07.02. Gestern beim Sport war eine Walküre um die Mitte 30. Po und Oberschenkel wie eine Eisschnellläuferin. Brüste und Arme und Bauch auch dick. Als wir mit den Füßen in den Therabändern drin hingen und das eine Bein in großen Halbkreisen vor und zurück bewegten, fragte sie: „wo muss man das merken?“. Die Trainerin: eigentlich im Po und an den Innenseite der Schenkel. Die dann wieder: „Aber nur leicht, oder?“. Die Trainerin: das ist jetzt kein großer Schmerz. Sie ließ leider nicht nach und wollte immer wieder Aufmerksamkeit und stellte immer wieder die Frage nach dem wo man es merkt. Ich hätte am liebsten gesagt: im Kopf tut es weh, wenn man so blöde Fragen stellt. Es tat mir vor allem Leid um die Trainerin, die leicht zu verunsichern ist und so eine Art Privatunterricht geben musste, weil offenbar was nicht stimmt und die Teilnehmerin Einzelbetreuung braucht. Sie sagte dann noch zu der Walküre, dass sie es vielleicht so eine kräftige Beinmuskulatur hätte, dass sie es nicht sofort merken würde. An der Ballettstange war die Gute neben mir und Kniebeugen in den Highheels ging nicht so gut, also ich sage: Beinmuskulatur eher Pumpe, nur Aufmerksamkeitsdefizit. Ich frage mich danach, ob es vielleicht Menschen gibt, die so körperbehindert sind. Ich merke bei der Beinarbeit auch den Bauch und genau die Stellen, die gerade „involviert“ sind, wie die Muskeln des Körpers zusammen hängen. Vielleicht gibt es Leute, die ihren Körper einfach nicht spüren. Dann sollte man allerdings eine andere Therapie vorschlagen und keinen Sport in der Gruppe. Das sprengt den Rahmen, wenn man da mehr als eine davon im Kurs hat.
Gestern sagte die Mitarbeiterin der Steuerberatung, ich würde nach Zimt riechen. Heute muss ich sie bitten einem Betreuten von mir 50,- € auszuzahlen, der hatte mir nachts eine email geschickt und ich wäre heute nicht ins Büro gefahren, muss jetzt aber um 8 Uhr kurz noch mal hin. Das kommt davon, wenn man versucht sich heimlich davon zu schleichen.
Es gibt einen Handwerker von Elektro-Paulmann, der echt spitze aussieht, hat so geglättetes Haar, mit einem Scheitel und sieht irgendwie gar nicht wie ein Elektriker aus, sondern wie eine Figur aus Pulp Fiction oder Reservoir Dogs, schräg halt und wenn ich den den Firmenwagen packen sehe, Leiter rein usw. dann freue ich mich immer. Als ich gestern aus der Psychopraxis zurück fuhr, kam mir ein Handwerker aus Berlin entgegen. Der Typ sieht im Gegensatz zu dem Elektriker, auch total nach Handwerker aus und trägt so ein Käppi, weiß mit einem Rand ringsherum und Blaumann. Der ist so um die Mitte fünfzig und oft am Lindener Markt. Bei „meinem“ Kiosk und Zeitungsmann und beim Kaffeestand am Markt und der Typ spricht breiten Berliner Dialekt. Er schaut mich immer belustigt an und ich mag ihn auch irgendwie. Ich erkenne ihn jedenfalls auch auf dem Fahrrad wenn er durch den Georgengarten fährt und ich frage mich, hat der sich auch in Hannover verliebt? Wie ich. Ich finde es immer wieder toll hier. Diese Mischling aus alt und jung, Freaks und Ausländern, aus Stadt mit Altbauten und dazwischen tolle Grünanlagen. Balsam für meine Seele. Ich werde dann übermütig und denke, es ist wie Versailles, wenn ich z.B. durch den Georgengarten fahre und ich liebe es. Ich höre meine Freundin Claudia, die aus Hannover kommt lachen, wenn ich so schreibe. Nach der Psycho-Praxis als Entschädigung für den geplatzten Termin fahre ich in den Stöbertreff, da habe ich geballt alles was ich an Hannover liebe. Schräge Typen, altes Pärchen, er sieht aus wie ein amerikanischer Cowboy und sie ist blondiert und ganz dünn im Pelz, aber beide sind Mitte 70 und sehen aus wie Jonny Cash und Frau. Sie kauft sich Sonnenbrillen, die 30 Cent kosten (er will vorher den Preis wissen und sie sagt, sie würde immer ihre Sonnenbrillen hier kaufen und er genehmigt ihr den Kauf) und nachdem ich mir sie verwundert angeschaut habe, kaufen sie noch die alten 8×4 Deo-Seifen in Retro-Packungen und bekommen jede Menge geschenkt von der Mitarbeiterin. Ein Junkie und seine Mutter sind auch da und haben vorgestern eine Armbanduhr gekauft, die leider nicht funktioniert. Kassenbon oder so was haben sie nicht dabei. Sie sollen sich für 4,- was anderes aussuchen und holen stattdessen eine Puppe, vom kitschigsten, lockige Haare, Rüschchenkleid an ca. 40 cm groß und legen dann noch mal 6,- drauf, weil die 10 kostet. Ich werde auch fündig und freue mich einfach wieder. Das Spiel gibt es umsonst und das Katzenbuch auch. Das ist ja jetzt sehr brisant für mich derzeit, seit ich diese graue Katze liebe.
In den Zug nach Zürich wollen viele einsteigen und Claudia hält brav Plätze für uns frei im 6er Abteil. Dort ist ein junges Ding aus Hamburg, die in ihre Jacke gemümmelt mit Füssen auf dem Sitz schläft und abweisend guckt, obwohl der Platz neben ihr noch frei bleibt. Hipster mit hässlichen Sachen, peruanischem Tuch, aber nachgemacht, Hipsterbrille, der obligatorischen Stofftasche sowie einem dicken, alten Heinrich Böll Buch, was bestimmt 2 Kilo wiegt und auch aus Imagegründen mitgetragen wird wie ein Accessoire. Lesen tut sie darin nicht, nur hin und wieder es hoch halten. Sie hat auf jeden Fall schlechte Laune und es ist Vorsicht geboten. In Frankfurt verlässt sie uns. Vorher ist ein Mann mit Outdoorjacke über dem Anzug und Sitzplatzreservierung eingestiegen und beansprucht den anderen Fensterplatz. Er hat ein idiotisches Buch dabei „The Secret of Consulting“ oder so ähnlich, mit vielen Bildern. Er muss dann leider mitanhören, wie wir uns über das Schwarzfahrproblem austauschen, weil Claudia hat einen Zug über Karlsruhe, dann Bimmelbahn in den Schwarzwald gebucht und wir über Baden-Baden und mit früherer Ankunft und wir werden vom Hotel am Bahnhof abgeholt, was erschwerend hinzukommt zu dem Umstand, dass wir nicht getrennt werden wollen. Ich bin für schwarz fahren, sitzen bleiben und Klappe halten die 15 Minuten zwischen diesen beiden ICE-Stationen. Stephan geht zur Kontrolleurin und sie ist gut drauf und segnet die gemeinsame Fahrt bis Baden-Baden ab. Nachdem ich überschwänglich das tolle Mannheim, wo ich unbedingt mal aussteigen muss, gelobt habe, kommt das „Scheißkarlsruhe“, „blödes, überflüssiges Kaff“ und hier steigt unser Verfassungsrichter, Stephan meint, es sei nur ein BGH-Richter gewesen, dann auch aus. Von Baden-Baden geht es nach Rastatt und dann von dort mit der Bimmelbahn in den Schwarzwald. Übermütig setzen wir die Reise fort und verlassen uns auf unsere Überzeugungskräfte falls hier eine Kontrolle stattfinden sollte und werden begleitet von Schülern und fahren über Gernsbach mit Rentnerwanderern mit Stöckern in den tiefsten Schwarzwald.
Auf den Bahnen wird folgerichtig für orthopädische Schuhe geworben.
Claudia stellt mehrfach fest, wie hässlich es hier sei und wie man hier nur freiwillig herziehen könne, sie würde sich umbringen. Kurz vor der Ankunft eine SMS von meinem Paps, dass sie schon da sind und er im Badebereich, während Mama nappt. Dann kommt die nächste um mir mitzuteilen, dass sie jetzt beide im Nassbereich sind. Man begrüßt uns überfreundlich, strahlend und mit Handschlag und überreicht eine Zimmerübersicht, wo die andere aus der Reisegruppe jeweils untergebracht sind und die Zimmer liegen auch noch praktischerweise direkt nebeneinander. Dienstleistung haben die hier gleich im ersten Lehrjahr 5 x die Woche auf dem Stundenplan gehabt. Wir begutachten die Zimmer mit riesigen Balkonen und leider nicht so leckerem Obst, die japanischen Toiletten fallen erst später auf und schmeißen uns in Badeanzugschale und gehen Richtung Sauna- und Badelandschaft.
Dort belegen wir eine Familienspielwiese aus Leder und Dietrich holt trotz lädierter Schulter Getränke. Dann etwas den Körper nass machen und draußen im Salzwasser plantschen.
Wenn die Haare erst mal nass sind halte ich es draußen nicht so lange aus. Wenn der altmodische Badeanzug nass ist, will ich ihn ausziehen und flüchte mich in die Rosendampfsauna. Dort sitzen wir mit einer Oma mit schwarzer Badekappe, deren Haare nicht nass werden sollen, weil sie dann krass werden und die Locken raus gehen. Sie hat offenbar Locken, will aber andere als die, die sie von Natur aus hat. Wir unterhalten uns und quatschen ihr zu viel, wie Claudia meint, sie geht. Man riecht anschließend nach Oma (wegen der Rosen). Dann nach oben und umziehen.
Wir treffen uns mit Birgit und Andreas um 17:30 Uhr in der Hotellobby. Von Kathrin bekomme ich eine SMS, dass sie an der Grenze im Stau steckt. Birgit hat einen sehr dicken Fuß, der in ein transformerähnliches Gitter aus Plastik eingeschnallt ist mit einem aufblasbaren Innenteil. Wir trinken doppelte Espresso Macchiato und Andreas ein Bier. Claudia erklärt meinem Vater What’s app und er ist total interessiert wie der reinste Teenager. Technische Neuerung sind seine Sache und dann noch eine Retro-Hülle (Musikkassette) um sein iphone. Der reinste Hipster. Dann geht es um das Thema Darm als zweites, älteres Gehirn. Das Urgehirn, weil Verdauen ist nun mal wichtiger als Nachdenken. Jetzt geht es Richtung Essenszeit und manche werden nervös, weil Stephans Schwester noch nicht da ist, nur Stephan sagt, entweder sie liegt tot im Auto oder sie kommt pünktlich ins Restaurant und 2 Minuten vor der Zeit erscheint sie professionell und fragt lächelnd, war doch 19 Uhr, oder?
Auf dem Weg ins Restaurant, die Käseauswahl für die anderen. Sieht auch gut aus..
Herr Brandt, der Chef der Bedienungen ist wieder spitze drauf und ich lerne gleich was Neues dazu: schwäbische Reihe ist nicht nur Männer auf einer Seite, Frauen auf der anderen, sondern Frauen auf der Seite, die näher zum Küche ist. So. Das bekommen wir auch hin. Ich liebe das Damenklo und Herr Brandt bietet mir an, mir die Stiche auf dem Herrenklo auch zu zeigen und Schmiere zu stehen.
Ich will es zusammenfassen: 8 Gänge mit den ganzen Extras, die es dann dazu gibt, sind zu viel. Es kommen schon 4-5 Grüße aus der Küche, dass man satt ist bevor es eigentlich los geht. Ich frage nach einem alkoholfreien Cocktail und ja bitter darf er sein, also was für Erwachsene, denke ich mir hoffnungsvoll. Ich bekomme stattdessen einen knallgrünen „Villa Kunterbunt“ Humpen, der erniedrigend ist und den Süßwein zur Gänsestoffleber extra böse vermissen lässt und dazu führt, dass ich gerne für den Rest des Abends nur Leitungswasser haben möchte. Ich kann den Geschmack gar nicht definieren, offenbar ist es Guave mit Farbstoff. Es gibt einzelne Gänge, die sehr lecker sind, wie der Heilbutt und auch das Milchkalb, klein geschnitten mit Sellerie und ganz viel Trüffel oben drauf, in der Mitte ein Eigelb flüssig. Da drehen alle durch und ich will das im Hipp-Glas für zuhause zum warm machen im Wasserbad, aber nicht alles ist so toll. Die beiden Nachspeisen finde ich alles andere als befriedigend. Statt eines warmen Schokokuchens mit flüssigem Kern, bekommt man eine gekünstelte Praline mit Blattgold und einer grünen Rotznase. So was mag ich gar nicht. Die sollen mir lieber was Primitives servieren, was Hammer schmeckt, statt etwas was 8 Stunden gebraucht hat zum Herstellen, aber nur interessant ausschaut. Die Hauptspeisen sind auch nicht optimal nach meinem Geschmack, wahrscheinlich auch zu kompliziert in der Herstellung, aber des Käsewagen ist einmalig und Claudia springt als erste nach vorne und beleuchtet die Ware mit ihrem Handy um sich einen Teller voller Blauschimmelkäsen auszuwählen. Es gibt herrliche Saucen und Nüsschen zum Käse. Da bleiben keine Wünsche übrig, nur das manche schon keinen Käse mehr wollen, weil man zuvor so abgefüllt wurde. Dann gibt es noch mehr süße Grüße aus der Küche und einen Pralinen und Süßigkeitswagen bis man nicht mehr kann.
Der Meister unterhält sich mit uns und wird nach seiner Zusammenarbeit mit der Lufthansa für 1. Klasse befragt. Er hat auch eine gute Idee für uns, dass wir einen Langstreckenflug an Weihnachten buchen sollen, da hätte man den Flieger ganz für sich alleine. Andreas kauft noch eine Magnum-Flasche Champagner, „die Sorte, die Sie im Schwimmbad anbieten“, wie meine Mutter ihn umschrieben hat und wir setzen uns in die Hotelbar, die schwer an Butterfahrt erinnert und hier spielt einer an der Heimorgel und es quält. Komische Stimmung, Birgits Bein tut bestimmt schon seit Stunden weh, das ist zumindest mein Eindruck und der Sohn als Chauffeur ist schon im Anflug. Das Hotel will uns noch einen warmen Mitternachtssnack servieren. Das löst nur hysterisches Kreischen in unserer Gruppe aus. Ich habe durchgehalten mit dem Wasser und schwer war nur, dass es offenbar nicht allen so gefallen hat und man doch als Partypooper angesehen wird. Ich wusste es schon immer, Heroin und Junkieclique Dreck dagegen. Bitte, trink doch nur einen Schluck, nur 2 Finger breit, Deine Mutter hat doch Geburtstag. Gerade die greift beherzt ein und kommt ihrem Kind zur Hilfe mit den Worten: lass sie, sie will nicht. Todmüde fallen wir alle ins Bett und schlafen schlecht, weil wir zu viel gegessen haben und ich habe sogar Brand davon. Ich kann jetzt differenzieren und weiß, es war nicht der böse Alkohol, sondern nur das viele Fressen.
08.02. Ich werde vor 8 Uhr wach, Viertel nach gehe ich in den Dampfkeller auf der Suche nach Gruppenmitgliedern. Werde auch gleich fündig, Claudia schwimmt Bahnen im Becken, meine Eltern sind draußen, wo die Sprudelanlage wieder an ist und Gegenstrom. Ein kleiner Junge betrachtet interessiert die Falten und den alten Körper einer Oma, nicht seiner. Diese Faszination kann ich verstehen, das sieht dann echt noch mal anders aus. Er und seine Schwester sind noch zart und knackig wie Äpfel, aber später sieht das dann krass anders aus. Apropos anders aussehen, meine Badekappe mit den gelben Rosen sieht ultra fies aus und macht Abdrücke in meiner Stirn, die nicht mehr weggehen, aber die Haare bleiben trocken. Ich bin ganz alleine in der Saunawelt. Ein Fabeltier an der Wand spuckt alle 20 Sekunden Eis in eine Schale. Dann anziehen und in den Frühstücksraum. Dort ist ein Tisch für uns reserviert und das Hotel hat sich einen langen Brieftext überlegt zum gratulieren, eine Kerze an unserem Tisch brennt und persönliche Glückwünsche gibt es außerdem. Ich gehe ins Schinkenzimmer und greife schon mal zu, Roastbeef mit Tartar Sauce gibt es auch. Hier arbeitet ein Typ, der aussieht wie der junge Lumpp. Süß ist der und lässt sich von meinen Blicken verunsichern. Es gibt alles in dieser Frühstückswelt. Die kleinen Marmeladen von Stauds mit den Wiener Motiven, Müsli, 20 verschiedene Obstsorten von Mango bis Ananas. Trockenobst. Kinderbüffet mit kleinen Sandwichs, Schnittlauchpfannkuchenrollen aufgeschnitten zu dünnen Rädern mit Schinken und Lachs gefüllt, Milchreis in kleinen Schälchen und Amerikaner mit Gesichtern aus Schokocreme, Crepes mit heißen Kirschen, Weißwurst, Fisch, alles mögliche geräuchert, sauer eingelegt, mediterane Ecke mit Schafskäse und Oliven, Salate, Wurst-Käse in Essig-Öl, Käseplatte, Obst- und Gemüsesäfte und und und. Nach dem süß, Birchermüsli usw. hole ich Schinken nach und etwas Mango. Das Dickerchen steht an seiner Aufschneidemaschine. Gerne würde ich ihn fragen, wann er heute Feierabend hat….Ich trinke eine Kanne schwarzen Tee. Er macht seine Maschine gewissenhaft sauber.
Ich räume das Zimmer und nehme die Bayreuther Wurst mit, die auf dem Balkon war über Nacht. Daneben freue ich mich über die Angebote des Hotels und die ganz eigene Ästhetik.
Die Menschen haben Schuhe vor die Tür gestellt. Hier ist jeden Tag Nikolaus.
Stephan ist enttäuscht, dass wir schon los wollen nach Straßburg. Claudia gibt meinen Eltern Tipps. Es gibt hinter den Saunen einen Ruheraum mit Wasserbetten und da kann man Smoothies trinken. Stephan bestätigt das und ist dort auch vorgedrungen. Da sollen sie hin.
Ich treffe unerwartet auf Herrn Brandt (unerwartet deswegen, weil er schon wieder im Dienst ist)
und wir machen die Exkursion auf die Herrentoilette. Ich sage ihm, „ich wäre jetzt so weit“. Der Gast, der die Stiche oder Federzeichnungen gemacht hat (erinnert mich an Stefan Klenner-Otto), hat dort eine Weile gewohnt und hat die Kunst hinterlassen als Bezahlung. Ich biete anschließend an, ihm die Damentoilette zu zeigen….Da gehe ich noch mal rein, weil ich sie zu sehr liebe, meine Kinderküchenkitschtoilette. Die darf nicht verändert werden, erkläre ich Herrn Brandt, ist Denkmalschutz.
Auf Valentinstag sind die hier natürlich auch schon eingestellt. Was sonst? Ein Schrank voller Rosen.
Wir brechen auf, wobei an der Kinderbespaßung
zu unserem Peugeot. Das standesgemäße Fahrzeug haben wir. Es ist zwischen 12 und 1 Uhr. Etwas Berg hoch kurven und in jeder Ortschaft fragen, ob jemand was vom Bäcker will. Das erheitert ungemein angesichts unserer Sattheit. Nach kurzer Fahrt sind wir am Ziel. Straßburg begrüßt uns mit Regen. Stephane kommt und schließt uns seine Wohnung auf. Er hat wohl im Bareiss gearbeitet in der Patisserie und hat jetzt einen Laden Gagao in Straßburg. Da gibt es Schokolade. In seiner Wohnung gibt es 2 Schlafzimmer (mit bequemen Betten)
und eine moderne Küche und Bilder an den Wänden, u.a. „I am so gay, I can’t even think straight“.
Flammkuchen isst man außerhalb, weil die Holzöfen die man dafür benötigt sind in der Stadt verboten, erklärt uns der Gastgeber. In der Stadt ist es was für Touristen. Wir greifen seine Vorschläge gerne auf, aber sehen das nicht so eng, schließlich sind wir Touristen. Auf der Suche nach einem Wasserkocher, bewundere ich das Altglas des Gastgebers…
Wir ziehen los, erst zum Fahrradladen mit ganz kleinen Peugeotfahrrädern,
dann weiter zum Fluss mit den schönen Häusern, große Dächer mit Dachfenstern, wie in Nürnberg, aber noch schöner.
Sehr bald fällt uns auf, dass es hier alles ums Essen geht. Jeder zweite Laden ist eine Chocolaterie und dann Bäckereien, Patisserie und dazwischen Gänsestopfleber und Wein und Restaurants und Weinstuben ohne Ende. Selten gibt es mal einen Friseur oder irgendwas ohne Essen. Wir beschließen, den Dom erst Morgen zu besichtigen und Shoppen zu gehen, leider regnet es. Überall –gerade rund um den Dom sind Souvenirläden aufgebaut und es gibt Störche in allen Varianten, als Stofftiere in allen Größe sowie auf Schürzen und Handtüchern. Ich kaufe erst Karamell mit Salz und Zimt und Nüssen usw. in einem ebenfalls sehr touristisch aufgemachten Laden, der mit französischer Nostalgie lockt, aber die Karamelwürfel haben mich trotzdem überzeugt (Fingertest, die sind weich), dann nehmen wir eine Gänsestopfleber (ich liebe den Türgriff, im Laden sind leere Dosen als Anschauungsmodelle, die Ware ist einfach zu wertvoll), dann sucht Stephan Käse aus und Wein, zum Schluss die gezuckerte Kondensmilch. Das Käsegeschäft ist der Hammer. Die Teile schimmeln vor sich hin und es ist Käse zum anfassen, nicht so hinter einem Tresen, sondern unmittelbar vor der Nase und den Augen, Streichelzoo für Käsefreunde.
Claudia ist auch hin- und weg. Im Shoppingmal wird sie fündig und kauft einen neuen Duft bei Sephora. Patschouli und Vanille zum selber mischen. Stephan berät sie. Ich bin mit Kathrin im Supermarkt und kaufe 10 Tuben Kondensmilch (das macht 15,- €) und Butter sowie fromage blanc, creme fraiche (in riesigen Bechern) und Fruchtjoghurts sowie kleine fromage blanc mit Frucht (jeweils 4 Stück). Bei den Keksen halte ich mich zurück und kaufe nur eine Packung. Sind ja keine von Sainsbury. Der Korb ist ziemlich schwer an der Kasse. Stephan schleppt.
Zurück ins Apartment und chillen. Ich könnte glatt auf dem Sofa einschlafen. Irgendwie geht es uns allen so, aber keiner will sich die Blöße geben. Wir raffen uns noch mal auf, obwohl es schwer ist, weil es draußen voll unfreundlich ist und wir alle müde und noch satt sind. Der schwarz vertäfelte Laden, den der Gastgeber empfohlen hat an der Rabenbrücke ist zu. Der zweite (vier Ziegen oder so ähnlich) hat keinen Platz und so landen wir in den Winstub Zuem Strissel (Strauss offenbar). Es war erst an dritter Stelle meiner Hierarchie im Vorfeld hinten dem Katzenladen, der zu hat aufgrund eines Unfalls und einer anderen Winstub Chez Yvonne. Ich nehme einen Flammkuchen mit Trüffel (das was ich für Rindfleischsülze mit Meerettich halte, wäre eine Suppe gewesen und ist aus), Claudia Kartoffelpuffer mit Lachs und Kapern, Kathrin Bibeleskäs, Quark mit Knoblauch extra und einem Stück Rotschimmelkäse und Schinken und Gürkchen und neuen Kartoffel, herrlich angerichtet wie eine Bentobox, wie Claudia feststellt und lecker und Stephan eine Zwiebelsuppe mit ca. 500 gr. Käse drin, absolut köstlich, viel Zwiebeln, süßlich, wenig Brühe, echt gehaltvoll und so was von lecker und Quarkklöße mit Bratensahnesauce mit Morcheln, auch köstlich. Dann Nachtisch. Ich nehme den Gugelhupf Pain Perdu als French Toast mit Eis und Sahne, Stephan Apfeltarte (mittel) und Claudia Merengen mit 3 Kugel Eis und Sahne. Diese Creme Chantilly macht uns kicherig und total glücklich und verrückt. Claudia ist ganz aus dem Häuschen mit ihrem Nachtisch und lobt ihn über den grünen Klee (zu Recht). Die Kombi aus Bröseln von dem Zuckerwerk (und zwar vom Bäcker und nicht aus dem Supermarktregal) mit Fruchteis und der hammer leckeren Sahne ist nicht zu toppen.
Wir gehen glücklich nach Hause und schlafen diese Nacht gut und erholsam. Ich finde es bemerkenswert, dass uns (d.h. zumindest mir und Claudia) so ein Nachtisch besser schmeckt als im Sterneladen. Der Lumpp kann auch einen Palatschinken machen und den würde ich mal gerne probieren, aber das darf er nicht, zu primitiv, verliert er seine Sterne. Auf dem Heimweg kommen wir vorbei an einem syrischen Restaurant mit Luftballons im Fenster. Hier hat Mutti für alle gekocht und verabschiedet die Gäste mit Küsschen. Eine Karte scheint es nicht zu geben. Das sieht toll aus, aber Sonntag hat hier viel geschlossen.
09.02. Heute ist besseres Wetter. Ich will mich gerade davon schleichen, da kommt Claudi aus dem Zimmer und bietet an mich zu begleiten. Wir wollen Kaffee holen. Beim Bäcker gegenüber gibt es keinen, alles ist zu und wir landen beim Alimentari, Gemüsetürken, Spätkauf und „to go“ heißt á portir (ich muss Pantomime machen). Mutti lässt 4 Espressi aus der offenbar neuen Maschine, mit der sie noch nicht so zu Recht kommt. Der Sohnemann fragt immer geht’s und sagt mehrfach „trück“, Mensch wie schreibt man das bloß auf Französisch. Er ist fatigué und macht hier auch Pantomime. Kopf seitlich auf die zusammengelegten Hände. Ahh hah. Wir holen die Beute nach Hause. Nach dem Verzehr entern wir den Bäckerei „Au Pain de mon Grand Pere“ und kaufen alles Mögliche. Frühstücken tun wir gegenüber in dem dazu gehörigen Laden. Es gibt eine Schale voller Croissants und sehr leckere Baguette-Brötchen und O-Saft und Kaffee.
Gleich in der Nähe ist der Katzenladen, der wegen eines privaten Unfalls geschlossen hat.
Nach dem Frühstück schauen wir bei Gagao vorbei, der Laden unseres Vermieters. Der ist leider unterirdisch. Das Corporate Design ist eine Eins, alles gelb-schwarz, aber die heiße Schokolade, die aus Pulver mit viel Zucker von Dosiergläsern an der Wand in Pappbecher gefüllt wird und dann nicht richtig umgerührt und mit vielen Toppings ist einfach schlecht. Da ist der Kakao von Balzac der reinste Gourmet-Kakao. Der Kaffee ist wässerig. Die Jugendlichen freuen sich über die schönen Becher, das stylische Ambiente und die dekorierten Cupcakes und wie Kathrin meinte: wie früher Milchbar, Treffpunkt der Jugend und die vertragen eh nicht so viel Koffein. Es gibt auch die obligatorischen Stempelkarten Gagaomètre. Wenn man ein kleines Getränk nimmt, ist man Amateur und Venti ist hier Professionell. Ich glaube der Laden wird wirtschaftlich ein Erfolg. Es wundert mich, dass sie hier drauf reinfallen, in Japan oder einem Land ohne viel Schokoladenerfahrung wäre es noch einfacher. Es gibt immer wieder tolle Plätze, so auch direkt hinter dem Gagao und diese Bäume, die wie Edward mit den Scherenhänden ausschauen. Ich liebe es. Hier sind sie offenbar gerade nachgeschnitten worden. Woanders sind die Nägel noch lang….
Dann auf zum Dom und weiter durch die Stadt bei schönem Wetter. Es gibt sogar extra Fahrspuren für Rolli-Fahrer. Wahnsinn!!!
Karl Lagerfeld ist für Sicherheit im Straßenverkehr zuständig.
Die Kathedrale toller als gedacht. Zweireihige Buntglasfenster, eine riesige Orgel in der Mitte des Mittelganges, eher Richtung Eingang mit einem riesigen holzgeschnitzten Unterbau. Ein tolles Gewölbe, teils bemalt. Hinter dem Altar sind neben dem Glasfenster alte Wandmalereien. Es sieht eher etwas duster und alt aus. Rechts neben dem Altar um die Ecke eine eindrucksvolle astronomische Uhr. Ich will schon wieder gehen und Stephan bringt mich links um die Ecke zum Jesus am Ölberg als Theaterkulisse aus Stein. So was habe ich noch nie gesehen. Teils sind die Figuren 3-D und teile Reliefs, die Mauern und Bäume und Soldaten, die aufgereiht ankommen mit Morgenstern und finsteren Gesichtsausdrücken. Es ist sehr beeindruckend und hat die Erwartungen weit übertroffen. Gelegentlich scheint auch die Sonne durch die Fenster. Das ist toll!!
Wir gehen zu dem Madelaine-laden. Sehr plüschig und natürlich kein Platz. Vorne gibt es einen Shop, aber die Verkäuferin sagt sehr gerne „nein“. Kathrin will ein salziges Madelaine „nein“. Die gibt es nicht zum mitnehmen. Claudia will eine Extratüte, damit sie eines der Kunstwerke umpacken kann, wiederum mehrfach nein, bis sie es verstanden hat. Ich sage, die sind mit Butter und sie oberlehrerhaft: Madelaines sind aus Mandeln. O.k. die von Meinl waren mit Butter und auch lecker (das denke ich nur). Sie behandelt uns als wären wir Trottel. Sie sagt uns auch, dass sie sich ärgert, dass sie immer deutsch sprechen müssen und auf der anderen Seite der Grenze niemand französisch spricht. Sie hätten es in der Schule gelernt. Wir auch, aber wir haben seitdem keine Gelegenheit zum üben gehabt. Sie will jetzt nach Österreich fahren und sie hätten ihr auch auf Deutsch geschrieben und nicht auf Französisch. Die Frau nervt. Die Schilder hier sind zweisprachig. Das sie da einen gewissen Vorsprung haben ist doch klar. Soll sie sich freuen, dass sie zweisprachig ist. Wie war das. Hader sagt, erst Olivenöl-Diät, weil die auf Kreta so lange leben, Olivenöl bis es ihm aus den Ohren herauskommt. Jetzt liest er, die Franzosen leben genauso lang. Was ist also das Rezept für ein langes Leben, viel Butter, unfreundlich sein und keine Fremdsprachen sprechen. Daran muss ich instantan denken. Wir essen den zweiten Madelaine, den Stephan sich auf die Hand hat geben lassen und er ist mit Glitzerzucker, wie für Prinzessin Lillifee gemacht und es stößt mich eher etwas ab, weil es so künstlich aussieht, wie Schminke und ja, sie sind lecker, aber das Gehabe ist nicht gerechtfertigt, egal wie toll das Produkt sein möge und auch hier ist noch Platz nach oben. Was soll das?
Weitere Außenansichten des Tages. An der Kathedrale ist ein Reiter in luftiger Höhe. Er markiert die Ecke eines Turms, so dass es ihn mindestens 2-fach oder auch öfter gibt. Er steht unter einem kleinen Dach, lässt sein Pferd auch immer draußen stehen, zumindest mit dem Kopf. Daher ist der Kopf des Pferdes schon ganz moosgrün.
Wir laufen am Fluss entlang zu einer großen Brücke. Es ist sehr windig und ich muss mehrfach meine Hut festhalten. Wenn der abgerissen wird vom Wind und in die Fluss fliegt, ist meine Laune dahin.
Man kann unter der Brücke durchgehen. Hier geht es wieder sehr französisch zu. Es werden Penisse und Erektionen ausgestellt und Penismaschinen, die arhythmisch und ruckartig Fickbewegungen machen.
Auf der anderen Seite beim Museum skaten welche und andere üben Parcour. Das ist cool anzuschauen. Weil es uns kalt ist gehen wir ins Museum und setzen uns auf ein bequemes Sofa. Stephan meinte, schade, dass er seine Brille nicht dabei habe. Wir zeigen uns wechselseitig Bilder von Kamera und Handy und gehen aufs Klo und verweilen noch eine Weile. Komische Deutsche, wollen sich nur ausruhen und entleeren und schauen ihre eigenen Bilder.
Wir wollen Kathrin zum Abschied eine Zwiebelsuppe gönnen, aber alles schließt gerade vom Mittag, auch der Käseladen, in dem es nur Käse gibt. Es ist die Zeit zwischen Mittagstisch und Abendgeschäft.
Sie holt sich ein belegtes Baguette. Vorher gibt es noch einige Schaufensterauslagen zu bestaunen, vor allem Berufsbekleidung.
Wir essen die Bäckerware mit viel Salzbutter im Apartment und ich mache einen Schwarztee des Gastgebers (Russian evening No. 50, mit weniger Teein). Wir schauen etwas Olympia und ich bastele.
Kathrin verabschiedet sich. Knapp 300 Kilometer liegen vor ihr. Stephan, der uns durch die ganze Stadt getrieben hat, schläft eine Runde. Claudia macht den DJ mit den Musikprogrammen und schaltet durch. Es gibt viel Black Mucis und Musikvideos. Wir brechen auf mit dem Ziel Käseladen von Tourette. Das Restaurant. Vorbei am Dom. Die Orgelmusik lockt uns an. Organist in dieser Kathedrale. Das wäre doch noch ein Berufswunsch für das nächste Leben. Auch von außer ein tolles Bauwerk mit filigranen Säulen, die aussehen wie Bleistifte und ganz tollen, filigranen Ornamenten und Verzierungen, wie eine Sandburg mit dieser Tropftechnik gemacht. Im Käseladen macht uns die Frau auf, die nachmittags zumachte. Leider haben wir nicht reserviert. Erst um 21:30 Uhr hat sie einen Tisch. Wir wollen es wissen und willigen ein. Nebenan ist eine Bar. Auf Stadt entdecken haben die Frauen keine Lust mehr. Hier gibt es Zapfhähne an den Tischen und man kann sein Bier selber zapfen und sich durch die verschiedenen Sorten durchprobieren. Es gibt auch Wein und Cocktails (für mich alkoholfrei und mit französischem Maoam).
Die Jugendlichen essen Salami und Käsewürfel zum Bier. Sie werden immer ausgelassener. Hier gibt es überall was Leckeres zu essen. Nach knapp einer Stunde wechseln wir nach nebenan. Ich nehme das Raclette und Stephan das Fondue mit Blauschimmelkäse und Claudia einen Käseteller. Die eigentlichen Käseteller gibt es erst ab 2 Personen. Ich bin enttäuscht. Das Raclette ist nicht am offenen Feuer, sondern ich bekomme einen Tischgrill. Ich bin überfordert mit der Bedienung und kann bald nicht mehr. Ich schiebe den Grill zurück, aber es fließt noch tonnenweise Käse auf den Teller nach, den ich dann zurück gehen lasse. Das ist mir peinlich. Stephan fragt beim Abräumen, ob wir was falsch gemacht haben. Da muss die andere Bedienung geholt werden wegen der Sprache. Die sagt dann, dass sie es sauber machen und noch mal verwenden. Lost in translation. Amerikanische Touristen sind an den Nebentischen. Stephans Fondueflamme geht mehrfach aus und die Masse trennt sich. Die festen Anteile schwimmen im Fett. Ich bekomme Lachanfälle und Stephan zimmert sich alles rein, auch den letzten riesigen Bissen, zäh wie Toffee dreht er den beigen Spieß und wäre daran fast erstickt. Ich befürchte eine schlimme Nacht, aber das bleibt aus. Ein fluffiges Fondue wie in St. Gallen war das nicht, viel zu viel und auch nicht richtig lecker, lieblos irgendwie. Der Laden bekommt keine guten Noten, außer für das Konzept und den Namen. Auch zum Käseteller gehören leckeres Früchtebrot und Chutneys.
Am nächsten Morgen fällt mir ein, dass er den Speck, der lecker war, aber auch mit den Pilzen in Fett schwamm, auch noch in sein Fondue hätte kippen sollen. Den Speck hatte überwiegend ich gegessen, weil ich keinen Käse mehr sehen konnte. Zuhause läuft ein altes Video von Rita Mitsouko aus dem Jahr 1986. Ich gehe unmittelbar schlafen.
10.02. Schwarztee und eine selbstgemachte Postkarte für den Gastgeber.
Leider schüttet es heute und unser Plan mit dem Gepäck am Dom vorbei langsam Richtung Bahnhof und auf dem Weg bei Chez Yvonne Mittagstisch machen geht nicht auf. Gut, dass wir unsere Einkäufe gleich am Samstag erledigt haben, dass wäre heute nicht gegangen oder in puren Stress ausgeartet. Wir duschen alle und nehmen einen Bus direkt vor der Haustür. Man kann im Eingang bzw. Hausflur stehen bis der Bus kommt. Wie zuhause.
Nein, keine retour, wir hauen ab. „Aller Simple“, 1,60 €. Einmal umsteigen in die Straßenbahn mit den großen Fenstern und dann zum Bahnhof. Wir wollen das Gepäck einschließen. Das kostet 9,50 €, was uns viel erscheint für knapp 2 Stunden. Es wird durchleuchtet wie am Flughafen und den Automaten verstehen wir auch erst nicht. Den Typen wollen wir nach einem Restaurant fragen, er schickt uns zur Touristinformation. Die Frau da ist wieder geil unfreundlich. Ich erkläre ihr unser Anliegen. Sie: was leckeres Essen? Wir sind am Bahnhof. Hier gibt es Döner. Gegenüber wäre eine Brasserie Les Dix. Das könnten wir probieren. Ganz normale Gerichte gibt es da. Wenn wir was Leckeres wollen, dann müssen wir in die Altstadt. Sie zeigt sie uns auf dem Stadtplan. Nein, die kennen wir, ist klar. Nochmal wir sind am Bahnhof und wie dämlich ist meine Frage. Ich bedanke mich und wir gehen nach gegenüber. Es ist gut besucht. Dafür hätten wir das Gepäck nicht wegschließen müssen. Ich esse Fleischküchle mit Kartoffeln und Salat und Stephan Flammkuchen mit Münsterkäse und ich einen süßen Flammkuchen mit Äpfeln und Walnüssen. Zum Essen bestellen wir reichlich Kaffee, Claudia sagt, wie Russen.
Ein schöner Abschluss. Dann im Bahnhof noch zu Paul, einem Bäcker. Ein Baguette für abends und einen Smoothie, weil der so eine niedlich Strickmütze mit Bommel hat und man für 30 Cent einen guten Zweck unterstützt. Als Deko für meine Sigg-Flasche nur bedingt geeignet.
TGV- alles o.k. Katzensprung nach Deutschland. Ich frage die Zugbegleiterin, ob wir schon da sind und sie sagt was von Handynetz. Stephan sagt, alles Quatsch, der Fluss ist die Grenze, der Rhein. Rechts sind Berge, das sei der Schwarzwald und links das Rheintal. Erdkunde mal nicht im Atlas, sondern live.
Nach Baden-Baden kein Halt bis Kassel. Schnell ist man zuhause. Vielleicht kommt Claudi mit nach Kalifornien. Jetzt ist dann erst mal Zeit zum Abschied nehmen.
Ist Straßburg das Hannover von Frankreich? Die Leute glotzen nicht, es wird viel Fahrrad gefahren, auch ohne Licht, es gibt eine kleine Skaterszene und die Leute können auch richtig unfreundlich sein. Gut bei uns am Flohmarkt ist es lange nicht so malerisch, da will ich mal die Gegend dort nicht beleidigen. Die Kulisse hier hat mich schon sehr beeindruckt. Das Fachwerk ist nicht Braunschweig. Das ist Manhattan des Fachwerks mit 5-6 Stockwerken und die Altstadt nimmt kein Ende und damit ist Mittelalter gemeint. Die Altbauten 18./19. Jahrhundert haben sie daneben auch. Das ist schon echt cool und schön.
Mein Rock zwickt. Gottseidank ist man dieser Fress- und Teppichhölle im Schwarzwald entkommen, selbst der Fahrstuhl ist plüschig, die reinste Gummizelle aus Textil. Die kleinen Handwaschseifen haben sie abgeschafft gegen einen Seifenspender. Schade, davon haben wir jahrelang gezehrt als Bidetseifen. Das geht also auch nicht mehr. Im Kleinen sparen für die Gänseleber.
Ich habe mich verlegen und mein Nacken tut einseitig weh. Kurz bin ich im Zug euphorisch und will zum Sport. Das ist ganz schnell durch das Thema, d.h. ich bin durch. Telefoniere nur noch kurz mit meinen Eltern. Es gab auch Tomatenkonsomée im Spa-Bereich und meine Mutter hat auf den Wasserbetten geschlafen. Es war also wohl noch schön. Sie sind weiter gefahren zu süddeutscher Verwandtschaft um sich den Tag zu vertreiben.