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Je suis fatiguée

28.05. Mit dem Einschlafen hat es besser geklappt, dafür werde ich um 5 Uhr wach und denke an unerledigte Dinge. Dem Zeitungskiosk absagen, schwarzen Tee in Beuteln aus dem Büro holen usw. Hier regnet es doll. Gutes Wetter zum Abhauen.

Telefonat mit meinem Bruder gestern Abend. Wir fehlen ihm und er will uns in die Schweiz locken im August. Wanderungen und Ausflugslokal sowie eine Vernissage, die meine Schwägerin organisiert stünden auf dem Programm. Mein Bruder ist süß in so anhänglich. Sonst kommt er uns mal alleine besuchen in Hannover ohne Familie kündigt er an. Dann aber bitte mit Skateboard, wie früher, verlange ich von ihm. Das waren Zeiten. Vielleicht quetschen wir es noch rein im August. Reisefreudig ist mein Mann ja!

Wie werden wir Paris vorfinden? Die Penner, die rechts gewählt haben, wohnen eher auf dem Land beruhige ich meine Nerven.

Meine Eltern fragen wegen Kinderfilmen im Kino, die Enkel sind im Anmarsch. Den DDR-Comic, Mosaik in New York, den ich gefunden habe, bekommen sie bei Gelegenheit auch noch. Mama sagt, ich soll einen Schirm mitnehmen, damit ich mich nicht erkälte. Aber Mama, ich benutze nie einen Schirm. Paps sagt, ich hätte nicht so panisch Angst vor Wasser wie meine Mutter, weil die Haare dann anschließend immer in die falsche Richtung zeigen. Es sei bestes destilliertes Wasser von oben.

Im Büro brannten noch Lampen und Kaffeemaschine. Das waren die Psychos und ich petze gleich. Die nutzen die Besprechungszimmer für ihre Patienten und müssen das auch kontrollieren, wenn sie gehen.

Ich habe ein Essensgeschenk für den französischen Guide, der 716 als Blog schreibt.

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Zuerst denke ich, dass mein Mann total krank ist, aber die Socken sind doch verschieden.

Socken

Das wahre Paris, aber was ist schon „wahr“? Wahrheiten gibt es bekanntlich viele.

Die Pariser tragen, wie ihre internationalen Stars, gerne Motorradhelme als Straßenbekleidung, auch wenn sie gerade zu Fuß unterwegs sind. Sie sind radfahrfaul und im Land der Tour de France fahren sie gerne mit dem Fahrrad den Berg herunter, aber nicht wieder hoch. Deswegen findet man kein einziges Velib-Fahrrad auf dem ganzen Montmatre am Montagmorgen. Die Franzosen haben die Touristenfahrräder alle zur Arbeit genommen und sind damit in die Stadt gefahren. Das Velib-System bietet einen Anreiz, dass einem Minuten gut geschrieben werden, wenn man bergauf fährt, um die Fahrräder auch irgendwie wieder nach oben zu bekommen, dass hat uns Guillaume, unser Guide erklärt, der uns überhaupt dankenswerter Weise in der Velib-System eingeführt hat. Die Jahreskarte kostet 30,- € und mit einer entsprechenden App auf dem Handy ist man damit flott unterwegs und wozu dann ein eigenes Fahrrad, denkt sich der Pariser. Wird nur geklaut und man hat Verantwortung und muss es aufpumpen, wenn es einen Platten hat, dann lieber immer wechseln und ein Neues nehmen, was gerade gewartet wurde und schön fahrbereit ist. Wir haben französische Abenteuer erlebt wie Bücktoilette, Natursekt quasi, die ich falsch herum benutzt habe um meine Schuhe anzupinkeln und richtig herum um mir selber ins Gesicht zu pinkeln. So ist will aber etwas der Reihe nach einsteigen in meinen Reisebericht aus Paris. Dieser mag etwas lustlos klingen, weil ich ihn quasi als halbe Pflichtaufgabe im Nachhinein erstelle. Ich glaube das tägliche Tagebuch ist mehr meine Sache als der Reisebericht oder ist müsste mir mehr Zeit zum schreiben vor Ort gönnen.

Der heimische Flughafen (Händewaschen nicht vergessen bzw. „nicht ohne Seife waschen“. So nennt ein Freund seinen Blog und ich weiß jetzt auch, woher der Spruch stammt, Harald).

Flughafenhalle 3

Das gute Wetter über den Wolken.

Flug 6

Paris, CDG, kurzes Foto vom Eifelturm, hier schon.

Anna Tor Eiffel 1

Ich mag das bunte Licht im Flughafen sehr.

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Am Flughafen gehen unsere Kreditkarten nicht am Automaten und ein aufdringlicher Amerikaner will helfen und steht mir im Nacken. Das macht mich aggressiv. Dann Schlange stehen, alle hauen von ihrem Posten ab. Ausfall der Rechner und dann darf man umsonst Zug fahren. Eine Engländerin telefoniert mit ihrer in Paris lebenden Tochter und wir versuchen herauszufinden ob sie im Zug sitzen bleiben oder im Gard Du Nord umsteigen muss. Dann wird doch abkassiert und die beiden Helfer der weiblichen Bahnmitarbeiterin sehen aus wie die französischen Verbrecher von Madame de Ville in Tausend und ein Dalmatiner. Wir machen den Fehler und wollen kurz mit dem Taxi ins Apartment, weil die Zeit drängt. Unter einer Markise warten ca. 200 Menschen auf ein Taxi und das muss erst abgearbeitet werden. Metro wäre viel schneller gewesen. Es folgen Telefonate und SMS mit unserer Vermieterin. Wir kommen zu spät, sie muss den Schlüssel in der Kneipe abgeben, aber kaum im Apartment drin, ist das alles vergessen und ich fühle mich wie Captain Kirk auf der Brücke. Die Betonwüste von Paris liegt zu unseren Füssen.

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Hier macht selber das Spülen Spaß.

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Das wird in den kommenden Tagen in jeder freien Minute mein „Arbeitsplatz“ zum Tuschen. So einen schönen hatte ich noch nie.

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Die Sitzbadewanne und das Bettchen.

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Ich hinterlasse Delphine politische Botschaften in der Wohnung.

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In ihrer Küche. Erst mal verwelkte Blumen in den Müll, Teekanne ausspülen und Tee kochen.

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Meine Schwägerin kommt und wir brechen auf. An der Kreuzung hält ein Auto mitten auf dem Fußgängerüberweg, fährt da rauf als schon rot ist und es gibt eine Runde Selbstjustiz mit seinem Auto, d.h. Faustschläge aufs Dach und beulen (durchaus beeindrucken). Ich rechne damit, dass er rausgezerrt und zerrissen wird vom Mob, aber es ist halb so schlimm und man muss hier auch erst mal ankommen. Erst mal ist alles für deutsche Verhältnisse bunter und anders. Fürs Ankommen gibt es erst mal Falafel, dann pilgern wir zu Stephans Schneider, der mittlerweile indische Fotos verkauft. Wir geben ihm unsere Geschirrhandtücher u.a. eines der Stadt Hannover mit einem Kalender aus dem Jahr 1973 und er meint nur, vielleicht würde er noch bessere finden und versteht nicht, dass wir unsere bewusst gewählt haben u.a. ein Guggelhupfrezept mit Klagenfurt und anderen Motiven. Ja, wir stehen auf so was. Drei sollen es werden.

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Ich kaufe den ersten Käse, Nougat aus altem Gouda und vermeintlich eine Milch. Es handelt sich aber um Dickmilch, die ich mir am nächsten Morgen in den Kaffee schütte.

Wir laufen etwas durch die Stadt

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und fahren zum Essen.

Meiner Schwägerin musste ich erklären, dass sie kein Vampir ist und nicht in Paris war als die Metro gebaut wurde, ach so, dass war diese Tram. Das kann dann schon stimmen. Hier gibt es Terrine und kleine Gürkchen als Snack vorweg. Am Nachbartisch zwei schwarze Amerikanerinnen, die auch keinen Wein trinken (wie ich), es sich aber essensmäßig total besorgen und vom Risotto mit Tintenfisch bis hin zum Reißpudding für 2 Personen als Nachtisch (Spezialität des Hauses) alles genüsslich in sich rein machen. Wir essen auch total lecker das Menü inklusive Soufflee als Nachtisch (hier leider schlecht abgebildet).

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29.05. Mein Zimmer habe ich schon „eingerichtet“.

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Ich mache schön Übungen an der Ballettstange.

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Die ganzen Tage über immer wieder Staunen. Wie kann sich an diesen Blick gewöhnen? Das braucht sicher seine Zeit.

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In den Straßen sind Bäume, die etwas ausschauen wie meine Mimose, aber in Groß und ich liebe die verschiedenen Lampen der Straßenbeleuchtung.

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Ich habe meine 5-Tages-Fahrkarte vergessen und Stephan geht zurück, was hier mit Treppen steigen verbunden ist.

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Zu diesem Zeitpunkt haben wir Velib noch nicht für uns entdeckt. Wir haben Karten für eine Van Gogh Ausstellung und das ist das erste Ziel im Musée d-Orsay. Dieses Louvre kommt mir lächerlich riesig vor. Haha, fickende Schiffe feixen wir albern.

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Die Selbstporträts von Van Gogh berühren mich sehr und ich könnte weinen. Sie haben so eine Kraft, das ist der Wahnsinn. Der andere, ein Franzose, der in den 50ern über Van Gogh geschrieben hat, ist nur so verrückt. Seine Kunst finde ich untalentiert und schlimm. Der Typ an der Garderobe ist auch entsprechend beleidigt, dass wir so schnell durch sind mit einem Museum.

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Gegen vom Museum gibt es Lederetuis aus Kröten. Die Augen sind schwarze Straßsteine und den Unterleib hat man abgeschnitten und mit einem Reißverschluss versehen. Nehme an, dass sie dafür eine andere Verwendung hatten. Wir essen Mittagstisch im Lipp. Neben uns ein kanadisches Pärchen um die 60, die innerhalb beachtlicher Zeit eine Flasche Rotwein kippen und Wasser strickt ablehnen. Der Typ hat lange Haare und sieht etwas freakig aus. Er will die Haxe mit Sauerkraut. Kathrin und ich essen nur einen Salat und Stephan den Bohneneintopf (Gericht des Tages), der uns nicht so schmeckt, dafür aber wieder der Nachtisch.

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Weiter geht’s.

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Wir wollen auf den Friedhof und eine Runde Crêpes essen, mache das in umgekehrter Reihenfolge und einen Flohmarkt gibt es auch. Wir pilgern sogar zu einigen prominenten Gräber und ich erfreue ich wieder an den Porzellanblumen. Der australische Vogel gefällt mir besonders. Wie Kathrin festgestellt hat, muss man schmunzeln und das ist bei Friedhof nicht mal das Schlechteste.

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Es beeindruckt mich, dass man Fahrräder hier noch nicht mal schieben darf. Wieder zuhause dekoriere ich etwas.

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Auch meine Einkäufe aus dem Supermarkt genießen den Ausblick.

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Dann umziehen und gut essen gehen. Der Laden ist schick, es schmeckt auch gut. Der Fenchel ist z.B. sehr lecker. Wir treffen eine ehemalige Arbeitskollegin meiner Schwägerin, eine Engländerin, die seit 20 Jahren in Paris lebt und mit einem Franzosen verheiratet ist. Beide haben einen guten Humor, er spricht sehr gut englisch und hat absichtlich keine Französin geheiratet, sondern eine Engländerin, wie er betont und wir verbringen einen netten Abend. Ich behaupte an diesem Abend noch tollkühn, dass ich nicht auf so einem Behindertenrad fahren würde, wie sie hier an der Straße stehen. Es geht um die teuren Autos von Kathrins Chef. Teure Autos seien mir egal, aber ein unsexy Fahrrad, das würde mir nicht in die Tüte kommen. Wir waren auf dem Hinweg am Arc de Triumph ausgestiegen, was durchaus beeindruckend war. Ich merke beim Essen gehen, dass man diesen Franzosen total leicht vor den Kopf stoßen kann. Der Kellner hält mehrere Jacken und ich erkenne meine als einer der hinteren und will sie greifen, tue das mit einem Spruch auf englisch wie: „I’ll just take mine“. Der Kellner ist total geschockt und äfft mich böse nach bevor er sich wieder einkriegt und sein Dienstleistungsgesicht wieder aufsetzt.

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Seniorenteller

19.05. Finde Parisfächer und Postkarten wieder. Entscheide mich für selbstgebastelten Schlüsselbundanhänger aus meiner Fimokollektion und mache aus den Paris-Souvenirs Ketten. Das ist besser.

Wir müssen Federdecke wegschmeißen. Immer wenn das Bett abgezogen wird, sieht die komplette Wohnung aus wie bei Frau Holle. Es ist massiv undicht. In diesem Segment stehe ich auf Luxus und denke über eine Eiderdaunendecke nach. Das sind die wärmsten und leichtesten Federdecken der Welt und kein Tier wird geärgert, wenn die Mauserdaunen der Enten, die sie für den Nestbau benutzten eingesammelt werden, auf einer Insel. Da habe ich mal einen Filmbericht gesehen. Diese Federn haben besondere physikalische Eigenschaft und kleine Widerhacken und verkletten sich ineinander. Das macht die Wärmeeigenschaft, wenn ich es richtig erinnere.

Die neue Betreute. Die anderen denken, sie simuliert, als könnte ich auch einen Gutachter überzeugen, wenn ich einen Fehlkauf bereue. So ein Schwachsinn. Ich habe auch Gesundheitssorge und das nimmt Belastung von den Töchtern. Ich will mit ihr Plan machen, wie wir verfahren, wenn sie wieder manisch wird und die Töchter sich bei mir melden. Das ist wie Patientenverfügung und sie kann mir jetzt sagen, wie es optimal wäre und wir treffen eine Absprache.

Mittags mit Tyark 11 A. Blutwurst in der Sonne.

11 A Spaghetti Bolognese 11 A Würste

Tyark ist genau 2 Monate vor der Feier in Wien da und wir laden ihn auch zu der Wienfeier ein. Stephans will ein Wiener Sprachlexikon für Freunde: Wenn man jemanden trifft sagt man zur Begrüßung: „bam, Alter“. Wenn es an der Kasse nicht schnell genug geht, sagt man: „gemma, gemma, gemma“ und Polizisten nennt man auch „G‘spritzte“.

Der Typ aus dem Studium sitzt am Nebentisch, hat mir mal eine Flasche Rotwein geschenkt und fasst mich an beim Gehen. Mich nerven Leute, die keine Entscheidungskompetenz haben. Man muss selber wissen, was man macht und das vertreten können. Ich kann es als Betreuerin und Dinge auf meine Kappe nehmen, da brauche ich keinen Richter oder Rechtspfleger. Das habe ich selber entschieden und dafür haben die mich ja bestellt, dass ich die Verantwortung trage.

Nachmittags Eisdiele mit der geistig behinderten Betreuten. Der Tag besteht aus viel Gastronomie. Manchmal muss man sich dem hingeben können sage ich meinem Kollegen, der mit einem Steuertypen im Anzug unterwegs ist. Die Betreute schenkt mir Modeschmuck, der mir sehr gefällt, das hat sie wirklich gut eingeschätzt und einen Brieföffner von der Opferhilfe mit einer Art Schaffot . Nicht wegwerfen. Immer erst der Betreuerin zeigen, sage ich ihr scherzhaft.

Modeschmuck Brigitte Opferhilfe

Ein neues Hobby für Andrea? Jedenfalls sind die Abbildungen schön.

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Noch schöner ist der Hintern an dem sie gerade stickt:

Akt gestickt

Kein Yoga bei Kestner. Ich will auch das weiße Pferd nicht reiten und auch kein anderes. Ist mir kein Bedürfnis ein Pferd zu besteigen. Kann man Fahrrad fahren und das Pferd läuft dazu wie mit einem Hund? Jedenfalls fühlt sich beides nicht gut an. Kein Yoga bei Kestner und kein Pferd reiten.

20.05. Ich bin wenig flexibel und zähle langsam runter bei der täglichen Routine, zwei Mal am Tag, die mich seit Jahrzehnten begleitet, 3 – 2- 1 zur Feier des Tages, wenn mein Mann 50 wird.

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Andere machen Ausflug zum Steinhuder Meer und ich fahre in die Psychiatrie nach Wunstorf. Herrlicher Ausflug. Metzgerei und ich will Schwarzwälder Schinkenbrötchen für die Spargelsuppe zuhause kaufen. Habense nicht, nur anderen Schinken und der gekochte ist eckig. Muss ich wohl mal weiter schauen.

Herr PM ist auf einer neuen Station, weil er Beziehungsideen entwickelt hat zu einer Mitarbeiterin der anderen Station und die verkannt hat. Ausgang stark reglementiert. Er wirkt aber überraschend vernünftig und lässt sich auf die Behandlung ein. Ausgang erst Morgen, dann ist das eben so und dann nur eine Stunde, o.k. Ich sage, das mit der Katze muss nächstes Mal anders organisiert werden und überhaupt muss irgendwo ein Zweitschüssel deponiert werden. Herr PM sagt: „Frau A. Sie sollen sich nicht immer so Sorgen machen. Ich sehe das doch“…. Das ist mir das liebste, wenn die Betreuten mich beruhigen müssen und der schwule Pfleger ganz genervt ist, weil wir alle auf einmal reden und ich noch am lautesten bin.

Die Kollegin hat eine Konfrontationstherapie mit einem Wolfsbarsch in der Markthalle gemacht. Klientin ekelt sich vor Fisch. Ob man das ernst nehmen muss, will ich wissen. Jedenfalls wurde das Tier gestreichelt und nachdem sie erst bei Stressstufe 9 von 10 war, wurde dann alles gut und der Fisch wird heute Abend mit einer Freundin gebraten und zubereitet. Ich sagte, den musste man wohl kaufen, wenn man ihn stundenlang gestreichelt hat, oder?

Termin des Betreuten der noch im Iran verweilt, weil er keinen günstigen Rückflug bekommt. Ich bin bei der Fachärztin an seiner Stelle.

Stephan sagt seit Tagen nur noch Seniorenteller.

Abends erst das Tanzen (und ich kann nicht für Drehungen gebucht werden), dann gehen wir ins Beckmanns und ich esse wieder die Kalbszunge mit Bohnen.

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Ich kann nicht mehr warten und gebe Stephan um 20 Uhr mein Geschenk. Ein selbstgebasteltes Buch, was er dann auch noch lesen muss. Am Tisch gegenüber sitzen Männer in blauen Hemden von einer Messe, Marke sehr langweilig und gab es die als Sammelbestellung und am Nachbartisch Arbeitskollegen, die Mode verkaufen und nur oberflächlich daher reden. Ein Tuch, was über 100,- € kostet und die Kundin findet das teuer, dabei hat man ihr doch erklärt, dass es aus Seide ist. Oh Mann!! Ein Typ aus der Gruppe erzählt von Freunden, die 50 geworden sind und noch mal heiraten wollen, kirchlich. Das hätten sie sich gewünscht und sie als Freunde hätten sich überlegt, Wein zu kaufen und in die Kisten jeweils Wünsche für das Paar zu legen. Wenn sie dann die Weinkisten in 2, 5 und 10 Jahren öffnen, je nach Anweisung, sind die Wünsche der Freunde darin. Das sei riskant, aber die seien schon 25 Jahre zusammen. Wir hören gespannt zu.

Weil das Wetter so schön ist, treibt es uns zum Fluss und wir fahren in der Glocksee vorbei. Hier war ich seit Jahren nicht mehr. Ich liebe den Innenhof. Alles ist beim Alten. Gerd gibt Getränke aus und empfiehlt einen türkischen Imbiss mit gegrilltem Fisch und Salat am Hainhölzer Markt. Kalinka legt sich mit dem neuen Glöckchen an, aber der ist älter, aggressiver und stinkt. Wir fahren dann irgendwann mal. Ich habe das Gefühl, dass ich das alles kenne, ist nett, aber nicht mehr so meins. Ich halte sogar bis nach 12 Uhr aus.

21.05. Topfe Stephans Tomate um (war wohl das größte Geschenk). Meine Eltern dachten Stephan hat am 22.05. (ich hatte sie angerufen) und lesen ihm seinen Brief am Telefon vor. Trotzdem habe ich die beste Mutter der Welt. Zuverlässig ohne Ende, selbstlos liebend. Manchmal sehe ich, wie eine Mutter der Tochter eine Strickjacke abnimmt und es zwar macht, aus Mutterpflicht, dabei aber vorwurfsvoll guckt. So war meine Mutter nie. Sie hat gedient und geliebt und das aus vollem Herzen. Ich habe einen Traum. Mein Bruder und seine Frau sind verpeilt und sie läuft in die falsche Richtung und wird Stunden unterwegs sein auf dem Gelände. Meine Mutter fegt in einer Gastronomie nebenbei tatkräftig Blätter auf und schmeißt sie in den Ofen und dabei stand da ein Fernseher drin und er war nur Attrappe, wie sich heraus stellt. Meine Freundin Claudia hat auch meine Eltern ins Herz geschlossen, die gerade bei ihr in Hamburg gehalten haben und das gefällt mir. Eifersucht wurde uns nicht beigebracht. Ich war in der Vorpubertät mit unserer Nachbarin sehr befreundet. Die war Zeugin Jehovas und hat mich wie eine Freundin behandelt, über ihre Eheprobleme gesprochen, der Mann wurde von den Vietcong gefoltert und dann natürlich, der Weltuntergang und die apokalyptischen Reiter. Ich habe auch nebenbei ihre Kinder gesittet. Das hat mich sehr gefordert, gerade die religiösen Diskussionen und jeden Tag war ich bei ihr. Meine Mutter hat mich gehen lassen und hatte keine Eifersucht wegen anderer Bezugspersonen, so wie ich das hier aus meiner Praxis kenne. Ich glaube, dass hat mich positiv geprägt. Ich bin auch nicht eifersüchtig und freue mich, wenn Freundinnen untereinander sich gut verstehen usw. Ich habe das Selbstbewusstsein, dass ich mich für nicht austauschbar halte.

Heute ist Großkampftag bei Herrn Ihme. Erst die Hausverwaltung, warte ein wenig auf die junge Frau und weiß dafür wo die Stromzähler sind. Ich klingele kurz bei ihm um zu sehen, ob er da ist. Ein junger Punker macht die Tür auf und sagt zu mir: „er ist gleich wieder da“. Sie wollen eigentlich zum Opernplatz und da chillen, aber heute muss er mit mir mit. Die Fenster sollen offen bleiben frage ich. Der Freund sagt, es werde schon keiner einbrechen. Ja, so spießig bin ich nicht und sage: das nicht, aber vielleicht nistet eine Taube in der Wohnung, wenn wir wieder kommen und hat auf den Tisch geschissen. Wir stehen zu viert im Fahrstuhl, Herr Ihme, der Punker, ich und ein grauhaariger Typ um die 1,90 m und Herr Ihme sagt: „Ich finde, Sie beide passen gut zusammen“ auf mich und den Grauhaarigen bezogen. Der Typ ist der Meinung, dass ich zu klein bin und, dass er mir nicht in die Augen schauen könne und ich stelle fest, dass er dann wenig Auswahl hat. Als er uns verlasse hat frage ich Herrn Ihme, ob er mich verkuppeln wolle. Er will wissen, ob ich einen Mann habe und ich sage: ja und der wird heute fünfzig, ist aber wesentlich knackiger als der alte Mann den er mir angedeihen lassen wollte. Ich bin in Hochstimmung, weil ich ihn im Schlepptau habe und die Sonne scheint und mein Mann Geburtstag hat. Ich lade ihn zu Luis ein. Das Himbeertörtchen schmeckt ihm nicht. Backfactory will ich aber nicht und sage, ich zahle, also bestimme ich auch. Er zieht sich aus und zeigt mir seinen Bizeps bzw. fordert mich auf, ihn anzufassen. Ich lehne ab. Einen six pack hat er auch. Auf seinem T-Shirt steht „Can’t resist killing shit“ „CRKS. Es gibt Übersetzungsprobleme und er ist der Meinung da heißt: ich kann tödlicher Scheiße nicht widerstehen. Das passt auch besser zu ihm. Ob wir Kinder haben, will er wissen und warum nicht. Weil ich nicht wollte. Er überlegt kurz und stellt dann fest: „ja und jetzt haben sie ja auch mich“. Das ist irgendwie süß. Stephan weiß noch nichts von seinem Vaterglück. Verfaulte Zähne, aber einen muskulösen Körper hat unser Sohn ohne Schulabschluss. Als er erfährt, dass Stephan für mich arbeitet, stellt er fest, dass ich die Chefin sei und das gefällt ihm. Ich sage, es sei schon eine Zusammenarbeit. Im Wartezimmer des sozialpsychiatrischen Dienstes ist er super unruhig und macht Push ups an den Stuhllehnen, verschüttet Kaffee, der er sich zuvor besorgt hat bei der Sekretärin und geht alle paar Minuten zur Toilette. Es ist wie ein Sack Flöhe hüten und ich verliere langsam die Geduld. Ob ich ihn massieren kann, weil er Rückenschmerzen hat. Nein, kann ich nicht. Nehme meine neuen Medis im Wartezimmer der Sozialpsachiatrische Beratungsstelle das erste Mal. Passt auch. Herr Ihme erwischt mich bei einem Vitamin-C Kaubonbons und ist da schon äußerst interessiert. Die Ärztin meint, als er draußen ist, dass ein männlicher Krankenpfleger vielleicht besser wäre, obwohl Herr Ihme gesagt hatte, „dass er lieber mit Frauen zusammen arbeite“. Die haben Angst vor meinem Hasen und fragen, ob er schon mal was hatte wegen Körperverletzungen. Nein, so ist er nicht. Er hat eine gewisse Fixierung, aber man muss keine Angst haben. Die Sozialarbeiterin mag meine Accessoires. Die Freundin von Detlef ist die nächste mit einer Klientin. Er umarmt mich stokelig zum Abschied und Morgen probieren wir es mit dem Pfleger um 15:45 Uhr. Ich sage ihm den Termin mehrfach, dass er bitte zuhause sein soll. Ihm wurde ambulante psychiatrische Pflege verordnet und der Marathon heute, 3,5 Stunden hat sich gelohnt. Ich kann beruhigt nach Paris reisen. Er rennt mir nach als ich bei der Ampel mit dem Fahrrad halte und ich biege dann anders ab zu Fielmann, die mir umsonst eine Schraube in die Sonnenbrille drehen.

Ich fahre zu meiner Betreuten, die derzeit Amphetamine konsumiert und damit rückfällig geworden ist und sie lässt mich nicht rein. Mit ihr sei derzeit „nicht gut Kirschen essen“. Sie will nicht, dass ich in die Wohnung komme und im Treppenhaus will sie auch nicht sprechen und auch nicht spazieren gehen. Ich fahre nach Hause zu meinen Schwiegereltern und Kaffee und Kuchen. Ja, die Kondensmilch aus der Schweiz habe ich ordentlich ausgedrückt. Da war ich mal energisch und auch mit einem Werkzeug zugange.

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Meine Schwiegermutter stellt fest, dass ich einen guten Mann hätte und der hätte das von seinem Vater. Es gäbe ja andere Männer (und ich warte auf die Fremdgehgeschichte), die würden nicht im Haushalt helfen und zwar überhaupt nicht. Ich habe schon sehr Glück gehabt mit meinem Mann. Dachte immer, ich kriege einen schlauen, den ich hässlich finde. Andrew Schechtmann. Wir waren vor dem Wegzug aus Kalifornien zu seiner Bar-Mizwa eingeladen. Der hat auf der Junior High Mathe an der Uni gemacht und war Brillenträger mit schmalen Schultern. Dachte mit dem werde ich mal verheiratet. Schmale Schultern und Trichterbrust, aber halt schlau. Das wollte ich nicht und habe einen Mann mit breiten Schultern bekommen und der trägt mich noch auf Händen und ist lustig und hat Verständnis für meine Spleens. Was will ich mehr.

Stephan ist ein angenehmer Zeitgenosse und wenn er einlädt, kommen die Leute gerne. Entspanntes auf der Wiese Liegen. Eine Bekannte die Krebs hat wird im Rollstuhl vorbei geschoben. Ja, das Leben ist kurz und man muss unendlich dankbar sein. Stephan bekommt u.a. ein Chips-Kochbuch von Bahlsen mit den krassesten Fotos geschenkt aus dem Nachlass von Käte. Hammerteil. Immer eine Tüte Chips in der Tüte zerkleinern und mit Butterflöckchen dekorieren und Markus macht mich noch darauf aufmerksam, dass sie noch Bahlsen Chips gefunden hätten. Ich ignoriere das.

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Wir fahren mit Lastenfahrrad ins Da Etna und die Liefern zum Kackstreifen mit dem Auto, schöne Vorspeisenteller haben sie gemacht. Ich fahre eine Runde Rad mit Suki. Beim Faustgelände ist die Wiese voll wie beim Fährmannsfest und im Georgenpark wird gegrillt was das Zeug hält. Das stellt den Gehorsam des Hundes auf die Probe. Wenn die Ablenkung zu groß ist, z.B. am Küchengarten mit Band, leine ich ihn an und das klappt prima. Ich bin ruhig und führe und das überträgt sich auf den Hund. Sabines Anlage ist super und ich tanze etwas barfuß und es ist ein total netter Abend im Freien auf der Wiese. Harald spricht mich auf unser Franzi goes fashion Projekt von damals an. Um 1 Uhr brechen wir auf.

22.05. Jan hat mir eine Waz geschenkt. Darin ist die Todesanzeige vom Vater einer Freundin. Ich schneide sie aus.

Bei meiner neuen Betreuten soll der Dispo gestrichen werden, nicht wegen der Betreuung, aber weil die Sparkasse jetzt auf den SGB-II Leistungsbezug aufmerksam wurde und dann geht das nicht, sonst wird das Konto gekündigt und sie hat kein Geschäftskonto, das geht auch nicht. Am Ende darf sie den Dispo behalten, weil die Filiale das freigegeben hat und die Mitarbeiterin macht einen Aktenvermerk, dass ihr Kopf nicht in der Schlinge hängt. Ich freue mich total. Wenn wir ihn dann einvernehmlich streichen lassen, ist es was anderes. Sie hatten viel mit Tod zu tun, mit 17 eine Todgeburt und dann einen schweren Verkehrsunfall bei dem der Freund ums Leben kam und der Bruder kam zu ihr zum Sterben. Wir reden offen und sie sagt, dass sie sich erst jetzt für das Leben entschieden habe, entschieden habe hier zu bleiben. Sie hat 3 erwachsene Kinder und ist Oma. Ich mag die Frau und habe auch gegenüber der Bank getont, dass ich ein sehr gutes Gefühl habe, weil das alles sehr einvernehmlich und vernünftig läuft.

Frau Wellensittich mit riesigen Pupillen und der Faden reißt immer mitten im Satz ab. Sie zeigt mir alte Zeugnisse aus den USA und Bücher mit Collagen, der aber sehr schlecht gemacht sind. Ein graues Pferd hat sie gemalt. Ich frage sie, ob sie was genommen hat wegen der Pupillen. Die Richterin will keine neue Betreuerin für sie suchen, ohne mich wäre sie verloren.

Ich bin um 15:45 mit dem Pfleger, einem Ossi bei Herrn Ihme und er ist nicht da. Dafür stehen wir mit 6 jungen Männern und einen „Kampfhund“ im Fahrstuhl. Der schwarze große Terrier hatte sich im Eingangsbereich auf die kalten Fliesen gelegt mit dem Bauch und die Beine nach hinten ausgetreckt und ich sagte: „armes Baby“ um von dem beleidigten Besitzer zu hören, dass es kein Baby sei. Als wir vor dem Haus stehen und ich erzähle, kommt Herr Ihme um die Ecke. Hat er an den Termin gedacht oder kommt er zufällig nach Hause. Es war Zufall, wenigstens ist er ehrlich. Er fängt Morgen bei einer Zeitarbeitsfirma an. Maschinen putzen in Garbsen. Das Handy funktioniert das aller erste Mal. Ich bin sehr skeptisch, ob das klappen wird, aber ein anderer macht jetzt die Hausbesuche und hat die Schlüsselgewalt. Ich kündige den Stromvertrag mit RWE. Er hat ein Guthaben von über 90 bei den Stadtwerken. Das wird wieder ein unerwarteter Geldsegen für unseren Sohn.

Ich bespreche den Sorgerechtsfall etwas mit meinem Kollegen vor. Meine neue Betreute, Frau Yoga, die ich nicht anwaltlich vertreten will und die mir eine SMS als Fax schickt, dass ich doch lieber nach mal zu ihr kommen soll. Ich lehne ab nach 6 Hausbesuchen.

Geldabholtermine. Eine Betreute sagt ab wegen Kreislaufproblemen und Elisabeth Taylor erzählt was von einem Kampf Dicke gegen Dünne. Sie und die ambulante Wohnbetreuung seien dick und ich und die Ärztin dünn. Ich will in den Urlaub fahren und sie soll die ambulante Wohnbetreuung zumindest bis nach meinem Urlaub bestehen lassen. Bitte.

23.05. Ich hatte einen Filmriss als ich mir auf diesen Blazer war draufgenäht habe. Erinnere mich nicht und wundere mich über den Buckel aus Eskimos. Mit der Ex-Prostituierten bei dem Rockerarzt. Der unerzogene Dackelmischling ist mit dabei. Der Arzt formuliert die Ziele der Hilfeplanung und erklärt ihr, dass er es so schreibt, als sei es schon passiert. Sie hat eine Zahnsanierung durchführen lassen. Immer wieder ist sie irritiert und er sagt auf sich bezogen wäre das Ziel Dr. K trägt Jeans Größe 44. Ich sage, auf den Hund bezogen wäre es, der Hund bleibt liegen, wenn man das Kommando Platz gibt und steht nicht nach einer Sekunde wieder auf. Der Berner Sennen Hund vom Wohnbetreuer ist in der TiHo nach einem Italienurlaub und sie finden nicht, was er hat. Er heult bei jeder Gelegenheit. Ich muss in dieser Sache beim Deutschlandradio mir was einfallen lassen und das tue ich auch.

Werde sauer wegen Elisabeth Taylor, soll machen, wenn sie meint. Ich glaube, es geht schief. Ich habe heute keine Nerven.

Nachmittags Frau Yoga. Die Töchter wollen wieder zu ihr, aber sie will sie dann nie wieder zum Vater geben, weil die Kinder das auch nicht wollen. Das ist sehr unreflektiert und ich sage ihr, dass ich so eine Haltung nicht unterstütze und denke, dass sie kein Sorgerecht verdient hat mit der Einstellung und überzeugt davon bin, dass sie ihren Kindern was Schlimmes damit antut. Die gemeinsame Besprechung dauert über 2 Stunden. Sie mandatiert den Kollegen.

Schön schwitzen beim Sport. Dann treffen wir uns bei den Pasta-Frauen in der Südstadt mit Jens und Sven. Jens erzählt von der Schulförderung und ich von unserem neuen Sohn. Ich sehe Ähnlichkeiten nur, dass er es mit Kindern zu tun hat und meine Hasen etwas älter sind und ich sie nicht nur beim Schreiben lernen unterstütze, sondern so ca. bei allem anderen.

24.05. Basteln, Kette Paris und 4 Hütchen. Jetzt bügeln, wo Waschmaschine defekt ist. Abends keine Bläser am Kali-Berg in Empelde. Spargel mit Sauce Hollandaise, geht immer besser, ist etwas zu salzig geraten. Kein Ping-Pong-Club. Keine Lust.

25.05. Altkleidercontainer, dann Wahl. Flohmarkt, supervoll. Handtasche einer Bekannten aus Morgenmantel und Buch: „Die Farben der Tiere“. Rossi. Habe ich einen schlimmen Ausschlag oder nur etwas Sonnenallergie. Den Rest des Tages nur basteln und chillen. Pillow Talk mit Rock Hudson und Doris Day schauen und den Hohlsaum nähen. Schlafe zur Zeit nicht so gut.

26.05. Werde ich langsam müde Tagebuch zu schreiben. Berlin und warum ich kotzen musste, ist noch nicht geschrieben. Wien davor auch nur halb. Einsilbig komme ich mir vor. Treffe mich mit der schlechten gelaunten Betreuten beim Bürgeramt Podbi Park. Neuen Ausweis machen. Leihe ihr das Geld. Sie hat Fotos machen lassen, die sogar gut geworden sind. Wir kommen immer besser miteinander aus auch wenn sie noch nicht weiß, ob sie einen Ableger von meiner Pflanze will. Ich werde das Bonusheft für meinen Zahnarzt in 7 Jahren voll haben. Yuhu!! Ich habe auch reiche Mandanten, die auf 30.000,- Mieteinnahmen verzichten. Warum anmelden zur Insolvenztabelle, sie wollen den jungen Leuten nicht das Leben versauen. Sie hätten auch noch mehr Mietrückstände in Kauf genommen um die zu unterstützen. Ich mag so eine Einstellung. Abends beim Sport merke ich, dass es mir gut bekommt, viele Mitglieder aus der Familie meines Mannes mit dabei zu haben. Das beruhigt meine Nerven. Wie gut, dass meine Schwägerin uns nach Paris begleitet und auch auf die anderen noch anstehenden Auslandsreisen dieses Jahr. Nach dem Sport Spargelsuppe und ich schlafe immer noch schlecht.

27.05. Viele Dinge zum abwickeln und nervös bin ich auch. Der Typ, der nach der Waschmaschine guckt ist doof, läuft in die falsche Richtung und findet das Haus nicht, außerdem lahmarschig. Sie hat angeblich einen Lagerschaden. Das wusste ich irgendwie schon vorher.

Neue Betreuungssache. Morgens in der Bahn treffe ich Betreuten, ehemals spielsüchtig, der gerade Maßnahme in der MHH macht und heute frei hat, weil er zum Amt will den Widerspruch wegen der Fahrtkosten selber gegenüber dem Sachbearbeiter begründen. Der neue Betreute macht viel Yoga und ist durchtrainiert und sieht aus wie ein guter Freund meiner Schwägerin. Sehr vorteilhafter Betreuter mit Kunst an den Wänden und Smooties in der Küche in der Riesenwohnung mit Dachterasse und Sauna im Schlafzimmer. Hat 333,- € Strom pro Monat gezahlt und 750.000,- € wurde vom Rechtsanwalt verwaltet als Treuhänder, hat namhafte Internetfirmen mitgegründet und Immobiliengeschäfte gemacht, Porsche ist weg, Garage gekündigt, Führerschein auch wegen Marihuana am Steuer. Er geht im Tiergarten joggen und macht vor allem morgens Yoga, hat 2 Rechtsschutzversicherungen, ist spirituell eingestellt und will mein chinesisches Sternzeichen wissen. Überall Engel und tibetanische Puppen flankiert von ägyptischen Hunden. Unter dem Schreibtisch viel alte Post, Stadtwerkeschreiben aus 2009. Er ist beflügelt von meiner Bestellung und will vorsortieren. Wir treffen uns am Dienstag und er soll sich nicht zu viel vornehmen und alles mitbringen, ob sortiert oder nicht.

Schnecke und Hase

Fahre nach Hause. Schlimme Mutter in der Bahn mit 2 Söhnen. Der 2-Jährige macht immer was falsch und sie kommentiert das harsch „Flosse aus dem Gesicht“, „Arsch nach hinten, setz Dich richtig“. Statt ihn abzulenken stellt sie fest, wenn er weiter quengelt dürfe er zusehen, wie sein Bruder noch eine Schokolade bekommt und er nicht. Grausam so was. Grob werden die Kinder angefasst und scheinbar keine Liebe und Zärtlichkeit. Die Mutter spielt auf ihrem Handy statt mit ihren Kindern zu reden oder sich positiv mit ihnen zu beschäftigen und der 2-Jährige ist selber für seine Laune verantwortlich. Warum bekommen solche Leute Kinder? Ich kann diesen Hass nicht verstehen.

Stephan soll Akte anlegen. Die hole ich in einer Stunde und esse die restliche Suppe. Kaffee nein. Dass ich schlecht einschlafe macht mir zu schaffen und ist ein Novum in meinem Leben.

Der Pfleger geht Morgen um 8 Uhr zu Herrn Ihme. Scheint nicht geklappt zu haben mit der Arbeit und mit dem Treffen am Montag, aber es regeln jetzt andere. Dafür habe ich lange genug gearbeitet.

Ich muss die Postkarte einwerfen mit der mein Mann sich Schädlinge, auch nee, Nützlinge, aber Viecher für zuhause bestellt. Innen sollen die verwendet werden! Ich kann ihm doch eine Paprika für 15,- € auf dem Markt kaufen. Verstehe diesen Pflanzenehrgeiz nicht.

Ich schenke meinem Dauermandanten, der mit einem deutschen Freund kommt und mir die eprimo Abrechnungen und die Fehler erklären will einen niegelnagelneuen Ordner. Auch der Freund ist genervt vom Papierchaos des Mandanten. Heute ist er ohne Kind da.

Herr PM wird aus der Klinik entlassen und fährt aus Wunstorf nach Hannover mit einem selbstgebastelten Fahrrad, er kommt nass an und holt sein letztes Geld bzw. 7 € kann ich ihm davon nicht auszahlen. Soll gleich Bescheid sagen gegenüber bei der Postbank, dass sie ihm seine Kontokarte zuschicken und an die Katze im Tierheim denken. Ich bin wieder Obermutti.

Ich arbeite meine Fristen ab und habe irgendwie ein schlechtes Gewissen, dass ich wegfahre, auch wenn die Betreuten mir alle gute Erholung wünschen und verstehen, dass ich mal aus Hannover weg muss. Mal raus aus der Provinz. Elegant würde ich ausschauen. Mein türkischer Betreuter bringt mir eine Stoffrose und beteuert, wie viel ich ihm zu verdanken hätte.

Rose

Ich soll mal wieder zum Buchbinderkurs kommen. Es sei lustig mit mir gewesen. Noch mal Wetter Paris gucken? Habe ich richtig gepackt? Sollen wir nach dem Ergebnis der Europawahl die Reise absagen. Jetzt haben wir Jahrelang Italien boykottiert wegen der politischen Führung und jetzt so was. Was geht in diesen Menschen vor? Es kann einem Angst machen. Ich will doch nur knallgrüne Falafel essen (oh Gott waren die lecker). Ich hoffe, dass ich die Zeit genießen kann. Bald habe ich auch einen Lagerschaden oder Stephan und vorher will ich Spaß haben und eine gute Zeit.

Ich improvisiere ein bisschen viel bei der Choreo und kann auch die Burlesque-Moves nicht so formvollendet, aber die Frauen loben meine „sexy“ Beine in der Straßenbekleidung, d.h. mit Strumpfhose. Das ist mir etwas peinlich oder sollte es mich aufbauen? Mein neuer Betreuter hatte mir nachmittags schon 3 mails geschrieben und nach dem Sport bekomme ich diese:

„Liebe Frau ….,

vielen dank für die überaus positiven Nachrichten und ihre rasche Handlungsweise. Sie sind eine wirklich toffe Powerfrau, das habe ich gleich durch meine Hellsichtigkeit gespürt, daß diese archaische, weibliche Urkraft in Ihnen lebt (Aus dieser Zielsetzung beginnen viele Yoga). Den Termin am 10.6. würde ich gern mit Ihnen zusammen wahrnehmen wollen.

Rechtsanwalt … hat innerlich gezuckt, als Sie ihn angerufen haben, das habe ich auch gespürt. Ich glaube, er wird Probleme bekommen.

Bis Dienstag und viele freundliche Grüße
……

p.s. als Sie ihr Sternzeichen sagten, war ich sicher, sie sind 1979 geboren, weil ich dachte, so etwa sehen Sie auch aus.“