Archiv der Kategorie: Sauerrahmbutter

Alltagsberichte – das Tagebuch

Spinne und Kamel

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07.10. Montag. Ich trage Perlentrauer. Ich kann nicht zur Party des Filmfestes, weil wir nicht da sein werden. (:-) Buh, huh. Auch wenn hier in musikalischer Hinsicht zu viel Cher und Madonna in der Diskosuppe sein möge, ist Nasstanzen hier Pflicht. Beim Aussuchen des Outfits hatte es mir noch gute Laune gemacht.

Bei Gericht ist wieder Betreuungsverlängerung angesagt. Der Kunde ist Berufsmusiker und so was wie verbeamtet dabei. Probt bis 12 Uhr mittags und hat dann frei und verdient dafür eine beachtliche Summe. Er macht alles Mögliche, gerade in manischen Phasen, hat eine bipolare Störung. Da werden Gewerbeobjekte angemietet, Handwerker beauftragt, Küchen gekauft und Motorräder, Kredite aufgenommen und Frau A. darf dann bei Bedarf mit Gläubigern verhandeln und die hinhalten. Neulich rief mich nach über einem Jahr ein Kollege an in der Sache, der einen Architekten vertritt, der für Umbaupläne für eine Gewerbeobjekt (Kulturprojekt sollte das werden) noch ca. 8.000,- € will. Er wollte von mir nur die Bestätigung, dass er seinem Mandanten den Fall ausreden soll. „Da ist doch bestimmt nichts zu holen“, hat er sich selber eingeredet und als er das Wort Musiker hörte, war sowieso alles für ihn klar, „nee, alles klar, dann wird der nur bezahlt, wenn mal ein Auftritt war“, dann kann man das vergessen und er würden seinem Mandanten raten Abstand zu nehmen von der prozessualen Durchsetzung seiner Ansprüche, da würden man nur „schlechtem Geld gutes hinterher werfen“. Ich habe es nicht als meine Pflicht angesehen, dem Kollegen aktiv zu widersprechen, wo er alles doch selber wusste und sich die Fragen beantwortet hat. Hier hilft die Zauberformel „Betreuung“ ungemein. Nach der Anhörung habe ich auch Gesundheitssorge und Aufenthaltsbestimmung bei einer Verlängerung um 2 Jahre. Ich habe gesagt, nur so halte ich die Sache für vertretbar mit mehr medizinischer Verantwortung, weil Privatsekretärin auf Staatskosten und nebenbei schaltet und walte der Kandidat, wie es ihm beliebt, da komme ich dann an meine Grenze und sehe es nicht ein, was hier meine Rolle ist und Aufgabe sein soll. Ich habe kein Blatt vor den Mund genommen weder gegenüber dem Richter, noch meinem Schützling, der es unzumutbar fand, das ich jetzt mit mehr Verantwortung nicht mehr Geld bekomme, wie er mir im Anschluss unter 4 Augen sagte. Wir befinden uns im Neubau des Amtsgerichts. Die Sitzbänke sehen aus wie für Draußen, öffentliche Haltestelle.

Sitzgelegenheit

Der Herbst ist so schön bunt. Jetzt weiß ich wieder, warum er toll ist. Grüne Bäume sind langweilig. jetzt kommt die Zeit, wo die Bäume ausschauen wie auf einem fremden Planeten. „All the trees are red“ (B-52s sage ich nur). Es wird von Tag zu Tag mehr und es ist natürlich in erster Linie das knallige gelb und orange was flasht und eine Eyeball Massage (frei nach Pipilotti List) bietet beim Rad fahren. Jede Jahreszeit ist schön. Man braucht gar nicht traurig sein, wenn eine zu Ende geht. Die Natur ist einfach erstaunlich und toll.

Rasenfläche

Nachmittags Dr. Südstadt. Wartezimmer voll. Super Arzt. Mitfühlend, professionell, schreibt meiner Betreuten Verhaltenstherapeuten auf, die sie kontaktieren kann, erklärt wie das läuft, auch Verordnung Ergotherapie ist möglich. Er googelt nebenbei. Sie wird so lange substituiert, wie sie es braucht.  Hannoveraner Dialekt, schauen, ob der Therapeut „geeichnet“ ist in der Erprobungsphase. Kennt sich aus mit den Nöten der Leute, will wissen, ob sie Hartz IV vom Jobcenter bekommt und ob sie von dort drangsaliert wird, die müsse man sonst mit Krankschreibungen ruhig stellen. Guter Mann. Ich schaue mir die Akupunktur-Tafel an und sehe, warum das wirkt. Die stechen eine kleinen Mini -nerv, der wie ein kleiner Baum auf dem eigentlichen Nerv (großer Baum) drauf sitzt und daher wirkt das so stark bzw. tut so weh, auch wenn die Nadeln nur Millimeter in die Haut gehen.

Abends skypen mit meiner Schwägerin. Bleibe in London suchen. Es geht um die Hochzeitsreise2014 und meine Schwägerin wird uns wieder begleiten. Letztes Mal hatten wir ein kleines, entzückendes Häuschen bei Mile End. Die Apartments die wir uns jetzt anschauen haben oft keinen Fernseher, dabei haben die Briten so tolle und trashige Serien. Meistens kommt man nicht dazu, aber letztes Mal war ich einen Tag krank und da war das schon praktisch und ich habe eine Quizsendung geguckt, bei der Erwachsene Schulfragen gestellt bekommen haben z.B. bei dem Kinderreim, welches man mit den Fingern spielt in Englisch sprachigen Ländern welches „Little Piggy“ Roastbeef gegessen hat und die richtige Antwort lautet: der Mittelfinger. Wenn die Erwachsenen die Antwort nicht kennen, können sie auf Schulkinder quasi als Joker zurückgreifen. Die sitzen in einer Schulklassenkulisse und melden sich, wenn sie die Antwort wissen und der erwachsene Kandidat sucht sich sein Kind als Joker aus, den dicken Jungen oder den kleinen mit der Brille oder das Mädchen mit den langen Zöpfen. Und jetzt die Suche nach einer Unterkunft ergibt: ayurvedische Frau, keine Mikrowelle, kein Fernseher, aber schönes Haus.

08.10. Morgens prahlt mein Vater mit einem Foto von einem großen Haufen Steinpilzen.

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Es sei „Steinpilzjahr“. Ich kenne einen weiteren Trick für eine erfolgreiche Suche, einfach am Montag mit den Enkeln in den Wald gehen, da hat man nicht so viel Konkurrenz wie am Wochenende.

Herr A. fliegt ständig aus der Klinik, weil er Kokain konsumiert und dann Mitpatientinnen obszön anmacht. Ausgang wurde schon gestrichen, weil sie festgestellt haben, dass der Suchtdruck zu groß sei. Und woher bekommt er dann das Zeug, frage ich dann mal so naiv. Von Mitpatienten muss die Lösung sein, weil Besuch bekommt er keinen. Er wird ohnehin dann wieder aufgenommen, weil er mit Suizid droht, aber auf eine andere Station, wegen der Mitpatientin, die er angemacht hat. Das scheint mir alles langsam langweilig. Wenn die Sozialarbeiterin von der neuen Station anruft und mich fragt, ob ich das Kostenanerkenntnis für die stationäre Therapie beantragt habe, sage ich ihr, dass ich das beruflich mache und sie sich bitte nicht meinen Kopf zerbrechen soll. Erst mal muss die Hilfeplanung mit Herrn A. stattfinden, die am 10.07. bereits hätte stattfinden sollen, wo er mit Abwesenheit glänzte und die fachärztliche Stellungnahme habe ich auch zu 2/3 ausgefüllt und damit vorgearbeitet und an die Klinik geschickt und um Vervollständigung und Rücksendung an mich gebeten. Das geschah nicht und als es hieß, das sei direkt dorthin geschickt worden, hat Frau A. nachgehakt, war nichts angekommen von der Klinik, dann noch mal nachforschen, hinterher telefonieren, solange bis hier Vollzug gemeldet wurde immer wieder nachfassen und erklären, was zu tun ist mit Adresse, Ansprechperson, Telefon., Fax, noch mal meine Nummer. Hey, ich habe den Eindruck, dass die mir nicht sagen müssen, wie ich arbeiten muss, ich es umgekehrt aber regelmäßig tun muss.

Nachmittags kommt ein Betreuer vorbei, den ich ewig nicht gesehen habe und daher einbestellt. In der Vergangenheit ist er mit Mietschulden aus der Wohnung geflogen und war suizidgefährdet und ich habe Räumungsschutz beim Gericht beantragt und bekommen und dann die Wohnungsübergabe für ihn und ohne sein Beisein über die Bühne gebracht. Erst habe ich mich gegrämt, dass wir keine Wohnung gefunden haben auf dem freien Markt, obwohl ich überall mit Engelszungen geredet habe und dann musste ich feststellen: Gott sei Dank, weil da hätte er neue Mietschulden gemacht. Jetzt wohnt er in einer Unterkunft der Stadt Ronnenberg und zahlt ein Taschengeld für seine Wohnung und kann da auch gar nicht rausfliegen. Klassischer Fall von einem vordergründigen Versagen, was sich dann als Glücksfall und optimale Lösung entpuppt. Seit dem habe ich wenig zu tun. Er war in einer Reha-Klinik. Die haben einen Reha-Antrag auf Umschulung für ihn gestellt. Ich bot ihm an mich mit zu kümmern. Das wollte er nicht, es sei alles in bester Ordnung und er mache das. Jetzt wurde seine Umschulung von der Rentenversicherung abgelehnt mit der Begründung, dass er als ungelernte Kraft (Küchenhilfe) arbeiten könne. Wir besprechen, was zu tun ist.

Abends Yoga mit Mikael. Er stellt mich als Musterschülerin da und lässt die Klasse „Annas Lieblingsübung“ machen, das Kamel. Alle sollen mal schauen, wie schön ich das mache. Nach dem Kurs sage ich ihm, dass es darum gar nicht geht, es sei denn er will die Mitschüler gegen mich aufbringen. Wir haben Blöcke, jeder muss die Übung so machen, wie es für seinen Körper angenehm ist und dann erst wird sie gut, weil man darin entspannen kann. Gucken was Anna toll vorturnt und das dann auf Teufel komm raus nachmachen, bringe gar nichts. Ich muss meine Yogalehrerin Simone zitieren, die bei zu viel Ehrgeiz immer sagte, „wenn ihr den Boden berührt, werdet ihr da unten nichts Tolles finden“, d.h. wenn man sich anstrengt und dann denkt, wenn sich meine Hände endlich berühren oder ich mit dem Oberkörper auf die Oberschenkel komme, dann werde ich erleuchtet oder mir wachsen Flügel und es ist aber nicht so, dann ist man vielleicht enttäuscht, weil es egal ist bei Yoga, wie krass man eine Übung ausführt, der Effekt ist immer derselbe. Wichtig ist, dass es individuell passt. Was mir hingegen an Mikael heute sehr gut gefällt ist, wie er den einen Mann im Kurs zu Recht weist. Der Raum ist voller Frauen und ein mittelalter Typ macht Geräusche als würde er ein Kind kriegen (diese Situation ist durchaus häufig anzutreffen). Er geht damit allen an den Zeiger, stört den Unterricht, aber keiner sagt was, weil wir alle Zen oder Yoga sind und das politisch nicht korrekt wäre. Hier greift Mikael ein und weist ihn zurecht mit den Worten: „Ich will das nicht hören, nur Atemgeräusche“. Immer wenn er wieder laut werden will, macht Mikael „Zzsch“ –Geräusche, wie Cesar Millan, wenn er Hunde korrigiert und es wirkt. Der Typ hält die Klappe. Damit ist er schon mein Held des Tages, weil er sich für uns stark macht, wie Zivilcourage ist das. Er lässt einfach nicht zu, dass dieser Typ uns belästigt.

Nach dem Yoga gehe ich zu Move n Dance und das ist ein ausgelassenes Tanzen mit hohem Spaßfaktor. Ich tanze gerne, aber meinen Körper dabei im Spiegel sehen, irritiert sehr bzw. ist irgendwie frustrierend und ich müsste es nicht haben. Die Frauen sind ausgelassen und es ist eine gute Stimmung. Wir üben Moonwalk und machen lustige Sachen. Nichts ist peinlich. Wir singen zu einem bestimmten Schritt den Hochzeitsmarsch „tä de tä dee, tä de tä dee“… Natürlich sind Frauen dabei, die das alles sehr gekonnt machen und eine entsprechende, appetitliche Figur haben und entschuldige ich mich nach der Stunde in die Runde und erkläre, dass ich die Pirouetten nicht formvollendet hinbekommen werde, auch nicht in Zukunft und mir dazu auch der Ehrgeiz fehlt und ich dies nachzusehen bitte, da ich trotzdem weiter den Kurs besuchen will. Ich werde immer improvisieren, das habe ich damals in der Schule bei der Bändergymnastik schon gemacht und wenn ich eines kann, dann freier Ausdruckstanz.

Noch mal skypen. Kathrin hat zwei neue Wohnungen aufgetan, einmal  in einem umgebauten, alten Krankenhaus und einmal oben in einer Kirche. Wir verzichten unter diesen Umständen auf den Fernseher. Ich starte 2 Anfragen. Mache 9 Buttons, dann bin ich müde.

09.10. Träume davon, dass ich von meinem Traum erzähle. Das ist nun auch mir eine Nummer zu abstrakt.

Morgens erzählt mir Stephan das dritte Mal, dass die Fensterputzer kommen nächsten Freitag. Warum sagt er mir das immer wieder. Ich soll meine Spinnen  vorher retten . Die sollen gefälligst aufpassen wegen meiner Spinnen, erwidere ich. Ich habe mittlerweile 2 Spinnenhaustiere, die größer werden und gedeihen.

Ich weiß zur Zeit gar nicht, warum ich Spinnen so doof fand oder auch immer nur finde, aber daran arbeiten will. Ich habe viel mit denen gemeinsam: dünne, haarige Beine und dicker Rumpf und handarbeiten tun ich auch gerne.

Stephan hat für mich einen Yogakurs in London gebucht den 28.11. 19:30 bis 21:30. Es unterrichtet eine Tänzerin, älteren Datums und der Kursblock heißt: „Finding your dog“. Da hat mich natürlich der Titel besonders angesprochen und wenn die mir einen englischen Staffordshire Terrier, unter kniehoch, der aussieht wie ein Schweinchen schenken, verzichte ich gerne auf den Yogaunterricht und gehe in Primrose gleich in den Park. Auch ohne die Assoziation zu dem Tier, finde ich den Kurs reizvoll, weil der herabschauende Hund und die Kobra-Position (auf Englisch: „down dog“) mit die zentralen Asanas des Yoga sind und da kann man immer Tipps gebrauchen, wie man die richtig ausführt und seine Praxis verbessert, gerade von einer Tänzerin, die sich viel mit Anatomie beschäftigt. Ich freue mich jedenfalls auf die Anregungen, die ich hoffentlich bekommen werde.

In der Bar werden noch Schürzen getragen.  Die neue Frau ist sehr sympathisch, macht einen leckeren Bagel und schäumt nicht zu heiß und sie trägt eine Frotteeschürze mit karierten Feldern auf denen u.a. ein Frühstücksei zu sehen ist in den Farben orange und grün und gelb mit dem Spruch: Eigener Herd ist goldes Wert. Toll. Also sie werden die neue Schürze von meiner Schwiegermutter bekommen, wenn ich sie gebügelt habe.

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Nachmittags kommt ein Betreuter, ein schwuler, türkischer Betreuter. Seine Nachbarin, die seit einem halben Jahr dort wohnt, schreit immer so rum, aber nur, wenn ihr Macker da war und er glaubt, dass sie ihr Kind missbraucht. Er hört das immer, wenn er auf der Toilette ist, wie sie schreit und dann „batsch, batsch“. Ich soll die Hausverwaltung anschreiben oder das Jugendamt soll einen Hausbesuch machen. Das ist ein heikler Auftrag.

Ich beschäftige mich mit selbstgebastelten Klagen gegen das Finanzamt. Ich hatte hier einem Freund den Rücken gestärkt das selber zu probieren und damit das Kostenrisiko zu minimieren, zumal der selber sehr im Thema ist mit steuerlicher Anerkennung von Verlusten mit hochspekulativen Wertpapieren. So haben wir alle unsere Hobbies, manche spielen Farmville oder Gesichtsbuch. Ich habe diesen Blog und daneben züchte ich Avocado-Bäume, Bananen und seit neustem Paprika. Wir wollten die Pflanze schon abschaffen, aber jetzt bringt sie noch was, wie es ausschaut.

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Abends ist Doppelyogastunde. Ich mag es nicht so gerne auf mich zu Meditieren als einzigartiges und liebenswertes Wesen (so die Aufforderung). Das mag man sich gar nicht vorstellen, wenn man mich so sieht , extrovertiert bis sonst wo hin und dann die ganzen Outfits. Ist aber so. Für mich ist Meditation mehr ein Auflösen der eigenen Grenzen und ich finde mich nicht so spannend und Nabel –der-Welt mäßig, dass ich auf mich selber meditieren will. Das widerstrebt mir geradezu. Ich muss mir auch nicht selber Wärme und Energie geben. Ich habe hier vielleicht kein Defizit. Weiß nicht. Da ist mir die buddhistische Richtung, die wir in Japan kennen gelernt haben in dem einen Tempel näher, die sagt, es gibt keine Individuelle Seele, das sind Tropfen im Fluss, die dann im Meer aufgehen. Der Gründer war Bauer und hat daher auch Schluss gemacht mit der Meditation als notwendiger Praxis, weil dafür nur Studierte die Zeit hatten stundenlang zu meditieren. Bei ihnen findet die Erlösung durch den Glauben statt. Das ist ähnlich wie beim Christentum und daher ein interessanter Ansatz. Spannender fand ich noch die Vorstellung, dass uns die Individualität gerade nicht trennt und eine Illusion ist. Die Erlösung besteht aus einem leeren Raum, weil die Erlösten wieder zurück geschickt werden um anderen zu helfen. Auch eine schöne Vorstellung. Ich meditiere nach meinem Gusto. Was mir auf jeden Fall gefällt ist das viele und kräftige Mantrensingen. Ich sage in der Abschlssrunde, dass man sich da den zusätzlichen Abend in der Woche mit Chorsingen sparen könne, was für Lacher sorgt. Unstreitig ist das ja ab einem bestimmten Alter dann auch angesagt als Freizeitbeschäftigung und das Klientel ist auch ähnlich und da ich nicht singen kann, bin ich hier auf jeden Fall besser aufgehoben.

Abends gibt es wieder Petersilienwurzelpüree. Das ist mein Lieblingswintergemüse zur Zeit. Einfach und schmeckt lecker.

Charlies Angels

04.10. Etwas arbeiten musste ich, wollte ich auch, damit man den Brückentag voll spürt. Der Mann mit der Erbschaft im Ruhrgebiet und der Wohnbetreuer kommen vorbei und ich mache ganz viele Kopien und schreibe die Sparkasse an. Nachmittags kommt mein Betreuter aus dem Maßregelvollzug zu Besuch. Das ist mal was echt Neues. Nach 8 Jahren weggesperrt sein, gewähren sie ihm jetzt großzügig Ausgang und er ist mit Tageskarten viel unterwegs. Ich bin leicht angespannt, nicht wirklich. Ich informiere nur Stephan, dass er in Rufbereitschaft ist, falls was Komisches passiert, was ich nicht glaube, aber gehe davon aus, dass ich alleine sein werde im Büro, weil mein Kollege heute offiziell gar nicht arbeitet. Er ist aber da und macht sogar die Tür auf und sagt mir dann, dass Herr B. da sei und erst mal „Druck ablassen musste“. Er ist auf Toilette. Er hat Papiere dabei zur Klärung seines Rentenkontos und ich helfe dabei. Skurril ist, dass er noch nie auf Lohnsteuerkarte gearbeitet hat, also geben wir Schweißkurse in der JVA Meppen in den 80er Jahren an und wollen mal schauen, ob das Beiträge bringen kann. Er macht sich demonstrativ den Gürtel auf und ich denke erst, will er jetzt die Hose vor mir runter lassen, aber das dient dazu, die Stofftasche quasi durch den Gürtel zu fädeln und so besonders zu sichern. In einem Haus der Diakonie, einschlägig bekannt, will er sich eine Meldeadresse besorgen. Danach muss ich los, in die Innenstadt. Wir treffen wir eine Freundin, Susann, am Hauptbahnhof und wollen einen Kaffee trinken, damit wir uns wenigstens kurz sehen. Da es maximal nahe sein soll, landen wir in einem schlimmen Laden direkt im Bahnhof, sitzen aber vor der Tür. Die Grapefruit-Limonade besteht aus Eiswasser mit Zuckersirup, auch nicht weiter überraschend. Es ist eine alte Freundin, die in Köln wohnt. Sie kommt gerade aus Berlin, wo sie beruflich mit Promis und Semi-Promis zu tun hatte und mir einige Handy-Fotos zeigt mir ihr und den Menschen, die man aus dem Fernsehen kennt und sie will weiter zu ihrer Oma. Ich freue mich, sie zu sehen. Sie ist immer so unverändert und ich erinnere mich an die Zeiten als sie in Hannover gewohnt hat und für uns gekocht hat. Kohleintopf mit Bier gab es im Winter. Sie hat immer alles so perfekt dekoriert und hat gerne Mottoveranstaltungen gemacht, d.h. spanischen Abend z.B. Wir sind aber auch gerne Essen gegangen oder überhaupt ausgegangen. Sie hatte eine sehr beachtliche Feierkondition und als sie nach Köln gezogen ist, hat sie sich oft beschwert, wenn die Läden um 3 oder 4 Uhr morgens zu gemacht haben und auf Hannover verwiesen. Hier wurde es höchstens mal eng, wenn sie nach der Glocksee morgens um 6 dann bei Chéz Heinz weiter machen wollte, die aber keine Lust mehr hatten. Ich kaufe noch einen Satz neue Bettwäsche mit Stephan und 2 neue Spannbettlacken und freue mich wie verrückt. Dann noch mal ins Büro und dann zum Sport.

Es gibt zwei Arten von Menschen auf dem Fahrrad, welche mit Helm und welche ohne. Die sind nicht nur rein äußerlich voneinander zu unterscheiden, sondern auch charakterlich. Davon bin ich fest überzeugt. Ich bin von der Fraktion „lieber tot als Helm“. Dann gibt es wiederum die, die das neuerliche Helmtragen damit begründen, dass sie ihren Kindern ein gutes Vorbild sein müssen. Das kann ich nicht durchgehen lassen als Begründung bzw. das ist diese neumodische Erziehung, bei der Einiges schief läuft. Der Rudelführer bestimmt die Regeln und wenn er zum Grundschülerkind sagt, ich will, dass Du einen Helm trägst, weil Du noch nicht so gut fährst und im Straßenverkehr noch nicht so erfahren bist wie ein Erwachsener, dann müsste das doch auch so ausreichen. Punkt. Gleiche Regeln für alle? Darf der Vater dann auch keinen Alkohol trinken oder muss ggfls. dem Kind davon auch was abgeben? Verstehe ich nicht, verstehe ich nicht. Das Ganze hat auch gar nichts mit sonderlich autoritärer Erziehung zu tun, aber es ist nun mal so, dass es hier Unterschiede gibt und diese zu nivellieren bringt dem Kind auch nichts, meiner Meinung nach. Es führt zu einer Orientierungslosigkeit und einer Überforderung des Kindes, das denkt, es sei der Nabel der Welt und von ihm hingen die Dinge ab. Das will man als Kind gar nicht, sondern man will, dass eine Richtung vorgeben wird und man will folgen, dem nach laufen. Ganz normal. Wenn man erwachsen ist, kann man seine eigenen Regeln machen. So, Ende des Vortrages der Kinderlosen.

Wir fahren mit dem Taxi ins Tropeano, weil wir beide Lust haben auf die Lasagnette mit Zicklein. Es gibt auch noch eine leckere Vorspeise: Kalbsleber, zum Hinknien und einen deftigen Wirsingeintopf.

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Wir kommen mit dem neuen Azubi ins Gespräch, der immer mehr auftaut und uns von Anfang an sympathisch war. Ich überlege zum zweiten Nachtisch noch mal die Leber und eine Kugel Schokoladeneis zu bestellen und er meldet mir, dass die Küche noch besetzt und meine Bestellung daher möglich sei. Es stellt sich heraus, dass er erst 16 ist. Das kann ich kaum glauben. Ich mache heute oft die Erfahrung, dass 23-Jährige noch ganz klein (also nicht körperlich, da sind sie groß und haben viele Muskeln, aber geistig) und unreif sind und nichts von der Welt wissen. Dieser junge Mann wirkt hingegen viel älter und erst recht älter als 16! ich frage, warum er sich das antut und sich in dem zarten Alter ins Erwachsenenleben stürzt. Mit Studium bis Ende 30 könnte man doch die Schonzeit noch so lange hinziehen und sich vor der Erwachsenenwelt drücken. Er sagt, Schule war nicht so seins, als Legastheniker. Ihm liegt das Praktische. Er sei früher mit seinen Eltern hier essen gewesen (die nehmen auch immer Zicklein, so dass Stephan schon fragt, ob wir die kennen lernen sollten) und die hätten ihm gesagt, dass Herr Tropeano jemanden sucht und das wäre doch was für ihn und dann hatte er am nächsten Tag, Sonntag das Vorstellungsgespräch und hat Dienstag angefangen. Wenn er hier fertig sei, stünde ihm die ganze Welt offen wegen des guten Rufes des Ladens. Dann könne er auf Sylt arbeiten. Ich frage ihn, was er da wolle. Die seien verpoppert. Das muss ich ihm dann allerdings erklären. Männer in rosa Polo-Hemden, sich schnöselig seien. Seine Eltern haben da ein Haus. Trotzdem war es vielleicht gut, dass ich ihn vorwarne.

Auf dem Hinweg haben wir einen Rentnertaxifahrer, der sehr schlecht deutsch und fährt wie ein Rentner, umständlich, versteht den Straßennamen nicht, weiß nicht, wie man ihn schreibt, versteht die Buchstaben sind. Diskussion zwecklos, weil man sich wechselseitig nicht versteht. Er hat auch vergessen die Uhr anzumachen, wie ihm am Aegi auffällt. Zum Glück sind wir keine Arschlöcher und wissen was die Strecke kostet und er bekommt seinen Lohn. Er hat was (abgesehen von den sprachlichen Einschränkungen) von Marcel Reich-Ranitzki, als wäre es aus dem Grab auferstanden. Das tut mir wirklich leid, dass der gestorben ist. So ein cooler Typ. Neulich habe ich erst Jugendfotos von dem gesehen. Echt süß. Auf dem Rückweg haben wir auch einen sehr speziellen Fahrer, der seit 3 Tagen in Rente ist, wie er uns gleich beim Einsteigen mitteilt und viel klagt, d.h. prozessiert und dann auch die jeweiligen Anwälte namentlich nennt und bewertet, die ihn vertreten haben. Derzeit ginge es um den Rentenbescheid (viel zu wenig, nur knapp über 200,- €). Stephan erzählt, dass er einen Termin bei der Rentenversicherung zur Klärung des Kontos habe. „Das können Sie vergessen“, ist seine spontane Reaktion und „Musterklage einreichen“ und dann klagt er vor dem Verwaltungsgericht auf Erteilung eines Jagderlaubnis für eine bestimmte Gegend, Gifhorn oder was weiß ich. Der Anwalt hat das Mandat niedergelegt, weil er sich so lange nicht gemeldet habe. Das könne er verstehen. Er war Niedersachsens erster Wehrdienstverweigerer, der eine jagdliche Ausbildung mit diversen Waffenscheinen und einem Jagdschein gemacht hat. Er richtiges Hannoveraner Original der Typ.

05.10. Ich kann Cocooning. Ich bastele an diesem Samstag 14 Stunden lang non-stop und das im Nachthemd und Morgenmantel. Den ganzen Tag in der Nachtgarderobe und dann abends gleich wieder damit ins Bett. Herrlich. In der ganzen Wohnung verstreut die Bastelmaterialien und kleine Haufen mit sortierten Unterlagen. Es sieht aus wie nach einer Katastrophe. Am Ende des Wochenendes bedanke ich mich bei meinem Rücken, der sogar die Bastelsession des nächsten Tages, die sich nahtlos anschließt unbeschadet übersteht, d.h. ich fühle mich etwas steif, aber andere müssten zur manuellen Therapie, wenn sie so abartig über einen Tisch gebeugt über 20 Stunden gestanden hätten. Brav ist mein Körper.

Stephan bringt mir einen Brief von Sunla aus Wien, über den ich mich so freue. Schon der Umschlag ist die reinste Freude und beeinflusst gleich mein Basteln, zumal ich bei einem Schäferhund, bei dem das Bild am Ohr etwas zerstört ist (Papier ausgerissen) auch mit rot Blutstropfen ran male und mich über den Effekt freue.

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Der Inhalt und Text dann auch. Ich lache über den Traum, den sie mir beschreibt und denke zurück an die Zeit als sie mir gezeigt hat, wie man ein Atelier macht und wir einfach losgelegt haben in unserer jetzigen Wohnung, weil die Sanierung erst durch das Amtsgericht geklärt werden musste und wir leider querulatorische Miteigentümer hatten, die sich an mündliche Absprachen und beschlossenes Vorgehen nicht erinnern wollten und einfach eingezogen sind auf die Baustelle und alles blockiert haben. Wenn wir anderen Miteigentümer 2 mal im Jahr im Garten gegrillt haben, haben sie die Polizei gerufen, derart eskaliert war das in vielerlei Hinsicht mit einem entsprechenden Frust, auch auf unserer Seite. Constantin, Stephans Patenkind hatten wir auf unsere Baustelle einziehen lassen und er bewohnte die Gartenseite der Wohnung. Geheizt wurde mit Bauöffen aus dem Baumarkt. Hier war Sunls Idee, wir machen ein Sommeratelier in den anderen Räume, zur Straße hin, Stephans jetzigem Arbeitszimmer und das haben wir dann getan und auch Wochenendweise wie manisch gebastelt und gemalt und damals war schon die Feststellung von Sunla, dass es unglaublich sei, in was für abartigen Haltungen ich tagelang basteln könnte. Wir haben nicht die ganze Zeit gequatscht, sondern nebeneinander her gearbeitet und Musik gehört, aber unsere wechselseitige Gesellschaft genossen und uns gegenseitig angeregt. Constantin fing dann auch an zu Basteln oder er hat sich inspirieren lassen und es war eine willkommene Abwechslung, wenn er uns besucht hat. Dann hatten mal wir einen Stift, mit dem man auf abwischbar Glas schreiben konnte und Sunla hat „Zsycho“ in großen Lettern die Scheibe zur Straße geschrieben in weißer Schrift. Wir haben sehr gelacht und waren richtig befreit. Unsere Geschichte ging auch weiter nach ihrem Wegzug und jetzt besuchen wir sie in Wien und feiern Fasching zusammen und stehen nachts betrunken am Würstelstand, wie sich das gehört. Sie hat mit ihrem Freund eine herrliche Wohnung im Bezirk Favoriten am Antonsplatz und morgens kann ich in den Park vor der Kirche hinüber schauen und die Gassigeher beobachten. Da gibt es immer was zu sehen. Dann steht Sunla morgens auf, macht Kaffee und wir gehen vielleicht zusammen zum Yoga. Hier ist allerdings immer wenig Zeit zum Basteln, was mich wehmütig stimmt, weil die Kaffeehäuser und die anderen Attraktionen der Stadt Wien mich untreu werden lassen. Trotzdem sind alle diese Dinge in meinem Herzen.

06.10. Es ist wieder Wahlsonntag und ich bin wieder zum Nähen bei Steffi verabredet. Erst mal klingelt der Wecker um 7:30 Uhr und während Stephan ohne Kaffee mit Verspätung ins Wahlbüro geht, mache ich mich weiter ans Kalenderbasteln wie am Vortag und ziehe mich gar nicht erst an. Dann das große Aufräumen und selber zur Wahl gehen (das würde sonst auffallen). Ich hatte zwar vorher gesagt, es wird doch eh der Schostok, weil wir einen SPD-OB bekommen, wie sonst auch. Kann man sich die Wahl dann nicht sparen? Aber geht wohl nicht. Stephan fragt sich andere Dinge, ob man theoretisch das Wahlbüro früher schließen kann, wenn alle Wahlberechtigten ihre Stimme bereits abgegeben haben und auf dem Zettel abgehackt sind (eher eine theoretische Frage). Auf dem Weg ins Wahlbüro sehe ich einen Typen, der mir sympathisch ist, nicht nur, weil er gut aussieht in graumeliert. Es ist was anderes und einmal mehr hat es was mit Cesar Millan zu tun. Der hat manchmal Fälle, in denen das Tier (ein kleiner Mischlingshund) keinen Respekt vor dem Besitzer hat, weil dieser es nicht geschafft hat, sich diesen zu verschaffen, u.a. dadurch, dass keine Regeln aufgestellt wurden und der Hund daher geglaubt hat,er müsse sich um die Dinge kümmern, was dann zu unerwünschtem Verhalten des Tieres führt (durch Ankläffen von Besuchern einer Galerie, diese versuchen zu vertreiben um damit die Räumlichkeiten zu verteidigen in diesem Fall). Cesar holte dann seine Pack-Members, d.h. wohlerzogene Hunde, die ihm gehören u.a. Junior, einen Pitbull und 2-3 andere große Hunde und forderte die Galeristin auf, diese an der Leine zu führen so nach dem Motto, wenn ihr Hund das sieht, dann nimmt er sie mehr ernst, hat Respekt vor ihr, es macht Eindruck auf ihn, dass diese großen Hunde ihr folgen und sie sie führen kann. Zurück zu dem Typen. Der hatte 2-3 Mädchen bei sich zwischen 7-12 Jahren, die sich auch interessiert nach mir umgedreht haben und die den Eindruck machen, dass sie ihm gerne folgen und gerne mit ihm sind und das wiederum wirkt vertrauenserweckend auf mich, das ich denke, der ist Frauen- und Mädchenversteher und den mag ich dann auch und will ihn kennen lernen und vertraue ihm jetzt schon nur durch das was ich sehe.

Ich fahre jedoch weiter mit zwei großen Beuteln zum Nähen. Steffi will Reparturarbeiten machen an einer braunen Lebertasche, die sie samt Gebämsel aus meiner Sammlung übernommen hat.

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Wir schenken uns wechselseitig Sachen, da wir beide eine ausgeprägte Vorliebe für Retro-Sachen haben und original alte Dinge zu schätzen wissen. Eine Eigenschaft, die sich nicht häufig finden lässt. Ich habe ein weinrotes Kleid aus San Francisco mit einem Reißverschluss und zwei großen Taschen vorne, was ich nie trage, weil es mir nicht steht, was ich lange nicht einsehen wollte. Ich bin glücklich, dass es hier gewertschätzt wird und ein neues Zuhause findet. Steffi kommt an diesem Tag kaum zu ihren Handnäharbeiten, weil sie eine Näharbeit nach der anderen für mich erledigen muss. Es geht um zwei Polyesterkleider, die zu weit sind und nicht sitzen. Früher hätte ich sie einfach so getragen, aber Steffi hat mir gezeigt, dass man sich damit nicht abfinden muss und sie passt  jedes Kleidungsstück minutiös ihrer Figur an und seitdem mag ich die Säcke auch nicht mehr tragen und bin hier kritischer geworden. Sie steckt die Kleider liebevoll und gewissenhaft vor dem Spiegel ab und näht sie dann an der Maschine für mich und bügelt sie noch aus. Ich kann in der Zeit was anderes für mich machen und so wird doppelt für mich gearbeitet. Dann geht sie auch kurz wählen, berichtet mir, dass sie meinen Kollegen betroffen hat, den ich im Urlaub wähnte und wir beschließen eine Fortsetzung und da habe ich mir fest vorgenommen, sie mehr in Ruhe zu lassen. Beschwerden gab es allerdings keine.

Freitag bis Sonntag, jeden Tag eine Freundin und alle drei gutaussehend. Ich muss an die Serie Charlies Angels denken (3 Engel für Charlie auf Deutsch), die ich wahnsinnig gerne geguckt habe Ende der 70er Jahre in den USA und es passt auch, weil die Hoch-Zeit der Serie war die mit Farrah Fawcett-Majors, Kate Jackson und Jaclyn Smith, also zwei dunkelhaarigen Engeln und einem blonden und so ist das auch bei meinen  Freundinnen und alle haben lange Haare. Das Bild gefällt mir. Ich bin Charlie, ne eher Bosley, weil ich sie ja in Echt sehe nur, dass meine Engel viel szeniger und cooler sind und nicht so spießig wie die Originale, aber ich würde sie gerne mal so zurecht machen für ein Gruppenfotos á la Charlies Angels. In meinem Kopf geht das schon mal prima.

Der Brückentag

03.10. Herrlicher Herbst. Blumen sind gekauft. Butterschale ist ausgemustert. Wir fahren nach Eilvese.

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Zuerst geht es am Bahnhof in Eilvese zu Sylvia, einer Verwandter von Stephan und Mutter von dem Schatz unseres Herzens, Constantin, der leider nicht mehr unter uns weilt, aber doch in unseren Gedanken und Herzen ist. Sie hat heute Geburtstag. Die Blumen, die sehr groß sind und daher demonstrativ gehalten werden müssen, sind nicht für sie, obwohl sie herrlich in die neu dekorierte Küche mit violett an den Wänden gepasst hätten. Dafür gibt es überteuerte Espressosahnetrüffel aus dem Bahnhof und Ketten von mir zur Auswahl. Das Geburtstagkind nimmt 3 Stück.

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Der aufgeregte Jagdhundmischling zerkaut und zerstört sein Bett. Meine Schwiegermutter holt uns ab und sagt so tolle Sachen wie: vorgestern haben wir Beton gemacht. Ich kann nur berichten, dass wir vorgestern Milchreis gemacht haben, aber so ähnlich klingt das bei ihr. Heute sind wir allein mit meinen Schwiegereltern und keine andere Geschwisterkinder oder Anhang sind mit von der Partie m.a.W sehr ruhig. Es gibt Hochzeitssuppe mit Eierstich, Mettklöschen, Blumenkohl und Spargelstücken und Buchstabennudeln, mit denen ich versuche Wörter zu schreiben auf meinem Suppenlöffel. Dann gibt es Hühnerfrikassee und später Kaffee und Kuchen. Mein Schwiegervater hat Halsschmerzen und Schluckbeschwerden und wir wurden gebeten, was mitzubringen, wenn wir was hätten. Das sind aber eher Bonbons. Meine Schwiegermutter findet auch Ketten aus denen, die ich ausgemustert habe und das freut mich besonders.

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Der Garten ist eine Baustelle. Auf dem Familienfest im Mai hatten sie uns einen Gartenplan gezeigt und das sah alles ganz harmlos aus. Runde Kreise, die ich für Blumenkübel oder so etwas gehalten habe, aber das wird der Sache nicht ansatzweise gerecht. Hier wird schwerstes umgearbeitet und sie machen es in Eigenregie so nach dem Motto, die Firma wollte einen Kostenvoranschlag machen und als der nicht kam, haben sie beschlossen, dass sie es einfach selber bauen und dann halt Beton machen, wie andere Milchreis. Baustellenbesichtigung. Ich sage, es sieht aus wie ein Swimmingpool mit zwei Jacuzzis.

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Ich frage meine Schwiegermutter nach Stoffresten so nach dem Motto: zeig mir mal was Du hast und ich nehme mir dann, was ich gebrauchen kann. Ich „erbe“, d.h. nehme mir so einen trachtenartigen Rock, der gepfuscht genäht wurde, aber von Stephans Oma. Sie ist nähmäßig mein Vorbild mit so einem gesunden Pfusch. Ich werde ihn in Ehren halten. Ein schönes Stück Samt (Möbelstoff) mit Blütenmuster und eine Borte nehme ich auch mit und eine bunte Schürze für die Bar, Limmerstraße. Dorthin habe ich meine exquisite Schützensammlung aufgelöst und die Mädels, zumindest früher, haben sie gerne getragen und ich habe mich gefreut, das zu sehen. Win-Win-Situation, quasi. Am späten Nachmittag fährt sie uns wieder zur Bahn. Wir fahren nach Hause und ich mache mich daran einige Ketten umzuarbeiten.

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Dann gehen wir ins Kino und surfen noch etwas auf unserem Gruppentagesticket und schauen uns Liberace an. Der war in meiner Kindheit und Jugend in den USA schon ein Begriff. Wir essen Chips und eine Packung Toffifee. Vor dem Kino am Raschplatz staut es sich, als alle reinströmen gibt es keine Sitzplatzkonkurrenz. Die Schwulen, d.h. Pärchen und welche mit weiblichem Anhang drängen sich alle nach hinten und wir und das andere Heteropärchen sitzen vorne. Strenge Apartheit im Kino. Der Film ist gut und überzeugt mit schauspielerischer Leistung. Die haben nach dem Umbau unheimlich in die Klos investiert und selbst nach der Vorstellung , wenn alle Frauen gehen, entsteht keine Schlange. Wir gehen noch zu unserem Lieblingstürken, den ich immer mehr liebe. Man begrüßt uns schon als wären wir Stammgäste bei unserem vierten Besuch. Stephan will keine Milch zum Künefe und bekommt diesen abartigen giftgrünen Tee. Soll das Apfel sein?

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Zuerst hatte ich ja geschmollt, weil wir nicht weggefahren waren und ich muss feststellen, dass ich gar nicht mehr sagen kann, wann ich zuletzt am 03.10. in Deutschland war und ob überhaupt, es muss ewig her sein, dafür kann ich mich prima an die herrlichen, verlängerten Wochenenden in Istanbul und Barcelona erinnern mit herrlichstem Wetter, aber auch hier war der freie Tag zwischendurch richtig prima und ich habe es völlig genossen. Muss man nicht immer wegfahren. Wenn man hier ist und dann Freitag wieder arbeiten geht, nimmt man den Feiertag überhaupt erst wahr. Bei so einem Urlaub, verlängertem Wochenende merkt man ihn gar nicht, so aber merkt man ihn gut und ist richtig schön verwirrt, davor und danach. Satt und glücklich und nicht allzu spät gehe ich zu Bett.

99 Kilo und Untertemperatur – das passt doch nicht zusammen

30.09. Morgens der totale Alptraum. Bei uns bricht die komplette Wohnung auseinander. Ähnlich vom Gefühl her, wie diese Träume, bei denen einem die kompletten Zähne nach und nach aus dem Mund krümeln. Die Fenster samt der Fensterlaibungen fallen raus. Stephan versucht eines der Fenster, das außen an einem seidenen Faden hängt nach oben zu drücken, wo der Nachbar es in Empfang nehmen soll und schneidet sich an dem zerbrochenen Glas die Hand. Ich denke, der Depp hätte sich Handschuhe anziehen sollen. Alles ist auf einen Wasserschaden zurück zu führen. Die Decke besteht aus Holzbrettern, die nach und nach herausbrechen und den Blick auf die Wohnung darüber freigeben. Keine Versicherung zahlt, die Gewährleistung ist abgelaufen, die Ansprüche gegen den Architekten verjährt, nur unsere Wohnung ist betroffen und es kostet in etwa so viel wie seinerzeit die Sanierung. Meine Laune ist bestens als ich wach werde.

Wieder einmal Anhörung wegen Betreuungsverlängerung. Meine Betreute ist superschwer zu erreichen und ich sehe sie kaum. Sie attestiert dem Gericht, dass Frau A. sich den Arsch für sie aufreißen würde. Manchmal kann ich nur staunend daneben sitzen. Ich bekomme neu den Bereich Gesundheitssorge. Das wird schwierig und ich sage ihr, dass ich auf ihre Mitarbeit angewiesen sei. Noch bevor der Tag zu Ende geht, hat sie sich tatsächlich bei mir gemeldet und wir haben am 07.10 bei ihrem langjährigen Haus- und Substitutionsarzt ein gemeinsames Gespräch. Das hatte ich vorgeschlagen. Der Beginn einer neuen Zusammenarbeit? Ich bin gespannt. Den Richter duze ich und er war 2007 wie mein Kollege auf dem Police-Konzert in Hamburg. Das Plakat ziert sein Dienstzimmer.

Mittags treffe ich Stephan kurz in der Bar auf einen Toasti und Kaffee. Hier staune ich über einen Flyer der Infa, auf dem für Infalino geworben wird. Eine Hausfrauenbabymesse. Wie doof geht es noch?

Nachmittags kommt der Mann aus Ghana, den ich schon seit Jahren begleite und der sich ebenfalls gegen eine Aufhebung der Betreuung wehrt. Mit seiner neuen Wohnung hat geklappt. Wir sprechen durch an was bei der Übergabe zu denken ist.

Es sind nicht nur die Betreuten, die an mir hängen. Ich hänge auch an ihnen. Eine, die ich Jahrzehnte hatte, hat mir das Gericht „weg genommen“. Sie wohnt jetzt im Heim und da ist jetzt nichts mehr zu regeln (lustige Einweisungen, Finanzen etc. das gehört der Vergangenheit an) und das ist echt nichts für eine Berufsbetreuerin. Ich habe es eingesehen. Ich hatte nur Angst, dass sie dann trotzdem bei mir anrufen würde (was gerne mal 5 mal die Woche passierte) und ich das halt nicht abrechnen kann. Es macht jetzt eine Frau von einer Landesbehörde, die aber ganz fit zu sein scheint. Meine Betreute hatte immer einen siebten Sinn dafür, wenn ich im Ausland war. So sicher wie das Amen in der Kirche, sobald ich gelandet war oder in Oberitalien im Zug saß, kam der Anruf. Sie hat immer gerne obszöne Sachen am Telefon gesagt, dass ihr Leute an der Fotze herumprökeln würden und Ähnliches. Für mich hatte sie immer Tipps, dass ich mich mal richtig ausspannen soll mit meinem Mann, wenn mich die Arbeit überfordert, Urlaub machen oder wenn ich sie im Heim aufgesucht habe (sie saß immer rauchend auf ihrem Zimmer) kommentierte sie meist meine Frisur, die ihr nicht gefiel. Ich nehme an wegen der Filzanteile. Sonst sah ich immer „flott“ aus, aber die Haare gefielen ihr nicht. „Frau A. nehmen Sie mal eine Kräuterspülung“ riet sie mir dann. Sie schickte und schickt mir regelmäßig Post ohne Briefmarke. Komisch, bei mir klappt das nicht. Sie nimmt einen Schuhkarton und schneidet eine Postkarte daraus oder eine Umsonstpostkarte vom Heim mit einem deprimierenden Foto des Hauses und schreibt keinen Absender drauf und nur „bez. Empfänger“ und das Zeug kommt an und zwar 30 mal.

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Auch andere tolle Schriftstücke habe ich von ihr u.a. eine Kalenderblatt Oktober, wo sie jeden Tag notiert hat, was sie gegessen hat um es mir dann zu schicken. Ja, da werde ich ganz wehmütig, wenn ich daran denke.

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Unsere Freunde aus Kriftel sind auf dem Heimweg und holen ihr Auto in Hannover ab. Sie fragen um ca. 17 Uhr nach Mittagsschlaf und ich rechne fest damit, dass ich sie antreffen werde nach dem Sport. Das ist aber nicht der Fall.

01.10. Morgens bekomme ich eine MMS oder so was ähnliches vom Susann, einer Freundin aus Köln, die wir Freitag auf einen Kaffee treffen. Sie ist auf der Durchreise. Ich freue mich, dass wir uns wenigstens sehen und sie sich auch und schickt mir ein süßes Foto von sich, wie sie geguckt hätte, wenn wir uns nicht gesehen hätten.

Die Frau, deren Wohnung gekündigt werden soll, ruft mich aus dem Büro des Heims an, dass sie heute nach Hause geht. Ich telefoniere mit der Rechtspflegerin, die mir sagt, der Betreuer sei gerade bei ihr gewesen. Der soll sich um seine Betreute kümmern verdammt noch mal! Dieser Fall macht mich wütend. Ich versuche mit der AOK zu klären, wie das abgerechnet werden kann bei einem ruhenden Heimvertrag. Das wäre gar nicht meine Aufgabe. Dann erkläre ich der Rechtspflegerin, dass ich Beschwerde gegen den Einwilligungsvorbehalt eingelegt habe. Dafür sei ich nicht bestellt sagt sie. Das ist mir egal. Ich war mandatiert. Sie soll die Akte der Richterin vorlegen. Nachmittags ruft die Rechtspflegerin mich an, dass sie bei ihr zuhause war. Das sehe noch ganz manierlich aus. Es soll jetzt Essen auf Rädern geben und sie gebe ihr eine Karenzzeit von 2 Wochen und stimme der Wohnungskündigung erst mal nicht zu. Sie sei aber schon hirnorganisch eingeschränkt und viel Fassade. Sie kenne das von ihrem Vater. Ja, es spricht viel persönliche Betroffenheit aus dem was sie sagt. Ich sage, immerhin bekommt sie es gebacken mich anzurufen aus dem Büro des Heimes. Sie weiß, wer ich bin und kann sich ausreichend durchsetzen.  Für eine Wohnungskündigung gegen den Willen ist nach meinem Dafürhalten kein Spielraum.

Eine Hausärztin von Elisabeth ruft mich an, dass sie einen Asthmaanfall hatte und eine Bronchitis, weil sie im Baggersee baden war im Langenhagen um sich abzuhärten. Sie habe sie ins Nordstadtkrankenhaus eingewiesen, aber dort sei sie wieder gegangen. Heute ginge es ihr wohl wieder besser, aber sie kann aus psychiatrische Bild nicht richtig einschätzen und wann ich sie sehe. Ich sage: Morgen und, dass ich es mit ihr besprechen würde.

Die Kollegen sind jetzt zwei Wochen weg, da mache ich heute mal früher Feierabend und bastele den Jahreskalender für meine Freundin Susann. Leider vergesse ich beim Einkleben den Februar. Hier hatte ich ein Bild gewählt mit wenig Blättern an den Bäumen vor dem Neuen Rathaus. Dadurch ist meine Faschingscollage mit tollen Gerhard Polt und Gisela Schneeberger Bildern in schwarz-weiß aus Kehraus (als Taschenbuch) in den Februar und damit den falschen Monat geraten und in März habe ich meine Ostercollage reingeklebt, dabei ist das erst im April. Ich ärgere mich über den Bastelunfall. Zu doof zum Basteln. Da passt ja der Juli, „mein Monat“ mit der Demenz-Collage ganz gut.

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02.10. Kalenderbasteln macht mich manisch. Ich muss echt aufpassen. Werde um vor 7 Uhr wach. Es ist dunkel. Als ich Viertel vor 9 aus dem Haus gehe, steht eine Polizistin vor der Tür. Nicht erschrecken sagt sie als erstes und dass sie zu meinen Nachbarn wolle. Die hätten einen Bulli und da sei eine Scheibe halb herunter gekurbelt, so dass man den aufmachen und Sachen entwenden könne. Ich: ist das nicht deren Problem? Nein, wenn sie Kenntnis davon hätten, müssten sie das Fahrzeug bewachen und da das nicht geht dann teuer abschleppen lassen. Ich gehe in die Wohnung zurück und versuche meinen Mann mit den Worten, „es stehen zwei Bullen im Hausflur“ aus dem Bett zu treiben. Handynummer der Nachbarin. Sie will gleich in eine Besprechung und hat keine Zeit, ob ich den Wagen nicht einfach abschließen könne. Ähh. Wie soll das gehen, gebe den Hörer weiter. Ich bin überfordert mit dieser praktischen Lösung, auf die die Ordnungshüter offenbar auch nicht gekommen sind (nicht ausermittelt, nehme ich an). Sie verbleiben so, dass die Polizei das versucht, durch die Scheibe durch zu greifen, die Tür aufzumachen, die Scheibe hoch zu kurbeln und den Knopf nach unten zu drücken und die Tür wieder zu. Eigentlich ganz einfach.

Morgens Schreibkram und Telefonate. Mein Erbschaftsfall gestaltet sich schwieriger, weil der Typ nicht imstande ist das selber zu regeln und kurz vor der Klinikeinweisung, weil ihn das alles überfordert, nicht intellektuell, aber so halt. Telefonate mit der Sparkasse Recklinghausen, ob und wie wir das alles schriftlich machen können. Was die brauchen. Termin mit der Wohnbetreuung und dem Mandanten am Freitag. Wollte eh nicht den ganzen Tag frei machen. Telefonat mit dem Bruder, der enterbt wurde, aber die 4 Sparbücher hat ohne die wir nichts anfangen können. Er willigt ein, sie beim Sachberater abzugeben.

Ich fahre in die MHH. Das Fahrrad lasse ich am Kröpke stehen und steige in die Bahn. Es ist eindeutig zu windig und das nervt, gerade wenn man mit Hütchen fährt, was einem immer fast vom Kopf geweht wird.

Verfahrenspflegschaft für eine junge Frau, die fixiert ist und nach PsychKG untergebracht. Hatte gestern angerufen. Telefonieren geht nicht, muss ich mich hinbewegen. Auf dem Weg dorthin kaufe ich 2 weitere Kalender und neue Bettwäsche, die mich total glücklich macht. Mit der schweren Einkauftüte Einrichtung Bettenburg. Sie ist nicht nur fixiert, sie hat auch jemanden der am Bett sitzt und sie bewacht, ein indisch aussehender junger Mann, der Student ist. Sie hatte in der Fixierung, die nicht kurz genug war, die Klammern aus einer 20 cm langen Bauchnarbe entfernt und die wieder aufgemacht. Sie hat wohl auch versucht Feuer zu legen auf Station. Jetzt ist sie sediert. Im Bett liegt eine sehr kräftige junge Frau, persischer Abstammung. Der dralle Körper ist übersäht mit Narben, die sie sich selber zugefügt hat. Ihre Stimme ist sanft. Irgendwie sieht sie es ein, dass die Angst haben, sie loszubinden, aber Fixierung seit Freitag ist auch doof und die Betreuerin soll sich mal blicken lassen. Immer wieder nickt sie weg von den starken Beruhigungsmitteln. Sie wollte eine Traumatherapie machen und hier kam es zum Eklat. Das Personal spricht mit Respekt vor ihrer ungeheuren Kraft, die sie dann hat und dem unbedingten Zerstörungswillen, sie sei sehr rabiat gegen sich selber und blitzschnell. Jetzt wird sie für Klogänge defixiert, wenn ausreichend Personal da sei. Sie hätte heute Morgen auch rauchen dürfen, sie fragte danach, wollte sich dann aber von sich aus wieder ins Bett legen. Ich versuche ihr das zu erklären und, dass eine Beschwerde nichts bringt. Der Fixierungsbeschluss läuft bis zum 05.10. und ich melde mich Montag noch mal. Immerhin hat sie schön Bettwache und kann interessante Gespräche mit den Studenten führen, wenn sie nicht vor sich hin dämmert. Das rate ich ihr zumindest. Jetzt sitzt eine junge Frau an ihrem Bett. War wohl Wachablösung. Sie schläft wieder als ich gehe und sieht aus wie ein großer Engel mit weichem Gesicht und dunklen Haaren.

Mittags kurz ein Honigbrot und einen Kaffee zuhause und die braune Bettwäsche mit leichten Retromustern Stephan vorführen, aber vor allem zuhause abladen. Irgendwie sieht es aus, als wäre die Eckkneipe, die aufwendig renoviert wurde und jetzt offenbar wieder eröffnet kurz davor. Es werden Gläser poliert. Auf den Schildern heißt es: Astra im Exil. Der Name ist geblieben, der Laden wurde offenbar in eine GmbH umgewandelt und aufgehübscht. Ich hatte ja auf was völlig Neues gehofft.

Nachmittags weitere Termine. Der letzte ist mit Elisabeth. Sie bekommt schwer Luft und stöhnt aber übertrieben bei mir im Zimmer herum. Dann, sie muss was trinken. Oh, ist das Safran-Tee? Lecker. Nein, Früchtetee. Bekomme ich eine Tasse? Ja, ausnahmsweise. Lecker. Sie zeigt mir einen Ausdruck von Erwin J. Dezernent für Soziale Infrastruktur bei der Region Hannover, ob ich ihr da einen Termin machen könne. Sie will was mit ihm besprechen von früher. Seine Söhne, die damals zusammen in der WG gewohnt haben und der Oliver, der weiße Adidas-Sachen getragen hat, auf den sie stand, ob sie von dem schwanger war. Ihr Haus soll verkauft werden, die beiden Männer die da waren, waren Makler. Sie will jetzt in eine Mädchen-WG. Ich will zu den gesundheitlichen Themen kommen. Die Hausärztin hat sie ins Nordstadtkrankenhaus eingewiesen und sie ist dort wieder gegangen. Was haben die denn mit ihr gemacht? Ja, gar nichts. Eine Frau, die sah aus wie eine Putzfrau wollte ihre Versichertenkarte. Sie hatte Streit mit der Oberärztin. Die hat sie drei Mal gefragt, ob die Hausärztin ihr Penicillin gegeben hat und dann wurde es ihr zu blöd und sie hat gesagt, das haben sie schon drei Mal gefragt, ich gehe jetzt und die hat sich aufgeregt: Ich bin hier Oberärztin. Insgeheim bin ich stolz auf meinen Schützling. Dieses arrogante Ärztepack. Ich sage nur: wenn alle Schizophrenen zusammen stehen, habe die Ingenieure keine Macht mehr über uns. Ich sage, Antibiotika soll sie nur nehmen, wenn sie einen bakteriellen Infekt hat. Das sei grün in ihrer Nase. Hatte sie denn Temperatur, frage ich. 34 °. Ich sage, das sei Untertemperatur. Das habe ihre Mutter auch gesagt. Wie kann sie 99 Kilo wiegen bei Untertemperatur? Das passe doch nicht zusammen. Im Laufe unseres erbaulichen Gesprächs merke ich, dass wir vereinbart hatten, dass sie in der ersten Woche immer kein Geld bekommt, weil die Vermieterin ihr da 100,- € gibt und damit eine Schuld bei ihr abzahlt. Ich entschuldige mich, dass ich sie umsonst herbestellt habe und frage, ob sie denn Geld hat. Sie sagt, 100,- € von der Mutter zum Geburtstag, davon soll sie sich eine Spüle kaufen und von der Vermieterin bekommt sie auch noch Geld und das macht doch nichts, sie komme gerne zu mir und unterhalte sich gerne mit mir.

Beim Sport fragt mich Luisa, ob ich einen Veranstaltungstipp für sie hätte. Ich sage, nein, weil wir Morgen zu meinen Schwiegereltern fahren und ich gar nicht geguckt habe. Kurz darauf stellt sich heraus, dass sie vom Tanz in den Mai ausgeht. Eine süße Verwechslung der Perserin, die allerdings hier sozialisiert wurde, die ich gerne unterstützen würde. Lieber 2 x im Jahr Tanz in den Mai und den Deutschen Feiertag dafür streichen. Auf dem Weg nach Hause vom Sport ist es dann so weit. Das Exil „neu“ ist in Betrieb.

Zuhause schauen wir Österreich Nachrichten. Erste Meldung ein Erdbeben, bei dem nichts passiert, keine Sachbeschädigung mit einem Experten im Studio, der Auskunft darüber geben soll, was denn bei so einem Beben passieren kann oder könnte. Was sind das für Nichtmeldungen? Ich sage zu Stephan, es kann eine Kaffeetasse zu Bruch gehen, die z.B. ziemlich auf der Tischkante steht bei so einem Ereignis. Dann geht es um die Wahlergebnisse in Österreich. Ein deprimierendes Thema. Stephan stellt die Theorie auf bzw. fragt, ob das bedeutet, dass Österreich jetzt ausstirbt, weil bei den Frauen unter 29 wählen 30 % grün und ca. 10 % FPÖ und bei den Männern sei es umgekehrt. Welche vernünftige gebärfähige Österreicherin lässt sich von einem Vollpfosten schwängern? Berechtigte Frage.

Essen und Essen

Bei herrlichstem Sonnenschein machen wir unseren Büroausflug nach Köln. Am Vierertisch nebenan sitzen 2 ältere Pärchen, die auch daher kommen wie ein Büroausflug, spaßfrei trotz Lachbonbons, die verzehrt werden von den rüstigen Rentnern. Ich rege mich auf über das Bahnurteil. Mein Rechtsverständnis ist damit wieder einmal nicht kompatibel. Die Bahn muss entschädigen bei höherer Gewalt? Und wer zahlt denn den Autofahrern Schmerzensgeld, wenn sie vor lauter Baustellen Stunden später als geplant ankommen? Ich kann es nicht begreifen.

Wie immer staunen wir über den Kölner Dom, steigen dann aber ins Taxi. Der Fahrer versprüht keine Kölner Unterhaltsamkeit, sondern hat ausgesprochen schlechte Laune. Mein Kollege fragt, wie das Fenster hinten zu öffnen geht. Erst ignoniert er die Anfrage und sagt dann auf eine erneute Nachfrage kurz angebunden und grantig: „wir sind gleich da“. Das muss reichen und es ist sein Fahrzeug. Das Chelsea Hotel

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sieht uns nur kurz, denn wir haben eine Mission. Das Le Moissonnier, eines unserer (d.h. Stephans und meiner) Lieblingsrestaurants in ganz Deutschland.

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Daher auch mein heutiges Outfit. Ganz klar: ich will mich einschleimen, auch wenn es eher die belgische Flagge ist, die ich in Herzform als Hütchen trage. Ich bin zuversichtlich, dass die Botschaft verstanden wird. Der Laden ist schön, locker und lecker. Wir laufen zu Fuß dort hin und schauen uns auf dem Weg Köln an. Es gibt viel Fitness und Piercing im Belgischen Viertel. Der Laden „Body Consult“ mit drei muskelbepackten Kerlen davor gefällt mir besonders, aber auch in anderen Läden kann man durch Schaufenster sehen wie Männer, die total verkabelt sind irgendwelche körperlichen Übungen machen und das offenbar gemessen und aufgezeichnet wird (Fitnessanalyse?).

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Es werden auch Fotos gemacht vor Häusern, die ich als typisch Köln empfinde und deklariere (Klinker, halt)

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und immer wieder der Dom am Ende der Straßenschlucht als Kulisse.

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Nach kurzem Blick in die Karte, zuerst in die Aperitifkarte, die ich so liebe, dann in die andere, entscheiden wir uns für das Menü. Ich bekomme zu meinem Aperitif so eine lustige Gabel, damit ich die Kirschen im Champagner harpunieren kann. Ich frage nach um zu erfahren, dass es sich um eine Austerngabel handelt.

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Wir werden nicht enttäuscht und das Essen hat sich sogar noch gesteigert gegenüber den Vorbesuchen. In der Vergangenheit waren die in drei Teilen servierten Gänge z.T. sehr klein und fast kalt und man hatte etwas den Eindruck lauter Grüße aus der Küche zu essen und ich weiß, wie toll hier Fisch zubereitet wird und wollte daher eigentlich eine Fischvorspeise in á la Carte Größe und ein Fischtagesgericht, so richtig viel und befriedigend, aber das Menü lockt doch und die Entscheidung muss tischweise gefällt werden. Kalbsleber mit Minzöl, Senfeis, Rohkost u.a. mit rote Beete und Zwiebelringen, die Vorspeise ist schon mal köstlich und mein Bedauern, dass es keine Gänsestopfleber gibt, ist sofort verflogen.

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Dann geht es weiter mit Thunfisch, Sashimi-Style mit Meerrettich und Kokosflocken, gratinierte Muscheln und einer lackierten Sardine bei der der Schwanz hinten nur angelegt ist zur Deko (easy eat, wie der Japaner sagt). Ich bin aus dem Häuschen vor Freude.

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Der St. Petersfisch, ganz glasig ist der Hammer und auch der Zwischengang, eine moderne Interpretation einer Paella mit Puffreis und einer kleinen Sangria im Schnapsglas (irgendein Alkohol mit Mango oben drauf) dazu ist sehr gelungen. Ich bin durch den Alkohol gelockert und halte mir vor Überschwung das Buttermesser an die Pulsadern. Es hat einen dicken Holzgriff auf dem es sogar prima stehen kann und keinen Teller benötigt.

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Dann gibt es Kaninchen mit orientalischen Gewürzen und Auberginenmus und Couscous. Wir teilen uns einen Käsegang (Kümmelgelee zum Neutralisieren) und dann gibt es Nachtisch. Walnussbrownie und Cheese Cake als Nachspeise, ohne Kuchenteig, sowie die üblichen Leckereien aus der Küche zum Kaffee.

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Auch die Weinbegleitung ist gut und wir sind erneut überzeugt von dem Laden. Der Inhaber fragt mich beim Gehen was eine Berufsbetreuerin sei und schaut mitfühlend und sagt was davon, dass ihm immer die Familien leid tun würden.

Ich und noch mehr mein Kollege sind in Tanzstimmung. Der Student, der uns an diesem Abend begleitet, weiß aber auch nicht, wo hin mit uns. Diverse Läden mit Schlangen vor der Tür, grässliches Jugendvolk, Tussis mit French Nails und „Damen umsonst“ schrecken uns ab und so landen wir im Hallmackenreuther, wo man zwar nicht tanzen kann, aber die Musik gut ist.

Ich schlafe nicht so gut und brauche dringend einen Kräutertee. Den bestelle ich unten im Café und schütte ihn zu dem Leitungswasser in meine Sigg-Flasche. Wir frühstücken bei Schmitz, einer ehemaligen Metzgerei, in der es viele Quiche und Kuchen gibt. Ich sitze im Schaufenster und die Sonne wärmt meinen Rücken.

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Der Metzger-Laden gehört zu dem Café nebenan, welches viel größer ist und ganz nostalgische Toiletten hat.

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Gegenüber ist ein toller Ballonladen, aber die Ware ist leider zu unpraktisch für Reisende. So gerne hätte ich mir einen kleinen Corgie-artigen Hund gekauft….

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Nach einem Besuch im Magazin, einem Möbelladen, für mich etwa genauso spannend wie Ikea, müssen mir alle zum Uni-Viertel auf einen Flohmarkt folgen.

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Auf dem Weg dorthin wird ein Straßenfest aufgebaut. Ich kaufe ein Buch aus den 50er oder 60er Jahren über Haustierhaltung für Kinder. Die Aquarien und Terrarien sind winzig klein und darin soll man Feuersalamander halten?  Papageien kommen darin genauso vor wie diverse Äffchen und eine griechische Landschildkröte, jeweils mit Haltungstipps. Es gibt zwar noch Zoos, aber die Zeiten haben sich doch etwas geändert, stelle ich fest. Nicht einmal Rihanna darf so was noch!

Auf dem Flohmarkt gibt es Karnevaldevotionalien und Vieles mehr, auch einen tollen Blick.

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Vor der Abfahrt zieht es die Gruppe in den Dom. Ich warte mit dem Gepäck vor der Tür. Ja, es muss wirklich ziemlich nach einem Wunder oder einer religiösen Erscheinung innen ausgesehen haben, aber mir reichen die Bilder auf dem Bildschirm der Kamera. Ich bin faul, auch wenn der Zauber wirklich gut ausschaut. Es sind die Glasfenster von Gerhard Richter, wenn ich es richtig verstanden habe.

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Andererseits sieht es auch zu niedlich aus, wie ich auf der Domplatte warte mit dem Gepäck. Dabei lese ich mein neues Haustierbuch….

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Mit einem Regionalzug geht es nach Düsseldorf und dann nach Essen. Im Zug ist es voll. Auf einem Viererplatz sitzt eine Frau mit dunklen Haaren, die einen Werbeballon trägt und Dienstbekleidung mit Werbung hinten auf dem Rücken und denke sofort: die kenne ich von Shopping Queen. Das ist peinlich, aber wahr. Manchmal wenn ich am Basteln war am Wochenende lief das und es war auch die Sendung aus Düsseldorf mit dem Thema „Traumhochzeit“ und sie war als erste dran und hat sich ein ganz spießigen, weißes Kleid ausgesucht und an den Outfits der anderen immer viel rumkritisiert (sie hat aber Gott sei dank nicht gewonnen, sondern ist zweite geworden). Sie hat Hasen als Haustiere und lebt mit ihrem Freund zusammen in einer kleinen, hässlichen Wohnung. Ich sage Stephan nichts, aber als die Frau aussteigt, sagt Stephan zu mir, guckt man cool, die kann japanisch. Auf ihrem Namensschild steht Franziska mit einer japanischen Flagge als Zeichen, dass sie diese Sprache spricht und ich erinnere mich daran, dass es in der Sendung auch Thema war, dass sie japanisch spricht und einen Satz auf japanisch sagen sollte und der Vorname stimmt auch. Die Bestätigung meines Verdachts, quasi.

Die Freundin und der jüngere Sohn holen uns vom Bahnhof ab. Wir wollen keine Eisdiele, sondern lieber gleich mit dem Gepäck mit dem Taxi zu unserer Gastfamilie. Der Taxifahrer überholt einen Bus, der gerade nach Blinken ausschert, nachdem er an einer Haltestelle gehalten hatte, aber wir überleben knapp. Die Freunde wohnen steil am Hang, es gibt dort einen schönen Blick vom Balkon und auch leckeren Kaffee. Die Gastgeberin nimmt zwei Blazer aus meiner Sammlung und ich bin glücklich, dass sie ihr so gut stehen. Ich nenne den jüngeren Sohn mal „Häh?“, weil das fragt er gerne und ich habe diese Eigenschaft von ihm übernommen. Häh will Star Wars Quartett spielen und sagt die Zahlen 6 und 7. Das sind dann Siebenundsechzig Abwehrpunkte von dem Jedi-Ritter.

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Beim Autoquartett (Autos 1976, mein Gastgeschenk neben Manschettenknöpfen für den Vater, dessen Sammlung ich bei jeder Gelegenheit auffülle und einem Schlüsselbundanhänger aus Paris mit Tennisschläger und Perle als Ball, seit frühster Jugend schenke ich dem Vater Tenniskitsch)

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können wir nur oben, d.h. Zylinder (geht wohl bis 8) oder unten Türen(geht bis 4) als Kategorien nehmen. Dazwischen will Häh mit Stephan tollen. Er nennt ihn Steffi und Steffi ist der Bär, auf dem er kreischend herum klettert. Die beiden sind herrlich zusammen und es gibt eine tolle Fotoserie, die ich allerdings leider nicht verwenden darf an dieser Stelle. Daher mache ich Übersprungsfotos im Kinderzimmer…

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Vater und der ältere Sohn V. kommen am späten Nachmittag von einem Tennisturnier des Sohnes wieder. Ich sage, was den ganzen Tag Tennis gespielt und Morgen vielleicht noch mal? Das lässt sich doch vermeiden durch Bälle ins Aus schießen und dann kann man das Elend schneller beenden. Der junge Spieler hat Ehrgeiz und würde das nie tun. Seine Freunde klingeln und wollen noch in den Wald. Das geht nicht, weil der Babysitter erwartet wird. Der tapfere Babysitter wird tatsächlich noch einen kurzen Spaziergang mit den Jungs und dem Freund in den Wald machen an diesem Abend.

Wir fahren zu der Lesung eines Freundes. Dieser liest in einem putzigen kleinen Laden, der wie eine Wohnstube eingerichtet ist.

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Die Wirtin hat kein Bier kalt gestellt. Außer uns ist noch ein weiteres befreundetes Pärchen anwesend. Unser Gastgeber sagt seinem Freund, dass wir einen Tisch vorbestellt haben und nur ca. 1 Stunde Zeit. Dieser scheint schwer enttäuscht und muss jetzt seinen ganzen Plan ändern. Erst mal isst er Bratkartoffeln, die nach 10 Minuten angeblich noch zu heiß zum Verzehr sind. Dann kommt die Poetry Slam-artige Geschichte, die davon handelt, dass der Autor immer wieder Frauen rettet, die den Drogen und dem Alkohol verfallen sind vor diesen Substanzen und ihrem fiesen Ex-Freunden und ihnen dann die Wohnung einrichtet mit schönen Retro-Möbeln. Statt ihm das zu danken, verlassen sie ihn dann bald und flüchten zurück in ihr altes Leben, der Hölle, aus der er sie errettet hatte. Er bleibt zurück und wundert sich. Stephan und ich teilen uns ein Schnittchen, d.h. eine Luxusknifte und trinken Weißwein.

Wir hatten im Vorfeld mit einem Japaner in Düsseldorf geliebäugelt, aber das ließ sich so spontan nicht umsetzen. Wir gehen noch mal französisch essen und das Menü für 56,- € muss gelobt werden. Rotisserie heißt der Laden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und ich esse gegrillten Ziegenkäse mit warmem Ratatouille-Salat (große Stücke), Ingwersorbet mit Vodka als Zwischengang. Kalbfleisch, rosa und zart 3 kleine Stücke auf Trüffelnudeln und dann entscheide ich mich statt für das Creme Brulée für Ziegenkäse mit Asche und dazu einer überbackenen Feige. (Ich habe mich hier gegen erneute Essensfotos entschieden).

Zuhause gehen wir bald ins Bett, nachdem der Babysitter ausgelöst wurde. Sie schaut Sportschau und 11,- € müssen vom letzten Mal verrechnet werden.

Hannover kann was. Wäre ich sonst da?

25.09. Als ich schon müde war, überredete mein Mann mich zu einer Folge Cesar Millan, was dazu führte, dass wir gleichzeitig ins Bett gingen und ich viel zu gesprächig war, sprich aufgekratzt und nicht einschlafen konnte. Das endete im Gästezimmer. Morgens will ich mir ein Brot machen und schneide mir erst mal mit dem dicken, geriffelten Brotmesser kräftig in den Finger.

Das Wetter beschert einen Nieselregen, der zunächst kaum merklich ist und wie eine Erfrischung daher kommt, aber nach und nach wird man doch einfach naß und das Wasser läuft einem übers Gesicht.

Manche, z.B. hiesige Modedesignerinnen, die ich unlängst aufgesucht habe, lästern über die schlecht angezogenen Hannoveraner. Das würde in der Wertung direkt nach Braunlage kommen usw. Das finde ich immer müßig, mir Gedanken darüber zu machen, wer, wie angezogen ist. Natürlich ist es mir auch schon aufgefallen, dass, gerade Frauen ab 60, in Italien und auch in Wien bedeutend geschmackvoller gekleidet sind. Hier hat man das Gefühl, dass im Alter alles Richtung praktischer Kurzhaarfrisur, Bequemhose und Funktionsbekleidung tendiert. Als hätten alle ihren Geschmack abgeschafft und würden sich jetzt nur noch auf Werbeverkaufsfahrten einkleiden. Aber was bringt es eigentlich, darüber zu lamentieren? Ich meine, Nichts. Lästern darf man natürlich. Richtig schlimm finde ich ältere Paare im Partnerlook, am schlimmsten wenn beide diese Selbstmordattentäter- Baumarktwesten tragen, so wie unsere früheren Miteigentümer. Da reagiere ich allergisch drauf. Statt die Hannoveraner zu dissen für ihren schlechten Modegeschmack bin ich ihnen dankbar, dass ich hier so viel machen kann und sie mich überwiegend in Ruhe lassen oder positiv reagieren. In Oberfranken z.B. wäre das undenkbar. Da gibt es Menschen die so dreist glotzen, dass sofort ein Menschenauflauf entsteht und mein Vater nicht mehr mit mir in die Stadt will oder sagt, wenn wir für jeden einen Euro kriegen würden, dann wären wir reich oder er weiß nicht, wer mehr Aufmerksamkeit erregt meine behinderte Schwester (die sehr auffällig ist) oder ich und recht hat er, es wird so oder so geglotzt was das Zeug hält mit Stehenbleiben und der Mund ist offen oder mit dem Finger zeigen und andere darauf aufmerksam machen. Hier hingegen kann ich friedlich vor mich hinleben und mich eben auch ausleben und das ist mir sehr viel Wert und dafür bin ich den Hannoveranern unendlich dankbar. Denn auch wenn meine Eltern und auch vereinzelt andere mir das gerne unterstellen, es ist nicht die Lust auf Provokation, die mich dazu bringt, Hütchen zu basteln und ich fühle mich damit auch ganz normal und mache es weder für Lob noch für Tadel der anderen. Schlimmer als die Oberfranken sind vielleicht noch die Bewohner meiner Geburtsstadt Stuttgart. Hier ins Museum gehen, dann ist man selber die Attraktion und Stephan hat etliche Male, die kurz antippen wollen, um sie da raus zu „snappen“, wie Cesar Millan sagt, wenn das Gehirn zu sehr sich gerade ins Glotzen versteift und man es durch eine körperliche Berührung da raus bringen muss. Aber auch die coolen Hanseaten sind ganz schön uncool und bekommen hier eine schlechte Note von mir. Ganz selten passiert es, dass ein Hütchen hier für etwas mehr Aufsehen sorgt und das war heute der Fall. Das für mich unscheinbare „Dean and Deluca“ Kaffeebecherhütchen hat es den Hannoveranern angetan. Ein Mann im Hauptbahnhof auf der Rolltreppe strahlt mich an und sagt, dass sei bestimmt die neue Mode von Karl Lagerfeld. Ich bin Richtung MHH unterwegs und freue mich, dass ich heute nicht in die Abteilungen der körperlichen Leiden muss, sondern schön in die Psychiatrie. Unterhalte mich lange mit der Frau und auch gut und kann ihr das ein oder andere erklären. Sie bedankt sich für meinen Besuch. Mein Fahrrad habe ich am Bahnhof stehen lassen. In der Unterführung treffe ich meinen früheren Ausbilder und kreuze die Straße und fahre zu ihm hin. Er trägt ein blütenweißes Hemd und hat heute seinen letzten Sitzungstag. Was für ein Zufall, weil wir uns selten begegnen und, wie die Zeit vergeht. Ich mag ihn sehr gerne. Er und seine Frau sind jetzt öfter in Basel bei der Tochter und wir wollen uns mal wieder privat treffen. Ich kaufe zwei weitere Bastelkalender (es werden dann dieses Jahr 7 Stück sein, die ich mache) und fahre zurück ins Büro. Aufgrund meiner Schwerhörigkeit erschrecke ich mich leicht, weil ich z.B. Leute nicht höre, die sich nähern und mich dann total verjage. Das führt automatisch zu schlechter Laune. In der Adolfstraße radelt sich eine Frau von hinten an mich ran und sagt: Sie sind ganz schön flott unterwegs. Ich erschrecke mich. Sie will dann meinen Haarschmuck erklärt bekommen, was das sei. Das ist nicht die originellste Anmache, aber sie passiert halt selten hier und der Mann mit Lagerfeld war da schon eher lustig, dass ich es weder blöd noch störend fand.

Herr A. hatte einen Kokainrückfall und wurde aus der Klinik rausgeworfen. Heute kann mir nichts die gute Laune verderben. Ich liebe die Ohrringe, die ich trage. Ganz kleine Stöpsel für Waschbecken, die ich mal in einem Haushaltswarenladen auf Mallorca gekauft habe vor Urzeiten. Heute Abend wieder das therapeutische Yoga.

Nachmittags kommt eine andere Alkoholikerin, die ich betreue. Ihr Ex, der immer zwischen Knast und Entziehungsanstalt und draußen pendelt bedroht und stalkt sie. Er tritt die Wohnungstür ein und sie lebt in Angst vor ihm. Sie war zuletzt bis zum 19.09. in der Entgiftung und er war wohl schon mehrfach bei der Wohnung und hat sie gesucht und dann ihr Fahrrad beschädigt (lässt sich vermutlich schlecht nachweisen). Als sie wieder da war und ihn nicht ins Haus lassen wollte, tritt er gegen die Hauseingangstür, die seit dem nicht mehr schließt und ruft: ich bringe Dich um und deinem Hund drehe ich den Hals um. Dann kommt er irgendwie ins Haus und tritt jetzt gegen ihre Wohnungstür, während sie sich im Schlafzimmer verpisst hat und die Polizei ruft. Als die kommen, ist er schon abgehauen. Diesen Sachverhalt will sie Montag, den 22.09. auf der Dienststelle zur Anzeige bringen und die weigern sich eine Anzeige aufzunehmen. Sie solle sich erst mal eine einstweilige Verfügung holen. Witz komm raus. Wir haben keine Zustelladresse. Die Bewährungshelferin von ihm hat mich immer angerufen um zu fragen, ob ich wüsste, wo er ist. Ich hatte gestern in der Büttnerstraße, einer Männerunterkunft nach ihm gefragt, aber dort war er zuletzt bis zum 30.04.2012. Wir machen die Strafanzeige jetzt schriftlich und die Polizei soll sich erklären, warum sie es nicht für notwendig hält hier zu ermitteln, ob Sachbeschädigung, Hausfriedenbruch und Bedrohung auf einmal nicht mehr ausreichen und sich bis zum 30.09. erklären, ob sie bereit sind beim nächsten Einsatz ihm das Schriftstück auszuhändigen und damit zuzustellen, weil wir sonst keine Chance haben. Das klappt dann allerdings meistens auch nicht. Ich dachte nur, diese Stalker würden mittlerweile ernster genommen.

26.09. Ich träume toll, dass irgendein Typ mit ganz süß was Gebasteltes geschickt hat in einem Päckchen. Es sind zwei kleine Skateboards als Holz. Ich bin entzückt und will mir ein Hütchen daraus machen und probiere schon mal die Position am Kopf vor dem Spiegel. Dann treffen wir den Typen zufällig auf der Straße und geraten in Köln (?) in den tollsten second hand Laden, den ich in Wirklichkeit nicht finden darf. Ein Designerkleid mit metallic Glitzer und weit ausgeschnittenen Ärmelausschnitten ist zu klein, aber dann geht es weiter mit einem Morgenmantel. Hinten nur weiß, aber vorne das tollste asymmetrische Muster mit Gebäuden drauf. So was habe ich noch nie gesehen, brauche ich dringend, obwohl ich von Morgenmänteln auch schon eine stattliche Sammlung habe. Dann finde ich ein weiteres Kleid und das hat so lustige Strippen und wenn ich daran ziehe wird es zum Mini. Sowas habe ich auch noch nie gesehen. Begeistert demonstriere ich das dem Typen, den ich in Wirklichkeit nicht kenne und sehe meine Beine von hinten im Spiegel. Sehen gar nicht so schlecht aus, wäre da nicht dieser dicke Pickel. Das wiederum ist ein Teilstück aus der realen Welt, nur, dass dieser am Oberschenkel meines Mannes wuchs. Schon lustig, wie ich beim Träumen alles so schön durcheinander mixe.

Beim Kundalini-Yoga kommen nur tiefe Gefühle der Dankbarkeit, wenn ich meditiere. Für was anderes scheint kein Raum da zu sein. Das finde ich gut.

Der Arbeitstag gestaltet sich stressig. Ich versuche was mit einem neuen Fall zu klären und muss ewig der Rechtsschutzversicherung hinterher telefonieren. Junge Menschen, die schlimme Verträge abschließen, in denen sie 8.000,- € praktisch ohne Gegenleistung zahlen sollen. Kommen mit Mutter, die vor der Begrüßung gleich die Rechtsschutzkarte überreichen will, wie in einer Arztpraxis.

Das Heim von Frau P. ruft an, das Post da sei vom Amtsgericht Coburg und die läge da schon länger und sie hätten sie jetzt aufgemacht auf Wunsch von Frau P. Ein Mahnbescheid vom 09.09. wird mir zugefaxt. Es geht um eine Haftpflichtversicherung, die zum 03.03. schon aufgehoben werden sollte und jetzt versuchen die hintenrum über eine Zustellung ans Heim sich einen Titel zu besorgen. Mache eine Runde Thermik, hat sich aber alles erledigt und überschnitten. Gut wäre für die Zukunft, wenn das Heim früher solche Dinge melden würde. Das muss ich denen noch mal erklären.

Nachmittags kommt wie immer die Frau aus der Frauenunterkunft, die ihre Medikamente abgesetzt haben soll nach Auskunft der Sozialarbeiterin des Wohnheims, in dem es Beschwerden gegeben habe von Mitbewohnnerinnen, weil sie sich zunehmend obszön äußere (diese Entwicklung sei bei der letzten Einweisung auch so gewesen) und nackt herum laufe und in Unterwäsche am Fenster rauche. Nach meinem Kenntnisstand hat sie die Medikamente gleich nach der Entlassung aus der Klinik gar nicht mehr weiter genommen. So hatte sie es mir gesagt also quasi von Anfang an, zumindest seit ich sie kennen gelernt habe nach einem Betreuerwechsel. Sie kommt mir ganz unverändert vor. Kommt pünktlich ihr Geld abholen und ihre Art ist speziell, aber darin konstant und ich kann keine Veränderung feststellen. Ich spreche mit ihr darüber Einweisungen zu vermeiden. Der Arzt hatte wohl vorgeschlagen ein Bedarfs- oder Notfallmedikation zuhause vorrätig zu haben. Das halte ich für eine gute Idee und rate ihr dazu.

Dann kommt danach wieder Elisabeth Taylor. Die Vermieterin hatte so eine geile Betriebskostenabrechnung gemacht mit 635,85 und dann handschriftlich abzüglich gezahlter Abschläge 50 = 300 macht 33,85 € noch zu zahlen. Stephan und auch dem Sozialamt war dann aufgefallen, dass 12 x 50 600 macht und daher nur 35,85 € noch ausstehen. Das sage ich ihr dann auch bei einem Anruf.

Elisabeth ist wieder super drauf: Die Vermieterin klingelt immer, wenn sie auf dem Klo sitzt, das sei schon das zweite Mal passiert. Sie hat Angst bekommen und gefroren. Die Vermieterin sagte, dass Dienstag zwei Männer vorbei kommen würden und sie zuhause sein soll und sie habe gedacht, die kommen wegen Exorzismus, um ihr den Dämonen auszutreiben, weil sie Fingernägel trägt und raucht. Ich sage, ihr Prospekt aus Krelingen „Mensch sein- Gott begegnen“ mache mir Exorzismus und lasse ihn auf den Schreibtisch fallen. Wenn sie mir so was noch mal zuschicken lässt, flippe ich aus. Sie hat denselben Prospekt bekommen, also bewerben die mich jetzt vielleicht von sich aus oder ich bin anderweitig in deren Datenpool gelangt. Sie überreicht mir Prospekte über Hospizdienst und sagt dazu, sie hat sich erkundigt wegen Friseurhandwerk. Hähhhh? Sie will wechseln vom VPE (Anm.: Verein Psychiatrie Erfahrener) zum Evangelischen Frauenbund. Sie hat jetzt fast alle Vereine durch. Das stimmt und das glaube ich ihr sofort. Ich soll mir einen Wasserbrunnen hinstellen mit einer Kugel, die sich dreht, das hilft bei der Konzentration und gegen Stress. Letztes Mal sollte öfter mal einer bei mir putzen und Staub wischen wegen Wanzen (Abhörwanzen waren gemeint) oder vielleicht ist es ihr auch zu schmuddelig in meinem Büro. Dann redet sie weiter über den Brunnen, den gibt es auch mit Nebel und ihre Mutter wollte so einen mit Wasser und dann zu ihren Pflanzen. Das wäre professionell und wirke wie bei einer große Firma, so ein Brunnen. Das passt zu mir, ist sie der Meinung.

Abends gibt es Blumenkohl- Kartoffelsuppe und Michael isst mit uns. Ich habe eine neue Freundin, es ist eine wunderschöne Spinne an der ich meine Spinnenangst abarbeite bzw. überwinde, indem sie mein neues Haustier ist und ich durch die Glasscheibe ihr schönes Netz bewundere. Leider hat sie es vor die Balkontür gebaut und so wird es immer zerstört, wenn einer rausgeht und sie darf dann tagsüber nicht schlafen, sondern muss derbe Reparaturarbeiten verrichten. Ich glaube nachdem Michael rauchen gegangen ist und sich kräftig gegen das Netz gewehrt hat, wird es morgen besonders schlimm sein.

27.09. Mild soll es sein? Davon merke ich nichts und hole meine Avocadopflanze vom Balkon in den Wintergarten und ziehe eine Angoraunterhose an, bevor ich heute in aller Früh nach Herrenhausen fahre. Beim Zusammenräumen der Bastelunterlagen beschließe ich, dieses Jahr 9 Kalender zu machen, es macht Spaß und Material ist reichlich vorhanden. Beim Radfahren stelle ich fest, Handschuhe hätte ich auch gebrauchen können. Es ist Reif, so heißt doch der gefrorene Tau? auf dem Gras und den Pflanzen am Boden. An dem Radweg neben dem Bad/Wasserkunst wird gebaut und ich muss den unschöneren Radweg an der Schnellstraße entlang nehmen und kann nicht meinen Lieblingsradweg in Hannover fahren, bei dem man den Eindruck hat, dass man in Montana U.S.A. sei, verwachsene Baumallee, Felder mit riesigen Bäumen in der Mitte abgesteckt durch lustige, gebastelte Holzzäune. Manchmal sind auch Kühe oder Rinder auf den Weiden. Ich liebe es hier und fühle mich immer als wäre ich woanders.

Bei meinem Betreuten sind die Briefkästen vor der Tür. Seiner ist recht voll, aber wohl nur mit Werbung, was ich so ertasten kann. Er macht nicht auf. Ich komme schließlich über einen Nachbarn ins Haus, weil ich dann auch bei denen klingele und oben an der Haustür steht nicht mehr sein Name, sondern ein anderer. Ich bin verunsichert und kontrolliere das noch mal anhand der Klingel. Klingele und klopfe dann an seine (ehemaligen?) Wohnung.  Aufmachen tut keiner. Er hatte einen Untermieter, der aber wieder ausziehen wollte. Ist er im Ausland, Iran und hat sich nicht abgemeldet? Ist er woanders hingezogen und hat dem Untermieter die Wohnung überlassen, die er bzw. das Amt weiter zahlt? Was soll ich dem Amtsgericht in dem anstehenden Jahresbericht melden?

Der Kollege hatte mich vorgewarnt, dass Frauen im Büro sein würden. Er veranstaltet irgendeine Sitzung (es ist ein Seminar wie ich von der Mitarbeiterin höre) in unserem Besprechungszimmer und kennt mich gut genug, dass er weiß, dass ich sonst unbeherrscht auf Eindringlinge reagiere. Abweisend bin ich so oder so.

Der Commerzbank muss ich wieder auf ihren Systemfehler hinweisen. Der Mitarbeiter gibt mir Recht, dass er meine Unzufriedenheit verstehe und es auch so nennen würde „Systemfehler“. Die sollen in einer Betreuungssache einen Dauerauftrag ausführen über 1.900,- € und jeden Monat klappt es nicht und zwar grundlos, einfach weil die Bank es nicht hinbekommt das so einzustellen, dass es funktioniert. Was soll man davon halten. Ich freue mich, dass ich bei einer anderen Bank bin. Ich sage nur: „Kuuuchen“.

Das Jobcenter ruft mich zurück. Eine Seltenheit. Hat vielleicht gereicht, dass ich der Tante im Callcenter sage, dass es um 2.700,- € geht, die ihnen sonst durch die Lappen gehen. Die Alkoholikerin, die jetzt neu Rente bekommt, hat die Rentennachzahlung auf ihr Konto bekommen, obwohl das Amt eine Erstattung gegenüber der Deutschen Rentenversicherung angemeldet hat. Das ist der Fehler der Rentenversicherung. Darf ich ihr jetzt raten es zu verprassen. Sie sagte gleich: Hundefutter, neue Waschmaschine. Ich habe zur Besonnenheit gemahnt. Mal schauen, was das Wochenende bringt. Die Sachbearbeiterin kann mir nämlich keine Auskunft geben und muss erst die Teamleiterin befragen und meldet sich Montag oder Dienstag. Dann kann es natürlich zu spät sein….

Im Zug soll weder Doppelkopf noch Skat gespielt werden, weil nicht alle das Kartenspiel gleichermaßen beherrschen. Uno oder Mau Mau oder einfach unterhalten und aus dem Fenster schauen 2 ¾ Stunden sind kurzweilig.

Was mir nach dem heutigen Vormittag bewusst wird, ich lebe nicht seit über 25 Jahren in derselben Stadt. Es ist nicht dieselbe wie damals; ich bin auch nicht dieselbe. Wenn ich am Bad vorbei fahren, was heutzutage mit Stacheldraht umzäunt und mit großflächigen Fassadenbildern verziert, von den Pflanzen zurück erobert wird, sehe ich die Kasse von damals und wie wir anstehen um in die Disse reinzukommen. Ich sehe meine Jugend. Es gab das Hannover der 80er und 90er Jahre (viel von Punkrock und Chaos-Tagen geprägt), dann das Hannover des Expo (mehr Glocksee, zumindest für mich und gut, die spielte auch in den 90ern schon eine Rolle) und jetzt das heutige Hannover (eher Lindener Markt, aber weniger als die anderen, die ihn wirklich lieben, dann die Museen und die Oper und die Radwege, die für mich eine Rolle spielen, sowie die Restaurants und Cafés der Stadt, Yoga und movenyo und der Küchengartenplatz). Mindestens diese 3.

Wieder im Netz

23.09. Schlafe ausversehen bis 8:30 Uhr obwohl wir Besuch haben. Der tummelt sich schon in der Wohnung. Schnell Kaffee. Ich ins Büro, Gäste Richtung Insel. Herr W. ist in den Hospizen von Hannover auf der Warteliste, außerdem hat er einen neuen Termin in der Radiologie zum CT, beim Maßregelkandidaten suche ich einen ambulanten Wohnbetreuer, schildere den Fall und warte auf Rückruf, ebenfalls Polizei erreicht in der Sache Hausbesuch, der Kollege, der zu meinem Herrn K. wollte musste spontan Urlaub nehmen, was auch immer das heißen mag. Dennoch schildere ich ausreichend deutlich, dass ich keinen Hausbesuch wünsche und gerne Fragen zur Person wie weitere Vornamen meines Betreuten und den Geburtsort beantworte, aber wir sonst keine Angaben zur Sache machen können. Dann Telefonat mit meiner Mutter. Mein Vater ist unvernünftig, hat eine Schiene am Arm und darf nicht stürzen. Trotzdem zieht er sich die Hose nicht sitzend auf der Toilette an, sondern kommt mit der Hose unterm Arm vom Klo zurück und zieht sie dann auf einem Bein balancierend im Zimmer an. Telefonat mit meiner Schwiegermutter, hier auch erlösende Nachricht: alles gut. Arzt hat ärztedeutsch gesprochen, lauter lange Worte, aber das Ergbenis hat sie verstanden, dass kein Befund vorliegt. Großer Erleichterung bei mir. Will mir langsam eine Brieftaube anschaffen. Ich sehe mich schon, wie ich das Röhrchen mit einer Nachricht fülle und sie losschicke und sie dann bei Stephan am Fenster gurrt und mit dem Schnabel gegen die Scheibe pickt. Dann ruft Stephan an, dass wir wieder Internet haben. Telefon war nur höchstens 10 % des Problems. Jetzt ist alles gut. Wahnsinn, heute ist mein Tag. Ich rufe Paps an und sage ihm, wenn ich es noch einmal höre oder mitbekomme, dass er seine Hose im Stehen anzieht, statt im Sitzen, werde ich für ihn eine Betreuung anregen beim Amtsgericht Bayreuth und dann sei Amtsermittlung angesagt und das wird peinlich für ihn.

Auch die anderen Selbstständigen, sogar die Steuerberater lachen und freuen sich über das Aus der FDP. So ist das zumindest in Linden Mitte. Auf den Plakate stand das auch schon mit abschaffen. Das bezog sich zwar auf den Soli, aber irgendwie ist das missverstanden worden.

Meine Mandantin kommt nicht, sagt aber ab. Beratungshilfe. Letzte Woche hatte sie 10 Minuten warten müssen und sich bei der Mitarbeiterin der Kollegin erkundigt, ob ich überhaupt gut sei. Es geht um Umzugskosten und das Amt will wissen, warum keine Freunde oder Verwandte als Umzugshelfer zur Verfügung stehen. Ich versuche ihr zu erklären, dass das normal ist, weil Frau A. auch entweder selbst zahlen muss oder Umzugshelfer einladen und dann anschließend ein Bier und ein Mett- oder Käsebrötchen ausgeben muss und sie habe 2 Töchter in der Oberstufe, so dass man davon ausgehen könne, dass hier junge Männer, die nicht wüssten wohin mit ihren Kräften die Kartons tragen könnten, auch wenn sie nur bis 2 Kilo darf. Wenn dem nicht so ist, sollte man erklären und plausibel machen, warum und nicht einfach nur schreiben, gibt es nicht. Hatte mich angeboten bei der Formulierung zu helfen. Sie kommt jetzt Morgen. Dann kommt mein Betreuer mit der Gewaltproblematik, die Bewährungshelferin hatte um ein Treffen gebeten. Er kommt in Begleitung seiner Mutter. Ich bin heute gut drauf und sorge für Unterhaltung. Ich frage, ob es neuerliche Vorfälle gegeben habe und er erzählt, dass er zu einem Typen gesagt habe, dass er dessen Lonsdale Klamotten gut finden würde, daraufhin habe er irgendwas geantwortet und nach dem Wortwechel hat meiner ihm dann eine geknallt und ich sage, da würde ich mir an ihrer Stelle Gedanken über Kommunikation machen. Das ist doch als würde ich ihrer Mutter jetzt ein Kompliment machen, dass die Grüntöne in ihren Sachen gut zusammen passen und dann“ bam“ scheuert sie mir eine. Das passe doch nicht zusammen. Wir sprechen über das Anti-Aggressionstraining und das Wort Autogenes Training fällt und er sagt: das kenne er. Da sitzt man mittem im Raum auf einem Stuhl und alle anderen sitzen im Kreis um einen herum und schreien einen an und beschimpfen und beleidigen einen und ich sage: nee, dass ist eher das mit: mein Bein ist ganz schwer. Entspannungsübungen. Ich habe noch ein andere Thema. Ich frage ihn, was ich als Betreuerin mit seinen Internetspielen zu tun hätte und ob mich wirklich alles interessiern müsse. Er schreibt mir am Samstag eine Email mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrte Damen & Herren,

hiermit informiere ich Ihnen folgenden Sachverhalt.

Battelfield 2 / Bad Company 2 beide Spiele funktionieren nicht sobald man einen Server Joinen möchte !!!! Anmeldung ist aber möglich !!!! Bei beiden Spielen !!!!

So ich habe es wieder einmal versuch ein 3tes mal nun und habe jetzt mal Battlefield Bad Company ausprobiert und auch dort musste ich feststellen das mein eigentlicher Soldat der dort schon gespielt hat nicht spielen kann.

Dann hab ich einen 2ten Soldaten in BC2 auch dieser kann nicht an der Schlacht Teilnehmen…

Um es mal hier auf den punkt zu bringen „ICH“ habe Geld für Spiele hingelegt die nach einem Jahr nicht mehr gehen wie kann das angehen auch wenn ich nicht all zu oft gespielt habe „FAKT“ ist es geht nicht anmelden kann ich mit meinen Daten aber Spielen kann ich nicht und das bei beiden BF Games, ist doch echt ein Witz oder….

Oke ich von meiner Seite aus sehe nicht ein das ich dies hier so durch gehen lasse und bestehe darauf mir das Geld oder ORIGINAL verpackte Games mit CD & Key via Packet mir versenden.

Es ist eine Bodenlose frechheit das die Spiele über Origin einfach nicht laufen…nur verstehe ich nicht das BF3 reibungslos geht und eben halt nicht die Spiele…mal ganz zu schweigen von BF1942 da schau ich erst gar nicht rein.

Zur Info alle Spiele laufen über der E-Mail XXXX

Und wenn sie mir schon einen neuen Code schicken sollten sie wenigstens alle Daten so löschen das ich mt dem neuen neu anmelden kann….

Ich gebe Ihnen bis zum 5.10.2013 gelegenheit den sachverhalt zu klären und das aus der Welt zu schaffen.

Sollte es bis dahin nicht abgefertigt sein werd ich diese Angelegenheit an meinem Rechtsbeistand schicken, nun ja ich weiß das EA das nicht interessiert und mit Axel zucken darüber lacht…

MfG  XXX

Ich sage ihm, seine Soldaten können nicht aufs Battlefield, obwohl sie schon mal drauf waren. Das ist echt bedauerlich. Wir vereinbaren, dass er sich einen Beratungshilfeschein holt und dann gerne auch zu einem Kollegen geht, wenn er meint, dass die anwaltlich bearbeitet werden muss. Er stimmt zu und sieht es ein. Seine Mutter muss grinsen. Nebenbei schaue ich Emails und bekomme einen sponaten Freudenausbruch, weil Stephan mir meldet, dass die uneinsichtige Mieterin gezahlt hat inklusive Zinsen. Ich sage. Ein Soldat von mir wäre eben ins Battlefied gezogen. Noch mal Lacher. Er kümmert sich jetzt um einen ambulanten Therapieplatz und lässt sich von der Krankenkasse eine Therapeutenliste zukommen und telefoniert die ab. Daneben kümmert er sich um ein Rezept für Ergotherapie. Hat damals seiner Mutter schon dieses schöne CD Regal gebaut. Alles gut.

Nachmittags fülle ich Rentenantrag während eines Telefonats aus. Die Betreute soll nicht mehr kommen. Zwei gescheiterte Versuche reichen mir und das nervt meinen Arbeitsablauf, wenn ich versetzt werde. Wir erledigen das via Telefon.

Dann kommt ein Betreute, der im Dezember 2011 einen PlayStation 3 gekauft hat, die gerade das dritte mal reklamiert und dann getauscht wird. Er will vom Kaufvertrag zurück treten. Das mache ich gerne, weil der mich sonst kaum beansprucht und ich lasse mir eine Vollmacht unterschreibe und mache ihm schön den Anwaltsbrief dazu.

Abends Doppelprogramm Sport. Montags warten wir immer während innen hinter der verschlossenen Tür Mädchen in Ballett unterrichtet werden. Man hört aus dem Raum neben dem Klavier, wie die Lehrerin ganz laut „Hop“ (gefolgt von einem kräftigen in die Hände klatschen), Hop (Klatsch), Hop (Klatsch) ruft und zwar sehr laut. Ich sage, irgendwie klingt das wie Tierdressur.

Danach schaue ich Im Brennpunkt zur Wahl und denke, wie der Rössler neben dem Brüderle sitzt, wie zwei die zufällig nebeneinander in der Bahn reisen. Ein ungleiches Paar, ein bisschen wie Urlaub in Thailand oder zumindest in die Richtung.

24.09. Stephan hat geträumt, dass ich mir beim Radunfall zwei Mal das Bein gebrochen habe und er ganz lange mit dem Rettungsdienst telefonieren muss und ich während dessen mit dem zweifach gebrochenen Bein durch die Gegend humpele. Ich bin nicht Jung, aber diese lange Telefonieren hat sicherlich was mit der Störungsstelle der Telekom und der vergangenen Woche zu tun.

Ich liebe den Dienstag und den Wochenmarkt und die Gemüsefrauen lieben mich. Sie loben meine Farben und mein Outfit und lege da ein besonderes Augenmerk darauf.  Beim Suppe essen im Marktkaffee ruft meine Mutter mich auf dem Handy an, dass alles in Ordnung sei sagt sie vorab und dann, mein Vater würde sich jetzt nur hinlegen, dass ich ihn jetzt nicht anrufen solle (!?). Süß. Heute holt meine Freundin die grüne Tasche ab, die ich für sie deponiert habe. Sie arbeitet die nöchsten tage im Linden-Outlet. Ja, alle haben heutzutage ein Outlet, wo früher ein Grabbeltisch ausreichte, stellen wir fest. Ich soll die Tage mal vorbei kommen und mir eine Brille aussuchen. Ich sage, gute Idee, weil ich muss dringend zum Optiker. Ich sehe immer schlechter. Buttermuschmode mit Brille gibt es bald. Den Frauenarzttermin habe ich heute gemacht für den 19.11. Früher ging nicht. Alle fragen sich, was hat das damit zu tun. Ich sage, ich gehe die gesundheitlichen Themen an. Frauenarzt, Zahnarzt, Outlet….

Nachmittags kommt die Mandantin von gestern und wir formulieren die Erklärung fürs Amt mit dem Ehemann, der Moslem war und sie abgeschirmt hat und 12 Jahre älter. Dann kommt mein Mandant, der jetzt unmittelbar in meine Nähe gzogen ist. Wir müssen dem Amtsgericht erköären, warum er trotz des beachtlichen Einkommens als mittellos anzusehen ist. Er übertreibt gerne, Mutter ins Altersheim stimmt wohl, aber Beziehungstrennnung nach Jahren. Ich sage: mit der Frau waren sie weniger als 1 Jahr zusammen. Dann kommt Neumandat, Mutter und Sohn, der Vertrag abgeschlosen hat aus dem er wieder raus will. Dann noch ein Betreuter von mir, der zu früh kommt, aber noch in der Apotheke Salbe kaufen war, wie er mir zu Beginn des Gesprächs erklärt. Heute muss ich lange arbeiten bis fast 20 Uhr. Das muss ja auch mal sein bei dem ganzen Sport. Während ist arbeite, komme Freundinnen vorbei, die eine Kette abholen wollen und es werden dann 7. Mein Mann ist machtlos. Nein, alles gut. Das Bambi war eigentlich für die andere Freundin angedacht, aber diese Freundinnen, die Abholende und die Prädestinierte sind auch wiederum miteinander befreudet. So schwer kann es nicht sein. Hier die Ketten am Hals der Freundin. Ich freue mich… (Die eine, die sie im Vorfeld schon ausgesucht hatte, ist doppelt abgebildet). Ich freue mich, dass sie ein neues Zuhause gefunden haben. Stephan sagt zwar immer verkaufen, aber die Babies sind nur für die freiwillige und Freundschaft zu haben bzw. das finde ich schöner als sie an den meistbietenden zu verscheuern wie auf dem Sklavenmarkt. Ja, ich habe ein inniges Zuhältnis zu meinen Bastelarbeiten….

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Muss Morgen in die MHH in einer Verfahrenspflegschaftssache. Unterbringung, 6-Wochen-Beschluss. Telefonat auf dem Patiententelefon zeigte, dass dieses nicht ausreichen würde und ich mich hinbequemen muss. Dann muss ich diese Woche noch einen abgetauchten Betreuten von mir zuhause aufsuchen und Freitag um 14:32 fahren wir nach Köln (Büroausflug). Yuhu!!!

Wahlwochenende

Der Freitag nach der Arbeit gehört schon zum Wochenende. Nach dem Sport gehe ich erst mal eine Runde zu Rossmann und Denns und kaufe ein wie im Drogenrausch: Mottenpapiere, Müsliriegel, bunte Haargummis, Ingwerkekse, 3 Tüten Chips, also nur Grundnahrungsmittel….Die Donnerstagsrunde kommt zu uns und einer davon hat Geburtstag. Wir trinken viel Wein und ich verziehe mich vor dem Käsegang zum Basteln von Jahreskalendern 2014 auf den Wohnzimmerfußboden. Das gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen des Jahres und nachdem ich nachmittags 5 Blankokalender erstanden habe, kann es los gehen. Ich suche Fotos der Personen oder Familien aus für die ich den jeweiligen Kalender bastele und dann lasse ich meinen freien Assoziationen ihren Lauf und such passend Collagematerial aus meinem Fundus aus und kann die ganze Zeit eine Kopfreise machen. Die Gäste und mein Mann denken, dass ich mich schon ins Bett verpisst hätte, aber ich komme wieder und halte durch bis 2 Uhr. Immerhin. Der Frotteemeister aus Hamburg ist sehr reizend und hat meinen Morgenmantel auch schon mal verarbeitet. Er steht auf Istanbul und lernt gerade türkisch und wir haben das ein oder andere gemeinsame Thema. Das Geburtstaskind läßt sich feiern und bastelt sich immer wieder eine Krone aus der Geschenkverpackung und einen Umhang aus dem neuen Handtuch und posiert als König mit Weinglas in der Hand. Was ist bemerkenswert finde ist, dass wir bei 7 Gästen 7 Jahrgänge sind, wie sich herausstellt und keiner doppelt. 1963, 1964, 1965, 1966, 1967, 1968 und der Frotteemeister ist der jüngste mit 1969.

21.09. Bin wieder manisch. Werde um 8 Uhr wach und bastele weiter. Das Malen geht nur bei Tageslicht. Wenn ich in die Küche gehe, sehe den Riesenberg  Altglas und irgendwie tun meine Organe hinten am unteren Rücken weh und ich denke an den Prospekt in der MHH über die Leber, die still vor sich hin leidet bis es zu spät ist. Der Prospekt verdeutlichte das als Karikatur, die Leber als weinrote Frau gezeichnet, der wahlweise Vorräte einlagert (Fettleber). In einer anderen Zeichnung sagt das Gehirn zu ihr: „Mensch, Du bist ja völlig am Ende. Ich wusste gar nicht, dass es Dir so schlecht geht“. Nachmittags tun mir die Beine weh und die ersten 2 Kalender sind fertig. Um 15 Uhr rufen die Frankfurter an, die ich ab Mittag unterschwellig schon erwarte, dass sie noch zuhause sind und erst gegen 20 Uhr kommen. Das Basteln ist gegen 17 Uhr beendet und ich nehme ein Vollbad. Seit morgens denke ich an meinen Paps, der heute an einem Samstag (!) operiert wird. Langsam werde ich nervös, weil ich nichts höre und mein Paps quasi eine Krankenhausjungfrau ist, der zuletzt vor 50 Jahren am Blindarm operiert wurde. Schließlich kommt der Rückruf meiner Mutter, dass es umfangreicher war, aber alles gut überstanden ist soweit und er eine Schmerzkanüle hat, mit der er selber die Schmerzmedikation dosieren kann. Die Gäste treffen ein und wir steigen ins Taxi. Ich lobe den Fahrer, der trotz Haltestelle vor der Tür die Seite der Straße gefunden hat mit dem „Anlieger frei“  Zeichen und dieses auch verstanden hat und zu nutzen wusste. Oft werden wir nicht vor der Tür abgeholt, sondern müssen zum Taxi laufen. Er sagt so schön: wenn ich einen Auftrag habe, also er nimmt seinen Job ernst. Das finde ich gut. Wir fahren durch die Stadt. Überall sind die Gäste heute schon gewesen als sie durch Hannover geirrt sind. Anhand der Wahlplakate erkläre ich die Hannoverschen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl. Der Kandidat der Grünen sieht aus wie ein Hund, ein Setter ist dann meine genauere Angabe. Wir essen leckere Speisen im Tropeano und treten die Heimfahrt an. Diesmal entschuldigt sich der Taxifahrer, dass er so lange nach hinten geschaut hatte. Er dachte, meine blaue Schleife sei ein Verband. Er hatte unlängst einen Motoradunfall und hat sich den Ellbogen gebrochen. Gemeinsames Thema mit Stephan, der seine Armnarbe vorzeigt. Beim Aussteigen sage zu dem Fahrer, ich hätte auch nichts vollgeblutet in seinem Wagen, zumindest nicht oben rum. Ich merke, dass ich angefangen habe zu menstruieren (wie immer total überraschend, wie beim ersten Mal). Die Schrauber bei der Kaffee Pause im Hinterhof machen Wahlparty oder sonst eine und einer steht gegenüber um zu testen, wie laut die Anlage auf die Straße schallt und stellt fest: könnte auch eine private Anlage sei. Ich sage: „ich finde es klingt wie ein Handy“. Die Gäste fragen nach Oropax und wir haben sogar noch welches. Wir gehen früh ins Bett, weil ich auch um 7 Uhr wach werden werde ohne Aufwandsentschädigung von 25,- €.

22.09. Werde wach und fühle mich ausgeschlafen und denke, komisch, dass Stephan neben mir liegt, weil er doch um 7:30 Uhr im Wahlbüro sein musste und anrufen kann uns keiner. Gut, die hätten vielleicht jemanden vorbei geschickt. Die Neugierde siegt und ich stehe auf und gehe um das Bett zum Wecker und Stephan fragt: willst Du den jetzt und ich sage. Es ist Viertel vor 9 und er sagt: zweite Schicht. Er war schon da, hat kaum geschlafen und brauchte daher auch keinen Wecker und sie waren vollständig und hoch motiviert mit zwei Ersatzleuten, so dass 10 da waren und die Kassenführerin hatte nur für 9 Geld da. Kaum hatten sie den einen weg geschickt, kam der 11te. Um Viertel vor 1 muss er wieder drüben sein um seine Schicht anzutreten. Wir frühstücken. Charlotte schaut die Ketten durch. Es werden 12 oder 13 Stück (weiß ich nicht mehr) und ein Buch und eine Tasche (Trachtenstil). Später drehe ich ihnen noch eine maritime Collage für die Ferienwohnung auf Amrum an. Sie kennen die Vermieter und sind mit denen befreundet und ich sage, ist doch lustig, erst mal die Bilder anhängen und gegen neue tauschen. Außerdem noch ein Buch von Wolf Haas als Urlaubslektüre.

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Die Gäste wollen fahren, stellen aber fest, dass das Motorproblem des Vortages sich nicht über Nacht gelöst hat (das Rütteln und die blickende Lampe), quasi Selbstheilungskräfte des Autos. Sie rufen ihren Klub, den ACE. Das sagte sie bereits am Vortag, dass die hier Mitglieder seien. Ich kenne es nur vom Saft. Kommen tut ein Berliner vom ADAC. Das wäre dasselbe, erklärt er uns und das Auto muss in die Werkstatt. Mit mir will er immer wieder technische Dinge besprechen, auch wenn ich mehrfach sage, dass ich Radfahrer sei und ich das schwarze Auto meiner Freunde hässlich finden würde und er es für 15,- € haben könne, dann seien wir das Problem los. Er versteht das offenbar nicht, auch nicht, als ich vor die geöffneten Motorhaube trete mit dem Worten, mal schauen, ob ich noch was machen kann.

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Ich gehe eine Runde nähen zu einer Freundin. Sie sitzt mit ihrer Freundin am Rechner und sucht ein Appartement für New York. 7 Übernachtungen, die Flüge schon gebucht. Da kann man neidisch werden, aber ich gönne es ihnen. Sie werden richtig Spaß haben, das weiß ich jetzt schon. Die Freundin der Freundin ist DJ und legte gestern in einem Szeneladen auf und wer sei dort aufgeschlagen, fragt sie uns? „Edelgard Buhlmann herself“ mit Leuchtstäbchen, die sie unter dem Diskopublikum an die jungen Leute verteilt habe. Wahnsinn. Wahlkampf amerikanisch, voller Einsatz. Ich werde bei dieser Gelegenheit meine braune Umhängetasche mit silberner Schnalle los. Irgendwann sind wir nach einer Runde Plaudern total ins Nähen vertieft, dann kommt der Anruf, dass die Gäste noch eine Nacht bleiben, weil sie jetzt erst den Leihwagen bekommen haben. Ich bastele an einem Moustache-Hütchen für London.  Zuhause Chips, leichte Speisen, Sekt, Wein, Wahlparty. Hessen hatte Landtagswahl. Ich weiß gar nicht, wie dieser Bouffier ausschaut. Schlimm, höre ich nur. Dann stellt sich heraus, dass die FDP raus ist auf Bundesebene. Ich muss vorsichtig sein mit meinen Wünschen, wenn die so leicht in Erfüllung gehen. Rösler sieht versteinert und richtig fertig und geschockt aus. Jetzt tut es mir fast leid, was ich mir gewünscht habe.

Offene Hüften

16.09. Montag. Morgens zuhause schon einen Anruf der MHH. Herr W. soll sich wegen einer Chemo-Therapie in der Hämatologie-Onkologie melden. Die Putzunruhe zuhause treibt mich aus dem Haus. Ich versuche sodann einen Termin auszumachen, aber die brauchen noch Unterlagen, also wieder bei der Strahlenambulanz anrufen, die ein Fax schicken wollen. Die Frau, die ich als Verfahrenspflegerin unterstütze ist schwer alkoholisiert in der Wohnung gestürzt und wurde vom Pflegedienst gefunden und ist jetzt im Krankenhaus. Sieht doch nicht so gut aus mit dem Erhalt der Wohnung, wenn das schon nach 3 Tagen zu so etwas führt.

Ansonsten ein Tag der Schriftsätze u.a. in einer Unterhaltssache. Mein Kollege steht mir mit Rat und Tat zur Seite. Ich bin diesmal voll auf der Seite meines Mandanten. Die Ex-Frau hat ihn mit seinem besten Freund betrogen (ein bisschen Opernstoff), während er Spätschicht hatte und die Frau des Freundes in der Kur war. Der Sohn ist 16 und trotzdem will die gierige Kuh Unterhalt. Der Neue von ihr arbeitet bei VW und verdient gut und sie lässt sich immer – bereits während der Ehe die Steuerlast getrennt veranlagen vom Finanzamt, so dass sie Tausende nachgezahlt bekommt und er zahlen muss. Jetzt ist meiner auch arbeitslos und zahlt überobligatorisch für den Sohn, aber das reicht der gierigen Kuh nicht. Gut, Schriftsatz geschrieben, doch leicht sachlicher und mit etwas mehr juristischem Inhalt. Mein Kollege hat nachmittags ein Vorstellungsgespräch, d.h. eine neue Mitarbeiterin hat sich vorgestellt.

Als ich sie kennenlernen soll, muss ich zum Sport und bin heute richtig heiß darauf, auch wenn das Wetter versucht mir einen Strich durch die Rechnung zu machen und ich mit einem spitzen antiken Mary Poppins Schirm, der locker als Waffe durchgeht, versuchen muss das Fahrrad dorthin zu dirigieren und balancieren. Wir machen beim Yoga viel mit Bändern und ich werde nach dem Kurs in der Umkleide angesprochen, dass eine Mitturnerin immer ganz neidisch sei, was ich mit meinen Beinen machen kann und das würde auch noch so locker aussehen und ich sei wohl wahnsinnig gedehnt in der Hüfte. Mir ist das wieder peinlich und ich sage nur, bin ich wohl, aber ist nicht mein Verdienst. Veranlagung und ist tatsächlich sehr entspannend für mich und ich muss aufpassen, dass mein Oberschenkel nicht auf dem Ohr landet, wenn ich mich zu sehr entspanne. Im Nachhinein denke ich, vielleicht war es die Hüftluxuation bei der Geburt und die Spreizhose, die ich als Kleinkind tragen musste, obwohl meine Mama mir immer gesagt hat, dass der Arzt ihr gesagt habe, dass ich wohl keine Balletttänzerin werden würde. Das ist jetzt das, was mich irritiert. Ich bin nicht Balletttänzerin, weil ich groß und dick bin und große Füße habe, aber von der Hüfte her, hätte es vielleicht doch was werden können, so dass ich den Sachverhalt doch nicht ganz klar finde.

Stephan wird nachmittags als Wahlhelfer geschult und ich sage, was macht man da. Fehlerfrei auf 100 zählen üben? Ich sage ihm auch, dass ich gleich Schostok wählen sollte, damit es eine Stichwahl vermieden werden kann, sonst muss er sich noch einen Sonntag für 25,- € um die Ohren hauen.

Abends mache ich Salat mit Heidelbeere und Mostbröckli (das letzte Fleisch aus der Schweiz) und anschließend Milchreis mit Heidelbeere. Wir sitzen ganz traurig im Tal der Ahnungslosen, weil weder Telefon noch Internet gehen, d.h. keine Emails, kein Buttermusch, kein google Kalender. Der Nachbar hilft aus mit seinem Festnetztelefon, was er uns zur Verfügung stellt und ich gehe vor 22 Uhr ins Bett. Was bleibt einem, wenn man noch nicht einmal eine Folge Cesar Millan gucken kann übrig?

17.09. Toller Traum, so dass ich um 7 Uhr noch mal eine Stunde Verlängerung will. Irgendwie soll ich ein Baby in eine Babyklappe tun. Das Kind sehe ich nicht, umso mehr bin ich mit dem Basteln einer Verpackung beschäftigt und zu überlegen, wie man das für den Blog gut in Szene setzen kann. Ich bastele eine Collage für meine Freundin Susann, die ihr aber nicht gefällt, obwohl ich sie total passend finde und ich bin dabei nachzubessern und die Freundin zu überzeugen. Dann irgendwas mit dem Nachbarn und seiner Ex-Frau und ich komme nicht voran, bin irgendwie auf einem Skateboard und soll den Berg hoch. Anschließend sind meine Ärmel ganz schwarz und stinken. Herrlich, der Traum!

Ein komisches Fahrzeug mit Berliner Kennzeichen und Blaulicht steht vor der Tür.

Bonzenfahrzeug

Ich gehe zum Markt und kaufe superleckeres Gemüse. Zuckermais, rote Paprika aus eigenem Anbau und lauter Milchprodukte bei Bauer Banse, Quark, Sahne, Joghurt und Butter sowie daneben bei dem Stand Brom- und Himbeeren. Das reicht dann für 2-3 Tage. Wir gehen mit dem Büro einen Kaffee trinken auf dem Wochenmarkt und es sind lauter Wahlhelfer unterwegs. Schließlich unterhalten wir uns etwas mit einem Mann der für die Grünen bei der Bundestagswahl kandidiert und wir fragen ihn auch, warum auf der Wahlwerbung keine Partei mehr drauf steht, so wie auch bei seinem Flyer. Keine Sonnenblume, kein Parteiname. Irgendwie wird die Auflösung nicht ganz klar. Dann geht es um Dienstwagen und er hat keinen Führerschein. Insgesamt ein ganz netter Typ und ich bekomme einen Bleistift von Lothar Schlieckau (Kandidat der Grünen für OB). Schaffelle werden verkauft und ich will spontan eines. Dann folgt die Assoziation, Spielwiese, neue Hobbies während des Technikausfalles zuhause und ich bespreche mit den Kollegen die Möglichkeit, dass der Zustand ohne Internet und Telefon noch dazu führen könnte, dass ich schwanger werde, was sollen wir sonst in der Freizeit machen, quasi Stromausfall in New York.

Heute mache ich für Freitag einen Termin in der MHH aus. Eine Woche später ist schon wieder Büroausflug nach Köln und wir fahren Samstag auf dem Rückweg zu Freunden nach Essen und besuchen sie und die beiden Kinder. Ich will die Sache schon voranbringen, aber mich vor allem mal seriös über die Aussichten und Nebenwirkungen informieren. Wenn er dann stirbt heißt es, ja, die Betreuerin hat die Therapie abgelehnt. Ich befürchte am Ende wird er ohnehin sterben, aber man wird ihn vorher noch mal richtig gequält haben oder durch die Chemo vielleicht sogar den Tod beschleunigen. Das sind meine Befürchtungen und diese basieren auch durchaus auf Erfahrungen der Vergangenheit. Nichtsdestotrotz, eine Entscheidung muss zeitnah her.

Meine grüne Tasche soll ein neues Zuhause bei meiner Freundin Andrea bekommen. Da wird sie artgerecht gehalten und bekommt die Chance mal Gassi geführt zu werden. Ich bin glücklich, dass Tasche 1 von 25 vermittelt ist und besser hätte es diese Tasche nicht treffen können.

Wir sind zuhause immer noch im Tal der Ahnungslosen ohne Internet und Telefon. Mein vermeintlich internetsüchtiger Mann nimmt das überraschend gelassen und zu gelassen für meinen Geschmack. Da wird Zeitung gelesen und Kohlrabi-Salat verputzt und heute war ja Zahnarzt und Thaimassage, da passte es nicht so gut und gestern war die Wahlhelferfortbildung und vielleicht, dass er es Morgen in Angriff nimmt. Es scheint so zu sein, dass ich da viel mehr Probleme habe, zumal die Arbeit auch davon abhängt, aber zugegebenermaßen ist die ganze Routine des Emails Guckens und schnell mal ins Internet und dann den Terminkalender noch mal schauen völlig aus den Fugen geraten.

18.09. Wieder wilde Träume. Wir sollen in Travemünde eine günstige Unterkunft uns ansehen. Diese besteht nur aus einer Dusche und einem Klo in einem superkleinen Gang und hinten kann man einen Wohnwagen mit Reißverschluss damit verbinden. Den Wohnwagen hat angeblich meine Tante, die in Wirklichkeit weder Auto noch Führerschein hat. Dann verliebt sich ein Sozialarbeiter in mich, der ein Projekt hat, bei dem Problemjugendlichen die Verantwortung für einen Primaten (Affen) übernehmen sollen. Zwischendurch geht es um Hunde, die aus einer Bäckerei herausgeführt und vor der Tür angebunden werden müssen. Ein superkleiner Schoßhund greift Stephan an und springt ihm an den Hals. Der exerziert die Techniken von Cesar Millan und greift ihn bis er sich beruhigt und „submission“ praktiziert. Dem Sozialarbeiter fallen meine breiten Füße und großen Zehen auf während wir den Berg herunter laufen zwischen Weinbergen. Ich muss ihm erklären, wer die Mitglieder meiner Familie sind und wer ich bin schon nervt mich der neue Flirt und ich werde wach.

Erneut ein Morgen ohne Internet, man kann so schön die Wohnung aufräumen, die Bügelwäsche von gestern Abend wegräumen, die Zimmerpflanzen versorgen und hat so viel Zeit. Irre. Ich ziehe meine neue Oma-Reizwäsche in rosa an, die wärmt so schön auf dem Fahrrad und nenne sie Luisa, nach einer Mitstreiterin beim Sport, die eine sehr gute Figur hat und damit irritiert, dass sie gerne lange Männerunterhosen zum Turnen anzieht, quasi ihr Markenzeichen. Ich werde ihr die Hose heute vorstellen. Sie sieht aus,  als wäre sie ursprünglich weiß gewesen und man hätte sie bei 60 ° mit einem roten T-Shirt zusammen gewaschen. Auch mein Büro freut sich, aber ich muss die Gemüter beruhigen und darf nicht zu viel von der Wäsche zeigen, sonst ist es für alle Beteiligten zu aufregend. Ich ärgere mich, dass ich die tolle Verpackung nicht abfotografiert habe, wo mir doch sonst jedes Motiv Recht ist. Es war so eine herrliche Familie, ganz in der Funktionswäsche der 70er.

Gespräche mit den Eltern des Betreuten, der viel bettelt und verscheucht wird. Sie sind gerade an der Küste und machen Urlaub und sind unzufrieden, dass sie nicht ausreichend informiert werden und überhaupt. Wir treffen uns nächste Woche mal bei mir im Büro ohne den Sohn und planen, ob man da nicht mal ein Heim oder eine Wohngruppe versuchen sollte, zumal die Wohnung den Eltern gehört und das Experiment ohne Wohnungsverlustrisiko vonstattengehen kann und vielleicht gefällt es ihm ja und er hat ein besseres Leben als immer alleine und verscheucht werden.

Ich muss heute kurz in dem Krankenhaus meiner Verfahrenspflegschaft vorbeischauen. Sie hat kein Telefon auf dem Zimmer.

Zwischendurch bekomme ich Email Post von meiner Freundin Andrea, die in meiner oberfränkischen Wahlheimat. Das Strickbild- so schön.

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Dann rufe ich bei meinen Eltern an und mein Vater erklärt mir sehr süß technische Details unseres häuslichen Problems. Es kann eigentlich nur der Router sein. Dieses Gerät ist für beides zuständig. Es sei denn, wir haben ein altmodisches System mit einer Weiche, Splitter. Wenn er defekt ist, wird er nicht mehr ausgetauscht, weil die Telekom damit nicht mehr arbeitet. Der Router kostet ca. 200,- € und der Techniker 100,- €, aber das telefonieren mit einer flat wird dann ca. 10,- € günstiger pro Monat. Mein süßer Paps….Auch damals war er der besten Mathenachhilfelehrer der Welt. Immer viel Geduld, wenn ich Plus und Mal verwechselt habe und die Begabung so lange Sachverhalte zu veranschaulichen in Physik und Chemie bis ich sie verstanden habe. Damit habe ich in der Oberstufe meine Lehrer in den Wahnsinn getrieben, dass ich auch einmal alternative Lösungen an der Tafel entwickeln konnte, wo ich doch eigentlich Non-Checker war.

Neben der Arbeit verschicke ich gebastelte Postkarten an Herrn Grubert und Jochen Dreissigacker und bedanke mich für den herrlichen Abend im Titus am 29.08.

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Der Mitarbeiter von Herrn Grubert, der immer ankündigt, „das sei Erlebnisgastronomie“ hat sie an diesem Abend wirklich geboten. Das Essen hingegen war so was von lecker, dass die Läden mit den Sternen da einfach nicht mithalten können und ich weiß nicht, womit wir dieses Kleinod in Hannover verdient haben. Diesen Mann, der völlig unprätentiös in seiner Küche vor sich hin werkelt und diese Dinger raushaut. Der Wahnsinn. Er ist bescheiden ohne Ende und begrüßt die Gästen mit den Worten, dass er heute auch da sei und sich dann mal in die Küche begeben wird und sich dann gutes Gelingen wünscht und das hat er dann auch. Er kann mit Lebensmitteln einfach unheimlich gut umgehen, ob Fisch, Fleisch oder Gemüse, alles schmeckt authentisch nach dem jeweiligen Lebensmittel und die Soßen und Kombinationen sind einfach nur genial. Der braucht auch keinen Stickstoff. Was er gerne macht ist mit Graupen arbeiten. Das sieht dann molekular aus, ist aber old school und das andere braucht wirklich nicht jeder Laden nachzumachen.

Mein Betreuter, der Architekt studiert hat und eigentlich gestern einen Termin hatte, kommt total verhuscht vorbei. Es geht eigentlich nur um Kontoauszüge für einen neuen SGB-II Antrag. Er hat zwar einen Ordner dabei, aber die Auszüge sind nicht vollständig, dafür will er mir lauter Belege zeigen, wie er sich einen Locher gekauft hat oder einen Fahrradschlauch, die keinen interessieren. Er geht noch mal los und holt frische. Ich will den Fortzahlungsantrag faxen, aber das klappt nicht immer beim Jobcenter, viel Wahlwiederholung und dann Fehlermeldung. Da ich ohnehin dort zum Krankenhaus will, nehme ich den Antrag mit und gehe zum Empfang im 1. Stock. Während ich klingele sehe ich, dass Mittwoch geschlossen ist. Am Empfangstresen sitzt aber wer und ein anderer Herr macht mir die Tür auf. Ich habe nur abzugeben. Unten sei der Briefkasten. Ja, aber der ist vor der Tür und jeder kann die Post wieder rausnehmen. Das will ich nicht so gerne. Er nimmt sie mir ab, aber als ich dann nach einem Eingangsstempel für meine Kopie frage, lehnt er ab. Sie hätten geschlossen. Ich sage, ja, aber er hätte doch aufgemacht und da hinten würde auch einer sitzen. Nur für Notfälle lautet die Antwort. Er will die Tür zuziehen und dann frage ich noch mal nach seinem Namen. Das war wohl zu viel. Die Antwort lautet: „unwichtig“. Alles klar Herr Unwichtig. Genauso habe ich mir das vorgestellt.

Die Alkoholikerin sieht böse verprügelt aus mit Veilchen und liegt in der Mitte im Dreierzimmer. Gut, dass ich bei nahezu jedem Krankenhaus in Hannover mit persönlichen Erinnerungen an eigene Aufenthalte aufwarten kann. Als pflegerische Handlungen vollzogen werden sollen und ich das 3-Bett-Zimmer verlassen soll, gehe ich zum Stationszimmer und frage wer für Frau XYZ zuständig. Eine junge Ärztin unterbricht ihr Privatgespräch und fragt, wer ich bin. Dann ist sie sehr genervt, sie habe gerade alles mit dem Betreuer abgesprochen, ich soll mich an den wenden. Sozialdienst, nach dem ich gefragt hatte, gäbe es jetzt nicht. Ich gehe wieder zu meiner Klientin und erzähle, dass sie morgen wieder ins Heim soll, weil es pflegerische Engpässe gäbe und dort erst mal wieder zu Kräften kommen soll. Die Beschwerde sei am Laufen und wir müssten das Ergebnis abwarten. Am Fahrstuhl will die Ärztin dann doch noch ganz viel mit mir reden und ist dankbar, dass ich auch zumindest vorübergehend für das Heim plädiert habe und sonst ist sie meiner Meinung, dass man es nach einer Päppelungsphase noch mal zuhause probieren könne. Ich sage, das Problem sei auch, dass solange der Heimvertrag besteht, sie Selbstzahlerin ist bei einer häuslichen Versorgung. Das müsse erst mal geklärt werden durch den Betreuer. Ich solle den Betreuer anrufen, meint sie. Ich glaube nicht, dass der noch mit mir spricht und ich will ihm auch nicht das Gefühl geben, dass ich ihm seine Arbeit streitig machen wolle. Ich habe die prozessuale veranlasst und auch einen Betreuerwechsel angeregt. Bei mir sei der Kopf rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Da hätte ich Zweifel bei dem Betreuer, ob er auch so geistig flexibel sei  und ob er die Betreuung in vertrauensvoller Zusammenarbeit führen würde, aber auch darüber muss das Landgericht entscheiden.

Ich gehe mittags nach Hause und bringe meinem Mann mein Handy, damit unser Freund, der heute aus Nürnberg mit dem Zug anreist und bei uns übernachten will, sich ankündigen und jemanden erreichen kann. Morgen früh zwischen 9-10 kommt der Techniker, der unsere Anlage eingerichtet hat, vorbei. Die Tage der alten Welt mit viel Zeit sind begrenzt.

Ein Betreuter von mir meldet sich nicht beim Jobcenter und soll Morgen um 8:30 Uhr seinen Bildungsgutschein abholen. Ich erläutere der Frau, dass ich das zur Not für ihn machen werde und auch rechtlich kann, damit er am 23.09. mit der Ausbildung zum Pflegehelfer anfangen kann.

Nachmittags kommt in meiner Abwesenheit die entzückende Tochter meines Kollegen vorbei und nimmt auch einen Schützling von mir in ihre Obhut. Nut einen. So bescheiden. Ich konnte früher schon immer alles gebrauchen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das junge Ding ausgerechnet diese eckige und kantige Tasche wählt. Da habe ich immer gesagt, ich lass meine Akten auf DIN-A 5 anlegen und benutze sie dann fürs Gericht, aber es war die richtige Wahl, sie steht ihr gut und irgendwie sieht das wieder total eighties stylo aus.

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Ich bin am späten Nachmittag in einen juristischen Schriftsatz vertieft. Die wollen Schönheitsreparaturen und ich hole in Gedanken schon aus zur Widerklage auf Auszahlung der Kaution. Streitig ist, ob die Mandantin fristlos den Mietvertrag kündigen durfte. Telefonisch hatte man ihr gesagt, mit einem ärztlichen Attest sei das kein Problem. Darauf hat sie sich verlassen und eine neue Wohnung angemietet. Jetzt geht es um die Klauseln hinsichtlich der Schönheitsreparaturen und einer Verlängerung der gesetzlichen Verjährungsfrist von 6 Monate auf 12 und ob das zulässig ist und so durchgeht. Bei Anlage 13 bin ich so vertieft, dass ich fast meinen Sport verpenne und heute ist doch Sektenyoga.

Viele Sa-Ta-Na-Ma Mantren und komischen Übungen, die einen teilweise überfordern und nicht nur mich. Dann soll man in einer Vorderbeuge durch die gerollte Zunge einatmen und durch die Nase aus und das 3 Minuten lang. Ich bin Nichtroller. Anschließend heißt es, jetzt schmeckt es bitter auf der Zunge. Das ist eine Entgiftung durch Atem (!!!!). Wenn man das länger macht, kann die Zunge auch schwarz werden (!!!!). Ich muss immer wieder gegen die Esoterik innerlich ankämpfen und sie abwehren, die mich abschreckt ohne Ende, aber das reine Praktizieren mag mein Körper und auch mein Geist, halt ohne die Erläuterungen, die oft an den Haaren herbeigezogen sind. Bei den anderen kommt das gut an. Eine Stelle am Oberschenkel sei für den Magnesiumhaushalt verantwortlich und daher solle man dort nicht kalt duschen, sonst wäre der Tag ganz durcheinander. Wiederum viele Fragezeichen in meinem Kopf, aber andere Kursteilnehmerinnen wollen wissen, welche Körperteile man denn stattdessen kalt duschen solle. Gar keine, wäre meine Antwort. Ich mag die Schwingungen der Mantren im Körper und auch die Meditation, aber ohne Moderation am liebsten. Wie geht es uns danach. Ich sage, ich fühlte mich erinnert an Rosemaries Baby und musste gegen die Vorstellung ankämpfen, dass meine neuen Nachbarn mein nicht vorhandenes Baby haben wollen, aber sonst geht es mir gut. Stimmt auch. Im Anschlussyogakurs höre ich von einer neuen, die neben mir turnt: Wahnsinn, ist die beweglich. Das schmeichelt mir nicht, sondern ich fühle mich wie Zirkusexot, aber Augen schließen und ignorieren hilft.

Zuhause angekommen wird gekocht und wir warten auf Martin, der verspätet aus Nürnberg kommt. Es gibt dann vegetarische Spagetti und einen guten Rotwein, sowie eine fruchtige Nachspeise mit den leckeren Topfen von Bauer Banse. Der Vollmond strahlt hell und ist wunderschön und ich habe heute deutlich das Gefühl als hätte ich Kaffee getrunken, was ich nicht getan habe, zumindest nicht in der zweiten Hälfte des Tages. Vollmond, Schlafprobleme, werde ich jetzt doch zur Hexe?

19.09. Heute kommt der Techniker und meine ganzen Hoffnungen ruhen auf ihm. Als er da ist, sagt Stephan, wir hätten einen Freund da, der wäre Schädlingsbekämpfer und hätte auch schon versucht, den Bug aus der Anlage zu bekommen. Haha. Martin erzählt lustige Geschichten von Menschen, die anrufen und die man am Telefon kaum versteht. Sie hätten Probleme mit Knack-Knack. Gezielte Nachfragen und eine Ferndiagnose führen dann zu dem Ergebnis, dass es doch Kakerlaken sind. Martin hat heute einen Kunden in Hannover am alten Rathaus. Mensch, da spricht heute Rössler, wie ich unterwegs lesen kann und wer war noch mal dieser Patrick Döring? FDP gehört abgeschafft, nur Brüderle, der kann hier als Bürokraft anfangen.

Ich verabschiede mich. Um 10:30 Uhr bin ich beim Sozialamt in der Hamburger Allee und stelle für Frau V., die Alkoholikerin einen Sozialhilfeantrag. Der Rentengutachter hatte zunächst gesagt, vollsschichtig arbeitsfähig, aber das Widerspruchsverfahren war kurz und mit wenig Widerstand gibt es jetzt die Rente ab 2012 bis zum Eintritt ins Rentenalter. Ich bin gut vorbereitet und habe neben dem Antrag alle wichtigen Unterlagen schon kopiert dabei. Die junge Sachbearbeiterin hat blaue Kunstnägel mit aufgeklebten Bildchen. Ich kaufe ein paar Gesundheitspralinen als Nachtischbeitrag für heute Abend. Wir sind eingeladen. Ich bin faul. Für die Freunde, die auch zu Besuch sind, habe ich wieder eine Hässlichkeit. Ich kann da nicht daran vorbei. Die haben eine sehr aufgeräumte Wohnung, in der alles nur schön und stilecht ist. Ich frage mich immer, wo sind die Putzeimer? Wo sind die Zahnbürsten? So was sieht man da schlichtweg nicht und das finde ich nicht normal. Die leben in einer Scheinwelt. Eine herrliche Sammlung wunderschöner Glasfiguren aus den 50ern kommt in dieser Umgebung allerdings herrlich zur Geltung. Es sind Hirsche, die von Jagdhunden angetrieben werden und die Hirsche haben ein wunderschönes Geweih aus Glas und ganz filigrane, lange und durchsichtige Beine. Ich finde dann im Trödelladen immer genau das Gegenteil. Eine total geschmacklose, pumpe Glasfigur, wie diese, quasi dicker Rumpf und sehr kurze Beine und die muss ich dann immer kaufen.

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Es ist ein innerer Zwang, aber es entlastet in diesem Fall die eigene Wohnung und Sammlung, sonst müsste ich demnächst für Glasfiguren auch ein neues Zuhause suchen. Gar nicht auszudenken, was euch da erspart geblieben ist.

Ich fahre zu meinem nächsten Termin. Kann keine Fotos von tollen Wahlplakaten machen (Schostok als Teufel am Wedekindplatz), weil mein Handy bei Stephan ist als Hausnotruf. An meinen Ohren klappert lustig die zerschnittene Fischdose. Das heißt lustig stimmt nicht, es treibt mich fast in den Wahnsinn. Es geht zu meinem Schützling mit den Ratten. Er hatte einen Rückfall mit chemischen Drogen, sieht aber irgendwie gut aus. Gut, er ist verschlafen um 11:30 Uhr und muss erst mal aus einer Tüte Gras eine Mischung machen und mit einer Bong in der Küche verschwinden mit der Bemerkung, andere bräuchten morgens einen Kaffee. Die Sozialarbeiterin und ich sitzen auf dem Sofateil ohne Ratten und warten. Die Termine mit ihr hatten nicht so geklappt und zu Ausfällen geführt, daher musste ich auf den Plan treten. Auf einmal ist sein Haar graumeliert. Er sieht ein bisschen Georg Clooney mäßig aus, aber ohne den Schönling. Ging das so schnell? Seine Freundin schläft bei offener Tür, der Fernseher läuft. Ich frage nach dem halben Herzen als Schlüsselbundanhänger mit einem Buchstaben, den ich nicht zuordnen kann. Das sei ihr Dienstname, wenn sie Telefonsex macht und chattet. Er will es mir noch mal anders erklären und ich sage, Frau A. hat das verstanden. Ich würde mich für: „hallo, hier ist die Susi“ entscheiden, aber ob das gut ankommt, weiß ich nicht. Er schaut nur mich an, auch wenn die Sozialarbeiterin was sagt. Jetzt ist wieder alles klar. Nächste Woche Zahnarzttermin mit der Sozialarbeiterin. Dann Verordnung Ergo-Therapie. Es geht weiter. Ich verabschiede mich. Sie braucht noch Unterschriften.

Auf dem Rückweg ist die Haltestelle Schwarzer Bär in Betrieb. Darauf warten wir seit Monaten und ich Stephan gleich anrufen, aber kann nicht mangels Handy. Über die Wahlwerbung der Linken kann ich mich echt aufregen. Freiheit statt Kapitalismus. Das ist wie Vollmond statt Brötchen.

Mittags kurz nach Hause. Immer noch geht nichts. Der Techniker sagt, die Anlage, die er eingerichtet hat geht, es liegt an der Telekom und die sagen, ne, bei ihnen alles o.k. und ich verliere langsam die Nerven und will ein Fax schicken, aber mein Mann will das nicht. Er hat Angst vor meinem Agieren und ich vor seiner Passivität. Er ist wie so oft in unserer Beziehung und ich habe das Gefühl, je druckvoller ich werde, desto mehr zieht er die Handbremse um das auszugleichen.

Bildungsgutschein wurde vom Schützling erfolgreich abgeholt und er fängt mit der Ausbildung an und bedankt sich bei mir. Hier mal alles gut.

Nachmittags ist wieder Geldausgabe angesagt und einen Text ins Englische übersetzen für meinen Kollegen. Außerdem der Krankenkasse erklären, warum meine Betreute keinen Rentenantrag stellen will und erst einmal über ihre Widersprüche entschieden werden soll. Außerdem kann die Rente nicht errechnet werden, weil 18 Lücken im Versicherungsverlauf enthalten sind. Immerhin will sie dabei helfen, diese zu klären. Statt mir Fristen zu setzen, lobt sie heute mein schön formuliertes Schreiben an die Krankengeldstelle ihrer Krankenkasse. Mal was Neues.

Ich freue mich auf den Abend bei Freunden und will mich aber zurück nehmen, weil ich Morgen um 8:30 Uhr schon bei Gericht antanzen muss und dann Termin mit Herrn W. in der MHH wegen Chemo. Da kann ich einen Kater nicht gebrauchen, also freuen und ausgelassen sein, aber in Maßen. Mein Gott wird das schwierig.

Der Rotwein ist lecker und die Tortelloni von Rossini auch. Das sind richtig riesige Taschen, prall gefüllt und befriedigend. Hatte ich gar nicht so positiv abgespeichert. Dann gibt es Lebkuchen aus Fürth und Süßwein aus Oberfranken als Nachtisch und wir träumen von den Radwegen zwischen Nürnberg und Regensburg, aber ich weiß nicht, ob ich der Mannschaft körperlich und geistig gewachsen bin. Wir stellen alle fest, dass wir uns total totgelacht haben über die Polizeiaktion der Ösis mit dem Wilderer (der prophylaktisch schon mal seinen Schäferhund daschossn hat). Wenn eine Spezialeinheit schon „Cobra“ oder „Kobra“ heißt und dann die Bilder, wie die Panzer auf den einsam gelegenen Bauernhof zurollen. Das haben sie echt nicht drauf. Vielleicht hätte noch Kampfjets helfen können und dann die Meldung, dass ein 75-jähriger Rettungssanitäter getötet wurde. 75-jährig? Das kann auch nicht deren ernst sein.

20.09. Stephan hat ausgemistet und rausgekommen sind u.a. 3 Gutscheine für die Glocksee, 2 mal Party freien Eintritt für 2 Personen und 1 mal Konzert. Hey, das lass ich mir nicht nehmen und die will ich nicht loswerden, sondern als stille Reserve behalten bzw. das soll mein Ehrgeiz sein, die noch selber abzutelefonieren.

Heute ist der wichtige Termine in Sachen Strafvollstreckung und die ganze Kammer hat sich eingefunden, auch die Staatanwaltschaft, der Oberarzt, sowie etliche Justiz- und Klinikhiwis. Meiner ist seit 8 Jahren im Maßregelvollzug für einen Raubüberfall, der aber mehr lustig war als alles andere. Langsam kommen wir an die Grenze der Verhältnismäßigkeit. Das sagt auch die Kammer. Ein Richter ist dabei, mit dem ich Mittagstisch mache. Jetzt soll ich es richten mit der Wohnung, alles hängt an mir und in 3-4 Monaten wird der Vollzug aufgehoben, so oder so. Einerseits bin ich sehr froh für meinen Schützling und will fast Pipi in die Augen kriegen nach so langer Zeit und der ganzen Hoffnungslosigkeit und der Unbeugsamkeit (ich sage nur der Indianer aus Einer flog übers Kuckucksnest) und der Hospitalisierung, die er zeigt. Ich sage ihm, dass vom Wohnsitz abhängt, wo ich Leistungen für ihn beantragen werde. Dazu flüstert er mir ins Ohr, dass er da schon wisse, was zu tun sei und wie er zu Geld komme und, dass er mir nicht so viel Arbeit machen wolle. Das wiederum macht mir Angst und ich sage anschließend dem Strafverteidiger, entweder es geht gut oder er entführt mich oder wen anders. Wir werden sehen, aber ich will meinem Schicksal nicht entgehen.

Wiederum die Wahlplakate ohne Telefon/Kamera. Waldraff knöpft sich den Hemdärmel zu und dazu der Slogan lebendig, bürgernah und noch irgendwas. Es sieht aus, als versuche er diese Eigenschaften aus jeden Fall herbeizureden. Ich fahre meinen neuen Lieblingsweg, Kleefelder Straße, die Fahrradstraße entlang der Bahngleise und dann vorbei an dem japanischen Haus bzw. Garten und dann kommt die Stadtparksauna und dann komme ich raus am Gebäude der AOK, was gerade richtig herrlich aussieht, wie der Bagger sich da Stückchen für Stückchen durchfrisst mit seiner Zange. Vor dem Demolition-Charme steht Konfizius auf einem Sockel. Kann ich alles nicht mit Foto beweisen. Ist aber so.

Mit Kaffee habe ich kein Glück in Kleefeld. Im Kaffeeklatsch wird die Maschine gerade ausgetauscht. Ich halte an einer Bäckerei und will ein Eibrötchen, was es nicht gibt. Frage, ob die Croissant mit Butter sind. Ja, lautet die Antwort. Das schlechte Fett klebt am Gaumen und ich erkläre beim Gehen dem jungen Ding, dass  das keine Butter war. Mein Gott, wäre ich doch nur zu Kreipe gefahren. Mit dem Kaffee trinken muss man so aufpassen in Hannover. Dafür entdecke ich die Überschrift der Bild: „MHH entdeckt das gebrochene Herz“.

Ich bin 10:30 Uhr die der Medizinischen Poliklinik, ein Gang neben der bekannten HNO. Herr W. kommt auch früh. Nach etwas Wartezeit im Zimmer nimmt sich Prof. R. richtig viel Zeit für uns und untersucht Herrn W. auch körperlich. Er sagt, auch bei Chemo oder Medikamententherapie geht es maximal um ein paar Monate. Ob sich das überhaupt lohnt sei die Frage. Das würden sie normalerweise nur topfite, eins-A Leute mit intakten Familie durchschicken. Tumor im Halsbereich immer scheiße, weil Lebensqualität im Arsch, kein Essen, Sprache betroffen. Er sagt, wie es ist. Er rät zum Hospiz. Ich freue mich sehr über die offenen Worte und nehme den Auftrag an. Nebenbei versuche ich offene Worte mit meinem Schützling zu finden, der aber oft etwas wegknickt und dann eher eine Rauchen gehen will. Das Pflegeheim will unbedingt, dass sich jemand das Gewächs am Tracheo-Ausgang anschaut. Prof. R. ruft in der HNO an und wir gehen rüber. Die sollen endlich ihren Job machen und sie das anschauen, was da aus dem Hals rauswächst. Das Personal und die schmuddeligen Räume kenne ich schon. Heute kommt ein junger Araber mit Fusselbart. Ich sage ihm, was zu machen ist. Ich bin geschockt. Das Ding ist zwischen dem 03. und heute um ein Vielfaches gewachsen und es sieht so was von gruselig aus, wie es aus dem Ausgang den Hals herunterwächst wie ein Blumenkohl aus Fleisch. Ja, er ist Krebs, sagt mir der Arzt auf Nachfrage und, dass man den auch wegschneiden und dann eine Hauttransplantation machen kann, wenn man ihn nicht mit Bestrahlung und Chemo weg bekommt. Hey, träum weiter denke ich mir. Herr W. bedankt sich, dass ich da war und ich veranlasse den Rücktransport. Als ich noch mal vorbei laufe, winken wir uns zu. Ich bin mitgenommen von dem Termin merke ich danach deutlich. Ich will so was bitte, bitte nicht, sondern dann eher Darmkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, aber nicht, dass das Essen an dem Krebs vorbei muss und man nicht mehr Essen schlucken kann und nicht mehr richtig sprechen. Es ist so schrecklich. Auf dem Rückweg fahre ich am Kunstverein vorbei. Da wollte heute Stephan mit Andreas (dem Gast aus Fürth) hin und tatsächlich, ihre Fahrräder stehen vor der Tür. Ich erkenne unser Gastfahrrad, die alte Gurke. Ich halte und  gehe hoch, stehe aber noch unter Schock. Türkische Ausstellung. Ich habe andere Bilder im Kopf. Ich muss ins Büro.

Während dessen hat Stephan dem auswärtigen Gast die schönsten Seiten der Stadt gezeigt. Pilze unter alten Bäumen und Gräber von Herrn Niemeyer.

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Auf dem Opernplatz großes Polizeiaufgebot. Merkel kommt und überall die Hinterlassenschaften der Polizeipferde. Gassi gehen mit Tüte und Papier oder „Ein Sackerl fürs Gackerl“, wie der Wiener sagt.

Heute wird bei uns gekocht, ein Gast hat dann um 24 Uhr Geburtstag und eine Semi-Promi aus der Nähszene Hamburg, den wir aber nicht persönlich kennen, unsere Gäste aber wohl, wird auch dazu stoßen, aber ich bin raus, zumindes fürs Kochen und werde passend zu dem Hamburg-Gast im Frotteemorgenmantel und damit im Zuhauselook sein und nicht im Gastmaschinenmodus und melde mich definitiv für die Küchenarbeit ab. Mir ist außerdem der Appetit vergangen. Ich wollte Milchreis machen, aber heißt der nicht auch Orsa, ne Oryza, so ähnlich. Ich trage den letzten Lebkuchen in meiner Tasche, aber er bleibt unangetastet. Kaffee geht noch und soll auch gut sein für die Leber….

Im Büro ruft mich ein Betreuter an, den ich duze. Die Bullen waren neulich nachts bei ihm und haben seinen Teenagersohn gesucht. Der war nicht nach Hause gekommen und die Mutter konnte ihn nicht erreichen und machte sich Sorgen. Er hat mit Kumpels auf dem Skaterpark übernachtet. Dann waren die Bullen tagsüber noch mal da, obwohl Sohnemann wieder aufgetaucht war und er hatte gerade eine Drogenzigarette geraucht mit einem Freund. Dann haben die festgestellt, dass es nach TCM riecht und der Freund wurde durchsucht, dann haben sie einen Durchsuchungsbeschluss von der StA besorgt und einen Hund und die Wohnung gefilzt. Gefunden haben sie jämmerliche und superkleine Pflanzen auf dem Balkon und jetzt will einer der Bullen nächste Woche zur Vernehmung bei meinem Schützling vorbei kommen und hat sich schon angemeldet. Von wegen nett sein, Hausbesuch. Ich sage ihm, das werde ich absagen, Aussageverweigerungsrecht ist das Mittel der Wahl. Er kann sich nur reinreden bei so was und darauf hoffen die. Kleiner Plausch zuhause, ich glaube: nein. Leider erreiche ich den Polizisten nicht, obwohl er meinem Schützling seine Durchwahl gegeben hat.

Die schlimmste Nachricht des Tages kommt in der Ausstellung von Stephan: die Post an meinen Paps ist wieder zurück gekommen. Ich fasse es nicht, weil ich ihm eine Postkarte gebastelt und geschrieben habe vor der OP, die Morgen ist. Ich rege mich spontan auf: Da war nicht zu wenig drauf, an Porto. Das war nur eine Postkarte in einem Umschlag. Als ich im Büro ankomme, stelle ich fest, dass ich gar keine Briefmarke draufgeklebt habe. Ich rufe in Bayreuth an und mein Paps meint, dass sei Oma erst im hohen Alter passiert. Ich bin natürlich entsprechend frustriert über meine Blödheit. Das ist schon bedenklich, wenn so eine Aktion, die mir wichtig ist, am Ende nur gut gemeint war, aber einfach gescheitert ist.

Renato und Ulrica

14.09. Ich werde relativ früh wach und lese den Urlaubsbericht meiner Freundin Claudia von der griechischen Insel und schreibe eine Email an Freunde aus Kriftel, die ich auf Amrum vermute. Es geht um die Frage, wo wir essen gehen, wenn sie nächsten Samstag vorbeischauen und ich empfehle das Tropeano. Prompt bekomme ich einen Anruf aus Frankfurt, weil die beiden noch gar nicht auf der Insel sind. Charlotte sagt, sie könne mal wieder eine Kette gebrauchen, wenn das nicht zu unverschämt sei. Der Startschuss zum Ausmisten ist gefallen. Ich gehe meine Ketten durch und schaue sie mir fast alle an. Das ist zugleich immer eine Reise in die Vergangenheit. Da ich seit einigen Jahren mehr auf Hütchen fixiert bin, trage ich weniger Ketten, weil sich das oft nicht verträgt. Ich sortiere aus und es kommen etliche Kilo zusammen.

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Es ist nicht so, dass ich die Ketten auf Teufel komm raus loswerden oder gar wegwerfen will, sondern ich habe durchaus eine emotionale Bindung zu ihnen, aber ich freue mich auch, wenn sie ein neues zuhause finden. Vielleicht mag meine Freundin Andrea, von der ich meine halbe Garderobe habe (alles selbstgenäht) auch mal eine Kette von mir auswählen oder Heike aus Berlin? Die eine mit dem Schweinchen und den Edelweiß würde ich gerne Sunla andrehen. Eine davon ist nicht von mir bebastelt und ca. 3 sind Fertigketten.

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Weiter geht es mit den Taschen. Ich will Buttermusch als Forum benutzen und bitte euch um eure Mithilfe. Stellt euch vor, es sind Straßenhunde, die ein neues Zuhause oder zumindest eine Pflegestelle suchen. Es sind skurrile Modelle dabei, teilweise auch welche an denen ich was gebastelt habe. Auf jeden Fall viele die mich Jahre lang begleitet haben und die ich quasi noch aus meiner Jugend habe. Getragen werden sie alle nicht mehr, weil eine Sigg-Flasche nicht hineinpasst. Ganz klares Ausschlusskriterium, leider. Ich habe sie Sonntag alle einmal durchfotografieren lassen und würde mich freuen, sie bald in ein neues Zuhause vermitteln zu können. Wenn ihr Freundinnen habt, die in Frage kommen, dann geht das auch. Die Selbstabholung ist die einzige Voraussetzung. Und denkt daran, ihr tut auch was Gutes. Ihr helft Buttermusch gegen das Messietum anzukämpfen und mehr Platz zu schaffen, dass die vorhandenen Sachen besser genutzt werden können. Die erste rosane habe ich in Santa Cruz in einem second hand Laden gekauft und meine Mama hat mir noch einen anderen Griff aus blauem Leder, auch mit Metall dran (gold) länger, zum Umhängen daran genäht, als der Originalgriff gebrochen war. Die großporige, die nach Schwein aussieht, eine Clutch, habe ich mal bei Odradek gekauft. Die aus den Kabeln, braun-weiß habe ich in Brooklyn gekauft und vom Schuster lange Träger ran nähen lassen. Die braune – unterhalb von dem Koffer (70er Jahre?), habe ich sehr viel getragen, eine tolle Tasche, verträglich mit anderen, nicht dominant, beißt nicht. Die quietschgrüne ist auch aus Leder. Ich liebe die Sticktaschen und wäre sehr froh, wenn noch jemand diesen Omastil zu schätzen weiß und mit ihnen Gassi gehen wollte.

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Nach dem Aderlass bastele ich die Hamburgcollagen, d.h. ich tusche und klebe und sehe mit Sorge den Nachmittag dahin schwinden und den Opernbesuch auf mich zurollen. Ich überlege noch, ob nicht unser Nachbar spontan mit Stephan mitgehen kann, während ich zuhause Bügelwäsche erledige. Ja, so weit ist es schon, dass dies eine reizvolle Alternative für mich darstellt. Ich einige mich mit Stephan darauf, dass es mein letzter Opernbesuch in Hannover zumindest sein wird, Calixto Bieto und Basel oder Stuttgart will ich auch zukünftig nicht ausschließen. Ausnahmen sind immer möglich, wie ich neulich beim Thema Musical und als Stephan verlangte, man soll ihn erschießen, wenn er da mal reingeht sagte, man weiß aber nie. Wenn meine einzige Nichte eines Tages Musicalstar wird, dann wird man vielleicht eine Ausnahme machen müssen oder auch wollen. Sie macht zwar gerne einen Auftritt und performt mit Singen und Tanzen, aber von der Figur her schließe ich eine Karriere im Showgeschäft eher aus. Aber s.o. man weiß es nie. Abwarten.

Maskenball, ich ziehe mich an, wie ich es für passend halte und bin im nach hinein sehr zufrieden mit dem Outfit, d.h. ich finde es passt sehr gut zu der Inszenierung. Ich habe meine neue Lieblingsherbstjacke an, ein Geschenk von meiner Freundin Andrea, einer begnadeten Nähkünstlerin. Wir gehen runter auf die Straße zur Bahn, weil es regnet. Emil kommt gerade vom Kindergeburtstag und fragt mich, was ich da auf dem Kopf habe. Ich sage, wie sieht es denn aus und er sagt: wie ne Tröte. Ich sage, gute Idee ist aber ein Dübel mit verkokelten Zahnstochern oder zumindest sehe sie so aus. Mit uns an der Haltestelle steht ein Typ, Bildungsbürger ca. 50 mit Schirm und ich sage zu Stephan, der hat bestimmt dasselbe Ziel und so ist es auch. Im Foyer sitzt eine Frau auf einem Rollator und fährt damit rückwärts ohne zu Gucken, d.h. sie geht mit den Beinen und schiebt den Rollator dadurch den Gang entlang. Unmittelbar vor der Premiere ist dieser naturgemäß mit Menschen gefüllt. Wir lachen als Stephan sagt: nicht auch noch mit dem Handy telefonieren beim rückwärts, weil wir sie bei der zweiten Begegnung sehen, wie sie gerade damit telefoniert. Die Damentoilette von der Vorstellung ist immer herrlich. Ca. 16 Frauen, die in Reihe stehen und dann die üblichen Rituale, Schuhe wechseln, Haare zupfen am Spiegel, gucken ob alles sitzt und passt und man keine Flecken im Gesicht hat. Wir haben herrliche Plätze in der zweiten Reihe. Eine Reihe hinten uns entdeckt Stephan eine Freundin mit fast erwachsener Tochter. Wir sitzen neben einem schwulen mittleren Alters, ein geübter Operngänger. Er sagt, wenn es nach Alkohol riechen würde, er habe nichts getrunken, sondern ein Brillenputztuch verwendet. Ich sage, „warum, sind wir im Metronom? Ist hier Alkoholverbot? Meiner hat schon was getrunken“. Ich wundere mich darüber, dass so wenig Musiker in dem Graben sitzen. Ca. nur 1/3 so viel wie man für eine durchschnittliche Wagneroper benötigt. Es geht los. Vorhang auf und es erscheint eine tollen Theaterkulisse mit Fenstern und 3 Rängen. Überall kommen die Männer aus dem Chor zum Vorschein in coolen Clownkostümen mit entsprechender Schminke und singen. Die eine Nebenrollensängerin, eine kleine Erbse mit sexy Portierklamotten ist der Diener des Königs, der im Bett liegt und demonstrativ getötet werden soll, aber die Liebe zu seinem Volk oder seines Volkes zu ihm oder beides, schützen ihn. Sehr gut dargestellt, schön überzeichnet. I like. Die Kostüme und das Bühnenbild sind der Hammer. Die Oper ist operettenartig und 2 Typen lieben eine Frau. Auch klar, aber sie gefällt mir. Der weibliche Chor besteht aus einer Art Clownzombies, sehr gut dargestellt und die Wahrsagerin, Ulrica, die verbannt werden soll ist der Hammer. Der König soll die Verbannungsurkunde unterzeichnen, erfährt dann aber, dass sein Schwarm ein Termin bei der Wahrsagerin hat und dann will er natürlich unbedingt lauschen unter Verletzung des Patiengeheimnisses. Ich bin ein bisschen in Ulrica verknallt. Die ist auf Totenkopf geschminkt vom feinsten und richtig gruselig und singt nicht nur überzeugend, sondern ist darstellerisch auch eine eins bis hier zu der Haltung, den Bewegungen, gerade der Hände. Bei einer lebenden Toten sehr wichtig. Das wäre mein Traum, mich auch mal auf tot so überzeugend schminken zu lassen und mich dann vor mir selber zu gruseln. Ich bin zufrieden. Unruhig werde ich als es eine Pause gibt, aber sie uns nicht rauslassen. Noch mal eine halbe Stunde singen ist angesagt. Die jungen Clownstatisten sind lustig anzuschauen, sowie die beiden bösen Clowns, eine Art Türsteher oder Leibgarde des Königs, Mimik und Kostüme ebenfalls eine eins. Ulrica steht mit dem Teufel im Bunde und übt schon mal die Wahrsagerkünste an einem jungen Juppie, ebenfalls am Hofe des Königs beschäftigt, dem eine Karriere und Reichtum vorhergesagt wird. Das setzt der König, der ja lauscht, gleich in die Tat um. Pause. Überall lange Schlangen bei den Getränken. Wir unterhalten uns etwas mit Alex. Die Tochter hat bald Debütantinnenball in der Oper. Mann und Sohn sind beim Fußball. Ich gebe zu, dass es mir doch gefällt. Dann zweite Halbzeit. Hier geht es um Rache, die beim Maskenball umgesetzt wird, weil der König die Frau seines besten Freundes liebt und sie ihn auch, wie sie der Wahrsagerin verrät und er hört zu. Sie will von den Gedanken an ihn befreit werden und Ulrica weiß wie. Sie muss nachts um 12 Uhr (natürlich dann) an einem besonders gruseligen Ort ein Kraut pflücken. Dann spitzt sich das Ganze zu. Der Freund erfährt von dem Treffen der beiden und sie sollen sterben. Auch seine Frau, die noch einmal ihr einziges Kind in den Arm nehmen will (auch italienischer Pathos vom feinsten) und wenn er ihr den Wunsch als Frau abschlägt, dann soll er ihn ihr als Mutter gewähren. Auch der König soll sterben. Die beiden Leibwächter wirken mit und müssen auslosen, wer die Rache vollziehen darf. Der Freund gewinnt und tötet den König. Die italienischen Opern sind so schön schwülstig. Die Nacht soll nie enden usw. Immer schön dramatisch und voll aufdrehen. Daher kann der König auch nicht einfach so sterben, sondern nach der Erdolchung singt er noch mindestens 25 Minuten eine Arie und erklärt, wie er dem Freund treu und die Frau sauber geblieben. Beide anständig geblieben. Das war ihm ganz wichtig, der Ruf der Frau und die Ehre des Freundes und jetzt wo der Freund ihn erstochen hat erteilt er auch noch Absolution und stirbt erst dann. Tosender Applaus. Allen hat er gefallen, obwohl die Kostüme auch modern waren (böse Clowns usw). Es ist derselbe Typ, der für Meistersinger, auch moderne Inszenierung und noch das beste an dieser Oper, wenn man mich fragt, viel Buh geerntet hat, aber die Wagnerianer sind auch spaßfrei und nutzen die Oper viel als Therapie, Schreitherapie, um mal alle Gefühle so richtig freien Lauf zu lassen.

Wir fahren mit dem Tagesticket zum Steintor. Ab Morgen ist Emo, Metallmesse für Emotionals. Wegen dieser Messe müssen wir auch für das Tropeano vorbestellen für nächsten Samstag.

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Ich habe die ganze Zeit schon Lust auf eine Pide und die ist echt lecker, gerade vom Teig her schön fluffig. Ich würde nächstes Mal nicht wieder Thunfisch wählen, aber die können das und ich komme wieder. Stephan hat gegrillten Lammspieß mit Auberginenmus. Dazu gibt es einen kleinen, scharfen Beilagensalat mit kleingehakten Tomaten, Gurken und Minze. Sehr lecker. Als Foto für alle die es noch nicht kennen und als Werbung: Künefe. Please enjoy!!

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Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe jugendlicher Jungs. Die sehen aus wie zwischen 12 und 15 und extrem wie die Clique von Steve von American Dad. Ein dicker, ein Nerd usw. Nur sie sind zu fünft. Was machen die hier um die Uhrzeit? Auch die bekommen nach dem Döner einen Schwarztee. Ich liebe diesen Laden und freue mich über die grottenschlechten Fotos an den Wänden. Hinter uns sitzen so richtige Kerle. Typ Macho und Mucki-Bude. Der eine trinkt eine Cola aus der Dose mit der Aufschrift Supergirl. Er ist ahnungslos und schaut dazu böse. Das sieht sehr lustig. Ich mag diesen Kontrast nach der Oper und vielleicht war es doch nicht meine letzte, nur kein Wagner mehr. Vielleicht mal Carmen?

15.09. Ich schaue nach Yogakursen und London und komme dann auf die Idee mal wieder sonntags in die Yogawerkstatt zu fahren und spontan eine Runde zu schwitzen. Dafür ist es jetzt allerdings schon zu spät. Auf der Homepage sehe ich, dass da auch Yogaworkshop heute ist mit der Kanadierin, die sich so schön verrenkten kann, dass alle ihre Handys gezückt haben und auch wenn sie zu Beginn betont hat, dass es nicht darauf ankomme, spektakuläre Asanas zu machen, hat sie genau das getan. Ich liebe es immer, wenn Leute A sagen und dann gleich -A machen. Dafür waren doch alle offenbar gekommen, um zu sehen, was sie drauf hat. Ich fand ziemlich Jahrmarkt der Eitelkeiten und weniger nach innen schauen, aber isse Geschmackssache. Vielleicht bin ich auch nur beleidigt, weil meine Yogalehrerin aus London nicht punkten konnte und der Workshop in Hannover abgesat wurde.

So schön sonnig, da zieht es uns mal wieder in die Bar zu Kaffee trinken. Stephan bekommt einen holländischen Apfelkuchen, den er so liebt. Nebenan gibt es sowohl ein sehenswertes Wahlplakat, wo sich jemand mit den eyes richtig Mühe gegeben hat als auch Süperkampanya Omo.

Holl Apfelkuchen Süper Kampanya Buhlmann Katze

Anschließend zum Faustflohmarkt und hier werde ich stürmisch begrüßt von einem Typen ca. in meinem Alter, gutaussehend, Ex-Junkie würde ich mal vermuten. „Toll sieht die Frau aus, wie immer, ein Gesamtkunstwerk“. Ich bin verlegen und muss schnell weiter. Ich kaufe Modeschmuck zum basteln und eine ganz tolle Schildkröte, die schon ausgepreist ist mit 1,- €. Die Rentnerin, die sie hergestellt hat, verkauft sie auch und sie hat ganze Arbeit geleistet. Ich lobe das zu wenig und sehe nach und nach, wie hier alles stimmt bis zum ausgestopften Schwanz. Das hätte ich der Frau ruhig noch mal deutlich sagen sollen.

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Am Lichtenbergplatz wird eine Babykatze an der Leine ausgeführt und wir treffen Sabine. Die hat gestern auf einer Privatparty aufgelegt und ein Nachbar, der wohl richtig Psycho ist, hat den fünfzigsten Geburtstag mit einem Kamerascheinwerfer, der er vom Balkon auf die Festgesellschaft gerichtet hatte, gesprengt. Was die Menschen so reitet…..Danach treffen wir Britta, eine Freundin, die ich sehr gut aussehend und sympathisch finde. Ich sage ihr: Du hast eine richtige Farah Fawcett Mähne und sie lacht, 2 Nächte in der Blockhütte übernachtet und gerade hat sie das Haargummi rausgezogen und der Hüttenmuff sei ihr aus dem Dutt entgegen gekommen. Sie und ihr Mann mögen Kultur und Festivals und ich freue mich immer über sie. Die beiden Kinder mag ich auch sehr. Britta muss zum Fußball. Ihre Tochter spielt in der Frauenliga und ist erst 16. Mir würde das Angst machen als Mutter und ich sage ihr auch, das sei kein Sport für Mädchen. Ja, davon bekomme man muskulöse Oberschenkel. Das sei ja gut, ist meine Reaktion, aber das Verletzungsrisiko, man kann seine Zähne verlieren und das ist ja nicht so gut. Ich überlege erst mit zu kommen, aber was soll ich machen? Am Spielfeldrand stehen und ihr zurufen, Vorsicht und lass Dich nicht provozieren, schön auf die Deckung achten. Ich glaube, das wäre ihr peinlich. Zuhause stelle ich Modeschmuck, den ich geschenkt bekommen habe auf die Straße

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und bastele mit aus den Flohmarktsachen ein paar Ohrringe mit Pilzen dran (Plastiksteinpilze aus den 50ern) sowie eine Wintermütze aus meiner geliebten Schildkröte. Stephan skypt mit Kathrin und wir suchen parallel ein Apartment für London für Dezember (Hochzeitsreise), Islington, Hackney, Shoreditch, Hoxton Square, White Cube. Der Zielort steht fest, nachdem ich kurz versucht hatte mit Rom und Barcelona zu locken, aber ewig reizt London, quasi London calling, alle Jahre wieder. ich bin nicht unglücklich damit, zumal es hier allerhand gibt, was ich richtig liebe. Engländer, indisches Essen, sehr gutes Yoga, High Tea, Sport-BHs von Lonsdale. Nur die Crusty Cream doughnuts sind in Liverpool (home of Crusty Cream) besser….