiegen. Am Steintor stiegen viele Passagiere aus und nun wollte der Busfahrer aus unerfindlichen Gründen, dass die beiden Frauen auch aussteigen, aber die wollten zum ZOB und weigerten sich. Dann kam es zum Gerangel und das endete mit einer blutigen Nase für die 35-Jährige. Der Fahrer muss 500,- € zahlen. Ist auch wenig, dafür…..

Wegen eines Familienstreites wird bei mir angefragt und ich soll etwas Juristisches von mir geben, dabei halte ich es nicht für ein rechtliches Problem und es ist meine Familie in etwas weiterem Sinne. Mein Rat: „Du musst Dir sagen, wir sind nur Tote auf Urlaub. Das Leben ist kurz. Es ist meine Schwester. Es ist nur bedrucktes Geld und das als Mantra jeden Morgen und Abend beten. Das ist mein Vorschlag und den meine ich ernst“.

Die Arbeit wird immer wieder unterbrochen durch meine Vorfreude. Stephan findet „Fromagerie Tourette“ und ich darf in den Blog gar nicht rein schreiben, was mir dazu an Käseobzönitäten eingefallen ist, sonst kann ich mich vor Spam nicht retten. Ich will jedenfalls unbedingt hin, schon alleine um mir ein „Formagerie Tourette“- Hütchen zu machen oder besser noch 365, wie ich meiner Schwägerin schrieb. Die erste Restaurantabsage haben wir auch schon bekommen. Meine Schwägerin hat freundlicherweise die Korrespondenz übernommen:  “Cette Samedi? C’est fermé, mon mari a eu un accident de travail, désolée . » Meine Schwägerin schrieb dazu : Heisst auf gut deutsch : er hat sich beim Dosenöffnen in die Finger geschnitten, oder ist den Katzen auf den Brücken hinterhergelaufen oder ist ausgerutscht, wie auch immer, das Restaurant ist leider wegen eines Arbeitsunfalls geschlossen. Wir werden aller Voraussicht nach in eine Weinstube gehen und da gibt es dann womöglich Elsässer Flammkuchen und zwar nicht die tiefgefrorene von Netto. Wir steigern uns gegenseitig rein und bekommen Hunger ohne Ende.

Ich habe wegen der Kondensmilch die Firma Regilait angeschrieben, weil ich der Reisegruppe in der knappen Zeit, die wir haben nicht zumuten will, dass wir von Supermarkt zu Supermarkt pilgern auf der Suche nach dem Zeug, nach dem ich süchtig bin. Ich habe auf Englisch geschrieben, aber einfach formuliert. Diese Franzosen antworten nicht! Halten sie meine Anfrage für einen Spam? Ich will wissen, wo man gezuckerte Kondensmilch in Straßburg kaufen kann. Es klingt ein wenig nach den Spams, die ich bekomme, muss ich ehrlicherweise zugeben, die haben oft was mit Unterhosen von Calvin Klein oder so was zu tun und ich bekomme sie auf meinen englischen Text über London, den ich randomly shopping girl betitelt habe. Das war wohl nicht so schlau.

Eine Betreute von mir ist aufgelöst und heult am Telefon. Sie hat strenge, christliche Eltern, die nicht wollen, dass sie einen neuen Mann kennen lernt. Sie fühlt sich wie im Gefängnis und will den Kontakt abbrechen. Krise vor meiner kleinen Reise, kann ich nicht gebrauchen. Telefonseelsorge ich mehrfach angesagt. Montag ist sie bei der Ärztin und Dienstag gleich bei mir. Sie will sogar ihr Kontokarte abgeben. Es klingt alles nicht so gut und viele Telefonrechnungen der letzten Monate konnten nicht gezahlt werden. Ja, ich werde alles tun, aber eben erst Dienstag.

Nachmittags fahre ich in eine Psychoarztpraxis. Bin mit den Eltern eines Betreuten dort verabredet. Er ist ein schwerer Fall und die Ärztin hatte einen Hausbesuch gemacht und dann hatten wir vor Monaten schon diesen Termin ausgemacht. Jetzt ist die Ärztin im Krankenhaus und wird operiert, wie ihr Personal uns mitteilt. Abgesagt hat man dem Pflegedienst und die haben es nicht weitergegeben. Muss ich jeden Termin vorher telefonisch bestätigen lassen? Bin ich nur noch von Idioten umgeben. Eigentlich bin ich gar nicht schlecht gelaunt. Dafür ist das Wetter viel zu toll und die Aussichten auf die Abenteuer der nächsten Tage. Ich setze mich mit den Eltern in den Flur. Hier gibt es vier Ledersessel, die gegenüber aufgestellt sind und wir können herrlich konferieren. Auf dem Rückweg fahre ich beim Trödeltreff Hainholz vorbei als kleine Belohnung und hier gibt es herrliche Sachen umsonst, Geschenke mit denen ich basteln kann. Ich hätte noch gerne eine herrliche Vase zum 75sten meiner Mutter erstanden, aber so was kann man nicht planen.

Ich freue mich auf alles, auch die lange Zugfahrt mit der Freundin aus Hamburg. Die Zugfahrkarte haben wir für ca. 25,- € geschossen. Ich will noch mal nachkontrollieren, ob das alles seine Ordnung hat. Stephan hatte unsere Frühbucher TGV-Erste-Klasse-Tickets im Mai irgendwo zwischen Hannover und Paris vermutlich in Basel verbaselt, daher kommt nämlich der Ausdruck und wir mussten neue kaufen. Der Schock sitzt immer noch tief.

Die schlimmsten Winterstraßen

27.01. Das Stehen an der Haltestelle und warten auf den Bus lässt mich das Gartentor aufschließen mit der Einstellung, Fahrrad wird wohl doch gehen. Der Nachbar fährt auch. Ich vermeide die Seitenstraßen, weil die großen besser geräumt sind und ich ein Schisser bin. Die schlimmsten Straßen in Linden und Umgebung sind die Adolfstraße, die Haasemannstraße, die Teichstraße und auch die Wittekindstraße. Hier ist auf dem Bürgersteig fahren sowie auf der Straße, Mitte, falsche Seite, absteigen und fluchen angesagt. Wenn ich das Gefühl habe, es ist glatt, wird mein Körper steif und macht das Gegenteil von dem was mein Kopf will. So musste ich neulich nach dem Sport in der Haasemannstraße absteigen, weil ich immer weiter nach links gefahren bin bis zum äußersten Fahrbahnrand auf der falschen Seite und das nicht verhindern konnte.

Ich komme an in der Roscherstraße und hole die Unterlagen von dem früheren Betreuer ab. Ich habe das Gefühl, dass hier Landunter ist. Der soll die Angelegenheiten von anderen regeln? Aktenberge, loses Papier auf großen, unansehnlichen Stapeln und rauchende Mitarbeiter im Souterrain schaffen eine besondere Atmo des Überfordertseins. Dann zu meiner nach Hause. Sie wohnt in der selben, Straße in der unser Besuch aus Österreich auch mal gewohnt hat. Wir treffen uns mit ihm zum Mittagsimbiss. Ich plaudere etwas aus dem Nähkästchen und kläre ihn auf über Verschiebungen in dem freundschaftlichen Macht- und Strategiegefälle in Wien. Das ist meine neue Art. Der Freund hat Kunst aus Wien nach Hannover transportiert. Seine Freundin hat uns Samstag nach dem Ladenschluss von Billa noch eine Auswahl österreichischer Marmeladen besorgt. Da kann man bei mir punkten ohne Ende auf einer nach oben offenen Richterskala.

Ich soll bloß nicht bei der Weinprobe erzählen, warum ich nicht trinke, rät mir mein Vater. Das kommt nicht gut an und macht den anderen ein schlechtes Gewissen. Schon wieder ein Staatsgeheimnis? Warum eigentlich? Über Probleme spricht man nicht. Wenn ich sage, ich hatte es nicht so geil im Griff, dann kommt das nicht gut an, wird mit familiär nahegelegt. Den Winzern kann man ruhig sagen, dass dieses Nervengift was sie verkaufen auch nicht immer so harmlos ist, sage ich und warum schlechtes Gewissen? Ich habe alles mitgenommen in dieser Hinsicht, hektoliterweise getrunken und wenn ich jetzt aussteige sollen andere ein schlechtes Gewissen bekommen. Das verstehe ich nicht. So ist zumindest gewährleistet, dass ich im Bareiss bis 24 Uhr durchhalte und so den 75sten Geburtstag meiner Mutter erleben kann.

Abends Sport und einen Caesar salad vom Kiosk, der aber besser schmeckt als das jetzt klingt, abgewandelt mit frischen Orangenstücken und Walnüssen.

28.01. Einige Fotos von selbstgebastelten Schlüsselbundanhängern mit Sprüchen vom Yogi-Tee, auch für eine Buchidee. Herr PM, der sich gestern nicht gemeldet hat, rufe ich an und bange und er hat eine Wohnung. Ich bin überglücklich. Donnerstag bringt er den Mietvertrag vorbei.

Mittags treffen mit Freunden der Staatsanwaltschaft. Der Junge aus der Runde muss aufs Land wechseln. Wir sind bei Urfa Sofrasi und essen zu viel. Künefe für 4 Personen. So groß wie eine Pizza und besteht nur aus Zucker und fett, aber warm. Stephan isst die Hälfte. Ich helfe kräftig. Alex lobt mein neues Fahrrad. Es sieht dreckig aus. Sie bringt mich auf die Idee, die Fahrradwaschanlage von Step beim Gericht einmal in Anspruch zu nehmen. Sie erzählt außerdem von einem Apartment in Istanbul mit 3 Schlafzimmern und 3 Badezimmern direkt an der Galatabrücke. Das interessiert uns brennend. Sie will mir die Kontaktdaten schicken. Auf dem Rückweg machen wir in trauter Zweisamkeit unsere Runde durch die Stadt, Gerichtspost und dann versuche ich Teebonbons für meine Mutter zu besorgen. Gestern war ich bereits in dem ältesten Teespezialitätengeschäft Deutschlands und hatte die letzte Packung ergattert. Nein, keine Grüneteebonbons, Schwarzteebonbons! Von den grünen haben sie noch welche. Die Bonbons füllen sie selber ab in kleine durchsichtige Plastikbeutel. Ich frage heute nach, ob neue Bonbons angekommen sind und erfahre, nein, erst in 4 Wochen. Sie hat erst eine Großbestellung gemacht und das Porto sei zu teuer. Mensch, die Chefin ist ja wie ich mit Handygesprächen, aber irgendwie bekommen die dafür auch eine 5-6, für Orga, so dass man sich fragen kann, wie lange es die noch geben wird bei der Einstellung.

Nachmittags Klagebegründung in der Afghanistan-Sache schreiben. Das ärztliche Attest, was durchgefaxt wird, während wir im Steintorgrill sitzen, ist spitze und motiviert mich. Ich finde, ich habe das ganz gut gemacht und bin zuversichtlich, dass man meinen nicht abschiebt. Die Skala ist nach oben offen, was ich darüber hinaus noch erreichen kann.

Der Berufsmusiker hat endlich sein Gewerbeobjekt geräumt und so geht es Schritt für Schritt weiter. Das Heim aus dem Harz rückt am Freitag an um die Patientin, die seit fast einem Jahr in der Klinik ist und sich mit Händen und Füßen wehrt, kennen zu lernen oder mit mir als Vertreterin zu sprechen und den Ärzten.

Ich hatte in meiner Liste der schlimmen Winterstraßen den Küchengartenplatz vergessen, auch Katastrophe. Abends nach dem Sport fahre ich extra über Waschweiber und Fössestraße nach oben, dann war heute die Wittekindstraße frei. Auch noch immer den döfsten Weg wählen. Typisch.

So satt, dass man nach dem Sport noch total vollgestopft ist. Das muss man erst mal schaffen. Pide als Vorspeise, Grillteller mit Auberginenmus und Familienportion Künefe sei Dank. Abends esse ich das Brot, was ich mir morgens für die Arbeit gemacht habe.

29.01. Die Baumgutachterin, die unserem Silberahorn untersuchen soll ist sympathisch. Ich sage ihr, dass der Typ bald kommt um den Efeu zu entfernen und ich hoffe, dass sie sich nicht ganz umsonst herbemüht hat. Wir sprechen über allgemeine Lebensrisiken und die Gefahr, die von den Autos ausgeht und nicht den Bäumen. Baum praktisch nur gefährlich, wenn Auto dagegen braust oder beim Sturm, aber sonst quasi total friedlich.

Zuhause ruft mich die Dauerpatientin an und ich spreche ½ Stunde mit ihr. Wir sehen uns doch Freitag. Es stimmt nicht, dass ich Dinge geheim halte, ich sage ihr gleich Bescheid und Freitag rollt das Heim aus dem Harz an und ich wäre ihr sehr verbunden, wenn wir uns das anhören könnten, was die zu bieten haben. Ich bin autoritär? Das kann schon eher stimmen. Ich bin nicht gegen sie. Es macht mir keine Freude, bei Leuten die Wohnungen aufzulösen und sie gegen ihren Willen ins Heim zu stecken und das mache ich sonst auch nicht. Ein Betreuerwechsel hilft hier nicht, weil jeder Betreuer sich an den ärztlichen und gutachterlichen Vorgaben orientiert und ich gehöre bestimmt zur ängstlichen Fraktion. Sie will über die hygienischen Verhältnisse in der Klinik lästern. Das ist vor allem ihr Zimmer und das hat sie selber gemacht. Der Aufenthaltsraum sieht ganz manierlich aus.

Der Rattenkönig wurde Montag auf der Suchtstation aufgenommen. Ich hatte angerufen. Er schief und bekommt erst abends sein Handy. Heute um 10 Uhr dann der Anruf, dass er abbricht. Seine Gebissschiene ist gebrochen und er hat einen Termin in der Zahnklinik. Seine Freundin will ihn fahren und die ambulante Wohnbetreuung wird dort sein und die wollen ihn nicht gehen lassen bzw. nur mit Aufsichtspersonal und dann aber per Taxi. Ich sage, er müsse abwägen, was ihm wichtiger sei. Der Arzt ist stur und er sei es auch. Ich sage, ja, aber die sitzen am längeren Hebel. Und die Regeln sind die Regeln, auch wenn die keinen Sinn machen. Wenn die sagen, ab Morgen tragen alle lila Hemden, dann tragen ab Morgen alle lila Hemden, so sei das in sog. totalen Institutionen wie Knast, Psychiatrie (siehe auch Max Weber). Er will was von denen und hat um die Aufnahme gekämpft. Die haben genügend Patienten und denen ist es egal, ob er abbricht, die sagen sich, dass sie es vorher schon gewusst hätten. Er will doch was verändern. Soll ich noch mal mit dem Stationsarzt sprechen? Er willigt schließlich ein. Wer ich denn sei, mit der ambulanten Wohnbetreuung habe er auch schon geredet. Ich sage, so sei das manchmal, wenn eine gesetzliche Betreuung da sei und: meiner will und ich suche nach einer kreative Lösung, bevor wir alles gegen die Wand fahren und dann neu anleiern müssen. Das sei ineffektiv und frustrierend für alle. Er hat angeboten, dass jemand vom Personal mitkommen kann im Auto der Freundin. Der Arzt: Das geht versicherungstechnisch nicht. Gestern hätten sie einen Patienten mit dem Vater raus gelassen und der hätte den Vater weggeschickt und konsumiert. Das Personal lasse sich nicht wegschicken. Herr B gibt vor, wie es zu Laufen hat. Das beeinflusst die Mitpatienten. Ich sage dann, ich weiß, dass er als Stationsarzt schon im Vorfeld gesagt hat, meiner wird es nicht schaffen, sich an die Regeln zu halten. Jetzt hat er eine medizinische Indikation, wie er selber eingeräumt habe und kümmert sich um die Begleitung durch abW und willigt auch noch ein in einer Begleitung durch Klinikpersonal und bei einem anderen Patienten hat man offenbar auch eine Ausnahme machen können und das sei schief gelaufen und meiner müsse darunter leiden, das sei keine Chancengleichheit und er könne sich dann sagen, er habe es gleich gewusst, dass es mit meinem nicht klappt, ich würde das jedoch anders sehen. Der Arzt, bei dem ich einen Nerv getroffen habe, tickt aus. Er sei der Psychiater. Er wisse was eine selbsterfüllende Prophezeiung sei, das wolle ich ihm unterstellen, das sei aber anders, bei so einem Kandidaten und flankiert von der Betreuerin habe er eben seine Meinung und mit Herrn B. sei nicht zu reden. Die Sache sei gegessen. Jetzt muss er Patienten aufnehmen und musste schon viele Telefonate wegen Herrn B. führen. Wenn er sich darauf einlassen würde, hätte er bewiesen, dass er mit einem therapeutischen Angebot umgehen könne. Ich sage, er könne mir auch so viel Professionalität unterstellen, dass ich mit meinem Schützling anders reden würde als mit ihm und ihn versuchen würde von einem Kompromiss zu überzeugen und nicht sagen würde, der Stationsarzt ist doof, ziehen Sie ihr Ding durch, sondern eben: ab Morgen wird ein lila Hemd getragen. Er sieht keine Hoffnung. Ich rufe über das Patiententelefon an und sage meinen Namen und wen ich sprechen will. Ob ich die Betreuerin sei. Darauf gehe ich nicht ein, kann sie Herrn B. ans Telefon holen oder nicht will ich nur wissen. Ja, aber der will schon abbrechen, informiert sie mich. Auch dazu sage ich nichts, außer, muss ich auf dem Handy anrufen? Meinem Betreuten sage ich, er soll der schlauere sein und es mal allen beweisen. Wir tricksen diesen Arzt aus. Er soll sich mit Taxi hinfahren lassen und seine Freundin dort treffen und nicht alles in den Wind fahren um was er gekämpft hat. Er: ich habe schon gepackt. Frau Arnhold: dafür ist der Kopf rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. Wäre doch traurig, wenn man das nicht könnte und immer nach A, B sagen müsste, auch wenn sich die Dinge geändert haben. Er: was sollen seine Mitpatienten denken. Ich lache und sage; hey, Herr B, das sind Mitpatienten, die haben auch alle ihr Päckchen zu tragen. Es ist uns egal, was die denken. Die Mitpatientin wollte wisse, ob ich Ihre Betreuerin bin. Ich bin auch gerne Ihre Ex oder Schwiegermutter. Das sei wurscht.  Das ist uns egal, was die denken. Sie haben Ihre Freundin und Frau L vom abW und mich und wir glauben an Sie und die anderen stehen alle einen Schritt weiter draußen, außerhalb des Kreises und es tangiert uns nicht so sehr, was die meinen. Das lässt uns kalt. Er duzt mich kurz und will wissen, ob der Arzt mich beleidigt hat und ich, nein, kann der gar nicht. Der war dünnhäutig und ich will, dass wir gewinnen und das tun wir, wenn er es möglich macht und alle überrascht und nicht geht. Wenn er geht, dann ist es wie immer und er macht keine neue Erfahrung, wenn er bleibt und klug nachgibt steht es 1 zu Null für ihn, weil er es den anderen gezeigt hat, dass er kann und der Arzt diesmal daneben lag mit seiner Prognose. Er soll es mal probieren. Meine Worte wären überzeugend, er will es sich überlegen. Nach 3 Minuten ruft er an und sagt, dass er bleibt und ich sage, dass ich stolz auf ihn bin und er bedankt sich. Genau das braucht so ein Borderline Typ, der keine Mutter hatte und nur Heim kennt, dass jemand zu ihm hält und auch sagt, dass sie stolz auf ihn ist, quasi Mutterersatz und ich bin wirklich stolz und trällere nach dem Telefonat: „wenn alle Schizophrenen zusammenstehen, haben die Ingenieure keine Macht mehr über uns“ vor mich hin.

Mittags esse ich den Kürbisauflauf, den ich gestern Abend gemacht habe. Vorkochen, muss man dann nur warm machen. Abends werde ich wieder das vorgeschmierte Käsebrot essen.

Nachmittags kommt der verhuschte Architekt, der gestern einen Termin hatte. Dann bekomme ich einen Beschluss, dass die Rechtspflegerin der Meinung, dass ich die Wohnung nicht kündigen und auflösen darf. Der Jahresbeschluss ist aber rechtskräftig vom Landgericht und der sieht eine Heimunterbringung vor, aber die Wohnung kündigen darf ich nicht. Ich telefoniere mit der Richterin und sage, es wäre wünschenswert, wenn das Landgericht einheitlich entscheiden könnte. Die Rechtspflegerin macht sich keine Mühe Frau J anzuhören (sagt die Richterin), sondern übernimmt das, was sie schreibt (sage ich). Die dicke Akte mit einer Einweisung nach der nächsten und den ganzen Gutachten hat sie wohl nicht gelesen. Ich werde den Termin Freitag abwarten und zu Herrn B gehe ich auch. Wir klagen schließlich gegen die Polizei, die ihn erkennungsdienstlich behandeln wollen für eine halben Joint, außerdem will ich ihm noch mal sagen, dass er es gut gemacht hat.

Beim Sport üben wir Kopfstand auf einem Klostuhl, der extra dafür konzipiert wurde. Er hat eine u-förmige Aussparung für den Kopf und der baumelt dann unter dem Stuhl, während die Schultern auf der Polsterung um die Aussparung herum aufliegen und die Hände an den Holzgriffen, quasi Armlehnen halt finden. Eine nach der anderen darf das exerzieren. Gar nicht so unpraktisch, das Hilfsmittel. Ich will jedenfalls nie wieder vor einer Wand Kopfstand üben. Das ist ganz falsch, meine ich.

Nach dem Sport ein kurzes Telefonat mit einer verliebten Freundin, die irgendwie traurig ist, dass ich keinen Alkohol mit ihr trinken will im Bareiss. Klar, es gibt auch Leute, die das Trinken noch schlechter im Griff hatten oder haben als ich. Davon kennt sie eben welche.

30.01. Mandant mit Wohnbetreuung. War schon mal bei mir. Thema: Kindergeld bei Erwachsenen, die aufgrund ihrer Behinderung Kindergeld beziehen. Mutter war gestorben, Vater lebt aber noch und sie fordern jetzt zurück. Beratungsschein muss noch geholt werden.

Der Mandat mit dem obszönen Nachnamen aus dem Osten versetzt mich wieder und ruft dann an. Mittagstisch zuhause. Onlinebanking in einer Betreuungssache neu ausprobieren.

Herr B war bei der Zahnbehandlung, aber alles schwierig und Abbruch der Entgiftung kommt Jederzeit noch in Frage. Ich hoffe, es ist ein Anreiz, dass ich Morgen zu ihm raus kommen will in die Klinik, weil ich da meine Dauerpatientin aufsuche.

Dann ist wieder Zahlnachmittag. Elisabeth Taylor hatte sich gestern schon gemeldet, dass sie jetzt wieder kündigen will bei den evangelischen Frauen. Ich war sehr kurz angebunden, weil ich ihr das vorher gesagt habe und eine Probemitgliedschaft vorgeschlagen habe. Der Jahresbeitrag wäre erst im März zu zahlen gewesen. Aber nein, diesmal wirklich und die Betreuerin lässt mich nicht und sie zahlt selber im Dezember und jetzt hat sie sich mit denen angelegt oder die mit ihr. Sie geht zu dem Treffen und legt sich mit denen an. Offenbar geht es um einen Vortrag oder eine Diskussion und die Frau von Alber Schweizer und sie meint, ob die Frau von Albert Schweizer mit ihrer TB wirklich nach Afrika hätte gehen sollen oder sich lieber um ihre eigene Krankheit hätte kümmern sollen, statt irgendwelchen armen, schwarzen Babys dort zu helfen, so die unbeliebte Meinung von Elisabeth. Außerdem ist sie der Meinung, dass die Frau vermutlich das ganze Geld hatte und dieser Albert Schweizer sie nur ausgenutzt hat. Sie nimmt sich Tee und Kandis und eine der Christenfrauen sagt zu ihr, sie soll aufhören zu klopfen und dabei rührt sie nur den Kandis. Zu Szenia geht nicht mehr, weil die muslimischen Frauen dort übernommen haben (sie ist selber aus dem Iran) und die verteilen ihre Würste, Sucuk und die haben da was reingemischt, Hormone oder so und davon hat sie Bartwuchs bekommen. Außerdem will sie sich von den 90,- € die ich ihr gebe Morgen für 60 einen Kater holen, der ist kastriert und gechipt und daher kann er sie dann beschützen (eine neurotische Katze hat sie schon). Da wo sie gucken war, gibt es auch Katzen mit Katzenaids? Das versteht sie nicht, warum tut sich das jemand an? Eine Katze mit Katzenaids? Was soll das? Frau A. rät von der Haustieranschaffung ab. Sie rät eher dazu der jetzigen Katze ein neues Zuhause zu suchen, aber die braucht sie nach ihren Erzählungen zum Einschlafen. O.k. das ist dann kritisch, ob das Wohl des Tieres dann nicht zurück treten muss. Ins Theater (Schauspielhaus) ist sie neulich nicht reingekommen, weil sie die Katzenbox dabei hatte, die nicht in den Spind passte und die wollte sie auch nicht so draußen lassen und rein durfte sie damit nicht. Jetzt will sie mal das Tak ausprobieren. Mir ist ganz schwindelig als sie wieder geht. Apropos Tak. Stephan liest mir aus der Haz den Titel eine Kaberettprogramms vor: „die beliebtesten Wanderwege der Wanderhure“. Das ist lustig!

Herr PM kommt nicht. Er wollte mit seinem neuen Mietvertrag vorbei kommen und ich habe Angst, dass der gar nicht existiert und rufe ihn an um ihn zur Sau zu machen, weil er mich ein ums andere Mal versetzt und nicht mitarbeitet und die Räumungsklage nicht ernst nimmt. Kein einziges Mal meldet er sich wie verabredet und ich muss immer hinterhertelefonieren. Ich bin noch kürzer angebunden als sonst und will seine Ausreden nicht hören. Er hat dem Harald schon Bescheid gesagt. Das ist sein alter Vermieter und ich sage, ja, mag sein, aber ich habe den Anwalt und die gerichtlichen Fristen an der Backe. Er hat mich vergessen und jetzt war auch noch Unfall und die Straßenbahn fährt nicht. Will ich alles nicht hören. Ich bin wie Wilfried aus dem Dschungelkamp. Ich sage nur: Montag um 11. Be there!

Ich freue mich auf meinen Buchbinderkurs und habe meine Tasche schon gepackt. Der Kurs ist richtig voll, wie VHS oder zumindest wie ich mir VHS vorstelle. Letztes Mal waren wir zu dritt, jetzt sitzen schon 3 da als ich komme und es kommen noch 4 oder so, davon ein Mutter-Tochter-Team. Das ist mit längeren Wartezeiten verbunden, weil Laura alle nacheinander berät zu ihrem jeweiligen Projekt. Eine Gruppe Frauen schließt sich zusammen und faltet Origami, d.h. Briefe, die man auseinander klappen kann. Ich mache erst mal nicht mein Betreutengedächtnisbuch. Ist mir zu voll, das wäre nicht so schlimm, kann mich auch zurückziehen, würde ich dann eh tun wegen der Daten, die ich verarbeite, aber ich muss mir über die Bindung klar werden. Ich mache das Buch mit den Passepartouts und den alten, dicken Familienfotos mit den schönen Rückseiten. Neben mir ist mein Nachfolger im Atelier, der seine Reclamhefte retten will, weil er Notizen reingemacht hat und daher sind sie wertvoll für ihn und alle Buchpressen blockiert, weil er noch ungeduldiger ist als ich und einfach schneidet und klebt und macht ohne Sinn und Verstand, weil Laura alle nacheinander beraten muss und hierdurch Lücken entstehen und er dann nicht warten kann, sondern einfach macht. Der Kurs ist wie Dschungelcamp im Kleinen, d.h. der Charakter eines Menschen kommt schnell zum Vorschein und die Teamfähigkeit. Wie viel Platz brauche ich für meinen Arbeitsplatz? Wie sehr nervt es mich, wenn andere dicht an dicht mit mir arbeiten? Ich muss mich erst mal in Fleißarbeit üben und das Papier reißen, weil das dann ästhetischer ausschaut zu den alten Bildern und Laura das daher so vorgibt. Mit einem Lineal halte ich dagegen. Da es sich um einen kurzen Streifen handelt, ist das sehr mühsame Knastarbeit und schnell finde ich es nervig und frage nach einer Ersatzbeschäftigung für eine Pause. Das wird verneint, erst mal zu Ende machen. Das ist auch ganz gut so in der Buchbinderergotherapie. Ich mache weiter. Irgendwann blutet auch mein Finger unter dem Nagel. Aber irgendwann bin ich auch fertig und mit dem Ergebnis zufrieden. Eine Familienaufstellung der anderen Art. Mittendrin kommt eine Frau rein, die allen erklärt, dass sie eine halbe Stunde hierher braucht vom Bahnhof und nicht früher da sein kann und dann lohne es sich nicht. Sie könne nicht früher. Wann macht Laura denn einen Wochenendkurs. Die Daten werden ihr genannt, aber die gute ist schwierig. Sonntag kann sie dann auch nur bis 3 und das Buch muss im März fertig sein, weil der Kollege dann Geburtstag hat. Dann nimmt sie Laura noch ca. 4 mal in Beschlag, welches Paper soll sie einkaufen? Lässt sich welches zeigen. Das gefällt ihr alles nicht. Dann macht Laura weiter mit einem anderen Kursteilnehmer dieses Kurses (dazu zählt die Alte gar nicht) und wieder unterbricht sie und will noch mal die Zeiten des Wochenendkurses wissen, damit sie sich die in den Terminkalender eintragen kann. Das kann man im Internet nachlesen und irgendwann will ich ihr eine reinhauen. Gegen Ende räumen alle auf. Eine Frau hat unsere Pinsel gewaschen. Ich bedanke mich bei ihr. Am Schluss des Kurses fragt Laura, ob alle auf ihre Kosten gekommen seien und das wird bejaht.  Ich zeige meine Ergebnisse und alle finden die alten Fotos so schön, das junge Mädchen schaut sie besonders genau an. Laura meint, meine Familie wäre schon bürgerlich. Das würde man an den Fotos ansehen. Die Sammeltante erklärt mir, dass bei ihr in der Familie so was einen höhere Stellenwert hätte als jetzt so mit Leim geklebt zu werden und ich sage, warum das sei ein hoher Stellenwert, besser als einzeln irgendwo in der Fotokiste und dann im Altpapier rumzufliegen. Das scheint man verschieden sehen zu können. Ich erkläre ihr kurz, dass gerade bei uns so was einen hohen Stellenwert hat und meine Mutter unglaubliche Stammbäume mit Power Point ausarbeitet und sich Fotos schicken lässt und einscannt und alte Briefe liest und recherchiert und macht und das kommt bei allen sehr gut an und die hat mir schließlich diese Fotos zum basteln gegeben mit einem Postit „nach Hannover“ drauf. Ich habe also keine Zweifel an meinem Projekt und bin froh, dass ich trotz etwas Hektik wieder ein Projekt in der Zeit fast abgeschlossen habe. Ich brauche diese Erfolgserlebnisse.

31.01. Morgens setzt meine Regel an, genau mit dem Wachwerden. Das hatte ich schon ganz lange nicht mehr oder nie? Irgendwie bin ich genervt, aber besser als nachts davon geweckt zu werden und das ganze Bett ist eingesaut und man muss erst mal eine Schmerztablette nehmen und vorher suchen und das unterbricht alles die Nachtruhe. Aufwachen und dann zeitgleich geht’s los. Eigentlich gutes Timing, außerdem bin ich dann safe in der Wellnesssauna übernächstes Wochenende. Da kann ich keinen Besuch der roten Tanten gebrauchen. Beim Morgenkaffee stellt mein Mann dann fest, ich bin seine Larissa (die Österreicherin aus dem Dschungelcamp ist damit gemeint). Ähnlichkeiten gibt es schon, ich bin ungeschickt und wische mir gerne die Hände an der Kleidung anderer ab.

Eine Freundin mit einer Straßenverkehrssache, der ich nicht helfen kann. Als Radfahrer kann man so einem Autofahrer doch mächtig Ärger machen. Einfach sagen, Vorfahrt genommen, leichter Zusammenstoß, keine Beschädigungen an Fahrrad und Fahrzeug. Reicht das? Ich bin gespannt, wie die Sache ausgeht.

Dann viele Anrufe der Dankbarkeit. Herr A. findet, dass ich die Klagebegründung vor dem Verwaltungsgericht wegen Asyl und Afghanistan gut geschrieben habe und er bedankt sich. Die Betreute mit der lustigen Sprache, Frau C. (Handwerker, hauen ab wie Frösche sage ich nur) habe ich aus ihrem Handyvertrag, der bis 2016 gehen sollte „rausgeboxt“. Die ist auch ganz happy, sonst Grundgebühr 29,99 € pro Monat noch über 2 Jahre. Das ist viel für einen Hilfeempfänger.

Vor der Fahrt nach Langenhagen stärke ich mich mit einem Salami-Panini. Das Treffen hätte nicht besser laufen können. Herr B. ist noch da und zieht brav seine Entgiftung durch. Ich hätte eine rote Nase, bemerkt er, aber sonst „elegant angezogen, wie immer“.  Dann der wichtigere Teil. Das Treffen mit meiner Dauerpatientin und den Mitarbeitern des Heimes, sowie dem ärztlichen Personal. Alle sind gut gelaunt und charmant und einander freundlich gesonnen. Meine erkundigt sich nach der Infrastruktur und den Ärzte und den Autobahnverhältnissen, ob es heute vereist gewesen sei um dem Ganzen dann eine Absage zu erteilen. Die Oberärztin sagt, auch wenn wir es jetzt noch mal ambulant versuchen (sie hat die Garantie für 1 Jahr Depotspritze ausgesprochen, meine Betreute) sollten wir Plan B machen, wenn es nicht klappt und sie wieder in der Klinik landet, dass das nicht wieder fast 1 Jahr dauert. Sie sollte sich das Heim anschauen und sei es nur zur Abschreckung. Das lehnt meine ab. Die Oberärztin wendet Trick 17 an und sagt, sie interessiere sich für die Einrichtung und ob die Patientin sie nicht begleiten und beraten könne (sie was selber früher als Krankengymnastin tätig). Sie würden dann zusammen mit dem Taxi in den Harz fahren und sie können entweder wieder zurück oder mit ihrem Freund eine Nacht dort verbringen. Sie willigt ein und will den Ausflug machen, ganz unverbindlich. Ich bedanke mich bei den beiden Mitarbeitern fürs Kommen (immerhin Anfahrt 80 km). Dann Nachgespräch mit der Oberärztin. Bedingungen für eine Entlassung, wer bekommt einen Ersatzschlüssel zu der Wohnung, Vermögenssorge, dass nicht zum dritten Mal Strom und Gas abgestellt werden. Irgendwann und das ist ziemlich bald, müssen wir abbrechen, weil es meiner zu viel wird. Draußen gibt es Kuchenverkauf im klinikeigenen Café. Die Oberärztin hat Schokokuchen mit Kokos und ohne Mehl gemacht. Von dem Erlös soll die Kegelbahn finanziert werden, die die Stadt sich nicht mehr leisten kann.

In der Bahn treffe ich unsere Freundin, die beim Jobcenter Vahrenwalder Straße arbeitet und in Wunstorf wohnt. Der Rückweg ins Büro geht schneller, weil ich jetzt Oxfam boykottiere und mir den Halt sparen kann, seit mir Stephan am Morgen die Meldung vorgelesen hat, dass Oxfam zum Boykott von israelischen Produkten aufruft. Noch etwas arbeiten und dann Sport. Eine Teilnehmerin bei Movenyo sieht aus wie eine hässlichere Version von Amanda Knox, als deutscher Hippie, in älter und ungepflegter.

Auf dem Küchengartenplatz ist ein großer Kreuz, wo der Weg frei ist. Sonst viele, tiefe Eisfurchen. Irgendwie Horror und die Autos müssen einen trotzdem überholen, während man in ihrer Reifenspur fährt, weil es anders nicht geht. Ist klar.

Statt noch mal rauszugehen, lande ich in der Badewanne und dann auf dem Sofa. Die letzte Packung Kekse aus London wird verspeist. Mein Gott ist das traurig. Wir hatten doch so viel, aber es hat nicht lange vorgehalten. Nachschub muss her, nur wo her kriegen? Ich will zu Sainsbury`s!!! Nur schnell hinbeamen und eine Stunde einkaufen und dann wieder zurück…

01.02. Wie kann man sich nur so reinsteigern in wenig Haare haben. Ich müsste das ja kennen mit Mitte vierzig. Es kommt mir vor als hätte sich die Dicke halbiert und bin unglücklich. Noch mehr abschneiden und dann so tun als sei es ein cooler Schnitt, kann das helfen? Ich muss immer hin fassen und entsetzt feststellen, wie weniger es sind, so wie die Zunge immer einen abgebrochenen Zahn ausloten muss, ganz unfreiwillig.

Herrlich ausgeschlafen. Gott, war das gut! Draußen regnet es. Ich bastele den ganzen Tag. Ich suche und klebe die Überschriften zu den alten Fotos. Ich entscheide mich für 2 pro Seite (auf Rat von Stephan), dann kann es so oder so sein. „Mann 69 Stunden durchs Meer getrieben“ oder „Randale im Schwimmbad“. Ansonsten keine guten Nachrichten, die Mutter eines guten Freundes ist verstorben und ein Gast unserer Schwarzwaldrunde hatte einen Skiunfall und liegt mit Trümmerbruch des Fußes in Österreich im Krankenhaus. Das Essen dort soll gut sein. Wir hoffen alle, dass sie trotzdem kommt, sonst der Sohn als Begleiter. Wir schenken das Gourmetessen meinem Verwandten und seiner Frau (nachträglich zu seinem fünfzigsten zusammen mit meinen Eltern). Da sonst ein Gutschein/Geschenk wegfällt, drohe ich damit für Ersatz zu sorgen, indem ich zur Caritas Notunterkunft in Bühl fahren und frage, „wer von euch trinkt denn gerne Wein und hat mal Lust auf Lump und Weinbegleitung“, ruckzuck habe ich Andreas eine Tischdame besorgt, aber wir werden das anders lösen. Sonst suchen wir im Internet ein Apartment in Stuttgart für eine Reise im Juni, mit meinen Eltern. Da gibt es nicht so viele wie in San Francisco, aber trotzdem englische Bewertungen. Heusteigviertel, Altbau….Abends holt ein Freund etwas ab was Stephan ihm geschenkt hat und ich verstecke mich in der Zeit in der Wohnung, absolut gästeuntauglich ist mir heute zumute und das ziehe ich dann konsequent durch. Misanthrop ist das vielleicht auch.

02.02. Wache auf nach kürzerem Schlaf, aber mit einer anderen Energie. Schatzi geht es auch so. Die Schonung scheint sich gelohnt zu haben. Kuchen backen, die Kette der Tante reparieren, die ihr am Stuhl gerissen ist bzw. neu aufziehen, upgraden, neue, bessere Perlen reinhauen, dann noch neue dazu, eine von mir reparieren, Bademode für das Bareiss aussuchen, dann beschließen wir angesichts der Tauwetters, dass ein Radausflug her muss bei dem sonnigen und herrlichen Wetter. Wo fahren nach Linden Nord und dort ist der Schnee geschmolzen im Gegensatz zu Linden Mitte. Geht es hier mit rechten Dingen zu? In der Menagerie gefällt mir der Kuchen nicht, weiter ins Rossi, dann in den Kunstverein. Lange nicht mehr da gewesen. Hier läuft eine Ausstellung von Christoph Girardet. Die Videos gefallen uns gut, das kann der Mann und ich bin etwas neidisch, weil ich mit diesem Medium auch gerne Collagen machen würde. Auch seine Bildersprache spricht mich ästhetisch an. Erst schauen wir die Zugimpressionen. Das mag ich eh total gerne und dann die Jungs (männliche Kinder) aus den Fünfzigern mit Sommersprossen, Mustertapete und Schlafanzug oder korrektem Haarschnitt und Krawatte und die Raumfahrt und das Weltall. Amerikanische Optik, wie gerne in den Videos. Gut. Der nach dem die Ausstellung benannt war: „Tell me what you see“ gefällt uns beiden nicht so gut, aber dann wieder „cuts“. Der ist spitze, die Narben und OP-Fotos, Frauen mit dick Erdbeermarmelade ins Gesicht gestrichen, auch immer schön die Naturanleihen. Hand fährt durch nasses, kurzes Haar, nasses Gras, Äste von Bäumen und Blutgefäße usw. Schöne Bilder, inklusive des Schäferhundes, der auch mal einen schönen Bruch rein bringt. Wir kuscheln in den dunklen Räumen und knutschen etwas. Das hilft auch gegen die Kälte.

Auf dem Rückweg vorbei am Spielplatz, der voller Eltern ist. Man kann vor lauter Erwachsenen die Kinder nicht mehr sehen. Früher durften Kinder auch mal alleine auf den Spielplatz, stellt Stephan zu Recht fest und „was sind das alles, Päderasten?“. Dann finde ich die erste Katze (außer die einer Freundin vor Jahren), die mir gefällt. Am ehemaligen Polizeirevier Gartenstraße meint Stephan, ich müsse umdrehen, da hätte ich was verpasst, das müsse ich sehen. Hinter dem Zaun eine dicke, graue Katze. Ich will ein Foto machen und schon ist das Biest abgehauen. Ich verfolge sie und ein Mann klärt mich auf, dass sie zu dem Haus dort gehören würde. Ich sage ihm, ich wollte nur ein Foto machen und sie weder einfangen noch impfen. Dann traue ich mich hin und sie kratzt und beißt nicht und scheint mich zu mögen. Sie reibt sich an mir. Ich glaube ja, dass ist der Pelzgeruch. Die sind so billig.

Katze 1 Katze 2 Katze 3 Katze 4 Katze 5 Katze 6 Katze 7 Katze 8

Kestnerkälte – Haare ab und der letzte Rausch

20.01. Mein Betreuter, der Rattenfreund mit der Borderline- und Persönlichkeitsstörung sollte zur Entgiftung stationär aufgenommen werden. Deswegen hatte ich Donnerstag noch bei ihm vorbeigeschaut. Hat nicht geklappt. Platz war vergeben. Auf Nachfrage, er hätte sich seit dem 13.12. dort nicht mehr gemeldet. Er sagt, er hat am 17.01. dort angerufen und sich den Platz bestätigen lassen. Ich glaube meinem Schützling. Es folgen nervige Telefonate mit dem Klinikpersonal. Ich sage denen, dass ich auch ein Problem damit habe, weil ich zuständig bin für die Gesundheitssorge und ich jetzt auch jeden Tag anrufen werde- dafür hat mich das Gericht bestellt. Ein Tag später spreche ich dann mit dem Arzt. Alle sind bemüht ihn wegzubeißen, weil er auch nervt, aber deutlich sagt das keiner, sondern nur: bitte geh woanders hin, weil dies und jenes. Mein Gott sind die nervig.

Ein anderer Betreuter will mir nicht bestätigen, dass ich kein Geld verwaltet habe. Ich erkläre es ihm, dass ich nur das Konto einsehen und ihm sagen kann, wie viel er im letzten Jahr für Computerspiele ausgegeben hat, aber kein Geld einteilen noch Überweisungen für ihn mache, weil das bei seiner Bank online gar nicht geht. Was hat der Studierte danach nicht verstanden? Nachmittags noch eine Sozialarbeiterin meiner Betreuten, die Türkin ist. Sie ist Vertretung für die Frau, die das sonst macht und im Mutterschutz ist und will Beratung wegen des Entwicklungsberichts. Sonst kommt immer ein sehr nerviger Typ aus Hameln vom Kostenträger und macht einen Hausbesuch und ich lasse mir einen türkischen Mocca machen von meiner und freue mich da immer drauf und dann schütteln wir Frauen uns, wenn der wieder gegangen ist, weil der ist wie Fernseher und Weißbrot. Dieses Jahr hat er keine Zeit aus Hameln zu kommen. Wir sind natürlich untröstlich, dass er nach Aktenlage entscheiden will und wir nicht in dem Genuss des Dates kommen.

Ich mache einen halben Tag frei und fahre zur Kestner. Heute unterrichtet dort Simone und so soll sich meine Mitgliedschaft lohnen, wenn mir die Kunst schon nicht gefällt, dann kann ich wenigstens am Yoga für Mitglieder teilnehmen. Ich komme bewusst später, weil mich die Kunsteinführung nicht die Bohne interessiert. Ich traue mich aber auch nicht zu spät zu kommen, weil ich Angst habe, dass sie mich nicht mehr rein lassen.  Herr Görner sitzt im Foyer an einem runden Tisch mit anderen Personen. Die müssen ja auch ihren Tag rumkriegen. Ich ziehe gleich meine Sport- bzw. Hausklamotten an (Frotteehose, Marke unvorteilhaft) und stehe mit Yogamatte und selbstgestrickten Strümpfen neben den Schülern der Yogawerkstatt in ihren Straßenklamotten. Die Erklärungen zur Kunst sind bedürftig und laienhaft. Die oberen Räume gefallen mir diesmal viel besser in menschenleer oder –leerer. Der Raum voller symmetrisch angeordneter Tesafilmstreifen mit dem Pastelllidschatten darunter sieht bezaubernd aus und erinnert an Regen. Da dürfen wir nicht turnen, sondern nur unten. Die Räume sind kalt und deprimierend und alle wollen danach nur noch heiß baden. Ich will im Kunsthistorischen Museum in Wien turnen zwischen den Gemälden, am besten noch von Lucian Freund, auch wenn die schon abgehängt sind oder Carvaggio würde mir auch taugen oder vor den Prinzessinnen von Velazquez oder in der ägyptischen Sammlung, egal wo bei denen im Haus. Es wäre eine Inspiration, eine Freude. Hier hingegen kann man nur auf bessere Zeiten warten. Simone macht einige Übungen von Mikael wie den herabschauenden Hund mit breit aufgestellten Beinen. Das extreme Dreieck, wie Mikael es nennt. In den Rückbeugen, soll man das Herz nicht einfach nach vorne pressen, sondern den Raum hinter dem Herzen öffnen. Eine interessante Vorstellung. Das ist dann der obere Rücken, der weit werden soll. Wir sollen mal testen, wie es uns ergeht mit den herzöffnenden Übungen, ob die Kälte gut tut, weil man als Pita-Typ zu Überhitzungen neigt und sich leicht reinsteigert in die Rückbeugen, was dann mit Yoga nur noch wenig zu tun hat, nach Simone oder ob es schwer fällt, das Herz zu öffnen bei der Kälte und der feindlichen Stimmung in dem blöden Kunstraum. Mir fällt es eher schwer, also eine Hilfe ist es nicht. Ich esse anschließend viel statt zu duschen und setze mich mit Wolldecken vor den Fernseher. Leider verpasse ich 2 Geburtstage, einer war gestern und einer heute.

21.02. Der Rattenfreund soll erkennungsdienstlich behandelt werden, weil die Polizei ihn mit den Resten eines Joints auf dem Spielplatz erwischt hat. Colorado ist weit weg. Ich muss dagegen klagen vor dem Verwaltungsgericht, wenn das aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar für ihn ist. Was soll das alles?

Mittags zum Amtsgericht. Mein Betreuter wird aus der JVA vorgeführt. Schicke Jacke sage ich gleich zu seinem JVA-Parker. Ich freue mich ihn zu sehen und er freut sich auch. Eine willkommene Abwechslung. Während der Therapie soll die Betreuung aufgehoben werden. Das will meiner nicht und der Richter merkt, wie anstrengend er ist und verrät mir danach, dass er die Betreuung um 2 Jahre verlängert hat und ich solle mich einfach in 6 Monaten melden. Er will sich eine weitere Anhörung ersparen.  Ich kaufe alte Bücher für neue Projekte, weil ich jetzt noch 5 x zur Buchbinderergotherapie gehe. Dann finde ich was für das minderjährige Geburtstagskind und für mich Tierfiguren. Sammele ich jetzt schon Püppchen? Ich kann nicht umhin. Ich finde sie toll. Ich habe nur die Mädchenfiguren genommen, obwohl die Jungs auch coole Klamotten hatten, Hosen mit Hosenträgern und Krawatten. Ich frage Stephan wie sie heißen: Luci (Wolfmädchen), Emma (Nilpferdmädchen), Jill (Krokodilmädchen) und Toffi (Maulwurfmädchen). Ich mag sie so doll, dass ich sie im Büro aufstelle.

4 Tiere

Außerdem das tollste Geschirrhandtuch aller Zeiten. Groß, nagelneu, Irish linen. Naturfarben und mit schwarzer Schrift: House rules oder besser nur „The Rules“:

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Nachmittags kommt ein Mandant aus dem Osten, der Beratungshilfetyp, der letztes Mal nicht erschienen war und der sich jetzt szenig gibt und meine Kunst bewundert und einen herrlich obszönen Nachnamen hat. Wir verstehen uns gut. Leider streikt mein Anwaltsprogramm und ich muss aus einer anderen Akte die Vollmacht überkleben. Die reinste Fälscherarbeit. Wir amüsieren uns.

Herr PM wollte sich zwischen 16 und 17 Uhr melden, was er nicht tat. Ich telefoniere hinterher. Morgen muss ich die Räumungsklage begründen. Er will sich bis zum Wochenende entschieden haben und Freitag um 15 Uhr bei mir melden. Das klappt doch wieder nicht.

Abends beim Sport ist der ganze Raum wieder voller junger Dinger. Die können sich mal wieder an Mutti messen. Abends vor dem Fernseher schneide ich meine Dreads, die teilweise nur noch an wenigen Haaren hängen ab. 8 Stück und nur noch 3 sind übrig. Am nächsten Morgen wundere ich mich, was für ein Haarberg auf dem Wohnzimmertisch liegt und wie haarlos ich bin. So ist das halt. I go back to natural. Ich meine, das andere waren auch meine Haare. Natürliche Haarimplantate oder push ups, wie ich sie immer genannt habe. Jetzt habe ich einen winzigen Dutt und weiß gar nicht wohin mit den ganzen Haargummis. Dafür wird Sauna und Schwimmen bald einfacher in der Wellnessoase im Schwarzwald und dann auch am Pacific. Ich wollte es ja so. Hätte Stephan sie abgeschnitten, hätte ich einen Heulkrampf bekommen.  Ich überlege morgens, ob ich mal zum Friseur gehe und mir mit meinem wenigen, feinen Haare eine Frisur verpassen lasse. Stephan sagt, dann könne ich die Hütchen gleich vergessen. Ich weiß nicht, ob er Recht hat.

22.01. Viel Post, auch Privates. Zwei Geburtstagspäckchen. Einmal für den Jungen, der schon hatte und dann meine Cousine, die noch hat und 50 wird und uns eingeladen hat, aber wir können nicht kommen. In der Räumungssache bekomme ich von der Gegenseite noch eine Gnadenfrist nach einem herzzerreißenden Anruf meinerseits.

Ich habe bald Termin zur Ehescheidung in einer Betreuungssache von mir. Die Schwägerin der Ehefrau hat sich bei mir gemeldet, dass sie nicht einreisen darf nach Deutschland. Sie ist in die Türkei abgehauen und darf nicht mehr nach Deutschland rein. Hat zwischenzeitlich dort auch geheiratet. Ich telefoniere mit der Richterin, was zu tun ist. Suche alte Unterlagen meines Betreuten raus. Heirat war am 23.09.2003. Er lag mehr oder weniger im Koma als ich die Betreuung übernommen habe und bekommt seit 01.08.2004 eine unbefristete Rente aufgrund seiner schweren Diagnosen. Es geht darum das Gericht zu überzeugen, dass wir keinen Rentenausgleich machen müssen. Sie hat wohl auch so was geschrieben wie: ich bin einverstanden mit der Scheidung und wir haben uns außergerichtlich darauf verständigt, dass kein Versorgungsausgleich durchgeführt werden soll. Dazu braucht man in Deutschland 2 Anwälte um das zu erklären. Meine neue Betreute aus der Oststadt beschert mir Arbeit, Schreibarbeit. Nachmittags fühle ich mich zusehends unsexy mit so wenig Haaren, aber ab ist ab. Heute Abend nach dem Yoga gibt es Foie Gras vom Naschmarkt mit Freundinnen. Da freue ich mich drauf. Als Nachtisch Rumkirschen in Eierlikör von Stauds. Dazu habe ich Vanilleeis in der Eisdiele Stephanusstraße bestellt. Musste man nicht nur vorbestellen, sondern auch noch einen Zettel dazu ausfüllen. Kostet 14,- € und 1,- € für die Verpackung, die man aber wieder verwenden kann. Ich frage, wie viele Kugeln das ergibt. Antwort: ca. 12. Die wären dann teurer als einzeln in der Waffel. So sind die dort, unlogisch und kompliziert und wehe es bestellt ein Erwachsener ein Kinderspagettieis, auch wenn es für sein Kind ist, was er auf dem Arm hält. Wenn er auch davon essen will so nach dem Motto: „teilen wir uns eines, Lucca? Hast Du Lust“, dann wird abgemahnt, weil sie hat das gehört, dass der Erwachsene davon essen wird, quasi Umgehung. Die Frau ist sehr anstrengend. Die Wintereissorten sind lecker, aber das Eis schmeckt nicht bei den kalten Temperaturen. Nicht nur die Foie Gras von Urbanek ist richtig gut, auch der Käse mit Früchtebrot.

23.01. Betreute kommt mit ihrer Freundin, Klage vor dem Sozialgericht. Es geht um das begehrte Merkzeichen „G“. Dann kommt ein Dauermandant. Mit wie vielen Energieversorgern kann man sich auf einmal streiten, frage ich mich. Dann fahre ich zum Bücherschrank und hole eines für ein Buchprojekt mit alten Familienfotos. Ich kaufe Fisch, geräucherte Makrele. Hmmh lecker, Fischhampe ist echt Kult. Abends gibt es gebratenen Fisch und Petersilienwurzel. Den Räucherfisch esse ich beim Kochen. Mittags gibt es eine Suppe in der Kaffeepause. Ich wundere mich oft über die deutsche Sprache. Warum steht herzhaft eigentlich für salzig. Wenn man das Wort hört, denke ich an Waffeln oder Cupcakes. Nachmittags kommen meine Betreuten zum Geld abholen. Ich will zu Boesner, aber das Wetter ist mir zu doof. Das verhindert sinnloses Geldausgeben. Lieber das Zeug benutzen, was ich schon habe. Ohne Termin taucht Herr PM auf. Er hat Vorladung vom Gerichtsvollzieher und das kann er nicht auch noch gebrauchen. Ich muss mich kümmern, mache ich auch. Er will sich Montag melden, das klappt doch wieder nicht, Er macht sich Hoffnungen, dass er die 2-Zimmer Wohnung in Empelde bekommt. Seine WG-Mitbewohnerin hat ihn gleich zur Besichtigung hängen lassen. Er will tapezieren, streichen und Laminat verlegen. Davor mache ich Ablage und habe nun definitiv die Idee für ein Buchprojekt. Das Leben eines Betreuten werde ich binden. Seine Pornos, die ganzen Anträge, wie eifrig ich als Berufsanfängerin gestritten habe, der ernährungsbedingte Mehrbedarf für HIV, auch im Heim. Die Korrespondenz mit dem Grünen OB-Kandidaten. Er wurde ermordet, mein Schützling und ich werde ihm ein Denkmal setzen. Ein ganz Privates.

24.01. Betreute. Will die Opferentschädigung auf sich beruhen lassen nach Glaubwürdigkeitsgutachten usw. Keine Verurteilung des Täters, schlechte Karten. Nachmittags kommt ein Freund wegen Bafög-Stundung. Immer wieder muss ich wischen. Das Wetter bringt viel Matsch und Steinchen. Abends nach dem Sport schnell was Essen. In das kalte Theater im Getränkemarkt. Umtopfen heißt das Stück. Es geht um Asylanträge. Genau der Sozialarbeiter mit dem ich einen gemeinsamen Schützling habe (Eilverfahren und Klage gegen die Abschiebung nach Afghanistan und Asylfolgenantrag) sitzt im Publikum. Das passt ja wieder. Es ist saukalt. Wir laufen zur Busstation Glocksee und fahren mit einem Kurzstreckenticket in die Nordstadt zu einem Geburtstag. Dort will ich gleich wieder gehen, bleibe dann aber doch. Wenn ein „Kollege“ auf einer privaten Veranstaltung, einem 49sten Geburtstag in der Küche des Jubilars mich immer anspricht: „Frau Kollegin, ich muss mal an den Sekt ran“. „Frau Kollegin, ich muss mal an die Gläser ran“ usw., aber immer mit dieser Eingangsformel, dann frage ich mich, ob der noch alle Tassen im Schrank hat. Das mag ja bei manchem auch lustig oder charmant, aber hier will ich nur Pulp Fiction zitieren auf die Reaktion „Freundchen“: „Ich bin nicht Dein Freund, Du Arschloch.“. Wer war das noch mal? Bruce Willis? Wir holen uns Tipps aus erster Hand für SF. Richmond oder irgendwas, wo man zur Beach kann. Topa oder Topalino, das ist dann mexikanisch. Rainbow Foods statt Whole Foods. Richtig gute Tipps, glaube ich. Mit dem Bus zurück. Ich habe Einiges an Sekt getrunken und verleihe einen Essensgehgutschein an einen Freund als an der Haltestelle improvisiertes Geschenk. Machen würden es lieblos nennen.

25.01. Basteln, Freund aus Hamburg kommt. Weinprobe Burger und Wein. Mein Hütchen mit dem Burgerklau von Mc Donald (uraltes Spielzeuge) ist passend und kommt gut an. Ich habe einen netten Unbekannten neben mir sitzen, der für die üstra arbeitet als Architekt. Während ich zu Beginn des Abends noch beteuere, dass es keine Entgleisungen geben soll, passiert genau das.

Hier erst mal der appetitliche Teil des Abends:

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Nach dem offiziellen Teil holt mein Mann Süß- und weitere Weißweine von Zuhause. Es nimmt ein schlimmes Ende. Ausfälle bei mir und dem Hamburger Besuch. Mehr sehe ich im Tunnel nicht. Mir geht es richtig schlecht. Krankgesoffen, kann man auch sagen. Da muss sich jetzt mal was ändern. Ich stelle selbstkritisch fest, wenn es nur mittelmäßigen Prosecco gibt und immer denselben, dann bin ich nur angetrunken, wenn es sehr leckere Weine gibt und verschiedene und immer nachgeschenkt wird, dann kenne ich keine Grenzen und verliere die Kontrolle.

26.01. Der böse Kater. So schlimm war er noch nie, der Kater vielleicht schon, aber der Zustand im Rausch noch nicht. Der Gast und wir, alle schauen sich kaum in die Augen. Sprechen geht auch kaum. Alles ist eine Qual. Ich mag gar nicht mehr schlucken, auch keinen Tee. Quäle ihn runter. Flüssigkeit ist ja jetzt wohl genau das Richtige. Man leidet vor sich hin. Irgendwie ist es schambesetzt, was gestern Nacht war, was man noch erinnert. War da was? Keiner will darüber sprechen. Wir sind zur Vernissage von Ralf Bednar verabredet und lassen den Besuch zurück und laufen durch den verschneiten Park. Strahlende Kindergesichter kommen uns entgegen auf Schlitten, rote Bäckchen, die Papas spielen Pferdchen.

Elend ob unseres Zustandes, aber nette Fahrt nach Bissendorf, zu viert im Auto. Tolle Bilder, tolle Einführungsrede von Vera Burmester, die ins Schwarze trifft, wenn sie sagt, dass Ralf ein Tabu bricht in der Kunst, weil er als Meisterschüler und sicher in allen Techniken sich dem Humor verschreibt. Das ist der Skandal, den man nicht auf den ersten Blick sieht, denn es wird negiert, dass dies ein Tabubruch sei, aber es ist so. In allen großen Museen der Welt findet man humorvolle Kunst nur als Randerscheinung. Ich liebe das ja, aber sie hat Recht, dass das sonst in der ernsthaften Kunst nichts zu suchen hat. Wer malen kann, malt ernsthafte Motive, keine Putzfrauen, die ein Bild von Dracula abstauben. Bei mir ist es so:  Ohne Titel I – V kann mich mal. Da denke ich gleich, der hat keine Ideen, der das gemacht hat. Gute Titel für Bilder, Humor, das ist für mich geistreich und nicht nur dekorativer Wandschmuck. Ich esse Lachshäppchen und leide weiter. Auch andere aus meinem Ex-Atelier sind da. Nicht mit jeder kann ich was anfangen. Warum ist es so, dass unterdurchschnittlich aussehende, spießige Frauen gerne total stolz drauf sind, dass sie einen Freund haben und jeden Satz mit „mein Freund und ich“ einleiten. Oh Mann, wie armselig. Das wirkt verzweifelt so wie: ich habe auch einen abbekommen und das sollen alle wissen.

Vor der Abfahrt noch ein Foto mit dem Künstler, meinen Ex-Atelierkollegen. Hier bin ich echter Fan, wie man sehen kann:

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Auf der Rückfahrt geht es um mein Betreuungsbuch. Ich bin zu nichts zu gebrauchen. Mandelpudding, etwas Pasta mit alten Steinchampignons. Im Fernsehen läuft ein Bericht über Norddeutschland. Unser schönes Land oder wie heißt das? Da kommen Typen drin vor. Spießige Gärtner, die im Januar die Zeit nutzen irgendwelche Arbeiten, die anstehen im Garten zu verrichten, die Baumstämme weiß streichen und was erzählen von Samen, die den Kältereiz benötigen, dann ein Typ, der Vogelhäuser mit Schieferdächern baut. Ohh Mann. Am schlimmsten ist die Frau vom Spargelbauern, die reitet in ihrer Freizeit und Moos aus dem Wald in dekorative Kugeln verwandelt, die in einem gefochtenen Kranz mit Kerzen im Garten aufgestellt werden. Wahnsinn. Leider erlaubt mein Zustand keine andere Beschäftigung. Wir schauen noch etwas Hader. Der ist toll. Buddhistische Redewendung, weil wir nicht die komplette Erde mit Leder bedecken können, tragen wir Schuhe. Er will auf der Straße sterben, wie ein Mann. Bloß nicht auf der Bühne, wo alle denken, das gehört zum Stück. Was, jetzt kommen auch noch Krankenpfleger? Der fährt ja richtig auf und dann am nächsten Tag erst aus der Zeitung erfahren, er ist wohl gestorben, aber schauspielerisch eine Nullleistung. Ich mag den Typen. Ich gehe um 18:30 Uhr ins Bett. Unseren Besuch aus Österreich werde ich erst am nächsten Tag sehen. Ich schlafe bis 7:30 Uhr morgens. Das liegt an der Selbstzerstörung. Das will ich nicht wieder haben. Ich gebe mir dafür 8 Monate –  Abstinenz. Jetzt glauben alle, ich halte das nicht durch. Stephan sagt, 9 Monate und alle denken, ich bin schwanger. Haha. Wir werden sehen, was am Ende für ein Kind da bei heraus kommt. Ich glaube schlussendlich tue ich mir und anderen einen Gefallen. Ich mache mich behindert, meine Auffassungsgabe und andere Talente sind deutlich eingeschränkt. Auch ich habe ohne Alk einen besseren Abend. Da bin ich mir sicher. Schade nur, dass ich bei den Weinweibern jetzt raus bin, aber selber schuld. Weinprobe in Stuttgart gehe ich auch so hin, will den Blick genießen, Sunset oder so und die Winzertraubensäfte verkosten. Ich werde offen darüber sprechen. Das gehört dazu, auch in einer Winzerfamilie. Wer nicht damit umgehen kann, muss was ändern. Hart, aber Ehrlichkeit zu sich selber ist auch was Schönes und ich muss mir wirklich nicht Leid tun. Habe nichts ausgelassen. Die nüchterne Klarheit ist auch ein schöner Zustand.

Dreck ist nur Materie an der falschen Stelle

13.01. Wieder mühsam in Hannover ankommen. Als Trost gibt es jeden Tag was zu essen aus Wien. Käse, Kuchen, Wurst. Hier Partywürstchen, die wir auch ohne Gäste wegziehen:

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Wir haben in Hannover offenbar eine tolle Vernissage verpasst. Träume sind Schäume.

Wieder eine neue Betreute stellt sich vor. Sie will kurz in den Innenhof und sich ausruhen bevor sie die Heimreise in die Oststadt antritt und scheint auch ansonsten kompliziert und anstrengend zu sein. Sie weint. Alles sei schrecklich, Studium nicht zu Ende gemacht, Ausbildung verwehrt vom Jobcenter und das ist alles 10 Jahre her, aber noch brandheißes Thema, quasi Lebensthema.

Mittags: a ghost of Expo. Dann kommt mein Betreuter mit seiner Erbschaft. Der Bruder bekommt den Pflichtteil. Der ist zwar „behindert“, aber unkompliziert und wir lachen viel. Er hat die Zahlen per Hand zusammen gerechnet. Ich frage, was das für Zahlen seien. Das sind die, die man beim Rechnen überträgt, weil sie größer als zehn sind. Jetzt verstehe ich.

Abends Doppelprogramm Sport und dann Tatortreiniger. Jeden Abend 2 Folgen.

14.01. Beratungshilfemandant kommt nicht, nachmittags eine Mandantin, die will, dass ich ihren früheren Betreuer verklage. Ich sage ihr, wir haben schlechte Karten. Das hat der Kollege vor mir wohl auch schon gesagt, aber es kommt nicht an. Wir wollen ihr alle nicht helfen. Ich würde sie gar anschreien. Das passiert zwangsläufig, wenn ich ungeduldig werde, weil ich Sachverhalte zig mal erkläre. Ich sage nicht, dass der Betreuer gut gearbeitet hat, er hat schlecht gearbeitet, aber ob man erfolgreich prozessieren kann, ist eine andere Frage. Kommt nicht an. Sie versteht es nicht. Ich bin dann froh als sie geht. Dazwischen eine Frau mit hellblonden Haaren, die jetzt wohl schon hellgrau sind und braun verfärbten Schneidezähne in Outdoor-Klamotten und die mir sagt, ich wäre die Betreuerin, zu der man wechselt wenn man nicht zufrieden ist mit der jetzigen. Ihre Freundin, für die sie so viel tut. Hat sie zufällig nach Jahren bei Arzt im Wartezimmer getroffen und dann das ganze schimmelige Geschirr gewaschen. Wohnung sieht jetzt tip top aus, Pflegedienst geht für sie einkaufen. Sie bekommt kein Geld, weil sie es sofort in Alkohol umsetzt. Sie nennt auch andere Fälle, in denen sie sich engagiert. Das Amtsgericht habe ihr gesagt, sie bekomme Schwierigkeiten, wenn sie Arzttermine ausmacht und es eine gesetzliche Betreuung gibt. Ich sage, das sei Quatsch. Betreuer haben ihr Hausverbot erteilt, das endete in Hausverbot des Betreuers. Interessante Frau. Der Fall klingt auch nicht einfach. Mal sehen.

15.01. Langenhagen für ein kurzes Gespräch mit Frau Dauerpatientin. Sie lässt mich antanzen und will nur 2 Minuten mit mir sprechen. Das können wir nächstes Mal auch telefonisch erledigen sage ich ihr.

Bett und Tasche

Den Stationsarzt finde ich süß und er mich auch. Nachmittags Herr PM, der noch nicht beim Vermieter war, weil er sich immer wieder krank gemeldet hat (hatte die „Kotzerei“). Er spricht von WG-Zimmern und anderen Optionen. Ich dränge dazu, das zu nehmen, was geht und nicht zu pokern. Es ist sehr schwer ihn aus dem Büro zu bugsieren, wenn wir fertig sind nach 50 Minuten. Ich gehe schon mal raus und kopiere und er packt immer noch, wenn ich wieder komme und bleibt dann vor meinen Collagen stehen. Ein Freund macht auch so was Ähnliches. Ah hah. Tschüss dann. Ich muss erst mal stundenlang lüften bei mir um die Wolke aus dem Zimmer zu bekommen.

Ich habe noch mehr aufgestellt in meinem Zimmer, eine wachsende Gesamtcollage, die neue Blüte eine Postkarte vom Kunsthistorischen Museum in Wien. Cavaggio. David und Goliath. Jeden Tag schaue ich das Bild an. Wie die Figuren aus der Dunkelheit hervor treten. Der Hammer.

Ich versuche eine alte Tapete mit graphischem Muster aufzutun für die Faschingsfeier in Wien zum Thema Gemeindebau. Es wäre so herrlich, was ich damit vorhabe. Bauhaus in der Innenstadt hat nur Raufaser, weiß. In Hamburg finde ich den Tapetenkeller. Die könnten mir was schicken…. Wenn ein Leser hierzu einen Tipp, wäre ich sehr verbunden. Muss auch keine ganze Rolle sein, kleines Stück genügt. Hatte früher Tapetenmusterbuch. Wurde ausgemustert, es waren aber auch eh keine Muster wie ich sie jetzt suche dabei, sondern eher Strukturtapete in Perlmuttfaben.

Beim Mittagstisch wird mir das Buch „Kulinarische Begegnungen“ oder so ähnlich gezeigt, eine Werbung für heimische Gastronome, die ihre Stammgäste präsentieren bzw. die Gäste werden interviewt und sagen allerlei über ihr Lokal und Hannover. Ich war seinerzeit gefragt worden, ob ich mit machen wolle und dann wäre ich zwischen den ganzen Lokalpromis gelandet. Ich hatte abgelehnt, was auf Unverständnis gestoßen war. Das Buch ist schön geworden. Am Endprodukt hatte ich keine Zweifel.

Abends wieder Tatortreiniger mit der Patenschaft für den Fleischesser, damit die Veganerin sich wieder versöhnen kann mit ihrem Freund, will Schotte 12 Tage vegan leben, dann ist das Gleichgewicht wieder hergestellt. Lustige, gelungene Folge und ja: „Dreck ist Materie an der falschen Stelle“.

16.01 Heute mal zu Jobcenter Vahrenwalder Str. 245. Fahre erst mal dran vorbei. Meine Betreute kommt nicht. Ich mache den Termin alleine. Auf dem Rückweg zu dem Rattenhalter, der Montag in die Entgiftung möchte. Spreche ihm Mut zu. Ob alles geregelt sei, Einweisung, wie er hin kommt. Ja, ja.

Nachmittags kommen die Damen, die sich Taschengeld holen. Elisabeth Taylor gefalle ich heute besonders. Sie war heute bei der Spritze und hat die Mitgliedschaft im Evangelischen Frauenbund schon bezahlt und gibt mir die Quittung zum Abheften. Sie war mit denen im Wilhelm-Busch-Museum und die Ausstellung hat ihr gefallen. Sie war gar nicht so kompliziert, wie es geklungen hat.

Abends mein Buchbinderkurs. Ich habe mir zu viel Papier andrehen lassen vom Artservice. Die Maße des Buches waren 26,5 x 48 und er sagt mir was von 50 breit und es passen keine 2 rein, dabei haben die Pappen de Grüße 50 x 65 und ich habe mehr als doppelt so viel. Das ist nicht schlimm, weil ich weitere Kurse belegen werde. (5er Karten). Außer mir basteln zwei andere bei der Ergotherapie vor sich hin. Schneiden mit der Schneidemaschine, dem Beil und dann nähen mit der speziellen Technik und der Rundnadel und kleben und das System verstehen, dass die gebundenen Seiten nicht direkt auf dem Buchrücken festgeklebt werden. Für mein dickes Pixi-Pappbuch hat Laura auch noch Tipps. Das kriegt man nicht gepresst. Band machen und zubinden. Funktioniert und sieht hübsch aus. Neben mir bastelt ein schweigsamer Mann an einem Papierrahmen und schaut viel auf den Plan und schleift das Papier mit Sandpapier, alles sehr exakt. Eine gesprächige Frau, die viel sammelt, lernt japanische Bindung (hinten offen, vorne zu). Sie hat große Bögen aus stärkerem Papier mit alten Geldscheinen, den 100ter und den 500ter. Darum beneide ich sie etwas. Mein Projekt: Baden-Württemberg im Farbbild wird fertig. Das Buch hat neue, dicke Seiten, die ich mit Collagen bebasteln kann, die ich schon gemacht habe und liegt in der Presse. Basteln ist großartige Therapie. Ich treffe noch Stephan und Detlef im 11 A und erzähle ganz begeistert von meinem Kurs. Eine Kakerlake lief wohl die Wand runter, so dass alle Frauen auf der Bank wie auf heißen Kohlen sitzen.

17.01. Herr MRV hat Anhörung und ich hatte gestern mit dem Kollegen telefoniert, der nicht kann am 07.02. Ich rufe beim Landgericht an, leider ist der Vorsitzende in der Sitzung. Ich wollte ihm sagen, dass Dr. N. zur Eröffnung der olympischen Spiele nach Sotschi fliegt. Ich telefoniere mit dem Arzt in Wunstorf. Herr MRV ist in einer Depression und macht nichts und das Landgericht wird ihn bald entlassen. Das wird dann auch lustig.

Nachmittags kommt meine sehbehinderte Verehrerin mit ihren 3 Verträgen von Vodafone. Ich darf die jetzt anschreiben, dass sie eine Schwerbehinderten mit Merkzeichen „BL“ für blind alles Mögliche unterschreiben lassen und dann 300,- € bei ihr abbuchen. Sie fragt mich, warum ich immer so schick aussehen würde und sie so normal „oder wie sehen Sie mich, Frau A.?“. Das sind kniffelige Fragen.

Das Lustigste an dieser Woche war ohne Zweifel die Pakete, die Stephan bekommen hat. Das erste aus Berlin und ich frage ihn: hast Du was bestellt? Er verneint, wir machen den DIN-A4 Umschlag auf und es ist ein Palästinensertuch drin. Der Rechnungsbetrag ist 0,- €. Ich sage, das ist eine Finte, Du hast irgendwie angeklickt im Internet, da will jemand irgendwas von Dir. Stephan ist der Meinung, irgendjemand habe neulich gesagt, dass er früher so ein Tuch getragen habe. Vielleicht wollte sich ein Freund einen Scherz erlauben. Der Umschlag liegt auf seinem Schreibtisch und ich bin für Rücksendung. 3 Tage später kommt ein Paket aus Berlin, auch wieder von einer unbekannten Firma. Geht das jetzt weiter so? Wir machen es auf und finden darin eine Plastikbaseballkappe in Neon gelb/grün. Hier steht Rechnung bezahlt. Jetzt hört sich‘s auf schimpfe ich und was soll das? Was machst Du da! Zurückschicken. Gottseidank klärt sich das alles auf, bevor ich meine Forderungen in die tat umsetzen kann. Diese Requisiten benötigt ein Freund für eine Faschingsfete. Er hatte es wohl auch angekündigt, dass was kommt, aber Stephan hatte sich den Inhalt anders vorgestellt!? Jetzt können wir die lustigen und leichten Stücke zu unseren Gastgebern nach Wien mitnehmen.

Nach dem Sport haben wir Karten für „Terminator 2“ von „Das Helmi“ im Ballhof. Lange nicht mehr da gewesen. Einen Apero Spritz vor der Vorstellung um in Stimmung zu kommen. Es sind echt seht gute Ansätze vorhanden u.a. wie die Psychiatrie-Ärzte verarscht werden, die Sarah Connor eine SMS schreiben, dass sie noch 6 Jahre da bleiben muss und immer „Fixierung“ rufen und sich dabei totlachen. Dann der T-1000, der sich ärgert, dass er immer zu spät kommt, dabei ist er das überlegene Modell mit dem besseren Plan und den besseren Fähigkeiten, das merke man schon an den Zahlen T-1000 gegenüber T-800. Es war mir in Passagen zu lang und ich habe auch nicht verstanden, warum die Schauspieler Schlagzeug, Gitarre und Bass spielen mussten. Das passte gar nicht rein. Ich hätte es zusammen gestrafft und davon hätte das Stück nach meinem Empfinden profitiert. Wir gehen zu Beckmann’s. Am Nachbartisch sitzt ein Pärchen. Die Frau, die einen schwarzen Rollkragen trägt, hat eine sehr tiefe Stimme. Stephan sagt, das war ein Mann. Der Mann mit Halbglatze und Brille ist Modell Oberstufenlehrer und sitzt auf der Bank und erzählt von geschichtlichen Dinge, Schildern der Römer und die Form von denen und einem Antiquariat, welches er neu gefunden habe. Sehr langweilig. Das Essen ist total super, gegrillte Artischocken und Schinken. Der Wahnsinn. An dem anderen Tisch lassen sich welche beraten für eine Feier im Frühjahr. Nach dem Spargel, gibt es Erdbeeren. Ja, das macht Sinn. Zum Spargel ein leichter Rotwein hingegen macht keinen Sinn. Wir essen Robiola mit Peperonata, was das Lehrerehepaar hatte (aber ihnen hätte die Hälfte auch gereicht, wie sie mehrfach beim Essen feststellten) und blasen den Nachtisch ab, weil wir auf einen Geburtstag wollen. Wir fahren nach Vahrenwald und trinken Wodka-Kirsch und Sekt aus Wien, danach noch Campari-O. Das Geburtstagskind bekommt 2 Collagen von mir. Hier der Hund des Gastgebers, Nando:

Nando vor Geweih

Auf dem Rückweg fahren wir an der Kirche vorbei in Linden Nord an der Ihme, die zum Verkauf stand. Herrliche Lage. Ich würde unsere Etage dafür eintauschen. Das wäre mal was Neues und Lindennord ist eh besser. Dann wäre man im Bermudadreieck der Cafés zwischen Bar, Menagerie und Rossi.

18.01. Etwas ausschlafen und basteln. Einen Hut aus der Gummi-Abdeckung eines Plattenspielers, die ich kunstvoll einschneide und die jetzt aussieht wie eine Kreissäge auf meinem Kopf. Stephan unterstellt mir, dass das Helmi mich zu der Kreation beeinflusst hätte, aber das war schon vorher meine Idee gewesen. Das Pixi –Buch für Wien bastele ich fertig und erledige einige Handnäharbeiten.

Um 18:37 Uhr fahren wir nach Kleefeld zu einer Einladung bei meinem ehemaligen Ausbilder, der jetzt im Ruhestand ist. Lucian Freud Postkarte und Bründelmeyer im Gepäck. Die anderen Gäste, unsere Nachbarn quasi, fahren mit uns in der Straßenbahn. Es gibt Rouladen und Rotkraut. Die Einladung dauert länger, die Gespräche geben es her. Ich trete in ein Fettnäpfchen als ich sage: Einzelkind sei keine artgerechte Haltung. Natürlich weiß ich, dass es manchmal nicht anders geht, aber zu sagen, ein Kind, das reicht doch wohl, da ist dann auch mal Schluss, habe ich etwas entgegen setzen wollen. Wir fahren Taxi zurück und sind erst um 2:20 Uhr zuhause.

19.01. Etwas basteln, dann ziehe ich mir schnell was über und hole ich mein gepresstes Buch ab.

Nachmittags nähen mit einer Freundin. Sie lobt meine durchtrainierten Beine und das ist ein Lob, was runter geht wie Öl: Das Lob einer Freundin. Sie hängt etwas in die Seilen aufgrund eines nächtlichen Exzesses, der morgens an der Döner-Bude endete, aber sie zieht die Nähsession durch. Hart im Nehmen. Gefällt mir. Erst wird eine neue Schlafbrille für Stephan genäht (Andrea, Du wirst die Stoffe wiedererkennen)

Schlafbrille 1 Schlafbrille 2

und dann näht sie mir noch einen Rock. Ich habe diverse Stoffreste an einen abgetrennten Sweatshirtbund gelegt. Das steckt sie zuerst und näht es dann alles und ich bin begeistert. Ein herrlicher Nähnachmittag. Hier die Nähreste…

Schlafbrillenreste

Suki, der neue kleine Wippetmischling, der aussieht wie Scratch aus Ice Age und ich lernen uns etwas besser kennen. Flirten mit Hunden macht mir sehr viel Spaß und ich bin auch recht erfolgreich und Suki ist auf meinen Schoß und in meinen Armen.

Die Hütchenlehre

Am Wochenende wurde immer Breaking Bad geschaut und wenn das zu aufregend wurde eine Folge Cesar Millan dazwischen zum Runterkommen. Daneben nur gegessen und in der Bastelsauna gewesen. Zeitung lesen gehört dazu. Ich bin traurig, dass der Skateboardladen auf der Limmerstraße schließt. Wenn nicht hier, wo dann kann man so einen Laden machen mit dem Küchengartenplatz und den Skatern vor der Tür. Kaufen die alle im Internet? Wie unsolidarisch. Ich gehe jetzt ab und zu zu Denn’s einkaufen und hier scheint sich der Aktionismus gelegt zu haben. Ich habe es nie verstanden und war immer dafür Onkel Rewe zu entglasen statt hier seine vermeintliche politische correctness auszuleben. Ich weiß nicht, ob es unanständig ist, wenn man länger als 48 Stunden nur im Nachthemd ist. Ist mir auch egal. Ich kann am Ende des Wochenendes etliche neue Kreationen mein eignen nennen. Hütchen 2014. Soll ich sie durchzählen? Das ist wohl zu zwängig und ich verbiete es mir selber.

Montag, 05.01. Ich habe einen komischen Traum. Mein Kollege hat sich heute Nachmittag einen Termin eingetragen in einer Unterhaltssache, die ich ihm mal vermittelt habe. Der Typ kann viele Kinder machen mit verschiedenen Frauen, aber kein Unterhalt zahlen. Ich träume von diesem Termin, dass so eine Art Großmediation stattfindet mit der ganzen Verwandtschaft, die ich mir natürlich ausdenke. Tanten, Babies mit Wickeltischen, haufenweise Mäntel und Sachen liegen überall herum u.a bei mir im Büro und meine Kollegin sitzt mit einer dieser Tanten an meinem Rechner. Ich flippe aus und sage, hier gäbe es sieben Rechner in der Kanzlei, warum sie ausgerechnet an meinem sitzen müsse. Sie darauf, ich hätte es ihr angeboten, dass sie ihn nutzen könne. Ja, das würde für sie gelten, aber nicht für das Familientreffen und jetzt raus hier, ist meine Reaktion. Meine Tür hat im Traum einen Glaseinsatz und ich sehe, dass immer noch fremde Sachen in meinem Büro zurück gelassen wurden u.a. eine Tüte mit gebrannten Nüsse so wie wir sie zuhause hatten vom Christkindlesmarkt in Nürnberg. Ich pfeffere die Tüte von innen gegen das Glas und die Kollegin sagt, so sei es also, wenn ich wütend werde. Ich kann an diesem Tag der Kollegin nicht unvoreingenommen begegnen, obwohl sie natürlich unschuldig ist an meiner Verarbeitung der Dinge.

Morgens kommt die Querulantin und will gute Stimmung machen. Sie wisse jetzt, wo ich meine schicken Kopfbedeckungen her habe (und meint das Hutgeschäft unter uns). Ich beschließe, dass ich dieses Hütchen nie wieder aufsetzen werde. Zu dekorativ. Ich sage ihr: so sei das manchmal mit dem Wissen. Der türkische Mandant spricht davon seine Frau umbringen zu können. Nach dem Wochenende Breaking Bad kommt mir das naheliegend vor. Schön in der Plastiktonne in Säure auflösen das Problem. Dabei fällt mir ein, dass mein erster Mandant den ich überhaupt hatte und der jahrelang bei mir war und arbeiten ließ, wie Jessy Pinkman aussah wie aus der Serie Breaking Bad, der Meth-Koch-Assistent von Walter White. Abends mache ich Yoga „absolute beginners“. Schön knallvoll mit fast 30 Teilnehmern. Mir tut es richtig gut nach den Bändern und der Ballettstange, schön langsam sein und Dehnen. Nach dem Kurs unterhält sich ein Pärchen. Er sieht aus wie ein Langweiler. Sie würden allen spüren, Schultern, Arme. Er dann: ja, das komme von der sitzenden Tätigkeit. Nur Büro und Auto fahren. Kenne ich nicht das Problem. Ich habe weder mit dem Rücken noch der Beweglichkeit Probleme und bin schön viel an der frischen Luft mit meinem Fahrrad. Glücklich radele ich nach Hause.

06.01. Morgens kommt der nette Mandant, der fast 25.000,- abschreibt, weil er ein guter Mensch ist und die Einnahmen nicht so nötig hatte. Ich kann neben Betreuten auch betuchte und politisch korrekte, steinreiche Alkoholiker gebrauchen. Die passen in mein Portfolio oder wie man das nennt. Danach arbeite ich wieder an meiner 50-Minuten-Taktung. Die Betreute in spe erzählt mir ihr ganzes Elend, was sie alles seit 16 Jahren durchmacht und an Ungerechtigkeiten erleidet. Ich stoppe dann nach der Zeit, fasse das Wesentliche zusammen und traue mich durchaus ein paar Katastrophen und Lebensängste zu relativieren. Ja, das ist mein Therapieansatz. Ich sei in Vorleistung gegangen durch das Gespräch, jetzt sei sie erst mal am Zug und müsse Freitag zu der Rechtspflegerin und dafür sorgen, dass ich eingesetzt werde. Der Wind nervt und ist ein Feind der Hüte. Ärgerlich reiße ich sie mir dann vom Kopf bevor sie mir vom Wind heruntergerissen werden. Ich fahre mit dem Fahrrad nach Ronnenberg und verfahre mich auch noch, weil ich wie in Trance fahre, macht nichts, bin trotzdem zu früh beim Termin. Ich denke immer, da brauche ich 30 Minuten, dabei sind es nur 15. Kann die Zeit bei Rossmann überbrücken, außerdem ist meine Betreute auch zu früh. Das passt zusammen und wir können früher anfangen. Ich gehe an die Tür, weil der Mann vom sozialpsychiatrischen Dienst etwas träge ist. Er fragt zu Beginn meine Betreute, ob sie gerne in Empelde lebt oder lieber eine Villa mit Blick auf den Maschsee? Was will er? Ich sage: klar, deswegen schicke ich sie ja in diese Tagesstätte (wegen der Verlängerung dieser Maßnahme tagen wir heute), damit sie dort einen reichen, alten Knacker kennen lernt. Als ich zurückkehre und wir vollständig sind, fällt mir ein, dass er immer vergisst das nicht-stören-Schild in Gestalt eines roten Ampelmännchens außen an die Tür zu hängen und erledige das gleich mit und sage ihm, Hotelschild raushängen, richtig? Ich kann hier anfangen. Er kommt über die Immobilien nicht hinweg und will über Häuser im Harz sprechen, die man jetzt günstig kaufen könne, jetzt wo die TUI sich zurück gezogen und die Wohnungen frei gegeben habe. Etliche Freunde von ihm hätten da gekauft, so Baujahr 1988. Was redet der Mann die ganze Zeit. Meine Betreute und ich freuen uns, dass wir uns mal wieder sehen. Gegen die Migräneattacken schlage ich ihr TCM vor. Sie bewundert mein neues Fahrrad als es vorbei ist und wir unten vor der Tür stehen. Nachmittags kommt die Frau mit der geilen Sprache. Faule Kerle, sage ich nur. Die schleppt jetzt immer ihren Freund an. Für den bin ich auch nicht zuständig. Der soll jetzt mal sich um das Betreuungsverfahren kümmern. Ich schreibe ihm auf, was zu tun ist. Er macht langsam meine Betreute wuschig. Das kann ich auch nicht zulassen.

Dann kommt die neue Betreute und wir kämpfen uns durch den Rentenantrag. Sie ist 100%ig und ganz genau und es gehört zur Therapie, dass ich ihn ausfülle mit meiner Sauklaue und durchstreiche und Pfeile mache, aber ein professionelles Anschreiben und alles Wichtige chronologisch darstelle. Ja, das kann ich. Es sieht chaotisch aus, aber der Kopf ist es nicht. Kann sofort in jeden Text eine Gliederung rein machen. Meine Freundin hat mal behauptet, da sei ein Zusammenhang. Bei ihr, wenn der Kopf sehr chaotisch ist, braucht man eine strenge äußere Ordnung sonst dreht man durch. Ich würde das fast unterschreiben. Als ich gelähmt war, wollte ich meine Sachen wegschmeißen. Ich war überfordert mit dem Chaos. Das bin ich in gesund nicht. Wir lachen viel und bringen das Schreckliche der Antragsflut hinter uns. Beim letzten Mal ist sie von der Rentenversicherungsstelle wo sie zur Beratung war weggegangen und hat eine Überdosis Pillen geschluckt. Auch darüber kann ich lachen und sage, soll ich jemanden vom Begleitservice der üstra herbestellen um sie nach Hause zu bringen oder auf andere Gedanken. Sie geht und alles ist gut, weil ich es erschaffe. Den Eindruck habe ich. Ist keine Allmachtsphantasie. Macht Cesar Millan auch mit den Hunden. Die Besitzer steigern sich immer in das unerwünschte Verhalten rein, wie aggressiv werden bei einem anderen Hund, visualisieren das, dann passiert ist. Er macht das Gegenteil und dann passiert das. It’s all about the energy, you are projecting.

Abends wieder voller Sportkurs. Das sind diese Groupon-Gutscheine. Ich turne ohne Matte. Ich bin ein harter Brocken, kommentiert das die Kursleiterin. Ich sage: weniger putzen, weil man die sonst mit Mattenreiniger abwischen muss. Ich bin auch als erste fertig und verlasse schon die Umkleide als die ersten Teilnehmer reinkommen. An solchen Kleinigkeiten merke ich, dass ich schnell bin, die Schnellste. Zwar viel Kram, aber als erste auf dem Fahrrad und zuhause während andere sich noch umständlich umziehen.

Ich erreiche Herrn PM nicht und wir haben Morgen Wohnungsbesichtigung, Kostenvoranschlag für Umzug. Morgen ist auch Frist zur Klageerwiderung auf die Räumungsklage. Da muss ich auf Zeit spielen und Fristverlängerung beantragen. Ich bin genervt, dass ich den Kerl nicht erreiche. Abends fällt mir auf, dass ich mich doch nicht mit den Eltern eines Betreuten bei der Psychiaterin treffe, sondern mit einem anderen Betreuten beim Gericht. Hier sollte die Betreuung aufgehoben werden und jetzt haben wir doch noch 2 Jahre in Aussicht bis der Aufenthaltsstatus gesichert ist. Hey, Planungschaos. Ich versuche Herrn G abends um 22:15 noch anzurufen, dann weiß ich, es hilft nur sofort ins Bett gehen und schlafen.

08.01. Toller Traum. Hat mit Betreuungen und übermäßig essen gehen zu tun. Neuer Betreuter lädt mich ein. Hat Geburtstag und die Betreuung ist neu. Piekfeiner Laden, schwule Bedienung. Er bestellt Champagner und irgendwelche Häppchen. Am nächsten Tag bin ich wieder in dem Laden und völle, d.h. ist bekomme das große Frühstück und dann überraschend noch ein Hauptgericht und esse das auch, überfresse mich. Ich erkläre, dass der Laden teuer und spießig sei und wir da auch selten reingehen. Wir seien vor 10 Jahren mal dort gewesen und ich dann gestern und heute halt wieder. Eine schlimmer Spießerfamilie mit Kindern, die nicht neben uns sitzen will. Ich bin mit Stephan und meiner Mutter (glaube ich). Dann stellt sich heraus, mein Betreute, den ich gleich einweisen werde, hat für gestern eine Rechnung über 900,- € bekommen, weil das zahlen mit der Karte nicht geklappt hat. Was die Salznüsse haben 7,- € pro Portion gekostet? (und eine Portion bestand aus 4 Nüssen, also wir haben ca. 10 Portionen verbraucht). Machen Sie die denn selber? Ah, schälen, rösten, salzen, so wie im Kochbuch meiner Großtante? Das hätte ich auch mal gemacht. Ach so und dann in flüssiger Butter, damit sie goldgelb werden. Interessant. Ich lasse den Chefkoch antanzen und erkläre ihm, dass meiner nicht geschäftsfähig war und gleich von mir eingewiesen wird. Dann kann ich auch ein entsprechendes ärztliches Zeugnis holen. Ich schlage ihm vor, dass ich den Drink zahle, den ich gestern selber bestellt habe und sie den Rest ausbuchen. Das passiert dann und ich bekomme ein Storno für 2 Rechnungen und es kostet statt 900,- € nur 30,- €. Ich sage dem Laden, nichts für ungut. Wir würden auch mal wieder Essen kommen. Ist das Betreuung gepaart mit schlechtem Gewissen wegen Essigbrätlein. Ich weiß es nicht.

Morgens erreiche ich keinen meiner Termine und bin pessimistisch. Bei Herrn G rufe ich bei der Arbeit an. Er hat Spätschicht. Das ist ein gutes Zeichen. Ich erkläre denen, dass ich einen Termin mit ihm habe und ihn leider nicht erreiche. Auf nach Badenstedt. Der Wind nervt wieder. Ich überlege mir, wie genial der menschliche Kopf geformt ist, dass Hüte überhaupt halten. Wäre er nicht so wie er ist, breit in der Mitte, würde das gar nicht klappen bei einer anderen Form. Auf den letzten Metern überholt mich der Wagen des Sozialunternehmens. Ich erkenne ihn an der Schrift und denke: perfektes Timing. Als Herr PM aufmacht und die Besichtigung stattfinden kann, bin ich happy. Der Chef ist ein älterer Türke mit vielen Muskeln und Glatze so um die 50. Optisch gefällt er mir sehr gut und auch er schaut mich interessiert an und lässt mich immer betont vor. Er hat ein Hulk-T-Shirt an, was seinen Typ unterstreicht und interessant senkrechte Furchen am Hinterkopf. Wenn Männer sehr massig sind, haben sie diese Querfalten am Schädel. Die gefallen mir auch sehr gut. Hier kann ich die Ursache nicht anatomisch ausmachen. Es sieht aus, als sei er von Freddy mit seinen Messerfingern angegriffen worden und das hätte tiefe Narben hinterlassen. Wir besichtigen alles. Die 8 Keller- und Garagenräume voll mit Bastelkram und das Gartenhäuschen und die vollgestellte Wohnung. Die Jungs sind Profis. Als sie nach Haustieren fragen und sagen, dass er die Katze selber umziehen muss machen ich meinen besten Spruch des Tages: “Haben Sie gehört, Herr PM, für den Umzug der Katze sind Sie verantwortlich. Die Herren sind nicht Siegfried und Roy“. Die Vorstellung belustigt mich sehr, dass der muskulöse Türke und sein jungen, großer deutscher Kollege mit der Katze von Herrn PM als Parodie auftreten, aber lassen wir das.  Zwischenzeitlich ruft Herr G an, der den Termin auf dem Schirm hat und die bei der Arbeit haben auch Bescheid gesagt. Klappt also doch alles wie am Schnürchen. Schlafen ist die beste Medizin. Nachmittags habe ich meinen ersten Augenarzttermin. Auf dem Fahrrad mache ich mir bewusst, wie wichtig mir das Sehen ist. Früher gab es ja dieses Gedankenexperiment blind oder taub. Das wäre bei mir keine Frage. Stille mag ich und Geräusche oder auch Musik bringen mir nicht so viel. Klar tanze ich gerne, aber auch immer seltener und das kann man vielleicht trotzdem. Man könnte ja vermutlich Schall spüren und auch innere Musik hören, wenn man vor sich hin summt, aber ohne Augenlicht, keine Hütchen, kein Leben. Als es so weit ist, unterbreche ich die Arbeit und fahre ich erneut an diesem Tag in die Innenstadt. Ich dachte, dass ich mir in der schicken Praxis am Steintor einen Termin gemacht hätte, die ich aus einer Betreuungssache kenne, bin aber tatsächlich woanders angemeldet. Erst der Sehtest. Ja, Brille habe ich dabei. Wird ausgemessen. Ich trage sie nicht. Dann bekommt man Zettel was man alles an Untersuchungen kostenpflichtig machen lassen kann, u.a. Augendruck messen. Das seien alles keine Kassenleistungen und 2% leiden darunter, mit zunehmendem Alter über 7% und macht das Auge kaputt. Ja, aber Aufnahme der Netzhaut um zu sehen, wie gut die durchblutet ist. Ich äußere Zweifel. Das soll ich mit der Ärztin besprechen. Das dauert noch eine Weile. Ich habe mir in der Zwischenzeit alles durchgelesen und mich selber entschieden nur den Augendruck die Basisuntersuchung ohne Gesichtsfeldmessung (noch genauer) machen zu lassen und verkünde der Ärztin, dass mir alles andere überkandidelt vorkommen würde. Sie lacht. Ich ergänze, dass meine Netzhaut bestimmt prima durchblutet sei und ich auch keine organischen Probleme mit Blutdruck hätte. Sie fragt nach Erkrankungen. Wir besprechen das. Sie bestätigt meine Brillenstärke, in der Nähe bin ich 1 Dioptrin weitsichtig und in der Ferne auch und daher 2, die werden addiert. Weniger dürfe es nicht sein und wenn das schlechter wird, werde ich die schon benutzen meine Brille. Ich sage, es sei meine Hoffnung, dass ich sie neben mir auf dem Sofa ablege und mich draufsetze und das Thema damit erledigt sei. Sie lacht und sagt, dass ich dann eine neue kaufen müsse. Ach. Sie macht mir Tropfen rein, die brennen und sagt dann, dass der Augendruck total normal sei und der Sehnerv gut aussehen würde. Ich daraufhin: super, dann sehen wir uns in 10 Jahren. Sie lacht wieder und erzählt mir, was ich schon gelesen haben, dass die Vorsorge alle 1-2 Jahre empfehlen. Ich sei erwachsen und müsse das entscheiden. Ich sage, klar und mein Körper besteht aus mehr als Augen. Auf dem Rückweg halte ich bei Artservice mit meinem Bildband „Baden-Württemberg in Farbfotos“. Hier habe ich Collagen gemacht und will das Buch quasi neu bestücken. Erst wollte ich das von Waniek in Wien machen lassen und Stephan sagt, warum nicht Hannover. Ich frage bei einer Industriebuchbinderei an, die nicht helfen können und da fällt mir Laura ein, meine ehemalige Atelierkollegin. Jetzt bin ich am 16. zum Buchbinderkurs angemeldet und sie hilft mir mit meinem Projekt. Dass ich einmal Bücher machen würde, ich als selbsternannte Buchhasserin, wenn mir das einer erzählt hätte….Es ist wie ein Ex-Nazi, der die Seiten wechselt.

Abends wieder Yoga und meine Kopfhaut juckt wie verrückt, so dass ich die Übungen unterbrechen und vehement kratzen muss. Haare sind gewaschen. Das ist mir peinlich. Habe ich doch Läuse? Danach jucken noch andere Körperregionen, aber richtig krass. Keine Ahnung was das ist. Bei der Entspannung merke ich mal wieder, dass ich echt passiv sein kann. Ich höre, wie Mikael vielen anderen Frauen sagen muss, dass sie mal loslassen und entspannen sollen, dass er das macht, was er macht in dem Moment und sie nicht dagegen arbeiten der festhalten sollen.

09.01. Heute geht es nach einem halben Tag Arbeit nach Wien. Bin in Vorfreude. Es ist die zweite Heimat. Da gibt es keinen Zweifel. Bin gespannt auf das Apartment und Sunlas Atelier. Sie hat mir schließlich Atelier beigebracht, seinerzeit.

Habe auch wieder komisch geträumt, dass wir mit 2 anderen Paaren im Urlaub sind und Partnertausch machen für Fotos. Die anderen Frauen tragen meine Kette, wobei sich herausstellt, die musste ich ihnen schenken, weil sie hinten ein Erbstück als Verschluss eingearbeitet hatten. Als ich dran bin mit einem Schulfreund von Stephan, den ich ganz abscheulich finde, besteht der seine Liebe zu mir und sagt, dass er mir das habe sagen wollen, als ich von Stephan getrennt war, seinerzeit. Ich sage, wir waren nie getrennt und argumentiere das beim wach werden. War das der Konflikt von gestern Abend? Bestimmt.

Es gibt eine bestimmte Hutphilosophie, zumindest bei mir oder wie soll ich sagen. Warum versuchen alle die Kunst zu verstehen und nicht den Gesang der Vögel, sagte einmal Pablo Picasso und Recht hat er. Stephan versteht mich. Wäre auch doof, wenn nicht nach so vielen Jahren des aufeinander Sitzens. Beide Hütchen Outfit 05.01. und 06.01. sind Hütchen 2014. Das eine ist mir zu dekorativ und ich will es tendenziell loswerden. Das andere mag ich. Stephan erkennt, das hat seitlich eine kleine braune Schleife, weil ich damit einen ernsthaften Hut andeute und zugleich verarsche und das ist tatsächlich was ich mir dabei denke. Meine Familie z.B. kann das nicht. Die tappen immer im Dunklen, was ich mir angeblich bei irgendwas gedacht habe.

Das Ende und der Anfang

Letztes Wochenende des Jahres. Nur basteln und in der Wohnung hocken. Herrlich. Die Fundstücke aus dem Bayreuther Trödel (oder zumindest 2 davon) werden gleich zu Schmuck gemacht.

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Mein Jahresresümee fällt positiv aus. Das Beste aus 2013:

1)      Meine Eierstockzysten sind weg (zumindest derzeit). Das ist der Wahnsinn. TCE bringt’s und ich habe nicht daran geglaubt, als die Ärztin sagte, sie bekommt sie weg. Es war nicht der Glaube.

2)      Dass ich mein Atelier gekündigt habe, wo ich nicht mehr hingegangen bin. Beste Entscheidung des Jahres und stattdessen den Blog als Tagebuch habe.

3)      Den Ausflug nach Kopenhagen ins Noma im März 2013 zu sechst. Beste Reise und beste Aktion des Jahres.

Auch zu Hause ist der Morgenhimmel schön.

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Samstagabend treffen wir uns mit Freunden und hängen dann bei Rotwein in unserer Küche ab. Ein mit den Freunden befreundeter Musiker kommt dazu und lässt seinen Frust raus über seine Beziehung und die „Kackbratzen, von denen er sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt“. Gemeint waren die Kleinkinder. Die Geschichten um eine bevorstehende Unterernährung eines 2-Jährigen, für den er nicht mehr den Tisch decken würde, weil er sowieso nicht esse, hören sich schlimm an und alle haben ein mulmiges Gefühl als müsse hier bald das Jugendamt informiert werden. Sonst ein sehr netter Abend. 2 Kleider von mir finden ein neues Zuhause und das freut mich sehr. Sonntag kommen die Freunde noch kurz mit ihren Kindern vorbei auf ein paar Lebkuchen und Kaffee und Tee und wir freuen uns die beiden Sonnenscheine kurz zu sehen bevor sie auf die Autobahn müssen. Wir bauen ein wenig mit Holzspielzeug.  Mehr kann ich nicht anbieten. Bäume gibt es viele, aber es sind zu wenig Autos für eine Autobahn. Ich sage, ich hoffe es sieht es gleich in Wirklichkeit aus, so leer.

Es ist ein tolles Jahr, bei dem zwischen Weihnachten und Silvester auch noch ein Wochenende liegt. Silvester wird überbewertet und könnte von mir aus mit Weihnachten zusammengelegt werden. Ich arbeite vor mich hin und freue mich, dass ich noch ordentlich Briefe verschicke, zumal ich vor Weihnachten schon dachte, ich bleibe auf einem Haufen Briefmarken sitzen. Am 31. stehe ich bei meiner Kollegin freudestrahlend im Büro und sage, ich habe nur noch eine 58er Marke auf meiner Rolle. Das ist super, zumal ich immer noch 55er habe. Ich überlege wem ich noch auf Teufel kommt raus ein paar Zeilen schreiben kann. Eine Betreute kommt mit ihrem Sohn. Das Amt will Geld zurück, weil sie nach Monaten auf den Trichter gekommen sind statt nur das reduzierte Bafög als Einkommen anzurechnen den fiktiven Unterhaltsanspruch gegen den Vater. Der ruft mich zurück, Leiharbeit, verdient nur 10,81 € die Stunde. Er kann von 105 auf 150 erhöhen. Mehr geht nicht. Es muss ein Überprüfungs/-Aktualisierungsantrag bei der Bafögstelle gestellt werden, beschließe ich mit ihm. Mittags mache ich den Laden zu bzw. gehe erst mal in Ruhe einkaufen mit meinem Mann zu Denn‘s. Vegetarische Lasagne nach einem Rezept meiner Mutter mit 1 kg Auberginen. Rundmail zum Jahreswechsel muss her. Wir essen früh und trinken leckeren Rotwein, dann duschen wir 1/2 Stunde. Das Dusche putzen in der Wellnessoase muss sich lohnen. Ich hatte Silvester schon abgesagt, fühlte mich aber nach 10 Stunden Schlaf wieder fit am letzten Tag des Jahres und dachte aber skeptisch, erst mal abwarten, wie es Dir abends geht. Batterie alle und dann doch nur Sofa, aber ich habe Lust rauszugehen.  Wir gehen zu der Party. Der Konflikt von früher soll mich nicht behindern und das ist auch so. Ich bin darüber hinweg. Ich will nicht mehr die Freundschaft, die ich mal hatte, aber es ist kein Groll da. Warum auch?

Es gibt ein astreines 70er Jahre Büffet, stillecht mit Mettigel und Käseigel.

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Gleich zu Beginn gibt es einen Sektunfall mit einer Flasche, die wir auf dem Fahrrad mitgebracht haben, aber das macht ein schönes Foto, was irgendwie nach Tatort aussieht.

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Es sind Teenager in der Überzahl. Es gibt 2 Fraktionen um die Gastgeberinnen. 15-jährige Mädchen, die nuttig aufgebrezelt sind, d.h. Minikleider, die den Hintern kaum bedecken, gerne mit Pailletten oder Goldketten und Lücken im Stoff, haut-farbene Strumpfhosen und Platteauhighheels, die sexy dance moves aneinander üben und welche, die Karohemden anhaben, auch nur mit Strumpfhose, aber dickem Wollpulli darüber, selbstgestrickte Strümpfe an und eher nerdig sind und mit uns Schwimmen spielen. Diese Fraktionen standen sich zu Beginn des Abends im Flur gegenüber, nachdem sie sich in dem Zimmer der jeweiligen Gastgeberin partyfein gemacht hatten. Um Mitternacht gehen alle nach unten, wo in dieser Straße nähe Küchengarten Krieg herrscht. Das kontrastiert zu der Stimmung der Bewohner des Hauses, weil hier das 80jährige Eigentümerpärchen raus kommt und Vermieter und Mieter sich wechselseitig ein frohes, neues Jahr wünschen. Krankenwagen fährt vor. Junges Ding steigt ein. Ist das der neue Partytrend 2014 im Krankenwagen feiern oder lässt die sich in die Korn fahren? Dann Polizei, die mit 80 Sachen durch die Spielstraße braust und eine Batterie von Böllern umfährt, so dass diese wild in alle Richtungen schießen. War das der Angriff auf ein Polizeifahrzeug von dem in der Haz zu lesen war.

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Die Teenagermädchen gehen noch mal ins Haus und tauschen die Highheels gegen Ballerinas aus. Wir spielen eine Runde Activity und ich kann ohne Lesebrille die Begriffe nicht entziffern und male dann derart schlecht und ohne Ideen, so dass ich wesentlich dazu beitrage, dass das Team der Frauen nur ca. 1/3 der Punktezahl der Männer erreicht. Mit Spielehrgeiz war auch 2014 bei mir nichts zu Holen. Das tut vielleicht einer Mitspielerin leid, aber auch das wäre mir egal. Eine der erwachsenen Gäste wiegelt die Mädels auf und mischt sich in Erziehungsangelegenheiten der Gastgeber ein mit der Begründung, sie habe auch schon mit 14 gevögelt. Warum muss die 15-Jährige hier bleiben mit den „Sugardadies“. Damit sind offenbar mein Mann und die anderen männlichen Freunde ihres Vaters gemeint? Das ist wenig hilfreich und eher peinlich. Silvester ist kein guter Tag um auszugehen. Die Veranstaltung löst sich langsam auf, weil alle noch tanzen wollen. Wir schauen kurz ins Fischers zu Sabine. Dort sind jede Menge Gleichaltrige und als ich gehen will und wir schon vor der Tür stehen, aber Missy Elliot läuft und ich mich noch mal hinreißen lassen und eine Runde in Hut und Mantel tanze und dann gehen will, sagt eine sehr große Frau mit dunkler Stimme, die ich vom Sehen her kenne: „Deiner ist noch drin“ und tatsächlich steht Stephan wieder am Tresen. Sie kennt offensichtlich auch mich vom Sehen. Ein runder und ausgeglichener Abend.

Am 1. war ja dies herrliche Wetter. Das Basteln dauert nur kurz, aber meine erste Kette 2014 entsteht.

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Ich wollte nur Sofa, dann aber doch raus mit dem Rad. Ich fahre so gerne mit Sonnenschein durch die lädierte Stadt, gezeichnet von den Partyresten der Nacht. Unser Ziel: das Sprengelmuseum. Heute ist zwischen 13 und 18 Uhr freier Eintritt in die Geisterbahn. House of Horrors. Sind auch andere auf die Idee gekommen und wir müssen etwas Schlange stehen. Divine in der Geisterbahn, wie sie die Hundekacke isst. I like! Wir schauen uns im Keller noch eine Sammlung an, die überwiegend aus Zeichnungen und Lithografien besteht. Der Laden ist voll. Das sollte die öfter machen oder gleich Eintritt abschaffen wie in Manchester und das Ganze über Spenden finanzieren. Dann sind wenigstens mehr Besucher als Angestellten in den Museen. Mein Kollege sagt, dass die ohnehin nur 5 % mit den Eintrittsgeldern abdecken können. Bringt also eh nichts. Dann überlege ich ins Café zu gehen, aber es gibt zu viel Essbares zu hause. Heiße Schokolade, Premiumstollen aus Bayreuth (Bäckerei Nitschke) sowie Vanillefrüchtejoghurt mit Bananen, Klementinen, Walnüssen. Abends die Reste der Lasagne. Ach, geht es uns gut. Dann wieder vor den Fernseher, Breaking Bad Folgen gucken und mit Stephans Hilfe einen Knaller nachbauen „bum, bum Katze 2014“. Etwas Jahreswechselschmuck, aber verspätet. Ihr werdet das Hütchen im Laufe des Januars zu sehen bekommen.

02.01. Ruhig fängt das neue Jahr an. 4 neue Betreuungen in der Warteschlange. Der Kollege hat den Vorratsschrank zugebaut und ich werde bei der Bürogymnastik erwischt.

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Elisabeth Taylor habe ich lange nicht gesehen. Sie hat eine neue Jacke aus grauem Kunstfell, die nicht schließt. Ich habe schon Angst, wie sie auf meine Lesebrille reagieren wird und was ich mir alles anhören muss, aber sie sagt nichts dazu. Sie kommentiert sonst alles. Stephan sagt, sie was zu geschockt. Dafür ist sie der Meinung, dass meine Kette was mit einem amerikanischen Verein, wahlweise mit Außerirdischen zu tun hätte wegen der geometrischen Formen. Das sei immer so. Sie war jedenfalls Silvester im Zaza und ist reingekommen und hat up gedanct. Soll sie da öfter hin? Was meine ich dazu? Es geht um die Mitgliedschaft bei dem Evangelischen Frauenbund. Sie spricht mich darauf an. Wir hatten eine Probezeit für Dezember vereinbart und sie will wohl immer noch. Die gehen ins Wilhelm Busch Museum. Das kostet 4 oder 5,- €. Soll sie da mit? Ich sage, warum nicht, was läuft denn da? Ja, Frau A., schauen sie nach, was da läuft. Ich lese den Titel vor Kaiserreich und Donnergroll, der Simplizisimus im Spiegel der Wilhelminischen Ära oder so ähnlich und sie: „das klingt kompliziert“. Ich kann ihr nur Recht geben. Sie will mir einen Gutschein für Maredo geben, aber die Ofenkartoffeln wären nicht mehr das was sie mal waren. Die wären voll klein. Na dann.

Nachmittags gibt es lange Telefonate mit der Familie. Es geht um ein Treffen im Mai in Stuttgart. Schwierige Familienkiste und alle wollen auf einmal meinen Kollegen kennen lernen, der heilende Hände hat. Das gibt es nicht, der gehört immer noch mir.

03.01. Ich bekomme schöne Gruftiekunst aus der Türkei von Sila. Mit einem altmodischen Rahmen und altmodischer Schrift steht da auf türkisch, „I could like in you eyes forever“ und ein Gruftiemädel hält ein Glas mit zwei Augen drin in der Hand oder „Eating helps me get over my feeling“ und die dunkelhaarige Schönheit mit den langen Haaren isst aus dem Bauch eines Mannes und Blutspritzer sind zu sehen. Das ist gut gemacht und vor allem die türkische Schrift gefällt mir in ästhetischer Hinsicht sehr. Ich fühle mich dick und rund und die Klamotten passen nicht mehr und der Bauch drückt unangenehm. Mag es daran liegen, dass Kiloweise Stollen und Lebkuchen mit Rooibuschtee mit Vanillesojamilch heruntergespült werden. Ich kann es mir nicht anders erklären. Es wird Zeit, dass der Sport wieder einsetzt, auch wenn ich ein Frauenproblem als Ausrede hätte. Ein Betreuter läuft betrunken auf und verarscht mich, dass unten ein Taxi warten würde. Der Fahrer wolle bezahlt werden. Ich will mit runter und so kurz sind die Beine dieser Lüge. Oh Mann, wie bei Grundschülern. Eine andere Betreute hat auch wieder angefangen zu trinken. Lover ist gegangen. Sie sei „nicht mehr sexy für ihn“ oder so was. Jetzt will sie seine Tasche nicht herausgeben und hat sich verschanzt Es droht zu eskalieren. Ich kann eine Sozialarbeiterin hinschicken. Ich bedanke für die Entlastung. Pervers, aber heute ist dann wieder Wochenende. Ich muss das erste mal im jungen Jahr Kollegenverstärkung für Montag anfordern. Langjähriger Mandat türkischer Abstammung will die Scheidung und ich muss ihm erklären, dass er noch nicht mal getrennt lebt im Sinne des Gesetzes. Ein gemeinsamer Haushalt und sich von der Frau bekochen lassen reicht nach deutschem Recht für eine Ehe. Kein Sex haben viele Paare. Wenn er sich trennt, hat er deutlich weniger Geld und muss Unterhalt zahlen. Dafür brauche ich kollegialen Beistand. Wegen der Vorbesprechung komme ich zu spät zum Sport, der Raum ist voll mit altbekannten und neuen Gesichtern. Vorher lag mein Fahrrad umgestürzt da und jetzt schleift irgendwas. Das nervt. Die Bremse geht schon lange nicht mehr und es muss zur Inspektion, aber ich gebe es einfach nicht weg. Ich habe Freude an der Bewegung bei „high five“, wie der Kurs heißt. Mit guter Musik und den Tanzchoreos ist das richtig mein Ding und endlich wird wieder geschwitzt. Larissa war bis morgens um halb 9 im Fischers. Jawohl, das sind die Zahlen, die ich hören will. Würde gerne den neuen Jim Jarmusch Film schauen, auch wenn ich Angst vor Enttäuschung habe. Die ersten Filme waren seine besten. Wochenende und das Basteln kann weitergehen und packen für Wien. Fängt gut an, dieses 2014.