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Neuer Server als Geschlechtskrankheit

Von dem vergangenen Wochenende kann ich nicht sonderlich viel berichten. Samstagabend waren meine Schwiegereltern und meine Schwägerin zu Besuch und es gab Rösti mit geräuchertem Lachs und Meerettichquark. Ein angeheiratetes Familienmitglied, welches schwere Schuld auf sich geladen hat, ist wohl verstorben. Dadurch, dass man keinen Kontakt hat, erfährt man vom Todesfall durch die Dorfgemeinschaft und ist erleichtert über die Nachricht. In die Spätvorstellung Kino schaffen wir es nicht und gehen lieber ins Bett. Denn es ist wieder Bastelmarathon angesagt. Sonntag will ich doch mal raus und wir gehen ins Kino. Finsterworld im Koki um 16 Uhr. Was für eine geniale Uhrzeit, gerade in den Wintermonaten für einen Sonntagskinobesuch und das denken sich auch andere. Die Bude ist voll von Bildungsbürgern. Manche kenne ich aus Studienzeiten und sie sind längst in Amt und Würden und gehen mit der Gemahlin ins Kino. Vorher halten wir bei Urfa Sofrasi und essen Pide, Grillfleisch und Künefe in weniger als 30 Minuten. Die Bedienung hat den Auftrag verstanden und setzt ihn konsequent um. Der Film gefällt mir, jetzt nicht übermäßig, aber schon sehenswert. Die Schauspieler sind überwiegend sehr überzeugend und die Geschichte an sich auch gut und mal nicht so gradlinig, langweilig erzählt, wie sonst gerne im deutschen Kino, sondern so Parallelgeschichten und auch die Doppelseitigkeit der Charaktere gefällt mir, Täter und Opfer zugleich. So wie es halt auch ist.

Die Woche plätschert so dahin. Montag hält mich mein Eilverfahren auf Trab. Wie es ausschaut hat mein Betreuter, der Untersuchungshäftling, doch Anspruch auf 38,- € Taschengeld monatlich und nicht 28,- € und sie wollen 30,- € nachbezahlen. Für ihn ist das eine Erleichterung und ich wundere mich trotzdem über den Aufwand, den ich deswegen betreiben muss. Die waren der Meinung, dass sie ihm bis Jahresende nichts mehr zahlen müssen und es gar nicht sein könne, dass er finanziell auf dem Schlauch stehe, sonst habe er wahlweise die Betreuerin was falsch gemacht mit der Geldeinteilung. Ich sage, weltfremdes und arrogantes Geschwurbel. Seit 10.07. sitzt er und konnte das erste Mal am 18.09. einkaufen. Da will ich den Sachbearbeiter, der das schreibt sehen in solch einer Lage. Meiner ist Raucher und den Fernseher muss er sich vom Knast mieten für 5,- € pro Monat zzgl. 2,- € für Strom. Wenn wir dann schreiben von den 111,- € hat er Schulden zurück gezahlt, will das Gericht wissen, wie, wenn er doch nur einkaufen war. Mein Gott, auch denen muss man die Welt erklären. Er schnorrt sich Tabak und die Mithäftlinge wollen das dann wieder. Schulden in Naturalien, Mann, Mann, Mann. Die Betreuerin soll ihm sein Geld einteilen. Das lohnt gar nicht bei der lächerlichen Summe und dadurch würde es auch nicht reichen. Ich will wirklich mal so einen Futzi vom der Widerspruchsstelle in gleicher Lage erleben, ob er dann auch der Meinung ist, das reicht alles lange Meter. Ach ja und wenn er was ansparen würde von dem lächerlichen Betrag, dann wird ihm das im Folgemonat als Einkommen angerechnet. So bringt man den Leuten wirtschaften bei. Abends Doppelstunde Sport. Das tut gut. Da kann ich immer etwas ablassen von dem Beamtenmief, mit dem ich mich tagsüber beschäftigen muss.

12.11. Wir sind mit einer alten Studienfreundin und ihrem Kollegen zum Mittagstisch im Abendmahl verabredet. Stephan will vorher zur Blutentnahme wegen seiner Blutwerte und erscheint nicht. Wir bestellen schon mal. Eine halbe Stunde zu spät kommt er dann und musste sei Rad schieben und lange Pflaster in beiden Armbeugen und sieht aus als käme er frisch aus dem Krankenhaus bzw. irgendwie auch wie der gekreuzigte Jesus in leicht abgewandelt. Die Gefäße liegen zu tief unter dem festen Bindegewebe und wenn er dann verkrampft, kommt erst recht kein Tropfen Blut raus. Es tut mir leid, dass man sich in so was derart reinsteigern kann. Ist vielleicht wie ich mit Zahnarzt, wobei ich es mir zu Herzen genommen habe und seit der Zahnreinigung tatsächlich Zahnseide benutze, weil ich ein besserer Mensch werden will. Stephan weiß genauso, dass es Quatsch ist, aber aus der eigenen Psyche kommt man nicht raus. Er will ein Praktikum in der Arztpraxis machen, damit das mehr normal für ihn wird. Mittagstisch im Abendmahl für 7,50 € kann man durchaus empfehlen. Es gibt 2 Gänge. Wir nehmen italienische Vorspeisen und Putenroulade mit Pfeffersauce und Kartoffel und Gemüse. Ist jetzt nicht superlecker, aber preis-leistungsmäßig völlig in Ordnung. Wir werden von der Bedienung gefragt, ob wir vom NDR kommen würden, was derzeit bei der Staatsanwaltschaft Hannover leichte Paranoia auslöst. Nachmittags hole ich meine neuen Röcke von Andrea ab und die sind so was von schön geworden. Für den weiß-roten mit dem gestickten Motiv hat sie genau einen passenden Knopf mit Folkloremuster in rot und silber. Der Hammer. Die Frau achtet auf jedes Detail.

Es ist so ruhig, weil Herr MRV keinen Ausgang hat und teilweise fixiert ist und mich nicht täglich von morgens bis abends bombardieren kann. Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht.

Die neuen Stifte wurden geliefert in einer monströsen Verpackung. Ich leere sie erst einmal aus in meine alte, kaputte, aber viel kleinere Packung.

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Mit dem vielen schwarzen Schaumstoff werde ich noch was anfangen. Ein bis zwei Hütchen lassen sich daraus basteln. Das erste Hütchen bastele ich am Sonntag. Es heißt „Schwäne auf dem Ihmezentrum“ und ist echt auffällig, also damit will ich wohl wirklich angesprochen werden… Ich kann es wohl leider kaum tragen, ist mein Fazit. Höchstens mal kurz abends auf eine Vernissage.

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Mittwoch habe ich mal wieder einen Traum über den ich mich sehr freue. So lang und mit so vielen schönen Verknüpfungen. Das Zentralthema ist, dass Stephan auf ein Konzert gegangen ist und ich unser Hotelzimmer nicht wieder finde. Alles sieht gleich aus und ich irre durch das Hotel und tue immer so, als sei alles in Ordnung. Schaue mir dann Kunst im Foyer an um mein Verlorensein zu überspielen. Dann treffe ich unser Zimmermädchen und lobe ihre Arbeit, gebe mir aber keine Blösse, sie nach der Zimmernummer zu fragen. Dann fällt mir ein, dass es ein Foto von mir gibt, auf dem die Zimmernummer zu erkennen sein müsste. Es ist 444 und dann finde ich es trotzdem nicht, obwohl ich die Nummer weiß und irre auf dem Stockwerk umher. Auf einmal bin ich in dem Restaurant und obwohl ich keinen Hunger habe, setze ich mich zu einem großen, schwarzen Amerikaner (wie ein Baskettballspieler), der auf einem Sofa sitzt. Seine Frau und Schwiegermutter sitzen auf Sesseln daneben. Ungewöhnliche Eindeckung zum Essen gehen, denke ich mir. Dem erkläre ich dann alles und überlege, dass ich einen Nachtisch oder Käsegang noch nehmen könnte. Lass mir die Karte geben und schaue, ob es viel Chesterkäse als Käseplatte gibt, wenn hier so viele Amerikaner als Gäste sind, aber ich will eh was Süßes essen. Jetzt muss ich nur noch das Zimmer finden um mein Portemonnaie zu holen. Ich glaube, dass ich dann einen Angestellten frage und auch wach werde und denke, warum bin ich im Traum noch desorientierter als in Echt. Das ist ungerecht. Im Traum ist man doch ein Superheld und kann fliegen und hat bessere Eigenschaften als in Wirklichkeit und nicht noch desolatere Handicaps. Na ja, bei mir eben nicht. Ich fand den Traum trotzdem lustig und so was würde mir nicht passieren, weil mein Blindenführhund Stephan mich vor dem Konzert aufs Hotelzimmer begleiten würde.

Ich bin sehr deprimiert, weil ich mit BM schon an der 4 Gigabite Speichergrenze angekommen bin. Ich ziehe meinen Kollegen zu Rat und er bestätigt mir 1117 Bilder seien sehr viel und ich müsse mich nach einem anderen Tarif mit mehr Speicher erkundigen. Ich bin niedergeschlagen, weil ich denke, auch der wird dann irgendwann voll sein und spamme ja wohl alles zu? Sollte es das schon gewesen sein mit Buttermusch nach 3 oder 4 Monaten ist jetzt Schluss. Ich habe keine Ambitionen mehr, was zu schreiben und überlege aufzuhören. Ja, so leicht kann man mich frustrieren.

Bei der Arbeit erfahre ich auch, dass Morgen der neue Server angeschaltet wird und man dann von 8 – 16 Uhr nicht an den Rechner kann. Und zwar so nebenbei von der Steuermitarbeiterin. Ich hatte den mit Fragezeichen eingegebenen Termin im Google-Kalender nicht ernst genommen. Praktisch freier Tag, unfreiwillig, aber man muss das Beste daraus machen. Morgens gleich ins Café, in die Bar? Ich plane schon mal ein paar Außentermine. Frau P. hat mich auf ihren Geburtstag aufmerksam gemacht und ob die Tochter wohl aus Hamburg kommt. Ich sage, sie soll sie selber anrufen und ihr sagen, dass sie sich freuen würde. Ich komme mir blöd vor, sie anzurufen  und ihr zu sagen, übrigens, ihre Mutter hat Morgen Geburtstag. Dann will sie wissen, was passieren wird. Ich rufe das Heim an. Von denen gibt es Blumen und ein Geschenk und ich frage, ob man Torte einkauft, wenn sie das will. Das wird bejaht. Dann rufe ich sie wieder an und sage nichts von den Geschenken wegen Überraschung, frage sie, ob sie nicht einen ausgeben will. Sie sagt, dass man an seinem Geburtstag doch Geschenke bekommen würde und ich sage, ja, aber man gibt auch einen aus, ob sie das nicht kennen würde und das ist wie ein Geschenk, weil die anderen mit einem feiern. Die Tochter kommt und wir wollen in die Wohnung wegen Fotoalben gucken und ich organisiere den Schlüssel von der Diakonie und organisiere, dass der Klostuhl aus 2008 endlich abgeholt wird.

Abends beim Yoga meditiere ich und der Fuß ist vorher schon eingeschlafen, aber es gelingt mir das zu ignorieren. Ich spüre meine Extremitäten nicht so und bin nur im oberen Bereich meines Körpers, d.h. Bauch oder Rumpf oder Kopf. Danach ist es natürlich ganz schmerzhaft, aber ich denke, toll, bald kann man mich operieren in dem Zustand. Die Yogalehrerin redet sehr viel, was ich als hinderlich empfinde. Die eigenen Gedanken kann ich ausschalten, aber dann kommen ihre Tipps, das Herz zu öffnen oder alles zu lieben, „ob bekannt oder unbekannt“ und ich denke: Klappe halten, aber anderen Schülern hilft die Anleitung. Es geht bei ihr immer um Wünsche und Dankbarkeit und ich denke, bei mir geht es in der Mediation um Auflösung des Ichs, Zustand der Wunschlosigkeit, den zu erreichen und auch Dankbarkeit hat wieder was mit Wünschen und Ego zu tun und darum geht es dabei gar nicht für mich. So koche ich hier mein eigenes Süppchen.

14.11.Schönes Wetter, erst Büro, etwas telefonieren. Der Mann im Flur, der mich am Arbeiten hindert nervt und ich sage zu meinem Kollegen bezogen auf den Server, dass Geld ausgeben doch Spaß machen müsse und das hier aber so gar nicht der Fall sei. Dann mit Stephan ins Wilhelm-Busch-Museum einen Kalender abgeben. Ich fahre zu meinem Klostuhltermin und er kauft für Herrn W. einen Fernseher. Der reißt sich derzeit fast täglich die Kanüle aus dem Hals und dabei hat er einen mit Gegengewicht, die tiefer sitzt, weil der Tumor immer größer wird. Er bekommt Luftnot und zieht die, dann Krankenhaus. Der Typ tut mir so leid und auf seinem Taschengeldkonto stapelt sich das Geld. Ich spreche die Tage mit einem Pfleger, mit was man ihm eine Freude machen könnte. Essen kann er nicht mehr, sprechen kann er auch nicht mehr. Ich sage, Blumenabo oder eine Stripperin, er solle mal kreativ sein. Die Stripperin auch mit Ganzkörperlatex wegen seines Orsa-Keimes. Dann kommen wir wieder auf Fernseher. Er hat einen, der gehört ihm aber nicht und ich denke, anderes Gerät kaufen, bringt ihm auch keinen Vorteil. Dann erzählt mir der Pfleger aber, dass seiner keine Fernbedienung hat und er immer bettlägerig wird und daher will ich Abhilfe schaffen. Stephan bringt den Fernseher direkt ins Heim, so dass weniger als 2 Stunden später einer da steht. Das ist wirklich eine gute Tat und die Betreuerin war mal wieder so schnell, dass die das gar nicht glauben können. Mein Termin läuft weniger erfolgreich, weil die Diakonie sich verguckt hat und doch keinen Schlüssel mehr für die Wohnung hat. Die neue Betreuerin der Herrn K., der nicht mehr zurück soll/kann in die Wohnung hat die Schlüssel. Tolle Wurst. Ich sage, jetzt dürfen sie sich um den Klostuhl und angeblich wollen sie das tun und ich bekomme dann die Abholquittung. Da bin ich mal sehr gespannt. Frau P. ist beim Mittagessen und ich werde gefragt, ob ich ihr helfen können beim Essen, wenn was nicht klappt, also wohl sie füttern. Wie machen die das, wenn ich nicht da bin? Es liegt ein Pamphlet aus mit einer Geschichte, die mir gefällt. Irgendwas in der Art, dass ein Rabbi Himmel und Hölle sehen will und erst wird er in einen Raum geführt mit einem Kochtopf in der Mitte mit leckerem Essen darin um den die Menschen sitzen. Sie sehen alle mager und elend aus und haben lange Stiele an den Löffeln, so dass sie das Essen nicht zum Mund führen können. In dem anderen Raum wieder derselbe Topf in der Mitte und Menschen darum versammelt, die lange Löffel in der Hand haben, aber alle lachen und sind wohl genährt, weil sie sich mit den langen Löffeln wechselseitig füttern. Ja, da steckt viel Weisheit drin. So einfach ist das. Die Tochter kommt verspätet an, aber auch und ist sehr befremdet im Umgang mit der eigenen Mutter. Sie weiß nicht so recht, wie mit ihr umgehen, da bin ich schon fast vertrauter. Das ist traurig. Dann kommt noch eine Frau vom Besuchsdienst, die meine Betreute wohl schon lange kennt und ich verabschiede mich langsam. Draußen ist die Kaffeetafel schon gedeckt und kleine Sektgläschen stehen auch schon bereit. Ich fahre Richtung Linden. Es ist 10 vor 1 und ca. 1 wollte ich Stephan nach seiner Saturn-Hansa-Mission treffen. Er ruft mich von der Telefonzelle an. Das Timing zwischen uns ist mal wieder perfekt. Bis gleich bei Pio. Es ist knallvoll und mein Mann kommt nicht. Habe ich ihn innerlich zu früh gelobt. Er war zu Mio Mio gefahren. Es gibt leckere, riesige gefüllte Nudeln mit Spinat und Ricotta, die bis abends knallsatt machen. Stephan ist beim Gericht Christian Wulff direkt in die Arme gelaufen oder umgekehrt, der mit 2 Leibwächtern zu einem Nebeneingang wollte an einer ganz schmalen Stelle, Flur des Landgerichts. Ich werde nach dem Essen auf mein Hütchen angesprochen, so welche gäbe es in New York in einem Atelier. Ah hah, sage ich. Ja, selbst gemacht. Nein, hat keinen Namen. Könnte ich aber sofort nachliefern denke ich mir dann. Die Babuschka auf den goldenen Bällen oder so. Nachmittags ist wieder Geldabholzeit. Ein Termin kommt, der andere nicht. Frau K. kommt und Elisabeth nicht. Bei Frau K. wurde das Insolvenzverfahren eröffnet und sie hat ca. 220,- € zu viel auf dem Konto. Ich hoffe, der Insolvenzverwalter gibt das frei, sonst haben wir umsonst gespart. Sie wohnt in einem 4-Bett –Zimmer in der Frauenunterkunft und braucht das Geld für eine Mietkaution, schreibe ich ihm. Ich bin auf die Antwort gespannt. Die Pfändungsgrenze liegt bei 1.045, € pro Monat, aber ihre Einkünfte liegen weit darunter bei weniger als 700,- €. Der Überschuss ist hiervon angespart worden, weil sie von keinem Amt ein Darlehen für die Mietsicherheit bekommen wird. Wenn der Insolvenzverwalter das Geld für die Gläubiger vereinnahmt, würde das meinem Rechtsempfinden widersprechen, aber das wäre auch nicht das erste Mal.

Dann noch ins Autohaus und die 20 Essengutscheine abgeben. Das war der lustigste Vergleich meiner Karriere. Zur Abgeltung der Klagforderung gibt es Gutscheine für Eintopf. Ich rufe vorher an, wer zuständig ist und treffe den Chef des Autohauses. Ich sage, hier steht eine Waschmaschine, die können wir prima als Schreibunterlagen benutzen und Sie quittieren mir bitte den Empfang der liebevoll laminierten Gutscheine und dann sage ich ihm, dass ich im Showroom unten ganz alleine war mit den Autos und das war fast unheimlich und er fragt: „fahren Sie Auto?“. Guter Verkäufer, aber da kann ich nun wirklich beim besten Willen nicht aushelfen als Nichtführerscheininhaber und Überzeugungsradfahrerin. Ich glaube an die Abschaffung des Individualverkehrs, aber das musste ich ihm nun nicht auf die Nase binden. Ich verabschiede mich nur so und freue mich immer neue Räumlichkeiten einmal von innen gesehen zu haben an denen man jahrelang vorbei fährt. Es gibt einen anderen Blick auf die eigene Stadt.

Ich mache früh Feierabend.

Abends gehen wir auf die Vernissage einer Freundin, kommen aber zu spät und sehen die Performance kaum noch. Es sind so Bekannte da und ich merke, dass man etlichen Leuten auch echt nichts zu sagen hat. Bei einigen finde ich das fast schade. Eine Bekannte finde ich einfach unsympathisch und freue mich, wenn ich sie nicht mehr sehe, auch wenn es früher gemeinsame Abende gegeben hat. Vielleicht passen zwei egomane Frauen einfach nicht gut zusammen. Ich finde sie oberflächlich und harsch und will mir ihr nichts zu tun  haben. Anderer Lebensstil, anderer Geschmack in allen Bereichen des Lebens und auch einfach mal den Altersmut das zu erkennen und es nicht weiter zu versuchen.

15.11. Rechner ist noch nicht fertig installiert, obwohl mein Kollege mit dem teuren Arbeiter bis nachts um 23:30 Uhr in der Kanzlei war. Er tut mir leid. Er ist geduldig und ich wäre bei dem Typen schon ausgeflippt. Ich fahre zum Fachbereich Senioren und lass mich beraten, was es für Demenz und Seniorenbegleitdienste für meine Neue gibt, auch wenn sie am Telefon immer sagt: „jetzt lasst mich doch in Ruhe, Kinder, ich hab doch noch keinen Blödsinn gemacht, ich will doch nur in Ruhe gelassen werden“ und mehr oder weniger alles ablehnt, was ich ihr vorschlage. Auf dem Rückweg hole ich meine Buttonstanze wieder ab.  Mein Kollege schlägt dem PC-Fredi immer vor, eine Checkliste zu machen. Der ist aber auch beratungsresistent, weil er über die Hälfte der Sachen immer vergisst und das einfach nicht beherzigt und diesmal ist es genauso. Als er sich verabschiedet Freitagmittag sind meine Drucker nicht angeschlossen. Ich denke, wie geht so eine Installation in einem Großraumbüro mit 500 Mitarbeitern? Die Software-Updates machen mich schon immer fertig. Die Benutzeroberfläche ist wieder anders, alles neu. Die Schritte, die man gehen muss, leicht abgewandelt. Ob mir das bitte einer erklären kann, warum das immer so ist. Software Update und man muss alles neu lernen. Das ist hinderlich. Das ist wie Auto in die Werkstatt bringen und Gas und Bremse werden ausgetauscht. Das will doch keiner? Warum machen die das? Dann gibt es noch ein kleines Detail, dass wir alle von unterwegs und zuhause die Emails nicht abfragen können. Da muss man selber drauf stoßen und der Rechnertyp kommt nicht auf die Idee, dass dieses Detail stören könnte oder er es ansprechen sollte. Wie soll das gehen, wenn ich demnächst 6 Tage in London bin. Das ist meine Verbindung zur Arbeit. Hallo? Die Wut auf den Typen staut sich und alles muss mein armer Kollege aushalten. Ich sage zu der Steuermitarbeiterin. Neues Server kommt mir vor, als hätte mir einer eine Geschlechtskrankheit für teures Geld aufgequatscht so nach dem Motto: „wenn Se erst mal den Tripper haben, werden Se gar nicht wissen, wie sie ohne leben konnten“.

Sport und dann nach Hause und um 21 Uhr in die Weinbar (hier bekommen wir Einladungen für eine andere Vernissage kommenden Freitag, aber da sind wir schon verabredet, mal sehen) und nach langer Zeit mal wieder ins 11 A. Der Chef begrüßt uns mit Handkuß und es gibt außerhalb der Karte Gänsestopfleber und im Ganzen gebratenen Fisch. Beides sehr lecker. Ein sehr lauter Geburtstag feiert und beschallt alle mit Gröllliedern. Eine Frau bekommt einen Kicheranfall. Ein bisschen Kindergeburtstag. Vorne im Raucher ist der Stehtisch mit Männern besetzt. Einer sagt, wer so ein Hütchen trägt, wolle wohl angesprochen werden. Ich darauf, nö, es gefällt mir halt. Ob es von Astrid sei? Manchmal denke ich auch, die haben keine Augen im Kopf, die Männer und sage ihm das auch.

Das Emailfach ist kahl und leer und ich kann keine Emails abfragen das ganze lange Wochenende. Das ist ein Gefühl der Unvollständigkeit und Abgeschnittenheit, aber ich halte mich, wie immer mit Basteln beschäftigt, außerdem packe ich schon für London. Zu früh, zu viel, ich will doch Kekse einkaufen en masse. Immer wieder dasselbe. Ich habe ein Londonhütchen schon vor Monaten gebastelt. Thema: Movember. Spültuch aus Koppenhagen. Na, wenn ich da mal nicht wieder drauf angesprochen werden will….

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Samstag feiert ein lieber Freund seinen fünfzigsten Geburtstag nach. Das Büffet ist köstlich und die Wohnung total auf Feier umgebaut inklusive einer Cocktailbar an der seine Mitbewohnerin den ganzen Abend über hantiert und leckere Drinks macht. Gute Gespräche, Gäste waren vor einigen Jahren in Brasilien und erzählen davon und ich komme mit der Frau meines Kollegen, die ich sehr selten sehe ins Gespräch und sage ihr, dass ich mich auf die Büroweihnachtsfeier freue und ihr eine Tasche aus Paris schenken will, die ich nicht nutze und von der ich denke, dass sie besser zu ihr passt. Ich tanze ganz kurz. Das Geburtstagkind ist offen und umarmt die Gäste, auch mich und sagt persönliche Dinge und mir wird klar, dass ich zu dieser Clique noch nicht so lange dazu gehöre, aber sie jetzt eine große Rolle für mein Leben spielt. Viele kommen aus Hannover und kennen sich schon vor der Schule. Ein Fotobuch vom vierzigsten Geburtstag des Gastgebers macht die Runde und dort wurden die Gäste mit Zetteln, auf denen sie schreiben sollten, woher sie das Geburtstagskind kennen vor einer Mustertapete abgelichtet. Wir sind noch nicht dabei. Heute ist dieser Freund jedoch eine wichtige und sehr wertvolle Person für mich und unersetzlich in meinem Leben, so dass ich ihm am nächsten Tag schreibe, dass es nicht sei wie Knast bei einer Haftstrafe und nur auf die Dauer ankomme bei einer Freundschaft und ich mir einbilden kann mit ihm zur Schule gegangen zu sein so verbunden fühle ich mich und das nach weniger als 10 Jahren. Das ist beachtlich und ich fühle mich gesegnet durch diese Freundschaft, die mir schon so viel gegeben hat. Auch mein Kollege, der leider krank im Bett liegt ist nach meinem Mann vielleicht in männlicher Hinsicht das Beste, was mir im Leben passiert ist, weil meinen Vater nehme ich mal aus, weil dem bin ich ja passiert, den Kollege kenne ich auf einer Freundschaftsebene noch nicht so lange. Im Studium kannten wir uns nur vom Sehen und unter ferner liefen und heute kann ich von Glück sagen, dass er schwierige Frauen ab kann und sich mit Technik auskennt, weil die meisten Berufskollegen von uns sind ähnliche Analphabeten wie ich und dann wären wir richtig aufgeschmissen. Hinzu kommt die menschliche Komponente, das ich ihn schätze und gerne mit ihm zusammen bin, was das Arbeiten sehr angenehm macht. Das ist besser gar nicht vorstellbar. Ja, ich kann nur ein Loblied auf mein Umfeld singen. Meine Nähfreundin, die an diesem Abend auch dabei ist, zählt dazu. Die Annäherung war da und wurde auch ein paar Jahre unterbrochen und jetzt ist sie wieder da und ich genieße sie. Auch wenn ich nicht aus Hannover komme, bin ich hier doch angekommen nach 25 Jahren und das ist sehr schön und ich will nicht weg, nur immer wieder kurz zum Verreisen….

Abenteuer in Oberricklingen

04.11. Heute fahren alle weg. Steffi und Sabine nach New York und Jörg und Charlotte nach Spanien.

Es ist ein langweiliger Tag, an dem ich viel Schreibkram erledige. Morgens wird die Rampe von Herrn W. abgeholt von Brandes und Diesing, die ich seit dem 03.07. mein Arbeitszimmer dekoriert.

Andrea hat schon 2 Röcke fertig von meinen Auftragsarbeiten.

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So ein schnelles Mädchen und so gut. Morgens kommt das erste Foto, dann nachmittags das zweite. Die haut einen Rock nach dem anderen raus. Ich freue mich und kann es kaum erwarten meine neuen Lieblinge in Empfang zu nehmen. Ich meine, der schöne mit der Antik-Tristesse ist so was von herrlich (und es war einst ein Stoffrest vom Fairkaufhaus für 1,50 €) und der andere, da steht ja schon „Wien“ drauf.

Herr Maßregelvollzug ist wieder in die Einrichtung geflüchtet und wollte dort erst mal Essen und Schlafen und als er jetzt wieder Kräfte gesammelt hat, mischt er sie wohl richtig auf. Stationswechsel, Fixierung, alles was man sich vorstellen kann. Sozialamt droht mit Hausverbot. Es ist Chaos pur.

Abends als ich zum Sport gehe, habe ich heftige Unterleibskrämpfe (und zwar ohne erkennbaren Anlass). Da ich schon in der Umkleide bin und keinen Rückweg sehe, schlucke ich eine Schmerztablette und komme mir etwas pervers vor und ziehe dann schön durch. Ich glaube, keinen Sport zu machen, hilft auch nicht weiter. Wenn ich eines Tages aufgefunden werden und das Alien ist auch meinem Bauch ausgebrochen, dann können alle auf Buttermusch nachlesen, was Sache war.

Was ich an Hannover liebe ist, dass hier die Radwege kontinuierlich ausgebaut werden. Der reinste Luxus. Wenn man was gemacht wird, dass wird es schön aufgemotzt, knallrot wird ein breiter Streifen der normalen Fahrbahn entrissen und als Radfahrer kann man schön bequem und nebeneinander fahren oder auch mal überholt werden. Das ist herrlich.

05.11. Auf dem Weg ins Büro, wundere ich mich über die Marktständerbetreiber, die morgens um 8:30 Uhr schon Bier und auch Schnaps am Kiosk trinken. Für den Perser, der mir immer die Taz mitgibt, ein willkommenes Geschäft.

Der junge Richter, der neu im Amt ist fragt mich, ob ich eine Verfahrenspflegschaft im Friederikenstift übernehmen will, kurzfristig, heute Nachmittag. Es geht um eine 82-Jährigen und eine Unterbringung und dann auch Auflösung der Wohnung. Bevor mich wieder Herrn PM versetzt mit dem Wohnungsamt, sage ich zu. Das Ganze findet auf der 2 Süd statt, wo ich vor einigen Jahren fast drauf gegangen wäre. Gemischte Gefühle als ich die Station betrete. Ach ja, das war die Hepatitis-Toilette, wo man nicht drauf sollte und da war mein Zimmer. Ich frage nach Frau W. Das Personal sagt: sschhh.  Sie weiß von nichts. Ich stelle mich vor. Ihre Freundin mit den kleinen Füßen (sie erinnert mich an meine Schwiegermutter) ist zu Besuch. Dann kommt der Richter und wir erklären ihr, dass die Betreuerin, das ist offenbar die Schwiegertochter der langjährigen Freundin (beide kennen sich seit 30 Jahren) eine Heimunterbringung für sie beantragt hat, weil die Wohnung nicht mehr tragbar sei und sie nicht mehr alleine zu Recht kommen würde. Frau W. fällt aus allen Wolken. Wer ihr da was anhaben wolle, sie habe immer ihre Rechnungen bezahlt und ihr Leben gelebt und das komme nicht in Frage, dass andere über sie bestimmen. Ihr Vater war bei der Schutzpolizei und sie mussten früher „gerade gehen“. Sie könne jedem in die Augen schauen. Das sagt sie beides mehrfach. Sie habe 19 Jahre lang als Geschäftsführerin bei Edeka gearbeitet. Sie sei Drogistin und habe ihr Leben bisher gut gemeistert. Diese Betreuerin meine es nicht gut mit ihr. Natürlich, sie trinke mal ein Bierchen, das dürfe sie doch und sie gehe gerne am Platz frühstücken, weil was solle sie alleine in der Wohnung.  Ein Gutachter, den das Gericht beauftragt hat, war wohl in der Wohnung und spricht auch von Gefahrenquellen und dass es ein Wunder sei, dass noch nichts passiert ist. Der Richter will sie zur Kurzzeitpflege überreden, aber sie bleibt hart. Droht damit, sich was anzutun. Dann beschließen wir in die Wohnung zu fahren mit dem Taxi, zu viert mit der Freundin. Frau W. hakt sich bei mir ein, im Alter tue alles weh, daran müsse man sich gewöhnen sagt sie zu mir. Sehr süß. Ich helfe beiden Frauen mit den Gurten beim Anschnallen. Wir fahren nach Oberricklingen. Es stinkt nach Katzenurin, aber die Stubentür ist zu, so wie sie es uns gesagt hatte. Die Viecher haben irgendwo hingepisst, auf die Teppiche, aber sonst ist es eine ganz normale Wohnung, eher spartanisch eingerichtet, Wäsche hängt und ist nicht weggerämt, Klo braun, Kühlschrank auch, aber das kann ja nicht der Grund sein. Die Nachbarin schaut gleich, was sich in der Wohnung tut und kündigt an mit Frau W. morgen zu Edeka fahren zu wollen, wenn sie entlassen werden. Frau W. ist ganz aus dem Häuschen, ihre Püppies, das sind die beiden Katzen in der Wohnung, die Babies für sie sind. Wir fahren zurück ins Krankenhaus. Ich schlage Betreuerwechsel vor und Frau W. will das auch und die andere offenbar überfordert sei. Der Richter hat die Schnauze voll von den Ehrenamtlichen, denen man erklären müsse, dass sie nur wegen des Aufgabenkreises Aufenthaltsbestimmung hier trotzdem nicht schalten und walten können wie sie wollen. Und ich denke mir, Geld sparen durch ehrenamtliche Betreuung, so hatte das die jetzige Frau W. schmackhaft gemacht und die meldet einen dann im Heim an. Das spart nun auch kein Geld! Alle schauen auf mich und bitte, bitte, also sage ich ja und bin dann ab Morgen früh im Amt. Frau W. bedankt sich überschwänglich bei mir. Wie können sie mir danken, ich habe sie gerettet. Und ich denke, wenn ich mit Demenz (diagnostiziert 2009) und 82 Jahren noch solche Plädoyers halten kann, dann klopfe ich mir auch auf die Schulter und sage zu ihr, alles gut.

Sport muss ich heute sausen lassen. Ich rufe statt dessen meine Vorgänger an, wie wir das mit dem Schlüssel machen, weil Frau W. hat keinen und einen braucht , weil sie Morgen entlassen werden soll. Die zu mir: „Ich lege Beschwerde ein dagegen. Ich übernehme keine Verantwortung.“. Ich daraufhin. Da ist schon ihrem Wunsch entsprochen worden. (Sie ist abgelöst und hat keine Verantwortung mehr. Da braucht sie nicht Beschwerde einlegen). Erneut frage ich nach dem Schlüssel oder dem Namen der Nachbarin, die einen hat. Sie wieder: „Ich wirke bei gar nichts mit. Ich sage Ihnen den Namen der Nachbarin nicht. Ich gebe den Schlüssel nicht heraus. Ich bin enttäuscht von der Justiz und mache jetzt gar nichts mehr. Morgens heißt es, ich bekomme den Beschluss. Dann ist alles anders. Ich sehe das nicht ein…“. Ein echtes Schätzchen also.

06.11. Ich lasse mir morgens den Beschluss zufaxen und rufe bitte dann die Polizei um Mithilfe, dass sie es telefonisch mal versuchen, weil sie vielleicht überzeugender sind als ich. Die ist uneinsichtig. Da sei nichts zu machen, heißt es. Also auch der Polizist, der erst gar nichts machen und mich auf den Zivilrechtsweg verweisen will, beißt auf Granit. Ich erstatte Anzeige wegen Unterschlagung. Da wird nichts bei rumkommen, aber das muss ich schon tun, um meine eigenen Ärger Luft zu machen. Die blöde Kuh. Dann ruft der Polizist mich noch mal an, weil die Ex-Betreuerin ihm den Namen der Nachbarin gesagt hat. Ich recherchiere und finde eine Telefonnummer mit dem Namen 10 Hausnummern weiter. Das sind die Eltern der Nachbarin, die eine Geheimnummer hat, die nicht herausgegeben werden darf. Tochter arbeitet bis 15 Uhr. Dann bitte im Krankenhaus auf Station melden. Ich frage schon mal beim Schlüsseldienst was es kostet. Dann fahre ich um 13:20 in den Friederikenstift. Frau W. sitzt am Fenster und ist schon aufgelöst. Ich sage, alles gut. Sie kommt heute nach Hause, so oder so. Dann kommt der Anruf der Nachbarin. Dann Taxi und Transportschein. Ich soll mitfahren, habe aber einen Termin beim Gericht und muss sie alleine schicken.

Der Gerichtstermin, wieder eine Verlängerung dauert ca. 2 Minuten. Dann versuche ich das Scrabble-Spiel umzutauschen, weil da nur 4 mal der Buchstabe „H“ drin ist, dann 5 mal, wie in dem Buch beschrieben und daher nur 118 Steine, statt 119 und erfahre, dass die Frau von Oxfam mir nur anbieten kann, mir ein „H“ aus Pappe zu basteln. Das hätte ja irgendwann mal verloren gehen können nach dem Kauf am 01.11. Sie könne nichts machen. Ich raste aus und kündige an, nie wieder was in dem Laden zu kaufen, in dem ich schon viel Geld gelassen habe und Stammkundin bin seit der Eröffnung und sage, es ist anders: sie müssten beweisen, dass der Fehler nicht da war beim Kauf und nicht umgekehrt. Ich gehe schließlich und nehme das Spiel wieder mit und mir vor, daraus ein Mottohüttchen mit dem Scrabble-Buchstaben zu basteln und dem Satz: Ein „H“ fehlt, aber die Frau von Oxfam kann mir nur anbieten, ein „H“ aus Pappe zu basteln und das trage ich dann und einen Brief an Oxfam wird es auch geben. Ich bin richtig sauer und koche vor Wut und kann mich das so reinsteigern, dass ich denke, das ist querulatorisch.

Abends kommt eine langjährige Mandantin. Die hat auch so was, lieb, aber kann sich auch reinsteigern, wo man sich fragt, ob sich das lohnt. Deswegen mögen wir uns vielleicht auch so. Sie ist sehr reich, hat eine Immobilie verkauft und streitet sich jetzt um 60,01 € Grundsteuer. Daneben erzählt sie mir ihre Krankengeschichte, weil sie jetzt eine Zeitlang weg war vom Fenster. Darm-OP. Die Klammern am Bauch, Entzündung, es habe ausgesehen wie bei einem Schweinebraten, so gekräuselt. Und dann immer Spülen. Das habe weh getan (und ich weiß, was sie meint, lasse mir aber nichts anmerken) und ein Schwamm war da drin, der immer kleiner und unter Vollnarkose gewechselt wurde.

07.11. Heute kann ich nicht zu meiner neuen Betreuten, weil ich zu viele Termine habe. Morgens gleich Sozialgericht. Vorher hatte ich zuhause mit den Scrabble-Buchstaben gebastelt und festgestellt, der Satz geht nicht, weil es nur ein „P“ gibt und ich 3 brauche. Dabei erfahre ich von Wiki, dass Scrabble in der deutschen Version nur 102 Buchstaben hat, ich habe also 16 zu viel und die meisten davon Vokale. Alle Aufregung umsonst. Ich werde das Spiel spielen und räume es weg. Doch kein Querulantenbrief, Schade eigentlich.

Dann Sozialgericht, meine Betreute ist ausnahmsweise da und wartet schon. Es geht um eine Schilddrüsenerkrankung und ernährungsbedingten Mehrbedarf. Ein ehrenamtlicher Richter wird vereidigt und sie will wissen, ob das ernst gemeint sei. Wir haben schlechte Karten, d.h. Prozesskostenhilfe gibt es, so dass ich mir um meine Gebühren keine Gedanken machen muss. Leider hat ihr Arzt, der eine Stellungnahme für das Sozialgericht machen sollte gesagt, Übergewicht, weniger Essen hilft schon. Teurer sei das nicht. Die Richterin ist einfühlsam und meine Betreute kommt ganz viel zu Wort und erklärt, was sie alles im Internet nachgelesen hat und wie die Ärzte alle keine Ahnung haben. Ergebnis wie erwartet.

Bis zu meinem nächsten Termin habe ich Luft, gehe zum Arzt, der Blut von mir will. Lese im Geo-Heft einen Artikel über einen einsamen Schäfer in den Abruzzen oder war das Apulien? Die haben Hunde wie Kangals, aber nicht zum Hüten der Schafe sondern gegen die Wölfe. Gegen so einen Wolf kann ein Hund nichts ausrichten, heißt es so schön, aber der Wolf jagt nicht so gerne, wenn er dabei ausgekläfft wird. Sie tragen Stachelhalskrause mit Nägeln, die nach außen zeigen als Schutz am Hals. Ich werde nach meinem Gewicht gefragt. Was habe ich denn letztes Mal angegeben frage ich. Dann wieder so. 76 kg. Sie schaut so. Ich sage, das ist doch nicht kriegsentscheidend und gehe auf die Waage 77,6 mit Schuhe, also genau wie ich gesagt habe.

Termin bei dem Psychiater. Meine Betreute wartet unten schon, weil sie mich wohl auf dem Fahrrad gesehen hat. Es geht um die Verlängerung der Betreuung. Wir kommen nicht zu ihrem normalen Arzt, sondern eine Kollegin. Eine kleine Yoga-Fee. Grober Strick, zierliche Figur, niedliche Perlenarmbände mit diversen religiösen Symbolen darauf. Auf dem Rückweg halte ich bei Rossmann, weil ich meine Wollmütze, die ich in Berlin mit Heikes Hilfe genäht habe färben will. Sie sieht skurril aus und kommt gut an, nur die Farbe (beige, wie die Klamotten der Ärztin) steht mir nicht. Kann man wohl im Topf färben und Salz ist mit drin. Das habe ich nicht mehr gemacht seit Abiturzeiten.

Der dritte Rock von Andrea ist fertig!

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Abends geht Stephan zu den Musikern der Scala in CCL und ich färbe im Topf. Schön blau wird das. Früh ins Bett, da Morgen Zahnarzt um 8 Uhr. Ich Angstpatientin und fand keine Ausrede als es hieß, da könne ich doch schön anschließend arbeiten gehen und jetzt habe ich den Salat. Ich meine um 8 Uhr kratzt da schon einer an meinen Zähnen. Das ist auch nicht so ganz meine Uhrzeit. Schlafe schlecht ein. Bin echt nervös und ein Angsthase. Seit Tagen esse ich weniger Süßes, weil ich die Wurzelbehandlung vor Augen habe….

08.11. Erst finde ich die Praxis nicht (war auch erst ein Mal da und das ist fast 2 Jahre her), dann liege ich auf dem Stuhl und wir hören NDR 2. Ich sage nach der letzten Zahnreinigung hätten meine Zähne tagelang weh getan, weil mein Mann verkaufe mir das immer als Wellnessprogramm. Sie tut ihre Arbeit und sagt, es sehe gut aus, mit Ausnahme der Zahnzwischenräume. Wenn ich noch anfangen zu flossen, bekomme ich eine eins.

Als dann die Ärztin mich nur nach meiner Cousine fragt und sagt, es sei nichts, bin ich in Hochlaune. Mit der Bahn fahre ich vom Lister Platz nach Oberricklingen. Erst zum Pflegedienst. Da riecht es nach Zigarettenqualm und ich lese in einer Pflegezeitschrift, ob der Einsatz von Pflegerobotern sinnvoll sein kann. Sie haben wieder einen Schlüssel. Wir sprechen über die häusliche Versorgung. Ich bekomme einen Gutschein mit für Essen auf Rädern für Frau W. Dann fahre ich zu ihr. Es stinkt erbärmlich in der Wohnung nach dem Katzenurin. Sie will zum Platz frühstücken und ich will neues Katenstreu kaufen. Ich sage, hier muss geputzt werden. Das soll die Nachbarin unter ihr machen. Ich soll die mal gleich fragen. Da ist nur der Mann zuhause und sagt, seine Frau macht es erst nach einer Grundreinigung der Wohnung. Ich wieder hoch. Frau W. ist beleidigt. Dann kann sie ihr gestohlen bleiben. Wir schauen uns ihre ganze Fundstücke, afrikanische Schnitzereien und so was an. Die seien von ihrer Nichte. Die war beim Auswärtigen Amt in Brüssel, ist aber schon tot. Herzinfarkt mit 62. Wenn die noch da wäre, würde es ihr anders gehen. Ich stimme zu. Dann stellt Frau W. fest, dass sie nur noch 5 Euro im Portemonnaie hat. Zur Bank hat sie immer die 30 Jahre alte Freundin begleitet, aber die ist jetzt nicht zu erreichen und vielleicht auch sauer, weil ihre Schwiegertochter abgesägt wurde. Na dann, würde ich doch mitgehen, oder? Was bleibt mir. Es ist Freitag um 11 Uhr. Zur Station. Fahrtkarte kaufen, kennt sie nicht. Ich kaufe nur Kurzstrecke, weil ich mich verzählt habe. Am Schünemannplatz steigen wir aus. Frau W. muss sich erst mal orientieren und ich denke, scheiße, ist hier gar keine HVB. Dann weiß sie es wieder. Wir gehen hin, gleich ruft der Mitarbeiter eine Kollegin von hinten. Dann findet Frau W. die Bankkarte nicht und zeigt wahlweise ihren Personalausweis und meine Visitenkarte und fragt, ob das nicht die Bankkarte sei. Das macht mir jetzt Angst und auch, dass sie die Mitarbeiterin so nennt, wie ihre Freundin heißt, obwohl die ein großes Namensschild an hat. Sie holt 500,- € und wir lassen die Vollmachten der früheren Betreuerin löschen und die Karten sperren. Dann wieder zurück. Jetzt will sie wirklich frühstücken. Das ist der Kiez:

Funny stylish bar Kampfkunst Zentrum

In der Bäckerei fragen sie: „wie immer“ und ich schaue derweil nach Post, weil eine Bankkarte verschickt worden sein soll. Nicht mal ihr Name steht am Briefkasten. Dann gehen wir in den russischen Supermarkt, wo es wirklich andere Produkte gibt z.B. geflochtenen Rauchkäse (ich muss ein Foto machen, sie wundert sich):

Lackmann Teig

Essen will man das nicht. Sie kauft ein: 1 Orange, ein paar Weintrauben, 2 Pflaumen, 1 Dose Fischsalat, ein russisches Bier, 2 Piccolo Sekt (zusammen im Karton) und einen einzelnen einer anderen Marke (Riesling), dann Käse, Brot und ein deutsches Bier, 2 kleine Feiglinge und eine kleinen Jägermeister sowie 8 mal Katzenfutter und ein mal Katzenstreu. Ich will erst 2 Tüten, aber das hätte ich nicht geschafft. Die wiegen 10 kg und fühlen sich schwer an wie Zementsäcke. Dann auf zur Wohnung. Die Nachbarin, die putzen will ist zwischenzeitlich nach Hause gekommen. Wir gehen nach oben. Immer wieder fragt Frau W. ob sie Geld geholt habe und ob die alte Betreuerin noch an das Konto dürfe. Während wir mit der Nachbarin das zukünftige Putzen besprechen sage ich, heute könne sie die Anwältin sehen, wie sie das erste Mal in ihrem Leben ein Katzenklo sauber macht. Es gibt einen kleinen Plastiklöffel, das Streu ist ein einzigen fester Klumpen, wie ausgehärteter Beton mit Kotstücken oben drauf. Es riecht beißend, aber ich kämpfe mich durch und entleere alles in die Plastiktüte, die wir vom russischen Supermarkt gerade mitgebracht haben und soll es nun in der Badewanne ausspülen. Dann trocknen mit Klopapier. Dann ist der Abfluss etwas voll und muss wir frei gemacht werden, dann das Katzenklo neu befüllen. Als ich mir die Hände waschen will, ist keine Seife da. Die Nachbarin bringt mir Pril. Während ich am Waschbecken stehe, gehen beide Püppies unter mich schon auf die Box und ich höre sie kratzen. Die haben offenbar sehr darauf gewartet, was ich mir auch schon dachte. Ich glaube bei der Nachbarin macht das schon Eindruck, wenn sie sieht, dass auch andere bereit sind anzupacken. So ist zumindest meine Erfahrung. Mit der Nachbarin geht es dann um das Austauschen der Teppiche. Frau W. meint, sie seien noch in Ordnung und will nicht und weint und fragt immer wieder, ob sie genug Geld habe, dabei hat sie sich den Kontostand zeigen lassen. Das wird noch harte Überzeugungsarbeit. Ich sage, es gibt eine Pflegegeldnachzahlung (weil seit Anfang der Jahres nicht alles gezahlt wurde, worauf sie einen Anspruch hat) und davon machen wir das und wir nehmen genau die Teppiche wie vorher und sie wird es auch toll finden. Sie sagt doch immer, dass sie keine Fernreisen gemacht habe, weil es zuhause am schönsten sei und was solle sie sich in fremden Hotelzimmern herumtreiben. Die Nachbarin sagt Frau W., dass sie bald zusammen ihren Geburtstag feiern, wie letztes Jahr in dieser Gaststätte (nennt den Namen). Frau W. will mir wieder was Gutes tun. „Wie kann ich mich nur bedanken, Schwester?“, fragt sie immer wieder. Ich denke, sie hatte eine gute Fassade und ich bin ihr auf den Leim gegangen, das heißt ich habe ihre Kompetenzen überschätzt. Es ist fast 2 Uhr. Ich fahre noch mal beim Pflegedienst vorbei und sage, dass meine zusätzlichen Betreuungsstunden aufgebraucht seien (eine Anspielung darauf, dass der Pflegedienst diese Sachleistung rückwirkend ab 01.01.2013 abrechnen und verbrauchen kann, weil ich es neu beantragt haben).

Auf dem Rückweg, es stinkt immer noch in meiner Nase, aber ich habe noch nichts gegessen, halte ich endlich bei der Kaffeerösterei mit dem Esel in Ricklingen und esse ein Brötchen und trinke einen Kaffee. Ich hatte das Fluorid einziehen lassen wollen in die Zähne. Mein Fascinator wird gelobt von der Bedienung, die sogar den Namen dafür weiß, was ich erst vor wenigen Monaten beigebracht bekommen habe. Der Laden hat einen Extraröstraum und auch Preise für den Kaffee gewonnen. Der Inhaber in sympathisch, der Laden ist nur etwas weg vom Schuss, so hinter dem Schünemannplatz. Ich rufe Stephan an, dass ich mich abends belohnen will. Fisch im Titus soll es sein.

Dann ins Büro und u.a. einen Schwerbehindertenausweis mit Begleitperson für Frau W. beantragen. Ich mache Witze darüber, dass die Demenz ansteckend ist und frage die Steuermitarbeiterin immer, habe ich das Teewasser schon aufgefüllt? Habe ich das schon gescannt? Und die Fragen sind nicht gespielt. Irgendwie bin ich auch mitgenommen und nicht ganz auf der Höhe.

Abends fahren wir nach Döhren, vorbei an den ganzen Lemmingen. Ich sehe eine Steilküste vor meinem inneren Auge und wie die Massen darauf zulaufen und sich alle in den Abgrund stürzen, aber es ist nur der Maschsee. Neben uns ist eine Weinprobe und die 17 Leute sind etwas lauter, vor allem mit zunehmendem Alkoholpegel. Ich kenne das. Die ca. 60 Jährige, der Rädelsführer ist sagt: „Hartmut sagt Du mal was zu dem vierten Rotwein, was Dir dazu einfällt“ und zu einem Jüngeren sagt er: „Du hast Dich jetzt genug blamiert. Du bist später wieder dran“. Es geht um das Raten der Weine, welcher ist welcher. Daneben bekommen wir zwangsläufig mit, dass das Spiel 0 zu 0 ausgegangen ist. Auf  dem Rückweg viel Hubschrauber mit Suchscheinwerfer und ich sage immer wieder zu Passanten, die in Gruppen unterwegs sind und Schal tragen: „ohhh, haben eure Babies es nicht geschafft ein Tor zu schießen?“.

Ich sage zu Stephan: es ist eine Illusion, dass wir so sein werden wie jetzt sind wenn wir achtzig sind. Entweder vorher tot oder man kann sich auf wesentliche Veränderungen einstellen. Da macht man sich immer was vor. Wir werden andere Menschen sein, womöglich mit einem ganz abgeflachten Charakter, auf jeden Fall mit körperlichen Einschränkungen, alles wird mühsam sein und die Leichtigkeit und Arroganz der Jugend verschwunden. Er verweist auf die guten Energien in meiner Familie. Ich sage, trotzdem, wir leben auch hart und man glaubt das immer so, dass man derselbe Mensch sein wird und da macht man sich was vor. Es ist eine Fortentwicklung, so wie man mit 30 auch nicht mehr so war wie mit 3 Jahren. Außerdem ist Frau W. eine tierverrückte, kinderlose, alte Frau. So werde ich auch. Mich beim Bäcker nach jedem Hund verzehren, der vorbei geht. Aus dem Haus bei uns kommt ein älteres Pärchen. Wir kennen sie. Sie entschuldigt sich, dass sie zu viel getrunken habe und kann sich kaum auf den Beinen halten, d.h. sie fällt wie ein gefällten Baum auf die Schienen und ihr Mann zieht sie wieder hoch und legt den Arm dann fest um sie, um sie zu stabilisieren. Auch kein schöner Anblick. Plötzlich fühle ich mich ganz nüchtern und der Amoniakgeruch ist immer noch in meiner Nase.

Wochenende in der Bastelsauna

02.11. Ich habe mir ein Scrabble Spiel bei Oxfam gekauft und es fehlt ein „H“. Ich dachte, die würden da alles nachkontrollieren, die engagierten Rentnerinnen, die dort ehrenamtlich arbeiten. So will ich es nicht. Umtauschen oder gleich weg. Hat nur 3,- € gekostet. Nach einem Tag in der Bastelsauna abends zum Theater an einem ungewöhnlichen Ort. In der Menagerie. Sehr entspannte Stimmung und auch gutes Stück, d.h. die beiden Darsteller haben sich richtig ins Zeug gelegt. Wir sind ihnen auf den Leim gegangen und dachten, wir würden mit einem Alleinunterhalter Bingo spielen. Mit Bingo Bruno und ich war da auch schon ganz heiß drauf, aber dann kam alles ganz anders, d.h. es gab eine Wendung in dem Stück Richtung Musical, aber gut. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, falls jemand noch reingehen will. Wir haben dort Freunde aus Essen getroffen und ich habe Rotwein und Kaffee getrunken und ich habe den Arabischen Mokka vom Kaffee Wacker übergeben. Ich war halbherzig auf Halloween zu Recht gemacht mit einer dezenten Kunstblutspur im Mundwinkel, aber sonst kaum verkleidet. Ein Hütchen mit Halloweenanleihen, was ich aber auch normal anziehen würde. Als wir gehen wollen um ca. Viertel nach 11 fragt mich ein Typ, der vielleicht Mitte 50 ist und sich als Teilhannoveraner vorstellt was ich beruflich mache so nach dem Motto, immer sieht er mich, wenn er in Hannover ist und ich sei ja auch nicht gerade unauffällig. Auch wenn Hartmut El Kurdi zuhört, nützt es nun nichts zu lügen. Ja, ich habe einen bürgerlichen Beruf und mache beruflich nichts mit Kunst und Mode. Das ist nur Ausgleichssport. Rein privat. So und jetzt raus hier.

Wir gehen noch den Geburtstag einer Freundin und dann ab in die Sturmglocke. Schön voll und stinkig, aber ich tanze erst mal eine Runde und verschaffe mir etwas Respekt, d.h. Platz auf der Tanzfläche. Die gruseligen Outfits nehme ich nur ernst, wenn die Inhaber auch tanzen, sonst sind sie wieder Standaschenbecher für mich. Nach Gin Tonics und netten Gespräche u.a. mit dem Mann mit der Axt im Rücken (sehr überzeugend, weil echte, schwere Axt, d.h. coole Unterkonstruktion) torkeln wir nach Hause bzw. fahren beim heftigem Regen durch den Matschepark. Ich frage Stephan bin ich jetzt wie Liberace, der heimlich in die Darkrooms geht, weil ich einen bürgerlichen Beruf habe, aber darauf stehe in der Sturmglocke zu hotten? Nein, ich stehe ja dazu und habe gerade kein Doppelleben.

03.11.2013 Sonntag werde ich wieder wach nach wenigen Stunden und spiele, d.h. bastele weiter. Dann fahren wir zu Boesner, wo es heute verkaufsoffenen Sonntag und 20 % Rabatt gibt. Da sind auch andere auf die Idee gekommen, hier einen Ausflug hin zu machen und die Schlangen vor den Kassen gehen quer durch den Laden. Recht schnell stellt sich heraus, die haben nicht was ich suche. Einen Ersatz für die Stifte, die ich nach der Wende in Magdeburg gekauft habe (tschechisch) und die langsam zur Neige gehen und die ich für die Kalenderproduktion brauche. Ich will keine schmierigen Ölkreiden und keine puderigen, verwischbaren Sonstwaskreiden und nichts Wasserlösliches. Ich  will keine Buntstifte mit dünner Miene zum Anspitzen. Nein, das will ich alles nicht. Ich kaufe doch nicht jetzt für teures Geld irgendwas, was mich nicht überzeugt und stehe dafür noch eine halbe Stunde an! Zeug habe ich schließlich genug. Wir fahren mal einen anderen Weg, erst weiter stadtauswärts und ich fluche viel, aber dann ist es auch interessant. Schön durch die Gärten und dieses Pferdchen braucht auch mal ein bisschen Auslauf. Exercise, discipline, affection. Schön zu Rossi und 3 Stücke Kuchen verdrückt (zu zweit) und eine Freundin von früher und eine von letzter Nacht getroffen, dann nach Hause. Stephan erzählt mir von dem über 80-jährigen in München, der in einer Wohnung zwischen Messie und Louvre wohnte. Auf die Schliche gekommen sind sie ihm, weil er mit Bargeld an einer Grenze erwischt wurde und dann haben sie ihn beobachtet und schließlich seine Wohnung durchsucht. Als ich am nächsten Tag lese, dass sie Bilder beschlagnahmt haben frage ich, warum und auf welcher Rechtsgrundlage. Das ist doch sein Eigentum. Stephan sagt: Steuerfahndung, das seien die Gefährlichsten und Steuerdelikte, weil der Bilder verkauft hat ohne das zu versteuern. Ich sage, na gut, dann sollen sie halt einen weiteren Beckmann versteigern und davon die Steuerschuld begleichen, aber die können ihm doch nicht alle Bilder wegnehmen!

Miss Marple hat schon die Herstellerfirma entdeckt und so scanne ich meine Antiquität ein und schicke sie der Firma Koh i noor und noch am Sonntagabend antwortet mir einer. Ich finde die Stifte auch selber. Es sind Hartpastellen. Yuhu.

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Abends schauen wir uns Vacation Rentals Central Coast, Kalifornien an. Da gibt es Dinger. Ich sage nur Big Sur mit Blick auf die Küste und Hot Tub draußen. Hippie Luxus pur. Da kommt immer sofort Heimweh auf, aber auch Müdigkeit.

Outfit 30.10.

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Ja, das ist der neue Fisch von Oxfam aus Frankfurt mit Elastikband ebenfalls aus dem Frankfurter Kurzwarenladen und auch noch in FF genäht.

Hatte ich doch neulich vergeblich gebettelt nach einer neuen Schreibtischunterlage und habe dann diese gefunden mit immerhin noch 6 Blättern. Wusste gar nicht, dass ich die habe und vorher. Verdammter Messe-Haushalt.

Immer wieder Frankfurt, unreife Jungs und die Neuentdeckung von Frederik Lau

28.10. Ich hatte meine Eltern vom Bahnsteig aus angerufen um die Zugverspätung zu überbrücken und ihnen die Dürer-Ausstellung empfohlen sowie das Hotel mit der Bar im 22. Stock und den Sonderangeboten für Zimmer am Wochenende. Da lobe ich mir doch meine Rentnereltern. Mein Vater schreibt mir kurz vor dem Tatort um 19:14 während ich im Zug sitze folgende email:

Haben für die Museumsnacht am 16.11. Tickets und Zimmer im Innside.
Danke

Paps“

Das nenne ich mal schnelles Reagieren. Ich finde es gut, dass meine Eltern noch so jugendlich sind. Geld sparen tun sich nicht mehr. Auch die richtige Einstellung. Kann ich nur applaudieren.

Ich wollte noch vier Frankfurt-Themen nachtragen. Zum einen die Disko Maxim, die ich erwähnen wollte, die es nicht mehr gibt, wenn ich es richtig verstanden habe. Da waren Charlotte und ich früher zu Gast und Jimmy, der leider verstorben ist, ein Urgestein aus Hannover, der dann nach Frankfurt gewechselt war, erzählte auch immer von dem Laden. Mitten im Rotlichtviertel war der gelegen und Jimmy war die erste Person, die wir in Hannover kennen gelernt haben an einem Kiosk in Hainholz mitten in der Nacht während man auf Munchies sich nicht entscheiden konnte, welche Süßigkeit es nun sein sollte. Mit ihm haben mich viele Dinge verbunden, obwohl wir so verschieden waren. Ich erinnere mich daran, wie er erzählt hat, dass in seiner Kindheit die Mitschüler alle Süßigkeiten bekommen haben zu Matten mähren und er als einziger eine Banane (wegen seiner dunkleren Hautfarbe). Dann ging es mal darum jemanden in einem Wort zu charakterisieren und sagte spontan auf mich bezogen: „überkandidelt“. Das hat gesessen und bleibt unvergesslich wie viele andere Jimmy-Geschichten. Da hatten die Frankfurter auf jeden Fall ein Original aus Hannover.

Dann kommen die Lappalien. Zum einen diese Plakate mit David Garrett, dem Teufelsgeiger, die überall in der Stadt plakatiert waren. Hier habe ich bislang keine gesehen. Da hatten wir neulich im Kino eine Vorschau gesehen vor dem Liberace-Film. Ich weiß nicht, ob die so Amazon-mäßig dachten, wer das mag, mag auch dies. Hier lagen jedenfalls gründlich daneben und das ganze Kino hat sich ausgeschüttet vor Lachen über den peinlichen Film, den man als cineastisches Ereignis überhaupt nicht ernst nehmen konnte, gesponsert von Thomas Sabo, der Marke für schrecklichen Modeschmuck aus Sterling Silber und einer Sonderedition zum Film mit einer silbernen Geige, die Herr Garrett auch an einer Kette um den Hals trug und als individuellen Schmuck lobte. Oh Mann.

Dann hatte ich mich mehrfach darüber ausgelassen, dass die Straßennamen in Frankfurt auf den Schildern alle ausgeschrieben sind. Auch bei langen Doppelnamen wird auch am Wort Straße nicht gespart. Das sieht lustig aus, wie eine Übertreibung aus der Caricatura.

Als letztes Anliegen. Die vielen Hochhäuser der Commerzbank. Aus meiner Zusammenarbeit mit denen bekommen die die Note mangelhaft. Jetzt versuchen sie ihr Image zu retten mit einer joggenden Frau, die allerhand pseudokritische Fragen stellt, ob wir noch so eine Bank brauchen, die einfach weiter macht. Ich bin ja der Meinung, dass wir auf ihr Haus und noch einige andere ganz verzichten können. Zufriedenheit garantiert? Die sollen erst mal das online banking für Berufsbetreuer auf die Reihe kriegen. Warum können die sich so viele Hochhäuser leisten? Haben die Frankfurter dort alle ihr Konto aus Solidarität?

Ich lese morgens bei Spiegel online, dass Lou Reed gestorben ist und bin total traurig. Das ist vielleicht doof, traurig zu sein bei jemanden, den man gar nicht persönlich gekannt hat, aber ich war echt Fan und habe die Musik und die Texte sehr gemocht, das heißt ich tue mir selber leid, dass er gestorben ist. Dann finde ich noch ein Bild aus dem Juni 2013, wo er mit Laurie Anderson und einem Terrier-Malteser-Mischling in einem Straßencafé in Tribeca sitzt und bin noch mal extra traurig. Den ganzen Tag habe ich Liedzeilen von den Velvet Underground Hits im Kopf: „What costume shall the poor girl wear to all tomorrows partys“, obwohl das war dann Nico. Lieber eine Zeile aus Perfect Day. 71 Jahre ist er geworden. Das klingt erst mal nicht so alt. Das sind noch mal 25 Jahre bei mir oben drauf und dann wäre das Leben allerdings ziemlich voll gewesen. Da müsste man sich wohl zufrieden geben mit der Bilanz als Sterbliche, sage ich mir.

Heute ist Verhandlung vor dem Jugendgericht. Das Kind M.A. meiner türkischen Betreuten ist als Zeugin vorgeladen. Der Beschuldigte hat in einer Gartenlaube der Kleingartenkolonie mit seinem Smartphone Samsung Galaxy, S III, blau unterliegt als Tatmittel der Einziehung…Der Beschuldigte ist ein pausbackiges Dickerchen, den die Mädchen nicht ranlassen und der ex-Freund und sein Kumpel sind zwei Jüngelchen, unreif und doof. Sie sind jetzt noch ganz verrückt darauf sich wechselseitig Bildchen auf dem Handy zu zeigen. Da hat auch der Vorfall, der heute zur Verhandlung ansteht nichts daran geändert und als eine körperbehinderte Mitarbeiterin des Amtsgerichts den Gang entlang läuft, kriegen sie sich auch nicht mehr ein. Einfach unreif. Wenn das nicht besser wird, prognostiziere ich die Wiedergeburt als Eintagsfliege, d.h. noch mal ganz von vorne anfangen. Die Frau von Violetta ist sehr gut und schirmt Mutter und Tochter ab, das heißt, wie gehen in einen anderen Gang und sie schaut immer und sagt uns dann Bescheid. Dann beschreibt sie M. wo wer sitzt und wen sie anschauen soll und wie es ablaufen wird. Ich sage, dass ihr klar sein muss, dass sie nicht angeklagt ist, bloß weil sie auch vor Gericht muss und nach Name und Geburtsdatum gefragt wird. Ihre Reaktion: was, das wird gefragt. Die Schuldfrage wird ohnehin familienintern kontrovers diskutiert bei der konservativen Einstellung. Schließlich kommt der Richter mit Zopf raus zu uns, d.h. um die Ecke. Er will M. von einem Täter-Opfer-Ausgleich überzeugen. Wir sind erst dagegen, mache es dann aber doch, weil M. einwilligt und die Frau von Violetta sie begleiten will. Ich sage, ein Versuch ist es wert. Vielleicht bringt es ihr was, sonst kann man es immer abbrechen und landet wieder hier. Außerdem sei das im Ihmezentrum und damit gleich bei meinem Büro um die Ecke. Wenn was sei, könne sie zu mir kommen. M. will ein Praktikum im Kindergarten machen und dann Berufsschule und Ausbildung. Gutes Mädchen. Ganz doof die Kerle. So unsensible Vollpfosten. War doch klar, dass ihr Freund da Bescheid gewusst haben muss. Wer läuft sonst als Jugendlicher durch eine Gartenkolonie. Sie hat sie Schule gewechselt und der Vorfall hatte einen großem „Impact“ auf ihr Leben. Das soll sie dem Dickerchen mal klar machen, wenn da nicht Hopfen und Malz verloren sind.

Zivilgericht Shok Detlef Tag

Abends Geburtstag in der kleinen Küche einer Freundin. Auch hier fallen die Männer mit Stokeligkeit auf. Es ist ein netter Abend und ich bekomme den Ausstellungskatalog von „about“ den ich haben wollte sowie ein dickes Stück Käsekuchen, was ich mir mit Stephan teile für den nächsten Tag.

29.10. Deutsche Bank bestellt mich ein in 2 Betreuungssachen, weil sie meinen Ausweis kopieren müssen, d.h. ich wurde angeschrieben. Ich bringe gleich die Unterlagen aller Fälle, die bei ihnen spielen mit, weil ich das heute insgesamt erledigen will.

Mittags hätte Anhörung von Herrn I. beim Betreuungsgericht stattfinden sollen. Das habe ich letzten Freitag schon abgesagt, morgens bevor wir nach FF fuhren. Der Typ sitzt seit Monate in Untersuchungshaft. Schön wäre, wenn er auf einen Plausch zum Betreuungsgericht vorbei schauen könnte.

Herr Maßregelvollzug (MRV) braucht Geld. Ich will ihm keines leihen, aber eine Alternative dazu gibt es nicht. Er soll um 13:30 Uhr vorbei kommen und kommt nicht vorbei. Dafür bekomme ich abends einen Anruf der Klinik. Eine Psychologin, die mir während ich turne vier Mal denselben Text auf mein Band spricht. Er war heute um 15 Uhr dort verabredet und ist nicht erschienen. Das mit dem Probewohnen wird dann schwierig und sie müssen einen Hausbesuch machen, was er ablehnt. Ich soll als Betreuerin auf ihn einwirken. Dann noch mal. Er ist heute nicht gekommen usw. Mann, Mann, Mann.

Meine Freundin Andrea kommt vorbei und holt sich Tischtücher und Vorhänge ab, aus denen sie mir Röcke nähen will. Nicht ohne mit einen Leinenrock und eine Sommerbluse mit Brusttaschen und Applikationen aus gestreiften Krawatten zu schenken.

Endlich erreicht mich die Frau, die sich meine Buttonmaschine ausleihen will. Sie erzählt was von einer Selbsthilfegruppe. Sie kommt aus Frankfurt und wir sprechen etwas darüber. Vor allem über die wechselseitig negativ Wahrnehmung der Städte untereinander. Ich sage ihr, dass sie die Buttonstanze bekommt und dann nach Herzenslust Vorlagen herstellen kann und ich ihr die Buttons mache. Die Maschine selber will ich nicht verleihen. Das ist alles zu umständlich. Ob ich sie nicht kennen lernen muss. Nein, Gabi reicht mir als Leumund.

30.10. Die Eltern des schwer kranken jungen Mannes, der immer betteln geht und dann vertrieben wird haben einen Termin bei mir. Er ist Architekt im Ruhestand und sie ist so eine ganz penible Person. Schwarz angezogen mit Hahnentrittblazer, sehr schlicht alles. Sie loben die Räumlichkeiten des Büros und interessieren sich für den Innenhof. Ob es hier laut sei oder man gut hier wohnen könne. Am Ende stellt sich heraus, dass sie ihre Wohnung im Osten der Republik verkaufen wollen und nach Linden ziehen. Der Sohn und ihre bisherige Bleibe ist in Misburg. Der Wochenmarkt am Samstag gefalle ihnen so gut. Oh Mann, der wird uns noch ganz viele Landeier bescheren, so beschaulich wie der ist.

Mitten in der Besprechung kommt Herr MRV zu früh. Ich muss unterbrechen. Er sieht schlimm aus mit Schorf am Kopf, ganz abgemagert und blaue Hände, offenbar ein Unfall mit Tinte. Er hat heute einen Termin in Wunstorf. Ob er das hinbekommt?  Wir haben eigentlich Morgen ein Treffen mit dem ambulanten Wohnbetreuer. Den lehnt mein Herr MRV allerdings ab, so dass ich das absagen kann. Alles soll an mir hängen.

Per Email wird angefragt wegen eines Raumsprays für Herrn W., weil es so unangenehm riecht wegen des Tumors. Pflegedienstleitung fragt, ob sie das anschaffen dürfen. Auf dem Taschengeldkonto stapelt sich das Geld und ich kann nur immer wieder um sinnvolle Verwendung für den Bewohner, meinen Betreuten bitten. Die kriegen das nicht hin.

Hat mein neues Fahrrad Nazi-Symbole und ich darf es nicht fahren? Der Fahrradhändler aus Linden, der auf Oldtimer steht sagt, er hätte ein ähnliches Rad als Herrenrad im Keller stehen, aber irgendwie hat er Gewissenbisse wegen des Adlers. So unsensibel wie ich bin hatte ich darüber noch nicht nachgedacht, ob man ein altes Fahrrad vielleicht nicht fahren darf. Das politisch nicht pc ist. Was soll das? Ist doch kein Panzer. Ich sage, ich glaube, die Fahrräder haben kriegstechnisch weniger eine Rolle gespielt.

Ich bin ganz verliebt in die penible Auflistung der Restaurierung des Fahrrads vom Vorbesitzer. Der Rahmen im Wohnzimmer vor dem Spitzendeckchen und der selbstmalten Excel-Tabelle und das soll jetzt böse sein?

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Elisabeth kommt heute und erzählt von sich aus was von Kleopatra-Badezusatz, den sie neulich gekauft oder verwendet hat. Innerlich bin ich sehr irritiert, weil ich denke, kann sie Gedanken lesen. Ich habe die Assoziation und sie kommt mit mir jetzt Kleopatra und Eselsmilch.

Stephan trägt einen Frank Hanebuth Solidaritätsbart, weil er sich langsam auf Movember in London vorbereiten muss und wir gehen mittags zu Mr. Thang als Iimori-Ersatz. Der Schick ist nicht da, aber der Sushi-Mittagstisch M 1 für 5,90 € schmeckt gut und der Grüntee und die Edamame sogar besser als im Iimori, aber halt ohne die Atmo.

Kurz vor dem Sport bekomme ich eine Email aus Wunstorf in Sachen Maßregelvollzug:

Hallo Frau A.,

Herr MRV kam am Mittwoch zwei Stunden zu spät, aber er kam – ausgemergelt, mit Rötungen/Beulen (wie Sturzverletzungen aussehend, was Herr MRV bestritt), aber gedanklich geordnet, alltagspraktisch jedoch völlig ungeordnet..

Er gab an, gelegentlich Bier zu trinken; er laufe und fahre viel in Hannover herum. Könne in der Wohnung nicht kochen; duschen auch nicht – der Mitbewohner fühle sich gestört. Er wolle alleine eine Wohnung suchen, nur im Notfall auf Herrn Hem. zurückgreifen. Ich werde deswegen auch keine Fachärztl. Stellungnahme schreiben.

Er wolle sich gerne bei uns duschen und schlafen, was er dann tat. Er habe nicht genug Geld für Essen; bekam von uns noch etwas. Man habe ihm beim Ladendiebstahl erwischt – Hausverbot, keine Polizei.

Nächstes Treffen: Nächsten Dienstag 11.00 Uhr zur Visite.

In anderthalb Wochen schreiben wir eine Entlassungsempfehlung.

Grüße, A. K.

Abends scheuere ich mir den Ellbogen wund beim Yoga und merke es nicht, d.h. auf dem Fahrrad tun die Ellbogen weh und ich denke, komisch und schaue zuhause nach und finde das:

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Das heißt, ich bin ganz schön weggestrahlt bei der Yogapraxis und könnte vermutlich auch dabei operiert werden ohne weitere Narkose.

Gilt das als Sexunfall außerhalb des Sex oder mit mir selber?

Eine Freundin mit ihrer Freundin ist da wegen New York-Tipps. Der Hund hat auf meinen Teppich gekackt. Das ist mein Lieblingsteppich.

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31.10. Ich verschicke die Topflappenpostkarte von Rattelschneck an Susann, eine Freundin in Köln, die unsere Topflappen gehäkelt hat. Darauf ist eine Frau in Hausschuhen in der Küche zu sehen, die aufgedreht hüft und damit ruft: „Toll! Ein Topflappen mit vier Schlaufen. Kein langes Suchen nach der Schlaufe mehr!“. Ich finde die Karte toll, aber die waren ja auch zum Verschicken gedacht.

Der ambulanten Wohnbetreuung von Herrn MRV musste ich ja absagen, weil es ohne Proband sinnlos ist. Dafür kommt eine langjährige Betreute, die derzeit mit den Nachbarn Ärger hat mit ihrer Wohnbetreuung, die sie schon seit 2 Jahren betreut, die ich aber heute das erste Mal kennen lerne. Es geht um die Wohnung, die wohl ganz vollgestellt ist, so dass meine Betreute auf dem Sofa schlafen muss und da kommen die Sprungfedern schon durch. Ich sage: ahh, Massagesessel. Wir überreden sie, dass wir mal einen 3 Stunden Einsatz bei ihr machen und sortieren und mal schön Altpapier in Säcke machen. Ich sage, das wird ganz entspannt, weil sie will keine Fremden in der Wohnung und deswegen kommen nur wir in Frage. Wenn es ihr nicht gefällt, kann sie alles wieder auspacken, wenn wir gehen und wenn sie vorher schon alles erledigt hat, dann trinken wir nur Tee. Dann hole ich aber Petit Fours dazu. Sie ist sehr ernst, aber es gelingt mir etwas, sie aus der Reserve zu locken. Ich finde es immer pervers, wenn ich dann beim Aufräumen helfen soll, wo ich da selber Hilfe gebrauchen könnte, aber bei anderen Leuten geht das immer ganz gut und deswegen bin ich vielleicht gerade geeignet, weil ich weiß, um was es geht bzw. keine Berührungsängste habe.

Mittags kommt eine ältere Freundin und wir gehen ins 11 A. Ihr Serviettenknödel schmeckt wie ein altes Brot stellt sie fest, also es scheint ihr nicht so zu schmecken. Sie hat eine wirklich vorzügliche und sehenswerte Sammlung von Salz und Pfefferstreuern, die wohl derzeit im August Kestner Museum gezeigt wird. Sie wollte, dass die Leute sie anfassen können und nicht alles in die Vitrine hinter Glas. Dafür wollte der Direktor, dass sie die Wache dazu schiebt. Da sei am Museumstag, dem Sonntag wohl eine alte Frau da gewesen. Bestimmt so an die 90 mit Rollator und die habe ihr erklärt, warum sie den Salzsteuer in Form einer Zitronenscheibe brauche, weil sie nämlich täglich Tequila trinken würde und das Salz dafür müsse aus diesem Salzsteuer kommen und die Sammlerin hätte ja schließlich genug. Dann solle sie den am besten gleich einpacken war die Reaktion unserer sehr großzügigen Freundin, die damals als Unisekretärin auch nur damit beschäftigt war alle am Lehrstuhl und an den Nachbarlehrstühlen zu verwöhnen und die edelsten Snacks auszugeben, die man von ihren Gehalt gar nicht richtig finanzieren konnte.

Die Gerichtspost bringt etliche neue Nachrichten u.a., dass die Querulatorin einen Betreuerwechsel will nach einem Jahr. Das war die Frau, bei der zuletzt der Mieterverein Braunschweig die Klage zurück genommen hat. Ich würde ihr gesundheitlich und finanziell schaden und nichts für sie tun. Sie will eine andere, die mit dem Wechsel einverstanden ist. Ich soll dazu Stellung nehmen. Ich hätte misstrauisch werden sollen, dass sie auf meine letzten Mails nicht geantwortet hat, wo ich doch sonst gerne 4-6 am Tag von ihr bekommen habe.

Nachmittags kommt eine Mandantin von früher mit ihrer Mutter (Kopftuchträgerin, alles bunt, kleine Frau). Beide mühen sich in den zweiten Stock und sind atemlos abgehetzt, weil sie mich nicht gefunden haben. Dann bimmelt das Handy der Mutter, orientalische Klingeltöne, wie beim türkischen Jugendlichen. Die Tochter scheißt die Mutter zusammen. Dann geht es um den Fall. Zahnersatz. Implantate. Die Mutter spricht schlecht Deutsch und wusste nicht, dass sie was dazu zahlen muss. Dann war die Tochter mit in der Praxis und wollte fragen und immer hieß es, dass wird nicht teuer. Jetzt wollen sie über 2.500,- von der Frau, die Grundsicherung bekommt und damit nur 382,- € pro Monat zum Leben hat. Die Tochter hat eine Ratenzahlungsvereinbarung über 300,- € pro Monat unterschrieben, weil der Arzt vorher die Zähne nicht herausgeben wollte und jetzt Anwalt: mach mal. Nein, sie sind ganz nett und dankbar, aber leider ohne Beratungsschein. Auch der muss erst über mich beantragt werden.

Dann noch schnell Eilverfahren vor dem Sozialgericht anhängig machen, weil sie Herrn I. bis Jahresende kein Taschengeld mehr zahlen wollen und der ist doch Raucher, mein Untersuchungshäftling, der neulich schon Tabak wollte. Es geht nur um 40,- € pro Monat, aber das doofe Amt will die nicht rausrücken und es sitzt auf dem Trocknen. Mal sehen, was das Gericht dazu sagt. Seine Mittellosigkeit hat er eidesstattlich versichert, dass er das Geld, die 111,- € verbraucht hat und nur noch 32 Cent auf dem Taschengeldkonto sind.

Abends habe ich einen Wohnungsbesichtigungstermin mit dem Typen von der Sparkasse. 50er Jahre Haus. Leider sehr viel hässlich. 4 OG. Nur toll sind die großen Doppelfenster mit Blick auf die Rampenstraße, da konnte ich mich nicht satt sehen, aber dafür muss man auch den Rest kaufen. Die Kabuffs und die scheußliche Küche und das schlimme Bad. Verliebt ist was anderes und wenn man das alles ändert, von den kleinen braunen Türen angefangen mit dem hässlichen Türklinken und dem gelben Riffelglas und die Plastiksteckdosen mit rotem Rand. Dann ist man am Ende bei astronomischen Preisen.

01.11. Beim Warten auf dem Makler war mit die Sigg-Flasche ausgelaufen und vor allem das Portemonnaie mit Inhalt war nass. Das hatte ich nicht ausreichend beachtet. So konnte ich die 15,- € Eigenbeteiligung für die Beratungshilfe am nächsten Morgen nicht einzahlen, weil der Automat mein nasses Geld nicht wollte, wie feuchte Windeln fühlte sich das an. Ich muss mich anstellen und das nasses Geld gegen trockenes tauschen. Während ich warte beobachte ich Trockenbauer, die sehr sauber und souverän arbeiten, so dass es eine Freude ist denen zuzusehen. Monatswechsel . Schöne Kontoauszüge ziehen.

Morgens kommt ein Mandant nicht. Ich fahre die Klage zum Sozialgericht und in die Stadt Kalendernachschub holen. Ein Bastelwochenende steht vor der Tür.

Ich erledige die ganze Schreibarbeit die noch ansteht diese Woche. Nachmittags kommt eine neue Betreute, die sich über einen anderen Betreuten bei mir beworben hat. Sie ist gut organisiert und bringt mir Listen mit allen wichtigen Daten und Telefonnummern. Die wissen das alle nicht mit der Betreuung und es ist nur für den Notfall. Ich werde diskret damit umgehen verspreche ich ihr. In einem Nebensatz erzählt sie, wie die Suizidalität sie ihr ganzes Leben begleitet seit sie 8 Jahre alt ist. Sie lächele, gehe raus und suche dann nur ein Gebäude zum Springen oder nehme Tabletten. Das sind für mich fremde Welten. Das sage ich ihr auch. Ich hänge am Leben. Sie ist bei Therapeuten angebunden und ich habe auch keine Gesundheitssorge, sondern soll sie nur dem Antragskram entlasten. Sie hat in Frankfurt studiert. Noch mal Frankfurt also diese Woche. Heute war mal ein erster Termin, an dem wir ein paar Dinge auf ihrer Liste angegangen sind und die abgearbeitet haben. Ich sage ihr, dass sie nächstes Mal sagen soll, wenn sie einen Kaffee will. Heute denke ich erst daran einen anzubieten als es schon zu spät ist.

Heute Abend ist Brotzeit in meinem Ex-Atelier, d.h. die haben Leute, Freunde und Interessierte eingeladen und ich will hingehen, Ralf zu liebe. Bloß nichts da essen. Das Büffet kann ich mir schon vorstellen. Ich sehe Salzstangen und abgelaufene Bonbons von Street irgendwas, dieser Aldi-Marke. Ich will ins Da Etna und dann in die Spätvorstellung ins Apollo-Kino. Türkischer Film aus Berlin über einen Typen, der für den Verfassungsschutz gearbeitet hat und ausgestiegen ist und neue Freunde gewinnt und dann von der Vergangenheit eingeholt wird. Die Bilder haben mir gut gefallen. So meine Überlegungen als ich das Büro verlasse Richtung Sport.

So und danach: Atelier fiel aus, weil ich keinen Bock hatte auf Pflichtveranstaltungen in meiner Freizeit. Im Da Etna hat man sich gefreut uns mal wieder zu sehen und ich hatte Antipasti, sowie Kalbsleber mit Salbeibutter und eine ½ Flasche Rotwein. Dann zu Onkel-Rewe um die Zeit zu überbrücken und mit einer doppelten Ladung Toffifee und Mango-Lassi sowie einer Packung Buttertoast ins Kino. Luisa aus meinem Sportstudio treffen wir an der Kasse. Die Stimmung unter den wartenden Besuchern ist lustig. Der Film ist geht so und bekommt nur Note 4. Die Vorschau hatte mal wieder die ganze Munition verschossen. Ich finde allerdings den Hauptdarsteller attraktiv. Frederik Lau heißt der offenbar. War mir noch nicht aufgefallen, aber ich gucke auch wenig deutsche Filme. O.k. und dafür waren zu wenig Sexszenen in dem Film, nämlich genau keine.