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neue Ampel entdeckt

07.04. Herr Subutex wird Morgen operiert und ich fahre zu ihm. Ich habe seit der Standpauke von dem Straßenbahnfahrer eine neue Ampel entdeckt. Am Georgengarten zur Uni hin ist eine Ampel postiert für die Stadtbahn und die nutze ich jetzt auch, nachdem man mir das neulich so freundlich erklärt hat und ich früher immer dachte, ich muss immer selber gucken und beurteilen, ob die Straßenbahn aus dem Tunnel kommt. Ich habe es tatsächlich nicht gewusst mit der Ampel. Gut, dass der schimpfende Typ ausgestiegen ist. Hat sich für mich gelohnt.

Ich höre es immer gerne, wenn es die Station nach der ich suche nicht gibt, dann schaut der Mann bei der Information in den Rechner und schreibt C1 auf. Nein, ich will nicht zu Fuß eine Umleitung zu einem anderen Gebäudeteil laufen, ich bin mit dem Fahrrad auf dem Gelände und fahre dort hin, d.h. einmal raus und ums Gebäude herum, Schneiderberg wieder rein. Auf der C1 ist er auch nicht, sondern D2. Die reinste Schnitzeljagd. Wer bin ich, ach, die Betreuerin. Gleich wollen sie noch wissen, ob sie mich jetzt immer beteiligen müssen und ich sage, „nein, es sei denn er ist nicht einwilligungsfähig nach der OP, weil irgendwas schief gelaufen ist und er ist im Koma, aber ansonsten nicht, weil er selber zustimmungsfähig ist und ich wollte von Ihnen auch nur die Zimmernummer und sonst nichts, sonst hätte ich Sie gar nicht angesprochen, quasi total privat bin ich da“. Als mir die Zimmernummer genannt wird und ich „die reinste Schnitzeljagd“ schon gesagt hatte, hoffe ich „dass das Würstchen dann auch in dem Zimmer ist, quasi Preis bei der Schnitzeljagd“. Mein Betreuter schwankt zwischen Rache und dem Wunsch nach Opferentschädigung. Das ist diese Mischung aus hartem Kerl und ein bisschen Weichei, der gerne Katzen und Hygienetücher mag. Ich trage ein Kilogramm schwarzen Tee, die goldene Luxusmischung mit einem tanzenden Derwisch vorne drauf als Accessoire spazieren. Steht mir gut und man könnte meinen, ich betreibe ein türkisches Café oder eine Shisha-Bar. Ich rechtfertige mich,“ Jahresration“ und Herr Subutex will mir erklären, dass man sich damit „puschen könne“. Dazu soll ich 4-5 Esslöffel nehmen und dann…. Ich will das Rezept nicht haben und ein Mr. Babysubutex braucht mir nicht die Wirkung von Tee erklären. Er ist deutlich jünger als ich, altert nur zusehends, aber von der Lebenserfahrung her bin ich auch schon über den Schünemannplatz hinaus gekommen, egal. Ich wünsche ihm alles Gute für seine OP. Der Zimmernachbar wartet alleine auf seine OP und darf nichts Essen und es ist nach 12. Das ist auch grausam. Herr Subutex will immer über diese Rumänen lästern und ich sage ihm, dass sei rassistischer Müll, wie diese Italiener oder Engländer. Er meint noch, dass sei schön höflich, eigentlich seien es Berber für ihn. Ich frage ihn, was er darunter versteht. So eine Art Sozialschmarotzer stellt sich heraus, also ganz viel ungebildet halt.

Mittags draußen sitzen im 11 A. Die Pasta ist um Längen besser als im Marktkaffee und das Brot und der Kuchen und man sitzt viel besser. Alles viel besser.

Stephan hat Karten gekauft für ein Gastspiel des Burgtheaters und Beatrice Frey führt Regie. Wir haben die beiden letzten Plätze, in der letzten Reihe außen ergattert. Das finde ich mal super und freu mich sehr.

Bei 2 Betreuten fragt das Gericht, ob die Betreuung verlängert werden soll und eine ehrenamtliche Betreuung nicht möglich sei. Herr A. sagt, bitte nicht ohne mich, da wäre er tot und Frau O. sagt auch, nur durch mich fühlt sie sich stark, ich sei ihr ganzer Halt und ihre einzige Bezugsperson. Ganz schön krass. Wie stelle ich das an? Diese psychische Abhängigkeit? Unfreundlich und launisch bin ich und das wirkt umso stärker. Es ist das American Hustle Prinzip. Immer schön „nein“ sagen, dann wollen sie erst Recht.

Ostern steht ein Doppelgeburtstag in Berlin an bei Freunden und ich freue mich sehr. Außerdem will ich mal in den Botanischen Garten, von dem ich schon so viel gehört habe und dort gibt es diese riesigen Seerosen mit den Blättern, die mehr als 1 Meter Durchmesser haben. Ein gutes Apartment haben wir auch schon gefunden und gesichert. Genau in Kreuzberg, wo es uns letztes Mal am besten gefallen hat und ziemlich günstig und richtig Glück gehabt, weil der Typ ziemlich selten vermietet. Yuhuu. Ich frage Heike, was sie sich wünscht und sie antwortet so süß, dass sie sich einmal zu Weihnachten von Freunden, die Georg gefragt hatte, was wünscht sich Heike was zum Basteln gewünscht hatte, Pattex und schönes Papier und sie habe sich schon so gefreut und dann stattdessen einen Gutschein für ein Wellness-Hotel geschenkt bekommen, wo sie doch Schwimmen hasse und seit dem sei sie ein gebranntes Kind mit Wünschen.

Schönes Zitat des Tages: „Aber Sie wissen schon, dass Sie in der JVA sind?“ und ich „nee, ich habe da bloß angerufen“.

Die Kollegin telefoniert bei offener Tür. Sie will einen Termin bei Sabine. „Da bin ich leider nicht mehr da“, höre ich sie sagen. Dann Pause und dann: „nur die Spitzen und ein bisschen Ansatz“.

Abends beim Yoga hat Mikael andere Vorführdamen. Ich bin nicht mehr so angesagt, sondern Pia und eine andere, die sich nach dem Kurs noch die richtige Ausführung bestimmter Übungen erklären lässt. Mir ist das nicht Unrecht, weil ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt. Es waren einige Neue dabei, was das Tempo immer deutlich drosselt, weil Mikael in seiner niedlichen Sprache aufs Neue erklären muss, was „die Brücke bauen“ und andere Dinge bei ihm bedeuten. Auch ein neuer Mann, die bleiben immer nur einen Kurs. Als Anschlusskurs taugt es mir trotzdem am Montag und ich werde dabei bleiben. Anschließend gibt es Pfannkuchen mit Zimt und Zucker und Salzbutter. Das liebe ich. Es stimmt auch, dass ich äußerst essensfixiert bin, wie vermutlich kaum ein zweiter Mensch. Als ich bei den Vogelhäuschen aus Plastik im Garten sage, die Vögel würden da erst mal Futter unten rein machen, stellen Stephan und auch G. fest, ja, ich würde da Futter reinmachen als erstes, aber die Vögel Nistmaterial. Ich muss lachen, weil es stimmt, aber ich ausnahmsweise nicht an Essen, sondern an was Flauschiges gedacht habe, quasi Futterstoff oder Füllung und mich nur falsch ausgedrückt habe.

Aus einer verschlossenen Plastikdose, in die ich Früchtetee hineingetan habe, den ich über den Winter nicht benutzt habe, damit er hermetisch abgeschlossen ist, kommt eine Motte rausgeflogen und da ist innen alles voll von Fäden und Krümeln und Netzen. Ich frage mich, wie die da reingekommen ist und vor allem, wie die darin leben ohne Licht und Sauerstoff, aber es reicht offenbar und ich schätze, die war da schon in dem Tee drin, weil sonst fliegt nichts in der Küche und es war echt gut verschlossen. Stephan hat den Inhalt gleich zur Tonne gebracht und ist latent auf der Hut.

08.04. Morgens zähle ich Rohlingen und bin dabei wieder Zahlenfetischistin. Ich stelle fest, wenn ich die Buttonmaschine verleihe, habe ich die mit Magnetverschluss in den ganzen Jahren noch nicht einmal ausprobiert. So geht das nicht. Bastelmessie, halt. Zu viele Sachen.

Die Mandantin der Kollegin aus dem Osten ruft wieder an. Immer dieselbe Frau. Gestern hat sie mich schon genervt. Es ist 8:30. Ich sage, sie müsse mal die Nummern wählen, die ich ihr vor über 6 Wochen gegeben habe, ich sei nicht im Büro und könne auch nicht nachschauen und lege dann auf, als sie noch weiterredet. Ich weiß, das ist sehr unhöflich, kann mich aber nicht beherrschen. Die Frau macht mich aggressiv und ich hoffe, es ist nicht der einzige und nicht der wichtigste Fall der Kollegin.

Habe heute Funktionskleidung an, quasi Regensachen (siehe BM Outfit des Tages), weil ich in der neuen Betreuungssache um 17 Uhr im tiefsten Döhren verabredet bin mit der Schwester und vor dem Wetter Angst habe.  Das ist die Eilbetreuung und man hatte Angst, dass sie sich was antut an ihren Geburtstag. Der war schon am 03.04. und ich habe letzten Freitag mit der Schwester gesprochen, die mehrfach da war und sie würde sogar essen. Es seien nur dringende Dinge u.a. mit den Wohnungen zu regeln. So habe ich den Termin auf Dienstag gelegt, weil die Schwester immer erst nach der Arbeit kann und ich denke, beim Erstgespräch ist es hilfreich wenn eine Vertrauensperson da ist. Wie bei jedem Neufall bin ich sehr gespannt, was mich erwartet. Ich versuche im Vorfeld die Hausverwaltung zu erreichen. Die Schwester sagt, ich solle nicht sagen, dass ich die Kontaktdaten von ihr habe. Die Betreute bewohnt offenbar 2 Wohnungen.

JVA-Mitarbeiterin der Suchtberatung „traut“ mir „einiges zu“. Mein Ruf eilt mir voraus.

Manchmal wenn ich nach Hause fahre mittags kommt man kaum durch, weil alle Eltern ihre Kinder von der Grundschule abholen und eine riesige Traube auf der Straße bilden. Können die Blagen nicht einfach nach Hause laufen, wie wir früher oder Rad oder Bahn fahren mit den Mitschülern, wie wir früher?

Ich lache noch mal über den Sketch zum Thema Helikoptereltern, deren Lieblingswort Hochbegabung ist und die überall Gefahren wittern und die Luft aus dem Ball lassen, damit er nicht auf die Straße rollen kann und den Sand aus dem Sandkasten erst mal mit nachhause nehmen und bei 60 ° durchwaschen. Die Eltern: „Joshua, was ist die Wurzel aus 260.432?“ Sohnemann: „Sag ich nicht“ und dann: „das ist typisch für hochbegabte Kinder, dass sie leicht unterfordert sind“.

Ich komme „nackt“ aus der Mittagspause wieder, d.h. Armreife abgelegt, weil sie beim Essen zubereiten nerven und dann nicht wieder angelegt. Außerdem muss ich aufpassen, dass ich mich nicht beim Spielen verliere und überhaupt wieder zur Arbeit gehe.

Herr Ihme hat Erinnerung wegen Stromabschlag und ein Anruf bei den Stadtwerken ergibt ein zweites Konto mit einem nicht unerheblichen Guthaben, was umgebucht werden kann. Sehr gut, manchmal lösen sich die Probleme im Wohlgefallen auf.

Stephan findet lauter Post an das alte Emailfach. Unverhofftes und Dinge, auf die ich schon gewartet hatte.

Die neue Betreute: Hausverwaltung beide Wohnungen gekündigt im März. 2014 keine Mieten mehr gezahlt. Der Inhaber der Hausverwaltung lässt sich Betreuung erklären, nennt es aber immer wieder Entmündigung.

Ich habe Termine in der Stadt und will die Wäschetruhe beim Fairkaufhaus abholen. Es ist 16:15. Leider ist da ein Schild dran, reserviert bis 08.04. 17 Uhr und so lange kann ich nicht warten. Ich will bezahlen für den Fall, dass sie nicht abgeholt wird. Das geht nicht, auch Folgereservierung geht nicht. Ich bin sauer und gehe.

Der Weg zu meiner neuen Betreute ist weit, die Straße gesäumt mit blühenden Bäumen. Die Schwester steht an ihrem Auto, wir erkennen uns sofort. Die Betreute sieht leicht verwahrlost aus, sie ist barfuß, es riecht aus der Wohnung. Auf die Schwester ist sie ganz schlecht zu sprechen, die habe ihr alles eingebrockt. Der Termin heute passt ihr nicht, sie will mich wegschicken, ich soll in 2 Wochen wieder kommen, sie sei nicht krank und es fehle an nichts, alles, auch mit den Wohnungen sei kein Problem. Ich vereinbaren für den nächsten Tag einen Folgetermin und denke mir, warum habe ich es übernommen, selber schuld. Der Schwester sage ich vor der Tür, dass das Ablehnende nicht ihre Schwester sei, sondern die Krankheit. Sie muss versuchen das zu trennen. Ich sage ihr, dass ich glaube, dass wir an einer Einweisung nicht vorbei kommen. Ich werde Morgen noch mal hinfahren, aber sie verkennt ihre Situation und ist misstrauisch-ablehnend. Ich werde nicht viel ausrichten können. Stephan wundert sich, dass ich mir das „gefallen lasse“, das ich weggeschickt werden ohne Grund, aber sie wusste nichts und fühlte sich überfallen und hat darum gebeten „als Zeichen der Höflichkeit“ und ich tue es, weil ich nichts unversucht gelassen haben will und nicht leichtfertig Einweisungen mache. Ich werde Morgen Herrn  Grubert die Grammelschokolade von Zotter aus Wien vorbeibringen. Da fahre ich auf dem Rückweg vorbei.

Dafür war der Termin heute kurz und ich eile zurück zu meiner Wäschetruhe. Als ich vorfahre, machen sie gerade im Schaufenster das Schild ab. Ich muss die Truhe bis zum 15.04. abholen, sonst fallen Lagergebühren i.H.v. 17,50 € die Woche an, wenn die Gebühren den Wert des Kaufgegenstandes übersteigen, ist der Kaufvertrag hinfällig. Ich verstehe die Belehrung und unterschreibe. Danach ein Übersprungsgroßeinkauf bei Alnatura. Abends Grünkernbrätlinge mit Zwiebeln und Käse, dazu Joghurtdip.

Wir wollen Samstag mit Freunden was Essen. Das Boca ist zu beliebt und Stephan tut so, als würden wir nichts finden. Ich nehme mir das „Hannover geht aus“ zur Hilfe und bestelle einen Tisch in der Trattoria Emilia. Die kurzhaarige Frau soll die beste Pasta in Hannover mache. Es klingt sehr bodenständig, wir werden sehen.

Mein Musiker mit der bipolaren Störung schickt mir eine email und ist wieder latent manisch und schläft nur 3 Stunden die Nacht, ist aber in ärztlicher Behandlung, auch weil seine rechte Hand lahmt bzw. zwei Finger und er „eine Gabel nicht in eine weiche Kartoffel stecken kann“ und beim Neurologen ist und voll in seinen Hochzeitsvorbereitungen steckt und mir die Zugangsdaten für sein Konto erst nach Ostern und den Flitterwochen schicken will, wenn dann „alle Zahlen auf dem Tisch liegen“. Ich muss ins Bett.

09.04. Ich habe komisch geträumt von einer früheren Freundin in Berlin. Ich bin mit ihrem Freund, der Skinhead ist unterwegs und sie lebt wohl auf seine Kosten und kauft immer so teures Bastelmaterial und ich sage ja, der letzte Brief war auf edlem Papier geschrieben, das hat bestimmt 4 € gekostet. Das soll ich ihr mal sagen, dann verschütte ich Polenta und biete an, die neu zu kaufen, weil da wollten sie noch was daraus kochen. Ein riesiger Bio-Supermarkt und wir sind bei den Waschmitteln. Dann müssen wir durch ein Schwimmbad, die Männerumkleidekabinen zur Station. Er fasst mir an die Brüste, ich ignoriere das. Er will mir eine Fahrkarte kaufen, aber erst an der nächsten Station, eine muss ich schwarzfahren und wundere mich über mich selber, dass ich mich darauf einlasse.

Heute ist das Wetter wieder freundlicher, aber ich habe meine Funktionskleidung gefunden und mich kann nichts schrecken. Ich denke an Hader mit dem „Erdbeerjoghurt, Lieblingssorte. Alle wollen Erdbeerjoghurt und wenn man sich vorstellt, wie viele Erdbeeren es auf der Welt gibt und wie viele Leute Erdbeerjoghurt wollen, das geht sich nicht aus und deswegen müssen wir Sägespäne essen“. Das sei eben Demokratie, dass jeder wählen darf, was er essen will. In einer gemäßigten Diktatur, würde bestimmt werden, „ihr esst Pfirsich und ihr esst ohne Geschmack, weil ihr zu wenig gelacht habt (er deutet dabei ins Publikum) und nur ihr dürft Erdbeerjoghurt essen“.

Bei einer Betreuten wird eine Forderung der Stadt Hannover wegen Unterbringung von einer Katze im Tierheim i.H.v ca. 500,- € auf mein Betreiben befristet niedergeschlagen. Die hatte mich gestern angerufen, weil sie sich Möbel bei Bader gekauft hat und die angerufen hat und Raten vereinbar hat und ich habe geschimpft, weil Ratenzahlungen nicht klappen und zwar nicht das ständige Versprechen, das klappt gut, aber die Umsetzung. Es ist Sisyphos-Arbeit und ich spare Geld, was dann an andere Stelle verballert werden kann.

Stephan liest mir aus der Zeitung, 10 Monate ohne Bewährung für das Anspucken einer Richterin. Wow, teilweise bekommt man doch nur 3 Jahre, wenn man jemanden umgebracht hat. Es war Herr W., der einen Obdachlosen verknackt hat, der sich entschuldigt hatte. Ich rege mich auf, weil ich den Mann kenne und er seinen Beruf verfehlt hat, meiner Meinung nach. Er hat eine sadistische Freude daran, seine Macht auszunutzen und Schwächere zu knallen. Ich habe ihn in diversen Verfahren erlebt und er verhängt Ordnungsstrafen gegen zeugen, die 15 Minuten zu spät kommen, weil sie ihr Subutex abholen mussten und hält denen eine Predigt über die Zeit von den ganzen Menschen, die sie verschwendet hätten, dabei ist 15 Minuten Kulanz und er sollte sie loben, dass sie überhaupt gekommen sind und wovon sollen die 150,- € zahlen, bei 391,- € Monatseinkommen. He should „pick on someone his own size“, wie man auf Englisch sagen würde. Ich finde das Urteil ist eine Schande für die Justiz und irgendwer sollte dem Typen das Handwerk legen. Sollte ich einen Leserbrief schreiben oder mal an den Präsidenten des Amtsgerichts, aber was bringt das?

Apropos W., ich will meinen Herrn Subutex, für den er auch zuständig war, mehrfach anrufen, wie die OP gestern gelaufen ist. Herrn Subutex wurde gar nicht operiert und wird heute wenn dann als Letzter dran kommen wegen seiner Hepatitis. Mutter regt sich auf, weil er behandelt wurde mit Interferon und nicht mehr ansteckend ist und das vor dem ganzen Zimmer verkündigt wird. Das ist auch datenschutzmäßig eine Katastrophe im Mehrbettzimmer, muss man sagen. Sie hält mich auf dem Laufenden.

Melde mich beim Sozialpsychiatrischen Dienst wegen der Neuen und faxe dem Jobcenter 2 x wegen der Leistungen und Mietrückstände. Ich versuche den Ex zu erreichen und das Betreuungsgutachten zu bekommen.

Ich frage den Kollegen, ob er Autosolidarität übt wegen der Wäschetruhe.

Die Frau, die für eine andere einen Betreuerwechsel erreichen will, schneit herein. Ich trinke gerade mit den Kollegen Tee und habe Türsteher gelernt und sie ist in weniger als 30 Sekunden wieder draußen.

Pharell Williams arbeitet lieber mit Frauen zusammen und bei ihm sind 8 von 10 Mitarbeiterinnen Frauen. Begründung, die riechen besser und er muss sich nicht über Sex- und Sportthemen unterhalten, die ihn nicht interessieren. So wahr.

Das ist fast ein Sechser im Lotto denke ich mir, als meine neue Betreute zufällig bei der Techniker versichert ist, wie ich von der Schwester erfahre und die doch diese integrierte Versorgung mit Krisenintervention haben um stationäre Aufenthalte zu vermeiden, aber erst mal die Hürden mit dem Datenschutz überwinden. Sie wollen mir die Versichertennummer nicht sagen, als sei die so geheim, wo ich doch alle Daten Preis geben und nur eine zuständige Ansprechperson will und quasi allgemeine Informationen.

Ich fahre erneut nach Döhren. Bei uns im Garten ist das Grün besonders fortgeschritten, weil die Fernwärmeleitung die Wurzeln wärmt. Davon bin ich überzeugt. Manche Bäume unterwegs fangen in einer Ecke an mit dem Grün werden. Das sieht auch lustig aus. Die Betreute öffnet und führt mich in ein makellos aufgeräumtes und sehr übersichtliches Zimmer mit klaren, symmetrischen Aufbau. Eine Matratze liegt auf dem Boden, am liegt ein großer Stapel ungeöffnete Post. Sie erinnert mich an meine frühere Yogalehrerin. In dem Fengshui-Zimmer bearbeitet die Post aktiv mit, quasi Sekretärin. Sie öffnet Briefe, zerreißt die Umschläge und macht daraus einen Stapel Altpapier. Ich sitze neben ihr auf dem Boden und ich glaube, sie merkt, dass ich es ehrlich mit ihr meine. Sie holt mir ein Kissen. Ich merke, was für eine Last von ihren Schultern fällt, dass ihr jemand die Bürokratie abnimmt bzw. den Berg mit ihr zusammen abträgt und da gibt es Einiges von abgedrohter Kontokündigung bis hin zu Stromsperre und Ladung zum Haftantritt, weil 30,- € Bußgeld nicht gezahlt wurden. Viel Post in den Familiensachen. Aufenthaltsbestimmung wurde dem Vater übertragen und ihr wurde untersagt, die Kinder ins Ausland zu nehmen. Das war alles ganz schön dramatisch. Sie hat nur noch 20 Cent, aber sie kommt noch aus. Ich will, dass sie hungern muss und biete an, ihr 15,- € zu leihen. Mehr habe ich nicht dabei. Sie versichert, das sei nicht notwendig. Einen Kühlschrank gibt es nicht und die Herdplatte ist kaputt. Die Wohnung ist quasi noch nicht eingerichtet. Dazu kam sie wohl noch nicht. Mit der Familie will sie nichts zu tun haben, Schwester war 18 als sie aus Russland herzogen, sie gerade mal 8, andere Sozialisation, Missbrauch in der Kindheit, die Schwester wollen nichts davon wissen, jahrelange Therapie. Wir verabreden uns Freitag beim Jobcenter um 9 Uhr. Sie hat ein Fahrrad. Was ist los, verwandle ich die Leute so schnell, Zauberfähigkeiten? Ich bringe Herrn Grubert die Grammelschokolade von Stephan vorbei und fahre im Regen nach Hause. Dann koche ich und trage mich beim Yoga aus, keine Lust. Dafür rufe ich den Verfahrenspfleger an in der neuen Sache um ihm zu sagen, dass hier Veränderungen anstehen und das letzte Kapitel noch nicht geschrieben wurde. Die Kinder werden immer am Samstag für 2 Stunden vom Vater gebracht und ich hatte um 18 Uhr nicht mehr die Hoffnung Jugendamt oder Familiengericht zu erreichen.

Abends bleibe ich hängen bei einer Sendung über das menschliche Gehirn. Das Bewusstsein ist die dünne Badekappe, die außen als dünne Schicht quasi über das Gehirn gezogen wurde. Das Unbewusste ist das große, alte Gehirn der Evolution. Uns wurde durch das Bewusstsein kein neues Gehirn gegeben, sondern es wurde nur ergänzt (Badekappe des Bewusstseins drüber gezogen). Unser Gehirn erledigt 90 % der Aufgaben ohne Bewusstsein und behelligt das Bewusstsein nur mit echt wichtigen Fragen. Andererseits werden Entscheidungen aus dem Unbewussten heraus gefällt und dann dem Bewusstsein noch mal vorgelegt, wie ein Publicity-Gag, damit das Bewusstsein glaubt, es werde auch beteiligt, aber die Entscheidung wurde eh schon vorher gefällt. Unbewusst kapieren wir schneller und treffen die wichtigen Entscheidungen so schnell, dass das Bewusstsein das nicht mit kommt. Das Unbewusste steuert die Gegenwart, damit das Bewusstsein zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und her traumwandeln kann. Dann lustige Tests zur Täuschung der Wahrnehmung. Ich zähle die Pässe der weißen Mannschaft voll konzentriert und sehe den Mann im Gorillakostüm nicht, der durchs Bild gelaufen ist, Stephan schon, der strengt das bis 10 zählen nicht so an. Es wird erklärt, die Zaubertricks funktionieren, die Aufmerksamkeit auf was Anderes lenken, das war klar, aber die Hand im Bogen führen, weil das Auge ihr dann folgt, wenn man eine gerade Linie zieht, dann springt das Auge zum Ende und spart so Zeit bzw. im anderen Fall gewinnt derjenige Zeit, der ablenken will. Singles duschen länger, weil es körperliche Nähe simuliert. Also wir duschen kurz und nennen das Körperliche jetzt duschen. Trockenduschen quasi. Wir duschen jeden Abend. Das kann man beliebig fortsetzen.

10.04. Herrenhäuser Gärten. Die Schildkröte war das Symbol für strategisches Überlegen und der Delfin für schnelle Taten. Insofern passt das Tier auf unserem Dach. Heute wird man Tag des Handelns in der neuen Sache. Morgens Familiengericht, mittags Staatsanwaltschaft und diverse Vollstreckungsstellen der Stadt Hannover, abends das Konto gerettet. Ich darf nicht mehr kopieren, weil wir sonst keine Faxe mehr empfangen können. Der Toner fehlt und wir warten auf die Lieferung.

Der Kollege kommt später, weil er zuhause Geburtstagslieder singen muss für eine 16-Jährige. Ich bin schon früh auf dem Posten.

Nach einer Runde Büro nutze ich meinen Schlüssel für das Hochhaus und nehme den direkten Zugang über die Straße. In der 10. Etage fängt der Fahrstuhl an abzubremsen. Ich hole Herrn Ihme aus dem Bett, wie immer und beim Gehen erinnere ihn daran, dass er heute eine Jacke braucht. Die Regio-S-Karte ist angekommen.

Blättchenmassaker und UhuZichtenstummel auf Holztisch

Wir gehen zu mir ins Büro, weil er noch einen Kaffee braucht. Unterwegs schnorrt er gleich eine Frau an auf eine Zigarette. Ich frage ihn, ob das immer so gut klappt und er sagt meistens, wenn man freundlich fragt und er würde jeden nur einmal anschnorren. Das sei sein Trick. Ich schenke ihm Himbeerbonbons, die hier keiner isst als Lebensmittelspende und Zucker mag er doch. Mütterlich schon, aber ein bisschen Rabenmutter. Nebenbei frage ich seine Klinikaufenthalte 2013 ab wegen der Chronikerbescheinigung. Er leiht sich 10,- €, weil das Geld alle ist, schon am 10. Funktioniert das Handy wenigstens, für das er mehr als 1/3 seines Budgets gleich am ersten Tag hingegeben hat. Essen ist wichtiger, weiß er das nicht. Dann beim Arzt zeigt er mir in der Vice ein Foto von einem Haschkeks und erklärt mir, dass „Lucie in the sky“ die Sorte sei. Er habe mal einen Haschkuchen gegessen und er würde mir mal einen Keks geben, dann wüsste ich das vorher nicht und könnte nichts dafür und er würde mir einen Gefallen tun. Ja, ja, denke ich. Beim Arzt sagt er, die Spritze hilft als Filter gegen die Illusionen. Der Schlaf ist nicht so gut, weil die Sinne, die ganze Nacht aktiv seien. Die Schlaftabletten bekommt er vom Arzt geschenkt, war ein Muster. Ich hatte mich gleich erkundigt, wie viel von den 10,- € jetzt für die Zuzahlung drauf gehen werden. Ich weiß, dass Tabak am Kiosk erst mal 5,90 € kostet. Er hat ein eckiges Stück aus seinem Spritzenpass herausgerissen für einen eindeutigen Zweck. Die Frau des Arztes und ich lachen uns an. Sie stellt fest, da hätte nichts Wichtiges draufgestanden. Wir sehen uns in 14 Tagen wieder zur Spritze. Er sagt, ich könne ihn zwischendurch mal anrufen und wir könnten einen Kaffee zusammen trinken gehen. Ich glaube, eher weniger, sage es aber nicht so deutlich.

Dann Sozialgericht. Ich muss Stephan anrufen und der liest mir die email vor, dass meine Mandantin nicht kommen kann und um eine Verschiebung des Termins gebeten hatte (peinlich). Die Richterin ist besser vorbereitet und hat das Wohnhaus meiner Mandantin gegoogelt und weiß, dass man mit einem E-Rolli 100 km fahren kann. Wir müssen uns wohl an die Pflegekasse wenden oder ein Kabel zum Fenster raushängen.

Mittags fungiert der Kollege als Taxifahrer. Wir holen den Wäschekorb. Stephan trägt ihn auf dem Kopf (davon habe ich leider kein Foto). Endlich die alte Wäschetruhe, die neu war, Korb, ausmustern. Die hier passt viel besser zu mir.

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Anschließend in die Rathauskantine, bei Piu ist kein Parkplatz zu finden. Auf dem Rückweg fahren wir an der Waterloosäule vorbei. Hier haben Samstag vor einer Woche die Menschen oben gestanden bei Tag der offenen Tür. Das sah man von weitem, aber mein Kollege war auch noch nicht oben. Das beruhigt mich.

Heimische Politiker werben mit unvorteilhaften Bildern. Das geht auf keine Kuhhaut. Kennen die nicht Bildbearbeitung? Einer, der ausschaut als hätte er geboxt, aber es hätte nicht zur Profikarriere gereicht, wie mein Kollege meint, wirbt für den „Erhalt unserer Krankenhäuser“. Das macht auch wieder Sinn.

Elisabeth Taylor fragt mich, für welche Fluggesellschaft ich arbeite und ich finde das lustig und irgendwie passend.

Eine Betreute hat einen neuen Job und der Insolvenzverwalter soll sich während der Probezeit nicht beim Arbeitgeber melden. Lese jetzt erst, dass ich den pfändbaren Betrag vom Lohn errechnen und für die Zahlung auf das Treuhänderkonto haften soll dem Insolvenzverwalter gegenüber? Da frage ich mich, ob ich das will.

Was ich will ist mal zur Tulpenblüte nach Istanbul. Das stelle ich mir reizvoll vor und will es mir für 2015 vormerken.

Herr Maßregelvollzug ruft an und will eine Postleitzahl. Ich bin billiger als die 11880.

Beim Sport ist Claudia schön streng und herrscht eine Clique Mädels an, dass sie nicht quatschen sollen, sondern lieber die Übungen richtig machen, Arme höher, Knie tiefer. Diese Ernsthaftigkeit gefällt mir.

11.04. Ich werde ganz früh wach. Es ist 7. Abends noch hat Stephan die Wiener Gaststätte klar gemacht für unseren Geburtstagsevent. Prillisauer um 20 Uhr. Mindestens 11 Personen, im Raucher. Ist besser. Ich freu mich doll. Ziehe ganz unpraktische Unterwäsche an, ein Ganzkörperanzug aus Wolle, bei dem der Toilettengang sehr kompliziert ist, weil ich Schmuck ablegen und mich quasi komplett ausziehen muss, aber ich liebe das Tragegefühl und habe das Ding nun mal in einem Tanzgeschäft in Stuttgart gekauft. Ich kleine Ballettmaus.

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Bin um Viertel vor 9 beim Jobcenter und trage meine diversen Anliegen vor, Mittellosigkeit, Mietschulden, Absprache welche Wohnung behalten werden darf von zweien, Strom abgestellt, usw. Der Mann versichert, das werde heute alle geregelt. Es ist eigentlich wenig los. Um Viertel nach 9 rechne ich nicht mehr damit, dass meine Betreute auftaucht. War ich zu optimistisch. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine Frau mit russischem Akzent kommt, aber den hat meine nicht. Mütter mit Kindern „musst Du auf Toilette? Bitte nimm Deine Schwester aufs Klo“. „Ich will alleine“, protestiert die. „Nein, Du kriegst noch nicht mal alleine Deinen Gürtel auf“. Gutaussehende, ausländische Männer, die Gesichtszüge haben wie antike Könige, junge deutsche Prolls, die mit einem Kumpel da sind und über Ausländer den Kopf schütteln, deutsche Alkoholiker, die Bild lesen und Kreuzworträtsel machen. Eine schwarze Familie, die Mutter mit Kopftuch, die Tochter singt ganz entzückend und unterhält alle. Hier überlebt es sich auch besser zu zweit; mit einem Kumpel oder am besten als Paar. Man kann sich wechselseitig stärken und spart auch beim Duschen. Nach über einer Stunde sind alle schon bedient worden die mit mir gewartet haben. Ich warte noch eine Weile, dann gehe ich noch mal zur Information um zu erfahren, dass ich als nächste dran sei. Eine Sozialarbeiterin, so mein Tipp, die mit einer rumänischen Familie wartet, stellt fest, dass ich schon ganz schön lange warten würde und als Erste da gewesen sei. Das nun auch nicht, sage ich, aber ich soll die Nächste sein. Eine Mitarbeiterin muss einen Aktenbock durch die Tür schieben. Helfen tut keiner, aber hinschauen mit etwas Genugtuung im Blick. Ist das hier wie im Knast das Verhältnis der Insassen zu den Wärtern frage ich mich. Es kommt eine dralle Blondine mit schwarzen, hautengen Klamotten und Highheels aus schwarzem Lack mit Schleifen vorne dran. Ich müsse jetzt noch in den anderen Wartebereich, weil erst Daten erfasst werden müssten und dann würde ich zu ihr kommen. Nur noch kurz. Ich sage ihr, dass ich nicht die Frau XY, sondern die Frau Z. bin, deren Büro jetzt nicht besetzt ist. Wieder warten und andere mit Nummern kommen dran. Warum fühle ich mich wie bei dem berühmten Marschmellow-Test? Dann ich. Der junge Typ versteht gar nichts und will mir einen Termin geben um mir die Antragsunterlagen auszuhändigen, er soll sie mir geben, dann mache ich das kurz. Er dürfe sie mir nicht geben, behauptet er und dafür druckt er mir eine Vollmacht aus und einen Termin zur Arbeitsvermittlung in 2 Wochen. Ich sage ihm, er habe nicht verstanden um was es geht.

Ziffernsammelstelle

Jetzt werde ich langsam richtig sauer, gehe zurück zur Info und mache Alarm. Ich will den Teamleiter sprechen. Ja, die Frau Blond und die Teamleiterin seien informiert. Hektisch läuft sich durch die Gegend und sucht ihre Kollegen. Als Blondchen eine rauchen geht, steige ich ihr nach und sie flieht durch einen anderen Eingang. Dann soll ich wieder zu Herrn Unbedarft, dem ich sage, dass ich ihn nicht mehr sprechen wolle, nur noch die Teamleiterin Leistung und die Auszahlungsmamsell. Er sagt mir, die Blondine lasse mir ausrichten, sie könne heute nichts für mich tun. Ich sitze vor dem offenen Zimmer der stellvertretenden Teamleiterin, die mir auch sagt, ich sei die Nächste, ihr Rechner sei abgestürzt. Dann kommt Herr Unbedarft und sagt „Melanie“ habe mich ausgetragen und die Teamleitung regt sich auf mit den Worten, das ginge aber nicht und verlässt den Raum. Schließlich holt mich ein netter Typ nach 3 Stunden und mit dem kläre ich alles. Ich sage, die Frau mit den zu engen Klamotten habe mich nicht bedienen wollen. Das ist wohl seine Vorgesetzte, wie er mir sagt. Ich sage ihm, dass einem so einiges durch den Kopf gehe. So Typen, die 1,90 groß sind und 140 kg wiegen, bräuchten doch mehr Regelsatz als kleine Thai-Frauen. Müsse das  nicht nach Körpergröße gestaffelt werden, frage ich mich da. Ungleiches, ungleich behandeln, wäre so eine Verfassungsgrundsatz. Soll er die jetzt auch noch vermessen, will er wissen. Ich fülle die Anträge aus, er sagt meine Schrift sei noch schlechter als seine. Ich gieße seine Pflanzen, er versucht, die alte Akte kommen zu lassen. Das klappt nicht, aber ich bekomme eine Zahlkarte und nicht nur Lebensmittelgutscheine. Er will wissen, ob sich das lohnt, was ich mache bei dem Aufwand und ich sage, nur bei einer gewissen Organisation, einer bestimmten Anzahl von Fällen und Vielen, die man echt gut im Griff hat, könne man sich so einen Fall leisten und ich wisse nicht, was mich geritten hätte, als ich hier ja gesagt hätte, da sich bei mit die Leute bewerben und ich mir das aussuchen könne, aber ich mag die Herausforderung und habe auch einen Ruf zu verteidigen. Ich verlasse nach über 3,5 Stunden den Laden. Wahnsinn. Ich mag das ja, wobei die Hälfte der Zeit auch mehr als gereicht hätte, es ist ein Eintauchen in eine Welt samt anderem Namen, der aufgerufen wird.

Jetzt fahre ich durch den Nieselregen zu Frau Yoga und muss 2 x Stephan anrufen und biege 2 x instinktiv falsch ab. Sie ist da und begrüßt mich freudig. Hatte gestern einen Schub von Blasenentzündung, entschuldigt sie sich. Sie hat noch einen ganzen Schwung Post und holt die Versicherungspolice, die ich der Kündigung beifügen muss und heute per Einschreiben schicken aus der oberen Wohnung. Ich sage ihr, wir müssen den Ex kontaktieren. Er muss den regelmäßigen Umgang mit den Kindern bestätigen für das Amt und auch wegen Unterhalt. Er verdient wohl 4.000,-. Sie hat bis Februar 2013 bei Rewe gearbeitet und hat alle Lohnabrechnungen säuberlich abgeheftet. Sie hat in wenigen Monaten 17.000,- € durchgebracht. „Mieten gezahlt und Sachen für die Kinder“, sie hätte das Geld nur für die Kinder ausgegeben. Ich sage, dafür hat die Summe eine Null zu viel. Ich bin müde, sie soll die kleine Wohnung räumen, die einen Stockwerk darüber liegt.

Kerzen Twix Bonbons Kinderhölle

Da seien einzelne schwere Möbel, ob ich da nicht niemanden hätte. Nein, sie soll die Hilfe der Schwester annehmen bzw. der Männer dazu oder Nachbarn bitten. Ich bin abgegessen und fertig. Ich sage ihr, der Termin war ätzend und ich hätte zukünftig gerne gewusst, wenn sie es nicht schafft, damit ich mich drauf einstellen kann, „kein Problem“ sagen und dann nicht auftauchen, sie nicht so meine Sache. Andererseits hätte sie auch nicht viel helfen können oder eben doch wegen zu zweit ist man stärker.

Ich muss noch beim Amtsgericht vorbeifahren. Versuche den Mann zu erreichen. Das Büro gibt Alarm, dass ein Alkoholiker/Betreuer Geld braucht und von seiner Freundin bestohlen wurde. Der bekommt heute meine ganze Wut und Überforderung zu spüren, aber ich entschuldige mich später und er sich bei der Mitarbeiterin, wenn er genervt habe oder etwas Falsches gesagt habe, das sei nicht so gemeint gewesen. Er reicht ihr die Hand über den Tresen hinweg (quasi immer alte Schule) mit sagt seinem Text auf, falls was gewesen sein sollte, war es nicht so gemeint… sie muss unweigerlich lachen. So vertragen wir uns alle wieder. Ich arbeite weiter in meinem Fall Yoga, aber viel ist nicht mehr übrig vom Tag. Morgen kommt Herr Subutex, er wurde operiert und ist zuhause.

Abends beim Sport liegt die Brosche meiner Oma (Kinderfoto nachcoloriert), die gestern wohl abgegangen ist und ich habe es nicht bemerkt auf der Fensterbank. Ich bin der Finderin sehr dankbar.

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Wir machen Trampolin und meine Hose bekommt ein komisches Muster, kleine dunkle Schweißflecke. Nächste Woche ist das Studio zu und ich habe Osterferien vom Sport, schade eigentlich, aber dann ergibt sich Gelegenheit für andere Unternehmungen. Die Montagsbar in der Cumberlandschen Galerie interessiert mich schon seit geraumer Zeit. Unsere Freunde aus Essen fahren durch an die See. Vater und Sohn haben keine Karten für Fußball bekommen und da wollen die Jungs lieber noch etwas mit Freunden machen. Schade. Für Morgenabend finden wir allerdings Ersatz und darüber freue ich mich sehr, nur zu zweit in die Trattoria wäre mir zu beschaulich gewesen.

Musterhäuser für Vögel

06.04. Werde schon um Viertel nach 6 wach. Immer noch Nebel draußen. Allerdings bereits um 8:45 lässt sich die Sonne blicken und da kommt Freude und Unternehmungslust bei mir auf.

Das Sonntagsfahrzeug, mein Adler, der mit der Karre von Willem Dafoe in „Grand Budapest“ konkurrieren kann, nur ohne Motor wird auf dem Keller gehievt.

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Ich will eigentlich den Kubus ausfallen lassen, weil wir es nicht pünktlich zu Veras Eröffnungsrede schaffen und ich es dann gleich lassen will, aber Stephan überredet mich. Die Ausstellung ist gut besucht und dekorativ, aber nichts was einen vom Hocker reißt. Mehrfach versuchen plumpe Fotografen mich ungefragt abzulichten, was ich durch Zigzagmanöver zu umgehen weiß. Ohne zu fragen und dann ganz auf blöd, da steh ich leider gar nicht drauf.

Vera zeigt uns den Jahresring eines Baumes, der feinsäuberlich herausgearbeitet und an die Wand gehängt wurde. Meine Reaktion: Gibt es für Fleißarbeit Extrapunkte? Also, wir sind schnell durch und fahren wieder nach Linden. Vorher erfährt Stephan im Treppenhaus vom Kubus, dass er wohl abgesetzt wurde und zumindest nicht mehr stellvertretender Wahlleiter bei der Europawahl ist, sondern eine Andere die Stelle übernommen hat. Stephan macht mich darauf aufmerksam, dass die Fußballer für Reisefreiheit demonstrieren.

Unsere Gespräche am Kuchentresen vom Rossi belustigen den Mitarbeiter, wie Stephan uns erklären will, dass man 2 Stücke bzw. 6 sind es in unserem Fall nicht durch 3 teilen könne und besser wäre es, wenn er gleich eines essen würde. Ich sage, „dass kannst Du ja auf der Gartentoilette machen, heimlich essen und dann mümmelnd wieder kommen“. Natürlich kaufe ich einen Keks extra, nur für mich. Ist auch klar. Ich habe eben diese Verhungerungsängste und bei mir ist es medizinisch und total was anderes und verständlich. Ich habe zur Feier des Tages meinen unpraktischen Wassermelonenkorb dabei.

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Auf den Weg in den Garten gehen mir diese Lokaltpatrioten gehörig auf den Sack mit ihren „Hannover“ und 96 Bekenner-T-Shirts, schlimmer als St. Pauli oder genauso so schlimm. Die haben alle das Gehirn an der Garderobe abgegeben, wenn man mich fragt.  Hirnlose Mitläufer. Ich bin intolerant und sage zu Stephan, dass wäre ganz einfach bei einer neuen Partnerwahl, weil die würde ich alle schon mal ausmustern und dann fallen ca. 75% der Heteros schon mal weg. Ich meine, ich überlege ernsthaft, wenn der Typ total nett wäre und er steht auf Fußball und merke, ne, geht nicht. Auf dem Fünfzigsten neulich trug ein Typ (Sozialarbeiter von Beruf oder Jugendarbeiter) ein T-Shirt mit „Gelsenkirchen, Nordkurve“ und ich dachte, es sei ein Witz, aber Humor und Fußball gehen nicht zusammen und er erklärte den Vereinswechsel vor 26 Jahren und die bewusste Entscheidung und die Unzufriedenheit mit Gazprom als jetzigen Sponsor. Ich dachte nur, Wahnsinn, langweilige Geschichte und sind alle scheiße von Müllermilch bis sonst wo hin. Gerade Putin braucht jetzt unsere Solidarität, wo alle auf ihm rumhacken und sich einig sind.

Paare, die sind nur aus Gewohnheit zusammen sind. Das ist traurig. Trennung kommt nicht in Frage, weil man das nicht macht und es auch nur so kennt. Nicht, dass Trennung die Leute per se glücklicher macht…., aber ohne Liebe für einander zusammen bleiben und alles ist abgestorben und kalt, das finde ich grausam und schlimm. Es ist ein verschwendetes Leben. Dann muss man eben lernen neu zu lieben, den Partner oder einen anderen.

Wir kommen im Garten an und Reggae-Musik schallt dezent aus der Anlage. Der Nachbar, der sich noch nicht mal den Namen richtig merken kann, will einen Schlüssel für das Stromhäuschen borgen. Dafür ist G. zu schlau.

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Es ist ein herrlicher Tag, wir haben genug zu essen,

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betrachten die Pflanzen. Die schönen Blumen und die Misteln, die aus dem Stamm wachsen werden dokumentiert:

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Ich pose etwas mit Yoga.

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Mein Pilz wird in den Baum gehängt und G. ist zuversichtlich, dass er genutzt wird.

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Die seien pfiffig und schauen erst mal ein paar Tage und dann wird sich was ergeben. Die Frösche haben es mir angetan, aber wenn ich mehrfach aufquieke, wenn sie ins Wasser springen. Es sind bestimmt 15-20 Stück in dem kleinen Teich. Ich muss an Froschkönig denken…

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G. hat eine Artischockenzucht, was ich sehr befürworte und Cranberries, die im Gefrierschrank waren um Frost zu simulieren und Vieles mehr z.B. einen Baum, den die Japaner auch abnehmen würden.

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Das Nachbargrundstück, auf dem mein Bauhaushäuschen stehen könnte.

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Nach mehreren Stunden verabschieden wir uns und radeln nach Hause. Wir nehmen diesmal den Ausgang „KB“ Richtung Schulenburger Landstraße, direkt am Stöbertreff.

Ich weiß, warum ich das Rad nur an sonnigen Sonntagen benutze. Mein Hintern und Schritt tun weh und das Anfahren nach dem Abbremsen ist eine kleine Qual. Das Fahrrad ist kein Sprinter und nicht zum Bremsen gebaut tröste ich mich. An der Ampel Königsworther Platz lassen wir eine Ampelphase durch und ich überzeuge mich davon, dass man am Ende der Allee die grüne Kuppel sieht, wie Michi meinte und das stimmt. Schon ganz schön cool eine schnurgerade Straße zwischen Schloss und Sommerresidenz zu bauen. Gefällt mir.

Valentin ist zuhause auf den AB, der sich für das Osterpaket bedankt. Was hat ihnen am besten gefallen, wird er von seiner Mutter gefragt. Die Schokoladeneier und das Fußballbuch und natürlich auch das gebastelte Buch. Brav sagt er alles auf. Ich bin zu müde für eine Rückantwort. Diese freie Natur macht mich fertig. Ganz schön dekadent komme ich mir vor. Stephan schimpft mit mir, dass ich Kindern vor Ostern schon Schoko-Eier schicke….

Ich bastele noch schnell zwei Vogelunterkünfte aus Resten und Heißkleber. Stephan meint bei dem ersten, aus einer weißen Milchflasche aus Plastik, aber jetzt mit goldenem Dach aus einer Kekspackung und stoffbezogen (Brauntöne), hätte ich das Loch zu groß geschnitten. Da habe ich dann noch gelbe Mayonnaise-Verschlüsse in Blumenform (Schweizer Thomy, essen wir sehr viel) herum geklebt um es wieder kleiner zu machen. Das andere ist oben ein Füllhorn aus Korb, was ich auf dem Rückweg vom Sperrmüll in der Haasemannstraße eingesammelt habe und darunter einen Frommage Blanc -Verpackung, aber ohne den Deckel, also luft- und lichtdurchlässig und nur abgedeckt durch das Spitzdach des Korbgeflechts.

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Ich habe sie nebeneinander an die Hausfassade Richtung Garten unter die Wintergartenfenster gehängt und Stephan hat schon mal prophylaktisch geschimpft wegen des Vogelkotes. Ich bin allerdings skeptisch, ob es überhaupt soweit kommen wird und wäre darüber erfreut. Es sind ja nur Hausangebote, quasi Musterhäuser. Ich will noch ein „professionelles Häuschen“ basteln, was dann wohl erst nächstes Jahr zum Einsatz kommen wird. Ein Dach aus Pillenblistern statt Schindeln ist mir in den Sinn gekommen.

Wie ein quängeliges Kind, ich will einen Teich, ich will Frösche oder ein Aquarium. Ne, lieber Teich, aber dann müsste ich ja in den Garten gehen um was davon zu haben und da gehe ich nicht rein.

Fernsehen geht noch. Hader und ein anderer österreichischer Kabarettist, Halbperser wie er von sich behauptete und so sah er auch aus, der so schon sagte: „Sex? Habe ich alles durch. Alle Techniken, die man alleine machen kann“. Fand ich gut. Dann war noch Alfons, der so schön umständlich eine Frau auf dem Markt fragt: „Wen  fin den Sie attraktiveer? A) einen französischen Reporter oder B)…“ und die Frau unterbricht ihn: „B“. Dann zu einem Typen um die Ende 50: „Um die Schönheit einer Frau auszudrücken werden Tiervergleiche benutzt mit einem Reh oder einer Gazell. Wenn Sie an ihre Frau denken, welches Tier kommt Ihnen in den Sinn?“ Antwort, wie aus der Pistole geschossen „Pottwal“. Eine Rentnerin aus Hamburg vermute ich, war auch geil: „Männeer, die attraktiv sind, weerden mit Adonis verglichen? Wer ist dieseer Adonis?“ Und sie: „der hat ein Restaurang bei mir um die Ecke“. „Die Deutschen bekommen zu wenig Kinder. Wenn man ihnen eine Prämie anbieten würde z.B. einen Toaster oder eine Woche Premiere?“ und die Asifrau: „Dafür kriecht doch keiner ein Kind“. Er wieder: „oder 2 Wochen Premiere oder 1 Jahr“ und sie dann „na ja, gut für 1 Jahr!.“ Wo findet er diese Menschen? Auf Wochenmärkten in Norddeutschland halt. Ich glaube, es ist überwiegend Hamburg. Ein Rentner, der sagt „wegen der Schwulen“ wären es zu wenig Kinder, da gebe es immer mehr von, auch in der Politik und die Bundeskanzlerin sei auch lesbisch. „Sie von der Presse haben auch keine Ahnung.“

Die Georgs aus Hannover für England

05.04. Auf zur Goldenen Hochzeit meiner Schwiegereltern im kleinen Kreis. „Erwarte das Beste“ steht auf meinem Teebeutelanhänger. Das soll mein Motto des Tages sein. Ich habe die große Tasche gepackt , die mir mein Paps mal geschenkt hat von einer Messe, schön schwarz-weiß und die schönen Maschinenteile, die darauf zu sehen sing. Ich muss den Bus etwas aufhalten für meinen Mann und der Fahrer ist wieder so schön lakonisch, dass es eine wahre Freude ist. Ich habe eine Schwäche für Busfahrer. So souverän wir sie vorne hinten den großen Fensterscheibe in die Welt blicken und alle im Überblick haben und nichts kann sie aus der Ruhe bringen, meist haben sie noch einen guten Spruch drauf, zumindest die heimischen. Ich genieße es am Lindener-Markt-Gewusel aus sicherer Distanz und inkognito im Bus vorbeizufahren. In der S-Bahn lese genüsslich „Tante Jolesch“. Nachdem wir hier umgestiegen sind, diese Station ist heute noch Programm und sie ist superhässlich, aber irgendwie sehe ich sie heute mit anderen Augen.

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Im letzten Kapitel von „Tante Jolesch“ geht es um jüdische Emigranten aus Österreich und ein Zitat von Ödön von Howarth, der sich in Zürich an einen dort beheimatetet Freund wendet und wissen will: „Bei euch hier ist alles so entsetzlich sauber? Woher nehmt ihr eigentlich die Kultur?“ Ich liebe dieses Buch, was mir meine Freundin Claudia geschenkt hat und kann immer wieder darin lesen. Es ist mein „Grand Budapest“ in Buchform. Das Zitat muss ich meiner Schwägerin vorlesen. In Kirchrode angekommen kaufen wir Brot bei Frau Gaues und anschließend entdecke ich einen tollen Schreibwarenkiosk und kaufe ein Papier-Ei, von dem ich dachte, die werden nicht mehr hergestellt. Das Motiv mit der Hühnerfamilie, die Mutter am Herd, der kleine Bruder ist frech und die Tochter hat einen Stoffhasen als Spielzeug, gefällt mir zu gut. Eine versteckte Hausarztpraxis, idyllisch wie ein Gartenhäuschen, vor dieser Seite habe ich mich dem Laden noch nie genähert.

Beim Tropeano werden Gläser poliert und Besteck und außer uns sind keine Gäste da. Das bleibt auch so. Wir essen und beraten bei der Essensauswahl. Der Konfirmand wählt die Ochsenbäckchen mit den Selleriestreifen, frittiert „gesund Pommes“ wie er es kommentiert und es schmeckt ihm nicht. Dafür gibt es einen neuen Witz: „er stellt gerade seine Ernährung um….Kekse von rechts nach links.“

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Irgendwie vergeht die Zeit wie im Flug und wir sind verspätet und lassen unseren Führer an den Herrenhäuser Gärten warten, während wir uns durch den Verkehr quälen und an den roten Ampeln geht der Blutdruck immer nach oben, zumindest bei entsprechender Veranlagung. Die Landbevölkerung stellt am Aegi fest, dass man hier nicht Rad fahren würde in der Großstadt und Auto fahren auch nicht und das U-Bahn-System sei auch verwirrend und man würde sich nicht auskennen. Das ist eine Frau, Mitte 70, die ihr ganzes Leben ca. 20-30 km außerhalb von Hannover gelebt hat. Fremde, unverständliche Welten. Michi schenkt meinen Schwiegereltern formvollendet ein Buch und gratuliert. Ich habe das Gefühl, dass mein Buch nur so mäßig angekommen ist, aber ich habe es auch nur so lapidar wie eine Speisekarte auf den Tisch gelegt und auch noch die Überraschung mit Herrenhausen verraten (schlechte Schwiegertochter, halt nur gut gemeint kommt da öfter unterm Strich bei raus). An der Übersichtstafel mischt sich ein Junge „von oben“ ein und gibt eine Antwort auf die Frage, wie groß ein Ar sei.

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Ich lerne von unserem Freund Neues über die Barockgärten, die damals keine Blumen enthielten, sondern nur die Ornamente aus Buchsbaum und die konisch geschnittenen Bäume und dazwischen bunten Kies, der mal mit Tonscherben und mal mit Kohle versetzt wurde. Wir schauen uns das Ganze von oben an und hier kann man die Motive und Muster erkennen, wie im Petersdom von der Empore das Fußbodenmosaik. Der Durchgang durch einen Seiteneingang und den Gift Shop ist schon sehr peinlich. Da gebe ich unserem Führer Recht. Eine türkische Braut lässt sich mit theatralischem Ausdruck an einer der Gittertüren fotografieren. Der Bräutigam ist weit und breit nicht zu sehen. Ich tue es ihr nach.

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Ich mag aber die Niki de St Phalle Grote, auch wenn die Alte esoterisch war und einen Sockenschuss hatte, was man auch merkt. Trotzdem. Ich stehe zu der Verbindung von ihr zu Hannover und manche Stilelemente sprechen mich an und für bunt bin ich ja auch zu haben.

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Und der blaue Elefant mit dem Springbrunnen aus dem Rüssel und dem Nabel gefällt mir heute besonders.

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Die Gärten sind in ihren ursprünglichen Form noch erhalten (zumindest zum Teil), weil man sich lange Zeit nicht dafür interessiert hat. Ich stelle fest, dass dies immer ein Garant für die Erhaltung ist, wenn man Dinge einfach liegen lässt. Hinter den Hecken wurden Gemüsegärten angelegt zur Selbstversorgung.

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Wir schauen uns das Theater an. Die Goldfiguren haben zum Teil hinten etwas Bürzel oder Schwanz um das animalische zu betonen.

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Heute ist der ehemalige große Saal gegenüber der Orangerie geöffnet, den wir alle nicht kennen und er hat tolle Wandbemalungen, aber vor allem sehr schönen, verschlungenen Deckenstuck. Hier stehen Büsten römischer Kaiser auf Sockel an den Wänden. Leibniz hatte wohl auch den Auftrag einen Stammbaum der Welfen zu fertigen, der eine Verwandtschaft mit den römischen Kaisern nachweisen sollte und er wusste wohl , was er seinen Auftraggebern schuldig war.

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Füße gibt es auch:

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Die Welfen wurden irgendwann Kurfürsten und haben dann ca. 130 Jahre lang, wenn ich mir das richtig gemerkt habe, die englischen Thronnachfolger bestimmt. Das waren immer die Georgs ab Georg dem ersten und dann vier oder fünf Mal.

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Es fängt an zu regnen und wir gehen zum Abschied Kaffee trinken im Schlosscafé oder wie das heißt. Ich wundere mich immer, auf was die Menschen so achten. Bei meinem Schwiegervater und seinem Bruder ist in jeder Gastronomie am Wichtigste, dass die aneinandergestellten Tische eine Kante bilden und man das mit Bierdeckeln hätte besser machen können.

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Es hat gefallen, glaube ich zumindest, das kann ich nicht genau sagen an diesem Tag, weil Gefühle nicht so durchbrechen. Es wurde jedenfalls festgestellt, toll, was wir da haben und was man gar nicht so kennt.. Ich mag Else, die Frau vom Dorf, die geduldig über die Frage, Handabwasch oder Geschirrspülmaschine mitredet, aber auch andere Interessen hat. Sie fragt Michi, ob das eine neue Züchtung Goldlack sei in dem einen Beet. Überhaupt kommen die schönen Bepflanzungen gut an, so farblich abgestimmt und schräg gepflanzt.

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Ein Brunnen, den wir heute das erste Mal sehen. Alte Figuren reiten auf Schildkröten oder Delfinen, neu in Szene gesetzt.

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Dann heißt es Abschied nehmen und wir werden bedauert, dass wir Bahn fahren müssen und kein Auto haben, unser Bedauern richtet sich aber an die, die mit ihren Karren jetzt aufs Land zurück fahren müssen. Ist doch eigentlich schön so. Mit Dankbarkeit stelle ich fest, was ich für einen liebevollen und romantischen Mann ich habe, so im Vergleich, der mich viel anfasst und zum Ausdruck bringt, wie sehr er mich liebt, statt auf die Bemerkung, dass heute ein wichtiger Tag sei zu sagen, „na ja, geht so“. Die Frau Beck, die Bedienung hatte gesagt, dass es heutzutage die wenigsten auf 50 Jahre bringen würden, die meistens nur 2 oder 3, oder sie würden gar nicht erst anfangen damit. Ich hätte einen guten Mann bekommen, meint Else. Ich muss ihr zustimmen. Wir seien das perfekte Paar, sagt ihre Tochter und ich frage mich, woher die das weiß, die kennt uns gar nicht. Ich muss allerdings die Einladung für morgen, die bei der Verabschiedung nebenbei ausgesprochen wird, ausschlagen, weil wir andere Pläne haben. Meine Schwägerin unterstützt mich und ist auch der Meinung, wer Besuch will, muss das artikulieren und auch bei Zeiten einladen und kann nicht damit rechnen, dass Leute einfach so kommen, weil sie nichts anderes vor haben. Ich fahre viel lieber Bahn und bin unter Menschen. Wir gehen weitestgehend vom Regen verschont zu Kaufhof einkaufen und treiben uns lange in der Lebensmittelabteilung herum und kaufen viele überflüssige Dinge, weil es uns Spaß macht. Wir treffen die Bedienung vom Marktkaffee und ich stelle fest, dass wir lange nicht mehr da waren und was es hier alles gibt. Kren, fein gerieben, in der Tube, natürlich mit einer österreichischen Flagge an der Seite und Koriander, auch in der Tube, außerdem Marillenmarmelade von Stauds, sogar mit den Sammelmotiven oben drauf. Ich komme mir dämlich vor, warum exportieren wir die noch per Flieger aus Wien? Die Picknick-Brote werden lecker u.a. habe ich Pastrami eingekauft und Erdnüsse in der Schale, weil man im Garten so schön krümeln kann. Zuhause gibt es erst mal einen Tee mit frischer Minze und Zitrone und Honig. Köstlich, auch der Joghurt aus Österreich mit Amarena-Geschmack mag ich. Der Einkauf hat sich schon mal gelohnt.

Den Regen mögen die Pflanzen. Man kommt abends nach Hause und hat den Eindruck, dass die Blätter an den Bäumen im Garten ca. 1/3 größer sind als morgens, als man das Haus verlassen hat.

Wir schauen eine Folge „Parks and Recreation“, eine Serie, die Michi empfohlen hat und ich finde sie sehr lustig.  Die städtische Mitarbeiterin Frau, die ein spielendes 4-5 jähriges Kind im Sandkasten interviewt, nachdem sie sich vorgestellt hat „are you a) having very much fun und enjoying yourself a lot or b) having some fun and a little enjoyment or c) not enjoying yourself at all and no fun“ und beschließt dann „I guess we can take a). Dann heißt es „drunken person in the slide“ und sie muss mit einem Besen helfen. Um vor 22 Uhr gebe ich allerdings auf.

kleine Vögel im April

03.04. Ich merke, dass Osterferien sind, wenn am Kiosk die Bestellung vor mir lautet:„eine bunte Tüte für 2,- € ohne Lakritze, bitte“. Der Kioskmann zieht mich vor.

Odyssee durchs Jobcenter. Der Eingang 2 trägt keine Hinweise auf „Jobcenter“, ist aber der Kundeneingang für die Arbeitsvermittlung. Ich nenne ihn jetzt nur noch Beate Uhse-Eingang, wegen der Diskretion. Ich werde jedenfalls zurück geschickt und die Zimmernummer 3.30 bereitet auch den Angestellten Probleme, weil nein, ich will nicht zur Arbeitgebervermittlung. Mensch, ist ein richtiger Intelligenztest, sage ich dem Mann, der mit mir sucht Gut, dass ich hochbegabt bin. Nach der Erstaufnahme gehen wir in den Eingangsbereich und hier warten 100 Menschen in 3 Schlangen und es geht nicht voran und zwar überhaupt nicht. Kopieren geht umsonst. Meiner geht noch mal hoch und gibt die Unterlagen einfach ab. Wie man das durchsteht weiß ich nicht. Ich würde vermutlich durchdrehen.

Kurz in die Stadt. Eine herrliche rot-weiß gestreifte Strickjacke Paris, „Made in France“. So was schönes, vielleicht ein Tick zu groß,  aber für 9,- € kann man nicht meckern. So herrlich, passend zu Wien und allem anderen auch, mit Goldscheiben als Knöpfe. Sie kostet dann nur 6,- €, weil die 30 % Rabatt auf Wintersachen haben.

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Alle Pelze kosten heute 20,- €. Es ist der Wahnsinn. Ich könnte mir einen herrlichen grauen Persianer kaufen, Partnerlook mit Edward Norton in „Grand Budapest“, aber ich darf nicht, weil ich platze aus allen Nähten. Nur eine filigrane Gießkanne aus Kupfer (Marke old school für 4,50 € ist drin), weil ich die Pflanzen aus einer Flasche gieße und das nur ganz grobmotorisch möglich ist, was zulasten der Fensterbänke geht.

Meine Betreute auf der Frauenunterkunft  hat Grippe und sagt das erste Mal ihren Geldholtermin ab.

Herr PM soll 77,17 € Schadensersatz zahlen, weil er bei der Einweisung vor der Polizei geflüchtet ist und bei der Verfolgung und Widerstand 2 Polizisten verletzt wurden und die Beihilfekosten werden ihm in Rechnung gestellt. Wörtlich heißt das: am 24.07.2013 hielt sich Herr …im Rathaus der Landeshauptstadt Hannover auf und wurde auf Grund seines verwirrten Zustandes der Dienststelle Polizeikommissariat Südstadt zugeführt. Seine Einweisung sollte auf freiwilliger Basis ins Landeskrankenhaus Wunstorf erfolgen. Er weigerte sich in den Krankentransportwagen einzusteigen und flüchtete. Bei seiner Ingewahrsamnahme und der anschließenden Rückführung zum Polizeikommissariat Südstadt leistete er Widerstand, in dem er um sich schlug. Dabei wurden 2 Beamte verletzt.“ Beigefügt ist die Rechnung einer Allgemeinarztpraxis für die Behandlung eines im Jahr 1979 geborenen Polizisten. Herr PM wurde selber schwer misshandelt bei der Gelegenheit (Rippen gebrochen, Zähne ausgeschlagen, wie er selber berichtet) und wird durchdrehen, wenn ich ihm das zeige, also erst nach dem erfolgreichen Umzug.

Die Mutter von Herrn Subutex heult am Telefon. Sie haben ihn zu fünft gepackt, die Rumänen, die er wohl auch zum Teil kannte. Er war fast schon zuhause, sie hatten ihn verfolgt und dann nur ins Gesicht getreten, er hatte keine Chance und konnte auch nicht abhauen. Sie haben ihn ausgeraubt. 3 Unbeteiligte haben sich dann um ihn gestellt, dass kein Auto rüberfährt. Er musste wiederbelebt werden und es ist keine weiße Stelle in seinem Gesicht, sie hat sich so erschrocken, dass sie noch mal raus musste aus dem Zimmer, weil sie ihn nicht erkennen konnte, keine Augen. Das Jochbein ist u.a. gebrochen und er muss operiert werden. Er hat vielleicht auch ein paar unschöne Dinge gemacht in seinem Leben, aber das hat er nicht verdient. Sie war heute auf dem Schünemannplatz und ein Bekannter hat sein Fahrrad erkannt und mitgenommen um es zu sichern.

Abends Kestner, mein Mann fand die Lurche Axylotl ?? (die Albinounterwasserschwimmtiere mit Schwanz und Flossen, denen Gliedmaßen nachwachsen) süß. So lässt es sich wohl zusammenfassen. Er sagt, es sei normal, dass einem bei moderner Kunst nur etwa 10 % gefällt und ich denke immer, früher war es besser. Gut, es geht nicht um ein Aquarium, obwohl alle Besucher diese putzigen Tierchen anglotzen, es geht um die Keramik, die durchaus interessant ist und so präsentiert wird. Alles gut, aber gehört das ins Museum bzw. in einen riesigen Raum in dem sonst nichts gezeigt wird? Ich finde, nein.  Diesen Minimalismus verstehe ich nicht. Er ist für mich nicht Aussage, sondern Armut. Hätte man 50 Aquarien dieser Art gezeigt, wäre das eine andere Hausnummer so frage ich mich, was es soll, denn sooo toll ist es einfach nicht. Das andere ist nicht döver. Nur die Tafeln mit Fotos ohne Kopf in Emaille-Optik gefallen mir. Lauter junge, extrem 80er Jahre mäßig angezogene Hippster aus London sind unten den Besuchern, die deutlich älter ausfallen. Wir treffen Bekannte und die Begrüßung ist schon derart verlogen, dass es fast lustig ist, wie wir uns die Hand geben und dann nach vorne schwanken, als würden wir einen Kuss andeuten, dann aber doch beide davor zurück schrecken und wieder auseinander schwanken und dann der gekünstelte Smalltalk. Ganz schlimm. Im Beckmanns sitzen vier junge Frauen am Nachbartisch und man kann raten, was das für eine Zusammenkunft sein soll. Gute Freundinnen sind es nicht, weil sie sich zum Teil nach der Arbeit der anderen erkundigen: „Du hast also 2 Schüler und beide lernen Geige, ahah“. Es gibt, wie so oft, zwei Rädelsführerinnen und 2 Schweigsame. Es geht viel um Männer, die Actionfilme mögen und der Nachbar, der schon 50 sei (!!!) und einmal die Woche ins Kino geht und anschließend aus mit Freunden und manchmal gefallen ihm die Filme nicht. Großes Unverständnis, weil da wäre ihnen das Geld und die Zeit zu schade. Aber hier dumm rumsitzen und Rotwein saufen und über die Männer philosophieren, das soll keine Zeitverschwendung sein. Essgestört sind sie auch und die andere Sprecherin, die mit einem Schweizer leiert, mag kein Eis. Sie bestellt nur einen Nachtisch und hält sich sonst an die Flüssignahrung und davon lässt sie das Erdbeersorbet für die Frau gegenüber, die Backsüchtig ist, wie sie von sich behauptet. Dahinter ein Tisch mit 3 Männern, die so reden, als ginge es um eine Wirtschaftsprüfung. Das ist das andere Extrem. Ein Typ lacht mich an, weil ich wohl so überzeugend die Augen verdrehe als wir endlich aus dem Raum rauskönnen.

Eine Freundin aus Köln ruft an, weil sie auf WDR einen Bericht über meine Nazi-Verwandtschaft gesehen hat. Sie kündigt bei der Gelegenheit einen Wochenendbesuch für Anfang Mai an. Ich verfalle in einen Rechtfertigungssermon, dass die Frau nur angeheiratet war.

04.04. Morgens fotografieren wir die Handtücher, die ich immer wieder im Fairkaufhaus finde. Ich habe einen richtigen Fetisch für alte Geschirrhandtücher entwickelt und verstehe gar nicht, wie ich früher immer Neuware kaufen konnte. Ich will auch eine 50er Jahre Wäschetruhe mit Blumenmotiven kaufen und unseren Korb, den ich mal neu gekauft habe im Kaufhaus wegschmeißen. Ich mag ihn nicht leiden und weiß nicht, was mich hier damals geritten hat, so etwas zu kaufen (quasi mal was Neues, Ordentliches). Habe eh das Gefühl, dass ich in diesem Punkt immer viel mehr bei mir ankomme. Stephan schreibt dem Schneider in Paris, der Herrenhemden mit alten Geschirrhandtüchern auf dem Rücken näht und schickt ihm schon mal ein paar Fotos unserer Ware. Er will sich 2 neue Hemden machen lassen, wenn wir Ende Mai da sind und hat die Handynummer von dem netten Mann und ich fungiere gerne als Einkäufern für ihn, wenn er mir ein Budget von 10,- € zugestehen will, dafür bekomme ich schon einige, die immer so ca. 1,50 das Stück kosten.

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Bald wird alles vorbei sein mit den schlimmen Altfällen. Ich schreibe dem Mandanten wegen der Abrechnung. Die nette Frau, die sich immer wieder auf alles verständigt mit ihrem Ex ruft an. Sie saßen noch bis 21:30 Uhr in einer Weinbar. Sie könnte jetzt nicht mehr mit ihrem Mann zusammen sein, hat sie dabei festgestellt, weil ein Flasche Wein und den ganzen Tag auf der Veranda der Finca sitzen, das reiche ihm und unter Menschen, müsse er nicht. Als sie geheiratet hätten, da hätte er auch bloß einen Freund gehabt und sie einen großen Bekanntenkreis. Zu Besuch bei der Tochter spiele auch gerne10 Stunden am Tag Tetris, lästert aber auch über den Schwiegersohn, der ein Chaot sei und faul, hat von der Tochter finanziertes Studium wohl nicht zu Ende gemacht. Wann habe er sich bloß so verändert, ihr Ex. Ich sage, das klingt nicht nach Veränderungen, jeder hat sich konsequent entsprechend seinem Typ weiterentwickelt, im Alter kristallisiert sich der Charakter mehr heraus, während man in jungen Jahren anpassungsfähiger sei und mehr weichgespült. Er trägt immer noch die Jeans, die sie ihm mal gekauft habe, „warum, die sei doch noch heile“, sie könne doch nicht zusammen sein mit einem, der aussieht wie ein Zigeuner. Ich sage, „ach warum nicht, dieser Kontrast habe mir immer schon gut gefallen und eitle Männer brauche doch nun wirklich keiner“. Früher habe sie ihm Boss-Hemden gekauft und sie seien zusammen einkaufen gegangen. Sie dachte, das hätte ihm gefallen. „Missverständnisse einer Ehe“, sage ich, „er hat es Ihnen zuliebe gemacht“. Ja, er habe sie wahnsinnig geliebt und ihr eine Schraube in den Fuß gehauen, damit kein andere mit ihr tanzen konnte und sie wollte nun wissen, warum er sie verlassen habe. Er sagte, es sei wie bei einer Kerze, Flamme aus, Wachs versiegt. Das habe sie nicht verstanden. Ich frage nach dem Partner danach, den ich aus der Gastronomie in Hannover kenne und der verstorben ist. Das sei wohl in einer OP passiert. Da musste er schon nach der Hüft-OP wiederbelebt werden, aber das habe man ihm nicht gesagt. Er hat immer vorher gesoffen, nicht weil er Angst hatte, sondern weil es ihm so gut geschmeckt habe und er damals nach ihr und auch neben ihr Freundinnen gehabt und Viagra genommen und natürlich auch vor den OPs nichts verraten von seinen gesundheitlichen Risiken, nur dass mit dem Zucker wussten sie natürlich. Dann sprechen wir über die Ehe der Tochter, die offensichtlich auch einen Partner gewählt hat, der sehr von ihr verschieden ist, sie will ein Hausprojekt unbedingt durchdrücken (ich finde, das klingt schwierig) und abschließend gestehe ich ihr, dass ich sie und ihren Mann „süß finde, untechnisch gesprochen“. So seien trotz allem ein gutes Paar und ich habe auch Respekt davor, wenn man so menschlich und mit Gesprächen eine Ehe abwickelt.

Herr PM kommt pünktlich mit Quittungen für die Renovierung der Wohnung. Er hat die erste Nacht in der neuen Wohnung übernachtet und sein Kater habe sich nicht aus der Transportbox herausgetraut und musste mit Leckerli rausgelockt werden. Wie das Tier, so der Halter, habe ich dazu. Während ist kopiere, schimpft er wegen der Polizeisache vor sich hin. Ich telefoniere später mit dem Henriettenkrankenhaus und die wollen mir aus dem Archiv Behandlungsunterlagen zur Verfügung stellen, wenn ich denen ein Fax schicke. Er muss noch viel entrümpeln, Teppiche wegschmeißen usw. es sei eine ganz schöne Messy-Wohnung gewesen, das müsse er jetzt zugeben und solle nie wieder so weit kommen, er habe sich vor sich selber geekelt, der ganze Dreck, der da aus den Ecken gekommen sei. Wenn alles abgeschlossen ist, müsse er sich um seine Gesundheit kümmern und „sich renovieren“. Vor allem seine Zähne sehen desolat aus. Ich freue mich, dass er sich so gut macht und er wünscht mir und der Mitarbeiterin ein schönes Wochenende als er geht.

Mittags Blumenkohl überbacken und während dessen die Speisekarte vom Tropeano durchlesen und in Gedanken schon bestellen und dann wieder umbestellen. Die Ravioli mit Fasan gefüllt  in brauner Butter mit getrockneten Beere oder lieber die Pasta mit Wildschweinragu in Chiantisauce mit bitterer Schokolade und die Birnentarte mit Eis oder doch die Dattelmascarponecreme? Das wird schwierig. Meine Schwägerin, die standby fliegt hat den Flieger, den sie nehmen wollte nicht bekommen und muss den nächsten nehmen.

Ich bedanke mich bei meinem Mann, der die Handynummer meiner neuen Betreuten gegoogelt hat. Satz des Tages ist seine Antwort: „Nachdem ich gesehen habe, wie Du mit dem Büttel von der JVA umgesprungen bist bzw. was der sich auf ein Mal für Mühe gegeben hat, fühle ich mich richtig gut von Dir behandelt.“ Was soll ich sagen?

Hiob, das Stück gefällt mir außerordentlich gut. Ich mag ja lieber etwas gehaltvolle Kost und es ist toll umgesetzt, das Bühnenbild, die Dekonstruktion des Familienheims. Einfach sehr gut. Die Schauspieler sind auch super und erinnern mit mehrfach an „berühmte Kinodarsteller“, die Mutter an Sofie Rois und der jüngere Sohn an Daniel Brühl, der Vater an den Darsteller von Raumschiff Enterprise, Patrick Stewart heißt der, habe nachgeschaut. Der ältere Bruder, Jonas in dem Stück ist ein unglaubliches Schauspieltalent. Er hat ein Feuerwerk an Talenten, die explosionsartig aus ihm rauskommen. Ich stehe auch auf das Angespucktwerden in der ersten Reihe. Das gehört dazu. Ich mag die Inszenierung sehr und während unser Nachbar es als gemischt-gut bewertet hat, gebe ich Bestnoten. Ich mag es mehr als Black Rider z.B., was im Vergleich operettenhaft daher kommt vom Erzählstoff her. Wir überlegen ein Premierenabo für’s Schauspielhaus zu nehmen. Ich bin eher dagegen, weil die Daten einem vordiktiert werden.

Obwohl mich Stephan mit dicken Butter-Käsebroten und Butter-Honigbroten gefüttert hat nach dem Sport, habe ich ein kleines Hüngerchen. Beim Röhrbein wird im 22 Uhr die Passage schon abgeschlossen, aber mein Outfit wird gelobt von dem Betreiber, der vor Jahren mal das Essigbrätlein in Nürnberg übernehmen wollte. Wir fahren zum Urfa Sofrasi, die haben neu ein Aquarium mit Barschen, sehr bunt und neon eingerichtet und meines Erachtens überfüllt mit Fischen, die sich auf dem engen Raum nicht gut vertragen. Ich liebe den Laden und fühle mich hier immer richtig wohl. Etwas breite, sympathische, männliche Jugendliche, ein Dickerchen mit einem schwarzen „helal money“ Hoddie (will ich auch) trinken Wasser und essen Grillfleisch und kichern vor sich hin. Das Pide können die hier richtig gut. Da sind Profis am Werk. Der Belag reicht bis in die Spitze des Schiffchens, die man sonst eher wegschmeißen will und es ist mit kühnem Schnitt zerteilt. Der Tee ist lecker und ein Künefe gibt es auch. Beim Gehen sage ich den Kellnern, dass der große blaue Fisch böse ist und die anderen stresst und jagt und „ich glaube, der muss bald ins Klo“. Sie lachen. Wir gehen zu Sabine in die Landschaftsstraße. Fast alle kommen, mit denen ich gerechnet hatte, trotzdem sitze ich nur dumm rum und tanze nicht. Habe wohl meine Chance verpasst. Irgendwie gab es einen inneren Widerstand oder waren es nur faule Ausreden, andere Ausdruckstänzer, die dort beheimatet sind und bereits meine Rolle übernommen haben, keine Ahnung. Eine Nachbarin mit französischem Akzent, die Künstlerin ist und nebenbei Französisch unterrichtet, stellt sich vor. Sie schaut in unsere Büroküche. Ein junger Mann will meine Visitenkarte für seine Mutter. Er habe mich vor Jahren auf der Lumix kennenlernt. Mit zwei Freundinnen fahren wir Richtung Linden. Sie haben sich eine Wohnung im Ihmezentrum angeschaut als Interessenten, irgendwie weil da die Tierärztin wohnt, die ihre Katze behandelt und ich: wie, ich denke die wohnt im Heideviertel mit einem blutverschmierten Kittel. Nein, das war die Vertretungstierärztin, die Notdienst hatte. Auch ich schwärme von der Aussicht und dem Ihmezentrum als Wohnort. Ich mag’s. Sie heiraten nächste Woche an der Ostsee. Ich freu mich für sie. Das ist eine ganz schöne Sache und die beiden wirken sehr verliebt.

Die ganze Woche verstehe ich diese Hornbach-Werbung nicht. Mach was gegen hässlich oder so ähnlich. Frage mich immer, ob das Bild auf dem Werbeplakat das ist, gegen was man etwas unternehmen soll oder bereits das Resultat.

Wir müssen Morgen Sachen für das Picknick am Sonntag bei G. im Garten, zu dem ich uns kackfrech eingeladen habe, einkaufen. Dort kann man an dem einen kleinwüchsigen Baum genau sehen, was diese Misteln machen und wie sie direkt an dem Baum herauswachsen und nicht nur so drin hängen. Ich will meinen Picknickkorb mit dem Wassermelonenmotiv endlich einmal packen und zum Einsatz bringen und außerdem testen, ob der kleine Plastikpilz für kleine Vögel taugt. Er hat schon ein extrem kleines Häuschen, bei dem ich fragte: Kolibri? Einkaufen bei Edeka auf der Lister Meile nach der Goldenen Hochzeit ist mein Ziel. Morgen um 12 Uhr schon Festessen. Das wird schwer, da mir um die Uhrzeit eher nach 2 Eiern im Glas zumute ist. Ich werde mein Bestes tun.