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www.planet-beruf.de

19.01. Arbeiten und zwischendrin zum Jobcenter. Da sind die Türen schon zu, wenn man nach 12 Uhr kommt. Es geht um einen Eignungstest für meinen gerade volljährigen Betreuten, den ich dann auch privat ausprobiere unter www.planet-beruf.de. Hier wird man getest auf Auftreten und Manieren und Prüfungssituationen. Wie geht Bruchrechnen noch mal? Fotostory dazu. Was soll man tun? A: Sich mit Kniebeugen locker machen, B: Erst mal der Freundin eine SMS schicken oder C: Mit anderen Fragen weiter machen und keine Zeit verlieren.

Ich gehe anschließend zu Piu und habe mein Portemonnaie im Büro liegen lassen. Wie peinlich, aber die Inhaberin ist großzügig und ich fahre extra vor dem Sport vorbei und begleiche meine Schuld.

Ich komme mit dem Rad angefahren und Herr Ihme kommt gerade aus meinem Büro. Er wollte – wie immer – ohne Termin zu mir. Er war beim Amt wegen Geld betteln und die haben auf mich verwiesen. Ich rufe da gleich an, dass die nicht immer mich als Buhmann vorschieben können, wenn sie die berechtigte Angst haben, dass das immer so weiter geht und sie ihr Geld nie zurückbekommen werden. Ich verstehe die Angst, aber der Hinweis auf mich hilft nicht weiter.

Ich dachte das Ausbluten sei vorbei, aber beim Yoga erwischt es mich noch mal und meine Sporthose hat einen Fleck. Im Folgekurs suche ich einen Platz an der Wand. Die Leiterin: ob ich sie nicht sehen wolle. Am liebsten hätte ich geantwortet: dass die anderen nicht meinen Blutfleck sehen sollen bzw. ich sie damit nicht erschrecken will, habe mir aber eine andere Ausrede ausgedacht. Der Doppelkurs hat richtig Spaß gemacht. Das will ich jetzt öfter. Fehlzeiten habe ich durch die Reiserei genug. Dann muss es sich lohnen wenn ich mal da bin und Mikael hat sich auch gefreut.

Abends essen wir auf dem Sofa Wallnüsse aus Österreich vom Yppenplatz und was soll ich sagen: ist keine schlechte dabei und die gammeligen aus dem Bio-Laden von hier habe ich gleich entsorgt. So müssen die schmecken. Ich werde noch ein Kilo kaufen. Ich liebe sie.

20.01. Schöne Träume aus Kalifornien. Ich bin mit Claudia unterwegs, ein riesiger Öko-Laden und wir kaufen/probieren uns durch. Dann Hunde und Kinderkarren und Brücke und Verwandte und alles wieder so schön, dass ich heulen muss (nur im Traum und vor Glück).

Morgens einen Kaffee mit dem Kollegen am Markt. Er verfestigt sein berufliches Treiben in meiner süddeutschen Geburtsstadt. Bauer Banse. Das schmeckt alles nicht so richtig leckerer als im Supermarkt. Da lobe ich mir meine 5,- € Rohmlichbutter aus Wien. Die Kollegen holen Backware, die mir aber nicht schmeckt. Ich kaufe nur Gemüse.

Termin Morgen im Flüchtlingswohnheim ist vermutlich obsolet. Schade, ich hätte mir das gerne angeschaut und den schwulen Sozialarbeiter kennen gelernt mit dem ich schon so viel Telefonsex hatte. Na ja, habe genug Arbeit.

Ich bin Verfahrenspflegerin und fahre nach Laatzen ins Pflegeheim Dr. Anne Wilkening. Eine Bahn verpasse ich und nutze die Zeit um in dem Kiosk Posthornstraße Liebesmarken zu kaufen. Die kaufen nur die Erwachsenen und nie die Kinder weiß der Inhaber mir zu berichten. Mit Glitter sauen sie alles ein und kosten 1,30. Ich lese das unnütze Wienwissen in der Bahn. Bei Wilkening ist alles sauber, bunt und deprimierend. Da mag ich das vornehme Altersheim, was auf Hotel macht mit Rezeption und gegenüber gelegen ist viel lieber. Laatzen ist überhaupt furchtbar. Hier hat mal eine Betreute um die Ecke gelebt, die schon tot ist. Die war auch Alkoholikerin und ist nicht so alt geworden. Ist im Krankenhaus gestorben. Die Schwester war immer schlimm. Es waren Russlanddeutsche und der Vater war Professor. Zu der bin ich gekommen über den Notar, der mal in Bürogemeinschaft mit meinem Kollegen war an meinem alten Standort. Ich habe für die Mutter erfolgreich die Maklergebühr wegen Wucher angefochten. Damals war die Presse in der Verhandlung. Lange ist es her. Bei der Kandidatin Jahrgang 1947 will der Betreuer die Genehmigung die Wohnung zu kündigen. Außer ihr sind weitere Menschen, die noch nicht so alt sind, aber völlig pflegebedürftig und einfach so da sitzen. Sie hat Demenz. Ich sage erst mal den falschen Wochentag und bestätige, dass es Mittwoch ist. Der Typ, der mit am Tisch sitzt verbessert mich leise. Sie will das alles mit mir im Speisesaal besprechen. Sie will die Wohnung behalten. Sie müsste da mal wieder hin, aber schafft das nur in Begleitung, weil sie Angst vor dem Straßenverkehr hat. Ja und was nutzt ihr dann die Wohnung, wenn sie da nicht hin kann und wie will sie da alleine zu Recht kommen frage ich sie. Vielleicht könnte sie wenigstens ein Zimmer behalten. Und die anderen sollen vermietet werden? Das erscheint auch unpraktikabel und was will sie dort mit einem Zimmer. Meistens ist es ja auch eine Geldfrage. Na gut, dann bleibt sie eben da. Hier hat sie ja ein Bett und eine Freundin, die sich mit Keksen und Kaffee dazu setzt und die sie fragt, was sie heute noch machen wollen und der dazu auch nichts einfällt. Später fängt sie an zu weinen, weil sie keinen mehr hat und nicht weiß, wo sie hingehört und sich entwurzelt fühlt. Sie trinkt auch gar nicht mehr. Habe ich Zigaretten dabei? Der Ersatzbetreuer lebt bei meinem Büro in der Nähe. Der sei nett. Ich will mich bei ihm melden. Wie deprimierend ist das denn. Muss erst mal zu Mc Donalds danach am Kröpcke unten, der auf schick gemachte Laden, den ich beim Umsteigen passiere. Das erste Mal seit vielen Jahren. Ich habe Hunger und denke daran, wie das Leben vorbei zieht und was in 20 Jahren sein wird. Abends koche ich eine Suppe mit Mettenden, die ich bei Kaufhof besorgt habe. Hier ist jetzt Schlemmermann oder –meier und es gibt auch eine Gelbwurst mit Petersilie, die ich mal probieren will und Nürnberger Bratwürste im Giftschrank, falls die Sehnsucht mal ganz groß ist und wenn die einheimischen Wurstwaren schon nicht zu empfehlen sind, können die aber offenbar gut einkaufen und kriegen gute Importware. Auch gut.

Abends essen wir Kaffeebohnen mit Schokolade umhüllt beim Fernsehen, die mich am Einschlafen hindern. Auch nicht schlau, das als Nachtisch zu wählen. Muss unweigerlich an die Espressomartinis mit meiner Schwägerin beim Inder in London denken. Elisabeth Taylor war heute wegen eines Bankkredits bei der Verbraucherzentrale (15 Minuten Beratung kostet 10,- € oder umgekehrt) fällt mir ein bei der Reportage über Banken, die Kredite leichtfertig an junge Menschen vergeben, denen 700,- € zum Leben bleiben müssen, sonst klappt es nicht mit den Raten.

21.01. Bundespolizei gegen Alkoholiker, Forderung ist niedergeschlagen worden nach 3 Stundungsanträgen. Manchmal lohnt es sich doch. Frau Yoga spricht wieder mit mir, schickt mir SMS wegen ihres Scheidungstermins. Mein Kollege hat die Post, die am 07.01. rausging nicht bekommen. Ich kümmere mich darum und dann bekommen wir Faxe bis das Papier alle ist. Nächstes Montag bei Yoga, sondern Vorbesprechung einer Strafverhandlung mit meiner Betreuten beim Kollegen, dem ich gerade viele Unterlagen für einen neuen Fall einscanne. Das ist wichtiger.

In einer Betreuungssache wird wieder angefragt, ob ein Ehrenamtlicher das machen kann. Vor 2 Jahren hat sein Facharzt ganz ausführlich was dazu geschrieben. Daran hat sich auch nichts geändert. In manchen Sachen fragt Jahre lang keiner und andere werden andauernd überprüft. Das kostet auch nur Geld und hier ist der Mann sehr krank, so dass man ruhig länger einrichten könnte.

Mein Betreuter, der Kurde ist kommt mit einer Flasche Whisky vorbei Jack Daniels. Ich nehme sie nicht an. Mein Mann vielleicht? Würde vielleicht wollen, denke ich mir, aber ich schicke ihn wieder weg damit. Er soll sie zurück bringen oder selber trinken (das tut er wohl nicht als Moslem), jedenfalls soll er mir keine Geschenke mehr kaufen. Ist nicht böse gemeint. Die kitschige orangefarbene Stoffrose habe ich letzte Woche einer Sportteilnehmerin geschenkt, der immer die Plastikblume vom Fahrrad geklaut wurde, was sie ganz traurig gemacht hat und die Süßigkeiten von seiner Frau habe ich gegessen. Ich sage ihm nur, dass ich Blume und Süßwaren angenommen habe und jetzt Schluß sei. Dafür machen wir für nächste Woche einen Termin wegen seiner Einbürgerung.

Mittags zu Herrn Ihme mit dem Pfleger, der ihn derzeit zur Spritze begleitet. Er ist wieder in seinem Attentäter der Columbine-Highschool Outfit und heute sehr schlecht auf mich zu sprechen. Er geht nicht mehr zur Spritze. Essen braucht er nicht, weil er Tabak da hat (seine Oma hat ihm Geld gegeben) und der legt sich auf die Synapsen und man hat keinen Hunger. Wenn ich ihn noch einmal auf die Spritze anspreche wird er unangenehm und zeigt mich an wegen Nötigung. Er sei ein freier Mensch. Wenn er „bürokratische Dinge, wie Überfälle“ macht, dann ist er nicht frei, aber das kann er entscheiden. Die ambulante Wohnbetreuung, die wir am 21.05.2014 beantragt haben und die jetzt losgehen soll wo die psychiatrische Pflege am 19.01.15 ausläuft lehnt er ab. Er braucht nicht noch mehr Betreuer. Geldeinteilung, damit er nicht jeden Monat Mittellosigkeit beim Amt geltend machen muss oder mal den B-Schein zahlen kann, weil er umziehen will. Das stagniert seit Monaten. Nein, er fängt eh bald an zu arbeiten. Mit fällt auf, dass eine Scheibe seiner großen Fenster komplett ohne Glas ist. Das war dem Pfleger noch nie aufgefallen. Das sei schon länger so, wie es passiert ist, kann er nicht sagen, aber es sei kein Problem. Er heizt und sei nicht so ein Frostköttel. Ja, aber das wird noch Probleme geben wegen der Heizkosten. Er ist unkonzentriert und fragt immer, was gerade gesagt wurde, versteht alles falsch und schmeißt mich raus und ist sehr Aggro dabei. Der Pfleger will es mal ohne mich probieren und ich schicke ihm die Kontaktdaten zum ambulant betreuten Wohnen, was sich Herr Ihme selber ausgesucht hat. Wir werden sehen, wie das weiter geht.

Beim Yoga viele Balanceübungen. Da bin ich Pumpe, aber nein, ich ärgere mich nicht und kann mich immer gut auf mich selber konzentrieren. Die anderen interessieren mich null. Mir kommt der Gedanke, dass wir zu viel Wien machen und zu wenig Berlin; unsere Freunde dort vernachlässigen. Dabei liebe ich sogar das Verpackungsmaterial von Dir, Heike und habe jede einzelne Sushi-Serviette benutzt und nutze sie noch, das heißt nach dem Nutzen dient sie noch an der Espresso-Maschine als Wischlappen und ich freue mich daran und denke an Dich!

Abends gibt es abgelaufene Kekse aus England, die aber immer noch schmecken. Letzte Packung. Lange Zeit habe ich sie wohl nicht gegessen wegen meiner Verdauungsprobleme. Das hat 2014 fast 4 Monate angedauert. 4 Monate Durchfall und mehr als 1 Monat Blutung. Das ist die Bilanz 2014, aber es erscheint mir halb so schlimm im Rückblick. Stephan liest Blick und ich verwechsele immer Österreich und die Schweiz. Ach so, SBB ist Schweiz. Hier arbeiten vorbestrafte Deutsche als Securities (Rowdies?). ich schaue alte Fälle durch, die weg können. Die Vertretung eines Kirchenmannes, der Frau unverheiratet zusammen gelebt hat (seine erste hatte sich umgebracht, 7 Kinder). Das war seinerzeit mit Disziplinarverfahren vor den Kirchengremien. Sein erster Anwalt war aus der Kirche ausgetreten und durfte da nicht auftreten. Es ging um eine lebenslange Absicherung und einen Vergleich. Man, was ich alles schon gemacht habe. Dann das Foto einer Betreuten, die verstorben ist. Ich behalte die Kopie des Stammbuches, weil der Name so doll war. Die hat 1948 schon in dem Haus am Engelbosteler Damm gewohnt, in den ich 2002 oder so ihre Betreuung übernommen habe. Da hat sie das zweite Mal geheiratet, den Autoschlosser mit dem lustigen Nachnamen. Der erste Mann war im Krieg geblieben. Ich glaube, er war dann doch wieder gekommen, aber sie was schon neu verheiratet, aber das weiß ich nicht mehr so genau. Es war jedenfalls die zweite Ehe. Sie hatte eine sehr verwohnte Wohnung und sprach immer von ihrem Mahagoni-Schlafzimmer. Damals und auch heute denke ich, das ist positive Demenz, die Bruchbude als Schloss sehen. Auf den Jugendfotos hatte sie einen Foxterrier (Bilderbuchfotos der 50er Jahre). Sie hat als Frau Post ausgetragen und wusste jeden Laden, der damals auf dem E-Damm war. Nur Soltendieck und einzelne davon waren zu meiner Zeit noch da. Damals gab es kleine Kinos, in denen endlos ein Film lief und so was. Sie hat immer gesagt: „Durst ist schlimmer als Heimweh“. Das war einer ihrer Sprüche. Sie trug gerne gemusterte Strickjacken mit Löchern. Ich habe eine Vorsorgewollmacht beim Bestatter um die Ecke für sie abgeschlossen, aber lese dass das Geld nicht reichen sollte, weil sie plötzlich verstorben war und ich noch vorgeschlagen habe mich zur Testamentsvollstreckerin einzusetzen, damit ich ihren Bestattungswillen durchsetzen könnte. Das ist wohl nicht mehr passiert. Ihre Schwester war als Kind gestorben und das war ganz schlimm für sie gewesen. Vieles ist zwischenzeitlich auch von mir vergessen worden.

22.01. Träume, dass wir in Straßburg (soll das sein, kleine malerische Stadt mit tollen Metzgereien sind). Ich bin mit meiner Schwägerin bei einer und probiere mich durch das Sortiment. Die Angestellte macht ganz süß frischen Salat, den sie wäscht und vor meinen Augen zubereitet. Keiner will Blutwurst mit mir probieren. Der Metzger ist jung und schlank und sehr sympathisch. Um 12 schließt er gut gelaunt seinen Laden. Wir zeigen den anderen (Familienfest ?) die Stadt. Überall sind Bäume und Alleen und über einem ist ein dicht bewachsenes Blätterdach. Letztes Mal haben wir auf der anderen Seite gewohnt. Dann besuchen wir Verwandte, die einen Wohnwagen haben. Durch ein kleines Loch gelangt man nach oben in einen Spitzboden unter dem ein Gästebett steht. Unten sieht man durch die Fenster Wald. Das ist schön, lobe ich. Hier könnte man Yoga machen. Ob wir was dazu bezahlen und in das Projekt einsteigen wollen. Nein, ich habe zu wenig Ahnung davon. Höchstens mal mieten, wenn wir in der Stadt sind. Dann geht es um einen Floß oder ist es ein langsames Motorboot, was der eine Sohn mit Gästen fährt. Ich schwimme gegen den Strom.

Unser ehemaliges Uni-Gebäude Hanomag wird umgebaut. So ändern sich die Zeiten. Hier haben wir Parties veranstaltet, auch private, Mottoparties, die ich mit Susanne Peters dekoriert habe und es wurde geheiratet. Ein später Start in den Tag. Gestern dachte Stephan, dass heute schon Freitag ist und musste einen Tisch noch mal umbestellen. Es ist die erste 5-Tage Woche des Jahres und damit schon sehr lang. Kaufe ein Heft am Kiosk, was ich verschicken will, aber das ist bestimmt schon aus der Mode und der Junge hat andere Hobbies. Es ist wenigstens eine Geste….Das Haus verlasse ich fast mit zwei unterschiedlichen Schuhen. Das wird auch noch mal passieren.

Die Probleme der sozialen und kulturellen Einrichtungen mit dem Mindestlohn. Muss unser Jugendclub schließen? Stephan sagt, die sollen einfach die Preise erhöhen damit die Leute von ihrer Arbeit leben können. Das hat auch was, das Argument. Man muss auch wenn man ein Projekt mag nicht für 5,- € die Stunde dort arbeiten und die Leute zahlen auch 14,- € Eintritt fürs Kino. Warum müssen Diskoeintritt und Alkohol so billig sein?

Ich fühle mich gut, wie ich bei der Kälte Rad fahre, heldenhaft geradezu. Unterwegs erfreue ich mich an meiner Stadt, an den Menschen. Der Schwarze mittleren Alters mit der selbstgemachten Häkelmütze mit Rand in Braun mit orangefarbenen Blumen darauf. Klingt doof, steht ihm aber ohne Ende. Den würde ich sofort für einen Mode-Blog fotografieren. Ein korpulenter Mann überholt mich auf der Brücke zwischen Nordstadt und Hainholz und ich entschuldige mich, weil ich Schlangenlinien gefahren bin. „Macht doch nichts“, sagt er. Ich habe gute Laune und bekomme sie zurück. Man lächelt sich an, auch im hässlichen Hainholz. Ich mag’s. Auch über das JVA-Fahrzeug mit der Werbeaufschrift Sicherheit und Chancen oder so ähnlich muss ich lächeln. Ich würde auch gerne im Nordstadttreff arbeiten. Das würde mir auch gute Laune machen. Vielleicht sollte ich noch mal überlegen was Ehrenamtliches zu machen. Ich wollt eine Handarbeitsgruppe im Knast oder besser noch Maßregelvollzug anbieten. Am besten in Hildesheim. Da war es so schön deprimierend, aber die Faulheit und der Egoismus standen dagegen, dass ich mein Ehrenamt angehe.

Meine Betreute und Buddy, der schlecht erzogene Dackelmischling. Heute geht es um seine Legalisierung und ihre Privatinsolvenz. Er ist verwöhnt, kann aber Kunststückchen wie ein Zirkuspferdchen. Er kommt zwar nicht immer, aber wenn es darauf ankommt, dann weiß er sich zu benehmen, so meine Betreute. Er steht auf meine Strenge und wenn ich lange Rede kommt er zu mir und setzt sich ganz nahe. Sie hat jetzt Schulden, weil sie ihn angemeldet hat, rückwirkend ab Juli 2012. Therapiehund, Hundehaftpflicht. Sie ist der Meinung keine Sachprüfung machen zu müssen. Die Argumente sind hanebüchen, aber sie will mir den Gesetzestext erläutern. Dann erklärt sie mir, dass es ihm gut geht und was er alles für Futter bekommt. Auslauf wäre besser, das ist ihm auch wichtiger als Frolic. Er muss beschäftigt werden. In Wirklichkeit hat sie schon Buch und DVD bei Hugendubel gekauft (nach Empfehlung der Tierärztin) und hat Angst bei der Prüfung durchzufallen und dass man ihn ihr dann wegnimmt in der festen Überzeugung, dass er nur bei ihr glücklich ist und einem anderen Halter weglaufen würde zu ihr zurück. Das ist schon ziemlich wahnsinnig so eine Vorstellung. Ich denke, er würde gerne mit mir mitkommen und dann schön klare Regeln und für sein Futter arbeiten. Ich sage ihr, da sei noch nie einer durchgefallen und Mischling wegnehmen tut man sowieso nicht. Bei den ganzen Hunden, die keiner will ist man doch froh, dass sie von ihrer Sozialhilfe das Markenfutter kauft und das Hähnchen kocht. Der ambulante Wohnbetreuer kommt zu spät und ich hetze ins Büro zurück. Eine treffe ich unten, eine andere wartet. Die kommt immer zu früh. Das spreche ich an, weil die Kollegen sonst genervt sind. Uhrzeit einhalten ist wichtig. Die dritte Geldausgabe ist Elisabeth, die zwei Handyverträge abgeschlossen hat, einen für privat und einen für geschäftlich oder Partnerhandy mit dem Typen, der neulich als Polizist verkleidet da war. Das lehne ich strikt ab. Die Verträge sind nicht angekommen und deswegen wollen sie ihr jetzt die Handys in Rechnung stellen. Immer wenn sie diese blau-weißen Briefmarken verwendet passiert das, schon das zweite Mal. Bei der Spritze war sie. Wie hat es neulich mit den Handwerkern geklappt und der Thermenwartung. Der hat so lange gebraucht, dass sie sich hingelegt hat, sie war bei Kind um ihr Gehör testen zu lassen, will ich die Karte, nein und ich sehe heute gut aus in Schwarz. Die Freundin ihres Bruders, die kann Ikea und dann der Lippenstift mit Beleuchtung, Alessandro, ist italienische Firma, bei Kaufhof gibt es die, aber kann man nicht aufladen. Würde mir stehen der Lippenstift zu dem schwarz. Ich sehe heute besonders gut aus. Das und tausend andere Themen. Sie labert mich um den Verstand. Nächste Woche neues Foto für Schwerbehindertenausweis und Quittung für Asthma-Mittel einsammeln und mitbringen. Nein, die kommt bevor die Monatskarte abgelaufen ist, Einzelkarte kaufen, das will ich nicht. Der neue Vermieter ist gierig und will mehr Miete. Er deutet den Mietvertrag anders, aber seit 2009 wird in einer bestimmen Höhe gezahlt und das gilt, auch wenn er gierig ist. Das kostet mich alles Zeit. Ich habe kalte Füße und will heute früher nach Hause und kein Sport, nur Gemütlichkeit.

Während ich beim Dadakünstler vorbei schauen wollte als ich in Hainholz war, war der bei uns zuhause mit lauter Geschenken für mich. Schmuck, den ich zum Teil weiterverschenken will und ein origineller Gürtel, den man mit einem Stift sichern muss.

Im Fernsehen läuft das perfekte Dinner in der Hauptstadt mit schlimmen Tussis und Hundebesitzerinnen, die Angst haben, dass ihre Tölen sich auf dem ungewischten WG-Fußboden Herpes holen. So was Blödes habe ich lange nicht gesehen. Spießig ohne Ende. Nur die schlampige Gastgeberin, die auch einen ausgeglichenen Hund und ganz lecker kocht macht einen sympathischen Eindruck und einer der Gäste. Die anderen Vollkatastrophe an Oberflächlichkeit und Doofheit. Armes Berlin. Da denkt man manchmal, die haben es besser. Pustekuchen.

23.01.15 Ich träume von einem Gruppenausflug in den Dschungel. Wenn wir ein Zelt hätten gegen den Regen wäre das gut. Irgendwie bedrohliche Wesen, die aussehen wie Strichmännchen, sich schnell bewegen und Außerirdische sind wie bei Predator. War aber nur Tagesausflug und ist noch hell, aber schon 20:30 Uhr als wir am Hauptbahnhof ankommen. Es muss Sommer sein. Ich werde um 5 Uhr wach und dann wieder um 6 und dann reicht es mir. Was um die Uhrzeit in den Stadtbahnen los ist, krasses Paralleluniversum und die Nacht am Morgen ist am krassesten. Das Hochhaus des Todes, Spiegel-TV Bilder über ein Hochhaus in Südamerika, was nicht zu Ende gebaut wurde, Neubauruine, erinnert mich an das Wohnszenario von Herrn Ihme, so ohne Fensterglas, ganz offen im 6. Stock. Hochhaus des Todes im Linden.

In der Bahn Richtung Misburg junge gutaussehende Männer die im Stehen in Chirurgiebüchern lesen. Das hat was Rührendes, Klassisches, was immer gut ankommt und irgendwas in einem auslöst, so emotional, wie junge Hunde, so sympathisch und hoffnungsvoll. Am Kantplatz steigen auch alle um, die zur Lathusenstraße wollen. Es wird viel geraucht bis der Bus kommt. Ich bin vor der Gutachterin da. Ich hatte ihr gesagt, dass es nicht meine Uhrzeit sei und nicht, dass ich es nicht schaffe. Meine Betreute ist im Nachthemd und das Bein sieht aus wie eine mehrfach in heißem Wasser aufgeplatzte Wurst. Irgendwie ist Haut vom Oberschenkel drauf, aber sie und ich können beide kaum drauf schauen. Die Spaltung ist hinten und vorne und das Bein etwas 4 mal so dick wie das andere und dann das herausquellende Fleisch, was aber auch irgendwie Haut sein soll. Die Gutachterin schlägt vor mit dem Hausarzt über stärkere Schmerzmedikation zu sprechen (Opiate) und wir füllen gemeinsam den Fragebogen für den Behandlungsfehler für die Krankenkasse aus.

Der Bus kommt erst in 4 Minuten. Schnell noch zum Bücherschrank am Schaperplatz. Bildband Budapest und Psychoanalyse und Justiz nehme ich mit, im Zweifel um den Bücherschrank in der Josefstadt in Wien wieder aufzufüllen. Beides finde ich thematisch passend.

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Die 80er Jahre Armreife für die Tochter der Kollegen. Alle sind zuversichtlich, dass die aber ankommen werden in rosa/schwarz, gelb/schwarz und hellblau/schwarz. Die Postkarte für Michi. Meine Schwiegereltern wissen was mir gefällt.

Im Anwaltszimmer ein neuer Zettel statt „Akte unter dem Fach bitte mitnehmen“, soll ich mich bei Frau Reimann melden. Muss mir das Sorgen machen? Mein Mann hat angeblich vergessen den Empfang seines Mitarbeiterausweises zu quittieren.

Chips aus der Schweiz. Ich bekomme Kopfschmerzen davon, weil ich sie nicht geteilt habe. Meine Betreute ist in der Schweiz und hält mich auf Trab. Grüße aus Zürich und so.

Meinem gutaussehenden Schwimmer ist der rechte Fuß abgebrochen. Das tut mir leid, war vermutlich der Handschuh, ich habe ihn reingezwängt und er ist hängen geblieben und der Fuß wurde abgerissen und er ist jetzt schwerbehindert. Ich werde weiter machen bis der Kopf auch noch ab ist, aber der ist gottseidank unter Wasser und damit geschützt.

Viel Schreibarbeit den ganzen Nachmittag über. Ich schaffe es nur bruchstückhaft. Das macht immer nicht so gute Laune, wenn das Wochenende ansteht. Der Kollege probiert heute das neue Kinoerlebnis mit Liegeflächen, dass umgebaute Cinemaxx in der Nicolaistraße. Seine jüngere Tochter kennt das schon und auch die Darstellerin Bibi, deren Film sie dort gesehen hat. Die sind zusammen geritten, ganz ohne Star-Allüren.

Meine Sportlehrerin ist die Beste. Es hat was von einer Kinderärztin, wie sie uns Schmerzen zufügt um gleich davon abzulenken so nach dem Motto, schau mal das Vögelchen und war was? Bin ich Maso? Ich mag die Schmerzen und fühle mich besser danach.

Ein Bekannter wird 50 und wir sind nicht eingeladen. Das löst irgendwie das Gefühl der Erleichterung bei mir aus, auch, dass ich Morgen nicht auf’s Konzert in die Faust mit muss. Ich bin 5 nach 7 da und hatte erst für Viertel nach den Tisch bestellt, weil ich wusste, dass ich nicht ganz 7 Uhr schaffe. Michi bekommt die Hannover-Vase für sein Vorstandszimmer und einen blau kolorierten Jüngling mit Pagenschnitt und bauchigem Saiteninstrument, eine Postkarte, die meine Schweigereltern in einem Stapel voller alter Karten für mich dagelassen haben. Ja, die wissen was mir gefällt. Michi lädt uns ein. Mal zusammen nach Venedig. Mir würde es gefallen.

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In die Galerie Lunar. Ja, wir kommen spät und waren Essen. Ich spreche gleich das Thema Heizkostennachzahlung an. Gewundert hätte es mich nicht, wie die Frauen immer geheizt hätten wie die Weltmeister und das auf der Fabriketage. War irgendwie klar, dass das teuer wird. Die Bilder von Ralf gefallen mir nach wie vor. Ich bin über ihn überhaupt damals in das Atelier gekommen, weil ich seine Bilder in der MHH gesehen habe (Kestnergesellschaft stellt dort aus, so das Motto) und sie mir sehr gefallen haben, ich dann als Käuferinteressentin mit ihm Kontakt aufgenommen hat. Sie sprechen mich immer noch an. Der Mann hat Humor und Talent. 2 kleine Gouache zu 240,- €. Ist Schnäppchen. Das Problem ist nur, wo hängen. Andere Ehemalige aus dem Atelier sind auch da. Laura ist bei der Stadt Hannover gelandet und froh darüber. Spreche sie auf meine Buchstaben an. Sie ist unglücklich angesichts der Aussicht, dass ich sie wieder einfordern und nach Wien bringen will, weil sie wohl auch erkannt hat, dass sie ziemlich kultig sind, so wie Sunla es vorher schon wusste. Katharina ist im alten Schlachthof untergekommen, da wo sie die AOK abgerissen haben und Ralf ist in Döhren, wo er eh wohnt. Die Auflösung des Ateliers scheint für alle gut ausgegangen zu sein. Ingrid, die Vielheizerin und Stefanie, die nie da war, beides Lehrerinnen, sind auch irgendwo zusammen. Passt ja. Zu dem Fünfzigsten gehen wir nicht mehr mit, obwohl wir könnten. Ich frage dafür an nach einer Whippetverabredung für den nächsten Tag, aber ob hier so spät noch emails gelesen werden ist die Frage.

24.01. Irgendwie begehen wir einen Mord, lassen einen Typen, Shop-Inhaber, senkrecht mit seinem Flughafen auf den Boden krachen und schauen, ob er drunter liegt und wirklich tot ist. Dann geraten wir in eine Polizeikontrolle und sie nehmen unsere Personalien auf. Das ist sehr ärgerlich, weil sie dann nach dem Fund der Leiche ermitteln werden und unsere Mittäterin kennen wir nicht so gut. Da kommt es darauf an, ob die dicht halten wird und sie jetzt zu oft sehen oder Kontakt mit ihr aufnehmen, wäre auch unklug. Das Ganze spielt in Berlin. Später ist es so, dass der Typ einfach verschwunden ist und auch abgehauen sein kann und nicht tot und sie dann vielleicht nicht so unmittelbar nach dem Täter jagen werden. Dafür haben wir eine Giraffe aus dem Zoo, die angebunden ist. Sie ist domestiziert, aber man muss ihr Grenzen setzen, weil sie sonst mit dem langen Hals den Küchentisch absucht. Unsere große Mitbewohnerin ist sehr streng und kann das gut.

(Dieser Traum ist eine Mischung aus Breaking Bad, den neuen Folgen, die wir begonnen haben zu gucken und wo ich immer denke, diese Ehefrau ist so ein Risikofaktor und so doof und unsympathisch und der Szene im Büro gestern. Die junge Tochter des Kollegen ist streng zu dem Bürohund und lässt ihn Suchspiele machen. Selten hatte er so eine gute Führhand. Kinder machen das instinktiv oft richtig, das hat auch Cesar immer wieder festgestellt).

Ich wache früh auf und könnte eigentlich noch mal zum Sport. Dafür hätte ich mich früher entscheiden müssen.

Die Whippetverabredung ist verhindert, aber ein andermal. Der neue Gürtel von Gerd hält meinen Wanst und drückt angenehm meine Eierstöcke und Gebärmutter in den Bauch. Auf dem Weg ein Hofflohmarkt in der Kochstraße und ich kaufe Lauch und Möhren aus Stoff für 30 Cent, dann weiter. Das Laufen von und mit Suki ist eine Freude für mich und ich bin so gerne mit ihm unterwegs. Wir verstehen uns und passen zueinander und natürlich gibt es wieder viele „süß“ Kommentare anderer Hundebesitzer. Nicht nur süß, sondern der Süßeste. Er weiß was es heißt, wenn ich die Kamera zücke.

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Wenn ich mal in den Keller gehe finde ich auch gleich eine tote Maus. Der alte Kamelhaarmantel meiner Oma als Hundedecke hat schon Feininger und Eis getaugt. Stephan bringt Fleisch aus dem Büro mit. Bei der Kollegin ist das Gefrierfach ausgefallen. Ich brate gleich 2 Stücke in der Pfanne. Ich habe Lust auf Gastro und so haben wir einen frühen Tisch in unserem Restaurant Wetter, das hannoversche Äquivalent reserviert. Das Maronenrisotto mit Lardo ist der Hammer und macht glücklich.

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Steffi kommt zum Nähen und schaut sich geduldig alle Neuanschaffungen aus Nürnberg und Wien an. Ich habe ihr ausgemusterte Klamotten mitgegeben, einen Sack voll, aber warum soll sie nur meine alten Altkleider bekommen und nicht auch welche von den neuen Altkleidern? Wenn sie ihr besser stehen und sie sich freut und die Kleidung so ein vorzügliches, neues Zuhause bekommen, dann darf ich nicht geizen. Wir überlegen, dass ich Suki einmal die Woche sitte und wollen das Donnerstag ausprobieren. Ich habe Bedenken, dass er sich mit Alfons einkläfft und es für alle unerträglicher wird, dann geht es nicht, darum der Versuchsballon. Ins Beckmanns und dem Inhaber sagen, dass er ins Wetter und Hohensinn muss, wenn er mal in Wien ist. Es gibt Maronenrisotto mit Lardo und Winterkabeljau mit Muschelsud und Kartoffelpüree. Sehr lecker. Dann gehe ich wieder aufs Sofa und Stephan zum Konzert in die Faust. Sonntag probieren wir es mit dem Hirschfleisch. Ich habe Unterleibsprobleme ohne Blutung. Das beunruhigt mich immer sehr und ich verbiete mir Schmerzmittel, wenn ich nicht blute. Ich wickele mich in eine Wolldecke, Wolle direkt auf nackter Haut, das hilft mir bei so was, sage oft laut Aua und mache Gymnastikübungen im Bett gegen die Schmerzen.

25.01. Ich träume von Heike. Wir sind einkaufen, d.h. ich habe schon und die Frauen suchen die Geschäfte noch mal auf, wo ich meine Modeschmuckschnäppchen gemacht habe, die ich natürlich nicht auf Anhieb finde. Irgendwo hier in der Straße. Heike probiert Metallicleggings mit heftigen Schlangenmustern an (das war eher Steffi mit den Metallicjeggins, die davon erzählte, aber einfarbig). Jan ruft mehrfach an auf dem Handy und ist krank und alleine zuhause. Statt hinzugehen, wollen wir zu Ende shoppen und sie kauft ihm stattdessen was bzw. findet eine kleine Ledertasche auf einem anderen Fahrradsattel und nimmt sie mit (eine Mischung aus finden und klauen). Irgendwie ein komischer Traum, aber da kann man ja nichts dafür. Er hat natürlich mit mir zu tun….auch klar.

Immer noch Schmerzen, Tee, doch ein Schmerzmittel. Basteln. Mein Kollege hat mir um 12:55 Uhr eine SMS geschickt. Das entdeckt Stephan. Es geht um eine Hexe aus der Vergangenheit, die ihm immer wieder über den Weg läuft in letzter Zeit. Mein Rechner macht Autokorrektur Delfin. Auch lustig. Dazu läuft Händedarstellungen in der Kunst auf arte. Ich habe die Idee, die großen Eselsohren aus Pappmache zu machen statt zu nähen. Es hat Vorteile, weil es leicht ist und stabil und man größer arbeiten kann.

Hirschgulasch wird sehr lecker mit etwas Preiselbeermarmelade, Petersilienwurzel, Birne. Kette für Wien, Kette für Straßburg, Unterleib doof, Blase doof. Ich habe lauter TCM-Tees und weiß nicht mehr was in welcher Dose drin ist und welcher für was war. Können die alle weg oder die Ärztin soll sie noch mal zuordnen, aber wie. Steffi hat gleich ein neues Kleid an und ich lese die What’s App mal ausnahmsweise selber und zeitnah. Es läuft eine Dokumentation über eine Kinderoper, die im KZ Theresienstadt aufgeführt wurde und jetzt mit Problemjugendlichen nachgespielt wird. Brummi-Bär oder so. Sehr eindrucksvolle Reportage. Vor allem die Zeitzeugin, gut aussehend mit viel Präsenz, die damals die Hauptrolle gespielt hat. Sie lässt sich von den jungen Mädchen interviewen. Nein, am Selbstmord haben sie nicht gedacht, sie wollten singen und leben und haben Pläne geschmiedet für die Zeit danach. Sie wurde von ihrer Schwester getrennt und hat sie nie wieder gesehen. Die Interviewpartnerin weint und denkt an ihre eigenen Geschwister. Sie beantwortet alle Fragen, erklärt sie den Mädchen. Sie würde gefragt, ob sie Unterwäsche trugen und ob sie Sex hatten. Nein, Sex sei kein Thema gewesen. Daran hätten sie damals nicht gedacht. Spätzle mache ich erst als Micha mir als Gastgeschenk einen Löffel mit Loch drin mitbringt aus dem Hausrat seiner Vaters.

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Ich fühle mich geehrt und der Löffel ist perfekt. Hat ein gutes Karma, nicht nur Plastik, aber eine total tolle triste Farbe. So hat Steffi mir schon meinen 50er Jahre Wollpullover mit dem Blumenmuster madig gemacht, indem sie mich fragte, ob ich wohl auch Mauve mögen würde. Nein, mag ich nicht, aber ich hatte den Pulli als gelb und grün und farbenfroh abgespeichert und Küchenwerke mag ich in Mauve sehr gerne und im Handumdrehen ist der Spätzleteig geschlagen. Das geht immer schneller. Ein Glas Rotwein. Geflügelchorizo gibt es nicht, nur Flaschenbürste. Heute läuft Matchball mit Scarlett Johansen. Hatte der Kollege erst Freitag empfohlen. Einschlafen geht nicht. Irgendwie Hölle mit dem untenherum. Ich will mir jetzt doch alles rausschneiden lassen. Ich bin soweit.

VAGINA

12.01. Abends Schweizer Cracker und Käse aus Wien. Bewundere meine Lebensmitteleinkäufe. Der abgeranzte Blütentee und die Billa-Einkäufe. Die Pfefferminzbonbons sind mir allerdings zu scharf. Die bekommt meine Schwiegermutter.

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13.01. Ich sitze in einem Berg voller Post. Herr Ihme ohne Termin. Bringt mir Unterlagen. 2 mal polizeiliche Anhörung wegen Schwarzfahren und die Krankenkasse will ihn rausschmeißen, weil er 23 geworden ist. Das Schreiben stammt von Mitte Dezember. Die sollen mir schreiben, die Deppen.

Meine Betreute Afrikanerin nimmt die Spritze nicht. Ich fahre spontan ins Frauenwohnheim. Es geht ihr gut. Sie hat einen Korb geflochten und einen Perlenvirus gebastelt, den ich gleich lobe. Beides Ausflüge in die Ergo, die sie eigentlich ablehnt. Ich erkläre ihr die Risiken, dass ich eine erneute Einweisung beantragen muss, wenn sich das ändert und es sei ihr immer zeitnah schlechter gegangen, wenn sie die Medikamente nicht genommen habe. Das hätten wir mehrfach erlebt. Sie sagt, ich soll optimistisch bleiben und das wäre sonst o.k. mit der Klinik. Sie will Gespräche führen und, dass die das dann beurteilen, wie es ihr geht. Außerdem will sie eine christliche Therapeutin. Ich sage, erst mal wichtig ist, dass die gut ist, sie will ja keine Kinder mit der Zusammen erziehen und wenn die Brötchen schmecken, dann ist die religiöse Orientierung des Bäckers zweitrangig. Sie lacht und hält dann einer Mitbewohnerin die Tür auf. Das ist für mich ein guter Kompromiss, den wir der zuständigen Mitarbeiterin des Wohnheimes gemeinsam erklären. Ich hoffe, dass ich sie dann auch noch lenken kann, wenn es wieder bergab geht und versuche ihr auch diesen Ansatz näher zu bringen. Heute bekommt sie von mir die Bescheinigung „gesund“, dass alles gut ist. Wenn es ihr schlechter geht, kann man nicht mit ihr reden und dringt nicht zu ihr vor. Sie ist dann in ihrer eigenen Welt, erkläre ich ihr. Es müsse nicht immer mit Feuerwehr ins Krankenhaus. Ich bin 15 Minuten entfernt, wenn ich mich auf mein Rad schwinge und kann sie auch zum Arzt begleiten oder auch freiwillig ins Krankenhaus. Diese Worte soll sie noch mal berücksichtigen und ja, ich bin immer optimistisch und will, dass es ihr gut geht.

Mittag zuhause den kranken Mann versorgen, der mit Grippe im Bett liegt. Bei ihm sind 38 ° wie bei mir 41. Ich habe Obst und Gemüse gekauft und bereite gegrillte Paprika von für den Abend. Lecker sind die geworden in der Pfanne angeröstet mit Knoblauch und Essig, etwas Zucker, Salz und Pfeffer. Mein Cousin ruft mich an wegen der Familienfeier. Stadt Hotel Gernsbach sage ich nur.

VAGINA.

VAhrenwalder

Gegen die

Inflationäre

Nutzung von

Abkürzungen. Wie geil ist das denn? Ich liebe es und weiß, warum ich in Hannover lebe. Das ist genau mein Motto.

Eine Betreute braucht diese Woche früher Geld für Medikamente, eine andere ist krank und sagt den Termin schon das dritte Mal ab.

Endlich mal wieder schwitzen im meinem Sportstudio. Wie herrlich. Auf Plakatwänden prangt: „Happy Birthday, Elvis“. Macht man das? Einen Toten zum Geburtstag gratulieren als wäre nichts? Ich weiß nicht. Noch was: Immer wenn ich am Lichtenbergkreisel nach Hause fahre denke ich an die leckeren Kardamon-Kekse, die es dort gab mit ganz viel Butter und die ich dort – auch für Zuhause gekauft habe. Dann war der Koch/Bäcker weg und ich verzehre mich nach den Keksen. Mal eine Chiffre-Anzeige in der Haz. „Suche den Kardamon-Pistazien-Keks-Bäcker, der mal im Zweitladen von Frau Weißwein- und Lachbar am Lichtenbergkreisel gebacken hat. Bitte melden, ich vermisse Dich und will privat was mit Dir anfangen“….

Wienheimweh. Vorstadtweiber. Schlafe im Gästezimmer.

14.01. Die Akustik unserer Nachbarn von unten ist vom Gästezimmer aus eine andere. Versorge meinen Mann, treffe den Weihnachtshund und fahre zum Landgericht. Meine Betreute wartet mit ihrem Nachbarn vor dem Sitzungssaal. Sie hat Angst, soll ihn einfach „net amol ignorieren“. Die Ex sitzt im Zuschauerraum und berichtet uns alles. Sie ist da, weil sie sehen will, wie er eine Kelle bekommt. Hat ihr damals in den Bauch getreten als sie schwanger war. Wir erkämpfen Zeugenentschädigung für die Begleitperson. Die Protokollkraft begleitet mich nach oben und wir fragen bei der Fachfrau der Zeugenerstattung. Der Richter hatte schließlich sogar die Übernahme von Taxi-Kosten angeboten. Ich gebe ihr ihren Pflegebescheid. Sie hat jetzt Pflegestufe I seit Dezember und bekommt Geld. Der Nachbar soll auch was abbekommen. Das ist ihm egal, wie er sagt. Er macht es so. Das weiß ich ja, hat er ja schon bewiesen, aber es wäre doch eine nette Anerkennung und die Tochter will mit ihm teilen. Ihre Aussage wird nicht mehr benötigt. Es wurde offenbar ein Deal gemacht mit der Staatsanwaltschaft und er kommt nach Hameln ins Betreute Wohnen. Jetzt haben beide Frauen wieder Angst und der Nachbar, dick mit abgekauten Nägeln, der 11 ½ Jahre gesessen hat weil er einer alten Frau, die für 20 Mark ausgeraubt wurde zur Hilfe gekommen ist und dabei wohl übertrieben hat und Kampfsport konnte und daher gleich abgestempelt wurde, versteht die Welt nicht mehr.

Auf dem Rückweg 2 neue Wienhandtücher mit Apfelstrudelrezept und Rahmstrudel (noch passender als Gugelhupf), aber wer hätte gedacht, dass ich davon noch 2 bekommen würde (zu je 50 Cent).

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Für weitere 50 Cent kaufe ich ein Stofftier, was ich ausschlachten will für ein Faschingskostüm. Suchte eigentlich nach einer billigen Möglichkeit an grauen Zottel für die Eselsohren zu kommen. Fühle mich ziemlich genial mit der Idee. Statt teuer und neu: Stofftier töten. Bauch von Stofftier aufschneiden, ist große Freude für mich und mal sehen was da noch alles abfällt.

Beim Post sortieren fällt mir die Psycho-Zeitschrift in die Hände und ich denke, den Malstil kenne ich und tatsächlich, es ist Josef Wittich, den ich seit L’Art Brut als Plakat im Zimmer hängen habe.

Mittag zuhause. Kürbissuppe. Butterbrot mit der Rohmilchbutter zu 5,- € (sie arbeiten noch am Preis, im Moment sind es zwei Zwischenhändler, aber sie ist tatsächlich sehr lecker). Die Tochter des Kollegen will meine Mäntel nicht. Schade eigentlich. Dann trage ich sie weiter bis sie ein neues Zuhause bekommen. Fange gleich damit an.

Dann schreibe ich dem Hohensinn und fange ganz plump an zu Duzen im Nachhinein und schriftlich. Ich denke, dass muss wohl von mir ausgehen, weil ich älter bin und sie ja höflich sein wollen zu den Gästen und auch immer nicht wissen, wen sie vor sich haben.

Schön Yoga-Sport, endlich mal wieder auch körperlich und so. Neben mir eine Schwangere. Dem Hund wird der Bauch aufgeschnitten nach dem Essen auf dem Sofa, aber ob das was wird. Hat jedenfalls Spaß gemacht.

15.01. Wieder das Gästebett. Da stehe ich nachts nicht auf zum Pinkeln, vermisse aber meinen Mann und wache morgens orientierungslos auf. Heute geht es in die MHH. Die Richterin hat mich gestern angerufen und aus einer laufenden Sache sind drei geworden. Das lohnt sich richtig. Der Pfleger kreischt vor Begeisterung wenn er mich sieht. Die Türkin, die spuckt und schreit und randaliert und daher fixiert ist und immer davon spricht, dass Gott das von ihr will oder mit ihr macht, ist handzahm bei mir (die anderen trauen sich nicht ins Zimmer) und ich nehme den Postit aus ihrer Hand und rufe ihre Schwester an. Die kommt gleich mit dem Cousin und bringt die Medikamente, die sie dann auch freiwillig einnehmen will. Ich bin für pragmatische Lösungen bekannt. Die andere Kandidatin, deren Beschluss verlängert werden soll, treffe ich im Frühstücksraum. Da gibt es einen Korb mit lecker Würfelzucker und Süßstoff. Ja, ich mache ein Foto. Darf man nicht, erklärt sie mir. Sie kann mit meinem Rückenwind besser argumentieren als die Ärztin und wir bestimmen wo es lang geht. Die Betreuerin ist eine Flachpfeife und wieder nicht da. Die demente Patientin sieht sehr süß aus, eine kleine Person. Sie hat Wasser in der Lunge und wird in ein anderes Krankenhaus verlegt, weil es kein freies Bett in Hannover gibt, muss sie weit weg. Sie hat nichts und will nach Hause. Wir sollen nachschauen, ob sie auf der Liste ist (für Mittagessen). Gut, dann will sie doch da bleiben. So werde ich auch enden.

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Nicht nur der begeisterungsfähige Pfleger, auch an der Haltestelle steht eine Frau um die 60, die leicht behindert aussieht und eine schwarze Strickmütze mit dicken, goldenen Dollarzeichen trägt. Ich liebe Hannover. In der Bahn wird gerappt. Mittags zu Hause essen, daran kann ich mich gewöhnen. Wenn mein Mann krank ist läuft das Mittagsmagazin und der dicke Vincent Klink kocht Eintopf und eine Handwerkerin bastelt eine Staffelei. Ich könnte hängen bleiben, aber die Arbeit wartet. Morgen ist Thema Lederpflege dran.

Die Schweiz ist jetzt um 20 % teurer geworden, erklären mir Mann und Schwägerin. Dann fahre ich da nicht mehr hin, war vorher schon teuer. Was denken die sich, wer sich das noch leisten kann. Da fahre ich lieber nach Wien. Am Nachmittag keine besonderen Vorkommnisse. Ich esse Rahmsablé, die jetzt vermutlich 50,- € wert sind und die Cracker, vermutlich auch mit einem Wert von 2,- € pro Stück. Gut, dass wir vor der Währungsreform noch da waren und kräftig eingekauft haben.

Abends bin ich abweisend zu meiner Schwiegermutter, habe dolle Schmerzen im Unterleib und schmerzende Pickel im Gesicht, gehe früh ins Bett mit Pille, aber wieder das eigene und nicht das Gästebett.

16.01. Alptraum mit Wasserschaden und alle Freunde tragen für Jan, er ist organisiert und ich schleppe etwas von meinem Chaos ins Treppenhaus und blockiere alles und alle sind sauer auf mich. Ich weiß nicht, was ich machen soll und bin überfordert, wo wird das Wasser durchkommen, wie kann ich was retten. Im nicht vorhandenen Spitzboden sind die Gästebetten nass und die Matratzen haben unten Maden dran. Das zeigt mir eine Putzfrau. Eklig, ich bin überfordert und finde alte Fotos der Essener Freunde, die ich nicht kannte und für Kalender brauche. Die Jungs sind klein und ganz niedlich. Das ist noch das Gute, sonst weiß ich nach dem Erwachen, dass ich Klamotten aussortieren muss, womit ich schon begonnen habe, weil ich sonst ersticke und mich das überfordert, meine eigene Sammelwut.

Familiengerichtstermin. Mein Betreuter wird das Sorgerecht für seine Kinder behalten. Er hat sogar mich, die zur Not jede Unterschrift leisten kann. Das überzeugt das Gericht. Die Kindesmutter ist frustriert. Ich muss zu Rossmann und dort ist der Text der Verkäuferin im Nachbarregal, die ich nicht sehe, sondern nur höre wieder zu geil. „Das ist alles voller Bakterien. Wir haben auch Junkies hier. Manche Kunden schminken sich mit den Testern…..Sie können das überschminken, wenn es sie stört. Mich stört es nicht, ich kenne das alles, Krebs…seit damals mein Sohn….einfach ein bisschen Abdeckstift nehmen…“. Die Sonne scheint und ich würde gerne einen kleinen Ausflug mit dem Rad machen, aber die Mittagsverabredung sagt ab. Will auch mal Marys im Luisenhof ausprobieren. Den Ansatz dort finde ich gut.

Es gibt eine Schleuse zwischen Amtsgericht und Landgericht/Staatsanwaltschaft und man braucht einen Chip um die Tür zu öffnen. Ein grauhaariger Kollege fummelt auf der falschen Seite am Lichtschalter. Er sei schon länger nicht mehr da gewesen und ich soll es keinem sagen. Zu Recht. Ich finde das wirkt wie der Beginn der Demenz.

Ich muss Sport absagen. Beim Einschlafen werde ich wach davon, wie das Blut aus mit rausfließt. O.k., das will keiner lesen, aber es musste mal gesagt werden.

Das ganze Wochenende wird nach und nach abgesagt. Auch der Geburtstag von Harald am Samstag. Irgendwie wäre alles andere Quälerei. Kann man aus diesem Salzgebäck irgendwie Schmuck machen?

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Das resultiert in einem herrlichem Das-Haus-nicht-verlassen-und-basteln-Wochenende. Ich mache ca. 7 Hütchen, Ketten, Ohrringe. Ich brauche keinen Spiegel zum Hütchen machen. Stephan dient mir als Spiegel. Erstens habe ich Vorstellungskraft und weiß meistens selber was gut ausschaut, sollte ich mal eine Frage haben, soll es so oder so sitzen, dann sagt er mir wie es richtig sein muss und so sehe ich die Werke erst wenn sie fertig sind. Das finde ich lustig. Mustermix ist das Motto bei Shopping-Queen und die Kandidatinnen setzen es alle um wie Vollidioten. Ich bastele eine Weinfrau „Bärbel“ aus Weinkorken mit den Schraubenösen, die Stephan für mich im Internet bestellt hat.

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Eine Amerikanerin soll ihr Baby auf der Straße verbrannt haben, geschockte Anwohner. Ich schaue Stephan an und frage ihn, ob er nicht auch der Meinung sei, dass der Frau geholfen werden muss statt sie zu strafen. Er sieht es auch so. Klar, Baby verbrennen ist schlimm, aber das Leid dieser Frau, die das getan hat. Wenn nur nach Strafe gerufen wird, muss ich an Homesman denken. So fortschrittlich kommt mir dann unsere Gesellschaft vor. Ich denke auch daran, wie wir mal einen alten Rechner ausgemustert hatten den die Tochter unserer Freundin Claudia haben wollte. Ein Betreuter von mir im Maßregelvollzug war auch als Empfänger von mir angedacht worden. Die Tochter sagte damals zu mir, ob er das verdient hätte. Da hätte sie Zweifel. Ich habe ihr das übel genommen und dachte, was ist es an ihr das zu beurteilen. Dieser Mann hat so viel Mist und so wenig Gutes in seinem Leben erfahren und hat so viel weniger Möglichkeiten als wir alle, die wir in Selbstbestimmung leben. Ich fand das arrogant und merke, dass ich bei so was nachtragend bin und es mir lange merke.

Stephan zeigt mir die unsäglichen Kommentare im Standard zu der Demo vor dem Prückel und ich lache über das Transparent: „Meine Freundin hat den geilsten Arsch der Welt. Mich.“ Noch besser sind natürlich die Leserbriefe dazu, die von humorlosem Nichtverstehen triefen. Dann gibt es eine schlechte Wiener Modebloggerin und was fällt den Kommentatoren dazu ein. „Schaut aus wie von Humana ausm Container.“ Das zeugt nur von modischem Unverständnis ersten Ranges. Ich habe wieder so stylische Retro-Klamotten dort gekauft. Die reinsten Schätze. In einer schwarzen Wollkostümjacke aus den 50er Jahre kursiv Schriftzug Hämmerle – Wien. Das scheint ein alt eingesessenes Modehaus zu sein, die Tasche eines gut angezogenen Mannes in der U-Bahn war mir aufgefallen und dann sah ich den großen Laden auf der Mariahilfer und jetzt zähle ich eins und eins zusammen. Hämmerle, gerne, aber nur aus dem Humana-Container…..

10 Tipps für die Warteschlange beim Ski-Lift

Tipp 1: Bete ein Gesätzchen des Rosenkranzes. Du kannst zum Beispiel bei jedem „Gegrüßt seist Du Maria“ Gott für etwas anderes danken oder bitten.

Tipp 4: Ein alter Schmäh, aber immer wieder lustig für zwischendurch: Tipp deinen Freunden auf die Schulter und dann tu so, als ob Du es nicht gewesen wärst. Ich amüsiere mich immer noch köstlich dabei….

(Zitate aus der Kirchenzeitschrift vom Besuch Februar 2014).

Nachdem die Wienreise zu meinem Geburtstag ganz ohne Reisebericht geblieben ist. Es war doch zu stressig in der Gruppenreise und es allen Recht machen wollen und in meinem Wientagebuch findet sich nur das Datum den 17.07.2014 als Eintrag. Schwamm drüber. Dieses Mal sind nur der Hase und ich unterwegs in der Stadt, die wir schon gut kennen mittlerweile, so dass mein Kollege mich nach der Rückkehr immer fragt, ob ich da bald hinziehen werde. Hinziehen nicht, aber ich überlege kurz meine Klimabilanz – auf die mich Tyark gleich am ersten Abend anspricht (ja, ich weiß und geräucherter Thunfisch als Vorspeise auch schlecht, aber mit Rotkrautsalat echt interessant und mal was anderes) – ganz in den Arsch zu fahren und ein Jahr lang jeden Monat ein Wochenende nach Wien zu fahren. Januar und Februar sind schon fix.

Beginnen wir chronologisch. 08.01.15. Harte Landung. Da dürfen die Bandscheiben nicht angeschlagen sein. Das Taxometer rast, Harald ist Minimalist und die Wohnung wirkt eher wie ein durchgestyltes Hotelzimmer. Das Klopapier fehlt auch, wie mir später erst auffällt. Dafür ist der Blick über den Yppenplatz toll und die Eingangstür mit Eisenstäben wird mit einer Kombination geöffnet. Das finde ich immer praktisch. Das Wetter unter uns ist nicht eine verkitschte Tratoria, sondern sehr schick und stylisch mit Collagen u.a. farblich sortiertes Emailkochgeschirr mit passenden Weihnachtskugeln dazwischen. (Ich mache nur schlechtes Foto von dem Arrangement mit Aschenbechern). Nette junge Kellner, italienisch geschriebene Karte und sehr lecker, gerade die Vorspeisen. Gebackener Ricotta mit Linsen und Feigen und ein Hauptgang, der nur aus leckerem Gemüse besteht und ich meine nicht das Übliche bei uns hier mit einer Tomaten-Käse-Sahne-Soße überbacken. Entspannter Abend mit Tyark und später stößt Sandra dazu, die Abendschule macht. Sie haben einen schwarzen Hund aus dem Tierschutz mit einem schönen Gebiss, der nach Cuxhaven nur einmal pinkeln muss und wir so ein gemeinsames Thema. Wir sind älter und vernünftig und übertreiben nicht am ersten Abend. Die Heizung ist volle Möhre an und Stephan dreht höher statt runter. Die Therme springt die ganze Nacht über an.

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09.01. Morgens träume ich realistisch. Meine Eltern sind tüdelig und dankbar. Dietrich lässt durchzählen und verschenkt 10 Stücke Kuchen zu seinem Geburtstag „ans Publikum“. Arnhild hat Shampoo umgefüllt und fragt mich nach einer Binde, gebraucht? wir kennen uns ja gut, eine Frau lacht. Irgendwie eine Familien- oder andere Feier. Dann geht es um einen blau-grünen Pudel mit langem Dackelkörper, der durchsichtig ist, wie aus Glas. Das kann doch kein echter Hund sein. Ich sehe den Schwanz innen im durchsichtigen Bauch. Männer, die ihrem Dobermann Maoam füttern. Ich tanze im Nachthemd und Bettina von unten und die anderen Frauen sind auf sexy gemacht mit langen blonden Haaren. Ich soll den besten Act wählen und entscheide mich für den DJ, der Freitagmorgen so rockig aufgelegt hat. Es sind Schweizer da, denen ich erzähle, dass wir immer bei Billa einkaufen. Ach nee, das ist ja österreichisch, aber irgendwie ähnlich für uns.

Nach dem Erwachen der Blick auf den Yppenplatz. Wir sind voller Tatendrang. Ich mache mit zwei kleinen Kannen die Tee-Melange. Weil wir exotisch aussehen, spricht uns ein Händler unvermittelt an mit „welcome“. Sonst ist weit und breit keiner. Wir lachen uns kringelig und Stephan sagt: „ham and eggs“. Die Tonkunst bestehend aus zerfließenden dünnen Körper mit dem ein oder anderen Symbol dazu sieht zum Fürchten aus und Freud lässt grüßen. Das Rasouli macht erst um 9:30 Uhr auf und wir müssten noch über 10 Minuten warten. Wir frühstücken im Ando Café. Der Tee schmeckt schrecklich. Das ist eine Schande für ein türkisches Café. Das Haloumi-Ei mit Avocado-Creme aber schmeckt gut. Die Altwarenhändlerin macht eisenhart erst um 10:01 Uhr auf, auch wenn sie schon im Laden ist und ich meine Nase platt drücke. Richtige Phantasiepreise und schlechte Laune. Mit einem „ja, bitte“ werde ich begrüßt. Ein paar alte Ohrringe für 2,- € sind gut gepreist, sonst Ramsch für teures Geld. Teller bei denen das Entenmotiv in der Geschirrspülmaschine geblieben ist. 3 Stück nur 20 €, von wegen „Geld sparen mit Altwaren“. Im Schaufenster hängt der Beweis, dass sie billiger sind als ebay. Für das Seidel-Erlebnis ist der Laden nicht schlecht. Stephan sucht einen Trafik auf für eine 72 Stunden-Karte. Wir sprechen es englisch aus traffic und als Stephan wieder kommt, schwärmt er mir vor von einem Zigarettenautomaten, den sie mit einem Bekennerschreiben in die Luft gesprengt haben oder eine Drohung an die Täter hat einer draufgeschrieben. Auf dem Weg ins KHM hält die Bim direkt vor dem Eiles. Kurzer Zwischenstopp wegen alter Zeiten. Den Typen, der mit dem Foto bei uns im Separee an der Wand hängt, kommt mir bekannt vor. Der Keller schaut auf Stephan und fragt: Mehlspeise? Er kennt seine Pappenheimer. Was sind das für Kekse in der Vitrine will ich wissen. Für Veganer, lautet die Antwort, „ohne Zucker“. O.k. hier hat er was missverstanden. Sunla ist schon drin. Velasquez hat immer diese schlecht gelaunten Königskinder gemalt. Die Pferde haben sehr viel und schönes Haar und kurze, dünne Beine. Die Ausstellung haut mich nicht so um wie der Lucian Freud letztes Jahr. Da musste ich heulen, so schön fand ich die Fleischlichkeit und Vergänglichkeit der Bilder. Danach habe ich mich bei Lucas Cranach und dem anderen Zeug gefragt, was die für Barbies gemalt haben, so perfekt und flächig wie hier die Haut gemalt wurde. Bei Velasquez finden sich vor dem Eingang Zitate anderer Künstler, die gesagt haben sollen: Velasquez hat Originale gemalt, alles anderen Kojen oder so ähnlich, so nach dem Motto, nur er konnte malen. Das finde ich mehr als übertrieben. Das KHM ist der Beweis des Gegenteils. Was ist mit Caravaggio? Hallo? Die Archimboldo-Blumenfrauen sind aber sehr schön. So zart und durchscheinende und von den Brustwarzen bis zu den Bestandteilen der Augen besteht alles aus Blüten, dazu versteckte Insekten um auch ein bisschen Morbidität zu haben. Sie sind in modernen Glasrahmen gehängt mit Mosaiken, die sehr gut passen und die Farben aufgreifen. Ja, davon hätte ich gerne eines für Zuhause. Das würde mir auf ewig gute Laune machen. Dann Josefstadt. Teurer Second Hand Designer Laden, ich gehe nicht rein. Überteuerte Kurzwaren, gut davon kaufe ich welche. Ich bin unausgelastet und dann stürme ich den Humana und kaufe mich glücklich. 10 Teile. Eine Frau will Beratung wegen eines Pelzmantels. Macht der sie dick. Ja, steht ihr nicht, der Schnitt. Meine Antwort hat ihr wohl nicht gefallen und sie fragt mindestens noch 4 andere Kundinnen. Er kostet doch nur 400,- €. Ich habe vor der Kasse einen Tsumani aus Altkleidern verursacht. Eine andere hat einen Hund dabei, der alle böse ankläfft und anknurrt. Vorsicht sagt die Frau und ich frage, wer ich oder der Hund. Zur Belohnung wird er an der Kasse wie ein Baby auf den Arm genommen und auf den Rücken gedreht und knurrt weiter. Davor waren wir bei Billa und Bipa und haben Klopapier und alles Mögliche eingekauft und sind schwer beladen. Ich liebe übrigens den Fußhebel an den Mülltonnen und halte die Erfindung für genial. Radwege und Züge können sie nicht, aber Hotdogbrötchen mit Spritzschutz und Beinhebel an der Mülltonne schon. Von jedem Land kann man was lernen und es gibt was, was sie besser machen und man übernehmen könnte. Unter den Heiligenfiguren (der Mönch mit der Taube für 2,- €) steht übrigens San Francisco, aber Billgneuware kaufen habe ich mir verboten. Irgendwo muss ja auch Schluss sein so endlos sonst geschlemmt und gesammelt wird.

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Nach Hause, umziehen und ins Hohensinn. Nach dem Internetauftritt befürchte ich ein schnöseliges Ehepaar, aber es kommt alles ganz anderes. Die Frau ist supernett und wir scherzen, das wir so viel schon erledigt haben, dass wir wieder fahren können, wenn sie nicht noch was weiß. Sie hat leckerste Weine und gibt mir Wientipps u.a. das Hofmobiliendepot und das Café Florianihof, nachdem wir uns einig sind, dass das Hummel kaputtrenoviert wurde. Ihr Witz kommt später bei Sunla gut an. Geht ein Indianer zum Friseur, kommt raus und der Pony ist weg. Der Mann dazu ist auch total nett und kocht wie ein Gott. Wir werden immer wieder mit Zwischengängen verwöhnt. Rote Beete Suppe mit pochiertem Wachtelei und Saibling-Kaviar. Am Nachbartisch etwas ältere, gut situierte Wiener, die Silvester beim Howarth in Berlin waren und bei einer Autoschau und sich für unsere Unterkunft interessieren, privat und wie funktioniert das? An diesem Abend ist alles lecker, das Kalbfleisch von Stephan, was ich sonst nicht so mag, ist total schmackhaft. Ich habe das Wallnuss-Blauschimmelkäse-Risotto und die Nachspeisen, gerade das Kürbiskernparfait sind die Knaller, nicht Kürbiskernnachspeisen für Arme, wie im 11 A, sondern richtig satt. Ich glaube, diesen Laden werden wir im Auge behalten.

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Total befriedigt und glücklich fahren wir zum Antonsplatz und treffen Andras, Sunla und Gela. Ich trinke nur noch Tee, aber Andras macht großzügig Weine auf. Der Trachtenrock aus Hamburg ist vermutlich nichts für Julia, aber der Faltenrock mit Kord in Weinrot steht Sunla. Mal sehen. Um 1 Uhr nehmen wir den Nachtbus. Endstation Psychiatrisches Zentrum. Es ist sehr windig und ich muss meinen Hut festhalten, sonst ist er weg. Die Temperatur im Apartment ist viel angenehmer. Große Erleichterung.

10.01. Markt vor der Tür. Ich kaufe gleich ca. 3 kg Käse und der Bio-Laden im Hof ist toll. Leckerste getrocknete Apfelringe. Jeder schmeckt anders und die Rohmilchbutter zu 5,- € ist sehr lecker. Ich kaufe 2 unterschiedliche Sorten. Am Preis wollen sie noch arbeiten. Es sind zwei Zwischenhändler, dann noch Erdbeeressig und Blütentee, den ich dann für 50 Cent bekomme, weil die Verpackung angelaufen ist und es die letzte ist. Außerdem ein halbes Kilo Wallnüsse. Ich bin glücklich. 2 Ringe bei Milch. Ein Schwimmer (Eisenbahnfigur) im blauen, runden Becken. Die Frauen sind teurer als die Männer, was ich nicht verstehen kann. Das Wetter ist sonnig und Bombe. Stephan bringt die Einkäufe hoch, ich sitze wieder unten im Wetter. Wir wollen zum Kutschkermarkt. Auf dem Weg Antiquitätenhändler, die wirklich schöne Sachen haben. Jugendstillampen aus Metall, die man an einem Flaschenzug nach unten ziehen kann. Er ärgert sich über eine Tussi, die für 3 Biedermeierteile (Vase aus geschliffenem Glas, Wasserkrug mit Silberdeckel und noch was) statt 300,- € 200 zahlen wollte. Dann soll sie mal im 1. Bezirk gucken, was sie dafür zahlen muss. Ich sage, er hat Recht, soll sich aber nicht ärgern. Nein, fährt jetzt den Hund abholen. Zeigt uns den Malteser, der mag die Stadt nicht, zu laut. Er kennt nur den Garten und ihn und die Frau und den Sohn. Alles andere ist ihm zu anstrengend. Dann ein Juwelier, schwuler Sohn und Vater. Die Tür ist abgesperrt. Ich interessiere mich für ein Armband aus verschiedenen Plastikperlen, die farblich sehr gewagt zusammengestellt wurden auf Elastikschnur zu 6,- €. „Das machen sie selber“ erklärt mir der Rentner wie ein Kindergartenkind was auch passt angesichts der Plastikkugeln, die nur aus einen Gummifaden aufgezogen wurden. Sie können auch Echtschmuck, aber die Kundschaft verlangt es heutzutage. Ich zeige meinen Schwimmer, den der Senior mit einem Vergrößerungsmonokel sich anschaut. Stephan hätte die ganze Szene gerne gefilmt. Wir ziehen weiter. Es ist zu spät für den zweiten Markt. Wir sind an der Ottakringer Brauerei und dann scharfe Käsekrainer. Die Wurstverkäuferin trägt eine Nasenprothese. So was habe ich noch nie gesehen. Es ist schon wieder ganz schön viel Uli Seidel für einen Vormittag. Dann zur Mariahilfer, Fuzo wird nur bedingt verstanden und umgesetzt (und es war schwer genug, wir haben die Diskussionen teilweise zumindest verfolgt), damit war zu rechnen. Hofmobiliendepot. Tolle Spucknapfsammlung (wozu haben die so viele Spucknäpfe gebraucht? Kommt das vom Pfeiffenrauchen und dem Schnupftabak, der so beliebt gewesen sein soll?), riesige Kinderkarre, eine Mischung aus Louis XIV und Munsters und Biedermeiermöbel zum Ausprobieren. Da kann ich sogar in aller Ruhe Planken bzw. für ein Yoga-Foto posen. Hier würde ich sogar die Bilderuhr nehmen, die aber keine ist, sondern nur so ein Spielwerk hat und die Figuren bewegen sich reichlich, aber ohne Uhr – wie schön. Die Zimmer halte ich auf den Postkarten an der Kasse noch für Puppenstuben, aber sie sind echt (Sissi mag ich auch, wenn sie chinesisch spricht). Ein toller Tipp und die Möbelsammlung ist besser als im schicken Mak, was wohl überwiegend von der repräsentativen Lage lebt. Die Muster sind toll und eine Freude anzuschauen und bei den Möbeln fällt mir Hader ein, der einem erklärt, warum die Diktatur bei der Möbelqualität hilft. Damals hatten nur wenige Möbel, aber die waren dann auch entsprechend gut. In der Demokratie hingegen Ikea, aber dafür hat’s jeder und genauso will Erdbeerjoghurt, aber das geht sich nicht aus, weil so viele Erdbeeren gibt es nicht und dann müssen sie Sägespäne mit Erdbeergeschmack nehmen, weil die Leute die freie Wahl haben und alle wollen nun mal den Erdbeerjoghurt und keiner bestimmt, ihr nehmt ohne Geschmack und die anderen Apfel und nur er bekommt den Erdbeerjoghurt. Ich mache vor der Tür einen Engel im Schnee auf den alten Weihnachtsbäumen. Stephan schätzt es, dass ich immer zum Spielen aufgelegt bin. Kaufe dann Devotionalien der Wiener Linien (Magnetset mit U-Bahnen, nur die U 5 fehlt zur Symmetrie) und vor mir kann eine Engländerin nicht glauben, dass die Schülerjahreskarte für die Tochter nur 60,- € kostet. But kann sie auch mit Bussen fahren, ja, auch mit Busen, auch mit der U-Bahn und der Tram, ja, auch am Wochenende. But that’s so cheap. Dann vorbei am Yppenheim (komme ich da mal rein?) ins Kent und ja, wir haben viele Türken in Hannover, aber der Laden ist super. Die Vorspeisen sind erstklassig und ganz frisch. Ayran und Tee sind köstlich. Da es schon 16 Uhr ist, dürfen wir nur eine Kleinigkeit essen. Hier hätte man frühstücken sollen, die haben sogar Menemem. Der Marktplatz sieht aus wie ein Schlachtfeld. 3 kg für 1- €. Stephan sagt, ja und haben offenbar eine Gemüseschlacht damit gemacht, so wie sie alljährlich zwischen Linden und der Nordstadt auf der einen Brücke ausgetragen wird. Dill gibt es hier in riesigen Sträußen, nicht so armselig wie bei uns. Wienmuseum lassen wir ausfallen und legen die Füße hoch, schauen Fernsehen auf dem Bett. Es läuft ein Lokalsender. Frauen mit aufgespritzten Lippen auf einem Charity-Ball. Umziehen und los. Der Himmel macht so schöne Farben, dass man kaum glauben kann, dass es ohne Drogen und in nüchtern wirklich so schön sein kann. Wir treffen uns mit Sunla und Andras im Ostlicht und schauen uns die Fotos von Uli Seidel zu den Filmen an (mittelprächtig, auch kein Vergleich zu David Lachapelle im Sommer), noch mal ein Abstecher zu Billa mit der Billa-Karte der Freunde. Vor der Tür wartet der Pudelmischling, der einen Lederhut trägt wie Herrchen. und da der Abend eine Überraschung für Sunl sein soll, machen wir sie glauben, dass wir in die Oper gehen. Sie wittert die Finte. Seit wann gibt es Tische in der Oper? Ähhh. Loge, das ist die Loge. Dann wird sie weiter gequält und wir tun so als sei Ronacher mit einer Mary Poppins Aufführung das Ziel. Langsam bin ich selber gequält. Wir gehen nach Gegenüber ins Tiam. Es ist hauptsächlich stlyisch eingerichtet. Das Essen hat wenig Kalorien fürs Geld und ist sehr schick angerichtet. Ich würde mir nicht anmaßen zu behaupten, dass meine Suppen besser schmecken, so wie Sunla es kommentiert. Das ist so ein bisschen, wie zu behaupten, dass jedes Kind malen kann wie Picasso, also es irgendwie nicht richtig verstanden haben, aber Euphorie löst der Laden auch bei mir nicht aus. Immerhin haben wir einen Plan für die Faschingsparty und ein gemeinsames Motto. Stephan will in die Loos-Bar was trinken, schläft dann aber vor mir ein. Ich bin am nächsten Tag mit Sunla zum Yoga verabredet. Eine alte Bekannte, die jetzt ihr eigenes Studio hat, also lieber auch schnell schlafen.

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11.01. Morgens erst mal 25 Postkarten basteln bevor mein Mann aufsteht. Es ist die Satirezeitschrift Österreich (die nach Polizeischutz fragt wegen Paris), die mich immer zu Höchstleistungen anspornt und es sprudelt nur so aus mir heraus. Wir gehen ins Rasouli, wo man dem Typen beim konzentrierten Kochen zusehen kann. Die Mangold-Blinis mit lauwarmen Rotkraut-Erdäpfel-Salat und Senfsoße für unter 10,- € machen mich knallsatt. Dann ins Wienmuseum. Großer Kindergarten wegen einer Ausstellung im Erdgeschoss. Wir wollen Wien im ersten Weltkrieg sehen. Tolle Fotos von Rotkreuzhunden und Kindern, die Krieg nachspielen, damit man da richtig Lust drauf bekommt. Ich werde ermahnt und darf nicht weiter fotografieren (wegen Sonderausstellung). Die Handarbeitshefte erinnern mich stark an die Frauenhandarbeitsschulde Stuttgart und mein Erbe. Ich sage nur: Kein Knochen darf verloren gehen und die Steine aus den Steinfrüchten helfen die Fettnot zu bekämpfen. Beim Gästebuch schlage ich wieder zu. Sind eh die besten Kommentare wie im Standard zu dem Lesbenvorfall im Prückel, aber das kommt noch und ja, das Licht macht Schatten. Das 50er Jahre Arbeitszimmer des Vorstandes ist leider geschlossen. Wird es je wieder zu sehen sein?

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Im Floriani-Hof isst Stephan Powidl und ich werde nur abgeholt. Andras fährt uns mit meinem Elektro-Auto mit den versenkbaren Griffen zum Studio. Leider zahlen wir 40,- € für die Lebensgeschichte der Yoga-Lehrerin, die uns vor Ashtanga warnt, weil sie kennt welche, die 30 Jahre gesprungen sind und jetzt am Stock gehen, sie weiß die Namen. Claudia fragt mich später, ob ich geblieben bin. Ja, da bin ich Mitläufer, was blieb mir übrig. Ich wollte mir wieder Appetit machen auf das nächste Kaffeehaus und das ist gründlich misslungen. Genauso satt wie ich gekommen bin, gehe ich wieder, aber einer anderen Frau hat es so gut gefallen, dass es ihr schönstes Yoga-Erlebnis war, weil sie den herabschauenden Hund immer nur mit Schmerzen im Handgelenk macht (so verschieden kann es sein). Mich lobt die Lehrerin ja auch als „Naturtalent“. Auch wenn Sunla sagt, ich brauche Lästern wie die Luft zum Atmen. So ist der nicht gemeint. Es war halt nichts für mich und das Blödeste fand ich die Zeit, die dafür drauf ging. Da hätte ich lieber bei Sunla im Atelier getuscht und wie hätten uns unterhalten können, statt auf der Matte sitzen und zuhören.

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Andras und Stephan warten im Kid vor der Tür. Sie waren bei 2 Ausstellungen. Toulouse Lautrec und noch was. Der Vietnamese, den wir im Blick haben, ist voll. Gegenüber ist der Humana in der Neubaugasse. Wir gehen ins Wild. Die große Zimmerpflanze gibt es nicht mehr. Das Essen ist Durchschnitt. Nur die Topfen-Nougat-Knödel müssen nachbestellt werden und die Säfte sind lecker. Die Freunde von Andras und Sunla, die wie dort treffen, sind sehr nett. Sie werden bei unserem nächsten Besuch zusammen nach Istanbul fliegen. Die Leidenschaft verstehe ich. Es gibt wohl viele Architekten in Wien, unser Vermieter, der eine Mann beim Yoga, das befreundete Pärchen. Die haben einfach deutlich mehr davon als wir. Für Architekten sind sie sehr nett. Das Kompliment können sie zurück geben. Ich bin nicht so gesprächig und blättere in meinem Schulbuch von 1972, was ich vor dem Yoga in einem Bücherschrank in der Josefsstadt gefunden habe. Stephan ist schweigsam und isst Magnesium, bestellt dann aber trotzdem noch einen Weißwein. Das regt mich auf.

12.01. Ich träume, dass Lieder erraten werden soll. Nach den ersten Takten sagt Stephan: Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ und ich melde mich. Er sagt es so leise, dass der Moderator ihn nicht versteht. Lauter oder soll ich es für ihn sagen? Auf die Frage sagt er gar nichts mehr, wie im Koma.

Packen, Espresso in der Wohnung, dann den Stadtteil weiter zu Fuß erkunden. Wie Stephan zu Recht sagt, hier wohnt eine Mischung aus Türken und Szene, während der 10. Bezirk eine Mischung aus Türken und Deppen ist. Das ist etwas Böse gesagt, aber was Wahres ist dran und nichts gegen Deppen, aber die Szene hier macht es zu so etwas wie dem Linden von Wien. In der Parallelstraße gibt es viele Plätze, die u.a. Richard-Wagner-Platz heißen. Die Sonne scheint. In der Straße fährt die Tram und es gibt mindestens 4 Lederwaren- und Koffergeschäfte mit Handschuhen, aber wie lang noch. Jetzt unterscheidet das noch Wien von Berlin, dass sie sich Einzelhandel leisten können und nicht nur Bon Prix und kik. Der Humana hier ist scheiße, nur schlechte Neuware und wir fahren zur Neubaugasse. Hier kaufe ich wieder den halben Laden leer. Ich kann doch nicht 2 Mäntel kaufen. Einen schwarzen, 50er Jahre, hohe Schneiderkunst mit etwas Persianer, Rippenmuster, tollen Knöpfen muss sein. So elegant. Ich bin doch wieder auf Schwarz. Der zweite ist ein brauner, kurzer Wollmantel mit Karomuster, aber unregelmäßig und interessant und auch ganz tolle Knöpfe gekauft, aber das ging nicht. Er stand mir, aber die Vernunft hat gesiegt, was heißt Vernunft, ich hatte schon 17 Teile gekauft. Ich habe keine Billa-Karte, bin aber Humana-Mitglied. Es ist auch ohne den zweiten Mantel schon zu viel. Ich mache die junge Verkäuferin mit Zahnspange offenbar so nervös. dass die alles 4 mal eingeben muss, weil sie sich immer wieder vertippt. Ich frage und ja, Stephan hat den Überblick.

Beim Vietnamesen wird die männliche deutsche Bedienung zur Sau gemacht (vermutlich der Neue). Lieber langsam arbeiten und keine Fehler machen, falsch einbongen und sie kochen es dann. Das macht dem Chef schlechte Laune. Es geht etwas auf die Stimmung den Streit immer mitzubekommen, aber das Essen ist sehr frisch und lecker. Dann ins Hundertwasser Haus zur Fotoausstellung. Das Paar war 80 Jahre zusammen, sie kannte sich seit dem Kindergarten und lebten in Brooklyn. Das beeindruckt. Waren in Coney Island mit den Avedons (man kannte sich damals wohl in der Szene). Sie hat Modefotografie gemacht und er hat seine Frau viel fotografiert (zumindest in jungen Jahren) und wird zitiert: Mich interessiert die Schönheit, die Mode interessiert mich nicht. Das ist bei mir genau umgekehrt. Der wellige Fußboden in dem Hundertwasserhaus hingegen nervt und was hatte der Mann gegen gerade Linien. Ich will lieber Bauhaus als dies hier. Die Kunst von ihm ist noch schlimmer. An der Ecke ein Wirtshaus Dreieck, was mich gleich anspricht und interessiert fürs nächste Mal oder eines der nächsten Male. Ein Autoplakat mit echten Scheinwerfern, die einem zuwinken. Dann doch Naschmarkt. Wir werden vom Standard fotografiert als Pärchen (nette junge Frau, die uns anspricht), dann kurz zu Urbanek, dann Zotter Trinkschokolade, eine ganze Tüte voll und letztes Station Sperl. Die Chefin vom Prückel schmeißt ein lesbisches Paar raus. Ob das so schlau war. Und ich nehme es ihr nicht ab, dass der Begrüßungskuss an sich eine Erregung öffentlichen Ärgernisses war und sie auch ein Hetero-Pärchen herauskomplimentiert hätte. Wer soll das glauben und verlieren die nicht große Teile ihrer Stammkundschaft mit so was? Die Bedienung hier, die ausschaut wie eine Turnerin erkennt uns und platziert uns vorne wo reserviert stand. Ob sie meine Persianerjacke mag? Ich hätte Lust ihr was zu schenken. Ich habe sie allerdings selber geschenkt bekommen. Zusammen suchen wir Kuchen am Buffet aus für unsere Tupper. Nach der Runde Kuchen noch 2 Palatschinken zum dort essen, dann ein Kellner, der nicht reagiert, eine Bim, die nicht fährt und dann zu voll ist und auch nicht richtig voran kommt. Ich bin gestresst auf den letzten Metern. Wir sehen Sunla noch kurz. Sie wollte die Wohnung sehen und ist unser Notnagel, falls nicht alles mit geht. Langer Weg zur Station (auch ein Nachteil gegenüber der Wohnung von Jasmin in Hernals); der Griff vom Koffer hat sich gelöst was die Sache nicht leichter macht. Polizeieinsatz im vorderen Abteil der Bahn (mehrfaches hektisches Ein- und Aussteigen), dann steigen wir falsch um bzw. aus (Spittelau). Ich muss meinen Koffer selber tragen und Stephan will unbedingt die Förderbänder am Flughafen benutzen, ihm ist kalt und er hat Kopfschmerzen Das hätte mir alles zu denken geben müssen. Jetzt weiß ich: wenn ich meinen Koffer selber tragen muss, ist mein Mann todkrank, kurz vor Ableben. Stephan hatte dann Grippe. Was ich nicht geschafft habe: Rathaus Café, Kantine vom Akademie-Theater, salzige Torte bei Aida, neues Reisetagebuch von Waniek, neue Wurstsorte beim Würstchenstand am Dr. Karl-Renner-Ring, Bosna? Schön-schaurig in der Gemäldegalerie (die Ausstellung, die noch bis Februar geht), Madelaines im Meinl (auch für Katharina), der Öko-Laden im ersten mit den Glasringen. So der Plan, alles schon vorgeplant, aber das ist nur ein Entwurf, sich treiben lassen macht auch Bock. Am Flughafen HAJ treffen wir Arash, einen Studienkollegen in lässiger Lederjacke, der sich wirklich gut gehalten hat, wie Stephan anmerkt und aus Frankfurt kommt, wo er im Designer-Outlet eingekauft hat, seinem Humana offenbar. Unsere Flieger sind gleichzeitig gelandet.

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