Archiv der Kategorie: Sauerrahmbutter

Alltagsberichte – das Tagebuch

9999 auf 10.000

14.07. Telefonate von Zuhause. Fahrrad nach nebenan, kann ich ab 15 Uhr wieder abholen. Nee gratuliert greift meine Hand und gratuliert mir zu 9999 Tagen. Zuvor hatte sie Stephan zu dem Weltmeistertitel beglückwünschen wollen, was er aber ablehnte. An die Zahl hatte ich schon gleich nach dem Aufwachen gedacht, wie aus 4 Zahlen bald 5 werden. Die Mathematik. Stephan fragt sich, ob das dann wieder auf Null zurück springt, aber er spielt nur damit. Bei mir ist die Verwirrung echt.

Kaum im Büro muss ich mich wieder mit Wunstorf abmühen. Frau Tod sitzt auf gepackten Koffer und ihr Typ ist da um sie abzuholen. Dann hätte ich den Termin beim Jobcenter für Morgen, bei dem über ihre berufliche Situation gesprochen werden soll ja nicht absagen müssen, denke ich scherzhaft bei mir. Als nebenbei Visite ist und ich zusage mit einem Arzt zu sprechen und mich wieder zu melden und sie erneut anruft, raste ich etwas aus, dass sie mit dem Telefonterror aufhören solle. Sie hat verstanden. Ich rufe sie nachmittags wie verabredet an. Sie will mich kündigen, die Ärzte hätten ihr schon gesagt, dass ich der Meinung bin, dass sie noch da bleiben muss, sie merke langsam auf wen sie sich verlassen könne. Ich sei schon ganz schön verlässlich sage ich. Ja, vielleicht würde sie das auch mal anders sehen. Ich erkläre ihr, dass sie das nicht einfach so tun kann. Das Gericht muss die Betreuung aufheben und das werden die derzeit wohl nicht tun. Sie weiß.

In Sachen Herr Ihme ist die Stationsärztin heute nicht da, dann doch, jedenfalls liegt mir die ärztliche Stellungnahme nicht vor. Ich spreche dann mit ihr und sie schiebt die Schuld für das Chaos auf die Kollegin, die Wochenenddienst gemacht hat. Ich kläre, worum es mich geht, nämlich zu sehen ob sich sein Zustand durch eine kontinuierliche Behandlung noch verbessern lässt. Telefoniere mit der Fallmanagerin, die am 25.07. in den Mutterschutz geht und langsam selber sehr genervt ist von ihren Kollegen aus der Leistungsabteilung, die sich auch bei ihr nicht melden, von wegen so unter Kollegen könne man doch mal anrufen. Ich denke mir, ja hat sie recht und es zeigt das Ausmaß der Ignoranz, weil den Kunden veraschen ist normal, wenn da noch eine Anwältin/Berufsbetreuerin dahinter hängt ist es schon hartnäckiger, aber sich bei der eigene Kollegin taub stellen ist schon sehr dreist.

Der Kollege kommt rein und meldet uns, dass die Feier am Steintor noch andauert. Es ist gegen Mittag.

Nachmittags treffen bei Herr Borderline zuhause mit der ambulanten Wohnbetreuung. Das ist ein dicker Typ mit Plugs in den Ohren, der gerne kurze Hosen trägt und tätowiert ist und auf Death Metal steht. Ich war noch nie in der Wohnung in Ricklingen, wusste aber, dass es sauber ist und er eine Katze hat. Stephan erklärt mir wie ich fahren muss und hat Angst so von wegen, nicht dass jetzt auf den letzten Metern noch was passiert, er will die 10.000 jetzt auch voll kriegen. Meinem Schützling geht es schlecht, seit er sich mit seiner Mutter überworfen hat, die ihm immer das Geld eingeteilt und ihn überall hingefahren hat, läuft einiges aus dem Ruder. Er kokst, aber das hat den gegenteiligen Effekt auf ihn und bringt ihn runter, wie der Wohnbetreuer zu berichten weiß. Ich frage nach dem Schlaf und erfahre, dass er sich seit dem Überfall nur noch tagsüber zu schlafen traut, weil sie nachts kommen können und tagsüber keine Chance haben und das auch wissen. Das klingt alles recht desolat. Sein Dealer sei aber ein netter Typ und habe ihm auch Geld für Essen geliehen, er schuldet ihm derzeit 200,- €. Ist der denn versorgt mit Lebensmitteln will ich wissen. Ja, er hat eine Stange Toastbrot und eine Marmelade im Kühlschrank. Ein deutliches Bäuchlein hat er auch. Auslöser des Streites mit der Mutter war eine Fahrt an die Küste. Der neue Mann ist Berufsfahrer und wohl gefahren wie Sau. Er hatte Todesangst und hat nichts gesagt. Das kann ich beides nachvollziehen und habe es auch schon so erlebt, aber ich sage, die nehmen das anders wahr und es gibt das immer zwei Wahrheiten, weil gerade die Berufsfahrer immer meinen, dass sie das alles prima im Griff hatten und das gar nicht gefährlich war, andere Wahrnehmung eben. Sie hätten es wissen müssen, dass er das nicht ab kann und dann Panik schiebt. Ich wende ein, dass er das vielleicht vorher hätte klären sollen als Selbstschutz, weil vor allem er habe es doch gewusst von wegen, wenn der Fahrer mehr als 140 km/h fährt muss ich zuhause bleiben. Die Mutter hat wohl gesagt, dass er ohne sie nichts sei. Das ist hart, aber auch ein Stück wahr. Er ist nun dafür sich zugrunde zu richten bevor er sich bei ihr wieder meldet, „ihr wieder aus der Hand frisst“, darauf warte sie nur und würde dann triumphieren. Auch eine Variante sich dann lieber selber zugrunde zu richten oder sich seinem Dealer anzuvertrauen und passt zur Borderline-Erkrankung. Wir überlegen, wie wir die Aufgaben der Mutter mit übernehmen können. Der Dicke soll Geld einteilen, ich kümmere mich um eine Krisenintervention über Opferhilfe und Sozialpsychiatrischen Dienst.

Nein, in diesem Haus wohnt er nicht. Ich fand die Mieter Sieben, Neun und Zehn faszinierend.

neun zehn

Ich fahre am Ihmezentrum vorbei und denke an meinen Hasen. Ist jetzt besser für ihn, dass er eingefangen ist, davon bin ich überzeugt.

Beim Sport kommen mir Ballettmäuse mit Deutschlandrouge entgegen. Es geht in der Umkleidekabine darum, dass man nicht so doof sein soll zum Sport seinen Schmuck mitzunehmen. Die Klugscheißermädchen erklären der Lehrerin, wie sie den immer zuhause abmachen, weil ihre Tochter wohl was verloren hat, was teuer ist und „was hier ganz schwer zu bekommen ist“. Die Lehrerin spricht mit der Tochter Englisch, was schon immer total überkandidelt und idiotisch daher kommt. Dann im Unterricht erzählt Jenny von ihrem 1. Hochzeitstag. Das ist mal ganz weit weg von unserem Jubiläum.

Beim Yoga lässt Mikael uns die Arme kreuzen in der Vorderbeuge und ich bin erstaunt, was das für einen Effekt hat, diese kleine Modifizierung, aber so ist der Körper wohl.

Ich finde den Ayran-Deckel nicht, den ich gefaltet habe. Das macht mir so Stress, dass ich noch mal zum Türken muss und einfach Barfuß los laufe ohne Schlüssel. Erst zum Kiosk, die haben Ayran im Tetrapack, ich brauche es anders stottere ich und stürze nach gegenüber, kaufe, trinke, falte, aber kein Vergleich, meiner war aus Istanbul, glaube ich zumindest oder war es doch nur Berlin. Findet sich wieder was Neues, aber für mich erst mal schlimm wegen Kontrollverlust. Während ich den Anfall kriege, bleibt mein Mann ganz ruhig. Füttert mich mit Beeren und Vanillejoghurt in den Intervallen. Bietet mir Honigbrot und ich brauche nur zu schauen und er weiß Bescheid, Randstück wegbeißen oder andere Seite anbieten, die hat mehr Butter. Das läuft alles non-verbal. Ich habe so ein Glück gehabt einen Mann zu finden, der mich so verehrt und mich so gut kennt und so gut mit mir kann und gut aussehend ist er auch ohne Ende. Womit habe ich das verdient? Dann finde ich den Deckel noch, habe aber schon den anderen drauf genäht, dann eben zwei. Jetzt ist es eigentlich schon zu spät und ich werde Morgen müde sein.

15.07. Traum mit Marlis und Dieter, wollen ins Theater, buchen Hotelzimmer. Stellen irgendwann mal fest, dass sie nach dem Theater zurück fahren wollen, keiner kommt auf die Idee die abzusagen. Muss wohl so sein, weil die Schlüssel hatten wir zurück gelegt in die Glasvitrine und sie sind weg, weil wir praktisch nach eines Stunde schon wieder ausgecheckt haben. Stephan will unseres damit er sich in Ruhe umziehen kann. Ich nehme Comics mit 2 Bände á 22 SF, damit es sich wenigstens etwas lohnt. Dann sind Yogafrauen da und nette Hoteljungs. Der eine will uns noch einen Milchreis machen. Yuhu, ich liebe Milchreis. Mein Kleid was ich ausgezogen habe hängt an der Tür. Das darf ich nicht vergessen. Traum erinnert an die Reise nach Berlin für nur eine Nacht.

Fallmanager von Frau Yoga ruft an. Ausgesprochen nett, neuer Termin 18.08.

Fahre zu einer Betreuten durch die Eilenriede. Weiß jetzt, dass ich immer einen Umweg fahre und beim Kanapee schon gleich links abbiegen muss statt weiter bis zum Ende, wenn die Celler Straße in der Eilenriede mündet. Ich denke an Cesar Milan und den Bernersennenhund, den er neulich in der Sendung hat, Exotenrasse an der Westküste. Swiss Mountain Dog, erklärt er, „also known as the horse of the poor man“ und zeigt alte schwarz-weiß Fotos, wie sie vor einen Wagen geschnallt werden oder einen Holzwagen mit Kindern befüllt ziehen müssen. Ich mag die Rasse nicht, aber wenn ich einen hätte, würde ich mir einen Ben Hur ähnlichen Karren bauen und mich ziehen lassen. Das ist das Hauptproblem bei den Hunden, dass sie nicht ausgelastet sind, gerade bei Arbeitshunden, dann kommen die Verhaltensauffälligkeiten und hey, das würde ganz schön cool aussehen. Ich stehend im Wagen und wenn der Hund alt würde, könnte man den Wagen ans Fahrrad schnallen und es umgekehrt machen. Meine Betreute, die zum Messytum neigt, kenne ich schon lange. Sie ist trotz aller Einschränkungen aber noch voll orientiert und nicht will, dass ich ihr Geld an den Pflegedienst überweise und der dann für sie einkaufen geht, sondern will mit und selber was aussuchen und dann auch was erleben und ich erkläre der Frau von der Stelle Hilfe zur Pflege, dass ich dann nichts tun kann und wie es sich juristisch verhält, aber wenn hier die Motten und Fliegen schwirren und zu ihr sage, „Sie sollen die Süßigkeiten nicht stapeln, hier sieht es aus als hätten Sie 20 Enkel“. Sie esse eben gerne Süßes. „Ja essen, aber nicht die Ostereier aus 2009 horten“. Sie bewundert immer meinen Schmuck, heute würde ich japanisch ausschauen und vor allem meine Ringe will sie sich aus der Nähe anschauen. Bald ist die Sitzung vorbei, aber ich bleibe noch. Bin ja auch später gekommen, „nachsitzen“ sagt sie. Ich zeige ihr Fotos von früher, sie mit dem Sohn der verstorben in der Lüneburger Heide. Markus war so ein netter Typ, alle mochten ihn und jeden zweiten kannte er, wenn man mal in der Stadt unterwegs war. Ich sage, ja, wer Flohmarkt macht hat viele Sozialkontakte. In der Lüneburger Heide waren sie damals 9 Tage und haben Urlaub gemacht und gewandert bis ihr Vater keine Lust mehr hatte weil sein Knie ihm weh getan hat. Sie habe viel Zeit zusammen mit ihren Eltern verbracht. Immer die Feiertage mit der Familie und ihre Schwiegermutter hat gebraten und gekocht. Das waren schöne Zeiten und das kann einem keiner nehmen. Sie hat so Recht. Sie weiß noch, wie die Schwiegermutter gestorben ist, sie hat gesagt, ich mache mal Kaffee und dann hatte sie noch die Kaffeekanne in der Hand und hat ihnen erklärt, wo ihre Medikamente stehen und dann Krankenwagen, der viel zu lange gebraucht hat und am 22. Juni ist sie im Krankenhaus gestorben. Die haben ihren Kopf mit einer weißen Schleife umwickelt, dass der Mund zugehalten wird und sie habe ihren Kopf angefasst und der war noch ganz warm. Vielleicht war sie nicht tot? Doch bestimmt, wende ich ein. Vielleicht dauert es eine Weile bis der Körper auskühlt. Das Familiengrab in Lahe. Damals kurz vor seinem Tod hat Markus gesagt, auf den Friedhof gehe er nie wieder und sie hat gesagt, das würde seinem Vater aber nicht gefallen und dann als er tot war hat sie gesagt: „So, Markus und jetzt wirst Du dahin gefahren im Leichenwagen.“ Ich sage, manche Leute könnten das einfach nicht vertragen mit Friedhof und Krankenhaus und würden da rückwärts rausgehen. Sie erzählt von ihrer letzten Friedhofsbegegnung und hier muss irgendwo ein Brief liegen mit Fotos und tatsächlich, ich finde ihn. Sie hat ein Ehepaar kennengelernt, die ihr schreiben, „Als wir Ihnen neulich zufällig auf dem Laher Friedhof begegnet sind und sie das Grab bepflanzen wollten, hatten wir kein Werkzeug dabei und die Blumen konnten nur provisorisch in den Töpfen in die lose Erde gesteckt werden. Mein Mann und ich haben sie jetzt eingepflanzt als wir wieder einmal dort waren und tüchtig gegossen. Wir würden Ihnen allerdings dringend raten die Grabpflege in Auftrag zu geben und hoffen, dass Sie sich wieder gut erholt haben von dem Ausflug. Unterschrift mit Name und Telefonnummer sowie Fotos von dem bepflanzten Grab und die Frau daneben, die auch so ca. Mitte 60 ist. So nett, dass es so Menschen noch gibt meinen Frau Ring und ich. Ich will sie auch anrufen und mich bedanken. Frau Ring ist einverstanden. Dann erzählt sie, was sie mit dieser „Claudia“ alles erlebt hat. Das war eine Alkoholikerin, in die ihr Sohn verknallt war. Mit der hat sie gekämpft und auch auf dem Boden gerungen. Die hat sie und sich mit Feuerzeugbenzin oder Spiritus übergossen und sie wollte verhindern, dass sie an das Feuerzeug herankommt bzw. dieses betätigt. „Die dachte immer, sie ist groß und kräftig“ und dann hat sie ihr zack mit dem Finger ins Auge gestochen und hätte es rausholen können und die dann „aua“ und sei erschrocken zurückgewichen und Markus hatte sie gewarnt „leg Dich nicht mit meiner Mutter an, die ist kräftig“. Weiteres Foto, sie ein scharfen Geschoß mit B-52 Frisur wie sie ein Rentier füttert. Ja, die waren ganz zahm und das waren diese schwarzen Lackmäntel, kommentiert sie das Bild und ihr Outfit. Die hätten sie damals von Mäntelhaus Kaiser geschenkt bekommen, die Mitarbeiterinnen, weil sie davon eine ganze Stange hatten und die nicht losgeworden sind.

Bild mit TierKäse und WurstschnittchenHand mit Ringen Hand auf Decke2 Hnde mit Ringen

Lauter Kitagruppen unterwegs, aber wenn man schnell genug heizt, dann lassen die Erzieherinnen  ihre Herde nicht kreuzen. Vielleicht ist es ähnlich, ich mache mir weniger was aus süßen Kindern und Welpen, sondern mag die erwachsenen Tiere und dann gerne die, die skurril sind und vielleicht sonst nicht so gut ankommen.

Heute ist viel, viel schöner als Geburtstag. Der passiert so zufällig ohne Zutun, warum wird der überhaupt gefeiert, aber unser Jahrestag, das ist viel besser und stimmt mich viel fröhlicher. Juli statt Februar und so fühlen sich 10.000 Tage an. Nächstes Mal aber bestimmt anders. Wer hätte damals beim ersten Kuss in der WG gedacht, dass wir nach 10.000 Tagen hier landen? Jetzt geht es nach Berlin und wir fröhnen unseren Hobbies, die sich herauskristallisiert haben nach den 10.000 Tagen. Tim Raue liebt Mango, vergöttert sie, wenn ich mir das richtig gemerkt habe…

Ich musste neulich daran denken, dass wir so eine Art Lindeneinwanderer sind. Als wir ankamen wollten wir eine Wohnung in Linden und man erklärte uns, die sind schwer zu bekommen und die wollen viele und Linden nimmt nicht jeden, jetzt sind wir Hausbesitzer mit Immobilien in bester Lindenlage. So endete die persönliche Lindengeschichte.

Frau Tod entschuldigt sich, leider kann ich kein Taschengeld überweisen wie geplant, weil das online banking nicht klappt. Muss warten bis nach Berlin.

Tochter kommt Morgennachmittag und bringt mir das Portemonnaie. Sie wollte es dem Lebensgefährten geben mit ihrer Bankkarte und da sind wir alle dagegen. Gerne erkläre ich ihm das. Dann muss er vielleicht ins Kloster eine Runde meditieren.

Gebe meinem Kollegen seinen Button und den für seine Tochter mit Vorstellungstext. Er ist nicht dabei in Wien. Sein Besuch hat sich gewundert, weil die Fledermaus so klein war, dass er sie als solche nicht erkannt hat. Die Fledermäuse in Australien sind 10 x so groß, wie alle Tiere dort. Das will er seiner Tochter bald mal zeigen, wie es dort ausschaut. Der Freund ist ihr Patenonkel.

Ein Brief von der Tante im Briefkasten beim Gehen. Sie ist in der Reha und ich soll sie wohl mal anrufen.

Wir sind 20 Minuten zu früh, weil der Zug nicht um :11 sondern um :31 fährt. Das Planungstalent meines Mannes lässt nach, bzw. war in der ersten Hälfte der 20.000 Tage besser. Kontoauszüge holen und gucken ob was Komisches auf meinen Konten passiert, ohne online banking wird mein Mann nervös. Wenn es Morgen nicht geht, bringe ich das Taschengeld manuell auf den Weg. Zug hat ca. 25 Minuten Verspätung wegen „Arzteinsatz am Gleis“. Dann nehmen wir den IC sage ich. Stephan, das geht nicht wegen Zugbindung, nicht immer nur die Rosinen rauspicken. Ich frage den Bahnmitarbeiter, ab 20 Minuten Verspätung ist die Zugbindung aufgehoben. Ich sage typisch, das ist Deine Erziehung, dass das alles immer nicht geht und so hingenommen werden muss. Das ist unser Tag, verdammt noch mal und ich will nach Berlin. Ich habe einen Vertrag mit denen, aber der sieht vor, dass mein ICE um :31 fährt und um :11 ankommt und den haben die nicht eingehalten und ich nehme den IC und mach das Beste draus. Er entschuldigt sich wegen der Abfahrtszeit und ich sage; hey, ohne Dich wäre mein Leben viel Chaotischer, alles gut.

SMS von Steffi mit Glückwünschen zu unserem Zahlenspiel.

Keine Sitzplatzreservierung, auf meinem Kopf sieht es so interessant aus, deswegen bleibt die Frauen stehen

Warum ziehen die jungen Dinger diese grausamen Schlabber-Hippie-Hosen mit den schlimmen Mustern an? Unvorteilhaft ohne Ende, zeigen, dass sie alles tragen können? Können sie ja gerade nicht.

Über den Hund von Freunden stolpern kostet bzw. bringt 30.000 €. Ich halte das Urteil für idiotisch, amerikanische Verhältnisse, krass.

Wir fahren in Berlin ein. 4 Tierschädel in Kränzen außen an der Fassade, perfekt symmetrisch angebracht. In Spandau?

Erst fährt die U-Bahn nicht, dann die S-Bahn oder Regionalexpress und wir stehen ewig. Die größten Deutschlandvollpfosten (oder –spaten) haben sich hier versammelt und vermutlich nutzen sie die WM um sich zu vermehren. Wir steigen gleich an der nächsten Station und falsch aus (Stephan lässt auch nach bei der Reiseführung). Statt die lange Wartezeit zu nutzen um auf seinen Zettel zu schauen. Zug steht noch da, als wir zum Gleis zurückkehren. Kein gutes Zeichen, erst gehen die Türen nicht auf, dann doch, schnell rein, wieder warten, dann die vorhersehbare Durchsage: alle aussteigen. Defekt an den Türen, der war schon vorher da, aber jetzt geht nichts mehr haben sie nach 30 Minuten festgestellt. Stephan entschuldigt sich, aber ohne ihn wäre das Reisen undenkbar für mich, also was soll’s. Dafür fahren wir ohne. Deutschland rufen zählt heute als Fahrkarte.

Erst mal Kaffee und gebackene Schweinereien, Blaubeerkuchen vegan und Erdnusskekse mit ganz viel wie flüssiger Schokolade gefüllt oder sind es große Chocolate Chips, die etwas angeschmolzen sind? Der Blaubeerkuchen mit Haferflockenrand sieht aus wie Brot, schmeckt aber unglaublich saftig.

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2 Fahrräder, Kaution am Kiosk wieder holen, weil er erst um 14 Uhr aufmacht. Öffnungszeiten 14-18 Uhr, ein Traum. Das ganze Gespräch am Kiosk ist skurril. Wir erklären unser Anliegen, 2 28er Damenfahrräder bis Morgen. Wie sind die Öffnungszeiten? Ganz normal ab 14 Uhr. 12 Uhr etwas fährt unser Zug. Er dann: o.k., dann können wir sie vorher zum Flughafen bringen. Da hat er einen Zweitladen. ???? Oder vor der Kiosk 2 Häuser weiter abstellen und dort ist die Kaution hinterlegt. Das Mädchen muss nicht aufpumpen. Sie soll meinen Sattel höher stellen. Stattdessen wir überall noch eine halb Tasse Luft reingemacht und den Auftrag vergisst sie dabei wieder bzw. findet das Werkzeug nicht.

Kiloweise Lakritze. Lakritze ist das neue Heroin, wie man Mann zu Recht feststellt. Ich hätte Claudia damals ernster nehmen müssen. Die ist auf Nachtisch fixiert und ausreichend kundig und kennt die Butter, Schoko, Salzkaramellvarianten der Welt. Als sie nach einem Skandinavienurlaub so durchdrehte und immer von diesem Nachtisch erzählte mit Schoko und Lakritze und es sei das geilste gewesen, was sie je gegessen hat. Das hätte mir mehr zu denken geben müssen, aber ich bin noch dahinter gekommen und die Lakritztrüffel sind der Burner. Wir testen 2 und Stephan kauft den Rest auf, auch um die in Wien mit unseren Freunden zu teilen.

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Unser Hostel wird von Holländern betrieben und deswegen heißt es „lekkerurlaub“ (wäre sonst ein total idiotischer Name, aber so macht er Sinn). Das hätte man auch drauf kommen können. Diese Holländer sprechen immer akzentfrei englisch, so dass man erst denkt, sie seien aus einem englisch-sprachigen Land, dann kommen aber junge Backpacker und er, der Kleine mit den langen Haaren legt los mit der süßen holländischen Sprache. Fahrräder haben sie keine mehr und als ich später wissen will ob wir unsere Leihfahrräder in den Innenhof stellen können Übernacht meint die Frau, dass die Feuerschutztür nicht mehr aufgeht, wenn man sie zufallen lässt, dass wir dann nicht mehr reinkommen und ich: ja, aber wir sind zu zweit und auch nicht so doof. Sie: man weiß ja nie. Hat sie total recht und dann: vielleicht kennen wir uns erst 2 Stunden. Eine Steilvorlage, die ich einfach stehen lasse.

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Heike und Georg kommen zu uns mit meiner Buttonmaschine im Gepäck und mit Bergen von Geschenken, „Küssen“ und „Essen“ zwei Sonderanfertigungen der Honey-Bones zu unserem Jubiläum. Heike und Georg haben die Halbzeit schon überschritten mit 5030. Auch eine sehr schöne Zahl. Blutwurst und Stoffravioli und eine ganze große Wundertüte, die schönsten Stücke aus der Sammlung von Heike für mich, Polyesteroberteile mit verblichenen Blumen, massenhaft Hütchen vorgefertigt, Rohlingen, wie sie es nennt, mindestens 30 Stück. Für Stephan ein Küchenhandtuch „Scherben bringen Glück“ und wunderschöne Knöpfe, Perlmutt und aus blauem Glas.

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Wir schwelgen und essen.

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Ich liebe Heike und Georg sehr. Es sind ganz wertvolle und besondere Menschen. Mit niemandem hätte ich diesen Tag lieber gefeiert, zumal sie nicht nach Wien kommen. Sie genießen das Essen und die leckeren Weine. Ich versuche immer die Blutwurst neu in Szene zu setzen und Heike mich auf der Toilette.

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Dann Biergarten „Frank und Frei“, von Franken betrieben samt der Bierambulanz und noch mal Brigitte und Arnd treffen. Heike macht sich Gedanken um den Abwaschberg, den wir produziert haben und klingt so süß und auch irgendwie nach meiner Schwiegermutter, alles wurde immer abgeräumt samt Besteck und neu gebracht. Ich habe noch einen Gutschein für Blutwurstravioli sonst wäre ich todtraurig, dass dieser wunderschöne Abend vorbei ist. Brigitte sagt, ich hätte sie gut runtergebracht oder auf andere Gedanken und das sei nicht so leicht. Ich weiß gar nicht wodurch, freu mich aber, dass es so ist. Alte Freunde sind schon was Tolles.

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Toller Mond, muss nicht immer voll sein. Die jungen Menschen sitzen in Reihe auf dem Bordstein mit den Füßen auf der Straße. Wie Spatzen schaut das aus. Was für ein herrlicher Tag. Besser hätten wir es uns nicht vorstellen können. Hier das offizielle Foto nach 10.000 Tagen…

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Geburtsanzeige von Jola am 09.07. geboren und mit ganz vielen braunen Haaren auf dem Bauch ihrer strahlenden Mutter. Ich mache den Stoffglückskeks von Heike an meine rote Berlintasche. An Stephan dekoriere ich unsere neuen Honey Bones.

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16.05. Nach den nächsten 10.000 werden wir richtig alt sein, Stephan geht dann auf die 80 zu und es wird sich nur vorher eine Zahl von 1 auf 2 verändert haben und sonst alles Nullen. Mathe soll mal einer verstehen. Wo werden wir uns da hinbewegt haben? Sollte ich heute mal eine Prognose abgeben? 10.001 ist auch eine schöne Zahl meint mein Mann.

Es ist 20 nach 9 und der Langhaarhippie baut die Möbel auf und stellt die Blumen auf die Tische. Er hat total schlechte Laune und Stephan meint so passend. „Frühstück ab 9, hieß das für ihn und er möchte nicht gestört werden?“ Mein Gott, vielleicht sollte er früher ins Bett oder weniger kiffen. Das 9 Uhr in Berlin ist das 5 Uhr von woanders und deswegen macht es auch Sinn, dass der Fahrradladen erst um 14 Uhr öffnet, dass ich quasi 10 Uhr in übersetzt.

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Wir trinken Kaffee und essen Müsli mit Früchten und erreichen aber Dilek nicht. Dann schauen wir nach der Busstation, bringen die Fahrräder weg (der Kiosktyp weiß erst von nichts, aber es klappt dann doch) und kehren erneut in unserem Lieblingsladen ein.

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Die eggs benedikt sind so was von Hammer, dass ich sie vor lauter Aufregung nicht fotografiere, sondern nur den Carrot Cake und das Avocado Toast.

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Es sitzen die überdrehten Schönlinge aus ganz Europa im Café und viele sprechen Englisch.  Ein junger Mann, der aussieht wie Barbie mit rundem Gesicht und vermutlich gerade vom Yoga kommt, zu den rasierten Achseln hat er ein Tuch asymmetrisch um den Oberkörper gewickelt und auch die „Hose“ sieht aus wie die Windel von Jesus. Er bekommt von seiner Schwulenfreundin ein Geschenk und hat offenbar Geburtstag. Es folgt demonstratives auspacken und sich dabei bewundern lassen, ein anderer junger Mann mit Brille ist zwischenzeitlich eingetroffen. Das Geschenk sah schon außen schrecklich aus, aber der Inhalt ist schlimmer, Billigunterwäsche „Ellen“ mit passenden Socken. „It even smells like Ellen“, verkündet er, total überdrehte Szene, der nichtsnutzige Lebenswandel wird von Papa finanziert. Ein Husky liegt mitten im Weg. Das kann jetzt teuer werden. Pillen gibt es auf der Straße und mein Ayrandeckel steht auf einer Fensterbank

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Ich werde ein Ayranfreundschaftbändchensammelhütchen daraus machen. Das hatte ich vorher schon überlegt. Leider nehme ich ihn nicht mit. Kaufe eine Blechnähmaschine als Christbaumschmuck für überteuerte 6,50 €. Hat im Einkauf bestimmt höchstens 30 Cent gekostet. Ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich so mein Geld verdienen würde. Statt ein gutes Produkt anzubieten, einfach Billigware überteuert an Touristen verscherbeln, aber bei mir hat es heute geklappt. Wollte es unbedingt für ein Hütchen. Sie empfiehlt mir den besseren Boesner, den Heike schon erwähnt hat und wir waren abends mit den Rädern daran vorbei gefahren. Da würde ich richtig fündig werden. Es ist mir zu blöd ihr zu erklären, dass mein Material meistens von der Straße stammt und ich mich vom Zufall inspirieren lasse und nicht zu überteuerten Preisen Neues einkaufe. Das macht nämlich sonst keinen Spaß. Im Bus gibt es keine Fahrkarte, das passt schon wird mir bestätigt vom Fahrer. Was passt daran, wenn er keine Fahrkarten drucken kann, fahr ich umsonst. Ich bin offenbar zu spießig für die Hauptstadt. Die Klimaanlage ist nur laut und macht Klimaanlagengeräusche ohne Kühlung. Ist das wie ein japanisches Klo, fragt mich Stephan. Die Hauptstadt hat eine eigene Zeitmatrix und ist sehr esoterisch und wir fragen uns was kollektive Wundtherapie sein soll im Gegensatz zu der individuellen. Ein Schmerzmittel für alle?

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Am Berliner Hauptbahnhof stellen wir meine Kotzszene vom letzten Besuch nach und tatsächlich, der Fleck scheint noch da zu sein….

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Über Zugplatzreservierer habe ich mich schon genug aufgeregt. „Karin, welche sind unsere?“. Es muss das geilste sein ohne Not einen Platzrecht zu erkaufen. Auf die Frage, „ist das Ihrer“, „so sieht es aus!“ zu antworten. Dann fällt mir eigentlich nur fick Dich und noch eine gute Weiterfahrt ein. Die alten Mädchen, die sich Filmchen gegenseitigen zeigen auf laut gestellt versteht sich und über What’s App fachsimpeln um dann noch mal nach einem Magnum-Eis zu fragen, auch wenn sie schon wissen, dass die Kühlung defekt ist. Da hat sich jetzt während der Fahrt nichts geändert, weil der Elekrikerspiderman nicht auf den fahrenden Zug gesprungen ist und wenn er es wäre, wäre davon immer noch kein Eis an Bord. Was können wir tun, wird noch einer mit Bauchwagen zusteigen? „Ein Kollege mit einem Bauchwägelchen“. Kann das Bahnpersonal da was machen? Können wir nicht einen Extrahalt unterwegs machen und ich springe in Stendal kurz zum Kiosk und kaufe 2 Magnum? Man!! Mein Essen habe ich dabei.

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17.07. Alptraum, wir sitzen an einer langen Tafel und empfangen die Mandanten, die Unvorteilhaften zu mir, die Schicksen, die sich scheiden lassen wollen kommen zu meinem gutaussehenden, aalglatten Kollegen (es war nicht Hilmar) und wir lachen uns tot. Nehmen jeden Fall an. Gegen Aufpreis kümmere ich mich um die Tiere, sage ich der einen Frau. Landschildkröte im Vogelkäfig im Schrank (vorübergehend), fällt erst da runter und dann noch mal die Treppe und läuft anschließend aus. Wasser kommt aus dem Panzer, wie aus einem Wasserhahn und sie stirbt, dann doch wieder lebendig und läuft in den Garten mit Hunden, die sie abschlecken. Sie ist das erste Mal draußen, dann staunt über alles, Erde, Sonne, lieber hier sterben als ewig behütet innen, rechtfertige ich die Sache und freue mich. Irgendwie stirbt sie doch oder läuft weg und wie es passiert ist, darüber lüge ich die Besitzerin an. Insektenplage in der Speisekammer, exotische Fliegen und Würmer, ganz eklig. Im Keller weniger, die genau aussehen wie meine aus Gummi und auch die Konsistenz haben, die spieße ich auf und schmeiße sie in einen Eimer, wo sie nicht raus können und entsorge sie dann. Das Problem ist gelöst aber oben ist ein Sumpf aus Schlamm und Dreck mit viel Wasser, wie ein Teich des Grauens. Dann andere Szene, die Wallrosse haben im Süßwasser überlebt und sind riesig geworden (quasi wie bei Helge Schneider, der eckige Hai, der ins Aquarium reingewachsen ist), sie leben im Garten in ganz kleinen, quadratischen Teichen, die mit Holz umrandet sind wie Kompostkuhlen. Sie tauchen auf um die Atmen und ich ekele mich, wenn ich an ihnen vorbei muss und sie dabei berühre oder in die Nähe komme, dann werde ich hysterisch. Hier bin ich so eine Art Kindermädchen.

Ziehe die Termine durch, Geld austeilen, Betreute bespaßen, arbeite durch bis zur letzten Minute. Steffi meldet sich vom ersten Apfelstrudel, Wohnung und alles schön. Meine Tante in der Reha ruf ich nicht mehr an, schaffe ich nicht. Eine Frist ist mir durch die Lappen gegangen, wie sich später herausstellt. Dann schnell nach Hause und ab zum Flughafen. Wien wir kommen. Altes Aschanti-Foto zur Erinnerung.

Aschanti

Ärzte mit Patienten zum Verwechseln

07.07. Mittags zu Bodhi Chay. Probiere es immer wieder. Klar sitzt man da besser, weil das Publikum normaler ist und es ist nicht die Blase vom Lindener Marktplatz, aber das Essen schmeckt wie frittierte Luffaschwämme oder wie diese Naturalbürste der Ökos heißt.

Ich bekomme Postkarten aus dem Altersheim in Langenhagen von einer Betreuten, die ich vor Jahren schon aufgegeben habe (Betreuerwechsel auf eine Ehrenamtliche). Sie hat mich immer angerufen am Wochenende und im Urlaub und ich war feste Bezugsperson. Auch nach Jahren der Zurückhaltung meinerseits geht das offenbar nicht weg. Ob ich sie nicht als ehrenamtliche Betreuung übernehmen wolle, fragt mich Stephan. Die Post ist meist unfrankiert und falsch adressiert und findet trotzdem zu mir. Sie reißt gerne Pappe irgendwo ab. Die eine Karte lautet auf „Frohe Ostern“ und ist mit Pastelltönen und zwei lachenden Hasen. Die andere ist Pappe abgerissen mit „Eilige Blumengrüße aus Langenhagen!“. Hinten schreibt sie: „Liebe Fr. Anna u. Susan! Denkt Ihr. Ich bin der liebe Gott das ich nicht’s benötige, u. Ihr hier nicht mehr zu. Kommen braucht“. Ich bin fast geneigt, es so zu machen wir Stephan mir vorschlägt, wobei ich nicht weiß, ob er es ernst meint.

Herr Yoga wollte mal einen Mercedes verkaufen und 2 Motorräder. Die Karre steht beim Autohändler. Da soll ich mal nachfragen. Mache ich ganz freundlich und jetzt kommt Anwaltsschreiben, dass sie 2.200,- € Stellgebühren wollen oder den Fahrzeugbrief um ihn dann zu verschrotten. Wen wollen diese Autodealer eigentlich verarschen. Geld oder kein Geld und dafür weiteres Geld investieren. Wer soll das glauben?

Nachmittags fahre ich zu Frau Tod. Sie ist genau in dem Zustand wie ich sie vor 2,5 Wochen eingeliefert habe, weil sie ihre Medis abgesetzt hat. Der Freund erzählt was von japanischen Mönchen, die Singen mit den Patienten um die Körperfunktionen zu harmonisieren und dann braucht man keine Chemie, da wird einfach 16 Stunden am Stück meditiert. Das halte ich nicht für zielführend. Sie braucht Menschen, die ihr sagen, dass die Einnahme gut und richtig ist. Sie kann in dem Zustand gar nicht meditieren, sie kann dem Gespräch nicht folgen und geht immer wieder raus. Dann sage ich dem jungen Arzt, dass ich von den Stationsmönchen gerne wissen möchte, warum man das hinnimmt, dass sie die Medikation absetzt und mir keiner Bescheid sagt. Ich habe die Unterbringung zu verantworten und so ist es Freiheitsentziehung ohne Behandlung und eine Zeitverschwendung. Sie würden halt nicht gleich fixieren und zwangsbehandeln. Das hatte ich nicht vorgeschlagen, sondern Zuwendung zum Patienten, japanische Art, sich etwas Zeit nehmen und dann darauf hinwirken, dass sie die Medis nimmt, in Gesprächen zu einem Behandlungsabkommen gelangen. Das wäre mein Vorschlag oder mir Bescheid sagen, dann wäre ich eine halbe Woche früher angerückt. So musste ich von einer Betreuten erfahren, dass was nicht stimmt und habe den frühestmöglichen Termin vereinbart, den die angeblich zuständige Oberärztin mir nannte, die einfach nicht auftaucht. Dann hätte ich auch früher kommen können. Die bekommt eine fünf in Compliance von mir. Sie seien hier immer noch zuständig für die Behandlung. Ich sage, ich muss mein Büro schließen und dränge mich nicht auf, wenn sie es hinbekommen, aber wenn nicht, will ich halt auch Bescheid wissen und ja, ich bringe unter, es ist nach Betreuungsrecht und das Gericht genehmigt meine Entscheidung, die ich treffe und ich denke, dass sie gut auf mich reagiert. Ich lass andere machen, weil ich muss mein Büro schließen für solche Termine, aber ohne mich hätte sie sich nicht herbringen lassen und sie hat mich auch ausgewählt als Betreuerin und ich glaube schon, dass ich einen gewissen Einfluss auf sie habe bzw. weiß es. Nach dem Gespräch hole ich sie aus dem Raucherzimmer und wir sind bei ihr im Zimmer, vor der Tür fährt ein Mitpatient auf einem Standrad. Er hat ihre Uhr verstellt und sie schimpft mit ihm. Er entschuldigt sich. Das Zimmer ist gemütlich eingerichtet, drei Frauen, eine aus England und eine Muslimin und sie. Sie sagt mir, eine Fixierung wäre nicht erforderlich gewesen, wenn ich da gewesen wäre und sie konnte mich nicht erreichen. Ich sage, die sind doof hier und das wusste ich nicht. Ich werde ab jetzt alle paar Tage von mir aus anrufen. Sie bedankt sich. Ich gehe.

Nach Wunstorf etwas in der Stadt herumtreiben und gleich zum Sport. Heute sage ich „Mäuschen“ zu Jenny als sie mir einen Haltungstipp an der Ballettstange geben will. „Näher ran geht nicht Mäuschen, weil Arme sollen gerade und mein Knie muss vorne auch vorbei“. Das ist dann anatomisch nicht möglich. Angeblich mag sie es, wenn ich sie Mäuschen nenne. Gebratene Aubergine und ein Salat mit Holunderblütensirup im Dressing und Apfel. Dazu Currymajo aus der Schweiz. Echt lecker. Ich will unbedingt zu diesem Thai-Laden in San Francisco wo Stephan 1999 am letzten Abend Essen geholt hat. Steigere mich schon mal rein mit der Speisekarte, . Das war augenöffnend und ich weiß es noch so als wäre es gestern gewesen.

08.07. Traum von Gondeln mit ganz kleinen Sitzen, Fachgespräche über Kunst und Künstler und Haare malen, Rentner, die Eltern von Teenagern sind, Blick auf den Mond, schlafende Menschen, die auf der Mondoberfläche liegen während wir mit dem Raumschiff daran vorbei fahren und ich mir durch die Zugfenster hindurch das ganz genau anschauen kann.

Davor die Tage hatte ich von toten Föten in Bäuchen geträumt. Klar der Bauch geht nicht automatisch weg, nur weil Inhalt gestorben ist, er verschwindet nicht von alleine und wird flach.

Telefonat mit dem Lebensgefährten von Frau Tod. Sie will Beschwerde einlegen und wann es auf die Offene geht. Er will Betreuer werden. Ich sage gegenüber gestern hat sich nichts geändert. Keiner will sie länger da behalten als erforderlich und er soll ihr bitte keine falschen Hoffnungen machen. Über die Beschwerde entscheidet das Landgericht erst in Wochen, vermutlich erst wenn es sich eh schon erledigt hat durch Zeitablauf und der Beschluss ohne abläuft. Er versteht es jetzt und bedankt sich bei mir.

Ich fahre im Regen nach Kleefeld und versaue meine neuen Schuhe. Erst der Bedarfsfestellungsdienst bei meiner neuen Betreuten. Dienstschnüffler, dürfen sie auch mal ins Schlafzimmer schauen. Peinlich wäre mir das. Das Schlafzimmer besteht nur aus Bett. Doppelbett ist bezogen hat letztes Mal ausgereicht um festzustellen, dass der Alkoholiker ihr Untermieter ist und dort wohnt. Heute sieht es genauso aus. Wie lange ist er nicht mehr da. Sie antwortet einige Wochen und hat sie sonst Verbindlichkeiten. Sie verneint. Ich sage, deswegen hat sie eine Betreuung mit Einwilligungsvorbehalt, weil die Informationen nur bedingt von ihr zu kriegen sind. Sie hat Mietschulden und das Telefon ist abgestellt und der Typ hat Ende Februar am 27.02. ans Betreuungsgericht geschrieben und mitgeteilt, dass er da nur vorübergehend gewohnt habe als seine Wohnung renoviert wurde und er das nicht vertragen hat mit der Farbe. Sein Mietvertrag fing am 20.01. an. Jetzt können sie ja mal überlegen. Ich bin bedient allerdings auch von der übereifrigen Helferin, die auch auftaucht und ihr den Typen besorgt hat. Sie ist immer so einsam. Gut, ich organisiere Tagespflege. Ich gehe zu meiner Betreuten um die Ecke. Hier ist die Mutter neben mir Betreuerin des Sohnes, der in meinem Alter ist. Sie kümmert sich um ihn und ich um die Ämter. Im Keller hat es gebrannt und während sich alle Sorgen gemacht hätten, d.h. ihre Kinder, waren sie evakuiert und haben im Wohnwagen Fußball geguckt. Sie haben ihnen Kaffee angeboten, da fragt man nicht auch gleich ob man telefoniere darf. Sie lacht sich tot. Sie hatte sich die Schulter gebrochen, kann sie aber wieder bewegen. Das lobe ich. Das gute Geschirr wird auf dem Schrank geholt und sie hat dicke Blaubeerkuchenstücke gekauft mit Sahne. Er hat viel Rührteig und schmeckt mir nicht, aber ich esse das monströse Stück, das gehört sich und spüle es mit 3 Tassen Filterkaffe runter. Sie erzählt von ihren vier Kindern und dass sie so dankbar ist, dass sie so ein gutes Verhältnis hat und der einzige Enkel, der hänge sehr an ihr. Die Mutter hat gearbeitet und sie hatte eine Vollmacht und hat ihn und manchmal auch den Freund aus dem Kindergarten abgeholt und dann hat man alle möglichen Unternehmungen gemacht. Da hatte man viel mehr Zeit als bei den eigenen und wenn er sie mal Mama genannt hat, hat sie das gleich korrigiert. Ich mag die Frau, sie ist einfach und Bayern München Fan. Ja, die spielen viel mit bei der WM, weil die eben die besten Spieler haben. Eben! Alte Frauen, die 4 Kinder großgezogen haben, mit dem psychisch kranken Kind zusammen leben, Analphabeten sind und derzeit keine Zähne tragen, dürfen Fußballfans sein. Mittags gibt es Pellkartoffel mit Hering. Ich kann da bleiben. Das würde ich am liebsten tun. Wenn ich man abtauchen will, dann da. Da findet mich keiner. Der Nachbar sammelt übrigens Modellflugzeuge. Das wusste Frau M auch nicht, aber im Zuge des Kellerbrandes kam sein Hobby zum Vorschein.

Flugzeugschrott Tobias M

Ich schlafe schon und werde von den überlauten Tröten geweckt (Fliegeralarm der WM). Die jungen Männer über uns flippen aus und trampeln anschließend durchs Treppenhaus. Ich gehe aufs Klo und Stephan erzählt mir den Spielstand. Ich finde es wenigstens cool, dass so viele Tore gefallen sind und nicht immer dieses Rumgeeiere. Ich würde die Spielregeln gravierend ändern, damit da mehr Bewegung reinkommt. Ich meine beim Basketball stehen sich auch manchmal gleich starke Mannschaften gegenüber. Das ist keine Ausrede.

09.07. Treffen mit Herrn Ihme beim Bewährungshelfer. Rufe vorher an, ob der Termin auch stattfindet. Schönes altes Haus mit schönen Kacheln, es sei das frühere Rathaus von Linden.

Fliesen

Meiner kommt spät und in Begleitung des Pflegedienstes. Will erst nichts mit mir zu tun haben. Das Jobcenter hatte versucht mich anzuschwärzen. Das ist wohl eine Milchmädchenrechnung. Bald schlägt die Stimmung um und er will da mal richtig ausflippen, sie hässliche doofe Sachbearbeiterin, die einfach nicht auf den Knopf drückt für die Geldüberweisung. Er quält die Zimmerpflanze, die auf dem Tisch steht, so dass der Bewährungshelfer ihn auffordern muss, sie in Ruhe zu lassen, damit andere sich auch noch daran erfreuen könnten. Er will über nichts reden. Braucht keine Hilfe, genug Scheißhelfer und er kann alles, neue Wohnung, Arbeit, alles kein Problem. Man muss beschwichtigen gerade mit seinen Gewaltphantasien dem Jobcenter gegenüber anbelangt. Der Bewährungshelfer, der eigentlich kein Geld mehr geben will, stellt ihm 5,- € wenn er vorher bei der Lindener Tafel war und um 14 Uhr kommt. Erst denke ich inkonsequent, ist aber vielleicht ganz geschickt und die Chancen, dass er das tut stehen bei unter 1 %. Er hat Kakerlake im Ohr und gestern wurde die Spritzendosierung hoch gesetzt. Beides hört er nicht so gerne, wenn der Pfleger das erzählt. Er war in diversen Krankenhäusern und ist überall abgewiesen worden, u.a. war er in Wunstorf. Die haben gesagt, dass garantiert keine Untersuchung des Kopfes stattfinden würde. Beim Gehen lobe ich die Keramikfiguren in dem Büro. Die seien von einem Suchtpatienten, der hätte auch immer kein Geld gehabt. Vor der Tür frage ich, ob er nicht zurück wolle nach Wunstorf, da gebe es wenigstens Vollverpflegung. Im Büro rufe ich dort an. Die sollten mir doch nächstes Mal Bescheid geben, wenn er dort aufschlägt. Das war die Absprache mit der einen Oberärztin. Zentrale sagt mir: „warum, der ist doch noch bei uns“. Sie verbinden mich und ich frage mich, wer da verrückt ist, meine Betreuten die ich einweise oder die auf der Gegenseite. Die Ärztin sagt, warum nach meinem Betreuten würde doch gefahndet, weil er gestern nicht aus dem Ausgang zurück gekommen sei. Ich frage nach der Rechtsgrundlage. Die kann sie mir auch nicht sagen, dafür, dass sie sich Sorgen gemacht hätten, „weil er so in seinem Wahn drin sei“. Und warum sei ich nicht informiert worden, dass er bei ihnen ist. Er habe ganz absprachefähig auf sie gewirkt und man habe ihn gefragt, ob er selber seiner Betreuerin Bescheid sagen wolle oder das seitens der Klinik gemacht werden solle. Er wollte es tun, hat es dann doch nicht getan auf Nachfrage, aber offenbar sie auch nicht. Ich will am liebsten fragen, wo sie studiert hat, sage dann nur, dass ich keinen kennen würde, der so wenig absprachefähig sei wie mein Herr Ihme. Wie können wir das denn verbessern, dass sie ihn mal dabehalten will ich wissen. Sie will mich zurück rufen. Tut es auch auf dem Handy und im Büro. Eine Rücksprache mit dem Oberarzt habe ergeben, dass ich einen Antrag bei Gericht stellen könne und dann würde ein Gutachter beauftragt. Ich unterbreche, ob sie gerade erklären wolle, wie ich eine Unterbringung nach 1906 BGB beantrage, das wisse ich. Ich will aber nicht bei ihm die Tür aufbrechen mit Feuerwehr, sondern dass sie ihn da behalten, wenn er schon da ist. Was ist daran so schwer zu verstehen. Er bekommt ambulante psychiatrische Pflege und geht zum Arzt, so dass ich keine Veranlassung sehe seine Unterbringung aus der Wohnung über das Gericht zu beantrage, zumal er über kurz oder lang wieder in Wunstorf laden wird, aber dort hält man es dann nicht für notwendig mir Bescheid zu geben und lässt ihn wieder gehen. Sie: „ich kann Ihren Ärger verstehen“. Ich: „darum geht es nicht, sondern mein Betreuter hat Leidendruck, denkt, dass er Insekten im Kopf hat und wird überall wieder nach Hause geschickt oder man lässt ihn abhauen. Ich möchte, dass der Drehtüreffekt beendet wird und er einer Behandlung zugeführt wird“. Gut, es sei jetzt alles notiert. Das habe letztes Mal nicht geklappt, weil es die Suchtklinik gewesen sei und sie hier seien ein anderes Haus. Frage beim sozialpsychiatrischen Dienst bei der Ärztin nach, wie es sein kann, dass einer die Spritze bekommt und trotzdem so verrückt ist. Die Antwort lautet: Beikonsum. Ist wie Eimer mit Loch, man schüttet oben rein, aber es wird nicht voller, außerdem sei es zu wenig was der Hausarzt spritzt. Ich informiere die Pflege und en Bewährungshelfer.

Die Tochter von Frau Tod ist von der Reise wieder da und braucht Kindergeld. Sie kommt Morgen vorbei.

Nachmittags kommt die Betreute aus Sri Lanka wegen Geld mit dem Sohn. Das mag ich nicht und bin dann immer ganz angespannt, weil ich denke, ein Kind hat da nichts zu suchen. Ich kann mich dann gar nicht auf das konzentrieren, was ich mit ihr besprechen will. Die Gerichtsvollzieherin hat sich angekündigt. Ich nehme die Post entgegen und schicke sie wieder weg.

Draußen ist es bedeckt, aber schwül und ich genieße das Schwitzen beim Sport und wische mit die Stirn mit dem T-Shirt ab und mache mir keine Gedanken über Bauchnarbe und so was. Ich will, dass er mir von der Stirn auf die Matte tropft.

10.07. Telefonat mit Frau Yoga. Ja, ich halte mich an meine Zusage. Vor 2 Tagen hatte ich es nachmittags 4mal probiert und sie war stundenlang im Ausgang mit Familie. Da dachte ich irgendwann, es wird wohl ganz o.k. heute sein bei dem Programm.

Mittags gehe ich mit dem Bürohund raus. Er will nicht. Der erste Hund, den ich kennen lerne, der nicht raus will. Er will weder angefasst werden noch läuft er mit. Er scheint kein Vertrauen zu Menschen zu haben. Er ist schreckhaft. Wir holen Hundeverstärkung von Steffi. Dann Kackstreifen. Hier will er spielen, aber die Laufleine fehlt (mein Fehler). Im 11 A gibt es Pute mit Butter-Lauch-Reis. Wir treffen einen Kommilitonen von früher. Die Hunde verbreiten etwas Chaos, d.h. sie wollen unter dem Tisch kämpfen, vor allem der Welpe fängt natürlich immer wieder an. Ich bin unlocker. Der Kollege kennt das, hat 3 Hunde und 4 Kinder. Für Leckerli kann der Bürohund Kommandos, aber ich bin beunruhigt, dass er kein Bezug zu Menschen hat und überhaupt nicht so was wie Urvertrauen. Er scheint sehr schlecht sozialisiert zu sein. Ich dachte, das machen Züchter besser.

Ich brauche Attest für Herrn PM, nicht dass die die Wohnkosten zusammenstreichen, wenn ich in Kalifornien bin. Erst mal mit dem Sachbearbeiter telefonieren, wo es so lang geht und was er braucht. Dann am späten Nachmittag mit dem lustigen Hausarzt. Der gefällt mir, erst zögert er, wer ich bin usw., meinen Betreuerausweis, den ich ihn 2010 zugefaxt habe, den hat er nicht mehr, um dann als er Vertrauen geschöpft hat, voll loszulegen, dass der immer Randale machen würde und wenn er eine Scheune anzündet und sich immer einbildet, dass seine Organe ausgetaucht wurden. Der sei doch nicht deliktfähig. Das müssten doch auch diese Polizisten einsehen, aber die könnten ja nur Radfahrer jagen. Neulich hätten sie ihn angehalten als er mit dem Adler unterwegs war, aber mit Licht hinten und vorne und wollten wissen, ob er was getrunken habe. „Ja, sage ich, 2 Biere, ob er ihnen einen blasen soll“. 0.2 Promille sei dabei herausgekommen und sie sagte zu ihm, dass er in Zukunft gerader fahren soll. Er meinte, wenn sie ihm den Strich dafür zeichnen würden. Hey, der Punker gefällt mir, mit dem müsste ich mich mal zusammen tun. Er würde uns ein Attest schreiben, wenn ich ihm faxe, was ich brauche und nein, Geld wolle er dafür nicht.

Abends kein Sport, keine Lust auf der Matte zu liegen und Kopf hin- und her zu bewegen. Ich sitze auf dem Sofa und glotze in die Luft. Manchmal läuft es etwas weniger energiereich bei mir ab. Ich hatte meiner Mama geschrieben, wie lecker ihr Holundersirup ist und dass ich das noch lernen muss. Sie schrieb zurück, dass es keine Hexerei sei und dass sie meine Sukkulente vom St. Johannis Friedhof eingepflanzt hätten in eine extra angefertigte Bodenmischung und es Spaß machen würde ihr beim Wachsen zuzusehen. Ich habe so Glück gehabt mit meinen Eltern und bin so dankbar dafür. Das ist etwas was das ganze Leben prägt und mir niemand nehmen kann.

11.07. Streite etwas mit meinem Mann über Klugscheißereien und Kritik an Freundinnen, bin aber selber dabei ungerecht und fies zu meinem Mann. Will ihn verletzen.

Spiegel online lobt die Kniebeuge. Ich arbeite vor mich hin, Fristsachen abarbeiten. Mache keinen Mittagstisch mit dem Kollegen und einer Freundin.

Die Kollegin hat Komplikationen mit dem Gelenk und leidet und tut mir leid.

Wollen wir noch kurz an die Ballettstange, fragt Steffi kurz vor Ende des Kurses. „Vielleicht auch nur darüber reden? Das soll ja genauso effektiv sein“, meine Spontanreaktion. Lacher. Auf dem Heimweg am Kreisel. Pistazienkekse gibt es heute nicht. Ich bin die, die die sonst immer aufkauft. Ja, von mir hat er schon gehört. Welche mit Sesam und getrockneten Früchten, Cranberries und Cashew-Shortbread. Sie wollten mal neue ausprobieren. Wieder Rabatt für den außer Haus Kauf.

Heute ist Geburtstermin der Nachbarin, die letzte Woche Geburtstag gefeiert hat und wir treffen den Ex vor der Tür an der Haltestelle. Spreche ihn gleich an, aber er wird es nicht als Erstes erfahren. Das stimmt auch.

Langsam freue ich mich doch auf unser Jubiläum. Wermutstropfen nur, dass Dienstag die Feier in Berlin ist sollte Deutschland Weltmeister werden wovon wir fast ausgehen müssen. OMG.

19:30 Uhr holen wir sie ab. Sabine fährt Rennrad, der goldene Metallsattel lächelt unten ihrem Po beim Fahren. Der neue Schnitt der Hosen. Ja, Stephan hat zu muskulöse Unterschenkel. Die sitzen wie Stützstümpfe. Wir wählen Essen und bleiben draußen auch wenn ein paar Tropfen fallen. Die Menschen hier sind anders als in Linden und flüchten jung wie alt gleich in die Hundehütte, damit ihr Fell nicht nass wird. Der „Regen“ besteht aus Tropfen, die man einzeln zählen kann und ist zu wenig für eine Erfrischung. Sehr liebevoll gemachter Vorspeisenteller und einfach gutes Essen. Die asiatische Hauptspeise ist lecker und scharf. In Potsdam gibt es einen Asiaten und gute Pizza. Wir kommen noch mal. Diese Lage direkt an dem Schlosspark war einfach traumhaft. Wir sprechen über die Schülerverabschiedungsparty. Ja, sie hatte zwei Kabel gelegt, weil die Schüler mit ihren Smartphones ankamen und fragten „spielen Sie das mal?“. Hip Hop und Reggae sind out. Wir sprechen über Musikgeschmack. Sabine weigert sich Helene Fischer zu spielen, das hat sie nicht und sie spielt es auch nicht. Die Leute fragen danach. Wolfgang Petri der Bildungsbürger wie sie meint. Sie erzählt von der guten Laune am Morgen, die ich total verstehen kann, wenn der Tag von vor einem liegt und man erst mal Kaffee trinkt und dem Schlaf in 2 Etappen nach der Nachtarbeit. Das würde ich vermutlich nicht so gut abkönnen. Ich bin eher diejenige, die regelmäßig abends in Bett muss. Wir sprechen über die Langweiligkeit von Eigentümerversammlungen, dass Sabine rauchen gehen musste als der Tagesordnungspunkt Rauchmelder dran kam. Ich glaube nicht an so was, aber erfahre, dass die Versicherung dann auch nichts zahlt im Falle eines Falles. Leckere Vorspeisen, leckeres Essen. Die Chefin gesellt sich zu uns. Eine Frau hinter uns hat alleine gegessen. Sie hat wohl immer pikiert geguckt, wenn ich so was wie „Kackstreifen“ gesagt habe. Sie will immer einen anderen kleinen Vorspeisenteller wird erzählt und Sabine hat beobachtet, wie sie drei kleine Scheiben Brot aus dem Korb in der Hand mitgenommen hat beim Gehen. Sie habe gerade 3 Apotheken verkauft. Es geht dann um die Menschen von früher, Angst vor Krankheiten und Tod, das Kopfkino, Dinge nicht richtig oder gut genug gemacht zu haben, die internationalen Standards beim Kochen, dass die Kartoffel immer rechts liegen. Was ich angeblich auch wüsste, Regeln im Job. Ja, ich bin nicht so adrett, dass ist kein Versprecher, sondern stimmt sogar und ich stehe dazu. Zahnpastaflecken gehören zu mir und ich bemühe mich noch nicht mal darum sie zu vermeiden oder zu entfernen. Punk im Alter, halt. Ich finde den Zugverkehr mitten in der Nacht beachtlich und laut ist er, so laut, dass man das Gespräch unterbrechen muss. Sie fragt nach Bedienungen aus Linden. Es geht um das aufreibende Arbeiten in der Gastronomie, Servicekräfte, die den Absprung schaffen müssen, weil man das nur eine Weile durchhält. Kinder, die Lagerist gelernt haben und zu VW wollen und bei Meyer-Menü arbeiten. Ja, bei Mr. Thang ist es leckerer als in der Street Kitchen. Ja, und da schweifen die Arnholds wieder thematisch etwas ab. Bald gibt es leckere Lakritze in Berlin. Ölmassage statt Thaimassage. Wie süß Larissa früher ausgeschaut hätte mit Kleidchen. Es wird viel getrunken, was meines Erachtens auch nicht gut ist für die Stimmung, die kippt dann leicht ins Traurige oder Peinliche, schlechtes Gewissen. Bekomme Lob für meine Disziplin, dass ich nicht trinke. Brauche ich gar nicht. Die ehrliche Aussage kommt nur aufzuhören, wenn wirklich ernste gesundheitliche Probleme einen zwingen. Bei mir reichte es schon, dass ich so ein Arschloch war und mir jetzt besser gefalle und mich fitter fühle und es irgendwie nicht brauche und auch nicht vermisse. Diese Art des Rausches gefällt mir einfach nicht mehr. Punkt. Bin froh, dass es vorbei ist und will es nicht wieder. An dem Mond kann ich mich nicht satt sehen. Auf einmal kommt ein Taxi vorgefahren mit einem wütend gestikulierenden Fahrer. Er sei extra aus Langenhagen gekommen und sie noch nicht fertig, die ihn bestellt hat, dabei sei sonst was los, in der Stadt, Schützenfest. Wir lachen, was soll los sein. Entspann Dich erst mal, meint Sabine zu dem Mann älteren Datums. Wir räumen die Gläser rein und verschnüren den Tisch mit den Stühlen. Als ich mein Fahrrad aufschließe gibt es Sprüche von zwei jungen Männern, die vorbeilaufen. Es sind wohl Bedienungen aus der Insel, die um 2:30 Uhr unseren Weg passieren, wie der Taxifahrer weiß und sie haben Tüten dabei, wohl mit Brot. „Entenfutter“ sage ich, er lacht. Sabine bekommt eine Flasche Wein geschenkt und Brot wird ihr auch noch angeboten.

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Wir fahren am Maschsee zurück und biegen am Sprengelmuseum ab Richtung Schwarzer Bär. Betrunkene torkeln auf die Straße. Ein Taxiaufkommen wie in Paris, Gare du Nord. Ich kann es nicht glauben. Schlage vor sich die Szene auf dem Platz mal anzuschauen, die Betrunkenen und Aggros, die Reste der Nacht, die sich um die Uhrzeit da noch rumtreiben, ich so in nüchtern. Irgendwie fehlt dann doch die Abenteuerlust, weil schon spät. Auf der Brücke zum Lux warten wir auf die anderen und unter jeder Lampe eine dicke Spinne, wie früher. Ich habe genug, erst die surreale Horrorshow auf dem Schützenplatz und dann Spinnenparade. Das ist mir zu viel. Sabine geht noch aus und wir verabschieden uns und fahren mit Larissa weiter. Ich finde es total schade, dass sie nicht dabei sind in Wien. Ich mag sie beide sehr, sehr.

12.07. Traum von meinen Strickfreundinnen aus Mann. Die mit dem Hund hat einen neuen Mann und der Sohn (den es in Wirklichkeit nicht gibt und der im Traum ca. 10 Jahre als ist) leidet, will mit ihr wegziehen, sie hält zum Mann und sagt ihm, er muss da durch. Er ist geknickt, weint und geht weg. Andrea, eine andere Strickfreundin bekräftigt sie darin, dass sie das so vertritt. Ich gehe heimlich zu ihm raus und sage, dass ich das schon länger beobachte und auf seiner Seite stehe bzw. ihn verstehen kann. Er ist nicht alleine, soll durchhalten und das einfach wissen, dass ich es so sehe. Komischer Traum.

Die einzigen Brötchen die ich in Hannover mag gibt es nur am Wochenende. Sie heißen Gersterbrötchen und ich esse sie am liebsten nur mit guter Sauerrahmbutter, 2 cm dick.

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Tyark und Sandra waren gestern im Grunauer. Die Haz am Wochenende. Die kreativen Hannoveraner. Die, die sich gestern beim Schützenfest zurück gehalten haben, backen eine Deutschlandpizza in der Markthalle oder basteln den Eisbären im Zoo eine essbare Deutschlandfahne ins Gehege. Geht es noch doofer, frage ich mich. Ja, geht es das Wochenendprogramm beim Schützenfest. Udo Jürgens Coverband „Mit 18“ und der Sohn von Wolfgang Petri „Wolle“ namens Achim Petry tritt auf, warum sein Hund und das Gay people Zelt lockt auch mit Partyveranstaltungen. Was ist Schützenfest will ich von Stephan wissen. Dom mit Lütje Lage und Menschen, die schlecht sitzende grünblaue Uniformen tragen. Ich verstehe es nicht. Ein zweites Rathaus soll am Schützenplatz entstehen. Na dann! Außerdem sehen wir Angela Kaiser von der Klickmühle wie sie ihr fast volles Panini-Sammelalbum durchblättert. In dem Glas neben ihr ist buntes Granulat in den Deutschlandfarben zu sehen.

Stephan hat Post gemacht. Meine neue Betreute bekommt die drei Monate nachgezahlt, die die andere Betreuerin verbockt hat. Ich mag eigentlich nichts Dienstliches am Wochenende, aber das sind sehr gute Nachrichten. Miet- und Telefonschulden können bezahlt werden und neuer gebrauchter Kühlschrank und Waschmaschine sind vermutlich auch noch drin, also alle Probleme auf einen Schlag behoben.

Mittagschlaf. Bei Movenyo soll man einen Parcours mit einem Spielzeugauto fahren auf Zeit. Mir wächst eine Stilwarze am Knie, ich kann dabei zusehen und ich kriege die Beine nicht mehr zusammen, weil das an der Stelle schmerzt. Werde viel zu meinem Beruf gefragt, was ich so mache. Ich darauf, z.B. eine Klage wie es das Rechtsprechung sieht, zumindest das Amtsgericht, ob ein Ei 40 Cent kosten darf oder das verfassungswidrig ist. Zwei komische Träume an einem Tag.

Ich denke an die Zecken bei den Honigbienen. Das wären Blutsauger so groß wie Kaninchen auf den Menschen umgerechnet.

Beim Packen für die Reisen kann ich innerhalb kürzester Zeit die Wohnung in totales Chaos verwandeln.

Michi und Markus holen uns ab und wir fahren nach Empelde zu dem Kali-Berg. Am Fußende liegen schlimmer Siedlungen, aber auf dem Berg ist es toll. Vor vielen Jahren war er noch weiß und die Vorgeneration der Fahrradkuriere hat sich im Mountain biken ausprobiert, während wir Mädels bewundernd daneben standen. Da gibt es ein Foto von mir mit einem sehr gehaarten Mischlingshund, Spitzmischling würde ich meinen von der Rettungsstaffel. Dann waren wir mal da als bunte Gießkannen auf dem Berg verteilt waren, eine Kunstinstallation. Heute schauen wir uns das erste Mal den Weinberg an, den Teich mit vielen Frösche und wunderschönen Wasserpflanzen, die Bühne. Noch mal das Bienenthema, wie der Imker der Königin mit dem Daumennagel den Kopf abgetrennt hat, weil sie fremd gegangen ist und sie dann hat liegen lassen und die anderen um sie herum waren und sie untersucht haben während der Körper noch zuckte und ein ganzes Bienenvolk mit Schwefel töten musste, weil sie eine ansteckende Krankheit haben, wie Hund einschläfern. Dann die Frau aus Österreich, die Königinnen züchtet und dann kennzeichnet mit einem Metallicpunkt auf den Rücken und mit Hofstab in eine kleine Holzkiste mit Gitter gibt, zu tackert und per Post verschickt. Michi zeigt mir eine tote Blindschleiche, die ist kaum größer als ein Regenwurm und ich fasse sie an um dann zu kreischen, d.h. es ist eher ein aufquicken. Nein, sie hat sich nicht bewegt und ich verstehe meine Reaktion doch auch nicht und sie ist mir peinlich. Dann hoch zum Sonnentempel an die gedeckten Tische. Mit Sonnenergie wird die Kuppel indirekt beleuchtet und da drunter ist in hinter einer Glasplatte im Boden versenkt ein Kegel mit Salz. Friedhelm wiedersehen und zu den Gedichten gibt es Essen. Ein älteres Pärchen gesellt sich zu uns an die Sechserbiertischtafel. Ihr gefällt mein Hütchen und er stellt fest, dass die Schnecken rechtsdrehend sind. Das sei die häufigere Variante. Er kennt sich aus, auch mit Kali-Salz wie sich später herausstellt, was viel seltener vorkommt als das Kochsalz, dazwischen muss es herausgeholt werden. Ein Akademiker, Chemiker vielleicht sogar, weil aus Kohlenstoff wird das und das, der aber nicht doziert, sondern sein Wissen nur auf Nachfrage Preis gibt. Frank, der Betreiber des Berges, der die Visionen hat und umsetzt, hat gesagt, dass in Wunstorf noch Kali abgebaut wird und wie viel noch da sei. Es sei entdeckt worden als Düngemittel und habe damit die industrielle Revolution ermöglicht, weil man mehr Leute ernähren konnte. Man braucht es für Plastik. Ich weiß ja gar nicht, wie kommt das Salz in die Erde, verdunstete Dino-Pisse. Zwerge, die es abbauen und Schneewittchen ist jetzt mit ihnen weiter gezogen zum Steinhuder Meer. Wir stellen fest, dass an den im Kreis gepflanzten Apfelbäumen nur an einem Äpfel hängen und nachdem Stephan und ich heute schon die Kahlheit des Pflaumenbaums bei uns im Garten bemerkt haben rätseln wir woran das liegt. Bienen? Irgendwas im Klima falsch gelaufen. Es gibt solche Jahre, sagt Michi. Ich sage dem Frank, dass Grün überbewertet wird und ich die Schuttseite des Berges auch sehr mag. Da kann man Bauschutt hinbringen und auch wieder kaufen. Das Postgiroamt liegt dort, weiß Markus und eine Tonne Bauschutt ist wirklich billiger als man denkt. Friedhelm schenkt mir zum Abschied sein neues Buch.

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Nach der Veranstaltung gehen wir ganz nach oben und bestaunen den Vollmond, zuvor gab es Sonnenuntergang und dazu die tolle Aussicht auf Hannover, immer gibt es was zu sehen, beleuchtete Raupen, die sich durch die Landschaft schieben, Blumen, die blühen, wenn es dunkel wird (gelbe Nachtkerzen), Blüten, die ausschauen wie Finger und viel Mondschatten (moon light shadow). Unsere Umrisse als lange Schattenriesen. Die LKW-Waschanlage will ich auch noch sehen. Nein, durchfahren soll ich nicht mit dem Rad. Dann wieder nach Linden, erfahre auf dem Weg was meine Freunde so alles studiert haben. Noch ein Fundstück im Industriegebiet von Linden. Was ist es? Ich muss zurück fahren und es aufheben. Es ist eine kleine Tasse mit abgebrochenem Griff in der Größe eines Schnapsglases und auf ihr steht: „Wo früher unsere Leber war, ist heute eine Mini-Bar!“. Herrlich, das passt ja super. Vor der Tür bekommen wir Infos zum Sommerfest von Feinkost Lampe aus erster Hand. Dann noch einen kurzen Abstecher in die Galerie Lunar. Hier sitzt der Kollege vor der Tür mit auswärtigem Besuch von anderen Ende der Welt, gegenüber liegende Seite quasi, sowie einheimischen Fans. Innen gibt es Schaukästen mit indischen Verpackungen. Ich will noch eine Pizza essen auf der Limmerstraße, aber die haben schon zu. Auf den letzten Metern bekomme ich einen Platten. Glück gehabt, dass das nicht schon draußen „vor den Toren Hannovers“ passiert ist. Die Putzschnecken nerven schon eine ganze Weile und manchmal denke ich schon, dass ich mit den Hütchen übertreibe und es mich dann doch etwas quält, aber nur ein bisschen.

Die Kollegen schreibt mir, dass der Bürohund eines Tages auch mit mir schmusen wird und schickt mir einen Link zu einem Video. Darauf ist es zu sehen, wie er in der Sonne döst und sich räkelt. Missverständnis, ich will nicht, dass der Hund mit mir schmust, ich werde genug angefasst. Ich hatte festgestellt, dass er menschlich Berührung nicht mag und davor zurück schreckt und, dass ich das nicht einschätzen kann bzw. mich darüber gewundert, weil Zuwendung sonst die höchste Form der Belohnung darstellt. Wenn sie mir jetzt ein Video mit dem Hund in Interaktion mit ihrer Familie geschickt hätte, wäre das entkräftet worden, aber dass in der Sonne schlafen kann und auch tut, hatte ich nicht in Abrede gestellt.

Sunla will die schwarze Sporthose aus Fairtade, die ich mal teuer in Wien gekauft und nie getragen habe. Echt gute Qualität, aber zu schlicht, falsche Farbe und sie muss von einer großen Frau mit langen Beinen getragen werden, aber ich wollte sie nicht umsonst wieder reimportieren und frage daher nach. Ich freu mich.

13.07. Packen für Wien. Bleibt nur zu hoffen, dass Stephans Hemden aus Paris von dem Schneider, der jetzt Fotos verkauft vor Wien ankommen. Das mit dem Geschirrhandtuch mit dem geilen Gugelhupfrezept. Ich würde durchdrehen. Penetrantes Angerufe auf meinem Bürotelefon. Stephan hat wieder Brötchen gekauft und die letzten bekommen. Beim fünften Mal gehe ich ran. Polizeiinspektion West. Herr Ihme. Ich denke gleich, er ist tot. Körperverletzung im Gesicht, Frederikenstift, er soll nach Wunstorf, ist quasi unterwegs. Dann noch mal die Polizisten, das dauert wohl noch einige Stunde mit den Untersuchungen CT usw. Ich will gleich hinfahren. Dann denke ich an das rechtliche Chaos was das letztes Mal verursacht hat durch meine Anwesenheit als Betreuerin mit dem Aufgabenkreis Aufenthaltsbestimmung. Sie sagt auch, dass sie nicht wisse, ob ich mir das sonntags antun wolle. Die Kollegen würde eh vor Ort bleiben wegen des PsychKG-Beschlusses. Ich rufe statt dessen in Wunstorf an und lass mich mit der diensthabenden Oberärztin verbinden. Sie denkt die Betreuung macht ein Mann und, dass sie keine Daten hätten. Warum ich mich nicht gemeldet und Bescheid gesagt hätte, es würde nach meinem Betreuten gefahndet. Ich habe doch Mittwoch mit der Stationsärztin, ihrer Kollegin, mehrfach telefoniert und zwar von mir aus nachdem ich Herrn Ihme an dem Tag getroffen habe (also quasi zufällig) und die hatte alle Daten, hat mich auf meinem Handy angerufen. Was kann ich tun, wenn die die Infos nicht weiter gibt… Wie Stephan zu Recht sagt, wem hätte ich Bescheid sagen sollen, den Mitpatienten? Die scheinen besser informiert als das Klinikpersonal. Ich beantrage Montag die Unterbringung. Die Flohmarktidee zu Obi zu fahren ist jedenfalls gestorben für heute.

Quark mit roten Johannisbeeren und Hütchen basteln. Ich weiß, es ist eine schlimme Fixierung, aber die kandierten Erdnüsse (Billigprodukt) kaufen und zwar Tütenweise und auf neue Kekse von Sainsbury’s hoffen. Die letzte Packung davon war schon leicht drüber und wurde heute vertilgt. Gut, es was Salzkaramell, die mögen wir beide nicht ganz so gerne wie die Schoko-Nuss-Fraktion. Holunderblütensirup und überhaupt die Sirupe, die ich gerade entdeckt (seit Paris Minze und seit Bayreuth Holunder) mal im Augen behalten. Alleine schon für die Salatsoßen! Als Stephan beim Sport ist, kracht die große Tomatenpflanze runter, aber ich bin unschuldig und habe nicht in der Nähe gesessen. Das chinesische Spannseil, eine rosafarbene Paketschnur hat nachgegeben d.h. sich zersetzt. Ich wollte ins Koki, ein Film über eine Wientouristin, die ihre kranke Schwester besucht und vor dem winterlichen Wien ins Museum flüchtet und sich in einen Aufpasser im Kunsthistorischen verliebt. Wäre eigentlich schön gewesen zu Einstimmung, aber ich verlasse heute das Haus nicht.

Frau Tod ruft auch aus Wunstorf an und wundert sich, dass ich am Sonntag zu erreichen bin. Ob ich Widerspruch gegen den Beschluss einlegen kann. Nein, ich habe ihn ja beantragt, aber ich bin doch ihre Betreuerin. Das schon, aber ich bin ja der Meinung, dass sie behandelt werden muss. Sie auch, aber kürzer, 4 Wochen reichen. Ich sage, wenn es ihr vorher besser geht, dann wird sie vorher entlassen. „Dann ist gut, ich bin brav“

Wir haben Karten für die Antwoord in Oakland. Wutang Clan in SF klappt nicht, aber das hier ist viel wichtiger. Balcony, Sitzplätze. Sitzplätze? Wir werden den Laden auseinander nehmen, Alter!

Gut, ich habe die Bügelwäsche von mehreren Monaten gemacht und gedacht: Fußballhörspiel dazu, jetzt wird ja angeblich Geschichte geschrieben mal schauen, ob Du was merkst. Vielleicht erschließt sich mir doch irgendwas, aber nein. Der dämliche Kommentator, wie Jungs, die in einer Favela ein Spiel gewonnen haben da denkt keiner an einen Euro oder an Geld….ähhh? Spielerfrauen in Highheels auf dem Rasen, aber ein Trost bleibt, so sympathisch sieht dieser Mr. Messi auch nicht aus und irgendwie sympathischer als Lothar Matthäus und diese blonden Jungs mit Minipli, die Holländer anspucken sind sie auch.

Ich muss schon die ganze Woche an den Konflikt in Nahost denken. Er begleitet mich wirklich mein ganzes Leben seit ich denke und politische Nachrichten wahrnehmen kann.

Der Unterschied zwischen „hier“ und „da“

30.06. Heute ist Fotosession im Büro. Meiner Mama hat mein Hütchen gestern so gut gefallen, dass ich es dafür anlasse, dabei hatte ich andere Pläne mit einer rosa Raupe auf Robbenfelltäschchen. Das Graue ist eines aus dem Nachlass von Käte. Im Bioladen hat es Bobby gefallen und der ist sonst zurück haltend wie ein vorbildlicher Hannoveraner und hat mich noch nie angesprochen auf ein Outfit. Heute ein Kompliment und das hat mir Mut gemacht. Den kann ich heute gebrauchen. Ich merke, dass ich ganz schön beleidigt bin und gerade nicht in bester Stimmung für die tollen Bürofotos, die es werden sollen. Meine rote Tasche vom Flohmarkt in Berlin ist auch fertig (endlich, immer nennt er mir Termine und hält sie nicht ein, er soll Weihnachten sagen, aber sich daran halten und  mich nicht immer umsonst antanzen lassen.  Der Schuster lobt sie. 4,- € gekostet und der neue Reißverschluss jetzt 29,- €, ist unterm Strich trotzdem günstig und auch unbezahlbar, weil man solche Taschen gar nicht mehr bekommt. Das stabile Kunstleder. Wäre bei guten Schuhen genauso.

Frau K. eine türkische Betreute (hier geboren) ruft an und dann noch mal. Die Tochter hat eine Lehrstelle bekommen bei mir in der Nähe. Ich rate gleich wo, weil ich sie dort neulich noch getroffen habe. Ich bin stolz, sie kann ruhig auf einen Kaffee mal vorbei kommen und ich freue mich so für sie beide.

Ich habe Bayreuther Grillfleisch, u.a. Lammspieße und kaufe einen Sack Reis dazu. Weiße türkische Schokolade zum Sofortverzehr. Meine Fotos gefallen mir nicht und ich merke, was es für einen Unterschied macht, jemanden anzulächeln, den man liebt. Gut, den anderen gefallen ihre noch weniger. Was soll’s, einfach eines auswählen und zur Tagesordnung übergehen. So wichtig ist das nicht.

Der Oberarzt, den ich kenne, hat Frau Tod abgegeben an eine Kollegin und hofft darauf, dass wir uns bald in einem anderen Zusammenhang wieder begegnen. Ich glaube, er fand das doof, die Zusammenarbeit mit mir oder ich bin paranoid, aber die Rollen sind auch verteilt und ich bin die nervige Betreuerin.

Ich koche heute innerlich und schmeiße die Türen, schaue bewusst vorbei und keinem in die Augen. Dann ziehen sich alle zurück (verständlich). Die Kollegin wird operiert und ich raffe mich doch noch auf ihr zu schreiben und rudere zurück, kann ja nicht sein, dass ich mich bald mit gar keinem mehr verstehe. Ich bin deutlich übellaunig und sehr eingeschnappt. Ich bin chaotisch und kann kein Datev. Soll ich den Beruf aufgeben? Sind das Hormone? Gibt es da Pillen dagegen oder geht das von alleine wieder weg? Halte es für opportun prophylaktisch eine Entschuldigung anzubieten. Können das die Hormone sein, die Wechseljahre, die mich so durchdrehen lassen?

Ein Trennungsfall in der nahen Umfeld relativiert wieder alles. Der Familienvater ist schon ausgezogen. Das sind ernsthafte Krisen, nicht mein Geplänkel, in das ich mich hineinsteigere.

Abends Lumixkataloge durchblättern, was alles schön war. Fotos von Slabcity waren am Wochenende in der Taz, wollte ich eigentlich ausschneiden. Das war Claire Martin. Von der hätte ich mir auch ein Foto gekauft. Weiß gar nicht von welchem Fotografen meines ist. Erste Lumix war ohne Katalog.

Die Algerier sehen wesentlich besser aus als die Deutschen. Junge Frank Zappas mit grünen Ganzkörperanzügen. Langärmelig? Haben die früher nicht mehr Haut gezeigt? Die Körper kann man trotzdem gut erkennen. Der Torwart gefällt mir. Er ist eine Mischung aus Quentin Tarantino und Islam.

01.07. Ableger zu meiner Betreuten hinbringen. Die zwei Schreiben von der Versicherung und Kabel Deutschland waren nur Werbung und meine Betreute hatte noch gefragt, ob es denn reichen würde wenn ich es heute hole. Jetzt ist es ihr ein bisschen peinlich, aber nicht so sehr, dass sie mich nicht auf weitere Ableger anhaut oder zukünftig einfach mal ein Schreiben aufmacht. Sie spricht mich auf mein Fensterblatt an (nennt immer die korrekte Pflanzenbezeichnung) ob ich ihr da auch einen Ableger bringen kann. Ich hatte angedeutet, die ganz los werden zu wollen, aber sehe meine Aufgabe nicht darin Ableger für Betreute Ableger auf der Fensterbank zu ziehen, aber irgendwie ist seitdem die Beziehung viel besser und ja, das Balkonregal, was sie abgeschliffen und geölt hat sieht gut aus. Trotzdem blocke ich etwas ab und gehe nach wenigen Minuten.

Ich will zu dem Philatelie-Stand in die Ernst-August-Galerie. Wie in die Höhle des Löwen. Es ist knallvoll so unter der Woche, tagsüber. Jede Gastronomie, was machen die Leute hier. In Planlesen bin ich so was von behindert. In jeden Gang reinlaufen, bis ich die Post sehe. Ich bekomme die Musikinstrumentenbriefmarken. Aber das sei ja nur die Klarinette und hier würde –instrumente stehen, also Plural. Ja, das ist Serie, die kommen noch. Gibt mir DIN-A4-Zettel mit den Öffnungszeiten mit, weil Briefmarken ist nicht mehr das was es mal war. Auch in der Post ist es knallvoll. Ich will noch zu Lush. Zum nächsten Plan, ah das war gleich in der Nähe. Dann gehe ich am besten zum ersten Plan zurück. Ahh, hier ist es wieder weiter weg eingezeichnet. Dabei habe ich früher in der Sesame Street den Unterschied zwischen hier und da geguckt, wie er Grobi erklärt wurde. Hilft alles nicht. Wie peinlich. Ich finde mich selber peinlich. Kaufe Seife, ja, ich kenne mich mit den Produkten aus und bekomme ein winziges Stück geschenkt.

Dann Strafverhandlung bei Frau Dr. Pinski. „Kommt denn Ihre Betreute, Frau Kollegin?“ fragt mich der Strafverteidiger. Sie ist aufgeregt. Ihr Alter in vollen Jahren, wird sie gefragt und sie: „wo ich geboren bin?“ Sie hat kein Rachebedüfnis und der Typ, der mit Handschellen vorgeführt wird, hat ihr wesentlich mehr angetan als das was heute gehandelt wird: ein Jochbeinbruch und eine Bedrohung. Sie hat mutig ausgesagt, meint Frau Pinski und der Angeklagte muss sich merken, dass er zukünftig da einen großen Bogen drum macht, auch wenn er wieder entlassen wird. Sie will nur weg,die 2,50 € haben wir uns auch trotzdem geholt und ich habe dabei für mich neue Amtsstuben des Amtsgerichts betreten, wie Bankschalter. Nach der Auszahlung habe ich gesagt, dass wir jetzt damit einen drauf machen werden.

Lauter Schnäppchen im Fairkaufhaus sogar was für die amerikanische Verwandtschaft. Eine tolle Ledertasche, die schwer nach achtziger Jahre ausschaut, vor allem das Blau. Innen ist so gut verarbeitet und sieht eher älter aus. Micky Maus Comics für die Schweiz. Ich will Trudy eine hübsche, europäische Teekanne kaufen. Muss mich noch mit meiner Mama beraten. Ai Wei Wei Early Bird Tour nach Alcatraz um 8 Uhr etwas. Das ist teuer, aber es gibt eine Spezialbegrüßung und ein Geschenk.

Der Kollege sagt ab wegen Wien. Das tut mir leid, jetzt kommen 3 aus Hannover und 3 aus Hamburg, auch schwach für die eigene Heimatstadt. Ich will ihn nicht unter Druck sage aber trotzdem, dass er fehlen wird und es mir leid tut.

Frau Tod will sofort entlassen werden. Ich sage, bisher hätte ich nur gehört, wie gut sie dort aufgehoben sei und dass sie ein Jahr dort bleiben will und jetzt sofort nach Hause. Das ginge auch von Null auf Hundert. Ich rufe die neue Oberärztin an und vereinbare für Montag einen Termin. Ein anderer Betreute von außerhalb will ab Freitag dort entgiften. Könnte 2 Fliegen mit einer Klappe bedeuten.

Die OP der Kollegin hat gut geklappt und ja, ich kann den Welpen gerne mal die Treppe hochtragen. Die Antwoord spielen in Oakland gleich am Abend unserer Ankunft. Cool, aber das ist auch ein Stück ungerecht, weil ich mir aus solchen Konzerten nicht so viel mache, mein Kollege, der mir die Band einst ans Herz gelegt hat, hätte das wirklich verdient und könnte es mit Sicherheit mehr schätzen als ich und ich würde auch mit ihm tauschen, wenn dieses beamen möglich wäre. Er schreibt mir, dass die Beastie Boys als Vorband spielen. Haha.

Mein Arzt ruft mich an, etwas Smalltalk und ich erzähle ihm, wie die Therapieumstellung mein Leben positiv verändert hat.

Sport bei Berna. Es ist der Kurs Balance, einst aus der Not geboren, als Ballettstange und Therabänder wegen Renovierung nicht zur Verfügung standen. Mit Besenstil wird gearbeitet und damit lassen sich Kraft- und Gleichgewichtsübungen verbinden. Die Vorturnerin denkt sich gerne was Neues aus und heute steckt sie den Holzstab im Vierfüßlerstand zwischen die Beine und verkreuzt einen Arm auf dem Rücken, aus meiner Perspektive sieht es aus als würde sie sich die Stange in den Po stecken, zumindest verschwindet sie hinter einem Bein. Ich muss über die Perspektive lachen und sage, da müsse ich erst mal meinen Proktologen fragen, ob ich das machen darf. Dann Knie kreisen in der Brezel (macht Po-Muskeln). Heute sollen wir mit dem Knie eine acht malen. Euphorisch wie ich heute bin, schlage ich vor, dass wir unsere IBAN Nummer mit dem Knie schreiben.

Hole abends nach dem Sport einen Gutschein von der Weinbar, für eine Schwangere, aber den kann man auch in der Kostprobe einlösen und dazu will ich ihr raten, Mittagstisch mit schönem Blick auf die Kastanie.

02.07. 2 Träume zwischen 7 und 8. Käse schneiden. Immer neues Messer soll ich benutzen, weil es sich so gehöre und ein Stück auf Brot und eines ohne Brot dazu, schmeckt dann anders. Messegäste, bauen neue Küche ein, die aus unserem Apartment in Mission über airbnb. Wohnung ist voll und sie räumen auf und streichen Türkis, das Bad, es sieht herrlich aus.

Andrea muss vollschichtig arbeiten und kann nicht mit nach Nappa Valley, sondern uns nur an den Wochenenden sehen. Verweist wegen Übernachtung an ihre Schwiegermutter Trudy. Dann kann ich sie gleich fragen, was für eine Kanne ich kaufen soll. Wienerschick, eierschalenfarben mit Goldrand oder Blumenmuster. Ich habe eine blau-weiß gesehen, dass wäre klassisch niederländischer Stil oder grob die Richtung. Ich glaube ihnen gefällt alter Trödel aus der alten Welt.

Nur die Pillen klemmen in der Dose und ich brauche eine neue. Davon habe ich ja genug und so kommt eine rautenförmige, die früher französische Süßigkeiten drin hatte zum Einsatz. Martin kommt heute doch nicht vorbei, sonst hätten wir ihn mitgenommen zu dem Geburtstag. 2 Doktoren der Biologie hätten sich bestimmt prächtig verstanden. Sie wünscht sich Rezitationen. Ich hatte geplant, dass Martin lateinische Tier- und Pflanzennamen aufsagt. Das wird jetzt nichts. Daher muss ich ran. Die Gastgeberin ist Biologin und wir hatten mal das Thema, dass die Schäfer immer behaupten, es war der Wolf, wenn ein Schaf verendet seit es wieder wenige Wölfe in Norddeutschland gibt, weil sie dann eine Entschädigung bekommen und ihr Amt das dann klärt, ob es wirklich einer war:

Ist das Schaf gerissen, so war’s nicht automatisch der Wolf,

vielleicht war es auch der Terrier „Rolf“.

Biologen können so was merken und wie,

sie schauen sich die Spuren an, auch mal am Knie.

 

Ein Weingutschein, dafür ist doch gerade kein Raum.

Wir wollten Dir nahe legen die „Kostprobe“ mit dem Blick auf den Baum.

Da kannst Du mittags eine Kleinigkeit essen,

gerade von den Pistazienkeksen mit Butter sind wir ganz versessen.

Heute geht der Betreute, der ewig im Ausland war (im Iran) zur Gutachterin. Ruft mich sogar vorher noch an. Bin zuversichtlich, dass es klappen wird.

Das Jobcenter zahlt Herrn Ihme kein Geld. Das hätte schon vor 2 Tagen da sein müssen. Heute sind 32,38 eingegangen, ist ja ein bisschen wenig. Durch die 15 € für die neue Karte, die Rücklastschrift von RWE, denen eine Einzugsermächtigung erteilt hatte ohne das Konto gedeckt zu halten und durch die Quartalsbankgebühren von 20,85 war sein Konto aber mit 33,52 im Minus, deswegen ist er immer noch mit 1,14 im Minus und wird also nichts abheben können. Ich kann den Betrag nicht nachvollziehen und es reicht nicht. Irgendwie meint die Fallmanagerin, die mit der Leistungsabteilung nichts zu tun hat, aber die Einzige ist, die mit mir spricht, sie hätten die 190,- € aufgerechnet und er hat wohl gar keinen Anspruch mehr für den Rest des Monats. Ich sage, dass ich ihn täglich vorbei schicken werde. Es gibt keine adäquate Reaktion ihres Hauses und keiner beschäftigt sich mit dem Fall. Was bleibt mir. So wollten ja wöchentlich einteilen.

Meine Friedhofspflanze schlägt Wurzeln und meine Mama hat ein ebike namens Roberta. Meine Laune ist nicht mehr so peinlich beschissen und ich kann wieder im Büro normal reden. Ich lasse einen Sportkurs ausfallen, weil ich Arbeit habe, vor der ich mich gedrückt habe und die Trainerin nicht mag. Die hat es gewagt mich letzte Woche beim Pilates zu korrigieren. Das habe ich nun wirklich nicht nötig und kann es im Zweifel besser als sie und gerade Haltung und Körpergefühl sind gut. Jetzt trage ich mich aus ihren Kursen aus, also eine kleine Klatsche scheine ich doch zu haben.

Brillenversicherungen und Maßregelvollzug vertragen sich nicht.

Das Leben bei mit hat mir 40 begonnen. Frau ist 39 geworden und bekommt in ca. 9 Tagen ihr zweites Kind. Der Sohn ist 17. Auch spannende Lebenskonstellation. Hat einen grünen Daumen und Tomaten und Erdbeeren auf dem Balkon und teilt sich mit ihrem Ex den Garten. Die Topfpflanzen wachsen anders als bei mir. Zierliche Figur und sehr schwanger, wie ein Sattelschlepper, der in einen Smart-Parkplatz einpacken muss, man denkt, es geht nicht, kommentiere ich die anstehende Entbindung. Ja, Geburt, sie weiß was sie erwartet und das wäre auch das schlimme. Sie hat Geburtstrauma. Will sehen, wer ihr das angetan hat. Der gutaussehende, kräftige Mann kommt aus Wuppertal und genießt es in Hannover kein Auto mehr zu brauchen. Alte Industriestadt, da kommt Engels her, es gab früher schon Slums der Textilindustrien. Ja, Engels war auch in Manchester, unsere Stadtführung mit dem Thema Suffragetten und „Friedakangols“ hat sie junge Frau immer gesagt und uns vielsagend angeschaut. Die Gäste sind total nett. Musiker, die zwischen Fusion und Musikunterricht pendeln und auch Löffel als Schlaginstrument beherrschen. Ein lauer Sommerabend mit guten Gesprächen. Stephan wird für seine Frau gelobt und ich amüsiere mich sehr gut. Ich freu mich auf den Nachwuchs und denke, das wird ein ganz entspanntes Kind, ein Mädchen. Dann kann ich ja doch noch was in dem Bio-Kinder-Laden kaufen, so ein niedliches Stofftier was mir dann gefällt und ich habe einen Grund zum Kaufen.

Befahren des Gewässers Penispflanze Nasenspülplan

03.07. Jasmin schreibt mir, dass der jüngere Sohn nicht nur Seepferdchen gemacht hat, sondern Bezirksmeiste im Tennis wurde. Sie sind stolz auf ihn. Hoffentlich kann das sein großer Bruder, dessen Sport das eigentlich immer war, gut wegstecken. Ich mag beide unheimlich und würde sie gerne bald sehen. Ich freue mich sehr aus das Haus an der Amalfi-Küste 2015, aber das ist noch lange hin. Jasmins Schwester und Mann, die in Wien wohnen wollen auch kommen.

Total Butter. Kekse aus Flandern, sehen aus wie kleine alte Pappstücke, aber die schmecken und der Atem riecht nach Butter.

Meine Betreute aus Döhren treffe ich nicht zuhause an. Sie ist schlecht auf mich zu sprechen und zeigt allgemein Rückzugstendenzen. Ich habe schon richtig viel gemacht und irgendwas passt ihr trotzdem nicht. Sie hat in der Krankheitsphase halt das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder verloren und kreidet das uns/mir an. Man kann nicht alles wieder ausbügeln und wenn sie jetzt nicht mitarbeitet, wird es noch schwieriger und ich kann nicht garantieren, dass die ihr nicht den Geldhahn zudrehen vom Jobcenter. Die Schwester ruft an als ich beim nächsten Termin sitze, aber der sage ich nichts, weil sie es nicht will.

Neue Räume der Weinstraße. Doofe Ärztin, keine Hilfeplanung ohne die betroffene Person. Ich kenne es aber schon so. Soll sagen, wo und die bekommen eins auf’s Dach. Ja dann bestimmt nicht. Ich halte dagegen, dass sie es falsch sieht. Dafür bin ich doch gerade da. Das Gericht hat mich bestellt, um für den Betroffenen zu handeln, wenn dieser nicht kann. Meine Betreute war morgens schon da und jetzt kommt sie nicht, die Unterstützung die hier besprochen wird, hat sie aber bitter nötig und dazu kann ich auch Auskunft geben und rechtlich sogar an ihrer Stelle. Irgendwann fragt sie doch, ob wir schon anfangen wollen. Ich sage, die Auflage war immer Therapie finden, sonst kein ambulant betreutes Wohnen. Die Frau ist ihr ganzes Leben lang krank, hat schon zig stationäre Aufenthalte hinter sich. Keiner will sie, weil sie eine anstrengende Borderline Patientin ist, z.T. wird sie nicht für therapiefähig gehalten. Dieses Bestehen auf eine Therapie und keiner kann sagen, ob das überhaupt was bringt, ist total falsch angesetzt meiner Meinung nach. Stationär wurde abgelehnt, weil sie angeblich zu dick ist. Hallo, das sind doch Ausflüchte, ist schon mal ein Krankenhausbett aus Metall zusammengebrochen, weil jemand übergewichtig war? Die wollen sie doch auch nicht. Es geht darum den Status Quo zu erhalten. Sie braucht für alles Begleitung und sonst knallt es, dann sieht sie ihre Kinder nicht mehr, die in einer Einrichtung leben seit Jahren. Ohne das ambulant betreute Wohnen sind wir aufgeschmissen. Neuer Psychiater, der sportlich ist und gut ausschaut. Als die Betreute dann doch auftaucht, will sie gleich bei ihm eine Therapie machen und strahlt ihn an, ob er so was auch anbieten würde. „Na also, dann wäre der Therapieplatz doch endlich gefunden“, kommentiere ich das Ganze lachend. Die natürlich „nein, nein“. Sie berichtet, wie sie überall abblitzt und die ihr dann sagen, nachdem sie da war, dass Borderline doch nicht zum Behandlungsspektum gehören würde. Ja, sie verstehen, dass es schwierig wird mit ambulanter Therapie, d.h. ja, auch die anwesenden hier haben Verständnis, dass ihre Kollegen so unvorteilhafte Patienten nicht haben wollen oder können es sich zumindest vorstellen, dass das wirkliche Leben so ausschaut. Am Schluss läuft es dann doch so, wie ich gesagt habe. Dann wird um den Umfang und die Dauer der Bewilligung gefeilscht. Im Warteraum kann man sich auf den Besucherstühlen hinter einem Riesenberg gefalteter Karton verstecken. Herr Schlieckau war in den Fahrstuhl gestiegen als ich mit der Sozialarbeiterin gewartet habe. Man grüßte sich. Sie würden es nicht hinbekommen, die abholen zu lassen oder die abzuholen meint er bezogen auf das Umzugsgut. Ich frage jetzt, ob wir die Maßnahme nicht so lange machen können, wie die Umzugskartons draußen liegen und ob sie dafür auch eine Hilfeplanung machen würden. Ich könne an dem Ratenspiel teilnehmen und schätzen, wie viele es seien. Und was kann man gewinnen, will ich wissen „ein Abendessen mit Herrn Schlieckau im 11 A“. Die Ärztin meint gleich: „ach was, da kann man noch nicht mal in Ruhe aufessen“.

Elisabeth Taylor kommt und endlich bin ich wieder da. Ich kann mir alles erlauben zu Stephan will sie nie wieder- Mein Mann war ja eine Zumutung und hat sich nicht vorgestellt, nie wieder. Ich erkläre ihr, dass bei mir auch mal was dazwischen kommt und ich mich vertreten lassen muss. Ja, aber nur ich bin die Betreuerin und nur mit mir will sie was zu tun haben. Ich lese und schreibe nebenbei und verabschiede sie mit Frau Gez. Ich darf alles und sie lacht höchstens. Wenn sie in die Kanzlei kommt, dass nur um mich zu sehen, dann bespreche ich schon mal Urlaubsvertretung, die brauche ich ja dann nicht, kann ich meinen Kollegen auch ersparen und gebe ihr Geld für 3 Wochen mit, weil ich bin ja dann nicht da. Sie ist einverstanden.

Die blöde Krankenkasse von Herrn Ihme überweist mir den Vorauszahlungsbetrag von 46,92 € zurück und behauptet, er sei bei der AOK Niedersachsen versichert. Ich zahle davon RWE, die wollen 47,23 € mit Fristsetzung bis Morgen. Schreibe, dass sie mehr nicht bekommen werden und die Zahlung überhaupt nur sehr glücklichen Umständen zu verdanken haben und 31 Cent ausbuchen sollen. Ein Anruf genügt. Bei der AOK war er nur im August 2013 11 Tage über eine Zeitarbeitsfirma. Die haben ihn wieder abgemeldet. Das hätte diese andere, unbekannte Krankenkasse auch mal machen können. Chaos pur. Ich bin dafür, dass sie ihn befreien ohne das Geld, weil sie hatten ihre Chance.

04.07. Lebensgefährte von Frau Tod. Er war gestern da mit Picknicksachen und sie ist aggressiv geworden und hat sich dann abgewandt und zu Mitpatienten gesetzt. Ich sage, ja, sie war ja gestern auch fixiert, weil sie die Medikamente nicht nimmt und mit Äpfeln auf Mitpatienten wirft. Psychiatrie ist scheiße, kein Urlaub und man kümmert sich nicht, deswegen muss sie sich um Mitpatienten kümmern. Ich: dass sei Akutstation, kein Spaziergang, wusste sie vorher. Die bieten in erster Linie Medikamente an und die kann man nehmen und dann am sonstigen Therapieangebot teilnehmen oder es lassen und dann irgendwann Ausgangssperre und Fixierung. Das kann man sich halt aber auch so oder so gestalten. Im Übrigen sehe ich das sich kümmern wollen als Zeichen der Erkrankung. Sie hatte am Tag der Einweisung Carepakete für die Flüchtlinge am Weiße Kreuz Platz gepackt. Sie muss sich erst mal um sich selber kümmern. Sie will Tochter vom Flughafen abholen Montag und würde deswegen auch abhauen. Er traut es sich zu, sie dort hinzufahren mit dem Auto und dann wieder zurück zu bringen. Ich halte das für naiv, sie hat leider die Kraft von 5 Gorillas, wenn sie manisch ist und er ist überfordert damit. Wie schnell sich der Wind drehen kann, merkt er doch immer wieder selber. Dass sie nicht absprachefähig ist, merkt er vielleicht auch. Das wichtige Sommerereignis ist dann schon vorbei, wenn der Beschluss bis zum 01.08. geht und außerdem war sie bei der letzten Geburt der Tochter auch in der Psychiatrie. Wenn ihr diese Termine alle so wichtig sind, hätte sie das Medikamenteabsetzexperiment vielleicht auf September verschieben wollen. Entweder sie hat es absichtlich oder unterbewusst vor den Wand fahren lassen, weil sie das alles überfordert und sie es nicht will oder sie hat zumindest andere Prioritäten gesetzt. So sehe ich das. Meine Argumente haben wohl was für sich.

Telefonsex mit der Telekom. Das sage ich denen auch so. Das abgestellte Telefon meiner neuen Betreuten, die ich von der unfähigen Vorgängerin übernommen habe. Emails können sie nicht verschicken, aber wegen desselben Sachverhalts Mal um Mal anrufen. Hätten sie vielleicht doch Bundesbehörde bleiben sollen.

Die Oberfinanzdirektion in Aurich hat auf jeden Fall genügend Personal, aber alle haben die Telefone umgestellt und selbst der Springer ist nicht da.

Eine Betreute zu der ich selten Kontakt habe und die eine tolle Sprache hat, gerade wenn sie schimpft, ob mündlich oder schriftlich. Giftbock, hat selber nicht alle Tassen im Schrank und versteht keinen Spaß (sie meint den Leiter der Beratungsstelle), mit ihrem Freund, der auch mal zu mir unter Vertrag sollte, hat sie Schluss gemacht. Der war so negativ und hat Margarine geklaut aus ihrem Kühlschrank, sich einfach genommen ohne zu Fragen und ist zu faul zum Laufen, wenn man kein Fahrtgeld hat. Gibt es genügend Bänke zum Ausruhen unterwegs. Das kann sie alles nicht gebrauchen.

Mittagstisch mit Katharina, wir essen nach einander. Wir erst Vorspeisen ohne sie. Sie reklamiert das Hauptgericht, weil das Fleisch nicht richtig durch sei und wir essen in der Nachbratzeit unsere Pasta. Die Frau vom Rossini freut sich, mich zu sehen. Das Essen ist wieder super und das Siezen werde ich ihr noch abgewöhnen. Fragen nach sex life, vielleicht etwas zu direkt. Ich wäre so gespannt, wie ich das handhaben würde, dass sich dafür schon fast eine Probetrennung lohnen würde. Das kann ich nicht beurteilen, wie ich da jetzt ticken würde, weil ich schon zu lange in einer Beziehung bin. Ist wie Bankraub, weiß man vorher auch nicht, wie man reagieren würde. Vor Stephan war ich ein leichtes Mädchen, aber jetzt. Frauen in meinem Alter handhaben es so verschieden mit dem Sex. Würde ich mich schnell auf Neues einlassen oder das als erniedrigend empfinden, nur mechanisch und man ist sich zu schade. Dann geht es um den Tod, Sterbebegleitung und nigerianisches Leichenschauhaus ohne Kühlung. Madeleines im Schweizer Hof, aber das Rezept bekommen wir nicht.

Ravioli Madeleines

Dojo, aber nicht nur zum Reinschnuppern und vorübergehend. Der Meister nimmt das ernst und will so was nicht. Second Hand Laden mit neuer Inhaberin, fragt ob ich die Freundin bin und meint Jasmin, die nun keinerlei Ähnlichkeiten zu mir aufweisen kann. Ich sage, klar, wie früher beim Denver Clan, zack Verkehrsunfall und ich bin die neue Darstellerin nach einer Gesichts-OP. Nein, die heißt nicht Gudrun. Sie kauft, ich berate und bin erleichtert, dass ich heute mal aussetze. Es sind die schönsten 3 Teile, die die ich nicht gekauft habe. Eine große Erleichterung, die 3, die nicht auch noch auf den großen Berg oben drauf kommen.

Unser Psychologe hat noch Kundschaft als Deutschland schon spielt. Seine Tochter fragte, es ist ein Typ. Den finde ich sexy und will ihn kennen lernen. Ich habe wieder eine Yogalehrerin vermittelt. Der reinste Eigennutz, weil ich bei der ja Unterricht nehmen will für meine Mitgliedsbeiträge. Ich bin zu böse beim Sport und die Mädels schauen mich geschockt an. Fußball, ja schlimm und Frauen, die sonst nicht flach gelegt werden und sich jetzt mit Deutschlandfarben schmücken und hoffen, dass ein Betrunkener rüber steigt. Nach dem Sport muss ich eingestehen, es ist noch schlimmer. Ich würde ja gucken, aber nur anti-national. Ich mochte nur Balotelli. Guter Körper, gute Modellfreundin (seine Mutter) und dann erst Deutschland demütigen und dann sagen, warum ein Briefzusteller will auch nicht gelobt werden dafür, dass er einen Brief zustellt. Der gefällt mir, optisch und von der Einstellung her. Zumindest bin ich mit meinem Mann auf einer Linie und wir regen uns über die Handwerker auf, die alle und am schlimmsten ihre Autos mit Deutschlandfahnen behisst haben. Nie wieder will man auf die angewiesen sein und weiß im gleichen Moment wie unrealistisch das ist.

Abends läuft Stummhorrorfilm im Glockseeinnenhof mit einem DJ dazu. Das Café macht Sommerpause, aber das Indigo zieht durch. Da könnte man hin bei dem warmen Wetter, ja könnte, aber das war schon lange nicht mehr der Fall.

05.07. Viel nackt in Wohnung. 7 Hütchen aus Ü-Ei-Figuren. Zartrosa, so fängt es an, was nicht mehr aufhören will. Dann Kaffee und alles Mögliche dazu im Rossi, zu früh nach Eilvese von Leinhausen.

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Zug ist zu voll, Wochenendausflügler, die nach NRW wollen, Rentner kommt aus der Nähe von Hamburg, „das ist dann auch NRW“, meint sein Gegenüber. Schlechte Laune meinerseits, Zwangspause in Wunstorf und mit dem eigentlichen Zug 20 Minuten später fahren hilft auch nicht. Ich bin gefrustet, weil ich doch Morgen schon wieder da bin oder übermorgen. Habe extra Äpfel gekauft, aber mein Pferd ist nicht am Start. Der Schokoladen hat auch zu. In Eilvese war starker Regen und lauter Baumteile liegen in den Vorgärten und die kleineren Baumfinger türmen sich auf den Gullideckeln. Der Konfirmand will wegen Fußball eine Krankschreibung. Hat nur Sexualunterricht. Wir nehmen auf dem Rückweg die Tochter des Landwirts mit, mit unserem Gruppentagesticket. Ihre Oma hat sie zur Station gefahren. Sie hat knallblaue Augen, trägt Platteau-Highheels und könnte unsere Tochter sein. Die Kühe haben geschrien, stelle ich fest. Sie weiß nicht warum frage ich sie. Eine hat gekalbt, aber das ging leise zur Sachen, Boxen sind alle voll. Ja, die kennt sich aus mit Sexualkunde. Freundin wird 18 im Schützenzelt. Sie darf noch nicht nach Hannover, „nicht mal zu Primark?“ will ich fragen. Wo will sie denn hin? Dax, die Bierbörse ist erst ab 18. Eine Gruppe (white trash vom Land mit Shorts, der Frau gefällt mein Hütchen) steigen mit Kinderwagen ein. Als die Kontrolle kommt, haben sie nur eine Regio-S-Card und steigen mit ihr aus, der Rudelführer „scheiß Deutsche Bahn“ schimpfend. Der Mitarbeiter nimmt es gelassen. 2 hätten wir auch noch mitnehmen können.

Pistazienkekse 4 für 3. Ich kriege gleich Preisnachlass. Der Vorstandsmanager-Typ aus der Wedemark glotzt interessiert, sein Alte vor der Tür zu ihm „was hatte die denn auf dem Kopf“.

Schneyder, dieser kleine Holländer, der gerne großen Männern eine Kopfnuss geben würde hat viel Testosteron auf wenig Körpergröße verteilt. Mein Hütchen aus den Tuben der französischen Kondensmilch was ich nebenbei nähe ist nun echt zu hoch und geht nicht. Stephan gefällt es trotzdem. Da muss ich weiter sammeln und eine dezentere Höhe wählen.

06.07. Klassikumzug, später Schlager. Viel Schützenauszug, aber nicht die ganz frühe Runde. Nachbarjunge hat Blasinstrument geschenkt bekommen. Stephan sagt es wäre ein Schlagzeug. Das Üben klingt schlimm, aber ist wohl normal. Telefoniere mit Claudi, es sind Schlagermove und Harley Days, wenn man wie ich Hamburg nicht mag, wie ich, sollte man derzeit fern bleiben. Essen, Ablage, Essen. Nähen sage ich ab, lieber mal nicht nur dem Hedonismus und der Freizeit frönen, sondern was tun, was wirklich gemacht werden muss. Mein Mann macht sogar gerne mit mir Ablage. Er muss mich lieben, wenn das stimmt, so schlecht gelaunt wie ich da bin. Ich bin ihm dankbar ohne Ende, weil dieses Chaos und vor allem die unerledigten Aufgaben machen mir ein schlechtes Gewissen und danach fühlt es sich viel aufgeräumter und ich gehe lieber zur Arbeit und mit mehr Selbstbewusstsein. Er sagt, nicht darüber nachdenken, gehört einfach dazu. Ja, ich funktioniere nur im Team. Auch meine Geschichte von dem Plan, auf den einen schauen und zu dem anderen zurücklaufen und sich über die andere Perspektive wundern, findet mein Mann lustig, statt die Scheidung einzureichen.

Nicht verlegen, der Verleger

23.04. Paps freut sich über mein Buch. Dann ruft der Hausarzt von Frau Tod zurück. Ich hatte ihn Anfang letzter Woche ein Fax geschickt. Das ist ja jetzt schon ein halbes Jahr her bei dem was da alles passiert ist seither.

Heute kommt mir das duzen wieder unpassend vor. Habe ich so weniger Autorität? Ihr geht es „blendend“, sie ist noch voll manisch und alle auf Station brauchen einen Anwalt und wie viele schlechte Betreuer es gibt. Da muss sie an die Presse und ich kann ihren entsprechenden Kontakt in Garbsen schon mal anrufen. Ach nee, lass ma. Irgendwie bin ich heute ernüchtert. Ich merke, wie krank sie doch ist. Sie weiß nicht mehr genau wann und wie sie auf Station gekommen ist.

Auf dem Weg zum Termin sehe ich Norbert, den Drucker der Hanomag aus unserer Jugend. Es ist wie gestern, aber er ist grau und steht gebückt mit einem Rollator an der Bushaltestelle. Das darf alles nicht wahr sein.

Abends erfahre ich, dass der Yogalehrer an der Schulter operiert werden muss. Beide Apartment in SF sind möglich und ich beruhigt, will aber jetzt zuschlagen.

Neue Bürofotos. Wozu, ich bin anti. Wer will das und ist so eitel? So alt sind die noch nicht, haben wir nichts Besseres zu tun? Entschuldige mich beim Kollegen, will mir ihm Schluss machen weil die Zeit so rennt seit wir zusammen sind. Es sind 8 Jahre. Das darf gar nicht wahr sein.

24.06. Spontananruf. War mir beim Sport vom Vorabend eingefallen, dass ich mich einfach durchfrage im Krankenhaus, wie ich das beruflich auch tun würde. Dann habe ich sie am Telefon. Jugendfreundin, jetzt kein Kontakt. Die schwere Lage. Abweisung. Kann ich auch verstehen. Ich schreibe, sie soll lesen. Das ist die Rollenverteilung, die natürlich da her kommt. Sie hat mir Laurie Anderson und Frieda Kahlo gezeigt. Tomaten mit Meerrettichfrischkäse, den teuren von der Käsetheke bei Hertie. Eine Ofenheizung, Schafe auf dem Grundstück, eine laute Kirche hinter dem Haus. Eine Baumallee führte dort hin. Eines Tages waren alle Bäume um das obere drittel gekürzt und an jedes war ein Vogelhäuschen genagelt. Gruselige Szene war das. Ich denke an Fußbäder bei Hitze in der Küche, eine Reise die schon gebucht war und nicht stattfand. Das Zugticket verfiel. Zur Hochzeit gab es einen riesigen Kochtopf für Klöße und ein bayrisches Kochbuch.

Doch spontan zur Geburtstagfeier meines Paps fahren. Ab 76 sind die Geburtstage gezählt und die anderen Dinge mit Krankheit, Jugend und Vergänglichkeit beschäftigen mich. Familiär sind wir in einer Phase, in der wir uns offen unsere Liebe gestehen und angesichts des lauernden Endes sollte man einfach die Zeit nutzen. Was soll’s. Doch anreisen und Zeit miteinander verbringen. Außerdem finde ich es lustig wenn Rentner nachfeiern. Haben die nicht eh immer Urlaub?

Meine Schwägerin mag das günstigere und urigere Homeaway. Ich bin für schnell buchen.

Der Hund der Kollegin wird zunehmend nervig und jault, bellt, knurrt. Keiner korrigiert ihn. Das geht in eine ganz falsche Richtung. Ein Hund soll die Beliebtheit steigern und nicht umgekehrt. Betätscheln macht schlechten Charakter, alle diese Hunde, die wie Babies behandelt oder in den Mittelpunkt gestellt werden. Den Hund etwas wurschtig behandeln oder als selbstverständlich nebenbei laufen lassen und es wird der beste Hund, weil er sich an dem Rudelführer orientieren muss. Das Vertätscheln passiert aus Eigenliebe des Halters. Dem Hund wird lange vor seiner Ankunft eine Hundehütte gebastelt und ein riesiges Nobelbett und dann bekommt er Spielsachen und soll sich damit selber beschäftigen. Sie verwechseln Hund und Kind. Wo bleiben exercise und diciplin? Die haben so Angst den Hund zu sanktionieren, dabei ist das normal und der Hund erwartet es. „Pack leader doesn’t discuss, he doesn’t ask for a certain behavior, he expects it“. Schon, dass die Kollegin das mit dem Bellen gerechtfertigt hat als ich es thematisiert habe, „ich war nicht da, er wollte aufpassen, er kannte das und das nicht, fremde Geräusche“. Wen interessiert das? Jetzt begrüßt er jeden mit einem unfreundlichen Ankläffen und knurrt auch, wenn man sich klein macht und nein, das ist keine Angst und nein, dass ist kein Bürohund, wie wir ihn wollen, zumindest ich nicht. Cesars Zischgeräusch ist schon ganz abgenutzt und bleibt ohne Konsequenz. Ich sage nichts mehr und warte, wie sich das weiter entwickelt.

Arbeiten. Abweisend zu dem P-Monster als er kommt. Das wirkt anziehend auf ihn. Die australische Musikerin kam mit Freund und sie suchten nur einen Pennplatz. Das hätte ich ihm früher sagen können. Ihm tat es weh. Was auch weh tat war der Unfall mit dem E-bike. Irgendwie hatte die Frau schuld, aber es tut ihm halt wahnsinnig leid und er konnte nicht mehr bremsen und sie hat Schmerzen und er will sie im Krankenhaus besuchen und schreibt ihr lange SMS und sie meldet sich nicht. Wie soll ich da helfen? Rate zur Zurückhaltung. Er hat immer eine lange Liste dabei und ich erledige meine Aufgaben, was ist mit seinen? Ersatzschlüssel nachmachen lassen und irgendwo deponieren. Da muss ich darauf achten, dass hier nicht zu sehr einseitig gearbeitet wird.

Bei Frau Tod will ein Typ, der bei ihr gemeldet ist einziehen und sie will es auch. Er hat wohl im Garten gelebt und jetzt ist alles abgebrannt. Ich bin dagegen und spiele gerne die Spielverderberin. Das kann nur Probleme machen. Wenn der Typ vernünftig ist, versteht er das auch. Sie ist nicht da und anschließend fehlt irgendwas. Der Arzt hat bescheinigt, dass sie derzeit nicht geschäftsfähig ist, wer will das verantworten?

Sie gibt schöne Briefmarken mit dem Motiv „Musikinstrumente“. Da hätte ich gerne welche, aber das ist schwieriger als man denkt mit diesen Sondermarken der Post. Da werden nur wenige hunderte gedruckt oder die werden alle an Abonnenten verschickt, jedenfalls hat die Post am normalen Schalter nur die „Dauermarken“ oder am besten so hässliche Ausdrucke ohne Bild, auf denen nur der Preis steht. Die machen sie mir gerne auf meine Pakete und ich sage immer, was macht das für einen Eindruck von Deutschland und mir, wenn ich solche Pakete verschicke. Das sei doch das tolle an Post aus dem Ausland, die fremden Marken. Unverständnis auf der anderen Seite des Schalters.

Sport mit Berna. Mit ausgestrecktem Bein und gepointetem Fuß eine Acht in die Luft schreiben. Da brennt die Arschbacke und ich schlage vor, die IBAN-Nummer schreiben und zwar so, dass sie deutlich lesbar ist für eine 100.000,- € Überweisung.

Jetzt zur Spontanität stehen. Die Mittagsverabredung im Rossini absagen bzw. um eine Woche verschieben. Alle in Oberfranken gucken alte Tatorte. Die Bayreuther freuen sich. Mit Andreas treffen wir uns Freitag in seiner Galerie um 16 Uhr. und gucken seine aktuelle Ausstellung dort, dann weiter nach Bayreuth. Der Schlüssel liegt wie immer.

Nein, kein Lake Tahoe. Das ist die Berg- und Seenidylle der Schweiz. Die Wohnung in SF lässt sich nur 7 und nicht 8 Nächte buchen. Ich will endlich, dass das unter Dach und Fach ist.

25.06. Im Sprengel war Tischtennis der Lumix. Stephan ist verständlicherweise enttäuscht, dass wir das verpasst haben.

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Wollte nicht weiter belästigen, aber es wird doch noch ein Brief ins Krankenhaus. Muss zumindest schreiben, dass wir am Wochenende da sein werden.

Bekomme ein Paket von einem befreundeten Verleger und denke „scheiß Büchersendung, was soll ich damit“, aber nein, der Mann hat verstanden, worum es mir geht. Ein Karton voller Plastiksache. Unzählige Hütchen sehe ich darin. Da mussten seine Kinder wohl ausmisten.

wahre MitdenkerfreundeBalou Verlag

Die Sondermarken, die aus dem Monat Mai stammen, gibt es tatsächlich nicht. Immer nur kleines Kontingent. Das hätte stark nachgelassen mit der Philatelie. Es gibt nur Johann Strauß. Ich brauche mal andere Briefmarken für vielleicht ungewollte Krankenhauspost. Dann eben die.

Frau Tod schwankt zwischen Freunden, die sie besuchen zu befehlen ihr Geld mitzubringen und 1 Jahr im Krankenhaus bleiben zu wollen. Mir wird klar, dass nur psychisch stabile Menschen Chaos aushalten können. Ich habe noch vor Augen, wie sie versucht hat Ordnung zu machen in ihrer Tasche und das war nur Pseudoordnung und der Versuch Ordnung herzustellen, aber man merkte im Kopf war ganz viel Chaos. Das ist auch die alte Theorie meiner Freundin Sunla, wenn es ihr schlecht ging, musste alles an Ort und Stelle sein und die Ordnung besonders rigide. Da schafft man im Äußeren etwas, was innerlich gerade fehlt.

Abends essen wir die Clotted Cream aus Stuttgart und dicke Scones aus dem Bioladen. Es schmeckt sogar authentisch. Ich schlage der amerikanischen Verwandtschaft einen Deal vor für die letzte Nacht, Essen gegen Übernachtung. Das Appartement konnten wir nur bis Donnerstag buchen und müssen eine Nacht überbrücken. Die wohnen im Haus von Tante Marie und Onkel Hans in Burlingame und das liegt eh in Flughafennähe. Ich freue mich total auf Andrea und Bill und durch meinen selbstgebastelten Kalender habe ich sie auch ausreichend auf unseren Besuch eingestimmt, weil sie jeden Monat sich heranarbeiten.

Ein Spieler spielt mit einer weißen Haube, wie das Netz eines Küchenspülers. Der Aufschneider mit Hader ist leider unlustig wie ein Tatort.

26.06. Sie will alles was sie bestellt hat inklusive der Klamotten von vor 2 Jahren für deren Vertragsabwicklung wir seit dem vor dem Landgericht kämpfen. O.k. so verrückt ist sie. Ich bin wieder ins Sie übergegangen, sage ihr aber, dass ich sie trotzdem lieb habe. Ich entscheide jetzt und sie kann dann wieder mitreden, wenn es ihr besser geht und das sei nicht böse gemeint. Sie kann das akzeptieren. Sagt sogar, dass ich es tun soll.

Telefoniere mit dem Arzt von Herrn Yoga und sage, dass ich ihn schwer einschätzen kann. Er hat mir email mit folgendem Inhalt geschickt:

„Liebe Frau A.,

Dr. K. hat wohl den Eindruck, daß es mir ganz stabil geht in Hinsicht auf Antrieb. Die Untergangsstimmung kommt in mir auf durch Perspektivlosigkeit in der Erwerbstätigkeit. Das sind äußere Umstände. Ich werde in letzter Zeit regelmäßig von Mädchen besucht, die bei mir Fußball schauen. Das vertreibt mir so ein bißchen diese schlechte Stimmung. Aber ich halte das Gefühl für Illusion. Nachher kommen sie wieder. Dr. K. sagte mir, es ist verboten, mich mit Minderjährigen zu treffen, aber ich denke, ab 16 ist alles erlaubt, sogar Heirat, oder nicht?

Die Kommunikation mit Ihnen verleiht mir auch Auftrieb und Freiheit für so etwas wie Fußball gucken und mich unterhalten, was vorher durch die ganzen Angelegenheiten, die Sie jetzt bearbeiten, überschattet war.

Eigentlich geht es mir bestens. Es ist nur eine Frage der Position des Betrachters, die entscheidet wie als was man sich fühlt.

Ich danke Ihnen sehr…“

Weiß nicht, ob ich diese Rolle überhaupt spielen will.

Die Deutschlandfarben als Stifte sind giftig. Recht so. Irgendwie kann ich das nicht bedauern, sonst finde es nur konsequent. Ich denke, das schmieren sich die Richtigen ins Gesicht.

Stelli, ein mittlerweile 14-jährigen Terriermischling wartet brav ohne Leine vor der Metzgerei. Das war ja früher auch ganz anders. Auch Hunde lernen eben nie aus. Ich kann nicht anders und gehe hin. Anschließend gibt es Ärger, weil sie mit mir mit will und mir ins Haus folgt. Das war auch nicht Sinn der Übung.

Wartestelli

Auf dem Weg zum Sport, Auswahl durch Sport einmal anders. Ich sagte ja, alle mit St. Pauli oder 96 oder einem anderen Fanbekenner T-Shirt scheiden als Sexualpartner aus. Jetzt will ich Sex mit allen Menschen, die sich freiwillig dem Public Viewing entziehen. Das ist so eine Elite, dass ich nicht einmal unter herum wund werden würde wenn ich das in die Tat umsetzen würde.

Diesteln am Küchengarten 1 Diesten am Küchengarten 2

Auf dem Rückweg haben etliche Vollpfosten eine Hup-Latte, anders kann ich es nicht bezeichnen. Auch in leeren Straßen und nur ich bin unschuldig mit meinem Fahrrad unterwegs werde ich geräuschmäßig aufgeschreckt.

Lumix und die Wertvollsten sitzen in Wunstorf

16.05. Was mir an Hannover gefällt nach Paris und nach Stuttgart ist, dass die Leute hier tendenziell eher aussehen wie aus einem linken Jugendzentrum, d.h. nicht so lieb, nichtssagend und gutaussehend, sondern eher szenig und das finde ich dann zugleich anziehender. Als Typ würde ich auch eine Frau bevorzugen, die Doc Martens trägt und irgendwie nach Underground ausschaut, wie eine, die nur hübsch ist.

 

Eine Freundin meiner neuen Betreuten, ich nenne sie mal Frau Tod, kommt ohne Termin vorbei um mir mitzuteilen, dass sie wieder manisch wird. Die älteste Tochter hat sie alarmiert. Am Wochenende hat sie mir zumindest um 3 Uhr morgens mails geschickt wen wir alles verklagen sollen. Ich nehme das ernst. Ich versuche sie zu erreichen.

 

Die WEG-Versammlung schwänze ich.

 

Abends schreibt mir Frau Tod, dass etwas auf ihrem Konto nicht stimmt, komische Dinge würden passieren und tatsächlich wurden um 19:11 fast 5.000,- € abgebucht an eine portugiesische Bank mit Sitz in Lissabon. Sie sagt, sie habe sich um alles gekümmert bzw. die Bank würde das tun. Später findet sie es lustig, dass das beim Spiel Deutschland gegen Portugal passiert.

 

Wenn das chinesische Essen, was man beim Bringdienst bestellt hat nach 5 Minuten kommt, muss man misstrauisch sein. Das war zu schnell.

 

17.06. Morgens gleich schauen: Geld ist wieder zurück gebucht. Telefoniere mit der Bank. Sie hat einen Trojaner auf dem Rechner und soll den nicht mehr für Bankgeschäfte nutzen. Das wäre noch mal schöner gewesen. Ich rette den Dispo und dann so eine Katastrophe.

 

Herr Engel hat Termin, Herr Ihme ohne Termin. Nein, Geld gibt es nicht.

 

Papastempelschlumpf gefolgt von seinem Sohn auf dem Markt. Sie sind große Fußballfreunde. Die Marktfrau meines Vertrauens hat neue Mitarbeiterin, die leider sehr ungeschickt ist, bongt ständig falsch. Sonst arbeitet sie mit der Tochter zusammen. Bewundere ihre Geduld mit der Frau. Alles dauert 3 mal so lang und Kunden kommen mit dem Bong und beschweren sich und jeder Einkauf muss noch mal überprüft werden. Ich kaufe den letzten Schnittlauch und einen leckeren Salat. Zu Recht werben sie damit, dass ihre Salate 8 Tage halten. Die sind einfach Hammer, üppig und geschmacklich eine eins. Da kann man sich richtig an Salat gewöhnen.

 

18.06. Der Tag der klaren Worte. Frau Tod kommt mit neuem Typen, der sie aber seit 25 Jahren kennt, der aber mit einer anderen zusammen war. Sie wollen heiraten, irgendwie stellen sie ihn schon mit ihrem Nachnamen vor (von wegen bald wird geheiratet) und sie haben zwei große, schwarze Hunde dabei und kommen vor der Zeit, so dass sie mich schon im Treppenhaus treffen. Sie soll die Enkel nicht mehr sehen dürfen und hat den Schwiegersohn morgens um halb fünf ausversehen angerufen. Schuld war das blöde Telefon, sie wollte nur eine SMS schicken. Man soll weder anrufen noch eine SMS verschicken morgens um halb 5, wenn man eine bipolare Störung hat. Da soll man schlafen verdammt noch mal. Sie ist heftig geschminkt und aufgedonnert. Jetzt sagen immer alle, bin ich auch, aber sie ist halt wesensverändert. Ich bin klar im Kopf, bei ihr reißen die Gedanken immer ab und sie kann keinen zu Ende führen. Sie will den verseuchten Rechner gar nicht mehr nutzen, auch nicht für emails, auch nicht mir mal schreiben. Sie ist laut, lacht unangemessen und ist aggro. Sie hat die Medikamente abgesetzt, weil sie 2 Jahre nur geschlafen habe. Ich widerspreche und sage, sie war ganz normal und dass ich es nicht verstehe, wenn einer einen hohen Blutdruck hat und nimmt Blutdrucksenker und dann ist der Wert 120 zu 80, weiß er, das liegt an den Medikamenten und kommt nicht auf die Idee zu sagen, jetzt ist der Wert so super, dann setze ich die mal ab. Ich spiele in Wirklichkeit auf ein häusliches Problem an, weil Stephan seinen Blutdrucksenker abgesetzt hat und wieder 160 misst und ich das derart unverantwortlich finde. Ich sage ihr, dass meine Hütchen lustig seien, aber ich hier ganz klar der Spielverderber in dem Spiel sei. Dafür hat mich das Gericht bestellt. Der Typ ist Physiotherapeut und erzählt, wie beweglich sein Becken ist und auch sonst sei er sehr beweglich und er ist 6-facher Großvater und ganz offensichtlich knallverliebt in sie, hat aber Angst vor der eigenen Courage, wenn sie aus dem Zimmer geht, ist ihm das deutlich anzumerken. Verliebt sein sei auch ein bisschen manisch, aber die Alarmsignale von Freunden und Familie, die sie lange kennen, will er auch nicht in den Wind schlagen. Wir vereinbaren, dass wir Morgen um 16 Uhr zu ihrem Arzt zusammen fahren. Lumix fällt erst mal aus für mich. Ich sage ihr das und zeige den Vortrag mit dem springenden Husky, den ich mir anschauen wollte, sage aber, das sei wichtiger. Sie meint, wir könnten auch danach da noch hinfahren. Nein, wenn wir ohne Termin um 16 Uhr in Wennigsen beim Arzt sind, schaffen wir das sicher nicht bis 17 Uhr auf dem Expo-Gelände und da muss man auch vorher Tickets besorgen. Das schlechte Zeitmanagement gehört ganz klar zu dem Krankheitsbild meiner Meinung nach. Unser Bürowelpen verhält sich unangemessen gegenüber den beiden ruhigen Hunden und wird von Mutti gleich weggezerrt. Ich frage warum, hat sie Angst, dass er aufgefressen wird? Der muss sozialisiert werden.

Mein Betreuter der sich in seine Erbkrankheit reinsteigert, dass man dann Muskelschwund oder Diabetes bekommen kann sage ich, dass Diagnostik nur was nutzt, wenn man was machen kann, sonst dient es nur dazu einen verrückt zu machen. Krebsvorsorge ja, aber Erbkrankheit, die nicht beeinflusst werden kann, damit macht man sich nur verrückt. Auch wenn man es weiß, weiß man nichts. MS kann heißen, man merkt nie wieder was von der Krankheit oder man sitzt in 6 Monaten im Rollstuhl und ist in einem Jahr tot. Wir können alle nicht in die Zukunft schauen und das Leben ist tödlich. Der Sachbearbeiterin gefalle ich gut und sie pflichtet mir bei.

Die Physiotherapeuten, denen man im Haus des Jobcenters begegnet.

Männer die aufeinander zeigen

 

Ehemals sehr enge Freundin zu der seit einigen Jahren kein Kontakt besteht, ist sehr schwer krank und ich weiß es von dritter oder vierter Seite. Wir sind geschockt und wissen nicht, wie damit umgehen. Ich will nicht wieder ein Drama erleben, dass ich zu aufdringlich bin. Andererseits so tun als wüsste man von nichts und warten bis die Todesanzeige in der Zeitung ist erscheint mir auch feige und vor allem unangemessen. Diese Frau hat mir schon sehr geholfen im Leben und mich geprägt, vor allem in meiner Jugend, als ich doofe Schülerin und sie schon eine richtige Frau mit eigenem Hausstand war. Hat mir zu meinem Mann geraten und mir Frieda Kahlo und Laurie Anderson vorgestellt.

 

19.05. Morgens sitze ich im Termin und Frau Tod ruft um 2 Minuten vor 10 an mit heiserer Stimme, dass sie um 10 Uhr bei der Polizei sein müsse und das nicht schaffe. Ich soll das absagen und ich soll dann mitkommen und alles ganz wichtig. Ich schmeiße meinen Termin hinaus und rufe da an. Der Ermittler sagt, die Aussage sei unwichtig, der Schaden sei verhindert worden und Auslandsermittlungen, eh schwierig. Er macht mir Panik, dass alles noch ganz unsicher sei, die Kontodaten alle bekannt und die Täter könnten sich zweite SIM-Karte zusenden lassen und es muss ein neues Konto her. Ich dann mit der Bank am Telefonieren, die sich offenbar besser auskennen. Das macht heutzutage kein Handyanbieter mehr, SIM-Karte an fremde Adresse und die Täter haben nicht vorgegaukelt, dass sie auf der Seite der Sparkasse war, das war die Seite der Sparkasse, auch hier sei die Technik besser geworden. Das ist gruselig und unheimlich was technisch möglich ist und haben die von der Polizei denn gar keinen Plan? Außerdem hat sie mitgewirkt. Man hat ihr eine TAN auf ihr Handy geschickt und da stand, dass sie 5.000,- € nach Portugal überweist, wenn sie den eingibt. Das hätte sie nur mal durchlesen müssen. Es war also schon im Zeichen der Manie, dass sie das nicht erkannt hat bzw. erst machen und dann Alarm melden. Das ist eine wichtige Info für mich. Nebenbei ruft Frau Tod an, der alles nicht schnell genug geht, dann der Polizist, der sich Sorgen um sie macht, dass sie sehr weinerlich sei und sich vielleicht was antun würde, ob ich die Möglichkeit hätte dort hinzufahren. Das tue ich dann nach einer Vorankündigung. Sie ist dankbar, ich bewundere den neu gebauten Tischbrunnen von letzter Nacht. Der Freund ist jetzt der Böse und ist nachts rausgeflogen. Sie hat Putin angeschrieben und will eine Armee zusammenstellen. Das Telefonbuch wird durchtelefoniert und sie will wissen, wer auf ihrer Seite ist und wer weiter schlafen will. Ich bin selber beeindruckt, wie sich das alles weiterentwickelt hat in 24 Stunden und eskaliert ist. Nachts war der Notarzt da, weil sie nicht mehr atmen konnte und hat sie abgeschossen und sie hat 2 Stunden geschlafen. Und die Frau, die am Telefon nicht gleich reagiert hat, muss auch verklagt werden. Sie kocht Tee und Kaffee gleichzeitig, den Kaffee gibt es mit Biosahne, lecker. Die Tochter kommt, ich versuche Krisenintervention, integrierte Versorgung über die Krankenkasse, Telefonate nach Berlin und Hamburg, ich will heute einen Anbieter am Start haben und jemanden der vorbeikommt. Die Tochter entsperrt das Handy (leider). Sie hatte immer einen dreistelligen PIN eingegangen statt zu lesen, dass sie noch 3 Versuche hat und der Pin aus vier Ziffern besteht. Jetzt ruft sie jede Nummer an, die auf dem Telefon erscheint oder vermeintlich erscheint. Telefoniert mit der Türkei (schon wieder) und sie bestellt Bücher bei Verlagen. Mit dem einen Ohr spreche ich mit dem sozialpsychiatrischen Dienst, der Notärztin, mit dem anderen versuche ich die Sachen wieder abzusagen. Es ist unheimlich anstrengend und wie einen Sack Flöhe hüten. Die Tochter und ich sind im Dauereinsatz. Die ältere Tochter ruft auch an, ist aber hoch schwanger und hält sich zurück, kann sie aber mit dem Thema Enkel sofort zum Heulen bringen. Ich sage ausversehen das Wort, was sie gesagt hatte „Eröffnungswehen“, dann will sie gleich losstürzen. Nein, sie kneift noch zu, nur ein bisschen Regelschmerz. Noch mal gut gegangen. Sie kocht stundenlang Spargelschalen aus und fügt Gläserweise irgendwelche Gewürze hinzu. Der Herd ist auf 9 und sie geht raus und vergisst es. Wir stellen ihn immer wieder heimlich runter oder sagen es ihr auch, was sie wieder vergisst. Die Anrufer, die sie nachts angerufen hat, rufen alle nacheinander zurück. Irgendwann kommt die Notärztin, die ich auch aus anderem Zusammenhang kenne. Sie sind zu zweit. Die Frau ist leider sehr ungeschickt und meine flippt aus, schreit sie an, sie bestimmt immer noch, wer sie bei ihr in der Küche setzen darf und macht weitere Kerzen an, direkt an ihrem Ohr und neben Trockenblumen. Alle haben Angst. Bei mir ist sie folgsam. Natürlich würde sie mit mir nach Wunstorf fahren. Das sei so abgesprochen. Die Ärztin hat Zweifel (das klappt doch nie). Was ist, wenn sie an der nächsten Ampel raus will. Ich schaffe das schon. Sie bestellt den Krankenwagen und wünscht mir viel Spaß. Wenn alle Stricke reißen nehme ich sie in den Arm und sie schluchzt eine Runde und dann geht es wieder besser. Ich sage ihr, alles wird gut und wir stehen das gemeinsam durch. Dann kommt irgendwann mal der Typ von der integrierten Versorgung, ich hatte gesagt, wir können alle fachkundige Unterstützung gebrauchen. Ein junger Türke. Sie hat die Türken gerufen, wie sie sagt. Der ist auch mittelgeschickt. Sie will jetzt doch lieber ambulant. Der Krankenwagen kommt. Es sind leider 2 Frauen mit Gummihandschuhen. Das Packen dauert ¾ Stunde und sie lässt sich nicht hetzen. Die Tochter ist unterwürfig und fragt immer, ob sie das und das packen darf. Kerzen werden wieder angemacht, die Handtasche wird ausgeleert auf dem Fußboden und durchsortiert, alle Feuerzeuge zusammen und dann zack, wieder rein. Muster auf dem Tisch sortieren. Leider merkt sie, dass ich ihr das Handy weggenommen habe und lässt nicht locker bis sie es wieder hat. Stephan muss meine Bürotermine machen. Es ist 14:05 als wir in den Wagen steigen. Ich gucke auf die Uhr, weil sie sagt, dass dauere immer eine Stunde mit dem Krankenwagen. Es dürfen nur 2 mitfahren, der junge Türke fährt die Tochter. Das ist auch hilfreich und so war er wenigstens nicht umsonst da. Ich sitze ihr gegenüber und gegen die Fahrtrichtung. Ich sage, dass ich mich fühle, wie im englischen Taxi. Sie trägt eine Sonnenbrille und wir plaudern und vertreiben und die Zeit während wir auf der Autobahn im Stau stehen. Als sie ein Stück Croissant essen will heißt es von vorne, dass im Krankenwagen nicht gegessen werden darf (auch taktisch keine Meisterleistung) Sie will an der nächsten Raststätte anhalten und brüllt herum, dass sie gestern um 18 Uhr das letzte gegessen habe. Die Tochter hatte Frühstück mitgebracht. Auch das kriege ich wieder hin und wir kommen an und es gibt erst mal ein High Five mit den Mitpatienten vor der Tür und dann geht sie in den Raucherraum. Ich darf erklären, wer hier eingewiesen wird. Es kommt wie besprochen. Das war ja unser running Gag, dass sie mich da behalten werden. Wenn ich jedoch das Wort ergreife, habe ich keine Probleme es deutlich zu machen. Ich mache die Tür zum Stationszimmer zu und will sicher stellen, dass sie kapieren, dass sie nicht freiwillig da ist, weil sie keine tragfähige Willenserklärung abgeben kann. Ich habe mir nicht einen ganzen Tag ans Bein gebunden um das schonend zu machen und sie machen das alles zunichte. Ich muss darauf bestehen, dass sie meinen Betreuerausweis kopieren mit den Aufgabenkreisen Gesundheitssorge und Aufenthaltsbestimmung. Ich verabschiede mich und werde sofort als Rudelführer akzeptiert auf Station. Während die liebe Tochter bei den jungen Kerlen eher als Opfer erkannt wird, schauen sie bei mir interessiert, aber haben Respekt. Im Raucherraum meint einer der nach schweren Körperverletzungen aussieht mit frischen Narben im Gesicht zu mir: „komm mal her, ich will Dir was sagen“. Ich dann, „sag’s laut“ und er kommt auf kleinem Schritt zu mir und sagt: „ich stehe auf Ihr Outfit“. Alles klar. Es regnet. Ich sitze mit der Tochter vor der Tür auf einem Betonpfeiler. Wie ausgeblasene Eier fühlt man sich. Bedanke mich für die Hilfe, ohne sie hätte ich es nicht geschafft. Es ist die Aufgabenteilung, dass sie als Familie und Freunde die Klamotten bringen und ich mich nicht auch um so was kümmern muss. Ja, ihre Mutter hat mich bewusst ausgesucht. Das ist mir nach heute ganz klar. Sie versucht private Abholung zu organisieren. Das klappt nicht. Ich lass Taxi rufen, dann Bahnhof, Zug gerade gefahren, hektisch Fahrkarten kaufen, der nächste kommt gleich, sie kennt den öffentlichen Nahverkehr nicht, wir rennen und stempeln nicht ab, weil es irgendwie nicht geht. Ich biete ihr das Du an, sie hat Konditorin gelernt, ein sehr ehrbarer Beruf, den ich sehr schätze, wollte erst Krankenschwester werden. Hat gemerkt, dass ihr das nicht gut tut. Nach ihrer Mutter hat sie schon einen Laden. Sie lacht. Trotz aller Belastung sei sie eine gute Mutter gewesen. Ja, wer einen langweiligen, desinteressierten Fladen zur Mutter hat, hat andere Sorgen. Sie kann jetzt nicht alleine sein und fährt zur Schwester. Ich gebe ihr die nicht abgestempelten Fahrkarten mit. Die kann sie in nächster Zeit bestimmt gebrauchen. Sie weiß ja jetzt wie es geht. Wir bleiben in Kontakt. Ich denke, Stephan ist vielleicht mit Steffi zur Lumix. Er war gerade zwischen Büro und Zuhause unterwegs. Ich mache noch etwas Post und faxe den Vertrag für die integrierte Versorgung zurück. Das hatte ich versprochen.

 

Dann Beckmanns. Ich muss was Gutes essen. (Das Burrata ist noch nicht einmal das, was mir richtig gut schmeckt)…..

Beckmanns Burrata

Heute wird uns das Du angeboten vom Koch. Wurde auch Zeit. Er fragt, wo wir sonst essen gehen. Wir waren gerade in der Wielandhöhe in Stuttgart, aber sein Fisch war besser, nein, er meint hier in Hannover. Ich glotze in die Küche, er meint, das sei nichts, nur grüne Bohnen. Nein, wir schauen seiner Küchenhilfe auf den Arsch. Ich sage, Stephan und ich seien beide etwas verknallt in sie. Er auch und grinst. Wusste ich’s doch.

 

Cumberlandsche Galerie, zu früh. Wir sind die ersten Gäste neben einem alleinstehenden Mann, der vielleicht Theaterkritiker ist. Die Oper ist kurzweilig und modern, deswegen heißt sie auch „Semioper von Henry Purcell in historisch unkorrekter Aufführungspraxis“. Wir treffen unsere Nachbarn und sitzen nebeneinander auf der Bank. Jan macht mich darauf aufmerksam, dass der Klarinettenspieler einen Luftsack am Hals hat wenn er in sein Instrument bläst und Tatsache, das war mir vorher nicht aufgefallen, aber jetzt. Und wie. Das sieht richtig ausgeleiert aus. Ich mag die Inszenierung und sage, besser als sich stundenlang von Wagner langweilen zu lassen. So kommen auch die Instrumente viel besser zur Geltung, weil es wenige sind. Bassposaune ist eh der Hammer, aber auch Althorn und Klarinette können gut sein. Sweet Milk, den Namen muss man sich merken. Vielleicht kann man die ja mal engagieren für eine Hochzeit, z.B. Immerhin habe ich ein Lied gleich wiedererkannt und das finde ich bemerkenswert, weil ich mich selber für sehr unmusikalisch halte nur offenbar im zuordnen und Wiedererkennen bin ich ganz gut so habe ich als Kind damit beeindruckt, dass ich bei der Sesamstrasse erkannt habe, das ist Papas Musik als Bach lief. Hier höre ich, das Lied hat Klaus Nomi mal gesungen und das stimmt auch, habe nachgelesen, Cold Song heißt es und hat wenig Text, aber der hat es in sich.

 

20.06. Heute will ich aber zu Lumix. Bewährungshelfer sieht auch etwas aus wie Papaschlumpf. Hat keinen Kontakt zu Herrn Ihme und lässt sich auf den neusten Stand bringen. Erkundige mich wie es Frau Tod geht. Die Tochter meldet, dass sie viel mit dem Handy anruft und sich selber schadet, indem sie geschäftliche Kontakte anruft, aber auch Arbeitgeber der Töchter. Sie wollen ihr ein Prepaid Handy besorgen und die Station soll das unterbinden. Die Ärztin meint, dass sie hiergegen nichts tun könne, ich sei doch Juristin, mir müsse sie es nicht erklären. Muss sie doch, weil sonst muss sie mir erklären, warum ich eine hoch kranke Frau mit viel Aufwand in die geschlossene Psychiatrie bringe. Dann lasse ich sie nächstes Mal Zuhause und dann kann sie sich dort zugrunde richten. Ich ärgere mich und schicke Faxe. Mittags ist das Handy doch in Verwahrung. Das Pflegepersonal sieht das anders. Einen Beschluss gibt es auch. Der Richter fragt sich auch, was ich wieder auf dem Kopf habe und erzählt was von einem Krokodil. Ich kenne den Oberarzt und nehme mit ihm Kontakt auf. Als er nicht weiß, wer dran ist sage ich „Mozart ist scheiße“. Dann spreche ich mit Frau Tod und sie will alles tun, was wir sagen und fühlt sich gut aufgehoben. Den Arzt kennt sie aus Linden und vom Markt. Da trifft sie ihn mit seinem Freund. Alles erledigt, dann kann es ja heute zur Lumix gehen. Zwei Vorträge stehen auf dem Programm.

 

Nach der Ankunft erst mal eine Runde Fotos gucken. Irgendwie kommen sie mir mittelmäßig vor. Eine Frau, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Frieda Kahlo hat und mit der wir Fahrstuhl fahren lobt meine Ohrringe, die Plastikhandgranaten. Die wären „great“. Ich: „Thanks“.

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Der erste Vortrag ist von einer Engländerin, die ein bisschen ausschaut wie Tilda Swinton und eine kleine Tochter hat, die langsam an die Fremdbetreuung durch Studentinnen gewöhnt werden muss. Sie hat Flüchtlinge fotografiert aus Somalia, die auf dem Seeweg in den Jemen wollten und dann, wenn sie merken, dass es da nicht besser ist weiter nach Saudi Arabien. Die Fotos sind schlecht, was den Umständen geschuldet sein mag unter denen sie gemacht wurden und weil die Geschichte wichtiger war, die erzählt wird. Ich mag die Frau nicht. Sie hat sich an der einen Stelle doch tatsächlich entschieden die Kamera wegzulegen und Menschen zu retten, d.h. aus dem Meer zu ziehen und betont das so als sei es nicht das normalste der Welt. Was denn bitte sonst? Sie macht einen auf Tierfotografin, die nicht eingreifen soll. Ich verstehe den Ansatz nicht. Natürlich muss man eingreifen und die Leute warnen, dass sie sich in Todesgefahr begeben und es auf der anderen Seite nicht besser ist. Was macht das sonst für einen Sinn? Man will einen Unterschied machen und eine Geschichte erzählen, was verändern durch seine Arbeit, aber irgendwie will man auch nicht eingreifen. Feige kommt mir das vor und irgendwie glaube ich ihr dann nicht mehr oder habe zumindest Zweifel an den Dingen, die sie erzählt. Die bösen Schlepper oder Bandenchefs, die sie auch z.T. fotografiert. Früher nannte man das Fluchthelfer, wie Stephan zu Recht sagt und was kann man für 50 Dollar schon erwarten. Es kommt einem alles sehr vereinfachend vor und auch irgendwie erfunden. Menschen, die Angst hatten und nicht in die kleinen Boote einsteigen wollten als sie gesehen haben, wo sie rein sollten, wurden angeblich mit Genickschuss hingerichtet am Strand. Ich glaube es nicht. Warum sollte man es tun? Es macht auch auf der Verbrecherebene keinen Sinn. Das Geld hat man schon und die Leichen müssten auch beseitigt werden. Mein Misstrauen gegen die Frau ändert sich auch bei der zweiten Geschichte nicht. Minderjährige Flüchtlinge aus Afghanistan. Auch hier ist sie hin- und hergerissen zwischen Nichteinmischen und es aber doch tun. Sie reist mit einem Jugendlichen und will ihn dann doch nicht kennen um ihn nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Sie will ihn nicht fotografieren um seine Identität zu schützen, tut es dann aber doch als er schläft und in schlecht, d.h. die Fotoqualität wird nicht besser, obwohl das hier durchaus möglich gewesen wäre. Hauptsache Kinder und auf die Tränendrüse drücken. Sie wird dann nach dem Vortrag auch nach ihrem gefährlichen Job und ihrer Verantwortung als Mutter gefragt. Das ist zwar auch eine dämliche Frage, zugegeben, aber der Ansatz der Vortragenden ist mir trotzdem total suspekt. Lässt die Mütterliche raushängen, aber dann doch lieber nur neutral bleiben, professionell und nur berichten. Je mehr ich meinen Beruf mache, desto mehr scheiß ich gerade auf das vermeintlich professionelle bzw. halte den Ansatz von dem „das ist mein Gegenüber und bloß nicht zu sehr verbrüdern“ gerade nicht für nicht professionell. Meine Emotionalität ist ein wichtiger Bestandteil meiner beruflichen Arbeit und den baue ich zunehmend konsequent aus. So.

 

Der zweite Vortrag gefällt mir viel besser. Der Typ hat Humor und macht gute Bilder. Er ist Schweizer und wohnt in Paris. Ich schaue später nach. Sein Atelier ist in Montparnasse, bei dem Friedhof in der Nähe und der Straße mit den ganzen Crêpeperien. Er hat auch ein gesundes Selbstbewusstsein. Sie machen ein neues online Magazin und das kostet Geld, es kennt sie keiner, nur 450 Abonnenten, aber sie sind gut. Der Typ ist mir sympathisch und er hat echt gute Bilder gemacht. Nacktcamp, Alte, Nackte beim Yoga. Kopfstand. Ein Feuerwehrmann beim Pinkeln. Rauch und der doppelte Löschstrahl. Ein Typ, der in der Kanalisation Ratten jagt.

 

Wir gehen anschließend zum Griechen am Lindener Markt. Der ist etabliert und etwa schon so lange in Hannover wie wir, aber wir waren noch nie da. Gute Qualität und ein Aquarium an der Wand. Wo hat man das noch? Es gibt Servietten mit Landkarte und auf der Speisekarte kann man griechisch lernen. Wir verabreden uns für Morgen früh.

 

21.06. Traum: will mit Annette und ihrem Sohn in eine Theaterinszenierung, erst holen wir ihn ab von der Kita und dann ergibt sich das. Ist in der Nordstadt in einem Jugendzentrum und man muss durch einen Krankenhaustrakt. In diesem Trakt ist eine Geburtsstation oder so, ganz viel Blut, pulsierende Haufen aus Blut und Innereien. Frauen in weißen Gewänder voller Blut, es sind altmodische Nachthemden, total beschmiert. Menschen stehend angekettet, die voll bluten und da muss man durch. Es ist so eng gedrängt, dass man selber voll blutig wird. In der punkig gemachten Inszenierung mit selbstgenähten Kostümen geht es um das dritte Reich und es wird viel Gewalt gespielt. Ich frage mich ob das kindgerecht ist. Alle sind Jugendzentrumpunks, wie Sprengel ist es da, d.h. Mitwirkende und Publikum. Es gibt eine Pause und man erhebt sich von den selbstgebauten Sofas, Matratzen und Möbeln. Ich komme nach der Pause zu spät und muss über die Bühne wieder auf meinen Platz auf einer der Matratzen steigen. Dann ist es vorbei und es kommt eine Durchsage, dass alle in 5 Minuten das Gebäude verlassen müssen, sonst schließen die Türen automatisch. Große Hektik allgemein, weil ich die Garderobe mit meinen Sachen nicht finde, brauche Stephans Hilfe. Wir schaffen den Count down und sind draußen. Das ist hier der Normalfall, dass die Türen schließen und dann braucht keiner einen Schlüssel. Ich habe Panik dort eingesperrt zu sein, aber es ist ja noch gut gegangen. Hilmar ist auch bei uns. Ich kommentiere seine Unterhose, dass die gut sei und er meint, dass die noch nicht mal seine Frau kennen würde. Ich: „Du spinnst“.

 

Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, welche Annette das war (und es kommen mehrere in Frage) oder ob es überhaupt eine Annette war (keine Frau, die ich kenne und mir mit Sohn vorstelle lässt eine Klingel läuten, wie man auf Englisch sagt), aber der Traum war eine Mischung aus der Schwangerschaft der Tochter von Frau Tod, die schon Eröffnungswehen hatte und der geschlossenen Station und der Oper der anderen Art in der wir waren sowie meine Hannoverliebe. Das ist ganz klar.

 

Ich streite mich morgens mit Stephan, weil er Ouzo beim Griechen getrunken hat. Sehe die wertvollen Szenen in Linden. Bauarbeitertyp, der mit Mädchen Hand in Hand läuft, die ein Auge abgeklebt hat und ganz geduldig, ruhig und liebevoll mit ihr spricht. Wir kommen spät los, gehen noch eine Runde mit den Hunden und hetzen zur Lumix. Stephan kauft schon mal Karten, wir parken und laufen zum Hörsaal. Der Schweizer Referent vom Vortag kommt uns entgegen und ich grüße ihn mit einem freundlichen „hallo“. Ich bin mir sicher, dass er mich auch wiedererkennt. Habe gestern weit vorne gesessen und so schwer ist das nicht (mich wiederzuerkennen), wie meinen Freundinnen immer meinen.

 

Ich werde viel angeglotzt und manchmal probiert man mich ganz doof zu fotografieren. Stephan und ich sind meistens schneller. Er hört, wie gesagt wird: die war gestern schon da.

 

Wir setzen uns hinten in den Hörsaal. Die Vorstellung des Vortragenden ist schon im Gange und ich sehe nichts und laufe ganz vorsichtig weil ich nicht fallen will. Es ist nicht so voll, aber viele müssen auf den Treppen sitzen, weil Zuhörer die Reihe blockieren und einfach außen sitzen bleiben und nicht durchrutschen.

 

Der Typ ist Engländer, spricht aber ein gutes Englisch. Er hat Arbeit gemacht „Gun nation“ über die Waffenverrückten Amerikaner, die Angst haben und sich aber nicht schützen, sondern Gefahren erhöhen durch die Bewaffnung. Halbautomatische Gewehre, die im Vietnam Krieg benutzt wurden für die Ehefrau. Dann geht es um sein Projekte „Love me“ über Schönheitswahn, der jetzt auch die Männer erreicht hat nachdem man sich zuerst darauf konzentriert hat, die Frauen verrückt zu machen und unzufrieden mit ihrem Äußeren um ihnen Dinge verkaufen zu können sind jetzt die Männer dran. Keine behaarte Männerbrust mehr in der Werbung seit 1995 (auf dem Titelblatt irgendeines namhaften Magazins). Er hat so Recht. Auch dieser Jugendwahn. Früher war Alter toll, Weisheit, Lebenserfahrung, hat Respekt bedeutet. Jetzt muss man sich schämen, wenn man nicht mehr jung ist und um seinen Job fürchten. Dann Fotos aus Hackney, seinem Stadtteil in London. Danach Fremdschämen für die dämlichen Fragen. Mein Gott, wie schafft man es ein einvernehmliches Foto zu machen. Wenn sie das nicht wissen, sollten sie das Studium wechseln oder sind das nicht Studierende sondern andere Idioten. Die Fragen hat Steve Mc Curry schon vor Jahren beantwortet, dass er wohl klein sei und nicht so bedrohlich wirken würde und von daher Glück hätte, dass man Blickkontakt aufnimmt und so was doch „abstimmen“ könne jenseits der Sprache. Mein Gott, wie kann man einvernehmlich Sex mit einem anderen Menschen haben ohne sich eine Verzichtserklärung vorher unterzeichnen zu lassen, lästere ich nach dem Vortrag ab. Was sind das für dämliche Fragen und zwar immer wieder.

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Steffi haben wir verloren, sie war nach den Hunden schauen. Erst mal ins Kaffee mit Ausblick und schön am Rand sitzen.

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Wir gucken uns die restlichen Bilder an. Ich bleibe dabei, es sind weniger Fotostrecken dabei, die ich für echt gut halte im Sinne von sehr großem Fototalent. Ich bleibe dabei, dass die Qualität schon besser war. Bei der ersten Lumix als ich ein Foto gekauft habe, konnte ich mich gar nicht entscheiden und meines ist Weltklasse. Dieses mal kaufe ich nicht mal den Katalog. Es sind einfach viele mittelmäßige Fotostrecken. Vielleicht wäre ich lieber in Wunstorf gewesen, denke ich irgendwie. Das ist das wahre Leben und hier nur gucken und viel Zeit geht dabei drauf.

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 Das Expogelände ist ganz schön heruntergekommen.

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Stephan geht zur Demo. Wir fahren zur alten Bult, treffen den Mann der Yogalehrerin und Ingrid mit ihrer Mutter. Sie kommen vom Friedhof, ist Todestag ihres Vaters. Der Sohn hat Abi gemacht und will ein Jahr nach Neuseeland. Suki macht Hosen dreckig.

 

Es tut gut wieder in Linden zu sein und sei es nur Rewe. Freu mich, dass Stephan schon zuhause ist. Sein Rad steht noch bei Steffi. Er hat brav Baklava eingekauft, war aggro und hat „halt’s Maul“ zu einem rassistischen Mann im Bus gesagt, der mit ihm aussteigen wollte. Das passiert auch nicht alle Tage.

 

Viel Essen, kein Abendprogramm, obwohl wir eingeladen sind Schwule Sau und Faust. Ich habe keine Lust. Hoffe kurz, dass Ghana gewinnt. Wieder Diskussionen um das Absetzen des Blutdrucksenkers. Ich bin unfreundlich und sage, dass sei Veranlagung und er kann nicht darauf hoffen, dass sich da wieder was eingerenkt habe, warum auch? Es ist vielleicht der falsche Ansatz, dass ich immer so knallhart ehrlich und beleidigend bin. Auch hier steht die Sorge dahinter, aber ob sich so was ändern lässt?

 

22.06. Ich befreie mich von meinem Lumix-Bändchen. Wir schneiden sie uns gegenseitig ab, anders geht es nicht. Meine Nähverabredung sagt ab. Reportage über den Beginn des ersten Weltkrieges. Es verblüfft wie alle u.a. auch Intellektuelle und Schriftsteller Krieg für was Tolles gehalten haben und total euphorisch ihre Söhne da hingeschickt haben und dann ernüchtert festzustellen, die sterben da jung. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Soldaten in Verdun waren 14 Tage. Sinnloser sog. Stellungskrieg. Es wird nichts „erobert“ und am Ende sind mehrere 100.000 tot.

 

Bastele 3 Hütchen mit denen sie nächstes Mal nicht fragen werden, wer gerade eingewiesen wird, sondern mich da behalten werden so Stephan unverhohlenes Kompliment. Eines der Hütchen hat auch Pillen oben dran, d.h. kleine, dicke Stifte der Leibnizapotheke, die ausschauen wie Pillen. Das trage ich für Frau Tod zur Belohnung nach Wunstorf wenn da Besprechung ist. Herr Engel nervt mit Emails am Sonntag.

 

Weißarmäffchen nennt mich Stephan, weil mein linker Arm in der Mitte ganz bleich ist, da wo die Armreife ihn vor der Sonne komplett verdecken oder ihm auch die Luft nehmen und der Arm gammelt etwas vor sich hin. Das sieht krank aus nackt, ohne Schmuck.

 

Fußballgeschichten. Bengalisches Feuer und der Torwart blutet am Kopf. Die Frau, die geworfen hat wusste nicht, was sie geworfen hat und ob sie was getroffen hat. Es stellte ich dann heraus, dass der Spieler sich selber mit einer eingewickelten Rasierklinge verletzt hat, die er sich in den Schuh gesteckt hatte und er hatte nur auf den richtigen Moment gewartet. Die Frau wurde für den Playboy „entdeckt“. Ja, das ist eine schöne Fußballgeschichte und so scheint es zu laufen. Zuhause blühen die Kakteen.

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Nach der Briefwahl haben wir Freundinnen von früher getroffen. Früher hat die eine so kreativ gebastelt, ich habe noch lauter Sachen von ihr und jetzt zeigt sie uns Fotos von ihrer aufgeräumten Wohnung. Es ist erschreckend, wie die Kreativität sich bei vielen auswächst. Das soll nie bei mir passieren! Es macht mir Angst, weil ich es nicht verstehen, wie kann man eine Bastelneigung gehabt haben und die geht so derart weg. Das macht mir Angst.

 

Das bockige Kind von der 3-Tage-Woche

10.06. Ich habe Angst davor wieder Alkohol trinken zu müssen. Die angenehme Zeit der Abstinenz vergeht wie im Flug. Vielleicht bleibe ich einfach dabei. Machen andere auch. Ich muss mich davon frei machen. Es zwingt mich ja keiner wieder anzufangen. Klar werden mir die Weinweiber, die Schwestern, die aussehen wie Sofia Lorens Zwillinge, halt große, gut aussehende Italienerinnen, fehlen, aber was soll’s.

Ich mag die Kunst im Innenhof der Sparkasse am Aegi und sage zu der Mitarbeiterin, die die Berufsbetreuer führt und jetzt hierher umgezogen ist vom Raschplatz, dass es schöner hier ist, gerade der Kunstwald im Innenhof gefalle mir gut. Bäume hat Hannover ja weiß Gott genug. Meine Betreute, die aus dem Heim auszieht, hat ein Konto eröffnet und ich muss mit unterschreiben und das tue ich heute kurz. Dann Termin beim Kollegen und Notar, den mein Herr Engel beauftragt hatte. Sehr aufgeräumte Räume, schattig und grün die Aussicht und viele USM-Möbel innen. Er arbeitet jeden Sonntag seit 30 Jahren, samstags habe er immer frei und sonntags, meist nachmittags würde er sich dem Aktenstudium widmen. Armer Kerl. Da würde ich auch bald aufhören zu arbeiten an seiner Stelle. Ich will nie so enden.

NDR Funkturm

Dilek war mit uns in Paris, gleichzeitig. Dann hätte sie die Führung machen können, das wäre mir auch viel lieber gewesen. Sie hat so tolle Führungen für uns mit uns in Istanbul gemacht und das für lau. Was für ein Glück hatte ich, dass ich diese Frau, mit der ich zusammen studiert habe, bei meiner ersten Istanbulreise gleich am ersten Vormittag auf der Straße getroffen habe. Das war so ein Zufall damals und wiegt einen in Sicherheit. Wie Stephan sagt, eigentlich hätten wir sie auch in Paris wieder treffen müssen. Wenn es einem einmal gelingt, fühlt man sich unbesiegbar.

Anhörung von Frau Yoga beim Betreuungsgericht und dann Bürgeramt Podbipark Ausweis abholen von einer Betreuten und ich bekomme die 28,80 €  wieder, die ich ihr dafür geliehen habe. Hannovers Häuserstuck.

Batmanputten

Es ruft eine Irre an in einer familienrechtlichen Sache (Mandantin des Kollegen). Sie sprach von „unseren Damen“. Wir sind doch hier nicht im Puff, ich stelle durch an den Kollege und sage, ich habe ihr gesagt, es sei nur die Dame mit Bart heute für sie zu sprechen. Apropos Irre, Herr Ihme war wohl da als ich unterwegs war berichtet die Steuerfachangestellte. Daran merke ich mal wieder, dass ich mit meine „Irren“ total gut kann und mich die normalen Mandanten, weinerliche Frauen in Scheidungssachen total verrückt machen. So hat jeder seine Welt.

Der Kollege mit seiner Tochter war doch im Film „Zero One Zero“ drin geblieben nur nicht zur anschließenden Diskussion mit dem Filmemacher.

Mittags gibt es noch mal lecker Spargel. Ich esse oben ohne und halte es in meinen Klamotten nicht aus. Alles juckt. Ich werde bald Nacktbuttermuschfotos machen oder zumindest oben ohne, wenn das so weiter geht. Aus Solidarität zieht Stephan auch sein T-Shirt aus. Ich bedanke mich bei meiner Schwiegermutter für den Spargel. Es war das dritte Mal dieses Jahr und immer haben wir mindestens zwei Mal davon gegessen und dann Suppe. Die Nostalgiehaarklammern habe ich vergessen. Meine Schwägerin ist nicht mitgekommen im Flieger Pfingstmontag und musste heute ganz früh nach Hause fliegen. Das war ja bestimmt nervig, umsonst zum Flughafen und dann wieder nach Hause weil Stand by nicht geklappt hat. Feiertage sind tückisch.

Stephan fotografiert niedliche Tiere im Obstbaum.

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Ich meine Hammerblüten im Wintergarten. Die ganze Wohnung riecht danach, ein betörender süßer Duft von der Wachsblume mit mindestens 50 Blüten.

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Türken bauen gut Muskeln auf, stelle ich mal wieder fest bei dem Wetter. Ich mag türkische Männer. Es gab mal einen Bauarbeiter. Wir waren Fans voneinander. Ich weiß aber, kein Mann verehrt mich so wie meiner. Da habe ich viel Glück gehabt und eine Nachfolge wird es nicht geben. Ich stelle nur fest, dass ich mir oft mit türkischen Männern sympathisch bin, auch mit älteren Männern. Wir mögen uns. Mit den Franzosen habe ich es dafür nicht so.

Wir fahren in die Stadt. Rentner und Jugendliche sind modisch vereint und lieben die neue Mode von Cloppenburg, die ausschaut, als wäre das Kleidungsstück verwaschen oder Farbe ausgelaufen, d.h. es gibt einen unnatürlichen Farbverlauf in der Strickware. Wir sind in der Cumberlandschen Galerie in dem Stück, was immer ausverkauft ist. Die Giraffe war früh ein Hirsch oder eine Antilope vor der Spezialisierung. Das Stück beeindruckt die anwesenden Lehrer (so ca. 99 %) sehr. Frau Frey spielt toll, aber es ist vom Thema her nicht ganz unsere Sache. Cool, wie sie Ratte häutet, seziert und dann kocht und die traurigen Zimmerpflanzen, die als Deko dienen. Wie Verachtung für die Schüler und das private Scheitern ineinander übergehen. Isst sie wirklich kalten Eintopf Königsberger Klopse aus der Dose? Das wäre hard core, aber der ist alles zuzutrauen. Sie ist großartig und ich bin immer noch totaler Fan. So eine tolle Frau! Auch mit der Bestuhlung haben sie sich Mühe gegeben sehe ich anschließend.

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Die Leute fahren heutzutage Autos wie aus dem Film Cars. Infantil kommt mir das vor. Die sprechen laut und haben lustige „Augen“.

Wenn die Tage richtig lang sind, macht heiß auch Sinn. Wir fahren durch die Gegend und landen bei einer Pizza.

Ihme Sonnenuntergang 2 IhmeSonnenuntergang 1

Dann fängt es etwas an zu regnen. Das ist schön.

Ich habe ein schlimmes Paillettenoberteil an, nur weil ich dachte, dass muss ich mal tragen, aus Wolle, mit scharfkantigen Dingern, alles kratzt, vor allem der Rücken, ich könnte durchdrehen, wie laut Preisschilder auf dem Rücken und dann noch der BH-Metallhaken. Es ist Quälerei. Auch abends reiße ich es mir vom Leib.

11.06. Ich trage Pudding an den Ohren. Die neuen Ohrringe mit Schlüsselbundanhängern aus Paris dazu eine ganz tolle Wickelblusenkreation meiner Freundin Heike. In ihr „Für die Liebe sterben“ Jacke bin ich derzeit auch richtig verknallt und trage sie täglich, soweit man eine Jacke benötigt zur Zeit.

Angeblich gucken die Leute am Nachbartisch schon als ich neulich erklärt hatte, dass mein Mann was Sex anbelangt heterosexuell veranlagt ist (er mag weibliche Geschlechtsteile und Schwabbel), aber neben Sex ist er wie ein Schwuler um die Fünfzig von seinen Vorlieben her und liebt z.B. Oper.

Ich erreiche die Betreuerin in einer neuen Betreuungssache und es gibt einen Einwilligungsvorbehalt, d.h., dass der Betreuer ausschließlich das Geld verwaltet. Sie ist unerfahren und weiß nicht, ob die Betreute Grundsicherung oder Wohngeld bezieht. Sie müsste in der Akte nachsehen. Sie wusste auch nicht, ob sie jetzt ein oder zwei Mieten nicht gezahlt hat und ob die Stadtwerke bezahlt sind und das Telefon soll auch nicht gehen. Da wohnt ein Alkoholiker mit in der Wohnung und das hat sie dem Amt gemeldet, dass er da schon über ein Jahr wohnt und immer zum Fenster rausspringt, wenn der Pflegedienst kommt, so dass sie es nicht mitbekommen habe und die haben die Leistungen eingestellt und sie wollte die Betreute dann ins Heim bringen, aber das wollte die nicht (Jahrgang 55). Dann hat der Typ sie angespuckt und es gab wechselseitige Anzeigen bei der Polizei. Danke, dass reicht mir schon an unprofessionell. Ich werde Morgen zu der Neuen fahren und bin geschockt, wie man so wenig nachdenken kann. Die Miete schuldet die Betreute alleine und kann sich die Wohnung dann nicht leisten, wenn man eine entsprechende Meldung macht. Was treibt einen dazu der betreuten Person zu schaden und gegen sie zu arbeiten? Solche Betreuer haben ihren Auftrag nicht verstanden und die braucht kein Mensch. Jetzt will sie das Geld von dem Alkoholiker wieder holen? Wie realistisch ist das denn?

Mr. Borderline entschuldigt sich für den Ausraster bei der Wohnbetreuung. Sie hatte Angst vor ihm und er hat sie wohl beleidigt und schlägt wohl auch seine Freundin. Er will Paartherapie mit Freundin machen und dann gehen sie erst mal zu dritt hin (Begleitung durch die Wohnbetreuung). Er will Frauen immer gut behandeln, so sei er eigentlich auch, aber manchmal rastet er aus. Ich habe sogar Verständnis dafür. Er lobt mein Outfit, so rührend, wie gut ich immer aussehen würde. Hat das einen therapeutischen Effekt auf meine Betreuten? Ich glaube es manchmal. Bei dem warmen Wetter sieht man seine ganzen Schnittverletzungen an den Unterarmen und die Narben sind beeindruckend. Der schneidet schon konsequenter.

Hostel in Berlin. Gleich bei dem Lakritzfachgeschäft (ja, hier gibt es eine gewisse Fixierung). Will Lakritze dies mal nicht mehr fertig sortiert kaufen, sondern weiß mittlerweile um meine Vorlieben. Claudia lobt die Lakritze aus Berlin. Die Tüte hätte sie auf einmal gegessen. Ich habe ihre Whats App vom 17.05. entdeckt bzw. Stephan hat sie mir „vorgelegt“. Hey, das Medium funktioniert ja super mit uns.

Mittags gehen wir wählen und ich mag das Rathaus.

Steinfrauen Rathaus 1 Stein Mann Rathaus 1

Dann in die Kantine meiner Wahl.

Reis mit Fisch Spargel mit Kartoffeln

Im Marktcafé bleibt heute die Küche kalt. War auch so eine gute Entscheidung. Wir trinken noch Kaffee und ich setze mich weit weg von den Fußballgesprächen. Es ist der Kollege aus dem anderen Büro und ich höre, dass Deutschland gegen Spanien oder Holland spielt. Langweiliger geht nicht.

Wir haben Karten gekauft für unseren Hundeerzieherfreund, der nach Hannover kommt und ich lese die Überschrift in der Zeitung, dass Wulf ein Buch geschrieben hat und sich offenbar anpreist mit den Worten, dass er immer noch der richtige Bundespräsident für Deutschland wäre. Der spinnt doch, denke ich und sage: ungebrochenes Selbstbewusstsein, aber irgendwo jenseits der Zurechenbarkeit. Die Titanic macht daraus ein Bilderrätsel mit den Kernaussagen des Wulf Buchs ganz in meinem Sinne. Bockiges Kind und beleidigte Leberwurst. Die Kartenverkaufsstelle hat unbeschreiblich hässliche Geschenkartikel.

Objekte

Ich darf Mix nur noch mit Binde machen. Ich werde beim Trampolin springen undicht und tue es so gerne, dass ich einfach weiter mache. Das sind die Vorteile des Alters. Früher hätte ich mir einen Kopf gemacht, ob man einen Fleck sieht, jetzt ist es mir einfach egal. Blut und Eiter, Schweiß oder Pipi. Wo ist der Unterschied. Katja gibt richtig Gas und ich mache mit und der Schweiß läuft in Strömen und tropft mir aus dem Gesicht. Es läuft Kate Bush „Running up the hill“ und das irritiert die Trainerin, weil es ihre Aufwachmusik ist. Wer ist das, wird von einer Teilnehmerin gefragt. Das ist total alte Musik, aber sie hat so eine tolle Stimme. Ja, Gramophonzeiten. Als eine Teuilnehmerin ihr Trampolin nicht auseinander gebaut bekommt, probiere ich es mal, weil ich helfen will und die jungen Dingern bewundernd: „und das mit nur einer Hand“. Ja, Mutti hat Kraft mittlerweile. Ich mag es, mein neues Körpergefühl. Es mag idiotisch klingen, aber mein Körper gefällt mir besser denn je und ich war noch nie so damit im Reinen. Jugend war scheiße im Vergleich. Apropos Jugend. Auf dem Trampolin läuft immer „Jump around“ oder wie das Stück heißt von „House of Pain“. Die habe ich ja früher geliebt und frage Stephan: ist das nicht der Sänger „Everlast“, was er bestätigt. In finde, die Stimme klingt so ganz anders, wohl einmal gerappt und einmal gesungen? Ich kriege es nicht richtig zusammen.

Überall fahnenbeflagte Autos und Kneipen. Mir wird schlecht davon. Schön hingegen ist das Deichkindvideo „Ich habe eine Fahne und die steck ich jetzt in Brand“ sowie die Titanic-Vorteile der WM, Kinos sind leer und man kann Idioten leichter erkennen an dem Tragen einer Flagge.

Abends englische Satire. Fifa und Geld ist wie Schamhaare und Wachs, es verteilt sich überall auf Dir und nimmt dann alles mit bis hin zu den Stellen, wo man nicht wusste, dass man Haare hatte und sich anschließend sagt, dass man das nie wieder machen wird. Fifa und Bestechung passt zusammen wie peanut butter and jelly sollte aber zusammen passen wie peanut butter und a boy with a deadly nut allergy. Das Stadion in der Provinz wird für 4 Spiele gebaut und ist anschließend das teuerste Vogelklo der Welt. Sehr lustig und sehr richtig.

12.06. Unser Treppenhaus im Büro trägt auch die Zeichen des Irrsinns.

Andreas Köpke

Morgens Telefonate mit dem Pflegedienst und dem Amt in der neuen Sache. Ja, der angebliche Mitbewohner hat sogar eine eigene Wohnung, wo er gemeldet ist. Im Februar hatte die alte Betreuerin die Nachbarn ausgehorcht und ihre Betreute ans Messer geliefert. Unfassbar für mich. Das Amtsgericht überträgt die Geldverwaltung einem Profi und das endet in Mietschulden und Verlust der Wohnung? Da kann man doch auf die Hilfe und Unterstützung verzichten, oder? Das schreibe ich dem Betreuungsgericht verbunden mit der Frage, warum sich der Betreuungswechsel so lange hingezogen hat, weil meine Betreute hatte dem Gericht die Missstände durchaus mitgeteilt, das sie kein Geld hat und das Telefon abgeschaltet ist. Das darf alles gar nicht wahr sein. Dann spioniert uns Berlin noch aus, na warte, ich werde im Gegenzug das Lakritzgeschäft leer kaufen.

Klaut Berlin

Ich halte bei einem Betreuten, den vor allem seine Mutter betreut wird, aber die hat eine gebrochene Schulter. Sie wohnen 150 Meter Luftlinie. Beide freuen sich mich zu sehen. Dem Sohn wird es schnell zu viel. Er bietet mir eine Zigarette an, die ich ausschlage, „ist auch gesünder“ meint er darauf und geht dann auf sein Zimmer, legt sich aufs Bett und schaut Sport. Die Mutter hat ihre Zähne nicht an und spricht komisch. Der Arzt hat 4 Stunden am Tag hauswirtschaftliche Hilfe verordnet und die Krankenkasse hat das erst nicht einsehen wollen. Wenn irgendwas nicht läuft, sagt sie immer und lacht dabei hämisch, dass sie eine gute Anwältin hätte, die das dann regelt. Recht so. Dafür bin ich da und ich mach’s gerne.

Winnetou

Die neue Betreute wohnt neben meinem „Richter“ und ihre Stimme klingt wie die der Frau des Richters. Geradezu unheimlich. Sie hat früher bei Steinecke gearbeitet von morgens bis abends und bekam eine Abmahnung, weil sie mal einen Kaffee getrunken hat. Ich frage, was ist Steinecke und sie antwortet „die größte Bäckerei“ und erst abends nach dem Sport fällt mir eine Filiale von denen an der Königsworther Brücke auf. Ich fahre da nahezu täglich dran vorbei. Sie bekommt gleich ab Morgen Essen auf Rädern und die Frau vom Pflegedienst ist total begeistert von mir und ich soll jetzt alle betreuen. So was Engagiertes. Da haben sie lange drauf gewartet. Ja, meine Energie ist ganz gut und ich arbeite auch gut, aber mich kann nicht jeder bekommen. Die Nachbarin vor dem Haus mag mich und findet ich sollte ein Instrument spielen. Mundharmonika oder so.

Blumen auf Fliesen

Meine Betreute, der ich Geld einteile will ich auf 14-tägig umstellen. Sie hat ganz schlimm Asthma und richtig Mühe beim atmen. Sie atmet tief ein, aber es kommt wohl nur wenig Sauerstoff an. Das tut mir immer richtig weh. Unsere eine Sportlehrerin hat das auch. E-Zigarette setzt sich in Frankreich total durch und auch Polizisten rauchen im Dienst. Daran muss ich gerade denken, wie sie ungeniert diesen Zauberstab in der Hand halten und ich denke, es ist ein Elektroteaser.

Auf dem Rückweg sehe ich Mel bei Glüxkind und grüße sie freudig vom Rad aus. Hatte mich gewundert wo die Stammbedienungen vom 11 A abgeblieben sind, d.h. wundere mich immer noch, hatte mich aber auch gefragt, ob und wann ich sie mal wiedersehen würde. Da ist ein Generationenwechsel eingetreten und man tut so als wäre nichts bzw. geht zur Tagesordnung über und die Nächsten lassen sich vermutlich ausbeuten und fertig machen. Das ist zumindest mein Eindruck.

Heute sage ich der Kollege, dass ihr Welpe jetzt schon bellt wenn ich im Treppenhaus die Treppe hoch komme und wir das hier nicht gebrauchen können. Sie verteidigt ihn auch noch, ja nur, wenn sie nicht da ist oder im anderen Zimmer, dann passe er auf. Ach so. Das soll er aber nicht machen. Er hat keine Funktionen und soll auch keine Meinung haben zum Kommen und Gehen. Zurückhaltend und freundlich ist seine Aufgabe, sie müsse ihm das jetzt abgewöhnen, er sei noch Welpe und habe noch keine richtigen Zähne, kläffe aber schon, aber Frauchen hat wohl andere Pläne oder ist einfach nur verliebt, keine Ahnung. Exercise, discipline and then affection sagt Cesar immer und nicht betüddeln wie ein Baby.

Geräusche von außen dringen ins Büro. Eine Demo? Ich will mal schauen. Nein, sie haben Leinwände mit Fußballkrams auf dem Marktplatz aufgebaut. Hölle. Public Viewing ist mein Ambrosia und kann mir jeden lauen Sommerabend versauen. Ich kann es einfach nicht ab.

Morgen steht wieder ein kleiner Ausflug an nach nur 3 Tagen Büro. Stuttgart ist das Ziel. Wir treffen erst meine Tante, die gerade einiges durchmacht und sich mit dem Rest der Familie nicht versteht. Alles kompliziert. Dann kriege ich mich mit meinem Mann noch in die Wolle. Abends treffen wir meinen Kollegen und meine Eltern.

Ich will mich nicht immer streiten wegen der Berlinreise, sonst brauchen wir 10.000 Tage auch nicht zu feiern. Wegen der kleinen Reise jetzt erst Recht nicht. Wir treffen neben meinen Eltern, Teile der Stuttgarter Verwandtschaft und für die Weinliebenden steht eine Weinprobe auf dem Programm.

Ein Freund kommt vorbei. Er kommt vom Laufen, seine Leiste ist verkürzt. Wir sehen ihn selten, aber kennen ihn schon seit unserer Jugend. Das schafft eine gewisse Vertrautheit. Ich sage, er war früher immer sehr uncharmant zu meinen Freundinnen und hat ihnen gesagt, dass sie einen ganz dicken Pickel im Gesicht haben. Zu seiner Arbeitskollegin sei er noch fieser gewesen und habe er gefragt, ob sie ihre Regel habe, er könne das riechen. Er behauptet es wirklich zu können. Vielleicht riecht er an mir was, ich bin wieder überfällig und werde dann wieder Monate ausbluten. Es fühlt sich jedenfalls so an, als würde es losgehen und Stephan sieht die Zeichen auch.

Ich steige barfuß aufs Fahrrad und klingele bei den Nachbarn um noch einen Geburtstagsbrief einzuwerfen. Wir haben von ihnen heute eine Postkarte aus Potsdam bekommen, wo wir gemeinsam waren und mit so eine schönen Schrift (das Gegenteil von meiner). Auf der Karte steht, dass der FKK Kult noch sehr verbreitet ist im Osten und sogar beim Surfen ernst genommen und umgesetzt wird. Die Straße ist leer, es ist 22:15 und überall dringen Schreie aus den Häusern. Die Fußballreligion und ihrer Anhänger als würden Tiere oder Menschen geopfert werden. Der Sohn des Nachbarn mit seinen Kumpels vor der Haustür und sie haben Bier dabei im Fahrradanhänger. Ich sage, „da wird jetzt aber nicht dieses Fußball geguckt, Scrabble könnt ihr spielen“ und als sie lachen „ich kontrolliere das auch“. Ich bin gerne die schrullige Alte.

Mein Buch vom Flohmarkt in Göttingen. Daraus werde ich zu gegebener Zeit noch zitieren…

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Das hat Pornobilder (Männer mit Werkzeug) drin und hier ist das erste und sicherlich nicht das letzte was ich zeigen werde.

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Emily Pfingsten

07.06. Ich wundere mich über diesen Tattoo-Kult. Klar kenne ich auch tätowierte Leute bzw. habe tätowierte Freunde, aber ich denke immer, früher war das anders, d.h. die Motivation dafür und die Szene, die sich hat tätowieren lassen. Wer sich heutzutage alles beliebig zutätowieren lässt, wundert mich immer wieder. Das sind ganz spießige, penible Leute, die sich über Tags an der Hauswand aufregen und zeitgleich ihren ganzen Körper zutagen lassen. Ich bin vielleicht altmodisch, aber ich kann es einfach nicht verstehen. Es scheint jedenfalls bald ein Zeichen der Spießigkeit und Anpassung zu sein, wenn man auf eine bestimmte Art tätowiert ist und von Underground keine Spur mehr. Es ist genau das Gegenteil von vermeintlich individuell, nämlich uniformiert. 

 

Langes Telefonat morgens. Mir fällt es vergleichsweise leicht den Willen einer anderen Person zu respektieren, auch wenn er gegen meine ethischen Vorstellungen oder meine Wünsche oder was auch immer verstößt. Ich denke, dass dicke Fell bzw. die konsequente Einstellung kommt von meinem Beruf, weil ich hier viel aushalten muss, was nicht meine Entscheidung gewesen wäre. Wenn jemand nicht will, dass ich etwas weiß, wie es um ihn steht, dann ist das so und wäre derjenige z.B. bei einer total riskanten OP abgekratzt und ich hätte ihn nicht mehr gesehen oder gesprochen, hätte ich das respektieren müssen, weil derjenige diese Entscheidung so für sich getroffen hat. Was ich beruflich einhalte, kann ich auch privat umsetzen.

Heute steht Grillen auf dem Programm. Wir treffen meine Schwägerinnen in der Bahn und nehmen ihr Gruppentagesticket in Anspruch. Nein, sie waren nicht beim Bierfest in der Altstadt, aber Prosecco bei Mövenpick gab es schon. Den neuen Bewohnern von Eilvese, die nach einer Exkursion nach Köln aus Hannover dort hinziehen (jetzt in promoviert) wollen wir einen Besuch abstatten und schauen, wie sie die Wohnung eines verhassten Missbrauchsonkels, der gestorben ist, umgestaltet haben. Sie hat evangelische Religion studiert und wird als Lehrerin arbeiten und er macht in seiner Freizeit in Bienen. Sie sind nett und sympathisch, aber richtig adoptiert hatten wir den Bruder Constantin, der in Berlin gestorben ist. Sie sind jedenfalls nicht zuhause.

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Der weiße Schimmel mag mich nicht mehr oder es ist ihm zu heiß. Jedenfalls verlässt er seinen Unterstand nicht.

 Das Grillen und im Garten herumsitzen ist entspannt. Ich mache ein paar Übungen, worauf mein Schwiegervater kommentier, ich „könne ja richtig was“. Ich habe noch nicht so viel Grillfleisch gegessen und bin richtig scharf drauf und lass mich mit Bratwurst nicht abspeisen. Der Lavendel ist so stark frequentiert, dass es wirklich sehr erstaunlich ist. Alles voller Bienen und Hummeln, die auch nicht Feierabend machen wollen und auch nach 20 Uhr noch die ganzen Blüten absuchen. Das reinste Gewusel. Die eine Hummel stirbt und nein, es ist kein Geschlechtsakt, sondern sie zuckt nur, ist aber überwiegend bewegungslos und stirbt am Stängel bzw. Arbeitsplatz.DSC05167 DSC05169 DSC05179 DSC05182 DSC05184 DSC05186 DSC05187 DSC05189

 Es gibt frische Erdbeeren vom Feld. Die sind totlecker, aber Spühsahne dazu tut etwas weh. Auf dem Rückweg steigen wir in Leinhausen aus und fahren über den schönen Radweg am Bad entlang nach Linden. Auf dem Spielplatz gegenüber von unserem Haus essen wir ein Eis vom Kiosk.

Ich freue mich auf die Musik Morgen, einmal nicht mit Mozart gequält werden. Ich bin da doch wie die Junkies, dass Mozart mein Autan ist und ich mir echt keinen Druck dazu setzen könnte. Die Musik ist eine Qual für mich. Wir haben die Idee zu Cron und Lanz zu gehen vor der Oper und Stephan findet sogar noch einen Flohmarkt in Göttingen. Ich habe im ersten Staatsexamen dort mündliche Prüfung gehabt zu der ich Windpocken hatte. Der Prof am Lehrstuhl hat mich angesteckt, weil sein Kleinkind sie hatte und das war noch nicht mal mit an der Uni (seit dem weiß ich, wie sie ihren Namen bekommen haben). War leicht anderer Stamm als in Kalifornien und meine Immunabwehr unten, so dass ich sie bekomme habe und mit wässrigen Pusteln im Nacken und unter den Armen in der Prüfung gesessen habe und auf einer schwitzigen Luftmatratze bei ätzenden Uni-Strebern übernachtet hatte, die ihren Namen in alle Bücher vorne reingeschrieben oder sogar einen Stempel dafür hatten, so doll haben sie sich damit identifiziert. Es war ein Alptraum und seit dem ist Göttingen für mich gestorben. Gut, es war mir auch sonst damals nicht sympathisch. Nur Uni, Studentenwohnheimkasernen. Ich habe danach immer gesagt: „Göttingen kann dem Erdboden gleich gemacht werden bis auf Cron und Lanz“.

 

08.06. Kaum habe ich eine gekaufte Kette wiederentdeckt, die ich bestimmt zuletzt in den 80ern getragen habe, stirbt sie an Altersschwäche und ich nur noch doppelreihig. Ich deponiere eine Schere im Briefkasten, damit ich besser Minze schneiden kann im Garten. Wir nehmen den ICE nach Basel und Zürich.

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Göttingen ist nach wie vor schlimm. Stephan stellt fest, dass er bestimmt eines Tages als alter Mann bei so einem Wetter sterben wird.

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Alles Uni, dieses Bildungsgedönse nervt. Das kann Leute beeindrucken, die Komplexe haben. Wenn man vom Prof. gewickelt wurde hält sich die Hochachtung in Grenzen und vor allem das überkandidelt damit umgehen, das fehlt ganz. Wir schauen uns eine Ausstellung an im alten Rathaus, die mich an Helnwein erinnert und die Bilder finde ich ganz sehenswert. Immerhin kommen Kröte und Meerschweinchen darin vor.

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Dann der Flohmarkt. Es ist so heiß, dass sich eine Kampfhündin sofort auf den Boden legt bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

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Beim Flohmarkt finden sich Verkäufer und Käufer. Ich sage, was sind das denn für schöne Plastikketten und die Frau (beleidigt) „das ist Holz“. Dann weiß ich, dass ich mit der keine Geschäfte machen will. Leute die Plastikkette als Schimpfwort begreifen und meine, dass sie ganz tolle Ware haben und das auch noch so blöd betonen müssen und dann total utopische Preisvorstellungen haben, können mich mal. Ein anderer Typ ist nett und ich kaufe eine Sonnenbrille, eine Brosche, ein Porno-Heimwerkerbuch mit dem Titel „Liebe auf den zweiten Blick HEIMWERKEN“ (die Männerfotos haben was von Porno) sowie zwei Tuschkästen, der eine ist hoffentlich versiegelt, weil alle Farben schwarz sind.

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Stephan hat sein „Spaß beim Töpfern“ T-Shirt von der Santiago Sierra Ausstellung an und der Typ bietet ihm spontan eine Töpferscheibe an. Er hat eine tolle Therapeutenliege, aber die können wir nicht mitnehmen. Eine alte Frau spricht mich mit Mäuschen an. Komm kauf einer alten Frau doch was ab, damit ich meine Standgebühren bezahlen kann. Das tue ich doch glatt und nehme eine schöne Plastikkette, die Perlen sind sogar einzeln geknüpft und eine zartrosa Baskenmütze- jeweils 1,- € und wir freuen uns beide. Im nachhinein hätte ich einem Schwulenpaar noch eine Handtasche abkaufen sollen.

Viele bedeutende Wissenschaftler werden hier verehrt u.a. Herr Gauß. Der sagt sogar mir was, weil Paps immer die Normalverteilungskurve von dem zitiert.

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Dann Cron und Lanz dort und für zuhause. Eiskaffee ohne Ende. Vor allem der Eismokka schmeckt Hammer, aber auch die Quiche ist nicht von schlechten Eltern. Die Bedienung sagt, es gäbe keine Quiche. Ich hatte aber unten welche gesehen, in der Vitrine rechts und lasse mir da nix vormachen. Hier sitzen wieder schlimme Bildungsbürger, die wir gleich in der Oper sehen werden und dann auch sehen.

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Weiter geht’s ins Theater.

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Ist klein und viele Rentner sind gekommen. Ich frage mich, warum hier nicht der ganze CSD aus Hannover zu Besuch ist so transgender wie es in der Oper und Inszenierung zugeht. Zwei Countertenöre und die dritte männliche Hauptdarstellerstimme wird von einer Frau gesungen (Mezzosopran oder Alt heißt das dann). Ich mag diese „Kastratenstimme“ seit Klaus Nomi, den ich sehr verehrt habe, aber es scheint ein sehr anstrengendes Genre zu sein und es gibt kaum Sänger, die das drauf haben. Dann auch noch 4 Stunden durchhalten und im Pelz singen als König der Schwaben. Keine festgelegten Klischees, wenn die besonders männlichen Männer mit Frauenstimme singen oder Frauen den Mann spielen. Hier sind Küsse auf den Mund offenbar eine Zumutung, so dass nur Wangenküsse verabreicht werden. Ich nehme an, dass es an der launischen russischen Sängerin liegt, die uns hat melden lassen, dass sie erkältet ist, aber trotzdem für uns singt. Die Amerikanerin, Emily Fons, die den Mann verkörpert, spielt es einfach zu gut und überzeugend, so dass ich es nicht ihr unterstellen will. Ihr nehme ich ab, dass sie in Rosimonda verliebt ist. Sie ist echt gut und ich frage mich, wie so ein junges Ding aus Michigan auf den Trichter kommt männliche Opernrollen singen zu wollen. Ich mag Händel, d.h. gerade auch instumental ist es meine Musik und viel effektiver und sparsamer als Wagner (man braucht nur einen Bruchteil der Musiker). In Hannover läuft ein massenkompatibles Stück „Chaplin“ im Opernhaus. Das sehe ich wer reingeht und weiß, was man davon erwarten kann. Gefälliger Tanzkram halt.

Statt Binden mache ich Karamell in meine Bindendose aus Paris.

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Nachher gehen wir Essen im Gauß. Das ist recht mittelmäßig und baut kontinuierlich ab. Vorspeise noch am besten. Ein vegetarisches Menü finde ich eigentlich super, aber das kann man viel leckerer machen z.B. In Potsdam zuletzt gegessen. Auf zum Bahnhof. Der Mond steht am Himmel und wir werden von einem jungen Studentenpärchen angesprochen, dass man bei Rot stehen und bei Grün gehen soll. Was soll man dazu sagen. Ich kann es gar nicht erwarten aus dieser Stadt wieder weg zu fahren. Gauß hat es ganz hart erwischt: in Braunschweig geboren und in Göttingen gestorben.

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09.06.Wenn mich einer länger mit seinen krassen Eheproblemen belastet, fällt es mir offenbar schwer neutral zu bleiben und die Vorstellung einem vermeintlich harmonischen Familienfrühstück beiwohnen zu müssen, ist mein Alptraum. Ich entziehe mich auf allen möglichen Wegen der Situation, die direkt vor mir sich abspielt. Mit diesen Szenen wache ich auf.

Pfingsten wird neuer Schmuck gemacht aus meiner Pariser Flohmarktware, insgesamt 2 Ketten und 2 paar Ohrringe. Auch die ineinander hängenden Skelette, die ich mir vor über einem Jahr beim vorletzten Parisbesuch gekauft habe werden endlich zu einer Kette verbastelt. Diesmal keine Perlen und keine Klamotten. Habe zu viel davon. Das Maß ist quasi voll. Was allerdings noch aussteht ist die Verarbeitung einer Serie französischer Briefmarken für Inlandsbriefe. Sie zeigen die verschiedenen Kuhrassen und auf der Rückseite aus welcher Region in Frankreich sie beheimatet sind. Das war teures Bastelmaterial und hat 7,40 gekostet. Da habe ich 2 Tüten voller alten Schlüsselbundanhänger bekommen, aber ich konnte nicht widerstehen und es hat auch seinen Reiz quasi Geld oder zumindest Währung direkt zu entwerten, sprich zu verbasteln.

Ich bin stolz auf mich, dass ich mein Alterstagebuch schreibe am Pfingstsonntag bis mir der Hintern weh tut.

Abends treffe ich Psychologenkollegen mit Teenagertochter im Kino. Perlen im Frühling. Sie waren Eis essen und gehen wohl vorzeitig aus dem Film. Ist nicht jedermanns Sache so eine Doku über behinderte und psychisch kranke Dragqueens. Der Filmemacher ist da. Die Hauptfigur erinnert an Leigh Bowery, aber ich mag vor allem seine Kunst, die er in der Kunsttherapie macht, vor allem die Tonarbeiten. Braucht er noch eine gesetzliche Betreuung? Schade bis Niederlande ist nicht mein Einzugsgebiet. Ich muss noch mal an die Van Gogh Ausstellung denken. Hier hatte ich anhand der Selbstporträts festgestellt, wie krank er ausgesehen hat und habe dann an Krebs oder eine ähnliche Krankheit gedacht, aber nein, er hat sich ja umgebracht. Er war aber trotzdem von seiner Krankheit gezeichnet. Der Dragqueendarsteller erzählt offen, dass sich seine Mutter das Leben genommen habe. Die hatte auch eine Psychose, aber noch keine modernen Medikamente dagegen. Da ist wohl viel dran, dass hier die moderne Medizin wirklich hilft Menschenleben zu retten, gerade auf dem Gebiet der Psychiatrie. Bei dem Darsteller Murat habe ich Zweifel an seiner Geschichte. Kindheit total glücklich, alle haben sein Schwulsein und seine Behinderung akzeptiert und er war ein ganz „normaler Junge“. Er habe nicht gemerkt, dass er anders war bis er nach Deutschland kam. Es wäre ihm zu wünschen, dass es so gewesen ist. Gleichzeitig hält er seine Familie konsequent raus aus dem Film. Ich bin da misstrauisch, ob die Geschichte echt ist oder Wunschvorstellung. 

Dann der Film „Test“. San Francisco der 80er Jahre und man weiß nicht, wie Aids übertragen wird. Es geht Panik um. Es geht um eine Tanzgruppe und die eine hysterische Tänzerin geht nicht mehr im Castro essen, weil sie Angst hat, dass es sich wie Hepatitis über Lebensmittel überträgt. Es gibt noch keinen Test und dann doch. Kondome sind noch ganz neu für die Schwulenszene. Der Film ist o.k. Ich muss an Filme aus den 80ern zu dem Thema denken, die aber eher fiktional damit gearbeitet haben. In dem einen ging es darum, dass den Virus nur Leute bekommen, die Sex haben ohne sich wirklich zu lieben (eine etwas romantische Vorstellung) und in dem anderen, der mir gut gefallen hat, erinnere ich mich noch an den Titel. Liquid Sky. So Außerirdische haben immer Freier im Moment des Orgasmus getötet. Ihr Gehirn hat ihnen eine Art Kokainkick verliehen und die Prostituierten blieben am Leben, weil sie nicht gekommen sind

Was mir nach Paris noch mal neu deutlich wird ist, wie gut die jeweiligen „Ausländer“ zu dem jeweiligen Einwanderungsland passen. Ist das Absicht, dass jemand mit einer bestimmten Veranlagung dann nach Deutschland oder Frankreich zieht oder assimilieren sie sich doch so gut. Eher wohl Letzteres, zumindest mehr, weil oft ist es Zufall oder man kann es sich gar nicht aussuchen. Jedenfalls die Afrikaner in Paris sind so was von Französisch und die Türken hier sind so was von Deutsch. Unsere „Ausländer“ passen so was von gut zu uns und bei den Franzosen dito. Die zweite Dragqueen im Film Murat bzw. BayBJane ist so was von Kölsch. 

Ich entdecke in meinen heißgeliebten Carambar Karamelsticks kleine Rätsel oder Witze. Mir fällt aus, dass die Innenseite immer verschieden bedruckt ist. Wenn eine Leserin Französisch kann, bitte helfen:

 

Quel est le sport préferé des nourrissons?

 

Résponse: Le baby-foot.

 

Das verstehe ich noch: welcher Sport wird von Säuglingen bevorzugt? Der Baby-Fuß.

 

Aber jetzt kommt es:

 

Quel basketteur retient le mieux ses lecons? (am c fehlt ein Komma darunter)

 

Résponse: Tony par coeur.

 

Que craint le plus un électricien?

 

Résponse: Le coup de foudre.

 

Das war ein schöne Wochenende und zuhause bleiben ist auch mal total schön!

 

Ob Wissenschaft oder Sprachen, etwas Geheimnis muss bleiben.

Arschlochwelpen

03.06. Wir sind wieder da. Ich habe total süße Hundepostkarten von Katalin, meiner Nichte bekommen. Sie macht jetzt auch in Postkarten (wir sind halt große Hundefans, sie und ich).

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Mein Mann verteilt seine Raubmilben.

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Ich bewundere die Flughafenbeute.

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Zur Vorbereitung des Termins schrieb mir mein neuer Betreuter täglich Emails nach Paris in den Urlaub:

„p.s.s.

die Engelwelle heißt the AGE818: AlliedGodchildsEngagement818= 81 Qabala-Engel

Metatron nach Qabala-Praxis auf hebräisch rufen: hey zaye jod mem tet tet resh vav nun jud zayin lamed

Am 29. Mai 2014 15:27 schrieb ……:

ich betreibe die spirituellen Praktiken nur, weil ich mich nicht wohl fühle und ich stoße in tiefe Schichten des Bewußtseins und Unterbewußtseins vor. Dort finde ich die Parameter, Muster, Schemen und Schablonen des Menschen. Ich tauche ein und erkennne ein Gefühl von Hilflosigkeit gegenüber Erwachsenen, denen ich als Kind ausgeliefert war ohne Unterstützung meiner Eltern, für die ich mehr da war als sie für mich und meinen Bruder. Ich bin kein Kind mehr und doch ist dieses Gefühl präsent. Ich isoliere dieses Gefühl und sediere durch das Gefühl Ihrer Stärke, die nun hinter mir steht. Ein Gefühl der Freiheit erreicht mich wie Fesseln, die abfallen. Nichts, was passieren könnte, berührt mich so, daß es mich dirigiert oder ergreift. Ich fühle, wie meine Stärke das Leben begehrt und geboren werden will. Das Gefühl der Hilflosigkeit lasse ich fallen und werde getragen von mir selbst. Ich danke Ihnen vom ganzen Herzen, wünsche Ihnen einen weiterhin schönen Urlaub

und grüße freundlich

….

p.s.
Freitags ist immer um 8:18 pm CET ALPHA eine weltweite Engelwelle von Reikimeistern und Anderen. Ich hab Sie auf meine Liste geschrieben. Denken Sie nur kurz dran und sagen sie: Erzengel Metatron, ich spende meinen Tropfen Geist zum See des Ganzen oder besser, als ich formulieren kann. Fluß bringt den Strom. Oder stellen Sie sich eine Lichtsäule aus mir in den Himmel vor, die wie ein sich ausweitender Schirm verschmilzt mit anderen Schirmen rund um die Erde.“

Frühstück: Baguette mit Salzbutter.

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Heute bringt er mir 18 kg Unterlagen vorbei in einem Wanderrucksack. Er hat ihn vorher gewogen. Das wird schöne Sortierarbeit für Stephan. Ich schicke ihn erst mal weg nachdem ich ihm gesagt habe, dass sein früherer Anwalt sich durch seine SMS bedroht gefühlt habe. Was macht meiner, schickt ihm eine und will sie mir zur Kenntnis auch schicken. Ich sage ihm, dass ich ihm das im Vertrauen gesagt habe und es auf mich zurück fällt, wenn er so handelt und es unklug sei. Er gibt mir Recht.

Der Tag ist voller Termine. Die Querulatorin will wieder Krankengeld, obwohl der Anspruch ausgelaufen ist. Die Krankenkasse dreht durch, weil sie so von ihr bombardiert werden. Sie ist angeblich auf den „Popo“ gefallen und das ist eine neue Diagnose, dazu muss man nicht Medizin studiert haben und die setzt der Krankenkasse Fristen von 2 Tagen ihr neue Auszahlscheine zuzusenden.

Herr Ihme war bei der Spritze. Es hat geklappt. Ich bin happy.

Der letzte Termin mit Herrn PM, der immer total stinkt, so dass sich die Mitarbeiterin der Steuerberaterin beschwert, aber ich lüfte schon und mir was von seiner großen Liebe, einer australischen Musikerin erzählt und ich muss mir das Bild auf seinem Tablett anschauen. Die pennt nächste Woche mit einem Mitmusiker bei ihm und er ist so was von verknallt und vielleicht zieht sie nach Amsterdam und er dann mit und schraubt da Fahrräder, aber sie müssen sich vorher noch besser kennen lernen. Ich schmeiß ihn nach einer Zeit derbe raus und sag, alles schön und gut, er soll sich um seine Bankkarte und einen neuen Ausweis kümmern. In Wirklichkeit kann ich die Geschichte nicht glauben, gut, vielleicht ist er ein kostenloser Pennplatz, aber mehr wohl nicht und der Mitmusiker ist ihr Freund oder so wird das Missverständnis laufen.

04.06. Ich wach morgens auf zu dem Klang von Pariser Metro-Stationen Etienne Marcel und so was. Als mir der eine Stationsname nicht einfällt, konsultiere ich Google. Die Linie 4 ist die zweitlangsamste Linie der Metro und fährt nur 20 km/h. Deswegen war es auch augenöffnend mit dem Rad zu fahren, weil man so merkte, dass Gare Du Nord und Gare de l’est gleich nebeneinander liegen und man praktisch in 20 Minuten vom Montmatre „in der Stadt“ ist, im Chateaubriand z.B.

Ich mache die beiden letzten Croissants warm. Einmal Croissants aux amandes und einmal mit Mandeln und Schoko. Die schmecken auch nach 2 Tagen noch so gut, dass es zum Heulen ist. Die können einen Umzugskarton durchfetten in Null Komma Nichts und sind unfassbar lecker. Am Rand karamelisiert, voller Mandeln und Marzipan und Butter, dick und weich und lecker.

Rufe meinen Paps an. Die nächste Darmspiegelung machen die Würmer. Soll man alle 10 Jahre machen lassen und mit 86 wird er es wohl nicht mehr auf sich nehmen. Das ist eine harte Erkenntnis für ihn, aber auch für mich. Ich hoffe, ich lerne noch besser mit der Sterblichkeit umzugehen bevor es so weit ist. Mein Vater wünscht sich einen gemeinsamen Urlaub in Istanbul und hat das wohl Claudia vorgeschlagen für 2015, weil wir uns da auskennen und er da mal hin will, osmanisches Reich usw. Ja, ist auf jeden Fall erholsamer als Paris und schön am Wasser. Meine neue Betreute aus Linden, die immer dem Tod näher stand als dem Leben, kommt vorbei. Bestimmt könnte sie mir hier Einiges beibringen oder ist mir Voraus. Ich mag die Frau.

Nachdem ich mich erst im großen Stil mit der Rechtspflegerin der Staatsanwaltschaft angelegt habe, bin ich jetzt beste Freundinnen mit ihr und die Beschwerde hatte Erfolg und sie wird alle drei Strafsachen zurück stellen und mein Betreuten kann pünktlich zum 16.06. in die Therapie aufgenommen werden. Ich kann nicht nur nervig sein, sondern auch sehr charmant und jetzt bedanke ich mich überschwänglich für die gute Zusammenarbeit. Im Laufe der Woche fragt das Amtsgericht dann auch pünktlich an, ob die Betreuung nicht aufgehoben werden kann. Noch ein Fall von, „ohne Sie bin ich verloren“, nur wie soll ich es dem Amtsgericht erklären.

Die Neue von dem Berufsmusiker sieht aus wie seine Schwester und will mir Tipps geben, dass man kein Visum für Frankreich braucht, weil sie ein Telefongespräch mithört (sie ist nämlich gelernte Reiseverkehrsfrau, nur nennt sich das bei ihr anders und weil sie in einem Busunternehmen gelernt hat kann sie die ganzen Programme nicht und hat schlechte Karten bei der Stellenbewerbung). Dass es dabei um einen Ghanaer mit einem befristeten Aufenthaltsstatus geht, ist ihr nicht klar, aber Danke für den Tipp. Sie will vielleicht Gastroführungen in Linden machen, muss aber ihr Englisch aufbessern. Sie haben sich übers Internet kennen gelernt. Ich komme auf das unkontrollierte Geldausgebeverhalten ihres Mannes zu sprechen und die Schnapsidee mit der Umschuldung. Sie will da jetzt mehr den Daumen drauf habe und den Jaguar fährt nur noch sie, weil von den ganzen Parktickets hätten sie schön in den Urlaub fahren können, hat sie meinem Betreuten schon vorgerechnet. Stephan sagt, Urlaub ist auch dann nicht drin. Der Oberarzt, der ihren Mann aufgenommen hat (er war im Tagesklinikstatus in der Psychiatrie) sei komisch gewesen. Ich frage nach dem Namen und kenne ihn privat. Komisch finde ich persönlich nur, dass er auf Mozartopern steht, aber das behalte ich für mich.

Herr Ihme kommt vorbei, weil er Sehnsucht nach mir hatte und zitiert Texte mit Liebesinhalt von Subway to Sally. Ich schaue weg. Er hat heute noch einen Zahnarzttermin. Den Termin beim Jobcenter morgen habe ich eh abgesagt, weil es alles zu viel wird mit der psychiatrischen Pflege, die sich erst einspielen muss usw. und die Sachbearbeiterin ist direkt erleichtert darüber.

Nachmittags Sorgerechtsverhandlung mit Frau Yoga. Gottseidank hat mein Kollegen den anwaltlichen Teil übernommen. Er hat zur Feier des Tages seine Clark Kent Frisur aufgesetzt, die nur hält solange hält wie die Haare nass sind. Was kommt als nächstes kommentiere ich das, rasierst Du Dir die Brust und trägst dazu T-Shirts mit V-Ausschnitt. Es ist gut, dass ich ihn dabei habe, auch wenn er auch nur wenig ausrichten kann. Ich wäre komplett überfordert gewesen. Die Gegenanwältin ist kratzbürstig ohne Ende und die Richterin weiß auch ganz genau, was sie will und zeigt einem dann, wo es lang geht. Wir hatten beide den Verfahrensbeistand der Kinder falsch verstanden. Die Kinder sind nicht traumatisiert durch den jähzornigen Vater, sondern angeblich durch die Spritztour mit der Mutter und erholen sich gerade beim Vater. Die Richterin ist erheblich unter Druck und anschließend wissen wir auch warum. Ein niedersächsisches Promi-Pärchen hat eine geheime Verhandlung, bei der das Prinzip der Öffentlichkeit umgangen wird. Es steht nicht auf dem Terminzettel, der vor dem Sitzungssaal hängt und ein anderslautender wird sofort wieder abhängt. Wir waren vermeintlich die letzte familienrechtliche Sitzung des Tages. Ja, ich habe sie erkannt an ihrer Tätowierung und angeblich verstehen sie sich so gut, aber dann doch um die Ecke von einander warten und Familiengericht. Was ist das für eine Geheimjustiz jenseits des Prinzips der Öffentlichkeit? Mein Kollege lädt mich ein und es gibt total beschissenes Conveniencefood neben dem Bahnhof. Eine richtige Frechheit und kostet 45,- €. Er isst vorgegarten Spargel und vorgefertigte Kartoffel mit Sauce Hollandaise aus der Verpackung und ich Salatmischung von Rewe mit Fertigsauce und dann das was sie Baguette nennen. Es ist zum Heulen.

Etwas Regen und eine Doppelstunde Sport. Ich liebe Arrested Development und freue mich immer wenn der Song von denen kommt, Everyday people könnte er heißen. Eine andere Version von „A Man’s World“ von Natacha Atlas, die klingt wie aus Crossing the bridge erfreut mich auch. Zuhause ist die neue Waschmaschine angeschlossen. Meine Schwiegereltern mussten anreisen. In dieser Hinsicht sind wir lebensunfähige Kinder und ich sage Stephan müsste eigentlich der Penis abfallen, so wenig wie er von handwerklichen Tätigkeiten versteht. Andererseits wächst meine Vagina auch nicht zusammen bloß weil ich von Haushalt nichts verstehe. So ist es eben mit uns. Was sollen wir mal machen, wenn unsere Eltern tot sind? Mehr Personal bestellen. Es gibt Pfannkuchen mit Salzbutter und frische Erdbeeren. Immerhin das funktioniert heute mal ohne fremde Hilfe.

05.06. Endlich mal schlafen bis der Wecker klingelt. Ich dachte schon 6 ist das neue 8. Ich setze die erste Wäsche auf.

Der Esoteriker hat ein Vorstellungsgespräch und kann bei einem Finanzdienstleister anfangen. Direkt von der Tagesklinik dorthin. Ich frage mich, ob jemand, der seit 2005 seine eigene Post nicht geöffnet hat, anderer Leute Finanzen machen sollte, aber vielleicht geht das und er ist sehr überzeugend. Das muss ich zugeben, wenn man es nicht wüsste, würde man nie darauf kommen mit Betreuung und so. Er unterscheidet sich in dieser Hinsicht von meinem anderen Klientel. Ich warne ihn trotzdem vor dem Drückersystem und sage, er soll lieber was Anständiges mit seinem Talent anstellen, statt im Freundes- und Bekanntenkreis oder Leuten, die es sich nicht leisten können irgendwelche Finanzprodukte andrehen. Er stimmt mir zu.

Im Büro keine besonderen Vorkommnisse, außer dass Elisabeth Taylor einen Schäferhund geklaut hat, der dann über facebook gesucht wurde. Er war vor Rewe angeleint und Zeugen hatten gesehen, wie eine Frau ihn mitgenommen hat. Nach ihr hat sie ihn gerettet, weil er wurde ausgesetzt, 2 Stunden hat er im Regen gestandet und hatte sich schon eingemacht (wobei ich mir das nicht so richtig vorstellen konnte, was sie damit meint) und man wollte seinen Schwanz abschneiden und einen Fuchsschwanzanhänger daraus machen und er beschützt sie jetzt und die Polizisten mit Bart, die in der Nase bohren, sollen ihre Wohnung verlassen und sich eigene Schäferhunde besorgen. Sie braucht ihn zu ihrem Schutz und die Mädchen, die ihr übel mitspielen, haben sie angeschwärzt, dass die Polizei ihr den Hund wieder weg nehmen soll, damit sie ihnen wieder schutzlos ausgeliefert ist. Die religiösen Männer mit dem Bart sollen ihre Wohnung verlassen, sie will nicht auf den Strich gehen und ihr Körper gehört ihr. Ich spreche mit ihr und versuche beschwichtigend auf sie einzureden. Ich bin auf laut gestellt, weil der Mann von der Staatsgewalt ihr sein Handy nicht geben will. Ich denke, es wird mit einer Einweisung enden und bin in Alarmbereitschaft als der Bruder eintrifft, aber 10 Minuten später die Entwarnung. Sie hat den Hund herausgegeben, der total verängstigt war und jetzt wohl sichtlich erleichtert ist nicht mehr in ihrer Obhut zu sein. Ich höre ihn bellen und sage zu dem Polizisten, das war wohl ein Kläffer, ist auch besser, dass wir den los sind. Ich esse zuhause und es gibt Nachtisch aus dem Supermarkt aus Frankreich. Ich war so fertig am letzten Tag, dass ich die Lebensmitteln, die ich noch einkaufen wollte nicht eingekauft habe, kein Salz (koscheres am besten), keine Fromage Blanc, gar nichts. Paris war stressig und ich schaue mir schon Wohnungen in Lyon an („the Gastrocapital of France“). Hier gibt es die Lebensmittel zu weniger stressigen Bedingungen.

Ich habe auch so diese Woche mit Hunden zu tun. Ich dachte immer, alle Welpen seien süß aber genau wie es Arschlochkinder gibt, gibt es auch Arschlochwelpen. Doch es ist so und Ursache sind Fehler in der Erziehung. Unser Markenwelpe aus Hamburg nervt wenn Frauchen nicht da ist und unterhält das ganze Büro mit seinen immer fordernder werdenden Rufen und nein, er hat keine Angst (und man muss ihm nicht zeigen, dass sie nicht da ist oder hier nichts Schlimmes los ist im Flur!). Wenn ich ihn korrigiere, knurrt er mich an, das kleine Freundchen und meine Kundschaft wird heute angebellt. Sein Frauchen unternimmt nichts und der wird sich noch in einen Tyrannen entwickeln und dann landet er im Heim für schwer Erziehbare in Langenhagen. Als unser Welpe einmal in Wien einen Schwarze angewufft hat (total peinlich, weit und breit nur Weiße, aber Hunde melden manchmal, wenn ihnen ein vermeintlicher Fehler auffällt, jemand läuft mit 3 Beine, auf Krücken oder so was, das ist eine eingebaute Behindertendiskriminierung). So schnell konnte man gar nicht hingucken, wie Stephan Feininger geschnappt und auf den Rücken gedreht hat. Er brauchte ihn so zu dem dunkelhäutigen Mann, der ihn streicheln sollte und der aber nicht wusste, wie ihm geschah, so eingebunden in die Hundeerziehung. Der Welpe muss lernen, dass alle Menschen über ihm stehen und er hier weder eine Aufpassfunktion hat noch seine Meinung gefragt ist. Er muss ordentlich sozialisiert werden. Stattdessen wird unser Bürowelpe wie ein Baby behandelt und nicht wie ein Tier. Welpen gehören nicht verhätschelt, sondern müssen gleich auf die Regeln eingenordet werden. Umso mehr Freiheiten haben sie später. Sie wissen sich zu benehmen und sind angenehme Zeitgenossen und dürfen überall mit hin, ähnlich wie bei menschlichen Welpen. Bin gespannt, wo das hinführt. Erziehung ist Liebe zum Zögling und keine Erziehung ist höchstens Selbstliebe desjenigen, der den Erziehungsauftrag hat, aber nicht ausführt.

Elisabeth Taylor ist total aufgelöst. Da sind so Mudschaheddin im Auto vorbeigefahren und haben Steine nach ihm geworfen und sie hat gehört, wie eine Punkerin gesagt hat, Du bist selber Schuld, weil Du nach Drogen geschnüffelt hast. Jetzt kannst Du noch einmal kacken und dann töten wir Dich. Die wollten ihm an die Wäsche und sie hat ihn gerettet. Der Hund war ihr Freund und hatte seine Decke, die sie gestrickt hat aus der neonfarbenen Wolle und sie haben zusammen ferngesehen und er hat nachts neben ihr geatmet. Sie hat immer seine Pfote gehalten. Sie schlutzt und ich habe fast das Bedürfnis sie in den Arm zu nehmen. Sie hätte vor 14 Jahre zurückgehen sollen in den Iran, ihre Heimat, dann hätte sie noch ein paar Jahre mit ihren Großeltern leben können. Sie hat keine Zukunft hier. Erst verliert sie die Großeltern und jetzt nimmt man ihr den Hund weg. Die haben nicht mal Namensschilder an gehabt. Sie fragt danach und der Typ zeigt auf das Wort Polizei. Das ist doch nicht sein Name. Das ist doch nicht in Ordnung. Das ist vor 12 Jahren schon mal passiert, dass ihr ein Hund weggenommen wurde, damals ein Pitbull. Sie wird sich vielleicht in Deutschland umbringen wenn sie nicht wieder in den Iran kann. Vielleicht legt sie sich so eine Narbe zu, wie ich. Sie zeigt mir wie weit sie heute gekommen ist, aber es ist nur ein Kratzer. Durfte sie keinen deutschen Schäferhund haben, weil es ein deutscher Hund ist und sie ist eine Ausländerin? Sie wollte schon immer einen Schäferhund, der sie verteidigt und keinen „kleinen Nuttenhund“. Sie hat Amadeus immer weggezogen von den „kleinen Nuttenhunden“, die haben ihm nachgebellt von der anderen Straßenseite. „Die können sich selber lecken“ hat sie zu Amadeus gesagt. Sie hat total Angst, dass sie im Puff landet, dass ein Typ mit ihr Sex haben will und dann die Polizei oder Psychiatrie zur Verstärkung holt. „Ich bin keine Anwältin, ich muss keine Sachen im Bett klären“. Ja, das leuchtet ein. Sie ist 1,5 Stunden bei mir und es gelingt mir, sie etwas abzulenken und sie trinkt Kaffee und geht dann in besserer Verfassung und wir sehen uns in 2 Wochen wieder. Da ist schon Lumix.

Nach dem Termin rufe ich die Vermieterin an. Die hatte sich schon vor Paris gemeldet, dass sich meine Betreute einen Hund angeschafft hat, der permanent in der Wohnung bellt. Sie hatte ihr erzählt, sie habe den Hund von ihrem Vater geschenkt bekommen und die Vermieterin dachte noch, wie verantwortungslos von dem Kerl. Während sie um die Häuser zog, war der Hund wohl nächtelang alleine in der fremden Wohnung und ist durchgedreht und sie hat nur gedacht, die arme Katze und die kann nicht aufs Klo und pinkelt dann aus Protest in die Wohnung, was spielt sich dann in der Wohnung bloß ab (Vermieterperspektive). Sie hat sich heute total geschämt, weil Elisabeth so schmutzige Worte benutzt hat und die Polizisten sind ganz ruhig geblieben und haben immer nur gesagt, aber das wollen wir doch nicht.

Mein Hütchen ist eine Fehlkonstruktion und die Eichel baumelt mir im Gesicht herum.

Abends leicht schnarchige Lesung, vor allem wenig Leute. Wir sind wegen Hartmut El Kurdi da, aber es gibt einen anderen Stargast, der etwas aussieht wie Jonny Cash und aus Bayern kommt. Am unlustigsten ist der Moderator, der offensichtlich in Jonny verknallt ist, d.h. der Grad der Bewunderung hat eine peinliche Note erreicht und ihn immer besonders herausstellt, eben als „Stargast“. Der Moderator kann weder gut lesen noch singen. Beides ist eher erbärmlich und so pseudowissenschaftlich, wie einer der keinen hoch kriegt und auf Pornostar macht, aber eben alles nur theoretisch und als Text. Es geht um das Thema Musik. Hartmut hat einen schönen Text für die Taz geschrieben, den hatte ich vor Paris gelesen. Er macht sich über die 20.000,- teure Anlagen lustig, die die Leute, meist Männer, sich zulegen, weil man damit mehr Musikgenuss hat. Sie vergessen dabei, wie die Liebe zur Musik entstanden ist, damals mit einem Tapedeck und Mixkassetten. Das ist wie die Leute, die denken nur mit einem Dampfgarer, Markentöpfen und einer Designerküche kann man lecker kochen und dabei hat das gar nichts miteinander zu tun. Die Leidenschaft muss da sein. Unser Freund Georg in Berlin hat eine schlichte Küche und keine teuren Gerätschaften und macht die besten Blutwurstravioli, die ich jemals gegessen habe, Sternenküche inklusive. Wir kaufen gleich Karten für die Frühlingsperlen. Doppelvorstellung Montag. Freie Platzwahl und im Bildungskino Koki wollen erfahrungsgemäß immer alle hinten sitzen und wir haben das vordere Drittel ganz für uns. Hartmut liest einen guten Text darüber, dass man die englischen Texte nicht versteht und daher nachmittags Bobby Brown von Zappa im Radio läuft, während er Mandarinenschnittchen mit seiner Tante isst. Das ist nicht nur gut beobachtet, sondern ich habe mich darüber auch schon öfter gewundert gerade bei dem Lied mit der harmlosen Melodie und dem knallharten sexualisiertem Text. Das ist sehr schön, weil man bei Nichtverstehen einfach der harmlosen Melodie glaubt und nichts Böses ahnt.

06.06. Das Gute ist auch, dass ich im Alter versöhnt werde mit meinem Körper und mich sogar einigermaßen gerne nackt im Spiegel sehe. Das war früher nicht so. Versöhnlich halt. Zufrieden.

Die Querulatorin ruft schon morgens an. Sie soll nicht auf Krankengeld spekulieren, sondern sich wieder arbeitslos melde. Sie wird eh nicht so schnell vermittelt und dann kann der „Popo“ sich auskurieren. So mein Rat, heute erneut. Ich merke ihr an, dass sie Existenzängste hat und dann ist das die beste Lösung, dass andere ist Spielen mit Risiko, ob sie noch mal Krankengeld bekommt und dafür fehlen ihr offenbar die Nerven.

Ich gehe ich eine Runde arbeiten und wundere mich warum die neue Mitarbeiterin Faxe, die an mich adressiert sind für meinen Kollegen abzieht. Darauf reagiere ich leicht aggressiv.

Indischer Politiker rechtfertigt Vergewaltigung war die Spiegel online Überschrift. Ich denke als ich durch die Eilenriede fahre, wenn Vaginas Zähne hätten, die im Fall einer unfreiwilligen Penetration den Penis abbeißen könnten, wäre das besser. Ich meine, man könnte sagen, gut vielleicht wird der ein oder andere Schwanz dann zu Unrecht abgebissen. Die Frau wurde nicht zum Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen gezwungen, wollte nur den Penis abbeißen beim einvernehmlichen Sex, aber die meisten Frauen sind charakterlich nicht so schlecht und das wäre halt ein Restrisiko, würde aber das Gleichgewicht besser herstellen.

Ich bin erst bei einer Messyfrau, die ich schon länger betreue und nur noch selten sehe. Sie war mal Chefschneiderin bei Mäntelhaus Kaiser. Sie liebt Schmuck und ihre artritischen Hände können mein Handgelenk fest greifen, wenn sie sich meine Armreife anschauen will. Sie musste aus ihrer früheren Wohnung raus und ist der Meinung, da lagen noch lauter Schätze die ihr von den neuen Eigentümern geklaut wurde. Es wird immer mehr, was das war. Pelze, Teppiche, Goldschmuck eimerweise. Sie schenkt mir eine alte Postkarte. Es ist ein Motiv vom Brunnen beim historischen Museum in der Altstadt und sie hat die Postkarte 11 mal, jetzt nur noch 10. Ihr Sohn, den sie tot aufgefunden hat, hat Flohmarkt gemacht. Ich finde von Bothfeld nicht zur MHH, dabei hatte meine Frau Klein, wie ich sie mal nenne, mir den Tipp gegeben mich an dem Turm zu orientieren. Ich muss immer zuhause anrufen und auch das klappt nicht. Ich bekomme Tobsuchtsanfälle und kann kaum dem Impuls widerstehen mein iphone auf die Straße zu donnern. Komme gleichzeitig mit dem MDK-Gutachter an. Mein übergewichtiger Betreuter mit der Minussymptomatik hat dieselbe Klamottenmarke an wie der durchtrainierte MDK-Gutachten, nur als fleckiges Polohemd. Ich glaube es ist Ralf Lauren. Er bekommt Essen auf Rädern und ich schaue mir das Wochenprogramm an und es gibt einen Salat, der heißt „Pariser Mischung“. Das kann gar nicht sein, ich war gerade in Paris und der Salat sieht da anders aus. Nach dem MDK-Termin darf ich heute mit um den Block gehen. Das ist eine große Ehre, sonst hat mein Betreuter Angst vor mir und will, dass ich wieder gehe. Im Treppenhaus liegt eine Sonderausgabe der Bild zur WM, die von der Berufsbetreuerin mit dem Kommentar „das schmeißen wir gleich weg“ bedacht wird. Alles riecht nach Blüten, auch wenn sie alle unscheinbar ausschauen, alle weiß, aber sie riechen herrlich und sehr kräftig, wenn es sogar mir auffällt und ich habe keine sonderlich gute Nase und fühle mich aber wie eine Biene, die angelockt wird. Ich bin betört. Der Holunder ist ein Traum. Nach der Runde sage ich, dass es schön gewesen sei und er strahlt mich an. Anschließend ein paar Worte mit der ambulanten Wohnbetreuung. Er wohnt im Wald und hat früher Win Chung gemacht und ist jetzt begeistert von Tango Argentino, dort lernt er Dinge, die ihm fehlen, wie feine Körperarbeit. Außerdem verbessert es die Haltung und man soll den Raum vor dem Brustbein mit Stolz ausfüllen sagt seine argentinische Tanzlehrerin. Immer das als Hobby suchen, was man nicht so gut kann, ist Herausforderung und Ausgleich, so er. Ich sage ihm, dass er etwas aussieht wie unser Lindy Hop Tanzlehrer und mit dem wollte immer keine Tanzen. Das ist wohl nicht so freundlich, war jedoch nicht beleidigend gemeint und beim Tanzlehrer lag es weniger am Aussehen als am Geruch. Ich glaube, der Wohnbetreuungsmann mag mich und ich finde ihn auch sympathisch. Er ist etwas steif und da hilft der Tango bestimmt. Ich will ihn mal an unsere Nachbarin, die Tango unterrichtet vermitteln, d.h. die beiden per email zusammen bringen. Da ergibt sich vielleicht was z.B. ein Seminar. Er sagt Kampfsport hilft einen aus der Opferrolle rauszubringen, aber damit hätte ich wohl weniger Probleme. Ja, das stimmt.

Dienstag esse ich zur Begrüßung erst 2 Kugeln Eis (Schoko und Kokos) und dann noch mal 2 (Schoko und Zabaione), nachdem ich Kontoauszüge geholt und die ersten auf dem Weg verdrückt haben und heute eine Großpackung Tic Tac Orange und habe kurz Angst, dass ich davon Durchfall bekomme.

Ein kleines Lahmacun, der Chef fragt mich, wie’s geht, weil ich länger nicht da war und dann wieder ins Büro. Die Cola von Bionade schmeckt auch scheiße. Herr PM hat mit Stephan telefoniert und sich so aufgeregt, dass er seinen Gestank durchs Telefon riechen konnte. Wie soll das erst werden, wenn es richtig warm wird, die berechtigte Frage meines Mannes. Die Stände an der Marktkirche sind nicht für den CSD, sondern es ist BIERFEST in Hannover. Na toll!

Abends statt Boyhood Käse aus Paris. Beim Sport erkennt mich eine Trainerin am Schritt. Wie ein Hund oder was? Sie weiß, dass ich die Treppe hochkomme. Mein Thema ist, dass Wirbelstürme keine Frauennamen mehr tragen sollen, weil sie dann nicht ernst genommen werden. Das ist der total falsche Ansatz. Die niedlichen Namen sollen denen das Fürchten beibringen.

Unten im Garten ist Kindergeburtstag oder so. Ich sah die Woche die Nachbarin, die ihre Kinder immer anschreit Hand in Hand mit ihrer Tochter, die dafür schon zu alt ist, die Straße entlang gehen. Das sieht so was von gequält und verlogen für mich aus. Die ist ungeduldig und schreit gerne Kinder an, auch Gastkinder. Entsprechend ist auch heute Abend die Geräuschkulisse und überhaupt bei schönem Wetter, obwohl sie sich natürlich mehr zusammenreißt vor Zeugen. Sie ist streng und ungeduldig und hat keinen Draht zu Kindern. Warum musste sie welche bekommen, frage ich mich da.

Wir haben einen netten Käseabend. Ich trinke Diavolo zuhause und es gibt die leckeren Chips aus dem Käseladen in überraschend blauer Farbe, dafür ist mein Getränk mit Stevia und natürlichen Farbstoffen nicht so knallig wie ich es gewohnt bin.

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Dazu Karamellbonbons vom CGD und spielen wir Mahjong. Ich habe heute kein Spieleglück, aber es tut gut den Abend mit Freunde zu verbringen, außerdem stehe uns 3 freie Tage bevor. Was kann man mehr wollen?

Seniorenteller

19.05. Finde Parisfächer und Postkarten wieder. Entscheide mich für selbstgebastelten Schlüsselbundanhänger aus meiner Fimokollektion und mache aus den Paris-Souvenirs Ketten. Das ist besser.

Wir müssen Federdecke wegschmeißen. Immer wenn das Bett abgezogen wird, sieht die komplette Wohnung aus wie bei Frau Holle. Es ist massiv undicht. In diesem Segment stehe ich auf Luxus und denke über eine Eiderdaunendecke nach. Das sind die wärmsten und leichtesten Federdecken der Welt und kein Tier wird geärgert, wenn die Mauserdaunen der Enten, die sie für den Nestbau benutzten eingesammelt werden, auf einer Insel. Da habe ich mal einen Filmbericht gesehen. Diese Federn haben besondere physikalische Eigenschaft und kleine Widerhacken und verkletten sich ineinander. Das macht die Wärmeeigenschaft, wenn ich es richtig erinnere.

Die neue Betreute. Die anderen denken, sie simuliert, als könnte ich auch einen Gutachter überzeugen, wenn ich einen Fehlkauf bereue. So ein Schwachsinn. Ich habe auch Gesundheitssorge und das nimmt Belastung von den Töchtern. Ich will mit ihr Plan machen, wie wir verfahren, wenn sie wieder manisch wird und die Töchter sich bei mir melden. Das ist wie Patientenverfügung und sie kann mir jetzt sagen, wie es optimal wäre und wir treffen eine Absprache.

Mittags mit Tyark 11 A. Blutwurst in der Sonne.

11 A Spaghetti Bolognese 11 A Würste

Tyark ist genau 2 Monate vor der Feier in Wien da und wir laden ihn auch zu der Wienfeier ein. Stephans will ein Wiener Sprachlexikon für Freunde: Wenn man jemanden trifft sagt man zur Begrüßung: „bam, Alter“. Wenn es an der Kasse nicht schnell genug geht, sagt man: „gemma, gemma, gemma“ und Polizisten nennt man auch „G‘spritzte“.

Der Typ aus dem Studium sitzt am Nebentisch, hat mir mal eine Flasche Rotwein geschenkt und fasst mich an beim Gehen. Mich nerven Leute, die keine Entscheidungskompetenz haben. Man muss selber wissen, was man macht und das vertreten können. Ich kann es als Betreuerin und Dinge auf meine Kappe nehmen, da brauche ich keinen Richter oder Rechtspfleger. Das habe ich selber entschieden und dafür haben die mich ja bestellt, dass ich die Verantwortung trage.

Nachmittags Eisdiele mit der geistig behinderten Betreuten. Der Tag besteht aus viel Gastronomie. Manchmal muss man sich dem hingeben können sage ich meinem Kollegen, der mit einem Steuertypen im Anzug unterwegs ist. Die Betreute schenkt mir Modeschmuck, der mir sehr gefällt, das hat sie wirklich gut eingeschätzt und einen Brieföffner von der Opferhilfe mit einer Art Schaffot . Nicht wegwerfen. Immer erst der Betreuerin zeigen, sage ich ihr scherzhaft.

Modeschmuck Brigitte Opferhilfe

Ein neues Hobby für Andrea? Jedenfalls sind die Abbildungen schön.

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Noch schöner ist der Hintern an dem sie gerade stickt:

Akt gestickt

Kein Yoga bei Kestner. Ich will auch das weiße Pferd nicht reiten und auch kein anderes. Ist mir kein Bedürfnis ein Pferd zu besteigen. Kann man Fahrrad fahren und das Pferd läuft dazu wie mit einem Hund? Jedenfalls fühlt sich beides nicht gut an. Kein Yoga bei Kestner und kein Pferd reiten.

20.05. Ich bin wenig flexibel und zähle langsam runter bei der täglichen Routine, zwei Mal am Tag, die mich seit Jahrzehnten begleitet, 3 – 2- 1 zur Feier des Tages, wenn mein Mann 50 wird.

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Andere machen Ausflug zum Steinhuder Meer und ich fahre in die Psychiatrie nach Wunstorf. Herrlicher Ausflug. Metzgerei und ich will Schwarzwälder Schinkenbrötchen für die Spargelsuppe zuhause kaufen. Habense nicht, nur anderen Schinken und der gekochte ist eckig. Muss ich wohl mal weiter schauen.

Herr PM ist auf einer neuen Station, weil er Beziehungsideen entwickelt hat zu einer Mitarbeiterin der anderen Station und die verkannt hat. Ausgang stark reglementiert. Er wirkt aber überraschend vernünftig und lässt sich auf die Behandlung ein. Ausgang erst Morgen, dann ist das eben so und dann nur eine Stunde, o.k. Ich sage, das mit der Katze muss nächstes Mal anders organisiert werden und überhaupt muss irgendwo ein Zweitschüssel deponiert werden. Herr PM sagt: „Frau A. Sie sollen sich nicht immer so Sorgen machen. Ich sehe das doch“…. Das ist mir das liebste, wenn die Betreuten mich beruhigen müssen und der schwule Pfleger ganz genervt ist, weil wir alle auf einmal reden und ich noch am lautesten bin.

Die Kollegin hat eine Konfrontationstherapie mit einem Wolfsbarsch in der Markthalle gemacht. Klientin ekelt sich vor Fisch. Ob man das ernst nehmen muss, will ich wissen. Jedenfalls wurde das Tier gestreichelt und nachdem sie erst bei Stressstufe 9 von 10 war, wurde dann alles gut und der Fisch wird heute Abend mit einer Freundin gebraten und zubereitet. Ich sagte, den musste man wohl kaufen, wenn man ihn stundenlang gestreichelt hat, oder?

Termin des Betreuten der noch im Iran verweilt, weil er keinen günstigen Rückflug bekommt. Ich bin bei der Fachärztin an seiner Stelle.

Stephan sagt seit Tagen nur noch Seniorenteller.

Abends erst das Tanzen (und ich kann nicht für Drehungen gebucht werden), dann gehen wir ins Beckmanns und ich esse wieder die Kalbszunge mit Bohnen.

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Ich kann nicht mehr warten und gebe Stephan um 20 Uhr mein Geschenk. Ein selbstgebasteltes Buch, was er dann auch noch lesen muss. Am Tisch gegenüber sitzen Männer in blauen Hemden von einer Messe, Marke sehr langweilig und gab es die als Sammelbestellung und am Nachbartisch Arbeitskollegen, die Mode verkaufen und nur oberflächlich daher reden. Ein Tuch, was über 100,- € kostet und die Kundin findet das teuer, dabei hat man ihr doch erklärt, dass es aus Seide ist. Oh Mann!! Ein Typ aus der Gruppe erzählt von Freunden, die 50 geworden sind und noch mal heiraten wollen, kirchlich. Das hätten sie sich gewünscht und sie als Freunde hätten sich überlegt, Wein zu kaufen und in die Kisten jeweils Wünsche für das Paar zu legen. Wenn sie dann die Weinkisten in 2, 5 und 10 Jahren öffnen, je nach Anweisung, sind die Wünsche der Freunde darin. Das sei riskant, aber die seien schon 25 Jahre zusammen. Wir hören gespannt zu.

Weil das Wetter so schön ist, treibt es uns zum Fluss und wir fahren in der Glocksee vorbei. Hier war ich seit Jahren nicht mehr. Ich liebe den Innenhof. Alles ist beim Alten. Gerd gibt Getränke aus und empfiehlt einen türkischen Imbiss mit gegrilltem Fisch und Salat am Hainhölzer Markt. Kalinka legt sich mit dem neuen Glöckchen an, aber der ist älter, aggressiver und stinkt. Wir fahren dann irgendwann mal. Ich habe das Gefühl, dass ich das alles kenne, ist nett, aber nicht mehr so meins. Ich halte sogar bis nach 12 Uhr aus.

21.05. Topfe Stephans Tomate um (war wohl das größte Geschenk). Meine Eltern dachten Stephan hat am 22.05. (ich hatte sie angerufen) und lesen ihm seinen Brief am Telefon vor. Trotzdem habe ich die beste Mutter der Welt. Zuverlässig ohne Ende, selbstlos liebend. Manchmal sehe ich, wie eine Mutter der Tochter eine Strickjacke abnimmt und es zwar macht, aus Mutterpflicht, dabei aber vorwurfsvoll guckt. So war meine Mutter nie. Sie hat gedient und geliebt und das aus vollem Herzen. Ich habe einen Traum. Mein Bruder und seine Frau sind verpeilt und sie läuft in die falsche Richtung und wird Stunden unterwegs sein auf dem Gelände. Meine Mutter fegt in einer Gastronomie nebenbei tatkräftig Blätter auf und schmeißt sie in den Ofen und dabei stand da ein Fernseher drin und er war nur Attrappe, wie sich heraus stellt. Meine Freundin Claudia hat auch meine Eltern ins Herz geschlossen, die gerade bei ihr in Hamburg gehalten haben und das gefällt mir. Eifersucht wurde uns nicht beigebracht. Ich war in der Vorpubertät mit unserer Nachbarin sehr befreundet. Die war Zeugin Jehovas und hat mich wie eine Freundin behandelt, über ihre Eheprobleme gesprochen, der Mann wurde von den Vietcong gefoltert und dann natürlich, der Weltuntergang und die apokalyptischen Reiter. Ich habe auch nebenbei ihre Kinder gesittet. Das hat mich sehr gefordert, gerade die religiösen Diskussionen und jeden Tag war ich bei ihr. Meine Mutter hat mich gehen lassen und hatte keine Eifersucht wegen anderer Bezugspersonen, so wie ich das hier aus meiner Praxis kenne. Ich glaube, dass hat mich positiv geprägt. Ich bin auch nicht eifersüchtig und freue mich, wenn Freundinnen untereinander sich gut verstehen usw. Ich habe das Selbstbewusstsein, dass ich mich für nicht austauschbar halte.

Heute ist Großkampftag bei Herrn Ihme. Erst die Hausverwaltung, warte ein wenig auf die junge Frau und weiß dafür wo die Stromzähler sind. Ich klingele kurz bei ihm um zu sehen, ob er da ist. Ein junger Punker macht die Tür auf und sagt zu mir: „er ist gleich wieder da“. Sie wollen eigentlich zum Opernplatz und da chillen, aber heute muss er mit mir mit. Die Fenster sollen offen bleiben frage ich. Der Freund sagt, es werde schon keiner einbrechen. Ja, so spießig bin ich nicht und sage: das nicht, aber vielleicht nistet eine Taube in der Wohnung, wenn wir wieder kommen und hat auf den Tisch geschissen. Wir stehen zu viert im Fahrstuhl, Herr Ihme, der Punker, ich und ein grauhaariger Typ um die 1,90 m und Herr Ihme sagt: „Ich finde, Sie beide passen gut zusammen“ auf mich und den Grauhaarigen bezogen. Der Typ ist der Meinung, dass ich zu klein bin und, dass er mir nicht in die Augen schauen könne und ich stelle fest, dass er dann wenig Auswahl hat. Als er uns verlasse hat frage ich Herrn Ihme, ob er mich verkuppeln wolle. Er will wissen, ob ich einen Mann habe und ich sage: ja und der wird heute fünfzig, ist aber wesentlich knackiger als der alte Mann den er mir angedeihen lassen wollte. Ich bin in Hochstimmung, weil ich ihn im Schlepptau habe und die Sonne scheint und mein Mann Geburtstag hat. Ich lade ihn zu Luis ein. Das Himbeertörtchen schmeckt ihm nicht. Backfactory will ich aber nicht und sage, ich zahle, also bestimme ich auch. Er zieht sich aus und zeigt mir seinen Bizeps bzw. fordert mich auf, ihn anzufassen. Ich lehne ab. Einen six pack hat er auch. Auf seinem T-Shirt steht „Can’t resist killing shit“ „CRKS. Es gibt Übersetzungsprobleme und er ist der Meinung da heißt: ich kann tödlicher Scheiße nicht widerstehen. Das passt auch besser zu ihm. Ob wir Kinder haben, will er wissen und warum nicht. Weil ich nicht wollte. Er überlegt kurz und stellt dann fest: „ja und jetzt haben sie ja auch mich“. Das ist irgendwie süß. Stephan weiß noch nichts von seinem Vaterglück. Verfaulte Zähne, aber einen muskulösen Körper hat unser Sohn ohne Schulabschluss. Als er erfährt, dass Stephan für mich arbeitet, stellt er fest, dass ich die Chefin sei und das gefällt ihm. Ich sage, es sei schon eine Zusammenarbeit. Im Wartezimmer des sozialpsychiatrischen Dienstes ist er super unruhig und macht Push ups an den Stuhllehnen, verschüttet Kaffee, der er sich zuvor besorgt hat bei der Sekretärin und geht alle paar Minuten zur Toilette. Es ist wie ein Sack Flöhe hüten und ich verliere langsam die Geduld. Ob ich ihn massieren kann, weil er Rückenschmerzen hat. Nein, kann ich nicht. Nehme meine neuen Medis im Wartezimmer der Sozialpsachiatrische Beratungsstelle das erste Mal. Passt auch. Herr Ihme erwischt mich bei einem Vitamin-C Kaubonbons und ist da schon äußerst interessiert. Die Ärztin meint, als er draußen ist, dass ein männlicher Krankenpfleger vielleicht besser wäre, obwohl Herr Ihme gesagt hatte, „dass er lieber mit Frauen zusammen arbeite“. Die haben Angst vor meinem Hasen und fragen, ob er schon mal was hatte wegen Körperverletzungen. Nein, so ist er nicht. Er hat eine gewisse Fixierung, aber man muss keine Angst haben. Die Sozialarbeiterin mag meine Accessoires. Die Freundin von Detlef ist die nächste mit einer Klientin. Er umarmt mich stokelig zum Abschied und Morgen probieren wir es mit dem Pfleger um 15:45 Uhr. Ich sage ihm den Termin mehrfach, dass er bitte zuhause sein soll. Ihm wurde ambulante psychiatrische Pflege verordnet und der Marathon heute, 3,5 Stunden hat sich gelohnt. Ich kann beruhigt nach Paris reisen. Er rennt mir nach als ich bei der Ampel mit dem Fahrrad halte und ich biege dann anders ab zu Fielmann, die mir umsonst eine Schraube in die Sonnenbrille drehen.

Ich fahre zu meiner Betreuten, die derzeit Amphetamine konsumiert und damit rückfällig geworden ist und sie lässt mich nicht rein. Mit ihr sei derzeit „nicht gut Kirschen essen“. Sie will nicht, dass ich in die Wohnung komme und im Treppenhaus will sie auch nicht sprechen und auch nicht spazieren gehen. Ich fahre nach Hause zu meinen Schwiegereltern und Kaffee und Kuchen. Ja, die Kondensmilch aus der Schweiz habe ich ordentlich ausgedrückt. Da war ich mal energisch und auch mit einem Werkzeug zugange.

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Meine Schwiegermutter stellt fest, dass ich einen guten Mann hätte und der hätte das von seinem Vater. Es gäbe ja andere Männer (und ich warte auf die Fremdgehgeschichte), die würden nicht im Haushalt helfen und zwar überhaupt nicht. Ich habe schon sehr Glück gehabt mit meinem Mann. Dachte immer, ich kriege einen schlauen, den ich hässlich finde. Andrew Schechtmann. Wir waren vor dem Wegzug aus Kalifornien zu seiner Bar-Mizwa eingeladen. Der hat auf der Junior High Mathe an der Uni gemacht und war Brillenträger mit schmalen Schultern. Dachte mit dem werde ich mal verheiratet. Schmale Schultern und Trichterbrust, aber halt schlau. Das wollte ich nicht und habe einen Mann mit breiten Schultern bekommen und der trägt mich noch auf Händen und ist lustig und hat Verständnis für meine Spleens. Was will ich mehr.

Stephan ist ein angenehmer Zeitgenosse und wenn er einlädt, kommen die Leute gerne. Entspanntes auf der Wiese Liegen. Eine Bekannte die Krebs hat wird im Rollstuhl vorbei geschoben. Ja, das Leben ist kurz und man muss unendlich dankbar sein. Stephan bekommt u.a. ein Chips-Kochbuch von Bahlsen mit den krassesten Fotos geschenkt aus dem Nachlass von Käte. Hammerteil. Immer eine Tüte Chips in der Tüte zerkleinern und mit Butterflöckchen dekorieren und Markus macht mich noch darauf aufmerksam, dass sie noch Bahlsen Chips gefunden hätten. Ich ignoriere das.

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Wir fahren mit Lastenfahrrad ins Da Etna und die Liefern zum Kackstreifen mit dem Auto, schöne Vorspeisenteller haben sie gemacht. Ich fahre eine Runde Rad mit Suki. Beim Faustgelände ist die Wiese voll wie beim Fährmannsfest und im Georgenpark wird gegrillt was das Zeug hält. Das stellt den Gehorsam des Hundes auf die Probe. Wenn die Ablenkung zu groß ist, z.B. am Küchengarten mit Band, leine ich ihn an und das klappt prima. Ich bin ruhig und führe und das überträgt sich auf den Hund. Sabines Anlage ist super und ich tanze etwas barfuß und es ist ein total netter Abend im Freien auf der Wiese. Harald spricht mich auf unser Franzi goes fashion Projekt von damals an. Um 1 Uhr brechen wir auf.

22.05. Jan hat mir eine Waz geschenkt. Darin ist die Todesanzeige vom Vater einer Freundin. Ich schneide sie aus.

Bei meiner neuen Betreuten soll der Dispo gestrichen werden, nicht wegen der Betreuung, aber weil die Sparkasse jetzt auf den SGB-II Leistungsbezug aufmerksam wurde und dann geht das nicht, sonst wird das Konto gekündigt und sie hat kein Geschäftskonto, das geht auch nicht. Am Ende darf sie den Dispo behalten, weil die Filiale das freigegeben hat und die Mitarbeiterin macht einen Aktenvermerk, dass ihr Kopf nicht in der Schlinge hängt. Ich freue mich total. Wenn wir ihn dann einvernehmlich streichen lassen, ist es was anderes. Sie hatten viel mit Tod zu tun, mit 17 eine Todgeburt und dann einen schweren Verkehrsunfall bei dem der Freund ums Leben kam und der Bruder kam zu ihr zum Sterben. Wir reden offen und sie sagt, dass sie sich erst jetzt für das Leben entschieden habe, entschieden habe hier zu bleiben. Sie hat 3 erwachsene Kinder und ist Oma. Ich mag die Frau und habe auch gegenüber der Bank getont, dass ich ein sehr gutes Gefühl habe, weil das alles sehr einvernehmlich und vernünftig läuft.

Frau Wellensittich mit riesigen Pupillen und der Faden reißt immer mitten im Satz ab. Sie zeigt mir alte Zeugnisse aus den USA und Bücher mit Collagen, der aber sehr schlecht gemacht sind. Ein graues Pferd hat sie gemalt. Ich frage sie, ob sie was genommen hat wegen der Pupillen. Die Richterin will keine neue Betreuerin für sie suchen, ohne mich wäre sie verloren.

Ich bin um 15:45 mit dem Pfleger, einem Ossi bei Herrn Ihme und er ist nicht da. Dafür stehen wir mit 6 jungen Männern und einen „Kampfhund“ im Fahrstuhl. Der schwarze große Terrier hatte sich im Eingangsbereich auf die kalten Fliesen gelegt mit dem Bauch und die Beine nach hinten ausgetreckt und ich sagte: „armes Baby“ um von dem beleidigten Besitzer zu hören, dass es kein Baby sei. Als wir vor dem Haus stehen und ich erzähle, kommt Herr Ihme um die Ecke. Hat er an den Termin gedacht oder kommt er zufällig nach Hause. Es war Zufall, wenigstens ist er ehrlich. Er fängt Morgen bei einer Zeitarbeitsfirma an. Maschinen putzen in Garbsen. Das Handy funktioniert das aller erste Mal. Ich bin sehr skeptisch, ob das klappen wird, aber ein anderer macht jetzt die Hausbesuche und hat die Schlüsselgewalt. Ich kündige den Stromvertrag mit RWE. Er hat ein Guthaben von über 90 bei den Stadtwerken. Das wird wieder ein unerwarteter Geldsegen für unseren Sohn.

Ich bespreche den Sorgerechtsfall etwas mit meinem Kollegen vor. Meine neue Betreute, Frau Yoga, die ich nicht anwaltlich vertreten will und die mir eine SMS als Fax schickt, dass ich doch lieber nach mal zu ihr kommen soll. Ich lehne ab nach 6 Hausbesuchen.

Geldabholtermine. Eine Betreute sagt ab wegen Kreislaufproblemen und Elisabeth Taylor erzählt was von einem Kampf Dicke gegen Dünne. Sie und die ambulante Wohnbetreuung seien dick und ich und die Ärztin dünn. Ich will in den Urlaub fahren und sie soll die ambulante Wohnbetreuung zumindest bis nach meinem Urlaub bestehen lassen. Bitte.

23.05. Ich hatte einen Filmriss als ich mir auf diesen Blazer war draufgenäht habe. Erinnere mich nicht und wundere mich über den Buckel aus Eskimos. Mit der Ex-Prostituierten bei dem Rockerarzt. Der unerzogene Dackelmischling ist mit dabei. Der Arzt formuliert die Ziele der Hilfeplanung und erklärt ihr, dass er es so schreibt, als sei es schon passiert. Sie hat eine Zahnsanierung durchführen lassen. Immer wieder ist sie irritiert und er sagt auf sich bezogen wäre das Ziel Dr. K trägt Jeans Größe 44. Ich sage, auf den Hund bezogen wäre es, der Hund bleibt liegen, wenn man das Kommando Platz gibt und steht nicht nach einer Sekunde wieder auf. Der Berner Sennen Hund vom Wohnbetreuer ist in der TiHo nach einem Italienurlaub und sie finden nicht, was er hat. Er heult bei jeder Gelegenheit. Ich muss in dieser Sache beim Deutschlandradio mir was einfallen lassen und das tue ich auch.

Werde sauer wegen Elisabeth Taylor, soll machen, wenn sie meint. Ich glaube, es geht schief. Ich habe heute keine Nerven.

Nachmittags Frau Yoga. Die Töchter wollen wieder zu ihr, aber sie will sie dann nie wieder zum Vater geben, weil die Kinder das auch nicht wollen. Das ist sehr unreflektiert und ich sage ihr, dass ich so eine Haltung nicht unterstütze und denke, dass sie kein Sorgerecht verdient hat mit der Einstellung und überzeugt davon bin, dass sie ihren Kindern was Schlimmes damit antut. Die gemeinsame Besprechung dauert über 2 Stunden. Sie mandatiert den Kollegen.

Schön schwitzen beim Sport. Dann treffen wir uns bei den Pasta-Frauen in der Südstadt mit Jens und Sven. Jens erzählt von der Schulförderung und ich von unserem neuen Sohn. Ich sehe Ähnlichkeiten nur, dass er es mit Kindern zu tun hat und meine Hasen etwas älter sind und ich sie nicht nur beim Schreiben lernen unterstütze, sondern so ca. bei allem anderen.

24.05. Basteln, Kette Paris und 4 Hütchen. Jetzt bügeln, wo Waschmaschine defekt ist. Abends keine Bläser am Kali-Berg in Empelde. Spargel mit Sauce Hollandaise, geht immer besser, ist etwas zu salzig geraten. Kein Ping-Pong-Club. Keine Lust.

25.05. Altkleidercontainer, dann Wahl. Flohmarkt, supervoll. Handtasche einer Bekannten aus Morgenmantel und Buch: „Die Farben der Tiere“. Rossi. Habe ich einen schlimmen Ausschlag oder nur etwas Sonnenallergie. Den Rest des Tages nur basteln und chillen. Pillow Talk mit Rock Hudson und Doris Day schauen und den Hohlsaum nähen. Schlafe zur Zeit nicht so gut.

26.05. Werde ich langsam müde Tagebuch zu schreiben. Berlin und warum ich kotzen musste, ist noch nicht geschrieben. Wien davor auch nur halb. Einsilbig komme ich mir vor. Treffe mich mit der schlechten gelaunten Betreuten beim Bürgeramt Podbi Park. Neuen Ausweis machen. Leihe ihr das Geld. Sie hat Fotos machen lassen, die sogar gut geworden sind. Wir kommen immer besser miteinander aus auch wenn sie noch nicht weiß, ob sie einen Ableger von meiner Pflanze will. Ich werde das Bonusheft für meinen Zahnarzt in 7 Jahren voll haben. Yuhu!! Ich habe auch reiche Mandanten, die auf 30.000,- Mieteinnahmen verzichten. Warum anmelden zur Insolvenztabelle, sie wollen den jungen Leuten nicht das Leben versauen. Sie hätten auch noch mehr Mietrückstände in Kauf genommen um die zu unterstützen. Ich mag so eine Einstellung. Abends beim Sport merke ich, dass es mir gut bekommt, viele Mitglieder aus der Familie meines Mannes mit dabei zu haben. Das beruhigt meine Nerven. Wie gut, dass meine Schwägerin uns nach Paris begleitet und auch auf die anderen noch anstehenden Auslandsreisen dieses Jahr. Nach dem Sport Spargelsuppe und ich schlafe immer noch schlecht.

27.05. Viele Dinge zum abwickeln und nervös bin ich auch. Der Typ, der nach der Waschmaschine guckt ist doof, läuft in die falsche Richtung und findet das Haus nicht, außerdem lahmarschig. Sie hat angeblich einen Lagerschaden. Das wusste ich irgendwie schon vorher.

Neue Betreuungssache. Morgens in der Bahn treffe ich Betreuten, ehemals spielsüchtig, der gerade Maßnahme in der MHH macht und heute frei hat, weil er zum Amt will den Widerspruch wegen der Fahrtkosten selber gegenüber dem Sachbearbeiter begründen. Der neue Betreute macht viel Yoga und ist durchtrainiert und sieht aus wie ein guter Freund meiner Schwägerin. Sehr vorteilhafter Betreuter mit Kunst an den Wänden und Smooties in der Küche in der Riesenwohnung mit Dachterasse und Sauna im Schlafzimmer. Hat 333,- € Strom pro Monat gezahlt und 750.000,- € wurde vom Rechtsanwalt verwaltet als Treuhänder, hat namhafte Internetfirmen mitgegründet und Immobiliengeschäfte gemacht, Porsche ist weg, Garage gekündigt, Führerschein auch wegen Marihuana am Steuer. Er geht im Tiergarten joggen und macht vor allem morgens Yoga, hat 2 Rechtsschutzversicherungen, ist spirituell eingestellt und will mein chinesisches Sternzeichen wissen. Überall Engel und tibetanische Puppen flankiert von ägyptischen Hunden. Unter dem Schreibtisch viel alte Post, Stadtwerkeschreiben aus 2009. Er ist beflügelt von meiner Bestellung und will vorsortieren. Wir treffen uns am Dienstag und er soll sich nicht zu viel vornehmen und alles mitbringen, ob sortiert oder nicht.

Schnecke und Hase

Fahre nach Hause. Schlimme Mutter in der Bahn mit 2 Söhnen. Der 2-Jährige macht immer was falsch und sie kommentiert das harsch „Flosse aus dem Gesicht“, „Arsch nach hinten, setz Dich richtig“. Statt ihn abzulenken stellt sie fest, wenn er weiter quengelt dürfe er zusehen, wie sein Bruder noch eine Schokolade bekommt und er nicht. Grausam so was. Grob werden die Kinder angefasst und scheinbar keine Liebe und Zärtlichkeit. Die Mutter spielt auf ihrem Handy statt mit ihren Kindern zu reden oder sich positiv mit ihnen zu beschäftigen und der 2-Jährige ist selber für seine Laune verantwortlich. Warum bekommen solche Leute Kinder? Ich kann diesen Hass nicht verstehen.

Stephan soll Akte anlegen. Die hole ich in einer Stunde und esse die restliche Suppe. Kaffee nein. Dass ich schlecht einschlafe macht mir zu schaffen und ist ein Novum in meinem Leben.

Der Pfleger geht Morgen um 8 Uhr zu Herrn Ihme. Scheint nicht geklappt zu haben mit der Arbeit und mit dem Treffen am Montag, aber es regeln jetzt andere. Dafür habe ich lange genug gearbeitet.

Ich muss die Postkarte einwerfen mit der mein Mann sich Schädlinge, auch nee, Nützlinge, aber Viecher für zuhause bestellt. Innen sollen die verwendet werden! Ich kann ihm doch eine Paprika für 15,- € auf dem Markt kaufen. Verstehe diesen Pflanzenehrgeiz nicht.

Ich schenke meinem Dauermandanten, der mit einem deutschen Freund kommt und mir die eprimo Abrechnungen und die Fehler erklären will einen niegelnagelneuen Ordner. Auch der Freund ist genervt vom Papierchaos des Mandanten. Heute ist er ohne Kind da.

Herr PM wird aus der Klinik entlassen und fährt aus Wunstorf nach Hannover mit einem selbstgebastelten Fahrrad, er kommt nass an und holt sein letztes Geld bzw. 7 € kann ich ihm davon nicht auszahlen. Soll gleich Bescheid sagen gegenüber bei der Postbank, dass sie ihm seine Kontokarte zuschicken und an die Katze im Tierheim denken. Ich bin wieder Obermutti.

Ich arbeite meine Fristen ab und habe irgendwie ein schlechtes Gewissen, dass ich wegfahre, auch wenn die Betreuten mir alle gute Erholung wünschen und verstehen, dass ich mal aus Hannover weg muss. Mal raus aus der Provinz. Elegant würde ich ausschauen. Mein türkischer Betreuter bringt mir eine Stoffrose und beteuert, wie viel ich ihm zu verdanken hätte.

Rose

Ich soll mal wieder zum Buchbinderkurs kommen. Es sei lustig mit mir gewesen. Noch mal Wetter Paris gucken? Habe ich richtig gepackt? Sollen wir nach dem Ergebnis der Europawahl die Reise absagen. Jetzt haben wir Jahrelang Italien boykottiert wegen der politischen Führung und jetzt so was. Was geht in diesen Menschen vor? Es kann einem Angst machen. Ich will doch nur knallgrüne Falafel essen (oh Gott waren die lecker). Ich hoffe, dass ich die Zeit genießen kann. Bald habe ich auch einen Lagerschaden oder Stephan und vorher will ich Spaß haben und eine gute Zeit.

Ich improvisiere ein bisschen viel bei der Choreo und kann auch die Burlesque-Moves nicht so formvollendet, aber die Frauen loben meine „sexy“ Beine in der Straßenbekleidung, d.h. mit Strumpfhose. Das ist mir etwas peinlich oder sollte es mich aufbauen? Mein neuer Betreuter hatte mir nachmittags schon 3 mails geschrieben und nach dem Sport bekomme ich diese:

„Liebe Frau ….,

vielen dank für die überaus positiven Nachrichten und ihre rasche Handlungsweise. Sie sind eine wirklich toffe Powerfrau, das habe ich gleich durch meine Hellsichtigkeit gespürt, daß diese archaische, weibliche Urkraft in Ihnen lebt (Aus dieser Zielsetzung beginnen viele Yoga). Den Termin am 10.6. würde ich gern mit Ihnen zusammen wahrnehmen wollen.

Rechtsanwalt … hat innerlich gezuckt, als Sie ihn angerufen haben, das habe ich auch gespürt. Ich glaube, er wird Probleme bekommen.

Bis Dienstag und viele freundliche Grüße
……

p.s. als Sie ihr Sternzeichen sagten, war ich sicher, sie sind 1979 geboren, weil ich dachte, so etwa sehen Sie auch aus.“

Mozart – nein danke!

16.05. Ich nehme 300,- € weniger als die Gegenseite, finde den Preis für meine Arbeit aber angemessen und habe einen glücklichen und treuen Mandanten. Mein früherer Kollege hat zu wenig zu tun und Geldsorgen. Das habe ich zum Glück nicht. Außerdem ist es hier so, dass die Gegenanwältin mich immer anschreibt, ob wir den Vergleich geschlossen haben, weil sie sich den Gebührenanspruch von ihrer Mandantin hat abtreten lassen, d.h. meiner hätte an sie direkt zahlen sollen. Ich habe von meinem das Geld schon überwiegend bekommen und es fehlen nur noch 300,- €. Die Kollegin, die 300,- € fordert wird wohl ganz leer ausgehen, ist also eher theoretisch mit dem mehr verdienen.

Unser ehemaliger Nachbar hat noch eine Dachgeschosswohnung in dem Haus gekauft, wo ich mich auch mal für das Ladenlokal interessiert habe, was jetzt ihm gehört. Er hat damit wohl seine private Elbphilharmonie erlebt. In einem Haus bei uns um die Ecke, wo seine Ex lebt, hat der Eigentümer sich umgebracht. Die Wohnungen sind zum Verkauf. Er hat kein Geld mehr dort zu investieren. Soll ich ihm sein DG abkaufen? Schicke Scherz-Email, auf die er bisher nicht antwortet. Die Preise in Linden Mitte sind zu hoch und ich bin außerdem versorgt und muss Wohnungen nicht wie Kleidung vom Fairkaufhaus sammeln.

Sie suchen einen neuen Namen für Zumba, soll ähnliche Gymnastik sein, aber ohne die Abgabe und die Vorgaben. Wir werden aufgefordert was vorzuschlagen. In der Zumba-Umkleide fällt mir heute spontan ein: „Heißes Fett in der Pfanne“. Finden sie aber nur zum Teil lustig. Ich bin motiviert und wir pressen mit den Schenkeln einen dicken Gummiball zusammen. Weil Steffi mehrfach gesagt hat, wir bekommen keinen Preis wenn wir diese oder jene Übung am schnellsten machen sage ich: wenn ich den mit den Schenkeln zum Platzen bringe, bekomme ich aber schon einen Preis, oder? Dann wird ein Kurs nach mir benannt. Füge aber auch hinzu, dass ich es für sehr unwahrscheinlich halte siehe auch Walnüsse mit den Schamlippen knacken.

Ich merke beim Sport, dass ich unten meinem Schwabbel ein festes Muskelkorsett bekommen habe, gerade bei einigen Übungen für die seitliche Bauchmuskulatur und wenn ich mich dann dabei in der Taille anfasse. Neues Körpergefühl, weil das Fett bei mir auch so weich ist, kann ich gut durchfassen und das neue, harte darunter spüren. Ich habe Innen bald den Körper eines Staffordshire Terriers mit etwas Schwabbel darüber. Cool.

Frau die Woche beim Sport in der Umkleide, die feststellt, dass ich immer so lustige Hütchen auf hätte. Ja. Mache ich die selber? Ja. Und woher bekomme ich die Ideen dafür? Schwer zu sagen, ist halt wie Durchfall. Eine andere lacht.

Das Zuhausekochen muss bis Morgen warten, zumal Glück will mein Mann auch immer unter Leute und Essen gehen. Das Leben ist auch hier zu kurz und ich kann gar nicht so oft essen gehen wie ich will, z.B. 1 Millionen Mal. Wir gehen ins Beckmanns, die hatten geschlossen und waren weg, im Urlaub. Die Kalbszunge ist so was von lecker, dass ich nicht verstehen kann, wer Schnitzel von diesem Tier essen will, was total langweilig und geschmacksneutral ist im Vergleich. Auch der Pulpo-Fenchel-Apfel-Salat ist lecker.

Beckmann Zunge Bohnen Beckmann Pulpo Apfel FenchelBeckmann Steinbutt

Ich glaube, der Koch geht bald fremd mit seiner Assistentin. Ich würde es jedenfalls tun an seiner Stelle, weil seine eigene Frau ist unlustig, spröde und langweilig und diese Frau ist gutaussehend und schnell und sexy und Stephan und ich stehen beide auf sie. Wir haben die Plätze an dem Bistrotisch und das ist die beste Unterhaltung, den Köchen bei der Arbeit zuzusehen. Aquarium nix dagegen. Sie arbeiten nebeneinander und ein kurzer Blick genügt. Sie lachen zusammen. Sie ist dann an der Schneidemaschine, weil im Nachbarraum ein –geschätzt – sechzigster Geburtstag gefeiert wird und die bekommen lauter Vorspeisen. Sie lehnt sich rein ins Salami Aufschneiden und das sieht es ein bisschen aus wie Sex von hinten. Daran merkt man schon, dass ich die echt gut finde. Sie hat meine Spagetti Vongole gemacht und ich habe gesehen, wie sie die Möhre dafür geschnitten hat. Die Stücke sind niedlich und haben trotzdem noch Biss. Die unlustige Chefin fragte mich beim Abräumen, ob die Schalen heute mal wieder zu hart gewesen seien bzw. stellt es fest. Ich verziehe keine Miene und sage auch nichts. Das sollte wohl lustig sein, weil unsere Teller leergeputzt sind. Ich hatte die Muschelschalen auf die Papiertischdecken gestapelt, damit ich besser die Soße essen konnte und dann in zwei Türmen wieder auf den Teller platziert. Stephan ist Liebling der Küche und bekommt den Meringen-Nachtisch in XXL. „Bombe“ sage ich als er serviert wird und kann meinen langstieligen Löffel da nicht raushalten.

Beckmann Merengue mit Löffel

Nein, ich bin nicht frauenfeindlich. Ich mag sonst alle Frauen in dem Laden. Die etwas männliche schroffe Dunkelhaarige, die Korpulente und die Frau in weiß mit kleinen Haaren und guter Figur in der Küche. Nur die Chefin ist ganz und gar nicht mein Fall.

Neue Erkenntnis: unsere Freunde werden zu 90 % auf Hartz-IV Niveau sein als Rentner. Das ist bitter bzw. wird ein erhebliches Gefälle darstellen, weil eine dicke, berufsständische Rente auf mich wartet, auch die, die jetzt jeden Abend in die Kneipe gehen und einen drauf machen. Werden wir uns dann aufs Kochen konzentrieren? Das werden wir sehen.

Was mich übrigens beleidigt hat war, dass Sunl dachte, wir feiern in Wien im Plachutta. Sie hatte es verwechselt. Ich war einmal in diesem Laden und der Tafelspitz war saulecker, aber ein Keller wurde von einem anderen körperlich gemaßregelt und das hat mir gar nicht gefallen. Die Stimmung war dahin und somit habe ich das viel früher gemerkt als die Medien, die jetzt über die Arbeitsbedingungen dort berichten und Demonstranten sammeln Zucker, weil ein Keller entlassen wurde, der auf eigene Erdbeeren Zucker seines Arbeitgebers drauf gemacht hatte. Mir war das schon länger klar und auch eine bewusste Entscheidung dort nicht mehr essen zu gehen, obwohl es richtig Kult und lecker ist.

Übelkeit während der Schwangerschaft ist übrigens ein gutes Zeichen. Es deutet, dass sich das Immunsystem der Mutter mit dem Organismus des Kindes auseinander setzt. Das sagt doch schon Einiges.

17.05. Erfahre auf Gesichtsbuch, dass heute auch Premiere in der Oper Dortmund gewesen wäre mit Serdar Somuncu, auch Mozart, „Entführung aus dem Serail“. Das Bühnenbild sieht vielversprechend aus und dass Herr Somuncu sehr musikalisch ist, war mir schon aufgefallen. Läuft leider nur bis Juli. Mal schauen, ob wir das noch unterbekommen. Sein Kollege ist in der Maske, wo sie entscheiden, wann er genug geschminkt wurde um als Chinese als Türke durchzugehen. Er zeigt uns die Kante und hier kommt die Stimme aus dem Off, „die Votzibär sagt, wann er auf der Bühne sein muss“. Er zeigt uns auch den Platz der Stimme, der ausschaut „wie die Schaltzentrale aus Raumschiffenterprise der 60er Jahre“. Heute heißt es „Go love your own city“ und dann ist der Weg nicht so weit. Ist mir mehr als Recht, auch wenn mich die andere Produktion interessieren würde, wird heute auch modern, so meine Hoffnung.

Bei Mozart fällt mir schon mal das Tom Lehrer Zitat ein, aus meiner Erinnerung: It’s a sobering thought to know when Mozart was my age he had been dead for three years.“ Bei mir kann ich das bald sagen mit ten years.

Morgens ein paar Postkarten tuschen und ja, früher war alles besser. Ich weiß es jetzt. Der Pelikantuschkasten, den ich nur wegen der schönen, alten Blechdose gekauft habe und gar nicht nutzen wollte, hat ganz tolle Farben. Die Wassermalfarben heute haben nicht so eine Qualität, deswegen kaufe ich auch Tuben. Hier reibt man etwas mit dem nassen Pinsel in einer der runden Trockenfarben und sie malt deckend (!) Das ist ein deutlicher Unterschied zu den Tuschkästen heute. Ich plane diesen zum basteln nach Paris mitzunehmen und muss nur ergänzen um einige Rottöne und Weiß, die hier fehlen. Ich mache Ohrringe aus einem Buchdeckel. Neue Technik. Gefällt mir, ziehe ich heute Abend an.

Schon mal vorpacken für Paris. Neue Hütchen vom vergangenen Wochenende sollen ins Gepäck und mein Gaffa-Puppenhütchen muss auch mit. Kam gestern einfach zu gut an in Hannover. U.a. eine Radfahrerin, die mir entgegen kam, hat mich total angestrahlt. Meine Schwägerin und mein Mann haben etliche Restaurantreservierungen vorgenommen und ich lass mich einfach überraschen. Wichtig ist, dass ich neue Hütchen dabei habe, auf die ich auch Lust habe. Bei den Hütchen bin ich wie andere beim Partner, die alten tragen habe ich gar keine Lust, ist langweilig, mir ist immer nach was Neuem zumute. Die alten wegwerfen will ich auch nicht, die werden gesammelt als Trophäen der Vergangenheit.

Habe noch ein rotes Nähetui gekauft, was aber wenig vorteilhaft vom Kopf aussieht, so dass ich den Inhalt als Hütchen vernähe (mit Filz von Käte).

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Wer Rossi auf Freitag vorzieht, hat Zeit gewonnen fürs Wochenende. Sollte man meinen…

Lege mich nachmittags hin. Dann wird Spargel gemacht und Sauce Hollandaise ist recht einfach, wie ich beruhigt feststellen muss. Dass ich einmal so viel Respekt, ja Angst davor hatte…Das ist jedenfalls überwunden.

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Im Koki läuft wegen „die Briten kommen“ einiges englisch OmU, habe mir den Flyer mitgenommen u.a. Brazil im Original am 22.07. Muss ich rein, auch wenn wir da gerade aus Wien wiederkommen, ob ich vor Paris den alten Stanley Kubrick schaffe werden wir sehen. Der Regisseur von Sugarman ist tot, hat sich das Leben genommen. Das war einer meiner Lieblingsdokumentarfilme und er hat mich sehr bewegt. Ich finde das traurig und frage mich, ob sie den noch mal zum Gedenken zeigen können im Sprengel-Kino. Steffi hat das Plakat bei sich hängen.

Ich habe meinen Schlüsselbundanhänger mit den Fächern aus Paris verloren. Kurz vor der Reise. 1 Jahr hat er mich begleitet, aber ich habe noch einen auf Halde, weil damals gab es 4 zu einem günstigen Preis. Steffi hat einen, wegen Marc habe ich überhaupt mit dem Kauf angefangen, weil der eine sehr kitschige einen Tennisschläger als Anhänger hatte und eine Perle war der Ball, sehr tussig. Jetzt habe ich noch den Schlüssel mit „Paris Souvenirs“. Ein Schlüssel als Anhänger an einem Schlüsselbund. Auch nur mäßig lustig, aber immerhin kann ich gleich Ersatz stellen. Was heißt Ersatz, ich habe mal eine Serie gemacht mit den Sprüchen aus dem Yogi-Tee und Perlen und Sachen rangebastelt und 5 davon in der Yoga-Werkstatt verkauft und davon habe ich noch ca. 30 und bestimmt auch sonst 4 Stück in meiner Materialiensammlung. Ich bin nicht arm an Schlüsselbundanhängern.

„Ich war’s nicht. Ich habe keine Dreijährige angefahren“, rufe ich unseren Nachbarn zu als wir Richtung Innenstadt fahren (weil ich doch auch ein Lila Fahrrad habe und Stephan mir den Artikel aus der Haz vorgelesen hat, die übrigen eine schlimme, neue Grafik hat, schlimme Schrift, nicht mehr zentriert und macht auf NP). Vorbei an dem Zaun, der geflickt ist, war vorher viel besser, ohne Zaun oder mit einem durchsichtigen und man konnte den Innenhof sehen. Diese Mauern überall machen hässlich, warum wollen die Leute es so? Privatsphäre? Vorbei an dem netten Mann vom Rossi. der seinen Feierabend in der Abendsonne in der Weinbar genießt. Am Schwarzen Bären ein komisches Wahlplakat muss an die Comedy-Sendung von gestern Abend denken. Diese AfD kann man gar nicht parodieren, die sind in Echt schon solche Lachnummern. Ihr seriöser Sprecher erzählt von der Sachbeschädigung und dem Vandalismus an den Wahlplakaten. Schäden von 30-40 %, in Universitätsstädten von 100 %. Lache mich tot über das Plakat der Partei am Waterlooplatz, Richtung Innenstadt. Ein Vater mit Kleinkind im Arm und das Motto: Mit uns 2 x die Woche Samstag – die Partei. Mo Di Sa…Sehr gut. Ob ich die wählen muss, weil sie mich wenigstens zum Lachen bringen.

In der Oper treffen wir schwule Paare und beide haben heute was im Garten gemacht, die einen bei einer befreundeten Anwältin und die anderen Holunder angesetzt. Fleißig. Hier hat der eine der gemeinsamen Freundin Nachhilfe gegeben, die gerade eine Umschulung macht und sich auch etwas psychiatrisches Fachwissen drauf schaffen muss. Er hat über das Niveau gestaunt. Ob das heute Abend was wird, will ich wissen. Er mag diese Oper vor allem musikalisch jedenfalls sehr.

Stephan und ich sitzen hintereinander und da einzelne Personen neben Stephan sitzen, will ich die erst fragen wegen Plätze tauschen, aber nach der Pause sitzt Leporello neben Stephan. Immerhin zwei schlechte Beweisfotos.

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Das Publikum wird auf einen Textilvorhang gespiegelt und gefilmt. Erst kapiere ich das nicht und denke es ist ein Backdrop eines anderen Opernhauses. Es braucht eine Weile bis ich das Spielbild erkennen kann. Die Inszenierung arbeitet viel mit Filmen hinter dem halbdurchsichtigen Vorhang und wird dem Stück sehr gerecht. In schwarz-weiß sind die Figuren zu sehen und durch die Projektion auf den Vorhang in Groß und die Mimik ist gut zu erkennen. Von Don Giovanni, der nach dem Motto lebt, wenn man eine Frau treu ist, betrügt man die anderen und in Italien 370 und in Deutschland 278, aber in Spanien 1003 Frauen beglückt hat, sieht man nur die Lederhandschuhe und seine Stimme. Das ist toll gemacht und sehr intensiv dadurch. Das Fest auf dem man ausgelassene und freizügig tanzen soll und im Prinzip jeder mit jedem ist so gemacht, dass man einen Wald aus nackten Beine sieht und die Sängerin, die ihren Weg durch sie hindurch bahnt und Don Giovanni ruft sie zu sich und wieder kommen die Lederhandschuhe ins Bild, er streckt sie aus und greift nach ihr. Sehr gut gemacht das Ganze. Ich finde das Stück an sich langatmig und operettenhaft und teilweise auch idiotisch, aber die Inszenierung ist spitze und auf die lasse ich nichts kommen. Leporello, der Diener von Don Giovanni verkleidet sich als er und verarscht eine Frau, die Don Giovanni liebt. Dazu genügt ein Federhut und seine Stimme. Das kann man bei dieser Inszenierung auch gut darstellen und man sieht in Großaufnahme, wie Leporello die Lippen bewegt und sich dann kaum einkriegt vor Lachen, wie doof die Alte ist, die darauf reinfällt und dem Liebhaber, der sie betrogen hat und ihr die Ehe versprochen hatte, wieder verzeiht und ihn zurück haben will. Sonst taugt Oper, die angeblich „die Oper aller Opern“ ist, wieder für potenzielle Hundenamen. Leporello ist auch ein Diener, der widerwillig aber dann doch seinem Herren dient, er will frei sein und sein eigener Herr, hat aber nicht das Zeug dazu und sucht sich nach dessen Ableben gleich einen neuen Herren. Super Hundenamen, weil so ist auch ein Hund. Das Publikum sieht das mal wieder anders mit der Inszenierung und nach dem Applaus für die Darsteller überall Buhrufe. Woher kommen die ganzen Buhrufe? Frage mich immer, ob man sich nicht vorher erkundigen kann, ob das was für einen ist und dann einfach nicht reingehen. Was soll das? Es ist so, wie ich mag kein Thai Essen, gehe da aber immer wieder zum Thai und gebe volle Teller zurück. Denke wieder an die Comedy-Sendung von gestern. Frauen aus Stuttgart, die gegen Homosexuelle sind, weil es widernatürlich sei. Dünnlippige Kirchentrutschen, die es ekelhaft finden, „wenn Männer ihren Penis in einen anderen Menschen stecken“. Darauf der Sprecher: Dann sollen sie nicht den ganzen Tag Schwulenpornos gucken. Wenn Mozart auf die Bühne käme, würde ich Buh rufen. Tut er aber nicht. Schnell weg hier und nicht mehr bei oberflächlichen Gesprächen ein Getränk auf dem Dach einnehmen. Ist schon nach 11 Uhr. Im Kino hätte das 50 Cent Überlängenzuschlag gekostet Stephan ist nur essensmäßig ein Don Giovanni stelle ich auf dem Rückweg fest. Kaufe noch eine Butter bei Rewe, der um nach 23 Uhr noch geöffnet hat und sehr gut besucht ist. Junge Menschen vor dem Ausgehen. Frauen, die Weißwein im Tetrapak für unter 2,- € den Liter kaufen und Ältere, die schon desolat sind, d.h. strunz betrunken und die Schokoladenosterangebote an der Kasse wahllos mitten in den Nacht kaufen und sich dann scheinbar selber darüber wundern oder einfach so etwas herumstehen und sich sammeln bevor sie wieder heraus wanken. Der Typ an der Kasse ist blutjung, gutaussehend und freundlich, auch noch um die Uhrzeit. Er sieht aus wie der eine Schauspieler aus Sonnenallee, der junge aus der Clique, er ist multitaskingfähig und lässt sich Zigaretten von der Nebenkasse rüberreichen und ist dabei sehr freundlich. Er wünscht jedem Gast noch einen schönen Abend und schaut einen dabei in die Augen. Ich muss ihn anstrahlen. Wahnsinn. Das ist Dienstleistung. Um die Uhrzeit und bei dem Scheißjob auch noch so gute Laune verbreiten und das in der Blüte seiner Jugend.

Mozart ist echt nicht mein Fall und auch wenn Calixto den in Basel inszeniert will ich nicht hin. Mein Zwischenfazit bei der klassischen Musik. Entweder Verdi-Oper mit viel Chor oder Händel, Barockmusik. Das mag ich beides. Das andere quält mich auch und ich wünsche mir, dass es vorbei geht. Dafür muss man dann nicht zahlen. Die Inszenierung mit anderer Musik wäre Hammer gewesen. Ich bin also im Gegensatz zu dem Stammpublikum der Oper falsch gepolt.

Mit Steffi haben wir gar nicht ESC geguckt. Wusste nicht, dass es läuft und habe mich beim Gassi gehen anschließend noch gewundert, was im Exil auf dem Bildschirm flimmert und kein Fußball ist.

Das Kleid von heute Abend gebe ich auch weg. Steht mir nicht, auch wenn ich es liebe. Ist Seide und Paisley. Vielleicht was für Steffi. In der Oper ist mir ein Knopf abgeplatzt.

18.05. Sieht zuhause aus als wäre eine Bombe explodiert, aber das sonnige Wetter und die Bastellaune lässt mich nach Flohmärkten schauen und siehe da: bei Real in Linden ist einer. Ich finde meine Collagepostkarten nicht. Messyhaushalt. So weit können sie nicht gekommen sein, aber ich kann mich bei bestem Willen nicht erinnern, wo ich sie hingetan habe nach dem Scannen.

Flohmarkt bei Real. Ich mag große Dinge aus Eisen, weil ich auch die Kerle dazu mag (kräftige Schweißer, wie meinen Schwiegervater und das am besten noch in jünger und auf türkisch).

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Das erste Mal will Stephan was kaufen. Ein Buch „Der Humor der Niedersachsen“. Die langen Witze sind in plattdeutsch und er muss sie mir übersetzen. Hat es für mich zum basteln gekauft, aber dazu ist es zu schade. Papier- und Schreibwaren, Philippsbornstraße, 3000 Hannover. Aus der Serie gibt es auch „Der Humor der Wiener“, aber leider nicht hier zu kaufen. Der Verkäufer erklärt seinem Gesprächspartner auf dem Handy, dass er am Lindener Hafen sei, als wir widersprechen meint er, aber Linden sei hier doch schon. Ich kaufe hier alte Postkarten u.a. mit Magdeburg Tristesse.

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Am Nachbarstand verkauft einer eine Tüte voller Plastiktiere. Es setzt ein erstklassiges Verkaufsgespräch ein: Das sei ein ganzer Zoo, mit allen Tieren und Zaune und so, ob ich das kennen würde. Mit allem, auch den „teuren Pferden“. Seine Kinder hätten sich auch von dem Gabelstapler getrennt. So habe er sie erzogen, nicht wegwerfen. Da könne man noch Geld mit verdienen. Ich kann nur einzelne Tiere gebrauchen. Er kommt mir mit dem Preis entgegen auf 3,50 € und dann könne ich ja in Ruhe zu hause gucken und das Geld sei Spende für seine Kinder und den Rest der Tiere könne ich eine Kindergarten spenden. Da könnten Kinder sehr gut mit spielen, aber ein Auto, „da fährt man einmal mit“. Ich sehe seinen Punkt, verzichte aber trotzdem auf einen Abschluss. Weiter lustig ist ein Rentner, der mir seinen Modeschmuck erklärt, indem er ihn beschreibt. Das schönste sei die grüne Kette, die würde 2,- € kosten, die sei aus Perlmutt, ich solle mal anfassen, ob ich das kennen würde und Stephan fragt ihn, ob er die getragen habe. Nein, Frauensache. Der Schmuck hat seiner Freundin gehört und man habe sich getrennt. Warum der Schmuck jetzt bei ihm geblieben ist und ob sie zuhause in der Tiefkühltruhe liegt, kam nicht richtig raus. Weitere Käufe, sehr günstiger Modeschmuck von einer jungen Hippsterfrau, die Escada-Bloussons aus den 80ern verkauft und ich sage, dass könne sie doch selber tragen. Dann noch ein Wollrock, kariert in den Burberry-Farben, mit Mottenlöchern, aber wenig und Flecken, die hoffentlich rausgehen. Ich erkenne eine Verkäuferin an ihrer Ware. Die war neulich auch am Wasserturm. Aber auch andere haben Interessantes im Angebot:

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Schöner Flohmarkt. Wir treffen Isabelle, der ich mein Mitleid ausspreche, weil bei ihr alle schlicht sein muss und sie nichts sammeln darf, ob sie noch diese Unterlegscheiben für die Törtchen brauche, die kleinen Teller, die keine Unterteller sind, weil keine Vertiefung.

Stephan geht zum Sport und ich mache mit fettigen Bratkartoffeln, aber mit Butter und scharfer Paprika aus Wien und Sucuk und Curryketchup (besser als Pommes mit schlechtem Fett auf dem Flohmarkt)

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und fange an zu nähen im Wintergarten. Dann ruft Steffi an und ich gehe um 15 Uhr rüber und vergesse die Hälfte meiner Nähsachen. Reicht aber auch so. Sie näht mein Jill Sander Kleid mit Angoraunterwäsche oben und einem gelben Wallestoff unten. Sie hält es für nicht geeignet. Mir taugt es. Hohlsaumnähen ist mir zu langweilig. Ich muss an Werbeknecht.at. Die Seite meiner Freundin Sunla denken, mit einem Zitat von Camus, dass wir uns Sisyphos als sehr glücklichen Menschen vorstellen müssen. Die meiste Arbeit, gerade Handwerk, ist Sisyphos. Am meisten nach mit: kochen. Stundenlang machen, dann wird es in Sekunden oder Minuten verzehrt und dann wieder von vorne, Gemüse waschen, schneiden, Teig kneten. Es macht aber Menschen glücklich. Gerade Müllabfuhr soll sehr glücklich machen und Gärtnern und was ist mehr Sisyphos als Gärtnern, wo der Rasen doch eh nachwächst. Ich muss an Andrea denken, die mir von dem Sticken erzählt. Total Zen ist sie versenkt in das Malen nach Zahlen und auch etwas ausgebremst, weil das aktuelle Stickbild von Ikarus ein Jahr dauern wird bis zur Fertigstellung. In der Zeit hätte sie früher 4 Frauen mit einer neuen Garderobe ausstatten können und jetzt macht sie stattdessen Kunst, weil die Technik ist nicht Schuld am Ergebnis. Es müssen nicht unsagbar hässliche, kitschige Bauermalerei-Motive gestickt werden. Das gibt die Technik nicht vor. Auch Steffi mag Hohlsaum, zumindest mehr als ich. Ich spiele lieber, aber da muss ich mal durch, aber dann im Wintergarten bei sehr heller Beleuchtung. Werde mal die Zeit stoppen. Das würde mich interessieren. Denke mal mindestens 2 Stunden. Irgendwie fällt mir dabei Bügelwäsche ein. Wir schauen Sherlock Holmes auf Englisch und ich mache ein Hütchen aus der schwarzen Bohnenpaste aus China. Hatte mir Yunfeng geschenkt und Steffi gefällt es. Es sieht aggressiv aus, so gefaltet und dreieckig wie Kinder Hüten bauen, bevor es ein Schiff wird. Stephan sagt, dass es aussieht wie Napoleon. Ich glaube, es muss nach Paris mit. Ich mache auch ein weiteres Hütchen aus Wollresten von Käte. Habe bald 10 Stück davon, aber die sehen alle anders aus. Ich finde sie toll und sie wärmen auch.

Abends gibt es noch mal Spargel und Kräuterquark mit Maggikraut und einer frischen Zwiebel sowie gebräunter Butter. Schmeckt besser als gestern. Da war ich im Voropernstress und das ging zu lasten des Genießens.

Die jungen Mädchen bei der Konfirmation neulich, die so gekünstelte Locken hatte wie Prinzessinnen aus alter Zeit, sahen irgendwie aus wie König Knuffi aus Wenzel Storchs „Die Reise ins Glück“.

Neben Chanel war in Hamburger Museum für Gewerbe noch schönes Pressglas ausgestellt. Eine ganze Vitrine mit alten Modellen u.a. aus England in tollen Farben z.B. Lindgrün oder auch Schwarz. Und warum ich darauf komme? Weil das Rotkäppchen auf der einen Postkarte mich darauf bringt. Hier war außerdem ein Amerikaner ausgestellt, der total kleine Figuren in Nadelöhre reingebaut hat. Die waren mit dem bloßen Auge kaum sichtbar und unter dem Mikroskop. Ob das deswegen schon gut war, stand für mich eher in Frage. Gut, nimmt dann nicht so viel Platz weg, aber war mehr erstaunlich als Kunst und das Erstaunen hielt auch nicht so lange vor, wenn man 2-3 gesehen hatte, es waren Bauwerke wie das Tatsch Mahal und bekannten Figuren, z.B. aus einem Märchen.

Steffi mag übrigens auch kein Mozart und fragt sich dann immer bei Klassik, warum nervt mich das? Ach so, ist Mozart.