20.01. Mein Betreuter, der Rattenfreund mit der Borderline- und Persönlichkeitsstörung sollte zur Entgiftung stationär aufgenommen werden. Deswegen hatte ich Donnerstag noch bei ihm vorbeigeschaut. Hat nicht geklappt. Platz war vergeben. Auf Nachfrage, er hätte sich seit dem 13.12. dort nicht mehr gemeldet. Er sagt, er hat am 17.01. dort angerufen und sich den Platz bestätigen lassen. Ich glaube meinem Schützling. Es folgen nervige Telefonate mit dem Klinikpersonal. Ich sage denen, dass ich auch ein Problem damit habe, weil ich zuständig bin für die Gesundheitssorge und ich jetzt auch jeden Tag anrufen werde- dafür hat mich das Gericht bestellt. Ein Tag später spreche ich dann mit dem Arzt. Alle sind bemüht ihn wegzubeißen, weil er auch nervt, aber deutlich sagt das keiner, sondern nur: bitte geh woanders hin, weil dies und jenes. Mein Gott sind die nervig.
Ein anderer Betreuter will mir nicht bestätigen, dass ich kein Geld verwaltet habe. Ich erkläre es ihm, dass ich nur das Konto einsehen und ihm sagen kann, wie viel er im letzten Jahr für Computerspiele ausgegeben hat, aber kein Geld einteilen noch Überweisungen für ihn mache, weil das bei seiner Bank online gar nicht geht. Was hat der Studierte danach nicht verstanden? Nachmittags noch eine Sozialarbeiterin meiner Betreuten, die Türkin ist. Sie ist Vertretung für die Frau, die das sonst macht und im Mutterschutz ist und will Beratung wegen des Entwicklungsberichts. Sonst kommt immer ein sehr nerviger Typ aus Hameln vom Kostenträger und macht einen Hausbesuch und ich lasse mir einen türkischen Mocca machen von meiner und freue mich da immer drauf und dann schütteln wir Frauen uns, wenn der wieder gegangen ist, weil der ist wie Fernseher und Weißbrot. Dieses Jahr hat er keine Zeit aus Hameln zu kommen. Wir sind natürlich untröstlich, dass er nach Aktenlage entscheiden will und wir nicht in dem Genuss des Dates kommen.
Ich mache einen halben Tag frei und fahre zur Kestner. Heute unterrichtet dort Simone und so soll sich meine Mitgliedschaft lohnen, wenn mir die Kunst schon nicht gefällt, dann kann ich wenigstens am Yoga für Mitglieder teilnehmen. Ich komme bewusst später, weil mich die Kunsteinführung nicht die Bohne interessiert. Ich traue mich aber auch nicht zu spät zu kommen, weil ich Angst habe, dass sie mich nicht mehr rein lassen. Herr Görner sitzt im Foyer an einem runden Tisch mit anderen Personen. Die müssen ja auch ihren Tag rumkriegen. Ich ziehe gleich meine Sport- bzw. Hausklamotten an (Frotteehose, Marke unvorteilhaft) und stehe mit Yogamatte und selbstgestrickten Strümpfen neben den Schülern der Yogawerkstatt in ihren Straßenklamotten. Die Erklärungen zur Kunst sind bedürftig und laienhaft. Die oberen Räume gefallen mir diesmal viel besser in menschenleer oder –leerer. Der Raum voller symmetrisch angeordneter Tesafilmstreifen mit dem Pastelllidschatten darunter sieht bezaubernd aus und erinnert an Regen. Da dürfen wir nicht turnen, sondern nur unten. Die Räume sind kalt und deprimierend und alle wollen danach nur noch heiß baden. Ich will im Kunsthistorischen Museum in Wien turnen zwischen den Gemälden, am besten noch von Lucian Freund, auch wenn die schon abgehängt sind oder Carvaggio würde mir auch taugen oder vor den Prinzessinnen von Velazquez oder in der ägyptischen Sammlung, egal wo bei denen im Haus. Es wäre eine Inspiration, eine Freude. Hier hingegen kann man nur auf bessere Zeiten warten. Simone macht einige Übungen von Mikael wie den herabschauenden Hund mit breit aufgestellten Beinen. Das extreme Dreieck, wie Mikael es nennt. In den Rückbeugen, soll man das Herz nicht einfach nach vorne pressen, sondern den Raum hinter dem Herzen öffnen. Eine interessante Vorstellung. Das ist dann der obere Rücken, der weit werden soll. Wir sollen mal testen, wie es uns ergeht mit den herzöffnenden Übungen, ob die Kälte gut tut, weil man als Pita-Typ zu Überhitzungen neigt und sich leicht reinsteigert in die Rückbeugen, was dann mit Yoga nur noch wenig zu tun hat, nach Simone oder ob es schwer fällt, das Herz zu öffnen bei der Kälte und der feindlichen Stimmung in dem blöden Kunstraum. Mir fällt es eher schwer, also eine Hilfe ist es nicht. Ich esse anschließend viel statt zu duschen und setze mich mit Wolldecken vor den Fernseher. Leider verpasse ich 2 Geburtstage, einer war gestern und einer heute.
21.02. Der Rattenfreund soll erkennungsdienstlich behandelt werden, weil die Polizei ihn mit den Resten eines Joints auf dem Spielplatz erwischt hat. Colorado ist weit weg. Ich muss dagegen klagen vor dem Verwaltungsgericht, wenn das aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar für ihn ist. Was soll das alles?
Mittags zum Amtsgericht. Mein Betreuter wird aus der JVA vorgeführt. Schicke Jacke sage ich gleich zu seinem JVA-Parker. Ich freue mich ihn zu sehen und er freut sich auch. Eine willkommene Abwechslung. Während der Therapie soll die Betreuung aufgehoben werden. Das will meiner nicht und der Richter merkt, wie anstrengend er ist und verrät mir danach, dass er die Betreuung um 2 Jahre verlängert hat und ich solle mich einfach in 6 Monaten melden. Er will sich eine weitere Anhörung ersparen. Ich kaufe alte Bücher für neue Projekte, weil ich jetzt noch 5 x zur Buchbinderergotherapie gehe. Dann finde ich was für das minderjährige Geburtstagskind und für mich Tierfiguren. Sammele ich jetzt schon Püppchen? Ich kann nicht umhin. Ich finde sie toll. Ich habe nur die Mädchenfiguren genommen, obwohl die Jungs auch coole Klamotten hatten, Hosen mit Hosenträgern und Krawatten. Ich frage Stephan wie sie heißen: Luci (Wolfmädchen), Emma (Nilpferdmädchen), Jill (Krokodilmädchen) und Toffi (Maulwurfmädchen). Ich mag sie so doll, dass ich sie im Büro aufstelle.

Außerdem das tollste Geschirrhandtuch aller Zeiten. Groß, nagelneu, Irish linen. Naturfarben und mit schwarzer Schrift: House rules oder besser nur „The Rules“:

Nachmittags kommt ein Mandant aus dem Osten, der Beratungshilfetyp, der letztes Mal nicht erschienen war und der sich jetzt szenig gibt und meine Kunst bewundert und einen herrlich obszönen Nachnamen hat. Wir verstehen uns gut. Leider streikt mein Anwaltsprogramm und ich muss aus einer anderen Akte die Vollmacht überkleben. Die reinste Fälscherarbeit. Wir amüsieren uns.
Herr PM wollte sich zwischen 16 und 17 Uhr melden, was er nicht tat. Ich telefoniere hinterher. Morgen muss ich die Räumungsklage begründen. Er will sich bis zum Wochenende entschieden haben und Freitag um 15 Uhr bei mir melden. Das klappt doch wieder nicht.
Abends beim Sport ist der ganze Raum wieder voller junger Dinger. Die können sich mal wieder an Mutti messen. Abends vor dem Fernseher schneide ich meine Dreads, die teilweise nur noch an wenigen Haaren hängen ab. 8 Stück und nur noch 3 sind übrig. Am nächsten Morgen wundere ich mich, was für ein Haarberg auf dem Wohnzimmertisch liegt und wie haarlos ich bin. So ist das halt. I go back to natural. Ich meine, das andere waren auch meine Haare. Natürliche Haarimplantate oder push ups, wie ich sie immer genannt habe. Jetzt habe ich einen winzigen Dutt und weiß gar nicht wohin mit den ganzen Haargummis. Dafür wird Sauna und Schwimmen bald einfacher in der Wellnessoase im Schwarzwald und dann auch am Pacific. Ich wollte es ja so. Hätte Stephan sie abgeschnitten, hätte ich einen Heulkrampf bekommen. Ich überlege morgens, ob ich mal zum Friseur gehe und mir mit meinem wenigen, feinen Haare eine Frisur verpassen lasse. Stephan sagt, dann könne ich die Hütchen gleich vergessen. Ich weiß nicht, ob er Recht hat.
22.01. Viel Post, auch Privates. Zwei Geburtstagspäckchen. Einmal für den Jungen, der schon hatte und dann meine Cousine, die noch hat und 50 wird und uns eingeladen hat, aber wir können nicht kommen. In der Räumungssache bekomme ich von der Gegenseite noch eine Gnadenfrist nach einem herzzerreißenden Anruf meinerseits.
Ich habe bald Termin zur Ehescheidung in einer Betreuungssache von mir. Die Schwägerin der Ehefrau hat sich bei mir gemeldet, dass sie nicht einreisen darf nach Deutschland. Sie ist in die Türkei abgehauen und darf nicht mehr nach Deutschland rein. Hat zwischenzeitlich dort auch geheiratet. Ich telefoniere mit der Richterin, was zu tun ist. Suche alte Unterlagen meines Betreuten raus. Heirat war am 23.09.2003. Er lag mehr oder weniger im Koma als ich die Betreuung übernommen habe und bekommt seit 01.08.2004 eine unbefristete Rente aufgrund seiner schweren Diagnosen. Es geht darum das Gericht zu überzeugen, dass wir keinen Rentenausgleich machen müssen. Sie hat wohl auch so was geschrieben wie: ich bin einverstanden mit der Scheidung und wir haben uns außergerichtlich darauf verständigt, dass kein Versorgungsausgleich durchgeführt werden soll. Dazu braucht man in Deutschland 2 Anwälte um das zu erklären. Meine neue Betreute aus der Oststadt beschert mir Arbeit, Schreibarbeit. Nachmittags fühle ich mich zusehends unsexy mit so wenig Haaren, aber ab ist ab. Heute Abend nach dem Yoga gibt es Foie Gras vom Naschmarkt mit Freundinnen. Da freue ich mich drauf. Als Nachtisch Rumkirschen in Eierlikör von Stauds. Dazu habe ich Vanilleeis in der Eisdiele Stephanusstraße bestellt. Musste man nicht nur vorbestellen, sondern auch noch einen Zettel dazu ausfüllen. Kostet 14,- € und 1,- € für die Verpackung, die man aber wieder verwenden kann. Ich frage, wie viele Kugeln das ergibt. Antwort: ca. 12. Die wären dann teurer als einzeln in der Waffel. So sind die dort, unlogisch und kompliziert und wehe es bestellt ein Erwachsener ein Kinderspagettieis, auch wenn es für sein Kind ist, was er auf dem Arm hält. Wenn er auch davon essen will so nach dem Motto: „teilen wir uns eines, Lucca? Hast Du Lust“, dann wird abgemahnt, weil sie hat das gehört, dass der Erwachsene davon essen wird, quasi Umgehung. Die Frau ist sehr anstrengend. Die Wintereissorten sind lecker, aber das Eis schmeckt nicht bei den kalten Temperaturen. Nicht nur die Foie Gras von Urbanek ist richtig gut, auch der Käse mit Früchtebrot.
23.01. Betreute kommt mit ihrer Freundin, Klage vor dem Sozialgericht. Es geht um das begehrte Merkzeichen „G“. Dann kommt ein Dauermandant. Mit wie vielen Energieversorgern kann man sich auf einmal streiten, frage ich mich. Dann fahre ich zum Bücherschrank und hole eines für ein Buchprojekt mit alten Familienfotos. Ich kaufe Fisch, geräucherte Makrele. Hmmh lecker, Fischhampe ist echt Kult. Abends gibt es gebratenen Fisch und Petersilienwurzel. Den Räucherfisch esse ich beim Kochen. Mittags gibt es eine Suppe in der Kaffeepause. Ich wundere mich oft über die deutsche Sprache. Warum steht herzhaft eigentlich für salzig. Wenn man das Wort hört, denke ich an Waffeln oder Cupcakes. Nachmittags kommen meine Betreuten zum Geld abholen. Ich will zu Boesner, aber das Wetter ist mir zu doof. Das verhindert sinnloses Geldausgeben. Lieber das Zeug benutzen, was ich schon habe. Ohne Termin taucht Herr PM auf. Er hat Vorladung vom Gerichtsvollzieher und das kann er nicht auch noch gebrauchen. Ich muss mich kümmern, mache ich auch. Er will sich Montag melden, das klappt doch wieder nicht, Er macht sich Hoffnungen, dass er die 2-Zimmer Wohnung in Empelde bekommt. Seine WG-Mitbewohnerin hat ihn gleich zur Besichtigung hängen lassen. Er will tapezieren, streichen und Laminat verlegen. Davor mache ich Ablage und habe nun definitiv die Idee für ein Buchprojekt. Das Leben eines Betreuten werde ich binden. Seine Pornos, die ganzen Anträge, wie eifrig ich als Berufsanfängerin gestritten habe, der ernährungsbedingte Mehrbedarf für HIV, auch im Heim. Die Korrespondenz mit dem Grünen OB-Kandidaten. Er wurde ermordet, mein Schützling und ich werde ihm ein Denkmal setzen. Ein ganz Privates.
24.01. Betreute. Will die Opferentschädigung auf sich beruhen lassen nach Glaubwürdigkeitsgutachten usw. Keine Verurteilung des Täters, schlechte Karten. Nachmittags kommt ein Freund wegen Bafög-Stundung. Immer wieder muss ich wischen. Das Wetter bringt viel Matsch und Steinchen. Abends nach dem Sport schnell was Essen. In das kalte Theater im Getränkemarkt. Umtopfen heißt das Stück. Es geht um Asylanträge. Genau der Sozialarbeiter mit dem ich einen gemeinsamen Schützling habe (Eilverfahren und Klage gegen die Abschiebung nach Afghanistan und Asylfolgenantrag) sitzt im Publikum. Das passt ja wieder. Es ist saukalt. Wir laufen zur Busstation Glocksee und fahren mit einem Kurzstreckenticket in die Nordstadt zu einem Geburtstag. Dort will ich gleich wieder gehen, bleibe dann aber doch. Wenn ein „Kollege“ auf einer privaten Veranstaltung, einem 49sten Geburtstag in der Küche des Jubilars mich immer anspricht: „Frau Kollegin, ich muss mal an den Sekt ran“. „Frau Kollegin, ich muss mal an die Gläser ran“ usw., aber immer mit dieser Eingangsformel, dann frage ich mich, ob der noch alle Tassen im Schrank hat. Das mag ja bei manchem auch lustig oder charmant, aber hier will ich nur Pulp Fiction zitieren auf die Reaktion „Freundchen“: „Ich bin nicht Dein Freund, Du Arschloch.“. Wer war das noch mal? Bruce Willis? Wir holen uns Tipps aus erster Hand für SF. Richmond oder irgendwas, wo man zur Beach kann. Topa oder Topalino, das ist dann mexikanisch. Rainbow Foods statt Whole Foods. Richtig gute Tipps, glaube ich. Mit dem Bus zurück. Ich habe Einiges an Sekt getrunken und verleihe einen Essensgehgutschein an einen Freund als an der Haltestelle improvisiertes Geschenk. Machen würden es lieblos nennen.
25.01. Basteln, Freund aus Hamburg kommt. Weinprobe Burger und Wein. Mein Hütchen mit dem Burgerklau von Mc Donald (uraltes Spielzeuge) ist passend und kommt gut an. Ich habe einen netten Unbekannten neben mir sitzen, der für die üstra arbeitet als Architekt. Während ich zu Beginn des Abends noch beteuere, dass es keine Entgleisungen geben soll, passiert genau das.
Hier erst mal der appetitliche Teil des Abends:

Nach dem offiziellen Teil holt mein Mann Süß- und weitere Weißweine von Zuhause. Es nimmt ein schlimmes Ende. Ausfälle bei mir und dem Hamburger Besuch. Mehr sehe ich im Tunnel nicht. Mir geht es richtig schlecht. Krankgesoffen, kann man auch sagen. Da muss sich jetzt mal was ändern. Ich stelle selbstkritisch fest, wenn es nur mittelmäßigen Prosecco gibt und immer denselben, dann bin ich nur angetrunken, wenn es sehr leckere Weine gibt und verschiedene und immer nachgeschenkt wird, dann kenne ich keine Grenzen und verliere die Kontrolle.
26.01. Der böse Kater. So schlimm war er noch nie, der Kater vielleicht schon, aber der Zustand im Rausch noch nicht. Der Gast und wir, alle schauen sich kaum in die Augen. Sprechen geht auch kaum. Alles ist eine Qual. Ich mag gar nicht mehr schlucken, auch keinen Tee. Quäle ihn runter. Flüssigkeit ist ja jetzt wohl genau das Richtige. Man leidet vor sich hin. Irgendwie ist es schambesetzt, was gestern Nacht war, was man noch erinnert. War da was? Keiner will darüber sprechen. Wir sind zur Vernissage von Ralf Bednar verabredet und lassen den Besuch zurück und laufen durch den verschneiten Park. Strahlende Kindergesichter kommen uns entgegen auf Schlitten, rote Bäckchen, die Papas spielen Pferdchen.
Elend ob unseres Zustandes, aber nette Fahrt nach Bissendorf, zu viert im Auto. Tolle Bilder, tolle Einführungsrede von Vera Burmester, die ins Schwarze trifft, wenn sie sagt, dass Ralf ein Tabu bricht in der Kunst, weil er als Meisterschüler und sicher in allen Techniken sich dem Humor verschreibt. Das ist der Skandal, den man nicht auf den ersten Blick sieht, denn es wird negiert, dass dies ein Tabubruch sei, aber es ist so. In allen großen Museen der Welt findet man humorvolle Kunst nur als Randerscheinung. Ich liebe das ja, aber sie hat Recht, dass das sonst in der ernsthaften Kunst nichts zu suchen hat. Wer malen kann, malt ernsthafte Motive, keine Putzfrauen, die ein Bild von Dracula abstauben. Bei mir ist es so: Ohne Titel I – V kann mich mal. Da denke ich gleich, der hat keine Ideen, der das gemacht hat. Gute Titel für Bilder, Humor, das ist für mich geistreich und nicht nur dekorativer Wandschmuck. Ich esse Lachshäppchen und leide weiter. Auch andere aus meinem Ex-Atelier sind da. Nicht mit jeder kann ich was anfangen. Warum ist es so, dass unterdurchschnittlich aussehende, spießige Frauen gerne total stolz drauf sind, dass sie einen Freund haben und jeden Satz mit „mein Freund und ich“ einleiten. Oh Mann, wie armselig. Das wirkt verzweifelt so wie: ich habe auch einen abbekommen und das sollen alle wissen.
Vor der Abfahrt noch ein Foto mit dem Künstler, meinen Ex-Atelierkollegen. Hier bin ich echter Fan, wie man sehen kann:

Auf der Rückfahrt geht es um mein Betreuungsbuch. Ich bin zu nichts zu gebrauchen. Mandelpudding, etwas Pasta mit alten Steinchampignons. Im Fernsehen läuft ein Bericht über Norddeutschland. Unser schönes Land oder wie heißt das? Da kommen Typen drin vor. Spießige Gärtner, die im Januar die Zeit nutzen irgendwelche Arbeiten, die anstehen im Garten zu verrichten, die Baumstämme weiß streichen und was erzählen von Samen, die den Kältereiz benötigen, dann ein Typ, der Vogelhäuser mit Schieferdächern baut. Ohh Mann. Am schlimmsten ist die Frau vom Spargelbauern, die reitet in ihrer Freizeit und Moos aus dem Wald in dekorative Kugeln verwandelt, die in einem gefochtenen Kranz mit Kerzen im Garten aufgestellt werden. Wahnsinn. Leider erlaubt mein Zustand keine andere Beschäftigung. Wir schauen noch etwas Hader. Der ist toll. Buddhistische Redewendung, weil wir nicht die komplette Erde mit Leder bedecken können, tragen wir Schuhe. Er will auf der Straße sterben, wie ein Mann. Bloß nicht auf der Bühne, wo alle denken, das gehört zum Stück. Was, jetzt kommen auch noch Krankenpfleger? Der fährt ja richtig auf und dann am nächsten Tag erst aus der Zeitung erfahren, er ist wohl gestorben, aber schauspielerisch eine Nullleistung. Ich mag den Typen. Ich gehe um 18:30 Uhr ins Bett. Unseren Besuch aus Österreich werde ich erst am nächsten Tag sehen. Ich schlafe bis 7:30 Uhr morgens. Das liegt an der Selbstzerstörung. Das will ich nicht wieder haben. Ich gebe mir dafür 8 Monate – Abstinenz. Jetzt glauben alle, ich halte das nicht durch. Stephan sagt, 9 Monate und alle denken, ich bin schwanger. Haha. Wir werden sehen, was am Ende für ein Kind da bei heraus kommt. Ich glaube schlussendlich tue ich mir und anderen einen Gefallen. Ich mache mich behindert, meine Auffassungsgabe und andere Talente sind deutlich eingeschränkt. Auch ich habe ohne Alk einen besseren Abend. Da bin ich mir sicher. Schade nur, dass ich bei den Weinweibern jetzt raus bin, aber selber schuld. Weinprobe in Stuttgart gehe ich auch so hin, will den Blick genießen, Sunset oder so und die Winzertraubensäfte verkosten. Ich werde offen darüber sprechen. Das gehört dazu, auch in einer Winzerfamilie. Wer nicht damit umgehen kann, muss was ändern. Hart, aber Ehrlichkeit zu sich selber ist auch was Schönes und ich muss mir wirklich nicht Leid tun. Habe nichts ausgelassen. Die nüchterne Klarheit ist auch ein schöner Zustand.