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l ´air panache

02.04. Ich will mittags Mangold mit roten Linsen kochen. Hatte Stephan gestern gebeten die Linsen und eine Zitrone zu besorgen und mich dann gewundert welcher Idiot hier im Büro Trockenlinsen in den Kühlschrank tut und dann liegt da auch noch eine Zitrone, genau das, was ich bestellt habe, so ein Zufall….

Freue mich arg darüber, dass mein Osterpaket nach Essen so gut angekommen ist und das selbstgebastelte Buch schon vorgelesen wurde vom älteren Bruder.

Hänge die beiden Pudel unter meine Schäferhundcollage. Da war noch Platz.

PudelSchäferaltar

Bekomme die Vereinbarung vom Kollegen ausformuliert, die wir gestern getroffen haben. Wie einfach sich doch manche Dinge lösen lassen, wenn ich daran denke, dass mich dieser Fall schlaflose Nächte gekostet hat bzw. nach dem Sport an einem Freitag noch mal ins Büro und stundenlang schuldrechtlichen Versorgungsausgleich nachschlagen immer mit dem Gedanken hier böse Fehler gemacht zu haben und Überlegungen was nun zu tun sei und am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf.

Die schwierige, schlecht gelaunte Betreute, mit deren Facharzt ich Mama und Papa bin, schreibt mir eine Dankesmail.

Die Haftpflicht zahlt die Flügeltür, die mein übergewichtiger Grobian schon am 07.12. bei einer Weihnachtsfeier kaputt gefahren hat. Gut Eigenbeteiligung 150,- €. Die frühere Haftplicht hatte gekündigt wegen zu vieler Schadensfälle. So ist es nun mal. Strafverteidiger anschreiben, ob das Marihuana-Sohn-als-Einkäufer-Verfahren mit 2.000,- € Geldbuße schon rechtskräftig ist.

Herr Subutex liegt auf der Intensivstation. Sein ambulanter Wohnbetreuer ruft an. Das ist ein tätowierter Bär, der gerne Speedmetal  hört und den man bei Chez Heinz antreffen kann. Der Klient wollte wohl gestern einen Streit schlichten auf dem Schünemannplatz und wurde derbe zusammen geschlagen von einer Gruppe Rumänen mit Tritten ins Gesicht. Er hat schlimme Verletzungen, ist aber wohl ansprechbar. Er will die Nummer der Mutter von mir haben.

Herr Ihme hat sich gestern das Geld für April auszahlen lassen, die Sanktion ist noch im System. Fax mit Androhung eines Eilverfahrens.

Mittags lecker Internetrezept. Mangold mit Ingwer, Knoblauch, Zwiebeln, Kurkuma, Curry, Kokosmilch, Zitronensaft. Reis dazu. Ich mag’s. Zum Nachtisch gibt es die leckeren Ostereier von Kreipe. Selbstgemacht. Karamell-Honig, das war das Vollmilch-Ei, schmeckt am besten.

Kreipetrüffel verpackt Kreipetrüffeln nackt

Nachmittags kommt geistig behinderte Betreute, die Montag Geburtstag hatte. Stephan fragt, mag die Dich nicht mehr? Berechtigterweise, war ich doch mindestens 5 Jahre lang immer zusammen mit den Frauen vom ambulant betreuten Wohnen in die Eisdiele am Lister Platz eingeladen gewesen und musste dann meinerseits eine Devotionalie von 96 kaufen, was mir immer sehr unangenehm war, wie anderen Sexshop, nur für den Nachbarn usw.. Dieses Jahr keine Einladung. Sie wollte sich Montag schon 100,- € holen, hatte was im Fanshop zurücklegen lassen und wusste, dass ich wieder sauer sein würde, wenn ich den Preis höre. Ganz Unrecht hat sie nicht.

Die Betreuungsstelle ruft auf dem Handy an. Sie suchen dringend eine Betreuerin für einen neuen Fall. Frau ist Messy und bewohnt 2 Wohnungen in Döhren, hat ewig nichts zu essen und hockt wippend auf einer Matratze. Hat 2 kleine Kinder, die sind beim Mann. Das realisiert sie nicht. Die Familie macht sich Sorgen. Der sozialpsychiatrische Dienst ist eingeschaltet und hat die Betreuung angeregt. Die Frau, die Notdienst hat ist sonst in der Deisterstraße und ich kenne sie. Jetzt hat die Frau Morgen Geburtstag und wird 45 Jahre alt und alle machen sich Sorgen, dass sie sich was antun wird. Das klingt doch nach einem Fall für mich. Laut der Ärztin hat sie ihre Kinder, 9 und 11 Jahre monatelang krank geschrieben und ist mit denen durch Norddeutschland gefahren, Regressionstherapie nannte sie das Ganze. Sie wurde dann polizeilich gesucht und von einem Kollegen oder früheren Kollegen im Rewe entdeckt und zur Wache genommen. Es wird immer interessanter. Krankheitseinsicht ist wohl keine vorhanden und von Betreuung will sie wahrscheinlich auch nichts wissen.

Beim Sport, Gracekurs läuft u.a. folgendes Lied aus meiner Kindheit. „There’s an old ex-con who’s been away, now he’s back, no one says stool pigeon“ habe ich verstanden und mitgesungen. Es heißt aber „no one’s safe, stool pigeon“. Diese Zeile bzw. beim dem ganzen Lied wird aber sonst wenig bis gar nicht mitgesungen im Kurs.

Herr Ihme kommt ohne Termin und mit Muscleshirt. Ich will ihn gleich rausschmeißen, weil ich spät dran bin und los muss. Er hat sich für 100,- € ein Handy gekauft und will mir die neue Nummer geben und seine Schulden begleichen. Dann noch eine Telefonat mit dem Scheißjobcenter in seiner Sache als er schon weg ist und ich rede mich in Rage, weil die alle ihre Arbeit nicht machen und dann bin ich spät dran. Gefährlich Mischung. Auf der Limmerstraße muss ich schon abrupt bremsen für ein Kleinkind auf einem Laufrad. Im Park fährt ein schnarchiger Rentner mit Helm vor mir, den will ich an den Gleisen bei der Uni überholen und übersehe eine Straßenbahn. Lautes Klingeln. „Jetzt gibt’s ne Standpauke“, wie ich den Rentner von hinten sagen höre und ja, der Fahrer steigt aus, kommt um die Bahn herumgelaufen und sagt zu mir: „Für alle Blinden, gibt es hier zwei rote Ampeln und Sie gefährden nicht nur sich, sondern auch andere“. Ich entschuldige mich nur kleinlaut und denke mir, warum gefährde ich andere, weil ich dann tot bin und bei denen die Einkaufstasche umgefallen ist? Der Mann hatte wohl schon mal einen Unfall mit Radfahrer so dünnhäutig wie der ist. Der Termin bei der netten Psychiaterin, die letztes Mal notoperiert wurde. Die Eltern meines Betreuten sitzen schon drin. Ich suche die Wartezimmer ab und werde auch hier von der Rezeption zurück gepfiffen. Es geht u.a. wieder um Fälle, bei denen ein Mal kiffen ausgereicht hat für eine schizophrene Psychose und das Kind war nie wieder wie zuvor. Das ist tragisch, kann aber wohl auch durch Antibiotika ausgelöst werden und dieses Kind geht stramm auf die 30 zu. Ich erkundige mich nach den Bauarbeiten an der Hautklinik und bin neugierig. Dieses Wohnprojekt halte ich für interessant vom Standort her, schön am Fluss, aber ich bin ja versorgt.

Die Architektengattin hat einen schwarzen Wollrollkragen an und ich stelle beim Verlassen des Gebäudes fest, dass der Sommer ausgebrochen ist. Punker barfuß ziehen vorbei. Morgens dachte ich noch unsere Nachbarin spinnt, wie die wieder beim ersten Sonnenstrahl halbnackt herumläuft mit Anfang sechzig, die alte FKK-Freundin, aber es sind wirklich hochsommerliche Temperaturen. Im Büro wartet schon mein Termin (20 Minuten zu früh) und es macht mir Stress, dass die neue Mitarbeiterin meines Kollegen immer meint irgendwelche Dinge für mich machen zu sollen/müssen. Ich bin genervt davon, auch wenn ich weiß, dass sie es wohl gut meint, aber das ändert nichts an meiner Einstellung. Ich denke immer nur, misch Dich nicht ein, it’s none of your business. Sie ist nicht zuständig für mich und ich lasse mir nicht von jedem helfen bzw. empfinde das als Einmischung in meine  Angelegenheiten. Email mit dem Text: Ihr Mann hat angerufen und versucht es gleich noch mal. Ich könnte im Strahl kotzen. Ich glaube, ich habe hier ein starkes Autonomiebedürfnis und bin ein schlechter Teamplayer, würde der Psychologe oder Mediator feststellen. Ich bin wohl eine totale Arschkrampe. Ich kann aber auch charmant und wurscht bei den Betreuten kommt es gut an. Ich schaue wieder lustig aus meint B., die ich duze. Jedenfalls bin ich am 28.03. doch in die Eisdiele eingeladen und darf mir schon mal überlegen, was ich ihr schenke und wir lästern gemeinsam über die Richterin ab. Auch schön.

Die neue Trainerin Katja  nimmt uns hart ran. Sie nimmt mehrfach Blickkontakt zu mir auf und will es heute wissen, weil ich ausnahmsweise bei ihr bin und nicht beim Yoga. Das ist zumindest mein Eindruck als hätte ich eine Privatstunde. Als der Hintern ganz arg brennt will ich mehrfach: „Du blöde Bitch“ rufen, aber lieb gemeint, weil ich nichts gegen ein gutes Training einzuwenden habe, im Gegenteil. Ich mag es, wenn hier einer zeigt, wo der Hammer hängt. Für Muskelkater hat es trotzdem nicht gereicht.

Am Küchengarten eine Art Flashmob der geschmacklos angezogenen Teenager. Ist Abi, wie Steffi uns später aufklärt. Ich denke, Abi Anfang April schon, aber die haben wohl die schriftlichen Prüfungen hinter sich gebracht. Als wir aus dem Kino wieder kommen, sind sie immer noch da und zwei Gruppen, mit unterschiedlicher Musikbeschallung.

Grand Budapest noch mal. Herrlich sind die Stimmen im Original, gerade die Hauptfigur Gustave H., aber auch Dimitri finde ich viel besser und natürlich Ludwig, gespielt von Harvey Keitel. Großartig. Einmal reicht mir nicht bei diesem Film. Lieblingsszene genieße ich bewusst und Vieles sehe und verstehe ich das erste Mal. Die Jahreszahlen, die eingeblendet werden habe ich beim ersten Mal nicht wahrgenommen, vermutlich weil ich irgendeinen Vorhangstoff oder etwas anderes gerade angeschaut habe. Ich finde die Liebesgeschichte auch viel romantischer und rührender als beim ersten Mal und die Poesie gefällt mir auch viel besser, englische Prosa ist einfach unübertrefflich. Ich könnte leben in diesem Film!

Salafistenbrause

Manche Filme werden im nach hinein schlechter, manche besser. „Only Lovers left alive“ wird bei mir eher besser als schlechter. Ich muss mehrfach daran denken. Beim total zeitgleichem Essen im 11 A, Hälfte essen, dann Essen austauschen, Serviette Photofinish mäßig gleichzeitig fallen lassen. Wir müssen beide lachen, wie synchron das geht und ob da eine Wand dazwischen wäre, wäre total egal. Wir essen sehr schnell und auf die Millisekunde getaktet. Dann ist mir noch aufgefallen, dass Stephan und ich mehrfach den gleichen Fehler machen, irgendwas verwechseln, aber genau identisch. Also, bei zwei Teilen, die einmal so stark ineinander verkeilt waren, hat es einen Einfluss auf den einen, wenn man den anderen verändert, bewegt, auch wenn diese Teile an anderen Enden des Universums sind, war es nicht so?

Stephan meint außerdem, dass „The Life of Brian“ unbedingt auf die Liste muss und ich stimme ihm zu und „The Royal Tennenbaums“ auch. Es gibt nur wenige Dinge, die wir verschieden sehen oder machen und das dann umso bewusster und konsequenter. Wenn wir zu unseren Freundinnen fahren, die Sonntag für uns gekocht haben, fahre ich am Pariser Platz die Dieckbornstraße herunter und biege rechts ab in die Wittekindstraße, um hier Richtung Lichtenbergplatz zu fahren. Stephan fährt in die Teichstraße und kommt unten am Lichtenbergplatz an, um dann links in die Wittekindstraße abzubiegen. Nur eine Kleinigkeit, die aber mit Vehemenz vollzogen wird.

Am 15.07. sind es 10.000 Tage, nur in Minuten schaffe ich die Hoeness-Sphären. Da werden es über 14 Millionen Minuten sein. Ich finde es zwar ärgerlich, dass ich mir die Zahl schönreden muss. Herr Hoeness muss auch nicht auf Cent umrechnen um eine respektable Zahl zu erlangen. Wir wollen jedenfalls zu Tim Raue nach Berlin.

Mehrfach geht mir dieses schlimme Oliver Polak-Erlebnis nach. Die Spießer, die offenbar lange vor Beginn kommen um sich einen Sitzplatz zu sichern. Die flache „Witze“: „Homosexuell und pädophil ist nicht dasselbe. Von dem einen kriegt man Aids und von dem anderen Windpocken“. Tätä tätä, tätä! Der Typ braucht Bühnenverbot und ich will mein Geld zurück. Nach dem Sport am Montag spricht mich eine Mitturnerin noch darauf an, ob ich da gewesen sei. Sie hätte bemerkt, wie wir fluchtartig den Raum verlassen hätten vor der Zugabe. Sie findet den Typen ganz o.k., auch wenn es sie genervt hätte, dass er alle paar Minuten auf seinen Zettel schauen musste.

29.03. Stephan holt die Pappe zum Aufkleben des textilen Puzzles.

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Als ein Tropfen Heißkleber auf den Stoff fällt, reagiere ich sofort und ohne Rücksicht auf Verluste. Ich wusste, es würde weh tun.

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Ich mache Vorbereitungen für eine Pullover-Verschönerung mit einer Käte-Collage, die den ganzen Rücken zieren soll wie eine große Stofftätowierung. Das hat mich jetzt inspiriert und der dunkelblaue Wollrollkragen ist einfach zu langweilig.

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Abends der Fünfzigste. Claudia muss mal wieder schlafen, weil sie seit Dienstag jede Nacht ganz hart ausgegangen ist und bleibt in Hamburg. Das Geburtstagskind und seine Frau bekommen eine der schönen Fischservierschalen zur Ergänzung der Sammlung bzw. Vervollständigung der Wohnung sowie eine von mir als passend definierte Karte dazu, die ich 1999 in Kalifornien gekauft habe.

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Die Wohnung ist chic und stylisch, ausgebaute Fabrikhalle, gute Beleuchtung und Möbelmix, sehr partytauglich das Ganze. Bester Tanzboden von Welt der glatt geschliffene Beton. Die Nachbarn haben sich z.T. eine Betonbox vor die Tür bauen lassen, die ausschaut wie ein Knastinnenhof. Die Gastgeber haben bei einen großen Ausschnitt machen lassen. So hat man eine prima Sicht auf den Parkplatz und die Gewerbefirmen, u.a. Amadeus Fire, eine Zeitarbeitsfirma. Den Namen hatte Stephan entdeckt und konnte es erst gar nicht glauben. Künstlernamen wegen hire and fire oder vielleicht Ableger von dem herrlichen Amadeus Hotel in der Fössestraße. Die Privatdisko ist generationsübergreifend. Ich hatte ja schon gesagt, ich bin wie sehr notgeile Männer bezogen auf das Tanzen, so dass meine Reizschwelle sehr herabgesetzt ist und ein etwas zu laut gestelltes Radio genügt um den Tanzimpuls auszulösen. Claudia hatte ich erzählt, dass ich mangels Hasenschaukel zum Tanzimproworkshop angemeldet bin. Ausdruckstanz kann ich gut, seit dem Skikurs in der 7ten Klasse und der Kate Busch Scheibe, die damals erschienen ist. Da haben meine Mitschüler schon gestaunt, wie ich da abgehen konnte. Deswegen mache ich überhaupt Yoga, weil ich beim Kabuki landen will, das hat aber noch 10 Jahre Zeit, da werde ich nackt und nur mit einer Windel bekleidet krassen Ausdruckstanz machen, auf der Bühne sterben, wie der Vermieter in „The Big Lebowski“ mit Tütü bekleidet sich am Boden wälzt. Die Mutter der Gastgeberin ist eine schrille Person, die aus Wien kommt und vor 20 Jahren nach Hannover gezogen ist mit ihrem Mann. Die Entscheidung hätten sie nie bereut. Sie ist zugleich seit 20 Jahren schon im Ruhestand, topfit, hat Urenkel und trägt sehr auffällige und bunte Mode, eine geblümte Hose. Ich mag diese Frau mit der rasierten und eingefärbten Frisur (sie geht jetzt zu Unisex in der Pasarelle), die mal Buchhalterin gelernt hat, weil Frauen hat man damals nicht gefragt, was sie werden wollen. Um 1 Uhr ist dann auch gut und wir gehen nach Hause, ist ja schon 2.

Wir treffen Nachbarn und ich kondoliere. Es stellt sich heraus, es war der richtiger Nachname und zwar ein seltener, nicht Meyer, aber der falsche Vorname und damit die falsche Todesanzeige, die ich heute gesehen hatte. Trotzdem gab es den Todesfall und die richtige Anzeige war Mittwoch statt Samstag.

30.03. Bis 11 Uhr geschlafen. Will die Collage übergeben und verschenke zwei der Hosen von Andrea, die jetzt in sehr gute Hände kommen und Vera freut sich. Die anderen nehme ich mit zum Flohmarkt. Ich habe zufällig genau passend das Hütchen auf was ich aus einer kaputten Besteckschublade gemacht habe, die ich genau auf diesem Flohmarkt, der unser Ziel ist, geschenkt bekommen habe. Das war etwas gruselig, weil hier ein Typ schöne alte Sachen u.a. Fotos lieblos in Kartons geramscht hatte und offenbar Sachen verkauft hat, die ihm nicht gehörten und es wirkte als hätte er ein Haus ausgeräumt, aber als Dieb und nicht als offizielles Entrümpelungsunternehmen.

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In der Calenberger Neustadt gibt es leckeren Kaffee. Die Gastgeber haben ein neues „Aquarium“ wie sie es nennen in der Küche. Es ist ein Pilz, der aus weißen, Granulat-ähnlichen Körnern besteht und in einer Karaffe mit Wasser aufgefüllt auf der Fensterbank steht. Darin schwimmen Ingwerstücke und Rosinen. Das Ding macht Kohlensäure und vermehrt sich. Dann muss man es abgießen und spülen. Mir schmeckt es und wenn ich schon keine Haustiere darf… Ich bekomme tolle Zeitschriften von Markus geschenkt. Eine „Für Sie“ aus dem Jahr 1968 und eine englische Wohn- und Einrichtungszeitschrift von 1973. Ich bin hin und weg. Ich sage, es sei wie bei den Vampiren, wenn man alt genug wird, dann hat jeder Antiquitäten, wenn man nicht alles wegschmeißt. Ich schaue mir die Bronzeplastiken von Käte an. Michi will noch in den Garten, aber mit dem weißen Plastikkanister (20 Liter) zum Flohmarkt. Dann schlägt er vor, es mit dem Pilzgetränk zu füllen, was ihm und Stephan ohnehin nicht schmeckt und auf dem Parkplatzflohmarkt zu verhökern. Ich sage: au ja, das wird der Verkaufsschlager, Hauptsache ein guter Name fürs Marketing, „Fickelixir“ war meine Eingebung. Stephan ist wieder besser und schlägt „Salafistenbrause“ vor. An der Schulenburger Landstraße an der Kreuzung stelle ich fest, dass ich die Ampel nicht sehe und warten werde bis das Auto mich anhupt. Welches Auto fragt Stephan, weil es wohl ein Roller ist, der hinter uns steht. Dann kommt das Hupgeräusch, aber es ist unser Freund G., den wir im Anschluss an den Flohmarkt in seinem Garten besuchen wollten, der uns überholt und anhält. Er war schon auf dem Flohmarkt und will noch mal Werkzeug kaufen, einen Schraubenschlüssel Nr. 12 oder so, weil die Wasserleitung im Garten defekt ist und gelötet werden muss. Ein Mann mit schöner glatter Plauze ohne Dellen und Cellulite und nacktem Oberkörper kommt uns entgegen. Er hat sein T-Shirt hochgezogen. Das kann ja nur toll werden und so wird es auch. Mein erster Aschenbecher und andere tolle Dinge, die ich zurück lassen musste.

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Erstaunt bücke ich mich und betrachte die Bodenauslage einer Frau. Sie hat kleine bunte Plastikringe, die blütenartig ausschaue an einem Band  mit Klettverschluss. Ich denke zunächst an irgend ein Hilfsmittel für die Haare. Beim Anfassen der Ringe, die einzelne sehr scharfe Plastikdornen aufweisen merke ich, wie scharfkantig die sind und frage die Verkäuferin nach der Einsatzmöglichkeit. Sie sagt: „bei Jucken“ und ich darauf: „o.k., aber nur wenn man’s blutig mag“. Das wiederum versteht sie nicht und schaut böse, weil ich wohl schlecht oder unverständlich über ihre Ware spreche.

Michi kauft eine Retropuzzle mit 1000 Teilen mit einem Foto der Stadt Nürnberg. Ich kaufe einen Serviettenschoner und einen Industrie- und Handelskammer Hannover  Miniteller mit Gold für je 50 Cent. Hier werde ich beraten von einem älteren Mann, dem auffällt, dass ich farblich aufeinander abgestimmt angezogen bin und das Taschentuchetui passe so gut zu meinen Farben, er habe Angst gehabt, dass ich es nicht kaufe. Michi erkundigt sich nach den Preisen einer Flex, die sehr schwer ist (75) und einem Laubbläser (250). Hier gibt es wirklich alles. Auch dazwischen einen Stand mit Lebensmitteln, Butterkekse und Fischkonserven. Ich überlege, ob ich den Teppich als Untersetzer für ein altes Telefon brauche, weil der so schön eingepackt ist mit „Serviervorschlag“, entscheide mich aber dagegen. Eigentlich will ich weg von den Scheißtelefonen, die immer gerade einen leeren Akku haben und zurück zur Wählscheibe, dann bekomme ich auch weniger Wutanfälle.

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Ich kaufe eine Seidentuch mit hässlichem Muster, aber schönen Farben und unwiderstehlichem Stoff für 1,- €. 3 Reißverschlussköpfe in schönen Farben á 25 Cent, Michi hat mich beraten, die ich in Fimo einbacken will und dann 2 Pudelstickbilder für 1,- . Ich brauche die weiß Gott nicht, habe aber nicht widerstehen können. Es gibt schöne alte Lederschuhe für 1,- € das Paar. Auf diesem Flohmarkt habe ich einmal einen hellgelben Mohairmantel aus den 60ern mit Perlmuttknöpfen für 2,- € gekauft.  Es ist der Schnäppchenflohmarkt schlechthin. Dann kaufe ich einen Aschenbecher mit Pisa-Motiv und eine Roller Tesafilm an einem Stand, an den es Neuware gibt (das Klebeband für 1,- €) und alles Gebrauchte 20 Cent kostet. Ich lege das Gekaufte auf die Pudelbilder und der freundliche dicke türkische Mann sagt 1,60 €. Ich frage warum und er glaubt, ich hätte die Pudelbilder von seinem Stand, er hatte so ähnliche. Ich sage, nein, ich habe dafür 50 Cent das Stück gezahlt und fand das schon billig. Ich zahle mit meinen letzten 2,- €. Dann zum krönenden Abschluss bei dem anderen Stand mit lauter Souvenirs kaufe ich einen kleinen Krug mit Strasbourg-Motiv, der 1,- € kosten soll, ich habe aber nur noch 80 Cent und das wird auch akzeptiert. Erfolgreich habe ich das ganze Kleingeld angelegt.

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Noch mal die Reste des Flohmarktes ablichten, einen Briefmarkensammlung, die sich selbständig gemacht hat.

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Ab in den Garten, ich mag es hier, die wohlige Mischung aus Punk, Kunst und gärtnerischer Ordnung. Ich koste von den gärtnerischen Früchten und wir sitzen herum und blättern die alten Zeitschriften durch und G. zeigt uns seine neuen Pflanzen u.a. einen Mini-Pfirsich, der letztes Jahr schon 9 Früchte hatte und unter Kniehöhe hat. Das Nachbargrundstück an der Ecke mit der Magnolie darauf gefällt mir so gut. Es war lange leerstehend und das Haus wurde abgerissen. Das Grundstück ist lang gestreckt und mondän und ich träume von einem Haus im Bauhausstil mit den Maßen die einzuhalten sind. G. rät ab, weil man zu viel Weg hat, den man immer sauber halten muss. Ich wäre gerne Nachbar, aber nur in meinen Träumen oder in einem Parallelleben, wenn ich zwei hätte. Die Flüchtlinge, die in Containern wohnen, haben es sich draußen gemütlich gemacht. Wir fahren vorbei und dann über die Wasserkunst zu Rossi. Ich bin so was von entspannt. Ich trinke einen Ingwer-Limetten-Tee und probiere endlich den veganen Bananen-Dattel-Kasten, der köstlich ist. Herrlich kann man hier in der Abendsonne sitzen. Kurz nach Hause und mit das Telefonat von heute Morgen mit Hamburg fortsetzen, dann geht es zu Freundinnen, die für uns gekocht haben. Sie haben mir sogar ein Sortiment an Brause besorgt vom Getränkemarkt am Lichtenbergplatz. Ich wähle Birne mit Bügelverschluss. 3 Mandeln am Tag reichen aus um den Magnesiumbedarf zu decken. Wir planen einen Potsdam-Ausflug kurz vor Ostern mit Baustellenbesichtigung vor Ort und Übernachtung in einer Wohnung mit Garten. Zufrieden gehe ich nach Hause. Was haben wir für großartige Freunde und was war das heute für ein perfekter Tag, stelle ich dankbar fest.

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31.03. Ich komme morgens 20 Minuten zu spät und meine Betreute und die Wohnbetreuung warten schon. Ich stelle fest, dass man sich heute fragen könne, wer die Betreute ist, weil 20 Minuten Verspätung wäre sonst eher so ihre Sache, also die der Betreuten. Wir lachen alle und ich entschuldige mich natürlich und wir gehen die Finanzen gemeinsam durch.

Nein, ich muss meiner Schwägerin noch nicht heute zum Geburtstag schreiben, wenn der Brief am 10.04. im Wellnesshotel in Süddeutschland ankommen soll, was auch noch „Halde“ heißt, dann ist das zu früh. Wie lange sollen die dort die Post lagern? Auf Halde?

Der ruppige Mann mit dem Augenfehler kommt und holt Geld. Er hat bald einen Untersuchungstermin in Trier in einer Augenklinik. Er fährt umsonst mit der Bahn, dafür will die AOK die Übernachtungskosten übernehmen. Das hat er gut verhandelt, jetzt will ihn der Mut verlassen und ich muss ihn noch mal einnorden.

Herr PM sagt ab und ist am Umziehen. Nachmittags telefoniere ich mit dem Jobcenter U-25 in Sachen Herrn Ihme. Der hatte schon eine Kürzung, weil er im November nicht gekommen war, 10 %. Das hat sie erst mal rausgenommen und schlägt vor, dass sie den Fall an den Fallmanager abgibt, der viel mehr Zeit habe. Derweil wartet Herr Ihme auf mich. Er ist in grauer Jogginghose und T-Shirt da und hat kein Geld bekommen. Er war 10 Minuten zu spät und hat keine Wartemarke mehr bekommen, obwohl er gebettelt hat. Als ich meiner Mutter von dem Fall erzähle und, dass er halt immer Hunger hat und von 15,- € schon 5,90 für Tabak ausgibt und Slimfilter und Blättchen und der Tabak ist am nächsten Morgen schon alle, fragt sie mich, ob ich nicht immer Brote für ihn da hätte. Das ist schon mütterlich genug von meiner Seite, so weit geht es nicht, da verweigere ich mich.

An der Ampel spricht mich ein Typ an, den ich vom Sehen her kenne und wir finden uns wechselseitig sympathisch. Er lobt meinen Kleidungsstil und er sieht einfach gut aus. Er fragt, wie es mir geht und ich sage gut und schwärme vom Frühling und sage, gestern sei der schönste Tag meines Lebens gewesen. Bei ihm war es auch so.

01.04. Ich frage eine Entscheidung ab in meinem schrecklichen Verfahren, das seit 2008 läuft. Morgens kündige ich noch an, es nicht zu tun. Das könne keiner von mir verlangen, aber die eigene Neugier siegt. Ich teile dem Mandanten per mail mit, dass ich die nächste Instanz in dieser Sache nicht mehr machen will. Ich sei mit meinem Latein am Ende. Ich telefoniere mit dem Strafrichter und erzähle ihm von dem skurrilen Ausgang des Verfahrens. Er hat sich hinsichtlich der Anklage im Strafverfahren noch nicht entschieden. Stillstand der Justiz und krude Ergebnisse. Das Gute ist, wenn man die Mitter Vierzig überschritten hat, weiß man, Du hast Dein bestes getan und kannst nicht alles kontrollieren, entscheiden, bestimmen, verantworten, die Mandanten lieben Dich trotzdem, das Leben geht weiter, es gibt Schlimmeres, keiner hat Krebs oder muss sterben.

Ich schreibe mir mit einem Arzt der Region, den ich sehr schätze und mag. Er hat mit mir mehrere gemeinsame Sachen. In der einen Betreuungssache, mit der schwierigen, schlecht gelaunten Frau hatte er mir bezogen auf einen stellvertretenden Teamleiter beim Jobcenter der sagen wir mal Enner mit Nachnamen heißt, ob da nicht ein „P“ vergessen worden wäre bzw. er es uns verheimliche (mit einem Smiley). Leider hatte ich die Nachricht mit diesem Textteil, den ich überlesen hatte an Herrn Enner weitergeleitet, der mich anrief und dann meinte, sein Name stimme auch und es sei kein „P“ vergessen worden. Das war mir sehr peinlich. Heute geht es um die Schwierige und ich hatte einen gemeinsamen Termin der „Erziehungsberechtigten“ vorgeschlagen und der Arzt antwortet, dass es gut sei, wenn sie weiß, dass Mama und Papa sich unterhalten und man sie nicht gegeneinander ausspielen kann.

Wenn Paare auseinander gehen ist das traurig. Hier trifft es Freunde. Wenn ein Partner was im Alleingang macht, was Wichtiges wie ein Haus- oder Wohnungskauf, kann das zum Riss führen, der dann nicht mehr gekittet werden kann. Es ist wohl so.

Heute Nachmittag ist Treffen in der Kanzlei in der ich meine Ausbildung zum Teil gemacht habe. Auch ein uralt Verfahren aus 2007 bzw. 2008, welches Ende 2013 abgeschlossen wurde. Wir wollen uns über aufgelaufene Zahlungsverpflichtungen verständigen. Von ca. 25.000,- wurde die Hälfte zum Glück schon bezahlt seit Mitte 2011 in Raten. Hier sind sich die geschiedenen Eheleute freundschaftlich verbunden,  der Mann lebt allerdings in Südamerika und ist gerade da um den Enkel zu sehen, so dass die Gelegenheit genutzt werden sollte für ein Treffen. Begeistert bin ich nicht, sehe aber ein, dass die Sache zu Ende gebracht werden muss und hoffe, dass alle guten Willens sind. Wenn wir stundenlang reden müssen, bin ich darauf eingestellt, weil wir im Anschluss einen Theatertermin haben im Theater an der List, englischsprachig. Wenn es kürzer geht, vertreibe ich mir die Zeit mit bummeln.

Meine Betreute, die früher als Prostituierte gearbeitet hat und mir allerlei lustige Strafverfahren, in denen sie z.B. einen Freier angeblich in dessen Wohnung eingesperrt hat, die aber im Erdgeschoss gelegen war und der debile Rentner konnte nicht plausibel erklären, warum es ihm nicht möglich war sich aus der angeblich misslichen Lage zu befreien. Eine Nagelschere soll gefehlt haben. Hinten saßen gerne Schulklassen drin und haben sich amüsiert. Sie hatten immer allerlei Verfolgungsideen mit Hell’s Angels und Politik. Jetzt ist sie 20 kg schwerer, hat unten keine Zähne und einen Pflegedienst, der ihr die Substitution und die Neuroleptika vorbeibringt. Es ist ruhig um sie geworden. Die Bewährung läuft am 09.05.2014 aus. Sie hat einen Dackelmischling, der 12 kg wiegt und den sie schwer keuchend die Treppe nach oben in den zweiten Stock zu mir trägt, (ja, sie will auch mit dem Rauchen aufhören), um ihn den Weg nach unten die Treppen herunter springen zu lassen. Ich sage, dass sei mit Dackeln genau umgekehrt, dass das Treppe springen nach unten schlecht sei für den Rücken. Egal. Sie holt endlich die 3,08 €, die hier seit Monate auf sie warten. Die Differenz von 45,- und der tatsächlichen Belastungsgrenze 2014. Ich hatte die Überweisung für sie getätigt.

Ich fahre zu meiner ehemaligen Ausbildungskanzlei um ein Verfahren aus 2008 abzuschließen. Es ist eine sehr angenehme Erfahrung, weil alle Beteiligten sympathisch sind und sich freundlich gestimmt. Ich mag beide Eheleute, auch den Mann, der einiges von Südamerika aus nicht hin bekommen hat und dessen hiesige Wohnung jetzt zwangsversteigert werden soll. Ja, ja, seit seine Frau nicht mehr die Finanzen mache. Sie sind sich einig und finden auch immer selber eine praktikable Lösung. Ich sitze nur dabei um gut auszuschauen und Witze zu machen. Zur Einstimmung geht es kurz um den Richter aus Celle, der Prüfungsaufgaben verkauft hat und mit 30.000 €, einer Waffe und einer 26-jährigen Rumänin in Mailand verhaftet wurde. Irgendwie musste er sich ablenken, sage ich dazu und dass es bestimmt eine Nutte war, die von Berlusconi übrig geblieben ist und der Kollege gibt an, dass es abends wissen werde um wen es sich handelt. Das interessiert mich aber gar nicht. Die süße Familie, meine freakigen Eltern, er Südamerika und sie Modetante mit bodenlangem schwarzen Ledermantel, aber es sieht nicht nach Schülermassaker an ihr aus. Wenn alles mal wieder anders kommt, die angebliche Rentenhöhe, die wir angenommen hatten im Vergleich 2011 und das was tatsächlich ausgezahlt wird nach Durchführung des Versorgungsausgleichs nicht zusammenpasst, dann sagt meine Mandantin: „wie damals zum Scheißeschreien in den Wald fahren“. Das hätte ihr Mann damals gemacht, als sie die gemeinsame Wohnung Ende Dezember gekauft hätten und ab Januar die Grunderwerbssteuer weggefallen ist, was sie beide 4.500 DM gekostet hätte, er wäre in den Wald gefahren und hätte laut 10 x Scheiße gerufen. Was soll’s, Lösung muss her und die beiden haben echt viel Geld verbrannt in ihrem Leben. Meine Mandantin erklärt ihrem Ex, dass er die Rentenanwartschaften, die er übertragen hat zurück fordern kann, wenn sie innerhalb der nächsten 3 Jahre verstirbt. Er missversteht es und sagt was von Kalaschnikow und ich zu meiner Mandantin, diese Männer und zu ihm: ihre Frau meinte, wenn sie im gefährlichen Straßenverkehr von Hannover ums Leben kommen sollte. Diese Regelung kennen wir nicht, aber der Kollege schaut nach und bestätigt sie. Er sagt nur, dass habe ich in 3 Jahren wieder vergessen, sie will es der gemeinsamen Tochter sagen und sagt zu ihm, dass ist dann ein Geschenk von mir, ein Andenken. Der Kollege will in 4-5 Jahren, wenn unser heutiger Vergleich ausläuft schon in Rente sein. Er könne dann seinen Mandanten in Südamerika besuchen, bin ich der Meinung und der hat bestimmt Reiseprospekte dabei. Die Besprechung mit seinem Anwalt und Freund will er ein andermal fortsetzen und erst mal mit seiner Ex einen Kaffee trinken. Herrlich und würdevoll wie die beiden einvernehmlich die Straße entlang laufen. Ich mag sie einfach.

Ich gehe zu Dittmars. Die Frau wird echt langsam Messy und man kommt gar nicht mehr ran an die Sachen, sie hat schlechte Laune. Ich kaufe einen braunen Plastikpilz als Vogelhäuschen für den Garten von Herrn G. Dann vertreibe ich mir die Zeit im Edeka auf der Lister Meile. Ich hab echt was übrig für diesen Supermarkt im Gegensatz zu Onkel Rewe, den ich nicht ausstehen kann. Sie haben ein gutes Sortiment und echt lustige Mitarbeiter. Neben der Käsetheke, für die dieser Laden bekannt ist, fällt mir der abschließbare Schrank mit Gin-Sorten auf. Leider trinke ich noch einen Kaffee bei Kreipe, er ist viel zu spät, wie sich nachts herausstellt und kaufe selbstgemachte Ostereier in schöner bunter Metallicfolie. Ich war hier nicht mehr seit der Renovierung vor ca. einem Jahr. Ich mag den Laden. Zu früh bin ich beim Theater und beobachte die Szene der älteren Russen, die sich langsam einfinden, z.T. absetzen lasen vor dem Theater. Meistens ältere Frauen und gerne ein gepflegt aussehender Herr pro Tisch. Ich höre die Sprache gerne. Der Petar aus England ist begabt, die Maske und das Kostüm sowie der Einsatz von Licht sind toll umgesetzt, auch ansonsten ist es durchaus sehenswert, natürlich hat der Mann eine toller Körperbeherrschung und sehr bewegliche und schöne Füße und kostet nur 80 Cent mehr als unfähige Oliver Polak, der hässlich ist und gar nichts kann. Ob ich allerdings für Kabuki geeignet bin? Mir kommen erste Zweifel an diesem Abend. Wir gehen ins Boca und ich flirte etwas mit den Jungköchen. Die Blutwurst ist der Hammer. Eine Yogalehrerin der Werkstatt kommt mit ihrem neuen Hund vorbei und freut sich mich zu sehen. Der süße Pekinesenmix hört überhaupt nicht. Gäbi die, Gäbi da. Gäbi geht das am Arsch vorbei. Da muss man mal hin und einen Touch geben, d.h. die Seite der Hundes mit steifen Fingern etwas ruckartig anfassen, damit der Hund merkt, dass man ein Verhalten nicht toleriert, weil das Gequatsche sagt dem Hund nichts. Ist so. Morgen Abend treffen wir uns alle für den Film Grand Budapest Hotel OmU. Ja, ich will ihn noch mal sehen. Um 22:30 Uhr hat die Kinokasse schon zu als wir die Karten abholen wollen. Das erklärt uns der Betreiber oder einen Mann, den ich vom Sehen her kenne und dafür halte, der auf einem Sessel liegt und liest, als ich an der Tür herum rüttelte und nicht gehen will. Ich muss Morgen noch mal mit passendem Grand Budapest Outfit aufwarten.

Döner und Kinderschokolade – die Woche der Kultur

23.03. Telefonat mit Claudia, deren Bruder gestern bei Wenzel Storch viel zu sehen war. Die Tochter macht Minikreuzfahrten mit ihrem Freund. Irgendwas in Holland. Vielleicht dasselbe Schiff auf dem Steffi gerade Uniformstreifen näht.

Klebe die Puzzlestücke fertig, ungeduldig, da es draußen so schön sonnig ist. Ich ärgere mich immer, wenn ich ein Projekt nicht zu Ende machen kann. Es fehlt der Untergrund, auch wenn ich Stephan zum Kartons sichten in den Keller geschickt habe. Das muss gekauft und ein andermal abgeschlossen werden.

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Der Buchbinderkurs ist auf Mai verschoben. Das passt mir auch ganz gut, die Sexpause kann ich gut gebrauchen. Die Sonne scheint, raus jetzt. Wir treffen einen Bekannten, der gerade in der Wittekindstraße ein Auto fotografiert, was zugegebenermaßen total bescheuert und verkehrsbehindernd auf der Ecke steht. Wir fragen ihn, was er damit vor hat und er sagt, dass er die anzeigen würde, aber nur 2-3 Mal im Jahr. Er macht einen Abzug und schickt das Foto dann der Straßenverkehrsbehörde. Wenn die Bonzen so beschissen parken würden, sei das Notwehr. Wir ärgern uns ja oft genug über dämliche Autos und dämliche Autobesitzer, sind uns aber einig, dass Denunziantentum noch mehr nicht geht.

Die Bar ist zu voll und die neuen schwarzen Außenmöbel gefallen mir gar nicht, eindeutige Verschlechterung gegenüber den weißen Vorgängern. Im Rossi fühlen wir uns wohl und noch beim zahlen kann ich nur schwer der veganen Dattel-Bananen-Schnitte oder der veganen Käse-Zitronen-Tarte widerstehen, dabei hatte ich spanischen Mandelkuchen und eine halbe Quiche. Lecker und angenehm ist es dort, da kann auch die Baustelle vor der Tür nichts dran ändern. Wenn die Sitzgelegenheiten mehr Sessel wären, hätte der Laden Kaffeehauspotential.

Von hinten zum Lindener Berg, es kommt mir alles unbekannt vor. Ach so, der Schrottplatz aus einer anderen Perspektive, quasi andere Himmelsrichtung. An der Ampel vor dem Eingang ein Radunfall mit einem abbiegenden Auto. Die Frau bekommt Hilfe, kann kaum aufstehen, will aber nicht ins Krankenhaus. Es ist knallvoll, ich weiß nicht, wo diese ganzen Menschen herkommen und nein, ich muss nicht auch noch diese blaue Wiese fotografieren, auch wenn es wunderschön ist. An dieser Stelle bitte ein Foto vom Scilla-Blütenfest auf dem Lindener Berg z.B. aus der Haz vorstellen. Da lohnt ein Besuch unter der Woche. Gekommen war ich wegen der Ausstellung „Blumen des Bösen“, weil ich dachte dieser Küchengartenpavillon hat nicht immer geöffnet. Schönes Treibgut, auch gut arrangiert und ordentlich in Kästen und Vitrinen sortiert. Das hat immer was, wenn Müll vor einer peniblen Kulisse oder in einem sehr adretten Rahmen gezeigt wird, der Kontrast quasi, dass es dadurch auf einmal edel aussieht. Ich stelle ferner fest, wer Ästhetisches macht, kann selber total unästhetisch ausschauen, als würde das Optische auf einmal keine Rolle mehr spielen oder man wäre blind auf diesem Auge. Trotzdem schöne Anregungen und ich sollte meine Strandfundstücke, ausgespültes und verblichenes Plastik, im Keller suchen und mal wieder damit was basteln.

Keine Chance auf Eis, bin nicht zu dieser Schlange bereit, fahre extra zum Lindener Marktplatz und hier ist es noch viel ärger, eine Traube von mindestens 30 Leuten steht vor der Tür. Dann liebe heute Abend im Kino. Dallas Buyers Club. Suppe kochen, Kuchen backen, Wäsche waschen, aufräumen. Das Wochenende geht zu Ende.

24.03. Komischer Traum. Allerweltsladen oder Ökokaufhaus mit Malaysia-Solidaritäts-T-Shirts, neue Sachen kaufe ich eigentlich nicht mehr, aber sie sind gut verarbeitet und aus Seide und kosten nur 5,- € auf dem Grabbeltisch. Haben viel gestrickte Applikationen, Kordeln und so und ein „M“ drauf, wie so ein Universitätsabzeichen.  Soll ich mir eines kaufen? Werde wach.

Kaufe dann später gestreiftes Osterpaket bei der Post und eine Packung Kinderschokolade am Kiosk, weil ich an das Kino heute Abend denke (Preview „Her“ OmU ist das Ziel, statt yogen) und ich außerdem Osteraufkleber in der Packung vermute. Hätte mal lieber fragen sollen oder doch Brille, war „Fan Connection“, irgendein Fußballscheiß und nicht Fan Collection, wie es mehr Sinn gemacht hätte. Oh weia.

Osterpaket Essen 2014

Versöhnendes Telefonat mit meiner Mutter, ich bin heute einfach besser drauf und es scheint alles nicht so schwierig. Natürlich bewundere ich es, wie sie das Durchzieht. Eh, mein großes Vorbild in punkto Sachen durchziehen. Auf zum Gericht. Davor steht wie so oft, mein Partnerfahrrad.

gesichertes Rad

Die Richterin schaut mich mitleidig an und meint, ab Morgen würde es schwierig für mich werden. Sie meint den üstra-Streik, ich sage nur: „Verdi, warum tust Du uns das an?“, war so nicht die Schlagzeile heute. Meine Betreute und ich als eingefleischte Radfahrerinnen schauen uns fragend an, weil wir offenbar kein Problem damit haben.  Ich lobe meine Betreute, die einen sehr guten Eindruck macht, dass sie selber aus einer halben Manie wieder herausgefunden hat. Sie soll ein ADHS-Kind (8-jähriges Mädchen) in die Schule begleiten als Sozialassistentin. Wir haben ein gutes Gespräch miteinander nach der Anhörung im Gang. Sie will mich am besten noch 5 Jahre behalten, aber erst mal wurde für 2 verlängert.

Mir gefällt die Straßenbahn mit englischem Motto, wie überhaupt alles heute schön aussieht.

Englsche Üstra-Bahn

Ich hatte doch glatt vergessen einen Gerichtstermin für Mittwoch einzutragen, weil ich insgeheim auch gar nicht hinwollte. Trotzdem ist das keine Art. Gottseidank meldet sich die Gegenseite und will sich vergleichen und der Termin wird aufgehoben.

Aus der Selbsthilfegruppe für biolare Störungen bewirbt sich einer um Mitgliedschaft bei mir, den lerne ich Morgen kennen. Mein Kollege ist aus Süddeutschland wieder da.

Stephan und ich sind bald 10.000 Tage zusammen. Das finde ich romantisch. Ich hatte getippt, dass es 1 Millionen Tage sind, aber ich lag halt leicht daneben. Ich war dann auch ganz traurig, dass wir das wohl nicht schaffen werden, weil ein Leben halt nicht so lang ist. Gerade in Zeit in denen es oft um so große Summen geht, Steuern im Hoeness-Prozess etc. denke ich dann, dass es ungerecht ist, dass so viele gemeinsame Tage nicht in ein Leben reinpassen. Er will das genau ausrechnen und das will ich dann feiern (Essen gehen wie immer, aber mit einem besonderen Bewusstsein)  und ich habe mir heute ein elegantes Outfit, schwarzes Seidenkleid ohne Armen und aufgestickter Gold- und Perlenkette für 12,- € gekauft dazu eine tolle Öko-Handarbeitstasche mit Spinne, Skorpion, Echse, Frosch in 3-D aus Stoff herausgearbeitet, die sehr psychodelisch ausschauen, als hätten sie viel Kali-Energie oder Voodoo.

Schlangentasche Insektenseite Schlangentasche

Jetzt sieht sie noch schwer nach Einkaufsbeutel aus, aber mein Schuster soll sie in eine edle Tasche verwandeln. Ich bespreche einen roten Lederriemen mit ihm sowie einen weinroten Druckknopf. Ein Lederfutter á la Gucci kann er leider nicht reinbauen. Mal sehen, was er daraus macht. Ich liebe das Fairkaufhaus und was ich da immer entdecke. Neue Bastelsachen, eine tote Eule für 15,- € kaufe ich nicht, obwohl ich schon eine Bastelidee dazu hatte, kombiniert mit der großen Klammer auf der lederbezogen erledigt steht. Das wäre eine schöne Installation. Die sieht mir zu deprimierend aus mit nur einer Kralle und irgendwie toten oder getrockneten Augen, irgendwie selbstgetrocknet. Dafür sieht das Kleid so was von edel aus. Ich melde mich auch mal bei Shopping-Queen an und kaufe mir ein Kleid für 12,- € und dann Schuhe und Schmuck für 450,-. Das wäre mal was, aber nein, ich meine das nicht ernst, bitte nicht anmelden, stehe nicht zur Verfügung. Außer mir kauft ein wahnsinnig gutaussehender Transgender-Typ ein und zwar Omasachen, d.h. kleine Vasen mit Blumenaufdruck und Plastikefeu. Er sieht viel schöner aus als Rayon in Dallas Buyers Club. Ich habe Schwierigkeiten mir vorzustellen, dass er so eingerichtet ist und denke, er kauft bestimmt für ein Theaterstück ein.

Heute ist kein Mensch in der leergefegten Eisdiele zwischen dem Schuster und meinem Büro.  Die Kinderschokolade habe ich schon im Büro aufgefuttert. Die Selbstdisziplin lässt wieder zu Wünschen übrig.

Meine Schwägerin hat Paris gebucht. Ich ergötze mich noch einmal an den Fotos der Wohnung, vor allem von der Aussicht und lese den Text, der lustig durch ein Sprachübersetzungsprogramm gejagt wurde: „Schöne Montmartois Duplex Appartement in idealer Lage in der Nähe der Basilika (Sacré Coeur) mit herrlichem Blick von beiden Seiten der Wohnung entfernt. (Sechsten Stock mit Aufzug). Du wirst einen großen, hellen Wohnzimmer mit einem bequemen Sofa-Bett, einen Essbereich, eine gemütliche Küche mit alles, was Sie brauchen. und ein Bad mit einer Badewanne. Der Most ist die große Terrasse, wo Sie Abendessen haben können, von der Sonne baden, oder beobachten den Sonnenuntergang über Paris. Auf der zweiten Etage gibt es 2 Schlafzimmer (eines mit einem schönen Blick auf die Basilika Sacré Coeur mit einem Einzelbett). Und ein zweites ruhiges Zimmer mit einem Doppelbett. Dann wird auf der gleichen Etage befindet sich die „Loggia“ mit einem atemberaubenden Blick finden! Daneben gibt es eine kleine Terrasse, wo Sie auch zu Abend essen oder lesen friedlich. Sie sind 5 Minuten entfernt von allen Bequemlichkeiten: Supermarkt, leckere Bäckereien, Apotheke Restaurants, Cafés (Quartier des Äbtissinnen, Pigalle, …) Sie haben die zwei wichtigsten U-Bahnlinien Paris durch die Wohnung. Linie 4 auf der einen Seite, und auf der anderen Seite des Hügels Linie 12“. Das wird toll!!

Im Kino treffen wir Luis, der auch ansteht und darauf wartet, dass vorreservierte Karten zurückgegeben werden. Er bekommt dann welche und wir sind die ersten in der Zweitschlange. Ich verteidige unseren Platz energisch und die Aussicht nicht ins Kino zu kommen, macht mich total verrückt. Irgendwann wird freigegeben und es sind dann 19 Plätze, die noch zu haben sind, so dass alle Schäfchen ins Kino hineinkommen.

Im Kino viele Nerds, stark übergewichtige Männer mit weiblicher Begleitung in den schlimmsten Kleidungssünden der 80er, übergroße Strickpullis mit Lurexanteil in der Wolle und Zopfmuster, dazu eine kurze Hose mit Spitzenborte um den Beinausschnitt. Ich muss wegschauen. Auf einmal stinkt es doll, weil in unserer Reihe eine Frau im Kino Döner essen muss. Muss das sein? Irgendwie drückt es auf die Stimmung. Ich freue mich als wenigstens das Licht ausgeht, damit man das Elend nicht mehr sehen muss und sich in die Welt des Filmes flüchten kann.

Also Being John Malkowich zählt zu meinen Lieblingsfilmen, aber mit dieser Geschichte kann ich wenig anfangen und ja, Scarlett Johannson hat eine ansprechende Stimme. Gut, die Ausstattung ist spitze und die Nerdhosen der Männer haben so einen hohen Hosenbund, dass man nur bewundern und staunend davor sitzen kann und sich fragt, was ist aus Baggy geworden in der Zukunft. Resümee nach dem Kino: Ich tauge nicht für eine praktisch rein platonische Liebe zu einer Stimme. Bei mir reicht es schon nicht für Telefonsex mit Freundinnen, was ein sehr verbreitetes Medium ist, so nenne ich es mal, wenn stundenlang telefoniert und sich hier reingesteigert wird. Mit mir nicht möglich. Das wissen meine Freundinnen auch. Lieber stundenlang schweigend nebeneinander nähen oder basteln. Das bringt mir mehr. Es ist wie erweitertes Computerspiel gepaart mit Masturbation, einen Knopf im Ohr haben und die Illusion, dass man die Erlebnisse mit jemandem teilt und dann noch aufgemischt mit Eifersucht, weil das Computerprogramm auch noch für andere arbeitet so nach dem Motto: ich wollte Excel auch für mich alleine haben. Ich weiß nicht??? Ich falle darauf nicht herein. Ein Partner ohne Körper geht für mich nicht. Dieses Kopfgewichse ist nicht meine Sache. Lustig sein und Intellektualisieren kann ich selber ganz gut. Ich kann auch gut alleine sein, aber ich merke noch den Unterschied zwischen alleine und einem Gegenüber und dieses Gegenüber sollte auf jeden Fall einen Körper haben, also lieber Tier als nur lustige Stimme, egal wie lustig, die mir die Illusion verkauft, dass sie mich versteht, weil sie sich auf meine Bedürfnisse eingeschossen hat und mir das Gefühl vermittelt nicht alleine zu sein. Beim Gegenüber will ich anfassen und Geruch sowie Optik haben und lieber Überraschungen als immer Zustimmung und Verständnis. Ich scheiße aufs Hören und will lieber sehen, fühlen und schmecken. Stephan macht immer Witze und fragt – pseudosauer  – „hast Du wieder zugehört?“, wenn er mich gerade anfasst und dazu irgendwas Kritisches sagt, weil wir eh der Meinung sind, dass es nur auf den Tonfall ankommt. Ich fasse es so zusammen: Worte sind verlogen, Körperlichkeit kann mehr. Bei den Nerds im Kino hat man teilweise den Eindruck, dass so eine ausgefeilte Computertechnik mit künstlicher Intelligenz gar nicht erforderlich ist und eine einfache Bandansage, die in einer sexy Stimme was Schmutziges sagt, völlig ausreichend wäre.

Auf der Heimfahrt stellen wir fest, dass der Streik in 40 Minuten beginnt und fragen uns, ob sie Busse dann noch zum Ziel fahren oder Punkt 24 Uhr die Gäste rausschmeißen.

25.03. Der neue Betreute bzw. Anwärter ist sympathisch und pünktlich und kommt zu Fuß. Es läuft ein Rentenverfahren und wenn das durch ist, will er nach Magdeburg zu seiner Freundin ziehen. Krank ist er seit 18 und er wird jetzt 52.

Der auswärtige Richter der abgesagten Verhandlung von Morgen mit dem ich telefoniere erinnert sich noch an meinen Betreuten aus einer anderen Sache und fragt mich, ob der in einer Blaskapelle spielt, was ich bejahen muss. Wir plaudern über dies und das. Netter Mann.

Meine Tante soll zwei Mal für die Einäscherung ihres Sohnes, meines Cousins zahlen, der an den Folgen einer Heroinsucht bei ihr in der Wohnung verstorben ist Ende 2011, weil der Bestatter nur abgerechnet, aber die fremden Rechnungen nicht beglichen hat. Das kann auch nicht richtig sein. Irgendwie ist mir ganz morbide zumute als ich das anwaltliche Schreiben in dieser Sache aufsetze. Meine Tante, die ihr ganzes Leben lang selbstverständig war, findet, dass der Bestatter für die Einäscherung, die 358,50 € gekostet hat ihr 460,- € in Rechnung gestellt hat, nicht besonders hoch, den Aufschlag, weil „der hätte ja auch keine Kalkulation auf Geschäftsmann“ und er sei immer so nett gewesen, dieser Bestatter, halt Einzelfirma, die man unterstützen wollte. Ich sage, dass mag sein, dass er nett war, nennt man aber Betrug und frage mich auch, warum die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Krematoriums meine Tante jucken sollen, mit denen hatte sie gar keinen Vertrag, wie sollen die Wirksamkeit entfaltet haben ihr gegenüber? Ich bitte um Begründung der Forderung bzw. der Inanspruchnahme vertragsfremder Personen.

Ich hänge erst mal das Plakat vom Film: Die Reise ins Glück, was mir Detlef damals geschenkt hat im Büro auf. Jetzt hängt es neben dem Wiener Wald und einer alten Sprengelwerbung, die ich dem Sprengelkino vermachen wollte, „India“ mit dem Thema „Schlaraffenland“.

Reise ins GlückKüche kalt Wienerwald Sprengel India

Ich schaue nach, wann der Film in die Kinos kam. Ich verbinde ihn mit einem Umzug in die Rodenstraße und einer Lungenentzündung meinerseits nachdem ich bei nass-kaltem Wetter den Keller in der neuen Wohnung verputzt habe. Ich saß im Kino und schaute „Sommer der Liebe“ und merkte wie ich sehr hohes Fieber entwickelte durch unangenehmen Schüttelfrost. Lang ist es her-

Meine Lieblingsfilme:

1)     Moonrise Kingdom

2)     Grand Budapest Hotel

3)     American Beauty

4)     Don Jon

5)     Die Reise ins Glück

Gut irgendwas von Jim Jaursch, z.B. „Down by law“ oder „Night on earth“ oder „Mystery Train“ oder „Stranger than Pardise“ oder alle inklusive „Permanent Vacation“ und „Ghost Dog“ bis hin zu Broken Flowers, den ich als ersten von ihm doof fand, müssten auch auf die Liste auftauchen sowie „The Big Lebowski“ und aber auch „Pierrot le Fou“ mit Jean Paul Belmonde, den ich sehr geliebt habe. Den Film habe ich Mitte der 80er mit meinem damaligen Freund quasi nachgespielt bzw. wir hatten das Paar als Vorbild und haben oft daraus zitiert. Ich sage nur: „wir ernähren uns vom Fischfang und von der Jagd.“ „Die Reise ins Glück“ haben Stephan und ich sehr oft zitiert und Dinge gesagt wie: „dem werde ich erst mal einen vor den Ständer kleistern, Alter“. In Hamburg, im Artisan damals, unserem Lieblingsrestaurant der Stadt dachte man, dass Menschen aus Hannover so reden würden.

In der Mittagspause Rückruf der Ärztin. Interessiere mich aus aktuellem Anlass für alte Befunde. Sie haben nur ab 1999. Sie bietet an schlägt mir vor, dass wir uns mal über einen Wechsel in der Therapie unterhalten.

Mein erster Streikausfall. Mein Betreuter aus Ronnenberg merkt eine Viertelstunde nach der vereinbarten Zeit, dass er heute nicht zu mir kommt, da er neben dem Regio-Bus auf die üstra angewiesen ist, ab Empelde dann. Er schickt mir die Sachen per Post und wir machen den Ersttermin bei Amt nächste Woche gemeinsam.

Andras testet in Wien Alternativen zu Meixners. Ich habe echte Probleme damit diese Aufgabe zu delegieren. Ich schlage meinem Mann das Prilisauer in Hütteldorf vor und er wendet ein, dass wir dort vor 12 Jahren zuletzt waren und ich sage, ja, die gibt es aber schon seit 1882, 12 Jahre ist quasi gestern. Außerdem gefällt mir bei den Öffnungszeiten der Hinweis: „Die Sperrstunde gestalten wir flexibel“. Die Ahnengalerie ist auch ganz nach meinem Geschmack, vor allem der Ignaz sah spitze aus, Hermann, bis 1972 aber auch. Gut, die Einrichtung ist schlimm, aber das gehört auch dazu und vielleicht können wir im Biergarten sitzen. Das wäre optimal.

Wir gehen zu Serdar Somuncu und der Typ ist wieder brett. Er trägt nicht nur einstudierte Texte vor, sondern lässt das Saallicht anmachen und stellt sich dem Publikum. Superleistung, es ist schlagfertig, sympathischer Typ. Die tun mir leid, die seine Rolle mit seiner Person verwechseln. Beim Beyonce Konzert die Leinwand mit dem Handy abfilmen, das sei wie beim Vögeln einen Eimer über das Kondom zu machen, falls es platzt, fand ich z.B. sehr gut gesehen. Auch mein Flirt im Kaftan von neulich mit der Weg-in-Paradies Internetseite taucht auf. Die empfehlen eine Züchtigung von Frauen, die unzüchtige Gedanken haben. So was hätte ich mir denken können. Schön auch, wie er über die Leute hetzt, die kerngesund und dynamisch in den Sarg springen wollen. Lieber sich vorher alles geben und dann ziemlich lädiert und angefressen reinfallen, das wäre auch leichter und würde mehr Spaß machen.

Wir gehen noch was Essen. Ich habe Angst, dass es zu spät ist, aber der Laden ist voll, eine Altenpflegemesse wie wir erfahren. Ich esse Wolfsbarsch mit saurem Gemüse, sehr lecker und eine Flasche Wasser dazu, habe Durst. Der Koch, der immer sehr unsicher wirkt, wenn er mit uns spricht sagt, dass er uns so zusammen noch nicht kennt. Wir sind mit unserem Hausnachbarn unterwegs wie in alten Zeiten. Wir sitzen schön aufgereiht nebeneinander auf der Bank und glotzen in die Küche. Sehr netter Abend, den ich in vollen Zügen genieße.

26.03. Eine Runde schlechte Laune in der Bar. Mein Mann hat die neuen Möbel geliked auf Gesichtsbuch und ich würde immer am althergebrachten Festhalten. Dann Zeitungslektüre. Ich finde es verwunderlich, dass ein Zoo Löwenbaby tötet, weil ich annehmen würde, dass es dafür Abnehmer gibt. Er findet was ich auf dem Kopf habe verwunderlich. Ich blute und verstehe keinen Spaß.

Kein Aufräumtermin, Betreute hat sich krank gemeldet. Angeblich würde die üstra die ganze nächste Woche streiken. Meine Hasskandidatin aus der Weinstraße ruft an (eine Sozialpädagogin oder so) und stellt mich auf laut. Sie will Herrn Ihme, der zeitgleich bei mir einen Termin hatte und natürlich nicht kam, kein ambulant betreutes Wohnen bewilligen bzw. dem Kostenträger empfehlen das nicht zu zahlen, weil der Betreuungsgutachter eine Unterbringung empfohlen habe und ich das gefälligst machen soll. Ich sage ihr, dass sie sich als Berufsbetreuerin bewerben könnte und dann könne sie alles anders entscheiden. Ich sage ihr, was ich mir dabei denke und das hat was mit Vertrauensverhältnis aufbauen zu tun und sein Arzt gibt mir recht und da war er erst zur Depotspritze und ich gebe mir hier durchaus viel Mühe und erwäge sorgfältig. Eine Unterbringung beantragen ist meine leichteste Übung, die 3 Minuten dauert.  Ich rufe den Gutachter an, der mir nun Recht gibt und sagt, das sei der Königsweg, einvernehmlich und die Chronifizierung ohnehin kein Unterbringungsgrund nach der Rechtsprechung des BGH, quasi schlechtes Argument und stumpfes Schwert. Er will kostenlos noch ein Ergänzungsgutachten für das Gericht schreiben. Ich rufe die Bitch noch mal an und sage, sie könne mich ruhig auf laut stellen und dass sie nicht glauben solle, dass sie die Akte los sei. Ich habe dann so richtig Killerinstinkt in so einer Situation und bleibe da richtig dran und lass mich nicht wegbeißen oder vom Weg abbringen und ich weiß, ich bin gut dabei.

Seine Oma will ihm Morgen Geld und einen Zettel in den Briefkasten werfen, dass ich Freitag um 9 Uhr vorbeikommen und mit ihm im Taxi zum Gericht fahren will. Sie ist zuversichtlich, dass er das liest, weil er an das Geld will. Ich versuche es selber bei ihm, aber finde die Wohnung nicht im Hochhausblock und die Flurtür ist abgeschlossen. Die Flure sehen aus wie in Shining und es ist etwas gruselig. Jetzt will ich mich Morgen mit der Oma dort verabreden, dass ich wenigstens eine Chance habe, dass es Freitag klappt. Ich hasse es, wenn ich die Dinge nicht im Griff habe.

Mittagstisch. Ständig Gastro zur Ablenkung.

gemischter Mittagstisch Rossini

Die Bahngleise sind der neue Fahrradweg. Hier auch zwei blöde Bitches mit am Tisch. Bekommen Extrawürste, die nicht auf der Karte stehen. Eine Art Gemüsecarpaccio aus Rohkost mit Parmesan und einer Extramarinade. Es gibt ja Leute, die können aus Scheiße Gold machen, umgekehrt gibt es auch. So eine sitzt mir gegenüber. Trägt eine Prada Brille und eine Louis Vuitton Tasche und beides sieht im Gesamtbild aus wie billiger, geschmackloser Müll. Das Hauptgericht kommt, gebratener Lachs auf Salatbett und sie findet, der Fisch sieht nicht gut aus. Ist das Eiweiß ausgetreten? Das kann sie nicht essen. Die Chefin wird herzitiert und rät – ganz pragmatisch – den Fisch umzudrehen. Dann würde man es nicht sehen. Für so was habe ich kein Verständnis. Beim Zahlen mache ich mich lustig und sage, meine Sebadas sahen komisch aus, wie ein Klumpen auf dem Teller und da waren weiße Eingeweide drin, wie dickes, weißes Blut. Sie guckt erst komisch und dann muss sie lachen.

Ich mache heute keine Umkehrstellungen und sage auch ruhig warum, wenn es einer wissen will.

Um 17 Uhr ruft Herr Ihme an. Er ist nebenan bei dem ambulanten Wohnbetreuer. Er hat nichts zu essen und war heute den ganzen Tag unterwegs. Ich sage, seine Oma wolle ihm morgen was vorbeibringen, sie kann heute nicht wegen des Üstrastreiks. Ob ich ihm bis Morgen was leihe. Ich sage ja, aber nur 5,- €, damit er für Morgen motiviert sei. Ich muss leider so agieren. Als er kommt bin ich ziemlich genervt und als er immer „ja, natürlich“ und „ja, klar“ und so sagt, sage ich, er soll mich nicht verscheißern. Ich bräuchte keinen Papagei, der immer ja sagen würde, nur leider klappt nichts. Dann würde das ja, ja wie leck mich am Arsch klingen. Er will noch zu seinem Strafverteidiger und ich biete ihm an, dort anzurufen oder ein Fax zu schicken oder eine Email, weil doch der Streik ist und wie soll er dort hinkommen. Er lehnt ab. Dafür gibt er mir einen Wohnungsschlüssel und ich bin sehr glücklich darüber. Er vertraut mir, weil ich ihm auch sage, dass ich ihn nur abhole zum Termin und weder einweise noch ihm eine rein haue. Er sagt, ich soll darauf aufpassen und es sei gut, dass ich einen habe. Ich habe einen großen Schritt nach vorne getan und bin das erste Mal zuversichtlich, dass wir die Kurve kriegen werden. That „made my day“ wie man auf Englisch sagt.

Und ja, alle Pussies gehen zum Yoga (Zitat Serdar Somuncu). In der ersten Session Kundalini falle ich in ein Zeitloch und 1 Stunde ist wie 10 Minuten, ob das gut oder schlecht ist kann ich gar nicht mal sagen. In der Meditation begegnen mir tote Menschen, Verwandte und Betreute und ich spiele mit ihnen wie mit Puppen, die sitzen am Tisch und ich serviere ihnen Tee, wie man das früher mit seinen Teddys und Puppen gemacht hat. Ich liebe den Atem. Das ist für mich das Tollste überhaupt, weil man ihn beeinflussen kann, zugleich er ganz viel beeinflusst und zugleich ist er eine unbewusste Kraft, wie Herzschlag, so dass er auch automatisch funktioniert, diese Mischung aus Steuerung und Automatik finde ich spitze. Vor dem 11 A parken sie so bescheuert, dass man kaum durch kommt mit dem Fahrrad. Nicht Anzeige, Selbstjustiz fällt mir dazu ein. Zuhause wartet ein Packet aus England. Als ich den Absender meiner Cousine sehe, weiß ich, dass da Sainsburys Kekse drin sind und so ist es auch. Große Freunde. Das hilft die Zeit zu überbrücken, bevor man wieder selbst in dem Land einkaufen kann.

Dann suche ich einen Yogaschlüsselbundanhänger für den mir anvertrauten Schlüssel für eine Schließanlage. Die hatte ich in einer manischen Phase gebastelt aus den Sprüchen auf den Teebeutelanhängern im Yogi-Tee. Mir gefällt: „Ein weiser Mensch sieht alle Wesen als eins mit ihm.“ Ich entscheide mich dann aber für ein stabileres Exemplar. Er hat unten ein Apothekenanhänger aus Metall und dazwischen Perlen und Fimo mit dem Spruch: Genieße den Atem des Lebens. Auch gut, denke ich mir.

27.03. 7 Uhr ist meine neue Uhrzeit. Statt morgens Sport zu machen, daddel ich rum. Das muss ich vielleicht noch optimieren. Ich überlege, mich zu einem Tanz-Improvisationsworkshop anzumelden. Das ist bestimmt mein Ding. Ich mag es mehr als eine fest Choreo, wo die Übungen vorgegeben werden und alles niedlich oder sexy ausschauen soll, aber vorgegeben, lieber experimentieren und ich habe in Sachen Tanz auch ein gutes Selbstbewusstsein und es macht mir Freunde, also ran!

Erst Büro und einige Telefonate, dann fahre ich zu dem Hochhaus. Von der anderen Seite der Straße sehe ich die Oma des Betreuten schon stehen und auf mich warten. Sie trägt Turnschuhe und löst ihn gleich aus, zahlt seine Schulden bei mir. Er macht auf als wir klingeln. Die Wohnung ist etwas desolat und er krickelt viele Sachen an die Wände, die mit seinen Alpträume von Spinnen aus dem Weltall, die die Menschen betäuben und dann aufessen und die Erde dreht sich und unten hängt eine dicke Spinne daran und den Illuminaten zu tun haben.

bemalte Wand

Ich genieße den Blick. Es ist wie von oben in das Gehirn meines Stadtteils hineinschauen, die Straße, die ich immer fahre und die Häuser und Straßenschluchten von oben. Ich finde es sehr interessant und sage ihm, dass er immer sehen kann, wie ich angefahren komme mit meinem Rad. Dann schlage ich ihm vor, dass wir an diesem sonnigen Tag gleich zusammen zum Arzt gehen. Er sucht lange nach seinem Socken, die sind aber alle schwarz. Überhaupt sieht er etwas aus wie ein Täter der Columbine Highscool. Er hat auch einen bodenlangen, schwarzen Ledermantel, der aber SS-mäßig ausschaut, wie er selber meint. Damals in der Jugend-WG habe man ihm nicht geglaubt, dass er den rechtmäßig erworben hat und den Bullen hätte er die Quittung gezeigt, aber dann hat man ihn trotzdem rausgeworfen. Er hat das Hausverbot, aber nicht wegen Klauen will seine Oma wissen, nein, weil er eben über 18 ist und da immer heimlich Freunde besucht hat als er nicht mehr dort wohnte. Er wählt die braune Kunstlederjacke, an der der Reißverschluss kaputt ist. Auf seinem Nachttisch liegt ein schwarzer Klumpen, der lehmig ausschaut, wenn das Drogen sein sollen, dann wäre es ein Rohdiamant in der Größe eines Golfballes. Ich glaube nicht daran. Von Omas Geld wird erst mal Tabak gekauft. Chesterfield hat der Kiosk nicht, er will den Tabak anfassen und entscheidet sich für eine poppige Packungen in pink und grün „blow up“ oder so. Ich will ihn jetzt nicht mehr loslassen. Wir gehen kurz bei mir im Büro vorbei und er raucht auf dem Balkon. Ich mache ihm Kaffee und melde uns beim Arzt an. Wir gehen zu Fuß zum Arzt, ich schiebe mein Rad, weil ich faul bin, wie ich ihm erkläre. Er sei Mittelalter und Fantasy-Fan. Games und Musik. Das sah man an den Sachen in seiner Wohnung, eine Tussi in Lederfetzen mit Vampirzähnen hängt an der Wand als Zeichnung. Da gab es mal eine schlechte Serie. Zenia oder so ähnlich hieß die „Heldin“, aber es war eine Schauspielerin. Er macht sich Sorgen um eine Wetterstation, irgendwas mit Milliampere, die da fließen und ihn beeinträchtigen und ich denke nur, es ist ein Windrad, wen interessiert das. Das muss anstrengend sein, wenn man sich von alledem so beeinträchtigt fühlt.  Im Wartezimmer machen wir den „welcher Fahrradtyp bist Du“ Test, der für etwas Ablenkung sorgt. Der Arzt gähnt viel und ist angeschlagen. Er überfliegt das Gutachten und sagt, dass die Kliniken immer hochdosiert anfangen, 2 x Haldol am Tag (das sei unrealistisch) und dann runterdosieren. Er sei ja jetzt schon besser drauf als letztes Mal. Er will es umgekehrt machen. Wir sind einverstanden. Mein Betreuter berichtet, dass die Spitze letztes Mal auf seine Wirbel gedrückt hätte und die Flüssigkeit in einem Kammer drin war. Er sei zu verspannt gewesen. Er habe das Medikament im Mund geschmeckt. Der Arzt sagt, das sei ein öliges Zeug. Die Frau des Arztes verabreicht die Spitze hinter einem Duschvorhang. Ich höre, wie sie sagt, dass er ganz fest mit beiden Händen die Stange drücken soll. Das dient wohl dazu auf einem Bein zu stehen und das andere zu entlasten und damit die Pobacke zu lockern. Sie sagt, „so klappt es, wenn wir zusammen arbeiten“. Sie schreibt mir die Krankenkasse auf und meiner bleibt einfach in der Kabine bis man ihn rausholt. Er ist ein echtes Lamm. Erst rufen wir seinen Namen und antwortet, aber man muss erst den Vorhang zur Seite ziehen bis er raus kommt. Ich fühle mich an die Youtube Videos mit Hunde erinnert, die kläffen, wenn man eine „Mauer“ aus Bananen um sie herumlegt, weil sie glauben, dass sie jetzt eingesperrt sind. Es war ein Dackel meines Wissens. Wir haben jetzt einen Spritzenpass und den nächsten Termin in 2 Wochen. Da gehe ich noch mal mit.

Combur und Combi Screen

Letzte Station ist das ambulant betreute Wohnen. Da schauen wir vorbei und bringen die auf den neusten Stand. Das Haus ist sehr schön. Mit mehreren Dackelbildern im Treppenhaus.

gemalter Hund mit Ball

Ich war noch nie drin obwohl es gleich um die Ecke ist. Die Mitarbeiterin spricht mich gleich auf einen anderen gemeinsamen Fall an. Ich sage, dass ich das Kostenanerkenntnis bald im Sack haben wird und wenn es angelaufen ist, wäre es sinnvoll, dass ich meinen Schlüssel vielleicht abgebe an den Sozialarbeiter, weil der werde viel mehr Termine mit ihm haben als ich. Das will er entscheiden und erst mal soll ich ihn behalten (der Schüsselbundanhänger ist auch zu schön).

Atem des Lebens

Wir reden über essen, weil er immer keines hat. Ich sage, er ist groß und jung und schlaksig und braucht viele Kalorien, mindestens 2500 am Tag. Die Fertiggerichte, die er mir nennt von Netto und Lidl sind suboptimal, weil leckerer, gesunder und billiger ist selber kochen. Ich rate ihm einen Sack Reis zu kaufen. Er lacht. Die haben in dem Haus eine Kochgruppe, die ich ihm ans Herz legen will. Davon will er allerdings nichts wissen. Es sei auch Geschmackssache stellt er fest und meint damit, dass ihm die Fertiggerichte besser schmecken, Nudeln mit Käse-Sahne-Sauce oder Lasagne Bolognese. Hier kommen wir auf keinen grünen Nenner. Wenn ich arm wäre und hätte viel Zeit, würde ich mich echt aufs Kochen konzentrieren. Ich würde Gnocci aus Kartoffeln und Mehl selber machen und alles Mögliche ausprobieren und jeden Tag trainieren. So viel steht fest. Es war dennoch ein guter und sehr erfolgreicher Tag. Wie immer, etwas zu fest drückt er meine Hand und wir einigen uns, dass ich Morgen doch um Viertel vor 9 vorbei komme, weil er noch Socken suchen muss und wir zusammen Bahn fahren statt Taxi. Sein Schlüsselbund an meines gehängt, zumindest bis Morgen.

Überall ist Girls Day. Im 11 A, der Rotkohl mit Sauerbraten und Serviettenknödel ist sehr lecker sowie die Königsberger Klopse und preis-leistungsmäßig über dem Piu, die mehr Kantinenessen machen und immer die Tomaten-Sahne-Einheitssauce verwenden. Hier wird man von kleinen dünnen Schülerinnen bedient, die dann weghüpfen vor Freunde, wenn sie den Kaffee erfolgreich abgestellt haben. Im Schaufenster vom Öko-Kinderladen sind auch welche, 2 Stück und dekorieren neu und im Büro bei uns auch. Überall, der Stadtteil ist voll mit Girls. Unsere interessiert sich für den Beruf der Strafrichterin und will wissen, was Anwälte so machen. Ich mache gerade stumpfsinnige Forderungsberechnungen. Das machen Anwälte, echt dröge Unterhaltsrückstände ausrechnen und Zahlungen verrechnen. Macht zum Glück das Programm, aber man muss es auch bedienen können. Bin leider zu blöd die Zahl richtig abzuschreiben und nenne den Gesamtbetrag als noch offen. Das führt immerhin dazu, dass der Kollege mich gleich 2 Minuten nachdem das Fax durchgegangen ist anruft. Auch nicht schlecht.

Meine Betreute, die in der Frauenunterkunft wohnt hat Wohnungsbesichtigung. Wir gehen auf ihren Yahoo Account und drucken die Selbstauskunft aus. Ich drücke ihr die Daumen.

Elisabeth Taylor stinkt ganz doll nach Parfum und hat eine Douglas-Tüte dabei, die sie mir schenken will, aber nur die Pappen, weil ich die bestimmt gebrauchen kann. Ich lehne ab. Sie war auf der Intensivstation. Ich frage was war. Sie hat sich als Schülerin ausgegeben und denen erzählt ihre Lehrerin habe gesagt, sie solle hier einen Monat ein Praktikum machen. Wir sprechen von einer grell geschminkten und krass zu Recht gemacht ca. 30 jährigen Frau. Die Gedankensprünge sind heute wieder eins A. Die hübschen Syrerinnen, mit denen die Deutschen Männer ins Bett wollen, aber die wollen sich nur sexy anziehen, aber keinen Sex mit ihnen machen und die wollen auch nicht ein männliches Ichweißschonwas in den Mund nehmen, nur weil sie Hunger haben. Die wollen lieber noch bei ihren Vätern leben. Dann geht es um diese Fotoshootings bei Douglas. Alles wollen gut aussehen, und schön sein und sexy Klamotten haben und Lifestyle und eine tolle Wohnung und ein großes Auto und einen Mann, der Macht und Geld hat, einen Staatsanwalt oder so was, aber was wollen sie damit? Sie investiert lieber in ihre Wohnung und streicht da noch mal oder renoviert da eine Runde, zumal sie für Modell auch nicht die Figur habe. Die Mitgliedschaft im Taubenzuchtverein kostet nur 3,- und als ich sie frage: und was wollen wir da drin, sagt sie, dass sie in letzter Zeit 3 tote Tauben gefunden habe und eine habe sie gestern beerdigt mit ihrem Handy. Sie reicht es mir und ich denke, ich bekomme ein krasses Foto zu sehen und dabei will sie mir zeigen, dass lauter Erde und Dreck tief zwischen den Tasten sitzt. Sie hat es offenbar als Schaufel benutzt. Zum Abschied sagt sie mir, ich werde verfolgt und sie weiß auch schon von wem und will Morgen zum Gericht gehen und das klären. Ich sage, Hauptsache sie klärt das mit ihrem Abo und der Umstellung auf die Mobil-S Monatskarte.  Das Gespräch hätte der Siebtklässlerin doch nur Angst gemacht.

Jim Jarmusch. Bitte sei wie früher und enttäusch mich nicht.

Auf dem Weg zum Sport fährt eine S-Bahn, altes grünes Modell, Linie 10 mit offener Fahrertür, Höhe Glocksee. Die Bahn fährt vermutlich in das Depot, weil die Tür klemmt, außerdem sind keine Fahrgäste drin, aber es sieht lustig aus, als würde die Fahrerin cruisen vor lauter guter Laune und gutem Wetter. Direkt hinter der Kabine hat sie quasi fährt sie open air.

Ich bin doch durch mit Jim. Am besten gefallen haben mir die Bilder aus Detroit. Die Prunktheater, die heute Parkgaragen sind, aber die kannte ich schon und zwar in besser von der Lumix. Die Geisternachbarschaften waren auch schön. Er kann gute Stimmungsbilder aus Amerika einfangen und diese fallen eben düster aus heutzutage. Es kamen wohl viele Fördermittel aus Deutschland für den Film und die Deutschen mögen auch die Vampirgeschichten. Ich finde die Geschichte vor allem unlogisch an so vielen Punkten. Nicht, dass ein Film logisch sein muss, auch die „Reise in Glück“ arbeitet durchaus mit Fiktion, aber es kommt ja darauf an, ob man dem Ganzen was abgewinnen kann. Wenn man lange genug lebt, kennt man auch wirklich alle Berühmtheiten von Newton über Shakespeare. Gut hat mir in dem Zusammenhang der Satz gefallen, den Adam sagt über die Nachtclubsängerin, die er so gut findet, dass er hingerissen ist von ihr als Eve meint, dass sie sehr talentiert sei und eine Berühmtheit wird, „hoffentlich nicht, dafür ist sie viel zu gut“. Von seinem ganzen Geld kauft sie ihm ein Instrument. Auch nicht so romantisch. Diese Vampire sind Nichtraucher und haben einen Haufen Geld, wie Verbrecher und verschiedene Pässe, wie Agenten und planen dabei für die Zukunft, wie kleine Bausparer der Unsterblichkeit. So kommt es mir vor. Die Liebesgeschichte berührt mich nicht. Es sind zwei Schauspieler, die verliebte Vampire spielen und Lederhandschuhe tragen und dunkle Sonnenbrillen. Er darf seine Instrumente nicht mitnehmen auf die Reise, weil es überall Instrumente gibt, aber sie darf sich die Taschen voller Bücher packen. Das ist ja wohl ungerecht. Die Nachbarn in der nordafrikanischen Heimatstadt hauen sie jeden Abend auf Drogen an. Das müssten sie doch langsam wissen, zumal die weißblonde Frau doch irgendwie auffällt in der Umgebung, aber sie scheinen sich das Gesicht nicht merken zu können. Ich könnte mir ein Leben nur bei Nacht eh nicht vorstellen, bin eher ein Tagmensch. Ach ja, was mir noch gefallen hat war das Stinktier.

28.03. Ich werde wach und habe doll Schmerzen am Brustbein. Es ist erst Viertel vor 6. Muss ich heute ins Krankenhaus und kann meinen Termin beim Gericht mit Gutachter nicht wahrnehmen oder mache ich das trotzdem. So etwas hatte ich noch nie. Im Gästebett schlafe ich noch mal ein und werde von Alpträumen geplagt. Lauter Katastrophen passieren. Auf einmal habe ich auch lauter Pusteln auf dem Rücken. Ich will den Arzt von unten das zeigen, der zu Besuch ist, lasse es aber lieber. Heißes Wasser, mit dem ich mich verbrühe. Sachbeschädigung, die ich am Eigentum anderer Menschen ausversehen begehe. Habe heimlich eine kleine Ratte oder schwarze Maus gehalten (Simpsons Folge mit Lisas Meerschweinchen hängt mir nach), ich vergesse immer sie zu füttern und sie beißt mich dann, ein Aquarium mit einer Riesengarnele, vor der ich auch ekele und nicht weiß, wie ich das sauber machen soll. Durchbruch zur Küche mit Kabelsalat (siehe Vampirfilm) und auf der Mehrfachsteckdose lauter Babymäuse. Scheiße, die haben sich vermehrt. Es gibt eine Plage und was soll ich tun.

Nach dem Erwachen bespreche ich kurz die Möglichkeit, dass es was Ernstes ist, weil ich finde, dass man Schmerzen in der Brust seinem Partner mitteilen sollte, im Bein muss man nicht, damit er mich beobachten kann, ob ich was Komisches mache. Schlussendlich tut es weh beim Anfassen oder tief einatmen, bei Bewegungen und beim Niesen besonders und fühlt sich an wie verlegen.

Ich hole meinen Betreuten aus dem Bett. The Voice, the Kids läuft im Fernsehen. Er zeigt sich viel mit nacktem Oberkörper und meint, dass er wieder trainieren muss. Ich sage, er soll sich anziehen, wir müssten los. Ich leihe ihm Geld für eine S-Card und ein Tagesticket. Er folgt mir gut, ist manchmal etwas langsam von Kapee, aber er merkt, dass wenn nur ein Sitzplatz frei ist in der Bahn, wir stehen, wenn am Kröpcke welche aussteigen und zwei gegenüber freiwerden, setzen wir uns und zwar ohne darüber zu reden. Den Gutachter mag er nicht und sagt ihm, dass er Haldol nicht empfehlen könne, davon komme man schlecht drauf und es dämpft sehr, wenn man eine Psychose hat und ich denke mir, dass kann sich der Mann mal anhören, der immer nur empfiehlt, dass sich andere das spitzen lassen, aber es sich nicht selber verabreichen würde. Er wird von der Richterin gefragt, wie die Zusammenarbeit mit mir klappt und er sagt, dass ich noch nicht so lange mit ihm zusammenarbeiten würde, aber es sei angenehm für ihn, jemanden zu haben und es helfe ihm auch besser zu träumen, weil er sich dann einen Menschen vorstellen kann. Leider sagt es mehrfach, dass er vor 2 Monaten bei der Spritze war (was gestern passierte) und in 2 Monaten wieder zur Spritze gehe, dabei ist der Termin in 2 Wochen, aber das sind Kleinigkeiten aus meiner Sicht. Er sagt selber, dass seine Konzentrationsfähigkeit nicht so gut sei. Die Betreuung wird für 3 Jahre eingerichtet (statt für eines). Er weiß, dass die Betreuer früher nach Aufwand abgerechnet haben. Ich sage ihm, dass es jetzt pauschaliert sei und ich viel machen würde zur Zeit, aber die Hoffnung hätte, dass sich das einspielt und weniger wird und das bestätigt er und meint, dass das ambulant betreute Wohnen viel übernehmen werde. Diese Einsicht beruhigt mich. Er will noch einen Kaffee mit mir trinken im Backshop, wo es nicht so teuer sei. Ich schlage mein Büro vor, wo es nichts kostet. Er mag den löslichen am liebsten mit Karamellgeschmack. Der sei so einfach, den müsse man nur in heißem Wasser auflösen. Der hat auch seine Zähne alle zerfressen wie kleine Milchzähne. Die Regio S Card hat er benutzt um Tips zu rollen für Joints. Das sei früher gewesen. Ich sage ihm, dass kiffen nichts für ihn sei bei seiner Erkrankung und das läge nicht daran, dass ich das Zeug verteufeln würde, aber er sei nicht für jeden geeignet. Das sei wie bei einem Epileptiker, der darf nicht in die Disko wegen des Stroboskops, was für uns total harmlos sei, könne hier einen Anfall auslösen und so sei das bei ihm und dem THC. Er solle die Finger lieber davon lassen. Er sei Computerfan und kenne sich aus, nur die alten bekomme er nicht zusammengeschraubt, die seien zu staubig und wenn er einen besten Freund hätte, wäre das ein Computer. Einen guten bekomme man schon für 200 €. Er ist mir wieder zu kompliziert, wie er es nicht schafft einen Briefumschlag ans Jobcenter zu adressieren. Ich sage, er merke doch, dass ich denen gerade ein Fax geschickt hätte wegen der Regio S Karte und nehme ihm das Anhörungsschreiben wegen der Kürzung der Leistungen weg zur weiteren Bearbeitung. Er will wissen, ob ich mein Fahrrad noch mit abhole was bei ihm vor der Tür steht. Ich lehne ab, das erledige ich später und mit dem Bus. Ich bin sehr faul bzw. wie ein Rollstuhlfahrercyborg, d.h. ohne Fahrrad ist für meine jede Fortbewegung sehr anstrengend. Das sieht er ein. Wir sehen uns wieder zum Spritzentermin. Ich entkoppele unsere Schlüsselbunde. Später fahre ich Bus und denke viel an Serdar. Eine junge Frau an der Bushaltestelle spricht fließend Türkisch und dann kommen einzelne akzentfreie Deutschbrocken in den Sätzen vor wie „Jugendamt Papendamm“. Sie kommt von der Arbeit und muss sich beim Arbeitsamt melden, heute sei der letzte Tag und scheiße, die haben nur bis 12:30 Uhr geöffnet. Ja, Alter, „die haben ihr sogar extra Post geschickt“. Dann geht es weiter auf Türkisch und das Wort „Brustwarze“ kommt darin vor und „Pilz stinkt normalerweise“. Ich muss nur eine Station fahren und bekomme ganz schön viel Unterhaltung dafür. Eine Frau aus einem Auto strahlt mich an. Ja, mein Delfinhütchen macht gute Laune. Ich muss dabei immer an Janine denken, die von ihren Rezept für Delfinsalat gesprochen hat, wenn es um einen Beitrag fürs Büffet ging.

Ich will die Kammermitteilungen erst gar nicht öffnen. Steht sowieso nichts drin was mich interessiert. Dann das, mein Ausbilder ist am 03.03.2014 verstorben nach kurzer, schwerer Krankheit. Er war im Vorstand. Er war damals Fan von mir und auch danach hatten wir beruflich noch die ein oder andere Überschneidung. Er war nicht bei allen beliebt, konnte aber gut einstehen für Mandanten und die Richter hatten Angst vor ihm. Er ist aufgestanden, wenn er was gesagt hat und das alleine hat bei 190 und großer Körperfülle, sowie sonorer Stimme Eindruck gemacht und dann hat er ganz bestimmt, langsam, ruhig, aber mit Nachdruck gesprochen.

Meine Mutter hat es einen Stich ins Herz versetzt, dass ich ihr sagte, meine Liebe gilt den psychisch Kranken, so wie ihr den geistig Behinderten oder statt den geistig Behinderten. Warum stört sie sich daran? Ist das nicht als würde man aus einer Hundeversessenen Familie stammen und jetzt Borderterrier züchten statt Pudel.

Claudia kommt Morgen vielleicht zu dem Fünfzigsten Geburtstag. Ich sage, sie kann ruhig spontan sein und muss weder rechtzeitige Ankündigungen beachten noch mit Stornogebühren rechnen. Wir kennen uns ja gut genug.

Nach dem Sport sehe ich das hässlichste Fahrrad der Welt, in lilametallic. Ach Du scheiße, meins ist auch lilametallic, aber dieses hat einen Namen und heißt „Supervisor“. Brauchen Fahrräder Namen?

Oliver Polak war so was von grottenschlecht, dass ich meinen Kollegen beneidet habe, der Kinderdienst hatte und seine Karte verfallen lassen musste. Gut, es war nett mit unserem Nachbarn am Tresen zu sitzen und Wasabi-Erdnüsse von Rewe zu essen, aber so ein unlustiges Programm habe ich noch nie gesehen. Kein einziges Mal gelacht, geärgert, dass man erst vor der Zugabe und nicht schon viel früher gegangen ist. Wahnsinn, wie schlecht das war. Schad ums Geld, noch mehr schade um die vertane Zeit und die an Körperverletzung grenzende Bezeugung des Auftritts. Das Aftershowessensprogramm von Serdar wiederholen wir bei Beckmanns und versuchen den früheren Abend zu vergessen. Der Nachbar ist jetzt auch nach Wien eingeladen. Das Pipilotti Rist Hotel soll sehr gut sein. Stephan zeigt mir die 40 cm Ratte, die unter einer Spüle in Australien gefunden wurde und das am Tag als ich morgens meinen Ratten/Maus-Traum hatte!

Ich beschwere mich, dass es keine Tanzveranstaltungen mehr gibt, bin aber zugleich zu müde um noch ins Broncos zu gehen. Der Nachbar nicht. Wir sagen Tschüss am Schwarzen Bären.

22.02.2014 Jesus statt Alkohol

22.02. 8:40 Uhr bin ausgeschlafen, aber es dauert noch bis die anderen wach werden. Kein Problem: hier kann man immer schön zum Fenster rausglotzen.

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Sunla will auf den Bauernmarkt am Reumannplatz und Schmorgurken kaufen, Stephan will lieber zum Kutschkermarkt in Währing oder einen neuen Wochenmarkt mit mir entdecken. Nach dem Kaffee mit Schoko-Soja-Milch ziehen wir los und fahren zum Rochusmarkt. Schon ganz unter dem Einfluss der herannahenden Gemeindebaufeier heute Abend freuen wir uns über die ganzen Verbotsschilder.

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Gut gefällt uns das Motto: „kiss, kiss, peng, peng“. Die Laune ist bestens, der Markt ist an einem schönen Platz gelegen mit der Rochuskirche angrenzend. Hier auch wieder sehenswerte Schilder, die das Leben leichter machen.

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Ich kaufe bei einem superkleinen Stand Wurstwaren, Dauerwurst, Krustenbraten und Brekies für Erwachsene, das sind Speckstücke. Das kalte Fett in knusprig finde ich nicht so prickelnd wie erwartet. Außerdem gibt es cremigen Honig aus Österreich.

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Das Tresnjewski hat hier eine Filiale und wir kehren kurz ein. Es ist Mittag und eine Frau bestellt ¼ und einen 1/8 zu ihren Brötchen. Sind das die Spiegeltrinker oder macht sie eine Weinprobe mit sich selber? Es scheint jedenfalls normal zu sein.

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Ich kaufe mir eine Werbetasse von dem Laden und nachdem mein Exemplar entstaubt und eingepackt wurde, gebe ich es zurück und entschließe mich dasjenige mitzunehmen, was ich gerade in Benutzung habe und in dem er heiße Apfelsaft mit Gewürzen drin ist, den ich dann mitnehmen kann. Wir schauen in die prunkvolle Kirche und die Zeitschriftenauswahl hätte Wenzel Storch viel Freude bereitet, vor allem die Jugendblätter. Ich sage nur „Jesus statt Alkohol“. Das ist ja auch mein Motto bei dieser Reise. Dieses Magazin nehme ich mit für Collagen und lese es morgens, wenn alle noch schlafen und die Artikel sind der Hammer. Einmal geht es um Tipps der katholischen Jugend, wie man sich die Zeit in der Schlange am Skilift vertreiben kann. Die reichen von Ave Maria beten bis hin zu dem Vordermann auf die Schulter tippen und dann wegschauen, als sei man es nicht gewesen, Das sei immer für einen Lacher gut. Wahnsinn. Auch gut ist die Horoskop-Seite auf der verschieden Heilige vorgestellt werden, die in dem jeweiligen Monat Geburtstag haben und auch der Artikel über „dirty talk“, dass wir schon ahnen, dass es nicht in Ordnung ist, auch wenn es vermeintlich beide wollen und das schon durch den Begriff instinktiv zum Ausdruck bringen. Welch ein Fundus. Ich hätte zwei Exemplare mitnehmen und eines ganz lassen und nach Hildesheim schicken sollen. Neben der Kirche finden wir einen second hand Radladen, der schöne, alte Fahrräder hat und auch welche vermietet. Genauer gesagt handelt es sich um „Kinder-Spiel und Sportartikel“ in der Sechskrügelgasse 2. Wir halten einen Plausch mit dem Inhaber und ich nehme eine Karte mit, weil ein neues Wienrad muss her, gerade im Sommer, will ich durch die Stadt fahren und mich beschimpfen lassen von militanten Autofahrern und Pensionisten. Ich habe so gute Laune, dass ich auch Hüpfe, d.h. statt normal zu gehen, fassen wir uns an den Händen und „skippen“, wie man auf Englisch sagt und offenbar strahle ich auch, so dass mich viele Menschen zurück anstrahlen. So einfach geht das. Wir freuen uns weiter über die „freiwillig“ eröffneten Durchgänge der Stadt,.

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Ganz befriedigt von dem Markt sind wir allerdings nicht und können noch. Wir fahren an der Burgenvinothek vorbei weiter zum Kutschkermarkt. In dem Weinladen ging es um eine kurze Reklamation, weil eine Flasche Rotwein auf dem Weg zu uns kaputt gegangen war und die restliche Sendung verschönert hat mit originellen Flecken. Sie hatten das Paket darauf hin mit so viel Verpackungsmaterial eingewickelt, dass es aussah, als sei ein Babyelefant geliefert worden.

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Auf dem Markt gibt es so tolle Dinge, wie Gemüse für die Suppe. Warum denkt da bei uns keiner dran und so appetitlich.

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Außerdem Mohnbrötchen, die den Namen verdient haben. Nicht wenige Mohnkrümmel oben auf dem trockenen Brötchen drauf, sondern eine satte und saftige Mohnfüllung, die durch einen dünnen Teig gehalten wird. Der Wahnsinn. Jeden Tag will ich so was essen.

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Ich fühle mich an diesem Tag, wie eine Frau mit einem sehr tiefen Dekolleté auf dem Kopf. Es sind gerade die Männer, die mich entgegen kommen und es nicht schaffen mir ins Gesicht zu schauen, weil sie zu abgelenkt sind.

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Außerdem kaufe ich ein Stück Maronibrot (dachte zwar es wären dicke Haselnüsse, die an der Schnittstelle zu sehen sind, aber so ist es noch spannender) und einen selbstgemachten Aufstrich dazu. Ein Engländer führt einen schönen second hand Möbelladen, der auch als Café dient und hat tolle alte Wollstoffe auf Sofas, aber leider mit Holzarmlehnen dazu und auch hellblau ohne Muster. Das ist eh zu empfindlich für unseren Haushalt.

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Dann Café Schoppenhauer. Die Butterkipferl sehen wirklich unscheinbar aus, aber der Buttergeruch verschlägt einem fast den Atem wenn man das Teil zum Mund führt. Ich nehme wieder mein Müsli. Statt spanische Konversationskurse, wird jetzt für eine Frauenschachgruppe geworben, „Frau Schach – alle Niveaus willkommen“ oder so ähnlich. Ich trinke einen English Breakfast Tee und fühle mich vom Teingehalt her an meinen ersten High Tea im Balmoral in Edinburgh erinnert. Die Pumpe schlägt.

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Der Laden meines Vertrauens in dem ich letztes Mal zwei paar Handschuhe aus Stoff erstanden habe.

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Wir fahren etwas Bus, erst die Linie 40 und dann 41 (Bim). Es gibt Villen und den ein oder anderen Gemeindebau, den wir passieren.

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Außerdem gibt es tolle Gespräche in der Bim über eine Inszenierung von „Warten auf Godot“. Die hätte „keine Aussage gehabt, aber Tiefgang“, was auch immer das bedeuten soll. Im Café Mayer an der Endhaltestelle Pötzleinsdorfer Straße machen wir wieder Station und kehren ein.

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Als wir zurück fahren wollen, verpassen wir gerade eine Bim und Stephan kommt auf die Idee, dass sie um die Ecke fahren wird und gleich in der Parallelstraße auftauchen und wir rennen, weil wir die Geräusche der Tram schon hören. Die dünne Tramfahrerin mit den French Nails macht erst mal eine Runde Pause und checkt ihren WhatApp account und raucht eine dazu. In der Bahn unterhalten sich junge Erwachsene. Die eine ist Rädelsführerin und weiß: „man kann auch Jus studieren und nicht Juristin werden“. Sie kenne eine, die sei jetzt Goldschmiedin. Ich überlege, ob ich sagen soll, dass man auch gut Germanistik studieren und dann kellnern oder Taxi fahren kann. Das sei auch sehr beliebt und geht gut. Wir fahren zu Humana in der Alserstraße, mein neuer Lieblingsladen, der allerdings samstags nur bis 13 Uhr offen hat. Das verstehe ich nicht das typische Publikum schläft doch samstags mindestens bis 11 Uhr. Weiter mit dem Bus 1 A und ins Schwarze Kameel. Daneben kaufe ich ein schönes Geschirrhandtuch mit Insekten drauf.

Im Kameel ist es supervoll und wir quetschen uns dazwischen. Mein Hütchen kommt gut an und ich werde auf der Toilette darauf angesprochen. Am Stehtisch gegenüber unterhält sich die übliche, operierte Blondine mit dem älteren Kerl bei einem Glas Schampus über die Grillparty, die sie veranstalten wollen und welcher Fisch gekauft werden soll.

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Ich will bei Meinl noch Madelaines kaufen. Beim Reingehen kommen einem schon die frisch Nasenoperierten entgegen. An de Kasse ist eine ganz schlimme magersüchtige Tussi mit Pelz, die total hysterisch ist und behauptet mit einem hunderter bezahlt zu haben. Sie verlässt wütend den Laden und die 7-jährige Tochter, die dickere Beine hat als ihre Mutter darf die Tüte vom Schwarzen Kameel tragen. Wahnsinn, ich konnte nicht widerstehen ein Foto zu machen.

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Der 1. Bezirk ist Wahnsinn. Nur schnell wieder weg hier. In den Steffl will ich auch nicht rein. Begründung, ich bin noch ganz erfüllt vom Dom in Straßburg, der schönsten Kirche der Welt und wenn ich jetzt in den Steffl hineingehe, macht mir das nur alles kaputt.

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Etwas chillen und basteln. Sunla druckt Verbotsschilder aus für ihr Kostüm. Zwei Hupen, die durchgestrichen sind auf den Brüsten macht sich sehr gut. Andras ist im Krochalook mit Evva-Schüsselbund um den Oberschenkel gebunden und Palästinensertuch und Neonkappe als deutsche Exportschlager. Ich trinke zur Feier des Tages einen Red Bull Cranberry, das österreichische Nationalgetränk aus dem Vorrat des Gastgebers. Dann auf zum Café Europa. Im hinteren Raum treffen sich die Gäste von der Gemeindebauparty und es sind wieder tolle Kostüme dabei. Ein Ganzkörperrasenanzug mit Hundescheiße, die aus Baisergebäck mit Kürbiskernen besteht und Sackerl fürs Gackerl. Da einige Frauen Handtaschenhunde dabei haben, stelle ich Szenen von Divine nach. Verbotsschilder sind gut vertreten, eine Frau steckt in einem hautengen Backsteinkostüm. Das Muster hat sie auf der Haut weitergezeichnet. Auch sehr schön. Prolls, eine Frau als Typ mit Feinripp und gemalten Brusthaaren, die heraussprießen sowie einer Vokuhila-Perücke. Ihr Begleiter ist ein Briefkasten „wenn’s wichtig ist, dann mit der Post“ oder wie war das? Eine ganz wundervolle Peggy Bundy, mit toupierter Frisur, Haarreif, Strickjacke, Gürtel darüber, Steghose und Riemchensandale, von der Körpersprache her auch sehr überzeugend.  Ihr Mann ist eine Katze. Ein zweiter Krocha mit Glitzer-T-Shirt. Andras geht als Kevin und beherrscht die Tanzmoves dazu. Eine Gemeindebautranse mit Cowboyhut und High Heels. Dagmar und eine Freundin kommen mit einer Wäscheleine um den Hals gebunden und zwischen ihnen aufgespannt mit Unterhöschen, Socken und BHs, die daran baumeln. Gut, aber auch anstrengend zu tragen. Die Gastgeberin kommt als Selbstbedienungszeitungsständer daher mit meinen Lieblingscollageblättern der dortigen Presse. Sie freut sich über das für sie gebastelte Buch.

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Ich amüsiere mich prächtig. Musik immer wieder grenzständig mit Falco und deutschsprachigem Kram, d.h. Ösi-deutsch, was wir nicht verstehen. Ich trinke Pfirsich-Schorlen bzw. -spritzer, die teurer sind als Bier. Es gibt einen Live-Auftritt von einer Freundin, die im 50er Jahre Stil angezogen ist singt bzw. als „Blume des Gemeindebaus“ Männer wie Frauen aus dem Publikum den Kopf verdreht. Zum Schluss gehen alle ab zu Rage against the Machine. „Some of those who want forces are the same that want crosses“ passt natürlich sehr gut hier her. Auch dieses Jahr brauche ich nach dem Pogo Sportsalbe am nächsten Tag für mein Knie. Rentnerpunk halt. Sunla geht gleich nach Hause und auch ich zögere kurz, weil mir die Füße weh tun und die Verdauung gerade kritisch ist, trotzdem ist der Drang zur Würstlbude stärker. Wir steigen noch mal aus am Südtiroler Platz mit dem Ziel Würstl-Stand Südtiroler Platz. Da ist morgens um halb 3 eine Schlange!! Das finde ich beachtlich. Ein Typ, der etwas aussieht wie ein Sandler hat die letzte Waldviertler Wurst bekommen. Die wollte ich probieren, mal was anderes. Soll ich ihn einen 10er bieten um mal abzubeißen? Da bleibt nur Käsekrainer nach Art des Hauses mit Ketchup, Curry und einem Berg frisch geschnittene Zwiebeln.

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Ich habe etwas Angst wegen der angeschlagenen Verdauung, aber auch wenn es mich zerreißt. Die Sache war es mir wert. Ich schlafe gut, aber nicht so lange wie die anderen. Da bleibt nur basteln, was ja weiß Gott nicht schlecht ist.