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Schlaganfall Angie – die Woche vom 09. -13.09

09.09. Beim Zurückkommen aus Hamburg war mir wieder eingefallen einer der Hauptgründe warum ich meinen Atelierplatz gekündigt habe als ich die Zinnober-Plakate hängen sehe und wir mit der Stadtbahn vorbeifahren. Diese Veranstaltung war immer Horror für mich und sie hat an diesem Wochenende wieder stattgefunden und ich musste weder mitmachen bei einem Künstlerspeeddating (die reinste Zwangsprostitution für mich) noch mich herausreden (und damit asozial sein und die blöde Kuh, die nicht mit macht), aber dann wenigstens vorher meinen Platz schön aufräumen, damit sich die Lehrerinnen nicht für mich schämen müssen. Beides grauenhaft und überflüssig zugleich und dann die interessierten Landeier, die einen Fragen, was es bedeutet und wie man auf die Ideen kommt und ich fühlte mich immer penetriert und will mit diesen Menschen einfach nichts zu tun haben, wie ungebetene Gäste, die zuhause die Schränke aufmachen und sich alles erklären lassen wollen oder der Gorilla hinter der Glasscheibe im Zoo.

Ich wundere mich die Tage auf dem Weg zum Sport oder in die Stadt immer wieder über das Wahlplakat von Frau Merkel, auf dem ihr Mund schief verzerrt ist wie nach einem Schlaganfall und das bei all den technischen Bearbeitungsmöglichkeiten von Fotos heutzutage, dieses verkrampfte und asymmetrisch verzogene Lächeln, was keines ist.

Der teure Schokoladenkaviar aus Hamburg-Ottensen und: hat sich die Investition gelohnt?

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Doppeltermin in Langenhagen in der Psychiatrie. Die junge Frau neben mir stiert mir auf den Kopfschmuck und überlegt sich wegzusetzen. Ja, es ist das, wonach es aussieht und war früher mal im Klo. Ich bin so eine Sau. Beim ersten Termin mit Herrn A. ist ein Praktikant der Sozialarbeiter studiert, Bachelor heißt der Abschluss, mit dabei. Der Regen, ich muss mein Fahrrad zuhause lassen und sogar einen Schirm mitnehmen (!). Das passiert mir ganz selten und ich lehne dieses Hilfsmittel eigentlich ab. Der Herbst hat Einzug erhalten, ganz plötzlich. Ich sehe am CCL ein herrliches Plakat auf dem für ein Hamburgbesuch geworben wird. Die Plakate unterwegs mit Steuersucht statt Steuerflucht oder so ähnlich, auf denen für Steuerlehrgänge geworben wurde, konnte ich leider nicht ablichten.

Hamburg denken

Nachdem wir gestern den total langweiligen Bericht über Karl Lagerfeld, den Stephan für mich aufgezeichnet hat geguckt haben, bis ich abbrechen wollte wegen Langeweile mache ich mir Gedanken zu Thema Luxus. Was ist Luxus? Sauberes Wasser was aus dem Hahn kommt, aber eine Handtasche für 30.000,- € gegenüber einer für 30,-, die denselben Zweck erfüllt, kann ich nicht verstehen. B-Promis kommen nach Hannover, wohin auch sonst denke ich als wir am Wasserturm vorbeifahren. Marc Terenzi war neulich auf H 1, in einer ganz erbärmlichen Pro Gay-Sendung, die das Schützenzelt für Gays und das Maschseefest empfohlen haben. Pro Gay finde ich gut, aber nicht diesen Spießerkram. Das muss ich leider auch bei Gleichgeschlechtlichen konsequent sein. Marc war im Interview und sagte so was wie: Ich bin gemoved nach Hannover, because I have a Projekt hier. I work mit einem DJ together. Schlimmes Denglish spricht der Mann. Elisabeth Taylor kommt vorbei mit dem Gaszählerstand (sie hatte nur Strom richtig abgelesen beim ersten Anlauf). Sie trägt einen riesigen Wal (Stofftier) über der Schulter. Modell Orca. Das ist filmreif. Ich bleibe ganz ernst und lass mir nichts anmerken.

10.09. Der Herbst grätscht sich fest, statt noch mal auf Altweibersommer zurück zu stellen. Psychiatrische Praxis Nordstadt, Versichertenkarte einlesen lassen. Mein Betreuter hat die Fachärztin nicht reingelassen. Dann Amtsgericht. Frau hat über das ambulant betreute Wohnen eine Betreuung angeregt wegen u.a. Schulden. Erscheint nicht. Zuständig ist ein ganz junger Richter, der mich bei der Gelegenheit als Verfahrenspflegerin bestellt. Es geht wieder einmal um einen Alkoholiker, der Korsakov hat und gerade im Nordstadtkrankenhaus ist und nach Langenhagen soll. Die Anhörung findet am selben Nachmittag um 17 Uhr statt. Es ist genau die Infektionsstation auf der ich auch mal gelegen habe mit meiner Lähmung. Alte Erinnerungen werden wach. Der Mann hat doch erhebliche Gedächtnislücken beim Kurzzeitgedächtnis und erzählt lieber von früher, als er bis zu 16 Lkw samstags gewaschen hat. Er weiß nicht, wo er wohnt, aber was er weiß ist, dass es in Langenhagen schwarz gekleidete Jungnazis gibt, die die Alkis grundlos verprügeln und dann einfach weiter gehen, als sei nichts gewesen. Eiskalt seien die und da sei es besser, wenn man in einer Gruppe von Trinkern sei. Da trauen sie sich nicht so ran oder man muss sich in den Rewe flüchten und einen Verkäufer bitten, die Polizei zu rufen. Bis die dann kommen, seien die in alle Himmelsrichtungen verschwunden.

Ich liebe den schönen Friedhof gegenüber dem Krankenhaus. Das Efeu auf der Mauer hat eine schöne Frisur. Auf dem Weg in die Nordstadt treffe ich einen Bekannten, der mit seinem schwarzen Königspudel durch den Park joggt. Ich war mittags noch mal zuhause und habe mit einer Wollmütze nachgerüstet. Nach dem Termin flüchte ich mich beim immer stärker werdenden Regen zu Edeka und dann nach Hause und nehme ein Vollbad mit dem Gartengebräu, was man eigentlich sofort hätte verwenden sollen. Es riecht auch nicht mehr so super, aber ist ja nur äußerliche Anwendung. Den ganzen Tag denke ich an Tom ka gai, vietnamesisch mit dem knackigen Blumenkohl. Das war superlecker und hat mich glücklicher gemacht als das teure Haus an der Alster. Ich bin halt einfach gestrickt. Kaufe vor lauter Sehnsucht einen Blumenkohl auf dem Markt, Suppe muss ich selber machen und das wird eine pürierte. Lieber wäre mir die andere, aber die bekomme ich so nicht hin. Dazwischen ruft Elisabeth Taylor an, die mich fragt, ob ihre Üstramonatskarte ungültig sei, wenn sie sie einschweißen lässt. Das habe sie getan und das sei ihr dann erzählt worden. Warum hat sie das machen lassen frage ich. Wegen Flecken und Knickerei. Sie war übrigens „da“, sagt sie mir. Da? Frage ich. Sie nennt mir den Namen des Psychiaters, also bei der Spritze. Das ist gut, auch wenn man es nicht so merkt. Wie wäre es wohl ohne?

11.09. Vormittags ein Telefonat mit einem Kollegen bei dem ich mal in der Ausbildung war im Referendariat. Wir kommen ins quatschen und ich frage ihn, ob er auch Samstag Karten für die Opernpremiere habe. Ja, Premierenabo und auch fürs Schauspielhaus. Fleißig. Ich sage ihm, dass es für mich eher eine Pflichtveranstaltung sei und er macht mir Mut, das wäre eine schöne Oper, der Maskenball und die Veranstaltungen der Musikhochschule seien auch immer ein guter Tipp. Die experimentieren mehr, die jungen Leute. Ich fahre nachmittags nach Neustadt. Große Holzkrawatten in rot, gelb und blau hängen in den Bäumen. Blöder geht es nicht. Das will ich noch nicht einmal fotografieren. Mey ist es hässlich hier, denke ich immer wieder. Meine Betreute ist schüchtern und wartet schon ca. 1 Stunde. Die Anhörung dauert nur Minuten. Der Richter hat verwackelte Farbfotos an den Wänden, die bunten Lichter bilden Striche, sehr originell und ein Dartspiel hängt auch. Ob ich einen Ausschlag im Gesicht hätte, fragt sie mich anschließend. Was soll ich darauf sagen, die Hormone haben meine Haut versaut, was andere in der Pubertät hatten, ereilt mich im Alter, aber darüber reden will ich nicht. Ich hatte Jahrzehnte tolle Haut und habe nie Probleme gehabt, jetzt habe ich sie und denke, es gibt Schlimmeres, z.B. Krebs. Der Zug ist voll mit Schülern und die Stadtbahnlinien 3, 7 und 9 sind durch einen Unfall beeinträchtigt. Ich habe ein Buch: „Zum Glück gab es Punk“ dabei und bin bemüht, es abzuarbeiten. Den Anfang fand ich spannend, aber jetzt ist es mehr Pflicht und Ehrgeiz es zu Ende zu bringen als alles andere. Die Demo für die Abholzung der Eilenriede zugunsten einer Rollschuhbahn mit Plastikbäumen umsäumt finde ich lustig. Der saure Regen tötet die Natur, dann lieber gleich kurzen Prozess und Plastikbäume aufstellen, die der Modernen gewachsen sind. Sahra Wagenknecht macht auf Frieda Kahlo. Wollen die mir alles verderben? Ihr alter Knacker, Macker aus dem Saarland ist dann der Freskenmaler oder was? Mir ist schlecht. Abends die Doppelyogastunde tut gut. Beim Kundalini merke ich, dass meine Kräfte noch nicht bei 100 % sind. Ich habe Schwindel und Kreislaufprobleme. Gottseidank findet alles heute im Sitzen und Liegen statt. Ein tolles, energetisches Set. Ich bin nach den Klopfübungen und der Selbstmassage und den Mantren wie weggebeamt und sage: Stehen wird überbewertet und ist beim Yoga echt nur eine Option. In der normalen Yogastunde ist noch etwas Körperarbeit angesagt und Mikael demonstriert etwas an mir, was er für „schon fast pervers“ hält. Das sorgt für Heiterkeit. Abends gibt es die zweite Portion Pasta an diesem Tag. Die Tochter meiner Cousine verkauft Doc Martens in London. Die wollen wir aufsuchen auf der Hochzeitsreise Anfang Dezember. Das ist eine lustige Erfahrung, wenn die Kinder der anderen auf einmal erwachsen sind und man kann etwas partizipieren, auch wenn es nicht die eigenen sind. Meiner Lieblingsyogalehrerin, die bei Triyoga unterrichtet kommt doch nicht nach Hannover, weil keiner außer mir ihren Workshop buchen wollte. Das finde ich natürlich total schade, weil ich das initiiert habe und die richtig gut unterrichtet, aber offenbar gehen die Yogaschülerinnen nur zu dem Yogastars, die sie von Youtube kennen. Ist halt wie überall und ich werde einfach in London wieder einen Klasse von Mimi besuchen, die mir ihrem tollen, fordernden und interessanten Yogaunterricht mit Qigong-Elementen neue Anregungen gibt und einen voran bringt mit der eigenen Praxis.

12.09. Traum. Wir sind in New York und passen auf den Säugling meiner Kollegin auf. Ein hellblondes Mädchen, ganz klein. Ich bin noch müde und frage mich, ob ich neben der im Bett einfach schlafen darf oder sie dann aus Versehen zerdrücke. Dann sind wir im Park. Eine Frau kommt mit ihrer Tochter zu uns heran und will den Namen des Babys wissen. Den haben wir uns leider nicht gemerkt. Das kommt komisch an. Ehepaar mit Säugling und sie wissen den Namen nicht. Wir erklären ihr dann,  dass sei die Tochter der Kollegin und die ältere Tochter (ca. 8 Jahre, so alt wie Du, sage ich zu dem Mädchen) von der hätten wir uns den Namen schon gemerkt, aber leider nicht von der Kleinen und sie kann auch nicht helfen, weil sie noch nicht bestätigend auf ihren Namen reagieren kann. Sie heißt Claire, wie sich später herausstellt, komischer Name denke ich mir und einen kleine Chihuahua-Mix haben die beiden auch, meine Kollegin und ihr Mann, der ist lieb und schnappt gar nicht, im Gegensatz zu den Problemhunden bei Cesar Millan (tatsächlich hatte die Kollegin sich einen Bürohund anschaffen wollen, den ich dann streckenweise auch genommen hätte, aber dazu kam es nicht) und ich mache mir im Traum Gedanken um den Langstreckenflug im Säuglingsalter und halte das irgendwie für unverantwortlich, aber jetzt erst mal einen leckeren Kaffee. Wir gehen im Hotel die Treppe hoch, dicker Teppich liegt auf den Stufen. Der Wecker klingelt.

Heute 80er Jahre Delight-Outfit und ich fühle mich etwas wie aus Denver Clan. Ich weiß gar nicht, ob ich diesen Look mit Schulterpolstern so gut finde, aber bei den jungen Mädchen, die sämtliche Geschmacksflauten der 80er abfeiern wird der Look gut ankommen, außerdem hat das Kleid eine tolle Verarbeitung, einen ganz tollen Wollstoff und einen langen Schlitz, so dass man bequem aufs Fahrrad kommt. Alle fahren weg in den Herbstferien, nur wir nicht. Gut, wir waren echt genug weg dieses Jahr. Ich habe keinen Grund mich zu beschweren. Trotzdem denke ich sehnsüchtig an Istanbul, Wien und New York habe etwas Fernweh. Da ich mit Stephan schon über 25 Jahre zusammen bin, ist mein Leben beim Thema Partner von einer großen Liebe geprägt. Bei den Städten gab es viele große Lieben an die ich mich sehr gerne erinnere. Vor allem das erste Mal Barcelona ist mir sehr präsent, aber auch Istanbul und Wien.

Mittags gehen wir in einen neuen vegetarischen Imbiss in der Deisterstraße. Viel Fertigsoße (die süße Chili-Soße aus den großen Flaschen). Mehr frisch und knackig wäre mir lieber. Allerdings freue ich mich sehr über die Nachbarläden. Hier wird vom Prittstift, bis 10 Gebote auf Gummilappen, head and shoulders, ambulant betreutes Wohnen, zumindest der Prospekt, Teelichter bis Staub und Stempeln alles Mögliche feilgeboten. Auf der anderen Seite gibt es hochwertige Etuis, die zwar schwarze Flecken haben, aber dafür herabgesetzt sind.

10 Gebote ABW Pritt Head und shoulders Qualität Etui

13.09. Morgens ruft meine Mutter an, sie kommen gerade von einer Dienstreise mit Hotelübernachtung in einem Schloss und Restaurantbesuch wieder, mein Vater wird Morgen in einer Woche an der Schulter operiert und heute Nachmittag sind sie wieder unterwegs und werden abgeholt. Sie will mir aber sagen, dass ich kürzer treten soll. In Wirklichkeit wird es ihr zu viel und deswegen wohl der Hinweis an mich und/oder wegen Muttersorge. Mich macht das allerdings bockig. Ich lass mir doch von meinen Rentnereltern, die ständig unterwegs sind nicht vorschreiben, dass ich kürzer treten soll!

Am Nachbarhaus sind ganz liebevolle Maler zugange. Der eine junge Bursche liegt auf dem Rücken auf einer Leiter und streicht den Giebel über sich. Die leisten gute Arbeit und ich lobe sie gegenüber unserem Nachbarn. Wir hatten seinerzeit eine Malerfirma Flecks, die den für teures Geld frischsanierten Sandstein nicht abgeklebt und mit Farbklecksen versehen hat und einfach überall Farbe hingeschmiert hat. Wenn man aus dem Haus ging, wurde man selber getroffen, ein gelber Handschuh mit passendem Farbabdruck landete auf dem Dach unseres Nachbarn usw. Unglaublich schlecht waren die und diese sind unglaublich gut. Auch bei Handwerkern gibt es beides. Ich sage nur Better call, Saul. Saul Goodman aus breaking bad bekommt eine eigene Sendung.

Die Kastanien erwischt es doch als Erstes. Braunorange geflammte Blätter, die Früchte sind noch grün, die Blätter schon voller Herbst. Ich habe einen Scheidungstermin und die Mandantin hat ihre volljährige Tochter mitgebracht, die dabei sein soll und auf einem Zuschauerplatz sitzt. Immer wieder freut sie sich demonstrativ, dass sie den Typen los ist. Danach gemeinsam zu Oma und dann zum Tätowierer schlägt die Mutter vor. Er kommt und ich denke, dass ist noch eine erwachsene Tochter, die vor der Tür auf ihn wartet, aber es ist wohl seine Neue. Meine trinkt unter vor der Tür des Amtsgerichts Rotkäppchensekt aus der Flasche und freut sich, dass sie „den Schmarotzer endlich los“ ist. Es wirkt aber ganz anders, so als würde sie mit allem dem sehr schlecht fertig werden und zitternd ihre Überlegenheit beteuern und demonstrativ zur Schau stellen, während sie sich aufregt, wie er mit seiner Neuen Arm in Arm läuft und dabei braucht sie noch die Unterstützung der Tochter, die herhalten muss und sich vermutlich mitfreuen über die Scheidung der Eltern (das ist pervers) und auf einmal blutet sie und weiß nicht woher. Sie ist panisch: ist es im Gesicht, ist es im Gesicht? Es ist ein Schnitt am Finger. Die Tochter sagt: „ohh Mama, chill doch mal ein bisschen“ und dann muss ich noch mit einem Taschentuch aushelfen. Was für eine peinliche und erbärmliche Vorstellung. Das ist die Bilanz einer 18 jährigen Ehe. Ich weiß warum ich diesen Anwaltskram am liebsten gar nicht mehr machen will nur noch schön mit meinen Verrückten. Da habe ich mehr Draht dazu.

Nachmittags ist Demo am Lindner Marktplatz angesagt. Die Polizisten tragen seit neustem hinten Nummern. 7213 und so. Leider sind die Nachwuchspolizisten alle nicht schussfest und haben ein dünnes Nervenkostüm, d.h. so eine Veranstaltung ist schon eine Zumutung für sie und wenn dann noch was dazu kommt, gibt es Burnout und Dienstunfähigkeit.

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Während sich die Gegendemonstranten einfinden, kann ich den Feind nicht richtig ausfindig machen. Sind das diese armseligen Hanseln? Der eine dick mit weißer Regenjacke (see through) durch die was Rotes durchscheint, was aussieht wie eine rosa Wurst, der andere auch dick mit Blaumannhose, der vor dem Rathaus ein paar prollige Gesten macht. Beide Daumen nach oben oder unten, Becken nach vorne. Ich verstehe diese Veranstaltung nicht und weiß auch nicht, ob man diesen peinlichen Gestalten, offensichtlich lernbehindert nicht mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt, als sie verdient haben. Anhänger haben sie keine. Es sind nur die Gegendemonstranten und die Polizei da. So richtige Nazis, die Obdachlose und Alkis verprügeln und denen man auf die Klappe geben will sind sie einfach nicht, sondern so peinliche Opfer, die sicher in der Schule viel gehänselt wurden und nicht richtig lesen und schreiben können. Sie scheinen die ganze negative Aufmerksamkeit zu genießen, sie baden im Geräuschmeer der Pfiffe und Buhrufe und jetzt wird eine Runde Deutschlandflagge geschwenkt. Oh mein Gott. Bald ist der Spuk vorbei und die packen das Klappplakat wieder ein und rollen die Fahne auf und steigen wieder in ihren Tourbus.

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Mein Betreuter, der um 14 Uhr einen Termin hat, taucht nicht auf. Ein ungünstiges Timing, zumal Herr T Anti-Aggressionstraining machen soll (laut seiner Bewährungshelferin, die für Oktober mit mir einen gemeinsamen Termin vereinbart hat) und ein Problem mit Bullen hat er auch und das bei den Aussichten am Lindener Marktplatz. Ist er nicht durchgekommen? Gab es Probleme unterwegs?  Mir hat die letzte Strafverhandlung gut gefallen. Es war mal kein Drogendelikt, sondern er hatte seinen Nachbarn vertrimmt, der zuvor seine Freundin geschlagen hatte, die dann bei meinem Schutz gesucht hat. „Der Typ schlägt Frauen, der soll nicht heulen, der soll selber leiden“, war sein Fazit. Guter Junge, dachte ich mir damals. Die Frau war dann wieder zu dem Schläger zurück gegangen. Auch eine fiese Erfahrung für ihren Helfer, aber leider typisch nach meinen Erfahrungen.

In der Sache, in der ich Verfahrenspflegerin bin und der Wohnungskündigung nach 39 Jahren nicht zugestimmt hatte, beschwert sich der Betreuer beim Gericht über mich. „Frau A., war aus meiner Sicht in ihrer lauten, dominanten, autoritären, selbstherrlichen und unsensiblen Art dermaßen voreingenommen, voreilig kritisierend und anklagend, unangebracht belehrend und unfähig zu einer konstruktiven Kommunikation, daß ich hiermit Beschwerde gegen diese Verfahrenspflegerin einlege“. Lesen wie anderen einen sehen ist doch immer wieder herrlich. Ja, so bin ich. Was ich inhaltlich falsch gemacht haben soll, konnte ich dem Text von lauter beschreibenden Charaktereigenschaften leider nicht entnehmen. Er tauscht das Schloss aus von seiner Betreuten als sie im Krankenhaus ist und kassiert das Sparbuch und versucht sie – aus meiner Sicht – ohne hinreichenden Grund wohnungslos zu machen gegen ihren Willen. Ja, das habe ich kritisiert und auch wie er seine Rolle als Betreuer wahrnimmt, weil hier der Willen des Betreuten gilt und dann erst mal kilometerlang nichts. Jetzt mag er mich wohl nicht mehr, aber meine Klientin ist wieder in ihrer Wohnung und hat einen Pflegedienst und ich habe regelmäßigen Kontakt zu ihr und dem Helfersystem, also ich bin da ganz gelassen, dass ich doch ihre Interessen wahrnehme und halt nicht die Interessen ihres gerichtlich bestellten Vertreters, der offenbar alle Alkoholiker, die sich ja latent selber gefährden in Heimen unterbringen will und deren Meinung dazu ihn reichlich wenig interessiert.

Wir bekommen Post aus Hamburg von Normann. Eine süße Lockengans von Greenpeace.

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Ich rufe die prollige Verwandtschaft meines Mandanten an, die im Ruhrpott lebt. Es geht um das Testament und meiner ist Alleinerbe. Die Schwägerin will das nicht einsehen und schimpft die ganze Zeit, meiner (der im Übrigen schwerbehindert ist und in einer beschützen Werkstatt arbeitet sowie eine Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht) der hätte seine Lehre zu Ende machen sollen damals, was soll die Scheiße. Sie wollen Halbe/Halbe und nichts anderes. Ihr Mann kann auch anders, dann geht es halt auch zum Anwalt und wenn das ganze Erbe dann für den Rechtsstreit drauf geht das ist ihnen auch scheißegal. Das mit der Mutter und dem Testament, da sei nur Scheiße gelaufen und sie hätten sich immer gekümmert und jetzt wird noch ihre Tochter eingeschult und ihr Mann würde arbeiten und sie würden es nicht einsehen. Eine supersympathische Frau. Ich bin geradezu dankbar als der Mann mich noch mal zurück ruft, mit dem man etwas vernünftiger reden kann, auch wenn sie im Hintergrund die ganze Zeit zetert was mich sehr aggressiv macht. Ich erkläre ihm, dass wir eine Lösung finden wollen und keinen Streit, aber an den letzten Willen seiner Eltern gebunden sind und sein Bruder da vor allem nichts dafür kann. Schwierige Sache.

Abends fahren wir zum Abschluss der Woche zu Biagio. Ich habe total Lust auf die Pasta mit geschmortem und gebratenem Zickleinragu, eine Lasagnette. Der Hammer. Das kann keiner so wie er. Auch die lackierte Wachtelbrust ist sehr gut und die Wirsingsuppe mit einem dicken Parmesanflatschen unten drin. Köstlich. Es gibt eine halbe Portion Pasta mit Meeresfrüchten und Steinpilzen und Stephan isst Wels mit sehr leckerem geschmortem Salat als Gemüse, knackig und Safranrisotto.

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Wir nehmen den großen Nachtischteller für 2 und ich verleihe der einen Stammbedienung (Benny) einen antiken Weintraubenknopf als Somelierzeichen zum Annähen. Auch dem Chef gefällt der Knopf, aber er ist anderweitig schon seinem Mitarbeiter versprochen gewesen. Ein runder Abend. Schade, dass der Laden am anderen Ende von Hannover ist.

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Hamburg, vieles geht, alles nicht

06.09. In der U-Bahn wieder die Leute, über die ich mich aufrege. Spät gebärende Mütter, deren 3-jährige Tobsuchtsanfälle bekommen und sie sagen ganz laut zu dem Kind, wir schauen gleich mal, ob uns jemand einen Sitzplatz anbietet statt direkt jemanden zu fragen oder bitten. Wenn „Passanten“ dem Blag dann helfen werden sie getreten und mit den Worten: fass mich nicht an bedacht. Das bleibt unkommentiert seitens der Mutter. Das ist quasi keine Erziehung. Ich steige die nächste aus und es wäre schön, wenn Du mitkommen würdest ist stattdessen die Reaktion. Viel anti-autoritär und diskutieren mit dem Kind. Das tut ihm gut!? Ich will auch raus und bücke mich schon nach dem Gepäck, Beautycase um dem ängstlichen Rentner zu signalisieren: ich werde die Tür nicht blockieren, ich steige auch aus. Der muss sich vorbei drängeln und steht direkt vor mir, unangenehm nah. Der Zug bremst und er fällt mir gegen den Busen. Und dann Entschuldigung. Nein, halt nicht, Du Pfosten.

Thomas war schon bei Andronaco, weil er sein Auto dort in die Werkstatt bringen musste. Wir fahren Bus mit Gruppenticket 9 Uhr und probieren den neuen Bahn-Mi Laden aus. Thomas begleitet uns, will aber nichts essen. Leider keine niedlichen Asiaten, die uns die Brote füllen und mit Selbstverständlichkeit ihre Dienstleistung vollziehen, sondern ein mittelalter Hamburger, der uns ungefragt erklärt, wie viel Arbeit er da rein gesteckt hat und wie er das Fleisch gart, bei welcher Temperatur und offenbar bewundert und gelobt werden will.

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Thomas denkt an Händedesinfizierung, so wichtig beim Thema Streetfood. Bei ihm flammen wieder die Erinnerungen an meinen Noro-Virus vor 2 Jahren auf und er stellt erneut fest, dass ich alle angesteckt habe damals. Das wird mir oft aufs Butterbrot geschmiert. Da könnte ich schon einen Comic daraus entwickeln, wenn ich zeichnen könnte. Noro-Virus Girl und dann Pharmavertreterboy. Ich denke, so ist es halt bei Krankheiten, einer hat sie zuerst, dann bekommt sie der nächste, aber was hat das mit Schuld zu tun? Nicht, wir hatten das alle, sondern von mir hatten sie es alle. Ich habe sie doch auch von irgend wem bekommen, aber so ist das halt. Offenbar war das eindrucksvoll, für mich ja auch, wie ich seinerzeit über ihrer Kloschüssel hing, nachdem ich es kaum nach Hause durch den Schanzenpark geschafft hatte und hier schon ins Gebüsch reihern wollte und man die Klotür vor allem nicht schließen konnte in dieser Position, wenn ich davor kniete (wie kleine Gästetoilette), so dass ich quasi öffentlich mein Malheur austragen musste mit dem hinteren Teil meines Körpers im Flur und alle alles mitbekommen haben. Das war traumatisierend und dann so krank sein und im fremden Bett und nicht zuhause und dann noch nach Hause fahren müssen mit dem Zug. Na ja, ist lange her. Nein, mein Bruder hat es damals nicht bekommen und Claudia auch nicht. Nicht von meinem Teller gegessen? Keine Ahnung. Der Weg der Viren und was der einzelne ihnen entgegensetzen kann nehme ich an.

Wir nehmen Bus und Bahn nach Altona. Ich bin eine große Attraktion für die Hamburger. Von wegen zurückhaltend. Das habe ich schon öfter festgestellt, die glotzen hier wie die schlimmsten Landeier in Oberfranken. Nach mehrfachen Kommentaren erreicht es seinen Höhepunkt als mich eine lustige Rentnerin quer durch den Bus fragt: „darf man lachen“ (blödeste Anmache aller Zeiten, oder?) und dann auch nicht ablässt, „ist da Tabak drin?“, „habe ich ja noch nie gesehen“, „elegant“. Sie kann sich einfach nicht entscheiden. Kaum denke ich erleichtert, ich bin sie los, kommt die Stalkerin noch mal und hat jetzt erst meine Kette gesehen, so was hat sie natürlich auch noch nie gesehen, Gesamtkunstwerk, blabla, Lass mich in Ruhe, bitte, um Himmels willen.

Altona hat viele Bausünden. Fast am schlimmsten ist der Schweinske-Biergarten am Bahnhof.

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Wir suchen den Teeladen auf, den wir auch nach kurzem Fußweg finden. Ich erhalte einen dienstlichen Anruf, dass eine Betreute Tabletten geschluckt hat und sich von der Selbsttötung nicht distanzieren kann, geschlossene und Montag noch mal sprechen. Der Inhaber der Ladens, ich nehme an, dass er es ist, hilft wenig. Ich frage nach Kräuterteemischungen. Die stehen draußen. Ne, habe ich schon geguckt, sind nicht die dabei die ich im Internet gesehen hatte. Na ja, wenn er nicht verkaufen will, der Hanseat. Ich will eine kleine Dose Schokolade in einer Kaviardose kaufen, die mir optisch gefällt. 7,50 € für die kleine Dose.

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Bam!! Ich zahle und lasse mir von den Jungs den Kilo-Preis ausrechnen. Es sind 20 gr in der Dose. Weiter zu dem Schuhladen. Ich werde fündig und zwei Strumpfhosen für 10,- €. Winterstrumpfhosen, Schnäppchen. Die Jungs blockieren das Schuhgeschäft und stören die Frauen, wie Touristen, die durch die Dünen laufen und die brütenden Vögel aufschrecken. Ich muss sie rausschicken, Kaffee trinken. Stephan hat mir nur zeigen wollen, welche Schuhe flach sind. Ich kaufe noch einen Silberring und bin happy. Der ist mindestens 50 Jahre alt, erklärt mir die Ladeninhaberin. Sie hat ihn damals angekauft. Der Tochter, die ihn mir aus der Auslage geholt hat erkläre ich ihn mit den Worten aufgeplatztes Ginkoblatt mit Steuerrädern aus Silber.

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Ich finde die Beschreibung nach wie vor passend. Claudias neuer Kiez gefällt mir auch beim zweiten Besuch. Der Alimentari-Laden hat kaputte, kleine Tontöpfe für 3,95 € vor der Tür, aber schön dekoriert alles und hey, ist Hamburg. Hier ist so was besonders wichtig und immer einen riesigen Blumenstrauß haben. Das macht was her.

Wir fahren kurz zurück und geben Thomas zuhause ab und fahren dann nach Harburg. Diese Strecke kann ich jedem Hamburg-Touristen nur empfehlen. Hochbahn und zwischen City-Süd und Veddel bietet sich ein phantastischer Ausblick, Landungsbrücken nichts dagegen, die Abendsonne steht tief am Himmel und taucht Schiffe und Kräne in ein orangefarbenes Licht und vor allem die Wasseroberfläche glitzert in dem Licht.

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Beim Aussteigen spricht uns ein Typ an, ob wir auch zu der Santiago Sierra Ausstellung wollten, als wir bejahen, freut er sich: „Kunstleute“ würde man erkennen. Er ist jung, sympathisch, breite Brust, weißes Hemd, kleiner als ich, ein Schneidezahn steht schief. Er sei aus Berlin angereist. Drei Stunden, das sei kein Ding. Er kennt den Galeristen. Ob wir den Künstler kennen lernen wollen ist immer wieder Thema. Wir erklären ihm, dass wir schüchtern seien. Er sagt, das wirke gar nicht so. Ich sage, ansprechen lasse ich mich, aber innerlich bin ich total am bibbern dabei. Er will vorher noch was trinken beim portugiesischem Café, welches wir unterwegs passieren. Die Räume sind riesig und schön. Industrieromantik mit zugewachsenen Fenstern und tollen Ausblicken.

Sierra Innenhof begrünt 1 Sierra Innenhof begrünt 2 Sierra Innenhof

Zum Mitmachen gibt es auch was

Leiter in die Kunst

und schöne Bauschaumfotos von einer seiner Aktionen.

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Norman ruft an, mit dem wir uns auch noch treffen wollten, ein Freund aus Hamburg, mit dem wir vor Jahrzehnten auf Mallorca waren in einem tollen Stadthaus mit seiner, unserer damaligen Freundin, einer Hamburger Floristin, die dort jeden Tag die Terrasse gefegt hat. Ich war junge Punkerin, die Welten prallten damals schon aufeinander und die Freundschaft zu der Frau hielt auch nicht, aber Norman ist geblieben. Das wird heute nichts mehr mit Treffen, vielleicht Morgen auf einen Kaffee. Stephan freut sich immer wieder so sehr über die Schlammbilder aus der Kestnergesellschaft, das ich ihm vorschlage eines für zuhause zu kaufen. Das will er aber dann doch nicht. Ich denke, lustig, wir drei Fans, der Berliner und wir. Wenn der Meister da ist, lassen wir uns einen Stich quer über den Rücken tätowieren. Das würde ich noch mal machen, genau mit dem Typen. Er findet uns wieder. Wir spielen etwas mit der schiefen Ebene und dem roten Wasser, es ist Nasenbluten aus einer riesigen Pappmachénase, wie mir der Berliner zeigt. Oben ist ein Motorrad halb zu sehen und an diversen Stellen sind Löcher, durch die man den Kopf stecken kann um eine kleine Welt zu entdecken. Jetzt sind wir in der Halle mit den Bierbänken und angetrockneten sowie angeschimmelt ausschauenden Schnittchen angekommen.

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Die Stimmung ist 3-4. Ich habe wieder einen Fan an der Backe, extrovertierte alte Schachtel, die mich fotografieren will. Es tut mir leid, dass ich nicht zurück fotografiere für Buttermusch, aber grds. muss ich auch nicht die schlechten Eigenschaften perpetuieren, also vielleicht besser so. Ist einfach nicht mein Stil. Der Berliner lobt ihren Schmuck, das kann er nicht ernst meinen. Sie hat den geschmacklosesten Modeschmuck um. Die Krönung bildet ein goldener Männertorso (ca. 15 cm groß), den sie an einem langen, dicken schwarzen Gummi auf Bauchhöhe trägt, wie eine texanische Krawatte. Der Meister ist da, ich wusste nicht, wie er aussieht, aber kleiner schüchterner Spanier wurde gesagt und das passt auch und gleich muss er Gruppenfoto machen. Die Frau, die mich penetriert stellt fest, er wolle nicht fotografiert werden und das akzeptiert sie nicht. „Dann soll er nicht in die Öffentlichkeit gehen“, ist ihr Fazit. Das halte ich für Schwachsinn, nicht jeder, der Kunst macht muss sich alles gefallen lassen à la Streichelzoo. Soll man ihn gleich im Käfig auf die Bühne bringen und dann muss er machen, was wir wollen? Was soll das? Der Berliner ist selber Künstler und freut sich über Resonanz. Immer wieder will uns der Jonathan Meese in gut aussehend überreden gemeinsam mit ihm zum Meister zu gehen. Wir lehnen ab, er macht ernst. Er lernt kennen, wenn er kennen lernen will und wir gehören zu denen, die angesprochen werden und nicht selber ansprechen. So unser Resumée. Wir gehen Richtung S-Bahn, er zum Meister. Der scheint mir eingeschüchtert genug und ich glaube, es bringt dem nur Stress, wenn alle auf ihn zustürmen und er hat dann Angst. Ihm reicht es zu sehen, dass wir da sind und seine Sachen unterstützen. Das sind halt die verschiedenen Herangehensweisen bzw. Einschätzungen. Ich denke an Calixto, den wir lange schon stalken auf Opernpremieren in Hannover, Stuttgart und Basel. Der hat mich neulich in Basel gegrüßt, ganz schüchtern hat er die Hand gehoben und mich angelächelt. Das war toll und hat gereicht.

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Wir überraschen einen Freund bei dessen Fotovernissage. Die Überraschung ist gelungen. Ich lerne die Töchter kennen und auch hier ist mein Hütchen wieder Thema, aber nicht schlimm nur interessiert. Das gibt es auch. Andere Menschen, die man von früher kennt sind auch da. Herrlich kann man draußen sitzen. Beim Gehen treffen wir noch eine Frau aus unserem Stadtteil beim Inder nebenan. Wir haben auch noch etwas Appetit und rufen bei unseren Gastgeber an, die gegenüber einen leckeren Vietnamesen haben, ob sie schnell was für uns bestellen können. Es ist 22:02 und man weiß nicht, wie lange der geöffnet hat. Ich will Glücksrollen und eine Tom ka Gai in der vietnamesischen Variante. Das Leuchtplakat von Andronaco nähe Reeperbahn sehe ich als Zeichen, dass ich da Morgen hin muss.

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Auf dem Weg zur Haltestelle St. Pauli hält ein Reisebus und der Inhalt, eine Gruppe Rentner, ergießt sich ins Holiday Inn Reeperbahn. Die Gastgeber geben uns das Essen aus und Thomas spült die supergenialen, stabile tv-Diner to go Verpackung für mich. Wir unterhalten uns noch etwas. Zum Spielen reicht es bei mir nicht mehr. Um 1 Uhr ruft das Bett. Ich bin sehr zufrieden mit dem Tag, vor allem das Gruppenticket 9 Uhr für 10,40 € hat sich voll bezahlt gemacht.

07.09. Ich werde lange vor den anderen wach. 8:30 Uhr. Irgendwann wird Stephan auch wach und nach einem Kaffee gehen wir nach nebenan zu Jerwitz. Da sind Luftballons gehisst und es gibt Brezeln und Saft, also was zu feiern. Ich mag die Stifte mit denen man Porträts zeichnen soll von gelblich bis dunkelbraun, je nach Hauttyp. Innen edel mit Anspitzer. Ich mag auch das Set mit dem Metallkasten mit Fuchs drauf. Innen nur Fuchsfarben. Das ist, wenn man ganz viele Füchse malen will. Ich mache mich viel lustig über Pinsel mit 5 Köpfen. Erledigt gleich 5 Aufträge auf einmal. Dann suche ich was raus und gehe zur Kasse. Wir hatten uns am Vortag darüber unterhalten, wie umständlich die sind. Erst mal am Prozenterad drehen. Ich erreiche nur 5 %. Das ist etwas 12 mal vertreten und 20 % nur einmal (die können halt auch rechnen und vor allem die Prozente klein halten). Etwas feiern, nicht zu viel. Dann mein Gutschein an der Reihe. Die Gutscheinnummer ist nicht registriert. Er kann nicht gefunden werden. War da nicht neulich zu viel Geld in der Kasse? Dann ganz umständlich Storno, neuen Gutschein, noch mal buchen, überlegen, ob das so geht und Diskussion was daran das Problem ist und an der anderen Variante und noch mal Storno. Es ist der Wahnsinn und ich verlasse mit einem neuen Gutschein über 19,51 € den Laden.

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Wir nehmen den Bus nach Altona und besuchen Norman. Der wohnt seit eh und je sehr schön hier. Bei dem malerischen Innenhof muss ich an besagte gemeinsame, frühere Freundin denken, wie sie Kindern erklärt hat, dass man da nicht mit einem spitzen Gegenstand wie z.B. einer Schere rein stechen sollte, weil da Folie drin sei. Das war das reinste Kinder auf gute Ideen bringen. Ich spiele etwas mit seinen Spielsachen und wir bewundern den kleinen Caro-Kaffee, Kaufmannsladengröße. Einen kleinen Essig und ein kleines Wallnussöl gibt es auch. Schöne Wohnung, gemütlich eingerichtet und sehr aufgeräumt.

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Dann gehen wir zu Kerstin, die uns total leckeren Kaffee macht und die Rosen duften. Die reinste Bundesgartenschau.

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Die neuen Gästezimmer sind total schön gemacht. Ein junger Mann sucht one man army, Kampfsportbekleidung würden die herstellen laut Internet. Wir wissen von nichts. Machen uns über ein Wohnungsangebot lustig, was ich auf der Straße finde. 2 Kommilitonen (400,- €) in dem feudalen Haus ohne Angabe von Quadratmetern und alles in Anführungszeichen. „Deine Eltern werden begeistert sein“. „Studenten- und Künstlerherz, was willst Du mehr?“

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Andronaco ist böse, wie Berlusconi, aber das muss mir heute egal sein. Dafür gehe ich nicht zu Onkel Rewe, der ist auch böse.

Uni, Rentnerbegegnungsstätte „Kontaktstudium“, Abitur nicht erforderlich. Hamburg kann auch manchmal verzweifelt wirken.

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Schön hinpilgern. Es gibt Prosecco aus Plastiksteckbechern am Eingang. Wir gehen vorbei. Am Käsetresen ist es viel Bella und ja, meine Blume, ja, meiner Rose angesagt, aber das kann man ignorieren. Kekse, eine Packung Nudeln, 2 x Espresso nach einer Verkostung. Leider frage ich nicht nach einem Kuli und klauen will ich ihn nicht. Ich hätte bestimmt einen geschenkt bekommen zum 30-jährigen Jubiläum.

Wir surfen mit dem Bus durch Hamburg, 3 Kinderwagen. Statt Feldstraße auszusteigen fahren wir weiter bis Rödingsmarkt, aus Versehen. Im Bus erklärt die Mutter der Tochter: wenn wir gleich bei Opa sind ist es ganz wichtig, dass Deine Erkältungsteilchen nicht zum Opa wandern, sonst bekommt er Deine Erkältung auch und der ist schon krank. Kurze Siesta. Dann geht es los mit dem Schnellbus. An der Ampel vom Schlump muss ich immer an meiner Lähmung denken und dann freue ich mich und nehme sie in extra großen Schritten. Hinten im Bus krempelt ein Mann, der zuckerkrank ist, wie wir erfahren seine Hose hoch und zeigt uns seine Beinwunde. Auf dem Schienbein eine – wie es ausschaut – riesige wassergefüllte Blase mit roten Rändern, entzündet, nicht gut. Er holt sich Tipps von dem Mitfahrenden hinten, ob man die vielleicht öffnen sollte und ich denke nur, aber bitte nicht während der Fahrt.

Aperitif unter den Linden.

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Am Nachbartisch teilen sich drei Damen einen Eisbecher mit Wallnüssen. Es bleibt noch was übrig. Ich schaue gierig hin. Sie wundern sich dann über die Rechnung über 120,- €, aber die eine meinte, muss man nicht nachprüfen, die haben einen Rechner. Dann hört man noch irgendwas über eine Kreditkarte, die noch nie funktioniert hat. Wir schauen uns noch ein bisschen die Hafenszenerie an gegenüber von Airbus. Hier ist allerdings hafenmäßig wenig los. Das kleine, dicke Airbus-Flugzeug sieht aus wie ein aufgeblasenes Kindermodell aus einer Juniortüte. Ein Schiff ist wohl wenig beladen und die Hakennase schwebt oberhalb der Wasseroberfläche, ein anderes, kleines fährt fast unterhalb der Wasserkante und ich mache mir kurz Sorgen, dass wir es untergehen sehen werden, was aber nicht passiert. Wir gehen rein. Wir essen. Ich nehme das vegetarische Menü und bekomme wie die anderen eine Kaninchenterrine als Gruß aus der Küche. Gut, dass ich das nicht so ernst meine mit dem fleischlos. Das Essen in meinem Menü ist recht leicht, aber ich probiere auch Stephans und esse reichlich Brot und eine Kugel Butter und wir trinken viele verschiedenen Weine, zum Schluss einen alten Portwein aus einer riesigen, schönen Glasflasche, der nur bedingt zu dem leichten Ziegenfrischkäse mit Sellerie und Sauerkirsch passt, der eher neutral schmeckt wie Quark. Der Nachtisch bei mir auch ganz leicht, Wassermelone und Litschi. Ich hätte gegen die cheese cake-Interpretation tauschen sollen. Der Süßigkeitswagen ist toll mit Pralinen, kleinen Kuchen, Windbeuteln, Quarkbällchen, Bruchschokolade. Mein Mann traut sich alles zu fordern und dann noch Nachschlag. Das Vanille-Eis ist ein Traum und auch bei der Darbietungsform werden Kinderträume war, zumindest bei mir. Wir zahlen dann und hätten gerne noch was von den Fruchtgelees, bittet Stephan erneut um Nachschlag. Es ist einmal ein kleines rundes Mojito-Türmchen. Sehr süß gemacht. Eigentlich sollten die sich freuen, dass man nach 7 Gängen da noch so eine Leidenschaft an den Tag legt.

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Unten feiert eine Hochzeitsgesellschaft, die Musik schallt hoch, wenn man zu dem Toiletten geht.

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Im Foyer, Feuer im Kamin, Modellwindhind davor. Es gibt dieses Mal keine abgelaufenen Muskatnüsse. Letztes Mal nehme ich eine große Dose, die ich wegen des Ablaufs des MHD geschenkt bekomme (!!) (bestimmt 1 kg große Muskatnüsse) und habe davon immer noch welche und auch schon reichlich verteilt, damals gleich an die Taxifahrerin. Da lache ich mir immer noch ins Fäustchen, weil MHD bei Gewürzen, das gibt es doch quasi nicht. Wir haben dieselbe Fahrerin wie damals. Rentnerin mit moderner, blondierter Kurzhaarfrisur. Reeperbahn und dann Schlump. Ich bin müde und schaffe vor allem keinen Alkohol mehr. Ins Bett. So es Essen und die Weinbegleitung ist anstrengend für den Körper. Das bremst mich dann in vielerlei Hinsicht aus.

08.09. Ich schlafe bis 11:47 Uhr mittags. Das liegt aus an dem Schlauch vom Vorabend. Bei einem normalen Restaurantbesuch wäre ich bestimmt 2-3 Stunden vorher wach geworden. Frühstück. Ich mache mich über das Schokoladenfondue-Set lustig, was es bei Kaufhof gab. Kleines Porzellanschälchen und Teelicht und vier kleine Pieker. Im Kopftopf soll man Sahne und geriebene Schokolade erhitzen und umfüllen in das winzige Schälchen. Praktisch ohne Ende. Ich schlage es als Geschenk für die neue Chefin unseres Gastgebers vor um die Reaktion zu testen.

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Apropos Gastgeber, die wollen trotz des Nieselregens Pilze sammeln und bieten uns den Schlüssel für ihre Wohnung an. Auch wenn ich tatsächlich mal ca. 4-5 Monate hier gewohnt habe, muss ich bei dem Wetter nicht auf Teufel komm raus zum Flohmarkt und wir nehmen ein Taxi zum Dammtor. Vielleicht ist das Wetter in der Lüneburger Heide auch besser. In Hannover ist es das jedenfalls. Dorthin zurück wollen wir lieber mit den Einkäufen von Andronaco, Käse und Wurst in den Kühlschrank verstauen. Zu Hause chillen und eine Darmfloraaufbautablette einwerfen und das Wochenende ausklingen lassen, etwas Kraft tanken bevor die Woche wieder los geht. Wieder müssen wir getrennt sitzen im Zug auf den Bahncomfort-Plätzen. Der Typ neben mir liest erst die Rezepte bei Men’s Health und spielt dann etliche Runden Pseudo-Mahjong auf seinem Tablet. Wenigstens einer.

Zuhause gibt es endlich die winzigen kleinen Läckerli aus St. Gallen. Kleine Törtchen mit Karamell als Methadon, damit ich über den restlichen Tag hinweg komme…

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Darm gegen Gehirn

31.08. Ich gehe abends zur Weinprobe zum Wein Weib und mein Kopfschmuck kommt gut an, auch der Ohrschmuck vom VDP. Ich sage, was soll dieser dicke Adler. Die Ösis machen das viel geschickter. Da kann selbst ich als Weinanalphabetin quer durch den Raum die Weine erkennen an dem Verschluss oben mit rot-weiß und Wiedererkennung, darum geht es doch. Dieses Mal halte ich mich auch zurück mit Essen und vor allem trinken. Ich lerne neuen Winzerjargon. Beigewächs für Unkraut. Das ist z.B. Rucola oder wilde Erdbeeren. Dann: Wer „die Primäraromen“ mag, sollte den Wein schnell trinken bzw. nicht lagern. Halbtrocken gibt es nicht mehr, sondern das heißt jetzt „feinherb“. Feinherb ist doch Schokolade denke ich und sage es auch. Kommt mir vor wie Schwachsinn, diese neuen Begrifflichkeiten.

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Wir brechen dann auf zur Bauwerkstattparty und Stephan holt vorher ein paar CDs von zuhause. 23 Uhr. Es ist reichlich voll dort und ich tanze erst mal eine Runde. Im Hof ist es noch voller als innen und als Jan mich fragt, bist Du jetzt wieder gesund sage ich ja, ja, merke aber in dem Moment, dass es mir echt schlecht geht. Genau in dem Moment quasi wie bei Tannhäuser oder welche Wagner-Oper war das mit der Erlösungsfrage: wie geht es Dir? 1 Uhr ich sitze zuhause auf dem Sofa und mir ist ganz schlecht und ich habe ein übles Völlegefühl. Ich denk dann: schlafen. Schlafe ein paar Stunden und werde wach mit flüssigem Stuhlgang, der in die Kloschüssel schießt, quasi hinten wie vorne. Ja, das wollte keine lesen. Leiden ist angesagt. Schlafe den Sonntag über, nur nachmittags durch heftiges Erbrechen unterbrochen (offensichtlich nur Magensäure nach so vielen Stunden). Abends schlafe ich weiter und die Nacht durch. Trinke nur wenig, ekele mich vor allem was ich schlucken muss nur schlafen und schwitzen geht. Darm hat genauso viele Nervenzellen wie das Gehirn, sagt mein Paps.

02.09. Morgens wache ich kraftlos auf und lege mich ins Gästezimmer, wo ich mit kurzen Unterbrechungen bis 16:30 Uhr schlafe. Wenig trinken, wenig pinkeln. Mein Gott geht es mir übel. Fieber, Gliederschmerzen. Zum Glück haben die Auswürfe aufgehört, aber appetit- und kraftlos. 2 Emails und ein Telefonat mit der Psychiatrie in Sachen PM ist alles was ich schaffe. Er hält sich nicht an Absprachen, kommt vom Ausgang nicht zurück, lag nackt mit einer Frau im Zimmer und soll jetzt vorzeitig entlassen werden. Irgendwie verkehrte Welt. Entlassung wegen guter Führung sieht sonst anders aus. Ich denke, der ist denen lästig und sie wollen ihn los werden. Ich interveniere so gut ich kann. Dann kommt Krankenbesuch. Ein Freund aus Hannover und einer aus Fürth trauen sich in mein Ebola-Zimmer, wie ich es nenne. Es gibt Eingekochtes aus dem Garten. Bei der Vorstellung wird mir schlecht, aber das ändert sich ja bestimmt noch. Dazu ein Badeelixier aus dem Garten, selbstgebraut und entzündungshemmend. Abends wieder früh zu Bett. Ich sage zu Stephan, das Bett ist nass und er sagt, ja, aber nass ist ja relativ heutzutage.

03.09. Ich schlafe bis morgens um 6, bleibe dann noch bis 7 liegen. Ich sitze auf dem Sofa und trinke schwarzen Tee. An Kaffee ist nicht zu denken. Der kalte Schweiß beunruhigt mich. Heute muss ich ran. MHH-Termin mit Herrn W. Das wird nicht an mir scheitern. Um 8 Uhr bin ich im Büro. Habe alles so weit abgearbeitet, z.B. Termin für Mittwoch abgesagt, die allesamt nicht dringlich sind, so dass ich um 11:47 Uhr mit der Bahn fahre und um zwanzig nach 12 mich an der bekannten Info-Box der HNO-Abteilung melde. Ohne Patienten geht nicht. Ich sage, weil wir doch einen Folgetermin im Haus haben, wollte ich helfen den Zeitplan einzuhalten. Der asiatische Pfleger vom letzten Mal bringt Essen to go für alle. Um 13 Uhr werde ich nervös. Leider habe ich mein Handy im Büro liegen lassen. Bitte meine eine Freundin im Heim anzurufen. Dort geht ein AB an. Wo gibt es denn so was, sagt sie. Sie sollen sich überlegen, ob sie mit mir Vorlieb nehmen und ich mich verpflichte die Überweisung und Versichertenkarte nachzureichen. Während sie das klärt, kommt Herr W. mit 2 Pflegern. Der eine, ein älterer Cooler sorgt dafür, dass er gleich in den kleinen OP-Raum durchgeschoben wird, statt wie letztes Mal stundenlang im Flur zu warten mit seinem Orsa. Das rettet uns an diesem Tag. Der Typ ist Held. Schreib die Telefonnummer auf für den Rücktransport und die Wagennummer, weil dort die Originalverordnung sei (echte Profis). Wir warten. Ich lese die Schilder. Tür immer geschlossen halten auf der geöffneten Schiebetür des anderen OP-Raums, innen kommen Geräusche aus dem Raum als würde jemand kräftig in einer Werkzeugkiste wühlen. Bitte abholen in den 3. Stock, danke Silke. So tolle handgeschriebene Schilder in Mädchenhandschrift kann ich ohne mein Handy nicht fotografieren. Dann liegt der Geschäftsmann auf der Liege, im Anzug, die schwarzen Lederschuhe kann ich sehen. Er hat Nasenbluten, was nicht aufhören will. Er wird gefragt nach Bluthochdruck und blutverdünnenden Mittel und verneint beides, dabei ist sein Blutdruck mit 180 zu 100 und damit „nicht schön“, wie er zu hören bekommt. Er bekommt erst mal etwas Eis zum Kühlen. Da sei wohl ein Gefäß in der Nase geplatzt. Bei uns ist es schließlich derselbe Arzt mit dem schleimigen Lächeln und den weißen Mokassins wie letztes Mal. Erst kommt sein Hiwi und geht mit einem langen, dünnen Gerät in sein linkes Nasenloch, auch ohne den Patienten vorher anzusprechen als sei er ein Tier bzw. mit denen wird gewöhnlich viel mehr geredet. Herr W kneift die Augen zusammen, dann wird das Einauge noch vorne in die Metallöffnung des Tracheostoma reingehalten und dann zeigt mir der andere Arzt Daumen nach oben. Was heißt das? Krebs hat nicht gestreut, jetzt soll mal die Strahlenambulanz sagen, was getan wird. Medikamentöse Therapie oder so. Ich sage, dass ich schon mal vor gehe um den Termin pünktlich einzuhalten und wir besprechen noch, wo das ist. Es wird ein Transport bestellt. Ich habe schon Angst, dass sie es nicht gebacken bekommen ihn innerhalb des Hauses von A nach B zu bewegen und warte über ½ Stunde auf ihn und werde das zweite Mal an diesem Tag nervös. Hier wieder viel Wind um den Orsa. Falscher Raum, Kollege Bockmist gebaut. Viel Geschimpfe der Mitarbeiter untereinander. Einmal lässt man ihn einfach so im Wartezimmer und jetzt große Panik, so dass ich schon sage, wenn das Ebola so schlimm ist, wie will man den alten Rollstuhl, aus dem das Futter rausquillt eigentlich wieder desinfizieren? Dieses Mal nette Ärztin. Meiner ist noch beeindruckt von dem Schlauch. Ja, das hat er sich gemerkt. Hier rein und bis unten. War ein bisschen steif. Ich berichte ihr von dem Daumen nach oben was wir geerntet haben. Sie will wissen, was das heißt. Das kann ich ihr auch nur bedingt sagen. Dass der Tumor nicht gestreut ist. Sie kommt auf die Idee mal seinem Schmerz nachzugehen. Steinharte Lymphknoten. Hätte ich auch sagen können, nachdem sie nekrotische Lymphknoten im CT festgestellt haben, den Befund hatte ich dabei und er eine deutliche Schwellung links am Hals hat und ich aus eigener Anschauung weiß, wie die Dinger weh tun können, wenn sie dick sind und so dick waren meine bestimmt noch nie. Ich sage was davon, dass es ja rauswuchern würde aus dem Halszugang und sie kommt auf die glorreiche Idee, dass Verbandtuch zu heben und da drunter ist ein schönes Gewächs, Blumenkohl aus Gewebe. Haben das die Kollegen gesehen? Ich sage, nö. Nur mit Schlauch in Hals durch die Nase und dann in die offizielle Öffnung am Hals. Dann soll Foto gemacht werden und ich werde als Kameraassistentin benötigt und darf das Verbandmaterial weg halten fürs Bild. Ja, ich desinfiziere mich danach 2 x. Ich bin kaputt und schaffe es nicht mehr mein Rad aus dem Büro zu holen. Das muss Stephan mache und eine Suppe wünsche ich mir. Ich bekomme einen Haufen Nudeln. Ich mag keine Udon-Suppen. Wusste mein Mann nicht, geht zu selten mit mir essen (haha). Egal. Ein paar Löffel essen, mehr geht eh nicht. Er isst die dicken Regenwürmer raus, damit ich etwas Brühe kriege. Ich wollte Flüssigkeit und nicht diese Pampe. Ich hatte den ganzen Tag mit Schwindel und Kreislauf zu kämpfen. Es muss besser werden. Sonst bald Doppelbestattung mit Herrn W. Späten Nachmittag ruft mich noch der Lebensgefährte meiner Frau PM an, erst grüßen wir freundlich, dann soll ich was an seiner Waschmaschine gemacht und an sein Konto gegangen sein, was jetzt mit 30,- € überzogen sei. Das wird er melden. Bevor ich reagieren kann, wird der Hörer aufgedonnert. Ich schlafe bevor Stephan vom Sport wieder kommt.

04.09. Es muss mehr unternommen werden. Erinnere mich an Perenterol und esse davon was. Vielleicht hängen die Infekte zusammen oder ich gebe einfach zu viel Gas. Krank, essen gehen, Urlaub, krank, essen gehen, Urlaub, krank. So kommt es mir vor und so ist es vermutlich auch. War die Sommergrippe noch nicht überstanden? Mein Geruchsinn war ja so schlecht. Gestern in der Bahn musste ich mich fast wegsetzen, weil ich so deutlich alles Mögliche, Parfüm und einen Geruch nach Orangenbrausetabletten gerochen habe. Die TCM-Leute sagen ja, Durchfall = Entgiftung. Keine Ahnung. Vielleicht war das andere doch nicht richtig auskuriert und ich musste mich von irgendwas frei machen oder was kommt als Nächstes und wann hört das Ganze auf? Der Sommer der Reisen und Krankheiten. So wird er eingehen in meiner Geschichte.

Heute alle Termine abgesagt, erledige Arbeiten, viele Briefe und Telefonate. Telefoniere mit der Frau, die ins geschlossene Wohnheim soll, weil sie sich zu Tode hungert und sonst alle 6 Wochen mit der Feuerwehr aus der Wohnung geholt werden muss, die bombardiert mich mit Anrufen. Das Heim, welches laut Gutachter geeignet war, hat abgesagt, dann doch wieder Wohnung. Gehe nächsten Montag dort hin, auch in meiner Sache A., der entgiftet da gerade und war suizidal. Ich hoffe endlich auf die Atteste, die wir für den Asylfolgeantrag brauchen. Ich rufe sofort an wegen Hilfeplanung. Ich kann meine Strategie ändern. Schnell handeln ist angesagt und keine Zeit verlieren auf Kosten der Klienten. Ich beschließe nur Reis zu essen und mittags macht mir Stephan welchen. Computerupdate und ich bleibe gleich zuhause. Das muss ja wieder werden mit mir. Arbeite etwas von zuhause. Telefoniere mit dem Strafverteidiger mit dem ich gerade zwei gemeinsame Fälle habe. Einmal Maßregelvollzug. Termin in knapp über 2 Wochen. 10 Jahre drin. Er hat sich schon aufgegeben. Ich habe allerdings auch Angst, dass er wieder Mist baut und dann war’s das. Da steht eine Begutachtung der Gefährlichkeit an. Der Typ ist einfach durch und hat ganz unrealistische Vorstellungen und ist nicht lenkbar, aber originell ist er schon oder war er zumindest früher. Der Hungertod wäre schlimm für mich. Wie ich schon leide, wenn ich einen Tag nur Reis essen soll mit etwas Butter, Salz und Sumak. Nachmittags esse ich etwas Wurst zum Reis, aber die gute aus Oberfranken dazu. Stephan schimpft. Ich muss mich so beherrschen keine Süßigkeiten aus der Schweiz, Karamell zu essen, kein Käsegebäck von Niederegger (liegt in der Küche, hatte ich gestern etwas genascht) und ich tue mir dabei soooo leid. Yogalehrein hat mir Kokoswasser empfohlen wegen der Elektrolyte. Hat Stephan brav besorgt. Das schmeckt schlimm. Ich muss Kokoswasser trinken und Reis essen. Wääähhh. Ihr könnt euch vorstellen, was ich für ne Heulsuse bin, wenn’s echt ernst wird. Allen Sport abgesagt, die ganze Woche. Würde gerne, geht aber nicht. Draußen ist Sommer, mache die Türen und Fenster zu. Morgen muss ich wieder richtig ran. Die ganzen Anstrengenden kommen und holen Geld, mehr als sonst, von allem Frau Taylor. Ich werde weitere Fristverlängerungen beantragen müssen. Ich habe dem Kollegen geschrieben, dass es mir Leid tut, dass ich ausfalle und ich nicht absichtlich faul bin. Er schreibt sehr süß zurück, dass keiner auf die Idee käme dieses Attribut in Bezug auf meine Person zu verwenden. 21 Uhr werde ich immer müde. Der Hamburgausflug am Wochenende ist stark gefährdet und dabei so ein Herzenswunsch von Stephan. Santiago Sierra Vernissage. Freunde besuchen, die mir dem Gutschein für Jerwitz geschenkt haben und gleich in der Nähe wohnen. Yuhu, neue Stifte, Berlin Basteltasche mit Inhalt am Zaun hängen lassen hat Spuren hinterlassen und die Sachen werden immer noch schmerzlich vermisst. Ich wollte Yoga machen. Zuhause bleiben und ihn alleine fahren lassen macht mich auch nicht glücklich. Ich will jetzt nicht mehr über meine Krankheit und Verdauung schreiben. Ihr werdet an den Bildern merken, ob Hamburg geklappt hat. So. Punkt.

05.09. Mir geht es wieder besser. Mehr Kraft. Die Konsistenz und Farbe des Stuhlgangs lasse ich an dieser Stelle mal weg. Ich finde neue Mottenschäden. Ich denke an das was der Biologe und Schädlingsbekämpfer mir geraten hat. Die Sachen ausschütteln, weil die Eier nicht haften und dann leicht rausfallen und in die Sonne hängen, weil die Larven das nicht vertragen. Warum haben die Dinger nur aus den Faltenröcken und auch hier nur vorne mittig über dem Schritt riesige Löcher ausgeschnitten. Ist das ein modischer Hinweis an mich?

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Ich lese Spiegel online: Juhu: Deutsche Städte verkommen. Endlich mehr Detroit-Feeling. Ich mag ja Schrottplätze und Abgerocktes. Der Arbeitstag läuft ohne besondere Vorkommnisse. Nachmittags holen etliche Schützlinge Geld von mir, mehr als sonst. Auch Elisabeth Taylor kommt. Die Mutter hat Morgen Geburtstag und sie darf nicht kommen, weil sie sich mit der Freundin der Bruders nicht verträgt. Mutter will ihr was kaufen. Sie hat einen Haufen Werbeprospekte dabei. Es gibt wieder diese Katzenpullis oder ein Longshirt. Sie liebt ja diese Longshirts. Dann will sie ihr noch eine Jacke kaufen. Sie hätte gerne eine Fleece-Jacke von Frankonia, die haben auch schöne Taschenmesser. Ich habe Phantasien, wie ich sie bei Shopping-Queen anmelde und stelle mir vor, wie sie in ihrem Bunker die weiblichen Gäste bewirtet und anschließend mit 500,- € durch Hannover zieht und dann ihre Konkurrentinnen beleidigt.

Ich schreibe Rechnungen, mahne ab in einer neuen, alten Sache, der fast gewonnen Mietrechtsstreit, die Mieterin kürzt immer noch fleißig weiter die Miete und ist uneinsichtig, obwohl das Landgericht ihr das doch auch noch mal seitenweise erklärt hat und das muss per Einschreiben. Bringe selbiges zur Post. Um 17 Uhr ist Feierabend. Bloß nicht übertreiben. Immer noch kein Sport. Dafür packe ich. Ich nehme es ernst mit Santiago Sierra und Stephan hat einen neuen Banh-Mi Laden in Hamburg entdeckt. Da habe ich richtig Bock drauf. Nur 4 Sandwichs auf der Karte. Das macht einen richtig guten Eindruck. Die Vernissage ist in Harburg und ein alter Freund von uns macht was in Hamburg. Ich habe leichte Shopping-Pläne: Teeladen, Andronaco, Jerwitz, Schuhe gucken. Gerne auch eine Runde Mahjong spielen. Mal schauen, wie lange die Batterie hält. Heute hält die Batterie bis nach 23 Uhr. Eine Folge Cesar Milan rundet mal wieder den Tag ab.

06.09. So ein Darminfekt hilft bei der Figur…. Ich bin bester Dinge und die Darmfloraaufbaupillen sind unterwegs. Auch eine Stuhltransplantation ist ja heutzutage schon möglich. Leider muss ich meiner Cousine absagen, die mich zu ihrem fünfzigsten Geburtstag nach Bühl eingeladen hat, weil wir schon anderweitig im Schwarzwald unterwegs sind an dem Wochenende. Das ist auch Jammern auf hohem Niveau. Es tut mir aber trotzdem leid, dass nicht beides geht und ich eine Feier auslassen muss. Das ist doch wieder die richtige Einstellung!

Da wir ab 13 Uhr ein Softwareupdate haben und man eh nicht mehr arbeiten kann, kommt mir das zu Pass. 2 Beratungshilfesachen abrechnen (Kleinvieh macht auch Mist) und etwas arbeiten. Wurstbrote im Büro verteilen sowie den Ginko-Tee, den Stephan für mich eingekauft hat (ich trinke jeden Kräutertee war die Ansage gewesen) und den ich leider nicht herunter bekomme. Wacher Geist hin oder her, das Zeug schmeckt grauenhaft. Der Kollege kommt später und hat einen Katalog von Frankonia dabei mit den neuen Kanzleioutfits. Ich sage, er könne sich mit meiner Betreuten Frau XY zusammen tun beim Modegeschmack. Ich freue mich irrsinnig über den frühen Feierabend und bin ganz happy und bester Laune. Immer noch. Das geht gar nicht mehr weg. Erkläre der Mitarbeiterin meiner Kollegin meine Vorliebe für den neu entdeckten Stadtteil Ottensen. Da ist die Hamburger Kaufkraft noch ungebrochen. Da kann man mit allem einen Laden aufmachen. Treibholz und Feinkost. Einfach ein bisschen ausgewaschene Holzbretter hin dekorieren und 2 Salami in die Auslage und fertig ist die Laube.

Beim Verlassen der Wohnung stellen Stephan und ich beide fest, wie toll unsere Bananenpflanze ist und was sie uns für Freude macht. Anlässlich der WEG-Versammlung habe ich sie von oben bewundern dürfen und da sieht die noch besser aus. Sie ist wie unser Kind.

Aber auch unsere Rankpflanze im Garten kann einiges. Fahrrad ein Wochenende am Zaun stehen lassen = eingewachsen. Hier etwas Müll, den sie sich auch zu Eigen macht bzw. mit einbaut in ihr Werk:

Trichter

Beim Fahrkartenautomat an der Haustür ein toller handgeschriebener Aufruf:

Handy Finderlohn

Beim Einsteigen in den Zug drängelt sich ein Hamburger Jungspießer, Typ Burschenschaftler mit breitem Grinsen und vielen Zähnen vor und ergattert 2 Sitzplätze neben einander. Sie sind auch zu zweit, er und sein Kommilitone, auch gebräunt Lacoste Polo-Hemd mit Lederhose. Was soll’s, so ist es halt, mit derlei Klientel muss man rechnen wenn man Richtung Hamburg fährt. Die beiden haben alles dabei, Anzugtasche und Freizeitequipment. Die Studentenpartys der letzten Tage waren anstrengend und so schlummern dann beide nach einer kleinen Dose Bier. Ich sitze „getrennt“ von Stephan, er neben einem Rentner, der viel schläft, aber den Gangplatz wählt und so geweckt werden muss, ich neben einem Betriebsratsmitglied der Messe-Hamburg, der Protokolle und Betriebslohntabellen studieren muss und sich handschriftliche Anmerkungen macht, „Regelung hat große Nachteile“….

Sonst sitzen Badener Touristen in der Nähe. Die letzte Stunde der Fahrt sei anstrengend. Sie ist junge Studentin, die Mitreisenden sau alt, also mein Alter wahrscheinlich. Als ich dann höre, erst ins Hotel einchecken und dann vorher noch was essen, überlege ich, wo die heute Abend hingehen, Rocco, König des Tarzan oder so was. Irgendjemand aus der Familie vermute ich wohnt da, denn „sie hat gegen 17 Uhr Feierabend“ und ob sie den Laptop noch braucht oder sie den wieder mitnehmen wird spekuliert. Dann geht es um sonstige Kofferkapazitäten und Niederegger Marzipan. Das ist teuer, aber gut, stellt Mutti fest. Ich muss sagen, das ohne Schokolade, was aussieht wie Nacktmulche ist langweilig und hat viel zu viel Verpackungsmaterial, nämlich einen ganzen Berg für 8 Nacktmulche. Nächstes Mal nehme ich das Geflammte oder keines mehr.

Thomas hat um 15 Uhr Feierabend und will auch zu Andronaco. Alle Zeichen stehen auf ein tolles Wochenende. Einziges Risiko, zu hohe Erwartungen, zu viel Vorfreude. Claudias erste Woche Urlaub ist auch bald um. Ich denke an sie.