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Herr Winklers Schlüssel

05.05. Nachtrag von der Konfirmation. So reagieren die Verwandten, wenn Stephan ein Bild machen will. Es müssen dann alle lachen über das Ergebnis, wie sich alle aus dem Bild heraus lehnen und versuchen sich zu verdrücken.

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Mein Betreuter, der eine Umschulung machen will meldet sich mehrfach per mail aus seiner Fortbildungsmaßnahme wegen seiner Fahrtkosten und seiner Heizkosten zuhause. Er heizt mit Holz und das ist mal ein Novum für mich.

Das Fax der Klinik in Sachen 1. Mai-Einweisung liest sich wie folgt: „Herr PM wurde mit dem RTW, über die Polizei angefordert zur Notaufnahme in der Medizinische Klinik des KRH RK Gehrden gebracht. Er klagte dort über Schmerzen im Herzen sowie die Vorstellung, das ihm ein mechanisches Herz eingesetzt und auch das Gehirn ausgetauscht sei, im Krankenhaus wolle man ihn vergasen und töten. Aufnahmemodus in der Psychiatrie .. am 01. Mai gem. § 18 NPsychKG. Bei Eintreffen gab Herr PM seinen Namen mit Winkler an, er sei o.f.W. und eine Woche umhergezogen, nachdem er vergiftet worden sei. Weitere sinnvolle Daten waren nicht zu erheben“.

Ich telefoniere mit Herrn PM, der angibt seine Schlüssel alle verteilt zu haben (ich frage ihn, was ich mir darunter vorstellen dürfe), er meint so auf der Straße, aber sie wieder finden zu können, wenn er die Strecke mit dem Fahrrad absuche. Er habe nur noch einen Briefkastenschlüssel für die alte Wohnung, Kontokarte und Ausweis, alles sei weg. Die Nachbarn seien komisch gewesen, vielleicht habe er sich das aber auch eingebildet und sich da reingesteigert. Er wisse nicht, was mit seiner Katze sei. Die sei ihm vielleicht abgehauen, weil der Balkon noch nicht katzensicher war. Wir vereinbaren, dass ich die Nachbarin versuche zu erreichen und die Bankkarte sperren lasse.

Nachmittags Anruf der Polizei. Eine Nachbarin aus dem Nachbarhaus hat sich gemeldet wegen der Katze. Die sei unversorgt und ich müsse mich als Betreuerin kümmern. Ich rufe im Krankenhaus an, ob er Ausgang bekommt. Das wird seitens der Ärztin verneint, die Polizei würde die Tür öffnen und die Katze ins Tierheim bringen lassen. Die Polizei macht gar nichts, weil es eine Betreuung gibt. Ja, aber ich betreue nicht die Katze und solche Viecher sind doch hartnäckig. Ich habe Bürotermine und kann nicht weg. So was muss man mal sagen, dann Anruf der Stadt Ronnenberg. Kenntnis von Notlage der Katze und sonst Feuerwehr und teuer und ich: täglich werden Millionen männliche Küken geschreddert und hier macht man so Alarm wegen einer Katze, die ist doch nicht gleich tot. Ja, schon gut, spätestens Morgennachmittag fahre ich raus. Ich bin super genervt und bestelle Stephan rein, der mich vertreten muss. Vorher Tierheim und ja, wie haben eine schwangere Mitarbeiterin, die darf aber nicht gebissen werden. Ich werde mich beherrschen. Bei einer Katze sei schon 1 Tag ohne Futter kritisch, sagt mir allen ernstes die Tierheimleiterin. Blabla. Ja, den Schlüsseldienst bestelle ich und fahre bei sonnigem Wetter nach Ronnenberg. Es ist wie in Neustadt. Kleinstadtatmo. Eine alte Frau mit Sonnenhut pflegt den Garten nebenan und wundert sich, wie ich mich auf dem Nachbargrundstück umschaue. Ich erkläre ihr, wer ich bin. Es ist ein Zweifamilienhaus und die Frau W. unten, die ich anrufen sollte, aber nicht im Internet finden konnte, ist nicht da. Die ist im Urlaub und kommt erst Morgen wieder und die Mutter wohnt hier irgendwo, aber wo genau ist unklar und die Polizei war auch schon da und hat die Katze, die sich ausgeschlossen hat, wieder in die Wohnung gebracht. Ich habe den Zettel im Büro liegen lassen. Stephan soll bitte der Polizei Druck machen, dass die mich auf dem Handy anrufen und mir bitte erklären wie sie ohne Schlüsseldienst in die Wohnung gekommen sind. Der Typ von der Polizei ruft mich tatsächlich an, kann es mir aber nicht sagen. Die Nachbarin ist nicht zuhause, nur ihr fast volljähriger Sohn und der weiß von nichts. Der Typ vom Schlüsseldienst werkelt untalentiert an der Tür mit einem weichen Spachtel und man wie er kann damit nichts ausrichten und ich sage: nichts kaputt machen. Wir können hier nicht einfach ein neues Schloss einsetzen und die Frau von unten aussperren. Dann kommt eine Frau mit Kinderwagen. Es ist jene Nachbarin, die sich auch einmischt und mir dann sagt, dann man über ihren Balkon in die Wohnung kommt. Das Angebot nehme ich an und steige rüber (wozu mache ich Yoga), die Balkone sind direkt aneinander mit einem sehr schmalen Durchgang und einer Absperrung, aber das geht ohne weiteres. Ich drücke die Tür auf. Die Katze ist freundlich, ob sie mich schon kennt, keine Ahnung. Jedenfalls ist sie wohlgenäht und ich streichele sie. Musik und Licht sind an. Leider ist die Tür unten abgeschlossen. Die Nachbarin bestätigt, dass sie die Katze mitversorgt habe und schlägt vor, die Katze über den Balkon in die Katzenbox zu machen und hat sogar eine. Darauf wäre ich nicht gekommen. Ich schicke den Schlüsseldienst wieder weg. Der will 40 oder 50 € abrechnen. Wir werden mal sehen. Die Nachbarin ist nett und bittet mich rein, weil wir auf den Tierschutz warten. Sie sagt, die Katze mag wohl laut Herrn PM keine Hunde und sie habe neben der dicken, blonden Robbe, so nenne ich ihren Hund mal, einen kleinen Zuchtrüden, der nur halb so groß sei wie die Katze. Was sei denn mit Herrn PM, alle hätten sich Sorgen gemacht, weil der sei ja so nett und kümmere sich auch so gut um die Katze, die hätte er nie freiwillig zurückgelassen. Alle würden ihn mögen. Vorher habe nebenan ein Chaot gewohnt und sie seien so froh über meinen Betreuten, der ja Bass und Gitarre spiele und so ein gemeinsames Thema mit ihrem Sohn habe. Ostern habe er Anschluss gesucht als sie Familie zu Besuch hatte. Ich staune nur und denke, er hat das große Los gezogen. Ich verfrachte die Katze in ihre Katzenbox und wir warten. Dann Tierheim, umladen. Das mache ich auch. Überlege fast die Katze zu mir zu holen, aber ich bin nicht ausgestattet und dann passiert noch was. Tierheim kostet 6,55 € am Tag. Rufe Herrn PM an, dass alles geklärt ist und seine Nachbarn ihn ins Herz geschlossen haben. Da hat er mal richtig Glück gehabt.

Gerade rechtzeitig zum Geldtermin komme ich wieder rein. Ich frage, ob sie wirklich nichts zu essen hatte am Brückentag. Entweder ich nehme das nicht ernst und sie verarscht mich, wenn ich sie ernst nehme, müssen wir an der Geldeinteilung einiges ändern für die Zukunft. Nein, schon o.k., sie hatte noch was, kann alles so bleiben. Wie war der Geburtstag in der Eisdiele, will ich wissen. War ohne mich nicht so lustig. Setzen einen Termin für Runde 2, hier in der Eisdiele.

Abends lasse ich den zweiten Sport ausfallen, Yoga und fahre in den bösen Wolf, aber der Lehrer ist schon heimgefahren. Der Inhaber vom Wolf gratuliert unserem Gast zum Aufstieg von Köln, aber das geht ihr auch am Arsch vorbei. Die Wantansuppe ist totlecker. Ich darf sie aufessen. Die Pfannkuchen mit gesüßter Kondensmilch und ganz fettig schmecken mir auch. Heute kein Bügeln, nur dumm rumsitzen und dann schlafen. Unser Gast sagt, dass der Zoo zu viel Heidepark sei und die ganzen Läden und Gastro und Shops, hat diese aber ausgiebig besucht und Pflaster mit Tiermotiven gekauft.

06.05. Viele Außentermine, erst wieder nach Döhren, als mir Frau Yoga mit Sachen im Treppenhaus entgegen kommt, kriege ich Panik. Ist die Wohnung doch nicht leer, nein, dass ist aus der Abstellkammer, die dazu gehört und auch diese ist leer. Am Sicherungskasten hängt ein Bild mit Frauenschuhen. Das mache ich noch ab unter Einsatz meiner Nägel und etwas nassem Lappen. Als es klingelt, habe ich den letzten Rest gerade abgemacht und fege die Stücke zusammen. Heute die der Typ von der Hausverwaltung ohne den freundlichen Maler und die Stimmung ist wie ausgewechselt, wir flirten und machen Witze. Alles läuft gut und Wohnung wird übergeben. Ich muss schnell weiter und komme leicht zu spät zur Ausländerstelle in der Leinstraße, wo ich schon erwartet werde. Mein Betreuter macht die stationäre Therapie und ich habe ihn lange nicht gesehen. Er sieht etwas sediert und aufgedunsen aus, es gehe ihm gut, aber er will nicht ewig dort bleiben. Der junge Sachbearbeiter ist nett. Ich will wissen, wie es hier mal weiter geht. Im Klageverfahren reagieren seiner Freunde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlingen nicht. Ich zeige ihm das Erinnerungsschreiben des Verwaltungsgerichts und das Eilverfahren haben wir ja gewonnen. Er ruft beim Stellenleiter an. Er ist nicht mehr der Superdicke zuständig, sondern ein junger Typ, der aussieht wie Alfred E. Neumann aus den Mad Comics. Ich versuche nützliche Infos aus ihm rauszubekommen. Bei Sieg Aufenthaltserlaubnis, bei Niederlage, keine staatenbezogenen Abschiebungshindernisse, vermutlich wieder Duldung, wie jetzt und keine Abschiebung nach Afghanistan. Ich frage, ob wir nicht längere Duldung kriegen können als 3 Monate, weil ist lästig, immer Verlängerung. Die Duldung sei eine Aussetzung der Abschiebung und das solle keinen Gewohnheitscharakter bekommen. Lustig, wenn einer 25 Jahre hier ist. Ich frage Herrn A. ob er die Mad Comics kennen würde. Wir reden noch kurz. Er sieht seine Mutter.

Dann der Arzttermin. Soll meine Therapie nach fast 20 Jahren umgestellt werden. Ich mag keine Veränderung. Ich erkläre der Ärztin, dass es Typsache sei und ich auch keine Möbel rücken würde, wie andere Leute, die ständig umräumen. Ich lasse mich allerdings von den Vorteilen einer modernen Therapie überzeugen, weil meine jetzigen Mittel wohl schwer giftig sind und das ich es so lange vertrage ist irgendwie wie Helmut Schmidt mir den Zigaretten. Meine neuen Stimmungsaufheller haben lustige englische Modenamen wie Spielzeug oder Manga. Ich mache den Gentest, ob ich das Zeug vertrage, wenn ja, gibt es die Therapieumstellung, genau am 50zigsten meines Mannes. Das ist doch auch was. Die Ärztin will mir auch eine Antibiotikacreme für mein Gesicht verschreiben. Meinetwegen. Wir gehen zu Mövenpick, ich esse ein Tartine mit Thunfisch und Ei und eine Vanillecreme, die aus Sahne besteht mit Erdbeeren. Hammerlecker. Mein Betreuter ruft aus dem Iran an und ist noch nicht in Deutschland, den Gutachtentermin für Morgen hatte ich schon vorsorglich mit einem Fragezeichen versehen lassen in der Praxis. Nächste Woche will er wieder kommen, Datum will er nicht sagen, ob alles o.k. sei. Ja, ich halte ihm den Rücken frei. Er meldet sich sofort, wenn er wieder im Lande ist.

Dann Anhörung wegen Verlängerung der Betreuung. Mein türkischer Betreuter hat seinem Arzt gesagt, dass er ihm Frau A. nicht wegnehmen dürfe. Er weiß nicht genau, wie alt seine Kinder sind. Die jüngere hat schon alle Zähne. Die Richterin schaut besorgt, auch weil ich noch nie zuhause war. Ich brauche das nicht. Er zeigt uns dann haufenweise Fotos von Geburtstagen auf seinem Handy, die gutaussehend Frau in Verkleidung und ohne mit den Kindern in der total aufgeräumten Wohnung auf einem Sofa. Ich weiß halt, zu wem ich muss und zu wem nicht. Er wird kurz damit konfrontiert, dass ich wenig mache und dass das ein ehrenamtlicher Betreuer machen könnte und bricht fast zitternd zusammen angesichts der Aussicht mich zu verlieren. Das ist eindrucksvoll genug und die Richterin verlängert um 2 Jahre. Ich treffe eine Kollegin, die das immer kritisch gesehen hat und sie fragt, ob das eine neue Betreuung gewesen sei und ich sage, nee, alte und ich glaube manchmal ihr vom Betreuungsgericht denkt, ich gebe denen Tropfen, aber es ist nicht so und ich kann nichts dafür, dass ich offenbar so stabilisierend auf diese Menschen wirke, es sei aber so. Ich würde jeden wieder aufgeben. Ich frage, wie es ihr geht um zu erfahren, dass nicht so gut und sie ist krankgeschrieben. Offen spricht sie über ihre Diagnose. Wir kennen uns noch von der Uni. Irgendwie geht mir das sehr nach.

Auf den Schreck muss ich erst mal eine Runde ins Fairkaufhaus, bei denen ist eingebrochen worden. Das ist auch Thema. Die Schweine, haben hoffentlich keine Altkleider geklaut. Ich ziehe einen dicken Bademantel an, der neben rot, grün und gelb deutliche schwarz-weiß Anteile hat und mir leider sehr gut steht. Zwei ältere Frauen schauen anerkennend. Kann man den so tragen, will ich wissen. Vielleicht mit einem anderen Gürtel. Die Marke, die ich nicht kenne mit einem Schiff als Logo sei sehr gut, Handtücher usw. Da kann ich für 6,- € wohl nichts verkehrt machen, außer die Wohnung weiter vollzustopfen. Ich will auch ausmisten, alles was z.B. mal gekauft und nie getragen wurde. Beim gehen treffe ich meinen Betreuten aus Ghana, auch so einer der mich zur Stabilisierung braucht, selbe Richterin damals. Wir strahlen uns an und ich sage was von erwischt beim Einkaufen und er erklärt mir, er habe seinen freien Tag und ich sage, nein, er habe mich erwischt, ich hätte doch den dicken Bademantel mit den Farben von Ghana unter dem Arm.

Stephan macht GP und ich werde die Querulatorin so was von behalten. Der Gutachter schreibt „Wertend betrachtet bildete sich hier die deutliche Intension ab, auf diese Weise ein „möglichst gutes“ Bild der eigenen Person zu zeichnen. Darüber hinaus dominierte ein rigides Beharren (das sich immer wieder konkret wahnhaft manifestierte) auf Umständen, selber wenn Frau M unmittelbar nachgewiesen werden konnte, dass ihre Angaben nicht zutrafen….Zur aktuellen Tagesstruktierung gab Frau M an, dass sie sich intensiv mit Firmen zur Frage einer neuerlichen beruflichen Tätigkeit auseinandersetze. Darüber hinaus sei sie in der CDU aktiv, gehöre zum „inneren Kreis“ des „McAllister-Teams“, sei etwa Ehrengast einer Veranstaltung im Jahr 2012 gewesen. Weiter gehöre sie auch zum „Angela-Merkel-Team“…“ich bin ein Mathe- und Physik-Genie“. Eine Fortführung der Betreuung ist unter der beschriebenen Konstellation alternativlos..Der Unterzeichner ist sich bei dieser Einschätzung sehr wohl der massiv ablehnenden Grundhaltung von Frau M bewusst – Gleiches gilt für die letztlich nur begrenzt gegebenen Betreubarkeit. Keinerlei Sinnhaftigkeit wird einem Betreuerwechsel beigemessen, da Frau M störungsbedingt jede neue Betreuerin/jeden neuen Betreuer innerhalb kürzester Zeit genauso ablehnen würde wie ihre gegenwärtige Betreuerin.“

Das online banking funktioniert nicht. Ich muss nach Hause und mich darum kümmern. Ich bin schwer beladen, es regnet, ein Mopedfahrer fällt und ich stehe wie angewurzelt und glotze. Ein junger Mann sprintet über die Straße und hilft dabei die Einkäufe aufzuheben, ist hektisch und verteilt sie erst mal auf der Straße. Ich habe Angst, selber umzufallen und gebe diesen Fall gerne ab. Nach Telefonaten mit der Bankhotline ich bin zu faul für Sport, froh mal zu zweit zu sein nach Hamburg und Besuch. Ich schreibe der erkrankten Kollegin einen Brief und biete Hilfe an. Da breche ich mir keinen aus der Krone und es ist mir ein Bedürfnis. Das Leben ist einfach zu kurz für Bedenken aus Eitelkeit.

07.05. Ich träume, dass Heike in einer dunklen Halle mit lauter Verkaufsständen haust. Ich lese ihre Post, wie bei einer Betreuten und stelle fest, dass sie immer falsche Nachnamen angegeben hat, wenn sie z.B. im Krankenhaus war. Ich spreche sie darauf an, ob sie Ärger hat und sie sagt, sie will einen Neuanfang machen, aber irgendwie steht ihr Name nicht auf dem Klingelschild. Ich sage, sie kann doch so tolle Kostüme nähen und da muss sich doch Geld mit machen lassen. Biete an, ihr einen Text zu schreiben für eine Anzeige. Sage, reiche Partygirls wollen doch immer eine ausgefallene Robe. „Einmaliges, individuelles Party-Outfit bis hin zu maßgeschneidert“ schlage ich vor. Ich schlage vor, dass sie mit Familie bei uns im Gästezimmer wohnen kann. Ich mache dann das Podest frei, der Sohn kann darauf schlafen und das Zimmer leerer für die Gäste. Ich schaue am Nachbarstand und hier werden hässliche Fertigringe für 120,- € verkauft. Ich denke, der Traum bezieht sich auf die Pandora-Plagiatssachen von Frau Yoga. Ich hatte spaßeshalber gesagt, dass ich mir einen Armreif mache als ich bei ihr auf dem Sofa vor den Perlenschälchen saß und sie erzählte was von Kindergeburtstag mit Schmuck machen, den sie veranstaltet hätte. Außerdem Heike, Du kannst mir den Traum nicht übel nehmen. Es ist ein Traum!

Ich fahre zur Verhandlung nach Neustadt und nehme mein Fahrrad mit. Das sorgt immer für Sprüche. Der Mandant und seine neue Freundin warten schon. Er hätte nicht kommen müssen. Ihm ist in der Probezeit gekündigt worden. Ex ist auch da, mit neuem Anwalt. Die Richterin sagt, 40 Stunden reichen beim Gebäudereiniger, er muss keinen Nebenjob annehmen, wie die Gegenseite meint. Ich sage Nebenjob, er hat bis 2 Uhr nachts die Tui-Arena geputzt und sollte dann um 8 Uhr wieder anfangen. Das klingt wie Gehirnchirurg und nicht Putzkraft. Er ist ohnehin krank geschrieben und ja, er wird sich um neue Arbeit bemühen, aber wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht. Er soll Insektenschein machen, dann verdient er 15,- € die Stunde, meint der Gegenanwalt und schlägt ihm vor, mit seiner Freundin zusammen zu ziehen, um Haushaltsersparnis zu erreichen. Das geht die wohl gar nichts an. Ich verabschiede mich und kündige an, bei meinem Freund aus Lübeck, der Insektenvernichtung macht, einmal anzufragen. Er solle sich nicht verrückt machen und mir den Arbeitslosengeldbescheid zuschicken wegen Neuberechnung. Ich sage was von Zug um :17 verpasst, entweder eine Stunde später oder ich fahre doch nicht nach Wunstorf. Das war wieder total verpeilt, weil jeder Zug in Wunstorf hält, auch der den ich um :30 nehme. Er regnet. Ich will nicht extra zu Herrn PM fahren und das telefonisch klären. Kehre vor dem Ausgang des HBH wieder um und nehme die S-Bahn. Vollbremsung und ich kann mich gerade so auf den Beinen halten, verliere etwas Urin.

Meine Betreute, die sich nie meldet, hält die Tür zu und will mich nicht reinlassen. Sie wirkt desolat, eine Leiter steht hinter ihr, sie muss zum Arzt, ich solle mal auf die Uhr schauen, es ist schon 11:30 Uhr um 12 Uhr muss sie da sein. Ich rufe gleich in der Arztpraxis an und melde den Vorfall und bitte um einen Rückruf des Arztes. Ich schreibe den Freund und Insektenvernichter aus Lübeck an.

Der schwule Sohn einer ehemaligen Betreuten ruft mich an und wirkt angetrunken, ob ich mich nicht gewundert hätte, dass er mich damals gar nicht wegen Verleumdung angezeigt habe. Ich frage, warum. Ich hätte behauptet, dass er minderintelligent sei. Ich sage, nein, er verwechsle mich, wir hätten uns immer gut verstanden und ich hätte ihm doch alle Unterlagen von seiner Mutter damals ausgehändigt. Es war seinerzeit so, dass der der Sohn ein Schild mit „Betreuungsbüro und seinem Namen an die Tür gemacht hat und der Gericht gerne jemand Unabhängiges einsetzen wollte.  Ich war tolerant und er durfte Geld seiner Mutter mit ausgeben, weil er sich mit gekümmert hat, nur neues Sofa und Schulden für die Mutter machen, war ich dagegen. Das war ein Balanceakt mit dem Sohn zwischen Kontrolle, aber nicht wegbeißen als wichtige Bezugsperson. Seine Mutter ist tot erfahre ich und das sei auch gut so. Er habe sein Leben zu sehr dafür geopfert und ich sage, es stimmt schon, dass sie ohne ihn viel früher ins Heim gekommen wäre. Er sei weiterhin ehrenamtlicher Betreuer und habe was gelesen über Musik bei Demenz. Ich sage, das war ein Artikel in der Haz, ein Typ, um die 55, der mit Demenzkranken tanzt und alte Lieder singt und sie damit an früher erinnert und die Erinnerung überhaupt aktiviert. Das sei gut zu wissen, dass das in der Haz gewesen sei. Auch der eine Typ von den Scorpions würde sich für Demenzkranke engagieren. Das hätte ebenfalls in der Haz gestanden. Davon weiß ich nichts. Er wolle mich nicht länger von der Arbeit abhalten.

Mein Betreuter mit dem Hasch und dem Sohn soll das Sorgerecht verlieren. Strafrichterin hat an das Familiengericht abgegeben.

Die Frau von der Betreuungsstelle ruft an und will mir eine Betreuung vermitteln. Sie hat mir neulich Frau Yoga besorgt. Ich berichte kurz und lehne den Neufall dann ab. Ich bin auf rot gesetzt und soll mich bitte zuerst bei ihr melden, wenn sich daran was ändert. Ich sehe das als Kompliment.

Dauermandant aus Sri Lanka kommt mit seinem Sohn mit riesigen Augen.

Die Sportlehrerinnen sind krank statt zum Yoga zu gehen sehe ich das als Zeichen und will zu einem Vortrag über die Bücherverbrennung. Ich habe eine email bekommen. Stephan und ich fahren nach Stöcken zur Synagoge, die wir nicht kennen und die neben dem Friedhof Stöcken ist. Die Frau begrüßt uns mit Namen und fragt, ob wir schon mal da gewesen seien, was wir verneinen. Sie erzählt kurz u.a. dass sie einen Architekturpreis gewonnen hätten und dass sie uns anschließend zu einem Glas Wein einlädt. Wir gehen im Treppenhaus hoch in die Bibliothek. Die Sitzplätze sind fast alle belegt und wir setzen uns auf Sitzkissen auf die Treppe. Wir senken den Altersdurchschnitt deutlich. Eine Frau von der Landesbibliothek hält einen Vortrag. Just als sie beginnt, startet eine unvorteilhafte Teilnehmerin, dick, schlecht angezogen mit fettigen Haaren, die den Stuhl neben sich mit Sachen belegt und durchaus untypisch ist und die mich an die Betreute erinnert, bei der ich Altpapier runter bringe, damit an sehr unständig ein großes Buch in eine knisternde Plastiktüte einzupacken. Man versteht die Vortragende nur schlecht und Leute drehen sich. Fast wie bei einer Performance packt sie dann ein eine noch dünnere, lautere Plastiktüte aus und diese über die erste zu streifen, alles sehr umständlich und raschelnd und noch lauter. Schließlich fast ihr eine Frau von hinten an die Schulter um das Ganze zu beendet und sie beeilt sich den Vorgang zu Ende zu bringen und alles auf dem Fußboden zu verstauen. Der Vortrag ist sehr interessant und handelt von den Vorbereitungen der Bücherverbrennung, die im April 1933 begonnen haben mit studentischen Initiativen gegen die undeutsche Literatur und einer Dokumentation, was hier in Hannover geschehen ist. Das undeutsche wurde mit Asphalt-Literatur getitelt und war neben jüdischer Literatur alles, was schwierige Themen ansprach, z.B. soziale Probleme. Das Deutsche war im Gegensatz zu dem Asphalt aus der Erde, dort wo der Bauer sein Feld bestellt, aus Wiesen und Wäldern und sollte den Leser erbauen. Karl von Ossietzky wird zitiert, der Jahre vorher in einem Artikel bereits feststellt, Asphalt sei z.B. in der Kunst wenn der Maler beim Sonnenuntergang eine Farbe wählt, die in Ostpreußen selbst zur Mittagszeit noch nie einer gesehen hat. Das fand ich sehr schön. Die Frau spricht über die Ereignisse in Hannover, Flugblätter wurden systematisch verteilt sowohl Haushalte als auch Bibliotheken wurden ausgefordert ihren Bestand zu säubern, dann Fackelzug mit einem Lastwagen der gesammelten Bücher über die Goethestraße, Lange Laube, Hildesheimer Straße und Geibelstraße bis zur Bismarcksäule, die damals am Maschsee stand. Hier wurden Ansprachen gehalten und die Bücher dann den Flammen übergeben. Es folgt eine Lesung der Namen der betroffenen Autoren durch Leute aus dem Publikum, die das unterschiedlich gut machen und einzelne Dichter werden vorgestellt, u.a. der Verfasser der Biene Maja, der ausversehen in die Bücherverbrennung hineingeraten ist und später mehr oder weniger linientreuer Nazi war. Wir bleiben nicht auf einen Wein und wollen was essen gehen. Vorbei am Contigelände in Limmer, was ich sehr schön finde und vorbei an weißen Kühen, die ich laut grüße um zu gucken, ob eine guckt, die eindrucksvoll ausschauen und im Wilden Westen auf den Wiesen stehen, weiße Steaks fällt mir dazu ein. Ziel ist endlich mal der Mexikaner in Limmer. Wir sind die einzigen Gäste. Uns bedient ein kleinwüchsiger, vorsichtiger Mann. Die alkoholfreien Getränke mit süß mit Hibiskusblüten und Horata, schmecken gut, sonst viel Dose, aber trotzdem ein lustiges Erlebnis. Wäre auch zu ärgerlich, wenn man hier kulinarisch was verpasst hätte, aber um gut zu sein haben die zu wenig Durchlauf. Zuhause sage ich die Buchbinderseminare ab. Passt mir diesmal nicht, Stephans Geburtstag, Paris und dann die Lumix. Will nur mein Papier abholen mal am Wochenende.

08.05. Der Tag des Ausflippens gegenüber der Klinik. Die Ärztin, die erst behauptet, wir hätten noch nie miteinander telefoniert und dann nicht weiß, ob es einen Unterbringungsbeschluss gibt, Herr PM bekommt keinen Ausgang um seinen Schlüssel aus Gehrden zu holen, der soll geschickt werden. Sie verweist an die Pflege. Die Pflege wieder an die Ärztin. Ich flippe aus am Telefonat und beschimpfe den unfähigen Klinikhaufen. Bei mir müssen so Jungärztinnen es nicht mit Arroganz versuchen. Sie sind überfordert und schlecht und ich hätte vom Numerus Clausus her auch Medizin studieren können. Ich habe keinerlei Hochachtung. Ich rufe im Robert Koch KKH an, dort hat er seinen Schlüssel vergessen. Die Frau am Telefon ist herrlich und erinnert sich an Herrn PM, der behauptet hat, Herr Winkler zu sein und deswegen war sein Schlüssel auch nicht sein Schlüssel. Sie hat ihn natürlich trotzdem den Mitarbeitern der RTW mitgegeben, aber „der eine Vollidiot“ habe ihn wieder reingebracht und jetzt habe sie einen fremden Schlüssel, den sie nicht verschicken dürfe. Sie will ihn mir ausnahmsweise doch zuschicken. Die idiotische Ärztin ruft an, es gibt doch keinen Unterbringungsbeschluss. Herr PM hat mit dem Richter gesprochen und ich und warum durfte er dann seinen Schlüssel nicht selber abholen, sie dürfen ihn gar nicht dabehalten, wenn sie es nicht schaffen einen Beschluss zu erwirken. Nie erreiche ich Herrn PM, der immer im Ausgang ist. Stephan bringt mich später zum Lachen indem er sagt, warum er sich nicht ausgezogen habe, es waren ja nicht seine Kleider, die er an hatte. Das wäre noch mal konsequent gewesen.

Herr Ihme kommt vorbei und braucht 5,- € für Frühstück. Er sollte sein Geld vorbeibringen zwecks Einteilung und hat das nicht gemacht, dann gibt es keines mehr, sonst nimmt er mich nicht ernst. Musste Schulden zurückzahlen, überall, aber offenbar nicht bei mir und hatte dann nur noch 130,- €, die müssen auch länger reichen als eine Woche. Er will Internetcafé beim Umzug helfen und bekommt dafür 10,- . Ich erkläre ihm, dass das bald alles ein anderer machen wird und ich bin dann in Paris. Er ist einverstanden und ich gebe ihm 5,-. Später sehe ich ihn am Küchengartenplatz und es sieht aus als würde er windige Geschäfte machen, aber der andere Typ hat spitzenmäßige dicke und kurzbeinige Hunde, so dass ich hinglotzen muss und mich kaum ablenken kann. Herr Ihme kann mir da mal einen Gefallen tun bei Gelegenheit, weil an die will ich nur allzu gerne ran.

Nachmittags die üblichen Geldabholtermine. Elisabeth Taylor erzählt mir von Kindern, die aussahen wie Kobolde. Die schafft mich noch eines Tages.

Der neue Betreute mit dem älteren Schwulen von der Wohnbetreuung, den ich auch noch nicht kenne. Der Proband ist sehr szenig und sieht gut aus mit langen Haaren und einer Strickmütze darüber. Er erinnert mich an den Elvis meines 50zigsten in jung und kräftiger. Er stottert und hat ein Problem mit Autoritäten, wie er selber lächelnd sagt. Er geht ins Dük, weil es da „umsonst zu fressen“ gibt. Schlau, sage ich. Wir gefallen uns auf Anhieb. Ich denke, wir könnten ein alternatives Team zu Natural Born Killers abgeben. Ich bin hysterisch und steigere ihn rein und er tötet. Er fragt, ob meine Klienten die Kunst gemacht haben, nein, das war ich. Er lächelt anerkennend. Seine jetzige Betreuerin hätte öfter ihr Wort gebrochen. So was kann ich auch nicht ab und ich bin sehr zuverlässig. Die Sache ist geritzt. Ich freu mich schon auf den Fall.

Pilates, damit etwas Körperarbeit gemacht wird. Ich bekomme eine „Bunte“ aus dem Jahr 1964 von der Inhaberin geschenkt. Das ist toll. Risotto mit getrockneten Pilzen. 6 Portionen. Stephan isst sehr viel. Ihm schmeckt es sehr gut, wie er sagt. Die Simpsons Folge ist großartig. Die Einwohner von Springfeld sind alle Legofiguren. Marge wird die Hand abgerissen vom Hund, aber sie hat eine Schublade mit Ersatzteilen und nimmt die mit dem Glas in der Hand, die sie seit Silvester nicht mehr benutzt hat. Zu Maggie sagen sie „They’re so cute, when they’re duplo“. Homer hat Hallus, dass er Hände hat, die aussehen wie Würste (also abnormal und eklig), menschlich, statt Lego. Bart muss die Schule aus einem Berg voller Lego-Steine nachbauen und sagt, dass sei erst 12 +. Skinner sagt, dass wären nur Empfehlungen. Er baut was ganz anderes, verwendet aber alle Steine plus Ralfi. Am Ende ist es ein Alptraum, weil Homer Lisa erklärt hat, dass kein Elternteil auf der ganzen Welt gerne mit Kindern spielt und das immer gelogen ist und vorgetäuscht. Dann macht es ihm Spaß und sie nehmen an einem Wettbewerb teil und dann will Lisa lieber mit den älteren Mädchen ins Kino, die sie jetzt in ihre Clique aufnehmen wollen und versetzt ihren Dad. Sehr schöne Folge. Am Ende ist das ganze Universum in einer Lego-Box 2 Billionen +.

09.05. Stephan liest mir wieder aus der Haz vor. Radfahrer durch Öffnen einer Autotür vor Lkw. Er stellt dann fest, dass seien diese Kampfradler. Ja, ist wieder einer im Kampf gefallen. Fahrradfahren ist gefährlicher als Heroin, stelle ich fest.

Termin in der Hamburger Allee. Ein Plakat auf dem mit einem Igel für Enthaarung geworben wird so nach dem Motto: auch lästige Haare. Geht’s noch dämlicher, frage ich mich. Stacheln als Haare und das lebensnotwendig als lästig zu bezeichnen. Manchmal denke ich neben Fettabsaugung macht auch Haarentfernung doof.

Der Wind ist hütchenfeindlich und ich stehe im Eingang. Meine Betreute kommt. Ich habe mich wieder unfreiwillig von meinem Handy getrennt. Sie ist sehr schlecht drauf. Ich rede nicht viel. Wir sitzen im Wartezimmer. Bei der Sachbearbeiterin sage ich, dass Informationen noch fehlen, aber das einzig und alleine meine Schuld sei, weil meine Betreute sogar zu einer Vorbesprechung bei mir war und frage die Geburtsdaten ihrer Eltern ab und die Mietdaten und trage sie ein. Sie taut auf. Wir sollen noch mal im Wartezimmer Platz nehmen. Wir reden über die Vorteile dieses Hauses gegenüber dem schlimmen Jobcenter, bei dem ich durchdrehen würde, wenn ich da als Betroffener Schlange stehen müsste und die lustigen Leute hier, Rentner, Ausländer und junge Prinzen (wie im Märchen, einer lang und dünn und sein dicker Kumpel), der Dünne schimpft vor sich hin, dass das alles Nazis seien und er gleich gehen würde, genau gesagt um 20 nach. Wir sprechen über Renten und ich erzähle ihr, dass meine Freundinnen auch überwiegend auf Hartz IV Niveau sein werden als Rentner. Wir lästern über schlimme Klinikärzte und sie erzählt von Kunstblut für Theater, was man essen kann, weil es mit Mehl und rote Beete angerührt ist. Sie erzählt, dass es ein Experiment gab, bei dem sich verschiedene Leute haben einweisen lassen und behauptet haben, Stimmen zu hören, ein Journalist, ein Arzt. Während die Mitpatienten gesagt alle hätten, die gehören hier nicht her, hätten sie die schlimmsten Diagnosen von den Psychiatern bekommen. Die hätten ihnen alles bestätigt an Psychosen und Schizophrenie. Der eine Typ, der alles aufgeschrieben hat, wurde ein Schreibwahn attestiert. Ich muss lachen und sage, das glaube ich sofort, dass „Betroffene“ das viel besser erkennen können und man die nicht so leicht hinters Licht führen kann. Sie erzählt von einem Kind aus der Verwandtschaft was sagt „ich will Ungeborenes verzehren“ und alle schauen entsetzt, außer der Mutter, die übersetzt: „er will Eier essen“. Sie ist froh mich zu haben. Wir warten doch noch recht lange, aber ein afrikanisches Baby amüsiert uns gleichermaßen. Es ist herrlich zu beobachten, wie die Mutter an ihm herum knetet und es massiert und ausrichtet. Dann Überbrückungsdarlehen. Hätte sie gar nicht gebraucht, aber wäre trotzdem besser so. Sie hat 700,- € auf dem Konto. Wie geht das, will ich wissen und sie soll nicht immer nur Kunstblut essen. Ich frage, wie es ihr geht und sage, ich will nicht, dass sie äußerlich gefasst wirken und sich gleich was antun. Sie sagt, sie findet es gut, dass ich gefragt hätte und am Anfang sei es kritisch gewesen. Sie will jetzt einen Kaffee trinken gehen. Ich fasse sie kurz an und sage, dass ist eine Superidee. Ich liebe meinen Beruf.

Ich fahre zu Frau Schlechtgelaunt und erwische einen guten Tag bei ihr und bei mir. Sie hat auch einen Kefirpilz in der Küche und lauter Pflanzen, u.a. eine wie meine eine auf der Fensterbank in der Küche, die wie eine Mimose ist. Die muss nach draußen. Ach so. Sie schleift die Bretter ihres Balkonregals ab. Ich will ihr einen Ableger geben von der, die ausschaut wie ein Penis mit Geschlechtskrankheit und vielleicht auch mein Fensterblatt, was gerade nervt. Das könne man schön an der Wand befestigen. Viele Tipps bekomme ich und dann sprechen wir noch über den Rentenantrag (wir werden den Rechtsstreit vor dem Sozialgericht gewinnen, aber die sollen gefälligst die Rente nachzahlen und meine Kosten voll übernehmen), die dadurch bedingte Umstellung auf SGB XII (ja, ich mache das alles und es wird klappen) und den abgelaufenen Ausweis. Hier weiß ich im Moment keinen Rat.

Ein vermögender Sozialpädagoge sucht eine Wohnung. Das Plakat hängt bei Kreipe, leider haben die keine selbstgemachten Ostereier aus Schokolade mehr. Leider habe ich keine Kamers und kann kein Beweisfoto von dem Plakat machen.

Wir treffen uns mit Katarina im 11 A und haben Glück. Die Sonne scheint. Vorher bringe ich den Schuhlöffel brav zurück zu Anne Behne, der in meinem Schuhkarton war und den ich seit Tagen spazieren fahre. Katarina hat immer Extrawünsche, wenn man Essen geht, die sie heute mit den Worten „ist es möglich“ einleitet und ich nenne sie Sally. Am Nachbartisch kennt mich einer aus der Bachstraße. Ich hätte mich mal so engagiert. Weiß erst nicht um was es geht, dann doch. Nächstes Mal wollen wir uns im Rossini treffen.

Sunla ruft an. Ich muss ihr gestehen, dass wir ihren Ex und unseren langjährigen Lebensbegleiter auch zum Wiener Geburtstag einladen wollen, zumal er außerhalb Wiens wohnt und seine Freundin sei nett und ihre Wiener Freundinnen seien ja auch eingeladen. Das sei ganz uns überlassen. Beim Thema Medikamente sind meinen Freundinnen nur um meine schlechte Haut besorgt. Das scheint meine Freundinnen mehr zu belasten als mich. Tut nicht weh, ist nicht tödlich. Ich scheine bei weitem nicht so eitel zu sein.

Auf dem Weg zum Sport kaufe ich Karten für die Lumix, die langweilig schwarz sind statt mit einem Foto, z.B. vom Festivalplakat. Eine Frau beim Sport will ein Foto von mir machen, aber nur mit meiner Lumix-Eintrittskarte. Die Trainerin hat schlimm Asthma und tut mir echt leid, so wie sie nicht gut atmen kann und immer husten muss und zugleich vom tief Atmen spricht (das was ihr offenbar schwer fällt) und sich dann umdrehen und das Spray nehmen muss. Nach dem Sport fahre ich durch den strömenden Regen nach Hause und sehe noch mal Herrn Ihme, der hat eine Nachzahlung von knapp 117,- € bekommen, von der er noch nichts ahnt und ich habe mir schnell meine 35 entnommen. Wenn er nächstes Mal kommt um sich was zu borgen, habe ich eine kleine Überraschung. Heute Abend passiert nicht mehr viel und ich schaffe es noch nicht einmal meinen neuen TCM-Tee aufzukochen. Comedy-Verarschung auf den ADAC, dass sie lieber zu Luxusschlitten fahren und man sieht ein Auto mit einem Skelett am Steuer und der ADAC-Engel erklärt, dass sei kein Auto, sondern ein Peugeot.

Die Menschenkette der Ampelmännchen

01.05. Der erste Mal 1. Mai mit Regen, zumindest in meiner Erinnerung. Nach Kopfschmerzen am Vorabend bis 11 Uhr geschlafen. Tee trinken und basteln. Hütchen aus dem Metallhaarspangen vom Flohmarkt Revaler Straße. Ich habe bunte Wollreste, wiederum vom Käte auf die Wickler gewickelt. O.k. das wird ein Hingucker, aber nicht so doll wie die Metallbonbondose, die ich mir heute zum Ziel genommen habe. Ich habe sie auf dem Flohmarkt am Wasserturm geschenkt bekommen, aber ob der Schenker es so gewollt hat…Stephan ist zum Tramplatz und trifft dort Detlef, Karin und Stella und ich sitze im Wintergarten und nähe. Ich denke, vielleicht kein Hütchen, weil Claudia das nicht so mag und das ist das Ergebnis. Setze mich in der Bahn zu 3 Jungs, die sich nicht mehr einkriegen vor Lachen. Was das Outfit zu bedeuten hat, will der kleine, dünne wissen. Was hat denn Dein Outfit zu bedeuten, lautet meine nicht so originelle Gegenfrage. Seines sei „normal“, aber ich hätte eine Dose auf dem Kopf und Schneebesen an den Ohren. Er würde sich schämen so in die Bahn zu steigen und dann auch noch in die Innenstadt zu fahren. Was der Junge nicht weiß, ich will damit sogar nach Hamburg fahren und frage mich, ob ich das nicht noch bereuen werde und überlege das Hütchen abzusetzen, Stephan, der mich in der Bahn nicht gegen die Kinder verteidigt hat, ist aber dagegen und meint , es würde wohl wirklich vehemente Reaktionen auslösen, so wie die Leute sich im Bahnhof umdrehen und der ganzen Clique Bescheid sagen, geil, aber er finde es nicht so auffällig. Doch, irgendwie schon. ich habe deutlich das Gefühl, dass ich es diesmal übertrieben habe und bequem ist es auch nicht. Schon statisch ist es nicht abnahmefähig. Da sitze ich nun auf der Bahnsteigkante und der Zug hat 15 Minuten Verspätung.

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Ein Halstuch, ein Mantel, selbstgestrickte Socken und Ersatzunterwäsche habe ich vergessen. Das kommt davon, wenn man mit kleinem Gepäck reist….Heute Abend werden wir mit den Jungs Mahjong spielen. Da bin ich sicher vor Spot und Kälte.

Stephan hat den Liebessong aus Blue Valentin aufgenommen und wir hören ihn auch im Zug.

Es gibt Steinpilzrisotto und Pizza mit Steinpilzen, die roh eingefroren wurden.

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Stephan zeigt Yunfeng die Bilder aus Potsdam und er: und das sollen Chinesen sein? Jetzt fällt mir wieder ein, dass mir auch vor Ort aufgefallen war, dass die Figuren im Chinesischen Haus nicht wie Chinesen ausschauen. Wie jemand, der noch keine Asiaten in echt gesehen hat, quasi Phantasieelefant oder in diesem Fall weniger phantasievoll: Europäer mit etwas länglichen Augen.

Wir hören laut Musik und beobachten die Straßensperrung der Polizei am Schlump und das Durchfahren von ca. 40 Fahrzeugen. Ich sage, cool, Krawalltourismus und wir sind im gesperrten Gefahrengebiet, aber alles bleibt ruhig. Ist zu kalt und kein Demo-Wetter.

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Dann spielen wir Mahjong mit den schönen roten Steinen und ich gewinne ein Spiel mit über 350 Punkten. Da ich sonst in einigen Spielrunden hinten liege, freue ich mich, dass ich beim Meister wieder mal gut punkte und erkläre den Spieleabend für erledigt nach diesem überragenden Erfolge (ein normales Spiel bringt vielleicht zum Vergleich 16 oder 32 Punkte).

Wir sprechen die Jungs aufs Heiraten an. Thomas soll unter die Haube bevor er 50 wird. Das wird nicht klappen. Zu seinem Geburtstag lädt er uns ins Le Moissonnier ein. Da sagen wir gleich zu und freuen uns. Er will uns nächstes Jahr zu einer Doppelhochzeit überreden bzw. wir hätten das ins Spiel gebracht (was stimmt). Die Schwiegereltern aus China sind vielleicht das letzte Mal da und sie sind flexibel und kommen nach Hannover. Wir hatten schon viel geplant (Crepewagen und Kaffeemobil vor der Kirche, die Pastorin aus Eilvese, Menüfolge von Dieter Grubert mit Gänsestopfleber, Fisch, Taube oder geschmortes Fleisch und Peche Melba, 70er Jahre Saal, ehemalige Postkantine usw.) und dann nicht umgesetzt. Wir sollten das vielleicht machen, schließlich wissen die Jungs auch, wann sie sich das erste Mal geküsst haben, am 10.04.1989 und wir im Februar 1987 und ich habe außer mit meinem Mann nach der Heirat nur mit diesen zusammen gelebt und vielleicht passt es ja. Langjährige Beziehungen, die noch mal bewusst „ja“ sagen auf die ein oder andere Art. Sie rechtlich und wir symbolisch und für eine neuen Hochzeitstag. Thomas will Karaoke. Das finde ich auch lustig, sowie die Vorstellung der verschiedenen Schwiegereltern, die sich hier begegnen würden. Ich sage Thomas, dass ich seinen Schwiegereltern gegenüber meine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen werde, dass ihr Sohn nun seinen langjährigen Vermieter heiratet.

Telefonate mit Claudi. Wir gehen in die goldene Gans essen, weil ich als Abstinenzlerin nicht für die Kneipentour taugen und man praktisch nur mit uns essen kann. Vielleicht kommen die Jungs dazu.

Thomas hat eine Ärztepärchen geoutet, die beide gleichzeitig am selben Ort Urlaub gemacht haben. Er ist klug und wenn die Polizei solche Ermittler hätte wie Thomas und mein Mann würde einiges anders laufen.

02.05. Auch wegen des kalten Wetter hatten wir bei einer Interessierten, die in Hamburg wohnt angefragt, ob wir heute High Tea machen wollen, aber sie arbeitet. Das hätte ich wohl lieber auch tun sollen. Erst Emailverkehr mit dem Sachbearbeiter von Frau Yoga. Ich überlege, ob ich aus dem Krisengebiet Schanze als Grußformell schreiben soll, lass es dann aber lieber. Dann Arzt aus der Psychiatrie Wunstorf. Herr PM ist gestern nach PsychKG eingefahren, er hält sich für jemand anderes und war gestern nach Drogenkonsum stundenlang orientierungslos herumgeirrt. Ich berichte, dass eigentlich alles positiv gelaufen sei und ich gerade die Bestätigung der Rückgabe der alten Wohnung bekommen habe. Muss Montag den Antrag auf betreuungsrechtliche Unterbringung stellen. Die geistig behinderte Betreute wollte Geld holen und hat nichts mehr zu essen. „Scheiße“, dass ich nicht da sei. Das ginge nicht immer so auf Abruf. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass sie Hunger leiden muss.

Weil ich hier schon mal gewohnt habe, fühle ich mich wie zuhause und mache mir Kaffee und einen Ingwertee und schnüffele in der Küche herum bis ich den leckeren Rohzucker, Farin mittel oder wie das heißt in den großen 2 kg Gewerbecontainern finde. Ich hatte meine Tür mit „intravaginale Bestrahlung“ beklebt und der Lackschaden ist heute noch sichtbar.

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Es ist 11 Uhr und Yunfeng ist auch wach und hat seinen Physio-Therapie-Termin verschwitzt. Ich bin seit 8 wach und habe kalte Füße. Ich hatte gestern Hamam vorgeschlagen zum Zeitvertreib bei der Kälte, aber das ist ja doch nichts für mich. Vielleicht die Kaffeerösterei und dann um 16 Uhr bei Claudi sein.

Die Hinrichtung halte ich immer für einen bestialischen Akt, bei dem der Staat sich auf dieselbe Stufe stellt wie die Verbrecher. Noch schlimmer, die haben im Affekt gehandelt, wenn sie es überhaupt waren und hier wird kaltblütig vollstreckt. Das ist noch schlimmer. Im einen Fall verabreicht der überforderte Erziehungsberechtigte eine Ohrfeige aus dem Affekt heraus und das andere kann im Film „Das Weiße Band“ beobachtet werden, wenn die Bestrafung völlig überlegt und angekündigt kommt. Heute Abend um 18 Uhr werde ich die Strafe ausführen. So etwas hat mein tiefreligiöser Patenonkel im tiefsten Schwarzwald auch an seinen Kinder exerziert und ich habe es furchtbar gefunden. Auch Stephan regt sich zu Recht über den Todeskampf auf, über den auf Spiegelonline berichtet wird. Mit Elektroschockern in die Zelle verfrachtet und dann keine Vene gefunden und dann eine in der Leiste genommen, die dann geplatzt ist und nur das Gift gelangte in den Körper und dann Todeskampf und Schmerzen und nach einer ¾ Stunde Herzinfarkt. Man habe die Hinrichtung abbrechen müssen, weil keine geeignete Vene gefunden werden konnte und auch kein Giftcocktail mehr zur Verfügung gestanden habe. Das ist mal gründlich schief gegangen, würde ich mal sagen. Ich sage zu Stephan, warum, ihm würde es genauso gehen. Es meine er denn, wie sich seine Venen zusammen ziehen würden in dem Fall, dass ein Giftcocktail gespritzt werden sollte. Er müsse aufpassen mit Kapitalverbrechen in den USA.

Ich beobachte meinen Mann gerne beim Rasieren. Er macht das gut, sagt aber das sei intim, weil es auch mit Bluten und so zu tun hätte. Wir sprechen über Krankenkassen. Die TK ist die beste, sage ich. Die machen integrierte Versorgung und so. Stephan moniert, dass sie keine Zahnreinigung bezahlen. Das sei auch egal. Er ist anderer Meinung. Ich muss an den Rockerarzt von letztem Freitag denken, der sich entschuldigte, weil er Kaugummi kauen würde. Das sei nicht unhöflich gemeint, sondern ärztlich verordnet um dem Zahnfleisch zu helfen. Ob das nicht zu spät sei, meint er selber.

Das Unwichtigste habe ich dabei: frische Unterwäsche, keine Schlafbrille, keine Wollsocken, keine Jacke, aber so was. Ich klaue Thomas einfach einen Werbekulli. Mal sehen, was diese Freundschaft so aushält.

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Nach dem Frühstück legen wir uns wieder ins Bett zum Aufwärmen und ich muss dann Stephans Club RTL Jacke tragen, weil Eitelkeit ist hier fehl am Platze. Schließlich verlassen wir das Haus vor unseren Gastgebern, weil das zuhause herum drücken einem auch nicht angezeigt vorkommt. Wo sollen wir bloß hin? Eine neue Kaffeerösterei hinten Tim Mälzer? Stephan trinkt keinen Kaffee und mir ist kalt und ich bin anti. Wir fahren erst mal Bahn, da ist es schön warm. Dann Kunsthalle, die Kriegsbilder von Otto Dix, das kann ich immer schauen. Es ist der lange Weg zum Bahnhof und irgendwie landen wir am falschen Ende und dann im Museum für Kunst und Gewerbe in einer Coco Chanel Ausstellung, die ich schon plakatiert gesehen habe. Ich in einer Modeausstellung mit einer Club-RTL Bomberjacke. Das verbessert die Laune keineswegs. Die Kleider sind schön, gerade die 60er Jahre Wollkostüme, aber die Alte hatte einen Sockenschuss. Menschen, die schlechtes Essen nicht von gutem unterscheiden können und auf den Mond wollen und die um 22 Uhr kommen, wenn man um 20 Uhr zum Essen eingeladen hat und das normal finden. Sie schimpft und lästert vor sich hin als alte, dürre Schreckschraube. Da passt dieser Karl Lagerfeld mit seiner Klatsche gut rein. Auf den fahren die Hamburger total ab, weil er von hier kommt. Im Erdgeschoss wird andere Mode gezeigt, die aber auch z.T. sehr ansprechend ist und für Nähnachmittage vorgemerkt werden muss, gerade die alte Unterwäsche kann offenbar salonfähig gemacht werden. Die entsprechenden Modelle sind von Jill Sander.

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Am Schlump kaufe ich mir warme gebrannte Mandeln. Ich brauche jetzt was zum Trösten und Zucker. Ich merke, dass ich total Anti-Hamburg bin, mich nervt hier echt alles und diese Stadt ist nicht meine und ich lasse es leider meine Freunde spüren, die natürlich nicht erfreut sind, wenn man ihre Stadt so ablehnt, dass ist so ein bisschen wie das Kind dumm oder hässlich finden. Ich sage, echt jede Stadt mag ich Frankfurt, Köln, München, Berlin, Nürnberg, Fürth, aber dies Hamburg. Diese unfreundlichen Leute und dann bin ich selber extraunfreundlich, was es noch verschlimmert. Am Schlump lassen einen die doofen Autofahrer nicht über die Straße, obwohl sie 50 Meter später ohnehin rot haben. Rücksichtlos Man will mit der flachen Hand auf die Kühlerhaube schlagen. Das wäre bei uns nicht so und im Bus wird nicht geguckt, wer steht schon länger und hat Gepäck, sondern es herrscht die reinste Ellbogenmentalität und schnell sitzen und vorbei drängeln, jeder kämpft für sich und es herrscht keine Freundlichkeit. Ich lästere natürlich laut darüber. Ich habe hier sogar schon mal gewohnt und fand es auch in dieser Zeit nicht gut hier, ist einfach nicht meine Stadt. Dann echt lieber Nürnberg und Regensburg oder Frankfurt oder Köln, aber eigentlich strebe ich eh keinen Wechsel an.

Bei Claudia ist es warm, sie macht es warm mit Wolldecken und Wärmflaschen und wir trinken Ingwertee und essen Kuchen, Mangocheesecake und Rührkuchen, sie duscht und wir gehen in die Goldene Gans.

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Da ist es ganz lecker, auch wenn ich unter Pastrami auf dem Salat nicht 3 hauchdünne kleine Scheiben verstehe. Wir haben Diskussionen über den Sinn einer Konfirmation, (machen das die jungen Leute nur um das Geld abzugreifen) und wie man sich zu positionieren hat. Anschließend in die Laudrette, der Laden, wo sie Morgen feiern wird. Ein bisschen Disko hinten drin, eine sehr nette Bedienung und einen leckeren, alkoholfreien Drink. Was will man mehr. Meine Batterie ist leider fast alle und ich kann mich nicht mehr so gut unterhalten. Dann 12 Uhr und endlich das Geschenk. Lakritze aus Berlin und mal zusammen nach London. Claudia freut sich. Auf dem Heimweg treffen wir die Jungs, Gäste von Morgen, einer aus San Jose, aber meine Spitzigkeit fehlt. Noch mal Tee und Wärmflasche von der umsichtigen Gastgeberin (ihre Wollsocken hatte ich durchgehend an) und ich schlafe wie ein Stein. Als ihre Eltern den Geburtstaganruf starten werde ich wach um 9:45 Uhr und die Sonne scheint mir ins Gesicht.

03.05. Lecker Kaffee. Claudi hat eine Email von ihrem Ex bekommen, auf die ich antworten will, aber mit eigenem Namen als Sekretariat Claudia. Sie hat geträumt vom Yoga-Challenge, den ihre Freundin Lena auch machte in ihrem Traum. Die Nachbarin der Eltern kann nach Meinung der Mutter bald nicht mehr alleine leben, wochenlang hat sie nicht gewaschen (Wäsche), die Putzfrau macht nichts und Claudias Mutter muss den Haushalt schmeißen. Claudia schenkt mir 2 Bücher, u.a. ein neues von Friedrich Torberg und ein anderes aus Wien sowie den Nescafé aus Griechenland in der taillierten Dose. Überhaupt ihre Erzählungen aus Griechenland und von Athen machen Lust da mal hinzufahren. Sie geht bald aufs Everlast-Konzert, aber der Juli ist bei uns zu voll. Ich werde ihr selbstgeklebte Tüten aus dem Physikbuch sowie eine Retro-Seifenschale schicken. Wir wollen im Stadtteil etwas bummeln.

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Erst lassen wir uns anfüttern mit Gummibärchenmaterial und kaufen gleich (Waldmeisterbärchen und Rosen) und dann ein Strickladen, wo ich überteuert für 7,50 € ein gehäkeltes, gelbes Seepferdchen kaufe. Kaffee beim Franzosen, Kaffee gut, Backwaren schlechter als im türkischen Backshop in Berlin, aber lieb dekoriert mit Körben usw. Aufmachen ist alles, gerade in Hamburg. Claudia darf doch nebenan nicht aufs Klo, obwohl ein Bekannter, der ebenfalls Kaffee trinkt, ihr sagt, die seien ganz nett. Aber nicht zu ihr. Wir überlegen mal zusammen nach Tel Aviv zu fahren. Schön Strand und Bauhaus und lecker Essen. Ich verwechsele das erst mal mit Tel Aviv, der Strandbar in Wien und behaupte, wir seien schon da gewesen und es war sehr nett. Stephan lauscht amüsiert unserem Missverständnis. Dann Rotes Kreuz (Kiloladen), da will ich hin). Ich kaufe auf den billigen Seite 4 Teile für 4 €. Ein langärmeligen BW-Pulli, bei dem man die Eule auf meinem Kleid sieht, aber ich nicht mehr frieren muss und selbstgestrickte Kinderfäustlinge in den spanischen Farben, asymmetrisch. Die sind toll und sprechen mich gleich an. Das gibt ein prima Hütchen mit dem Seepferd. Dann noch ein Rock in rosa-lila-blau mit etwas weiß kariert (mal sehen, ob der getragen wird) und ein Gretarschloch T-shirt „Lieber ne Flasche Bier als Freund, als ne Flasche als Freund“. Dann Tee kaufen bei Claus Kröger und teure Schokolade. Die Flaschendeko im Schaufenster stürzt ein im Dominoeffekt. Auch nicht schlecht, etwas Unterhaltung fürs Geld. In der Sonne ist es warm. Viele sind mit Kindern und Kinderwagen unterwegs, verstehen aber keinen Spaß. Claudia will zu H & M und ich sage „nein“, sie kauft doch wieder ein schwarzes Kleid und davon hat sie genug. Ich bin auch eine fiese Freundin. Dann gehen wir zum Vietnamesen, aber statt dem bewährten „Wild Rice“ einen neuen, der empfohlen wurde, „Green Papaya“ und die würzen mit Maggie. Claudia ist entsetzt. Der Minztee mit Honig schmeckt gut.

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Zurück zu ihr. Vorher noch der Laden mit den englischen Waren. Leider keine Butterkekse, aber Scones zum Aufbacken und das ein oder andere was ich gebrauchen kann, Postkarten, wiederum alte Propagandaplakatmotive aus dem 2. Weltkrieg, die mich ansprechen, einen kleinen Teller mit einem Uhrenzifferblatt drauf zum Verschenken und Fudge. Anprobe für abends (und ich berate meine Freundinnen ehrlich) und dann ist es Zeit zu gehen. Claudia geht gleich ins warme Bikram-Studio und macht Yoga mit ihren Freunden, die können auch alle richtig feiern, während mit mir nichts mehr los ist und wir kehren nach Hause zurück. Auch gut so. Mit dem Bus, Kurzstrecke zum Bahnhof Altona. Hier bekommt Stephan noch seine Franzbrötchen von zwei verschiedenen Bäckern und wir testen und wir fahren schön Zug. Das schwule Pärchen vor uns macht einen auf Nachtflug und stellt den Sitz weit zurück, aber ich kann trotzdem vor mich hin schreiben und klackern. Ich hoffe, das nervt die. So macht mich Hamburg, wird Zeit, dass ich wieder normal werde. Ich überlege, ob meine Abneigung daher kommt, dass ich hier in der Stadt meine Lähmung bekommen habe und richtig krank wurde, ob ich es der Stadt vielleicht übel nehme. Ich habe jedenfalls auch hier gewohnt und werde nicht warm mit der Stadt.

Ich schreibe Text für die Konfirmation und beschließe den Fudge zu verschenken. Das kennt der junge Mann vielleicht noch nicht. Die Freundin aus Köln kommt spät, d.h. um nach halb neun, weil ihr Billigzug Stunden brauchte und ich bin müde. Wir gehen eine Pizza essen ins Mio Mio, obwohl sie zu viel italienisches Essen isst und es ihr zum Hals raushängt und sie lieber Thai mag, aber auch kein Reis, zumindest kein Risotto. Gut, dass wir nicht gekocht haben. Ich muss mir anhören, dass es gut sei, dass ich nicht mehr trinken würde, dass wäre wohl zu viel gewesen, hätte sie gehört von Stephan. Ich denke, da kritisiert mich ja die Richtige und bin eingeschnappt. Wir gehen alle früh zu Bett.

04.05. Ich thematisiere noch mal morgens, warum meine gesundheitlichen Themen hinter meinem Rücken besprochen werden und gerade von Leuten, die genug eigene haben. Ich traue mich nicht das weiße gesteppten Polyesterkleid anzuziehen, was etwas aussieht, als wäre Oma aus dem Krankenhaus geflohen, weil der Konfirmand soll keinem Spott ausgesetzt sein. Ich denke unweigerlich an die gehässigen Konfirmanden neulich aus der Bahn. Wir fahren zur blauen Glashaltestelle und dann nach Neustadt. Dort stehen wir eine Weile am Hinterausgang des Bahnhofs und werden dann von meiner Schwiegerfamilie eingesammelt. Wir fahren vorbei an der Baulücke Bahnhof, wo sie innerhalb kürzester Zeit irgendwelche Gebäude weggerissen, d.h. dem Erdboden gleich gemacht haben und man kann sich gar nicht mehr daran erinnern, was da überhaupt stand. Mein Schwiegervater fliegt schon vor der Kirche aus dem Auto. Wow, hier ist wieder ein harter Umgangston angesagt. Stephan sagt später, er habe auch aussteigen wollen, damit er nicht so lange laufen muss. Irgendwie kam das anders rüber. Moderne Kirchen kenne ich ja, aber diese Kirche sieht aus wie ein Wohnhaus. In der Familie des Vaters haben etliche gesundheitliche Themen und ich werde kurz dazu gebrieft. Die Kirche ist voll und es steht eine Ampel auf der Kanzel und ich denke, Lichtanlage? Es singt ein gut gelaunter Chor englisch sprachige Lieder. Die Mädchen sehen aus wie volljährig und sind aufgedonnert, die Jungs sehen aus wie Bubies um die 11-12. Die Mädels waren offenbar seit 7 Uhr beim Friseur und haben sich maximal gekünstelte Locken und Lockensteckfrisuren fertigen lassen, die schwer einbetoniert sind, dass die Kreuze am Lederband beim Umhängen Widerstand leisten, wenn sie gegen die steifgesprühten Haare prallen. Mensch, natürlich ist angesagt, sehen die nicht, welche Frisuren Kate trägt? Dafür haben sie mehr soziale Kompetenzen als die Jungs und schaffen es danke zu sagen. Die letzte Gruppe der Jungs bewegt dann auch die Lippen. Sie haben es sich abgeschaut.

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Zwei Reihen vor uns sitzt Herr Rösler, den Kathrin neulich im Flieger für Yunfeng gehalten hat. Ein kleines Mädchen vor mir ist von mir sehr fasziniert. Der Dirigent des Chores trägt einen Schal in Regenbogenfarben (Gay Pride mäßig) und die Chormitglieder sich je nach Stimmlage farblich auch schalmäßig ausgestattet bzw. abgestuft von gelb, blau bis hin zu weinrot. Der Pastor hält eine nicht nachvollziehbar Predigt über die Ampelmännchen, die ihn an den Gekreuzigten erinnert hätten und er habe sich über so viel christliche Symbolik in der DDR gewundert und es sei auch das Segenzeichen und wenn man zwei Ampelmännchen an einander stellt, ergibt das eine Menschenkette und das ist der Zusammenhalt in der Gemeinde der Christen. Schon mal was von an den Haaren herbeigezogen gehört? Die „Konfis“ bekommen Türschilder mit Ampelmännchen, damit sie „Stopp, jetzt Privatsphäre, aber frag ruhig warum und wie es mir geht“ bis hin zu „komm rein, ich bin bereit“ alles signalisieren können. Vielleicht auch „Bitte Zimmer aufräumen“ als Hinweis an die Mütter, wie später bei uns am Tisch gescherzt wird. Die Konfirmanden sollen das letzte Stück zusammen mit dem Chor singen. Das klappt eher schlecht und sie ziehen aus der Kirche und empfangen die Gemeinde draußen als Spalier.

Bei uns geht es weiter mit Spargelmenü in einer Gastronomie, die heute voll ich mit Konfirmationsgesellschaften und einem Freund von K. kommt dazu, den ich frage, ob er nächste Woche dran ist um zu erfahren, dass er keine Konfirmation macht und auch Wert und Norm als Schulfach hat. „Ja, und wie will er das finanzielle Loch stopfen?“ Will ich dann von ihm wissen. Über Geburtstage, lautet die sympathische Antwort. Ich schlage K. vor, dass wir für seinen Freund sammeln oder er was von seinem Reichtum teilen müsse. Unsere Kölner Freundin hatte noch gestern Abend von ihrer Jugendweihe erzählt. Der Konfirmand und sein Kumpel essen den Spargel immer noch mit Ketchup. wie damals. ich kann es nicht fassen, dass die Kindheit offenbar gastronomisch voll andauert.

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Die Eisportionen sind sehr unterschiedlich groß und während ich ein ca. 10 cm dickes Stück bekomme, hat Stephan weniger als die Hälfte, was er natürlich moniert. Ich frage eine Verwandte gegenüber, wie lange ihre Konfirmation her sei und erkläre ihr das Dilemma der Rentnerperspektive als sie mir antwortet: 5 Jahre. Für mich sehe sie genauso aus, die die Mädels heute in der Kirche und sie könne vermutlich auch nicht sagen, ob ich vierzig oder sechzig sei. So sei das eben mit etwas Altersabstand.

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Anschließend fahren wir zu dem Konfirmanden nach Hause und essen weiter. Den Blumenschmuck nehmen wir mit, der ist bezahlt.

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Der Vater und Schwiegervater fliegt aus der Küche. Meine Schwiegermutter und Schwägerin machen Schnittchen. Der Konfirmand hatte sich Rehrücken gewünscht und als es nun Spargelmenü geben sollte, wollte er wenigstens einen süßen Rehrücken und das war schwieriger als gedacht, aber die Frauen in der Familie haben alles getan um seine Wünsche zu erfüllen.

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Er sitzt vor dem großen Stapel aus Briefumschlägen und sein Freund hilft ihm Buch zu führen. Die Karten werden nach Aufforderung laut verlesen und der Geldbetrag wird sowohl in eine Liste eingetragen als auch auf den Umschlag geschrieben.

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Der Konfirmand mit seinem Pflaum auf der Oberlippe erinnert uns unweigerlich an Zero aus „Grand Budapest Hotel“. Ich will die Meerschweinchen sehen und die werden in der Garage gehalten. Ich versuche sie mit einer Erdbeere zu locken, aber sie sind sehr menschenscheu und als ich nassforsch das Gitter entferne ist alles zu spät und quickend kauern sie zusammen. Ich lass es dann. Später machen wir einen Spaziergang durch die Neubausiedlung und betrachten die verschiedenen Häusertypen, die für mich oft ausschauen, wie Musterhäuser. Dieter braucht einen Gullideckel. Wir suchen schon mal ein schönes Objekt. Ich sage, wie eine polnische Einbrechertruppe, bei Helligkeit schauen und später dann holen. Dieter pflückt Löwenzahn. Ich tue es ihm nach. Das mögen die Meerschweinchen weiß er und sie fressen ihm aus der Hand und er steckt die Finger durch die Glitter und streichelt sie immer wieder und redet ihn gut zu. Er ist sehr geduldig und ich erkenne meinen Mann in seinem Vater. Das sei eine Schande, dass man sich so wenig mit den Tieren beschäftige, früher sei es noch schlimmer gewesen und ihnen immer Gurken und so kaufen, dabei mögen sie das frische Grün am liebsten. Er hat sowohl den Käfig in der Garage als auch den für draußen gebaut. Innen schwindet die Familie des Vaters und die Arnholds sind bald unter sich. Ich wühle mich sehr wohl bei meiner Familie und wenn die Schwiegermutter ihren Mann wieder anherrscht sage ich, kein Wunder, dass Dieter keine Angst vor den Meerschweinchen hat. Es ist eine ausgelassene und gute Stimmung. Stephan und ich helfen verlässlich die Schnittchen zu dezimieren.

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Meine Schwiegerfamilie fährt uns zum Bahnhof und bleibt im Auto und wir winken immer wieder. Ob sie bleiben wollen, bis der Zug einfährt. Ich brülle über die Gleise: „Danke, Dieter, dass Du mir gezeigt hast, wie man Meerschweinchen füttert“. Das reicht jetzt wohl und der weiße Mercedes fährt los.

Wir kommen spät nach Hause und die Freundin noch etwas später. Ich entdecke neue Kunst in der Rampenstraße, die wohl zum Teil schon zerstört wurde.

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Die Oma, die Geburtstag hatte, hat immer vom Sterben gesprochen und wer alles verstorben sei (soundso ist aufgewacht und gestorben. Ist das nicht schön?) , auch wenn man diejenigen nicht kannte, so das Fazit der Enkelin, sie mochte es jedenfalls nicht mehr hören. Heute kann keiner mehr was essen, außer etwas Lakritze aus Berlin. Ich bügele eine Runde. Dann gehen wir ins Bett.

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Die Radbruch-Theorie

28.04. Ich stehe auf Busfahrer, wenn man überhaupt auf einen Berufszweig stehen kann. Die sind meistens coole Säue, die nichts aus der Ruhe bringen kann und die einzigen, wahrhaft sozialen Autofahrer. In Hannover flirte ich regelmäßig mit dem ein oder anderen und habe das Gefühl, dass es auf Gegenliebe beruht, zumindest teilweise.

Heute steige ich der Stellenleiterin der Jobcenters, deren Email Adresse die Jobvermittlerin mir fahrlässigerweise gegeben hat richtig aufs Dach und es wirkt. Die Jobvermittlerin hat schon eine Anhörung rausgeschickt, weil Frau Yoga nicht bei der Arbeitsvermittlung war am 25.04. Das war alles schon doppelt und dreifach geklärt und ich hatte vorsorglich auch noch ein Fax geschickt, weil man sich da auf nichts verlassen kann, außer dass sie mahnen und kürzen. Die Anwältin der Hausverwaltung schaue ich mir vorher im Internet an. Sie wirbt mit einem Zitat von Gustav Radbruch:

„Recht ist Wille zur Gerechtigkeit.“

Radbruch ist nun genau mein Thema. Genauer gesagt, die Radbruch-Theorie. Ich habe für mein erstes Staatsexamen in Jura auf dem Gebiet Rechtsphilosophie über die sog. Radbruch-Theorie eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben, die über 500 Fußnoten hatte, z.T. die Fußnote in der Fußnote und mehr an eine Doktorarbeit angrenzte als alles andere. Ich habe dafür zu wenig Punkte bekommen und ich meine, es war eine inhaltliche Zensur. Die These, die zu belegen war, lautet, dass der Rechtspositivismus der 20er Jahre den Weg zu Hitler geebnet habe und ich habe diese Theorie widerlegt, statt sie zu untermauern. Diese sog. Radbruch-Theorie besagt, dass der böse Rechtspositivismus, der kurz zusammengefasst besagt, dass man als Jurist und Richter an Recht und Gesetz gebunden ist und Gesetze umsetzen muss, die Juristen quasi willenlos gemacht hat, weil sie nicht erkennen konnten, dass es Unrecht war, was sie taten. Der Gegensatz zum Rechtspositivismus ist z.B. Naturrecht und ich war der Meinung nach meinen Recherchen, dass die Nazis mehr mit Naturrecht gearbeitet haben. Dieses ganze völkische Zeug, mit dem sie die Ausgrenzungen gerechtfertigt haben ist quasi Ersatzreligion und hat mit formellem Recht gar nichts zu tun. Die bekannten Rassegesetze waren nur die Spitze des Eisberges und kamen zeitlich viel spät ins Spiel. Die Juristen waren nicht durch die veränderten Gesetze geknebelt, die sie anwenden mussten, sondern haben im vorauseilenden Gehorsam die Ideen der Nazis umgesetzt. So war keine einzige Änderung der Bürgerlichen Gesetzbuches vonnöten. Die Richter haben einfach definiert, dass Juden nicht zur Volksgemeinschaft gehören und daher auch nicht zur Hausgemeinschaft und damit automatisch ihre Rechten in Mietverhältnissen verlieren, ohne dass ein Buchstabe des Mietrechts geändert wurde. Besonders eindrucksvoll war das im Strafrecht. Man hat sich sogar bewusst über bestehende Gesetze hinweggesetzt, was mit Rechtspositivismus nun gar nichts zu tun hat, wenn z.B. erst ab 16 die Todesstrafe für Deserteure verhängt werden durfte, hat der zuständige Richter, der nun einen fremdstämmigen 15-Jährigen vor sich hatte, der durch einen Diebstahl von Lebensmitteln die Wehrkraft zersetzt hatte kurzerhand überlegt, wie würde der Führer entscheiden und dann war die Hinrichtung ohne weiteres möglich und auch angezeigt. Das jedoch hat nichts mit Rechtspositivismus zu tun und der Theorie, dass die armen Juristen durch den Glauben, das Recht umsetzen zu müssen, willenlose Werkzeuge waren. Sie haben als Vorreiter der Nazis alles umgesetzt bevor oder ohne dass Gesetzesänderungen überhaupt erforderlich waren. So was lesen die Juristen natürlich nicht gerne.

Die Telefonate mit der „Radbruch-Frau“ verlaufen etwas eckig und kantig und sie will taktieren, dass die fristgerechte Kündigung auch noch nach Zahlung der Mietrückstände im Raum sei und ich drohe damit, dass nicht zu akzeptieren und vom Amtsgericht prüfen zu lassen, weil meiner Betreuten sei ein weiterer Umzug nicht zumutbar sei und ich das nicht zulassen werde, dass sie ihre Wohnung verliert und da könne sie sich ja überraschen lassen, was Betreuung beim Amtsgericht in Mietsachen so bewirken kann. Übermorgen soll erst Mal Vorabnahme sein, aber es wird noch rot sein und nicht gestrichen. Ich sage, lieber dran bleiben und biete daher im Interesse des Vermieters diesen Termin an zu dem ich fahren muss. Am späten Nachmittag warne ich sie kurz, dass der Sachbearbeiter vom Jobcenter, dem seine Chefin und die Chefin darüber nun aufs Dach gestiegen sind aufgrund meiner Mails sich bei ihr melden wird. Es geht darum, ob die Mietkosten als angemessen anerkannt werden, also soll sie nichts Falsches sagen, weil wir das Darlehen sonst knicken können. Sie bedankt sich für die Vorwarnung. Ich habe überhaupt das Gefühl, dass sie recht beeindruckt ist von meinem Arbeitstempo. Kann man auch sein.

Morgens kommt mein kurdischer Betreuter und seine Frau, mit der er nur 3 Kinder hat, aber nicht verheiratet ist. Es geht um den Vorwurf des Kreditbetruges, weil hier jemand gefälschte Lohnabrechnungen von ihr eingereicht hat als Reinigungskraft bei einer Baufirma um einen Autokredit zu bekommen. Sie war es jedenfalls nicht und hat immer nur brav gezahlt. Sie haben keinen Darlehensvertrag geschlossen, immer nur Raten bezahlt, so ihre Wahrnehmung. Das jüngste Kind, ein Mädchen haben sie dabei und es singt fröhlich. Mein Betreuter will noch eines und seine Frau sowie ich sagen beide nein. Ich sage, sie ist doch keine Maschine und das zarte Ding wiederholt das, „ja, ich bin doch keine Maschine“. Sein Arzt hat zugleich empfohlen, dass ich Betreuerin bleibe „er mich behalten darf“.

Herr Ihme war natürlich nicht bei der Spritze und ich muss Morgen hin.

Ich habe in einer Woche Termin bei der TCM-Ärztin.

Beim Sport fragt mich Mikael, als ich im Treppenhaus mit nackten Füssen und Trainingshose in meinen Ansatzschuhen stecke, ob ich so im Büro gewesen sei. Ich sage, nein, nur freitags, das ist Casual Friday. Auch 3 andere Frauen machen Doppelkurse, aber für Aufsehen sorge ich offenbar mal wieder.

Stephan hat mir Blue Valentin aufgenommen, den ich gerne gucken wollte bis kurz vor 12. Was für ein trauriger Liebesfilm, weil die Liebe nicht erwidert wird und er so schön konsequent ist, aber es ihm nichts bringt.

29.05. Kurz ins Büro, dann zu meinem Termin beim Oststadtkrankenhaus. Hier ist mal Street-Art der anderen Sorte zu bewundern.

Schachtelgirlande

Die Alkoholikerbetreute ist dick geworden, genau wie ihr Hund.

räudiger Dickie mit Walross 3

Außerdem hat sie noch einen Vogel und auf dem Balkon ein Kaninchen. Der reinste Privatzoo. Der Jagdhundmischling der ambulanten Wohnbetreuung zittert vor Aufregung, weil das Kaninchen frei herum hoppelt. Frau KV hat den Ratenzahlungsplan für die Badermöbel zu einer Wandinstallation verarbeitet.

Widder mit Mahnung

Ich boxe sie aus einer Sache raus (Tierheimkosten für abgegebene Katzen und zack schließt sie eine Ratenzahlungsvereinbarung ab). Sie hat einen grünen Daumen und eine neue Waschmaschine von einer Haz-Spende bekommen. Den persischen Tee der Wohnbetreuung will sie mir schenken mit den Worten, sie wisse nicht, wo sie den her habe. Die Wohnbetreuung protestiert, dass er von ihr sei und so gehe sie mit Geschenken um. Die Tochter der Betreuten, die ich auch kenne, erwartet ein Kind am 02.06. Sie sei mit einem Türken zusammen, den sie noch nie kennen gelernt habe. Die Wohnbetreuung vermutet, dass die Mutter ihrer Tochter peinlich ist. Das kann schon sein. Es geht viel um Mr. Lover. Ein rassistischer und gewalttätiger Freund der Betreuten, auf den sie stolz ist, weil er mehr als 10 Jahre jünger ist. Während die Wohnbetreuung sich als Therapeutin versucht und feststellt, dass sie ihre eigene lieblose Kindheit du den gewalttätigen Vater in ihren Männerbeziehungen wiederholt, sieht die Betreute das anders. Nach 3-4 Tagen seien die Männer schwanzgesteuert. Dann würden sie Druck ablassen wollen. Er würde dann nachts klingeln und sie wecken und fragen, ob sie besoffen sei. Er würde sich dann selber ein Bier aufmachen und dann Sex haben wollen. Ja und es sei schade, dass sie sich für so was hergebe, meint die Wohnbetreuung und die Betreute ist der Meinung, dass sie auch nicht abgeneigt sei. Ich bin auch der Meinung, dass sie den Typen in den Wind schließen soll, aber das wird wohl nicht passieren. Er beleidigt sie und sagt, sie sei zu alt und nicht attraktiv und dann säuft sie und heult und es ist Schluss, aber nur bis er sie nächstes Mal wieder wachklingelt.

Zahnbürstensalat

In der Bahn im Fahrgastfernsehen die heldenhafte Kängurumutti Claudia und ein Vater, der ein Baby vorne auf den Bauch geschnallt hat und damit eine perfekte Mischung aus Kaiserpinguin und Känguru darstellt. Eine Frau flirtet mit beiden und kriegt sich nicht mehr ein.

Ich muss bei den Wahlplakaten lachen, weil Fleischmann kandidiert tatsächlich. Hier beruhte das satirische Motto: Fleischmann for President auf einer wahren Begebenheit. Ich mag die Axel Brockmann-Plakate weil ich jetzt immer an Kent Brockmann, den Nachrichtensprecher der Simpsons denken muss. Wenn ich könnte, würde ich die Plakate entsprechend modifizieren.

Auf dem Rückweg zu Herrn Ihme, er ist nicht da. Ich steige unten aus dem Fahrstuhl und er steht mit einer Einkaufstüte und seinem bodenlangen Columbine-Mantel vor mir und strahlt mich an. Ob ich bei ihm gewesen sei, will er wissen. Nein, er war nicht da. Ich wollte schon antworten, dass ich hier jetzt auch wohne. Ja, Spritze, er verspricht mir, dass er dort hingehen werde. In 20 Minuten sei er da.

Die Nichte hat Geburtstag und ich telefoniere mit ihr. Sie hat einen Fat Boy geschenkt bekommen, den hat sie sich in einem Möbelhaus ausgesucht und Mama und Papa haben das besprochen, ob Oma und Opa den bezahlt können und das hat geklappt und jetzt ist ihr Bruder ganz neidisch darauf, weil da kann man gemütlich drauf herum fletzen oder ihn zum Sitzen benutzen oder als Tisch oder darauf knien oder auch unbequem darauf sitzen. Ich telefoniere mit der Mutter und mache Smalltalk. Ich erfahre, dass in St. Gallen am 1. Mai kein Feiertag ist, in Zürich schon.

Herr Ihme war nicht bei der Spritze und ich darf es Morgen ein drittes Mal versuchen. Das nervt, weil der gar nichts hinbekommt.

Abends ist das Burgtheater in Hannover zu Gast. Wir sitzen ganz hinten, außen und haben Leselampen wie im Flugzeug. Statt erste Reihe Mitte, letzte Reihe außen, also mal andere Perspektive.

Staatstheaterselfie Staatstheaterbühne von oben

Es ist viel Unruhe bei uns in der Ecke und ständig wollen Frauen raus und manchmal auch wieder rein und es wird viel geredet. Das nervt, kann aber die erstklassige Inszenierung und die weltklasse Leistung auf der Bühne nicht versauen. 3 Schauspieler decken alle Rollen ab und erzählen den Rest. Es ist schön abstrakt gemacht, gerade die Gewaltszenen. Ariel wird von einem lange, dünnen Typ gespielt, der wunderbar devot seinem Meister alle Wünsche erfüllt und immer so eine herrlich devote Körperhaltung einnimmt und „ja, Meister“ sagt, leicht buckelig und rückwärts abtritt. Er erinnert mich an eine Mischung aus Herrn Ihme und einem anderen Betreuten von mir, dem Architekten, der auch Glatze trägt. Ich bin schwer beeindruckt von dem Stück, was auch viele skurrile Ansätze hat mit den Geistern, die im Baum gefangen sind, aber eben auch voller tiefer Weisheit steckt. Als Prospero geläutert ist und nicht mehr auf Rache sinnt, stellt er fest, wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser winziges Leben ist umfüllt von Schlaf. Wie viel Weisheit und Poesie hierin steckt. Ich bin richtig gerührt. Ich weiß auf jeden fall auch, wie mein nächster Hund heißt, wenn er am besten noch ein körperliches Gebrechen hat. Caliban, die Missgeburt, Dir habe ich mühsam versucht Sprache beizubringen, schimpft Prospero mit ihm und er wirft sich gerne anderen Herrn an den Hals um dann zurück zu kehren als Diener und festzustellen, wie dumm von mir diesen versoffenen Matrosen als neuen Herren erkoren zu haben.

Im Kunstverein wird ein Typ verabschiedet, über dessen Wegzug aus Hannover ich mich nur freuen kann. Will schon so was wie: immer schön Beratungsdienstleistungen bezahlen auf die Abschiedstafel schreiben, aber ich stehe darüber. Er ist ein farbloser Langweiler, meiner Meinung nach. Er redet lang und langweilig und wir fallen über das Büffet her, was armselig ist, wie die ganze Veranstaltung und aus meinen Umsonstpackung Nimm 2 Lachgummis besteht und schlechter Salami und schlechtem Käse. Das einzige Highlight ist eine Bigband in veränderten Blaumannuniformen mit Putzschwämmen als Schulterposter umrahmt von goldenen Fransen, die spielt und wir kennen einige der Herren die sich hier zusammen getan haben (es sind 19), u.a. unseren begabten Tischler, der ein großes, kompliziert aussehendes Blasinstrument spielt. Ich frage nach dem Auftritt, ob sie sonst auf Beerdigungen spielen, weil es so New Orleans mäßig rüber kommt. Ein Kostüm kann Leute verändern und ein Kleingartenbesitzer und ehemaligen Nachbar, der sonst immer sehr reserviert ist, ist heute wie ausgetauscht und ich will ihm Kölner Karneval verordnen, dass er mal ein bisschen aus sich herausgeht.

30.04. Morgens zu Herrn Ihme. Er ist schlecht drauf und weiß nicht, was gestern passiert ist und will nicht darüber reden. Ich warte vor der Tür, es stinkt in der Wohnung nach verbrauchter Luft und seinem Körpergeruch. Er wird aggro und macht was kaputt. Er kann sein Portemonnaie nicht finden, es taucht doch wieder auf. Auf zum Arzt. Der Mann im Wartezimmer lobt meine neuen Schuhe, in die ich auch ganz verknallt bin. Ja, die gibt es in Hannover zu kaufen. Meiner will schon gehen und ist dann an der Reihe. Seinen Spitzenpass hat er schon für den Filterbau aufgebracht und lässt sich einen neuen geben. Er will noch mit mir einen Kaffee trinken gehen und bettelt, nur 10 Minuten. Ich sage, nein, ich muss arbeiten. Ich schlage vor, dass er heute noch mal um 17 Uhr vorbei kommt, weil er heute Geld bekommt und was bei mir abgeben sollte, damit ich es einteilen kann, weil ich ihm keines mehr leihe. Er kommt nicht, das weiß ich schon, aber ich werde hart bleiben.

Will Lumix-Karten kaufen, aber Enjoy your Camera hat sehr eingeschränkte Öffnungszeiten erst ab 15 Uhr.

Im Büro stelle ich fest, dass ich beim übernächsten Spritzentermin in Paris bin. Ich nerve die Beratungsstelle so lange und nein, am 28.05 bin ich schon im Urlaub, bis ich am 21.05., dem Geburtstag meines Mannes, Hilfeplanung habe und informiere den Träger über den ersten Spritzentermin, den die wahrnehmen müssen, nämlich am 28.05.

Fahre zur Wohnungsübergabe und Frau Yoga kommt mir im Treppenhaus mit Sachen entgegen. Die Wohnung ist nicht ganz leer und die beiden Herren, die erscheinen haben leider keine Geduld und auch kein Werkzeug dabei um die Tür zu öffnen, die nicht aufgeht oder das Wasser abzustellen, damit sie die Spüle herunter tragen kann. Sie brechen die Sache nach 5 Minuten ab. Heute kommen die Kinder der Betreuten. Der Scheidungsantrag ist eingegangen. Wir besprechen uns und ich komme leicht zu spät zum ersten Geldabholtermin. Die Mitarbeiterin des Kollegen hat mir eine email geschickt, dass meine Mandantin da sei. Ich reagiere darauf sehr säuerlich, dass sie mich nicht an meine Termine erinnern müsse, die habe ich selber auf dem Schirm. Ich hatte mich im grünen Wasserschutzgebiet auf dem Rückweg etwas verfahren. Die Vögel sind so laut, dass einem die Ohren abfallen. Er ist alles im Überfluss und herrlich. Meiner Betreuten erkläre ich, dass ich ihr kein extra Kleidergeld zahle, weil sie 90 statt 70 die Woche bekommt und davon was ansparen soll und außerdem kenne sie doch die Kleiderkammer und verkaufe die Schuhe von dort auf ebay. Eine Diskussion ist entbehrlich.

Es folgen noch heftige Telefonate mit der Radbruchanwältin, die immer noch taktieren will mit der unteren Wohnung und ich sage, umgekehrt, ich tanze nicht mehr und mache gar nichts mehr bis ich von ihr die schriftliche Bestätigung habe. Nachdem ich ihr gedroht habe, dass sie ihr blaues Wunder erleben wird, kriegen wir uns beide wieder ein und sie sagt, ihre Mandantin sei sozial eingestellt und vielleicht wird auf das Streichen verzichtet, Hauptsache die Wohnung ist leer. Ich gebe das so weiter und Freitag kommt einer der Wasser abstellt und die Waschmaschine unten anschließt. Frau Yoga fährt gerade zu Ikea und kauft dort Stangen, dass sie weiter Regale aufbauen kann. Ich freue mich, dass meine Dynamik offenbar ansteckend wirkt.

Eine ambulante Wohnbetreuung, die ich nach dem Namen nicht kenne, fragt an wegen Betreuerwechsel. Er bekommt seine Anwältin nie zu Gesicht, nur die Mitarbeiter. Es 25 Jahre alt und drogenabhängig und hat eine Psychose und kommt aus der Wohnungslosigkeit und Mutter war auch drogenabhängig und ist schon tot. Das klingt nach meinem Fall. Wir vereinbaren für nächsten Donnerstag einen Termin zum Kennenlernen. Der Wohnbetreuer weiß nicht, wo mein Büro ist, war also offenbar noch nicht bei mir.

Nachdem meine Suizidbetreute mir gestern anvertraut hat, dass sie sich nicht entspannen kann und ich feststellte, dass wir – auch in diesem Punkt – gegensätzliche Charaktere seien, weil ich fast zu gut und schnell entspannen könne. Sie hat alle Techniken durch und sogar selber eine therapeutische Ausbildung gemacht. Diese Imaginationsübungen richten sich immer gegen sie und ich sage, meiner Meinung nach, zu verkopft, es muss über den Körper laufen. Heute beim Pilates beugt sich eine Teilnehmerin über mich und sagt, ich sähe so entspannt aus und ich: „war ich auch, Schwester, ist jetzt Fieber messen?“.

Statt Tanz in den Mai koche ich Hühnerfleisch mit viel Staudensellerie in Zitronen-Sahnesoße mit Basmati-Reis. Stephan und ich haben beide Kopfschmerzen und gehen früh zu Bett. Telefonat mit Hamburg. Die haben wieder Angst, dass wir ihnen die Pest ins Haus bringen. Nein, Durchfall und Erbrechen sind längst überstanden.

Frauen in Linden Mitte, die besorgt drein schauen

Liebe Leser, wer an dieser Stelle wissen will, warum wir so gelitten haben wie noch nie und ich am Berliner Hauptbahnhof gegen eine Säule gekotzt habe, muss das Berlintagebuch lesen, was folgen wird. Ich bekomme das anders gerade nicht auf die Reihe.

22.04. Viel kann ich heute nicht machen und Stephan noch weniger. Sein neuer Aktenschrank wird ohne sein Zutun aufgebaut, der Augenarzttermin abgesagt.

Ins Büro schleppen, tun was gemacht werden muss ist meine Antwort auf die Frage des Kollegen, was ich hier mache.

Der Gerichtsvollzieher der Stadt Hannover wird Morgen nicht zu Herrn Ihme kommen wegen der Gez-Forderung. Das habe die wieder dorthin zurück gegeben. Das ist gut so. Was lassen die sich auch zum Büttel für diesen Deutschlandbeitragsverein machen und schicken Eintreiber dort vorbei, wo es eh nichts zu holen gibt, bei Leuten, die ohnehin immer die Befreiungsvoraussetzungen erfüllt haben, aber eben keine Anträge gestellt haben. Die sollen auch gar kein Geld kriegen und Johannes B. Kerner ist überbezahlt, sage ich nur.

Post aufmachen. Meine Querulantin Betreute schreibt, dass sie „weder geistlich noch verrückt noch seelisch krank“ ist und die Betreuung aufgehoben werden muss. Sie setzt mir eine Frist bis zum 25.04. das dem Betreuungsgericht mitzuteilen und „P.S.: Eine Kopie dieses Schreibens erhält die Rechtsanwaltskammer, der Deutsche Bundestag in Berlin; CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen, Linken und Medien zur Kenntnis.“ Das Schreiben bekomme ich per Fax und auch per Einschreiben. Alle Achtung bzw. „nicht die Medien“ ist meine Reaktion und Stephan fällt ein, dass die FDP nicht im Bundestag vertreten ist.

Zur Polizei mit Herrn Subutex, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist und derzeit auf Polamidon umgestellt wird, damit das Hirn runtergefahren wird, wie es meint. Mein Knacki, der zur Therapie will ist einer von vielleicht 5 Insassen in der JVA Hannover der Subutex bekommt. Das ist wohl irgendwie teuer oder so. Jedenfalls hat man einen klaren Kopf und das kann mein Traumahase derzeit nicht gebrauchen. Er hat ein Zittern im Bein und in der Hand und ist ein Häufchen elend. Mittendrin rastet er kurz aus und sagt was von „arschgefickten Rumänenkruppzeug“ und das das „noch ein Nachspiel haben wird“. Dann heult er wieder. Seine Mutter ist auch am Ende mit den Nerven. Fährt ihn täglich nach Braunschweig zur Substitution und er vergisst alles, sogar dass Essen im Kühlschrank ist erzählt sie mir. Nachts hat er schlimme Alpträume und hält sich die Arme vor den Kopf. Sie muss ihn wecken und morgens weiß er nichts mehr. Lichtbildvorlage wird nicht gemacht. Der Termin ist nicht so spannend. Die Polizeistation in Ricklingen ist super hässlich und es sitzen 3 im Raum und ich habe das Gefühl, dass die nicht arbeiten, sondern nur die Zeit tot schlagen. Einer schaut immer im Rechner auf eine Maske, die ähnlich ausschaut wie Spiegel online, aber ein Portal der Niedersächsischen Justiz ist. Ich denke zuerst Praktikant, weil der ist jung oder Boys Day, aber ganz selten schreibt er handschriftlich was in eine Akte. Herr Pola spiel tagsüber Poker am Rechner. Das lenkt ihn ab. Ihm gefallen meine Socken. Strumpfhose nennt man so was. Ich gehe zu Rossini, wo es TK-Pasta, große, lecker gefüllte Teigtaschen gibt. Ich nehme Rote Beete und ein Stück Parmesan sowie Mandeln in Schokolade und denke, dass ist ja nur ein Katzensprung. In Berlin wäre das nicht man ansatzweise eine längere Strecke innerhalb z.B. von Kreuzberg, nicht erwähnenswert. Das hat sich alles relativiert und dann die Luxusradwege. Ich bringe die Ware nach Hause und bleibe gleich da und lege mich ins Bett. Wir sind fertig. Die Freunde aus Essen fahren heute ohnehin gleich nach Hause und arbeiten Morgen wieder und die Pasta bleibt im Gefrierfach und ich esse nur die Schokomandeln und gehe dann schlafen. Morgen wird wieder alles normal sein, ist mein Tipp. Ich muss zu Frau Yoga, weil die Miete vom Amt nicht gezahlt wurde, sondern nur der Regelsatz und ich den Mietvertrag einsammeln muss. Ich muss erst mal schlafen.

23.04. Morgens eine SMS von Frau Yoga, dass ich sie telefonisch erreichen kann. Ich danke dem Himmel. Rufe sie an, muss aber heute trotzdem hinfahren. Erst mal telefoniere ich mit meinen süßen Eltern, die zwei Mal im Grand Budapest Hotel waren und ihn für einen der besten Filme der letzten Jahre halten. Ganz meiner Meinung. Dann kommt Herr Manisch, der geheiratet hat und erzählt von einem Bauernhof, der ehemals von seinen Schwiegereltern bewohnt wurde und für den er nur 280,- € mtl. zahlen muss und der hat Tradition und er kann sie da später zur Ruhe setzen und Seminare geben. Dann kommt der Bruder meiner Kollegin, der eher ein Fall für mich ist. Er hat sich mit der Polizei angelegt und jetzt ist seine Hand taub und er kann die Zigaretten neu drehen, während sie brennt und die Glut anfassen (das kann ich selber beobachten) und er will nicht in den Knast. Er hat nur einen Schneeball geworfen, weil er Schnee liebt, wie alle Russen und dann hat er mit dem Turnschuh gegen den Wagen getreten und sie kamen raus, aber das waren keine Polizisten, weil die hatten keine Mützen, auch nicht im Wagen auf der Hutablage. Ich sage, die sehen dort heutzutage alle aus wie Stripper. Das könne man nicht wissen. Er soll sich nicht mit der Polizei anlegen, ist mein Tipp. Er sagt, wenn ich es so sehe, hätte ich das falsche studiert. Ich sage, nicht körperlich anlegen, da zieht man den Kürzeren und es tut weh.

Ich mache Termin beim Unterrumarzt. 1 Monat Blutung. Da muss mal einer nachschauen, ob da unten ein kleines Teufelchen wächst.

Mittags eine Suppe. Ein Mandant stört mich beim Essen und will mich dienstlich anquatschen, obwohl ich abweisend schaue lässt er sich nicht abschrecken und dann zu einer Party einladen, Tanz in den Mai. Da muss man Eintritt zahlen oder verkleidet kommen. Was soll das dann für eine Einladung sein? Seine Ische platzt vor stolz, weil sie Nachwuchs gezeugt haben. Er hat Ähnlichkeiten mit Georg aus Berlin, vom Aussehen und dem Abstammungsland her, aber er hat eine Firma und baut eher ab als auf.

Ich fahre nachmittags mit der Kollegin nach Döhren, schön ab dem Siloah im Grünen. Gefällt mir. Die obere Wohnung im Dachgeschoss ist dunkelrot angestrichen und knallvoll mit Stoffen und Perlenbastelkram. Das wird alles noch ganz schön viel Arbeit. Die Zähler können nicht abgelesen werden, weil die Badezimmertür nicht auf geht. Sie vermutet, dass der Vermieter sie zugeschlossen hat oder sie klemmt so sehr. Als Frau Yoga das Schreiben von der Anwältin, die erneute Wohnungskündigung bekommen hat, hat sie ein Regal wieder abgebaut, weil sie dachte, sie muss doch raus. Das hilft alles nicht weiter. Sie soll sich nicht so ins Bockshorn jagen lassen. Ich ärgere mich immer noch darüber. Mittags hatte mich die Staatsanwältin angerufen, es geht um Unterschlagung des Leihwagens. Der war von der Polizei beschlagnahmt worden. Sie sagte, man habe ihn gesagt, es komme nicht so darauf an und das Datum im Vertrag sei nur pro forma. Sie braucht mich vielleicht nur 6 Monate. Ich sage, dann ist das Kontingent jetzt schon verbraucht und sie kann den Rest selber machen. Das versteht sie hoffe ich richtig. Ich fahre am Maschsee zurück. Heute endlich mal wieder Sport, Doppelprogramm. Das tut richtig gut. Ich treffe Larissa und freue mich. Die Rossini Ravioli gibt es und ich mache braune Butter mit Semmelbrösel um mir den knallheißen Metalllöffel direkt zum Mund zu führen, weil ich denke, das ist lecker. Es zischt wie beim Branden von Pferden und ich verbrenne meine Lippen von innen. Sehr schlau.

24.04. Habe nachts um 3:30 Uhr Schlafstörungen, weil ich daran denke, was ich alles für Frau Yoga noch regeln muss und mir ganz schwummerig wird. Morgens bin ich müde.

Herr Ihme ist nicht zuhause. Er macht nicht auf, die Tür lässt sich aufschließen, aber ich gehe nicht rein. Da habe ich dann doch Hemmungen/Respekt. Er hatte sonst immer von innen abgeschlossen, so dass ich denke, er ist nicht da. Rufe in der Arztpraxis an, dass wir das Morgen mit dem Jobcentertermin verbinden bzw. davor.

Ich fahre zu meiner Betreuten, die ein Jahr in der Psychiatrie war. Ich hatte vorher beim Arzt angerufen und sie war gestern zur Spritze. Sie lobt, dass ich gut aussehen würde. Das mit der ambulanten Betreuung und der Spitze sei Erpressung schimpft sie, aber wenn man sie auf andere Themen lenkt, kann man sich gut mit ihr unterhalten. Ich mag sie auch. Sie macht schwarzen Tee in einer miesen Durchlaufkaffeemaschine, bei der das lauwarme Wasser in eine Glaskanne gesaugt wird. Ich spreche sie auf den kleinen Käfig an, dass der ja unmöglich für die Tierhaltung gedacht sein könne. Eine kleine Transportbox für Wellensittiche, damit ist sie früher mit dem Vogel im Fahrradkorb durch die Gärten gefahren und dem hat’s gefallen. Das hat Spaß gemacht. Ich sage, ich denke eher, der hatte Todesangst, außerdem seien das Schwarmvögel und die hätten nichts im Käfig zu suchen. Ich denke, sie ist gegen die Geschlossene?

Regal mit Nippes bei anderen

Auf dem Rückweg stehen 3 Uniformierte komisch um einem Briefkasten in der Königsworther Straße. Was sind das für Ermittlungen, denke ich erst. Sie sind leicht versteckt und auf der Lauer, als auf meiner Seite Richtung Linden beim Altersheim Weddingufer auch noch 3 stehen weiß ich, meine Steuergeld werden wieder benutzt um böse Radfahrer zu jagen, die auf der falsche Seite fahren und abkassiert werden sollen. Alle die mir entgegen kommen warne ich und sie bedanken sich und wechseln die Seite. Denen habe ich kurzzeitig das Fischen versaut. Stephan muss derweil im Büro die Stellung halten. Der kleine Russlanddeutsche ist betrunken und braucht Geld sonst kommt er nicht nach Hause. Sowohl meiner als auch sein Freund beglückwünschen Stephan zu seiner Frau. Ja, ja, das werden meine ersten beiden Zwerge, wenn ich auf Schneewittchen mache und handwerken können sie auch, die kleinen Russlanddeutschen, meiner hat ja mal eine Steinmetzlehre begonnen und einen kräftigen Körperbau bei 1,50, sein Kumpel ist auch Augenhöhe mit ihm. Die sind schon süß.

Nachmittags besorge ich Umzugsleute für Frau Yoga. Viel telefonieren. Es wird heute Nachmittag noch von statten gehen. Ja, ich bin die Größte. Das Fax faxe ich ca. 14 mal ans Jobcenter, bis Frau Gauditz mir erklärt, dass die ersten Seiten mit meinem Antrag immer durchgegangen sind. Ich nerve die gerne, weil die mich unheimlich nerven. Mietvertrag und 22 Seiten gehen auch per Post raus.

Nachmittags die Geldabholtermine, 3 hinter einander. Frau Karlsruhe kommt als Letzte und hat ihre Monatskarten doch nicht abgegeben, sondern an ihren Bruder weiter gegeben. Der hat doch auch das Geld nicht an die üstra überwiesen. Ja, die verarschen sie und nutzen sie aus ist sie der Meinung. Sie soll sich die wiederholen und dort abgeben, sondern schuldet sie denen das Geld und auf den Bruder ist kein Verlass. Der soll sich eigene Karten holen.

Ich muss der blöden Anwältin des Vermieters von Frau Yoga schreiben. Wie sagt man das nett, sie hat aufgehört zu packen und umzuziehen als sie das Anwaltsschreiben bekommen hat. Sie wollen doch nur Gebühren schneiden, 500,- € pro Schreiben für Kündigungen, die die Hausverwaltung schon ausgesprochen hat. Ich habe kein Verständnis dafür. Bin gespannt, wie das Gericht so was sieht. Jemand bekommt eine Betreuung, weil derjenige krankheitsbedingt sich nicht kümmern kann. Die kümmert sich und meldet sich und schlägt Lösung vor (Mietrückstände beim Amt usw.). Hausverwaltung beauftragt Anwalt. Ist das erstattungsfähig in Deutschland?

Die Sonne kommt raus gegen Abend und Stephan und Detlef sitzen im 11 A. Der Chef sorgt wieder für schlechte Laune und ich freue mich, dass sie meine Bestellung vergessen und wir bald gehen können. Ins Tak heute ist Hartmut El Kurdi Lesung und wir sitzen direkt an der Bühne. Hier esse ich warmen Ziegenkäse und Stephan eine Käseplatte. Die Lesung ist gut, Hartmut kommt immer sympathisch rüber, auch wenn er immer dieselben Texte liest, macht er das gut und man hört ihm gerne immer wieder zu und auch wenn er keine glücklichen Pärchen mag. Gerade habe ich mit Stephan etwas geknutscht und schon kommt der Text. Leichte Paranoia? Der Text über Linden ist auch wahr und gut beobachtet. Auch wenn man schimpft, will man nirgends anders wohnen. Alle wohnen bewusst und freiwillig hier, weil sie es doch gut finden. Nachher holt Stephan ein Buch, wohl Fehlpressung. Das macht es eigentlich noch wertvoller. Er schreibt „Für Susann. Cowboys dürfen das“ rein, weil es auch an diesem Abend einige Lieder von Twäng gibt und die gute bald zu Besuch kommt. Ich bedanke mich bei ihm für den Text und denke, ich bin ganz schön schüchtern und stokelig. „Widmung“ heißt so was. Detlef kommt noch kurz zu uns. Stephan ist auch total müde und will ins Bett.

25.04. Heute ist Großkampftag. Erst ins Büro und Telefonat. Das Heim und dann das Krankenhaus in Sachen Frau P. Sie hat Parkinson, das ist der Tremor. Ich beantrage Gesundheitssorge. Das ist schon längst fällig. Seit der Lebensgefährte, der sich früher gekümmert hat seinerseits im geschlossenen Heim sitzt und die Wohnung aufgelöst ist, bin nur noch ich da und sie kann nicht adäquat Auskunft geben gegenüber Ärzten, außerdem muss ich ihr auch Dinge erklären können, also müssen die mit mir reden. Es ist 10 vor 10 als ich bei Herrn Ihme in der Wohnung stehe und die Luft wieder schlecht ist und ich ihn geweckt habe und er halb nackt. Die Waschmaschine ist ausgelaufen und Wasser steht auf dem Boden in der Küche, ein Haufen nasser Bettwäsche liegt in der Ecke, der Schrank im Wohn-/Schlafzimmer ist weg. Er sei zusammengekracht. Ich bin etwas genervt, weil wir die Spritze nicht schaffen vor dem Amt. Ich kenne langsam sein Tempo. Er sucht seine Socken, dann muss er rauchen und Kaffee trinken. Für ihn alles kein Problem. Er ist wieder pleite. Ich kaufe Servietten im Günstigladen Ecke Küchengarten um Geld klein zu machen und leihe ihm dann 10,- €. Er will sich einen Kaffee holen in der back Factory und ich sage, dann kauft er ein Kurzstreckenticket und ich treffe ihn Haltestelle Clevertor. Ich warte auf der Brücke und denke, dass ist auch cool an Hannover die Flohmarkttradition seit April 1967 (ja, Heike, Dein Geburtstagsmonat) findet hier jeden Samstag Flohmarkt statt. Auch wenn ich ihn nicht mehr besuche und die Baumarktparkplätze bevorzuge, lässt sich das doch sehen. Außerdem liebe ich meine neue rote Tasche vom Flohmarkt in Berlin. Maybachufer oder was das war.

Leine beim Arbeitsamt rote Handtasche

Nach 3 Bahnen steigt auch Herr Ihme aus. Es ist erst kurz nach halb 11, also haben wir Zeit, aber ich habe auch Termine danach. Wir warten im U-25 Bereich auf die Fallmanagerin. Ich mache Smalltalk und sage ich war im Tak, weil sein Nachbar das doch macht. Der hat gestern vielleicht Technik gemacht. Wir könnten da mal zusammen reingehen, ins Te Ah Ka, weil er kann vergünstigte Karten besorgen. So war das nicht gemeint. Der Typ vor uns kommt raus und geht offensichtlich ganz viel in die Mucki-Bude. Das törnt ab bei so jungen Kerlen. Wir hatten doch Anfang 20 anderes vor als Sport zu machen den ganzen Tag lang um einen aufgepumpten Körper zu bekommen, wie langweilig. Das hat man in dem Alter doch noch nicht nötig bzw. das ist doch keine Jugend und so einen Langweiler will man doch nicht kennen lernen! Die Mitarbeiterin kennt mich aus einem anderen Fall. Ich habe da keine besonderen Erinnerungen daran, kann mir aber denken, in welcher Sache das war. Vahrenwalder Straße. So, jetzt erklärt meiner, dass er lange sehr von seiner Krankheit so in Anspruch genommen war, dass es ihm einfach nur dreckig ging, der Schlaf war gestört und das Denken und daher konnte er keine Termine wahrnehmen. Aufgrund von Nervenschäden hat er Sinnestäuschungen gehabt, z.B. wenn sie was zu ihm gesagt hätte, hätte er die Stimme hinter sich gehört und sich umgedreht. Er bekommt jetzt die Spritze und es geht ihm besser. Wie man die Krankheit nennt, will sie wissen. Paranoia sagt er. Es sei doch super, wenn es ihm besser gehe mit den Medikamenten. Nein, keine Medikamente. Das sei eine Depotspritze. Dann geht es um die Kürzungen März bis Mai und ich sage, dass ihr Amt von mir eine Sechs bekommt, weil ich seit dem 20.02. ca. 15 Faxe geschickt habe und noch keine Reaktion bekommen habe außer einer Bestätigung, dass mein Widerspruch eingegangen ist und die Einladung zu heute. Das mein Betreuter jeden Monat auf dem Schlauch steht, bei mir mit 30,- € in der Kreide und es interessiert keinen. Wir schauen uns die Berechnungen an. Sie versucht jemanden in der Leistungsabteilung zu erreichen, aber das gelingt nicht. Die sind nicht am Platz vor lauter Arbeit, kommentiere ich die Sache. Sie kann ja nichts dafür. Dann geht es um seine Wohnung. Als wir die Zustände dort schildern, ist sie geschockt und will einen Umzug befürworten und fragt sich, ob man den Bedarfsfeststellungdienst überhaupt braucht oder meine Schilderungen genügen. Das mit dem Wasser in der Küche beeindruckt sie besonders. Habe er denn schon mal eine Erstausstattung bekommen. Nein, sagt er. Er hat immer alles Mögliche beantragt, aber das wurde immer alles abgelehnt, weil er es handschriftlich beantragt habe. Ich beruhige ihn, dass sie mich doch genauso ignorieren. Egal, wie Wasser auf dem Betonboden des Ihmezentrums. Ob er handschriftlich oder ich auf dem Anwaltsbriefbogen, es kommt gleichermaßen nicht an und perlt ab. Als es um die Stadtwerke geht und wie er heizt, erzählt er wieder geil. Das sei wie ein Puzzle, dem einen gehören hier 3 Wohnungen und dort eine und einer Stiftung vielleicht 5, aber alle bekommen den Strom von den Stadtwerken. Ja, das haben wir verstanden. Dann kommen wir zur Laufbahnberatung. Er hat keinen Schulabschluss. Er will aber erst arbeiten und neue Möbel und Sachen, weil mit löchriger Jogginghose könne er Lagerarbeit verrichten, aber in der Schule würde er keine Freunde finden. Ich glaube, wir haben genug Eindruck gemacht auf die Frau. Sie gibt ihm eine Liste mit Mietobergrenzen, eine Excelltabelle mit allen möglichen Städte und er starrt darauf, so dass ich Hannover mit dem Kuli unterstreiche und sage, nur diese Zeile sei für ihn wichtig und er will wissen, seit wann Garbsen und Langenhagen nicht zu Hannover gehören, weil die üstra würde da doch hinfahren. Wir sagen ihm, das habe damit nichts zu tun und er: „o.k., das sind verschiedene Sachen, die Kinder und Ferrero.“ Sie muss lachen über den Vergleich. Ich sage, ja Langenhagen ist die Kindermilchschnitte von Hannover mit dem Flughafen. Ich verstehe seine Sprache. Zum Schluss soll er für die Statistik eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben. Er guckt wie Bahnhof, offenbar hat das noch niemand mit ihm gemacht. Er sagt, er sei schon Deutscher. Ich sage, im Gegenteil, wenn er das unterschreibt, verliert er die Staatsbürgerschaft, nein Spaß, ich erkläre ihm was es ist, wie ein Vertrag mit dem Jobcenter, weil er Geld von denen bekommt und daher Gegenleistung und in seinem Fall nur versuchen Termine einzuhalten alles gut. Er weigert sich, will es nicht unterschreiben. Gut, dann tue ich das für ihn. Er will noch mit mir laufen. Das geht nicht. ich muss weiter. Er soll Montag zur Spritze gehen, heute ist es zu spät. 1,5 Stunden waren wir in dem Laden. Ich kontrolliere das mit dem Arzt. „Natürlich“ ist wie immer seine Antwort.

Auf zur Frauenärztin. Ich bin etwas angespannt, aber froh, dass ich es mache, weil vernünftig. Ich werde zur Voruntersuchung gerufen. „Nein, brauche wir nicht machen, Blutdruck messen, ich habe höchsten 110 zu 80“. Sie lacht, nein, sie will wissen, warum ich da bin. O.k. das ist interessanter. Ich blute seit einem Monat und will da unten mal nachschauen lassen. Ich zeige auf die Uhr, es ist Viertel vor 1 und sage bis 20 nach spätestens will ich hier weg sein, weil ich um halb einen Termin habe. Zeige auf die 3 und sage, wenn der Zeiger hier ist, wäre es noch besser, aber hier, zeige auf die 4 geht auch noch. Sie muss ja nur Stab reinstecken (mache eine entsprechende Handbewegung) und dann bin ich wieder weg. Ich sei echt lustig, meint sie.

Meine Frauenärztin freut sich auch mich zu sehen und ich mag sie. Sie sieht gut aus und ist freundlich. Ich sage, dass es mir peinlich ist, dass sie mich untersuchen muss, wenn ich blute und das sei eklig und sie, Blut sei nicht eklig, da gäbe es andere Dinge. Sie wolle doch nur wieder mehr Gebärmutter beleidigen. Sie schaut nach und Gott sei Dank, keine Eierstockzysten, Gebärmutter groß wie immer, auch kein Folikel. Durch das rumstochern blute ich, sie sagt, sie habe sie geärgert und das stimmt auch. Ich frage nach einem neuen Tampon, habe leider keinen Ersatz dabei, weil ich will noch zum Sport. Was, sie hat keine. Ich gehe in Berlin in die Spitzengastronomie um mich mit Tampons und Binden einzudecken und eine Frauenarztpraxis hat so was nicht. Sie gibt mir Recht und will es ändern und gleich in der Kabine eine Schale aufstellen und mir einen von oben holen. Ich sage oder von unten vom Standesamt. Die haben vielleicht auch welche. Sie will mich zu einer OP überreden. Ich bin erst 46 und die Wechseljahre, das kann dauern bis 55 und das zehrt aus und das wäre eine Erleichterung das dicke Dinge los zu werden und meine Bauchnarbe vom Blinddarm könne man auch verschönern. Ich sage, ich sei fit wie ein Turnschuh. Ich bin glücklich und mag meinen Körper auch mit langer Blutung und unförmiger Gebärmutter. Er hatte davor lange nicht und wollte zeigen, dass er es noch kann und es ist schönes, rotes Blut, kein dunkler Kram und ich habe keine einzige Schmerztablette nehmen müssen, was will ich mehr. Ich mache Doppelkurse beim Sport, ich überhole die Fahrradkuriere auf dem Fahrrad und säge die jungen Dinger an der Ballettstange. Wie fit soll ich noch werden? Ich frage nach Rekorden bei der Blutung. Wie lange hat schon mal eine geblutet. Soll ich mich in 3 Monaten melden und wir kommen Arm in Arm in ein Fachmagazin. Sie sagt, so lange wie ich würden das die Frauen nicht aushalten. Die kommen spätestens nach 10 Tagen und lassen sich Hormone geben. Ich sei ein Phänomen. Ja, danke für die Blumen. Ich sage, ich gehe zur TCM-Frau und verlange, dass die meine Gebärmutter kleiner macht und die Blutung stoppt und zunähen bringt nichts. Das Blut tropft durch die Stiche. In diesem Sinne: Tschüss.

Zum Psychiater, der aussieht wie ein Altrocker. Ich schaue mir ein Heft der Landeshauptstadt Hannover durch für Senioren, was in den einzelnen Stadtteilen geboten wird und habe gleich an verschiedenen Stellen Lust da mit zu machen. Das Ding heißt „Begegnungen in Ihrem Stadtteil“ und ich habe es mitgenommen. In Vahrenwald gibt es montags (!): Gymnastik mit Yogaelementen, Modell-Eisenbahner-Gesprächskreis, Kegeln, Handarbeitsgruppe, Pastellmalgruppe, Akkordeon-Senioren-Spielkreis. Dienstags steht Gedächtnistraining, 2 Kurse, Bewegungsangebot ohne Leistungsdruck, Rommégruppe „Gut Spiel“, Kartenspielgruppe, Chor „Frisch gesungen“, Gesellige Tänze für Senioren, Gymnastik für Frauen und Generationsübergreifendes Angebot „Lecker und Lustig“ auf dem Programm. Es gibt in diesem dicken Heft alles auch auf russische und türkische Senioren abgestimmt. Theatergruppen, Aquarellmalen, Qigong, Radfahren, Schneidern und Nähen, Töpfern. Was Berlin für die jungen Leute bietet, wird hier für 50 plus geboten. Ich freu mich schon. Ich sage Stephan später in Wien darf er bei so was schon bald mitmachen und empfehle ihm die englischen Konversationskurse am Pfarrlandplatz in Linden. Ich würde wahnsinnig gerne Yoga im St. Nikolai-Stift mal mitmachen, Teilnehmerzahl begrenzt. Achtung Kostenbeitrag 2,80 € pro Mal.

Meine anstrengender Frau Miesepeter kommt, ganz in schwarz. Alles ist scheiße. Sie wollte mal 4 Wochen abschalten und das Internet war gesperrt, weil eine Überweisung nicht durchging (wegen 20 Cent) und jetzt Post vom Inkassobüro, den Balkon kann sie nicht nutzen, weil die Asis im Haus herumschreien, ihre Sachen sind voller Löcher, sie muss kotzen, wenn sie in den Spiegel schaut. Sie hat nur Sachen aus den 90ern. Ich sage, dazu muss mal der Arzt was sagen, weil ich habe eine schicke Eigentumswohnung und werde auch vom Geschrei der Nachbarin wach, wenn die ihre Kinder morgens anschreit und ich kaufe mir freiwillig und teuer Sachen aus den 50ern, also ich kann da wenig Trost geben. Will sie auf einen Bauernhof 2 Wochen, nein damit ist ihr nicht geholfen. Will sie mit Frau Arnhold in die Kleiderkammer, neue, d.h. flotte, heile Klamotten holen, will sie ambulant betreutes Wohnen. Dass die Regelsätze zu niedrig sind, meinen auch der Arzt und ich, aber daran können wir nichts ändern, ich kann nur Tipps geben, wie Kleiderkammer oder andere Umsonstangebote und die vom ambulant betreuten Wohnen sind noch besser als ich. Sozialarbeiterin hatte sie mal, eine Praktikantin und die hat nur da gesessen und nichts gesagt und war nützlich wie eine dritte Titte. Da musste sie sich quasi kümmern. Sie kann keine weiteren Rückschläge verkraften und deshalb lieber keine Veränderung, weil das das Risiko der Verschlechterung in sich birgt. Ich sage, abW kein Risiko, weil die gutaussehende, völlig fitten Frauen, die ich vor Augen habe und die tausend Tricks kennen, die ich nicht drauf habe, die kommen nie wieder, wenn sie feststellt, dritte Titte, weil die Kosten Geld. Da freuen sich alle, wenn sie das wieder absagt. Bauernhof ist natürlich Chance, dass man mal rauskommt und abschaltet und was Tolles erlebt oder sich erholt, weil 2 Wochen sind lang und besser als gar nichts, aber auch viel Risiko, dass die Kuh einem auf den Fuß kackt, das Bett piekst, der Kaffee nicht schmeckt und die Bäuerin ganz blöd zu ihr ist. Sie will ihr Ruhe und vielleicht ins Kloster. Nicht, dass sie da Tebarst van Elst trifft, meint auf einmal der Rockerarzt. Da schauen sie und ich uns an und sie sagt, sie würde schon in ein Frauenkloster gehen und ich ja, vielleicht hat der ne Bar einbauen lassen und da trifft man ihn dann zufällig an der Klosterbar. Zum Schluss will sie wissen, ob der Doktor eine bestimmte Datei öffnen kann. Ich habe den Namen auch noch nie gehört. Beide schauen mich an. Ich bin da eher Kloster bei so was. Daraufhin der Doktor, er habe sich selber neulich eine „Jot Pe Ge-Datei“ geschickt und die konnte er öffnen. Ich sage: „Jay Pack“ muss er das nennen, das klinge sonst peinlich und das wisse selbst ich. An dieser Stelle lacht sie das erste und einzige Mal. Sie ist wirklich so was von Negativ. Ich fahre ins Büro. Es ist kurz vor 3. Habe noch 2 Termine. Der zweite ist eine Erbschaftssache und das läuft länger und der Typ kommt mit seinem Bruder. Ich muss ihm was sagen. Brauche ich mehr Geld, will er wissen. Nein, das ist es nicht. Ich erkläre ihm, dass ich heute erst um 3 reingekommen sei vor lauter Außenterminen und mein Herz bei den Betreuungen schlägt und ich da derzeit alle Hände voll zu tun habe und ich das im Falle eines Rechtsstreits vor einem auswärtigen Gericht, der sich nun anbahnt, da wir uns nicht einigen können mit der irren Schwester nicht weiter führen will. Er hat sich überhaupt nur als Mandant „eingeschlichen“, weil er damals das Zauberwort „Betreuung“ gesagt hat und sich wegen der Betreuung seiner Mutter hat beraten lassen und dann kam die Erbsache. Er versteht das, ist mir dankbar für meine Arbeit. Wir überlegen uns eine Strategie für die Gegenseite nach dem Anwaltswechsel und glücklich verlassen die Halbbrüder mein Büro.

Was mich deprimiert gegenüber Berlin sind die Frauen am Lindener Markt, die besorgt drein schauen und im Marktkaffee herum sitzen. Die machen mich echt impotent sage ich meinem Kollegen, der die Woche mit mir ein Eis essen war und wir haben den neuen Stoffladen von Andrea besucht, d.h. am neuen Standort.

Beim Sport wird ein Film gedreht heute für ein Studienprojekt. Leider ist die Frau, die als Anschauungsmodell dienen soll neu bei Grace und hat immer total schlechte Körperhaltungen bei den Übungen. Den Film wird nur der Prof sehen. Die Frauen studieren auf der Expo-Plaza, wenn ich es richtig verstanden habe. Mein Tanz-Improvisationsworkshop fällt aus, weil zu wenig Frauen sich angemeldet haben. Ich bin nicht traurig, ein Bastelwochenende kann ich total gut gebrauchen. Ich bin schneller als alle Frauen, die in ihren Sportsachen bleiben und sich kaum umziehen und Luisa meint bewundernd zu mir, so könne man doch nicht aussehen nach dem Sport.

Doch, heute bekomme ich Spargel mit Kräuterrührei. Stephan hat einen Platz ergattert. Das Essen dauert 2 Stunden, weil das 11 A voller großer Gesellschaften sind. Der Chef ist heute im anderen Laden und die Stimmung daher ausgeglichen. Erst sitzen wir zufrieden in der Sonne und freuen uns am Treiben auf dem Küchengartenplatz. Früher war hier tote Hose und ich muss an dieses Kunstwerk denken, was wie ein Verzerrspiegel gewirkt hat. Das hatte ich ganz vergessen, aber die Haz hat es neulich wieder ausgekramt. Später wird es kalt und als Nachtisch trinken wir eine Zotter Schokolade. Für den Gentleman-Film um 22:30 Uhr hat es dann nicht mehr gereicht.

Ich sage zu Stephan, dass ich schon deswegen zufrieden bin mit dem Alk aufgehört zu haben, weil mein Gehirn wieder besser funktioniert und ich habe mich schon abgefunden damit, dass ich ein bisschen dement und vergesslich werde, aber alles sei wieder in Butter und doof werden oder einen Verschlechterung des Gehirns, könne und wolle ich mir nicht leisten. Das sei bei mir wie bei Kate Moss ihre Brüste, Kapital quasi.

Vor dem zu Bett gehen läuft eine Doku über den Geburtsvorgang bei 4 unterschiedlichen Tierarten und das ist so faszinierend, dass ich hängen bleibe. Zitronenhai, der 14 Junge zur Welt bringt, die je ca. 1 Meter groß sind bei der Geburt, was 20% des Körpergewichts der Mutter entspricht. Die Embryos ernähren sich von einem Dottersack, der zusammenschrumpft und flach wird und dann als Placenta sich mit der Gebärmutterwand verbindet und dort festwächst und mit Blutgefäßen mit dem Blutkreislauf der Mutter verbunden ist. Andere Haie, die in der Gebärmutter die jüngeren Geschwister fressen und in einer Eiersuppe schwimmen und alles fressen, was vorbei schwimmt, ein Känguru-Embryo, groß wie eine Bohne und blind, der Hinterkörper, die späteren kräftigen Beine und der Schwanz nur ein Stummel, was sich mit Hilfe des Geruchsinns und der Vorderläufe, die Krallen haben nach oben kämpft zum Rand des Beutels, die Muttermilch wechselt die Zusammensetzung im Laufe der Schwangerschaft, der Kaiserpinguin, der 2 Monate im Eissturm steht mit dem Ei auf den Füssen. Das Vogel-Embryo nimmt Sauerstoff über die Eierschale auf und baut das Kalzium daraus in seine Knochen, damit sie nicht hohl sind wie beim flugfähigen Vögeln. Der Vater kann nach 2 Monaten fasten noch was Nahrhaftes auskotzen, wenn das Ding schlüpft. Am besten ist aber die Schlupfwespe, die ihre Eier in eine Raupe legt. Die trinken Blut und lassen den Wirt am Leben, zerstören also nicht die Organe, wenn es soweit ist, bohren sie sich mit Hilfe von Mundwerkzeugen durch die Haut der Raupe und das wird in Zeitraffer gezeigt und man denkt, die ist so was von tot, aber sie haben ihren Wirt infiziert und das Teil denkt, es sei die Mutter und hilft den Raupen sich zu verpuppen und verteidigt ihre vermeintlichen Babies gegen Ameisen bis sie dann verhungert. Biologie ist Hammer!

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26.04. Stephans Traum. Mittelalterliches China. Der Herrscher lässt Menschen wegen Nichtigkeiten hinrichten, er fragt nach den Toiletten. Der Weg wird erklärt, aber nicht direkt gezeigt. 15 Minuten in die Richtung. Es gibt Stadtpläne zu kaufen und Handtaschen. Soll er so eine kaufen und da rein pinkeln. Das gibt vielleicht Ärger oder so weit laufen, dann lieber wach werden und kurzer Weg.

Meine Cousine Uli und Tochter Halina kommen mit nach Wien und Heike und Georg kommen mit zu Tim Raue um 10.000 Tage seit dem ersten Kuss mit uns zu feiern.

Das Lindenwerdejournal, was es als Beilage zur Haz gab ist grottenschlecht. Wir kann man so schlechte Fotos nehmen, selbst wenn sie eingereicht werden, muss man den Firma das sagen und Veto einlegen so nach dem Motto, unscharfe Schampoo-Flaschen taugt nicht als Bild. Eine Seite Nachtleben in Linden dann geht es weiter mit Steuerberatern und Optikern und Autohäusern. Oh weia.

Dieser Tag besteht rein aus Basteln. Eine Kette für Wien. Etwas gepfuscht, aber auch gefräst mit dem Dremel. Als die Funken fliegen und mich im Gesicht treffen, denke ich an den Augenunfall meines Schwiegervaters und setze mir kurzerhand eine Sonnenbrille auf. Das sieht bestimmt bescheuert aus. Die muss ich denen von Stauds zeigen, die werden staunen ist meine vorsichtige Prognose.

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Eine Kette aus der Sardellendose aus Wien mit gehäkeltem Lederband, schön in gelbgrün und rot. 3 Hütchen, Kordelhütchen fertig, Hütchen mit Metalllockenwicklern vom Berliner Flohmarkt begonnen, Kette aus dem Set zu Ende, Hütchen aus den Filzspiralen von Heike. Außerdem überteuertes Puppenhütchen vom Berliner Flohmarkt Realer Straße mit Gaffa modifiziert á la Constantin. Ohrringen durchgeguckt auf Vollständigkeit, Reparaturen. Abends will ich einen Burger essen, aber nicht raus. Dann gibt es nur was hier und früh ins Bett.

Unser Nachbar hat einen noch fortgeschritteneren Lebenswandel als wir ihn schon pflegen und fährt mit seiner Bahncard 100 nach Berlin zum Hackischen Markt eine Brille kaufen und Kaffee trinken. Charlotte hat uns die Bahncard 100 unterstellt, aber so weit sind wir noch nicht. Das wäre eine gute Methode die Buttonmaschine wieder zurück zu holen.

27.04. Total früh wach. Neue Knöpfe an den Berliner Bademantel, blaue Blumen, bodenlang und Kette zum Kordellhütchen. Das Ensemble wird der Hammer. Heute mal einen grünen Tee trinken, bzw. einen weißen, der schon lange die Schublade hütet. Stephan will zum Flohmarkt und Steffi ruft auch deswegen an „auf allen Kanälen“ wie sie selber feststellt. Ich kann heute keine Termine vertragen, will mich einfach treiben lassen und das verträgt sich nicht mit Verabredungen, aber so ist heute meine Stimmung, kompromisslos, manchmal vertrage ich keine Verpflichtungen. Die teuren grüne Tee Matcha Imori-Kekse aus Frankfurt landen im Müll. Haben schön die Farbe gewechselt in der Küche und sind langsam vor sich hin verblichen und ein Biss genügt. Die schlechten Erfahrungen mit Matcha-Torte lassen grüßen (siehe Berlintext, der noch aussteht). So ist das manchmal. Irgendwas schaut einfach zu schön aus und ich vergesse es zu essen. Ist nicht das erste Mal.

Die Sardellenkette wird in Szene gesetzt. Ich trage jetzt so lange rot bis die Blutung aufgehört hat.

Dann auf zum Flohmarkt am Wasserturm und direkt in den Marathon. Marathon im Flaschenkostüm laufen ist sexy. Die Stimmung vor allem durch die vielen Zuschauer ist ausgelassen und fast großstädtisch. Ich muss an den Marathon im Central Park 1982 denken. „Keep those legs moving“ und ähnliche Anfeuerungen sind mir noch im Ohr.

Auf dem Flohmarkt ist wenig los, aber er ist trotzdem toll. Gute Gespräche, gute Hunde, gute Funde. Erst ein Schwuler um die 60, der mich fragt, ob er mir „was zeigen dürfe“ (!?). Warum hat er was Verstecktes, was ich nicht sehen kann, will ich wissen. Er verkauft fremde Sachen. Alte Postkarten. Ein Typ schaut sie durch und sucht welche aus den 50ern. Davon gibt es genug, aber er will was Spezielles mit einem Zeitschriftensortiment drauf. Wird fündig und zahlt 50 Cent die Karte. Ich wähle 10 und soll den Preis selber bestimmen. Da er so über die Standgebühren geklagt hat, gebe ich ihm 3,- € (viel zu viel, aber das Einkaufserlebnis war es wert). Am nächsten Stand verkauft ein Berliner, der 89 Jahre als ist. Papptüten mit Mundstück für Zigarrenstumpen, die dann feucht werden. Das bleibt nicht aus, wie er meint. Er hat auch ein altes Damenrad im Angebot per Schild. Zum Glück lese ich das nicht richtig, sonst hätte ich es wieder gewollt. BJ 1935. Er fährt nicht mehr. Die Reaktionsschnelligkeit lasse nach und ein Kind sei ihm vors Rad gelaufen und er mit der Schulter gegen einen Pfosten und seit dem hat er das Rad weg gestellt. Er hat eine alte Straßenansicht aus Berlin. Zeigt uns die Ohrringe, die seine verstorbene Frau immer getragen hat. Das ist irgendwie traurig das Ganze, aber der Mann ist so offen, wie man es erst ab einem bestimmten Alter werden kann. Das ist wiederum tröstlich. Am Nachbarstand kaufe ich einen Taschenrechner für 1,- €, der geht. In Hannover bekommt man für 1,- € einen funktionierenden Taschenrechner (siehe Berlintext, der noch folgt). Zum Schluss einen herrlichen alten Pelikantuschkasten aus Metall mit einer Öse (ich simuliere die Befestigung an einem imaginären Gürtel) und eine schön holzgerahmtes Schild mit dem Hinweis: „Nicht ärgern, nur wundern“. Dann eine sehr schöne alte Pillendose mit dem Freiburger Münster, nachträglich für meine Schwägerin zum Vierzigsten sowie eine alte Anstecknadel einer Skischule. Eine alte Dose, durchbohrt und mit einer lila Kordel versehen, bekomme ich geschenkt. Beim Gehen kaufe ich noch Brotaufstrich.

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Abenteuerspielplatz in Hannover. Quax, der Bruchpilot oder wie hieß das, was ich allerdings nur vom Namen kenne.

 

 

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Dann der spontane Entschluss bei G vorbei zu fahren. Die Strecke am Kanal ist malerisch und ich kenne sie nicht. Büttnerstraße rechts rein. Dann irgendwann das Industriegebiet Hainholz, wie gehabt. Heute verkaufsoffener Sonntag bei Poco (OMG). Gegenüber ist viel schöner.

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G. ist zuhause und kommt auch gerade vom Marathon, hat sogar gefilmt, langsame Läufer gepaart mit zögerlichen Trommlern. Das habe gut zusammengepasst. Der Garten ist verändert, hat einen gewaltigen „Sprung gemacht“.

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Das eine Vogelhaus, stabiles Holzhaus mit fester Verankerung ist mit Meisen besetzt, die im Minutentakt angeflogen kommen. G. hat leckeres Korbgerster. Wir ergänzen uns immer gut, letztes Mal hat er so lieb einen Kuchen gebacken und heute erzählt er mir, dass er passende Essig- und Ölspender für meine Etagere hat. Ich packe meine Flohmarktschätze aus.

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Der eine Nachbar ist sehr anhänglich und will ihm immer alles besorgen, was er aber gar nicht will. Juhu, ich bin dafür, dass er Wachteln bekommt!

Er hat Einiges Neue gebaut, u.a. für seine Weinstöcke oder wie man das nennt.

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Stephan will nach Montag seinen ersten Kaffee trinken (siehe auch Berlintext, der noch kommt). Keine Milch und statt Zucker nur bunte Zuckerbuchstaben, die sich nur mühsam auslösen.

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Zufrieden fahren wir nach Hause.

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Letzte Station Rossi, immer wieder schön und dann etwas Sommerregen und einfach trotzdem weiterfahren.

Ich habe diese Woche nach Berlin an Constantin denken müssen, der in dieser Stadt so jung gestorben ist. Hat Berlin ihn uns genommen? So kann man das sicher nicht sehen. Trotzdem haben wir in der Nähe der Sonntagstraße ganz in der Nähe seiner letzten Wohnung gelebt und irgendwie berührt mich das und ich muss an ihn denken. Wie wir uns gegenseitig beim Basteln befruchtet haben, ich ihn vielleicht mehr als umgekehrt, trotzdem hat auch er schöne Sachen gemacht, die mich täglich umgeben. Gerade mit Fotos und Bildern, das war seine Stärke. Auch die Art, wie er Schmuck gemacht hat und seine Liebe für Gaffa begleiten mich weiter. Der Klebebandvorrat aus seinem Nachlass wird bis an mein Lebensende reichen. R.I.P. Du bist in unseren Herzen.

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