Archiv für den Monat: Februar 2014

Hellefejergässel – Bareiss und Straßburg

07.02. Gestern beim Sport war eine Walküre um die Mitte 30. Po und Oberschenkel wie eine Eisschnellläuferin. Brüste und Arme und Bauch auch dick. Als wir mit den Füßen in den Therabändern drin hingen und das eine Bein in großen Halbkreisen vor und zurück bewegten, fragte sie: „wo muss man das merken?“. Die Trainerin: eigentlich im Po und an den Innenseite der Schenkel. Die dann wieder: „Aber nur leicht, oder?“. Die Trainerin: das ist jetzt kein großer Schmerz. Sie ließ leider nicht nach und wollte immer wieder Aufmerksamkeit und stellte immer wieder die Frage nach dem wo man es merkt. Ich hätte am liebsten gesagt: im Kopf tut es weh, wenn man so blöde Fragen stellt. Es tat mir vor allem Leid um die Trainerin, die leicht zu verunsichern ist und so eine Art Privatunterricht geben musste, weil offenbar was nicht stimmt und die Teilnehmerin Einzelbetreuung braucht. Sie sagte dann noch zu der Walküre, dass sie es vielleicht so eine kräftige Beinmuskulatur hätte, dass sie es nicht sofort merken würde. An der Ballettstange war die Gute neben mir und Kniebeugen in den Highheels ging nicht so gut, also ich sage: Beinmuskulatur eher Pumpe, nur Aufmerksamkeitsdefizit. Ich frage mich danach, ob es vielleicht Menschen gibt, die so körperbehindert sind. Ich merke bei der Beinarbeit auch den Bauch und genau die Stellen, die gerade „involviert“ sind, wie die Muskeln des Körpers zusammen hängen. Vielleicht gibt es Leute, die ihren Körper einfach nicht spüren. Dann sollte man allerdings eine andere Therapie vorschlagen und keinen Sport in der Gruppe. Das sprengt den Rahmen, wenn man da mehr als eine davon im Kurs hat.

Gestern sagte die Mitarbeiterin der Steuerberatung, ich würde nach Zimt riechen. Heute muss ich sie bitten einem Betreuten von mir 50,- € auszuzahlen, der hatte mir nachts eine email geschickt und ich wäre heute nicht ins Büro gefahren, muss jetzt aber um 8 Uhr kurz noch mal hin. Das kommt davon, wenn man versucht sich heimlich davon zu schleichen.

Es gibt einen Handwerker von Elektro-Paulmann, der echt spitze aussieht, hat so geglättetes Haar, mit einem Scheitel und sieht irgendwie gar nicht wie ein Elektriker aus, sondern wie eine Figur aus Pulp Fiction oder Reservoir Dogs, schräg halt und wenn ich den den Firmenwagen packen sehe, Leiter rein usw. dann freue ich mich immer. Als ich gestern aus der Psychopraxis zurück fuhr, kam mir ein Handwerker aus Berlin entgegen. Der Typ sieht im Gegensatz zu dem Elektriker, auch total nach Handwerker aus und trägt so ein Käppi, weiß mit einem Rand ringsherum und Blaumann. Der ist so um die Mitte fünfzig und oft am Lindener Markt. Bei „meinem“ Kiosk und Zeitungsmann und beim Kaffeestand am Markt und der Typ spricht breiten Berliner Dialekt. Er schaut mich immer belustigt an und ich mag ihn auch irgendwie. Ich erkenne ihn jedenfalls auch auf dem Fahrrad wenn er durch den Georgengarten fährt und ich frage mich, hat der sich auch in Hannover verliebt? Wie ich. Ich finde es immer wieder toll hier. Diese Mischling aus alt und jung, Freaks und Ausländern, aus Stadt mit Altbauten und dazwischen tolle Grünanlagen. Balsam für meine Seele. Ich werde dann übermütig und denke, es ist wie Versailles, wenn ich z.B. durch den Georgengarten fahre und ich liebe es. Ich höre meine Freundin Claudia, die aus Hannover kommt lachen, wenn ich so schreibe. Nach der Psycho-Praxis als Entschädigung für den geplatzten Termin fahre ich in den Stöbertreff, da habe ich geballt alles was ich an Hannover liebe. Schräge Typen, altes Pärchen, er sieht aus wie ein amerikanischer Cowboy und sie ist blondiert und ganz dünn im Pelz, aber beide sind Mitte 70 und sehen aus wie Jonny Cash und Frau. Sie kauft sich Sonnenbrillen, die 30 Cent kosten (er will vorher den Preis wissen und sie sagt, sie würde immer ihre Sonnenbrillen hier kaufen und er genehmigt ihr den Kauf) und nachdem ich mir sie verwundert angeschaut habe, kaufen sie noch die alten 8×4 Deo-Seifen in Retro-Packungen und bekommen jede Menge geschenkt von der Mitarbeiterin. Ein Junkie und seine Mutter sind auch da und haben vorgestern eine Armbanduhr gekauft, die leider nicht funktioniert. Kassenbon oder so was haben sie nicht dabei. Sie sollen sich für 4,- was anderes aussuchen und holen stattdessen eine Puppe, vom kitschigsten, lockige Haare, Rüschchenkleid an ca. 40 cm groß und legen dann noch mal 6,- drauf, weil die 10 kostet. Ich werde auch fündig und freue mich einfach wieder. Das Spiel gibt es umsonst und das Katzenbuch auch. Das ist ja jetzt sehr brisant für mich derzeit, seit ich diese graue Katze liebe.

DSC02930Hüpf mein Hut Beute

In den Zug nach Zürich wollen viele einsteigen und Claudia hält brav Plätze für uns frei im 6er Abteil. Dort ist ein junges Ding aus Hamburg, die in ihre Jacke gemümmelt mit Füssen auf dem Sitz schläft und abweisend guckt, obwohl der Platz neben ihr noch frei bleibt. Hipster mit hässlichen Sachen, peruanischem Tuch, aber nachgemacht, Hipsterbrille, der obligatorischen Stofftasche sowie einem dicken, alten Heinrich Böll Buch, was bestimmt 2 Kilo wiegt und auch aus Imagegründen mitgetragen wird wie ein Accessoire. Lesen tut sie darin nicht, nur hin und wieder es hoch halten. Sie hat auf jeden Fall schlechte Laune und es ist Vorsicht geboten. In Frankfurt verlässt sie uns. Vorher ist ein Mann mit Outdoorjacke über dem Anzug und Sitzplatzreservierung eingestiegen und beansprucht den anderen Fensterplatz. Er hat ein idiotisches Buch dabei „The Secret of Consulting“ oder so ähnlich, mit vielen Bildern. Er muss dann leider mitanhören, wie wir uns über das Schwarzfahrproblem austauschen, weil Claudia hat einen Zug über Karlsruhe, dann Bimmelbahn in den Schwarzwald gebucht und wir über Baden-Baden und mit früherer Ankunft und wir werden vom Hotel am Bahnhof abgeholt, was erschwerend hinzukommt zu dem Umstand, dass wir nicht getrennt werden wollen. Ich bin für schwarz fahren, sitzen bleiben und Klappe halten die 15 Minuten zwischen diesen beiden ICE-Stationen. Stephan geht zur Kontrolleurin und sie ist gut drauf und segnet die gemeinsame Fahrt bis Baden-Baden ab. Nachdem ich überschwänglich das tolle Mannheim, wo ich unbedingt mal aussteigen muss, gelobt habe, kommt das „Scheißkarlsruhe“, „blödes, überflüssiges Kaff“ und hier steigt unser Verfassungsrichter, Stephan meint, es sei nur ein BGH-Richter gewesen, dann auch aus. Von Baden-Baden geht es nach Rastatt und dann von dort mit der Bimmelbahn in den Schwarzwald. Übermütig setzen wir die Reise fort und verlassen uns auf unsere Überzeugungskräfte falls hier eine Kontrolle stattfinden sollte und werden begleitet von Schülern und fahren über Gernsbach mit Rentnerwanderern mit Stöckern in den tiefsten Schwarzwald.

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Auf den Bahnen wird folgerichtig für orthopädische Schuhe geworben.

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Claudia stellt mehrfach fest, wie hässlich es hier sei und wie man hier nur freiwillig herziehen könne, sie würde sich umbringen. Kurz vor der Ankunft eine SMS von meinem Paps, dass sie schon da sind und er im Badebereich, während Mama nappt. Dann kommt die nächste um mir mitzuteilen, dass sie jetzt beide im Nassbereich sind. Man begrüßt uns überfreundlich, strahlend und mit Handschlag und überreicht eine Zimmerübersicht, wo die andere aus der Reisegruppe jeweils untergebracht sind und die Zimmer liegen auch noch praktischerweise direkt nebeneinander. Dienstleistung haben die hier gleich im ersten Lehrjahr 5 x die Woche auf dem Stundenplan gehabt. Wir begutachten die Zimmer mit riesigen Balkonen und leider nicht so leckerem Obst, die japanischen Toiletten fallen erst später auf und schmeißen uns in Badeanzugschale und gehen Richtung Sauna- und Badelandschaft.

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Dort belegen wir eine Familienspielwiese aus Leder und Dietrich holt trotz lädierter Schulter Getränke. Dann etwas den Körper nass machen und draußen im Salzwasser plantschen.

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Wenn die Haare erst mal nass sind halte ich es draußen nicht so lange aus. Wenn der altmodische Badeanzug nass ist, will ich ihn ausziehen und flüchte mich in die Rosendampfsauna. Dort sitzen wir mit einer Oma mit schwarzer Badekappe, deren Haare nicht nass werden sollen, weil sie dann krass werden und die Locken raus gehen. Sie hat offenbar Locken, will aber andere als die, die sie von Natur aus hat. Wir unterhalten uns und quatschen ihr zu viel, wie Claudia meint, sie geht. Man riecht anschließend nach Oma (wegen der Rosen). Dann nach oben und umziehen.

Wir treffen uns mit Birgit und Andreas um 17:30 Uhr in der Hotellobby. Von Kathrin bekomme ich eine SMS, dass sie an der Grenze im Stau steckt. Birgit hat einen sehr dicken Fuß, der in ein transformerähnliches Gitter aus Plastik eingeschnallt ist mit einem aufblasbaren Innenteil. Wir trinken doppelte Espresso Macchiato und Andreas ein Bier. Claudia erklärt meinem Vater What’s app und er ist total interessiert wie der reinste Teenager. Technische Neuerung sind seine Sache und dann noch eine Retro-Hülle (Musikkassette) um sein iphone. Der reinste Hipster. Dann geht es um das Thema Darm als zweites, älteres Gehirn. Das Urgehirn, weil Verdauen ist nun mal wichtiger als Nachdenken. Jetzt geht es Richtung Essenszeit und manche werden nervös, weil Stephans Schwester noch nicht da ist, nur Stephan sagt, entweder sie liegt tot im Auto oder sie kommt pünktlich ins Restaurant und 2 Minuten vor der Zeit erscheint sie professionell und fragt lächelnd, war doch 19 Uhr, oder?

Auf dem Weg ins Restaurant, die Käseauswahl für die anderen. Sieht auch gut aus..

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Herr Brandt, der Chef der Bedienungen ist wieder spitze drauf und ich lerne gleich was Neues dazu: schwäbische Reihe ist nicht nur Männer auf einer Seite, Frauen auf der anderen, sondern Frauen auf der Seite, die näher zum Küche ist. So. Das bekommen wir auch hin. Ich liebe das Damenklo und Herr Brandt bietet mir an, mir die Stiche auf dem Herrenklo auch zu zeigen und Schmiere zu stehen.

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Ich will es zusammenfassen: 8 Gänge mit den ganzen Extras, die es dann dazu gibt, sind zu viel. Es kommen schon 4-5 Grüße aus der Küche, dass man satt ist bevor es eigentlich los geht. Ich frage nach einem alkoholfreien Cocktail und ja bitter darf er sein, also was für Erwachsene, denke ich mir hoffnungsvoll. Ich bekomme stattdessen einen knallgrünen „Villa Kunterbunt“ Humpen, der erniedrigend ist und den Süßwein zur Gänsestoffleber extra böse vermissen lässt und dazu führt, dass ich gerne für den Rest des Abends nur Leitungswasser haben möchte. Ich kann den Geschmack gar nicht definieren, offenbar ist es Guave mit Farbstoff. Es gibt einzelne Gänge, die sehr lecker sind, wie der Heilbutt und auch das Milchkalb, klein geschnitten mit Sellerie und ganz viel Trüffel oben drauf, in der Mitte ein Eigelb flüssig. Da drehen alle durch und ich will das im Hipp-Glas für zuhause zum warm machen im Wasserbad, aber nicht alles ist so toll. Die beiden Nachspeisen finde ich alles andere als befriedigend. Statt eines warmen Schokokuchens mit flüssigem Kern, bekommt man eine gekünstelte Praline mit Blattgold und einer grünen Rotznase. So was mag ich gar nicht. Die sollen mir lieber was Primitives servieren, was Hammer schmeckt, statt etwas was 8 Stunden gebraucht hat zum Herstellen, aber nur interessant ausschaut. Die Hauptspeisen sind auch nicht optimal nach meinem Geschmack, wahrscheinlich auch zu kompliziert in der Herstellung, aber des Käsewagen ist einmalig und Claudia springt als erste nach vorne und beleuchtet die Ware mit ihrem Handy um sich einen Teller voller Blauschimmelkäsen auszuwählen. Es gibt herrliche Saucen und Nüsschen zum Käse. Da bleiben keine Wünsche übrig, nur das manche schon keinen Käse mehr wollen, weil man zuvor so abgefüllt wurde. Dann gibt es noch mehr süße Grüße aus der Küche und einen Pralinen und Süßigkeitswagen bis man nicht mehr kann.

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Der Meister unterhält sich mit uns und wird nach seiner Zusammenarbeit mit der Lufthansa für 1. Klasse befragt. Er hat auch eine gute Idee für uns, dass wir einen Langstreckenflug an Weihnachten buchen sollen, da hätte man den Flieger ganz für sich alleine. Andreas kauft noch eine Magnum-Flasche Champagner, „die Sorte, die Sie im Schwimmbad anbieten“, wie meine Mutter ihn umschrieben hat und wir setzen uns in die Hotelbar, die schwer an Butterfahrt erinnert und hier spielt einer an der Heimorgel und es quält. Komische Stimmung, Birgits Bein tut bestimmt schon seit Stunden weh, das ist zumindest mein Eindruck und der Sohn als Chauffeur ist schon im Anflug. Das Hotel will uns noch einen warmen Mitternachtssnack servieren. Das löst nur hysterisches Kreischen in unserer Gruppe aus. Ich habe durchgehalten mit dem Wasser und schwer war nur, dass es offenbar nicht allen so gefallen hat und man doch als Partypooper angesehen wird. Ich wusste es schon immer, Heroin und Junkieclique Dreck dagegen. Bitte, trink doch nur einen Schluck, nur 2 Finger breit, Deine Mutter hat doch Geburtstag. Gerade die greift beherzt ein und kommt ihrem Kind zur Hilfe mit den Worten: lass sie, sie will nicht. Todmüde fallen wir alle ins Bett und schlafen schlecht, weil wir zu viel gegessen haben und ich habe sogar Brand davon. Ich kann jetzt differenzieren und weiß, es war nicht der böse Alkohol, sondern nur das viele Fressen.

08.02. Ich werde vor 8 Uhr wach, Viertel nach gehe ich in den Dampfkeller auf der Suche nach Gruppenmitgliedern. Werde auch gleich fündig, Claudia schwimmt Bahnen im Becken, meine Eltern sind draußen, wo die Sprudelanlage wieder an ist und Gegenstrom. Ein kleiner Junge betrachtet interessiert die Falten und den alten Körper einer Oma, nicht seiner. Diese Faszination kann ich verstehen, das sieht dann echt noch mal anders aus. Er und seine Schwester sind noch zart und knackig wie Äpfel, aber später sieht das dann krass anders aus. Apropos anders aussehen, meine Badekappe mit den gelben Rosen sieht ultra fies aus und macht Abdrücke in meiner Stirn, die nicht mehr weggehen, aber die Haare bleiben trocken. Ich bin ganz alleine in der Saunawelt. Ein Fabeltier an der Wand spuckt alle 20 Sekunden Eis in eine Schale. Dann anziehen und in den Frühstücksraum. Dort ist ein Tisch für uns reserviert und das Hotel hat sich einen langen Brieftext überlegt zum gratulieren, eine Kerze an unserem Tisch brennt und persönliche Glückwünsche gibt es außerdem. Ich gehe ins Schinkenzimmer und greife schon mal zu, Roastbeef mit Tartar Sauce gibt es auch. Hier arbeitet ein Typ, der aussieht wie der junge Lumpp. Süß ist der und lässt sich von meinen Blicken verunsichern. Es gibt alles in dieser Frühstückswelt. Die kleinen Marmeladen von Stauds mit den Wiener Motiven, Müsli, 20 verschiedene Obstsorten von Mango bis Ananas. Trockenobst. Kinderbüffet mit kleinen Sandwichs, Schnittlauchpfannkuchenrollen aufgeschnitten zu dünnen Rädern mit Schinken und Lachs gefüllt, Milchreis in kleinen Schälchen und Amerikaner mit Gesichtern aus Schokocreme, Crepes mit heißen Kirschen, Weißwurst, Fisch, alles mögliche geräuchert, sauer eingelegt, mediterane Ecke mit Schafskäse und Oliven, Salate, Wurst-Käse in Essig-Öl, Käseplatte, Obst- und Gemüsesäfte und und und. Nach dem süß, Birchermüsli usw. hole ich Schinken nach und etwas Mango. Das Dickerchen steht an seiner Aufschneidemaschine. Gerne würde ich ihn fragen, wann er heute Feierabend hat….Ich trinke eine Kanne schwarzen Tee. Er macht seine Maschine gewissenhaft sauber.

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Ich räume das Zimmer und nehme die Bayreuther Wurst mit, die auf dem Balkon war über Nacht. Daneben freue ich mich über die Angebote des Hotels und die ganz eigene Ästhetik.

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Die Menschen haben Schuhe vor die Tür gestellt. Hier ist jeden Tag Nikolaus.

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Stephan ist enttäuscht, dass wir schon los wollen nach Straßburg. Claudia gibt meinen Eltern Tipps. Es gibt hinter den Saunen einen Ruheraum mit Wasserbetten und da kann man Smoothies trinken. Stephan bestätigt das und ist dort auch vorgedrungen. Da sollen sie hin.

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Ich treffe unerwartet auf Herrn Brandt (unerwartet deswegen, weil er schon wieder im Dienst ist)

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und wir machen die Exkursion auf die Herrentoilette. Ich sage ihm, „ich wäre jetzt so weit“. Der Gast, der die Stiche oder Federzeichnungen gemacht hat (erinnert mich an Stefan Klenner-Otto), hat dort eine Weile gewohnt und hat die Kunst hinterlassen als Bezahlung. Ich biete anschließend an, ihm die Damentoilette zu zeigen….Da gehe ich noch mal rein, weil ich sie zu sehr liebe, meine Kinderküchenkitschtoilette. Die darf nicht verändert werden, erkläre ich Herrn Brandt, ist Denkmalschutz.

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Auf Valentinstag sind die hier natürlich auch schon eingestellt. Was sonst? Ein Schrank voller Rosen.

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Wir brechen auf, wobei an der Kinderbespaßung

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zu unserem Peugeot. Das standesgemäße Fahrzeug haben wir. Es ist zwischen 12 und 1 Uhr. Etwas Berg hoch kurven und in jeder Ortschaft fragen, ob jemand was vom Bäcker will. Das erheitert ungemein angesichts unserer Sattheit. Nach kurzer Fahrt sind wir am Ziel. Straßburg begrüßt uns mit Regen. Stephane kommt und schließt uns seine Wohnung auf. Er hat wohl im Bareiss gearbeitet in der Patisserie und hat jetzt einen Laden Gagao in Straßburg. Da gibt es Schokolade. In seiner Wohnung gibt es 2 Schlafzimmer (mit bequemen Betten)

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und eine moderne Küche und Bilder an den Wänden, u.a. „I am so gay, I can’t even think straight“.

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Flammkuchen isst man außerhalb, weil die Holzöfen die man dafür benötigt sind in der Stadt verboten, erklärt uns der Gastgeber. In der Stadt ist es was für Touristen. Wir greifen seine Vorschläge gerne auf, aber sehen das nicht so eng, schließlich sind wir Touristen. Auf der Suche nach einem Wasserkocher, bewundere ich das Altglas des Gastgebers…

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Wir ziehen los, erst zum Fahrradladen mit ganz kleinen Peugeotfahrrädern,

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dann weiter zum Fluss mit den schönen Häusern, große Dächer mit Dachfenstern, wie in Nürnberg, aber noch schöner.

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Sehr bald fällt uns auf, dass es hier alles ums Essen geht. Jeder zweite Laden ist eine Chocolaterie und dann Bäckereien, Patisserie und dazwischen Gänsestopfleber und Wein und Restaurants und Weinstuben ohne Ende. Selten gibt es mal einen Friseur oder irgendwas ohne Essen. Wir beschließen, den Dom erst Morgen zu besichtigen und Shoppen zu gehen, leider regnet es. Überall –gerade rund um den Dom sind Souvenirläden aufgebaut und es gibt Störche in allen Varianten, als Stofftiere in allen Größe sowie auf Schürzen und Handtüchern. Ich kaufe erst Karamell mit Salz und Zimt und Nüssen usw. in einem ebenfalls sehr touristisch aufgemachten Laden, der mit französischer Nostalgie lockt, aber die Karamelwürfel haben mich trotzdem überzeugt (Fingertest, die sind weich), dann nehmen wir eine Gänsestopfleber (ich liebe den Türgriff, im Laden sind leere Dosen als Anschauungsmodelle, die Ware ist einfach zu wertvoll), dann sucht Stephan Käse aus und Wein, zum Schluss die gezuckerte Kondensmilch. Das Käsegeschäft ist der Hammer. Die Teile schimmeln vor sich hin und es ist Käse zum anfassen, nicht so hinter einem Tresen, sondern unmittelbar vor der Nase und den Augen, Streichelzoo für Käsefreunde.

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Claudia ist auch hin- und weg. Im Shoppingmal wird sie fündig und kauft einen neuen Duft bei Sephora. Patschouli und Vanille zum selber mischen. Stephan berät sie. Ich bin mit Kathrin im Supermarkt und kaufe 10 Tuben Kondensmilch (das macht 15,- €) und Butter sowie fromage blanc, creme fraiche (in riesigen Bechern) und Fruchtjoghurts sowie kleine fromage blanc mit Frucht (jeweils 4 Stück). Bei den Keksen halte ich mich zurück und kaufe nur eine Packung. Sind ja keine von Sainsbury. Der Korb ist ziemlich schwer an der Kasse. Stephan schleppt.

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Zurück ins Apartment und chillen. Ich könnte glatt auf dem Sofa einschlafen. Irgendwie geht es uns allen so, aber keiner will sich die Blöße geben. Wir raffen uns noch mal auf, obwohl es schwer ist, weil es draußen voll unfreundlich ist und wir alle müde und noch satt sind. Der schwarz vertäfelte Laden, den der Gastgeber empfohlen hat an der Rabenbrücke ist zu. Der zweite (vier Ziegen oder so ähnlich) hat keinen Platz und so landen wir in den Winstub Zuem Strissel (Strauss offenbar). Es war erst an dritter Stelle meiner Hierarchie im Vorfeld hinten dem Katzenladen, der zu hat aufgrund eines Unfalls und einer anderen Winstub Chez Yvonne. Ich nehme einen Flammkuchen mit Trüffel (das was ich für Rindfleischsülze mit Meerettich halte, wäre eine Suppe gewesen und ist aus), Claudia Kartoffelpuffer mit Lachs und Kapern, Kathrin Bibeleskäs, Quark mit Knoblauch extra und einem Stück Rotschimmelkäse und Schinken und Gürkchen und neuen Kartoffel, herrlich angerichtet wie eine Bentobox, wie Claudia feststellt und lecker und Stephan eine Zwiebelsuppe mit ca. 500 gr. Käse drin, absolut köstlich, viel Zwiebeln, süßlich, wenig Brühe, echt gehaltvoll und so was von lecker und Quarkklöße mit Bratensahnesauce mit Morcheln, auch köstlich. Dann Nachtisch. Ich nehme den Gugelhupf Pain Perdu als French Toast mit Eis und Sahne, Stephan Apfeltarte (mittel) und Claudia Merengen mit 3 Kugel Eis und Sahne. Diese Creme Chantilly macht uns kicherig und total glücklich und verrückt. Claudia ist ganz aus dem Häuschen mit ihrem Nachtisch und lobt ihn über den grünen Klee (zu Recht). Die Kombi aus Bröseln von dem Zuckerwerk (und zwar vom Bäcker und nicht aus dem Supermarktregal) mit Fruchteis und der hammer leckeren Sahne ist nicht zu toppen.

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Wir gehen glücklich nach Hause und schlafen diese Nacht gut und erholsam. Ich finde es bemerkenswert, dass uns (d.h. zumindest mir und Claudia) so ein Nachtisch besser schmeckt als im Sterneladen. Der Lumpp kann auch einen Palatschinken machen und den würde ich mal gerne probieren, aber das darf er nicht, zu primitiv, verliert er seine Sterne. Auf dem Heimweg kommen wir vorbei an einem syrischen Restaurant mit Luftballons im Fenster. Hier hat Mutti für alle gekocht und verabschiedet die Gäste mit Küsschen. Eine Karte scheint es nicht zu geben. Das sieht toll aus, aber Sonntag hat hier viel geschlossen.

09.02. Heute ist besseres Wetter. Ich will mich gerade davon schleichen, da kommt Claudi aus dem Zimmer und bietet an mich zu begleiten. Wir wollen Kaffee holen. Beim Bäcker gegenüber gibt es keinen, alles ist zu und wir landen beim Alimentari, Gemüsetürken, Spätkauf und „to go“ heißt á portir (ich muss Pantomime machen). Mutti lässt 4 Espressi aus der offenbar neuen Maschine, mit der sie noch nicht so zu Recht kommt. Der Sohnemann fragt immer geht’s und sagt mehrfach „trück“, Mensch wie schreibt man das bloß auf Französisch. Er ist fatigué und macht hier auch Pantomime. Kopf seitlich auf die zusammengelegten Hände. Ahh hah. Wir holen die Beute nach Hause. Nach dem Verzehr entern wir den Bäckerei „Au Pain de mon Grand Pere“ und kaufen alles Mögliche. Frühstücken tun wir gegenüber in dem dazu gehörigen Laden. Es gibt eine Schale voller Croissants und sehr leckere Baguette-Brötchen und O-Saft und Kaffee.

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Gleich in der Nähe ist der Katzenladen, der wegen eines privaten Unfalls geschlossen hat.

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Nach dem Frühstück schauen wir bei Gagao vorbei, der Laden unseres Vermieters. Der ist leider unterirdisch. Das Corporate Design ist eine Eins, alles gelb-schwarz, aber die heiße Schokolade, die aus Pulver mit viel Zucker von Dosiergläsern an der Wand in Pappbecher gefüllt wird und dann nicht richtig umgerührt und mit vielen Toppings ist einfach schlecht. Da ist der Kakao von Balzac der reinste Gourmet-Kakao. Der Kaffee ist wässerig. Die Jugendlichen freuen sich über die schönen Becher, das stylische Ambiente und die dekorierten Cupcakes und wie Kathrin meinte: wie früher Milchbar, Treffpunkt der Jugend und die vertragen eh nicht so viel Koffein. Es gibt auch die obligatorischen Stempelkarten Gagaomètre. Wenn man ein kleines Getränk nimmt, ist man Amateur und Venti ist hier Professionell. Ich glaube der Laden wird wirtschaftlich ein Erfolg. Es wundert mich, dass sie hier drauf reinfallen, in Japan oder einem Land ohne viel Schokoladenerfahrung wäre es noch einfacher. Es gibt immer wieder tolle Plätze, so auch direkt hinter dem Gagao und diese Bäume, die wie Edward mit den Scherenhänden ausschauen. Ich liebe es. Hier sind sie offenbar gerade nachgeschnitten worden. Woanders sind die Nägel noch lang….

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Dann auf zum Dom und weiter durch die Stadt bei schönem Wetter. Es gibt sogar extra Fahrspuren für Rolli-Fahrer. Wahnsinn!!!

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Karl Lagerfeld ist für Sicherheit im Straßenverkehr zuständig.

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Die Kathedrale toller als gedacht. Zweireihige Buntglasfenster, eine riesige Orgel in der Mitte des Mittelganges, eher Richtung Eingang mit einem riesigen holzgeschnitzten Unterbau. Ein tolles Gewölbe, teils bemalt. Hinter dem Altar sind neben dem Glasfenster alte Wandmalereien. Es sieht eher etwas duster und alt aus. Rechts neben dem Altar um die Ecke eine eindrucksvolle astronomische Uhr. Ich will schon wieder gehen und Stephan bringt mich links um die Ecke zum Jesus am Ölberg als Theaterkulisse aus Stein. So was habe ich noch nie gesehen. Teils sind die Figuren 3-D und teile Reliefs, die Mauern und Bäume und Soldaten, die aufgereiht ankommen mit Morgenstern und finsteren Gesichtsausdrücken. Es ist sehr beeindruckend und hat die Erwartungen weit übertroffen. Gelegentlich scheint auch die Sonne durch die Fenster. Das ist toll!!

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Wir gehen zu dem Madelaine-laden. Sehr plüschig und natürlich kein Platz. Vorne gibt es einen Shop, aber die Verkäuferin sagt sehr gerne „nein“. Kathrin will ein salziges Madelaine „nein“. Die gibt es nicht zum mitnehmen. Claudia will eine Extratüte, damit sie eines der Kunstwerke umpacken kann, wiederum mehrfach nein, bis sie es verstanden hat. Ich sage, die sind mit Butter und sie oberlehrerhaft: Madelaines sind aus Mandeln. O.k. die von Meinl waren mit Butter und auch lecker (das denke ich nur). Sie behandelt uns als wären wir Trottel. Sie sagt uns auch, dass sie sich ärgert, dass sie immer deutsch sprechen müssen und auf der anderen Seite der Grenze niemand französisch spricht. Sie hätten es in der Schule gelernt. Wir auch, aber wir haben seitdem keine Gelegenheit zum üben gehabt. Sie will jetzt nach Österreich fahren und sie hätten ihr auch auf Deutsch geschrieben und nicht auf Französisch. Die Frau nervt. Die Schilder hier sind zweisprachig. Das sie da einen gewissen Vorsprung haben ist doch klar. Soll sie sich freuen, dass sie zweisprachig ist. Wie war das. Hader sagt, erst Olivenöl-Diät, weil die auf Kreta so lange leben, Olivenöl bis es ihm aus den Ohren herauskommt. Jetzt liest er, die Franzosen leben genauso lang. Was ist also das Rezept für ein langes Leben, viel Butter, unfreundlich sein und keine Fremdsprachen sprechen. Daran muss ich instantan denken. Wir essen den zweiten Madelaine, den Stephan sich auf die Hand hat geben lassen und er ist mit Glitzerzucker, wie für Prinzessin Lillifee gemacht und es stößt mich eher etwas ab, weil es so künstlich aussieht, wie Schminke und ja, sie sind lecker, aber das Gehabe ist nicht gerechtfertigt, egal wie toll das Produkt sein möge und auch hier ist noch Platz nach oben. Was soll das?

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Weitere Außenansichten des Tages. An der Kathedrale ist ein Reiter in luftiger Höhe. Er markiert die Ecke eines Turms, so dass es ihn mindestens 2-fach oder auch öfter gibt. Er steht unter einem kleinen Dach, lässt sein Pferd auch immer draußen stehen, zumindest mit dem Kopf. Daher ist der Kopf des Pferdes schon ganz moosgrün.

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Wir laufen am Fluss entlang zu einer großen Brücke. Es ist sehr windig und ich muss mehrfach meine Hut festhalten. Wenn der abgerissen wird vom Wind und in die Fluss fliegt, ist meine Laune dahin.

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Man kann unter der Brücke durchgehen. Hier geht es wieder sehr französisch zu. Es werden Penisse und Erektionen ausgestellt und Penismaschinen, die arhythmisch und ruckartig Fickbewegungen machen.

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Auf der anderen Seite beim Museum skaten welche und andere üben Parcour. Das ist cool anzuschauen. Weil es uns kalt ist gehen wir ins Museum und setzen uns auf ein bequemes Sofa. Stephan meinte, schade, dass er seine Brille nicht dabei habe. Wir zeigen uns wechselseitig Bilder von Kamera und Handy und gehen aufs Klo und verweilen noch eine Weile. Komische Deutsche, wollen sich nur ausruhen und entleeren und schauen ihre eigenen Bilder.

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Wir wollen Kathrin zum Abschied eine Zwiebelsuppe gönnen, aber alles schließt gerade vom Mittag, auch der Käseladen, in dem es nur Käse gibt. Es ist die Zeit zwischen Mittagstisch und Abendgeschäft.

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Sie holt sich ein belegtes Baguette. Vorher gibt es noch einige Schaufensterauslagen zu bestaunen, vor allem Berufsbekleidung.

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Wir essen die Bäckerware mit viel Salzbutter im Apartment und ich mache einen Schwarztee des Gastgebers (Russian evening No. 50, mit weniger Teein). Wir schauen etwas Olympia und ich bastele.

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Kathrin verabschiedet sich. Knapp 300 Kilometer liegen vor ihr. Stephan, der uns durch die ganze Stadt getrieben hat, schläft eine Runde. Claudia macht den DJ mit den Musikprogrammen und schaltet durch. Es gibt viel Black Mucis und Musikvideos. Wir brechen auf mit dem Ziel Käseladen von Tourette. Das Restaurant. Vorbei am Dom. Die Orgelmusik lockt uns an. Organist in dieser Kathedrale. Das wäre doch noch ein Berufswunsch für das nächste Leben. Auch von außer ein tolles Bauwerk mit filigranen Säulen, die aussehen wie Bleistifte und ganz tollen, filigranen Ornamenten und Verzierungen, wie eine Sandburg mit dieser Tropftechnik gemacht. Im Käseladen macht uns die Frau auf, die nachmittags zumachte. Leider haben wir nicht reserviert. Erst um 21:30 Uhr hat sie einen Tisch. Wir wollen es wissen und willigen ein. Nebenan ist eine Bar. Auf Stadt entdecken haben die Frauen keine Lust mehr. Hier gibt es Zapfhähne an den Tischen und man kann sein Bier selber zapfen und sich durch die verschiedenen Sorten durchprobieren. Es gibt auch Wein und Cocktails (für mich alkoholfrei und mit französischem Maoam).

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Die Jugendlichen essen Salami und Käsewürfel zum Bier. Sie werden immer ausgelassener. Hier gibt es überall was Leckeres zu essen. Nach knapp einer Stunde wechseln wir nach nebenan. Ich nehme das Raclette und Stephan das Fondue mit Blauschimmelkäse und Claudia einen Käseteller. Die eigentlichen Käseteller gibt es erst ab 2 Personen. Ich bin enttäuscht. Das Raclette ist nicht am offenen Feuer, sondern ich bekomme einen Tischgrill. Ich bin überfordert mit der Bedienung und kann bald nicht mehr. Ich schiebe den Grill zurück, aber es fließt noch tonnenweise Käse auf den Teller nach, den ich dann zurück gehen lasse. Das ist mir peinlich. Stephan fragt beim Abräumen, ob wir was falsch gemacht haben. Da muss die andere Bedienung geholt werden wegen der Sprache. Die sagt dann, dass sie es sauber machen und noch mal verwenden. Lost in translation. Amerikanische Touristen sind an den Nebentischen. Stephans Fondueflamme geht mehrfach aus und die Masse trennt sich. Die festen Anteile schwimmen im Fett. Ich bekomme Lachanfälle und Stephan zimmert sich alles rein, auch den letzten riesigen Bissen, zäh wie Toffee dreht er den beigen Spieß und wäre daran fast erstickt. Ich befürchte eine schlimme Nacht, aber das bleibt aus. Ein fluffiges Fondue wie in St. Gallen war das nicht, viel zu viel und auch nicht richtig lecker, lieblos irgendwie. Der Laden bekommt keine guten Noten, außer für das Konzept und den Namen. Auch zum Käseteller gehören leckeres Früchtebrot und Chutneys.

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Am nächsten Morgen fällt mir ein, dass er den Speck, der lecker war, aber auch mit den Pilzen in Fett schwamm, auch noch in sein Fondue hätte kippen sollen. Den Speck hatte überwiegend ich gegessen, weil ich keinen Käse mehr sehen konnte. Zuhause läuft ein altes Video von Rita Mitsouko aus dem Jahr 1986. Ich gehe unmittelbar schlafen.

10.02. Schwarztee und eine selbstgemachte Postkarte für den Gastgeber.

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Leider schüttet es heute und unser Plan mit dem Gepäck am Dom vorbei langsam Richtung Bahnhof und auf dem Weg bei Chez Yvonne Mittagstisch machen geht nicht auf. Gut, dass wir unsere Einkäufe gleich am Samstag erledigt haben, dass wäre heute nicht gegangen oder in puren Stress ausgeartet. Wir duschen alle und nehmen einen Bus direkt vor der Haustür. Man kann im Eingang bzw. Hausflur stehen bis der Bus kommt. Wie zuhause.

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Nein, keine retour, wir hauen ab. „Aller Simple“, 1,60 €. Einmal umsteigen in die Straßenbahn mit den großen Fenstern und dann zum Bahnhof. Wir wollen das Gepäck einschließen. Das kostet 9,50 €, was uns viel erscheint für knapp 2 Stunden. Es wird durchleuchtet wie am Flughafen und den Automaten verstehen wir auch erst nicht. Den Typen wollen wir nach einem Restaurant fragen, er schickt uns zur Touristinformation. Die Frau da ist wieder geil unfreundlich. Ich erkläre ihr unser Anliegen. Sie: was leckeres Essen? Wir sind am Bahnhof. Hier gibt es Döner. Gegenüber wäre eine Brasserie Les Dix. Das könnten wir probieren. Ganz normale Gerichte gibt es da. Wenn wir was Leckeres wollen, dann müssen wir in die Altstadt. Sie zeigt sie uns auf dem Stadtplan. Nein, die kennen wir, ist klar. Nochmal wir sind am Bahnhof und wie dämlich ist meine Frage. Ich bedanke mich und wir gehen nach gegenüber. Es ist gut besucht. Dafür hätten wir das Gepäck nicht wegschließen müssen. Ich esse Fleischküchle mit Kartoffeln und Salat und Stephan Flammkuchen mit Münsterkäse und ich einen süßen Flammkuchen mit Äpfeln und Walnüssen. Zum Essen bestellen wir reichlich Kaffee, Claudia sagt, wie Russen.

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Ein schöner Abschluss. Dann im Bahnhof noch zu Paul, einem Bäcker. Ein Baguette für abends und einen Smoothie, weil der so eine niedlich Strickmütze mit Bommel hat und man für 30 Cent einen guten Zweck unterstützt. Als Deko für meine Sigg-Flasche nur bedingt geeignet.

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TGV- alles o.k. Katzensprung nach Deutschland. Ich frage die Zugbegleiterin, ob wir schon da sind und sie sagt was von Handynetz. Stephan sagt, alles Quatsch, der Fluss ist die Grenze, der Rhein. Rechts sind Berge, das sei der Schwarzwald und links das Rheintal. Erdkunde mal nicht im Atlas, sondern live.

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Nach Baden-Baden kein Halt bis Kassel. Schnell ist man zuhause. Vielleicht kommt Claudi mit nach Kalifornien. Jetzt ist dann erst mal Zeit zum Abschied nehmen.

Ist Straßburg das Hannover von Frankreich? Die Leute glotzen nicht, es wird viel Fahrrad gefahren, auch ohne Licht, es gibt eine kleine Skaterszene und die Leute können auch richtig unfreundlich sein. Gut bei uns am Flohmarkt ist es lange nicht so malerisch, da will ich mal die Gegend dort nicht beleidigen. Die Kulisse hier hat mich schon sehr beeindruckt. Das Fachwerk ist nicht Braunschweig. Das ist Manhattan des Fachwerks mit 5-6 Stockwerken und die Altstadt nimmt kein Ende und damit ist Mittelalter gemeint. Die Altbauten 18./19. Jahrhundert haben sie daneben auch. Das ist schon echt cool und schön.

Mein Rock zwickt. Gottseidank ist man dieser Fress- und Teppichhölle im Schwarzwald entkommen, selbst der Fahrstuhl ist plüschig, die reinste Gummizelle aus Textil. Die kleinen Handwaschseifen haben sie abgeschafft gegen einen Seifenspender. Schade, davon haben wir jahrelang gezehrt als Bidetseifen. Das geht also auch nicht mehr. Im Kleinen sparen für die Gänseleber.

Ich habe mich verlegen und mein Nacken tut einseitig weh. Kurz bin ich im Zug euphorisch und will zum Sport. Das ist ganz schnell durch das Thema, d.h. ich bin durch. Telefoniere nur noch kurz mit meinen Eltern. Es gab auch Tomatenkonsomée im Spa-Bereich und meine Mutter hat auf den Wasserbetten geschlafen. Es war also wohl noch schön. Sie sind weiter gefahren zu süddeutscher Verwandtschaft um sich den Tag zu vertreiben.

Tertium non datur

03.02. Frauen ohne Schminke und gekünstelte Frisur sehen besser aus. Im Dschungel sehen sie besser aus als dann für die Show zurecht gemacht und dann wozu der Aufwand. Sie bekommen es auch noch gesagt und ignorieren es trotzdem. Denken sie, dass man sie anlügt? Können sie es selber nicht so sehen, dass natürlich einfach schöner aussieht? Finde Antworten auf alle Fragen im Fernsehen. Das mit meinen wenigen Haaren macht nichts bzw. wird von mir überschätzt. Will ich so eine beknackte Frisur, die einfach nur künstlich ausschaut? Nein. Bin ich der Typ praktische Kurzhaarfrisur? Nein.

Nachtrag (es wird der Beitrag der Nachträge): Fetzen aus meinen Träume der letzten Nächte. Ende der letzten Woche hatte ich einen. Da war eine Faschingsparty und da war so eine Art Geisterbahn im Keller, aber richtig gruselig und man musste vorher an großen Spinnen und Horrorzwillingen usw. und ich habe abgebrochen und gesagt, ich muss aufs Klo. Oben habe ich dann gesagt, ich will da nicht mehr runter. Das macht mir Angst. Alle anderen: das ist ganz normal, stell Dich nicht so an. Da ist eine Diskoveranstaltung im Keller, wenn Du erst mal an den Gruseldarstellern vorbei bist. Ich blieb aber hart und habe mich nicht verbiegen lassen und fand das gut, so für Traum und so. Dass ich dann sage, ist mir egal, auch wenn alle anderen das normal finden. Dann habe ich mehrere Träume, in denen es offenbar um meine neue Buchbindertätigkeit/-erfahrung geht. Gestern Nacht war es ein Tapetenkleisterkurs, den ich mit mehreren Asiaten besucht. An der Wand asiatische Schnitzereien, Wolken und so was. Alles sehr aufgeräumt und man sitzt auf Barhockern an Tischen, alle Plätze voll.

Morgens schaue ich mir noch mal meine neue Katzenfreundin an.

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Stephan sagt, es war vielleicht ein Luchs. Die gäbe es wieder in Niedersachsen laut Haz. Die Vorstellung finde ich lustig. Außerdem will ich bei dem Haus in der Gartenstraße klingeln und mich als Urlaubssitter für meine graue Freundin anbieten, aber ich weiß nicht wo und die halten mich dann auch für verrückt, wenn ich sage, die Katze steht auf mich und überhaupt es war Liebe auf den ersten Blick. Sie hat sich so schön streicheln lassen und trotz des langen, buschigen Fells, hatte man nicht die ganze Hand voller Haare. Sehr angenehm.

Hier im Büro gibt es einen neuen Hund, aber der ist für zuhause und nicht fürs Büro. Ich gucke Handyfotos. Süüüß, die Mischlingshündin (Modell kleiner Schäferhund mit was anderem drin)  in ihrem neuen Körbchen. Schade, dass ich da nicht ran darf. Ich probiere mich in Überredungsversuchen, dass ich ihn nicht jedes Mal aufpeitsche, wenn ich zum Kopierer gehe- versprochen. Das klingt wohl recht hohl. Dann sage ich, die noch mit der grauen Riesenkatze vergesellschaften, dass beide zusammen im Körbchen liegen….ähhhh, jetzt geht wohl meine Phantasie mit mir durch. Die Mitarbeiterin steht auf Depeche Mode und ich sage ihr, da ist Party im Ferry oder war. Da ist sie auswärtig zum DM Konzert, war eh Depeche Mode – elektro. Was heißt das? Das die Hits housig aufgemacht werden? Nein, aber zwischendrin würde halt Elektro gespielt, statt 80er Jahre, ihr wäre das lieber. Ich sage, das versaut doch Depeche Mode, also für mich klingt das wie Spagetti Carbonara (extrem versalzen). Das will ich dann auch nicht mehr.

Nachtrag Rossi am Sonntag. Hier gab es total leckere Engadiner Nusstorte und auch ein älteres Publikum, was eher zu uns passt (gegenüber den Jungeltern und Hipstern in der Menagerie).

Nachtrag Wochenende. Ich schreibe Emails mit meiner Cousine, die uns eingeladen hat zu ihrem fünfzigsten und das ist eine Sternekoch, der eine Kochschule hat im Bühler Tal und dann Wellnesshotel und am nächsten Abend Whiskyprobe. Das klingt alles so, als hätten wir da viel Spaß gehabt und das wir ausgerechnet an dem Wochenende was Ähnliches, gleich um die Ecke gebucht haben, ist Pech, weil das wäre auch Stoff für zwei Wochenenden gewesen, aber nicht so gierig sein, manchmal geht nicht beides und doppelt geht sowieso nicht.

Nachtrag zum Kunstverein. Mir geht diese Videotechnik nicht aus dem Kopf und ich überlege immer welche Filmausschnitte ich aneinandermorphen würde, wenn ich das könnte. Filmausschnitte, bei denen jemand Blumen überreicht bekommt und die wegpfeffert oder Särge, die in die Erde gelassen werden oder Eiskugeln, die beim Lecken herunterfallen. Es gibt so viel!

Bei der Arbeit behelligen mich alle mit diesen Musterklagen gegen die Müllgebühren. Ich habe da keine Meinung dazu. Haus und Grund verschickt eine Musterklage. Da sollen sich die Leute dran lang hangeln. Frage meinen Mann was wir machen und die Antwort ist: nix. Ihm komme das jetzt gerechter vor. Gottseidank lassen wir uns nicht von der Haz aufhetzen, wie aufgezogen sind die Leute. Ich will mich da wirklich nicht mit beschäftigen als gäbe es sonst nichts. Ich glaube, dass dieses Klagen für viele einen unerhörten Unterhaltungswert hat. Etwas Spannung im Leben.

Das mit Philip Seymour Hoffmann ist traurig. Das geht bestimmt vielen so und da kann man mal wieder sehen. Man schaut nicht hinter die Fassade (ob Hollywood oder sonst was) und außerdem eine schöne Bestätigung für mich was das Aufhören anbelangt. Der Typ hat mit mir Geburtstag! Ich denke, der hat intensiv gelebt, das ergibt sich schon aus den Rollen, die er gespielt hat. Das ist bestimmt wie viele Leben auf einmal leben oder zumindest emotional mehrstimmig im Gegensatz zu den reinen Konsumenten (des Kinos). Habe Theater geplant und frage die Tochter des Kollegen, ob sie mit den alten Säcken rein will. „The Black Rider“ und Schillers Räuber mit Geräuschen stehen auf meiner Wunschliste.

Den neuen Mietvertrag gibt es in der Räumungssache. Ich bin nur bei der Umsetzung skeptisch. Neue Wohnung renovieren und Laminat verlegen und das alte alles Räumen, die Berge voller Sache nicht einzeln mit der Bahn von A nach B. Das ist Armeisenprinzip und bringt uns nicht weiter. Im Moment wird es aufgrund arbeitgeberbedingter Umstände erst mal mehr. Nein, keine Sachen bei ebay verkaufen. Wir müssen uns jetzt etwas fokussieren. Das wird noch anstrengend. Auf de Klage muss ich wohl erwidern, ich kann mich unter diesen Umständen nicht auf einen Räumungsvergleich einlassen und dann schafft er das nicht und ich kann keinen Räumungsschutz beantragen. Das geht leider nicht. Sonst normaler Arbeitstag. Ich bin leider sehr ungehalten mit der sehbehinderten Betreuten, die dem Handyanbieter einfach Raten anbietet, weil sie so süchtig ist nach dem Scheißteil, dass sie eine Niere verkauft bevor das abgestellt wird. Ich sage ihr, sie macht meine Arbeit zunichte, dann soll sie das wieder übernehmen und dann halt das Essen einstellen. Wie kann man so handysüchtig sein? Alle haben Handys außer Katzen (Wladimir Kaminer), sage ich nur.

Mittags Marktkaffee. So sieht es aus, wenn ich Zitronentarte gerecht teile (die ist allerdings von der Kaffeepause).

Zitronentarte Kaffeepause

Ich denke, wir sind wie Tote, die ein paar Mal mittags ins Marktkaffee gehen. So muss man leben, in dem Bewusstsein. Das hilft. Wie Hader singt: „In 70 Jahren weiß keiner mehr, wie wir uns begegnet sind, damals in der Josefstädter Straße, weiß keiner mehr von unserer Liebe, von den dämlichen Magneten am Kühlschrank“. usw. Diese brutale, aber ehrliche Sichtweise hilft. Genauso hat es mir schlussendlich geholfen, dass man Anfang 20 dachte, bei mir lohnt sich das Studieren nicht mehr. Es hat alles intensiver gemacht. Seitdem hat allerdings oft die Verdrängung überhand genommen und das Negieren der Endlichkeit ist ein Spezialfach von mir. Ich muss dagegen ankämpfen und mich zwingen, es mir immer wieder vor Augen zu führen, wie es ist.

Nachmittags kommt der Mann mit dem obszönen Namen im dritten Anlauf. Er hat frisch lackierte Nägel. Alle im Büro müssen lachen bzw. ohhh Gott sagen, wenn sie den Namen hören. Armer Kerl. Das beeinträchtigt einen schon so ein Name, wenn er so krass ist. Ich freue mich auf das Doppelprogramm Sport und die Linzer Torte im Anschluss.

Den BaföG-Schuldner kurz vor dem Rentenalter. Erlass wird vom Bundesverwaltungsamt abgelehnt, aber wenigstens Freistellung für 3 und nicht 1 Jahr. Dann ist er definitiv Rentner. Da fragt man sich auch, was das soll.

Mikael liest meinen Blog und spricht mich auf die Wiengeschichte an, dass man den Eindruck haben würde beim Lesen, dass es genau so gewesen sei, wie ich schreibe. Das macht mich ein bisschen stolz und freut mich und ich schätze so sehr seinen Yogaunterricht. Ich denke regelmäßig an einen Liedtext: „weil wir sind gesegnet mit den Menschen, die uns begegnet sind“ (Nosliw). So ist das hier. Unser Freund Nils hat die Tai Chi Schule. Eines Tages frage ich ihn, ob da nicht so ein Typ Yoga bei ihm unterrichtet und lerne Mikael kennen und merke, was er für Fähigkeiten hat, die aber weitgehend ungenutzt vor sich hin schlummern und dann hat er dem Movenyo-Studio ausgeholfen, die einen vernünftigen Yogalehrer dringend brauchten und kann er jetzt ganz viele Menschen glücklich machen und voran bringen mit seinen Fähigkeiten und er selber ist auch glücklich und merkt sich alle 25 Vornamen (in jedem Kurs andere und neue), so dass man ihn bei „Wetten dass…..“ anmelden will. Wechselseitige Segnung, quasi. Dass er Franzose ist und lustige Sachen sagt, das kommt noch oben drauf. Bei der Stuhl-Asana, sag er Stuhlstellung und letztes Mal zwei Mal Stuhlgang als Versprecher und da steht dieser Kopfstandhocker, der medizinisch ausschaut daneben. Es war sehr lustig.

Heute ist der Kurs wieder knallvoll und es üben auch eine russische Mutter mit ihren zwei Töchtern gleich in meiner Nähe. Die Töchter sind wie aus dem Märchen, sehr verschieden. Mehr sage ich dazu nicht. Auch eine Tierärztin ist wohl bei uns im Kurs. Das Gesicht muss ich mir merken.

Es geht weiter mit dem Philosophieren! Auch die Betreuten sind wie Freunde, ich sehe sie gerne und sie geben mir Trost und Halt. Nachtrag: Das ist das Geheimnis. Auch an einem guten Arzt-Patienten-Verhältnis, dass man sich mag und nicht alles nur 100% professionell ist oder was dafür gehalten wird. Die Oberärztin mag meine Dauerpatientin, die die meisten nur schlimm finden. Sie geht mit ihr zu einem Konzert und ist begeistert, wie musikalisch sie ist und was sie alles weiß und hört. Das merkt man dem Behandlungsverhältnis an und das ist gut so. Diese Sympathie schafft was, was die Qualität der Behandlung eher steigert. Ich will auch lieber von Ärzten behandelt und von Betreuern betreut werden, die mich mögen bzw. von meiner Warte aus geht es nur über diese Bindung, die ich aufbaue, sonst würde ich es nicht machen können oder nicht so, wie ich es mache. Ich denke an meine Betreuten mit Demenz und dem Alkoholikersohn, die gestorben ist und immer sagte, ich wäre ihre beste Freundin (natürlich aus der Demenz heraus, aber das war egal). Die hat mal so schön gesagt, wenn Du mal Probleme hast, kannst Du ruhig zu mir kommen und Recht hatte sie. Nicht, dass ich das tue. Das Gefühl, dass ich es könnte reicht mir schon. Wenn ich mal schlecht drauf bin, fahre ich einfach zu einem meiner Schützlinge und der ist vielleicht gerade in der Klinik und gehe mit dem/der im Park spazieren und ich bin mir sicher, anschließend geht es uns beiden besser.  Beim Rattenkönig wurde ich gefragt, ob ich mit ihm raus möchte und sagte nein. Dafür war keine Zeit, aber ich weiß,  dass es gegangen wäre und in gegebener Situation zu dem obigen Ergebnis geführt hätte.

Mein Oldtimerfahrrad lässt auf sich warten. Muss ich mal Jörg anhauen, der es losschicken wollte. Der Kurierdienst hätte es Anfang letzter Woche liefern sollen, unsere Rufnummer hatte ich gegeben, frag mal nach, denke ich am Küchengarten, dann Lichtenbergkreisel Zischgeräusche, so dass ich erst denke, da ist ein Papier eingeklemmt zwischen Schutzblech und Reifen, aber nein, einfach ein total lauter Platten, der so ein hörbar großes Loch macht, dass der Reifen in sekundenschnelle leer ist. Ich war fast zuhause. Hatte Glück.

Ich hatte dann mal im Internet geguckt, wie es da ausschaut in Straßburg und ich finde so, wie ich mir Belgien vorstelle, alte Häuser, klein, malerisch, ein Fluss in der Mitte. Ich schaue Restaurants, aber nur die Namen und auf der dritten Seite klicke ich das erste an und hier gibt es so eine Art High Tea mit selbstgemachten Madelaines. Da haben mir die vom Meinl aus Wien so gut geschmeckt! Ich bin aus dem Häuschen. Das ist ein Zeichen, rufe ich Stephan zu.

04.02 Traum vom Fliegen nach Australien. Der Punkt im Traum ist der lange Flug. 16 Stunden, immer wieder ausrechnen, wann wir ankommen. Im ersten Flieger, die Kurzstrecke, die anderen beneiden uns, weil wir so weit fliegen. Das Hauptticket fliegt zwei Mal aus dem Fenster und klebt von außen an einem heraus geklappten Flugzeugteil. Einmal muss ich es holen und einmal kontrolliert es die Stewardess und lässt es ausversehen los, kann es aber wieder bergen. Ich bedanke mich morgens bei der kalifornischen Verwandtschaft, die uns zu Ehre ein Familienfest ausrichtet und schreibe, dass ich schon von Langstreckenflügen träume und die Vorfreude unermesslich groß ist.

Heute findet der Rücktransport der Verletzten von Österreich aus dem Skiort nach Süddeutschland statt. Wir denken beim Kaffee trinken an sie. Ihr Mann holt sie ab.

Ich muss mit der alten Gurke zum Gericht fahren und meine dicke Gerichtsvollziehertasche hängt neben meiner sperrigen Handtasche und wenn die Autos so knapp an mir vorbeifahren bekomme ich Wutanfälle und sage, die müssen mich dann richtig überfahren, sonst haue ich denen welche rein, wenn die mich umreißen mit ihrem Außenspiegel. Denen gehört ihrer Meinung nach die Straße und je dicker das Auto, desto mehr. Ich fahre in einer halben Vorderbeuge und meine Knie reichen fast bis zum Kinn. Ich merke erst mal, wie komfortabel mein neues Fahrrad ist.

Nachtrag: was mit schon öfter in diesem Winter aufgefallen ist und was gar nicht geht sind Plastikjacken mit einem Pelzkragen. Das sieht beschissen aus und ist echt schade um die Tiere. Meine Pelzmäntel, die aus den 50ern stammen sehen alle noch tadellos aus und halten noch mehrere Generationen. Das macht Sinn so was zu tragen, sich eine neue Jacke zu kaufen, die aus gefütterten Plastikringen besteht und damit das niedlicher ausschaut einen Pelzring um den Kopf hat, das macht keinen Sinn und sieht auch richtig beknackt aus, vor allem wenn es Männer tragen, Weicheimode.

Scheidungstermin in der türkischen Sache. Es kommt zu zeitlichen Verschiebungen und wir warten mit einer echt netten Kollegin, die hat graue, kurze Haare und ich mag sie sehr. Aus dem Sitzungssaal kommt eine total gekünstelte und schlimme Kollegin, die später bei uns im Büro auftaucht. Ich bespreche die Sache mit meinem, weil das natürlich nie eine Ehe war und er so was nicht sagen darf. Ich werde reden. Ich dachte, die Frau wäre nach der Eheschließung zurück in die Türkei, weil ihre Mutter krank geworden ist. Mutter wurde auch krank, wohnte und wohnt aber in Deutschland. Sie ist damals vor 10 Jahren zurückgegangen, weil sie zwei Kinder aus erster Ehe dort hatte, die heute 16 bis 18 Jahre alt sind, damals also richtig klein waren.

Danach kaufe ich Theaterkarten für 3 Stücke, 2 x mit Schülerkarte dabei. Immer 1. Reihe. Das gibt teilweile nur 25 % Ermäßigung mit der Schülerkarte und das andere Mal kostet die Karte mit Schülerrabatt nur 9,30 €. Also ganz schöne Preisspanne. Einmal billiger als Kino und das andere Mal 3 x so viel. Soll für Wenzel Storch auch Karten besorgen, aber hier macht die Vorverkaufsstelle erst um 12 Uhr auf. Damit kann ich nicht dienen.

Streichhölzer

Kurz auf den Markt. Das sitzt das Weinweib mit ihrem Freund. Ich überlege kurz, ob ich rüber gehe und mich für meinen Auftritt neulich entschuldige. Das ist schon schlimm, wenn es soweit ist. Andererseits machen die das beruflich und kennen die Ausfälle der Leute. Sie nehmen es ja billigend in Kauf, quasi, also muss ich das auch nicht tun. Die Ausfälle hatte ich nicht näher beschrieben, aber sie waren schlimm. Es war nicht nur lallen und Filmriss, sondern ich hatte auch Ausfälle der Beinmuskel/-nerven und das hat mir Angst gemacht (Nervenstörung durch Alkohol?) und mich an meine Lähmung damals erinnert und war dann auch der Ausschlag für meinen Entschluss. Wie ihr merkt, richtig freiwillig ist das nicht und ich frage mich immer, wie ich das nächstes Wochenende in Frankreich erklären soll, dass ich keinen Wein trinke. Wird es der Franzose an sich akzeptieren? Womit werde ich anstoßen?

Wohngeldstelle nervt, hatte Mieterhöhung geltend gemacht. Sie haben gesehen, dass es zwischenzeitlich wohl noch eine Mieterhöhung gab, die ihnen nicht gemeldet wurde. Ich sage, berechnen Sie doch nach den Zahlen, die Ihnen jetzt vorliegen oder wollten Sie was nachzahlen? Nein, es wirkt sich gar nicht aus. Und warum soll ich dann nachschauen? frage ich die Tussi und frage mich was das soll. Ist das Sukodu-Heft voll?

Mittags gibt es Erklärungen für das Finanzamt ausfüllen und Linzer Torte mit Marillenmarmelade. Außerdem den letzten Bonbon mit der gesüßter Kondensmilch von Regilait. Das kann man auch keinem normalen Menschen erklären, dass ich nach Frankreich will um da gezuckerte Kondensmilch in rauen Mengen einzukaufen.

Ja, ich bin sehr verfressen und bestelle mir Salami nach Baiersbronn. Meine Eltern sind zwar auch der Meinung, dass wir doch dann nach Frankreich fahren würden, aber sie machen es, weil bei Salami bin ich eigen, wie ich das Begehr begründe und ich will die vom Metzger meines Vertrauens, nach italienische Art aus eigener Herstellung. Da weiß ich, dass die mir schmeckt. Jetzt gerade wo ich keinen Alkohol trinke, brauche ich viel leckeres Essen. Auf meine Eltern ist Verlass. Meine Mutter sagt gleich: „alles“ und ich soll nicht so herumdrucksen, sondern raus mit der Sprache. Mama und ich beschließen, dass Frauen so eine Weinbegleitung zum 8-Gänge Menü auch gar nicht schaffen können. Andere haben das vorher schon eingesehen, nur ich nicht. Sekt und dann 8 Gläser Wein, da bin ich kein Gewinn mehr für gar niemand. Das kann man gar nicht schaffen. Ich zumindest nicht mehr.

Ich habe jetzt die Idee für ein weiteres Buch. Ich werde es mit Fleischcollagen, ich hatte die Serie mal Wurstfamilie genannt, machen. Ich habe mir von Verwandten aus der Nähe von Baden-Baden, Gernsbach oder so die Edeka-Prospekte zuschicken lassen, die ich zuvor dort auf dem Küchentisch entdeckt habe bzw. diese taten es freundlicherweise und da sind so große Fleisch- und Wurstbilder drin, dass sie das Postkartenformat sprengen. Ich hatte immer überlegt, wohin damit, (wollte erst ein großes Format damit bebasteln) zumal die Wände bei uns schon voll und das Projekt dann beiseite gelegt. Jetzt weiß ich es: Buchprojekt! Yuhu!!!

Ich muss mein Fahrrad selber zur Reparatur bringen zum Laden nebenan, weil Stephan boykottiert, dass ich das Fahrrad nicht dort gekauft habe, sondern von einem anderen kleinen Fahrradladen in Linden. Das muss ich nicht verstehen, aber konsequent ist er dann schon. Sonst tut er alles für mich, aber hier hat er es mir gesagt, dass er dann nicht mithilft und zieht das auch durch.

Nachmittags kommen Betreute ohne Termin. Einer kommt von einem Eignungstest vom Arbeitsamt, der sich letzte Woche beschwert hatte über mich und sich dann entschuldigt hat, dass er nur genervt war, aber nicht von mir. Ein anderer, für den ich noch nicht bestellt bin. Dieser Fall wird interessant. Der junge Mann hört Stimmen. Heute wollte er erst mal nur meine Visitenkarte, dass er meine Nummer hat.  Er war in der Klinik und hatte mich anrufen wollen. Als er geht, stellt sich durch einen Anruf beim Gericht heraus, dass die Richterin doch schon bei ihm war (das hatte er verneint), aber er wohl nicht so ganz bei sich war. Ich bin bestellt.

Nachmittags hole ich mein Rad wieder ab. Die Inhaberin ist freundlich wie immer. Die hat nicht das Thema meines Mannes. Ich bin auch nicht sauer, wenn die Leute zum Kollegen gehen. Warum auch. Ich bedanke mich überschwänglich für die schnelle Arbeit. Ohne Fahrrad sei bei mir wie Rollifahrer ohne Rollstuhl und so waren es weniger als 24 Stunden insgesamt ohne bzw. mit der Notlösung. Ich bin euphorisch, dass mein fahrbarer Untersatz wieder da ist.

Paps hat wieder einen lateinischen Spruch neu entdeckt.: „Tertium non datur“, bezogen darauf, dass manche sagen, für den Preis des Treffens mit Essen und Übernachtung im Bareiss könne man eine Woche Urlaub in Italien machen. Es gibt Dinge, die gibt es nur in dieser Konstellation oder gar nicht. Man kann sie so erleben oder eben nicht. Es gibt dazu keine Alternative. Ich sage, die Grabstätte in Nürnberg ist nicht groß genug für die ganzen herrlichen, lateinischen Sprüche. Die ist dann ganz vollgetagt. Wäre auch noch cool.

05.02. Heute stand es in der Haz. Stephan hatte mir gestern davon erzählt, dass er einen Anruf bekommt, eine Stimme, die indische Englisch spricht und von Microsoft aus anruft und fragt, ob er in der Nähe seines Rechners sei, sei er doch bestimmt. Stephan fragte ihn dann, ob er jetzt alle seine Passwörter benötigen würde und beendete das Gespräch in dem er ihm sagte, er sei demnächst persönlich in Kalifornien und würde dann vorbei schauen. Mein Mann ist sau cool mit Scherzanrufern.

Morgens noch ruft der Handyanbieter meiner Blinden an und ich drohe schon und sage, die ist jetzt auch in der Klinik gelandet und, dass ich es ungeheuerlich finden würde und jetzt wissen wolle. Am Ende statt über 700,- € nur noch 260,30 € und ab nächsten Monat wieder normal um die 30,- €. Alles andere storniert.

Dann kommt die Anklage gegen meinen schwerbehinderten Betreuten, der seinen 16-Jährigen Sohn losgeschickt haben soll Hasch zu kaufen. Wir brauchen jetzt fachliche Unterstützung. Stephan sagt, hoffentlich wird sein Elektrorolli nicht beschlagnahmt.

Heute freue ich mich über „Tertium non datur“. Das leuchtet mir ein und gefällt mir der lateinische Spruch. Nicht wörtlich übersetzt auf Englisch war der Vorschlag: „take it or leave it“, ein Drittes wird es nicht geben, eben.

06.02. Ich träume davon, dass ich ausversehen ein Glas Sekt getrunken habe. Ich habe angestoßen und dann war es schon drin und ich dachte nur, scheiße. Kann ich nicht rückgängig machen und dann wieder: ist nicht so schlimm, war ein Ausrutscher und ich höre sofort wieder auf und dann war es nicht so tragisch. Ich glaube, der Hintergrund ist meine Angst: Wie soll ich es den Franzosen erklären? Bareiss finde ich nicht schlimm, aber ich überlege die ganze Zeit krampfhaft wie man sagt: „ich würde gerne was Leckeres ohne Alkohol trinken“ auf Französisch sagt. Oh Mann, ich langweile auch mit dem Thema, ich weiß. Der andere Traum war auch lustiger. Unser Dackel, Tinkel, kam darin vor und spielte mit einem anderen Hund und ich wurde gefragt, wie alt der Hund sei und habe dann angefangen zu rechnen. Ich bin 44, musste dann auf 46 verbessern und habe den Hund zur Geburt meines kleinen Bruders bekommen, also ist der Hund 29. Das sei schon sehr alt für einen Hund, wunderte ich mich in dem Moment. Mein Bruder ist übrigens auch schon 40, wie Stephan dann beim Erzählen zu Recht anmerkte. Auch im Traum hapert es mit dem Rechnen.

Jeden Tag findet mein Mann lustige Artikel in der Haz. Heute, ein Filmemacher filmt sich selber als Napoleon. Das Kostüm hat ihm seine Mutter genäht. Dann Busfahrer (58) schlägt Lindenerin (35). Die Frau war mit einer Freundin am Küchengarten eingestiegen mit einer Flasche Sekt. Der Busfahrer meinte, der Bus sei voll. Das haben die Frauen ignoriert und ihre Monatskarten vorgezeigt und sind eingestiegen. Am Steintor stiegen viele Passagiere aus und nun wollte der Busfahrer aus unerfindlichen Gründen, dass die beiden Frauen auch aussteigen, aber die wollten zum ZOB und weigerten sich. Dann kam es zum Gerangel und das endete mit einer blutigen Nase für die 35-Jährige. Der Fahrer muss 500,- € zahlen. Ist auch wenig, dafür…..

Wegen eines Familienstreites wird bei mir angefragt und ich soll etwas Juristisches von mir geben, dabei halte ich es nicht für ein rechtliches Problem und es ist meine Familie in etwas weiterem Sinne. Mein Rat: „Du musst Dir sagen, wir sind nur Tote auf Urlaub. Das Leben ist kurz. Es ist meine Schwester. Es ist nur bedrucktes Geld und das als Mantra jeden Morgen und Abend beten. Das ist mein Vorschlag und den meine ich ernst“.

Die Arbeit wird immer wieder unterbrochen durch meine Vorfreude. Stephan findet „Fromagerie Tourette“ und ich darf in den Blog gar nicht rein schreiben, was mir dazu an Käseobzönitäten eingefallen ist, sonst kann ich mich vor Spam nicht retten. Ich will jedenfalls unbedingt hin, schon alleine um mir ein „Formagerie Tourette“- Hütchen zu machen oder besser noch 365, wie ich meiner Schwägerin schrieb. Die erste Restaurantabsage haben wir auch schon bekommen. Meine Schwägerin hat freundlicherweise die Korrespondenz übernommen:  “Cette Samedi? C’est fermé, mon mari a eu un accident de travail, désolée . » Meine Schwägerin schrieb dazu : Heisst auf gut deutsch : er hat sich beim Dosenöffnen in die Finger geschnitten, oder ist den Katzen auf den Brücken hinterhergelaufen oder ist ausgerutscht, wie auch immer, das Restaurant ist leider wegen eines Arbeitsunfalls geschlossen. Wir werden aller Voraussicht nach in eine Weinstube gehen und da gibt es dann womöglich Elsässer Flammkuchen und zwar nicht die tiefgefrorene von Netto. Wir steigern uns gegenseitig rein und bekommen Hunger ohne Ende.

Ich habe wegen der Kondensmilch die Firma Regilait angeschrieben, weil ich der Reisegruppe in der knappen Zeit, die wir haben nicht zumuten will, dass wir von Supermarkt zu Supermarkt pilgern auf der Suche nach dem Zeug, nach dem ich süchtig bin. Ich habe auf Englisch geschrieben, aber einfach formuliert. Diese Franzosen antworten nicht! Halten sie meine Anfrage für einen Spam? Ich will wissen, wo man gezuckerte Kondensmilch in Straßburg kaufen kann. Es klingt ein wenig nach den Spams, die ich bekomme, muss ich ehrlicherweise zugeben, die haben oft was mit Unterhosen von Calvin Klein oder so was zu tun und ich bekomme sie auf meinen englischen Text über London, den ich randomly shopping girl betitelt habe. Das war wohl nicht so schlau.

Eine Betreute von mir ist aufgelöst und heult am Telefon. Sie hat strenge, christliche Eltern, die nicht wollen, dass sie einen neuen Mann kennen lernt. Sie fühlt sich wie im Gefängnis und will den Kontakt abbrechen. Krise vor meiner kleinen Reise, kann ich nicht gebrauchen. Telefonseelsorge ich mehrfach angesagt. Montag ist sie bei der Ärztin und Dienstag gleich bei mir. Sie will sogar ihr Kontokarte abgeben. Es klingt alles nicht so gut und viele Telefonrechnungen der letzten Monate konnten nicht gezahlt werden. Ja, ich werde alles tun, aber eben erst Dienstag.

Nachmittags fahre ich in eine Psychoarztpraxis. Bin mit den Eltern eines Betreuten dort verabredet. Er ist ein schwerer Fall und die Ärztin hatte einen Hausbesuch gemacht und dann hatten wir vor Monaten schon diesen Termin ausgemacht. Jetzt ist die Ärztin im Krankenhaus und wird operiert, wie ihr Personal uns mitteilt. Abgesagt hat man dem Pflegedienst und die haben es nicht weitergegeben. Muss ich jeden Termin vorher telefonisch bestätigen lassen? Bin ich nur noch von Idioten umgeben. Eigentlich bin ich gar nicht schlecht gelaunt. Dafür ist das Wetter viel zu toll und die Aussichten auf die Abenteuer der nächsten Tage. Ich setze mich mit den Eltern in den Flur. Hier gibt es vier Ledersessel, die gegenüber aufgestellt sind und wir können herrlich konferieren. Auf dem Rückweg fahre ich beim Trödeltreff Hainholz vorbei als kleine Belohnung und hier gibt es herrliche Sachen umsonst, Geschenke mit denen ich basteln kann. Ich hätte noch gerne eine herrliche Vase zum 75sten meiner Mutter erstanden, aber so was kann man nicht planen.

Ich freue mich auf alles, auch die lange Zugfahrt mit der Freundin aus Hamburg. Die Zugfahrkarte haben wir für ca. 25,- € geschossen. Ich will noch mal nachkontrollieren, ob das alles seine Ordnung hat. Stephan hatte unsere Frühbucher TGV-Erste-Klasse-Tickets im Mai irgendwo zwischen Hannover und Paris vermutlich in Basel verbaselt, daher kommt nämlich der Ausdruck und wir mussten neue kaufen. Der Schock sitzt immer noch tief.

Die schlimmsten Winterstraßen

27.01. Das Stehen an der Haltestelle und warten auf den Bus lässt mich das Gartentor aufschließen mit der Einstellung, Fahrrad wird wohl doch gehen. Der Nachbar fährt auch. Ich vermeide die Seitenstraßen, weil die großen besser geräumt sind und ich ein Schisser bin. Die schlimmsten Straßen in Linden und Umgebung sind die Adolfstraße, die Haasemannstraße, die Teichstraße und auch die Wittekindstraße. Hier ist auf dem Bürgersteig fahren sowie auf der Straße, Mitte, falsche Seite, absteigen und fluchen angesagt. Wenn ich das Gefühl habe, es ist glatt, wird mein Körper steif und macht das Gegenteil von dem was mein Kopf will. So musste ich neulich nach dem Sport in der Haasemannstraße absteigen, weil ich immer weiter nach links gefahren bin bis zum äußersten Fahrbahnrand auf der falschen Seite und das nicht verhindern konnte.

Ich komme an in der Roscherstraße und hole die Unterlagen von dem früheren Betreuer ab. Ich habe das Gefühl, dass hier Landunter ist. Der soll die Angelegenheiten von anderen regeln? Aktenberge, loses Papier auf großen, unansehnlichen Stapeln und rauchende Mitarbeiter im Souterrain schaffen eine besondere Atmo des Überfordertseins. Dann zu meiner nach Hause. Sie wohnt in der selben, Straße in der unser Besuch aus Österreich auch mal gewohnt hat. Wir treffen uns mit ihm zum Mittagsimbiss. Ich plaudere etwas aus dem Nähkästchen und kläre ihn auf über Verschiebungen in dem freundschaftlichen Macht- und Strategiegefälle in Wien. Das ist meine neue Art. Der Freund hat Kunst aus Wien nach Hannover transportiert. Seine Freundin hat uns Samstag nach dem Ladenschluss von Billa noch eine Auswahl österreichischer Marmeladen besorgt. Da kann man bei mir punkten ohne Ende auf einer nach oben offenen Richterskala.

Ich soll bloß nicht bei der Weinprobe erzählen, warum ich nicht trinke, rät mir mein Vater. Das kommt nicht gut an und macht den anderen ein schlechtes Gewissen. Schon wieder ein Staatsgeheimnis? Warum eigentlich? Über Probleme spricht man nicht. Wenn ich sage, ich hatte es nicht so geil im Griff, dann kommt das nicht gut an, wird mit familiär nahegelegt. Den Winzern kann man ruhig sagen, dass dieses Nervengift was sie verkaufen auch nicht immer so harmlos ist, sage ich und warum schlechtes Gewissen? Ich habe alles mitgenommen in dieser Hinsicht, hektoliterweise getrunken und wenn ich jetzt aussteige sollen andere ein schlechtes Gewissen bekommen. Das verstehe ich nicht. So ist zumindest gewährleistet, dass ich im Bareiss bis 24 Uhr durchhalte und so den 75sten Geburtstag meiner Mutter erleben kann.

Abends Sport und einen Caesar salad vom Kiosk, der aber besser schmeckt als das jetzt klingt, abgewandelt mit frischen Orangenstücken und Walnüssen.

28.01. Einige Fotos von selbstgebastelten Schlüsselbundanhängern mit Sprüchen vom Yogi-Tee, auch für eine Buchidee. Herr PM, der sich gestern nicht gemeldet hat, rufe ich an und bange und er hat eine Wohnung. Ich bin überglücklich. Donnerstag bringt er den Mietvertrag vorbei.

Mittags treffen mit Freunden der Staatsanwaltschaft. Der Junge aus der Runde muss aufs Land wechseln. Wir sind bei Urfa Sofrasi und essen zu viel. Künefe für 4 Personen. So groß wie eine Pizza und besteht nur aus Zucker und fett, aber warm. Stephan isst die Hälfte. Ich helfe kräftig. Alex lobt mein neues Fahrrad. Es sieht dreckig aus. Sie bringt mich auf die Idee, die Fahrradwaschanlage von Step beim Gericht einmal in Anspruch zu nehmen. Sie erzählt außerdem von einem Apartment in Istanbul mit 3 Schlafzimmern und 3 Badezimmern direkt an der Galatabrücke. Das interessiert uns brennend. Sie will mir die Kontaktdaten schicken. Auf dem Rückweg machen wir in trauter Zweisamkeit unsere Runde durch die Stadt, Gerichtspost und dann versuche ich Teebonbons für meine Mutter zu besorgen. Gestern war ich bereits in dem ältesten Teespezialitätengeschäft Deutschlands und hatte die letzte Packung ergattert. Nein, keine Grüneteebonbons, Schwarzteebonbons! Von den grünen haben sie noch welche. Die Bonbons füllen sie selber ab in kleine durchsichtige Plastikbeutel. Ich frage heute nach, ob neue Bonbons angekommen sind und erfahre, nein, erst in 4 Wochen. Sie hat erst eine Großbestellung gemacht und das Porto sei zu teuer. Mensch, die Chefin ist ja wie ich mit Handygesprächen, aber irgendwie bekommen die dafür auch eine 5-6, für Orga, so dass man sich fragen kann, wie lange es die noch geben wird bei der Einstellung.

Nachmittags Klagebegründung in der Afghanistan-Sache schreiben. Das ärztliche Attest, was durchgefaxt wird, während wir im Steintorgrill sitzen, ist spitze und motiviert mich. Ich finde, ich habe das ganz gut gemacht und bin zuversichtlich, dass man meinen nicht abschiebt. Die Skala ist nach oben offen, was ich darüber hinaus noch erreichen kann.

Der Berufsmusiker hat endlich sein Gewerbeobjekt geräumt und so geht es Schritt für Schritt weiter. Das Heim aus dem Harz rückt am Freitag an um die Patientin, die seit fast einem Jahr in der Klinik ist und sich mit Händen und Füßen wehrt, kennen zu lernen oder mit mir als Vertreterin zu sprechen und den Ärzten.

Ich hatte in meiner Liste der schlimmen Winterstraßen den Küchengartenplatz vergessen, auch Katastrophe. Abends nach dem Sport fahre ich extra über Waschweiber und Fössestraße nach oben, dann war heute die Wittekindstraße frei. Auch noch immer den döfsten Weg wählen. Typisch.

So satt, dass man nach dem Sport noch total vollgestopft ist. Das muss man erst mal schaffen. Pide als Vorspeise, Grillteller mit Auberginenmus und Familienportion Künefe sei Dank. Abends esse ich das Brot, was ich mir morgens für die Arbeit gemacht habe.

29.01. Die Baumgutachterin, die unserem Silberahorn untersuchen soll ist sympathisch. Ich sage ihr, dass der Typ bald kommt um den Efeu zu entfernen und ich hoffe, dass sie sich nicht ganz umsonst herbemüht hat. Wir sprechen über allgemeine Lebensrisiken und die Gefahr, die von den Autos ausgeht und nicht den Bäumen. Baum praktisch nur gefährlich, wenn Auto dagegen braust oder beim Sturm, aber sonst quasi total friedlich.

Zuhause ruft mich die Dauerpatientin an und ich spreche ½ Stunde mit ihr. Wir sehen uns doch Freitag. Es stimmt nicht, dass ich Dinge geheim halte, ich sage ihr gleich Bescheid und Freitag rollt das Heim aus dem Harz an und ich wäre ihr sehr verbunden, wenn wir uns das anhören könnten, was die zu bieten haben. Ich bin autoritär? Das kann schon eher stimmen. Ich bin nicht gegen sie. Es macht mir keine Freude, bei Leuten die Wohnungen aufzulösen und sie gegen ihren Willen ins Heim zu stecken und das mache ich sonst auch nicht. Ein Betreuerwechsel hilft hier nicht, weil jeder Betreuer sich an den ärztlichen und gutachterlichen Vorgaben orientiert und ich gehöre bestimmt zur ängstlichen Fraktion. Sie will über die hygienischen Verhältnisse in der Klinik lästern. Das ist vor allem ihr Zimmer und das hat sie selber gemacht. Der Aufenthaltsraum sieht ganz manierlich aus.

Der Rattenkönig wurde Montag auf der Suchtstation aufgenommen. Ich hatte angerufen. Er schief und bekommt erst abends sein Handy. Heute um 10 Uhr dann der Anruf, dass er abbricht. Seine Gebissschiene ist gebrochen und er hat einen Termin in der Zahnklinik. Seine Freundin will ihn fahren und die ambulante Wohnbetreuung wird dort sein und die wollen ihn nicht gehen lassen bzw. nur mit Aufsichtspersonal und dann aber per Taxi. Ich sage, er müsse abwägen, was ihm wichtiger sei. Der Arzt ist stur und er sei es auch. Ich sage, ja, aber die sitzen am längeren Hebel. Und die Regeln sind die Regeln, auch wenn die keinen Sinn machen. Wenn die sagen, ab Morgen tragen alle lila Hemden, dann tragen ab Morgen alle lila Hemden, so sei das in sog. totalen Institutionen wie Knast, Psychiatrie (siehe auch Max Weber). Er will was von denen und hat um die Aufnahme gekämpft. Die haben genügend Patienten und denen ist es egal, ob er abbricht, die sagen sich, dass sie es vorher schon gewusst hätten. Er will doch was verändern. Soll ich noch mal mit dem Stationsarzt sprechen? Er willigt schließlich ein. Wer ich denn sei, mit der ambulanten Wohnbetreuung habe er auch schon geredet. Ich sage, so sei das manchmal, wenn eine gesetzliche Betreuung da sei und: meiner will und ich suche nach einer kreative Lösung, bevor wir alles gegen die Wand fahren und dann neu anleiern müssen. Das sei ineffektiv und frustrierend für alle. Er hat angeboten, dass jemand vom Personal mitkommen kann im Auto der Freundin. Der Arzt: Das geht versicherungstechnisch nicht. Gestern hätten sie einen Patienten mit dem Vater raus gelassen und der hätte den Vater weggeschickt und konsumiert. Das Personal lasse sich nicht wegschicken. Herr B gibt vor, wie es zu Laufen hat. Das beeinflusst die Mitpatienten. Ich sage dann, ich weiß, dass er als Stationsarzt schon im Vorfeld gesagt hat, meiner wird es nicht schaffen, sich an die Regeln zu halten. Jetzt hat er eine medizinische Indikation, wie er selber eingeräumt habe und kümmert sich um die Begleitung durch abW und willigt auch noch ein in einer Begleitung durch Klinikpersonal und bei einem anderen Patienten hat man offenbar auch eine Ausnahme machen können und das sei schief gelaufen und meiner müsse darunter leiden, das sei keine Chancengleichheit und er könne sich dann sagen, er habe es gleich gewusst, dass es mit meinem nicht klappt, ich würde das jedoch anders sehen. Der Arzt, bei dem ich einen Nerv getroffen habe, tickt aus. Er sei der Psychiater. Er wisse was eine selbsterfüllende Prophezeiung sei, das wolle ich ihm unterstellen, das sei aber anders, bei so einem Kandidaten und flankiert von der Betreuerin habe er eben seine Meinung und mit Herrn B. sei nicht zu reden. Die Sache sei gegessen. Jetzt muss er Patienten aufnehmen und musste schon viele Telefonate wegen Herrn B. führen. Wenn er sich darauf einlassen würde, hätte er bewiesen, dass er mit einem therapeutischen Angebot umgehen könne. Ich sage, er könne mir auch so viel Professionalität unterstellen, dass ich mit meinem Schützling anders reden würde als mit ihm und ihn versuchen würde von einem Kompromiss zu überzeugen und nicht sagen würde, der Stationsarzt ist doof, ziehen Sie ihr Ding durch, sondern eben: ab Morgen wird ein lila Hemd getragen. Er sieht keine Hoffnung. Ich rufe über das Patiententelefon an und sage meinen Namen und wen ich sprechen will. Ob ich die Betreuerin sei. Darauf gehe ich nicht ein, kann sie Herrn B. ans Telefon holen oder nicht will ich nur wissen. Ja, aber der will schon abbrechen, informiert sie mich. Auch dazu sage ich nichts, außer, muss ich auf dem Handy anrufen? Meinem Betreuten sage ich, er soll der schlauere sein und es mal allen beweisen. Wir tricksen diesen Arzt aus. Er soll sich mit Taxi hinfahren lassen und seine Freundin dort treffen und nicht alles in den Wind fahren um was er gekämpft hat. Er: ich habe schon gepackt. Frau Arnhold: dafür ist der Kopf rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. Wäre doch traurig, wenn man das nicht könnte und immer nach A, B sagen müsste, auch wenn sich die Dinge geändert haben. Er: was sollen seine Mitpatienten denken. Ich lache und sage; hey, Herr B, das sind Mitpatienten, die haben auch alle ihr Päckchen zu tragen. Es ist uns egal, was die denken. Die Mitpatientin wollte wisse, ob ich Ihre Betreuerin bin. Ich bin auch gerne Ihre Ex oder Schwiegermutter. Das sei wurscht.  Das ist uns egal, was die denken. Sie haben Ihre Freundin und Frau L vom abW und mich und wir glauben an Sie und die anderen stehen alle einen Schritt weiter draußen, außerhalb des Kreises und es tangiert uns nicht so sehr, was die meinen. Das lässt uns kalt. Er duzt mich kurz und will wissen, ob der Arzt mich beleidigt hat und ich, nein, kann der gar nicht. Der war dünnhäutig und ich will, dass wir gewinnen und das tun wir, wenn er es möglich macht und alle überrascht und nicht geht. Wenn er geht, dann ist es wie immer und er macht keine neue Erfahrung, wenn er bleibt und klug nachgibt steht es 1 zu Null für ihn, weil er es den anderen gezeigt hat, dass er kann und der Arzt diesmal daneben lag mit seiner Prognose. Er soll es mal probieren. Meine Worte wären überzeugend, er will es sich überlegen. Nach 3 Minuten ruft er an und sagt, dass er bleibt und ich sage, dass ich stolz auf ihn bin und er bedankt sich. Genau das braucht so ein Borderline Typ, der keine Mutter hatte und nur Heim kennt, dass jemand zu ihm hält und auch sagt, dass sie stolz auf ihn ist, quasi Mutterersatz und ich bin wirklich stolz und trällere nach dem Telefonat: „wenn alle Schizophrenen zusammenstehen, haben die Ingenieure keine Macht mehr über uns“ vor mich hin.

Mittags esse ich den Kürbisauflauf, den ich gestern Abend gemacht habe. Vorkochen, muss man dann nur warm machen. Abends werde ich wieder das vorgeschmierte Käsebrot essen.

Nachmittags kommt der verhuschte Architekt, der gestern einen Termin hatte. Dann bekomme ich einen Beschluss, dass die Rechtspflegerin der Meinung, dass ich die Wohnung nicht kündigen und auflösen darf. Der Jahresbeschluss ist aber rechtskräftig vom Landgericht und der sieht eine Heimunterbringung vor, aber die Wohnung kündigen darf ich nicht. Ich telefoniere mit der Richterin und sage, es wäre wünschenswert, wenn das Landgericht einheitlich entscheiden könnte. Die Rechtspflegerin macht sich keine Mühe Frau J anzuhören (sagt die Richterin), sondern übernimmt das, was sie schreibt (sage ich). Die dicke Akte mit einer Einweisung nach der nächsten und den ganzen Gutachten hat sie wohl nicht gelesen. Ich werde den Termin Freitag abwarten und zu Herrn B gehe ich auch. Wir klagen schließlich gegen die Polizei, die ihn erkennungsdienstlich behandeln wollen für eine halben Joint, außerdem will ich ihm noch mal sagen, dass er es gut gemacht hat.

Beim Sport üben wir Kopfstand auf einem Klostuhl, der extra dafür konzipiert wurde. Er hat eine u-förmige Aussparung für den Kopf und der baumelt dann unter dem Stuhl, während die Schultern auf der Polsterung um die Aussparung herum aufliegen und die Hände an den Holzgriffen, quasi Armlehnen halt finden. Eine nach der anderen darf das exerzieren. Gar nicht so unpraktisch, das Hilfsmittel. Ich will jedenfalls nie wieder vor einer Wand Kopfstand üben. Das ist ganz falsch, meine ich.

Nach dem Sport ein kurzes Telefonat mit einer verliebten Freundin, die irgendwie traurig ist, dass ich keinen Alkohol mit ihr trinken will im Bareiss. Klar, es gibt auch Leute, die das Trinken noch schlechter im Griff hatten oder haben als ich. Davon kennt sie eben welche.

30.01. Mandant mit Wohnbetreuung. War schon mal bei mir. Thema: Kindergeld bei Erwachsenen, die aufgrund ihrer Behinderung Kindergeld beziehen. Mutter war gestorben, Vater lebt aber noch und sie fordern jetzt zurück. Beratungsschein muss noch geholt werden.

Der Mandat mit dem obszönen Nachnamen aus dem Osten versetzt mich wieder und ruft dann an. Mittagstisch zuhause. Onlinebanking in einer Betreuungssache neu ausprobieren.

Herr B war bei der Zahnbehandlung, aber alles schwierig und Abbruch der Entgiftung kommt Jederzeit noch in Frage. Ich hoffe, es ist ein Anreiz, dass ich Morgen zu ihm raus kommen will in die Klinik, weil ich da meine Dauerpatientin aufsuche.

Dann ist wieder Zahlnachmittag. Elisabeth Taylor hatte sich gestern schon gemeldet, dass sie jetzt wieder kündigen will bei den evangelischen Frauen. Ich war sehr kurz angebunden, weil ich ihr das vorher gesagt habe und eine Probemitgliedschaft vorgeschlagen habe. Der Jahresbeitrag wäre erst im März zu zahlen gewesen. Aber nein, diesmal wirklich und die Betreuerin lässt mich nicht und sie zahlt selber im Dezember und jetzt hat sie sich mit denen angelegt oder die mit ihr. Sie geht zu dem Treffen und legt sich mit denen an. Offenbar geht es um einen Vortrag oder eine Diskussion und die Frau von Alber Schweizer und sie meint, ob die Frau von Albert Schweizer mit ihrer TB wirklich nach Afrika hätte gehen sollen oder sich lieber um ihre eigene Krankheit hätte kümmern sollen, statt irgendwelchen armen, schwarzen Babys dort zu helfen, so die unbeliebte Meinung von Elisabeth. Außerdem ist sie der Meinung, dass die Frau vermutlich das ganze Geld hatte und dieser Albert Schweizer sie nur ausgenutzt hat. Sie nimmt sich Tee und Kandis und eine der Christenfrauen sagt zu ihr, sie soll aufhören zu klopfen und dabei rührt sie nur den Kandis. Zu Szenia geht nicht mehr, weil die muslimischen Frauen dort übernommen haben (sie ist selber aus dem Iran) und die verteilen ihre Würste, Sucuk und die haben da was reingemischt, Hormone oder so und davon hat sie Bartwuchs bekommen. Außerdem will sie sich von den 90,- € die ich ihr gebe Morgen für 60 einen Kater holen, der ist kastriert und gechipt und daher kann er sie dann beschützen (eine neurotische Katze hat sie schon). Da wo sie gucken war, gibt es auch Katzen mit Katzenaids? Das versteht sie nicht, warum tut sich das jemand an? Eine Katze mit Katzenaids? Was soll das? Frau A. rät von der Haustieranschaffung ab. Sie rät eher dazu der jetzigen Katze ein neues Zuhause zu suchen, aber die braucht sie nach ihren Erzählungen zum Einschlafen. O.k. das ist dann kritisch, ob das Wohl des Tieres dann nicht zurück treten muss. Ins Theater (Schauspielhaus) ist sie neulich nicht reingekommen, weil sie die Katzenbox dabei hatte, die nicht in den Spind passte und die wollte sie auch nicht so draußen lassen und rein durfte sie damit nicht. Jetzt will sie mal das Tak ausprobieren. Mir ist ganz schwindelig als sie wieder geht. Apropos Tak. Stephan liest mir aus der Haz den Titel eine Kaberettprogramms vor: „die beliebtesten Wanderwege der Wanderhure“. Das ist lustig!

Herr PM kommt nicht. Er wollte mit seinem neuen Mietvertrag vorbei kommen und ich habe Angst, dass der gar nicht existiert und rufe ihn an um ihn zur Sau zu machen, weil er mich ein ums andere Mal versetzt und nicht mitarbeitet und die Räumungsklage nicht ernst nimmt. Kein einziges Mal meldet er sich wie verabredet und ich muss immer hinterhertelefonieren. Ich bin noch kürzer angebunden als sonst und will seine Ausreden nicht hören. Er hat dem Harald schon Bescheid gesagt. Das ist sein alter Vermieter und ich sage, ja, mag sein, aber ich habe den Anwalt und die gerichtlichen Fristen an der Backe. Er hat mich vergessen und jetzt war auch noch Unfall und die Straßenbahn fährt nicht. Will ich alles nicht hören. Ich bin wie Wilfried aus dem Dschungelkamp. Ich sage nur: Montag um 11. Be there!

Ich freue mich auf meinen Buchbinderkurs und habe meine Tasche schon gepackt. Der Kurs ist richtig voll, wie VHS oder zumindest wie ich mir VHS vorstelle. Letztes Mal waren wir zu dritt, jetzt sitzen schon 3 da als ich komme und es kommen noch 4 oder so, davon ein Mutter-Tochter-Team. Das ist mit längeren Wartezeiten verbunden, weil Laura alle nacheinander berät zu ihrem jeweiligen Projekt. Eine Gruppe Frauen schließt sich zusammen und faltet Origami, d.h. Briefe, die man auseinander klappen kann. Ich mache erst mal nicht mein Betreutengedächtnisbuch. Ist mir zu voll, das wäre nicht so schlimm, kann mich auch zurückziehen, würde ich dann eh tun wegen der Daten, die ich verarbeite, aber ich muss mir über die Bindung klar werden. Ich mache das Buch mit den Passepartouts und den alten, dicken Familienfotos mit den schönen Rückseiten. Neben mir ist mein Nachfolger im Atelier, der seine Reclamhefte retten will, weil er Notizen reingemacht hat und daher sind sie wertvoll für ihn und alle Buchpressen blockiert, weil er noch ungeduldiger ist als ich und einfach schneidet und klebt und macht ohne Sinn und Verstand, weil Laura alle nacheinander beraten muss und hierdurch Lücken entstehen und er dann nicht warten kann, sondern einfach macht. Der Kurs ist wie Dschungelcamp im Kleinen, d.h. der Charakter eines Menschen kommt schnell zum Vorschein und die Teamfähigkeit. Wie viel Platz brauche ich für meinen Arbeitsplatz? Wie sehr nervt es mich, wenn andere dicht an dicht mit mir arbeiten? Ich muss mich erst mal in Fleißarbeit üben und das Papier reißen, weil das dann ästhetischer ausschaut zu den alten Bildern und Laura das daher so vorgibt. Mit einem Lineal halte ich dagegen. Da es sich um einen kurzen Streifen handelt, ist das sehr mühsame Knastarbeit und schnell finde ich es nervig und frage nach einer Ersatzbeschäftigung für eine Pause. Das wird verneint, erst mal zu Ende machen. Das ist auch ganz gut so in der Buchbinderergotherapie. Ich mache weiter. Irgendwann blutet auch mein Finger unter dem Nagel. Aber irgendwann bin ich auch fertig und mit dem Ergebnis zufrieden. Eine Familienaufstellung der anderen Art. Mittendrin kommt eine Frau rein, die allen erklärt, dass sie eine halbe Stunde hierher braucht vom Bahnhof und nicht früher da sein kann und dann lohne es sich nicht. Sie könne nicht früher. Wann macht Laura denn einen Wochenendkurs. Die Daten werden ihr genannt, aber die gute ist schwierig. Sonntag kann sie dann auch nur bis 3 und das Buch muss im März fertig sein, weil der Kollege dann Geburtstag hat. Dann nimmt sie Laura noch ca. 4 mal in Beschlag, welches Paper soll sie einkaufen? Lässt sich welches zeigen. Das gefällt ihr alles nicht. Dann macht Laura weiter mit einem anderen Kursteilnehmer dieses Kurses (dazu zählt die Alte gar nicht) und wieder unterbricht sie und will noch mal die Zeiten des Wochenendkurses wissen, damit sie sich die in den Terminkalender eintragen kann. Das kann man im Internet nachlesen und irgendwann will ich ihr eine reinhauen. Gegen Ende räumen alle auf. Eine Frau hat unsere Pinsel gewaschen. Ich bedanke mich bei ihr. Am Schluss des Kurses fragt Laura, ob alle auf ihre Kosten gekommen seien und das wird bejaht.  Ich zeige meine Ergebnisse und alle finden die alten Fotos so schön, das junge Mädchen schaut sie besonders genau an. Laura meint, meine Familie wäre schon bürgerlich. Das würde man an den Fotos ansehen. Die Sammeltante erklärt mir, dass bei ihr in der Familie so was einen höhere Stellenwert hätte als jetzt so mit Leim geklebt zu werden und ich sage, warum das sei ein hoher Stellenwert, besser als einzeln irgendwo in der Fotokiste und dann im Altpapier rumzufliegen. Das scheint man verschieden sehen zu können. Ich erkläre ihr kurz, dass gerade bei uns so was einen hohen Stellenwert hat und meine Mutter unglaubliche Stammbäume mit Power Point ausarbeitet und sich Fotos schicken lässt und einscannt und alte Briefe liest und recherchiert und macht und das kommt bei allen sehr gut an und die hat mir schließlich diese Fotos zum basteln gegeben mit einem Postit „nach Hannover“ drauf. Ich habe also keine Zweifel an meinem Projekt und bin froh, dass ich trotz etwas Hektik wieder ein Projekt in der Zeit fast abgeschlossen habe. Ich brauche diese Erfolgserlebnisse.

31.01. Morgens setzt meine Regel an, genau mit dem Wachwerden. Das hatte ich schon ganz lange nicht mehr oder nie? Irgendwie bin ich genervt, aber besser als nachts davon geweckt zu werden und das ganze Bett ist eingesaut und man muss erst mal eine Schmerztablette nehmen und vorher suchen und das unterbricht alles die Nachtruhe. Aufwachen und dann zeitgleich geht’s los. Eigentlich gutes Timing, außerdem bin ich dann safe in der Wellnesssauna übernächstes Wochenende. Da kann ich keinen Besuch der roten Tanten gebrauchen. Beim Morgenkaffee stellt mein Mann dann fest, ich bin seine Larissa (die Österreicherin aus dem Dschungelcamp ist damit gemeint). Ähnlichkeiten gibt es schon, ich bin ungeschickt und wische mir gerne die Hände an der Kleidung anderer ab.

Eine Freundin mit einer Straßenverkehrssache, der ich nicht helfen kann. Als Radfahrer kann man so einem Autofahrer doch mächtig Ärger machen. Einfach sagen, Vorfahrt genommen, leichter Zusammenstoß, keine Beschädigungen an Fahrrad und Fahrzeug. Reicht das? Ich bin gespannt, wie die Sache ausgeht.

Dann viele Anrufe der Dankbarkeit. Herr A. findet, dass ich die Klagebegründung vor dem Verwaltungsgericht wegen Asyl und Afghanistan gut geschrieben habe und er bedankt sich. Die Betreute mit der lustigen Sprache, Frau C. (Handwerker, hauen ab wie Frösche sage ich nur) habe ich aus ihrem Handyvertrag, der bis 2016 gehen sollte „rausgeboxt“. Die ist auch ganz happy, sonst Grundgebühr 29,99 € pro Monat noch über 2 Jahre. Das ist viel für einen Hilfeempfänger.

Vor der Fahrt nach Langenhagen stärke ich mich mit einem Salami-Panini. Das Treffen hätte nicht besser laufen können. Herr B. ist noch da und zieht brav seine Entgiftung durch. Ich hätte eine rote Nase, bemerkt er, aber sonst „elegant angezogen, wie immer“.  Dann der wichtigere Teil. Das Treffen mit meiner Dauerpatientin und den Mitarbeitern des Heimes, sowie dem ärztlichen Personal. Alle sind gut gelaunt und charmant und einander freundlich gesonnen. Meine erkundigt sich nach der Infrastruktur und den Ärzte und den Autobahnverhältnissen, ob es heute vereist gewesen sei um dem Ganzen dann eine Absage zu erteilen. Die Oberärztin sagt, auch wenn wir es jetzt noch mal ambulant versuchen (sie hat die Garantie für 1 Jahr Depotspritze ausgesprochen, meine Betreute) sollten wir Plan B machen, wenn es nicht klappt und sie wieder in der Klinik landet, dass das nicht wieder fast 1 Jahr dauert. Sie sollte sich das Heim anschauen und sei es nur zur Abschreckung. Das lehnt meine ab. Die Oberärztin wendet Trick 17 an und sagt, sie interessiere sich für die Einrichtung und ob die Patientin sie nicht begleiten und beraten könne (sie was selber früher als Krankengymnastin tätig). Sie würden dann zusammen mit dem Taxi in den Harz fahren und sie können entweder wieder zurück oder mit ihrem Freund eine Nacht dort verbringen. Sie willigt ein und will den Ausflug machen, ganz unverbindlich. Ich bedanke mich bei den beiden Mitarbeitern fürs Kommen (immerhin Anfahrt 80 km). Dann Nachgespräch mit der Oberärztin. Bedingungen für eine Entlassung, wer bekommt einen Ersatzschlüssel zu der Wohnung, Vermögenssorge, dass nicht zum dritten Mal Strom und Gas abgestellt werden. Irgendwann und das ist ziemlich bald, müssen wir abbrechen, weil es meiner zu viel wird. Draußen gibt es Kuchenverkauf im klinikeigenen Café. Die Oberärztin hat Schokokuchen mit Kokos und ohne Mehl gemacht. Von dem Erlös soll die Kegelbahn finanziert werden, die die Stadt sich nicht mehr leisten kann.

In der Bahn treffe ich unsere Freundin, die beim Jobcenter Vahrenwalder Straße arbeitet und in Wunstorf wohnt. Der Rückweg ins Büro geht schneller, weil ich jetzt Oxfam boykottiere und mir den Halt sparen kann, seit mir Stephan am Morgen die Meldung vorgelesen hat, dass Oxfam zum Boykott von israelischen Produkten aufruft. Noch etwas arbeiten und dann Sport. Eine Teilnehmerin bei Movenyo sieht aus wie eine hässlichere Version von Amanda Knox, als deutscher Hippie, in älter und ungepflegter.

Auf dem Küchengartenplatz ist ein großer Kreuz, wo der Weg frei ist. Sonst viele, tiefe Eisfurchen. Irgendwie Horror und die Autos müssen einen trotzdem überholen, während man in ihrer Reifenspur fährt, weil es anders nicht geht. Ist klar.

Statt noch mal rauszugehen, lande ich in der Badewanne und dann auf dem Sofa. Die letzte Packung Kekse aus London wird verspeist. Mein Gott ist das traurig. Wir hatten doch so viel, aber es hat nicht lange vorgehalten. Nachschub muss her, nur wo her kriegen? Ich will zu Sainsbury`s!!! Nur schnell hinbeamen und eine Stunde einkaufen und dann wieder zurück…

01.02. Wie kann man sich nur so reinsteigern in wenig Haare haben. Ich müsste das ja kennen mit Mitte vierzig. Es kommt mir vor als hätte sich die Dicke halbiert und bin unglücklich. Noch mehr abschneiden und dann so tun als sei es ein cooler Schnitt, kann das helfen? Ich muss immer hin fassen und entsetzt feststellen, wie weniger es sind, so wie die Zunge immer einen abgebrochenen Zahn ausloten muss, ganz unfreiwillig.

Herrlich ausgeschlafen. Gott, war das gut! Draußen regnet es. Ich bastele den ganzen Tag. Ich suche und klebe die Überschriften zu den alten Fotos. Ich entscheide mich für 2 pro Seite (auf Rat von Stephan), dann kann es so oder so sein. „Mann 69 Stunden durchs Meer getrieben“ oder „Randale im Schwimmbad“. Ansonsten keine guten Nachrichten, die Mutter eines guten Freundes ist verstorben und ein Gast unserer Schwarzwaldrunde hatte einen Skiunfall und liegt mit Trümmerbruch des Fußes in Österreich im Krankenhaus. Das Essen dort soll gut sein. Wir hoffen alle, dass sie trotzdem kommt, sonst der Sohn als Begleiter. Wir schenken das Gourmetessen meinem Verwandten und seiner Frau (nachträglich zu seinem fünfzigsten zusammen mit meinen Eltern). Da sonst ein Gutschein/Geschenk wegfällt, drohe ich damit für Ersatz zu sorgen, indem ich zur Caritas Notunterkunft in Bühl fahren und frage, „wer von euch trinkt denn gerne Wein und hat mal Lust auf Lump und Weinbegleitung“, ruckzuck habe ich Andreas eine Tischdame besorgt, aber wir werden das anders lösen. Sonst suchen wir im Internet ein Apartment in Stuttgart für eine Reise im Juni, mit meinen Eltern. Da gibt es nicht so viele wie in San Francisco, aber trotzdem englische Bewertungen. Heusteigviertel, Altbau….Abends holt ein Freund etwas ab was Stephan ihm geschenkt hat und ich verstecke mich in der Zeit in der Wohnung, absolut gästeuntauglich ist mir heute zumute und das ziehe ich dann konsequent durch. Misanthrop ist das vielleicht auch.

02.02. Wache auf nach kürzerem Schlaf, aber mit einer anderen Energie. Schatzi geht es auch so. Die Schonung scheint sich gelohnt zu haben. Kuchen backen, die Kette der Tante reparieren, die ihr am Stuhl gerissen ist bzw. neu aufziehen, upgraden, neue, bessere Perlen reinhauen, dann noch neue dazu, eine von mir reparieren, Bademode für das Bareiss aussuchen, dann beschließen wir angesichts der Tauwetters, dass ein Radausflug her muss bei dem sonnigen und herrlichen Wetter. Wo fahren nach Linden Nord und dort ist der Schnee geschmolzen im Gegensatz zu Linden Mitte. Geht es hier mit rechten Dingen zu? In der Menagerie gefällt mir der Kuchen nicht, weiter ins Rossi, dann in den Kunstverein. Lange nicht mehr da gewesen. Hier läuft eine Ausstellung von Christoph Girardet. Die Videos gefallen uns gut, das kann der Mann und ich bin etwas neidisch, weil ich mit diesem Medium auch gerne Collagen machen würde. Auch seine Bildersprache spricht mich ästhetisch an. Erst schauen wir die Zugimpressionen. Das mag ich eh total gerne und dann die Jungs (männliche Kinder) aus den Fünfzigern mit Sommersprossen, Mustertapete und Schlafanzug oder korrektem Haarschnitt und Krawatte und die Raumfahrt und das Weltall. Amerikanische Optik, wie gerne in den Videos. Gut. Der nach dem die Ausstellung benannt war: „Tell me what you see“ gefällt uns beiden nicht so gut, aber dann wieder „cuts“. Der ist spitze, die Narben und OP-Fotos, Frauen mit dick Erdbeermarmelade ins Gesicht gestrichen, auch immer schön die Naturanleihen. Hand fährt durch nasses, kurzes Haar, nasses Gras, Äste von Bäumen und Blutgefäße usw. Schöne Bilder, inklusive des Schäferhundes, der auch mal einen schönen Bruch rein bringt. Wir kuscheln in den dunklen Räumen und knutschen etwas. Das hilft auch gegen die Kälte.

Auf dem Rückweg vorbei am Spielplatz, der voller Eltern ist. Man kann vor lauter Erwachsenen die Kinder nicht mehr sehen. Früher durften Kinder auch mal alleine auf den Spielplatz, stellt Stephan zu Recht fest und „was sind das alles, Päderasten?“. Dann finde ich die erste Katze (außer die einer Freundin vor Jahren), die mir gefällt. Am ehemaligen Polizeirevier Gartenstraße meint Stephan, ich müsse umdrehen, da hätte ich was verpasst, das müsse ich sehen. Hinter dem Zaun eine dicke, graue Katze. Ich will ein Foto machen und schon ist das Biest abgehauen. Ich verfolge sie und ein Mann klärt mich auf, dass sie zu dem Haus dort gehören würde. Ich sage ihm, ich wollte nur ein Foto machen und sie weder einfangen noch impfen. Dann traue ich mich hin und sie kratzt und beißt nicht und scheint mich zu mögen. Sie reibt sich an mir. Ich glaube ja, dass ist der Pelzgeruch. Die sind so billig.

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