Archiv der Kategorie: Sauerrahmbutter

Alltagsberichte – das Tagebuch

Manische Auslenkung

12.05. Das sind keine Flecken, sondern Mottenlöchern und meine Freundin Heike bracht mich auf die Idee, dass man da was reinfilzen kann, meinte es vermutlich aber anders und ich habe jetzt haarige Muttermale unter den Achseln und Flecken auf der Brust. Dieses Hütchen sei aber mal auffällig, meint der Freund von Isabelle aus der Bar mittags. Das wusste ich nicht, ist ein ganz altes Modell und ich dachte, Hose, dezent, Landgericht. So kann man sich täuschen.

Der psychiatrische Sachverständige ist sehr gut. Er kommt dann doch nur 3 Minuten zu spät und hatte eine Verspätung angekündigt, worauf das Gericht um 15 Minuten vertagt hat. Er findet den Raum nicht, aber ich spreche ihn an. Ich erkläre ihm außerdem, dass er praktisch doch pünktlich war und es erst ab 15 Minuten beim Gericht als Verspätung gilt.

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Er attestiert meiner Mandantin Geschäftsunfähigkeit im Herbst 2011 und sie hat in der Altstadt in einer Boutique für über 8.000,- € Klamotten eingekauft. Die Richterin des Landgerichts als Einzelrichterin ohne Protokollkraft ist seht unsicher. Der Sachverständige führt aus, dass die Umstände des Kaufs, insbesondere vor dem Hintergrund der finanziellen Situation der Klägerin und der unstreitige Umstand, dass die Tochter dabei war und diskutiert wurde, ob sie den Kaufvertrag abschließen könne bei der Beurteilung eine Rolle gespielt haben. 2006 und 2009 sei eine schizophrene Psychose diagnostiziert worden, später mit affektiver Symptomatik. Die schwere depressive Episode im Nachgang als Erschöpfung. Das Olanzepin sei das stärkste Medikament gegen Psychose und dämpfend bei einer Manie was derzeit auf dem Markt sei und zur Verfügung stehe und eine Medikation von 2,5 bis 5 ml seien die Dosis bei einem gut eingestellten Patienten, hier wurden der Klägerin 10-15 mg verordnet. „Wir 5 würden bei dieser Dosis alle sehr lange schlafen“. Das Problem war, dass die Klägerin die Medikation nicht genommen hat und eine fehlende Compliance gezeigt habe, was aber auch typisch für die Krankheit in dieser Phase sei. Seine Kollegen (die behandelnden Ärzte), die er nicht persönlich kenne, könnten das Krankheitsbild sehr gut beschreiben. Er ginge nicht von einem Gefälligkeitsgutachten aus, zumal es sich um ein zweischneidiges Schwert handeln würde, eine solche Diagnose dokumentiert zu bekommen. Sie habe sich in einem Konflikt befunden bzw. hatte einen inneren Dialog, weil sie an der Reaktion der Töchter merken konnte, dass diese sie für krank halten, aber es ihr nicht möglich war nach dieser Einsicht zu handeln. Der Gegenanwalt hat so gute Argumente wie: auf Seite 12 des Gutachtens zitiert der Sachverständige die Klägerin damit, dass der Arzt ihr „hammermäßige“ Mittel verschrieben habe- Für ihn klingt das wie jemand, der genau weiß, was er sagen soll um eine bestimmte Diagnose zu bekommen. Er als Laie wissen doch nicht, ob ein Medikament, was er verordnet bekommt vom Arzt „hammermäßig“ sei. Der Sachverständige sagt, sie sei seit 1979 psychiatrieerfahren und diese Patienten würden sich sehr genau mit der Wirkungsweise der einzelnen Neuroleptika auskennen, wenn die nicht gerade vor 4 Monaten erst auf den Markt gekommen seien. Seine Mandantin, de Ladeninhaberin ist noch geiler und lässt uns wissen, dass sie Maschinenbau studiert hat und auch einige Monate Jura und wisse, wie ein Vertrag zustande komme. Die Klägerin sei nicht krank gewesen, man habe sich prima verstanden und geduzt. Das wird von dem Sachverständigen als geminderte Distanzfähigkeit und Anhaltspunkt für die Manie gesehen, nein, das habe ihr die Klägerin erklärt, dass sie Künstlerin sei und das unter Künstlern normal sei. Außer mir und dem Sachverständigen, sind alle hilflos, was ist das für eine Krankheit und wie lange dauert so eine Phase (zwischen Wochen und Monaten, aber auch einzelne Tage, sagt der Gutachter) und warum merkt man es denjenigen nicht an bzw. es wird ja bestritten, dass sie krank war, weil das hätte die Shopinhaberin gemerkt. Der Sachverständige gibt ein schönes Beispiel, eine Analogie, wie er sagt, dass er zusammen mit einer erfahrenen Betreuungsrichterin vor Kurzem in der Haz gelesen habe, dass eine ihnen bekannte Patientin ein Immobiliengeschäft in der Oststadt durchführt und kurz vor dem Abschluss stehe, Investoren usw. seien gefunden. Die Frau sei am selben Nachmittag eingewiesen worden. Ich treffe mich jetzt mit der Mandantin um zu besprechen, ob wir nicht ins Spiel bringen, dass ich bald Betreuerin werde, weil die denken, dass sie simuliert. Die wissen nicht, welche Anforderung an eine PsychKG-Einweisung gestellt werden und was man da alles tun muss um auf diese Weise eingewiesen zu werden. Außerdem müssen wir noch mal darstellen, dass die Klägerin wirklich über ihren Verhältnissen gelebt hat, weil das „Geld sei ja da gewesen“, dass es sich um die Einnahmen für Monate gehandelt hat, interessierte heute keinen. Die Richterin ist noch nicht ganz überzeugt? Wie das? Eindeutiger kann man eine gestellte Beweisfrage nicht beantworten. Man einigt sich darauf, dass der Sachverständige noch Behandlungsunterlagen der seinerzeit behandelnden Kollegen einholt und sein Gutachten ergänzt. „Zur Zeit sehe es ja ganz gut aus“ für die Klägerin, auch wenn die Richterin „noch nicht 100 % überzeugt“ sei. Manchmal verstehe ich die Welt nicht, aber vielleicht wird ja alles noch gut. Das Ergebnis müsste klar sein. Ich dachte zur Wahrung der rechtlichen Gehörs sei heute verhandelt worden und richtig schlaue Fragen kamen da nicht von der Gegenseite und die Richterin, die manische „Auslenkung“ sich immer diktieren lassen muss, macht mir Kopfschmerzen.

Ich werde wieder fündig und hole ein rotes Baumwollkleid mit einer beige unterlegten Knopfleiste, was mir zu eng ist und 2 Sachen für Steffi, eine soll zu dem grauen Seidenkleid passen. Ägyptische Baumwolle, feinripp, asiatische Gürtel und alte Strümpfe, originalverpackt, neue Nähsets als Kopfbedeckung. Außerdem ein Buch für meinen Schwiegervater, bei dem ich die Widmung nur umändern muss und ein Schlafanzug mit Knaststreifen, schön retro sowie eine Ansichtskarte aus Polen und rosa gefütterte Umschläge. Hier findet man alles. Dieter will nichts zum Geburtstag, aber ich wusste, dass ich hier fündig werde. Ich trage ein altes Schlafanzugoberteil von meinem Schwiegervater, was ich mit der Applikation eines tropischen Fisches leicht aufgepimpt habe zum Sport und liebe es. Interessantes Plakat. Arno Schmidt mag ich, interessiert mich.

Arno Schmidt

Ich vereinbare Treffen mit meiner Mandantin, die bald von mir betreut wird, was wir alles noch aus dem Sack lassen sollen, um das Gericht davon zu überzeugen, dass es doch eine schwerwiegende Erkrankung ist. Oh weia.

Ich erzähle von gestern und dem Auflauf vor der Tür und sage, dass die Landeier geglotzt hätten und schlechte Laune Anfälle bekommen und erklärend, ich hätte ein Sonntagshütchen aufgehabt. Die Steuermitarbeiterin will wissen, was ich unter einem Sonntagshütchen verstehe.

Morgens bemerke ich einen hässlichen Plastikvogel auf einem Ast mit einer Rolle Kabel daneben und denke, Überreste von dem Flohmarkt. Nachmittags ist das Kabel weg und es handelt sich um einen Spaßbewegungsmelder, der lautes und aufdringliches Vogelgezwitscher von sich gibt, wenn man vorbei geht. Ich kriege ganz schlimm Tourette, dass die Zahnärzte keinen Geschmack haben und wir hier ein Geschäftshaus sind und kein lustiges Berlin-Mitte Junggesellinnenabschiedspartymeilenhaus. Ich sage zum Kollegen, er solle das bitte regeln mit unsere Vermieter, weil der Vogel sonst aus dem Fenster fliegen wird.

Ob die Kollegin ihren Markenwelpen bald im Tierheim abgibt oder an einer Raststätte aussetzt. Er nervt, aber es musste ja ein Welpe aus Hamburg mit Papieren sein. Wie bei Kinder, das Kindchenschema wirkt bei mir nicht. Ich würde den mal disziplinieren, wenn er die Erwachsenen nervt, was er tut durch Winselgeräusche, die als Erpressung eingesetzt werden und offenbar uns konditionieren sollen. An der Welpengittertür, die sie vor ihr Zimmer gebaut hat, scheitere ich beinahe. Ist echt schwer zu bedienen das Schloss.

Schön Sport. Paket für den Neffen zu meinen Eltern. Einiges was ich im Laufe der Zeit gekauft habe. Ist billiger als in die Schweiz zu schicken. Wahrscheinlich ist alles nicht richtig und überholt, aber dann liegt das Zeug nicht mehr bei mir herum. Die Enkel sind Himmelfahrt bei Oma und Opa.

Ich merke, dass sie mir das eine Geschenk für Steffi nicht eingepackt haben im Fairkaufhaus und ärgere mich, hole den Kassenbon aus dem Altpapier.

13.05. Komischer Traum. Der Nachbar hat zwei Söhne und der junge sieht aus wie sein Sohn, aber in 3 Jahre alt. Er sei die ganze Nacht alleine gewesen, weil der Nachbar aus war. Seine Ex will auch wieder im Haus leben und wir überlegen, wie das gehen könnte. Uns fallen die Hinterhäuser ein, die es gibt. Auch wir haben eines. Der Umbau in guter Qualität kostet nur 250.000,- €. Klein, reicht aber für eine Person. Ins fusskalte EG kommen meine ganzen Kleider und oben habe ich einen Wohn- und Schlafbereich. Gut, Stephan will das ich etwas aussortiere, weil ich jede Woche 3-4 neue Sachen vom Fairkaufhaus anschleppe und ich stelle mich offenbar zumindest im Traum auf meinen Auszug ein. Nur ich und meine Altkleider, schön verschoben.

Zu dem Thema passt mein neuer Rock von Andrea. Er ist ein Traum. Die alten, geerbten Stoffe von Käte, die so schön nach Eurythmie und Waldorfschule ausschauen und was sie daraus gemacht hat mit dem schönen Innenfutter (glänzend-braun und gepunktet) sowie den tollen, alten Knöpfen, wahre Schätze, die sie mir da drauf genäht hat. Alles so passend. Dazu gibt es 5 weitere Röcke, um meine Scheidung voranzutreiben. Trinke zu lange Kaffee mit meiner Schneiderin, die sich ein neues Handarbeitshobby zugelegt hat. Das Sticken untypischer Motive z.B. der Röntgenaufnahme einer Hand. Das finde ich super, weil ich eh dachte, dass man z.B. den Omas auch erklären muss, dass sie statt Socken Patricia Waller mäßige Kunst stricken sollen oder blutige Tampons filzen nach meinem Vorbild. Man muss sie nur anleiten, dann streckt große Kunst in den Techniken und sie machen nicht so geschmacklosen Kram, den keine will oder kauft. Schaffe mein Arbeitspensum nur mit Mühe und Not und nachmittags sind Viele nicht mehr da. Das hat man davon, wenn man morgens im Café herum lungert.

Was ich noch schaffe ist mit dem Bestatter zu telefonieren. Meine Tante hat wegen der Einäscherung meines Cousins eine Mahnung bekommen und was damit sei. Er wird das übernehmen, selbstverständlich. Das seien Missverständnisse gewesen. Na dann. Hat er auch Geld für bekommen.

Nein, das waren nicht die Stadtwerkemitarbeiter, die beraten wegen Verbrauch und dann noch anrufen, ob man zufrieden war mit der Beratung. Die Vertragskündigungen zum 30.06. flattern ins Haus.

Herr PM braucht Taschengeld. Er ist deutlich psychotisch. Ich soll 300,- € überweisen, wovon? Die normalen Zahlungsverpflichtungen laufen weiter. Melde mich beim neuen Energieversorger. Wofür braucht er so viel Geld? Das Essen schmeckt nicht und hat wenig Vitamine. Er sei nur noch da, weil die ihm ein billiges Gutachten erstellen zur Wiedererlangung seines Führerscheines. Das sei der Trick. Spreche ihn an auf Ausgangssperre wegen Rückfall. So nennen die das. Er war was trinken, aber nur 3 Biere und kam mit 0.0 Promille wieder, weil er spazieren war. Wir können nicht vertraulich sprechen am Telefon und seine Nachbarn sind auch nicht so nett, wie sie immer tun. Wenn er leise ist, hört er, was sie sonst noch sagen. Den Schlüssel (nur einer), der unfrankiert und in einem Plastikumschlag der Citypost nach einer Beschädigung des Umschlages heute ankam, soll ich ihm gefälligst vorbei bringen.

Schlüssel unter Folie Hier offen!

Mache ich aber nicht. Einschreiben, oder er holt ihn vor der Entlassung oder zum Arztgespräch komme ich raus. Die probieren neue Medikation und ein Gespräch hat diese Woche wenig Sinn. Bin jetzt für nächsten Dienstag verabredet. Sage der Psychologin noch, dass ich ihm keine 150,- € überweise, wie die Sozialarbeiterin vorschlägt, sondern nur 50,- €. Er hat am 30.04. 200,- € abgehoben. Hätte er mal sparsamer wirtschaften müssen. Katze muss er auch bezahlen. Ich sage ihr, dass sie mal besser kochen soll und sie lacht und ich hatte ihm die Vorteile von Vollpension erklärt und dass er immer sagen soll, er hat Hunger und er kann wohl tatsächlich doppelte Portionen bekommen.

Frau Yoga hat die kranke Tochter zuhause und der Mann will sie zum Arzt schleppen, dabei kann sie das beurteilen, ob der Urin gut ist bei einer Blasenentzündung, weil sie MTA war. Ich sage, abklären und zum Arzt ist doch nicht per se böse und sie soll sich versuchen mit dem Vater zu einigen und vor allem will ich das nicht alles durchdiskutieren, wenn die Tochter mit hört. Sie nervt mich.

Ich gehe nicht zu der familienrechtlichen Veranstaltung meines Kollegen. Das reicht mir mal wieder für heute.

Abends gehe ich zum früheren Kurs, weil sich Besuch angekündigt hat und ich Linsen mit Süßkartoffel kochen will (bin voll auf dem Linsentrichter). Der Kurs nennt sich „move and dance“ und ist voll und wir machen eine Burlesque-Choreo zu Perhaps von den Pussy Cat Dolls. Ich trage gleich einen der Röcke von Andrea und fühle mich darin sehr wohl. Es macht Spaß und ist auch durchaus etwas für die Muskeln und ich tanze ja gerne und nehme mich nicht so ernst dabei und verarsche es, dass man so überrascht gucken soll und diese ganzen Pin-up Posen, ich lockere es auf und mache mich, aber auch Impro. Ich glaube, dass ich öfter hingehen werde, anders komme ich ja nicht zum Tanzen. Martin kommt um 21:30 und erlebt mich nicht mehr lang. Ein Typ ist ihm am Flohmarkt in den Wagen gefahren mit seiner „Reuse“ und wollte absahnen, weil er sah, dass Martin einen Firmenwagen fährt. Das läuft nicht, hat Martin ihm erklärt. Ich freue mich immer Martin zu sehen, man kann sich super mit ihm unterhalten und er ist einfach nur klasse. Bei Tel Aviv fällt ihm gleich dieser Koch ein, der Vorspeisen macht. Drei Mal darfst Du raten, Claudia, wen er meinte.

14.05. Fairkaufhaus. Die Ware ist für mich an der Kasse deponiert zusammen mit meinem Prospekt von Sachen für draußen oder unterwegs. Ich sage, ich bin alte Strickware und nicht wandern. Das gehört wem anders.

Herr Ihme ist nicht zuhause. Die Zählerablesung kann heute auch nicht passieren, weil er die Stadtwerke zum 20.05. gekündigt hat und dann abgelesen werden muss. Ich rufe die Oma an, sie brauchte um Ostern herum mal einen Monat Ruhe. Er geht wohl zur Zeit immer zur Pflegemutter und pumpt die an. Ich erkläre ihr den wichtigen Termin nächste Woche und sie will es ihm schreiben, weil sie ihm 20,- € zum Wochenende hin schickt.

Frau Sri Lanka ist fast eine Stunde zu früh beim Jobcenter. Ich gehe dann auch etwas früher, dass sie nicht so lange warten muss, vielleicht nimmt uns der Sachbearbeiter auch früher dran. Der ist nett und hat auch etwas Geschmack. Ein Fisch-Mob Plakat an der Wand und eine alte Schultafel mit Elefanten und einer Sprechblase am Rüssel mit „Tröööt“ außerdem ein alter Single-Plattenständer, in den die Flyer einsortiert sind. Er sieht es immer so wie ich. Sie arbeitet ausreichend und muss auch die Kinderbetreuung hin bekommen. Der Sohn bekommt Schwimmunterricht und will Schlagzeug lernen. Sie bekommt nicht jede Stunde bezahlt und will noch mal 30 kg abnehmen und bei Mc Donalds anfangen. Seit wann muss man das schlank sein? Er druckt ihr ein Stellenangebot vom Kentucky Fried Chicken aus. Das kennt sie nicht, sympathisch. Im Fahrstuhl stellt sie fest, dass mein Mann auch ganz nett sei und ich den grüßen soll. Ja, mache ich und sonst hätte ich ihn nicht genommen.

Auf der Benno-Ohnesorge-Brücke treffe ich Herrn Ihme. Es ist 11:21 und in 9 Minuten macht die Arztpraxis zu. Gut, dass er schnell zu Fuß ist. Ich frage ihn, ob er gerade vom Jobcenter kommt und ja, er hat sich Lebensmittelgutscheine geholt und auch sonst „was geregelt“. Ob wir Kaffee trinken können. Er könne seinen auch bezahlen (das ist ja verlockend). Ich sage ihm, nein, wir gehen schnell in die Arztpraxis bevor die schließen. Sage ihm dann, dass 117 auf seinem Konto waren (Nachzahlung, die ich erstritten habe) und ich mir aber die 35 genommen habe, die er mir geschuldet hat und 47 an die Krankenkasse für die Befreiung überwiesen habe. Er rastet aus. Ich sei an sein Geld rangegangen, das soll ich nie wieder tun. Er habe das selber vorgeschlagen, dass ich es mir nehme und das war mein Geld, was er mir geschuldet hat. O.k. er kriegt sich wieder ein, aber das Geld an die Krankenkasse hätte ich nicht zahlen sollen. Doch, das musste sein, weil er auch Medikamente braucht und schon 3 mal im Krankenhaus war und ich hier auch ein Wörtchen mitzureden haben als Betreuerin, ohne mich hätte er die 117 nicht bekommen. Er will im leeren Wartezimmer wissen, ob ich ihm nicht Geld geben und mir das wieder nehmen kann. Nein, er kann es selber holen und mir welches bringen zwecks Einteilung, 29,- müsse ich ihm nicht einteilen, sagt er. Warum er überhaupt jetzt Geld brauche, er habe doch gerade Lebensmittelgutscheine geholt. Ja, aber er brauche Tabak. Ich werde ihm jedenfalls nie wieder Geld von mir geben, nach diesem Auftritt. Das sage ich ihm auch. Er braucht ein Schlafmittel und der Arzt hat keine Umsonstpackungen mehr und bestätigt, dass die Befreiung schon ganz richtig gewesen sei und will ihm Attest wegen Umzugsnotwendigkeit erstellen. Am 28.05. ist der Arzt im Urlaub. Wir bekommen die Injektion mit und eine Überweisung.

Fluanxol

Heute in 2 Wochen bin ich in Paris. Da bessert sich meine Laune. Die Orchideen sehen prächtig aus. Sie mögen keine Sonne, erfahre ich. Wachsen im Dschungel auch unter Bäumen und stehen daher am Nordfenster und bekommen nur ein Schnapsglas Wasser pro Woche. Ich sage, dafür habe ich doch Pflanzen, weil ich sie gerne gieße. Ich will Herrn Ihme bei mir einen Kaffee ausgeben, weil das seinen Geldbeutel schont. Auf einmal hat er es ganz eilig. Um 11:45 Uhr ist das Konto leer. Wollte mich Herr Ihme verarschen mit dem Vorschlag, dass ich ihm Geld geben soll und es mir wieder holen? Das merke ich mir und der wird nächstes Mal richtig auf Granit beißen. Am 16.05. bekomme ich den Bescheid, dass er sich am 14.05. ein Darlehen über 120,- € geholt hat. 90,- € Lebensmittelgutscheine und 30,- € Bargeld. Wollte er mich verarschen? Noch mal die Frage. Da muss er aber früher aufstehen.

14.05.2014. Was für ein schönes Datum. Nach einem Kaffee Bonbon mit Schweizer Kondensmilch aus de Tube und einem dick belegten Brötchen geht es Richtung Nordstadt zu dem Geburtstag meines Schwiegervaters. Meine Schwägerin ist so umsichtig, dass sie mir Ware, Migros-Hausmarke aus der Schweiz mitgebracht hat, die ist dickflüssiger als die französische Ware und aus Schweizer Qualitätsmilch (fast zu schade) und damit ist sie meine neue Heroindealerin. So viel steht fest. Ich esse die gesüßte Kondensmilch esslöffelweise und sie ist Benzin für meinen Tank, Zuckerantrieb. Brötchen haben wir seit Neusten, weil wir das frühstücken neu entdeckt haben und regelmäßig praktizieren. Wir fahren vorbei an der Pelzfrau im Kötnerholzweg. Sie ist gebeugt und geht am Stock. Die habe ich damals kennen gelernt als wir nach Hannover gezogen sind. Sie hat mir ihr Leid geklagt, dass sie früher ausgesehen hätte wie ein Modell und zeigte mir Fotos von sich und jetzt alt sei. Jetzt bin ich vermutlich in ihrem damaligen Alter und sie ist eine alte Frau. Das zeigt mir mal wieder die Dimension des Alterns und der Sterblichkeit, schlussendlich und immer wenn ich sie sehe, werde ich daran erinnert.

Ich lese Friedrich Torberg in der Bahn, nachdem wir umständlich unsere Fahrräder sortiert haben. In Eilvese die Nachricht, dass Hibbe Insolvenzverkauf macht. Wahnsinn, dass ich das mal erlebe. Hatte neulich noch Witze gemacht, dass es wenigstens noch Hibbe gibt.

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Wir fahren vorbei an den Pferden und das schöne, weiße mit den Sommersprossen, fällt mir gleich auf. Als wir schon vorbei sind, wiehert es wie ein Bauarbeiter, der mir hinterher pfeift.

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Ich drehe um und füttere ihn und Stephan sagt, ich verarsche das Pferd, weil  ich es nicht richtig schaffe, das Gras abzureißen und da z.T. Wurzeln noch dran sind, aber die kann er geschickt abbeißen und fallen lassen. Ich verstehe keine Pferde, aber er benimmt sich merkwürdig und stuppst mich und scharrt dann mit den Hufen, erst mit dem einen, dann den anderen und wühlt die Erde auf. Das kommt mir aggressiv vor und Stephan sagt, er macht seine ganze Wiese kaputt.

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Weiter zu dem Schokoladenladen. Natürlich werden Handyfotos von mir gemacht von Besucherinnen vor der Tür. Dort gibt es Neustädter Torfpralinen und Schokoladenseminare für Kinder, d.h. man kann Kindergeburtstage dort ausrichten für 8,- € pro Kind und die stellen ihre eigenen Tafeln her. Die Steuerberatermitarbeiterin zeigt sich interessiert.

Der Garten meiner Schwiegereltern. Jedes Vogelhäuschen ist besetzt. Wir sitzen sogar etwas in der Sonne und essen viel, bekommen Spargel mit für zuhause und ich erbitte mir eine Möhre für „mein Pferd“, so nenne ich ihn schon. Ich lasse mir die Blaubeerplantage zeigen und später die Ölheizung im Keller,

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Die Rechnung für Heizöl schauen wir uns zusammen an. Dieter bekommt Geburtstagsanrufe u.a. einen ungebetenen von Yellow Strom und es gefällt mir, wie lakonisch mein Schweigervater sagt: „wissen Se was und das interessiert mich gar nicht, was Sie da machen“. Er begleitet uns auf dem Rad zurück zur Bahn und „mein Apfelschimmel“ lässt sich von weitem anlocken. Er stand ganz hinten und kommt nach vorne, zusammen mit seinen braunen Kollegen. Die hätten ruhig weg bleiben können. Er legt die Ohren an und verteidigt mich gegen die Mitstreiter. Bin ich seine Beute oder sein Weibchen? Wenn ich mich doch mit der Pferdesprachen auskennen würde. Eine Möhre war auch zu wenig. Die hat er auf einmal geschluckt.

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Im Zug, verflucht seien die Handyflatraten. Junge Menschen, die die gesamte Zugfahrt durch labern, statt lesen oder Musik hören, habe sie die Kopfhörer drin und das Kabel am Hals, also mit Freisprecher, dass wir alle teilhaben können. „ich bin Seelze“ kommt dann oder die Geräusche der Zugtür beim Schließen werden nachempfunden oder es wird ungelogen 20 mal gesagt, dass man sich gleich an Gleis 1 trifft bei T-mobile, „ich bin jetzt Hannover“. Das macht mir wahnsinnig.

Adler Bismarckstr

Ich habe mein Fahrradschloss aus meinem Korb verloren. Heute gibt es nur noch Pralinen und heiße Schokolade.

15.05. Hole auf dem Weg zum Gericht die Ware ab, die nicht eingepackt wurde im Fairkaufhaus. Ich habe sie nicht liegen lassen, sondern genau die Frau, die sie mir nun aushändigt hat sie mir nicht eingepackt. Bei Gericht, meine Betreute, die nach einem Jahr Klinik wieder zuhause ist. Will Betreuerwechsel. Die Richterin und die Anwältin, die auch als Betreuerin arbeitet, erklären ihr, dass sie keine bessere finden wird als mich und sich nur verschlechtern kann. Ich sei nicht schuld und sie auch nicht, sondern es sei die Krankheit gewesen, dass es ihr so schlecht ging und mir hätte sie die Rückkehr in die Wohnung zu verdanken. Das tut gut und wir verstehen uns auch gut. Ich denke, es ist nicht gegen mich, sondern gegen die Betreuung als solche.

War ich Schwimmen, fragt die Betreute aus Sri Lanka, deren Sohn jetzt Schwimmunterricht nimmt. Nein, das ist nur ein kleiner Teil meiner Buttonsammlung auf ein Handtuch gesteckt.

Der Bestatter bekommt ein Fax, dass ich von einer Regulierung ausgehe und sonst mir weitere Schritte wegen Betrug vorbehalte.

Habe indischen Käse am Platz gekauft, erst war nur das Schild an der Tür, aber der Käse nicht eingetroffen und will mich auf Dal spezialisieren. Ich liebe Linsen. Das macht so schön zufrieden satt und ist die vegetarische Fleischalternative für mich, diese Hülsenfrüchte. Heute esse ich 3 Portionen Eis. Gesunde Ernährung ist auch nicht so meines bzw. ich kann echt mit meiner Figur zufrieden sein, bei dem was ich an Butter, Zucker, Schokolade und Kuchen verdrücke. Abends eine Runde Pilates. Wenigstens das und es wirkt. Meine Figur ist besser geworden und ich esse wie ein Scheunendrescher.

16.05. Meine unvorteilhafte Betreute kommt mit der Wohnbetreuung. Die Kinder leben seit Jahren in einer Einrichtung. Die Konfirmation der Tochter hat ohne die Mutter stattgefunden. Beschwert sich erst über eine mangelhafte Einladung und dann konnte sie nicht. Könnte wetten, dass sie lügt, dass sie im Krankenhaus war. Die Tochter läuft durchs Dorf und behauptet die Frau von der Jugendhilfeeinrichtung sei ihre Mutter. Die ist auch schlank und gutaussehend im Gegensatz zu der eigenen Mutter, unvorteilhaft, dick, kaum Haare, Kopfhaut scheint durch, schlecht angezogen, nur Vorwürfe für die Kinder übrig. Mensch, dass sind Kinder und die wachsen unter echt erschwerten Bedingungen auf. Kann man da immer so eine Vorwurfshaltung haben. Das muss alles immer auf Gegenseitigkeit berufen. Nein, in der Erziehung gerade nicht. Das ist eine einseitige Sache und nicht heute schmiere ich Pausenbrote und Morgen Du für mich. Meine Betreute ist voller eigener Verletztheiten. So Leute sollten keine Kinder kriegen, wenn sie das nicht reflektieren. Hilfeplanung ist nach Kalifornien. Sie muss sich erst mal erholen von dem Stress der für sie ausgefallenen Konfirmation und macht Kneippurlaub bei ihrem Ex, der jetzt wieder ihr Freund ist.

Meine Betreute bei der ich Mülltrennung mache und bei der demnächst die Gasleitungen ganz entfernt werden, hat sich auch von lekker,de überzeugen lassen bei Strom und Gas. Stephan hat festgestellt, Milchmädchenrechnung und nicht 20,- sparen, sondern mehr zahlen. Ich teile ihr das mit und ja, Strom hat sie auch gewechselt, nicht nur Gas. Täglich scheibe ich diesen Klinkenputzern, die wohl sehr überzeugend zu sein scheinen.

Gentest bestanden, Pickelcreme muss ich aber weiter nehmen. Nebenbei höre ich die Sprachmeldung von Claudia ab vom 02.05., ob wir vor dem Restaurantbesuch noch Kuchen brauchen. Das muss sie jetzt wissen. Ist wohl zu spät. So können alle mal wissen, wie sehr ich mein Handy liebe und auf es höre.

Wir nutzen das gute Wetter für etwas Rossi. Hier machen sie echt leckere Quiche und auch Kuchen und das Festivalplakat von Lumix erfreut mich und auch in Hannover kann man schön dekorierten und leckeren Kaffee trinken, in der Sonne.

Rossi Schokokuchen

Der Mann gegenüber an seinem schlecht platzierten Erdbeerstand hat einen schweren Stand und ich bilde mir ein, dass er neidisch auf unseren Erdbeerkuchen schaut. Ja, in verarbeitet sind die irgendwie geiler. Stephan hat wieder das „Hannover geht aus“ Heft gekauft. Ich war dagegen und hatte schroff abgelehnt und mich geweigert, es dem Kioskmann abzunehmen. Ich bekomme aber neue Tipps. Der Mittagstisch im Vogelfrei wird über den grünen Klee gelobt und wir fahren auf dem Rückweg daran vorbei. Da kann man sogar in der Sonne sitzen. Das ist meinem Kollegen immer das Wichtigste. Das muss ich mir merken. Auf den Wochenmärkten gäbe es seit neustem einen Stand mit koscheren Snacks, Pastrami. Ich will von Stephan wissen, ob er mir da was verheimlicht oder einfach so sehr auf seinen Crepestand fixiert ist, wenn er am Samstag auf den Markt geht, dass er den übersieht. Den Bericht über ein französisches Restaurant in der Marienstraße lese ich mir auch durch. Die Urnenwahl-Ausstellung in der Galerie Lunar ist schon vorbei? Kann das sein. Die hatten doch erst letzten Samstag Vernissage, als ich mit Steffi genäht und Linsen gegessen habe und Midissage und Finissage waren auch angekündigt. Gaby hat schöne kleine Metallvasen, die aussehen wie aufgeblasen mit Schweißnähten. Ich erkenne sie wieder, sie sind aus der Serie, die neulich im Kubus ausgestellt waren und die haben ihren Preis sowie eine glänzend-spiegelnde Oberfläche. Sie wackeln leicht durch die Rundungen. Ob sie sich als Ikebana-Vase eignen? ich glaube schon und ich habe so eine herrliche Wolldecke von dieser Tante, die am 13.05. Geburtstag hatte, geschenkt bekommen. Das war auch ein ganz edles Teil. Ob ich lieber Gelb als Farbe für mein Rad hätte wählen sollen? Gelb ist Post und FDP, außer wenn ich es in Szene setze….

Ich will, dass mein Mann auch Gäste zu uns einladen kann und biete an, die ganze Wohnung aufzuräumen. Kann alles einsammeln und zu mir ins Zimmer tun. Will nicht, dass mein Messytum Besuch verhindert. Kindergeburtstag im Park?

Mein ehemaliger Bürokollege ruft an und hat eine Frage zu einer Betreuung. Der ist geschäftsunfähig und hat Geld an die Verwandtschaft verschenkt, z.B. die Schwester und er fordert das zurück. Kann er da RVG-Gebühren abrechnen und muss er das nicht einklagen, weil das Betreuungsgericht ihm sonst einen Strick draus dreht. Sage ihm meine Meinung, dass man auch als Geschäftsunfähiger einen natürlichen Willen haben kann und auch Geld an Verwandte verschenken kann. Er muss es beurteilen, dafür hat das Gericht ihn bestellt. Doppelt abrechnen gegenüber dem Betreuten halte ich für falsch. Es ist ja gerade seine, originäre Aufgabe als Betreuer, der er nachkommt und dafür wird er ja schon bezahlt. Außerdem die enge Verwandtschaft verklagen kommt mir eher vor wie ein Grund zur Betreuerentlassung. Manche haben kein Gespür für so was und sollten vielleicht die Finger davon lassen. Ich soll ja auch besser nur Gesellschaft leisten beim Gemüse schneiden, weil ich das nicht so gut kann und ich sehe es ein.

Die Inhaltsangabe zu Mozarts Don Giovanni klingt wahnsinnig kompliziert. O.k. die Oper ist von Mozart und nicht Beethoven. Ich hatte sie verwechselt mit dieser einzigen Oper, die Beethoven mal geschrieben hat, aber so bin ich. Schaue nach, dass ist dann wohl Fidelio…Mal schauen, was ich dann davon verstehen werde. Das Plakat ist schon mal ganz ansprechend. Immer schön furchtlos sein und rein in die Bildung.

Touristen aus Izmir auf dem Kackstreifen

10.05. Ich freue mich an meiner Sammlung Lumix-Buttons- ist ja bald wieder so weit.

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Gut, dass Jürgen Vogel nicht gelauscht hat. Oberflächliche Frauengespräche. Größe 44, Seide…. aber wir zeigen uns gerne unsere Sachen. Ich schaue meiner Nähfreundin gerne beim Umziehen zu. Two and a half men in der Kabine und er gibt vor schwul zu sein, nicht ganz. Die Serie schauen wir zwar im Bett liegend und Linseneintöpfe essend über Kabel im Original und die machen auch Einkaufs- und Stilberatung. „Slutty is the new black“, sage ich nur. Sie kann viel besser Gemüse schneiden als ich und es heißt mal wieder: „setz Dich doch, ich koche gerne, leiste mir einfach Gesellschaft“. Diesen Satz habe ich schon öfter gehört. Ich freue mich total, was sie aus meinen ausgemusterten Sachen gemacht hat, liebevoll auf ihre Figur genäht und kunstgestopft bekommen sie ihr second life und ich freue mich an dem Anblick, das silbergraue Seidenkleid, was ich in den 80er so gerne getragen habe (ich hatte dazu Ohrringe gemacht, kleine Collagen mit Wörtern darauf, Heißklebepistole) mit dem kleinen Muster aus Gebäuden, Frau mit Pudel usw. (50er) zu der vom Romö gebräunten Haut. Das sieht richtig super aus. Da werden die Römer schauen. Ich bin schon der Meinung, dass dieses Kleid gerade in Italien und von Steffi getragen werden sollte. Lecker und vertraut und künstlerische Beratung. Ich nähe Hütchen.

Die Tasche aus Wien

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(der Laden, in dem die Frau Mama für ihren Künstlersohn verkauft hat, Jill Sandler Stofftaschen gab es dort und er lag noch im Bett) darf sie nur behalten, wenn sie auch getragen wird, streng wie meine Freundin Claudia meint, aber so sind wir, die Textilversessenen. Es muss nicht sein, dass die Tasche von einer Ecke bei mir in die nächste bei ihr wandert. Sie versteht das. Dazu ein langer Rock aus Wolle mit verschiedenen vor allem Lilatönen in Wellen, vorne mit Knopfleiste und weißen Knöpfen mit Goldrand. Den wird sie kürzen und vielleicht ein Oberteil daraus nähen und ein Polyestergrafikkleid aus Berlin.

Die Linsen machen satt. Das ist nicht wie bei Pasta, dass man sich sagen könne, das wird gleich wieder besser, das geht gleich weg. Das hält lange vor, wie Steffi zu Recht meint. Sie verliert immer wieder die kurze Nadel und wir lachen noch mal über ihre Einbildung letztes Mal ausversehen eine Nadel verschluckt zu haben und die Kratzgeräusche, die sie im Hals gemacht hat. Das merke man doch, wenn man eine geschluckt habe. Wir gehen noch eine Runde Gassi. Ich bin redefaul, obwohl ich nach dem Essen noch ganz verrückt Kaffee getrunken habe. Meine neuen Schuhe im Park und es ist matschig. Der Mond als Ei, der Himmel gelblich. Steffi erzählt, dass sie neulich einen Touristen aus Izmir beim Gassi gehen auf dem Kackstreifen kennen gelernt hat.

Es war ein herrlicher Bastelnachmittag und –abend. Die Jungs kommen nach 20 Minuten und schwärmen von dem Essen. Ja, ja Dieter Grubert hat’s drauf und der Wein. Es waren Schätze, die es nicht mehr zu kaufen gibt. Ein paar Runden Mahjong und dann ins Bett.

11.05. Muttertag im Regen.“ If fit requires a bra or pants, it’s not happening today“ lautet mein Motto. Teeprobe. Neulich bei Isabelle war ein Teevertreter und hat ihr schicken Tee, mit schicken Namen in schicken Teedosen angeboten und erklärt, warum sie den braucht und bestellen solle, exklusiv. Ich habe ehrlich gesagt, ihr Beuteltee sei nicht so geil, aber sie solle keine Leasinggebühr für die Dosen zahlen. Matcha kennt sie nicht, ist wie Koks schwärme ich. Aber gutes. Man kommt in diesen Zustand der Wachheit und einer sehr ausgeglichenen, stabilen Laune. Bezweifele, dass die Krümel sich nur durch den Milchaufschäumer auflösen bei der Matcha Latte, wie der Typ behauptet, aber vielleicht bin ich zu doof. Er hat uns für meine Fürsprache zwei der kostbaren Beutel geschenkt mit den irren Namen: „Istanbul Nights“ und „Team Spirit“. Sie werden heute verkostet. „Maybe Baby“ ist ein Früchtetee, den die Chefin zusammen mit ihrem Nachwuchs entwickelt hat oder als sie gerade geworfen hatte, erzählt er auch. Team Spirit ist ein aromatisierter Grüntee und schmeckt mir nicht und überhaupt, ist halt Tee. Wie viel Zauber kann man um einen Beuteltee machen? Den Hype kann ich nicht ganz nachvollziehen. Die Jungs gehen zu Gaby wegen Muttertag. Das Thema hatten wir gestern auch. Bei uns in der Familie wird da nicht so viel Wert drauf gelegt, Konsequent ist meine Mutter nicht zuhause. Stimmt, die sind unterwegs. Schreibe ihr eine Email, dass sie die beste Mutter der Welt ist und meine es auch so. Was ich da für ein Glück gehabt habe kann ich mein ganzes Leben lang nicht fassen. Dann wechselt das Glück ab und ich bekam meinen Mann. Mein Strauß steht schon seit gestern in der Küche. Ich finde ihn total schön.

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Dann Frühstück und noch ein paar Runden Mahjong. Morgens kann ich besser und konzentrierter spielen. Thomas stöhnt bei jedem Sonnenstrahl und bereut es, nicht draußen zu sein. Ich frage immer: welche Sonne und werde auf die Schatten auf der Fensterbank hingewiesen. Als sie gehen liegt ein Zettel mit dem Wort „Raubmilben“ auf Stephans Schreibtisch.

Ich fotografiere meine Zimmerpflanze, die aussieht wie ein Penis mit einer Geschlechtskrankheit für meine Betreute, der ich einen Ableger geben will. Die Penispflanze spritzt die Samen auf konsequenterweise in Nachbartöpfe und pflanzt sich so fort.

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Nachmittags esse ist erst mal 300 gr Lakritze, damit der restliche Beutel sich besser ins Kino mitnehmen lässt. Stephan lockt mich ins Büro, weil wir Aussortiertes schreddern müssen und ich hatte vergessen, dass diese blaue Tam-Tam-Verkaufsveranstaltung hier stattfindet, die ich weitläufig umfahren wollte. Alles voll, ich großes Hütchen, Regenhütchen, schlechte Laune. Unverständliche Blicke, Landeier stehen im Weg und glotzen. Im Treppenhaus alles voller Flohmartksachen, aber alles hässlich und geschmacklos und hin dekoriert auf die Stufen, dazwischen die Zahnärzte und noch mehr, die glotzen. Oben im Büro flippe ich erst mal eine Runde aus und will sofort hier rausgeflogen werden aus dem Kriegsgebiet, drohe damit abzubrechen und nicht mehr ins Kino zu fahren. Warum muss das heute sein. Unten an den Fahrrädern. Ich versuche, nichts und niemanden zu sehen. Ein junges Mädchen aus dem Hutladen lockt mich mit den Worten: „Andrea ist da“ in den Laden. Sie kennt mich scheinbar und auch die Verbindung. Die Band spielt gegenüber, irgendwas was gut ankommen soll. Ich freue mich Andrea zu sehen, muss aber schnell weg. Es stimmt schon, ich war früher toleranter. Bin ich nicht mehr. Ich meide so was und reagiere sehr aggressiv, wenn ich hineingelockt werde. Die können ja machen, sollen mich aber bitte in Ruhe lassen mit ihrem Scheiß.

Wir schauen „Rosie“ im Koki, einen Schweizer Film mit Untertiteln, der nicht nur in St. Gallen spielt, sondern immer wieder im Krankenhaus. Gleich kommt mein Bruder rein, meint Stephan. Das würde passen. Ein bekanntes Gesicht war an der Kasse. Es lief ein Dokumentarfilm in der Nachmittagsvorstellung, der mich auch interessiert hätte. Er sei gut und eindrucksvoll gewesen. Wir sitzen in der 4. Reihe mit vier Reihen Abstand nach hinten und essen viel Lakritze, aber ohne gucken und Überraschung, wird es scharf oder salzig oder hart oder weich. Stephan meint, ich gucke mit den Fingern und treffe eine Vorauswahl. Und was meint ihr? Es ist deutlich älteres Bildungsbürgertumpublikum in dem Film, der auch schwule Themen, aber auch Familie und Altersheim beackert.

Das Mai-Kalenderblatt. Stephans Unfall und etwas Goya.

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Herr Winklers Schlüssel

05.05. Nachtrag von der Konfirmation. So reagieren die Verwandten, wenn Stephan ein Bild machen will. Es müssen dann alle lachen über das Ergebnis, wie sich alle aus dem Bild heraus lehnen und versuchen sich zu verdrücken.

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Mein Betreuter, der eine Umschulung machen will meldet sich mehrfach per mail aus seiner Fortbildungsmaßnahme wegen seiner Fahrtkosten und seiner Heizkosten zuhause. Er heizt mit Holz und das ist mal ein Novum für mich.

Das Fax der Klinik in Sachen 1. Mai-Einweisung liest sich wie folgt: „Herr PM wurde mit dem RTW, über die Polizei angefordert zur Notaufnahme in der Medizinische Klinik des KRH RK Gehrden gebracht. Er klagte dort über Schmerzen im Herzen sowie die Vorstellung, das ihm ein mechanisches Herz eingesetzt und auch das Gehirn ausgetauscht sei, im Krankenhaus wolle man ihn vergasen und töten. Aufnahmemodus in der Psychiatrie .. am 01. Mai gem. § 18 NPsychKG. Bei Eintreffen gab Herr PM seinen Namen mit Winkler an, er sei o.f.W. und eine Woche umhergezogen, nachdem er vergiftet worden sei. Weitere sinnvolle Daten waren nicht zu erheben“.

Ich telefoniere mit Herrn PM, der angibt seine Schlüssel alle verteilt zu haben (ich frage ihn, was ich mir darunter vorstellen dürfe), er meint so auf der Straße, aber sie wieder finden zu können, wenn er die Strecke mit dem Fahrrad absuche. Er habe nur noch einen Briefkastenschlüssel für die alte Wohnung, Kontokarte und Ausweis, alles sei weg. Die Nachbarn seien komisch gewesen, vielleicht habe er sich das aber auch eingebildet und sich da reingesteigert. Er wisse nicht, was mit seiner Katze sei. Die sei ihm vielleicht abgehauen, weil der Balkon noch nicht katzensicher war. Wir vereinbaren, dass ich die Nachbarin versuche zu erreichen und die Bankkarte sperren lasse.

Nachmittags Anruf der Polizei. Eine Nachbarin aus dem Nachbarhaus hat sich gemeldet wegen der Katze. Die sei unversorgt und ich müsse mich als Betreuerin kümmern. Ich rufe im Krankenhaus an, ob er Ausgang bekommt. Das wird seitens der Ärztin verneint, die Polizei würde die Tür öffnen und die Katze ins Tierheim bringen lassen. Die Polizei macht gar nichts, weil es eine Betreuung gibt. Ja, aber ich betreue nicht die Katze und solche Viecher sind doch hartnäckig. Ich habe Bürotermine und kann nicht weg. So was muss man mal sagen, dann Anruf der Stadt Ronnenberg. Kenntnis von Notlage der Katze und sonst Feuerwehr und teuer und ich: täglich werden Millionen männliche Küken geschreddert und hier macht man so Alarm wegen einer Katze, die ist doch nicht gleich tot. Ja, schon gut, spätestens Morgennachmittag fahre ich raus. Ich bin super genervt und bestelle Stephan rein, der mich vertreten muss. Vorher Tierheim und ja, wie haben eine schwangere Mitarbeiterin, die darf aber nicht gebissen werden. Ich werde mich beherrschen. Bei einer Katze sei schon 1 Tag ohne Futter kritisch, sagt mir allen ernstes die Tierheimleiterin. Blabla. Ja, den Schlüsseldienst bestelle ich und fahre bei sonnigem Wetter nach Ronnenberg. Es ist wie in Neustadt. Kleinstadtatmo. Eine alte Frau mit Sonnenhut pflegt den Garten nebenan und wundert sich, wie ich mich auf dem Nachbargrundstück umschaue. Ich erkläre ihr, wer ich bin. Es ist ein Zweifamilienhaus und die Frau W. unten, die ich anrufen sollte, aber nicht im Internet finden konnte, ist nicht da. Die ist im Urlaub und kommt erst Morgen wieder und die Mutter wohnt hier irgendwo, aber wo genau ist unklar und die Polizei war auch schon da und hat die Katze, die sich ausgeschlossen hat, wieder in die Wohnung gebracht. Ich habe den Zettel im Büro liegen lassen. Stephan soll bitte der Polizei Druck machen, dass die mich auf dem Handy anrufen und mir bitte erklären wie sie ohne Schlüsseldienst in die Wohnung gekommen sind. Der Typ von der Polizei ruft mich tatsächlich an, kann es mir aber nicht sagen. Die Nachbarin ist nicht zuhause, nur ihr fast volljähriger Sohn und der weiß von nichts. Der Typ vom Schlüsseldienst werkelt untalentiert an der Tür mit einem weichen Spachtel und man wie er kann damit nichts ausrichten und ich sage: nichts kaputt machen. Wir können hier nicht einfach ein neues Schloss einsetzen und die Frau von unten aussperren. Dann kommt eine Frau mit Kinderwagen. Es ist jene Nachbarin, die sich auch einmischt und mir dann sagt, dann man über ihren Balkon in die Wohnung kommt. Das Angebot nehme ich an und steige rüber (wozu mache ich Yoga), die Balkone sind direkt aneinander mit einem sehr schmalen Durchgang und einer Absperrung, aber das geht ohne weiteres. Ich drücke die Tür auf. Die Katze ist freundlich, ob sie mich schon kennt, keine Ahnung. Jedenfalls ist sie wohlgenäht und ich streichele sie. Musik und Licht sind an. Leider ist die Tür unten abgeschlossen. Die Nachbarin bestätigt, dass sie die Katze mitversorgt habe und schlägt vor, die Katze über den Balkon in die Katzenbox zu machen und hat sogar eine. Darauf wäre ich nicht gekommen. Ich schicke den Schlüsseldienst wieder weg. Der will 40 oder 50 € abrechnen. Wir werden mal sehen. Die Nachbarin ist nett und bittet mich rein, weil wir auf den Tierschutz warten. Sie sagt, die Katze mag wohl laut Herrn PM keine Hunde und sie habe neben der dicken, blonden Robbe, so nenne ich ihren Hund mal, einen kleinen Zuchtrüden, der nur halb so groß sei wie die Katze. Was sei denn mit Herrn PM, alle hätten sich Sorgen gemacht, weil der sei ja so nett und kümmere sich auch so gut um die Katze, die hätte er nie freiwillig zurückgelassen. Alle würden ihn mögen. Vorher habe nebenan ein Chaot gewohnt und sie seien so froh über meinen Betreuten, der ja Bass und Gitarre spiele und so ein gemeinsames Thema mit ihrem Sohn habe. Ostern habe er Anschluss gesucht als sie Familie zu Besuch hatte. Ich staune nur und denke, er hat das große Los gezogen. Ich verfrachte die Katze in ihre Katzenbox und wir warten. Dann Tierheim, umladen. Das mache ich auch. Überlege fast die Katze zu mir zu holen, aber ich bin nicht ausgestattet und dann passiert noch was. Tierheim kostet 6,55 € am Tag. Rufe Herrn PM an, dass alles geklärt ist und seine Nachbarn ihn ins Herz geschlossen haben. Da hat er mal richtig Glück gehabt.

Gerade rechtzeitig zum Geldtermin komme ich wieder rein. Ich frage, ob sie wirklich nichts zu essen hatte am Brückentag. Entweder ich nehme das nicht ernst und sie verarscht mich, wenn ich sie ernst nehme, müssen wir an der Geldeinteilung einiges ändern für die Zukunft. Nein, schon o.k., sie hatte noch was, kann alles so bleiben. Wie war der Geburtstag in der Eisdiele, will ich wissen. War ohne mich nicht so lustig. Setzen einen Termin für Runde 2, hier in der Eisdiele.

Abends lasse ich den zweiten Sport ausfallen, Yoga und fahre in den bösen Wolf, aber der Lehrer ist schon heimgefahren. Der Inhaber vom Wolf gratuliert unserem Gast zum Aufstieg von Köln, aber das geht ihr auch am Arsch vorbei. Die Wantansuppe ist totlecker. Ich darf sie aufessen. Die Pfannkuchen mit gesüßter Kondensmilch und ganz fettig schmecken mir auch. Heute kein Bügeln, nur dumm rumsitzen und dann schlafen. Unser Gast sagt, dass der Zoo zu viel Heidepark sei und die ganzen Läden und Gastro und Shops, hat diese aber ausgiebig besucht und Pflaster mit Tiermotiven gekauft.

06.05. Viele Außentermine, erst wieder nach Döhren, als mir Frau Yoga mit Sachen im Treppenhaus entgegen kommt, kriege ich Panik. Ist die Wohnung doch nicht leer, nein, dass ist aus der Abstellkammer, die dazu gehört und auch diese ist leer. Am Sicherungskasten hängt ein Bild mit Frauenschuhen. Das mache ich noch ab unter Einsatz meiner Nägel und etwas nassem Lappen. Als es klingelt, habe ich den letzten Rest gerade abgemacht und fege die Stücke zusammen. Heute die der Typ von der Hausverwaltung ohne den freundlichen Maler und die Stimmung ist wie ausgewechselt, wir flirten und machen Witze. Alles läuft gut und Wohnung wird übergeben. Ich muss schnell weiter und komme leicht zu spät zur Ausländerstelle in der Leinstraße, wo ich schon erwartet werde. Mein Betreuter macht die stationäre Therapie und ich habe ihn lange nicht gesehen. Er sieht etwas sediert und aufgedunsen aus, es gehe ihm gut, aber er will nicht ewig dort bleiben. Der junge Sachbearbeiter ist nett. Ich will wissen, wie es hier mal weiter geht. Im Klageverfahren reagieren seiner Freunde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlingen nicht. Ich zeige ihm das Erinnerungsschreiben des Verwaltungsgerichts und das Eilverfahren haben wir ja gewonnen. Er ruft beim Stellenleiter an. Er ist nicht mehr der Superdicke zuständig, sondern ein junger Typ, der aussieht wie Alfred E. Neumann aus den Mad Comics. Ich versuche nützliche Infos aus ihm rauszubekommen. Bei Sieg Aufenthaltserlaubnis, bei Niederlage, keine staatenbezogenen Abschiebungshindernisse, vermutlich wieder Duldung, wie jetzt und keine Abschiebung nach Afghanistan. Ich frage, ob wir nicht längere Duldung kriegen können als 3 Monate, weil ist lästig, immer Verlängerung. Die Duldung sei eine Aussetzung der Abschiebung und das solle keinen Gewohnheitscharakter bekommen. Lustig, wenn einer 25 Jahre hier ist. Ich frage Herrn A. ob er die Mad Comics kennen würde. Wir reden noch kurz. Er sieht seine Mutter.

Dann der Arzttermin. Soll meine Therapie nach fast 20 Jahren umgestellt werden. Ich mag keine Veränderung. Ich erkläre der Ärztin, dass es Typsache sei und ich auch keine Möbel rücken würde, wie andere Leute, die ständig umräumen. Ich lasse mich allerdings von den Vorteilen einer modernen Therapie überzeugen, weil meine jetzigen Mittel wohl schwer giftig sind und das ich es so lange vertrage ist irgendwie wie Helmut Schmidt mir den Zigaretten. Meine neuen Stimmungsaufheller haben lustige englische Modenamen wie Spielzeug oder Manga. Ich mache den Gentest, ob ich das Zeug vertrage, wenn ja, gibt es die Therapieumstellung, genau am 50zigsten meines Mannes. Das ist doch auch was. Die Ärztin will mir auch eine Antibiotikacreme für mein Gesicht verschreiben. Meinetwegen. Wir gehen zu Mövenpick, ich esse ein Tartine mit Thunfisch und Ei und eine Vanillecreme, die aus Sahne besteht mit Erdbeeren. Hammerlecker. Mein Betreuter ruft aus dem Iran an und ist noch nicht in Deutschland, den Gutachtentermin für Morgen hatte ich schon vorsorglich mit einem Fragezeichen versehen lassen in der Praxis. Nächste Woche will er wieder kommen, Datum will er nicht sagen, ob alles o.k. sei. Ja, ich halte ihm den Rücken frei. Er meldet sich sofort, wenn er wieder im Lande ist.

Dann Anhörung wegen Verlängerung der Betreuung. Mein türkischer Betreuter hat seinem Arzt gesagt, dass er ihm Frau A. nicht wegnehmen dürfe. Er weiß nicht genau, wie alt seine Kinder sind. Die jüngere hat schon alle Zähne. Die Richterin schaut besorgt, auch weil ich noch nie zuhause war. Ich brauche das nicht. Er zeigt uns dann haufenweise Fotos von Geburtstagen auf seinem Handy, die gutaussehend Frau in Verkleidung und ohne mit den Kindern in der total aufgeräumten Wohnung auf einem Sofa. Ich weiß halt, zu wem ich muss und zu wem nicht. Er wird kurz damit konfrontiert, dass ich wenig mache und dass das ein ehrenamtlicher Betreuer machen könnte und bricht fast zitternd zusammen angesichts der Aussicht mich zu verlieren. Das ist eindrucksvoll genug und die Richterin verlängert um 2 Jahre. Ich treffe eine Kollegin, die das immer kritisch gesehen hat und sie fragt, ob das eine neue Betreuung gewesen sei und ich sage, nee, alte und ich glaube manchmal ihr vom Betreuungsgericht denkt, ich gebe denen Tropfen, aber es ist nicht so und ich kann nichts dafür, dass ich offenbar so stabilisierend auf diese Menschen wirke, es sei aber so. Ich würde jeden wieder aufgeben. Ich frage, wie es ihr geht um zu erfahren, dass nicht so gut und sie ist krankgeschrieben. Offen spricht sie über ihre Diagnose. Wir kennen uns noch von der Uni. Irgendwie geht mir das sehr nach.

Auf den Schreck muss ich erst mal eine Runde ins Fairkaufhaus, bei denen ist eingebrochen worden. Das ist auch Thema. Die Schweine, haben hoffentlich keine Altkleider geklaut. Ich ziehe einen dicken Bademantel an, der neben rot, grün und gelb deutliche schwarz-weiß Anteile hat und mir leider sehr gut steht. Zwei ältere Frauen schauen anerkennend. Kann man den so tragen, will ich wissen. Vielleicht mit einem anderen Gürtel. Die Marke, die ich nicht kenne mit einem Schiff als Logo sei sehr gut, Handtücher usw. Da kann ich für 6,- € wohl nichts verkehrt machen, außer die Wohnung weiter vollzustopfen. Ich will auch ausmisten, alles was z.B. mal gekauft und nie getragen wurde. Beim gehen treffe ich meinen Betreuten aus Ghana, auch so einer der mich zur Stabilisierung braucht, selbe Richterin damals. Wir strahlen uns an und ich sage was von erwischt beim Einkaufen und er erklärt mir, er habe seinen freien Tag und ich sage, nein, er habe mich erwischt, ich hätte doch den dicken Bademantel mit den Farben von Ghana unter dem Arm.

Stephan macht GP und ich werde die Querulatorin so was von behalten. Der Gutachter schreibt „Wertend betrachtet bildete sich hier die deutliche Intension ab, auf diese Weise ein „möglichst gutes“ Bild der eigenen Person zu zeichnen. Darüber hinaus dominierte ein rigides Beharren (das sich immer wieder konkret wahnhaft manifestierte) auf Umständen, selber wenn Frau M unmittelbar nachgewiesen werden konnte, dass ihre Angaben nicht zutrafen….Zur aktuellen Tagesstruktierung gab Frau M an, dass sie sich intensiv mit Firmen zur Frage einer neuerlichen beruflichen Tätigkeit auseinandersetze. Darüber hinaus sei sie in der CDU aktiv, gehöre zum „inneren Kreis“ des „McAllister-Teams“, sei etwa Ehrengast einer Veranstaltung im Jahr 2012 gewesen. Weiter gehöre sie auch zum „Angela-Merkel-Team“…“ich bin ein Mathe- und Physik-Genie“. Eine Fortführung der Betreuung ist unter der beschriebenen Konstellation alternativlos..Der Unterzeichner ist sich bei dieser Einschätzung sehr wohl der massiv ablehnenden Grundhaltung von Frau M bewusst – Gleiches gilt für die letztlich nur begrenzt gegebenen Betreubarkeit. Keinerlei Sinnhaftigkeit wird einem Betreuerwechsel beigemessen, da Frau M störungsbedingt jede neue Betreuerin/jeden neuen Betreuer innerhalb kürzester Zeit genauso ablehnen würde wie ihre gegenwärtige Betreuerin.“

Das online banking funktioniert nicht. Ich muss nach Hause und mich darum kümmern. Ich bin schwer beladen, es regnet, ein Mopedfahrer fällt und ich stehe wie angewurzelt und glotze. Ein junger Mann sprintet über die Straße und hilft dabei die Einkäufe aufzuheben, ist hektisch und verteilt sie erst mal auf der Straße. Ich habe Angst, selber umzufallen und gebe diesen Fall gerne ab. Nach Telefonaten mit der Bankhotline ich bin zu faul für Sport, froh mal zu zweit zu sein nach Hamburg und Besuch. Ich schreibe der erkrankten Kollegin einen Brief und biete Hilfe an. Da breche ich mir keinen aus der Krone und es ist mir ein Bedürfnis. Das Leben ist einfach zu kurz für Bedenken aus Eitelkeit.

07.05. Ich träume, dass Heike in einer dunklen Halle mit lauter Verkaufsständen haust. Ich lese ihre Post, wie bei einer Betreuten und stelle fest, dass sie immer falsche Nachnamen angegeben hat, wenn sie z.B. im Krankenhaus war. Ich spreche sie darauf an, ob sie Ärger hat und sie sagt, sie will einen Neuanfang machen, aber irgendwie steht ihr Name nicht auf dem Klingelschild. Ich sage, sie kann doch so tolle Kostüme nähen und da muss sich doch Geld mit machen lassen. Biete an, ihr einen Text zu schreiben für eine Anzeige. Sage, reiche Partygirls wollen doch immer eine ausgefallene Robe. „Einmaliges, individuelles Party-Outfit bis hin zu maßgeschneidert“ schlage ich vor. Ich schlage vor, dass sie mit Familie bei uns im Gästezimmer wohnen kann. Ich mache dann das Podest frei, der Sohn kann darauf schlafen und das Zimmer leerer für die Gäste. Ich schaue am Nachbarstand und hier werden hässliche Fertigringe für 120,- € verkauft. Ich denke, der Traum bezieht sich auf die Pandora-Plagiatssachen von Frau Yoga. Ich hatte spaßeshalber gesagt, dass ich mir einen Armreif mache als ich bei ihr auf dem Sofa vor den Perlenschälchen saß und sie erzählte was von Kindergeburtstag mit Schmuck machen, den sie veranstaltet hätte. Außerdem Heike, Du kannst mir den Traum nicht übel nehmen. Es ist ein Traum!

Ich fahre zur Verhandlung nach Neustadt und nehme mein Fahrrad mit. Das sorgt immer für Sprüche. Der Mandant und seine neue Freundin warten schon. Er hätte nicht kommen müssen. Ihm ist in der Probezeit gekündigt worden. Ex ist auch da, mit neuem Anwalt. Die Richterin sagt, 40 Stunden reichen beim Gebäudereiniger, er muss keinen Nebenjob annehmen, wie die Gegenseite meint. Ich sage Nebenjob, er hat bis 2 Uhr nachts die Tui-Arena geputzt und sollte dann um 8 Uhr wieder anfangen. Das klingt wie Gehirnchirurg und nicht Putzkraft. Er ist ohnehin krank geschrieben und ja, er wird sich um neue Arbeit bemühen, aber wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht. Er soll Insektenschein machen, dann verdient er 15,- € die Stunde, meint der Gegenanwalt und schlägt ihm vor, mit seiner Freundin zusammen zu ziehen, um Haushaltsersparnis zu erreichen. Das geht die wohl gar nichts an. Ich verabschiede mich und kündige an, bei meinem Freund aus Lübeck, der Insektenvernichtung macht, einmal anzufragen. Er solle sich nicht verrückt machen und mir den Arbeitslosengeldbescheid zuschicken wegen Neuberechnung. Ich sage was von Zug um :17 verpasst, entweder eine Stunde später oder ich fahre doch nicht nach Wunstorf. Das war wieder total verpeilt, weil jeder Zug in Wunstorf hält, auch der den ich um :30 nehme. Er regnet. Ich will nicht extra zu Herrn PM fahren und das telefonisch klären. Kehre vor dem Ausgang des HBH wieder um und nehme die S-Bahn. Vollbremsung und ich kann mich gerade so auf den Beinen halten, verliere etwas Urin.

Meine Betreute, die sich nie meldet, hält die Tür zu und will mich nicht reinlassen. Sie wirkt desolat, eine Leiter steht hinter ihr, sie muss zum Arzt, ich solle mal auf die Uhr schauen, es ist schon 11:30 Uhr um 12 Uhr muss sie da sein. Ich rufe gleich in der Arztpraxis an und melde den Vorfall und bitte um einen Rückruf des Arztes. Ich schreibe den Freund und Insektenvernichter aus Lübeck an.

Der schwule Sohn einer ehemaligen Betreuten ruft mich an und wirkt angetrunken, ob ich mich nicht gewundert hätte, dass er mich damals gar nicht wegen Verleumdung angezeigt habe. Ich frage, warum. Ich hätte behauptet, dass er minderintelligent sei. Ich sage, nein, er verwechsle mich, wir hätten uns immer gut verstanden und ich hätte ihm doch alle Unterlagen von seiner Mutter damals ausgehändigt. Es war seinerzeit so, dass der der Sohn ein Schild mit „Betreuungsbüro und seinem Namen an die Tür gemacht hat und der Gericht gerne jemand Unabhängiges einsetzen wollte.  Ich war tolerant und er durfte Geld seiner Mutter mit ausgeben, weil er sich mit gekümmert hat, nur neues Sofa und Schulden für die Mutter machen, war ich dagegen. Das war ein Balanceakt mit dem Sohn zwischen Kontrolle, aber nicht wegbeißen als wichtige Bezugsperson. Seine Mutter ist tot erfahre ich und das sei auch gut so. Er habe sein Leben zu sehr dafür geopfert und ich sage, es stimmt schon, dass sie ohne ihn viel früher ins Heim gekommen wäre. Er sei weiterhin ehrenamtlicher Betreuer und habe was gelesen über Musik bei Demenz. Ich sage, das war ein Artikel in der Haz, ein Typ, um die 55, der mit Demenzkranken tanzt und alte Lieder singt und sie damit an früher erinnert und die Erinnerung überhaupt aktiviert. Das sei gut zu wissen, dass das in der Haz gewesen sei. Auch der eine Typ von den Scorpions würde sich für Demenzkranke engagieren. Das hätte ebenfalls in der Haz gestanden. Davon weiß ich nichts. Er wolle mich nicht länger von der Arbeit abhalten.

Mein Betreuter mit dem Hasch und dem Sohn soll das Sorgerecht verlieren. Strafrichterin hat an das Familiengericht abgegeben.

Die Frau von der Betreuungsstelle ruft an und will mir eine Betreuung vermitteln. Sie hat mir neulich Frau Yoga besorgt. Ich berichte kurz und lehne den Neufall dann ab. Ich bin auf rot gesetzt und soll mich bitte zuerst bei ihr melden, wenn sich daran was ändert. Ich sehe das als Kompliment.

Dauermandant aus Sri Lanka kommt mit seinem Sohn mit riesigen Augen.

Die Sportlehrerinnen sind krank statt zum Yoga zu gehen sehe ich das als Zeichen und will zu einem Vortrag über die Bücherverbrennung. Ich habe eine email bekommen. Stephan und ich fahren nach Stöcken zur Synagoge, die wir nicht kennen und die neben dem Friedhof Stöcken ist. Die Frau begrüßt uns mit Namen und fragt, ob wir schon mal da gewesen seien, was wir verneinen. Sie erzählt kurz u.a. dass sie einen Architekturpreis gewonnen hätten und dass sie uns anschließend zu einem Glas Wein einlädt. Wir gehen im Treppenhaus hoch in die Bibliothek. Die Sitzplätze sind fast alle belegt und wir setzen uns auf Sitzkissen auf die Treppe. Wir senken den Altersdurchschnitt deutlich. Eine Frau von der Landesbibliothek hält einen Vortrag. Just als sie beginnt, startet eine unvorteilhafte Teilnehmerin, dick, schlecht angezogen mit fettigen Haaren, die den Stuhl neben sich mit Sachen belegt und durchaus untypisch ist und die mich an die Betreute erinnert, bei der ich Altpapier runter bringe, damit an sehr unständig ein großes Buch in eine knisternde Plastiktüte einzupacken. Man versteht die Vortragende nur schlecht und Leute drehen sich. Fast wie bei einer Performance packt sie dann ein eine noch dünnere, lautere Plastiktüte aus und diese über die erste zu streifen, alles sehr umständlich und raschelnd und noch lauter. Schließlich fast ihr eine Frau von hinten an die Schulter um das Ganze zu beendet und sie beeilt sich den Vorgang zu Ende zu bringen und alles auf dem Fußboden zu verstauen. Der Vortrag ist sehr interessant und handelt von den Vorbereitungen der Bücherverbrennung, die im April 1933 begonnen haben mit studentischen Initiativen gegen die undeutsche Literatur und einer Dokumentation, was hier in Hannover geschehen ist. Das undeutsche wurde mit Asphalt-Literatur getitelt und war neben jüdischer Literatur alles, was schwierige Themen ansprach, z.B. soziale Probleme. Das Deutsche war im Gegensatz zu dem Asphalt aus der Erde, dort wo der Bauer sein Feld bestellt, aus Wiesen und Wäldern und sollte den Leser erbauen. Karl von Ossietzky wird zitiert, der Jahre vorher in einem Artikel bereits feststellt, Asphalt sei z.B. in der Kunst wenn der Maler beim Sonnenuntergang eine Farbe wählt, die in Ostpreußen selbst zur Mittagszeit noch nie einer gesehen hat. Das fand ich sehr schön. Die Frau spricht über die Ereignisse in Hannover, Flugblätter wurden systematisch verteilt sowohl Haushalte als auch Bibliotheken wurden ausgefordert ihren Bestand zu säubern, dann Fackelzug mit einem Lastwagen der gesammelten Bücher über die Goethestraße, Lange Laube, Hildesheimer Straße und Geibelstraße bis zur Bismarcksäule, die damals am Maschsee stand. Hier wurden Ansprachen gehalten und die Bücher dann den Flammen übergeben. Es folgt eine Lesung der Namen der betroffenen Autoren durch Leute aus dem Publikum, die das unterschiedlich gut machen und einzelne Dichter werden vorgestellt, u.a. der Verfasser der Biene Maja, der ausversehen in die Bücherverbrennung hineingeraten ist und später mehr oder weniger linientreuer Nazi war. Wir bleiben nicht auf einen Wein und wollen was essen gehen. Vorbei am Contigelände in Limmer, was ich sehr schön finde und vorbei an weißen Kühen, die ich laut grüße um zu gucken, ob eine guckt, die eindrucksvoll ausschauen und im Wilden Westen auf den Wiesen stehen, weiße Steaks fällt mir dazu ein. Ziel ist endlich mal der Mexikaner in Limmer. Wir sind die einzigen Gäste. Uns bedient ein kleinwüchsiger, vorsichtiger Mann. Die alkoholfreien Getränke mit süß mit Hibiskusblüten und Horata, schmecken gut, sonst viel Dose, aber trotzdem ein lustiges Erlebnis. Wäre auch zu ärgerlich, wenn man hier kulinarisch was verpasst hätte, aber um gut zu sein haben die zu wenig Durchlauf. Zuhause sage ich die Buchbinderseminare ab. Passt mir diesmal nicht, Stephans Geburtstag, Paris und dann die Lumix. Will nur mein Papier abholen mal am Wochenende.

08.05. Der Tag des Ausflippens gegenüber der Klinik. Die Ärztin, die erst behauptet, wir hätten noch nie miteinander telefoniert und dann nicht weiß, ob es einen Unterbringungsbeschluss gibt, Herr PM bekommt keinen Ausgang um seinen Schlüssel aus Gehrden zu holen, der soll geschickt werden. Sie verweist an die Pflege. Die Pflege wieder an die Ärztin. Ich flippe aus am Telefonat und beschimpfe den unfähigen Klinikhaufen. Bei mir müssen so Jungärztinnen es nicht mit Arroganz versuchen. Sie sind überfordert und schlecht und ich hätte vom Numerus Clausus her auch Medizin studieren können. Ich habe keinerlei Hochachtung. Ich rufe im Robert Koch KKH an, dort hat er seinen Schlüssel vergessen. Die Frau am Telefon ist herrlich und erinnert sich an Herrn PM, der behauptet hat, Herr Winkler zu sein und deswegen war sein Schlüssel auch nicht sein Schlüssel. Sie hat ihn natürlich trotzdem den Mitarbeitern der RTW mitgegeben, aber „der eine Vollidiot“ habe ihn wieder reingebracht und jetzt habe sie einen fremden Schlüssel, den sie nicht verschicken dürfe. Sie will ihn mir ausnahmsweise doch zuschicken. Die idiotische Ärztin ruft an, es gibt doch keinen Unterbringungsbeschluss. Herr PM hat mit dem Richter gesprochen und ich und warum durfte er dann seinen Schlüssel nicht selber abholen, sie dürfen ihn gar nicht dabehalten, wenn sie es nicht schaffen einen Beschluss zu erwirken. Nie erreiche ich Herrn PM, der immer im Ausgang ist. Stephan bringt mich später zum Lachen indem er sagt, warum er sich nicht ausgezogen habe, es waren ja nicht seine Kleider, die er an hatte. Das wäre noch mal konsequent gewesen.

Herr Ihme kommt vorbei und braucht 5,- € für Frühstück. Er sollte sein Geld vorbeibringen zwecks Einteilung und hat das nicht gemacht, dann gibt es keines mehr, sonst nimmt er mich nicht ernst. Musste Schulden zurückzahlen, überall, aber offenbar nicht bei mir und hatte dann nur noch 130,- €, die müssen auch länger reichen als eine Woche. Er will Internetcafé beim Umzug helfen und bekommt dafür 10,- . Ich erkläre ihm, dass das bald alles ein anderer machen wird und ich bin dann in Paris. Er ist einverstanden und ich gebe ihm 5,-. Später sehe ich ihn am Küchengartenplatz und es sieht aus als würde er windige Geschäfte machen, aber der andere Typ hat spitzenmäßige dicke und kurzbeinige Hunde, so dass ich hinglotzen muss und mich kaum ablenken kann. Herr Ihme kann mir da mal einen Gefallen tun bei Gelegenheit, weil an die will ich nur allzu gerne ran.

Nachmittags die üblichen Geldabholtermine. Elisabeth Taylor erzählt mir von Kindern, die aussahen wie Kobolde. Die schafft mich noch eines Tages.

Der neue Betreute mit dem älteren Schwulen von der Wohnbetreuung, den ich auch noch nicht kenne. Der Proband ist sehr szenig und sieht gut aus mit langen Haaren und einer Strickmütze darüber. Er erinnert mich an den Elvis meines 50zigsten in jung und kräftiger. Er stottert und hat ein Problem mit Autoritäten, wie er selber lächelnd sagt. Er geht ins Dük, weil es da „umsonst zu fressen“ gibt. Schlau, sage ich. Wir gefallen uns auf Anhieb. Ich denke, wir könnten ein alternatives Team zu Natural Born Killers abgeben. Ich bin hysterisch und steigere ihn rein und er tötet. Er fragt, ob meine Klienten die Kunst gemacht haben, nein, das war ich. Er lächelt anerkennend. Seine jetzige Betreuerin hätte öfter ihr Wort gebrochen. So was kann ich auch nicht ab und ich bin sehr zuverlässig. Die Sache ist geritzt. Ich freu mich schon auf den Fall.

Pilates, damit etwas Körperarbeit gemacht wird. Ich bekomme eine „Bunte“ aus dem Jahr 1964 von der Inhaberin geschenkt. Das ist toll. Risotto mit getrockneten Pilzen. 6 Portionen. Stephan isst sehr viel. Ihm schmeckt es sehr gut, wie er sagt. Die Simpsons Folge ist großartig. Die Einwohner von Springfeld sind alle Legofiguren. Marge wird die Hand abgerissen vom Hund, aber sie hat eine Schublade mit Ersatzteilen und nimmt die mit dem Glas in der Hand, die sie seit Silvester nicht mehr benutzt hat. Zu Maggie sagen sie „They’re so cute, when they’re duplo“. Homer hat Hallus, dass er Hände hat, die aussehen wie Würste (also abnormal und eklig), menschlich, statt Lego. Bart muss die Schule aus einem Berg voller Lego-Steine nachbauen und sagt, dass sei erst 12 +. Skinner sagt, dass wären nur Empfehlungen. Er baut was ganz anderes, verwendet aber alle Steine plus Ralfi. Am Ende ist es ein Alptraum, weil Homer Lisa erklärt hat, dass kein Elternteil auf der ganzen Welt gerne mit Kindern spielt und das immer gelogen ist und vorgetäuscht. Dann macht es ihm Spaß und sie nehmen an einem Wettbewerb teil und dann will Lisa lieber mit den älteren Mädchen ins Kino, die sie jetzt in ihre Clique aufnehmen wollen und versetzt ihren Dad. Sehr schöne Folge. Am Ende ist das ganze Universum in einer Lego-Box 2 Billionen +.

09.05. Stephan liest mir wieder aus der Haz vor. Radfahrer durch Öffnen einer Autotür vor Lkw. Er stellt dann fest, dass seien diese Kampfradler. Ja, ist wieder einer im Kampf gefallen. Fahrradfahren ist gefährlicher als Heroin, stelle ich fest.

Termin in der Hamburger Allee. Ein Plakat auf dem mit einem Igel für Enthaarung geworben wird so nach dem Motto: auch lästige Haare. Geht’s noch dämlicher, frage ich mich. Stacheln als Haare und das lebensnotwendig als lästig zu bezeichnen. Manchmal denke ich neben Fettabsaugung macht auch Haarentfernung doof.

Der Wind ist hütchenfeindlich und ich stehe im Eingang. Meine Betreute kommt. Ich habe mich wieder unfreiwillig von meinem Handy getrennt. Sie ist sehr schlecht drauf. Ich rede nicht viel. Wir sitzen im Wartezimmer. Bei der Sachbearbeiterin sage ich, dass Informationen noch fehlen, aber das einzig und alleine meine Schuld sei, weil meine Betreute sogar zu einer Vorbesprechung bei mir war und frage die Geburtsdaten ihrer Eltern ab und die Mietdaten und trage sie ein. Sie taut auf. Wir sollen noch mal im Wartezimmer Platz nehmen. Wir reden über die Vorteile dieses Hauses gegenüber dem schlimmen Jobcenter, bei dem ich durchdrehen würde, wenn ich da als Betroffener Schlange stehen müsste und die lustigen Leute hier, Rentner, Ausländer und junge Prinzen (wie im Märchen, einer lang und dünn und sein dicker Kumpel), der Dünne schimpft vor sich hin, dass das alles Nazis seien und er gleich gehen würde, genau gesagt um 20 nach. Wir sprechen über Renten und ich erzähle ihr, dass meine Freundinnen auch überwiegend auf Hartz IV Niveau sein werden als Rentner. Wir lästern über schlimme Klinikärzte und sie erzählt von Kunstblut für Theater, was man essen kann, weil es mit Mehl und rote Beete angerührt ist. Sie erzählt, dass es ein Experiment gab, bei dem sich verschiedene Leute haben einweisen lassen und behauptet haben, Stimmen zu hören, ein Journalist, ein Arzt. Während die Mitpatienten gesagt alle hätten, die gehören hier nicht her, hätten sie die schlimmsten Diagnosen von den Psychiatern bekommen. Die hätten ihnen alles bestätigt an Psychosen und Schizophrenie. Der eine Typ, der alles aufgeschrieben hat, wurde ein Schreibwahn attestiert. Ich muss lachen und sage, das glaube ich sofort, dass „Betroffene“ das viel besser erkennen können und man die nicht so leicht hinters Licht führen kann. Sie erzählt von einem Kind aus der Verwandtschaft was sagt „ich will Ungeborenes verzehren“ und alle schauen entsetzt, außer der Mutter, die übersetzt: „er will Eier essen“. Sie ist froh mich zu haben. Wir warten doch noch recht lange, aber ein afrikanisches Baby amüsiert uns gleichermaßen. Es ist herrlich zu beobachten, wie die Mutter an ihm herum knetet und es massiert und ausrichtet. Dann Überbrückungsdarlehen. Hätte sie gar nicht gebraucht, aber wäre trotzdem besser so. Sie hat 700,- € auf dem Konto. Wie geht das, will ich wissen und sie soll nicht immer nur Kunstblut essen. Ich frage, wie es ihr geht und sage, ich will nicht, dass sie äußerlich gefasst wirken und sich gleich was antun. Sie sagt, sie findet es gut, dass ich gefragt hätte und am Anfang sei es kritisch gewesen. Sie will jetzt einen Kaffee trinken gehen. Ich fasse sie kurz an und sage, dass ist eine Superidee. Ich liebe meinen Beruf.

Ich fahre zu Frau Schlechtgelaunt und erwische einen guten Tag bei ihr und bei mir. Sie hat auch einen Kefirpilz in der Küche und lauter Pflanzen, u.a. eine wie meine eine auf der Fensterbank in der Küche, die wie eine Mimose ist. Die muss nach draußen. Ach so. Sie schleift die Bretter ihres Balkonregals ab. Ich will ihr einen Ableger geben von der, die ausschaut wie ein Penis mit Geschlechtskrankheit und vielleicht auch mein Fensterblatt, was gerade nervt. Das könne man schön an der Wand befestigen. Viele Tipps bekomme ich und dann sprechen wir noch über den Rentenantrag (wir werden den Rechtsstreit vor dem Sozialgericht gewinnen, aber die sollen gefälligst die Rente nachzahlen und meine Kosten voll übernehmen), die dadurch bedingte Umstellung auf SGB XII (ja, ich mache das alles und es wird klappen) und den abgelaufenen Ausweis. Hier weiß ich im Moment keinen Rat.

Ein vermögender Sozialpädagoge sucht eine Wohnung. Das Plakat hängt bei Kreipe, leider haben die keine selbstgemachten Ostereier aus Schokolade mehr. Leider habe ich keine Kamers und kann kein Beweisfoto von dem Plakat machen.

Wir treffen uns mit Katarina im 11 A und haben Glück. Die Sonne scheint. Vorher bringe ich den Schuhlöffel brav zurück zu Anne Behne, der in meinem Schuhkarton war und den ich seit Tagen spazieren fahre. Katarina hat immer Extrawünsche, wenn man Essen geht, die sie heute mit den Worten „ist es möglich“ einleitet und ich nenne sie Sally. Am Nachbartisch kennt mich einer aus der Bachstraße. Ich hätte mich mal so engagiert. Weiß erst nicht um was es geht, dann doch. Nächstes Mal wollen wir uns im Rossini treffen.

Sunla ruft an. Ich muss ihr gestehen, dass wir ihren Ex und unseren langjährigen Lebensbegleiter auch zum Wiener Geburtstag einladen wollen, zumal er außerhalb Wiens wohnt und seine Freundin sei nett und ihre Wiener Freundinnen seien ja auch eingeladen. Das sei ganz uns überlassen. Beim Thema Medikamente sind meinen Freundinnen nur um meine schlechte Haut besorgt. Das scheint meine Freundinnen mehr zu belasten als mich. Tut nicht weh, ist nicht tödlich. Ich scheine bei weitem nicht so eitel zu sein.

Auf dem Weg zum Sport kaufe ich Karten für die Lumix, die langweilig schwarz sind statt mit einem Foto, z.B. vom Festivalplakat. Eine Frau beim Sport will ein Foto von mir machen, aber nur mit meiner Lumix-Eintrittskarte. Die Trainerin hat schlimm Asthma und tut mir echt leid, so wie sie nicht gut atmen kann und immer husten muss und zugleich vom tief Atmen spricht (das was ihr offenbar schwer fällt) und sich dann umdrehen und das Spray nehmen muss. Nach dem Sport fahre ich durch den strömenden Regen nach Hause und sehe noch mal Herrn Ihme, der hat eine Nachzahlung von knapp 117,- € bekommen, von der er noch nichts ahnt und ich habe mir schnell meine 35 entnommen. Wenn er nächstes Mal kommt um sich was zu borgen, habe ich eine kleine Überraschung. Heute Abend passiert nicht mehr viel und ich schaffe es noch nicht einmal meinen neuen TCM-Tee aufzukochen. Comedy-Verarschung auf den ADAC, dass sie lieber zu Luxusschlitten fahren und man sieht ein Auto mit einem Skelett am Steuer und der ADAC-Engel erklärt, dass sei kein Auto, sondern ein Peugeot.

Die Menschenkette der Ampelmännchen

01.05. Der erste Mal 1. Mai mit Regen, zumindest in meiner Erinnerung. Nach Kopfschmerzen am Vorabend bis 11 Uhr geschlafen. Tee trinken und basteln. Hütchen aus dem Metallhaarspangen vom Flohmarkt Revaler Straße. Ich habe bunte Wollreste, wiederum vom Käte auf die Wickler gewickelt. O.k. das wird ein Hingucker, aber nicht so doll wie die Metallbonbondose, die ich mir heute zum Ziel genommen habe. Ich habe sie auf dem Flohmarkt am Wasserturm geschenkt bekommen, aber ob der Schenker es so gewollt hat…Stephan ist zum Tramplatz und trifft dort Detlef, Karin und Stella und ich sitze im Wintergarten und nähe. Ich denke, vielleicht kein Hütchen, weil Claudia das nicht so mag und das ist das Ergebnis. Setze mich in der Bahn zu 3 Jungs, die sich nicht mehr einkriegen vor Lachen. Was das Outfit zu bedeuten hat, will der kleine, dünne wissen. Was hat denn Dein Outfit zu bedeuten, lautet meine nicht so originelle Gegenfrage. Seines sei „normal“, aber ich hätte eine Dose auf dem Kopf und Schneebesen an den Ohren. Er würde sich schämen so in die Bahn zu steigen und dann auch noch in die Innenstadt zu fahren. Was der Junge nicht weiß, ich will damit sogar nach Hamburg fahren und frage mich, ob ich das nicht noch bereuen werde und überlege das Hütchen abzusetzen, Stephan, der mich in der Bahn nicht gegen die Kinder verteidigt hat, ist aber dagegen und meint , es würde wohl wirklich vehemente Reaktionen auslösen, so wie die Leute sich im Bahnhof umdrehen und der ganzen Clique Bescheid sagen, geil, aber er finde es nicht so auffällig. Doch, irgendwie schon. ich habe deutlich das Gefühl, dass ich es diesmal übertrieben habe und bequem ist es auch nicht. Schon statisch ist es nicht abnahmefähig. Da sitze ich nun auf der Bahnsteigkante und der Zug hat 15 Minuten Verspätung.

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Ein Halstuch, ein Mantel, selbstgestrickte Socken und Ersatzunterwäsche habe ich vergessen. Das kommt davon, wenn man mit kleinem Gepäck reist….Heute Abend werden wir mit den Jungs Mahjong spielen. Da bin ich sicher vor Spot und Kälte.

Stephan hat den Liebessong aus Blue Valentin aufgenommen und wir hören ihn auch im Zug.

Es gibt Steinpilzrisotto und Pizza mit Steinpilzen, die roh eingefroren wurden.

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Stephan zeigt Yunfeng die Bilder aus Potsdam und er: und das sollen Chinesen sein? Jetzt fällt mir wieder ein, dass mir auch vor Ort aufgefallen war, dass die Figuren im Chinesischen Haus nicht wie Chinesen ausschauen. Wie jemand, der noch keine Asiaten in echt gesehen hat, quasi Phantasieelefant oder in diesem Fall weniger phantasievoll: Europäer mit etwas länglichen Augen.

Wir hören laut Musik und beobachten die Straßensperrung der Polizei am Schlump und das Durchfahren von ca. 40 Fahrzeugen. Ich sage, cool, Krawalltourismus und wir sind im gesperrten Gefahrengebiet, aber alles bleibt ruhig. Ist zu kalt und kein Demo-Wetter.

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Dann spielen wir Mahjong mit den schönen roten Steinen und ich gewinne ein Spiel mit über 350 Punkten. Da ich sonst in einigen Spielrunden hinten liege, freue ich mich, dass ich beim Meister wieder mal gut punkte und erkläre den Spieleabend für erledigt nach diesem überragenden Erfolge (ein normales Spiel bringt vielleicht zum Vergleich 16 oder 32 Punkte).

Wir sprechen die Jungs aufs Heiraten an. Thomas soll unter die Haube bevor er 50 wird. Das wird nicht klappen. Zu seinem Geburtstag lädt er uns ins Le Moissonnier ein. Da sagen wir gleich zu und freuen uns. Er will uns nächstes Jahr zu einer Doppelhochzeit überreden bzw. wir hätten das ins Spiel gebracht (was stimmt). Die Schwiegereltern aus China sind vielleicht das letzte Mal da und sie sind flexibel und kommen nach Hannover. Wir hatten schon viel geplant (Crepewagen und Kaffeemobil vor der Kirche, die Pastorin aus Eilvese, Menüfolge von Dieter Grubert mit Gänsestopfleber, Fisch, Taube oder geschmortes Fleisch und Peche Melba, 70er Jahre Saal, ehemalige Postkantine usw.) und dann nicht umgesetzt. Wir sollten das vielleicht machen, schließlich wissen die Jungs auch, wann sie sich das erste Mal geküsst haben, am 10.04.1989 und wir im Februar 1987 und ich habe außer mit meinem Mann nach der Heirat nur mit diesen zusammen gelebt und vielleicht passt es ja. Langjährige Beziehungen, die noch mal bewusst „ja“ sagen auf die ein oder andere Art. Sie rechtlich und wir symbolisch und für eine neuen Hochzeitstag. Thomas will Karaoke. Das finde ich auch lustig, sowie die Vorstellung der verschiedenen Schwiegereltern, die sich hier begegnen würden. Ich sage Thomas, dass ich seinen Schwiegereltern gegenüber meine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen werde, dass ihr Sohn nun seinen langjährigen Vermieter heiratet.

Telefonate mit Claudi. Wir gehen in die goldene Gans essen, weil ich als Abstinenzlerin nicht für die Kneipentour taugen und man praktisch nur mit uns essen kann. Vielleicht kommen die Jungs dazu.

Thomas hat eine Ärztepärchen geoutet, die beide gleichzeitig am selben Ort Urlaub gemacht haben. Er ist klug und wenn die Polizei solche Ermittler hätte wie Thomas und mein Mann würde einiges anders laufen.

02.05. Auch wegen des kalten Wetter hatten wir bei einer Interessierten, die in Hamburg wohnt angefragt, ob wir heute High Tea machen wollen, aber sie arbeitet. Das hätte ich wohl lieber auch tun sollen. Erst Emailverkehr mit dem Sachbearbeiter von Frau Yoga. Ich überlege, ob ich aus dem Krisengebiet Schanze als Grußformell schreiben soll, lass es dann aber lieber. Dann Arzt aus der Psychiatrie Wunstorf. Herr PM ist gestern nach PsychKG eingefahren, er hält sich für jemand anderes und war gestern nach Drogenkonsum stundenlang orientierungslos herumgeirrt. Ich berichte, dass eigentlich alles positiv gelaufen sei und ich gerade die Bestätigung der Rückgabe der alten Wohnung bekommen habe. Muss Montag den Antrag auf betreuungsrechtliche Unterbringung stellen. Die geistig behinderte Betreute wollte Geld holen und hat nichts mehr zu essen. „Scheiße“, dass ich nicht da sei. Das ginge nicht immer so auf Abruf. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass sie Hunger leiden muss.

Weil ich hier schon mal gewohnt habe, fühle ich mich wie zuhause und mache mir Kaffee und einen Ingwertee und schnüffele in der Küche herum bis ich den leckeren Rohzucker, Farin mittel oder wie das heißt in den großen 2 kg Gewerbecontainern finde. Ich hatte meine Tür mit „intravaginale Bestrahlung“ beklebt und der Lackschaden ist heute noch sichtbar.

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Es ist 11 Uhr und Yunfeng ist auch wach und hat seinen Physio-Therapie-Termin verschwitzt. Ich bin seit 8 wach und habe kalte Füße. Ich hatte gestern Hamam vorgeschlagen zum Zeitvertreib bei der Kälte, aber das ist ja doch nichts für mich. Vielleicht die Kaffeerösterei und dann um 16 Uhr bei Claudi sein.

Die Hinrichtung halte ich immer für einen bestialischen Akt, bei dem der Staat sich auf dieselbe Stufe stellt wie die Verbrecher. Noch schlimmer, die haben im Affekt gehandelt, wenn sie es überhaupt waren und hier wird kaltblütig vollstreckt. Das ist noch schlimmer. Im einen Fall verabreicht der überforderte Erziehungsberechtigte eine Ohrfeige aus dem Affekt heraus und das andere kann im Film „Das Weiße Band“ beobachtet werden, wenn die Bestrafung völlig überlegt und angekündigt kommt. Heute Abend um 18 Uhr werde ich die Strafe ausführen. So etwas hat mein tiefreligiöser Patenonkel im tiefsten Schwarzwald auch an seinen Kinder exerziert und ich habe es furchtbar gefunden. Auch Stephan regt sich zu Recht über den Todeskampf auf, über den auf Spiegelonline berichtet wird. Mit Elektroschockern in die Zelle verfrachtet und dann keine Vene gefunden und dann eine in der Leiste genommen, die dann geplatzt ist und nur das Gift gelangte in den Körper und dann Todeskampf und Schmerzen und nach einer ¾ Stunde Herzinfarkt. Man habe die Hinrichtung abbrechen müssen, weil keine geeignete Vene gefunden werden konnte und auch kein Giftcocktail mehr zur Verfügung gestanden habe. Das ist mal gründlich schief gegangen, würde ich mal sagen. Ich sage zu Stephan, warum, ihm würde es genauso gehen. Es meine er denn, wie sich seine Venen zusammen ziehen würden in dem Fall, dass ein Giftcocktail gespritzt werden sollte. Er müsse aufpassen mit Kapitalverbrechen in den USA.

Ich beobachte meinen Mann gerne beim Rasieren. Er macht das gut, sagt aber das sei intim, weil es auch mit Bluten und so zu tun hätte. Wir sprechen über Krankenkassen. Die TK ist die beste, sage ich. Die machen integrierte Versorgung und so. Stephan moniert, dass sie keine Zahnreinigung bezahlen. Das sei auch egal. Er ist anderer Meinung. Ich muss an den Rockerarzt von letztem Freitag denken, der sich entschuldigte, weil er Kaugummi kauen würde. Das sei nicht unhöflich gemeint, sondern ärztlich verordnet um dem Zahnfleisch zu helfen. Ob das nicht zu spät sei, meint er selber.

Das Unwichtigste habe ich dabei: frische Unterwäsche, keine Schlafbrille, keine Wollsocken, keine Jacke, aber so was. Ich klaue Thomas einfach einen Werbekulli. Mal sehen, was diese Freundschaft so aushält.

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Nach dem Frühstück legen wir uns wieder ins Bett zum Aufwärmen und ich muss dann Stephans Club RTL Jacke tragen, weil Eitelkeit ist hier fehl am Platze. Schließlich verlassen wir das Haus vor unseren Gastgebern, weil das zuhause herum drücken einem auch nicht angezeigt vorkommt. Wo sollen wir bloß hin? Eine neue Kaffeerösterei hinten Tim Mälzer? Stephan trinkt keinen Kaffee und mir ist kalt und ich bin anti. Wir fahren erst mal Bahn, da ist es schön warm. Dann Kunsthalle, die Kriegsbilder von Otto Dix, das kann ich immer schauen. Es ist der lange Weg zum Bahnhof und irgendwie landen wir am falschen Ende und dann im Museum für Kunst und Gewerbe in einer Coco Chanel Ausstellung, die ich schon plakatiert gesehen habe. Ich in einer Modeausstellung mit einer Club-RTL Bomberjacke. Das verbessert die Laune keineswegs. Die Kleider sind schön, gerade die 60er Jahre Wollkostüme, aber die Alte hatte einen Sockenschuss. Menschen, die schlechtes Essen nicht von gutem unterscheiden können und auf den Mond wollen und die um 22 Uhr kommen, wenn man um 20 Uhr zum Essen eingeladen hat und das normal finden. Sie schimpft und lästert vor sich hin als alte, dürre Schreckschraube. Da passt dieser Karl Lagerfeld mit seiner Klatsche gut rein. Auf den fahren die Hamburger total ab, weil er von hier kommt. Im Erdgeschoss wird andere Mode gezeigt, die aber auch z.T. sehr ansprechend ist und für Nähnachmittage vorgemerkt werden muss, gerade die alte Unterwäsche kann offenbar salonfähig gemacht werden. Die entsprechenden Modelle sind von Jill Sander.

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Am Schlump kaufe ich mir warme gebrannte Mandeln. Ich brauche jetzt was zum Trösten und Zucker. Ich merke, dass ich total Anti-Hamburg bin, mich nervt hier echt alles und diese Stadt ist nicht meine und ich lasse es leider meine Freunde spüren, die natürlich nicht erfreut sind, wenn man ihre Stadt so ablehnt, dass ist so ein bisschen wie das Kind dumm oder hässlich finden. Ich sage, echt jede Stadt mag ich Frankfurt, Köln, München, Berlin, Nürnberg, Fürth, aber dies Hamburg. Diese unfreundlichen Leute und dann bin ich selber extraunfreundlich, was es noch verschlimmert. Am Schlump lassen einen die doofen Autofahrer nicht über die Straße, obwohl sie 50 Meter später ohnehin rot haben. Rücksichtlos Man will mit der flachen Hand auf die Kühlerhaube schlagen. Das wäre bei uns nicht so und im Bus wird nicht geguckt, wer steht schon länger und hat Gepäck, sondern es herrscht die reinste Ellbogenmentalität und schnell sitzen und vorbei drängeln, jeder kämpft für sich und es herrscht keine Freundlichkeit. Ich lästere natürlich laut darüber. Ich habe hier sogar schon mal gewohnt und fand es auch in dieser Zeit nicht gut hier, ist einfach nicht meine Stadt. Dann echt lieber Nürnberg und Regensburg oder Frankfurt oder Köln, aber eigentlich strebe ich eh keinen Wechsel an.

Bei Claudia ist es warm, sie macht es warm mit Wolldecken und Wärmflaschen und wir trinken Ingwertee und essen Kuchen, Mangocheesecake und Rührkuchen, sie duscht und wir gehen in die Goldene Gans.

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Da ist es ganz lecker, auch wenn ich unter Pastrami auf dem Salat nicht 3 hauchdünne kleine Scheiben verstehe. Wir haben Diskussionen über den Sinn einer Konfirmation, (machen das die jungen Leute nur um das Geld abzugreifen) und wie man sich zu positionieren hat. Anschließend in die Laudrette, der Laden, wo sie Morgen feiern wird. Ein bisschen Disko hinten drin, eine sehr nette Bedienung und einen leckeren, alkoholfreien Drink. Was will man mehr. Meine Batterie ist leider fast alle und ich kann mich nicht mehr so gut unterhalten. Dann 12 Uhr und endlich das Geschenk. Lakritze aus Berlin und mal zusammen nach London. Claudia freut sich. Auf dem Heimweg treffen wir die Jungs, Gäste von Morgen, einer aus San Jose, aber meine Spitzigkeit fehlt. Noch mal Tee und Wärmflasche von der umsichtigen Gastgeberin (ihre Wollsocken hatte ich durchgehend an) und ich schlafe wie ein Stein. Als ihre Eltern den Geburtstaganruf starten werde ich wach um 9:45 Uhr und die Sonne scheint mir ins Gesicht.

03.05. Lecker Kaffee. Claudi hat eine Email von ihrem Ex bekommen, auf die ich antworten will, aber mit eigenem Namen als Sekretariat Claudia. Sie hat geträumt vom Yoga-Challenge, den ihre Freundin Lena auch machte in ihrem Traum. Die Nachbarin der Eltern kann nach Meinung der Mutter bald nicht mehr alleine leben, wochenlang hat sie nicht gewaschen (Wäsche), die Putzfrau macht nichts und Claudias Mutter muss den Haushalt schmeißen. Claudia schenkt mir 2 Bücher, u.a. ein neues von Friedrich Torberg und ein anderes aus Wien sowie den Nescafé aus Griechenland in der taillierten Dose. Überhaupt ihre Erzählungen aus Griechenland und von Athen machen Lust da mal hinzufahren. Sie geht bald aufs Everlast-Konzert, aber der Juli ist bei uns zu voll. Ich werde ihr selbstgeklebte Tüten aus dem Physikbuch sowie eine Retro-Seifenschale schicken. Wir wollen im Stadtteil etwas bummeln.

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Erst lassen wir uns anfüttern mit Gummibärchenmaterial und kaufen gleich (Waldmeisterbärchen und Rosen) und dann ein Strickladen, wo ich überteuert für 7,50 € ein gehäkeltes, gelbes Seepferdchen kaufe. Kaffee beim Franzosen, Kaffee gut, Backwaren schlechter als im türkischen Backshop in Berlin, aber lieb dekoriert mit Körben usw. Aufmachen ist alles, gerade in Hamburg. Claudia darf doch nebenan nicht aufs Klo, obwohl ein Bekannter, der ebenfalls Kaffee trinkt, ihr sagt, die seien ganz nett. Aber nicht zu ihr. Wir überlegen mal zusammen nach Tel Aviv zu fahren. Schön Strand und Bauhaus und lecker Essen. Ich verwechsele das erst mal mit Tel Aviv, der Strandbar in Wien und behaupte, wir seien schon da gewesen und es war sehr nett. Stephan lauscht amüsiert unserem Missverständnis. Dann Rotes Kreuz (Kiloladen), da will ich hin). Ich kaufe auf den billigen Seite 4 Teile für 4 €. Ein langärmeligen BW-Pulli, bei dem man die Eule auf meinem Kleid sieht, aber ich nicht mehr frieren muss und selbstgestrickte Kinderfäustlinge in den spanischen Farben, asymmetrisch. Die sind toll und sprechen mich gleich an. Das gibt ein prima Hütchen mit dem Seepferd. Dann noch ein Rock in rosa-lila-blau mit etwas weiß kariert (mal sehen, ob der getragen wird) und ein Gretarschloch T-shirt „Lieber ne Flasche Bier als Freund, als ne Flasche als Freund“. Dann Tee kaufen bei Claus Kröger und teure Schokolade. Die Flaschendeko im Schaufenster stürzt ein im Dominoeffekt. Auch nicht schlecht, etwas Unterhaltung fürs Geld. In der Sonne ist es warm. Viele sind mit Kindern und Kinderwagen unterwegs, verstehen aber keinen Spaß. Claudia will zu H & M und ich sage „nein“, sie kauft doch wieder ein schwarzes Kleid und davon hat sie genug. Ich bin auch eine fiese Freundin. Dann gehen wir zum Vietnamesen, aber statt dem bewährten „Wild Rice“ einen neuen, der empfohlen wurde, „Green Papaya“ und die würzen mit Maggie. Claudia ist entsetzt. Der Minztee mit Honig schmeckt gut.

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Zurück zu ihr. Vorher noch der Laden mit den englischen Waren. Leider keine Butterkekse, aber Scones zum Aufbacken und das ein oder andere was ich gebrauchen kann, Postkarten, wiederum alte Propagandaplakatmotive aus dem 2. Weltkrieg, die mich ansprechen, einen kleinen Teller mit einem Uhrenzifferblatt drauf zum Verschenken und Fudge. Anprobe für abends (und ich berate meine Freundinnen ehrlich) und dann ist es Zeit zu gehen. Claudia geht gleich ins warme Bikram-Studio und macht Yoga mit ihren Freunden, die können auch alle richtig feiern, während mit mir nichts mehr los ist und wir kehren nach Hause zurück. Auch gut so. Mit dem Bus, Kurzstrecke zum Bahnhof Altona. Hier bekommt Stephan noch seine Franzbrötchen von zwei verschiedenen Bäckern und wir testen und wir fahren schön Zug. Das schwule Pärchen vor uns macht einen auf Nachtflug und stellt den Sitz weit zurück, aber ich kann trotzdem vor mich hin schreiben und klackern. Ich hoffe, das nervt die. So macht mich Hamburg, wird Zeit, dass ich wieder normal werde. Ich überlege, ob meine Abneigung daher kommt, dass ich hier in der Stadt meine Lähmung bekommen habe und richtig krank wurde, ob ich es der Stadt vielleicht übel nehme. Ich habe jedenfalls auch hier gewohnt und werde nicht warm mit der Stadt.

Ich schreibe Text für die Konfirmation und beschließe den Fudge zu verschenken. Das kennt der junge Mann vielleicht noch nicht. Die Freundin aus Köln kommt spät, d.h. um nach halb neun, weil ihr Billigzug Stunden brauchte und ich bin müde. Wir gehen eine Pizza essen ins Mio Mio, obwohl sie zu viel italienisches Essen isst und es ihr zum Hals raushängt und sie lieber Thai mag, aber auch kein Reis, zumindest kein Risotto. Gut, dass wir nicht gekocht haben. Ich muss mir anhören, dass es gut sei, dass ich nicht mehr trinken würde, dass wäre wohl zu viel gewesen, hätte sie gehört von Stephan. Ich denke, da kritisiert mich ja die Richtige und bin eingeschnappt. Wir gehen alle früh zu Bett.

04.05. Ich thematisiere noch mal morgens, warum meine gesundheitlichen Themen hinter meinem Rücken besprochen werden und gerade von Leuten, die genug eigene haben. Ich traue mich nicht das weiße gesteppten Polyesterkleid anzuziehen, was etwas aussieht, als wäre Oma aus dem Krankenhaus geflohen, weil der Konfirmand soll keinem Spott ausgesetzt sein. Ich denke unweigerlich an die gehässigen Konfirmanden neulich aus der Bahn. Wir fahren zur blauen Glashaltestelle und dann nach Neustadt. Dort stehen wir eine Weile am Hinterausgang des Bahnhofs und werden dann von meiner Schwiegerfamilie eingesammelt. Wir fahren vorbei an der Baulücke Bahnhof, wo sie innerhalb kürzester Zeit irgendwelche Gebäude weggerissen, d.h. dem Erdboden gleich gemacht haben und man kann sich gar nicht mehr daran erinnern, was da überhaupt stand. Mein Schwiegervater fliegt schon vor der Kirche aus dem Auto. Wow, hier ist wieder ein harter Umgangston angesagt. Stephan sagt später, er habe auch aussteigen wollen, damit er nicht so lange laufen muss. Irgendwie kam das anders rüber. Moderne Kirchen kenne ich ja, aber diese Kirche sieht aus wie ein Wohnhaus. In der Familie des Vaters haben etliche gesundheitliche Themen und ich werde kurz dazu gebrieft. Die Kirche ist voll und es steht eine Ampel auf der Kanzel und ich denke, Lichtanlage? Es singt ein gut gelaunter Chor englisch sprachige Lieder. Die Mädchen sehen aus wie volljährig und sind aufgedonnert, die Jungs sehen aus wie Bubies um die 11-12. Die Mädels waren offenbar seit 7 Uhr beim Friseur und haben sich maximal gekünstelte Locken und Lockensteckfrisuren fertigen lassen, die schwer einbetoniert sind, dass die Kreuze am Lederband beim Umhängen Widerstand leisten, wenn sie gegen die steifgesprühten Haare prallen. Mensch, natürlich ist angesagt, sehen die nicht, welche Frisuren Kate trägt? Dafür haben sie mehr soziale Kompetenzen als die Jungs und schaffen es danke zu sagen. Die letzte Gruppe der Jungs bewegt dann auch die Lippen. Sie haben es sich abgeschaut.

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Zwei Reihen vor uns sitzt Herr Rösler, den Kathrin neulich im Flieger für Yunfeng gehalten hat. Ein kleines Mädchen vor mir ist von mir sehr fasziniert. Der Dirigent des Chores trägt einen Schal in Regenbogenfarben (Gay Pride mäßig) und die Chormitglieder sich je nach Stimmlage farblich auch schalmäßig ausgestattet bzw. abgestuft von gelb, blau bis hin zu weinrot. Der Pastor hält eine nicht nachvollziehbar Predigt über die Ampelmännchen, die ihn an den Gekreuzigten erinnert hätten und er habe sich über so viel christliche Symbolik in der DDR gewundert und es sei auch das Segenzeichen und wenn man zwei Ampelmännchen an einander stellt, ergibt das eine Menschenkette und das ist der Zusammenhalt in der Gemeinde der Christen. Schon mal was von an den Haaren herbeigezogen gehört? Die „Konfis“ bekommen Türschilder mit Ampelmännchen, damit sie „Stopp, jetzt Privatsphäre, aber frag ruhig warum und wie es mir geht“ bis hin zu „komm rein, ich bin bereit“ alles signalisieren können. Vielleicht auch „Bitte Zimmer aufräumen“ als Hinweis an die Mütter, wie später bei uns am Tisch gescherzt wird. Die Konfirmanden sollen das letzte Stück zusammen mit dem Chor singen. Das klappt eher schlecht und sie ziehen aus der Kirche und empfangen die Gemeinde draußen als Spalier.

Bei uns geht es weiter mit Spargelmenü in einer Gastronomie, die heute voll ich mit Konfirmationsgesellschaften und einem Freund von K. kommt dazu, den ich frage, ob er nächste Woche dran ist um zu erfahren, dass er keine Konfirmation macht und auch Wert und Norm als Schulfach hat. „Ja, und wie will er das finanzielle Loch stopfen?“ Will ich dann von ihm wissen. Über Geburtstage, lautet die sympathische Antwort. Ich schlage K. vor, dass wir für seinen Freund sammeln oder er was von seinem Reichtum teilen müsse. Unsere Kölner Freundin hatte noch gestern Abend von ihrer Jugendweihe erzählt. Der Konfirmand und sein Kumpel essen den Spargel immer noch mit Ketchup. wie damals. ich kann es nicht fassen, dass die Kindheit offenbar gastronomisch voll andauert.

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Die Eisportionen sind sehr unterschiedlich groß und während ich ein ca. 10 cm dickes Stück bekomme, hat Stephan weniger als die Hälfte, was er natürlich moniert. Ich frage eine Verwandte gegenüber, wie lange ihre Konfirmation her sei und erkläre ihr das Dilemma der Rentnerperspektive als sie mir antwortet: 5 Jahre. Für mich sehe sie genauso aus, die die Mädels heute in der Kirche und sie könne vermutlich auch nicht sagen, ob ich vierzig oder sechzig sei. So sei das eben mit etwas Altersabstand.

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Anschließend fahren wir zu dem Konfirmanden nach Hause und essen weiter. Den Blumenschmuck nehmen wir mit, der ist bezahlt.

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Der Vater und Schwiegervater fliegt aus der Küche. Meine Schwiegermutter und Schwägerin machen Schnittchen. Der Konfirmand hatte sich Rehrücken gewünscht und als es nun Spargelmenü geben sollte, wollte er wenigstens einen süßen Rehrücken und das war schwieriger als gedacht, aber die Frauen in der Familie haben alles getan um seine Wünsche zu erfüllen.

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Er sitzt vor dem großen Stapel aus Briefumschlägen und sein Freund hilft ihm Buch zu führen. Die Karten werden nach Aufforderung laut verlesen und der Geldbetrag wird sowohl in eine Liste eingetragen als auch auf den Umschlag geschrieben.

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Der Konfirmand mit seinem Pflaum auf der Oberlippe erinnert uns unweigerlich an Zero aus „Grand Budapest Hotel“. Ich will die Meerschweinchen sehen und die werden in der Garage gehalten. Ich versuche sie mit einer Erdbeere zu locken, aber sie sind sehr menschenscheu und als ich nassforsch das Gitter entferne ist alles zu spät und quickend kauern sie zusammen. Ich lass es dann. Später machen wir einen Spaziergang durch die Neubausiedlung und betrachten die verschiedenen Häusertypen, die für mich oft ausschauen, wie Musterhäuser. Dieter braucht einen Gullideckel. Wir suchen schon mal ein schönes Objekt. Ich sage, wie eine polnische Einbrechertruppe, bei Helligkeit schauen und später dann holen. Dieter pflückt Löwenzahn. Ich tue es ihm nach. Das mögen die Meerschweinchen weiß er und sie fressen ihm aus der Hand und er steckt die Finger durch die Glitter und streichelt sie immer wieder und redet ihn gut zu. Er ist sehr geduldig und ich erkenne meinen Mann in seinem Vater. Das sei eine Schande, dass man sich so wenig mit den Tieren beschäftige, früher sei es noch schlimmer gewesen und ihnen immer Gurken und so kaufen, dabei mögen sie das frische Grün am liebsten. Er hat sowohl den Käfig in der Garage als auch den für draußen gebaut. Innen schwindet die Familie des Vaters und die Arnholds sind bald unter sich. Ich wühle mich sehr wohl bei meiner Familie und wenn die Schwiegermutter ihren Mann wieder anherrscht sage ich, kein Wunder, dass Dieter keine Angst vor den Meerschweinchen hat. Es ist eine ausgelassene und gute Stimmung. Stephan und ich helfen verlässlich die Schnittchen zu dezimieren.

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Meine Schwiegerfamilie fährt uns zum Bahnhof und bleibt im Auto und wir winken immer wieder. Ob sie bleiben wollen, bis der Zug einfährt. Ich brülle über die Gleise: „Danke, Dieter, dass Du mir gezeigt hast, wie man Meerschweinchen füttert“. Das reicht jetzt wohl und der weiße Mercedes fährt los.

Wir kommen spät nach Hause und die Freundin noch etwas später. Ich entdecke neue Kunst in der Rampenstraße, die wohl zum Teil schon zerstört wurde.

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Die Oma, die Geburtstag hatte, hat immer vom Sterben gesprochen und wer alles verstorben sei (soundso ist aufgewacht und gestorben. Ist das nicht schön?) , auch wenn man diejenigen nicht kannte, so das Fazit der Enkelin, sie mochte es jedenfalls nicht mehr hören. Heute kann keiner mehr was essen, außer etwas Lakritze aus Berlin. Ich bügele eine Runde. Dann gehen wir ins Bett.

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Die Radbruch-Theorie

28.04. Ich stehe auf Busfahrer, wenn man überhaupt auf einen Berufszweig stehen kann. Die sind meistens coole Säue, die nichts aus der Ruhe bringen kann und die einzigen, wahrhaft sozialen Autofahrer. In Hannover flirte ich regelmäßig mit dem ein oder anderen und habe das Gefühl, dass es auf Gegenliebe beruht, zumindest teilweise.

Heute steige ich der Stellenleiterin der Jobcenters, deren Email Adresse die Jobvermittlerin mir fahrlässigerweise gegeben hat richtig aufs Dach und es wirkt. Die Jobvermittlerin hat schon eine Anhörung rausgeschickt, weil Frau Yoga nicht bei der Arbeitsvermittlung war am 25.04. Das war alles schon doppelt und dreifach geklärt und ich hatte vorsorglich auch noch ein Fax geschickt, weil man sich da auf nichts verlassen kann, außer dass sie mahnen und kürzen. Die Anwältin der Hausverwaltung schaue ich mir vorher im Internet an. Sie wirbt mit einem Zitat von Gustav Radbruch:

„Recht ist Wille zur Gerechtigkeit.“

Radbruch ist nun genau mein Thema. Genauer gesagt, die Radbruch-Theorie. Ich habe für mein erstes Staatsexamen in Jura auf dem Gebiet Rechtsphilosophie über die sog. Radbruch-Theorie eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben, die über 500 Fußnoten hatte, z.T. die Fußnote in der Fußnote und mehr an eine Doktorarbeit angrenzte als alles andere. Ich habe dafür zu wenig Punkte bekommen und ich meine, es war eine inhaltliche Zensur. Die These, die zu belegen war, lautet, dass der Rechtspositivismus der 20er Jahre den Weg zu Hitler geebnet habe und ich habe diese Theorie widerlegt, statt sie zu untermauern. Diese sog. Radbruch-Theorie besagt, dass der böse Rechtspositivismus, der kurz zusammengefasst besagt, dass man als Jurist und Richter an Recht und Gesetz gebunden ist und Gesetze umsetzen muss, die Juristen quasi willenlos gemacht hat, weil sie nicht erkennen konnten, dass es Unrecht war, was sie taten. Der Gegensatz zum Rechtspositivismus ist z.B. Naturrecht und ich war der Meinung nach meinen Recherchen, dass die Nazis mehr mit Naturrecht gearbeitet haben. Dieses ganze völkische Zeug, mit dem sie die Ausgrenzungen gerechtfertigt haben ist quasi Ersatzreligion und hat mit formellem Recht gar nichts zu tun. Die bekannten Rassegesetze waren nur die Spitze des Eisberges und kamen zeitlich viel spät ins Spiel. Die Juristen waren nicht durch die veränderten Gesetze geknebelt, die sie anwenden mussten, sondern haben im vorauseilenden Gehorsam die Ideen der Nazis umgesetzt. So war keine einzige Änderung der Bürgerlichen Gesetzbuches vonnöten. Die Richter haben einfach definiert, dass Juden nicht zur Volksgemeinschaft gehören und daher auch nicht zur Hausgemeinschaft und damit automatisch ihre Rechten in Mietverhältnissen verlieren, ohne dass ein Buchstabe des Mietrechts geändert wurde. Besonders eindrucksvoll war das im Strafrecht. Man hat sich sogar bewusst über bestehende Gesetze hinweggesetzt, was mit Rechtspositivismus nun gar nichts zu tun hat, wenn z.B. erst ab 16 die Todesstrafe für Deserteure verhängt werden durfte, hat der zuständige Richter, der nun einen fremdstämmigen 15-Jährigen vor sich hatte, der durch einen Diebstahl von Lebensmitteln die Wehrkraft zersetzt hatte kurzerhand überlegt, wie würde der Führer entscheiden und dann war die Hinrichtung ohne weiteres möglich und auch angezeigt. Das jedoch hat nichts mit Rechtspositivismus zu tun und der Theorie, dass die armen Juristen durch den Glauben, das Recht umsetzen zu müssen, willenlose Werkzeuge waren. Sie haben als Vorreiter der Nazis alles umgesetzt bevor oder ohne dass Gesetzesänderungen überhaupt erforderlich waren. So was lesen die Juristen natürlich nicht gerne.

Die Telefonate mit der „Radbruch-Frau“ verlaufen etwas eckig und kantig und sie will taktieren, dass die fristgerechte Kündigung auch noch nach Zahlung der Mietrückstände im Raum sei und ich drohe damit, dass nicht zu akzeptieren und vom Amtsgericht prüfen zu lassen, weil meiner Betreuten sei ein weiterer Umzug nicht zumutbar sei und ich das nicht zulassen werde, dass sie ihre Wohnung verliert und da könne sie sich ja überraschen lassen, was Betreuung beim Amtsgericht in Mietsachen so bewirken kann. Übermorgen soll erst Mal Vorabnahme sein, aber es wird noch rot sein und nicht gestrichen. Ich sage, lieber dran bleiben und biete daher im Interesse des Vermieters diesen Termin an zu dem ich fahren muss. Am späten Nachmittag warne ich sie kurz, dass der Sachbearbeiter vom Jobcenter, dem seine Chefin und die Chefin darüber nun aufs Dach gestiegen sind aufgrund meiner Mails sich bei ihr melden wird. Es geht darum, ob die Mietkosten als angemessen anerkannt werden, also soll sie nichts Falsches sagen, weil wir das Darlehen sonst knicken können. Sie bedankt sich für die Vorwarnung. Ich habe überhaupt das Gefühl, dass sie recht beeindruckt ist von meinem Arbeitstempo. Kann man auch sein.

Morgens kommt mein kurdischer Betreuter und seine Frau, mit der er nur 3 Kinder hat, aber nicht verheiratet ist. Es geht um den Vorwurf des Kreditbetruges, weil hier jemand gefälschte Lohnabrechnungen von ihr eingereicht hat als Reinigungskraft bei einer Baufirma um einen Autokredit zu bekommen. Sie war es jedenfalls nicht und hat immer nur brav gezahlt. Sie haben keinen Darlehensvertrag geschlossen, immer nur Raten bezahlt, so ihre Wahrnehmung. Das jüngste Kind, ein Mädchen haben sie dabei und es singt fröhlich. Mein Betreuter will noch eines und seine Frau sowie ich sagen beide nein. Ich sage, sie ist doch keine Maschine und das zarte Ding wiederholt das, „ja, ich bin doch keine Maschine“. Sein Arzt hat zugleich empfohlen, dass ich Betreuerin bleibe „er mich behalten darf“.

Herr Ihme war natürlich nicht bei der Spritze und ich muss Morgen hin.

Ich habe in einer Woche Termin bei der TCM-Ärztin.

Beim Sport fragt mich Mikael, als ich im Treppenhaus mit nackten Füssen und Trainingshose in meinen Ansatzschuhen stecke, ob ich so im Büro gewesen sei. Ich sage, nein, nur freitags, das ist Casual Friday. Auch 3 andere Frauen machen Doppelkurse, aber für Aufsehen sorge ich offenbar mal wieder.

Stephan hat mir Blue Valentin aufgenommen, den ich gerne gucken wollte bis kurz vor 12. Was für ein trauriger Liebesfilm, weil die Liebe nicht erwidert wird und er so schön konsequent ist, aber es ihm nichts bringt.

29.05. Kurz ins Büro, dann zu meinem Termin beim Oststadtkrankenhaus. Hier ist mal Street-Art der anderen Sorte zu bewundern.

Schachtelgirlande

Die Alkoholikerbetreute ist dick geworden, genau wie ihr Hund.

räudiger Dickie mit Walross 3

Außerdem hat sie noch einen Vogel und auf dem Balkon ein Kaninchen. Der reinste Privatzoo. Der Jagdhundmischling der ambulanten Wohnbetreuung zittert vor Aufregung, weil das Kaninchen frei herum hoppelt. Frau KV hat den Ratenzahlungsplan für die Badermöbel zu einer Wandinstallation verarbeitet.

Widder mit Mahnung

Ich boxe sie aus einer Sache raus (Tierheimkosten für abgegebene Katzen und zack schließt sie eine Ratenzahlungsvereinbarung ab). Sie hat einen grünen Daumen und eine neue Waschmaschine von einer Haz-Spende bekommen. Den persischen Tee der Wohnbetreuung will sie mir schenken mit den Worten, sie wisse nicht, wo sie den her habe. Die Wohnbetreuung protestiert, dass er von ihr sei und so gehe sie mit Geschenken um. Die Tochter der Betreuten, die ich auch kenne, erwartet ein Kind am 02.06. Sie sei mit einem Türken zusammen, den sie noch nie kennen gelernt habe. Die Wohnbetreuung vermutet, dass die Mutter ihrer Tochter peinlich ist. Das kann schon sein. Es geht viel um Mr. Lover. Ein rassistischer und gewalttätiger Freund der Betreuten, auf den sie stolz ist, weil er mehr als 10 Jahre jünger ist. Während die Wohnbetreuung sich als Therapeutin versucht und feststellt, dass sie ihre eigene lieblose Kindheit du den gewalttätigen Vater in ihren Männerbeziehungen wiederholt, sieht die Betreute das anders. Nach 3-4 Tagen seien die Männer schwanzgesteuert. Dann würden sie Druck ablassen wollen. Er würde dann nachts klingeln und sie wecken und fragen, ob sie besoffen sei. Er würde sich dann selber ein Bier aufmachen und dann Sex haben wollen. Ja und es sei schade, dass sie sich für so was hergebe, meint die Wohnbetreuung und die Betreute ist der Meinung, dass sie auch nicht abgeneigt sei. Ich bin auch der Meinung, dass sie den Typen in den Wind schließen soll, aber das wird wohl nicht passieren. Er beleidigt sie und sagt, sie sei zu alt und nicht attraktiv und dann säuft sie und heult und es ist Schluss, aber nur bis er sie nächstes Mal wieder wachklingelt.

Zahnbürstensalat

In der Bahn im Fahrgastfernsehen die heldenhafte Kängurumutti Claudia und ein Vater, der ein Baby vorne auf den Bauch geschnallt hat und damit eine perfekte Mischung aus Kaiserpinguin und Känguru darstellt. Eine Frau flirtet mit beiden und kriegt sich nicht mehr ein.

Ich muss bei den Wahlplakaten lachen, weil Fleischmann kandidiert tatsächlich. Hier beruhte das satirische Motto: Fleischmann for President auf einer wahren Begebenheit. Ich mag die Axel Brockmann-Plakate weil ich jetzt immer an Kent Brockmann, den Nachrichtensprecher der Simpsons denken muss. Wenn ich könnte, würde ich die Plakate entsprechend modifizieren.

Auf dem Rückweg zu Herrn Ihme, er ist nicht da. Ich steige unten aus dem Fahrstuhl und er steht mit einer Einkaufstüte und seinem bodenlangen Columbine-Mantel vor mir und strahlt mich an. Ob ich bei ihm gewesen sei, will er wissen. Nein, er war nicht da. Ich wollte schon antworten, dass ich hier jetzt auch wohne. Ja, Spritze, er verspricht mir, dass er dort hingehen werde. In 20 Minuten sei er da.

Die Nichte hat Geburtstag und ich telefoniere mit ihr. Sie hat einen Fat Boy geschenkt bekommen, den hat sie sich in einem Möbelhaus ausgesucht und Mama und Papa haben das besprochen, ob Oma und Opa den bezahlt können und das hat geklappt und jetzt ist ihr Bruder ganz neidisch darauf, weil da kann man gemütlich drauf herum fletzen oder ihn zum Sitzen benutzen oder als Tisch oder darauf knien oder auch unbequem darauf sitzen. Ich telefoniere mit der Mutter und mache Smalltalk. Ich erfahre, dass in St. Gallen am 1. Mai kein Feiertag ist, in Zürich schon.

Herr Ihme war nicht bei der Spritze und ich darf es Morgen ein drittes Mal versuchen. Das nervt, weil der gar nichts hinbekommt.

Abends ist das Burgtheater in Hannover zu Gast. Wir sitzen ganz hinten, außen und haben Leselampen wie im Flugzeug. Statt erste Reihe Mitte, letzte Reihe außen, also mal andere Perspektive.

Staatstheaterselfie Staatstheaterbühne von oben

Es ist viel Unruhe bei uns in der Ecke und ständig wollen Frauen raus und manchmal auch wieder rein und es wird viel geredet. Das nervt, kann aber die erstklassige Inszenierung und die weltklasse Leistung auf der Bühne nicht versauen. 3 Schauspieler decken alle Rollen ab und erzählen den Rest. Es ist schön abstrakt gemacht, gerade die Gewaltszenen. Ariel wird von einem lange, dünnen Typ gespielt, der wunderbar devot seinem Meister alle Wünsche erfüllt und immer so eine herrlich devote Körperhaltung einnimmt und „ja, Meister“ sagt, leicht buckelig und rückwärts abtritt. Er erinnert mich an eine Mischung aus Herrn Ihme und einem anderen Betreuten von mir, dem Architekten, der auch Glatze trägt. Ich bin schwer beeindruckt von dem Stück, was auch viele skurrile Ansätze hat mit den Geistern, die im Baum gefangen sind, aber eben auch voller tiefer Weisheit steckt. Als Prospero geläutert ist und nicht mehr auf Rache sinnt, stellt er fest, wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser winziges Leben ist umfüllt von Schlaf. Wie viel Weisheit und Poesie hierin steckt. Ich bin richtig gerührt. Ich weiß auf jeden fall auch, wie mein nächster Hund heißt, wenn er am besten noch ein körperliches Gebrechen hat. Caliban, die Missgeburt, Dir habe ich mühsam versucht Sprache beizubringen, schimpft Prospero mit ihm und er wirft sich gerne anderen Herrn an den Hals um dann zurück zu kehren als Diener und festzustellen, wie dumm von mir diesen versoffenen Matrosen als neuen Herren erkoren zu haben.

Im Kunstverein wird ein Typ verabschiedet, über dessen Wegzug aus Hannover ich mich nur freuen kann. Will schon so was wie: immer schön Beratungsdienstleistungen bezahlen auf die Abschiedstafel schreiben, aber ich stehe darüber. Er ist ein farbloser Langweiler, meiner Meinung nach. Er redet lang und langweilig und wir fallen über das Büffet her, was armselig ist, wie die ganze Veranstaltung und aus meinen Umsonstpackung Nimm 2 Lachgummis besteht und schlechter Salami und schlechtem Käse. Das einzige Highlight ist eine Bigband in veränderten Blaumannuniformen mit Putzschwämmen als Schulterposter umrahmt von goldenen Fransen, die spielt und wir kennen einige der Herren die sich hier zusammen getan haben (es sind 19), u.a. unseren begabten Tischler, der ein großes, kompliziert aussehendes Blasinstrument spielt. Ich frage nach dem Auftritt, ob sie sonst auf Beerdigungen spielen, weil es so New Orleans mäßig rüber kommt. Ein Kostüm kann Leute verändern und ein Kleingartenbesitzer und ehemaligen Nachbar, der sonst immer sehr reserviert ist, ist heute wie ausgetauscht und ich will ihm Kölner Karneval verordnen, dass er mal ein bisschen aus sich herausgeht.

30.04. Morgens zu Herrn Ihme. Er ist schlecht drauf und weiß nicht, was gestern passiert ist und will nicht darüber reden. Ich warte vor der Tür, es stinkt in der Wohnung nach verbrauchter Luft und seinem Körpergeruch. Er wird aggro und macht was kaputt. Er kann sein Portemonnaie nicht finden, es taucht doch wieder auf. Auf zum Arzt. Der Mann im Wartezimmer lobt meine neuen Schuhe, in die ich auch ganz verknallt bin. Ja, die gibt es in Hannover zu kaufen. Meiner will schon gehen und ist dann an der Reihe. Seinen Spitzenpass hat er schon für den Filterbau aufgebracht und lässt sich einen neuen geben. Er will noch mit mir einen Kaffee trinken gehen und bettelt, nur 10 Minuten. Ich sage, nein, ich muss arbeiten. Ich schlage vor, dass er heute noch mal um 17 Uhr vorbei kommt, weil er heute Geld bekommt und was bei mir abgeben sollte, damit ich es einteilen kann, weil ich ihm keines mehr leihe. Er kommt nicht, das weiß ich schon, aber ich werde hart bleiben.

Will Lumix-Karten kaufen, aber Enjoy your Camera hat sehr eingeschränkte Öffnungszeiten erst ab 15 Uhr.

Im Büro stelle ich fest, dass ich beim übernächsten Spritzentermin in Paris bin. Ich nerve die Beratungsstelle so lange und nein, am 28.05 bin ich schon im Urlaub, bis ich am 21.05., dem Geburtstag meines Mannes, Hilfeplanung habe und informiere den Träger über den ersten Spritzentermin, den die wahrnehmen müssen, nämlich am 28.05.

Fahre zur Wohnungsübergabe und Frau Yoga kommt mir im Treppenhaus mit Sachen entgegen. Die Wohnung ist nicht ganz leer und die beiden Herren, die erscheinen haben leider keine Geduld und auch kein Werkzeug dabei um die Tür zu öffnen, die nicht aufgeht oder das Wasser abzustellen, damit sie die Spüle herunter tragen kann. Sie brechen die Sache nach 5 Minuten ab. Heute kommen die Kinder der Betreuten. Der Scheidungsantrag ist eingegangen. Wir besprechen uns und ich komme leicht zu spät zum ersten Geldabholtermin. Die Mitarbeiterin des Kollegen hat mir eine email geschickt, dass meine Mandantin da sei. Ich reagiere darauf sehr säuerlich, dass sie mich nicht an meine Termine erinnern müsse, die habe ich selber auf dem Schirm. Ich hatte mich im grünen Wasserschutzgebiet auf dem Rückweg etwas verfahren. Die Vögel sind so laut, dass einem die Ohren abfallen. Er ist alles im Überfluss und herrlich. Meiner Betreuten erkläre ich, dass ich ihr kein extra Kleidergeld zahle, weil sie 90 statt 70 die Woche bekommt und davon was ansparen soll und außerdem kenne sie doch die Kleiderkammer und verkaufe die Schuhe von dort auf ebay. Eine Diskussion ist entbehrlich.

Es folgen noch heftige Telefonate mit der Radbruchanwältin, die immer noch taktieren will mit der unteren Wohnung und ich sage, umgekehrt, ich tanze nicht mehr und mache gar nichts mehr bis ich von ihr die schriftliche Bestätigung habe. Nachdem ich ihr gedroht habe, dass sie ihr blaues Wunder erleben wird, kriegen wir uns beide wieder ein und sie sagt, ihre Mandantin sei sozial eingestellt und vielleicht wird auf das Streichen verzichtet, Hauptsache die Wohnung ist leer. Ich gebe das so weiter und Freitag kommt einer der Wasser abstellt und die Waschmaschine unten anschließt. Frau Yoga fährt gerade zu Ikea und kauft dort Stangen, dass sie weiter Regale aufbauen kann. Ich freue mich, dass meine Dynamik offenbar ansteckend wirkt.

Eine ambulante Wohnbetreuung, die ich nach dem Namen nicht kenne, fragt an wegen Betreuerwechsel. Er bekommt seine Anwältin nie zu Gesicht, nur die Mitarbeiter. Es 25 Jahre alt und drogenabhängig und hat eine Psychose und kommt aus der Wohnungslosigkeit und Mutter war auch drogenabhängig und ist schon tot. Das klingt nach meinem Fall. Wir vereinbaren für nächsten Donnerstag einen Termin zum Kennenlernen. Der Wohnbetreuer weiß nicht, wo mein Büro ist, war also offenbar noch nicht bei mir.

Nachdem meine Suizidbetreute mir gestern anvertraut hat, dass sie sich nicht entspannen kann und ich feststellte, dass wir – auch in diesem Punkt – gegensätzliche Charaktere seien, weil ich fast zu gut und schnell entspannen könne. Sie hat alle Techniken durch und sogar selber eine therapeutische Ausbildung gemacht. Diese Imaginationsübungen richten sich immer gegen sie und ich sage, meiner Meinung nach, zu verkopft, es muss über den Körper laufen. Heute beim Pilates beugt sich eine Teilnehmerin über mich und sagt, ich sähe so entspannt aus und ich: „war ich auch, Schwester, ist jetzt Fieber messen?“.

Statt Tanz in den Mai koche ich Hühnerfleisch mit viel Staudensellerie in Zitronen-Sahnesoße mit Basmati-Reis. Stephan und ich haben beide Kopfschmerzen und gehen früh zu Bett. Telefonat mit Hamburg. Die haben wieder Angst, dass wir ihnen die Pest ins Haus bringen. Nein, Durchfall und Erbrechen sind längst überstanden.

Frauen in Linden Mitte, die besorgt drein schauen

Liebe Leser, wer an dieser Stelle wissen will, warum wir so gelitten haben wie noch nie und ich am Berliner Hauptbahnhof gegen eine Säule gekotzt habe, muss das Berlintagebuch lesen, was folgen wird. Ich bekomme das anders gerade nicht auf die Reihe.

22.04. Viel kann ich heute nicht machen und Stephan noch weniger. Sein neuer Aktenschrank wird ohne sein Zutun aufgebaut, der Augenarzttermin abgesagt.

Ins Büro schleppen, tun was gemacht werden muss ist meine Antwort auf die Frage des Kollegen, was ich hier mache.

Der Gerichtsvollzieher der Stadt Hannover wird Morgen nicht zu Herrn Ihme kommen wegen der Gez-Forderung. Das habe die wieder dorthin zurück gegeben. Das ist gut so. Was lassen die sich auch zum Büttel für diesen Deutschlandbeitragsverein machen und schicken Eintreiber dort vorbei, wo es eh nichts zu holen gibt, bei Leuten, die ohnehin immer die Befreiungsvoraussetzungen erfüllt haben, aber eben keine Anträge gestellt haben. Die sollen auch gar kein Geld kriegen und Johannes B. Kerner ist überbezahlt, sage ich nur.

Post aufmachen. Meine Querulantin Betreute schreibt, dass sie „weder geistlich noch verrückt noch seelisch krank“ ist und die Betreuung aufgehoben werden muss. Sie setzt mir eine Frist bis zum 25.04. das dem Betreuungsgericht mitzuteilen und „P.S.: Eine Kopie dieses Schreibens erhält die Rechtsanwaltskammer, der Deutsche Bundestag in Berlin; CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen, Linken und Medien zur Kenntnis.“ Das Schreiben bekomme ich per Fax und auch per Einschreiben. Alle Achtung bzw. „nicht die Medien“ ist meine Reaktion und Stephan fällt ein, dass die FDP nicht im Bundestag vertreten ist.

Zur Polizei mit Herrn Subutex, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist und derzeit auf Polamidon umgestellt wird, damit das Hirn runtergefahren wird, wie es meint. Mein Knacki, der zur Therapie will ist einer von vielleicht 5 Insassen in der JVA Hannover der Subutex bekommt. Das ist wohl irgendwie teuer oder so. Jedenfalls hat man einen klaren Kopf und das kann mein Traumahase derzeit nicht gebrauchen. Er hat ein Zittern im Bein und in der Hand und ist ein Häufchen elend. Mittendrin rastet er kurz aus und sagt was von „arschgefickten Rumänenkruppzeug“ und das das „noch ein Nachspiel haben wird“. Dann heult er wieder. Seine Mutter ist auch am Ende mit den Nerven. Fährt ihn täglich nach Braunschweig zur Substitution und er vergisst alles, sogar dass Essen im Kühlschrank ist erzählt sie mir. Nachts hat er schlimme Alpträume und hält sich die Arme vor den Kopf. Sie muss ihn wecken und morgens weiß er nichts mehr. Lichtbildvorlage wird nicht gemacht. Der Termin ist nicht so spannend. Die Polizeistation in Ricklingen ist super hässlich und es sitzen 3 im Raum und ich habe das Gefühl, dass die nicht arbeiten, sondern nur die Zeit tot schlagen. Einer schaut immer im Rechner auf eine Maske, die ähnlich ausschaut wie Spiegel online, aber ein Portal der Niedersächsischen Justiz ist. Ich denke zuerst Praktikant, weil der ist jung oder Boys Day, aber ganz selten schreibt er handschriftlich was in eine Akte. Herr Pola spiel tagsüber Poker am Rechner. Das lenkt ihn ab. Ihm gefallen meine Socken. Strumpfhose nennt man so was. Ich gehe zu Rossini, wo es TK-Pasta, große, lecker gefüllte Teigtaschen gibt. Ich nehme Rote Beete und ein Stück Parmesan sowie Mandeln in Schokolade und denke, dass ist ja nur ein Katzensprung. In Berlin wäre das nicht man ansatzweise eine längere Strecke innerhalb z.B. von Kreuzberg, nicht erwähnenswert. Das hat sich alles relativiert und dann die Luxusradwege. Ich bringe die Ware nach Hause und bleibe gleich da und lege mich ins Bett. Wir sind fertig. Die Freunde aus Essen fahren heute ohnehin gleich nach Hause und arbeiten Morgen wieder und die Pasta bleibt im Gefrierfach und ich esse nur die Schokomandeln und gehe dann schlafen. Morgen wird wieder alles normal sein, ist mein Tipp. Ich muss zu Frau Yoga, weil die Miete vom Amt nicht gezahlt wurde, sondern nur der Regelsatz und ich den Mietvertrag einsammeln muss. Ich muss erst mal schlafen.

23.04. Morgens eine SMS von Frau Yoga, dass ich sie telefonisch erreichen kann. Ich danke dem Himmel. Rufe sie an, muss aber heute trotzdem hinfahren. Erst mal telefoniere ich mit meinen süßen Eltern, die zwei Mal im Grand Budapest Hotel waren und ihn für einen der besten Filme der letzten Jahre halten. Ganz meiner Meinung. Dann kommt Herr Manisch, der geheiratet hat und erzählt von einem Bauernhof, der ehemals von seinen Schwiegereltern bewohnt wurde und für den er nur 280,- € mtl. zahlen muss und der hat Tradition und er kann sie da später zur Ruhe setzen und Seminare geben. Dann kommt der Bruder meiner Kollegin, der eher ein Fall für mich ist. Er hat sich mit der Polizei angelegt und jetzt ist seine Hand taub und er kann die Zigaretten neu drehen, während sie brennt und die Glut anfassen (das kann ich selber beobachten) und er will nicht in den Knast. Er hat nur einen Schneeball geworfen, weil er Schnee liebt, wie alle Russen und dann hat er mit dem Turnschuh gegen den Wagen getreten und sie kamen raus, aber das waren keine Polizisten, weil die hatten keine Mützen, auch nicht im Wagen auf der Hutablage. Ich sage, die sehen dort heutzutage alle aus wie Stripper. Das könne man nicht wissen. Er soll sich nicht mit der Polizei anlegen, ist mein Tipp. Er sagt, wenn ich es so sehe, hätte ich das falsche studiert. Ich sage, nicht körperlich anlegen, da zieht man den Kürzeren und es tut weh.

Ich mache Termin beim Unterrumarzt. 1 Monat Blutung. Da muss mal einer nachschauen, ob da unten ein kleines Teufelchen wächst.

Mittags eine Suppe. Ein Mandant stört mich beim Essen und will mich dienstlich anquatschen, obwohl ich abweisend schaue lässt er sich nicht abschrecken und dann zu einer Party einladen, Tanz in den Mai. Da muss man Eintritt zahlen oder verkleidet kommen. Was soll das dann für eine Einladung sein? Seine Ische platzt vor stolz, weil sie Nachwuchs gezeugt haben. Er hat Ähnlichkeiten mit Georg aus Berlin, vom Aussehen und dem Abstammungsland her, aber er hat eine Firma und baut eher ab als auf.

Ich fahre nachmittags mit der Kollegin nach Döhren, schön ab dem Siloah im Grünen. Gefällt mir. Die obere Wohnung im Dachgeschoss ist dunkelrot angestrichen und knallvoll mit Stoffen und Perlenbastelkram. Das wird alles noch ganz schön viel Arbeit. Die Zähler können nicht abgelesen werden, weil die Badezimmertür nicht auf geht. Sie vermutet, dass der Vermieter sie zugeschlossen hat oder sie klemmt so sehr. Als Frau Yoga das Schreiben von der Anwältin, die erneute Wohnungskündigung bekommen hat, hat sie ein Regal wieder abgebaut, weil sie dachte, sie muss doch raus. Das hilft alles nicht weiter. Sie soll sich nicht so ins Bockshorn jagen lassen. Ich ärgere mich immer noch darüber. Mittags hatte mich die Staatsanwältin angerufen, es geht um Unterschlagung des Leihwagens. Der war von der Polizei beschlagnahmt worden. Sie sagte, man habe ihn gesagt, es komme nicht so darauf an und das Datum im Vertrag sei nur pro forma. Sie braucht mich vielleicht nur 6 Monate. Ich sage, dann ist das Kontingent jetzt schon verbraucht und sie kann den Rest selber machen. Das versteht sie hoffe ich richtig. Ich fahre am Maschsee zurück. Heute endlich mal wieder Sport, Doppelprogramm. Das tut richtig gut. Ich treffe Larissa und freue mich. Die Rossini Ravioli gibt es und ich mache braune Butter mit Semmelbrösel um mir den knallheißen Metalllöffel direkt zum Mund zu führen, weil ich denke, das ist lecker. Es zischt wie beim Branden von Pferden und ich verbrenne meine Lippen von innen. Sehr schlau.

24.04. Habe nachts um 3:30 Uhr Schlafstörungen, weil ich daran denke, was ich alles für Frau Yoga noch regeln muss und mir ganz schwummerig wird. Morgens bin ich müde.

Herr Ihme ist nicht zuhause. Er macht nicht auf, die Tür lässt sich aufschließen, aber ich gehe nicht rein. Da habe ich dann doch Hemmungen/Respekt. Er hatte sonst immer von innen abgeschlossen, so dass ich denke, er ist nicht da. Rufe in der Arztpraxis an, dass wir das Morgen mit dem Jobcentertermin verbinden bzw. davor.

Ich fahre zu meiner Betreuten, die ein Jahr in der Psychiatrie war. Ich hatte vorher beim Arzt angerufen und sie war gestern zur Spritze. Sie lobt, dass ich gut aussehen würde. Das mit der ambulanten Betreuung und der Spitze sei Erpressung schimpft sie, aber wenn man sie auf andere Themen lenkt, kann man sich gut mit ihr unterhalten. Ich mag sie auch. Sie macht schwarzen Tee in einer miesen Durchlaufkaffeemaschine, bei der das lauwarme Wasser in eine Glaskanne gesaugt wird. Ich spreche sie auf den kleinen Käfig an, dass der ja unmöglich für die Tierhaltung gedacht sein könne. Eine kleine Transportbox für Wellensittiche, damit ist sie früher mit dem Vogel im Fahrradkorb durch die Gärten gefahren und dem hat’s gefallen. Das hat Spaß gemacht. Ich sage, ich denke eher, der hatte Todesangst, außerdem seien das Schwarmvögel und die hätten nichts im Käfig zu suchen. Ich denke, sie ist gegen die Geschlossene?

Regal mit Nippes bei anderen

Auf dem Rückweg stehen 3 Uniformierte komisch um einem Briefkasten in der Königsworther Straße. Was sind das für Ermittlungen, denke ich erst. Sie sind leicht versteckt und auf der Lauer, als auf meiner Seite Richtung Linden beim Altersheim Weddingufer auch noch 3 stehen weiß ich, meine Steuergeld werden wieder benutzt um böse Radfahrer zu jagen, die auf der falsche Seite fahren und abkassiert werden sollen. Alle die mir entgegen kommen warne ich und sie bedanken sich und wechseln die Seite. Denen habe ich kurzzeitig das Fischen versaut. Stephan muss derweil im Büro die Stellung halten. Der kleine Russlanddeutsche ist betrunken und braucht Geld sonst kommt er nicht nach Hause. Sowohl meiner als auch sein Freund beglückwünschen Stephan zu seiner Frau. Ja, ja, das werden meine ersten beiden Zwerge, wenn ich auf Schneewittchen mache und handwerken können sie auch, die kleinen Russlanddeutschen, meiner hat ja mal eine Steinmetzlehre begonnen und einen kräftigen Körperbau bei 1,50, sein Kumpel ist auch Augenhöhe mit ihm. Die sind schon süß.

Nachmittags besorge ich Umzugsleute für Frau Yoga. Viel telefonieren. Es wird heute Nachmittag noch von statten gehen. Ja, ich bin die Größte. Das Fax faxe ich ca. 14 mal ans Jobcenter, bis Frau Gauditz mir erklärt, dass die ersten Seiten mit meinem Antrag immer durchgegangen sind. Ich nerve die gerne, weil die mich unheimlich nerven. Mietvertrag und 22 Seiten gehen auch per Post raus.

Nachmittags die Geldabholtermine, 3 hinter einander. Frau Karlsruhe kommt als Letzte und hat ihre Monatskarten doch nicht abgegeben, sondern an ihren Bruder weiter gegeben. Der hat doch auch das Geld nicht an die üstra überwiesen. Ja, die verarschen sie und nutzen sie aus ist sie der Meinung. Sie soll sich die wiederholen und dort abgeben, sondern schuldet sie denen das Geld und auf den Bruder ist kein Verlass. Der soll sich eigene Karten holen.

Ich muss der blöden Anwältin des Vermieters von Frau Yoga schreiben. Wie sagt man das nett, sie hat aufgehört zu packen und umzuziehen als sie das Anwaltsschreiben bekommen hat. Sie wollen doch nur Gebühren schneiden, 500,- € pro Schreiben für Kündigungen, die die Hausverwaltung schon ausgesprochen hat. Ich habe kein Verständnis dafür. Bin gespannt, wie das Gericht so was sieht. Jemand bekommt eine Betreuung, weil derjenige krankheitsbedingt sich nicht kümmern kann. Die kümmert sich und meldet sich und schlägt Lösung vor (Mietrückstände beim Amt usw.). Hausverwaltung beauftragt Anwalt. Ist das erstattungsfähig in Deutschland?

Die Sonne kommt raus gegen Abend und Stephan und Detlef sitzen im 11 A. Der Chef sorgt wieder für schlechte Laune und ich freue mich, dass sie meine Bestellung vergessen und wir bald gehen können. Ins Tak heute ist Hartmut El Kurdi Lesung und wir sitzen direkt an der Bühne. Hier esse ich warmen Ziegenkäse und Stephan eine Käseplatte. Die Lesung ist gut, Hartmut kommt immer sympathisch rüber, auch wenn er immer dieselben Texte liest, macht er das gut und man hört ihm gerne immer wieder zu und auch wenn er keine glücklichen Pärchen mag. Gerade habe ich mit Stephan etwas geknutscht und schon kommt der Text. Leichte Paranoia? Der Text über Linden ist auch wahr und gut beobachtet. Auch wenn man schimpft, will man nirgends anders wohnen. Alle wohnen bewusst und freiwillig hier, weil sie es doch gut finden. Nachher holt Stephan ein Buch, wohl Fehlpressung. Das macht es eigentlich noch wertvoller. Er schreibt „Für Susann. Cowboys dürfen das“ rein, weil es auch an diesem Abend einige Lieder von Twäng gibt und die gute bald zu Besuch kommt. Ich bedanke mich bei ihm für den Text und denke, ich bin ganz schön schüchtern und stokelig. „Widmung“ heißt so was. Detlef kommt noch kurz zu uns. Stephan ist auch total müde und will ins Bett.

25.04. Heute ist Großkampftag. Erst ins Büro und Telefonat. Das Heim und dann das Krankenhaus in Sachen Frau P. Sie hat Parkinson, das ist der Tremor. Ich beantrage Gesundheitssorge. Das ist schon längst fällig. Seit der Lebensgefährte, der sich früher gekümmert hat seinerseits im geschlossenen Heim sitzt und die Wohnung aufgelöst ist, bin nur noch ich da und sie kann nicht adäquat Auskunft geben gegenüber Ärzten, außerdem muss ich ihr auch Dinge erklären können, also müssen die mit mir reden. Es ist 10 vor 10 als ich bei Herrn Ihme in der Wohnung stehe und die Luft wieder schlecht ist und ich ihn geweckt habe und er halb nackt. Die Waschmaschine ist ausgelaufen und Wasser steht auf dem Boden in der Küche, ein Haufen nasser Bettwäsche liegt in der Ecke, der Schrank im Wohn-/Schlafzimmer ist weg. Er sei zusammengekracht. Ich bin etwas genervt, weil wir die Spritze nicht schaffen vor dem Amt. Ich kenne langsam sein Tempo. Er sucht seine Socken, dann muss er rauchen und Kaffee trinken. Für ihn alles kein Problem. Er ist wieder pleite. Ich kaufe Servietten im Günstigladen Ecke Küchengarten um Geld klein zu machen und leihe ihm dann 10,- €. Er will sich einen Kaffee holen in der back Factory und ich sage, dann kauft er ein Kurzstreckenticket und ich treffe ihn Haltestelle Clevertor. Ich warte auf der Brücke und denke, dass ist auch cool an Hannover die Flohmarkttradition seit April 1967 (ja, Heike, Dein Geburtstagsmonat) findet hier jeden Samstag Flohmarkt statt. Auch wenn ich ihn nicht mehr besuche und die Baumarktparkplätze bevorzuge, lässt sich das doch sehen. Außerdem liebe ich meine neue rote Tasche vom Flohmarkt in Berlin. Maybachufer oder was das war.

Leine beim Arbeitsamt rote Handtasche

Nach 3 Bahnen steigt auch Herr Ihme aus. Es ist erst kurz nach halb 11, also haben wir Zeit, aber ich habe auch Termine danach. Wir warten im U-25 Bereich auf die Fallmanagerin. Ich mache Smalltalk und sage ich war im Tak, weil sein Nachbar das doch macht. Der hat gestern vielleicht Technik gemacht. Wir könnten da mal zusammen reingehen, ins Te Ah Ka, weil er kann vergünstigte Karten besorgen. So war das nicht gemeint. Der Typ vor uns kommt raus und geht offensichtlich ganz viel in die Mucki-Bude. Das törnt ab bei so jungen Kerlen. Wir hatten doch Anfang 20 anderes vor als Sport zu machen den ganzen Tag lang um einen aufgepumpten Körper zu bekommen, wie langweilig. Das hat man in dem Alter doch noch nicht nötig bzw. das ist doch keine Jugend und so einen Langweiler will man doch nicht kennen lernen! Die Mitarbeiterin kennt mich aus einem anderen Fall. Ich habe da keine besonderen Erinnerungen daran, kann mir aber denken, in welcher Sache das war. Vahrenwalder Straße. So, jetzt erklärt meiner, dass er lange sehr von seiner Krankheit so in Anspruch genommen war, dass es ihm einfach nur dreckig ging, der Schlaf war gestört und das Denken und daher konnte er keine Termine wahrnehmen. Aufgrund von Nervenschäden hat er Sinnestäuschungen gehabt, z.B. wenn sie was zu ihm gesagt hätte, hätte er die Stimme hinter sich gehört und sich umgedreht. Er bekommt jetzt die Spritze und es geht ihm besser. Wie man die Krankheit nennt, will sie wissen. Paranoia sagt er. Es sei doch super, wenn es ihm besser gehe mit den Medikamenten. Nein, keine Medikamente. Das sei eine Depotspritze. Dann geht es um die Kürzungen März bis Mai und ich sage, dass ihr Amt von mir eine Sechs bekommt, weil ich seit dem 20.02. ca. 15 Faxe geschickt habe und noch keine Reaktion bekommen habe außer einer Bestätigung, dass mein Widerspruch eingegangen ist und die Einladung zu heute. Das mein Betreuter jeden Monat auf dem Schlauch steht, bei mir mit 30,- € in der Kreide und es interessiert keinen. Wir schauen uns die Berechnungen an. Sie versucht jemanden in der Leistungsabteilung zu erreichen, aber das gelingt nicht. Die sind nicht am Platz vor lauter Arbeit, kommentiere ich die Sache. Sie kann ja nichts dafür. Dann geht es um seine Wohnung. Als wir die Zustände dort schildern, ist sie geschockt und will einen Umzug befürworten und fragt sich, ob man den Bedarfsfeststellungdienst überhaupt braucht oder meine Schilderungen genügen. Das mit dem Wasser in der Küche beeindruckt sie besonders. Habe er denn schon mal eine Erstausstattung bekommen. Nein, sagt er. Er hat immer alles Mögliche beantragt, aber das wurde immer alles abgelehnt, weil er es handschriftlich beantragt habe. Ich beruhige ihn, dass sie mich doch genauso ignorieren. Egal, wie Wasser auf dem Betonboden des Ihmezentrums. Ob er handschriftlich oder ich auf dem Anwaltsbriefbogen, es kommt gleichermaßen nicht an und perlt ab. Als es um die Stadtwerke geht und wie er heizt, erzählt er wieder geil. Das sei wie ein Puzzle, dem einen gehören hier 3 Wohnungen und dort eine und einer Stiftung vielleicht 5, aber alle bekommen den Strom von den Stadtwerken. Ja, das haben wir verstanden. Dann kommen wir zur Laufbahnberatung. Er hat keinen Schulabschluss. Er will aber erst arbeiten und neue Möbel und Sachen, weil mit löchriger Jogginghose könne er Lagerarbeit verrichten, aber in der Schule würde er keine Freunde finden. Ich glaube, wir haben genug Eindruck gemacht auf die Frau. Sie gibt ihm eine Liste mit Mietobergrenzen, eine Excelltabelle mit allen möglichen Städte und er starrt darauf, so dass ich Hannover mit dem Kuli unterstreiche und sage, nur diese Zeile sei für ihn wichtig und er will wissen, seit wann Garbsen und Langenhagen nicht zu Hannover gehören, weil die üstra würde da doch hinfahren. Wir sagen ihm, das habe damit nichts zu tun und er: „o.k., das sind verschiedene Sachen, die Kinder und Ferrero.“ Sie muss lachen über den Vergleich. Ich sage, ja Langenhagen ist die Kindermilchschnitte von Hannover mit dem Flughafen. Ich verstehe seine Sprache. Zum Schluss soll er für die Statistik eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben. Er guckt wie Bahnhof, offenbar hat das noch niemand mit ihm gemacht. Er sagt, er sei schon Deutscher. Ich sage, im Gegenteil, wenn er das unterschreibt, verliert er die Staatsbürgerschaft, nein Spaß, ich erkläre ihm was es ist, wie ein Vertrag mit dem Jobcenter, weil er Geld von denen bekommt und daher Gegenleistung und in seinem Fall nur versuchen Termine einzuhalten alles gut. Er weigert sich, will es nicht unterschreiben. Gut, dann tue ich das für ihn. Er will noch mit mir laufen. Das geht nicht. ich muss weiter. Er soll Montag zur Spritze gehen, heute ist es zu spät. 1,5 Stunden waren wir in dem Laden. Ich kontrolliere das mit dem Arzt. „Natürlich“ ist wie immer seine Antwort.

Auf zur Frauenärztin. Ich bin etwas angespannt, aber froh, dass ich es mache, weil vernünftig. Ich werde zur Voruntersuchung gerufen. „Nein, brauche wir nicht machen, Blutdruck messen, ich habe höchsten 110 zu 80“. Sie lacht, nein, sie will wissen, warum ich da bin. O.k. das ist interessanter. Ich blute seit einem Monat und will da unten mal nachschauen lassen. Ich zeige auf die Uhr, es ist Viertel vor 1 und sage bis 20 nach spätestens will ich hier weg sein, weil ich um halb einen Termin habe. Zeige auf die 3 und sage, wenn der Zeiger hier ist, wäre es noch besser, aber hier, zeige auf die 4 geht auch noch. Sie muss ja nur Stab reinstecken (mache eine entsprechende Handbewegung) und dann bin ich wieder weg. Ich sei echt lustig, meint sie.

Meine Frauenärztin freut sich auch mich zu sehen und ich mag sie. Sie sieht gut aus und ist freundlich. Ich sage, dass es mir peinlich ist, dass sie mich untersuchen muss, wenn ich blute und das sei eklig und sie, Blut sei nicht eklig, da gäbe es andere Dinge. Sie wolle doch nur wieder mehr Gebärmutter beleidigen. Sie schaut nach und Gott sei Dank, keine Eierstockzysten, Gebärmutter groß wie immer, auch kein Folikel. Durch das rumstochern blute ich, sie sagt, sie habe sie geärgert und das stimmt auch. Ich frage nach einem neuen Tampon, habe leider keinen Ersatz dabei, weil ich will noch zum Sport. Was, sie hat keine. Ich gehe in Berlin in die Spitzengastronomie um mich mit Tampons und Binden einzudecken und eine Frauenarztpraxis hat so was nicht. Sie gibt mir Recht und will es ändern und gleich in der Kabine eine Schale aufstellen und mir einen von oben holen. Ich sage oder von unten vom Standesamt. Die haben vielleicht auch welche. Sie will mich zu einer OP überreden. Ich bin erst 46 und die Wechseljahre, das kann dauern bis 55 und das zehrt aus und das wäre eine Erleichterung das dicke Dinge los zu werden und meine Bauchnarbe vom Blinddarm könne man auch verschönern. Ich sage, ich sei fit wie ein Turnschuh. Ich bin glücklich und mag meinen Körper auch mit langer Blutung und unförmiger Gebärmutter. Er hatte davor lange nicht und wollte zeigen, dass er es noch kann und es ist schönes, rotes Blut, kein dunkler Kram und ich habe keine einzige Schmerztablette nehmen müssen, was will ich mehr. Ich mache Doppelkurse beim Sport, ich überhole die Fahrradkuriere auf dem Fahrrad und säge die jungen Dinger an der Ballettstange. Wie fit soll ich noch werden? Ich frage nach Rekorden bei der Blutung. Wie lange hat schon mal eine geblutet. Soll ich mich in 3 Monaten melden und wir kommen Arm in Arm in ein Fachmagazin. Sie sagt, so lange wie ich würden das die Frauen nicht aushalten. Die kommen spätestens nach 10 Tagen und lassen sich Hormone geben. Ich sei ein Phänomen. Ja, danke für die Blumen. Ich sage, ich gehe zur TCM-Frau und verlange, dass die meine Gebärmutter kleiner macht und die Blutung stoppt und zunähen bringt nichts. Das Blut tropft durch die Stiche. In diesem Sinne: Tschüss.

Zum Psychiater, der aussieht wie ein Altrocker. Ich schaue mir ein Heft der Landeshauptstadt Hannover durch für Senioren, was in den einzelnen Stadtteilen geboten wird und habe gleich an verschiedenen Stellen Lust da mit zu machen. Das Ding heißt „Begegnungen in Ihrem Stadtteil“ und ich habe es mitgenommen. In Vahrenwald gibt es montags (!): Gymnastik mit Yogaelementen, Modell-Eisenbahner-Gesprächskreis, Kegeln, Handarbeitsgruppe, Pastellmalgruppe, Akkordeon-Senioren-Spielkreis. Dienstags steht Gedächtnistraining, 2 Kurse, Bewegungsangebot ohne Leistungsdruck, Rommégruppe „Gut Spiel“, Kartenspielgruppe, Chor „Frisch gesungen“, Gesellige Tänze für Senioren, Gymnastik für Frauen und Generationsübergreifendes Angebot „Lecker und Lustig“ auf dem Programm. Es gibt in diesem dicken Heft alles auch auf russische und türkische Senioren abgestimmt. Theatergruppen, Aquarellmalen, Qigong, Radfahren, Schneidern und Nähen, Töpfern. Was Berlin für die jungen Leute bietet, wird hier für 50 plus geboten. Ich freu mich schon. Ich sage Stephan später in Wien darf er bei so was schon bald mitmachen und empfehle ihm die englischen Konversationskurse am Pfarrlandplatz in Linden. Ich würde wahnsinnig gerne Yoga im St. Nikolai-Stift mal mitmachen, Teilnehmerzahl begrenzt. Achtung Kostenbeitrag 2,80 € pro Mal.

Meine anstrengender Frau Miesepeter kommt, ganz in schwarz. Alles ist scheiße. Sie wollte mal 4 Wochen abschalten und das Internet war gesperrt, weil eine Überweisung nicht durchging (wegen 20 Cent) und jetzt Post vom Inkassobüro, den Balkon kann sie nicht nutzen, weil die Asis im Haus herumschreien, ihre Sachen sind voller Löcher, sie muss kotzen, wenn sie in den Spiegel schaut. Sie hat nur Sachen aus den 90ern. Ich sage, dazu muss mal der Arzt was sagen, weil ich habe eine schicke Eigentumswohnung und werde auch vom Geschrei der Nachbarin wach, wenn die ihre Kinder morgens anschreit und ich kaufe mir freiwillig und teuer Sachen aus den 50ern, also ich kann da wenig Trost geben. Will sie auf einen Bauernhof 2 Wochen, nein damit ist ihr nicht geholfen. Will sie mit Frau Arnhold in die Kleiderkammer, neue, d.h. flotte, heile Klamotten holen, will sie ambulant betreutes Wohnen. Dass die Regelsätze zu niedrig sind, meinen auch der Arzt und ich, aber daran können wir nichts ändern, ich kann nur Tipps geben, wie Kleiderkammer oder andere Umsonstangebote und die vom ambulant betreuten Wohnen sind noch besser als ich. Sozialarbeiterin hatte sie mal, eine Praktikantin und die hat nur da gesessen und nichts gesagt und war nützlich wie eine dritte Titte. Da musste sie sich quasi kümmern. Sie kann keine weiteren Rückschläge verkraften und deshalb lieber keine Veränderung, weil das das Risiko der Verschlechterung in sich birgt. Ich sage, abW kein Risiko, weil die gutaussehende, völlig fitten Frauen, die ich vor Augen habe und die tausend Tricks kennen, die ich nicht drauf habe, die kommen nie wieder, wenn sie feststellt, dritte Titte, weil die Kosten Geld. Da freuen sich alle, wenn sie das wieder absagt. Bauernhof ist natürlich Chance, dass man mal rauskommt und abschaltet und was Tolles erlebt oder sich erholt, weil 2 Wochen sind lang und besser als gar nichts, aber auch viel Risiko, dass die Kuh einem auf den Fuß kackt, das Bett piekst, der Kaffee nicht schmeckt und die Bäuerin ganz blöd zu ihr ist. Sie will ihr Ruhe und vielleicht ins Kloster. Nicht, dass sie da Tebarst van Elst trifft, meint auf einmal der Rockerarzt. Da schauen sie und ich uns an und sie sagt, sie würde schon in ein Frauenkloster gehen und ich ja, vielleicht hat der ne Bar einbauen lassen und da trifft man ihn dann zufällig an der Klosterbar. Zum Schluss will sie wissen, ob der Doktor eine bestimmte Datei öffnen kann. Ich habe den Namen auch noch nie gehört. Beide schauen mich an. Ich bin da eher Kloster bei so was. Daraufhin der Doktor, er habe sich selber neulich eine „Jot Pe Ge-Datei“ geschickt und die konnte er öffnen. Ich sage: „Jay Pack“ muss er das nennen, das klinge sonst peinlich und das wisse selbst ich. An dieser Stelle lacht sie das erste und einzige Mal. Sie ist wirklich so was von Negativ. Ich fahre ins Büro. Es ist kurz vor 3. Habe noch 2 Termine. Der zweite ist eine Erbschaftssache und das läuft länger und der Typ kommt mit seinem Bruder. Ich muss ihm was sagen. Brauche ich mehr Geld, will er wissen. Nein, das ist es nicht. Ich erkläre ihm, dass ich heute erst um 3 reingekommen sei vor lauter Außenterminen und mein Herz bei den Betreuungen schlägt und ich da derzeit alle Hände voll zu tun habe und ich das im Falle eines Rechtsstreits vor einem auswärtigen Gericht, der sich nun anbahnt, da wir uns nicht einigen können mit der irren Schwester nicht weiter führen will. Er hat sich überhaupt nur als Mandant „eingeschlichen“, weil er damals das Zauberwort „Betreuung“ gesagt hat und sich wegen der Betreuung seiner Mutter hat beraten lassen und dann kam die Erbsache. Er versteht das, ist mir dankbar für meine Arbeit. Wir überlegen uns eine Strategie für die Gegenseite nach dem Anwaltswechsel und glücklich verlassen die Halbbrüder mein Büro.

Was mich deprimiert gegenüber Berlin sind die Frauen am Lindener Markt, die besorgt drein schauen und im Marktkaffee herum sitzen. Die machen mich echt impotent sage ich meinem Kollegen, der die Woche mit mir ein Eis essen war und wir haben den neuen Stoffladen von Andrea besucht, d.h. am neuen Standort.

Beim Sport wird ein Film gedreht heute für ein Studienprojekt. Leider ist die Frau, die als Anschauungsmodell dienen soll neu bei Grace und hat immer total schlechte Körperhaltungen bei den Übungen. Den Film wird nur der Prof sehen. Die Frauen studieren auf der Expo-Plaza, wenn ich es richtig verstanden habe. Mein Tanz-Improvisationsworkshop fällt aus, weil zu wenig Frauen sich angemeldet haben. Ich bin nicht traurig, ein Bastelwochenende kann ich total gut gebrauchen. Ich bin schneller als alle Frauen, die in ihren Sportsachen bleiben und sich kaum umziehen und Luisa meint bewundernd zu mir, so könne man doch nicht aussehen nach dem Sport.

Doch, heute bekomme ich Spargel mit Kräuterrührei. Stephan hat einen Platz ergattert. Das Essen dauert 2 Stunden, weil das 11 A voller großer Gesellschaften sind. Der Chef ist heute im anderen Laden und die Stimmung daher ausgeglichen. Erst sitzen wir zufrieden in der Sonne und freuen uns am Treiben auf dem Küchengartenplatz. Früher war hier tote Hose und ich muss an dieses Kunstwerk denken, was wie ein Verzerrspiegel gewirkt hat. Das hatte ich ganz vergessen, aber die Haz hat es neulich wieder ausgekramt. Später wird es kalt und als Nachtisch trinken wir eine Zotter Schokolade. Für den Gentleman-Film um 22:30 Uhr hat es dann nicht mehr gereicht.

Ich sage zu Stephan, dass ich schon deswegen zufrieden bin mit dem Alk aufgehört zu haben, weil mein Gehirn wieder besser funktioniert und ich habe mich schon abgefunden damit, dass ich ein bisschen dement und vergesslich werde, aber alles sei wieder in Butter und doof werden oder einen Verschlechterung des Gehirns, könne und wolle ich mir nicht leisten. Das sei bei mir wie bei Kate Moss ihre Brüste, Kapital quasi.

Vor dem zu Bett gehen läuft eine Doku über den Geburtsvorgang bei 4 unterschiedlichen Tierarten und das ist so faszinierend, dass ich hängen bleibe. Zitronenhai, der 14 Junge zur Welt bringt, die je ca. 1 Meter groß sind bei der Geburt, was 20% des Körpergewichts der Mutter entspricht. Die Embryos ernähren sich von einem Dottersack, der zusammenschrumpft und flach wird und dann als Placenta sich mit der Gebärmutterwand verbindet und dort festwächst und mit Blutgefäßen mit dem Blutkreislauf der Mutter verbunden ist. Andere Haie, die in der Gebärmutter die jüngeren Geschwister fressen und in einer Eiersuppe schwimmen und alles fressen, was vorbei schwimmt, ein Känguru-Embryo, groß wie eine Bohne und blind, der Hinterkörper, die späteren kräftigen Beine und der Schwanz nur ein Stummel, was sich mit Hilfe des Geruchsinns und der Vorderläufe, die Krallen haben nach oben kämpft zum Rand des Beutels, die Muttermilch wechselt die Zusammensetzung im Laufe der Schwangerschaft, der Kaiserpinguin, der 2 Monate im Eissturm steht mit dem Ei auf den Füssen. Das Vogel-Embryo nimmt Sauerstoff über die Eierschale auf und baut das Kalzium daraus in seine Knochen, damit sie nicht hohl sind wie beim flugfähigen Vögeln. Der Vater kann nach 2 Monaten fasten noch was Nahrhaftes auskotzen, wenn das Ding schlüpft. Am besten ist aber die Schlupfwespe, die ihre Eier in eine Raupe legt. Die trinken Blut und lassen den Wirt am Leben, zerstören also nicht die Organe, wenn es soweit ist, bohren sie sich mit Hilfe von Mundwerkzeugen durch die Haut der Raupe und das wird in Zeitraffer gezeigt und man denkt, die ist so was von tot, aber sie haben ihren Wirt infiziert und das Teil denkt, es sei die Mutter und hilft den Raupen sich zu verpuppen und verteidigt ihre vermeintlichen Babies gegen Ameisen bis sie dann verhungert. Biologie ist Hammer!

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26.04. Stephans Traum. Mittelalterliches China. Der Herrscher lässt Menschen wegen Nichtigkeiten hinrichten, er fragt nach den Toiletten. Der Weg wird erklärt, aber nicht direkt gezeigt. 15 Minuten in die Richtung. Es gibt Stadtpläne zu kaufen und Handtaschen. Soll er so eine kaufen und da rein pinkeln. Das gibt vielleicht Ärger oder so weit laufen, dann lieber wach werden und kurzer Weg.

Meine Cousine Uli und Tochter Halina kommen mit nach Wien und Heike und Georg kommen mit zu Tim Raue um 10.000 Tage seit dem ersten Kuss mit uns zu feiern.

Das Lindenwerdejournal, was es als Beilage zur Haz gab ist grottenschlecht. Wir kann man so schlechte Fotos nehmen, selbst wenn sie eingereicht werden, muss man den Firma das sagen und Veto einlegen so nach dem Motto, unscharfe Schampoo-Flaschen taugt nicht als Bild. Eine Seite Nachtleben in Linden dann geht es weiter mit Steuerberatern und Optikern und Autohäusern. Oh weia.

Dieser Tag besteht rein aus Basteln. Eine Kette für Wien. Etwas gepfuscht, aber auch gefräst mit dem Dremel. Als die Funken fliegen und mich im Gesicht treffen, denke ich an den Augenunfall meines Schwiegervaters und setze mir kurzerhand eine Sonnenbrille auf. Das sieht bestimmt bescheuert aus. Die muss ich denen von Stauds zeigen, die werden staunen ist meine vorsichtige Prognose.

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Eine Kette aus der Sardellendose aus Wien mit gehäkeltem Lederband, schön in gelbgrün und rot. 3 Hütchen, Kordelhütchen fertig, Hütchen mit Metalllockenwicklern vom Berliner Flohmarkt begonnen, Kette aus dem Set zu Ende, Hütchen aus den Filzspiralen von Heike. Außerdem überteuertes Puppenhütchen vom Berliner Flohmarkt Realer Straße mit Gaffa modifiziert á la Constantin. Ohrringen durchgeguckt auf Vollständigkeit, Reparaturen. Abends will ich einen Burger essen, aber nicht raus. Dann gibt es nur was hier und früh ins Bett.

Unser Nachbar hat einen noch fortgeschritteneren Lebenswandel als wir ihn schon pflegen und fährt mit seiner Bahncard 100 nach Berlin zum Hackischen Markt eine Brille kaufen und Kaffee trinken. Charlotte hat uns die Bahncard 100 unterstellt, aber so weit sind wir noch nicht. Das wäre eine gute Methode die Buttonmaschine wieder zurück zu holen.

27.04. Total früh wach. Neue Knöpfe an den Berliner Bademantel, blaue Blumen, bodenlang und Kette zum Kordellhütchen. Das Ensemble wird der Hammer. Heute mal einen grünen Tee trinken, bzw. einen weißen, der schon lange die Schublade hütet. Stephan will zum Flohmarkt und Steffi ruft auch deswegen an „auf allen Kanälen“ wie sie selber feststellt. Ich kann heute keine Termine vertragen, will mich einfach treiben lassen und das verträgt sich nicht mit Verabredungen, aber so ist heute meine Stimmung, kompromisslos, manchmal vertrage ich keine Verpflichtungen. Die teuren grüne Tee Matcha Imori-Kekse aus Frankfurt landen im Müll. Haben schön die Farbe gewechselt in der Küche und sind langsam vor sich hin verblichen und ein Biss genügt. Die schlechten Erfahrungen mit Matcha-Torte lassen grüßen (siehe Berlintext, der noch aussteht). So ist das manchmal. Irgendwas schaut einfach zu schön aus und ich vergesse es zu essen. Ist nicht das erste Mal.

Die Sardellenkette wird in Szene gesetzt. Ich trage jetzt so lange rot bis die Blutung aufgehört hat.

Dann auf zum Flohmarkt am Wasserturm und direkt in den Marathon. Marathon im Flaschenkostüm laufen ist sexy. Die Stimmung vor allem durch die vielen Zuschauer ist ausgelassen und fast großstädtisch. Ich muss an den Marathon im Central Park 1982 denken. „Keep those legs moving“ und ähnliche Anfeuerungen sind mir noch im Ohr.

Auf dem Flohmarkt ist wenig los, aber er ist trotzdem toll. Gute Gespräche, gute Hunde, gute Funde. Erst ein Schwuler um die 60, der mich fragt, ob er mir „was zeigen dürfe“ (!?). Warum hat er was Verstecktes, was ich nicht sehen kann, will ich wissen. Er verkauft fremde Sachen. Alte Postkarten. Ein Typ schaut sie durch und sucht welche aus den 50ern. Davon gibt es genug, aber er will was Spezielles mit einem Zeitschriftensortiment drauf. Wird fündig und zahlt 50 Cent die Karte. Ich wähle 10 und soll den Preis selber bestimmen. Da er so über die Standgebühren geklagt hat, gebe ich ihm 3,- € (viel zu viel, aber das Einkaufserlebnis war es wert). Am nächsten Stand verkauft ein Berliner, der 89 Jahre als ist. Papptüten mit Mundstück für Zigarrenstumpen, die dann feucht werden. Das bleibt nicht aus, wie er meint. Er hat auch ein altes Damenrad im Angebot per Schild. Zum Glück lese ich das nicht richtig, sonst hätte ich es wieder gewollt. BJ 1935. Er fährt nicht mehr. Die Reaktionsschnelligkeit lasse nach und ein Kind sei ihm vors Rad gelaufen und er mit der Schulter gegen einen Pfosten und seit dem hat er das Rad weg gestellt. Er hat eine alte Straßenansicht aus Berlin. Zeigt uns die Ohrringe, die seine verstorbene Frau immer getragen hat. Das ist irgendwie traurig das Ganze, aber der Mann ist so offen, wie man es erst ab einem bestimmten Alter werden kann. Das ist wiederum tröstlich. Am Nachbarstand kaufe ich einen Taschenrechner für 1,- €, der geht. In Hannover bekommt man für 1,- € einen funktionierenden Taschenrechner (siehe Berlintext, der noch folgt). Zum Schluss einen herrlichen alten Pelikantuschkasten aus Metall mit einer Öse (ich simuliere die Befestigung an einem imaginären Gürtel) und eine schön holzgerahmtes Schild mit dem Hinweis: „Nicht ärgern, nur wundern“. Dann eine sehr schöne alte Pillendose mit dem Freiburger Münster, nachträglich für meine Schwägerin zum Vierzigsten sowie eine alte Anstecknadel einer Skischule. Eine alte Dose, durchbohrt und mit einer lila Kordel versehen, bekomme ich geschenkt. Beim Gehen kaufe ich noch Brotaufstrich.

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Abenteuerspielplatz in Hannover. Quax, der Bruchpilot oder wie hieß das, was ich allerdings nur vom Namen kenne.

 

 

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Dann der spontane Entschluss bei G vorbei zu fahren. Die Strecke am Kanal ist malerisch und ich kenne sie nicht. Büttnerstraße rechts rein. Dann irgendwann das Industriegebiet Hainholz, wie gehabt. Heute verkaufsoffener Sonntag bei Poco (OMG). Gegenüber ist viel schöner.

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G. ist zuhause und kommt auch gerade vom Marathon, hat sogar gefilmt, langsame Läufer gepaart mit zögerlichen Trommlern. Das habe gut zusammengepasst. Der Garten ist verändert, hat einen gewaltigen „Sprung gemacht“.

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Das eine Vogelhaus, stabiles Holzhaus mit fester Verankerung ist mit Meisen besetzt, die im Minutentakt angeflogen kommen. G. hat leckeres Korbgerster. Wir ergänzen uns immer gut, letztes Mal hat er so lieb einen Kuchen gebacken und heute erzählt er mir, dass er passende Essig- und Ölspender für meine Etagere hat. Ich packe meine Flohmarktschätze aus.

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Der eine Nachbar ist sehr anhänglich und will ihm immer alles besorgen, was er aber gar nicht will. Juhu, ich bin dafür, dass er Wachteln bekommt!

Er hat Einiges Neue gebaut, u.a. für seine Weinstöcke oder wie man das nennt.

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Stephan will nach Montag seinen ersten Kaffee trinken (siehe auch Berlintext, der noch kommt). Keine Milch und statt Zucker nur bunte Zuckerbuchstaben, die sich nur mühsam auslösen.

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Zufrieden fahren wir nach Hause.

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Letzte Station Rossi, immer wieder schön und dann etwas Sommerregen und einfach trotzdem weiterfahren.

Ich habe diese Woche nach Berlin an Constantin denken müssen, der in dieser Stadt so jung gestorben ist. Hat Berlin ihn uns genommen? So kann man das sicher nicht sehen. Trotzdem haben wir in der Nähe der Sonntagstraße ganz in der Nähe seiner letzten Wohnung gelebt und irgendwie berührt mich das und ich muss an ihn denken. Wie wir uns gegenseitig beim Basteln befruchtet haben, ich ihn vielleicht mehr als umgekehrt, trotzdem hat auch er schöne Sachen gemacht, die mich täglich umgeben. Gerade mit Fotos und Bildern, das war seine Stärke. Auch die Art, wie er Schmuck gemacht hat und seine Liebe für Gaffa begleiten mich weiter. Der Klebebandvorrat aus seinem Nachlass wird bis an mein Lebensende reichen. R.I.P. Du bist in unseren Herzen.

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Dom Hemingway

14.04. 7 Uhr bleibt konstant meine Zeit.

Altkleidercontainer in der Nieschlagstraße ist weg, fahre instinktiv zum Schmuckplatz und ziehe gleich was Neues raus beim rein tun, eine Homer Simpson Krawatte mit verschiedenen Gesichtsausdrücken. Die muss mit.

Vor dem Betreuerausweis ist der erste Ordner schon voll. Telefonat mit der Anwältin des Mannes, er will, dass es über sie läuft. Immerhin sind die Schulbücher zurückgebracht worden und nur 6,50 Mahngebühren noch offen.

Bei der Ermittlungsakte geht es um den Vorwurf des Kreditbetruges und irgendjemand hat eine Lohnabrechnung gefälscht. Der Autokreditvermittler und Leute aus seinem „Kulturkreis“ die mit ihm gemeinsame Sache gemacht haben. Mein Betreuter sagt jetzt, es sei nicht die Unterschrift seiner Frau. Er will mir die zeigen. Ich sage, dann ist es ja auch nicht ihr Unterschrift, wenn er sie macht. Aber er kann diverse Unterschriften echt gut, u.a. von seiner Frau und seinem Vater.

Schon wieder Herrn Ihme Geld leihen. Ich scheiße ihn zusammen, dass ich es nicht mag, wenn er hier reinschneit ohne Termin. Selber schuld, wenn man über 1/3 seines Monatsbudgets für ein Scheißhandy ausgibt. Essen ist wichtiger. Es ruft ihn sowieso keiner an außer seiner Oma und er ruft mich leider nicht an bevor er kommt. Was nutzt dieses Telefon? Ich muss ihm nächsten sein Geld einteilen, anders geht es leider nicht. Sagt zu allem ja.

Neuer Laden am Kreisel. Große Fenster. Die Frau von der Weißwein- und Lachbar. Kostprobe heißt der und irgendwie Selbstbedienung, auch bei den Weinen, die ringsherum an den Wänden stehen und dann Karteikarte nehmen und sammeln oder gleich zur Kasse. Es gibt eine Salatbar zum selber zusammenstellen. So was fehlte tatsächlich in Linden. Uns macht sie Tagliatelle mit Tomaten- und Walnusspesto und Rucola bzw. gegrilltem Gemüse als Extrazutat (1,50). Lecker, man sitzt gut und schaut durch die großen Fenster hinaus auf den Lichtenbergplatz und in den Himmel und stellt fest, wie schön der Himmel aussieht und wie groß die Kastanie schon geworden ist. Die Qualität stimmt und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Sehr leckere und butterige Kekse „Cardamonie“ für 60 Cent taugen mehr als die alten Törtchen von Luis für 1,80 im Marktkaffee und die Schokotarte ist auch um Längen besser. Die können da nicht richtig backen und die belegten Brote haben assige Zutaten, Toast mit Formschinken, da hat doch so ein leckerer Käseteller mit Feigensenf und Früchtebrot mehr Klasse. Den gibt es hier in 3 Größen und entsprechend auch gute, frisch belegte Brötchen. In Frankreich würde man so einen Käseteller gleich akzeptieren als Mittagssnack. Fromagerie Tourette, hallo!! Ich finde das Konzept gut und werde den Laden unterstützen und man hat seine Ruhe und kann schön sitzen ganz ohne Babyalarm und Jugendamtsmitarbeiter im Rudel.

Nachmittags führe ich Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter. Gut, ich mache es und lass mich breit schlagen, aber wir bleiben im engen Austausch und wenn es einen Monat nicht klappt, ist sie selber schuld und ich kündige es auf. Nach der Probezeit wird der Arbeitgeber ohnehin informiert. Wozu das Ganze, kann man sich auch fragen.

Herr Subutex kommt um einen Zeugenaussage für die Polizei zu formulieren. Es ist ein Nervenbündel und hat sich verschanzt in der Wohnung und hatte Todesangst und Panikattacken. Den Haupttäter hat er getroffen und sich in eine Apotheke geflüchtet und die Polizei gerufen. Er hat es in seiner Wohnung nicht ausgehalten und die Feuerwehr war da und die wollten ihn in eine Klinik bringen und jetzt ist er bei seiner Mutter. Armer Hase, ist wohl PTBS, schlechte Konzentration, neben sich Stehen, Heulen, Nervenbündel sein. Hier die Ergebnisse unserer Arbeit:

„ich beziehe mich auf Ihr Schreiben vom 07.04.2014. Wir Sie bereits wissen, bin ich die Betreuerin des Geschädigten….. Dieser möchte eine schriftliche Zeugenaussage machen wie folgt:

Am Abend des 01.04.2014 um ca. 21:30 Uhr stand ich zusammen mit A.P., J., T. & M. an der Stadtwegapotheke mit einigen Rumänen zusammen in einer Gruppe. Die Stimmung war freundlich. Mein Freund A. P. hatte sich eingemischt in den Streit eines Paares um hier zu schlichten. Sowohl der Mann als auch die Frau gehörten zu der Gruppe der Rumänen. Die Frau war klein und eher knapp unter 1,60 m groß, sie hatte dunkle lange Haare, die mit einer Klammer am Hinterkopf befestigt waren, dunkle Augen und ihr Alter schätze ich auf 25-30 Jahre. Ich würde die Frau wiedererkennen. Als die Tonlage lauter wurde, bin ich auch hingegangen um ebenfalls zu schlichten. Grund der Auseinandersetzung war wohl, dass die Männer in der Gruppe die Frau mit Alkohol und Zigaretten freigehalten hatten den Abend über und nun eine sexuelle Gegenleistung erwartet haben, weil die Frau wohl als Prostituierte arbeitet. Die Streitschlichtung klappte auch gut, das heißt, der Typ war ansprechbar. Er war ca. 1,70 m groß und kräftig gebaut, zwischen 25 und 30 Jahre alt und hatte dunkle, kurze Haare sowie eine Frisur mit Seitenscheitel. Ich habe diesen Mann im Übrigen auch nach der späteren Tat wiedererkannt und die Polizei verständigt, das war am Samstag, den 12.04. Als der Streit beigelegt war, verließ der Rumäne den Platz und die Frau kehrte zu der Gruppe zurück, d.h. zu uns. Rumänen waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr da.

Ca. 10 Minuten später hörte ich Geräusche und sah, dass sich 5 Rumänen um A. P. gestellt haben und auf eintraten. Alle Tritte waren gezielt und richteten sich gegen den Kopf. Das passierte auf dem Schünemannplatz neben der Telefonzelle. Ich bin dann meinem Freund zur Hilfe geeilt und habe versucht auf die Männer einzuwirken, dass sie damit aufhören sollten. Ich war nicht der einzige, meiner Meinung nach haben auch J., T. und M. ebenfalls versucht auf die Rumänen einzuwirken, damit sie aufhören. Die Rumänen waren nicht ansprechbar und haben einfach weiter gemacht. Sie haben weder zugehört noch sich abhalten lassen. Der Typ, der den Streit mit der Frau provoziert hatte, war hier der Haupttäter, der am meisten körperlich gegen Herrn P. vorging. Die Rumänen traten wie von Sinnen auf Herrn P. ein. Die Täter haben den Kopf getreten wie einen Fußball und ich sah ihn immer hin- und herfliegen. Weil ich mir nicht anders zu helfen wusste und nichts geholfen hat, habe ich dem Haupttäter mit einer leere Flasche auf den Kopf gehauen, damit er aufhört. Diese ging zu Bruch, aber er hatte keine sichtbare Verletzung davon. Daraufhin richtet sich die Wut der Gruppe gegen mich und sie haben mich zu Fall gebracht und fingen an mich zu treten, ebenfalls nur gegen den Kopf. Ich habe 4 Tritte gezählt und dann das Bewusstsein verloren und bin im Krankenhaus wieder zu mir gekommen. Ich musste offenbar im Krankenwagen wiederbelebt werden und war zunächst auf der Intensivstation des Nordstadtkrankenhauses. Ich hatte diverse Gesichtsfrakturen, vor allem das Jochbein war mehrfach gebrochen. Mein Handy ist bei dem Überfall gestohlen worden sowie ein kleines schwarzes Portemonnaie mit Kette, in dem ca. knapp über 30,- € waren. Das Portemonnaie hat meine Mutter im Gebüsch gefunden, einen Tag später, aber es war leer und nicht mehr zu gebrauchen. Das Fahrrad hatte ein Bekannter für mich gesichert. Ich bin dann am 09.04. operiert worden und am 11.04. nach Hause entlassen worden. Ich habe da festgestellt, dass ich nicht alleine in meiner Wohnung sein kann und hatte Panikzustände, so dass ich mich nunmehr um stationäre Hilfe bemühen muss (Traumastation). „

Ich mache schon Witze und sage, so billig kann man Sex haben von einer Professionellen? Ein bisschen Alkohol und Zigaretten reicht da schon. Die würde den Russen gehören und die hätten versucht sie jetzt A.P. anzudrehen, von wegen sie gehöre erst ihm und er könne sie haben. Ich sage, er kann doch im Moment nicht alleine sein, ist sie denn gut zu Katzen und wir lachen alle drei, er, seine Mutter und ich. Manchmal lockert das am besten auf.

Jobcentertyp von Freitag, mein neuer Kumpel ruft an. Ja, Erlös aus dem Hausverkauf ist geflossen, 17 tausend, aber ist weg. Er muss sich das Thelma und Luise-mäßig vorstellen, ein Roadtrip durch Italien und alle 3 Tage 500,- € mit Kreditkarte oder am Automaten.

Hier ist um Viertel vor 5 das Büro leer. Alle haben Urlaub oder früher Feierabend gemacht.

Ich habe keinen Sport und rufe meine Freundin Claudia an. Fix ist beschlossen, dass wir zu ihrem Geburtstag nach Hamburg kommen. Das muss auch mal seien, dass man sich bei Freunden blicken lässt, die Lust darauf haben. Ich habe eine prima Geschenkidee, die allerdings der Absprache bedarf und mit einem Gutschein zu tun hat. Da scheiden sich ja die Geister. Ich liebe Gutscheine, zumindest sie verschenken. Sie will auf der MS Claudia feiern. Da spielt eine alte Punkband á la Hansaplast und Fehlfarben. Ich sage, die Attribute „alt“ und „punk“ passen doch wie die Faust aufs Auge zu uns.

Der Mond war Sonntagabend schön, aber sehr aggressiv. Heute auf dem Weg in die Innenstadt geht der Mond auf und die Vögel zwitschern dazu. Riesengroß neben der Kulisse vom neuen Rathaus und dann neben der NordLB, teils mit grauen Wolken bedeckt, die aber keine klare Umgrenzung haben, sieht sehr unheimlich aus und beeindruckend. Ich will unbedingt einen türkischen Cai trinken.

Trinke stattdessen Pfefferminztee im Kino. Dom Hemingway. Cooler Film, großartiger schauspielerischer Auftritt von Jude Law und tolles Englisch und Szenen aus London sowie großartiger Affenkunst in der Villa von dem russischen Oberboss in Italien. Optisch sehr schön diese Einstellung, die Männer in den Sesseln vor den Affenporträts. Ich kurz vor meinen Wechseljahren, habe auch so Aggro-Impulsdurchbrüche, weniger körperlich, aber halt verbal und das hat er hat, bin gleich auf 10 von 10 Eskalationsstufe. Ich kann so einen Typen besser verstehen denn eh zuvor. Außerdem kann er auch nach dem Exzess überzeugend Entschuldigung sagen. Das kann ich auch. Im Film fragt er erst, ob Ivan die Kurzform von Ivana sei und beleidigt den Boss nach Strich und Faden und will kein Kaninchen essen, weil das Haustieren seien, die würde er nicht essen. Eben solches wird ihm serviert auf einem silbernen Tablett, aber zu dem Zeitpunkt hat er schon zugestanden, that he „was behaving like a cunt“, sich also entschuldigt. Es ist quasi die Bewährungsprobe. Ich esse gerne Kaninchen und würde mich allerdings bei der Person bedanken, die meinen Partner versorgt und gevögelt hat als ich im Knast war und der Partner an Krebs starb, statt sein Gesicht zu Bolognese zu schlagen. Den Ansatz kann ich nicht verstehen. Der Film ist aber ohne Pathos und zeigt, wie einer nicht aus seiner Haut kann und das Glück kommt nur zaghaft und man muss viel dafür tun, erst mal sich das richtige wünschen.

15.04. Traum. Mein jetziger Kollege verhandelt einen Kunstaustausch. Es geht Gurlittmäßig um 140 Kunstwerke, mit denen man ein Museum ausstatten oder gründen könnte. Die eine Seite hat einen besonders guten Deal gemacht und irgendwie bin ich involviert und kann es gar nicht glauben und bin mit dem einen Kunsttypen zusammen und wir hausen in Amsterdam, aber das nur am Rande. Dann treffe ich mich mit meinem ehemaligen Kollegen, mit dem ich mich voll versöhne und erzähle ihm dem ich von dem Fall unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit (ich hatte neulich eine dienstliche Indiskretion, die mich wohl verfolgt), weil er Ahnung von Kunst hat und sage, die Sammlung sei um Längen besser als das was das Sprengelmuseum zu bieten hat. Ich lade ihn zum Essen ein in eine Street kitchen, eine kleine Garküche an der Straße mit Hockern mit Fleischauswahl, man sucht sich was aus und es wird dann gegrillt. Er wählt mehrere Fleischstücke, die dann für ihn gegrillt werden.

Im Büro Steuerprüfung von irgend einem Mandanten der Kollegin. Ihre Tochter ist heute mit im Büro, Osterferien. Sie trägt einen Button von mir mit Stadtplan der eigenen Straße. Die Steuertussis sehen immer gleich aus diese Frauen mit den farbigen Wollpullis und farbigen Brillen, die gerne die Zahlen durchprüfen wollen und sich die Ordner vornehmen. Ekelhaft.

Mache meine Frau Karlsruhe, die wegen Geld kommt fertig. Die hat die Mobil-S Card und die normale, übertragbare Monatskarte. Entschuldige mich dann für den Wutausbruch, aber es sei so ärgerlich, das schöne Geld und sie muss dafür lange putzen und es ist doch klar, dass man die anderen Karten zurückgeben muss. Das versteht doch jeder, weil man sonst zwei Monatskarten hat und da sonst wer mit fahren kann. Sie sagt immer zu sich zu kümmern und dann fasse ich nach und es ist doch nicht so. Drohe ihr damit, dass ich das nachkontrollieren werde und wehe, sie macht es nicht. Ihr tun die Füße weh. Ich sage, zu viel Schlossbesichtigung in Süddeutschland am Wochenende. Da hatte sich schon Geld von der Bank geholt.

Finanzamt Celle in meiner neuen Betreuungssache. Hat gewerbliche Tätigkeit angemeldet, wird als Liebhaberei eingestuft. Ich frage: Schmuck machen, Zipfelmützen nähen.

Die ehrenamtliche Besucherin meiner Betreuten rief gestern an. Eine Heimmitarbeiterin hat geklaut, Schmuck und Geld. Die wurde mit präpariertem Geld überführt. Die dicke Goldkette meiner Betreuten, die sie immer getragen hat, fehlte auch einmal und ich habe gleich gedacht, dass ist wohl beim pflegen passiert. Jetzt frage ich mich bei der Polizei durch, weil das Heim mauert.

Mein Kollege kommt spät. Ich befürchte, dass man ihn eines Tages mit einem Messer im Rücken finden wird. Ich weiß dann, wer es war.

Wir fahren in die Kantine. Ich muss daran denken, wie letzte Woche dubiose Ortelwerbefuzzies an allen möglichen Stellen mobile Stände aufgebaut hatten mit Werbung, wie Obdachlose in roten Uniformen mit roten Windjacken und Basekappen. Ganz würdelos der Job. Straßenstrich für eine Handyfirma.

Harald trifft ein, als wir schon fertig gegessen haben. Die Gnocci mit Spargelragu sind alle und er isst lustlos Erbsen und Möhren mit Pommes und Ketchup. Wir leisten ihm Gesellschaft und dann muss zurück zur Arbeit.  Nicht schreiben, sondern schneiden. Ja, wir kennen die Welt nur aus klimatisierten Luxusschlitten und ja, es wird die Regierung gewählt, ne, die Region. Was ist das noch mal. Kaffee bei uns, nachdem die Kostprobe verwaist war und wir wieder abgehauen sind. Soundtrack Dom Hemingway. Ich liebe Debaser von den Pixies. Das macht mir gute Laune.

Telefonat mit der Urlaubsvertretung des Strafverteidigers. Ich kenne den Kollegen, der gerne legere auftritt und vom Sport kommt. Er sagt mir was zu tun ist und ich stelle lauter Anträge an die Staatsanwaltschaft auf Zurückstellung der Strafe nach § 35 BtMG und Beschwerde gegen Bewährungswiderruf um Zeit zu gewinnen.

Betreuungsstelle ruft an. Schon wieder neue Betreuung. Zooviertel. Auch nicht mein Revier. Sei ein sympathischer Typ, der wohl viel Geld gehabt hat, aber jetzt nur von der Unterstützung von seinen Eltern lebt in einer riesigen Wohnung mit Dachterrasse. Ich will ihn anrufen, um mir einen Eindruck zu verschaffen, aber das klappt nicht. Jetzt muss ich so entscheiden on hopp oder topp.

Elisabeth Taylor ruft an, die ambulante Wohnbetreuung wollte heute kommen und hat sich krank gemeldet. Das ginge doch gar nicht, die war gerade im Mutter-Kind-Urlaub. Sie will sowieso nicht mehr mit der und hat sich bei ihrer Kollegin beworben. Mir wünscht sie einen schönen Feierabend. Ich frage mich, warum auch die Schwierigsten bei mir so handzahm sind. Was ist mein Geheimnis und sollte ich die neue Sache nicht in diesem Sinne mutig angehen oder werde ich größenwahnsinnig. Lässt sich das alles noch so gut jonglieren?

Ich komme wieder früh nach Hause ohne Sport. Erst der Regenbogen über Linden

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dann setze ich mich in den Wintergarten und nähe bei zunehmender Dunkelheit und lasse das Wetter, was in Regen und große Wolken umschlägt auf mich einwirken.

Stephan kommt vom Sport und da hat er ein Zitat aufgeschnappt, da waren welche beim „Meditor“. Das finden wir beide total lustig. Es gibt einen großen gemischten Salat mit Kernöl und etwas Zitronenöl sowie Kartoffeln. Wer hat uns nur dieses leckere Zitronenöl geschenkt? Das ist der Hammer. Der Film mit den bösen Jungs aus den Vorstädten von London und den Aliens, die vom Himmel fallen, erscheint mir zu schwachsinnig.

A.B. und C. melden sich aus Berlin und wir sind Samstag zum Essen verabredet. Schönes Date. Schöne Aussicht. Kann ich ins Bett gehen.

16.04. Ich muss heute nach die Kette tragen, die aus Zutaten des Trödeltreffes stammt und die ich insgesamt 4 Mal aufgezogen habe und perfekt ist sie immer noch nicht. Mir ist nach Frosch zumute.

Großer Artikel in der Haz über das Fairkaufhaus. Das kann ich gar nicht gebrauchen, dass es da noch voller wird.

In die Weinstraße. Die ziehen um nach Laatzen.

FB Gesundheit Umzug

Noch mal Fotos, wie es mal war und nicht mehr sein wird. Die Reiterin mit der Zimmerpflanze und das alte Badeplakat.

Reiteringemälde Das Baden

Wir hätten gegenüber fast mal eine Wohnung abgemietet, denke ich immer wenn ich da bin. Damals dachte ich schon, was soll ich mit dem großen Balkon und die Nachbarschaft ist hier nicht gerade erbaulich. Die hatte ein perfektes Ankleidezimmer, aber zum Glück sind wir in Linden geblieben.

Riesenbalkon

Die JVA liefert etwas spät an. Meiner humpelt. Das ist die versteckte Fußfessel. Er hat Probleme mit einem Albaner beim Sport, der ihn als Junkie beschimpft und geht deswegen nicht mehr hin. Konfliktmanagement muss er lernen. Ich biete Yogakurse in der JVA an. Dem Albaner mal zeigen, wo der Hammer hängt. Ostereierverstecken ist echt schlecht im Innenhof der JVA, schade eigentlich. Ich greife in die Süßigkeitsschale nach einem gelben Ball. Das sei ein „Wutball“, erklärt mir die Fachärztin, den kann man so drücken und ich: und das hilft? Dann sind da grüne Hartplastikteile zwischen den Halsbonbons und ich frage, ob das Beißringe seien und Gelherzen. Davon lege ich mir eines aufs Auge und sehe dann den Werbeaufdruck der Region. Es sind Wärmekissen und ich betätige gleich den Mechanismus und es wird warm und hart. Ich will es wieder zurück legen zu den Bonbons und die anderen sollen nicht petzen, wenn die Sozialarbeiterin gleich wieder rein kommt vom Kopieren. Wollte sie bestimmt eh los werden wegen des Umzuges. So ist es, ohne zu fragen bekomme ich das Herz geschenkt. Ich sag Valentinshütchen und werde nach der Unterlage von meinem Frosch befragt. Das liegt an dem Bucherbinderkurs, den ich besucht habe, weil ich einen Eimer Kleber gekauft habe, erkläre ich die Sache so gut es geht.

Ich fahre vorbei bei Frau PM im Heim. iHr geht es schlecht. Ich sage, das Geld ist bald verbraucht du dann kann sie kein Hausgeld mehr für Spanien zahlen. Sie hat einen deutlichen Tremor. Heimleitung und Facharzt sind im Urlaub. Ihre Tochter kommt Ostern. Ich habe gar nicht die Gesundheitssorge, will mich trotzdem kümmern. Nach dem Besuch fahre ich an der Wohnung gegenüber vorbei, der ehemaligen. Sie ist leer. Die Vereinsbetreuerin der Lebensgefährten hat ganze Arbeit geleistet. Seine ganzen Bilder sind auf dem Müll bis auf das eine, was es mir geschenkt hat. Ja, so endet so was.

Polizei hat sich gemeldet wegen Tätererkennung und ihn gute Besserung wünschen lassen. Er soll sich an die Opferhilfe oder den weißen Ring wenden. Das gebe ich weiter und begleite ihn Dienstag nach Ostern zur Polizei. Täterfotos schauen, so was habe ich auch noch nie gemacht. Dann  ruft der Typ von der Opferhilfe an und wollte mich nicht übergeben als Betreuerin und ich sage, bitte direkt anrufen, habe hier genug zu tun und das andere sei stille Post.

Bei Frau Yoga hat schon die erste Firma auf die Forderung verzichtet. Es läuft so derart wie geschmiert, sage ich der Betreuungsstelle, dass ich den neuen Fall auf übernehmen möchte.

In einer Erbschaftssache ist die Schwester einfach gierig und will einfach 10.000,- € mehr als ihr zustehen plus ihre Anwaltskosten. Begründung: null bzw. sonst wird es alles komplizierter. Der neue Anwalt hatte dezidierte Begründungen avisiert seit Dezember und das ist nun das Ergebnis? So kann man auch verhandeln.

Mittags esse ich den großen Käseteller und die Butterkekse in dem Glas futtern wir gleich ganz auf. Ich verschenke eine Postkarte, ein Hund mit Elvisfrisur, die wartet schon lange auf denjenigen, dem ich sie zugedacht habe und heute kann ich dann mal spontan handeln. Das freut mich. Der Elvis von meinem Vierzigsten Geburtstag freut sich auch.

Termin beim Jobcenter um 14 Uhr. Meiner hat noch geschlafen und kommt später. Diese Frau ist ein Sechser im Lotto und so sympathisch. Ich schlage Arbeitserprobung im DOC-Center vor, mein verkopfter Architekt soll mal eine Einschätzung bekommen von Profis und die Gelegenheit haben Praktika abzuleisten. Er erzählt von seiner Kochgruppe und wie begeistert alle von seiner Suppe waren, die besser geschmeckt hätte als die Hauptspeise und wir entsetzt er war, dass die nur billigste Zutaten nehmen wollen. Den Speck hätte er dann spendiert. Ich sage, Architekten sind scheiße, Köche sind Gott. Das geht langsam in die richtige Richtung. Es können nicht alle IT machen, einer soll mal lieber einen guten Ziegenkäse herstellen, da haben wir mehr davon. Die Frau muss immer schmunzeln und scheint meiner Meinung  zu sein. Außerdem hat sie Ringelnatz an der Wand:

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

Herrlich.

So, die Zurückstellung der Strafe wurde schon abgelehnt von der Staatsanwaltschaft, weil die Einrichtung keine Anerkennung nach § 35 BtMG hat. Immerhin haben sie schnelle reagieren. Dass dies so auch drin stand in der Email, die ich vor wenigen Tagen bekam, aber nur überflogen habe,  merke ich erst jetzt. Die Frau von der JVA will mit der Rechtspflegerin telefonieren. Die haben schließlich diese Einrichtung ausgesucht.

Bei Frau Yoga schreibt mir eine Wichtig-Wichtig-Kanzlei mit zwei Empfangsbekenntnissen Zustellung von Anwalt zu Anwalt. Erneute Kündigungen beider Wohnungen. Die Tussi ist im Urlaub und der Typ von der Hausverwaltung eiert rum und kann nichts alleine entscheiden, ohne seine Anwältin. Weichei, dem die Frauen sagen müssen, was zu tun ist. Deswegen ist seine Frau auch Firmeninhaberin, weil er keine Eier in der Hose hat. Er treibt die Kosten unnötig in die Höhe, hätte es nicht abgeben sollen an „seine Anwältin“, das beeindruckt mich sowieso nicht, bin selber eine. Ich wollte eine Lösung finden, war 4 Stunden beim Jobcenter wegen seiner Mietrückstände, kann es aber auch vor die Wand fahren lassen, wenn er mir so kommt, sie ist mittellos. Er hat es nicht verstanden. Er hätte lieber selber groß sein sollen und es mit mir klären, es gab keinen Grund für diese überflüssigen Schreiben, die ich bekommen habe. Er hat doch eine Hausverwaltung und ist nicht unbeleckt, dass er eine Vertretung braucht oder braucht er eine Betreuung? Ich raste wieder Dom Hemingway mäßig aus und lege irgendwann mal den Hörer auf. Anschließend sehe ich, dass die Anwältin das wichtige Kündigungsschreiben nicht unterzeichnet hat. Die blöde Kuh, will nur Gebühren schinden. Waren doch schon gekündigt, die Wohnungen. Jetzt wo ich Dampf abgelassen habe, werde ich in aller Ruhe überlegen, wann ich das festgestellt habe, dass die wichtige Kündigung keine Unterschriften trägt. Denke an meinen alten Lehrmeister zurück.

Bevor ich selber nach Berlin fahre noch mal einen Wiedereinsetzungsantrag beim Mahngericht Wedding Paypal gegen meinen Betreuten, der geschäftsunfähig ist. Mal sehen, wer das gewinnt. Kontopfändung läuft Mahnbescheid ist aus Dezember. Er hatte wohl Einspruch eingelegt, aber die habe ihn verarscht und er hat ihn zurück genommen. Ich schimpfe mit ihm, muss aber vorsichtig sein, weil er schnell beleidigt wird.

Letzter Anruf vor Oster, Herr PM, der so genannt wird in Anleihe an das Krümelmonster, obwohl er mehr von Oscar in the trash can hat. Er schreibt mir zig SMS, dass er Zysten am Kiefer hat und Wurzelbehandlungen, 3 Zähne müssen gezogen werden und überhaupt, Umzug zieht sich alles. Er wohnt jetzt an meiner Bahnstrecke und steigt Samstag aus der Bahn als ich das Haus verlasse. Wir haben uns gesehen als er in der Bahn stand und ich aus dem Haus trat und er grinst breit und wünscht mir ein schönes Wochenende. Er sieht säuberlich zu Recht gemacht aus in seinen viel zu großen Chucks, wie er da steht. Ja, er will jetzt bürgerlich werden und eine Frau. Jetzt ist er gerade mit seiner Schwester dabei die alte Wohnung besenrein zu machen. Ich bin sehr kurz angebunden bei Handygesprächen und er ist immer so umständlich, das bin ich doppelt genervt und der Dom Hemingway kommt wieder raus andererseits will ihn aber auch bei Laune halten, weil Gott sei Dank, das sind gute Nachrichtgen. Lass die Schwester grüßen und schreibe diverse Krankenhäuser für ihn an. Wegen seiner Auseinandersetzung mit der Polizei bei der Einweisung habe ich schon gemacht und dann noch wegen der Schwerbehinderung und unserem Widerspruchsverfahren, weil er einen höheren Grad und vor allem das Merkzeichen „G“ will. Meine weiche Seite ist einfach nur froh, dass er eine neue Wohnung hat und sich auch noch richtig wohl fühlt und nicht nachts von Kleefeld zu einem Hochhaus in Ricklingen gefahren ist, von dem er von einer Wohnungsbesichtigung wusste, dass man zu einem Balkon gelangen kann und dann gesprungen ist in der Nacht vor dem Umzug, wie mein Betreuter letztes Jahr es getan hat. In diesem Sinne: ich bin dann mal weg und frohe Ostern.

Bauschäden an den Musterhäusern

12.04. War recht früh ins Bett gegangen. Es ist erst 7 Uhr. Zuhausewochenenden sind zum Basteln da, zumindest bei mir.

Habe geträumt und zwar sehr echt. Verschiedene Szene. Der kleine Bernd hat einen neuen Club gemacht, Freiluft an der Ihme. Wir lernen Hartmut El Kurdi kennen, der immer wieder schaut und uns dann auffordert uns nacheinander vorzustellen. Wir, d.h. Seb, Marc, Stephan und ich. Jeder soll sich vorstellen. Ich sage, dass ich aus Hannover kommen würde, das dürfte man nach über 20 Jahren langsam behaupten. Dann erzähle ich, wie Stephan mir immer von diesem coolen Typen erzählt hat, der in Braunschweig quasi Stadtverbot hat und dann hätten wir ihn mal im Pavillon gesehen und Stephan hätte ihn mir gezeigt, den zweiten von links, außen, den kleineren (er habe auf dem Podium gesessen). Dann hätten wir ihn öfter in Linden gesehen und gedacht, er sei wohl hier her gezogen und quasi: wurde auch Zeit. Dann nimmt Seb Psychopharmaka oder ist es meine türkische Betreute von mir und dazu andere Drogen und ich kläre auf und rufe in der Klinik an um mir die Wirkungen und Wechselwirkungen erklären zu lassen und den nächsten Spritzentermin für denjenigen. Bernd spült und alles ist blitzblank am Edelstahlwaschbecken. Ich habe meiner türkischen Betreuten geholfen Fruchtjoghurt umzufüllen und will mir die Hände waschen. Frage ihn, was ihm lieber ist, wenn man den Lappen benutzt oder die Papierhandtücher. Für letztere würde er zahlen. Ich sage: echt? Früher haben wir immer Klopapier von der Uni geklaut und uns gefreut, dass wir kein Geld für so was ausgeben mussten. Da war ein großer Putzschrank und da konnte man sich bedienen. Eines Tages musste man in den sauren Apfel beißen und anfangen das Zeug selber zu kaufen. Ringsum sind Spießer, die Marktstände betreiben. Da darf er das Lager mitbenutzen. Er hat bei ebay ein Besteck ersteigert, was er jetzt gewinnbringend vermietet, wie er denen sagt und sie schauen bewundernd. Junge Leute freuen sich über den Klub und wie cool er sei und so wenig Eintritt. Der Club macht gerade Feierabend, weil es hell wird und ich wundere mich, dass ich so lange durchgehalten habe. Wir gehen mit Marc noch zu uns, wo eine große Daumendecke gerade auslüftet und über ein Geländer im Treppenhaus hängt und es geht irgendwie darum, dass ich schon immer schlecht rechnen konnte, auch damals im Studium. Ich frage mich, woher will er das wissen.

Davor sind wir unterwegs. Eine ca. Mitte sechzig Jährige, mit einem schrulligen Diener gibt sich als Königin aus und springt über die Gleise und wird von einem Empfangskomitee abgeholt. Sie haben beide Pelze an mit zu kurzen Armen (wie ich gestern meinen von Jans Mutter, den ich bei recht warmem Wetter getragen habe und abends nach dem Sport zur Jogginghose). Der Diener erklärt, was für ein exotisches Tier der Pelz der Königin sei und das sei extra geschlossen worden, ein riesiges Tier, so dass es aus einem genäht werden konnte (er sieht scheckig und komisch aus, aber das passt zu der Schrulligkeit). Wir fahren Zug und jemand das Second Hand Sachen dort abgelegt mit Preisen, sie haben aber fast alle einen Wasserschaden. Ich schaue sie mir einzeln an. Aufgequollenes Portemonnaie usw. Wir besichtigen ein Schloss mit einem Gartenzimmer und sitzen oben an der Empore und schauen runter. Meine Schwägerin Kathrin ist mit dabei. Im Giftshop kaufe ich ein lustiges, gemustertes Tee- sprich Geschirrhandtuch. Dann ist draußen eine halb zugefrorene See mit Wellen und dort gegenüber wohnt der Einsiedler, der ungern Besuch bekommt. Sein Auto wird umspült von den Wellen und sein Haus steht in der Brandung. Alle staunen. Wir sitzen am Tisch und es wird Wein getrunken, ich bin nüchtern und mein Vater ist etwas angetrunken, will einem Physikerkollegen, der offenbar mit am Tisch sitzt und den er getroffen hat erzählen, was ein gemeinsamer Kollege ihm über einen Wein erklärt habe und wird dann immer wieder bewusstlos und fällt nach hinten und kommt dann wieder zu sich und redet sofort weiter. Meine Mutter beschließt, er müsse jetzt auf ein Bett des Schlosses verfrachtet werden mit tatkräftiger Unterstützung. Dann geht es darum, ob ein anwesender Arzt ihm einen Beruhigungsspritze verpasst darf und dass er den verklagen wird, wenn er wieder wach ist, andererseits würde er sich so verletzen, meint meine Mutter (in Wirklichkeit ist Paps gestern aus Israel zurück gekommen, als ich um 20 Uhr angerufen habe, war er seit 12:30 Uhr der Nacht davon wach und meint, aus ihm „könne man heute keine Funken schlagen“ und ich sagte, das habe ich auch nicht tun wollen, wollte mich nur kurz melden). Eine Frau erzählt, dass sie zum grillen eingeladen waren und es gab Wein, der so schmeckte als habe jemand Wasser hinzugefügt. Meine Schwägerin, die auch in echt gerne schwere Rotweine trinkt, pflichtet bei und kann das verstehen. Den Cabernet Sauvignon, ihren Lieblingswein könnte sie allerdings nur am frühen Abend trinken, der mache sie schnell im Kopf, aber danach sei sie dann ganz erschöpft. Wir gehen eine Treppe hoch zu einer Aussichtsplattform. Ich muss bei der Geschichte an Kaffee denken und werde wach.

Ich sitze im sonnigen Wintergarten und mache neue Hütchen; eines zu Ende mit einer alten Flaschenbürste auf Wollresten von Käte, in gelbgrün, orange, dann Stoffreste von Käte mit diversen, gesammelten Fundstücken u.a. einer Hutnadel mit einer Haselnuss oben drauf mit Schraubverschluss, die ich mal auf dem klassischen Flohmarkt in Hannover gekauft habe von so einem Typ, der da regelmäßig steht und einen Zylinder trägt und meinte, das sei was für mich und dann ein Nähetui mit Schere und Einfädler und Nähgarn und allem drum und dran, was ich für 50 Cent gekauft habe, das ist schon gleich fertig so wie es ist und wird einfach an das Gummiband befestigt, nur für den Flieger ist dieses Hütchen ungeeignet. Packe für Berlin und Potsdam, unser Osterausflug.

Duschen lässt sich am besten im Bett. Ich liebe den gechillten Tagesablauf am Wochenende und genieße es in vollen Zügen. Stephan liest aus der Haz vor und wir regen uns beide über dieses Prinzengehudel auf und das Backenpfeiffengesicht, was sich zu „Die Krone ist zurück“ ablichten lässt. Widerlich! Abschaffen! Wir finden übrigens beide, dass der Kollege, der Jurastudenten geholfen hat mit etwas gestärkten Nerven in das Horrorexamen zu gehen zumindest keinen Wucher betrieben hat, weil 3.000,- € für eine Lösungsskizze ist sehr human, all die Weil von den durchgeknallten Kandidaten bestimmt auch das Mehrfache zu erlangen gewesen wäre.

Ich höre ganz lautes Vogelzwitschern und das goldene Dach bewegt sich. In meinen Gedanken, sind die Vögelchen schon beim Nestbau. In Wirklichkeit ist die Milchflasche auf der Terrasse von unten und liegt im Dreck und ich hole sie hoch. Die Nachbarin findet das Projekt o.k. und sagt, ich müsse dran glauben, sonst klappt es nicht. Ich erzähle ihr, wie doll meine Einbildung schon war und ich lasse mir die Pfefferminze im Garten zeigen mit der Ankündigung, dass ich jetzt nicht mehr bei Kaufhof welche kaufen werde. Mir ist nach Architektin zumute und ich behebe die Baumängel der Häuser und hänge das mit dem Spitzdach aus Korb in den Zwetschgenbaum.

Ich werde Pflanzen ausmustern müssen, vielleicht verschenken, aber wer will die Pflanzen anderer Leute. Jeder liebt seine eigenen, wie bei Kindern. Ganz selten, dass einer mal sagt, ich hätte gerne das Kind oder die Pflanze eines anderen.

Nächstes Mal will ich die Etagere zu G. mit in den Garten nehmen und dann gibt es High Tea. Ja, man muss noch Pläne haben.

Nachmittags backe ich die übliche Linzer Torte, diesmal traditionell mit Hagebuttenmarmelade, die Stephan besorgt hat und nicht Marille oder was anderes. Ich mache Reparaturarbeiten, muss meine Hosen ausmustern bis auf maximal 5, die trage ich einfach nicht und sie blockieren meine Klamottenstange.

Stephan bringt etwas Post aus dem Büro und so lese ich nachmittags auch eine Ermittlungsakte und freue mich, dass in meiner Sache Herr Borderline die Polizei klein beigegeben hat vor dem Verwaltungsgericht und den Bescheid zur erkennungsdienstlichen Behandlung aufgehoben hat und eine Erledigungserklärung abgegeben hat, der ich mich anschließen soll und meine Kosten zahlen will. Gewonnen und das freut mich. Begründung lautet: das Ermittlungsverfahren wegen Joint auf dem Spielplatz war zu der Zeit von der Staatsanwaltschaft eingestellt und kein neues anhängig. Sie haben es einfach so versucht mit der erkennungsdienstlichen Behandlung.

Stephan sagt mir, dass wir damit rechnen müssten, dass uns Potsdam doch beeindruckt. Er hatte unserer Freundin gegenüber, die dort einen Auftrag hat und auf der Baustelle tätig ist, immer von kleinem Palais gesprochen, aber nein, es heißt, neues Palais und sieht riesig aus und auch eindrucksvoll und wir werden eine Führung des Schlosses machen und daneben eine Baustellenführung. Das wird großartig.Sie war seinerzeit im Neuen Museum in Berlin tätig und ich kann mich an die dortigen Baustellenführung erinnern, die einfach einmalig war. So schön wird man die Räume danach nie wieder gesehen haben. Sie waren leer und kamen richtig gut zur Geltung. Mit den aufwendigen Fußbodenmosaiken und der Wandbemalung ist die Einrichtung überflüssig und diese kleine Nofretete-Büste wird auch überschätzt. Die verschiedenen Gewerke waren zu sehen, wie die Stuckateure arbeiteten usw.  Es war Sommer und es standen zwei Gästefahrräder für uns zur Verfügung und wir konnten anschließend gleich losradeln. Es war traumhaft. Ich habe eine Trennscheibe aus dem Müll mitgenommen und ein Hütchen mit Tiger darauf gebastelt und eine blaue Absperrbandscheife, so dass ich zwei Hütchen von dieser historischen Baustelle habe.

Dann mache ich noch 2 weitere Hütchen, einen aus Papier, ein großer Kreis mit einem Stauds Verschluss aus dem Kunsthistorischen Museum innen drin, etwas labil von der Konstruktion her, aber sehr gelungen, wie ich meine (die Fischdose aus Wien, die mir Andrea zurück gegeben hat mit Sardellenfilets, die wir ihr mitgebracht haben, habe ich bemalt, d.h. die Pappmaché-Rückseite, das ist aber nur mittelprächtig geworden) und einen ebenfalls aus Papier, ein Duschhaubenkarton aus dem Barreis an ein schwarzes Band genäht mit metallic-braunem Bastknäulen aufgepeppt. Dieser gefällt mir besonders gut. Der Berg mit den Potsdam-Berlin-Sachen wird immer höher. Ich habe manchmal Angst, dass mir die Hütchenideen ausgehen werden, aber irgendwie auch nicht. 5 an einem Tag spricht irgendwie wieder dagegen. Basteln hat seinen Preis. Ich baue einen kleinen Bastelunfall, den ich abends beim Essen beichte in dem Sinne, das was passiert ist, aber nicht genau was. Die Jungs raten und Michi ist am besten mit seinem Cutter-Tipp. Stephan ist irgendwie auf 180 und will es aus mir rauskriegen, ich drohe aber nur an, ins Frauenhaus zu gehen und sage ihm, dass es doch keine Absicht war.

Die Essener, die wir heute nicht sehen werden kommen mit nach Wien. Darüber freue ich mich sehr.

Wir holen die Jungs ab. Ich hatte morgens 6 Buttons aus einem Hannoverstadtplan gemacht, den ich zuhause aus dem Hausmüll gezogen habe, darunter einer mit dem Grundriss von den Herrenhäuser Gärten (gut die sind vielleicht mittelprächtig geworden). Ich pose derweil unten auf der Straße.

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Die Laune ist bestens. Ich habe das Olympiadentuch 1972 von Käte an. Wir fahren in die Südstadt und warten bis unser Tisch fertig gemacht wird. Es ist ein lesbisches Pärchen, die den Laden führen und die Vorspeisen sind groß und die Vinaigrette wird am Tisch drüber gemacht. Ich esse eine Carpacccio aus Rinderschinken auf Rucolabett mit Staudensellerie und Parmesan. Das ist mit Zitronennote aromatisiert und die großen Parmesanstücke sind sehr lecker. Am Eingang des Ladens ist ein Kühlschrank mit einer Glastür voller Parmesan. Michi isst einen Salat und Stephan und Markus Bohnensalat mit Salatherzen vom Römersalat oder wie der heißt, der auch für Ceasars salad genommen wird und vielen roten Zwiebeln und auch großen Parmesanstückchen. Das Brot kommt in Brottüten, die zu Schiffchen gefaltet sind. Die Tischdecken sind grau-weiß kariert und auf eine darüber gelegte Papiertischdecke wird geschrieben. Der Laden ist skurril-gemütlich eingerichtet mit Sitzbänken und enger Bestuhlung. Das Licht wird gedämmt und es ist sehr gemütlich und auch gut besucht. Es gibt Tagliatelle mit Trüffel im Parmesanleib. Das ist wohl sehr beliebt. Wir wählen auch Pasta, ich die gemischten Gnocci mit Butter und Parmesan, Stephan Tortelloni mit Paprikafüllung (scharf) und Markus Tagliatelle mit Steinpilzen und Michi Ravioli mit Auberginenfüllung in Tomaten-Paprika-Soße. Unsere Wahl ist die bessere, wie alle feststellen beim Herumreichen. Insgesamt schmeckt es gut und hat viel mehr Qualität und macht mehr Spaß als noch so ein x-beliebiger Italiener. Die Jungs probieren sich durch die Rotweine mit 0,1 und ich trinke, farblich passend dazu Traubesaftschorle. Nachtisch gibt es Mascarpone mit Ei und Schokoladenstückchen. In der Mitte ist ein Amarettikeks versteckt mit viel Süßmandel in weich und groß. Das nehmen wir 3 x. Es ist sehr süß, aber dafür klein. Stephan nimmt süße Pasta mit Apfelfüllung und Rosinen und Schoko. Klingt nicht so nach meinem Geschmack, dafür esse ich aber sehr viel davon. Tendenziell auch sehr süß und süße Pasta ist überhaupt etwas schwierig. Die Chefin kommt an den Tisch und erklärt, dass ihr Vater den Parmesan macht und die Weine auch aus der Verwandtschaft sind und von 2 anderen sehr kleinen Weinkellern, die sie persönlich kennt. Man kann alle Produkte kaufen, auch die Teller und Gläser, alles ist aus Italien. Michi hatte gefragt, was „Concept Store“ am Eingang zu bedeuten hat. Ein gelungener Abend. Auf die Ablichtung unserer Speisen habe ich bewusst verzichtet (kein Bock auf weitere Essensfotos) und vertraue darauf, dass die Beschreibungen ausreichend sind. Die Außenbestuhlung ist direkt an der Hildesheimer Straße, die Bestuhlung hässlich, die beleuchtete Vitrine ebenfalls mit schlechten Fotos und Trockengestecke, die vor sich hin krümeln und einem gelben Schild mit Schäferhundprofil und Hinweis darauf das „ich hier wache“, alles nicht so reizvoll und die Karte meiner Meinung nach viel zu groß. 80 % kleiner, wäre besser. Man kann beim Eingang in die Küche schauen und da steht eine dicke Frau. Die Frauen sind hier sie Stärke des Ladens. So schön, dass sie nicht nach Hamburg oder Berlin gezogen sind und es hier mögen.

Ich hoffe, dass es beim Essen nicht nur um meine Themen ging. Es kam mir im nachhinein so vor. Heute wurde die Kunst von Käte in Augenschein genommen, die Markus sortiert hat und man versuchte Timm Ullrichs an die Strippe zu bekommen. Es sind noch 1000 Bücher übrig. Dabei bleibt mir der Mund offen stehen. Stephan erklärt mir, ich müsse mir das so vorstellen, wie bei mir Ohrringe. Ich kann mein Mitgefühl und meine Bewunderung nicht immer so direkt ausdrücken, mündlich, meinem Gegenüber gegenüber (sozial nicht so kompatibel oder schüchtern, vielleicht Angst vor Zurückweisung oder das es schräg ankommt, keine Ahnung), aber hoffe dass meine absolute Sympathie in meiner Umarmung zum Abschied spürbar wurde. Ich bewundere was mein Freund leistet und wie respekt- und hingebungsvoll er mit dem Nachlass seiner Mutter umgeht. Mit meinem Paps hatte ich das Thema Herzensgüte. Er hat eine Frau im Flieger nach Israel kennen gelernt und die haben sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten erzählt und sie war mit ihrem zweiten Mann, der schlief unterwegs und hat von ihrem ersten, verstorbenen Ehemann erzählt, der beruflich sehr erfolgreich war und die erfolgreich und wohlhabend gemacht hat mit ihrem Geschäft, aber keine Herzensgüte hatte. Paps meint nur, dass sei wie durchgefallen im Leben, wenn die Ehefrau das über einen sagt, wenn man tot ist. Er hat meiner Mutter Bestnoten ausgestellt von über 9 auf einer Skala bis 10 und sich selber nur eine 7 und hält sich für verbesserungswürdig. Ich kann seiner Selbstkritik nachvollziehen und denke, ich sehe es bei mir ähnlich, aber ganz asozial sind wir beide nicht. Auch er hat eine deutliche soziale Ader und Putzfrauen mit Probleme haben sich immer an ihn gewandt und er hat sich eingesetzt für Mitarbeiter mit Schulden und bipolaren Störungen und sonst was und die Putzfrauen haben ihm selbstgestrickte Strümpfe zu einem 60zigsten Geburtstag, der an der Uni gefeiert wurde, geschenkt.

13.04. Habe wieder intensiv geträumt, aber mit Unterbrechung, bei der ich dachte, wow, das ist interessant. Ich allerdings nur noch bruchstückhaft vorhanden. Irgendwie ging es um Fitnessstudio. In Stephans waren jeden Abend, auch am Wochenende (Stephan hatte moniert, dass mein teures Fitnessstudio ständig Ferien macht und das auf die Monatspreise drauf gerechnet werden müsse). Wochenplan mit tollen, sportlich sehr interessanten Kurse in vollen Räumen, also sehr gut besucht und angesagt mit vielen Männern darunter auch Freunden von Hilmar. Typen, die mir Platz machen mit ihren Yogamatten. Alles sehr szenig, hier wird im Studio auch gechillt und gefeiert und Sauna gibt es und Umkleiden, wie Parkgarage, in denen man sich verlaufen kann. Es ist so eng, dass mir eine Frau bei der einen Übung einen Boxhieb ins Gesicht gibt. Muss ich jetzt wechseln und mein Studio kündigen? Dann reiße ich irgendwie die Zelte ab und fange an, ein bisschen zu klauen, Sachen, von denen ich meine, dass sie nicht mehr gebraucht werden, Pinsel und Farben stecke ich einfach ein und hinten im Gebüsch finde ich ein Portemonnaie mit Kreditkarten und will es abgeben. Die sind von Puppen, Sesamstraßefiguren, damit die Kinder üben können mit Geld umzugehen. Am Eingang sind ganz teure Geschenksets von Niederegger an einem Stand dekoriert, die mal über 25,- € gekostet haben, aber die waren zu Weihnachten. Sind die nicht reduziert? Während ich die Verpackung anschaue, verschwindet das am 05. Januar datierte Haltbarkeitsdatum vor meinen Augen, also abgelaufen, deutlich, dann passiert so was. Sie dürften es nicht mehr verkaufen, aber ich will so einen Baumkuchen in Hausform, so wie eine hanseatisches oder niederländisches Häuserfassade, unbedingt haben und glaube, der ist noch gut, esse ihn auf eigenes Risiko, versichere ich und darf schließlich einen mitnehmen.

Ich massiere Stephan etwas, wohl ausdauernder als sonst. Ich finde, dass nicht nur er sich immer um mein körperliches Wohl kümmern sollte. Die Ader an einer Leiste beult aus und das macht mir Angst. Das wird immer mehr und in 10 Jahren ist das Ding groß wie ne Kokosnuss und platzt und daran wird er sterben.

Ich räume etwas auf. Ach, Flohmarkt ist wieder bei Hornbach, aber das Wetter ist nicht Bombe und hier ist voll genug. Mal sehen, ob sich das nicht noch ändern wird.

Erst mal ein weiteres Papierhütchen mit Frosch und eine passende Kette mit Zutaten des Stöbertreffs, Warenwert 50 Cent, weil die Hütchen von dem Spiel und die Plastikhände in den Reggae-Farben umsonst waren und ein Hütchen mit U-Boot in Mache. Ich trage erfahrungsgemäß gerne die Hütchen mit Schiffen drauf, davon kann ich ein weiteres gebrauchen. Dann die Käseschachteln aus Holz vom Kutschkermarkt aus Wien. Die Seitenwände abgemacht, die da rangetackert sind und schon habe ich auch einen Jahresring, den ich mir an die Wand nageln kann. Diese Holzringe aus Hütchen sehen crazy aus, sprengen aber wohl etwas den Rahmen. Die Hinterwände habe ich bemalt und dazu meine Atelierfarben aus dem Keller geholt. Damit habe ich was vor. Vorher sorge noch etwas schmirgeln. Durch die Farben wellen sich die runden Holzscheiben leider etwas. Auf jeden Fall habe ich auf die Unterlagen geachtet. Einen weiteren Bastelunfall kann ich mir an diesem Wochenende nicht leisten. Dazu höre ich eine Mix-CD von Markus. NY-Picknick-Mix. Herrlicher Sonntag und zum Nähen bin ich auch noch verabredet. Immerhin eine braune Wollhose von meinem Schwiegervater, die sich die Motten im Schritt vorgenommen haben und die ich Stephan andrehen wollte landet jetzt im Müll.

Stephan wäre der Polizei sehrt nützlich gewesen. Er kann gut ermitteln, zumindest gut Akten studieren. Er schreibt zu meiner:

„Melle ist in Niedersachsen bei Osnabrück, nah an der Grenze zu NRW, da wo die XYZ GmbH ihren Sitz in Bad Salzuflen hat. GF ist bei denen seit 5.9.12 eine XYZ aus Herford, geboren am 09.03.1992, also ein 19jähriger damals. Gegenstand des Unternehmens ist Ausführung Hoch- und Tiefbau, Gebäudereinigung, Handel mit Schrott und Edelmetallen, Parkanweisung, Transport bis 3,5 Tonnen und Gerüstbau, also sehr weit aufgestellt“…..

Er hat noch viel mehr Erkenntnisse und Ermittlungsideen, Ansätze für mich, aber das müsste sowieso alles hier neutralisiert werden, also einfach mal glauben. Das ist sehr wertvolle Vorarbeit.

Beim Nähen ist Steffi wieder meine Nähsklavin, dabei war ich entschlossen das Stoffmosaik selber auf den Pullover zu übertragen mit Vliesofix und stattdessen näht sie mit der Maschine zig-zag und ärgert sich, dass es so viel ist. Ich will es und habe doch ein schlechtes Gewissen. Sie näht bis der dunkelblaue Faden alle ist. Den Rest soll ich dann von Hand machen. Ich bin auf das Endergebnis gespannt. Ich häkele in der Zeit blau-weiße Baumwolle von Käte. Da soll eine Scampi-Dose dazwischen und oben das rote U-Boot drauf. Als es fertig ist, lass ich das U-Boot weg, weil ich das Hütchen so sehr schön finde und raffiniert, wie die Metalldose zwischen die Strickware gearbeitet ist. Steffi stehen die selbstgenähten Hosen und das Kleid sowie der Nadelstreifenrock von Andrea sehr gut und sie freut sich darüber. Ich habe ein gutes, neues Zuhause dafür gefunden. Wir haben Frauenthemen rund um den Unterkörper. Es geht um das Medizinische und auch die Optik. Jede Frau hat offenbar ihre Problemzone in Hosen und es gibt einen schmalen Mittelgrad zwischen dem zu sehr das und zu sehr jenes, der quasi unerreichbar ist. Sie ist eher Pferd und ich bin Kamel, aber ohne die großen braunen Augen mit den langen Wimpern, ganz ohne das. Ich bekomme nachträglich eine Weihnachtskarte und weil ich unterbeschäftigt bin, nehme ich Steffi die selbstklebende Brokatkordel in der geilen, steilen Verpackung von Käte wieder ab und darf mit weißer Glanzkordel ihrer Oma ein Hütchen dazu nähen. Es bleibt ein kleines Stück übrig von der eleganten, weißen Kordel und ich schlage vor einen Galgen zu machen und Suki damit im Baum aufzuhängen. Das würde so elegant ausschauen. Steffi kann natürlich gleich einen entsprechenden Knoten machen, aber dann passt nur noch eine Kiwi in das Loch. Ich meine trotzdem, dass es gehen würde, seinen kleinen Kopf da durch zu bekommen und so gut aussehen. Wir haben das Thema, die eitle und oberflächliche Welt der Schauspieler, die dann sympathisch sind, wenn sie einfach nur ihren Job machen und sich nicht sonst was einbilden und Steffi spielt mir Oliver Kalkhofe Nachtgedanken vor. Das Buch einer Schauspielerin, die sich beklagt, dass sie ihren Freundinnen immer was aus dem Duty free Bereich mitbringen soll und natürlich ist sie zwei Mal die Woche auf einem internationalen Flughafen, aber das stresst sie und einen halben Tag sei sie durch Avignon gelaufen auf der Suche nach Lavendelsäckchen. Hoffentlich ist mein Tagebuch nicht so angefüllt mit Belanglosigkeiten.

Zuhause gibt es Schmorgurken und Kartoffeln und dann noch Milchreis mit einem Topf Sahne. Ich bin so voll, dass ich seitlich die Arme unter legen muss, weil ich sonst nicht auf dem Bauch schlafen kann.

Bilanz des Wochenendes, 8 Hütchen und Rahmenprogramm.

Stephan liebt seine Tomatenpflanze und die kleinen Paprika. Als Liebesbeweis habe ich die Pflanze umgetopft.

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neue Ampel entdeckt

07.04. Herr Subutex wird Morgen operiert und ich fahre zu ihm. Ich habe seit der Standpauke von dem Straßenbahnfahrer eine neue Ampel entdeckt. Am Georgengarten zur Uni hin ist eine Ampel postiert für die Stadtbahn und die nutze ich jetzt auch, nachdem man mir das neulich so freundlich erklärt hat und ich früher immer dachte, ich muss immer selber gucken und beurteilen, ob die Straßenbahn aus dem Tunnel kommt. Ich habe es tatsächlich nicht gewusst mit der Ampel. Gut, dass der schimpfende Typ ausgestiegen ist. Hat sich für mich gelohnt.

Ich höre es immer gerne, wenn es die Station nach der ich suche nicht gibt, dann schaut der Mann bei der Information in den Rechner und schreibt C1 auf. Nein, ich will nicht zu Fuß eine Umleitung zu einem anderen Gebäudeteil laufen, ich bin mit dem Fahrrad auf dem Gelände und fahre dort hin, d.h. einmal raus und ums Gebäude herum, Schneiderberg wieder rein. Auf der C1 ist er auch nicht, sondern D2. Die reinste Schnitzeljagd. Wer bin ich, ach, die Betreuerin. Gleich wollen sie noch wissen, ob sie mich jetzt immer beteiligen müssen und ich sage, „nein, es sei denn er ist nicht einwilligungsfähig nach der OP, weil irgendwas schief gelaufen ist und er ist im Koma, aber ansonsten nicht, weil er selber zustimmungsfähig ist und ich wollte von Ihnen auch nur die Zimmernummer und sonst nichts, sonst hätte ich Sie gar nicht angesprochen, quasi total privat bin ich da“. Als mir die Zimmernummer genannt wird und ich „die reinste Schnitzeljagd“ schon gesagt hatte, hoffe ich „dass das Würstchen dann auch in dem Zimmer ist, quasi Preis bei der Schnitzeljagd“. Mein Betreuter schwankt zwischen Rache und dem Wunsch nach Opferentschädigung. Das ist diese Mischung aus hartem Kerl und ein bisschen Weichei, der gerne Katzen und Hygienetücher mag. Ich trage ein Kilogramm schwarzen Tee, die goldene Luxusmischung mit einem tanzenden Derwisch vorne drauf als Accessoire spazieren. Steht mir gut und man könnte meinen, ich betreibe ein türkisches Café oder eine Shisha-Bar. Ich rechtfertige mich,“ Jahresration“ und Herr Subutex will mir erklären, dass man sich damit „puschen könne“. Dazu soll ich 4-5 Esslöffel nehmen und dann…. Ich will das Rezept nicht haben und ein Mr. Babysubutex braucht mir nicht die Wirkung von Tee erklären. Er ist deutlich jünger als ich, altert nur zusehends, aber von der Lebenserfahrung her bin ich auch schon über den Schünemannplatz hinaus gekommen, egal. Ich wünsche ihm alles Gute für seine OP. Der Zimmernachbar wartet alleine auf seine OP und darf nichts Essen und es ist nach 12. Das ist auch grausam. Herr Subutex will immer über diese Rumänen lästern und ich sage ihm, dass sei rassistischer Müll, wie diese Italiener oder Engländer. Er meint noch, dass sei schön höflich, eigentlich seien es Berber für ihn. Ich frage ihn, was er darunter versteht. So eine Art Sozialschmarotzer stellt sich heraus, also ganz viel ungebildet halt.

Mittags draußen sitzen im 11 A. Die Pasta ist um Längen besser als im Marktkaffee und das Brot und der Kuchen und man sitzt viel besser. Alles viel besser.

Stephan hat Karten gekauft für ein Gastspiel des Burgtheaters und Beatrice Frey führt Regie. Wir haben die beiden letzten Plätze, in der letzten Reihe außen ergattert. Das finde ich mal super und freu mich sehr.

Bei 2 Betreuten fragt das Gericht, ob die Betreuung verlängert werden soll und eine ehrenamtliche Betreuung nicht möglich sei. Herr A. sagt, bitte nicht ohne mich, da wäre er tot und Frau O. sagt auch, nur durch mich fühlt sie sich stark, ich sei ihr ganzer Halt und ihre einzige Bezugsperson. Ganz schön krass. Wie stelle ich das an? Diese psychische Abhängigkeit? Unfreundlich und launisch bin ich und das wirkt umso stärker. Es ist das American Hustle Prinzip. Immer schön „nein“ sagen, dann wollen sie erst Recht.

Ostern steht ein Doppelgeburtstag in Berlin an bei Freunden und ich freue mich sehr. Außerdem will ich mal in den Botanischen Garten, von dem ich schon so viel gehört habe und dort gibt es diese riesigen Seerosen mit den Blättern, die mehr als 1 Meter Durchmesser haben. Ein gutes Apartment haben wir auch schon gefunden und gesichert. Genau in Kreuzberg, wo es uns letztes Mal am besten gefallen hat und ziemlich günstig und richtig Glück gehabt, weil der Typ ziemlich selten vermietet. Yuhuu. Ich frage Heike, was sie sich wünscht und sie antwortet so süß, dass sie sich einmal zu Weihnachten von Freunden, die Georg gefragt hatte, was wünscht sich Heike was zum Basteln gewünscht hatte, Pattex und schönes Papier und sie habe sich schon so gefreut und dann stattdessen einen Gutschein für ein Wellness-Hotel geschenkt bekommen, wo sie doch Schwimmen hasse und seit dem sei sie ein gebranntes Kind mit Wünschen.

Schönes Zitat des Tages: „Aber Sie wissen schon, dass Sie in der JVA sind?“ und ich „nee, ich habe da bloß angerufen“.

Die Kollegin telefoniert bei offener Tür. Sie will einen Termin bei Sabine. „Da bin ich leider nicht mehr da“, höre ich sie sagen. Dann Pause und dann: „nur die Spitzen und ein bisschen Ansatz“.

Abends beim Yoga hat Mikael andere Vorführdamen. Ich bin nicht mehr so angesagt, sondern Pia und eine andere, die sich nach dem Kurs noch die richtige Ausführung bestimmter Übungen erklären lässt. Mir ist das nicht Unrecht, weil ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt. Es waren einige Neue dabei, was das Tempo immer deutlich drosselt, weil Mikael in seiner niedlichen Sprache aufs Neue erklären muss, was „die Brücke bauen“ und andere Dinge bei ihm bedeuten. Auch ein neuer Mann, die bleiben immer nur einen Kurs. Als Anschlusskurs taugt es mir trotzdem am Montag und ich werde dabei bleiben. Anschließend gibt es Pfannkuchen mit Zimt und Zucker und Salzbutter. Das liebe ich. Es stimmt auch, dass ich äußerst essensfixiert bin, wie vermutlich kaum ein zweiter Mensch. Als ich bei den Vogelhäuschen aus Plastik im Garten sage, die Vögel würden da erst mal Futter unten rein machen, stellen Stephan und auch G. fest, ja, ich würde da Futter reinmachen als erstes, aber die Vögel Nistmaterial. Ich muss lachen, weil es stimmt, aber ich ausnahmsweise nicht an Essen, sondern an was Flauschiges gedacht habe, quasi Futterstoff oder Füllung und mich nur falsch ausgedrückt habe.

Aus einer verschlossenen Plastikdose, in die ich Früchtetee hineingetan habe, den ich über den Winter nicht benutzt habe, damit er hermetisch abgeschlossen ist, kommt eine Motte rausgeflogen und da ist innen alles voll von Fäden und Krümeln und Netzen. Ich frage mich, wie die da reingekommen ist und vor allem, wie die darin leben ohne Licht und Sauerstoff, aber es reicht offenbar und ich schätze, die war da schon in dem Tee drin, weil sonst fliegt nichts in der Küche und es war echt gut verschlossen. Stephan hat den Inhalt gleich zur Tonne gebracht und ist latent auf der Hut.

08.04. Morgens zähle ich Rohlingen und bin dabei wieder Zahlenfetischistin. Ich stelle fest, wenn ich die Buttonmaschine verleihe, habe ich die mit Magnetverschluss in den ganzen Jahren noch nicht einmal ausprobiert. So geht das nicht. Bastelmessie, halt. Zu viele Sachen.

Die Mandantin der Kollegin aus dem Osten ruft wieder an. Immer dieselbe Frau. Gestern hat sie mich schon genervt. Es ist 8:30. Ich sage, sie müsse mal die Nummern wählen, die ich ihr vor über 6 Wochen gegeben habe, ich sei nicht im Büro und könne auch nicht nachschauen und lege dann auf, als sie noch weiterredet. Ich weiß, das ist sehr unhöflich, kann mich aber nicht beherrschen. Die Frau macht mich aggressiv und ich hoffe, es ist nicht der einzige und nicht der wichtigste Fall der Kollegin.

Habe heute Funktionskleidung an, quasi Regensachen (siehe BM Outfit des Tages), weil ich in der neuen Betreuungssache um 17 Uhr im tiefsten Döhren verabredet bin mit der Schwester und vor dem Wetter Angst habe.  Das ist die Eilbetreuung und man hatte Angst, dass sie sich was antut an ihren Geburtstag. Der war schon am 03.04. und ich habe letzten Freitag mit der Schwester gesprochen, die mehrfach da war und sie würde sogar essen. Es seien nur dringende Dinge u.a. mit den Wohnungen zu regeln. So habe ich den Termin auf Dienstag gelegt, weil die Schwester immer erst nach der Arbeit kann und ich denke, beim Erstgespräch ist es hilfreich wenn eine Vertrauensperson da ist. Wie bei jedem Neufall bin ich sehr gespannt, was mich erwartet. Ich versuche im Vorfeld die Hausverwaltung zu erreichen. Die Schwester sagt, ich solle nicht sagen, dass ich die Kontaktdaten von ihr habe. Die Betreute bewohnt offenbar 2 Wohnungen.

JVA-Mitarbeiterin der Suchtberatung „traut“ mir „einiges zu“. Mein Ruf eilt mir voraus.

Manchmal wenn ich nach Hause fahre mittags kommt man kaum durch, weil alle Eltern ihre Kinder von der Grundschule abholen und eine riesige Traube auf der Straße bilden. Können die Blagen nicht einfach nach Hause laufen, wie wir früher oder Rad oder Bahn fahren mit den Mitschülern, wie wir früher?

Ich lache noch mal über den Sketch zum Thema Helikoptereltern, deren Lieblingswort Hochbegabung ist und die überall Gefahren wittern und die Luft aus dem Ball lassen, damit er nicht auf die Straße rollen kann und den Sand aus dem Sandkasten erst mal mit nachhause nehmen und bei 60 ° durchwaschen. Die Eltern: „Joshua, was ist die Wurzel aus 260.432?“ Sohnemann: „Sag ich nicht“ und dann: „das ist typisch für hochbegabte Kinder, dass sie leicht unterfordert sind“.

Ich komme „nackt“ aus der Mittagspause wieder, d.h. Armreife abgelegt, weil sie beim Essen zubereiten nerven und dann nicht wieder angelegt. Außerdem muss ich aufpassen, dass ich mich nicht beim Spielen verliere und überhaupt wieder zur Arbeit gehe.

Herr Ihme hat Erinnerung wegen Stromabschlag und ein Anruf bei den Stadtwerken ergibt ein zweites Konto mit einem nicht unerheblichen Guthaben, was umgebucht werden kann. Sehr gut, manchmal lösen sich die Probleme im Wohlgefallen auf.

Stephan findet lauter Post an das alte Emailfach. Unverhofftes und Dinge, auf die ich schon gewartet hatte.

Die neue Betreute: Hausverwaltung beide Wohnungen gekündigt im März. 2014 keine Mieten mehr gezahlt. Der Inhaber der Hausverwaltung lässt sich Betreuung erklären, nennt es aber immer wieder Entmündigung.

Ich habe Termine in der Stadt und will die Wäschetruhe beim Fairkaufhaus abholen. Es ist 16:15. Leider ist da ein Schild dran, reserviert bis 08.04. 17 Uhr und so lange kann ich nicht warten. Ich will bezahlen für den Fall, dass sie nicht abgeholt wird. Das geht nicht, auch Folgereservierung geht nicht. Ich bin sauer und gehe.

Der Weg zu meiner neuen Betreute ist weit, die Straße gesäumt mit blühenden Bäumen. Die Schwester steht an ihrem Auto, wir erkennen uns sofort. Die Betreute sieht leicht verwahrlost aus, sie ist barfuß, es riecht aus der Wohnung. Auf die Schwester ist sie ganz schlecht zu sprechen, die habe ihr alles eingebrockt. Der Termin heute passt ihr nicht, sie will mich wegschicken, ich soll in 2 Wochen wieder kommen, sie sei nicht krank und es fehle an nichts, alles, auch mit den Wohnungen sei kein Problem. Ich vereinbaren für den nächsten Tag einen Folgetermin und denke mir, warum habe ich es übernommen, selber schuld. Der Schwester sage ich vor der Tür, dass das Ablehnende nicht ihre Schwester sei, sondern die Krankheit. Sie muss versuchen das zu trennen. Ich sage ihr, dass ich glaube, dass wir an einer Einweisung nicht vorbei kommen. Ich werde Morgen noch mal hinfahren, aber sie verkennt ihre Situation und ist misstrauisch-ablehnend. Ich werde nicht viel ausrichten können. Stephan wundert sich, dass ich mir das „gefallen lasse“, das ich weggeschickt werden ohne Grund, aber sie wusste nichts und fühlte sich überfallen und hat darum gebeten „als Zeichen der Höflichkeit“ und ich tue es, weil ich nichts unversucht gelassen haben will und nicht leichtfertig Einweisungen mache. Ich werde Morgen Herrn  Grubert die Grammelschokolade von Zotter aus Wien vorbeibringen. Da fahre ich auf dem Rückweg vorbei.

Dafür war der Termin heute kurz und ich eile zurück zu meiner Wäschetruhe. Als ich vorfahre, machen sie gerade im Schaufenster das Schild ab. Ich muss die Truhe bis zum 15.04. abholen, sonst fallen Lagergebühren i.H.v. 17,50 € die Woche an, wenn die Gebühren den Wert des Kaufgegenstandes übersteigen, ist der Kaufvertrag hinfällig. Ich verstehe die Belehrung und unterschreibe. Danach ein Übersprungsgroßeinkauf bei Alnatura. Abends Grünkernbrätlinge mit Zwiebeln und Käse, dazu Joghurtdip.

Wir wollen Samstag mit Freunden was Essen. Das Boca ist zu beliebt und Stephan tut so, als würden wir nichts finden. Ich nehme mir das „Hannover geht aus“ zur Hilfe und bestelle einen Tisch in der Trattoria Emilia. Die kurzhaarige Frau soll die beste Pasta in Hannover mache. Es klingt sehr bodenständig, wir werden sehen.

Mein Musiker mit der bipolaren Störung schickt mir eine email und ist wieder latent manisch und schläft nur 3 Stunden die Nacht, ist aber in ärztlicher Behandlung, auch weil seine rechte Hand lahmt bzw. zwei Finger und er „eine Gabel nicht in eine weiche Kartoffel stecken kann“ und beim Neurologen ist und voll in seinen Hochzeitsvorbereitungen steckt und mir die Zugangsdaten für sein Konto erst nach Ostern und den Flitterwochen schicken will, wenn dann „alle Zahlen auf dem Tisch liegen“. Ich muss ins Bett.

09.04. Ich habe komisch geträumt von einer früheren Freundin in Berlin. Ich bin mit ihrem Freund, der Skinhead ist unterwegs und sie lebt wohl auf seine Kosten und kauft immer so teures Bastelmaterial und ich sage ja, der letzte Brief war auf edlem Papier geschrieben, das hat bestimmt 4 € gekostet. Das soll ich ihr mal sagen, dann verschütte ich Polenta und biete an, die neu zu kaufen, weil da wollten sie noch was daraus kochen. Ein riesiger Bio-Supermarkt und wir sind bei den Waschmitteln. Dann müssen wir durch ein Schwimmbad, die Männerumkleidekabinen zur Station. Er fasst mir an die Brüste, ich ignoriere das. Er will mir eine Fahrkarte kaufen, aber erst an der nächsten Station, eine muss ich schwarzfahren und wundere mich über mich selber, dass ich mich darauf einlasse.

Heute ist das Wetter wieder freundlicher, aber ich habe meine Funktionskleidung gefunden und mich kann nichts schrecken. Ich denke an Hader mit dem „Erdbeerjoghurt, Lieblingssorte. Alle wollen Erdbeerjoghurt und wenn man sich vorstellt, wie viele Erdbeeren es auf der Welt gibt und wie viele Leute Erdbeerjoghurt wollen, das geht sich nicht aus und deswegen müssen wir Sägespäne essen“. Das sei eben Demokratie, dass jeder wählen darf, was er essen will. In einer gemäßigten Diktatur, würde bestimmt werden, „ihr esst Pfirsich und ihr esst ohne Geschmack, weil ihr zu wenig gelacht habt (er deutet dabei ins Publikum) und nur ihr dürft Erdbeerjoghurt essen“.

Bei einer Betreuten wird eine Forderung der Stadt Hannover wegen Unterbringung von einer Katze im Tierheim i.H.v ca. 500,- € auf mein Betreiben befristet niedergeschlagen. Die hatte mich gestern angerufen, weil sie sich Möbel bei Bader gekauft hat und die angerufen hat und Raten vereinbar hat und ich habe geschimpft, weil Ratenzahlungen nicht klappen und zwar nicht das ständige Versprechen, das klappt gut, aber die Umsetzung. Es ist Sisyphos-Arbeit und ich spare Geld, was dann an andere Stelle verballert werden kann.

Stephan liest mir aus der Zeitung, 10 Monate ohne Bewährung für das Anspucken einer Richterin. Wow, teilweise bekommt man doch nur 3 Jahre, wenn man jemanden umgebracht hat. Es war Herr W., der einen Obdachlosen verknackt hat, der sich entschuldigt hatte. Ich rege mich auf, weil ich den Mann kenne und er seinen Beruf verfehlt hat, meiner Meinung nach. Er hat eine sadistische Freude daran, seine Macht auszunutzen und Schwächere zu knallen. Ich habe ihn in diversen Verfahren erlebt und er verhängt Ordnungsstrafen gegen zeugen, die 15 Minuten zu spät kommen, weil sie ihr Subutex abholen mussten und hält denen eine Predigt über die Zeit von den ganzen Menschen, die sie verschwendet hätten, dabei ist 15 Minuten Kulanz und er sollte sie loben, dass sie überhaupt gekommen sind und wovon sollen die 150,- € zahlen, bei 391,- € Monatseinkommen. He should „pick on someone his own size“, wie man auf Englisch sagen würde. Ich finde das Urteil ist eine Schande für die Justiz und irgendwer sollte dem Typen das Handwerk legen. Sollte ich einen Leserbrief schreiben oder mal an den Präsidenten des Amtsgerichts, aber was bringt das?

Apropos W., ich will meinen Herrn Subutex, für den er auch zuständig war, mehrfach anrufen, wie die OP gestern gelaufen ist. Herrn Subutex wurde gar nicht operiert und wird heute wenn dann als Letzter dran kommen wegen seiner Hepatitis. Mutter regt sich auf, weil er behandelt wurde mit Interferon und nicht mehr ansteckend ist und das vor dem ganzen Zimmer verkündigt wird. Das ist auch datenschutzmäßig eine Katastrophe im Mehrbettzimmer, muss man sagen. Sie hält mich auf dem Laufenden.

Melde mich beim Sozialpsychiatrischen Dienst wegen der Neuen und faxe dem Jobcenter 2 x wegen der Leistungen und Mietrückstände. Ich versuche den Ex zu erreichen und das Betreuungsgutachten zu bekommen.

Ich frage den Kollegen, ob er Autosolidarität übt wegen der Wäschetruhe.

Die Frau, die für eine andere einen Betreuerwechsel erreichen will, schneit herein. Ich trinke gerade mit den Kollegen Tee und habe Türsteher gelernt und sie ist in weniger als 30 Sekunden wieder draußen.

Pharell Williams arbeitet lieber mit Frauen zusammen und bei ihm sind 8 von 10 Mitarbeiterinnen Frauen. Begründung, die riechen besser und er muss sich nicht über Sex- und Sportthemen unterhalten, die ihn nicht interessieren. So wahr.

Das ist fast ein Sechser im Lotto denke ich mir, als meine neue Betreute zufällig bei der Techniker versichert ist, wie ich von der Schwester erfahre und die doch diese integrierte Versorgung mit Krisenintervention haben um stationäre Aufenthalte zu vermeiden, aber erst mal die Hürden mit dem Datenschutz überwinden. Sie wollen mir die Versichertennummer nicht sagen, als sei die so geheim, wo ich doch alle Daten Preis geben und nur eine zuständige Ansprechperson will und quasi allgemeine Informationen.

Ich fahre erneut nach Döhren. Bei uns im Garten ist das Grün besonders fortgeschritten, weil die Fernwärmeleitung die Wurzeln wärmt. Davon bin ich überzeugt. Manche Bäume unterwegs fangen in einer Ecke an mit dem Grün werden. Das sieht auch lustig aus. Die Betreute öffnet und führt mich in ein makellos aufgeräumtes und sehr übersichtliches Zimmer mit klaren, symmetrischen Aufbau. Eine Matratze liegt auf dem Boden, am liegt ein großer Stapel ungeöffnete Post. Sie erinnert mich an meine frühere Yogalehrerin. In dem Fengshui-Zimmer bearbeitet die Post aktiv mit, quasi Sekretärin. Sie öffnet Briefe, zerreißt die Umschläge und macht daraus einen Stapel Altpapier. Ich sitze neben ihr auf dem Boden und ich glaube, sie merkt, dass ich es ehrlich mit ihr meine. Sie holt mir ein Kissen. Ich merke, was für eine Last von ihren Schultern fällt, dass ihr jemand die Bürokratie abnimmt bzw. den Berg mit ihr zusammen abträgt und da gibt es Einiges von abgedrohter Kontokündigung bis hin zu Stromsperre und Ladung zum Haftantritt, weil 30,- € Bußgeld nicht gezahlt wurden. Viel Post in den Familiensachen. Aufenthaltsbestimmung wurde dem Vater übertragen und ihr wurde untersagt, die Kinder ins Ausland zu nehmen. Das war alles ganz schön dramatisch. Sie hat nur noch 20 Cent, aber sie kommt noch aus. Ich will, dass sie hungern muss und biete an, ihr 15,- € zu leihen. Mehr habe ich nicht dabei. Sie versichert, das sei nicht notwendig. Einen Kühlschrank gibt es nicht und die Herdplatte ist kaputt. Die Wohnung ist quasi noch nicht eingerichtet. Dazu kam sie wohl noch nicht. Mit der Familie will sie nichts zu tun haben, Schwester war 18 als sie aus Russland herzogen, sie gerade mal 8, andere Sozialisation, Missbrauch in der Kindheit, die Schwester wollen nichts davon wissen, jahrelange Therapie. Wir verabreden uns Freitag beim Jobcenter um 9 Uhr. Sie hat ein Fahrrad. Was ist los, verwandle ich die Leute so schnell, Zauberfähigkeiten? Ich bringe Herrn Grubert die Grammelschokolade von Stephan vorbei und fahre im Regen nach Hause. Dann koche ich und trage mich beim Yoga aus, keine Lust. Dafür rufe ich den Verfahrenspfleger an in der neuen Sache um ihm zu sagen, dass hier Veränderungen anstehen und das letzte Kapitel noch nicht geschrieben wurde. Die Kinder werden immer am Samstag für 2 Stunden vom Vater gebracht und ich hatte um 18 Uhr nicht mehr die Hoffnung Jugendamt oder Familiengericht zu erreichen.

Abends bleibe ich hängen bei einer Sendung über das menschliche Gehirn. Das Bewusstsein ist die dünne Badekappe, die außen als dünne Schicht quasi über das Gehirn gezogen wurde. Das Unbewusste ist das große, alte Gehirn der Evolution. Uns wurde durch das Bewusstsein kein neues Gehirn gegeben, sondern es wurde nur ergänzt (Badekappe des Bewusstseins drüber gezogen). Unser Gehirn erledigt 90 % der Aufgaben ohne Bewusstsein und behelligt das Bewusstsein nur mit echt wichtigen Fragen. Andererseits werden Entscheidungen aus dem Unbewussten heraus gefällt und dann dem Bewusstsein noch mal vorgelegt, wie ein Publicity-Gag, damit das Bewusstsein glaubt, es werde auch beteiligt, aber die Entscheidung wurde eh schon vorher gefällt. Unbewusst kapieren wir schneller und treffen die wichtigen Entscheidungen so schnell, dass das Bewusstsein das nicht mit kommt. Das Unbewusste steuert die Gegenwart, damit das Bewusstsein zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und her traumwandeln kann. Dann lustige Tests zur Täuschung der Wahrnehmung. Ich zähle die Pässe der weißen Mannschaft voll konzentriert und sehe den Mann im Gorillakostüm nicht, der durchs Bild gelaufen ist, Stephan schon, der strengt das bis 10 zählen nicht so an. Es wird erklärt, die Zaubertricks funktionieren, die Aufmerksamkeit auf was Anderes lenken, das war klar, aber die Hand im Bogen führen, weil das Auge ihr dann folgt, wenn man eine gerade Linie zieht, dann springt das Auge zum Ende und spart so Zeit bzw. im anderen Fall gewinnt derjenige Zeit, der ablenken will. Singles duschen länger, weil es körperliche Nähe simuliert. Also wir duschen kurz und nennen das Körperliche jetzt duschen. Trockenduschen quasi. Wir duschen jeden Abend. Das kann man beliebig fortsetzen.

10.04. Herrenhäuser Gärten. Die Schildkröte war das Symbol für strategisches Überlegen und der Delfin für schnelle Taten. Insofern passt das Tier auf unserem Dach. Heute wird man Tag des Handelns in der neuen Sache. Morgens Familiengericht, mittags Staatsanwaltschaft und diverse Vollstreckungsstellen der Stadt Hannover, abends das Konto gerettet. Ich darf nicht mehr kopieren, weil wir sonst keine Faxe mehr empfangen können. Der Toner fehlt und wir warten auf die Lieferung.

Der Kollege kommt später, weil er zuhause Geburtstagslieder singen muss für eine 16-Jährige. Ich bin schon früh auf dem Posten.

Nach einer Runde Büro nutze ich meinen Schlüssel für das Hochhaus und nehme den direkten Zugang über die Straße. In der 10. Etage fängt der Fahrstuhl an abzubremsen. Ich hole Herrn Ihme aus dem Bett, wie immer und beim Gehen erinnere ihn daran, dass er heute eine Jacke braucht. Die Regio-S-Karte ist angekommen.

Blättchenmassaker und UhuZichtenstummel auf Holztisch

Wir gehen zu mir ins Büro, weil er noch einen Kaffee braucht. Unterwegs schnorrt er gleich eine Frau an auf eine Zigarette. Ich frage ihn, ob das immer so gut klappt und er sagt meistens, wenn man freundlich fragt und er würde jeden nur einmal anschnorren. Das sei sein Trick. Ich schenke ihm Himbeerbonbons, die hier keiner isst als Lebensmittelspende und Zucker mag er doch. Mütterlich schon, aber ein bisschen Rabenmutter. Nebenbei frage ich seine Klinikaufenthalte 2013 ab wegen der Chronikerbescheinigung. Er leiht sich 10,- €, weil das Geld alle ist, schon am 10. Funktioniert das Handy wenigstens, für das er mehr als 1/3 seines Budgets gleich am ersten Tag hingegeben hat. Essen ist wichtiger, weiß er das nicht. Dann beim Arzt zeigt er mir in der Vice ein Foto von einem Haschkeks und erklärt mir, dass „Lucie in the sky“ die Sorte sei. Er habe mal einen Haschkuchen gegessen und er würde mir mal einen Keks geben, dann wüsste ich das vorher nicht und könnte nichts dafür und er würde mir einen Gefallen tun. Ja, ja, denke ich. Beim Arzt sagt er, die Spritze hilft als Filter gegen die Illusionen. Der Schlaf ist nicht so gut, weil die Sinne, die ganze Nacht aktiv seien. Die Schlaftabletten bekommt er vom Arzt geschenkt, war ein Muster. Ich hatte mich gleich erkundigt, wie viel von den 10,- € jetzt für die Zuzahlung drauf gehen werden. Ich weiß, dass Tabak am Kiosk erst mal 5,90 € kostet. Er hat ein eckiges Stück aus seinem Spritzenpass herausgerissen für einen eindeutigen Zweck. Die Frau des Arztes und ich lachen uns an. Sie stellt fest, da hätte nichts Wichtiges draufgestanden. Wir sehen uns in 14 Tagen wieder zur Spritze. Er sagt, ich könne ihn zwischendurch mal anrufen und wir könnten einen Kaffee zusammen trinken gehen. Ich glaube, eher weniger, sage es aber nicht so deutlich.

Dann Sozialgericht. Ich muss Stephan anrufen und der liest mir die email vor, dass meine Mandantin nicht kommen kann und um eine Verschiebung des Termins gebeten hatte (peinlich). Die Richterin ist besser vorbereitet und hat das Wohnhaus meiner Mandantin gegoogelt und weiß, dass man mit einem E-Rolli 100 km fahren kann. Wir müssen uns wohl an die Pflegekasse wenden oder ein Kabel zum Fenster raushängen.

Mittags fungiert der Kollege als Taxifahrer. Wir holen den Wäschekorb. Stephan trägt ihn auf dem Kopf (davon habe ich leider kein Foto). Endlich die alte Wäschetruhe, die neu war, Korb, ausmustern. Die hier passt viel besser zu mir.

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Anschließend in die Rathauskantine, bei Piu ist kein Parkplatz zu finden. Auf dem Rückweg fahren wir an der Waterloosäule vorbei. Hier haben Samstag vor einer Woche die Menschen oben gestanden bei Tag der offenen Tür. Das sah man von weitem, aber mein Kollege war auch noch nicht oben. Das beruhigt mich.

Heimische Politiker werben mit unvorteilhaften Bildern. Das geht auf keine Kuhhaut. Kennen die nicht Bildbearbeitung? Einer, der ausschaut als hätte er geboxt, aber es hätte nicht zur Profikarriere gereicht, wie mein Kollege meint, wirbt für den „Erhalt unserer Krankenhäuser“. Das macht auch wieder Sinn.

Elisabeth Taylor fragt mich, für welche Fluggesellschaft ich arbeite und ich finde das lustig und irgendwie passend.

Eine Betreute hat einen neuen Job und der Insolvenzverwalter soll sich während der Probezeit nicht beim Arbeitgeber melden. Lese jetzt erst, dass ich den pfändbaren Betrag vom Lohn errechnen und für die Zahlung auf das Treuhänderkonto haften soll dem Insolvenzverwalter gegenüber? Da frage ich mich, ob ich das will.

Was ich will ist mal zur Tulpenblüte nach Istanbul. Das stelle ich mir reizvoll vor und will es mir für 2015 vormerken.

Herr Maßregelvollzug ruft an und will eine Postleitzahl. Ich bin billiger als die 11880.

Beim Sport ist Claudia schön streng und herrscht eine Clique Mädels an, dass sie nicht quatschen sollen, sondern lieber die Übungen richtig machen, Arme höher, Knie tiefer. Diese Ernsthaftigkeit gefällt mir.

11.04. Ich werde ganz früh wach. Es ist 7. Abends noch hat Stephan die Wiener Gaststätte klar gemacht für unseren Geburtstagsevent. Prillisauer um 20 Uhr. Mindestens 11 Personen, im Raucher. Ist besser. Ich freu mich doll. Ziehe ganz unpraktische Unterwäsche an, ein Ganzkörperanzug aus Wolle, bei dem der Toilettengang sehr kompliziert ist, weil ich Schmuck ablegen und mich quasi komplett ausziehen muss, aber ich liebe das Tragegefühl und habe das Ding nun mal in einem Tanzgeschäft in Stuttgart gekauft. Ich kleine Ballettmaus.

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Bin um Viertel vor 9 beim Jobcenter und trage meine diversen Anliegen vor, Mittellosigkeit, Mietschulden, Absprache welche Wohnung behalten werden darf von zweien, Strom abgestellt, usw. Der Mann versichert, das werde heute alle geregelt. Es ist eigentlich wenig los. Um Viertel nach 9 rechne ich nicht mehr damit, dass meine Betreute auftaucht. War ich zu optimistisch. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine Frau mit russischem Akzent kommt, aber den hat meine nicht. Mütter mit Kindern „musst Du auf Toilette? Bitte nimm Deine Schwester aufs Klo“. „Ich will alleine“, protestiert die. „Nein, Du kriegst noch nicht mal alleine Deinen Gürtel auf“. Gutaussehende, ausländische Männer, die Gesichtszüge haben wie antike Könige, junge deutsche Prolls, die mit einem Kumpel da sind und über Ausländer den Kopf schütteln, deutsche Alkoholiker, die Bild lesen und Kreuzworträtsel machen. Eine schwarze Familie, die Mutter mit Kopftuch, die Tochter singt ganz entzückend und unterhält alle. Hier überlebt es sich auch besser zu zweit; mit einem Kumpel oder am besten als Paar. Man kann sich wechselseitig stärken und spart auch beim Duschen. Nach über einer Stunde sind alle schon bedient worden die mit mir gewartet haben. Ich warte noch eine Weile, dann gehe ich noch mal zur Information um zu erfahren, dass ich als nächste dran sei. Eine Sozialarbeiterin, so mein Tipp, die mit einer rumänischen Familie wartet, stellt fest, dass ich schon ganz schön lange warten würde und als Erste da gewesen sei. Das nun auch nicht, sage ich, aber ich soll die Nächste sein. Eine Mitarbeiterin muss einen Aktenbock durch die Tür schieben. Helfen tut keiner, aber hinschauen mit etwas Genugtuung im Blick. Ist das hier wie im Knast das Verhältnis der Insassen zu den Wärtern frage ich mich. Es kommt eine dralle Blondine mit schwarzen, hautengen Klamotten und Highheels aus schwarzem Lack mit Schleifen vorne dran. Ich müsse jetzt noch in den anderen Wartebereich, weil erst Daten erfasst werden müssten und dann würde ich zu ihr kommen. Nur noch kurz. Ich sage ihr, dass ich nicht die Frau XY, sondern die Frau Z. bin, deren Büro jetzt nicht besetzt ist. Wieder warten und andere mit Nummern kommen dran. Warum fühle ich mich wie bei dem berühmten Marschmellow-Test? Dann ich. Der junge Typ versteht gar nichts und will mir einen Termin geben um mir die Antragsunterlagen auszuhändigen, er soll sie mir geben, dann mache ich das kurz. Er dürfe sie mir nicht geben, behauptet er und dafür druckt er mir eine Vollmacht aus und einen Termin zur Arbeitsvermittlung in 2 Wochen. Ich sage ihm, er habe nicht verstanden um was es geht.

Ziffernsammelstelle

Jetzt werde ich langsam richtig sauer, gehe zurück zur Info und mache Alarm. Ich will den Teamleiter sprechen. Ja, die Frau Blond und die Teamleiterin seien informiert. Hektisch läuft sich durch die Gegend und sucht ihre Kollegen. Als Blondchen eine rauchen geht, steige ich ihr nach und sie flieht durch einen anderen Eingang. Dann soll ich wieder zu Herrn Unbedarft, dem ich sage, dass ich ihn nicht mehr sprechen wolle, nur noch die Teamleiterin Leistung und die Auszahlungsmamsell. Er sagt mir, die Blondine lasse mir ausrichten, sie könne heute nichts für mich tun. Ich sitze vor dem offenen Zimmer der stellvertretenden Teamleiterin, die mir auch sagt, ich sei die Nächste, ihr Rechner sei abgestürzt. Dann kommt Herr Unbedarft und sagt „Melanie“ habe mich ausgetragen und die Teamleitung regt sich auf mit den Worten, das ginge aber nicht und verlässt den Raum. Schließlich holt mich ein netter Typ nach 3 Stunden und mit dem kläre ich alles. Ich sage, die Frau mit den zu engen Klamotten habe mich nicht bedienen wollen. Das ist wohl seine Vorgesetzte, wie er mir sagt. Ich sage ihm, dass einem so einiges durch den Kopf gehe. So Typen, die 1,90 groß sind und 140 kg wiegen, bräuchten doch mehr Regelsatz als kleine Thai-Frauen. Müsse das  nicht nach Körpergröße gestaffelt werden, frage ich mich da. Ungleiches, ungleich behandeln, wäre so eine Verfassungsgrundsatz. Soll er die jetzt auch noch vermessen, will er wissen. Ich fülle die Anträge aus, er sagt meine Schrift sei noch schlechter als seine. Ich gieße seine Pflanzen, er versucht, die alte Akte kommen zu lassen. Das klappt nicht, aber ich bekomme eine Zahlkarte und nicht nur Lebensmittelgutscheine. Er will wissen, ob sich das lohnt, was ich mache bei dem Aufwand und ich sage, nur bei einer gewissen Organisation, einer bestimmten Anzahl von Fällen und Vielen, die man echt gut im Griff hat, könne man sich so einen Fall leisten und ich wisse nicht, was mich geritten hätte, als ich hier ja gesagt hätte, da sich bei mit die Leute bewerben und ich mir das aussuchen könne, aber ich mag die Herausforderung und habe auch einen Ruf zu verteidigen. Ich verlasse nach über 3,5 Stunden den Laden. Wahnsinn. Ich mag das ja, wobei die Hälfte der Zeit auch mehr als gereicht hätte, es ist ein Eintauchen in eine Welt samt anderem Namen, der aufgerufen wird.

Jetzt fahre ich durch den Nieselregen zu Frau Yoga und muss 2 x Stephan anrufen und biege 2 x instinktiv falsch ab. Sie ist da und begrüßt mich freudig. Hatte gestern einen Schub von Blasenentzündung, entschuldigt sie sich. Sie hat noch einen ganzen Schwung Post und holt die Versicherungspolice, die ich der Kündigung beifügen muss und heute per Einschreiben schicken aus der oberen Wohnung. Ich sage ihr, wir müssen den Ex kontaktieren. Er muss den regelmäßigen Umgang mit den Kindern bestätigen für das Amt und auch wegen Unterhalt. Er verdient wohl 4.000,-. Sie hat bis Februar 2013 bei Rewe gearbeitet und hat alle Lohnabrechnungen säuberlich abgeheftet. Sie hat in wenigen Monaten 17.000,- € durchgebracht. „Mieten gezahlt und Sachen für die Kinder“, sie hätte das Geld nur für die Kinder ausgegeben. Ich sage, dafür hat die Summe eine Null zu viel. Ich bin müde, sie soll die kleine Wohnung räumen, die einen Stockwerk darüber liegt.

Kerzen Twix Bonbons Kinderhölle

Da seien einzelne schwere Möbel, ob ich da nicht niemanden hätte. Nein, sie soll die Hilfe der Schwester annehmen bzw. der Männer dazu oder Nachbarn bitten. Ich bin abgegessen und fertig. Ich sage ihr, der Termin war ätzend und ich hätte zukünftig gerne gewusst, wenn sie es nicht schafft, damit ich mich drauf einstellen kann, „kein Problem“ sagen und dann nicht auftauchen, sie nicht so meine Sache. Andererseits hätte sie auch nicht viel helfen können oder eben doch wegen zu zweit ist man stärker.

Ich muss noch beim Amtsgericht vorbeifahren. Versuche den Mann zu erreichen. Das Büro gibt Alarm, dass ein Alkoholiker/Betreuer Geld braucht und von seiner Freundin bestohlen wurde. Der bekommt heute meine ganze Wut und Überforderung zu spüren, aber ich entschuldige mich später und er sich bei der Mitarbeiterin, wenn er genervt habe oder etwas Falsches gesagt habe, das sei nicht so gemeint gewesen. Er reicht ihr die Hand über den Tresen hinweg (quasi immer alte Schule) mit sagt seinem Text auf, falls was gewesen sein sollte, war es nicht so gemeint… sie muss unweigerlich lachen. So vertragen wir uns alle wieder. Ich arbeite weiter in meinem Fall Yoga, aber viel ist nicht mehr übrig vom Tag. Morgen kommt Herr Subutex, er wurde operiert und ist zuhause.

Abends beim Sport liegt die Brosche meiner Oma (Kinderfoto nachcoloriert), die gestern wohl abgegangen ist und ich habe es nicht bemerkt auf der Fensterbank. Ich bin der Finderin sehr dankbar.

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Wir machen Trampolin und meine Hose bekommt ein komisches Muster, kleine dunkle Schweißflecke. Nächste Woche ist das Studio zu und ich habe Osterferien vom Sport, schade eigentlich, aber dann ergibt sich Gelegenheit für andere Unternehmungen. Die Montagsbar in der Cumberlandschen Galerie interessiert mich schon seit geraumer Zeit. Unsere Freunde aus Essen fahren durch an die See. Vater und Sohn haben keine Karten für Fußball bekommen und da wollen die Jungs lieber noch etwas mit Freunden machen. Schade. Für Morgenabend finden wir allerdings Ersatz und darüber freue ich mich sehr, nur zu zweit in die Trattoria wäre mir zu beschaulich gewesen.

Musterhäuser für Vögel

06.04. Werde schon um Viertel nach 6 wach. Immer noch Nebel draußen. Allerdings bereits um 8:45 lässt sich die Sonne blicken und da kommt Freude und Unternehmungslust bei mir auf.

Das Sonntagsfahrzeug, mein Adler, der mit der Karre von Willem Dafoe in „Grand Budapest“ konkurrieren kann, nur ohne Motor wird auf dem Keller gehievt.

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Ich will eigentlich den Kubus ausfallen lassen, weil wir es nicht pünktlich zu Veras Eröffnungsrede schaffen und ich es dann gleich lassen will, aber Stephan überredet mich. Die Ausstellung ist gut besucht und dekorativ, aber nichts was einen vom Hocker reißt. Mehrfach versuchen plumpe Fotografen mich ungefragt abzulichten, was ich durch Zigzagmanöver zu umgehen weiß. Ohne zu fragen und dann ganz auf blöd, da steh ich leider gar nicht drauf.

Vera zeigt uns den Jahresring eines Baumes, der feinsäuberlich herausgearbeitet und an die Wand gehängt wurde. Meine Reaktion: Gibt es für Fleißarbeit Extrapunkte? Also, wir sind schnell durch und fahren wieder nach Linden. Vorher erfährt Stephan im Treppenhaus vom Kubus, dass er wohl abgesetzt wurde und zumindest nicht mehr stellvertretender Wahlleiter bei der Europawahl ist, sondern eine Andere die Stelle übernommen hat. Stephan macht mich darauf aufmerksam, dass die Fußballer für Reisefreiheit demonstrieren.

Unsere Gespräche am Kuchentresen vom Rossi belustigen den Mitarbeiter, wie Stephan uns erklären will, dass man 2 Stücke bzw. 6 sind es in unserem Fall nicht durch 3 teilen könne und besser wäre es, wenn er gleich eines essen würde. Ich sage, „dass kannst Du ja auf der Gartentoilette machen, heimlich essen und dann mümmelnd wieder kommen“. Natürlich kaufe ich einen Keks extra, nur für mich. Ist auch klar. Ich habe eben diese Verhungerungsängste und bei mir ist es medizinisch und total was anderes und verständlich. Ich habe zur Feier des Tages meinen unpraktischen Wassermelonenkorb dabei.

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Auf den Weg in den Garten gehen mir diese Lokaltpatrioten gehörig auf den Sack mit ihren „Hannover“ und 96 Bekenner-T-Shirts, schlimmer als St. Pauli oder genauso so schlimm. Die haben alle das Gehirn an der Garderobe abgegeben, wenn man mich fragt.  Hirnlose Mitläufer. Ich bin intolerant und sage zu Stephan, dass wäre ganz einfach bei einer neuen Partnerwahl, weil die würde ich alle schon mal ausmustern und dann fallen ca. 75% der Heteros schon mal weg. Ich meine, ich überlege ernsthaft, wenn der Typ total nett wäre und er steht auf Fußball und merke, ne, geht nicht. Auf dem Fünfzigsten neulich trug ein Typ (Sozialarbeiter von Beruf oder Jugendarbeiter) ein T-Shirt mit „Gelsenkirchen, Nordkurve“ und ich dachte, es sei ein Witz, aber Humor und Fußball gehen nicht zusammen und er erklärte den Vereinswechsel vor 26 Jahren und die bewusste Entscheidung und die Unzufriedenheit mit Gazprom als jetzigen Sponsor. Ich dachte nur, Wahnsinn, langweilige Geschichte und sind alle scheiße von Müllermilch bis sonst wo hin. Gerade Putin braucht jetzt unsere Solidarität, wo alle auf ihm rumhacken und sich einig sind.

Paare, die sind nur aus Gewohnheit zusammen sind. Das ist traurig. Trennung kommt nicht in Frage, weil man das nicht macht und es auch nur so kennt. Nicht, dass Trennung die Leute per se glücklicher macht…., aber ohne Liebe für einander zusammen bleiben und alles ist abgestorben und kalt, das finde ich grausam und schlimm. Es ist ein verschwendetes Leben. Dann muss man eben lernen neu zu lieben, den Partner oder einen anderen.

Wir kommen im Garten an und Reggae-Musik schallt dezent aus der Anlage. Der Nachbar, der sich noch nicht mal den Namen richtig merken kann, will einen Schlüssel für das Stromhäuschen borgen. Dafür ist G. zu schlau.

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Es ist ein herrlicher Tag, wir haben genug zu essen,

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betrachten die Pflanzen. Die schönen Blumen und die Misteln, die aus dem Stamm wachsen werden dokumentiert:

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Ich pose etwas mit Yoga.

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Mein Pilz wird in den Baum gehängt und G. ist zuversichtlich, dass er genutzt wird.

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Die seien pfiffig und schauen erst mal ein paar Tage und dann wird sich was ergeben. Die Frösche haben es mir angetan, aber wenn ich mehrfach aufquieke, wenn sie ins Wasser springen. Es sind bestimmt 15-20 Stück in dem kleinen Teich. Ich muss an Froschkönig denken…

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G. hat eine Artischockenzucht, was ich sehr befürworte und Cranberries, die im Gefrierschrank waren um Frost zu simulieren und Vieles mehr z.B. einen Baum, den die Japaner auch abnehmen würden.

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Das Nachbargrundstück, auf dem mein Bauhaushäuschen stehen könnte.

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Nach mehreren Stunden verabschieden wir uns und radeln nach Hause. Wir nehmen diesmal den Ausgang „KB“ Richtung Schulenburger Landstraße, direkt am Stöbertreff.

Ich weiß, warum ich das Rad nur an sonnigen Sonntagen benutze. Mein Hintern und Schritt tun weh und das Anfahren nach dem Abbremsen ist eine kleine Qual. Das Fahrrad ist kein Sprinter und nicht zum Bremsen gebaut tröste ich mich. An der Ampel Königsworther Platz lassen wir eine Ampelphase durch und ich überzeuge mich davon, dass man am Ende der Allee die grüne Kuppel sieht, wie Michi meinte und das stimmt. Schon ganz schön cool eine schnurgerade Straße zwischen Schloss und Sommerresidenz zu bauen. Gefällt mir.

Valentin ist zuhause auf den AB, der sich für das Osterpaket bedankt. Was hat ihnen am besten gefallen, wird er von seiner Mutter gefragt. Die Schokoladeneier und das Fußballbuch und natürlich auch das gebastelte Buch. Brav sagt er alles auf. Ich bin zu müde für eine Rückantwort. Diese freie Natur macht mich fertig. Ganz schön dekadent komme ich mir vor. Stephan schimpft mit mir, dass ich Kindern vor Ostern schon Schoko-Eier schicke….

Ich bastele noch schnell zwei Vogelunterkünfte aus Resten und Heißkleber. Stephan meint bei dem ersten, aus einer weißen Milchflasche aus Plastik, aber jetzt mit goldenem Dach aus einer Kekspackung und stoffbezogen (Brauntöne), hätte ich das Loch zu groß geschnitten. Da habe ich dann noch gelbe Mayonnaise-Verschlüsse in Blumenform (Schweizer Thomy, essen wir sehr viel) herum geklebt um es wieder kleiner zu machen. Das andere ist oben ein Füllhorn aus Korb, was ich auf dem Rückweg vom Sperrmüll in der Haasemannstraße eingesammelt habe und darunter einen Frommage Blanc -Verpackung, aber ohne den Deckel, also luft- und lichtdurchlässig und nur abgedeckt durch das Spitzdach des Korbgeflechts.

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Ich habe sie nebeneinander an die Hausfassade Richtung Garten unter die Wintergartenfenster gehängt und Stephan hat schon mal prophylaktisch geschimpft wegen des Vogelkotes. Ich bin allerdings skeptisch, ob es überhaupt soweit kommen wird und wäre darüber erfreut. Es sind ja nur Hausangebote, quasi Musterhäuser. Ich will noch ein „professionelles Häuschen“ basteln, was dann wohl erst nächstes Jahr zum Einsatz kommen wird. Ein Dach aus Pillenblistern statt Schindeln ist mir in den Sinn gekommen.

Wie ein quängeliges Kind, ich will einen Teich, ich will Frösche oder ein Aquarium. Ne, lieber Teich, aber dann müsste ich ja in den Garten gehen um was davon zu haben und da gehe ich nicht rein.

Fernsehen geht noch. Hader und ein anderer österreichischer Kabarettist, Halbperser wie er von sich behauptete und so sah er auch aus, der so schon sagte: „Sex? Habe ich alles durch. Alle Techniken, die man alleine machen kann“. Fand ich gut. Dann war noch Alfons, der so schön umständlich eine Frau auf dem Markt fragt: „Wen  fin den Sie attraktiveer? A) einen französischen Reporter oder B)…“ und die Frau unterbricht ihn: „B“. Dann zu einem Typen um die Ende 50: „Um die Schönheit einer Frau auszudrücken werden Tiervergleiche benutzt mit einem Reh oder einer Gazell. Wenn Sie an ihre Frau denken, welches Tier kommt Ihnen in den Sinn?“ Antwort, wie aus der Pistole geschossen „Pottwal“. Eine Rentnerin aus Hamburg vermute ich, war auch geil: „Männeer, die attraktiv sind, weerden mit Adonis verglichen? Wer ist dieseer Adonis?“ Und sie: „der hat ein Restaurang bei mir um die Ecke“. „Die Deutschen bekommen zu wenig Kinder. Wenn man ihnen eine Prämie anbieten würde z.B. einen Toaster oder eine Woche Premiere?“ und die Asifrau: „Dafür kriecht doch keiner ein Kind“. Er wieder: „oder 2 Wochen Premiere oder 1 Jahr“ und sie dann „na ja, gut für 1 Jahr!.“ Wo findet er diese Menschen? Auf Wochenmärkten in Norddeutschland halt. Ich glaube, es ist überwiegend Hamburg. Ein Rentner, der sagt „wegen der Schwulen“ wären es zu wenig Kinder, da gebe es immer mehr von, auch in der Politik und die Bundeskanzlerin sei auch lesbisch. „Sie von der Presse haben auch keine Ahnung.“