Wegen der Erinnerungen an die Pasta vom letzten Mal Surf and Turf als Schmuck-Kombi, der Schwertfisch und die Pilzohrringe
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Wahlwochenende
Der Freitag nach der Arbeit gehört schon zum Wochenende. Nach dem Sport gehe ich erst mal eine Runde zu Rossmann und Denns und kaufe ein wie im Drogenrausch: Mottenpapiere, Müsliriegel, bunte Haargummis, Ingwerkekse, 3 Tüten Chips, also nur Grundnahrungsmittel….Die Donnerstagsrunde kommt zu uns und einer davon hat Geburtstag. Wir trinken viel Wein und ich verziehe mich vor dem Käsegang zum Basteln von Jahreskalendern 2014 auf den Wohnzimmerfußboden. Das gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen des Jahres und nachdem ich nachmittags 5 Blankokalender erstanden habe, kann es los gehen. Ich suche Fotos der Personen oder Familien aus für die ich den jeweiligen Kalender bastele und dann lasse ich meinen freien Assoziationen ihren Lauf und such passend Collagematerial aus meinem Fundus aus und kann die ganze Zeit eine Kopfreise machen. Die Gäste und mein Mann denken, dass ich mich schon ins Bett verpisst hätte, aber ich komme wieder und halte durch bis 2 Uhr. Immerhin. Der Frotteemeister aus Hamburg ist sehr reizend und hat meinen Morgenmantel auch schon mal verarbeitet. Er steht auf Istanbul und lernt gerade türkisch und wir haben das ein oder andere gemeinsame Thema. Das Geburtstaskind läßt sich feiern und bastelt sich immer wieder eine Krone aus der Geschenkverpackung und einen Umhang aus dem neuen Handtuch und posiert als König mit Weinglas in der Hand. Was ist bemerkenswert finde ist, dass wir bei 7 Gästen 7 Jahrgänge sind, wie sich herausstellt und keiner doppelt. 1963, 1964, 1965, 1966, 1967, 1968 und der Frotteemeister ist der jüngste mit 1969.
21.09. Bin wieder manisch. Werde um 8 Uhr wach und bastele weiter. Das Malen geht nur bei Tageslicht. Wenn ich in die Küche gehe, sehe den Riesenberg Altglas und irgendwie tun meine Organe hinten am unteren Rücken weh und ich denke an den Prospekt in der MHH über die Leber, die still vor sich hin leidet bis es zu spät ist. Der Prospekt verdeutlichte das als Karikatur, die Leber als weinrote Frau gezeichnet, der wahlweise Vorräte einlagert (Fettleber). In einer anderen Zeichnung sagt das Gehirn zu ihr: „Mensch, Du bist ja völlig am Ende. Ich wusste gar nicht, dass es Dir so schlecht geht“. Nachmittags tun mir die Beine weh und die ersten 2 Kalender sind fertig. Um 15 Uhr rufen die Frankfurter an, die ich ab Mittag unterschwellig schon erwarte, dass sie noch zuhause sind und erst gegen 20 Uhr kommen. Das Basteln ist gegen 17 Uhr beendet und ich nehme ein Vollbad. Seit morgens denke ich an meinen Paps, der heute an einem Samstag (!) operiert wird. Langsam werde ich nervös, weil ich nichts höre und mein Paps quasi eine Krankenhausjungfrau ist, der zuletzt vor 50 Jahren am Blindarm operiert wurde. Schließlich kommt der Rückruf meiner Mutter, dass es umfangreicher war, aber alles gut überstanden ist soweit und er eine Schmerzkanüle hat, mit der er selber die Schmerzmedikation dosieren kann. Die Gäste treffen ein und wir steigen ins Taxi. Ich lobe den Fahrer, der trotz Haltestelle vor der Tür die Seite der Straße gefunden hat mit dem „Anlieger frei“ Zeichen und dieses auch verstanden hat und zu nutzen wusste. Oft werden wir nicht vor der Tür abgeholt, sondern müssen zum Taxi laufen. Er sagt so schön: wenn ich einen Auftrag habe, also er nimmt seinen Job ernst. Das finde ich gut. Wir fahren durch die Stadt. Überall sind die Gäste heute schon gewesen als sie durch Hannover geirrt sind. Anhand der Wahlplakate erkläre ich die Hannoverschen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl. Der Kandidat der Grünen sieht aus wie ein Hund, ein Setter ist dann meine genauere Angabe. Wir essen leckere Speisen im Tropeano und treten die Heimfahrt an. Diesmal entschuldigt sich der Taxifahrer, dass er so lange nach hinten geschaut hatte. Er dachte, meine blaue Schleife sei ein Verband. Er hatte unlängst einen Motoradunfall und hat sich den Ellbogen gebrochen. Gemeinsames Thema mit Stephan, der seine Armnarbe vorzeigt. Beim Aussteigen sage zu dem Fahrer, ich hätte auch nichts vollgeblutet in seinem Wagen, zumindest nicht oben rum. Ich merke, dass ich angefangen habe zu menstruieren (wie immer total überraschend, wie beim ersten Mal). Die Schrauber bei der Kaffee Pause im Hinterhof machen Wahlparty oder sonst eine und einer steht gegenüber um zu testen, wie laut die Anlage auf die Straße schallt und stellt fest: könnte auch eine private Anlage sei. Ich sage: „ich finde es klingt wie ein Handy“. Die Gäste fragen nach Oropax und wir haben sogar noch welches. Wir gehen früh ins Bett, weil ich auch um 7 Uhr wach werden werde ohne Aufwandsentschädigung von 25,- €.
22.09. Werde wach und fühle mich ausgeschlafen und denke, komisch, dass Stephan neben mir liegt, weil er doch um 7:30 Uhr im Wahlbüro sein musste und anrufen kann uns keiner. Gut, die hätten vielleicht jemanden vorbei geschickt. Die Neugierde siegt und ich stehe auf und gehe um das Bett zum Wecker und Stephan fragt: willst Du den jetzt und ich sage. Es ist Viertel vor 9 und er sagt: zweite Schicht. Er war schon da, hat kaum geschlafen und brauchte daher auch keinen Wecker und sie waren vollständig und hoch motiviert mit zwei Ersatzleuten, so dass 10 da waren und die Kassenführerin hatte nur für 9 Geld da. Kaum hatten sie den einen weg geschickt, kam der 11te. Um Viertel vor 1 muss er wieder drüben sein um seine Schicht anzutreten. Wir frühstücken. Charlotte schaut die Ketten durch. Es werden 12 oder 13 Stück (weiß ich nicht mehr) und ein Buch und eine Tasche (Trachtenstil). Später drehe ich ihnen noch eine maritime Collage für die Ferienwohnung auf Amrum an. Sie kennen die Vermieter und sind mit denen befreundet und ich sage, ist doch lustig, erst mal die Bilder anhängen und gegen neue tauschen. Außerdem noch ein Buch von Wolf Haas als Urlaubslektüre.
Die Gäste wollen fahren, stellen aber fest, dass das Motorproblem des Vortages sich nicht über Nacht gelöst hat (das Rütteln und die blickende Lampe), quasi Selbstheilungskräfte des Autos. Sie rufen ihren Klub, den ACE. Das sagte sie bereits am Vortag, dass die hier Mitglieder seien. Ich kenne es nur vom Saft. Kommen tut ein Berliner vom ADAC. Das wäre dasselbe, erklärt er uns und das Auto muss in die Werkstatt. Mit mir will er immer wieder technische Dinge besprechen, auch wenn ich mehrfach sage, dass ich Radfahrer sei und ich das schwarze Auto meiner Freunde hässlich finden würde und er es für 15,- € haben könne, dann seien wir das Problem los. Er versteht das offenbar nicht, auch nicht, als ich vor die geöffneten Motorhaube trete mit dem Worten, mal schauen, ob ich noch was machen kann.
Ich gehe eine Runde nähen zu einer Freundin. Sie sitzt mit ihrer Freundin am Rechner und sucht ein Appartement für New York. 7 Übernachtungen, die Flüge schon gebucht. Da kann man neidisch werden, aber ich gönne es ihnen. Sie werden richtig Spaß haben, das weiß ich jetzt schon. Die Freundin der Freundin ist DJ und legte gestern in einem Szeneladen auf und wer sei dort aufgeschlagen, fragt sie uns? „Edelgard Buhlmann herself“ mit Leuchtstäbchen, die sie unter dem Diskopublikum an die jungen Leute verteilt habe. Wahnsinn. Wahlkampf amerikanisch, voller Einsatz. Ich werde bei dieser Gelegenheit meine braune Umhängetasche mit silberner Schnalle los. Irgendwann sind wir nach einer Runde Plaudern total ins Nähen vertieft, dann kommt der Anruf, dass die Gäste noch eine Nacht bleiben, weil sie jetzt erst den Leihwagen bekommen haben. Ich bastele an einem Moustache-Hütchen für London. Zuhause Chips, leichte Speisen, Sekt, Wein, Wahlparty. Hessen hatte Landtagswahl. Ich weiß gar nicht, wie dieser Bouffier ausschaut. Schlimm, höre ich nur. Dann stellt sich heraus, dass die FDP raus ist auf Bundesebene. Ich muss vorsichtig sein mit meinen Wünschen, wenn die so leicht in Erfüllung gehen. Rösler sieht versteinert und richtig fertig und geschockt aus. Jetzt tut es mir fast leid, was ich mir gewünscht habe.
Outfit 19.09.
Outfit 18.09.
Offene Hüften
16.09. Montag. Morgens zuhause schon einen Anruf der MHH. Herr W. soll sich wegen einer Chemo-Therapie in der Hämatologie-Onkologie melden. Die Putzunruhe zuhause treibt mich aus dem Haus. Ich versuche sodann einen Termin auszumachen, aber die brauchen noch Unterlagen, also wieder bei der Strahlenambulanz anrufen, die ein Fax schicken wollen. Die Frau, die ich als Verfahrenspflegerin unterstütze ist schwer alkoholisiert in der Wohnung gestürzt und wurde vom Pflegedienst gefunden und ist jetzt im Krankenhaus. Sieht doch nicht so gut aus mit dem Erhalt der Wohnung, wenn das schon nach 3 Tagen zu so etwas führt.
Ansonsten ein Tag der Schriftsätze u.a. in einer Unterhaltssache. Mein Kollege steht mir mit Rat und Tat zur Seite. Ich bin diesmal voll auf der Seite meines Mandanten. Die Ex-Frau hat ihn mit seinem besten Freund betrogen (ein bisschen Opernstoff), während er Spätschicht hatte und die Frau des Freundes in der Kur war. Der Sohn ist 16 und trotzdem will die gierige Kuh Unterhalt. Der Neue von ihr arbeitet bei VW und verdient gut und sie lässt sich immer – bereits während der Ehe die Steuerlast getrennt veranlagen vom Finanzamt, so dass sie Tausende nachgezahlt bekommt und er zahlen muss. Jetzt ist meiner auch arbeitslos und zahlt überobligatorisch für den Sohn, aber das reicht der gierigen Kuh nicht. Gut, Schriftsatz geschrieben, doch leicht sachlicher und mit etwas mehr juristischem Inhalt. Mein Kollege hat nachmittags ein Vorstellungsgespräch, d.h. eine neue Mitarbeiterin hat sich vorgestellt.
Als ich sie kennenlernen soll, muss ich zum Sport und bin heute richtig heiß darauf, auch wenn das Wetter versucht mir einen Strich durch die Rechnung zu machen und ich mit einem spitzen antiken Mary Poppins Schirm, der locker als Waffe durchgeht, versuchen muss das Fahrrad dorthin zu dirigieren und balancieren. Wir machen beim Yoga viel mit Bändern und ich werde nach dem Kurs in der Umkleide angesprochen, dass eine Mitturnerin immer ganz neidisch sei, was ich mit meinen Beinen machen kann und das würde auch noch so locker aussehen und ich sei wohl wahnsinnig gedehnt in der Hüfte. Mir ist das wieder peinlich und ich sage nur, bin ich wohl, aber ist nicht mein Verdienst. Veranlagung und ist tatsächlich sehr entspannend für mich und ich muss aufpassen, dass mein Oberschenkel nicht auf dem Ohr landet, wenn ich mich zu sehr entspanne. Im Nachhinein denke ich, vielleicht war es die Hüftluxuation bei der Geburt und die Spreizhose, die ich als Kleinkind tragen musste, obwohl meine Mama mir immer gesagt hat, dass der Arzt ihr gesagt habe, dass ich wohl keine Balletttänzerin werden würde. Das ist jetzt das, was mich irritiert. Ich bin nicht Balletttänzerin, weil ich groß und dick bin und große Füße habe, aber von der Hüfte her, hätte es vielleicht doch was werden können, so dass ich den Sachverhalt doch nicht ganz klar finde.
Stephan wird nachmittags als Wahlhelfer geschult und ich sage, was macht man da. Fehlerfrei auf 100 zählen üben? Ich sage ihm auch, dass ich gleich Schostok wählen sollte, damit es eine Stichwahl vermieden werden kann, sonst muss er sich noch einen Sonntag für 25,- € um die Ohren hauen.
Abends mache ich Salat mit Heidelbeere und Mostbröckli (das letzte Fleisch aus der Schweiz) und anschließend Milchreis mit Heidelbeere. Wir sitzen ganz traurig im Tal der Ahnungslosen, weil weder Telefon noch Internet gehen, d.h. keine Emails, kein Buttermusch, kein google Kalender. Der Nachbar hilft aus mit seinem Festnetztelefon, was er uns zur Verfügung stellt und ich gehe vor 22 Uhr ins Bett. Was bleibt einem, wenn man noch nicht einmal eine Folge Cesar Millan gucken kann übrig?
17.09. Toller Traum, so dass ich um 7 Uhr noch mal eine Stunde Verlängerung will. Irgendwie soll ich ein Baby in eine Babyklappe tun. Das Kind sehe ich nicht, umso mehr bin ich mit dem Basteln einer Verpackung beschäftigt und zu überlegen, wie man das für den Blog gut in Szene setzen kann. Ich bastele eine Collage für meine Freundin Susann, die ihr aber nicht gefällt, obwohl ich sie total passend finde und ich bin dabei nachzubessern und die Freundin zu überzeugen. Dann irgendwas mit dem Nachbarn und seiner Ex-Frau und ich komme nicht voran, bin irgendwie auf einem Skateboard und soll den Berg hoch. Anschließend sind meine Ärmel ganz schwarz und stinken. Herrlich, der Traum!
Ein komisches Fahrzeug mit Berliner Kennzeichen und Blaulicht steht vor der Tür.
Ich gehe zum Markt und kaufe superleckeres Gemüse. Zuckermais, rote Paprika aus eigenem Anbau und lauter Milchprodukte bei Bauer Banse, Quark, Sahne, Joghurt und Butter sowie daneben bei dem Stand Brom- und Himbeeren. Das reicht dann für 2-3 Tage. Wir gehen mit dem Büro einen Kaffee trinken auf dem Wochenmarkt und es sind lauter Wahlhelfer unterwegs. Schließlich unterhalten wir uns etwas mit einem Mann der für die Grünen bei der Bundestagswahl kandidiert und wir fragen ihn auch, warum auf der Wahlwerbung keine Partei mehr drauf steht, so wie auch bei seinem Flyer. Keine Sonnenblume, kein Parteiname. Irgendwie wird die Auflösung nicht ganz klar. Dann geht es um Dienstwagen und er hat keinen Führerschein. Insgesamt ein ganz netter Typ und ich bekomme einen Bleistift von Lothar Schlieckau (Kandidat der Grünen für OB). Schaffelle werden verkauft und ich will spontan eines. Dann folgt die Assoziation, Spielwiese, neue Hobbies während des Technikausfalles zuhause und ich bespreche mit den Kollegen die Möglichkeit, dass der Zustand ohne Internet und Telefon noch dazu führen könnte, dass ich schwanger werde, was sollen wir sonst in der Freizeit machen, quasi Stromausfall in New York.
Heute mache ich für Freitag einen Termin in der MHH aus. Eine Woche später ist schon wieder Büroausflug nach Köln und wir fahren Samstag auf dem Rückweg zu Freunden nach Essen und besuchen sie und die beiden Kinder. Ich will die Sache schon voranbringen, aber mich vor allem mal seriös über die Aussichten und Nebenwirkungen informieren. Wenn er dann stirbt heißt es, ja, die Betreuerin hat die Therapie abgelehnt. Ich befürchte am Ende wird er ohnehin sterben, aber man wird ihn vorher noch mal richtig gequält haben oder durch die Chemo vielleicht sogar den Tod beschleunigen. Das sind meine Befürchtungen und diese basieren auch durchaus auf Erfahrungen der Vergangenheit. Nichtsdestotrotz, eine Entscheidung muss zeitnah her.
Meine grüne Tasche soll ein neues Zuhause bei meiner Freundin Andrea bekommen. Da wird sie artgerecht gehalten und bekommt die Chance mal Gassi geführt zu werden. Ich bin glücklich, dass Tasche 1 von 25 vermittelt ist und besser hätte es diese Tasche nicht treffen können.
Wir sind zuhause immer noch im Tal der Ahnungslosen ohne Internet und Telefon. Mein vermeintlich internetsüchtiger Mann nimmt das überraschend gelassen und zu gelassen für meinen Geschmack. Da wird Zeitung gelesen und Kohlrabi-Salat verputzt und heute war ja Zahnarzt und Thaimassage, da passte es nicht so gut und gestern war die Wahlhelferfortbildung und vielleicht, dass er es Morgen in Angriff nimmt. Es scheint so zu sein, dass ich da viel mehr Probleme habe, zumal die Arbeit auch davon abhängt, aber zugegebenermaßen ist die ganze Routine des Emails Guckens und schnell mal ins Internet und dann den Terminkalender noch mal schauen völlig aus den Fugen geraten.
18.09. Wieder wilde Träume. Wir sollen in Travemünde eine günstige Unterkunft uns ansehen. Diese besteht nur aus einer Dusche und einem Klo in einem superkleinen Gang und hinten kann man einen Wohnwagen mit Reißverschluss damit verbinden. Den Wohnwagen hat angeblich meine Tante, die in Wirklichkeit weder Auto noch Führerschein hat. Dann verliebt sich ein Sozialarbeiter in mich, der ein Projekt hat, bei dem Problemjugendlichen die Verantwortung für einen Primaten (Affen) übernehmen sollen. Zwischendurch geht es um Hunde, die aus einer Bäckerei herausgeführt und vor der Tür angebunden werden müssen. Ein superkleiner Schoßhund greift Stephan an und springt ihm an den Hals. Der exerziert die Techniken von Cesar Millan und greift ihn bis er sich beruhigt und „submission“ praktiziert. Dem Sozialarbeiter fallen meine breiten Füße und großen Zehen auf während wir den Berg herunter laufen zwischen Weinbergen. Ich muss ihm erklären, wer die Mitglieder meiner Familie sind und wer ich bin schon nervt mich der neue Flirt und ich werde wach.
Erneut ein Morgen ohne Internet, man kann so schön die Wohnung aufräumen, die Bügelwäsche von gestern Abend wegräumen, die Zimmerpflanzen versorgen und hat so viel Zeit. Irre. Ich ziehe meine neue Oma-Reizwäsche in rosa an, die wärmt so schön auf dem Fahrrad und nenne sie Luisa, nach einer Mitstreiterin beim Sport, die eine sehr gute Figur hat und damit irritiert, dass sie gerne lange Männerunterhosen zum Turnen anzieht, quasi ihr Markenzeichen. Ich werde ihr die Hose heute vorstellen. Sie sieht aus, als wäre sie ursprünglich weiß gewesen und man hätte sie bei 60 ° mit einem roten T-Shirt zusammen gewaschen. Auch mein Büro freut sich, aber ich muss die Gemüter beruhigen und darf nicht zu viel von der Wäsche zeigen, sonst ist es für alle Beteiligten zu aufregend. Ich ärgere mich, dass ich die tolle Verpackung nicht abfotografiert habe, wo mir doch sonst jedes Motiv Recht ist. Es war so eine herrliche Familie, ganz in der Funktionswäsche der 70er.
Gespräche mit den Eltern des Betreuten, der viel bettelt und verscheucht wird. Sie sind gerade an der Küste und machen Urlaub und sind unzufrieden, dass sie nicht ausreichend informiert werden und überhaupt. Wir treffen uns nächste Woche mal bei mir im Büro ohne den Sohn und planen, ob man da nicht mal ein Heim oder eine Wohngruppe versuchen sollte, zumal die Wohnung den Eltern gehört und das Experiment ohne Wohnungsverlustrisiko vonstattengehen kann und vielleicht gefällt es ihm ja und er hat ein besseres Leben als immer alleine und verscheucht werden.
Ich muss heute kurz in dem Krankenhaus meiner Verfahrenspflegschaft vorbeischauen. Sie hat kein Telefon auf dem Zimmer.
Zwischendurch bekomme ich Email Post von meiner Freundin Andrea, die in meiner oberfränkischen Wahlheimat. Das Strickbild- so schön.
Dann rufe ich bei meinen Eltern an und mein Vater erklärt mir sehr süß technische Details unseres häuslichen Problems. Es kann eigentlich nur der Router sein. Dieses Gerät ist für beides zuständig. Es sei denn, wir haben ein altmodisches System mit einer Weiche, Splitter. Wenn er defekt ist, wird er nicht mehr ausgetauscht, weil die Telekom damit nicht mehr arbeitet. Der Router kostet ca. 200,- € und der Techniker 100,- €, aber das telefonieren mit einer flat wird dann ca. 10,- € günstiger pro Monat. Mein süßer Paps….Auch damals war er der besten Mathenachhilfelehrer der Welt. Immer viel Geduld, wenn ich Plus und Mal verwechselt habe und die Begabung so lange Sachverhalte zu veranschaulichen in Physik und Chemie bis ich sie verstanden habe. Damit habe ich in der Oberstufe meine Lehrer in den Wahnsinn getrieben, dass ich auch einmal alternative Lösungen an der Tafel entwickeln konnte, wo ich doch eigentlich Non-Checker war.
Neben der Arbeit verschicke ich gebastelte Postkarten an Herrn Grubert und Jochen Dreissigacker und bedanke mich für den herrlichen Abend im Titus am 29.08.
Der Mitarbeiter von Herrn Grubert, der immer ankündigt, „das sei Erlebnisgastronomie“ hat sie an diesem Abend wirklich geboten. Das Essen hingegen war so was von lecker, dass die Läden mit den Sternen da einfach nicht mithalten können und ich weiß nicht, womit wir dieses Kleinod in Hannover verdient haben. Diesen Mann, der völlig unprätentiös in seiner Küche vor sich hin werkelt und diese Dinger raushaut. Der Wahnsinn. Er ist bescheiden ohne Ende und begrüßt die Gästen mit den Worten, dass er heute auch da sei und sich dann mal in die Küche begeben wird und sich dann gutes Gelingen wünscht und das hat er dann auch. Er kann mit Lebensmitteln einfach unheimlich gut umgehen, ob Fisch, Fleisch oder Gemüse, alles schmeckt authentisch nach dem jeweiligen Lebensmittel und die Soßen und Kombinationen sind einfach nur genial. Der braucht auch keinen Stickstoff. Was er gerne macht ist mit Graupen arbeiten. Das sieht dann molekular aus, ist aber old school und das andere braucht wirklich nicht jeder Laden nachzumachen.
Mein Betreuter, der Architekt studiert hat und eigentlich gestern einen Termin hatte, kommt total verhuscht vorbei. Es geht eigentlich nur um Kontoauszüge für einen neuen SGB-II Antrag. Er hat zwar einen Ordner dabei, aber die Auszüge sind nicht vollständig, dafür will er mir lauter Belege zeigen, wie er sich einen Locher gekauft hat oder einen Fahrradschlauch, die keinen interessieren. Er geht noch mal los und holt frische. Ich will den Fortzahlungsantrag faxen, aber das klappt nicht immer beim Jobcenter, viel Wahlwiederholung und dann Fehlermeldung. Da ich ohnehin dort zum Krankenhaus will, nehme ich den Antrag mit und gehe zum Empfang im 1. Stock. Während ich klingele sehe ich, dass Mittwoch geschlossen ist. Am Empfangstresen sitzt aber wer und ein anderer Herr macht mir die Tür auf. Ich habe nur abzugeben. Unten sei der Briefkasten. Ja, aber der ist vor der Tür und jeder kann die Post wieder rausnehmen. Das will ich nicht so gerne. Er nimmt sie mir ab, aber als ich dann nach einem Eingangsstempel für meine Kopie frage, lehnt er ab. Sie hätten geschlossen. Ich sage, ja, aber er hätte doch aufgemacht und da hinten würde auch einer sitzen. Nur für Notfälle lautet die Antwort. Er will die Tür zuziehen und dann frage ich noch mal nach seinem Namen. Das war wohl zu viel. Die Antwort lautet: „unwichtig“. Alles klar Herr Unwichtig. Genauso habe ich mir das vorgestellt.
Die Alkoholikerin sieht böse verprügelt aus mit Veilchen und liegt in der Mitte im Dreierzimmer. Gut, dass ich bei nahezu jedem Krankenhaus in Hannover mit persönlichen Erinnerungen an eigene Aufenthalte aufwarten kann. Als pflegerische Handlungen vollzogen werden sollen und ich das 3-Bett-Zimmer verlassen soll, gehe ich zum Stationszimmer und frage wer für Frau XYZ zuständig. Eine junge Ärztin unterbricht ihr Privatgespräch und fragt, wer ich bin. Dann ist sie sehr genervt, sie habe gerade alles mit dem Betreuer abgesprochen, ich soll mich an den wenden. Sozialdienst, nach dem ich gefragt hatte, gäbe es jetzt nicht. Ich gehe wieder zu meiner Klientin und erzähle, dass sie morgen wieder ins Heim soll, weil es pflegerische Engpässe gäbe und dort erst mal wieder zu Kräften kommen soll. Die Beschwerde sei am Laufen und wir müssten das Ergebnis abwarten. Am Fahrstuhl will die Ärztin dann doch noch ganz viel mit mir reden und ist dankbar, dass ich auch zumindest vorübergehend für das Heim plädiert habe und sonst ist sie meiner Meinung, dass man es nach einer Päppelungsphase noch mal zuhause probieren könne. Ich sage, das Problem sei auch, dass solange der Heimvertrag besteht, sie Selbstzahlerin ist bei einer häuslichen Versorgung. Das müsse erst mal geklärt werden durch den Betreuer. Ich solle den Betreuer anrufen, meint sie. Ich glaube nicht, dass der noch mit mir spricht und ich will ihm auch nicht das Gefühl geben, dass ich ihm seine Arbeit streitig machen wolle. Ich habe die prozessuale veranlasst und auch einen Betreuerwechsel angeregt. Bei mir sei der Kopf rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Da hätte ich Zweifel bei dem Betreuer, ob er auch so geistig flexibel sei und ob er die Betreuung in vertrauensvoller Zusammenarbeit führen würde, aber auch darüber muss das Landgericht entscheiden.
Ich gehe mittags nach Hause und bringe meinem Mann mein Handy, damit unser Freund, der heute aus Nürnberg mit dem Zug anreist und bei uns übernachten will, sich ankündigen und jemanden erreichen kann. Morgen früh zwischen 9-10 kommt der Techniker, der unsere Anlage eingerichtet hat, vorbei. Die Tage der alten Welt mit viel Zeit sind begrenzt.
Ein Betreuter von mir meldet sich nicht beim Jobcenter und soll Morgen um 8:30 Uhr seinen Bildungsgutschein abholen. Ich erläutere der Frau, dass ich das zur Not für ihn machen werde und auch rechtlich kann, damit er am 23.09. mit der Ausbildung zum Pflegehelfer anfangen kann.
Nachmittags kommt in meiner Abwesenheit die entzückende Tochter meines Kollegen vorbei und nimmt auch einen Schützling von mir in ihre Obhut. Nut einen. So bescheiden. Ich konnte früher schon immer alles gebrauchen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das junge Ding ausgerechnet diese eckige und kantige Tasche wählt. Da habe ich immer gesagt, ich lass meine Akten auf DIN-A 5 anlegen und benutze sie dann fürs Gericht, aber es war die richtige Wahl, sie steht ihr gut und irgendwie sieht das wieder total eighties stylo aus.
Ich bin am späten Nachmittag in einen juristischen Schriftsatz vertieft. Die wollen Schönheitsreparaturen und ich hole in Gedanken schon aus zur Widerklage auf Auszahlung der Kaution. Streitig ist, ob die Mandantin fristlos den Mietvertrag kündigen durfte. Telefonisch hatte man ihr gesagt, mit einem ärztlichen Attest sei das kein Problem. Darauf hat sie sich verlassen und eine neue Wohnung angemietet. Jetzt geht es um die Klauseln hinsichtlich der Schönheitsreparaturen und einer Verlängerung der gesetzlichen Verjährungsfrist von 6 Monate auf 12 und ob das zulässig ist und so durchgeht. Bei Anlage 13 bin ich so vertieft, dass ich fast meinen Sport verpenne und heute ist doch Sektenyoga.
Viele Sa-Ta-Na-Ma Mantren und komischen Übungen, die einen teilweise überfordern und nicht nur mich. Dann soll man in einer Vorderbeuge durch die gerollte Zunge einatmen und durch die Nase aus und das 3 Minuten lang. Ich bin Nichtroller. Anschließend heißt es, jetzt schmeckt es bitter auf der Zunge. Das ist eine Entgiftung durch Atem (!!!!). Wenn man das länger macht, kann die Zunge auch schwarz werden (!!!!). Ich muss immer wieder gegen die Esoterik innerlich ankämpfen und sie abwehren, die mich abschreckt ohne Ende, aber das reine Praktizieren mag mein Körper und auch mein Geist, halt ohne die Erläuterungen, die oft an den Haaren herbeigezogen sind. Bei den anderen kommt das gut an. Eine Stelle am Oberschenkel sei für den Magnesiumhaushalt verantwortlich und daher solle man dort nicht kalt duschen, sonst wäre der Tag ganz durcheinander. Wiederum viele Fragezeichen in meinem Kopf, aber andere Kursteilnehmerinnen wollen wissen, welche Körperteile man denn stattdessen kalt duschen solle. Gar keine, wäre meine Antwort. Ich mag die Schwingungen der Mantren im Körper und auch die Meditation, aber ohne Moderation am liebsten. Wie geht es uns danach. Ich sage, ich fühlte mich erinnert an Rosemaries Baby und musste gegen die Vorstellung ankämpfen, dass meine neuen Nachbarn mein nicht vorhandenes Baby haben wollen, aber sonst geht es mir gut. Stimmt auch. Im Anschlussyogakurs höre ich von einer neuen, die neben mir turnt: Wahnsinn, ist die beweglich. Das schmeichelt mir nicht, sondern ich fühle mich wie Zirkusexot, aber Augen schließen und ignorieren hilft.
Zuhause angekommen wird gekocht und wir warten auf Martin, der verspätet aus Nürnberg kommt. Es gibt dann vegetarische Spagetti und einen guten Rotwein, sowie eine fruchtige Nachspeise mit den leckeren Topfen von Bauer Banse. Der Vollmond strahlt hell und ist wunderschön und ich habe heute deutlich das Gefühl als hätte ich Kaffee getrunken, was ich nicht getan habe, zumindest nicht in der zweiten Hälfte des Tages. Vollmond, Schlafprobleme, werde ich jetzt doch zur Hexe?
19.09. Heute kommt der Techniker und meine ganzen Hoffnungen ruhen auf ihm. Als er da ist, sagt Stephan, wir hätten einen Freund da, der wäre Schädlingsbekämpfer und hätte auch schon versucht, den Bug aus der Anlage zu bekommen. Haha. Martin erzählt lustige Geschichten von Menschen, die anrufen und die man am Telefon kaum versteht. Sie hätten Probleme mit Knack-Knack. Gezielte Nachfragen und eine Ferndiagnose führen dann zu dem Ergebnis, dass es doch Kakerlaken sind. Martin hat heute einen Kunden in Hannover am alten Rathaus. Mensch, da spricht heute Rössler, wie ich unterwegs lesen kann und wer war noch mal dieser Patrick Döring? FDP gehört abgeschafft, nur Brüderle, der kann hier als Bürokraft anfangen.
Ich verabschiede mich. Um 10:30 Uhr bin ich beim Sozialamt in der Hamburger Allee und stelle für Frau V., die Alkoholikerin einen Sozialhilfeantrag. Der Rentengutachter hatte zunächst gesagt, vollsschichtig arbeitsfähig, aber das Widerspruchsverfahren war kurz und mit wenig Widerstand gibt es jetzt die Rente ab 2012 bis zum Eintritt ins Rentenalter. Ich bin gut vorbereitet und habe neben dem Antrag alle wichtigen Unterlagen schon kopiert dabei. Die junge Sachbearbeiterin hat blaue Kunstnägel mit aufgeklebten Bildchen. Ich kaufe ein paar Gesundheitspralinen als Nachtischbeitrag für heute Abend. Wir sind eingeladen. Ich bin faul. Für die Freunde, die auch zu Besuch sind, habe ich wieder eine Hässlichkeit. Ich kann da nicht daran vorbei. Die haben eine sehr aufgeräumte Wohnung, in der alles nur schön und stilecht ist. Ich frage mich immer, wo sind die Putzeimer? Wo sind die Zahnbürsten? So was sieht man da schlichtweg nicht und das finde ich nicht normal. Die leben in einer Scheinwelt. Eine herrliche Sammlung wunderschöner Glasfiguren aus den 50ern kommt in dieser Umgebung allerdings herrlich zur Geltung. Es sind Hirsche, die von Jagdhunden angetrieben werden und die Hirsche haben ein wunderschönes Geweih aus Glas und ganz filigrane, lange und durchsichtige Beine. Ich finde dann im Trödelladen immer genau das Gegenteil. Eine total geschmacklose, pumpe Glasfigur, wie diese, quasi dicker Rumpf und sehr kurze Beine und die muss ich dann immer kaufen.
Es ist ein innerer Zwang, aber es entlastet in diesem Fall die eigene Wohnung und Sammlung, sonst müsste ich demnächst für Glasfiguren auch ein neues Zuhause suchen. Gar nicht auszudenken, was euch da erspart geblieben ist.
Ich fahre zu meinem nächsten Termin. Kann keine Fotos von tollen Wahlplakaten machen (Schostok als Teufel am Wedekindplatz), weil mein Handy bei Stephan ist als Hausnotruf. An meinen Ohren klappert lustig die zerschnittene Fischdose. Das heißt lustig stimmt nicht, es treibt mich fast in den Wahnsinn. Es geht zu meinem Schützling mit den Ratten. Er hatte einen Rückfall mit chemischen Drogen, sieht aber irgendwie gut aus. Gut, er ist verschlafen um 11:30 Uhr und muss erst mal aus einer Tüte Gras eine Mischung machen und mit einer Bong in der Küche verschwinden mit der Bemerkung, andere bräuchten morgens einen Kaffee. Die Sozialarbeiterin und ich sitzen auf dem Sofateil ohne Ratten und warten. Die Termine mit ihr hatten nicht so geklappt und zu Ausfällen geführt, daher musste ich auf den Plan treten. Auf einmal ist sein Haar graumeliert. Er sieht ein bisschen Georg Clooney mäßig aus, aber ohne den Schönling. Ging das so schnell? Seine Freundin schläft bei offener Tür, der Fernseher läuft. Ich frage nach dem halben Herzen als Schlüsselbundanhänger mit einem Buchstaben, den ich nicht zuordnen kann. Das sei ihr Dienstname, wenn sie Telefonsex macht und chattet. Er will es mir noch mal anders erklären und ich sage, Frau A. hat das verstanden. Ich würde mich für: „hallo, hier ist die Susi“ entscheiden, aber ob das gut ankommt, weiß ich nicht. Er schaut nur mich an, auch wenn die Sozialarbeiterin was sagt. Jetzt ist wieder alles klar. Nächste Woche Zahnarzttermin mit der Sozialarbeiterin. Dann Verordnung Ergo-Therapie. Es geht weiter. Ich verabschiede mich. Sie braucht noch Unterschriften.
Auf dem Rückweg ist die Haltestelle Schwarzer Bär in Betrieb. Darauf warten wir seit Monaten und ich Stephan gleich anrufen, aber kann nicht mangels Handy. Über die Wahlwerbung der Linken kann ich mich echt aufregen. Freiheit statt Kapitalismus. Das ist wie Vollmond statt Brötchen.
Mittags kurz nach Hause. Immer noch geht nichts. Der Techniker sagt, die Anlage, die er eingerichtet hat geht, es liegt an der Telekom und die sagen, ne, bei ihnen alles o.k. und ich verliere langsam die Nerven und will ein Fax schicken, aber mein Mann will das nicht. Er hat Angst vor meinem Agieren und ich vor seiner Passivität. Er ist wie so oft in unserer Beziehung und ich habe das Gefühl, je druckvoller ich werde, desto mehr zieht er die Handbremse um das auszugleichen.
Bildungsgutschein wurde vom Schützling erfolgreich abgeholt und er fängt mit der Ausbildung an und bedankt sich bei mir. Hier mal alles gut.
Nachmittags ist wieder Geldausgabe angesagt und einen Text ins Englische übersetzen für meinen Kollegen. Außerdem der Krankenkasse erklären, warum meine Betreute keinen Rentenantrag stellen will und erst einmal über ihre Widersprüche entschieden werden soll. Außerdem kann die Rente nicht errechnet werden, weil 18 Lücken im Versicherungsverlauf enthalten sind. Immerhin will sie dabei helfen, diese zu klären. Statt mir Fristen zu setzen, lobt sie heute mein schön formuliertes Schreiben an die Krankengeldstelle ihrer Krankenkasse. Mal was Neues.
Ich freue mich auf den Abend bei Freunden und will mich aber zurück nehmen, weil ich Morgen um 8:30 Uhr schon bei Gericht antanzen muss und dann Termin mit Herrn W. in der MHH wegen Chemo. Da kann ich einen Kater nicht gebrauchen, also freuen und ausgelassen sein, aber in Maßen. Mein Gott wird das schwierig.
Der Rotwein ist lecker und die Tortelloni von Rossini auch. Das sind richtig riesige Taschen, prall gefüllt und befriedigend. Hatte ich gar nicht so positiv abgespeichert. Dann gibt es Lebkuchen aus Fürth und Süßwein aus Oberfranken als Nachtisch und wir träumen von den Radwegen zwischen Nürnberg und Regensburg, aber ich weiß nicht, ob ich der Mannschaft körperlich und geistig gewachsen bin. Wir stellen alle fest, dass wir uns total totgelacht haben über die Polizeiaktion der Ösis mit dem Wilderer (der prophylaktisch schon mal seinen Schäferhund daschossn hat). Wenn eine Spezialeinheit schon „Cobra“ oder „Kobra“ heißt und dann die Bilder, wie die Panzer auf den einsam gelegenen Bauernhof zurollen. Das haben sie echt nicht drauf. Vielleicht hätte noch Kampfjets helfen können und dann die Meldung, dass ein 75-jähriger Rettungssanitäter getötet wurde. 75-jährig? Das kann auch nicht deren ernst sein.
20.09. Stephan hat ausgemistet und rausgekommen sind u.a. 3 Gutscheine für die Glocksee, 2 mal Party freien Eintritt für 2 Personen und 1 mal Konzert. Hey, das lass ich mir nicht nehmen und die will ich nicht loswerden, sondern als stille Reserve behalten bzw. das soll mein Ehrgeiz sein, die noch selber abzutelefonieren.
Heute ist der wichtige Termine in Sachen Strafvollstreckung und die ganze Kammer hat sich eingefunden, auch die Staatanwaltschaft, der Oberarzt, sowie etliche Justiz- und Klinikhiwis. Meiner ist seit 8 Jahren im Maßregelvollzug für einen Raubüberfall, der aber mehr lustig war als alles andere. Langsam kommen wir an die Grenze der Verhältnismäßigkeit. Das sagt auch die Kammer. Ein Richter ist dabei, mit dem ich Mittagstisch mache. Jetzt soll ich es richten mit der Wohnung, alles hängt an mir und in 3-4 Monaten wird der Vollzug aufgehoben, so oder so. Einerseits bin ich sehr froh für meinen Schützling und will fast Pipi in die Augen kriegen nach so langer Zeit und der ganzen Hoffnungslosigkeit und der Unbeugsamkeit (ich sage nur der Indianer aus Einer flog übers Kuckucksnest) und der Hospitalisierung, die er zeigt. Ich sage ihm, dass vom Wohnsitz abhängt, wo ich Leistungen für ihn beantragen werde. Dazu flüstert er mir ins Ohr, dass er da schon wisse, was zu tun sei und wie er zu Geld komme und, dass er mir nicht so viel Arbeit machen wolle. Das wiederum macht mir Angst und ich sage anschließend dem Strafverteidiger, entweder es geht gut oder er entführt mich oder wen anders. Wir werden sehen, aber ich will meinem Schicksal nicht entgehen.
Wiederum die Wahlplakate ohne Telefon/Kamera. Waldraff knöpft sich den Hemdärmel zu und dazu der Slogan lebendig, bürgernah und noch irgendwas. Es sieht aus, als versuche er diese Eigenschaften aus jeden Fall herbeizureden. Ich fahre meinen neuen Lieblingsweg, Kleefelder Straße, die Fahrradstraße entlang der Bahngleise und dann vorbei an dem japanischen Haus bzw. Garten und dann kommt die Stadtparksauna und dann komme ich raus am Gebäude der AOK, was gerade richtig herrlich aussieht, wie der Bagger sich da Stückchen für Stückchen durchfrisst mit seiner Zange. Vor dem Demolition-Charme steht Konfizius auf einem Sockel. Kann ich alles nicht mit Foto beweisen. Ist aber so.
Mit Kaffee habe ich kein Glück in Kleefeld. Im Kaffeeklatsch wird die Maschine gerade ausgetauscht. Ich halte an einer Bäckerei und will ein Eibrötchen, was es nicht gibt. Frage, ob die Croissant mit Butter sind. Ja, lautet die Antwort. Das schlechte Fett klebt am Gaumen und ich erkläre beim Gehen dem jungen Ding, dass das keine Butter war. Mein Gott, wäre ich doch nur zu Kreipe gefahren. Mit dem Kaffee trinken muss man so aufpassen in Hannover. Dafür entdecke ich die Überschrift der Bild: „MHH entdeckt das gebrochene Herz“.
Ich bin 10:30 Uhr die der Medizinischen Poliklinik, ein Gang neben der bekannten HNO. Herr W. kommt auch früh. Nach etwas Wartezeit im Zimmer nimmt sich Prof. R. richtig viel Zeit für uns und untersucht Herrn W. auch körperlich. Er sagt, auch bei Chemo oder Medikamententherapie geht es maximal um ein paar Monate. Ob sich das überhaupt lohnt sei die Frage. Das würden sie normalerweise nur topfite, eins-A Leute mit intakten Familie durchschicken. Tumor im Halsbereich immer scheiße, weil Lebensqualität im Arsch, kein Essen, Sprache betroffen. Er sagt, wie es ist. Er rät zum Hospiz. Ich freue mich sehr über die offenen Worte und nehme den Auftrag an. Nebenbei versuche ich offene Worte mit meinem Schützling zu finden, der aber oft etwas wegknickt und dann eher eine Rauchen gehen will. Das Pflegeheim will unbedingt, dass sich jemand das Gewächs am Tracheo-Ausgang anschaut. Prof. R. ruft in der HNO an und wir gehen rüber. Die sollen endlich ihren Job machen und sie das anschauen, was da aus dem Hals rauswächst. Das Personal und die schmuddeligen Räume kenne ich schon. Heute kommt ein junger Araber mit Fusselbart. Ich sage ihm, was zu machen ist. Ich bin geschockt. Das Ding ist zwischen dem 03. und heute um ein Vielfaches gewachsen und es sieht so was von gruselig aus, wie es aus dem Ausgang den Hals herunterwächst wie ein Blumenkohl aus Fleisch. Ja, er ist Krebs, sagt mir der Arzt auf Nachfrage und, dass man den auch wegschneiden und dann eine Hauttransplantation machen kann, wenn man ihn nicht mit Bestrahlung und Chemo weg bekommt. Hey, träum weiter denke ich mir. Herr W. bedankt sich, dass ich da war und ich veranlasse den Rücktransport. Als ich noch mal vorbei laufe, winken wir uns zu. Ich bin mitgenommen von dem Termin merke ich danach deutlich. Ich will so was bitte, bitte nicht, sondern dann eher Darmkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, aber nicht, dass das Essen an dem Krebs vorbei muss und man nicht mehr Essen schlucken kann und nicht mehr richtig sprechen. Es ist so schrecklich. Auf dem Rückweg fahre ich am Kunstverein vorbei. Da wollte heute Stephan mit Andreas (dem Gast aus Fürth) hin und tatsächlich, ihre Fahrräder stehen vor der Tür. Ich erkenne unser Gastfahrrad, die alte Gurke. Ich halte und gehe hoch, stehe aber noch unter Schock. Türkische Ausstellung. Ich habe andere Bilder im Kopf. Ich muss ins Büro.
Während dessen hat Stephan dem auswärtigen Gast die schönsten Seiten der Stadt gezeigt. Pilze unter alten Bäumen und Gräber von Herrn Niemeyer.
Auf dem Opernplatz großes Polizeiaufgebot. Merkel kommt und überall die Hinterlassenschaften der Polizeipferde. Gassi gehen mit Tüte und Papier oder „Ein Sackerl fürs Gackerl“, wie der Wiener sagt.
Heute wird bei uns gekocht, ein Gast hat dann um 24 Uhr Geburtstag und eine Semi-Promi aus der Nähszene Hamburg, den wir aber nicht persönlich kennen, unsere Gäste aber wohl, wird auch dazu stoßen, aber ich bin raus, zumindes fürs Kochen und werde passend zu dem Hamburg-Gast im Frotteemorgenmantel und damit im Zuhauselook sein und nicht im Gastmaschinenmodus und melde mich definitiv für die Küchenarbeit ab. Mir ist außerdem der Appetit vergangen. Ich wollte Milchreis machen, aber heißt der nicht auch Orsa, ne Oryza, so ähnlich. Ich trage den letzten Lebkuchen in meiner Tasche, aber er bleibt unangetastet. Kaffee geht noch und soll auch gut sein für die Leber….
Im Büro ruft mich ein Betreuter an, den ich duze. Die Bullen waren neulich nachts bei ihm und haben seinen Teenagersohn gesucht. Der war nicht nach Hause gekommen und die Mutter konnte ihn nicht erreichen und machte sich Sorgen. Er hat mit Kumpels auf dem Skaterpark übernachtet. Dann waren die Bullen tagsüber noch mal da, obwohl Sohnemann wieder aufgetaucht war und er hatte gerade eine Drogenzigarette geraucht mit einem Freund. Dann haben die festgestellt, dass es nach TCM riecht und der Freund wurde durchsucht, dann haben sie einen Durchsuchungsbeschluss von der StA besorgt und einen Hund und die Wohnung gefilzt. Gefunden haben sie jämmerliche und superkleine Pflanzen auf dem Balkon und jetzt will einer der Bullen nächste Woche zur Vernehmung bei meinem Schützling vorbei kommen und hat sich schon angemeldet. Von wegen nett sein, Hausbesuch. Ich sage ihm, das werde ich absagen, Aussageverweigerungsrecht ist das Mittel der Wahl. Er kann sich nur reinreden bei so was und darauf hoffen die. Kleiner Plausch zuhause, ich glaube: nein. Leider erreiche ich den Polizisten nicht, obwohl er meinem Schützling seine Durchwahl gegeben hat.
Die schlimmste Nachricht des Tages kommt in der Ausstellung von Stephan: die Post an meinen Paps ist wieder zurück gekommen. Ich fasse es nicht, weil ich ihm eine Postkarte gebastelt und geschrieben habe vor der OP, die Morgen ist. Ich rege mich spontan auf: Da war nicht zu wenig drauf, an Porto. Das war nur eine Postkarte in einem Umschlag. Als ich im Büro ankomme, stelle ich fest, dass ich gar keine Briefmarke draufgeklebt habe. Ich rufe in Bayreuth an und mein Paps meint, dass sei Oma erst im hohen Alter passiert. Ich bin natürlich entsprechend frustriert über meine Blödheit. Das ist schon bedenklich, wenn so eine Aktion, die mir wichtig ist, am Ende nur gut gemeint war, aber einfach gescheitert ist.
15.09. Auf zum Faust-Flohmarkt
Diese Kette braucht dringend Beratung durch den Schädlingsbekämpfer Martin. Das ist zwar ein Weihnachtsgebäck, aber lackiert noch und nöcher. Können die Viecher nicht woanders bessere Kohlehydrate finden? Ich wunder mich immer, was für die noch als Nahrung alles in Frage kommt und natürlich schade um den Hirsch, der nach und nach an meinem Hals gefressen wird. Martin, bitte….
14.09. Auf in die Oper- Maskenball von Verdi
Renato und Ulrica
14.09. Ich werde relativ früh wach und lese den Urlaubsbericht meiner Freundin Claudia von der griechischen Insel und schreibe eine Email an Freunde aus Kriftel, die ich auf Amrum vermute. Es geht um die Frage, wo wir essen gehen, wenn sie nächsten Samstag vorbeischauen und ich empfehle das Tropeano. Prompt bekomme ich einen Anruf aus Frankfurt, weil die beiden noch gar nicht auf der Insel sind. Charlotte sagt, sie könne mal wieder eine Kette gebrauchen, wenn das nicht zu unverschämt sei. Der Startschuss zum Ausmisten ist gefallen. Ich gehe meine Ketten durch und schaue sie mir fast alle an. Das ist zugleich immer eine Reise in die Vergangenheit. Da ich seit einigen Jahren mehr auf Hütchen fixiert bin, trage ich weniger Ketten, weil sich das oft nicht verträgt. Ich sortiere aus und es kommen etliche Kilo zusammen.
Es ist nicht so, dass ich die Ketten auf Teufel komm raus loswerden oder gar wegwerfen will, sondern ich habe durchaus eine emotionale Bindung zu ihnen, aber ich freue mich auch, wenn sie ein neues zuhause finden. Vielleicht mag meine Freundin Andrea, von der ich meine halbe Garderobe habe (alles selbstgenäht) auch mal eine Kette von mir auswählen oder Heike aus Berlin? Die eine mit dem Schweinchen und den Edelweiß würde ich gerne Sunla andrehen. Eine davon ist nicht von mir bebastelt und ca. 3 sind Fertigketten.
Weiter geht es mit den Taschen. Ich will Buttermusch als Forum benutzen und bitte euch um eure Mithilfe. Stellt euch vor, es sind Straßenhunde, die ein neues Zuhause oder zumindest eine Pflegestelle suchen. Es sind skurrile Modelle dabei, teilweise auch welche an denen ich was gebastelt habe. Auf jeden Fall viele die mich Jahre lang begleitet haben und die ich quasi noch aus meiner Jugend habe. Getragen werden sie alle nicht mehr, weil eine Sigg-Flasche nicht hineinpasst. Ganz klares Ausschlusskriterium, leider. Ich habe sie Sonntag alle einmal durchfotografieren lassen und würde mich freuen, sie bald in ein neues Zuhause vermitteln zu können. Wenn ihr Freundinnen habt, die in Frage kommen, dann geht das auch. Die Selbstabholung ist die einzige Voraussetzung. Und denkt daran, ihr tut auch was Gutes. Ihr helft Buttermusch gegen das Messietum anzukämpfen und mehr Platz zu schaffen, dass die vorhandenen Sachen besser genutzt werden können. Die erste rosane habe ich in Santa Cruz in einem second hand Laden gekauft und meine Mama hat mir noch einen anderen Griff aus blauem Leder, auch mit Metall dran (gold) länger, zum Umhängen daran genäht, als der Originalgriff gebrochen war. Die großporige, die nach Schwein aussieht, eine Clutch, habe ich mal bei Odradek gekauft. Die aus den Kabeln, braun-weiß habe ich in Brooklyn gekauft und vom Schuster lange Träger ran nähen lassen. Die braune – unterhalb von dem Koffer (70er Jahre?), habe ich sehr viel getragen, eine tolle Tasche, verträglich mit anderen, nicht dominant, beißt nicht. Die quietschgrüne ist auch aus Leder. Ich liebe die Sticktaschen und wäre sehr froh, wenn noch jemand diesen Omastil zu schätzen weiß und mit ihnen Gassi gehen wollte.
Nach dem Aderlass bastele ich die Hamburgcollagen, d.h. ich tusche und klebe und sehe mit Sorge den Nachmittag dahin schwinden und den Opernbesuch auf mich zurollen. Ich überlege noch, ob nicht unser Nachbar spontan mit Stephan mitgehen kann, während ich zuhause Bügelwäsche erledige. Ja, so weit ist es schon, dass dies eine reizvolle Alternative für mich darstellt. Ich einige mich mit Stephan darauf, dass es mein letzter Opernbesuch in Hannover zumindest sein wird, Calixto Bieto und Basel oder Stuttgart will ich auch zukünftig nicht ausschließen. Ausnahmen sind immer möglich, wie ich neulich beim Thema Musical und als Stephan verlangte, man soll ihn erschießen, wenn er da mal reingeht sagte, man weiß aber nie. Wenn meine einzige Nichte eines Tages Musicalstar wird, dann wird man vielleicht eine Ausnahme machen müssen oder auch wollen. Sie macht zwar gerne einen Auftritt und performt mit Singen und Tanzen, aber von der Figur her schließe ich eine Karriere im Showgeschäft eher aus. Aber s.o. man weiß es nie. Abwarten.
Maskenball, ich ziehe mich an, wie ich es für passend halte und bin im nach hinein sehr zufrieden mit dem Outfit, d.h. ich finde es passt sehr gut zu der Inszenierung. Ich habe meine neue Lieblingsherbstjacke an, ein Geschenk von meiner Freundin Andrea, einer begnadeten Nähkünstlerin. Wir gehen runter auf die Straße zur Bahn, weil es regnet. Emil kommt gerade vom Kindergeburtstag und fragt mich, was ich da auf dem Kopf habe. Ich sage, wie sieht es denn aus und er sagt: wie ne Tröte. Ich sage, gute Idee ist aber ein Dübel mit verkokelten Zahnstochern oder zumindest sehe sie so aus. Mit uns an der Haltestelle steht ein Typ, Bildungsbürger ca. 50 mit Schirm und ich sage zu Stephan, der hat bestimmt dasselbe Ziel und so ist es auch. Im Foyer sitzt eine Frau auf einem Rollator und fährt damit rückwärts ohne zu Gucken, d.h. sie geht mit den Beinen und schiebt den Rollator dadurch den Gang entlang. Unmittelbar vor der Premiere ist dieser naturgemäß mit Menschen gefüllt. Wir lachen als Stephan sagt: nicht auch noch mit dem Handy telefonieren beim rückwärts, weil wir sie bei der zweiten Begegnung sehen, wie sie gerade damit telefoniert. Die Damentoilette von der Vorstellung ist immer herrlich. Ca. 16 Frauen, die in Reihe stehen und dann die üblichen Rituale, Schuhe wechseln, Haare zupfen am Spiegel, gucken ob alles sitzt und passt und man keine Flecken im Gesicht hat. Wir haben herrliche Plätze in der zweiten Reihe. Eine Reihe hinten uns entdeckt Stephan eine Freundin mit fast erwachsener Tochter. Wir sitzen neben einem schwulen mittleren Alters, ein geübter Operngänger. Er sagt, wenn es nach Alkohol riechen würde, er habe nichts getrunken, sondern ein Brillenputztuch verwendet. Ich sage, „warum, sind wir im Metronom? Ist hier Alkoholverbot? Meiner hat schon was getrunken“. Ich wundere mich darüber, dass so wenig Musiker in dem Graben sitzen. Ca. nur 1/3 so viel wie man für eine durchschnittliche Wagneroper benötigt. Es geht los. Vorhang auf und es erscheint eine tollen Theaterkulisse mit Fenstern und 3 Rängen. Überall kommen die Männer aus dem Chor zum Vorschein in coolen Clownkostümen mit entsprechender Schminke und singen. Die eine Nebenrollensängerin, eine kleine Erbse mit sexy Portierklamotten ist der Diener des Königs, der im Bett liegt und demonstrativ getötet werden soll, aber die Liebe zu seinem Volk oder seines Volkes zu ihm oder beides, schützen ihn. Sehr gut dargestellt, schön überzeichnet. I like. Die Kostüme und das Bühnenbild sind der Hammer. Die Oper ist operettenartig und 2 Typen lieben eine Frau. Auch klar, aber sie gefällt mir. Der weibliche Chor besteht aus einer Art Clownzombies, sehr gut dargestellt und die Wahrsagerin, Ulrica, die verbannt werden soll ist der Hammer. Der König soll die Verbannungsurkunde unterzeichnen, erfährt dann aber, dass sein Schwarm ein Termin bei der Wahrsagerin hat und dann will er natürlich unbedingt lauschen unter Verletzung des Patiengeheimnisses. Ich bin ein bisschen in Ulrica verknallt. Die ist auf Totenkopf geschminkt vom feinsten und richtig gruselig und singt nicht nur überzeugend, sondern ist darstellerisch auch eine eins bis hier zu der Haltung, den Bewegungen, gerade der Hände. Bei einer lebenden Toten sehr wichtig. Das wäre mein Traum, mich auch mal auf tot so überzeugend schminken zu lassen und mich dann vor mir selber zu gruseln. Ich bin zufrieden. Unruhig werde ich als es eine Pause gibt, aber sie uns nicht rauslassen. Noch mal eine halbe Stunde singen ist angesagt. Die jungen Clownstatisten sind lustig anzuschauen, sowie die beiden bösen Clowns, eine Art Türsteher oder Leibgarde des Königs, Mimik und Kostüme ebenfalls eine eins. Ulrica steht mit dem Teufel im Bunde und übt schon mal die Wahrsagerkünste an einem jungen Juppie, ebenfalls am Hofe des Königs beschäftigt, dem eine Karriere und Reichtum vorhergesagt wird. Das setzt der König, der ja lauscht, gleich in die Tat um. Pause. Überall lange Schlangen bei den Getränken. Wir unterhalten uns etwas mit Alex. Die Tochter hat bald Debütantinnenball in der Oper. Mann und Sohn sind beim Fußball. Ich gebe zu, dass es mir doch gefällt. Dann zweite Halbzeit. Hier geht es um Rache, die beim Maskenball umgesetzt wird, weil der König die Frau seines besten Freundes liebt und sie ihn auch, wie sie der Wahrsagerin verrät und er hört zu. Sie will von den Gedanken an ihn befreit werden und Ulrica weiß wie. Sie muss nachts um 12 Uhr (natürlich dann) an einem besonders gruseligen Ort ein Kraut pflücken. Dann spitzt sich das Ganze zu. Der Freund erfährt von dem Treffen der beiden und sie sollen sterben. Auch seine Frau, die noch einmal ihr einziges Kind in den Arm nehmen will (auch italienischer Pathos vom feinsten) und wenn er ihr den Wunsch als Frau abschlägt, dann soll er ihn ihr als Mutter gewähren. Auch der König soll sterben. Die beiden Leibwächter wirken mit und müssen auslosen, wer die Rache vollziehen darf. Der Freund gewinnt und tötet den König. Die italienischen Opern sind so schön schwülstig. Die Nacht soll nie enden usw. Immer schön dramatisch und voll aufdrehen. Daher kann der König auch nicht einfach so sterben, sondern nach der Erdolchung singt er noch mindestens 25 Minuten eine Arie und erklärt, wie er dem Freund treu und die Frau sauber geblieben. Beide anständig geblieben. Das war ihm ganz wichtig, der Ruf der Frau und die Ehre des Freundes und jetzt wo der Freund ihn erstochen hat erteilt er auch noch Absolution und stirbt erst dann. Tosender Applaus. Allen hat er gefallen, obwohl die Kostüme auch modern waren (böse Clowns usw). Es ist derselbe Typ, der für Meistersinger, auch moderne Inszenierung und noch das beste an dieser Oper, wenn man mich fragt, viel Buh geerntet hat, aber die Wagnerianer sind auch spaßfrei und nutzen die Oper viel als Therapie, Schreitherapie, um mal alle Gefühle so richtig freien Lauf zu lassen.
Wir fahren mit dem Tagesticket zum Steintor. Ab Morgen ist Emo, Metallmesse für Emotionals. Wegen dieser Messe müssen wir auch für das Tropeano vorbestellen für nächsten Samstag.
Ich habe die ganze Zeit schon Lust auf eine Pide und die ist echt lecker, gerade vom Teig her schön fluffig. Ich würde nächstes Mal nicht wieder Thunfisch wählen, aber die können das und ich komme wieder. Stephan hat gegrillten Lammspieß mit Auberginenmus. Dazu gibt es einen kleinen, scharfen Beilagensalat mit kleingehakten Tomaten, Gurken und Minze. Sehr lecker. Als Foto für alle die es noch nicht kennen und als Werbung: Künefe. Please enjoy!!
Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe jugendlicher Jungs. Die sehen aus wie zwischen 12 und 15 und extrem wie die Clique von Steve von American Dad. Ein dicker, ein Nerd usw. Nur sie sind zu fünft. Was machen die hier um die Uhrzeit? Auch die bekommen nach dem Döner einen Schwarztee. Ich liebe diesen Laden und freue mich über die grottenschlechten Fotos an den Wänden. Hinter uns sitzen so richtige Kerle. Typ Macho und Mucki-Bude. Der eine trinkt eine Cola aus der Dose mit der Aufschrift Supergirl. Er ist ahnungslos und schaut dazu böse. Das sieht sehr lustig. Ich mag diesen Kontrast nach der Oper und vielleicht war es doch nicht meine letzte, nur kein Wagner mehr. Vielleicht mal Carmen?
15.09. Ich schaue nach Yogakursen und London und komme dann auf die Idee mal wieder sonntags in die Yogawerkstatt zu fahren und spontan eine Runde zu schwitzen. Dafür ist es jetzt allerdings schon zu spät. Auf der Homepage sehe ich, dass da auch Yogaworkshop heute ist mit der Kanadierin, die sich so schön verrenkten kann, dass alle ihre Handys gezückt haben und auch wenn sie zu Beginn betont hat, dass es nicht darauf ankomme, spektakuläre Asanas zu machen, hat sie genau das getan. Ich liebe es immer, wenn Leute A sagen und dann gleich -A machen. Dafür waren doch alle offenbar gekommen, um zu sehen, was sie drauf hat. Ich fand ziemlich Jahrmarkt der Eitelkeiten und weniger nach innen schauen, aber isse Geschmackssache. Vielleicht bin ich auch nur beleidigt, weil meine Yogalehrerin aus London nicht punkten konnte und der Workshop in Hannover abgesat wurde.
So schön sonnig, da zieht es uns mal wieder in die Bar zu Kaffee trinken. Stephan bekommt einen holländischen Apfelkuchen, den er so liebt. Nebenan gibt es sowohl ein sehenswertes Wahlplakat, wo sich jemand mit den eyes richtig Mühe gegeben hat als auch Süperkampanya Omo.
Anschließend zum Faustflohmarkt und hier werde ich stürmisch begrüßt von einem Typen ca. in meinem Alter, gutaussehend, Ex-Junkie würde ich mal vermuten. „Toll sieht die Frau aus, wie immer, ein Gesamtkunstwerk“. Ich bin verlegen und muss schnell weiter. Ich kaufe Modeschmuck zum basteln und eine ganz tolle Schildkröte, die schon ausgepreist ist mit 1,- €. Die Rentnerin, die sie hergestellt hat, verkauft sie auch und sie hat ganze Arbeit geleistet. Ich lobe das zu wenig und sehe nach und nach, wie hier alles stimmt bis zum ausgestopften Schwanz. Das hätte ich der Frau ruhig noch mal deutlich sagen sollen.
Am Lichtenbergplatz wird eine Babykatze an der Leine ausgeführt und wir treffen Sabine. Die hat gestern auf einer Privatparty aufgelegt und ein Nachbar, der wohl richtig Psycho ist, hat den fünfzigsten Geburtstag mit einem Kamerascheinwerfer, der er vom Balkon auf die Festgesellschaft gerichtet hatte, gesprengt. Was die Menschen so reitet…..Danach treffen wir Britta, eine Freundin, die ich sehr gut aussehend und sympathisch finde. Ich sage ihr: Du hast eine richtige Farah Fawcett Mähne und sie lacht, 2 Nächte in der Blockhütte übernachtet und gerade hat sie das Haargummi rausgezogen und der Hüttenmuff sei ihr aus dem Dutt entgegen gekommen. Sie und ihr Mann mögen Kultur und Festivals und ich freue mich immer über sie. Die beiden Kinder mag ich auch sehr. Britta muss zum Fußball. Ihre Tochter spielt in der Frauenliga und ist erst 16. Mir würde das Angst machen als Mutter und ich sage ihr auch, das sei kein Sport für Mädchen. Ja, davon bekomme man muskulöse Oberschenkel. Das sei ja gut, ist meine Reaktion, aber das Verletzungsrisiko, man kann seine Zähne verlieren und das ist ja nicht so gut. Ich überlege erst mit zu kommen, aber was soll ich machen? Am Spielfeldrand stehen und ihr zurufen, Vorsicht und lass Dich nicht provozieren, schön auf die Deckung achten. Ich glaube, das wäre ihr peinlich. Zuhause stelle ich Modeschmuck, den ich geschenkt bekommen habe auf die Straße
und bastele mit aus den Flohmarktsachen ein paar Ohrringe mit Pilzen dran (Plastiksteinpilze aus den 50ern) sowie eine Wintermütze aus meiner geliebten Schildkröte. Stephan skypt mit Kathrin und wir suchen parallel ein Apartment für London für Dezember (Hochzeitsreise), Islington, Hackney, Shoreditch, Hoxton Square, White Cube. Der Zielort steht fest, nachdem ich kurz versucht hatte mit Rom und Barcelona zu locken, aber ewig reizt London, quasi London calling, alle Jahre wieder. ich bin nicht unglücklich damit, zumal es hier allerhand gibt, was ich richtig liebe. Engländer, indisches Essen, sehr gutes Yoga, High Tea, Sport-BHs von Lonsdale. Nur die Crusty Cream doughnuts sind in Liverpool (home of Crusty Cream) besser….




































































































































