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BM Outfit 14.02.14
Papieringenieure und Gruselgeschichten
11.02. Das neue Rad, der Oldtimer wird vor 8 Uhr geliefert. Das führt zu Geschimpfe meinerseits wenn ich wildfremden Männern im Morgenmantel widerwillig die Tür öffne und die ihrerseits genervt sind, weil sie das schwere Ding hochschleppen mussten und keiner runter gekommen ist.
Ich habe Ehestreit wegen einer Kestnermitgliedschaftskündigung (die Rechnungen mit Aufkleber 2014 sind gekommen, mein Aufkleber geht nicht ab und muss geschnitten werden, quasi symptomatisch) und ich sage: „Schatz, Du kannst Mitglied bleiben. Ich schreibe in meiner Kündigung, dass mein Mann ihnen als Einzelmitglied erhalten bleibt und der Bankeinzug auch wie bisher bestehen bleiben kann“. Was will er mehr? Er will zusammen mit mir im selben Verein sein, dass wir gleich sind. Ich gehe dann nicht mehr zu den Vernissagen wird mir vorgehalten. Doch. Ich will nur mein Geld anderen Leuten geben. Aus was mein Mann alles eine Glaubensfrage und eine Frage der ehelichen Solidarität machen kann. Ich bin immer wieder fassungslos.
Morgens ist die Schweizervolksabstimmung Thema. Ja, sie haben meine Schwägerin wieder reingelassen. Die Kollegen von ihr sind geschockt über das Ergebnis. Ich wundere mich weder über das Resultat noch über das Gefälle, d.h. je weniger Ausländerberührung, desto mehr Anti, das haben die Soziologen schon vor Jahrzehnte erklärt, nicht etwa, die die zu viele in der Nachbarschaft haben wollen das eindämmen, sondern die, die keine Ausländer zu sehen kriegen, wollen dass das auch so bleibt. Außerdem Großstadt, Zürich, liberaler und Landeier konservativer, auch normal.
Die beruflichen Highlights des Tages: Der Poststapel ist bis mittags abgearbeitet. Es ist sehr schöne Post dabei.
Ich habe mit u.a. einem Kollegen zu tun, der Haßdenteufel mit Nachnamen heißt. Besser geht ja wohl nicht.
Meine Betreute mit den familiären Problemen sagt ab und gibt Geld aus und fährt nächstes Wochenende weg.
Meinen neuen Betreuten, der Stimmen hört, erreiche ich nicht, auch nicht eine alte Betreute, die bis Morgen einen gesundheitlichen Fragebogen fürs Jobcenter ausgefüllt haben muss.
Meine demente Betreute hat doch Merkzeichen „H“ bekommen, hat also Anrecht auf eine kostenlose Wertmarke und ich muss zusehen, wie wir das mit dem Passfoto machen. Ich mit der Digitalkamera und dann Rossmann. Geht das als Passfoto? Erst mal die Kosten des Widerspruchsverfahrens schön abrechnen und Stephan hat auch einen Fotografen in der Nähe aufgetan. Bahn fahren geht schon mit dem Bescheid, ich als Begleitperson.
Zyste am Backenzahn entfernen kostet 180,-. Nur den Zahn ziehen übernimmt die AOK. Das ist doch bescheuert. Ich sage, wenn eine Entzündung im Fuß ist, dann immer amputieren, dann ist das Ding weg oder was.
Das Baguette von gestern macht Kieferschmerzen beim Essen, aber ich muss es tun, weil so viel von der Salzbutter darauf ist. Gugelhopf aus Hefe gibt es zum Tee und am frühen Nachmittag bringt Stephan mir den Joghurt und fromage blanc aus dem Supermarkt. Der „yaourt à la greque sur lit de fruits“ von der Hausmarke mit dem roten Vögelchen schmeckt herrlich fettig, obwohl er flüssig ist und die Frucht schmeckt auch lecker, vor allem Himbeere. Fabrique en France. Suggestion de présentation verstehe ich allerdings nicht, weil die Beere mit einem grünen Blatt dahinter zu sehen ist und sonst nur das rote Vögelchen der Marke. Vielleicht soll man es wie bei Sheba mit einem Minzblättchen dekorieren und das ist der Serviervorschlag. Die fromage blanc mit Frucht schmecken wie meine neuen Fruchtzwerge. Insgesamt hilft die Kalorienzufuhr locker um bis heute Abend durchzuhalten.
Um 18 Uhr ist software update. Man darf nicht mehr arbeiten und ich nutze die Zeit für Blog. Die neue Kollegin kommt rein, dass jemand von der Computerfirma angerufen habe, der Rechner der Steuermitarbeiterin im Flur muss angeschaltet werden und er sagt immer, dass er schlafen geht. Sie hat den Aktenvernichter statt den Rechner angemacht und sich schon gewundert, dass das so ein dickes Ding sei. O.k., jetzt bin ich nicht mehr „bottom of the pecking order“ in den technischen Fragen hier im Büro. Dafür sieht die Kollegin gut aus. Sie trägt ausnahmsweise einen Rock. Das steht ihr viel besser als Hosen. Ich würde sagen, dass nur ca. 5 % der Frauen Röcke tragen, aber ca. 70 % der Frauen Röcke besser stehen als Beinkleider. Meine Kollegen, die die Geschichte lustig finden, sagen, dass ich auch öfter an dem Rechner sei und auch am Schredder und deswegen einen Vorsprung habe, also technisch schätzen sie mich genau auf diesem Niveau ein. Wohl zu Recht.
Beim Sport habe ich heute die lange Leitung. Ich bin so in Gedanken versunken. Nach dem Trampolinhüpfen macht Berna, die Trainerin immer noch weitere Übungen in kniender Position auf dem Trampolin. Ich finde das super, weil die wackelige Unterlage des Trampolins bietet mehr Herausforderung als der Boden. Man muss ausbalancieren. Als ich aus den Augenwinkeln sehe, dass Bernas Beine am Boden sind, stehe ich sofort auf und fange an, mein Trampolin einzuklappen. Hinter mir die Frau, wieder eine Neue, schaut mich entgeistert an und ich denke, weil ich so schnell/forsch zu Gange bin. Dann merke ich, dass andere auch entsetzt schauen und dann höre ich erst, wie Berna zu mir sagt, wir sind noch nicht fertig und ich: ich wollte nicht verweigern, stelle das Trampolin wieder auf und muss lachen über meine Ignoranz. Später sollen wir uns einen Platz an der Stange suchen, auch eine sehr geläufige Aufforderung in diesem Kurs. Ich denke, alle trinken einen Schluck und merke erst als keiner mehr im Raum direkt steht, dass alle an der Stange sind, also letzte und wieder gepennt. Ich träume wohl von Straßburg.
12.02. Morgens von zuhause versuche ich schon jemanden von der MHH an die Strippe zu bekommen wegen einer Hilfeplanung bei der ich das Gefühl habe nicht alles optimal organisiert zu haben. Hatte gestern beim Anbieter vom ambulant betreuten Wohnen angerufen und die zuständige Mitarbeiterin ist krank, die Vertretung kennt meinen Betreuten nicht und ihn erreiche ich nicht (was ungewöhnlich ist). Ich hatte nicht vor hinzufahren und wollte den Termin nur koordinieren was mir wohl angesichts des Straßburgausfluges etwas entglitten war (so mein Gefühl). Im Büro klärt sich dann alles. Mein Betreuter war krank und hatte sein Telefon ausgeschaltet und kennt auch die Vertretung des Anbieters und diese wird auch hingehen, also doch wieder alles gut bzw. bestens. Ich rufe in der JVA an und nenne Namen von Mitarbeitern, die wieder keiner kennt. Meine Namen hingegen kennt man schon sagt mit die Drogenberaterin. Es habe sich herumgesprochen, dass ich sehr penetrant sein könne und Dinge durchsetze, die normalerweise nicht gehen oder lange dauern, so quasi man zittert, wenn man meinen Namen hört. Ich sage, ich trete ja keinem vors Schienbein und das sei eben mein Job. Sie hingegen sagt, sie würde denken, dass man mit den Leuten noch länger zusammenarbeiten muss und daher nett sein (das geht zwischen den Zeilen daraus hervor). Ich denke mir, das ist ein Kompliment für mich und ich muss nicht nett sein, dafür werde ich nicht bezahlt. Anyway, auch an diesem Tag werden auf meine Veranlassung zwei Faxe geschickt, was eigentlich nicht zu ihren Aufgaben gehört.
Da ist jetzt frei habe fahre ich zu meiner Demenzbetreuten um Passfotos für den Schwerbehindertenausweis zu machen, jetzt wo sie doch das kostenlose Merkblatt bekommt mit dem Merkzeichen „H“. Stephan sucht einen Fotografen in der Nähe und ich rufe an wegen Mittagspause und kündige uns schon mal an. Dann rufe ich meine Betreute an um ihr die frohe Nachricht mit dem Ausweis zu überbringen. Sie würde jetzt zum Platz gehen und frühstücken. Ich könne sie dort abholen. Das tue ich auch und fahre vorbei an einem Großeinsatz mit Hubwagen und Motorsägen wird die Böschung zu den Schrebergärten konsequent bereinigt und die Motorsägenprofis haben allerhand zu tun. Am Schünemannplatz trifft sich wie immer die Drogenszene, überwiegend mittelalte Männer mit Bierdosen und Hunden. Über ihnen das Transparent „Lindener Narren“. Meine sitzt beim Bäcker und erkennt mich, winkt mir zu. Ich stelle mein Rad ab und sie hat schon aufgegessen und aufgetrunken. Wie immer will sie mir einen Kaffee ausgeben. Wie immer lehne ich ab, aber setze mich dazu. Wir unterhalten uns. Wie die demenzspezialisierte Mitarbeiterin damit Probleme haben kann, ist mir schleierhaft. Bei mir sprudelt es nur so aus ihr raus und ich höre auch gerne zu. Sie hat Drogistin gelernt und war dann bei Zenker. Ich sage, die waren am Pariser Platz in Linden. Sie bestätigt. Ganz lange hätten da die alten Schilder noch gehangen. Das sei ein Eckhaus gewesen. Richtig, sage ich. Sie hat noch in einer anderen Drogerie in der Deisterstraße gearbeitet. Der Name sagt mir nichts. Bei einem Durchgang. Der Hauptladen war am Platz. Sie war alleine und in der Passage gab es Mäuse. Da hat sie manchesmal auf dem Schreibtisch gesessen. Sie war ja alleine in der Filiale. Mittags ist man nach Hause gefahren und wenn sie dann wieder aufgeschlossen hat, hat sie so Zssshh-Geräusche gemacht beim Reinkommen um die Mäuse zu vertreiben. Das war bei der Hautklinik. Da mussten die leichten Mädchen immer zur Untersuchung hin, einmal die Woche. Dann geht es wieder um ihre Familie. Der Vater war ein Fremdgeher, immer schick in Uniform, der brauchte nur zu winken, da hatte er eine an der Hand. Aber mit ihrer Mutter habe sie Glück gehabt. Die war erste Geigerin im Frauenorchester. Der Vater hat sich getrennt und ist dann immer nur sonntags zum Essen gekommen und dann Zigarre geraucht und Kuchen gegessen und wieder gegangen. Die Enkeltochter (Tochter der Schwester, die verstorben ist, als das Kind 8 Jahre alt war) habe dann zur Oma gesagt, das machst Du nicht mehr und zum Opa, ich soll Dir von Oma ausrichten, dass sie nicht mehr für Dich kocht. Alle aus ihrer Familie seien tot. Der eine ältere Bruder starb mit 4 Jahren, er war nierenkrank. Das war vor ihrer Geburt, da haben ihre Eltern dann wohl sie angesetzt. Ich frage nach Ehemann um zu erfahren, dass sie nicht mehr weiß, was der gearbeitet hat, aber Arbeit habe er gehabt. Sie hätten beiden gearbeitet und keine Kinder gehabt. Er sei allerdings ein Halodri gewesen und nächteweise nicht nach Hause gekommen. Außerdem habe er abends gefeiert und sei dann morgens nicht zur Arbeit aufgestanden. Dann habe er auch eine Kündigung bekommen – logischerweise – und sie habe sich getrennt. Das ginge nicht, feiern und dann nicht zur Arbeit aufstehen. Sie sei aufgestanden und zur Arbeit gegangen und er sei liegen geblieben. Sie sei da immer „reeller“ gewesen. Ich muss zum Aufbruch drängen. Sie zahlt und zählt das Geld richtig ab. 2,35 €. Sekunden später weiß sie nicht mehr, dass sie gezahlt hat. Sie fragt noch insgesamt 2 Mal und ich bestätige immer wieder, ja, passend habe sie es gehabt. Man nennt sie beim Vornamen und kann nur hoffen, dass die es alle ehrlich mit ihr meinen. Ich glaube aber schon.
Die Sonne scheint. Wir fahren wieder schwarz bzw. den Bescheid mit Anerkennung ab 08.11. habe ich schon dabei. Ich finde, das genügt. Sie hakt sich ein und ich sorge für einen Platz in der Bahn. Beim Fotografen kommt sie gleich ran und findet das Bild sei gut geworden. Beim Warten auf den Ausdruck, stellen wir fest, dass ihr Perso im März abläuft. Sie gibt mir ihr Portemonnaie zum zahlen. Ich frage nach dem Bürgeramt und das ist wenige Meter entfernt. Das wollen wir gleich erledigen. Sie ist niedergeschlagen, weil sie nicht mehr so kann. Sie sei wie der Vater, der habe auch so abgebaut im Alter. Die Mutter sei bis zum Schluss fit gewesen. Sie sei nichts mehr. Früher habe sie geritten und jetzt? Ich sage, was es nicht gibt, ist Stillstand. Wir waren alle mal Babys ohne Zähne. Jetzt ist sie eine alte, nette Frau mit Katzen. Sie bedankt sie bei mir, ich sei so geduldig und sie sei so froh, dass es mich gibt und ich das mache. Ich sage, dass ich sie gerne begleite, es wäre auch für mich ein schöner Ausflug und eines Tages brauchen wir alle Hilfe, wenn wir nicht vorher an Krebs sterben und das will auch keiner. Alle wollen alt werden, aber keiner will alt sein. Wir verstehen uns und ich kann ruhig mal vorbei kommen, auch wenn ich nicht mehr Betreuerin sei. Sie nennt mich immer Schwester und will zur Bank. Ich sage, sie hat noch 125,- €. Das reicht erst mal. Sie sagt, sie hat Geld und braucht nicht jeden Pfennig umdrehen und wer weiß, wie lange sie noch lebt. Sie war immer selbständig und will sich nichts sagen lassen. Sie geht gerne in die Kneipe und täglich. Dafür hat sie gearbeitet und eine schöne Wohnung, darauf habe sie immer wert gelegt. Als wir im Bürgerbüro warten, zeige ich ihr meine Katzenfotos von dem grauen Liebling auf dem Handy. Sie unterschreibt sehr unsicher, trifft aber das Feld. Fingerabdrücke brauchen wir nicht. Einen Pass hat sie nicht. Die Bahn kommt schnell. Sie erzählt wieder, dass sie aus dem Sudetenland kommen, sie aber hier in Hannover geboren sei. Sie mag Hannover. Ich sage, ich auch, da hätten wir was gemeinsam. Auf dem Rückweg will sie wieder ins Café, aber ich schlage die Wohnung vor. Der Kühlschrank ist nicht voll, aber sie geht ja auch auf den Platz. Die ca. 12 Bierflaschen, die seien von einer Woche erklärt sie mir. Ich sage, ach so, nicht von gestern Abend und wir lachen. Sie will, dass ich bleibe, aber ich muss ins Büro. In 2 Wochen bringe ich ihr den neuen Ausweis. Sie soll dann bloß nicht zu mir sagen, warum ich wieder kommen würde und dass wir sie alle in Ruhe lassen sollen. Ihre Katzen sind übrigens Geschwister.
Auf den Rückweg halte ich bei Edeka und kaufe Extrakekse aus England. Muss mich mit „Walker“ zufrieden geben. Dann halte ich zum zweiten Mal an diesem Tag bei einer Betreuten, die auf dem Weg liegt und die sich nicht meldet bzw. noch von mir erreicht werden kann und es läuft heute eine Frist ab beim Jobcenter. Ich klingele mich über Nachbarn ins Haus, ihre Klingel ist abgestellt und der Briefkasten voll. Fristverlängerung beim Amt, den Arzt rufe ich Morgen an. Ich muss einem starken Impuls widerstehen beim spanischen Supermarkt zu halten und mir ein Stück Manchego zu kaufen. Die Käsesorten, die Stephan in Straßburg gekauft hat und wegen derer man immer merkte, wenn jemand am Kühlschrank war (die Rotschimmelkäsen waren schuld) sind mir allesamt zu krass vom Geschmack. Ich bin doch eher für Hartkäse und gemäßigte Sorten als die allerfiesesten Ziegenteile.
Den alten Hefegugelhupf esse ich mit zentimeterdicker Salzbutter. Das geht.
Gute Emails, eine Betreute bedankt sich bei Stephan, dass ich was geregelt habe seit gestern und ich habe aber noch nichts gemacht. Alter, das ist langsam scary. Dafür ärgerliche Post nachmittags. Eine Kanzlei aus München, die einen Rechtsschutzversicherer vertritt, weist meine Kündigung in einer Betreuungssache zurück mangels Originalvollmacht. Die Mehrkosten gingen zulasten meiner Betreuten. Frechheit. Ich koche und mache meinem Ärger Luft, rufe die Sekretärin an und sage, sie könne dem Kollegen, der sich offenbar in Betreuungsrecht nicht auskennt, ausrichten, ich brauche keine Originalvollmacht, ich brauche gar keine Vollmacht. Er kann das gerne in Hannover vor Gericht klären lassen. Gegen den Mahnbescheid hatte schon der frühere Betreuer Einspruch eingelegt. Sie will mich verbinden. Es dauert mir zu lang, ich lege auf. Eine Vereinsbetreuerin schreibt mich an. Meine lebt seit über einem Jahr im Heim. Der Messy-Lebensgefährte hat die Wohnung übernommen und die soll jetzt aufgelöst werden, weil der auch ins Heim kommt und ich werde aufgefordert, die Sachen von meiner bis zum 31.03. zu räumen. Ihrer könne nicht sagen, was wem gehöre oder was weg soll. Ihrer hat vor über ½ Jahr den Mietvertrag übernommen. Ich habe das schon unter „abgelegt“. Sie hat wohl schlechte Karten. Ich werde ihr schreiben, die Sachen von meiner sind schon draußen, was auch stimmt, zumindest die ganze Kleidung und die Bilder. Die Sachen gehören alle ihm. Ich habe mal versucht mit ihm aufzuräumen, ein total volles Zimmer. Jedes Stück, was ist mit dieser Puppe, mit diesem kaputten Stuhl, mit dieser Phantasiefigur. Einiges konnte einem Kirchenbasar gespendet werden und es war nach 1,5 Stunden etwas Luft im Zimmer. Nächstes Mal als ich kam, war es doppelt so voll wie zu Beginn. Er hat alles gesammelt, Bücher, Sperrmüll. Er hat immer was gefunden auf der Straße und angeschleppt. Denke mir: guter Versuch, aber von so einer Vereinsbetreuerin lasse ich mich nicht aufs Glatteis locken. Da muss man früher aufstehen. Die erste unangenehme Email an meinen Steuerberater seit meiner Kanzleigründung vor fast 15 Jahren. Heute ist Aggro-Tag.
Aber auch Liebtag. Ich antworte meiner Ex-Betreuten mit einer handgeschriebenen Karte und erkläre ihr, dass ich nicht mehr zuständig bin. Schicke ihr eine Shampoo-Probe, weil sie immer Haarpflegetipps für mich hatte.
Vielleicht vor der Kündigung der Kestnermitgliedschaft doch noch die Valentinsveranstaltung dort am Freitag abwarten. Die hatte die junge Mitarbeiterin seinerzeit uns so warm empfohlen. Ich glaube zwar nicht, dass die Burlesque-Tänzerinnen mich umstimmen können, aber so lange kann ich noch abwarten mit der Kündigung.
13.02. Abends beim Yoga war ich wieder Gleichgewichtsschwächling und auch Kopfstand war nicht prall. Mir machen die Nackenprobleme noch zu schaffen und es ist nicht meine Disziplin. Dafür kann ich hinten im Rücken, bei den Nieren atmen. Wegen meiner dünnen Haare verliere ich jetzt einfach Haargummis, die mir unbemerkt aus den Haaren fallen. Wie scheiße. Ich fahre am nächsten Tag die Strecke noch mal ab. Es waren breite aus Elastikstoff, ohne Metall in den Farben zartrosa und grün. Wenn die einer zwischen Königsworther Platz und Linden gesehen hat, bitte melden.
Werde vor 4 Uhr wach. Koche schwarzen Tee, gehe dann doch wieder zu Bett ohne ihn zu trinken. Diskussionen über Urlaubsplanung und Zweisamkeit bzw. die Unwucht ungerader Zahlen gehen mir nach. Außerdem Bastelideen für den Buchbinderkurs. Will einen großen Papierhut aus einer Foie Gras Papiertüte machen und dann ausstopfen, wie sich das thematisch gehört. Das Fernsehprogramm um so eine Uhrzeit. Pseudoreality-TV. Eine Frau, die ihren Mann beschatten lässt um dann zu erfahren, dass er mit mehreren ihrer besten Freundinnen ein Verhältnis hat, lassen mich ins Bett zurück flüchten.
Thema beim Arbeitsamt. Rehaabteilung.
Der Mann mit den Streichholzsammlungen. Meiner hatte einen Berufsunfall und will umschulen. Will was Soziales machen und seine handwerkliche Ausbildung damit verknüpfen und dann in er Werkstatt für Behinderte arbeiten oder im Knast. Das sei schwierig, weil er selber psychisch erkrankt sei und daher keine Fremdverantwortung übernehmen soll. Ich sage, das sei doch Quatsch, gerade die Leute könnten anderen helfen, die durch so was durchgegangen seien und es überwunden hätten. Wer hinterfragt eigentlich wer warum Psychologie studiert. Das sei doch auch Selbsttherapie und die dürften anschließend auch Leute auf der Couch beraten. Der Reha-Berater gibt mir Recht. Er sagt immer „der Junge“ als es um ein ärztliches Gutachten geht und meint damit einen Arzt der Agentur für Arbeit. Ich denke, der redet leger über seinen Kollegen, aber das ist der Nachname. Es geht um Vogelhäuschen die die Werkstattleute herstellen und er hat sich eines im Hundertwasserstil machen lassen mit 3 Einflugschneisen und er wollte es mit 96-Logo. Das durften die nicht bzw., wurde vereinbart, dass er es selber so angemalt habe. Wir das überhaupt angenommen für den Vögeln, will ich wissen. Hier schon (mein Betreuter kommt ursprünglich aus Braunschweig). Ich sage, nicht deswegen, sondern wegen Einsturzgefahr. Dann erzählt er was von Büschen, die er geschnitten hat, aber außerhalb der Brutsaison. Sein Büronachbar sei Jäger. Trotzdem hätte das die Vögel so irritiert, dass die Eltern nicht mehr gekommen sind. Ich sage, das Vogelhäuschen sei wohl Wiedergutmachung. Dann geht es um ein Gutachten der Rentenversicherung. Die faxen nicht wegen Datenschutz. Ich sage, dass sei auch nur eine Ausrede, wenn man nicht arbeiten wolle. Wir hoffen, dass die Dinge jetzt endlich laufen. Mein Betreuter ist vor knapp einem Jahr aus der medizinischen Reha gekommen und so lange wird hier begutachtet und von Kostenträger zu Kostenträger geschoben.
Bekomme wieder eine Postkarte von meiner Ex-Betreuten. Geb. zaht Empf. Es nimmt vielleicht doch überhand.
Mittags Kaffeepause. Mütter sollen nicht unverdeckt stillen, das verdirbt mir den Appetit. Schnell zu uns. Die erste Tube Regilait und die letzten Madelaines. Ich werde immer fassungsloser was da für ein Aufriss gemacht wurde und mit welcher Arroganz die Törtchen repräsentiert wurden. Franzosenvorurteile festigen sich wieder. Das würde keinem Spanier einfallen wegen ein bisschen backen. Die Madelaines vor Ort waren die besten und Salzkaramel, was aussieht als wäre ein Stück Munsterkäse darauf geschmolzen. Der mit Schoko und Baileys ist unspektakulär. Mag sein, dass die etwas geiler sind als die von Meinl, aber dafür stehen die dort auch im Supermarktregal und nicht in einem eigens gebauten Schloss Neuschwanstein mit sektenartigem Sendungsbewusstsein. Alle Promis, die einen verzehrt haben, hängen aus mit Fotos und Autogrammkarten. Interessierte werden abgewiesen, alleine 3 Gruppen in der kurzen Zeit, in der wir da waren.
Betreute mit dem familiär-religiösen Hintergrund gibt Bankkarte ab und will wieder Geld sich einteilen lassen. Sie fährt am Wochenende heimlich zu ihrem Freund nach Karlsruhe und hat heute eine Kontopfändung über 2.000,- € rein bekommen. War schon bei der Bank wegen erhöhtem Freibetrag wegen Kind. Wir müssen Post abwarten.
Herr PM, der Messy, der umziehen soll meldet sich. Die Untermieterin ist seit dem 04.02. nicht zu erreichen. Was soll er tun. Er hat keine Lust zu renovieren und sie setzt sich ins gemachte Nest. Ich finde recht deutliche Worte: er ist selber schuld. Er hat sich doof angestellt. Er hat den Untermietvertrag unterschrieben und ihr mitgegeben und da war schon vorher klar, dass die unzuverlässig ist, wie alle Leute, die er kennt. Statt sich von mit beraten zu lassen, hat er selber gemacht und ich soll jetzt alles wieder rückgängig machen. Er hätte ihr den nicht unterschriebenen Vertrag mitgeben sollen und sagen, sie klärt das erst mal mit dem Jobcenter und unterschreibt, dann wäre er am Drücker gewesen. Er ist dem Vermieter gegenüber alleine verpflichtet und muss jetzt zusehen. Er hat Montag einen Termin. Mein Gott bin ich genervt von so was. Selber machen, Mist bauen, 5 fache Arbeit für mich. Wer auch nervt ist eine Frau mit Ossi-Dialekt, die in einer familienrechtlichen Sache die Kollegin erreichen will, aber immer mich anruft. Dann geht es darum, dass sie eine Firma haben und auch der Mann mal ans Telefon geht. Ich richte das alles brav aus und wenn sie weiter nervt und in meiner Mittagspause zu hause anruft, sage ich, sie soll aufhören mich anzurufen. Heute hat sie offenbar Stephan erreicht und sich dann überschwänglich bedankt, dass er so freundlich ihr geholfen habe. Das ist auch in meinen Betreuungssachen unsere good cop, bad cop Strategie. Eigentlich wollen die Leute immer nur mit mich sprechen und sagen Stephan gar nichts oder sagen mir, dass sie mit meinem Mann nichts zu tun hätten, so werden sie da etwas aufgeschlossener.
Meine erste Kandidatin, die Geld holt, kommt nicht und das ist ungewöhnlich. Die Linie 9 fuhr nicht, es waren lauter Feuerwehrautos auf der Falkenstraße berichtet sie mir dann. Elisabeth Taylor schafft es trotzdem pünktlich und kommt nahtlos im Anschluss. Sie will blaue Kontaktlinsen wie ich und geht Samstag auch ins Theater, aber ein anderes Stück. Sie will sich die Karten auch an die Wand hängen, wie ich es mache. Das sei jetzt modern und sie will sich Farbe kaufen und jede Woche eine Wand streichen und Goldglitter, das passt zu den Gardinen. Gut, die Lampe ist Weiß und Lila….Sie war nicht bei der Spritze und will auch nicht mehr hin. Die Wucht mit der die reingerammt wird sei wie ein Auffahrunfall. Mehrfach zeigt sie es mit den Armen sehr anschaulich und macht dazu Auffahrgeräusche. Sie übergibt mir eine Postkarte. Dann müsse sie sie nicht schicken. Eine Briefmarke sei drauf.
Abends der Buchbinderkurs. Der neue Ateliertyp hat wohl gemerkt, dass Bücher nicht so seins sind, ist aber trotzdem da. Nein, wir stören nicht. Ich glaube, der will eine Frau kennen lernen. Laura sagt mir, ich müsse nicht jedes Mal kommen mit der 5er Karte. Ich habe mir das aber so eingetragen bzw. dann hätte ich heute mit Stephan und Detlef zu Wenzel Storch gehen können. Ich habe mich schon als Darstellerin beim Meister gemeldet, wenn er dann für seine nächste Produktion alte Frauen in hautfarbener Wäsche als „Bordsteinschwalben“ braucht, deren „Haltbarkeitsdatum abgelaufen“ ist. Laura hat mal für den Meister gearbeitet und musste Bettfedern gold anmalen. Das ist klar, weil auf Ausstattung legt er bekanntlich sehr viel wert. Heute kommt auch der penible, schweigsame Mann nicht. Dafür 3 Frauen vom letzten Mal, die eher Faltarbeiten verrichten und ich muss mich korrigieren, dass was ich für Mutter und Tochter gehalten habe ist wohl eine ältere Frau mit schlechten Zähnen und eine jüngere, die nur etwas kleiner ist (manchmal bin ich unaufmerksam). Dazu kommen zwei Freundinnen im Rentneralter. Die wollen ein Cappuccino-Buch machen und einer weitere Frau auch und letztes Mal wollte es auch eine. Das scheint der letzte Schrei zu sein. Man nimmt DIN-A 3 Bögen und bemalt die mit Wasserfarben. Die eine Freundin erklärte der anderen immer, wie sie es zu machen hat, z.B. nicht so dunkle Farben, weil man da noch was draufschreiben will. Das führt dazu, dass die Freundin erst alles ihr nach macht, sie wählt dieselben Farben und macht die selben Muster. Dann kommt die Freundin doch auf eigene Ideen, z.B. Zahlen schreiben mit den Wasserfarben und überholt so die Expertin und erzielt auf Anhieb ein besseres Ergebnis. Die Bögen werden mit Fön getrocknet und dann gefaltet und genäht und zwischen zwei Kartons, d.h. in einen Einband, gemacht. Dann nimmt man eine Schere und schneidet die Papiere auf. Manche kann man dann lang rausklappen und aus manchen macht man Taschen, die „praktisch“ sein sollen. Große Begeisterung für das Ergebnis, ein selbstgemachtes Notizbuch, bei dem man überrascht wird, was dabei herauskommt. Ich denke, das sind Kandidatinnen, die bisher ganz wenig Bastelerfahrung oder Tuscherfahrung haben und das jetzt so toll finden, wie Kinder kriegen, die überraschenden Resultate und dieses Machen und dann Schauen und Staunen. Ich freunde mich langsam mit der mit den schlechten Zähnen und der jungen, Kleinen an. Erstere hat eine sehr gute Auffassungsgabe und bemerkt gleich, dass mein Schmuck aus Papier gemacht ist und will heute auch Schmuck machen. Sie bringt es sich selber bei und nimmt ein Buch mit Anleitung. Zum Schluss hat sie einen Fisch gefaltet und ich bringe ihr nächstes Mal Broschenrohlinge mit. Ich kaufe die Säckeweise und dann muss sie nicht die Phantasiepreise von Idee zahlen. Sie hat letztes Mal meinen Pinsel ausgewaschen. Das soll sich bezahlt machen. Außerdem hat sie einen Sinn für Humor und ist schlau und aufmerksam. Das macht alles die Verfärbungen an den Zähnen wett. Ich mache weiter meine Familienfotos, weil ich im Bareiss 12 neue bekommen habe. Vorher schneide ich die Gans aus der Papiertüte (doppelseitige Tüte, der Laden in dem wir Foie Gras gekauft haben in Straßburg) aus und klebe die Seiten mit dem starken Leim, oben lasse ich eine Öffnung. Lass trocknen und stopfe die Gans dann – themengerecht – mit Watte aus und klebe die Öffnung zu. Dann kommt die Gans unter die Metallpresse (Karkasse, pressen, auch thematisch logisch). Es soll ein recht großes Hütchen werden. Woher ich nur auf die Ideen komme, will die Junge wissen. Darauf weiß ich immer keine Antwort, weil es mir so logisch erscheint und ich es mir anders nicht vorstellen kann. Mit der Älteren bin ich mir einig: Papierschmuck rules. Dann ziehe ich mich zurück und loche meine alte Betreuungsakte, Laura zeigt mir wie, sie hat dann 4 Löcher statt 2. Dem ermordeten Betreuten mit HIV, dem ich ein Buch widmen möchte. Die total schrägen Pornos aus seiner Haushaltsauflösung (nur das eine Heft ist aufgeklappt DIN-A4) hefte ich dazwischen und finde das recht überzeugend. Dann mache ich den Einband. Ein grünes Buch über Haustiere wird zerschnitten und mit dem lila Papier des Madelaine-Ladens eingefasst. Das sieht so schön nach Oma-Schlüpfer aus. Es ist leider sehr dünn und reißt immer wieder, wenn man es nass macht mit dem Kleister, aber viel Kleister muss sein und ich mache es mehrlagig, wie Pappmache und lass es dann erst mal trocknen. In der Restzeit falte ich Duschhaubenkartons aus dem Bareiss nach mit Einbänden von alten Merian-Hefte und einem alten Feinschmecker. Ob das auch ein Hütchen werden soll, will die Junge wissen. Ich sage, nein, ich will jetzt immer Duschhauben zu Geburtstagen verschenken.
Der Kurs geht bis nach 9. Ich hole mir einen Cheese-Burger vom Türken an der Ecke. Ist voll wie immer, die Männer nehmen alle vegetarische Taschen das ist dann Salat in einer Dürüm-Döner Rolle oder im Fladenbrot. Zuhause gibt es noch Joghurt mit roten Vogel und die Reste vom Gugelhupf, getoastet mit viel Salzbutter.
Detlef und Stephan kommen. Detlef schaut sich meine Kursergebnisse an und hat wieder Nordbayerischen Kurier mit dabei. Ich kann ihm belegen, wie wichtig die Überschriften sind, die ich für die Antik- und Familienfotos als Untertitel benötige. Ich schenke ihm den alten Fernseher mit Postkarten zum klicken aus Oberfranken. Er wird dort einfach besser gewürdigt. Detlef muss um halb 7 schon zur Arbeit und ich erst um 7 Uhr aufstehen, aber ich bin Weichei und gehe Heia. Ich merke beim Zeigen der Resultate erneut, wie gerne ich den Kurs mag. Nähkurse z.B. das war gar nichts für mich. Das mache ich dann wieder privat. Sonntag mit Steffi. Freu ich mich schon drauf. Ich glaube das liegt daran, dass ich da weniger Bezug zu der Technik habe. Steffi näht ja für mich und ich brauche kaum was machen außer die Unterhaltung zu erwidern. Außerdem verstehen die normalen Nählehrerinnen nicht die etwas anderen Anliegen. Ich hatte einen Nähkurs bei meiner Freundin Andrea im Laden bei der Nählehrerin gebucht mit Aenne und die wollte eine Männeranzugjacke umnähen, dass sie besser sitzt. Da war großes Unverständnis bei der Lehrerin. Laura ist da anders und man kann mit jedem Projekt ankommen, was mit Papier zu tun hat und sie leistet Geburtshilfe.
14.02. Früh wach. Ich frage Claudi zu Gary Newmann, wer das denn noch mal sei. Sie schreibt: „Der ist so von früher, also ein sehr alter Mann! Cars ist eins seiner berühmten Stücke, dass kennst du! Hier ist das Konzert am Montag und richtig krass teuer. Also ich warte gerade auf Nachricht ob ich auf der gasteliste stehe. Sonst geh ich nicht. 50,- € find ich stark. Also ansonsten lieb ich den sehr! Aber ich glaub nicht dein Geschmack, eher so elektronisch gruftig gitarrig…… aber mal reinhoren???“. Seit ist gelesen habe, dass Philip Boa and the Voodoo Club am 07.03. in Hannover spielen, muss ich auf dem Fahrrad Stücke von denen singen. Da bin in wenigstens textsicher. Nach der Anhörung um 8:30 Uhr führt mich Container Love zum Fairkaufhaus, aber die packen gerade neue Ware aus bzw. ab und machen erst um 10 Uhr auf.
Was ich nicht mag an Männern sind kleinere Männer mit ganz großen Schuhen, die so spitz zulaufen und vorne gerade abgeschnitten sind. An Frauen finde ich derzeit anstrengend diese lustigen Desigual oder wie die spanische Marke heißt Sachen. Die so lustig selbstgemacht ausschauen sollen, damit werden sie als Massenware hergestellt, die aber individuell gestaltet ausschauen sollen. Das verstehe ich nicht. Ist wie Punker-t-shirts, die vorgerissen sind und Musikbuttons schon drauf haben bei H & M kaufen, oder. Die Buttons machen dann schlecht bezahlte Frauen in Bangladesch ran bis die Fabrik abbrennt. Was ist da jetzt der Punk. Oder wie jemand neulich so schön sagte, seit wann ist nackt auf einer Abrissbirne herumturnen Punk?
Vor der Anhörung treffe ich den Kollegen im Anwaltszimmer. Wir sprechen über den Vater-Sohn-Fall. Er sagt, die Staatsanwaltschaft will 1 Jahr, schwerer Fall, seinen 16-jährigen Sohn zum Drogenkauf losschicken. Der Stiefvater hat sie alle ans Messer geliefert. Der Jugendliche lebt in einer Einrichtung. Ich sage, das sei doch eher ein erzieherisches Problem als den eines der Strafjustiz. Den Stiefsohn anschwärzen und vor den Kadi zerren. Ich find’s nur zum Kotzen. Dann frage ich den Kollegen, warum er so bedächtig mit mir spricht, sein dienstliches Auftreten. Wir sind doch nur privat. Gibt es hier überhaupt eine „inoffizielle Seite“ meines Kollegen frage ich mich. Ich empfehle ihm Robert Picker zu kaufen. Der sei alt und nicht mehr lange günstig zu haben. Die Arbeiten hängen im Anwaltszimmer und ich überlege mir selber eine Zweitanschaffung. „Handtaschen und Parfum“ oder „Notebook“, aber wohin damit. Ich sage dann noch zum Kollegen , ich warte auf den Tag, wo es ihm zu viel wird und er mitten in der Verhandlung zusammenbricht eine Lebensbeichte ablegt. Wir lachen, die Leute sind derart gesprächig gegenüber der Polizei. Davon lebt die Strafermittlung, dass Leute das nutzen um mal alles zu erzählen, was sie je gemacht haben. Damals Mutti 50 DM aus dem Portemonnaie geklaut usw. Wir unterhalten uns auch über die strafrechtliche Reform der weichen Drogen. Da tut sich was, verrät mir der Experte. Ich sage, das sagen sie schon seit Jahren. Er erzählt von dem letzten Strafverteidigerkongress, da sollten sie einen Änderungsentwurf einreichen. Die Alkohollobby ist mit allen Mitteln dagegen eine Konkurrenzdroge auf den Markt zu lassen und die Rechtsprechung müsse sich bei den Straßenverkehrsdelikten vor allem komplett ändern. Jetzt sei es so, 2 Flaschen Schnaps auf dem Beifahrersitz ist egal, solange der Fahrer die nicht getrunken hat vor der Fahrt. Tüte Gras im Auto, Fahrer nüchtern, trotzdem Führerschein weg. Das dürfte auch jedem Nichtstrafrechtler einleuchten, dass hier grundgesetzliche Rechte der Gleichbehandlung nicht eingehalten werden.
Im Gerichtsfach ist weder mehr Post für die neue Kollegin als für mich. Die will ich langsam in die Pflicht nehmen. Miete mit zahlen und auch Holdienste. Ich werde die Post immer wiegen und eine Excel-Tabelle anlegen, zumindest gedanklich. Ihre Post ist 3-4 x so schwer. Kleinlich ja, aber sie muss offenbar darauf gestoßen werden, dass hier eine Beteiligung angezeigt ist. Manche kommen auch von allein drauf. Ihre Ex-Kollegin war in der Zeitung und ist auf Unterhalt für Eltern spezialisiert.
Die Kammer ist in Jeans und anderer Besetzung. Mein Mittagstischfreund scheint schon an seiner neuen Dienststelle zu weilen. Ich werde ihm eine Postkarte schicken, habe ich mir überlegt. Herr Maßregelvollzug kommt rein und darf wieder vorne sitzen zwischen dem Kollegen und mir. Er hat einen spitzenmäßigen grauen Hoody an, kurzärmelig mit Schrift und darunter etwas kurzärmeliges mit Zeitungstext. Ich lese „Manager Mc Laren und seine Lebensgefährtin Vivienne Westwood in ihrer Londoner Boutique „Seditionaries“ neben Second-Hand-Fummel unter dem Transparent „Kleidung für Helden“ auch mancherlei Nazi-Orden zeigt, weil „das so interessante Dekorationen“ sind. In einem anderen Artikel lese ich „Austin, Texas….angesehenes Gewerbe floriert…ein westdeutscher Gemeinderat noch ernsthaft gegen ein Eros-Center votiert…Beate Uhse. Meiner wurde zwischenzeitlich endlich wegen seines Leistenbruchs operiert, hat aber keine realistischen Pläne. Er ist zurückgegangen in den Maßregelvollzug, bevor er „irgendeinen dummen Fehler“ macht. Das rechnen ihm alle hoch an und die Kammer meint es gut mit ihm. Er will kein ambulant betreutes Wohnen und auch ohne Wohnung entlassen werden. Das halten alle außer ihm für unrealistisch. In ca. 6 Monaten nach einem weiteren Gutachten, wird die Sache für erledigt erklärt. Die Alternative wäre Bewährung. Er plädiert für die Erledigung. Der Strafverteidiger erklärt ihm die Risiken, die Kammer auch. Wenn dann noch was passiert, irgendwas, ist er lebenslang Weg vom Fenster. Das Risiko nimmt er in Kauf. Er war schon immer so. Unbeugsam, egal wie schmerzhaft das für ihn ist. Ich finde das irgendwie beachtlich (auch beachtlich undiplomatisch, aber eben zu keinem Zugeständnis bereit); besser als die ganzen Schleimscheißer.
Nach der Sitzung sagt mir der Kollege, das ist da hinten was dran hätte, am hellgelben Mohairmantel. Er vermutet Kettenschmiere und ich sage, das sei eine Funktionskleidung , „Du weißt schon, draußen zuhause“.
Heute Abend bei Kestner ist nicht nur Burlesque (Spießerkram aus meiner Sicht) sondern Mr. Sketchs Artschool und man soll Malstifte und Zeichenblock mitbringen. Auf so ein lustiges, verordnetes Mitmachspiel habe ich gar keinen Bock. Gehe aber davon aus, dass es auch andere Verweigerer geben wird und will mir das ja nur mal anschauen und sehe mich schon bald nach Hause fahren.
Was ich auch noch mal schreiben wollte zum Thema Handwerker. Für mich sind das große Jungs, die den ganzen Tag basteln und spielen dürfen. Also Handwerker, z.B. Automechaniker Adolfstraße = Lego oder Playmobil spielen. Bauarbeiter, Landwirte = Bobbycar, Sandkasten, Bagger fahren. Das klingt jetzt überheblich, aber ist es nicht. Ich kann das total verstehen, diese Befriedigung aus dem Spieltrieb heraus.
Die total nette Psycho-Ärztin ruft mich an, die erst einen langen Hausbesuch bei einem meiner schwierigsten Fälle gemacht hat und uns dann neulich „versetzt“ hat, als ich mit den Eltern einen Termin hatte, weil sie notoperiert wurde. Sie kann uns keinen früheren Termin geben, weil sie hat Bestrahlungstermine. Sie ist an Brustkrebs operiert wurde. Ich warne sie vor, dass meine schwierige Elisabeth Tylor neulich ihren Namen genannt habe und ich hier auch Ansprechperson sei, ich beschreibe die Kandidatin etwas, sie lacht. Ich wünsche ihr alles Gute. Was für eine nette Frau und was für eine Offenheit, da habe ich großen Respekt davor. Die Eltern übrigens, er Architekt und sie immer in schwarz, gerne Hosenanzug und Rollkragen, ziehen wieder nach Hannover in ein Bauprojekt in Linden. Der Sohn soll es nicht wissen, weil er sonst ständig auf der Matte steht. Sie gehen dann auch samstags auf den Markt, wie die Touristen, wie sie jetzt wissen würde (das hatte ich offenbar gesagt, als sie mich zu der Gegend in Linden befragt haben, wie es dort sei u.a. mit Junkies).
Mittags wollen wir endlich mal ins August Kestner Museum, Bürgerschätze und Bestiarium anschauen und freitags ist der Eintritt frei (wieder gespart für den nächste Gänsestopfleber). Die kitschigen und skurrilen Lichtobjekte von Dietlind Preiss gefallen mir. Tolle Keramik, wenn nicht meine Wohnung schon so voll wäre, würde ich ernsthaft über die Anschaffung nachdenken. Ich denke zuerst, es ist ein Kerl, weil der Name mit „Diet“ anfängt und ich nicht weiterlese. Der Salz- und Pfeffersammlung unserer Freundin Heidemarie ist schon abgebaut. Es ist tote Hose in dem Museum und man spürt förmlich, wie es bald schließen wird, wenn sich da nicht jemand ein ganz neues Konzept einfallen lässt. Ich kaufe immerhin eine Keramikkatzenpostkarte für 50 Cent.
Eine Schnupftabakdose in Form eines Hundekopfes:
Anschließend gehen wir ins alte Rathaus. Ewig war ich nicht mehr in der Kantine. Es ist voll. Viele Rentner, die schon um 5 aufstehen und ab 11 Uhr richtig Hunger bekommen. Ich stehe an für Fisch in Kartoffelkruste und nehme die warmen Speck-Kartoffel-Salat und einen fromage blanc mit Waldfrüchten und einen frisch gepressten O-Saft. Der Chefkoch hier ist ein Freund von Günter und kennt mich (vom Sehen). Er grüßt mich und freut sich, dass ich mal wieder da bin (lange nicht gewesen). Später bekomme ich mit, wie eine Frau Mitte 30 sich bei ihm beschwert und wohl richtig derbe und er muss laut werden, dass sie es doch jetzt bekommen habe. Auch sonst stöhnen die Besucher zum Teil darüber, dass es so voll sei. Hey, das ist eine Kantine! Die leckeren Hauptgerichte (Stephan nimmt vegetarische Gnocchi mit mediterranem Gemüse) kosten unter 4,- € 3,70 oder 3,90. Wer mehr Exklusivität möchte und viel Platz, dem empfehle ich das Clichy. Es ist ein totales Privileg, dass es so eine Kantine gibt. Für welche, wie die Beschwerdetussi, die blöd daher kommen, empfehle ich gleich das Hausverbot auszusprechen. Es ist herrlich, was die Leute Unterschiedliches Essen. Die meisten nehmen eines der Menüs, Steak „Stuttgarter Art“ gab es auch, aber manche halt einen Salatteller, der seit neusten gewogen wird (finde ich auch besser weil das beladen des kleinen Tellers ist ja sehr beliebt) oder auch nur 2 Würste, eine Suppe und eine Erdbeermilch. Es gibt sogar Windbeutel mit Kirschen und Sahne für 1,-. Sie haben das Nachtischsortiment ausgeweitet. Ich bin sehr zufrieden und hatte ganz vergessen, wie sehr ich den Laden liebe. Ich sage, jeder auswärtige Besuch sollte hierher geführt werden. Man bekommt einen eins-A Eindruck von Hannover. Auch die Japaner, wenn sie mal kommen sollten. Gut für die ist es gruselig, nicht nur das Essen, sondern vor allem die Tuchfühlung und das ganze, unsaubere Procedere, aber da müssen sie durch. Wir haben auch Kugelfisch und Fischsperma gegessen.
Nachmittags kommt eine relativ neue Betreute, die einen Termin hat und für die wir gerade eine Rente beantragen. Nachweise über Ausbildungszeiten hat sie dabei. Sie arbeitet total gut mit und ich mag sie. Kurz Frage zu Zeugnis, aber sie hat es schon selber im Internet recherchiert und die Formulierungen der IHK übernommen und abgewandelt. Dann kommt ein Betreuter, der unbedingt einen Termin haben wollte. Er ist Kurde, der gefoltert wurde und berentet ist und hat die türkische Staatsangehörigkeit. Nie wird der Mann wieder in die Türkei gehen. Er hat dauerhaften Aufenthalt in Deutschland. Die unverheiratete Frau hat die deutsche Staatsangehörigkeit und die 3 Kinder auch. Sie wollen Ende März nach London, weil Freunde heiraten, ob er dafür ein Visum braucht. Stephan recherchiert schnell und ja und 6 Wochen vorher beantragen. Das könnte knapp werden. Er sagt, dass ich elegant aussehe. Er gehört auch zu denjenigen, die mir immer Komplimente machen. Es ist sehr freundlich. In Straßburg sind wir eine Gasse entlanggegangen und ich blieb zurück, weil ich fotografiert habe, da sprachen mich die Alkis an mit: tu es tres jolie et tres sexy“. Die Franzosen sind da direkter. Es soll charmant sein, aber bei mir kommt die Norddeutsche Art besser an.
Typ, könnte obdachlos sein, wohnt glaube ich im Ihmezentrum und ist immer mit einem Rudel unangeleinter Hunde unterwegs in Linden. Nach viel Cesar Milan verstehen wir die Rudelaufteilung. Ein kleiner schwarzer Mischling mit der Rute oben wie eine gehisste Flagge ist Anführer und läuft vorneweg. Dann kommt der Mensch, dann 2 wuschelige, schwarze Mischlinge, die aussehen wie Zwillinge, dann ein alter Schäfermix mit Rute entspannt und ein anderer Pudelmix trotten hinter her. Die Follower halt.
Elisabeth soll 40,- für die Depotspritze an Zuzahlung leisten an die Apotheke. Als ich der Apothekerin erkläre, dass dies noch nie der Fall, über Jahre keine Zuzahlung, vermutet diese, dass die Arztpraxis vielleicht bisher bezahlt habe, weil sie die Patientin behalten wollten. Ich sage nur, eher nicht und weiß ja, in wie vielen Praxen die Hausverbot hat, weil sie die Arzthelferinnen beleidigt und bedroht hat und zwar in Praxen, die einiges abkönnen. Ich deute das an und sie macht weiter mit Spekulationen über Machenschaften der Arztpraxis, weil das Medikament so teuer sei. Ich sage, die sind praktisch Stadt Hannover und nicht dem Wettbewerb ausgesetzt, sondern öffentliche Hand. Ich werde nachfragen, aber ihre Vermutungen finde ich merkwürdig.
Valentinstag in der Kestner fällt aus. Ich wollte mich nur kurz lustig machen und dafür zahle ich keine 5 Euro Eintritt. Ich dachte Mitglieder frei, aber die zahlen 5 statt 7. Jetzt ist die Kündigung fällig. Essen gehen fällt auch aus, weil wir noch so schön satt sind von der geilen Kantine. Morgens hatte ich noch triumphiert, weil ich einen Verrechnungsscheck meiner Krankenkasse über 160,- bekommen habe. Geil, ich glaub’s nicht. Heute Abend ins Beckmanns. Ich konnt’s auch gar nicht glauben, warum, die TK tut so viel für mich. Scheck muss erst noch eingelöst werden und heute gehen eh alle Essen, die ein Mal im Jahr die Frau einladen müssen. Valentinstag kann mich mal. Ich frage den Kollegen, der einen Strauß Blumen in der Hand hält als er das Büro verlässt, ob er fremdgegangen sei. Auch hier im Haus war mal eine Frau, die da äußersten Wert darauf legte an diesem Tag beschenkt zu werden. Die sind jetzt schon lange geschieden. Ich finde es idiotisch von den Frauen hier was einzufordern. Entweder der Typ schenkt Dir Blumen, weil er will und nicht weil es ihm vorgeschrieben wird von der Floristikindustrie oder weil Du darauf bestehst oder Du kannst es knicken. Stephan hat uns in Straßburg, wo alles auf „Straßbourg mon amour“ und Valentinstag dekoriert war, dass es an diesem Tag mal ein Progrom gab und 3000 Juden verbrannt wurden. Das sollte thematisiert werden und nicht Pralinen von Edeka. In den USA war Valentinstag toll als Kind. Das hat man ca. 30 lustige „Be my Valentin“ Karten, meist mit Tiermotiven in die Schule mitgenommen und an die Mitschüler verteilt und dann ca. 30 auch erhalten. Vielleicht wurde da die Liebe zu Karten und Papier in mir angelegt.
Abends etwas Eiskunstlauf der Männer und dann als ich schon ins Bett wollte ausversehen noch einen Film mit Robin Williams und vor allem der großartigen Toni Collette (heißt die so) geschaut. Apropos Film und Valentinstag. Ich will allen Lesern noch mal „Don Jon“ meinen Lieblingsfilm des letzten Jahres ans Herz legen. Der ist so gut gespielt von Scarlett Johanson als Prollette und Juliane Moore, es ist eine Freude und so wahr, was die Aussagen zu Pornoindustrie und eigentlichem Sex anbelangt. Dass in der Pornoindustrie sexuelle Lust gespielt wird und der Konsument mit sich selber Sex hat oder mit seinen Phantasien und es nicht um das Gegenüber geht, was sogar eher hinderlich ist, während es beim echten Sex darum geht, sich in einem anderen Menschen zu verlieren. Ich glaube, gerade viele Männer kennen diesen Unterschied nicht. Ich denke manchmal, dass ich es ihnen sogar ansehe zu welcher Sorte sie gehören. Außerdem ist bei Vielen, auch gerade bei den Frauen das Problem, dass man sich da fallen lassen können muss. Darum haben viel Sex auch nicht die gut aussehenden, schönen Modells, bei denen das dann gut klappt, sondern die Menschen, die Freude am Sex haben.
Ich habe noch Nacken-Beschwerde rechts. War schon besser und wurde gestern wieder doofer. Wärmflasche geht so schlecht an der Stelle. Ich schlafe nachts mit Kissen. Das ist krass für meine Verhältnisse. Normalerweise auf dem Bach und ohne. Da fühlt sich mein Hals überdreht.
Auch Stephan ist übermüdet. In übermüdet soll man keine Beziehungsdiskussionen führen. Schlafen. Morgens sieht alles anders aus, aber die Themen müssen schon ernst genommen. Zweisamkeit im Urlaub, der Wunsch ist nachvollziehbar und ja, Stephan ist bei mir Ehemann, Familie an erster Stelle. Die anderen spielen gar nicht mit in der Liga, egal wie verwandt oder gut befreundet. Dem Mann vertraue ich 100%, er verwaltet meine Konten und er ist der einzige, der mir nicht auf die Nerven geht auch bei Vollzeitkontakten über Jahrzehnte. Das schaffe die anderen meist schon nach 2 Tagen oder weniger. Es ist so lustig, wie die Welt Kopf steht, wenn er mal launisch ist. Das ist mein Vorrecht und er hat es gefälligst auszuhalten und auszugleichen.
15.02. Mohairmantel waschen ist wie Haare waschen. Ist ja auch logisch. Der Samstag ist wie jeder Samstag zuhause wieder herrlich ein Bastelsamstag. Buchbinderkursvorbereitungsarbeiten, endlich mache ich mal wieder Tapetenkleister an (kann man im Marmeladenglas vorrätig halten) und probiere mich an meinem Urbanek-Hütchen. Ergebnis unklar. Die Idee auch. Sie soll beim Machen entstehen. Ich bin gegen Skizzen, gegen Berechnungen. Das hat noch nie geholfen. Ich sage nur Maschenprobe – für den Arsch. Meine Mama hat meine Handschuhe geflickt und sie mir geschickt. So lieb. Außerdem ist packen für Wien angesagt. Diese BM-Outfits sind schließlich kein Zufallsprodukt. Es scheint wieder warm zu werden von den Temperaturen her.
Ohne Handy los, hat letztes Mal geklappt, dann vor verschlossener Tür, doch zurück. Der Kollege war mit seiner Tochter noch Handy kaufen (für sich). Wir fahren ins Röhrbein und essen eine leckere Kleinigkeit. Stephan hat Fisch mit Risotto, die Jugendliche nimmt das vegetarische Gericht, Ziegenkäseravioli mit Trüffel du getrockneten Tomaten und ich esse Entenfleischsülze mit Bratkartoffeln, Tartarsauce und Gemüse. Es ist sehr lecker. Zum Nachtisch gibt es Apple-Crumble. Der Laden ist auch am frühen Abend schon gut besucht. Viele Geburtstage und Familienzusammenkünfte. Aufgrund der großen doppelten Wandspiegel hat man den totalen Überblick und wir unterhalten uns über die Sitzordnung der großen Gesellschaft. Hier sitzen 8 Paare nebeneinander und die Jungen auf einer Seite, die Alten auf der anderen. Ungeschickt, wie die Jugendliche meint, die hätten sich bald nichts mehr zu sagen. Sie spricht aus Erfahrung, nehme ich an. Nach dem Essen um die Ecke ins Schauspielhaus. Wir sind voller Erwartungen und sitzen neben der Frau, die Text mitliest und uns wohl über Freunde kennt in der ersten Reihe. Vorher frage ich mit der Leihtochter nach Plakaten für Black Rider. Leider nein. Das müssen wir uns dann von der Straße holen, erkläre ich und die Mitarbeiterin belehrt mich, dass wir uns dabei nicht erwischen lassen sollen. Ein Banjospieler mit bleichem Gesicht kommt aus dem Publikum spielend und singend auf die Bühne. Er ist der Erzähler. Das Lied ist ein Ohrwurm mit finsterem Text und stimmt auf den Abend ein. Der rote Stoffvorhang geht auf und ein riesiger Mond ist am Himmel. Die beiden Handwerksgesellen sind unterwegs und es wird Nacht. Der eine trägt eine Nebelmaschine in einer kleinen Handtasche. Bereits jetzt merkt man, diese Schauspieler sind richtig gut. Ohne Kulissen, nur Mond und Nebel spielen sie die Waldszene und die Angst sehr überzeugend. Der Abend bleibt gut, steigert sich. Die Schauspieler sind richtig super. Eine Frau, die wohl auch viel Yoga macht, ist in den Gruselstories mal 13-jähriger Junge, mal verunstaltet ohne Hals mit Strumpfhose über den Kopf und mal böser Geist, der tobt und sich verausgabt. Auch ein korpulenter Mann, der u.a. den Fuhrmann spielt, macht das richtig super und scheint auch sehr sportlich, wie er auf den Balken des Hauses herumturnt. Alle Beteiligten schlüpfen mühelos in die verschiedenen Rollen. Wie mit spärlich Requisiten gearbeitet wird, die gerne mehrfach benutzt werden, ist total super. Ein goldenes Blaßinstrument, mit dem gespielt wird, ist das Werkzeug mit dem der gierige Fischer, der wahnsinnig wird, nach Gold sucht. Es ist in diesem Fall ein Metalldetektor, der entsprechende Piepsgeräusche macht. Überhaupt, die Geräusche, für die der Conférencier zuständig sind, sind genial. Die Kostüme und das Bühnenbild bekommen eine glatte eins. Endlich mal wieder ein Theaterstück, das ich empfehlen würde. Ja, geht da rein. Ich mochte die ältere Schauspielerin Beatrice Frey so gerne, dass ich mir ihren Namen gegoogelt habe. Die junge verausgabt sich zwar, aber das können Viele in jungen Jahren. Bei der älteren Frau Frey merkt man einfach diese unglaubliche Ausdruckskraft und Präsenz. Einfach Weltklasse hat die gespielt. Ich sage zu Stephan, die kommt aus Süddeutschland und google am nächsten Tag und sie kommt aus der Schweiz und war länger in Wien. Ich finde, das schreit nach Fanpost. Außerdem schaue ich, was sie gerade sonst noch spielt. „Am Hals der Giraffe“ in der Cumberlandschen Galerie. Ich glaube, das will ich auch rein. Endlich macht Theater mal wieder Spaß! Wohnt Frau Frey vielleicht in der Fundstraße? Soll ich ihr meinen Schwarzwaldhäuschen zum Knipsen der Postkartenmotive aus Zürich schicken oder gar ihr was basteln? Fragen über Fragen. Sie spielt in einer der Geschichten, die im Schwarzwald spielt den guten Geist, der dem unzufriedenen Kohlenpeter rät sich was Vernünftiges zu wünschen wie Klugheit, dann kommt Reichtum von alleine. Stattdessen wünscht der sich, dass er immer so viel Geld in der Tasche hat wie ein Halodri aus dem Wirtshaus, den er beneidet. Die beiden machen Glücksspiel und der Neureiche verliert alles und will sich von dem Peter was leihen, nur leider ist er in dem Moment auch pleite, wie er nur so viel Geld in den Taschen haben wollte wie jener. Es steckt neben dem Gruselelement auch Weisheit in den Geschichten und viel erinnert an das Leben. Menschen wollen nun mal den leichten Weg gehen. Ich denke an Lottomillionäre, die am Leben der oberen 1000 teilhaben wollen, dann aber nach einem Jahr mit dem Maserati gegen den Baum fahren, weil sie ihren alten Charakter behalten haben mit den Millionen und daher doch nicht so ein anderen Leben führen, weil man sich selber nicht entkommen kann. Auch die beiden Fischer, die zum Leben genug haben, der eine ist fleißig und der andere eher faul, aber Stabilisator. Leider reicht das nicht, als der Fleißige richtig reich werden will und sich auf der Suche nach dem Schatz völlig aufreibt und schließlich den Verstand verliert. Er findet nichts und statt aufzuhören, sucht er nur doller. Er arbeitet dann gar nicht mehr, sondern geht nur noch auf Goldsuche. Der andere macht ihm keine Vorwürfe. Zum Schluss schlachtet der wahnsinnig Gewordene die einzige Kuh, ein Geschenk an seinen Freund, weil ihm eine Stimme erzählt hat, dass er dann den Goldschatz eines versunkenen Schiffes finden wird bzw. erfahren wird, wo das Schiff versunken ist. Er findet auch Gold, aber auch hier reicht ihm die erste Truhe voll nicht und das wird ihm dann zum Verhängnis. Man kann sich schon denken, wie das weiter gegangen wäre. Nie hätte es ihm gereicht. Dafür war er schon zu sehr aus dem Gleichgewicht geraten.
Die Jugendliche will noch in die Korn. Da wird heute Elektro aufgelegt. Wir fahren erst mal zusammen zurück nach Linden. Ich hatte ihr beim Essen meine graue Katze auf dem Handy gezeigt und sie weiß über 3 Ecken, wem die Katze gehört. Ein überaus erfolgreicher Abend für mich. Ich glaube, da geht noch was. Ausgehen zur Abendmodenschau in der Badenstedter Straße mag ich nicht mehr. Fühle mich immer noch etwas verwunschen und ohne Hals wie der Junge aus dem Stück, weil die Bewegungen eingeschränkt sind und weh tun. Der macht sich über eine buckelige Frau mit langer Nase mit lustig, d.h. die Mutter, die Marktfrau tut es auch und wird von der Alten verflucht. Die Mutter schickt ihn mit ihr mit und er muss die Kohlköpfe für sie nach Hause tragen. Das macht er immer und bekommt gut Trinkgeld oder was zu essen, weil er so hübsch ist. Dort muss er dann 7 Jahre als Eichhörnchen der Hexe in ihrem Haus dienen, zusammen mit anderen Eichhörnchen bis er wieder gehen darf, wobei der denkt, er habe geschlafen und sei vom Schlafen etwas steif, wie ich, aber nach Hause kann er nicht, weil seine Eltern ihn nicht erkennen und forttreiben. Sie sind voller Trauer über den Verlust der Sohnes vor Jahren, als er vom Markt nicht wieder kam. Ich habe jetzt einen anderen Blick auf Eichhörnchen, so viel ist sicher.
Zu hause schaue ich mir noch mal an, ob dieses Stück der Originalvorlage entspricht und das wohl nur zum Teil. Der Hauff kommt aus Baden-Württemberg, daher auch die Schwarzwaldgeschichten mit Glasbläsern und Kohlenköchen. Die Episoden, die dann stark nach Operette riechen, wurden uns erspart. Die Gräfin, die ins Wirtshaus kommt, taucht hier nur am Rande auf, während sie in der Originalfassung tatsächlich Zielobjekt der Räuberbande ist und der junge Zirkelschmied verkleidet sich als Gräfin und lässt sich an ihrer statt entführen um sie zu retten. Es ist dann seine Patentante, die ihm die Ausbildung finanziert hat, der er das Leben gerettet hat, wie sich zufällig herausstellt.
Papierhütchen basteln für Urbanek und so manches mehr. Ich bin mit der Papierkonstruktion zufrieden. Ich merke langsam, das ist mein neues Metier. Kleben war schon immer mehr meines als nähen. Außerdem hat Papier so viele Vorteile, sehr variabel, leicht, selbst die Nässeempfindlichkeit kann man beheben, wenn man will. Das ändert natürlich etwas den Charakter.
Beim Bettenabziehen merke ich, dass unsere eine Federdecke wohl ein Loch ist. Wie Frau Holle stehe ich am Fenster und es hat sich offenbar auch Zeug in meinen Haaren festgesetzt. Passend zur Gans.
Hier der Beweis, dass wir bei den Hotelseifen bei den letzten Exemplaren angelangt sind. Mit den Apartments wird das auch immer seltener und offenbar schaffen die auch Seifen ab, also was soll’s.
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Bareiss und Straßburg-Collagen
BM Outfit 07.02.14
Hellefejergässel – Bareiss und Straßburg
07.02. Gestern beim Sport war eine Walküre um die Mitte 30. Po und Oberschenkel wie eine Eisschnellläuferin. Brüste und Arme und Bauch auch dick. Als wir mit den Füßen in den Therabändern drin hingen und das eine Bein in großen Halbkreisen vor und zurück bewegten, fragte sie: „wo muss man das merken?“. Die Trainerin: eigentlich im Po und an den Innenseite der Schenkel. Die dann wieder: „Aber nur leicht, oder?“. Die Trainerin: das ist jetzt kein großer Schmerz. Sie ließ leider nicht nach und wollte immer wieder Aufmerksamkeit und stellte immer wieder die Frage nach dem wo man es merkt. Ich hätte am liebsten gesagt: im Kopf tut es weh, wenn man so blöde Fragen stellt. Es tat mir vor allem Leid um die Trainerin, die leicht zu verunsichern ist und so eine Art Privatunterricht geben musste, weil offenbar was nicht stimmt und die Teilnehmerin Einzelbetreuung braucht. Sie sagte dann noch zu der Walküre, dass sie es vielleicht so eine kräftige Beinmuskulatur hätte, dass sie es nicht sofort merken würde. An der Ballettstange war die Gute neben mir und Kniebeugen in den Highheels ging nicht so gut, also ich sage: Beinmuskulatur eher Pumpe, nur Aufmerksamkeitsdefizit. Ich frage mich danach, ob es vielleicht Menschen gibt, die so körperbehindert sind. Ich merke bei der Beinarbeit auch den Bauch und genau die Stellen, die gerade „involviert“ sind, wie die Muskeln des Körpers zusammen hängen. Vielleicht gibt es Leute, die ihren Körper einfach nicht spüren. Dann sollte man allerdings eine andere Therapie vorschlagen und keinen Sport in der Gruppe. Das sprengt den Rahmen, wenn man da mehr als eine davon im Kurs hat.
Gestern sagte die Mitarbeiterin der Steuerberatung, ich würde nach Zimt riechen. Heute muss ich sie bitten einem Betreuten von mir 50,- € auszuzahlen, der hatte mir nachts eine email geschickt und ich wäre heute nicht ins Büro gefahren, muss jetzt aber um 8 Uhr kurz noch mal hin. Das kommt davon, wenn man versucht sich heimlich davon zu schleichen.
Es gibt einen Handwerker von Elektro-Paulmann, der echt spitze aussieht, hat so geglättetes Haar, mit einem Scheitel und sieht irgendwie gar nicht wie ein Elektriker aus, sondern wie eine Figur aus Pulp Fiction oder Reservoir Dogs, schräg halt und wenn ich den den Firmenwagen packen sehe, Leiter rein usw. dann freue ich mich immer. Als ich gestern aus der Psychopraxis zurück fuhr, kam mir ein Handwerker aus Berlin entgegen. Der Typ sieht im Gegensatz zu dem Elektriker, auch total nach Handwerker aus und trägt so ein Käppi, weiß mit einem Rand ringsherum und Blaumann. Der ist so um die Mitte fünfzig und oft am Lindener Markt. Bei „meinem“ Kiosk und Zeitungsmann und beim Kaffeestand am Markt und der Typ spricht breiten Berliner Dialekt. Er schaut mich immer belustigt an und ich mag ihn auch irgendwie. Ich erkenne ihn jedenfalls auch auf dem Fahrrad wenn er durch den Georgengarten fährt und ich frage mich, hat der sich auch in Hannover verliebt? Wie ich. Ich finde es immer wieder toll hier. Diese Mischling aus alt und jung, Freaks und Ausländern, aus Stadt mit Altbauten und dazwischen tolle Grünanlagen. Balsam für meine Seele. Ich werde dann übermütig und denke, es ist wie Versailles, wenn ich z.B. durch den Georgengarten fahre und ich liebe es. Ich höre meine Freundin Claudia, die aus Hannover kommt lachen, wenn ich so schreibe. Nach der Psycho-Praxis als Entschädigung für den geplatzten Termin fahre ich in den Stöbertreff, da habe ich geballt alles was ich an Hannover liebe. Schräge Typen, altes Pärchen, er sieht aus wie ein amerikanischer Cowboy und sie ist blondiert und ganz dünn im Pelz, aber beide sind Mitte 70 und sehen aus wie Jonny Cash und Frau. Sie kauft sich Sonnenbrillen, die 30 Cent kosten (er will vorher den Preis wissen und sie sagt, sie würde immer ihre Sonnenbrillen hier kaufen und er genehmigt ihr den Kauf) und nachdem ich mir sie verwundert angeschaut habe, kaufen sie noch die alten 8×4 Deo-Seifen in Retro-Packungen und bekommen jede Menge geschenkt von der Mitarbeiterin. Ein Junkie und seine Mutter sind auch da und haben vorgestern eine Armbanduhr gekauft, die leider nicht funktioniert. Kassenbon oder so was haben sie nicht dabei. Sie sollen sich für 4,- was anderes aussuchen und holen stattdessen eine Puppe, vom kitschigsten, lockige Haare, Rüschchenkleid an ca. 40 cm groß und legen dann noch mal 6,- drauf, weil die 10 kostet. Ich werde auch fündig und freue mich einfach wieder. Das Spiel gibt es umsonst und das Katzenbuch auch. Das ist ja jetzt sehr brisant für mich derzeit, seit ich diese graue Katze liebe.
In den Zug nach Zürich wollen viele einsteigen und Claudia hält brav Plätze für uns frei im 6er Abteil. Dort ist ein junges Ding aus Hamburg, die in ihre Jacke gemümmelt mit Füssen auf dem Sitz schläft und abweisend guckt, obwohl der Platz neben ihr noch frei bleibt. Hipster mit hässlichen Sachen, peruanischem Tuch, aber nachgemacht, Hipsterbrille, der obligatorischen Stofftasche sowie einem dicken, alten Heinrich Böll Buch, was bestimmt 2 Kilo wiegt und auch aus Imagegründen mitgetragen wird wie ein Accessoire. Lesen tut sie darin nicht, nur hin und wieder es hoch halten. Sie hat auf jeden Fall schlechte Laune und es ist Vorsicht geboten. In Frankfurt verlässt sie uns. Vorher ist ein Mann mit Outdoorjacke über dem Anzug und Sitzplatzreservierung eingestiegen und beansprucht den anderen Fensterplatz. Er hat ein idiotisches Buch dabei „The Secret of Consulting“ oder so ähnlich, mit vielen Bildern. Er muss dann leider mitanhören, wie wir uns über das Schwarzfahrproblem austauschen, weil Claudia hat einen Zug über Karlsruhe, dann Bimmelbahn in den Schwarzwald gebucht und wir über Baden-Baden und mit früherer Ankunft und wir werden vom Hotel am Bahnhof abgeholt, was erschwerend hinzukommt zu dem Umstand, dass wir nicht getrennt werden wollen. Ich bin für schwarz fahren, sitzen bleiben und Klappe halten die 15 Minuten zwischen diesen beiden ICE-Stationen. Stephan geht zur Kontrolleurin und sie ist gut drauf und segnet die gemeinsame Fahrt bis Baden-Baden ab. Nachdem ich überschwänglich das tolle Mannheim, wo ich unbedingt mal aussteigen muss, gelobt habe, kommt das „Scheißkarlsruhe“, „blödes, überflüssiges Kaff“ und hier steigt unser Verfassungsrichter, Stephan meint, es sei nur ein BGH-Richter gewesen, dann auch aus. Von Baden-Baden geht es nach Rastatt und dann von dort mit der Bimmelbahn in den Schwarzwald. Übermütig setzen wir die Reise fort und verlassen uns auf unsere Überzeugungskräfte falls hier eine Kontrolle stattfinden sollte und werden begleitet von Schülern und fahren über Gernsbach mit Rentnerwanderern mit Stöckern in den tiefsten Schwarzwald.
Auf den Bahnen wird folgerichtig für orthopädische Schuhe geworben.
Claudia stellt mehrfach fest, wie hässlich es hier sei und wie man hier nur freiwillig herziehen könne, sie würde sich umbringen. Kurz vor der Ankunft eine SMS von meinem Paps, dass sie schon da sind und er im Badebereich, während Mama nappt. Dann kommt die nächste um mir mitzuteilen, dass sie jetzt beide im Nassbereich sind. Man begrüßt uns überfreundlich, strahlend und mit Handschlag und überreicht eine Zimmerübersicht, wo die andere aus der Reisegruppe jeweils untergebracht sind und die Zimmer liegen auch noch praktischerweise direkt nebeneinander. Dienstleistung haben die hier gleich im ersten Lehrjahr 5 x die Woche auf dem Stundenplan gehabt. Wir begutachten die Zimmer mit riesigen Balkonen und leider nicht so leckerem Obst, die japanischen Toiletten fallen erst später auf und schmeißen uns in Badeanzugschale und gehen Richtung Sauna- und Badelandschaft.
Dort belegen wir eine Familienspielwiese aus Leder und Dietrich holt trotz lädierter Schulter Getränke. Dann etwas den Körper nass machen und draußen im Salzwasser plantschen.
Wenn die Haare erst mal nass sind halte ich es draußen nicht so lange aus. Wenn der altmodische Badeanzug nass ist, will ich ihn ausziehen und flüchte mich in die Rosendampfsauna. Dort sitzen wir mit einer Oma mit schwarzer Badekappe, deren Haare nicht nass werden sollen, weil sie dann krass werden und die Locken raus gehen. Sie hat offenbar Locken, will aber andere als die, die sie von Natur aus hat. Wir unterhalten uns und quatschen ihr zu viel, wie Claudia meint, sie geht. Man riecht anschließend nach Oma (wegen der Rosen). Dann nach oben und umziehen.
Wir treffen uns mit Birgit und Andreas um 17:30 Uhr in der Hotellobby. Von Kathrin bekomme ich eine SMS, dass sie an der Grenze im Stau steckt. Birgit hat einen sehr dicken Fuß, der in ein transformerähnliches Gitter aus Plastik eingeschnallt ist mit einem aufblasbaren Innenteil. Wir trinken doppelte Espresso Macchiato und Andreas ein Bier. Claudia erklärt meinem Vater What’s app und er ist total interessiert wie der reinste Teenager. Technische Neuerung sind seine Sache und dann noch eine Retro-Hülle (Musikkassette) um sein iphone. Der reinste Hipster. Dann geht es um das Thema Darm als zweites, älteres Gehirn. Das Urgehirn, weil Verdauen ist nun mal wichtiger als Nachdenken. Jetzt geht es Richtung Essenszeit und manche werden nervös, weil Stephans Schwester noch nicht da ist, nur Stephan sagt, entweder sie liegt tot im Auto oder sie kommt pünktlich ins Restaurant und 2 Minuten vor der Zeit erscheint sie professionell und fragt lächelnd, war doch 19 Uhr, oder?
Auf dem Weg ins Restaurant, die Käseauswahl für die anderen. Sieht auch gut aus..
Herr Brandt, der Chef der Bedienungen ist wieder spitze drauf und ich lerne gleich was Neues dazu: schwäbische Reihe ist nicht nur Männer auf einer Seite, Frauen auf der anderen, sondern Frauen auf der Seite, die näher zum Küche ist. So. Das bekommen wir auch hin. Ich liebe das Damenklo und Herr Brandt bietet mir an, mir die Stiche auf dem Herrenklo auch zu zeigen und Schmiere zu stehen.
Ich will es zusammenfassen: 8 Gänge mit den ganzen Extras, die es dann dazu gibt, sind zu viel. Es kommen schon 4-5 Grüße aus der Küche, dass man satt ist bevor es eigentlich los geht. Ich frage nach einem alkoholfreien Cocktail und ja bitter darf er sein, also was für Erwachsene, denke ich mir hoffnungsvoll. Ich bekomme stattdessen einen knallgrünen „Villa Kunterbunt“ Humpen, der erniedrigend ist und den Süßwein zur Gänsestoffleber extra böse vermissen lässt und dazu führt, dass ich gerne für den Rest des Abends nur Leitungswasser haben möchte. Ich kann den Geschmack gar nicht definieren, offenbar ist es Guave mit Farbstoff. Es gibt einzelne Gänge, die sehr lecker sind, wie der Heilbutt und auch das Milchkalb, klein geschnitten mit Sellerie und ganz viel Trüffel oben drauf, in der Mitte ein Eigelb flüssig. Da drehen alle durch und ich will das im Hipp-Glas für zuhause zum warm machen im Wasserbad, aber nicht alles ist so toll. Die beiden Nachspeisen finde ich alles andere als befriedigend. Statt eines warmen Schokokuchens mit flüssigem Kern, bekommt man eine gekünstelte Praline mit Blattgold und einer grünen Rotznase. So was mag ich gar nicht. Die sollen mir lieber was Primitives servieren, was Hammer schmeckt, statt etwas was 8 Stunden gebraucht hat zum Herstellen, aber nur interessant ausschaut. Die Hauptspeisen sind auch nicht optimal nach meinem Geschmack, wahrscheinlich auch zu kompliziert in der Herstellung, aber des Käsewagen ist einmalig und Claudia springt als erste nach vorne und beleuchtet die Ware mit ihrem Handy um sich einen Teller voller Blauschimmelkäsen auszuwählen. Es gibt herrliche Saucen und Nüsschen zum Käse. Da bleiben keine Wünsche übrig, nur das manche schon keinen Käse mehr wollen, weil man zuvor so abgefüllt wurde. Dann gibt es noch mehr süße Grüße aus der Küche und einen Pralinen und Süßigkeitswagen bis man nicht mehr kann.
Der Meister unterhält sich mit uns und wird nach seiner Zusammenarbeit mit der Lufthansa für 1. Klasse befragt. Er hat auch eine gute Idee für uns, dass wir einen Langstreckenflug an Weihnachten buchen sollen, da hätte man den Flieger ganz für sich alleine. Andreas kauft noch eine Magnum-Flasche Champagner, „die Sorte, die Sie im Schwimmbad anbieten“, wie meine Mutter ihn umschrieben hat und wir setzen uns in die Hotelbar, die schwer an Butterfahrt erinnert und hier spielt einer an der Heimorgel und es quält. Komische Stimmung, Birgits Bein tut bestimmt schon seit Stunden weh, das ist zumindest mein Eindruck und der Sohn als Chauffeur ist schon im Anflug. Das Hotel will uns noch einen warmen Mitternachtssnack servieren. Das löst nur hysterisches Kreischen in unserer Gruppe aus. Ich habe durchgehalten mit dem Wasser und schwer war nur, dass es offenbar nicht allen so gefallen hat und man doch als Partypooper angesehen wird. Ich wusste es schon immer, Heroin und Junkieclique Dreck dagegen. Bitte, trink doch nur einen Schluck, nur 2 Finger breit, Deine Mutter hat doch Geburtstag. Gerade die greift beherzt ein und kommt ihrem Kind zur Hilfe mit den Worten: lass sie, sie will nicht. Todmüde fallen wir alle ins Bett und schlafen schlecht, weil wir zu viel gegessen haben und ich habe sogar Brand davon. Ich kann jetzt differenzieren und weiß, es war nicht der böse Alkohol, sondern nur das viele Fressen.
08.02. Ich werde vor 8 Uhr wach, Viertel nach gehe ich in den Dampfkeller auf der Suche nach Gruppenmitgliedern. Werde auch gleich fündig, Claudia schwimmt Bahnen im Becken, meine Eltern sind draußen, wo die Sprudelanlage wieder an ist und Gegenstrom. Ein kleiner Junge betrachtet interessiert die Falten und den alten Körper einer Oma, nicht seiner. Diese Faszination kann ich verstehen, das sieht dann echt noch mal anders aus. Er und seine Schwester sind noch zart und knackig wie Äpfel, aber später sieht das dann krass anders aus. Apropos anders aussehen, meine Badekappe mit den gelben Rosen sieht ultra fies aus und macht Abdrücke in meiner Stirn, die nicht mehr weggehen, aber die Haare bleiben trocken. Ich bin ganz alleine in der Saunawelt. Ein Fabeltier an der Wand spuckt alle 20 Sekunden Eis in eine Schale. Dann anziehen und in den Frühstücksraum. Dort ist ein Tisch für uns reserviert und das Hotel hat sich einen langen Brieftext überlegt zum gratulieren, eine Kerze an unserem Tisch brennt und persönliche Glückwünsche gibt es außerdem. Ich gehe ins Schinkenzimmer und greife schon mal zu, Roastbeef mit Tartar Sauce gibt es auch. Hier arbeitet ein Typ, der aussieht wie der junge Lumpp. Süß ist der und lässt sich von meinen Blicken verunsichern. Es gibt alles in dieser Frühstückswelt. Die kleinen Marmeladen von Stauds mit den Wiener Motiven, Müsli, 20 verschiedene Obstsorten von Mango bis Ananas. Trockenobst. Kinderbüffet mit kleinen Sandwichs, Schnittlauchpfannkuchenrollen aufgeschnitten zu dünnen Rädern mit Schinken und Lachs gefüllt, Milchreis in kleinen Schälchen und Amerikaner mit Gesichtern aus Schokocreme, Crepes mit heißen Kirschen, Weißwurst, Fisch, alles mögliche geräuchert, sauer eingelegt, mediterane Ecke mit Schafskäse und Oliven, Salate, Wurst-Käse in Essig-Öl, Käseplatte, Obst- und Gemüsesäfte und und und. Nach dem süß, Birchermüsli usw. hole ich Schinken nach und etwas Mango. Das Dickerchen steht an seiner Aufschneidemaschine. Gerne würde ich ihn fragen, wann er heute Feierabend hat….Ich trinke eine Kanne schwarzen Tee. Er macht seine Maschine gewissenhaft sauber.
Ich räume das Zimmer und nehme die Bayreuther Wurst mit, die auf dem Balkon war über Nacht. Daneben freue ich mich über die Angebote des Hotels und die ganz eigene Ästhetik.
Die Menschen haben Schuhe vor die Tür gestellt. Hier ist jeden Tag Nikolaus.
Stephan ist enttäuscht, dass wir schon los wollen nach Straßburg. Claudia gibt meinen Eltern Tipps. Es gibt hinter den Saunen einen Ruheraum mit Wasserbetten und da kann man Smoothies trinken. Stephan bestätigt das und ist dort auch vorgedrungen. Da sollen sie hin.
Ich treffe unerwartet auf Herrn Brandt (unerwartet deswegen, weil er schon wieder im Dienst ist)
und wir machen die Exkursion auf die Herrentoilette. Ich sage ihm, „ich wäre jetzt so weit“. Der Gast, der die Stiche oder Federzeichnungen gemacht hat (erinnert mich an Stefan Klenner-Otto), hat dort eine Weile gewohnt und hat die Kunst hinterlassen als Bezahlung. Ich biete anschließend an, ihm die Damentoilette zu zeigen….Da gehe ich noch mal rein, weil ich sie zu sehr liebe, meine Kinderküchenkitschtoilette. Die darf nicht verändert werden, erkläre ich Herrn Brandt, ist Denkmalschutz.
Auf Valentinstag sind die hier natürlich auch schon eingestellt. Was sonst? Ein Schrank voller Rosen.
Wir brechen auf, wobei an der Kinderbespaßung
zu unserem Peugeot. Das standesgemäße Fahrzeug haben wir. Es ist zwischen 12 und 1 Uhr. Etwas Berg hoch kurven und in jeder Ortschaft fragen, ob jemand was vom Bäcker will. Das erheitert ungemein angesichts unserer Sattheit. Nach kurzer Fahrt sind wir am Ziel. Straßburg begrüßt uns mit Regen. Stephane kommt und schließt uns seine Wohnung auf. Er hat wohl im Bareiss gearbeitet in der Patisserie und hat jetzt einen Laden Gagao in Straßburg. Da gibt es Schokolade. In seiner Wohnung gibt es 2 Schlafzimmer (mit bequemen Betten)
und eine moderne Küche und Bilder an den Wänden, u.a. „I am so gay, I can’t even think straight“.
Flammkuchen isst man außerhalb, weil die Holzöfen die man dafür benötigt sind in der Stadt verboten, erklärt uns der Gastgeber. In der Stadt ist es was für Touristen. Wir greifen seine Vorschläge gerne auf, aber sehen das nicht so eng, schließlich sind wir Touristen. Auf der Suche nach einem Wasserkocher, bewundere ich das Altglas des Gastgebers…
Wir ziehen los, erst zum Fahrradladen mit ganz kleinen Peugeotfahrrädern,
dann weiter zum Fluss mit den schönen Häusern, große Dächer mit Dachfenstern, wie in Nürnberg, aber noch schöner.
Sehr bald fällt uns auf, dass es hier alles ums Essen geht. Jeder zweite Laden ist eine Chocolaterie und dann Bäckereien, Patisserie und dazwischen Gänsestopfleber und Wein und Restaurants und Weinstuben ohne Ende. Selten gibt es mal einen Friseur oder irgendwas ohne Essen. Wir beschließen, den Dom erst Morgen zu besichtigen und Shoppen zu gehen, leider regnet es. Überall –gerade rund um den Dom sind Souvenirläden aufgebaut und es gibt Störche in allen Varianten, als Stofftiere in allen Größe sowie auf Schürzen und Handtüchern. Ich kaufe erst Karamell mit Salz und Zimt und Nüssen usw. in einem ebenfalls sehr touristisch aufgemachten Laden, der mit französischer Nostalgie lockt, aber die Karamelwürfel haben mich trotzdem überzeugt (Fingertest, die sind weich), dann nehmen wir eine Gänsestopfleber (ich liebe den Türgriff, im Laden sind leere Dosen als Anschauungsmodelle, die Ware ist einfach zu wertvoll), dann sucht Stephan Käse aus und Wein, zum Schluss die gezuckerte Kondensmilch. Das Käsegeschäft ist der Hammer. Die Teile schimmeln vor sich hin und es ist Käse zum anfassen, nicht so hinter einem Tresen, sondern unmittelbar vor der Nase und den Augen, Streichelzoo für Käsefreunde.
Claudia ist auch hin- und weg. Im Shoppingmal wird sie fündig und kauft einen neuen Duft bei Sephora. Patschouli und Vanille zum selber mischen. Stephan berät sie. Ich bin mit Kathrin im Supermarkt und kaufe 10 Tuben Kondensmilch (das macht 15,- €) und Butter sowie fromage blanc, creme fraiche (in riesigen Bechern) und Fruchtjoghurts sowie kleine fromage blanc mit Frucht (jeweils 4 Stück). Bei den Keksen halte ich mich zurück und kaufe nur eine Packung. Sind ja keine von Sainsbury. Der Korb ist ziemlich schwer an der Kasse. Stephan schleppt.
Zurück ins Apartment und chillen. Ich könnte glatt auf dem Sofa einschlafen. Irgendwie geht es uns allen so, aber keiner will sich die Blöße geben. Wir raffen uns noch mal auf, obwohl es schwer ist, weil es draußen voll unfreundlich ist und wir alle müde und noch satt sind. Der schwarz vertäfelte Laden, den der Gastgeber empfohlen hat an der Rabenbrücke ist zu. Der zweite (vier Ziegen oder so ähnlich) hat keinen Platz und so landen wir in den Winstub Zuem Strissel (Strauss offenbar). Es war erst an dritter Stelle meiner Hierarchie im Vorfeld hinten dem Katzenladen, der zu hat aufgrund eines Unfalls und einer anderen Winstub Chez Yvonne. Ich nehme einen Flammkuchen mit Trüffel (das was ich für Rindfleischsülze mit Meerettich halte, wäre eine Suppe gewesen und ist aus), Claudia Kartoffelpuffer mit Lachs und Kapern, Kathrin Bibeleskäs, Quark mit Knoblauch extra und einem Stück Rotschimmelkäse und Schinken und Gürkchen und neuen Kartoffel, herrlich angerichtet wie eine Bentobox, wie Claudia feststellt und lecker und Stephan eine Zwiebelsuppe mit ca. 500 gr. Käse drin, absolut köstlich, viel Zwiebeln, süßlich, wenig Brühe, echt gehaltvoll und so was von lecker und Quarkklöße mit Bratensahnesauce mit Morcheln, auch köstlich. Dann Nachtisch. Ich nehme den Gugelhupf Pain Perdu als French Toast mit Eis und Sahne, Stephan Apfeltarte (mittel) und Claudia Merengen mit 3 Kugel Eis und Sahne. Diese Creme Chantilly macht uns kicherig und total glücklich und verrückt. Claudia ist ganz aus dem Häuschen mit ihrem Nachtisch und lobt ihn über den grünen Klee (zu Recht). Die Kombi aus Bröseln von dem Zuckerwerk (und zwar vom Bäcker und nicht aus dem Supermarktregal) mit Fruchteis und der hammer leckeren Sahne ist nicht zu toppen.
Wir gehen glücklich nach Hause und schlafen diese Nacht gut und erholsam. Ich finde es bemerkenswert, dass uns (d.h. zumindest mir und Claudia) so ein Nachtisch besser schmeckt als im Sterneladen. Der Lumpp kann auch einen Palatschinken machen und den würde ich mal gerne probieren, aber das darf er nicht, zu primitiv, verliert er seine Sterne. Auf dem Heimweg kommen wir vorbei an einem syrischen Restaurant mit Luftballons im Fenster. Hier hat Mutti für alle gekocht und verabschiedet die Gäste mit Küsschen. Eine Karte scheint es nicht zu geben. Das sieht toll aus, aber Sonntag hat hier viel geschlossen.
09.02. Heute ist besseres Wetter. Ich will mich gerade davon schleichen, da kommt Claudi aus dem Zimmer und bietet an mich zu begleiten. Wir wollen Kaffee holen. Beim Bäcker gegenüber gibt es keinen, alles ist zu und wir landen beim Alimentari, Gemüsetürken, Spätkauf und „to go“ heißt á portir (ich muss Pantomime machen). Mutti lässt 4 Espressi aus der offenbar neuen Maschine, mit der sie noch nicht so zu Recht kommt. Der Sohnemann fragt immer geht’s und sagt mehrfach „trück“, Mensch wie schreibt man das bloß auf Französisch. Er ist fatigué und macht hier auch Pantomime. Kopf seitlich auf die zusammengelegten Hände. Ahh hah. Wir holen die Beute nach Hause. Nach dem Verzehr entern wir den Bäckerei „Au Pain de mon Grand Pere“ und kaufen alles Mögliche. Frühstücken tun wir gegenüber in dem dazu gehörigen Laden. Es gibt eine Schale voller Croissants und sehr leckere Baguette-Brötchen und O-Saft und Kaffee.
Gleich in der Nähe ist der Katzenladen, der wegen eines privaten Unfalls geschlossen hat.
Nach dem Frühstück schauen wir bei Gagao vorbei, der Laden unseres Vermieters. Der ist leider unterirdisch. Das Corporate Design ist eine Eins, alles gelb-schwarz, aber die heiße Schokolade, die aus Pulver mit viel Zucker von Dosiergläsern an der Wand in Pappbecher gefüllt wird und dann nicht richtig umgerührt und mit vielen Toppings ist einfach schlecht. Da ist der Kakao von Balzac der reinste Gourmet-Kakao. Der Kaffee ist wässerig. Die Jugendlichen freuen sich über die schönen Becher, das stylische Ambiente und die dekorierten Cupcakes und wie Kathrin meinte: wie früher Milchbar, Treffpunkt der Jugend und die vertragen eh nicht so viel Koffein. Es gibt auch die obligatorischen Stempelkarten Gagaomètre. Wenn man ein kleines Getränk nimmt, ist man Amateur und Venti ist hier Professionell. Ich glaube der Laden wird wirtschaftlich ein Erfolg. Es wundert mich, dass sie hier drauf reinfallen, in Japan oder einem Land ohne viel Schokoladenerfahrung wäre es noch einfacher. Es gibt immer wieder tolle Plätze, so auch direkt hinter dem Gagao und diese Bäume, die wie Edward mit den Scherenhänden ausschauen. Ich liebe es. Hier sind sie offenbar gerade nachgeschnitten worden. Woanders sind die Nägel noch lang….
Dann auf zum Dom und weiter durch die Stadt bei schönem Wetter. Es gibt sogar extra Fahrspuren für Rolli-Fahrer. Wahnsinn!!!
Karl Lagerfeld ist für Sicherheit im Straßenverkehr zuständig.
Die Kathedrale toller als gedacht. Zweireihige Buntglasfenster, eine riesige Orgel in der Mitte des Mittelganges, eher Richtung Eingang mit einem riesigen holzgeschnitzten Unterbau. Ein tolles Gewölbe, teils bemalt. Hinter dem Altar sind neben dem Glasfenster alte Wandmalereien. Es sieht eher etwas duster und alt aus. Rechts neben dem Altar um die Ecke eine eindrucksvolle astronomische Uhr. Ich will schon wieder gehen und Stephan bringt mich links um die Ecke zum Jesus am Ölberg als Theaterkulisse aus Stein. So was habe ich noch nie gesehen. Teils sind die Figuren 3-D und teile Reliefs, die Mauern und Bäume und Soldaten, die aufgereiht ankommen mit Morgenstern und finsteren Gesichtsausdrücken. Es ist sehr beeindruckend und hat die Erwartungen weit übertroffen. Gelegentlich scheint auch die Sonne durch die Fenster. Das ist toll!!
Wir gehen zu dem Madelaine-laden. Sehr plüschig und natürlich kein Platz. Vorne gibt es einen Shop, aber die Verkäuferin sagt sehr gerne „nein“. Kathrin will ein salziges Madelaine „nein“. Die gibt es nicht zum mitnehmen. Claudia will eine Extratüte, damit sie eines der Kunstwerke umpacken kann, wiederum mehrfach nein, bis sie es verstanden hat. Ich sage, die sind mit Butter und sie oberlehrerhaft: Madelaines sind aus Mandeln. O.k. die von Meinl waren mit Butter und auch lecker (das denke ich nur). Sie behandelt uns als wären wir Trottel. Sie sagt uns auch, dass sie sich ärgert, dass sie immer deutsch sprechen müssen und auf der anderen Seite der Grenze niemand französisch spricht. Sie hätten es in der Schule gelernt. Wir auch, aber wir haben seitdem keine Gelegenheit zum üben gehabt. Sie will jetzt nach Österreich fahren und sie hätten ihr auch auf Deutsch geschrieben und nicht auf Französisch. Die Frau nervt. Die Schilder hier sind zweisprachig. Das sie da einen gewissen Vorsprung haben ist doch klar. Soll sie sich freuen, dass sie zweisprachig ist. Wie war das. Hader sagt, erst Olivenöl-Diät, weil die auf Kreta so lange leben, Olivenöl bis es ihm aus den Ohren herauskommt. Jetzt liest er, die Franzosen leben genauso lang. Was ist also das Rezept für ein langes Leben, viel Butter, unfreundlich sein und keine Fremdsprachen sprechen. Daran muss ich instantan denken. Wir essen den zweiten Madelaine, den Stephan sich auf die Hand hat geben lassen und er ist mit Glitzerzucker, wie für Prinzessin Lillifee gemacht und es stößt mich eher etwas ab, weil es so künstlich aussieht, wie Schminke und ja, sie sind lecker, aber das Gehabe ist nicht gerechtfertigt, egal wie toll das Produkt sein möge und auch hier ist noch Platz nach oben. Was soll das?
Weitere Außenansichten des Tages. An der Kathedrale ist ein Reiter in luftiger Höhe. Er markiert die Ecke eines Turms, so dass es ihn mindestens 2-fach oder auch öfter gibt. Er steht unter einem kleinen Dach, lässt sein Pferd auch immer draußen stehen, zumindest mit dem Kopf. Daher ist der Kopf des Pferdes schon ganz moosgrün.
Wir laufen am Fluss entlang zu einer großen Brücke. Es ist sehr windig und ich muss mehrfach meine Hut festhalten. Wenn der abgerissen wird vom Wind und in die Fluss fliegt, ist meine Laune dahin.
Man kann unter der Brücke durchgehen. Hier geht es wieder sehr französisch zu. Es werden Penisse und Erektionen ausgestellt und Penismaschinen, die arhythmisch und ruckartig Fickbewegungen machen.
Auf der anderen Seite beim Museum skaten welche und andere üben Parcour. Das ist cool anzuschauen. Weil es uns kalt ist gehen wir ins Museum und setzen uns auf ein bequemes Sofa. Stephan meinte, schade, dass er seine Brille nicht dabei habe. Wir zeigen uns wechselseitig Bilder von Kamera und Handy und gehen aufs Klo und verweilen noch eine Weile. Komische Deutsche, wollen sich nur ausruhen und entleeren und schauen ihre eigenen Bilder.
Wir wollen Kathrin zum Abschied eine Zwiebelsuppe gönnen, aber alles schließt gerade vom Mittag, auch der Käseladen, in dem es nur Käse gibt. Es ist die Zeit zwischen Mittagstisch und Abendgeschäft.
Sie holt sich ein belegtes Baguette. Vorher gibt es noch einige Schaufensterauslagen zu bestaunen, vor allem Berufsbekleidung.
Wir essen die Bäckerware mit viel Salzbutter im Apartment und ich mache einen Schwarztee des Gastgebers (Russian evening No. 50, mit weniger Teein). Wir schauen etwas Olympia und ich bastele.
Kathrin verabschiedet sich. Knapp 300 Kilometer liegen vor ihr. Stephan, der uns durch die ganze Stadt getrieben hat, schläft eine Runde. Claudia macht den DJ mit den Musikprogrammen und schaltet durch. Es gibt viel Black Mucis und Musikvideos. Wir brechen auf mit dem Ziel Käseladen von Tourette. Das Restaurant. Vorbei am Dom. Die Orgelmusik lockt uns an. Organist in dieser Kathedrale. Das wäre doch noch ein Berufswunsch für das nächste Leben. Auch von außer ein tolles Bauwerk mit filigranen Säulen, die aussehen wie Bleistifte und ganz tollen, filigranen Ornamenten und Verzierungen, wie eine Sandburg mit dieser Tropftechnik gemacht. Im Käseladen macht uns die Frau auf, die nachmittags zumachte. Leider haben wir nicht reserviert. Erst um 21:30 Uhr hat sie einen Tisch. Wir wollen es wissen und willigen ein. Nebenan ist eine Bar. Auf Stadt entdecken haben die Frauen keine Lust mehr. Hier gibt es Zapfhähne an den Tischen und man kann sein Bier selber zapfen und sich durch die verschiedenen Sorten durchprobieren. Es gibt auch Wein und Cocktails (für mich alkoholfrei und mit französischem Maoam).
Die Jugendlichen essen Salami und Käsewürfel zum Bier. Sie werden immer ausgelassener. Hier gibt es überall was Leckeres zu essen. Nach knapp einer Stunde wechseln wir nach nebenan. Ich nehme das Raclette und Stephan das Fondue mit Blauschimmelkäse und Claudia einen Käseteller. Die eigentlichen Käseteller gibt es erst ab 2 Personen. Ich bin enttäuscht. Das Raclette ist nicht am offenen Feuer, sondern ich bekomme einen Tischgrill. Ich bin überfordert mit der Bedienung und kann bald nicht mehr. Ich schiebe den Grill zurück, aber es fließt noch tonnenweise Käse auf den Teller nach, den ich dann zurück gehen lasse. Das ist mir peinlich. Stephan fragt beim Abräumen, ob wir was falsch gemacht haben. Da muss die andere Bedienung geholt werden wegen der Sprache. Die sagt dann, dass sie es sauber machen und noch mal verwenden. Lost in translation. Amerikanische Touristen sind an den Nebentischen. Stephans Fondueflamme geht mehrfach aus und die Masse trennt sich. Die festen Anteile schwimmen im Fett. Ich bekomme Lachanfälle und Stephan zimmert sich alles rein, auch den letzten riesigen Bissen, zäh wie Toffee dreht er den beigen Spieß und wäre daran fast erstickt. Ich befürchte eine schlimme Nacht, aber das bleibt aus. Ein fluffiges Fondue wie in St. Gallen war das nicht, viel zu viel und auch nicht richtig lecker, lieblos irgendwie. Der Laden bekommt keine guten Noten, außer für das Konzept und den Namen. Auch zum Käseteller gehören leckeres Früchtebrot und Chutneys.
Am nächsten Morgen fällt mir ein, dass er den Speck, der lecker war, aber auch mit den Pilzen in Fett schwamm, auch noch in sein Fondue hätte kippen sollen. Den Speck hatte überwiegend ich gegessen, weil ich keinen Käse mehr sehen konnte. Zuhause läuft ein altes Video von Rita Mitsouko aus dem Jahr 1986. Ich gehe unmittelbar schlafen.
10.02. Schwarztee und eine selbstgemachte Postkarte für den Gastgeber.
Leider schüttet es heute und unser Plan mit dem Gepäck am Dom vorbei langsam Richtung Bahnhof und auf dem Weg bei Chez Yvonne Mittagstisch machen geht nicht auf. Gut, dass wir unsere Einkäufe gleich am Samstag erledigt haben, dass wäre heute nicht gegangen oder in puren Stress ausgeartet. Wir duschen alle und nehmen einen Bus direkt vor der Haustür. Man kann im Eingang bzw. Hausflur stehen bis der Bus kommt. Wie zuhause.
Nein, keine retour, wir hauen ab. „Aller Simple“, 1,60 €. Einmal umsteigen in die Straßenbahn mit den großen Fenstern und dann zum Bahnhof. Wir wollen das Gepäck einschließen. Das kostet 9,50 €, was uns viel erscheint für knapp 2 Stunden. Es wird durchleuchtet wie am Flughafen und den Automaten verstehen wir auch erst nicht. Den Typen wollen wir nach einem Restaurant fragen, er schickt uns zur Touristinformation. Die Frau da ist wieder geil unfreundlich. Ich erkläre ihr unser Anliegen. Sie: was leckeres Essen? Wir sind am Bahnhof. Hier gibt es Döner. Gegenüber wäre eine Brasserie Les Dix. Das könnten wir probieren. Ganz normale Gerichte gibt es da. Wenn wir was Leckeres wollen, dann müssen wir in die Altstadt. Sie zeigt sie uns auf dem Stadtplan. Nein, die kennen wir, ist klar. Nochmal wir sind am Bahnhof und wie dämlich ist meine Frage. Ich bedanke mich und wir gehen nach gegenüber. Es ist gut besucht. Dafür hätten wir das Gepäck nicht wegschließen müssen. Ich esse Fleischküchle mit Kartoffeln und Salat und Stephan Flammkuchen mit Münsterkäse und ich einen süßen Flammkuchen mit Äpfeln und Walnüssen. Zum Essen bestellen wir reichlich Kaffee, Claudia sagt, wie Russen.
Ein schöner Abschluss. Dann im Bahnhof noch zu Paul, einem Bäcker. Ein Baguette für abends und einen Smoothie, weil der so eine niedlich Strickmütze mit Bommel hat und man für 30 Cent einen guten Zweck unterstützt. Als Deko für meine Sigg-Flasche nur bedingt geeignet.
TGV- alles o.k. Katzensprung nach Deutschland. Ich frage die Zugbegleiterin, ob wir schon da sind und sie sagt was von Handynetz. Stephan sagt, alles Quatsch, der Fluss ist die Grenze, der Rhein. Rechts sind Berge, das sei der Schwarzwald und links das Rheintal. Erdkunde mal nicht im Atlas, sondern live.
Nach Baden-Baden kein Halt bis Kassel. Schnell ist man zuhause. Vielleicht kommt Claudi mit nach Kalifornien. Jetzt ist dann erst mal Zeit zum Abschied nehmen.
Ist Straßburg das Hannover von Frankreich? Die Leute glotzen nicht, es wird viel Fahrrad gefahren, auch ohne Licht, es gibt eine kleine Skaterszene und die Leute können auch richtig unfreundlich sein. Gut bei uns am Flohmarkt ist es lange nicht so malerisch, da will ich mal die Gegend dort nicht beleidigen. Die Kulisse hier hat mich schon sehr beeindruckt. Das Fachwerk ist nicht Braunschweig. Das ist Manhattan des Fachwerks mit 5-6 Stockwerken und die Altstadt nimmt kein Ende und damit ist Mittelalter gemeint. Die Altbauten 18./19. Jahrhundert haben sie daneben auch. Das ist schon echt cool und schön.
Mein Rock zwickt. Gottseidank ist man dieser Fress- und Teppichhölle im Schwarzwald entkommen, selbst der Fahrstuhl ist plüschig, die reinste Gummizelle aus Textil. Die kleinen Handwaschseifen haben sie abgeschafft gegen einen Seifenspender. Schade, davon haben wir jahrelang gezehrt als Bidetseifen. Das geht also auch nicht mehr. Im Kleinen sparen für die Gänseleber.
Ich habe mich verlegen und mein Nacken tut einseitig weh. Kurz bin ich im Zug euphorisch und will zum Sport. Das ist ganz schnell durch das Thema, d.h. ich bin durch. Telefoniere nur noch kurz mit meinen Eltern. Es gab auch Tomatenkonsomée im Spa-Bereich und meine Mutter hat auf den Wasserbetten geschlafen. Es war also wohl noch schön. Sie sind weiter gefahren zu süddeutscher Verwandtschaft um sich den Tag zu vertreiben.
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Tertium non datur
03.02. Frauen ohne Schminke und gekünstelte Frisur sehen besser aus. Im Dschungel sehen sie besser aus als dann für die Show zurecht gemacht und dann wozu der Aufwand. Sie bekommen es auch noch gesagt und ignorieren es trotzdem. Denken sie, dass man sie anlügt? Können sie es selber nicht so sehen, dass natürlich einfach schöner aussieht? Finde Antworten auf alle Fragen im Fernsehen. Das mit meinen wenigen Haaren macht nichts bzw. wird von mir überschätzt. Will ich so eine beknackte Frisur, die einfach nur künstlich ausschaut? Nein. Bin ich der Typ praktische Kurzhaarfrisur? Nein.
Nachtrag (es wird der Beitrag der Nachträge): Fetzen aus meinen Träume der letzten Nächte. Ende der letzten Woche hatte ich einen. Da war eine Faschingsparty und da war so eine Art Geisterbahn im Keller, aber richtig gruselig und man musste vorher an großen Spinnen und Horrorzwillingen usw. und ich habe abgebrochen und gesagt, ich muss aufs Klo. Oben habe ich dann gesagt, ich will da nicht mehr runter. Das macht mir Angst. Alle anderen: das ist ganz normal, stell Dich nicht so an. Da ist eine Diskoveranstaltung im Keller, wenn Du erst mal an den Gruseldarstellern vorbei bist. Ich blieb aber hart und habe mich nicht verbiegen lassen und fand das gut, so für Traum und so. Dass ich dann sage, ist mir egal, auch wenn alle anderen das normal finden. Dann habe ich mehrere Träume, in denen es offenbar um meine neue Buchbindertätigkeit/-erfahrung geht. Gestern Nacht war es ein Tapetenkleisterkurs, den ich mit mehreren Asiaten besucht. An der Wand asiatische Schnitzereien, Wolken und so was. Alles sehr aufgeräumt und man sitzt auf Barhockern an Tischen, alle Plätze voll.
Morgens schaue ich mir noch mal meine neue Katzenfreundin an.
Stephan sagt, es war vielleicht ein Luchs. Die gäbe es wieder in Niedersachsen laut Haz. Die Vorstellung finde ich lustig. Außerdem will ich bei dem Haus in der Gartenstraße klingeln und mich als Urlaubssitter für meine graue Freundin anbieten, aber ich weiß nicht wo und die halten mich dann auch für verrückt, wenn ich sage, die Katze steht auf mich und überhaupt es war Liebe auf den ersten Blick. Sie hat sich so schön streicheln lassen und trotz des langen, buschigen Fells, hatte man nicht die ganze Hand voller Haare. Sehr angenehm.
Hier im Büro gibt es einen neuen Hund, aber der ist für zuhause und nicht fürs Büro. Ich gucke Handyfotos. Süüüß, die Mischlingshündin (Modell kleiner Schäferhund mit was anderem drin) in ihrem neuen Körbchen. Schade, dass ich da nicht ran darf. Ich probiere mich in Überredungsversuchen, dass ich ihn nicht jedes Mal aufpeitsche, wenn ich zum Kopierer gehe- versprochen. Das klingt wohl recht hohl. Dann sage ich, die noch mit der grauen Riesenkatze vergesellschaften, dass beide zusammen im Körbchen liegen….ähhhh, jetzt geht wohl meine Phantasie mit mir durch. Die Mitarbeiterin steht auf Depeche Mode und ich sage ihr, da ist Party im Ferry oder war. Da ist sie auswärtig zum DM Konzert, war eh Depeche Mode – elektro. Was heißt das? Das die Hits housig aufgemacht werden? Nein, aber zwischendrin würde halt Elektro gespielt, statt 80er Jahre, ihr wäre das lieber. Ich sage, das versaut doch Depeche Mode, also für mich klingt das wie Spagetti Carbonara (extrem versalzen). Das will ich dann auch nicht mehr.
Nachtrag Rossi am Sonntag. Hier gab es total leckere Engadiner Nusstorte und auch ein älteres Publikum, was eher zu uns passt (gegenüber den Jungeltern und Hipstern in der Menagerie).
Nachtrag Wochenende. Ich schreibe Emails mit meiner Cousine, die uns eingeladen hat zu ihrem fünfzigsten und das ist eine Sternekoch, der eine Kochschule hat im Bühler Tal und dann Wellnesshotel und am nächsten Abend Whiskyprobe. Das klingt alles so, als hätten wir da viel Spaß gehabt und das wir ausgerechnet an dem Wochenende was Ähnliches, gleich um die Ecke gebucht haben, ist Pech, weil das wäre auch Stoff für zwei Wochenenden gewesen, aber nicht so gierig sein, manchmal geht nicht beides und doppelt geht sowieso nicht.
Nachtrag zum Kunstverein. Mir geht diese Videotechnik nicht aus dem Kopf und ich überlege immer welche Filmausschnitte ich aneinandermorphen würde, wenn ich das könnte. Filmausschnitte, bei denen jemand Blumen überreicht bekommt und die wegpfeffert oder Särge, die in die Erde gelassen werden oder Eiskugeln, die beim Lecken herunterfallen. Es gibt so viel!
Bei der Arbeit behelligen mich alle mit diesen Musterklagen gegen die Müllgebühren. Ich habe da keine Meinung dazu. Haus und Grund verschickt eine Musterklage. Da sollen sich die Leute dran lang hangeln. Frage meinen Mann was wir machen und die Antwort ist: nix. Ihm komme das jetzt gerechter vor. Gottseidank lassen wir uns nicht von der Haz aufhetzen, wie aufgezogen sind die Leute. Ich will mich da wirklich nicht mit beschäftigen als gäbe es sonst nichts. Ich glaube, dass dieses Klagen für viele einen unerhörten Unterhaltungswert hat. Etwas Spannung im Leben.
Das mit Philip Seymour Hoffmann ist traurig. Das geht bestimmt vielen so und da kann man mal wieder sehen. Man schaut nicht hinter die Fassade (ob Hollywood oder sonst was) und außerdem eine schöne Bestätigung für mich was das Aufhören anbelangt. Der Typ hat mit mir Geburtstag! Ich denke, der hat intensiv gelebt, das ergibt sich schon aus den Rollen, die er gespielt hat. Das ist bestimmt wie viele Leben auf einmal leben oder zumindest emotional mehrstimmig im Gegensatz zu den reinen Konsumenten (des Kinos). Habe Theater geplant und frage die Tochter des Kollegen, ob sie mit den alten Säcken rein will. „The Black Rider“ und Schillers Räuber mit Geräuschen stehen auf meiner Wunschliste.
Den neuen Mietvertrag gibt es in der Räumungssache. Ich bin nur bei der Umsetzung skeptisch. Neue Wohnung renovieren und Laminat verlegen und das alte alles Räumen, die Berge voller Sache nicht einzeln mit der Bahn von A nach B. Das ist Armeisenprinzip und bringt uns nicht weiter. Im Moment wird es aufgrund arbeitgeberbedingter Umstände erst mal mehr. Nein, keine Sachen bei ebay verkaufen. Wir müssen uns jetzt etwas fokussieren. Das wird noch anstrengend. Auf de Klage muss ich wohl erwidern, ich kann mich unter diesen Umständen nicht auf einen Räumungsvergleich einlassen und dann schafft er das nicht und ich kann keinen Räumungsschutz beantragen. Das geht leider nicht. Sonst normaler Arbeitstag. Ich bin leider sehr ungehalten mit der sehbehinderten Betreuten, die dem Handyanbieter einfach Raten anbietet, weil sie so süchtig ist nach dem Scheißteil, dass sie eine Niere verkauft bevor das abgestellt wird. Ich sage ihr, sie macht meine Arbeit zunichte, dann soll sie das wieder übernehmen und dann halt das Essen einstellen. Wie kann man so handysüchtig sein? Alle haben Handys außer Katzen (Wladimir Kaminer), sage ich nur.
Mittags Marktkaffee. So sieht es aus, wenn ich Zitronentarte gerecht teile (die ist allerdings von der Kaffeepause).
Ich denke, wir sind wie Tote, die ein paar Mal mittags ins Marktkaffee gehen. So muss man leben, in dem Bewusstsein. Das hilft. Wie Hader singt: „In 70 Jahren weiß keiner mehr, wie wir uns begegnet sind, damals in der Josefstädter Straße, weiß keiner mehr von unserer Liebe, von den dämlichen Magneten am Kühlschrank“. usw. Diese brutale, aber ehrliche Sichtweise hilft. Genauso hat es mir schlussendlich geholfen, dass man Anfang 20 dachte, bei mir lohnt sich das Studieren nicht mehr. Es hat alles intensiver gemacht. Seitdem hat allerdings oft die Verdrängung überhand genommen und das Negieren der Endlichkeit ist ein Spezialfach von mir. Ich muss dagegen ankämpfen und mich zwingen, es mir immer wieder vor Augen zu führen, wie es ist.
Nachmittags kommt der Mann mit dem obszönen Namen im dritten Anlauf. Er hat frisch lackierte Nägel. Alle im Büro müssen lachen bzw. ohhh Gott sagen, wenn sie den Namen hören. Armer Kerl. Das beeinträchtigt einen schon so ein Name, wenn er so krass ist. Ich freue mich auf das Doppelprogramm Sport und die Linzer Torte im Anschluss.
Den BaföG-Schuldner kurz vor dem Rentenalter. Erlass wird vom Bundesverwaltungsamt abgelehnt, aber wenigstens Freistellung für 3 und nicht 1 Jahr. Dann ist er definitiv Rentner. Da fragt man sich auch, was das soll.
Mikael liest meinen Blog und spricht mich auf die Wiengeschichte an, dass man den Eindruck haben würde beim Lesen, dass es genau so gewesen sei, wie ich schreibe. Das macht mich ein bisschen stolz und freut mich und ich schätze so sehr seinen Yogaunterricht. Ich denke regelmäßig an einen Liedtext: „weil wir sind gesegnet mit den Menschen, die uns begegnet sind“ (Nosliw). So ist das hier. Unser Freund Nils hat die Tai Chi Schule. Eines Tages frage ich ihn, ob da nicht so ein Typ Yoga bei ihm unterrichtet und lerne Mikael kennen und merke, was er für Fähigkeiten hat, die aber weitgehend ungenutzt vor sich hin schlummern und dann hat er dem Movenyo-Studio ausgeholfen, die einen vernünftigen Yogalehrer dringend brauchten und kann er jetzt ganz viele Menschen glücklich machen und voran bringen mit seinen Fähigkeiten und er selber ist auch glücklich und merkt sich alle 25 Vornamen (in jedem Kurs andere und neue), so dass man ihn bei „Wetten dass…..“ anmelden will. Wechselseitige Segnung, quasi. Dass er Franzose ist und lustige Sachen sagt, das kommt noch oben drauf. Bei der Stuhl-Asana, sag er Stuhlstellung und letztes Mal zwei Mal Stuhlgang als Versprecher und da steht dieser Kopfstandhocker, der medizinisch ausschaut daneben. Es war sehr lustig.
Heute ist der Kurs wieder knallvoll und es üben auch eine russische Mutter mit ihren zwei Töchtern gleich in meiner Nähe. Die Töchter sind wie aus dem Märchen, sehr verschieden. Mehr sage ich dazu nicht. Auch eine Tierärztin ist wohl bei uns im Kurs. Das Gesicht muss ich mir merken.
Es geht weiter mit dem Philosophieren! Auch die Betreuten sind wie Freunde, ich sehe sie gerne und sie geben mir Trost und Halt. Nachtrag: Das ist das Geheimnis. Auch an einem guten Arzt-Patienten-Verhältnis, dass man sich mag und nicht alles nur 100% professionell ist oder was dafür gehalten wird. Die Oberärztin mag meine Dauerpatientin, die die meisten nur schlimm finden. Sie geht mit ihr zu einem Konzert und ist begeistert, wie musikalisch sie ist und was sie alles weiß und hört. Das merkt man dem Behandlungsverhältnis an und das ist gut so. Diese Sympathie schafft was, was die Qualität der Behandlung eher steigert. Ich will auch lieber von Ärzten behandelt und von Betreuern betreut werden, die mich mögen bzw. von meiner Warte aus geht es nur über diese Bindung, die ich aufbaue, sonst würde ich es nicht machen können oder nicht so, wie ich es mache. Ich denke an meine Betreuten mit Demenz und dem Alkoholikersohn, die gestorben ist und immer sagte, ich wäre ihre beste Freundin (natürlich aus der Demenz heraus, aber das war egal). Die hat mal so schön gesagt, wenn Du mal Probleme hast, kannst Du ruhig zu mir kommen und Recht hatte sie. Nicht, dass ich das tue. Das Gefühl, dass ich es könnte reicht mir schon. Wenn ich mal schlecht drauf bin, fahre ich einfach zu einem meiner Schützlinge und der ist vielleicht gerade in der Klinik und gehe mit dem/der im Park spazieren und ich bin mir sicher, anschließend geht es uns beiden besser. Beim Rattenkönig wurde ich gefragt, ob ich mit ihm raus möchte und sagte nein. Dafür war keine Zeit, aber ich weiß, dass es gegangen wäre und in gegebener Situation zu dem obigen Ergebnis geführt hätte.
Mein Oldtimerfahrrad lässt auf sich warten. Muss ich mal Jörg anhauen, der es losschicken wollte. Der Kurierdienst hätte es Anfang letzter Woche liefern sollen, unsere Rufnummer hatte ich gegeben, frag mal nach, denke ich am Küchengarten, dann Lichtenbergkreisel Zischgeräusche, so dass ich erst denke, da ist ein Papier eingeklemmt zwischen Schutzblech und Reifen, aber nein, einfach ein total lauter Platten, der so ein hörbar großes Loch macht, dass der Reifen in sekundenschnelle leer ist. Ich war fast zuhause. Hatte Glück.
Ich hatte dann mal im Internet geguckt, wie es da ausschaut in Straßburg und ich finde so, wie ich mir Belgien vorstelle, alte Häuser, klein, malerisch, ein Fluss in der Mitte. Ich schaue Restaurants, aber nur die Namen und auf der dritten Seite klicke ich das erste an und hier gibt es so eine Art High Tea mit selbstgemachten Madelaines. Da haben mir die vom Meinl aus Wien so gut geschmeckt! Ich bin aus dem Häuschen. Das ist ein Zeichen, rufe ich Stephan zu.
04.02 Traum vom Fliegen nach Australien. Der Punkt im Traum ist der lange Flug. 16 Stunden, immer wieder ausrechnen, wann wir ankommen. Im ersten Flieger, die Kurzstrecke, die anderen beneiden uns, weil wir so weit fliegen. Das Hauptticket fliegt zwei Mal aus dem Fenster und klebt von außen an einem heraus geklappten Flugzeugteil. Einmal muss ich es holen und einmal kontrolliert es die Stewardess und lässt es ausversehen los, kann es aber wieder bergen. Ich bedanke mich morgens bei der kalifornischen Verwandtschaft, die uns zu Ehre ein Familienfest ausrichtet und schreibe, dass ich schon von Langstreckenflügen träume und die Vorfreude unermesslich groß ist.
Heute findet der Rücktransport der Verletzten von Österreich aus dem Skiort nach Süddeutschland statt. Wir denken beim Kaffee trinken an sie. Ihr Mann holt sie ab.
Ich muss mit der alten Gurke zum Gericht fahren und meine dicke Gerichtsvollziehertasche hängt neben meiner sperrigen Handtasche und wenn die Autos so knapp an mir vorbeifahren bekomme ich Wutanfälle und sage, die müssen mich dann richtig überfahren, sonst haue ich denen welche rein, wenn die mich umreißen mit ihrem Außenspiegel. Denen gehört ihrer Meinung nach die Straße und je dicker das Auto, desto mehr. Ich fahre in einer halben Vorderbeuge und meine Knie reichen fast bis zum Kinn. Ich merke erst mal, wie komfortabel mein neues Fahrrad ist.
Nachtrag: was mit schon öfter in diesem Winter aufgefallen ist und was gar nicht geht sind Plastikjacken mit einem Pelzkragen. Das sieht beschissen aus und ist echt schade um die Tiere. Meine Pelzmäntel, die aus den 50ern stammen sehen alle noch tadellos aus und halten noch mehrere Generationen. Das macht Sinn so was zu tragen, sich eine neue Jacke zu kaufen, die aus gefütterten Plastikringen besteht und damit das niedlicher ausschaut einen Pelzring um den Kopf hat, das macht keinen Sinn und sieht auch richtig beknackt aus, vor allem wenn es Männer tragen, Weicheimode.
Scheidungstermin in der türkischen Sache. Es kommt zu zeitlichen Verschiebungen und wir warten mit einer echt netten Kollegin, die hat graue, kurze Haare und ich mag sie sehr. Aus dem Sitzungssaal kommt eine total gekünstelte und schlimme Kollegin, die später bei uns im Büro auftaucht. Ich bespreche die Sache mit meinem, weil das natürlich nie eine Ehe war und er so was nicht sagen darf. Ich werde reden. Ich dachte, die Frau wäre nach der Eheschließung zurück in die Türkei, weil ihre Mutter krank geworden ist. Mutter wurde auch krank, wohnte und wohnt aber in Deutschland. Sie ist damals vor 10 Jahren zurückgegangen, weil sie zwei Kinder aus erster Ehe dort hatte, die heute 16 bis 18 Jahre alt sind, damals also richtig klein waren.
Danach kaufe ich Theaterkarten für 3 Stücke, 2 x mit Schülerkarte dabei. Immer 1. Reihe. Das gibt teilweile nur 25 % Ermäßigung mit der Schülerkarte und das andere Mal kostet die Karte mit Schülerrabatt nur 9,30 €. Also ganz schöne Preisspanne. Einmal billiger als Kino und das andere Mal 3 x so viel. Soll für Wenzel Storch auch Karten besorgen, aber hier macht die Vorverkaufsstelle erst um 12 Uhr auf. Damit kann ich nicht dienen.
Kurz auf den Markt. Das sitzt das Weinweib mit ihrem Freund. Ich überlege kurz, ob ich rüber gehe und mich für meinen Auftritt neulich entschuldige. Das ist schon schlimm, wenn es soweit ist. Andererseits machen die das beruflich und kennen die Ausfälle der Leute. Sie nehmen es ja billigend in Kauf, quasi, also muss ich das auch nicht tun. Die Ausfälle hatte ich nicht näher beschrieben, aber sie waren schlimm. Es war nicht nur lallen und Filmriss, sondern ich hatte auch Ausfälle der Beinmuskel/-nerven und das hat mir Angst gemacht (Nervenstörung durch Alkohol?) und mich an meine Lähmung damals erinnert und war dann auch der Ausschlag für meinen Entschluss. Wie ihr merkt, richtig freiwillig ist das nicht und ich frage mich immer, wie ich das nächstes Wochenende in Frankreich erklären soll, dass ich keinen Wein trinke. Wird es der Franzose an sich akzeptieren? Womit werde ich anstoßen?
Wohngeldstelle nervt, hatte Mieterhöhung geltend gemacht. Sie haben gesehen, dass es zwischenzeitlich wohl noch eine Mieterhöhung gab, die ihnen nicht gemeldet wurde. Ich sage, berechnen Sie doch nach den Zahlen, die Ihnen jetzt vorliegen oder wollten Sie was nachzahlen? Nein, es wirkt sich gar nicht aus. Und warum soll ich dann nachschauen? frage ich die Tussi und frage mich was das soll. Ist das Sukodu-Heft voll?
Mittags gibt es Erklärungen für das Finanzamt ausfüllen und Linzer Torte mit Marillenmarmelade. Außerdem den letzten Bonbon mit der gesüßter Kondensmilch von Regilait. Das kann man auch keinem normalen Menschen erklären, dass ich nach Frankreich will um da gezuckerte Kondensmilch in rauen Mengen einzukaufen.
Ja, ich bin sehr verfressen und bestelle mir Salami nach Baiersbronn. Meine Eltern sind zwar auch der Meinung, dass wir doch dann nach Frankreich fahren würden, aber sie machen es, weil bei Salami bin ich eigen, wie ich das Begehr begründe und ich will die vom Metzger meines Vertrauens, nach italienische Art aus eigener Herstellung. Da weiß ich, dass die mir schmeckt. Jetzt gerade wo ich keinen Alkohol trinke, brauche ich viel leckeres Essen. Auf meine Eltern ist Verlass. Meine Mutter sagt gleich: „alles“ und ich soll nicht so herumdrucksen, sondern raus mit der Sprache. Mama und ich beschließen, dass Frauen so eine Weinbegleitung zum 8-Gänge Menü auch gar nicht schaffen können. Andere haben das vorher schon eingesehen, nur ich nicht. Sekt und dann 8 Gläser Wein, da bin ich kein Gewinn mehr für gar niemand. Das kann man gar nicht schaffen. Ich zumindest nicht mehr.
Ich habe jetzt die Idee für ein weiteres Buch. Ich werde es mit Fleischcollagen, ich hatte die Serie mal Wurstfamilie genannt, machen. Ich habe mir von Verwandten aus der Nähe von Baden-Baden, Gernsbach oder so die Edeka-Prospekte zuschicken lassen, die ich zuvor dort auf dem Küchentisch entdeckt habe bzw. diese taten es freundlicherweise und da sind so große Fleisch- und Wurstbilder drin, dass sie das Postkartenformat sprengen. Ich hatte immer überlegt, wohin damit, (wollte erst ein großes Format damit bebasteln) zumal die Wände bei uns schon voll und das Projekt dann beiseite gelegt. Jetzt weiß ich es: Buchprojekt! Yuhu!!!
Ich muss mein Fahrrad selber zur Reparatur bringen zum Laden nebenan, weil Stephan boykottiert, dass ich das Fahrrad nicht dort gekauft habe, sondern von einem anderen kleinen Fahrradladen in Linden. Das muss ich nicht verstehen, aber konsequent ist er dann schon. Sonst tut er alles für mich, aber hier hat er es mir gesagt, dass er dann nicht mithilft und zieht das auch durch.
Nachmittags kommen Betreute ohne Termin. Einer kommt von einem Eignungstest vom Arbeitsamt, der sich letzte Woche beschwert hatte über mich und sich dann entschuldigt hat, dass er nur genervt war, aber nicht von mir. Ein anderer, für den ich noch nicht bestellt bin. Dieser Fall wird interessant. Der junge Mann hört Stimmen. Heute wollte er erst mal nur meine Visitenkarte, dass er meine Nummer hat. Er war in der Klinik und hatte mich anrufen wollen. Als er geht, stellt sich durch einen Anruf beim Gericht heraus, dass die Richterin doch schon bei ihm war (das hatte er verneint), aber er wohl nicht so ganz bei sich war. Ich bin bestellt.
Nachmittags hole ich mein Rad wieder ab. Die Inhaberin ist freundlich wie immer. Die hat nicht das Thema meines Mannes. Ich bin auch nicht sauer, wenn die Leute zum Kollegen gehen. Warum auch. Ich bedanke mich überschwänglich für die schnelle Arbeit. Ohne Fahrrad sei bei mir wie Rollifahrer ohne Rollstuhl und so waren es weniger als 24 Stunden insgesamt ohne bzw. mit der Notlösung. Ich bin euphorisch, dass mein fahrbarer Untersatz wieder da ist.
Paps hat wieder einen lateinischen Spruch neu entdeckt.: „Tertium non datur“, bezogen darauf, dass manche sagen, für den Preis des Treffens mit Essen und Übernachtung im Bareiss könne man eine Woche Urlaub in Italien machen. Es gibt Dinge, die gibt es nur in dieser Konstellation oder gar nicht. Man kann sie so erleben oder eben nicht. Es gibt dazu keine Alternative. Ich sage, die Grabstätte in Nürnberg ist nicht groß genug für die ganzen herrlichen, lateinischen Sprüche. Die ist dann ganz vollgetagt. Wäre auch noch cool.
05.02. Heute stand es in der Haz. Stephan hatte mir gestern davon erzählt, dass er einen Anruf bekommt, eine Stimme, die indische Englisch spricht und von Microsoft aus anruft und fragt, ob er in der Nähe seines Rechners sei, sei er doch bestimmt. Stephan fragte ihn dann, ob er jetzt alle seine Passwörter benötigen würde und beendete das Gespräch in dem er ihm sagte, er sei demnächst persönlich in Kalifornien und würde dann vorbei schauen. Mein Mann ist sau cool mit Scherzanrufern.
Morgens noch ruft der Handyanbieter meiner Blinden an und ich drohe schon und sage, die ist jetzt auch in der Klinik gelandet und, dass ich es ungeheuerlich finden würde und jetzt wissen wolle. Am Ende statt über 700,- € nur noch 260,30 € und ab nächsten Monat wieder normal um die 30,- €. Alles andere storniert.
Dann kommt die Anklage gegen meinen schwerbehinderten Betreuten, der seinen 16-Jährigen Sohn losgeschickt haben soll Hasch zu kaufen. Wir brauchen jetzt fachliche Unterstützung. Stephan sagt, hoffentlich wird sein Elektrorolli nicht beschlagnahmt.
Heute freue ich mich über „Tertium non datur“. Das leuchtet mir ein und gefällt mir der lateinische Spruch. Nicht wörtlich übersetzt auf Englisch war der Vorschlag: „take it or leave it“, ein Drittes wird es nicht geben, eben.
06.02. Ich träume davon, dass ich ausversehen ein Glas Sekt getrunken habe. Ich habe angestoßen und dann war es schon drin und ich dachte nur, scheiße. Kann ich nicht rückgängig machen und dann wieder: ist nicht so schlimm, war ein Ausrutscher und ich höre sofort wieder auf und dann war es nicht so tragisch. Ich glaube, der Hintergrund ist meine Angst: Wie soll ich es den Franzosen erklären? Bareiss finde ich nicht schlimm, aber ich überlege die ganze Zeit krampfhaft wie man sagt: „ich würde gerne was Leckeres ohne Alkohol trinken“ auf Französisch sagt. Oh Mann, ich langweile auch mit dem Thema, ich weiß. Der andere Traum war auch lustiger. Unser Dackel, Tinkel, kam darin vor und spielte mit einem anderen Hund und ich wurde gefragt, wie alt der Hund sei und habe dann angefangen zu rechnen. Ich bin 44, musste dann auf 46 verbessern und habe den Hund zur Geburt meines kleinen Bruders bekommen, also ist der Hund 29. Das sei schon sehr alt für einen Hund, wunderte ich mich in dem Moment. Mein Bruder ist übrigens auch schon 40, wie Stephan dann beim Erzählen zu Recht anmerkte. Auch im Traum hapert es mit dem Rechnen.
Jeden Tag findet mein Mann lustige Artikel in der Haz. Heute, ein Filmemacher filmt sich selber als Napoleon. Das Kostüm hat ihm seine Mutter genäht. Dann Busfahrer (58) schlägt Lindenerin (35). Die Frau war mit einer Freundin am Küchengarten eingestiegen mit einer Flasche Sekt. Der Busfahrer meinte, der Bus sei voll. Das haben die Frauen ignoriert und ihre Monatskarten vorgezeigt und sind eingestiegen. Am Steintor stiegen viele Passagiere aus und nun wollte der Busfahrer aus unerfindlichen Gründen, dass die beiden Frauen auch aussteigen, aber die wollten zum ZOB und weigerten sich. Dann kam es zum Gerangel und das endete mit einer blutigen Nase für die 35-Jährige. Der Fahrer muss 500,- € zahlen. Ist auch wenig, dafür…..
Wegen eines Familienstreites wird bei mir angefragt und ich soll etwas Juristisches von mir geben, dabei halte ich es nicht für ein rechtliches Problem und es ist meine Familie in etwas weiterem Sinne. Mein Rat: „Du musst Dir sagen, wir sind nur Tote auf Urlaub. Das Leben ist kurz. Es ist meine Schwester. Es ist nur bedrucktes Geld und das als Mantra jeden Morgen und Abend beten. Das ist mein Vorschlag und den meine ich ernst“.
Die Arbeit wird immer wieder unterbrochen durch meine Vorfreude. Stephan findet „Fromagerie Tourette“ und ich darf in den Blog gar nicht rein schreiben, was mir dazu an Käseobzönitäten eingefallen ist, sonst kann ich mich vor Spam nicht retten. Ich will jedenfalls unbedingt hin, schon alleine um mir ein „Formagerie Tourette“- Hütchen zu machen oder besser noch 365, wie ich meiner Schwägerin schrieb. Die erste Restaurantabsage haben wir auch schon bekommen. Meine Schwägerin hat freundlicherweise die Korrespondenz übernommen: “Cette Samedi? C’est fermé, mon mari a eu un accident de travail, désolée . » Meine Schwägerin schrieb dazu : Heisst auf gut deutsch : er hat sich beim Dosenöffnen in die Finger geschnitten, oder ist den Katzen auf den Brücken hinterhergelaufen oder ist ausgerutscht, wie auch immer, das Restaurant ist leider wegen eines Arbeitsunfalls geschlossen. Wir werden aller Voraussicht nach in eine Weinstube gehen und da gibt es dann womöglich Elsässer Flammkuchen und zwar nicht die tiefgefrorene von Netto. Wir steigern uns gegenseitig rein und bekommen Hunger ohne Ende.
Ich habe wegen der Kondensmilch die Firma Regilait angeschrieben, weil ich der Reisegruppe in der knappen Zeit, die wir haben nicht zumuten will, dass wir von Supermarkt zu Supermarkt pilgern auf der Suche nach dem Zeug, nach dem ich süchtig bin. Ich habe auf Englisch geschrieben, aber einfach formuliert. Diese Franzosen antworten nicht! Halten sie meine Anfrage für einen Spam? Ich will wissen, wo man gezuckerte Kondensmilch in Straßburg kaufen kann. Es klingt ein wenig nach den Spams, die ich bekomme, muss ich ehrlicherweise zugeben, die haben oft was mit Unterhosen von Calvin Klein oder so was zu tun und ich bekomme sie auf meinen englischen Text über London, den ich randomly shopping girl betitelt habe. Das war wohl nicht so schlau.
Eine Betreute von mir ist aufgelöst und heult am Telefon. Sie hat strenge, christliche Eltern, die nicht wollen, dass sie einen neuen Mann kennen lernt. Sie fühlt sich wie im Gefängnis und will den Kontakt abbrechen. Krise vor meiner kleinen Reise, kann ich nicht gebrauchen. Telefonseelsorge ich mehrfach angesagt. Montag ist sie bei der Ärztin und Dienstag gleich bei mir. Sie will sogar ihr Kontokarte abgeben. Es klingt alles nicht so gut und viele Telefonrechnungen der letzten Monate konnten nicht gezahlt werden. Ja, ich werde alles tun, aber eben erst Dienstag.
Nachmittags fahre ich in eine Psychoarztpraxis. Bin mit den Eltern eines Betreuten dort verabredet. Er ist ein schwerer Fall und die Ärztin hatte einen Hausbesuch gemacht und dann hatten wir vor Monaten schon diesen Termin ausgemacht. Jetzt ist die Ärztin im Krankenhaus und wird operiert, wie ihr Personal uns mitteilt. Abgesagt hat man dem Pflegedienst und die haben es nicht weitergegeben. Muss ich jeden Termin vorher telefonisch bestätigen lassen? Bin ich nur noch von Idioten umgeben. Eigentlich bin ich gar nicht schlecht gelaunt. Dafür ist das Wetter viel zu toll und die Aussichten auf die Abenteuer der nächsten Tage. Ich setze mich mit den Eltern in den Flur. Hier gibt es vier Ledersessel, die gegenüber aufgestellt sind und wir können herrlich konferieren. Auf dem Rückweg fahre ich beim Trödeltreff Hainholz vorbei als kleine Belohnung und hier gibt es herrliche Sachen umsonst, Geschenke mit denen ich basteln kann. Ich hätte noch gerne eine herrliche Vase zum 75sten meiner Mutter erstanden, aber so was kann man nicht planen.
Ich freue mich auf alles, auch die lange Zugfahrt mit der Freundin aus Hamburg. Die Zugfahrkarte haben wir für ca. 25,- € geschossen. Ich will noch mal nachkontrollieren, ob das alles seine Ordnung hat. Stephan hatte unsere Frühbucher TGV-Erste-Klasse-Tickets im Mai irgendwo zwischen Hannover und Paris vermutlich in Basel verbaselt, daher kommt nämlich der Ausdruck und wir mussten neue kaufen. Der Schock sitzt immer noch tief.



















































































































































































































































































































