{"id":909,"date":"2013-07-28T14:21:05","date_gmt":"2013-07-28T12:21:05","guid":{"rendered":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=909"},"modified":"2013-07-28T14:22:20","modified_gmt":"2013-07-28T12:22:20","slug":"26-07-jetzt-noch-mal-alles-rausholen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=909","title":{"rendered":"26.07. Jetzt noch mal alles rausholen"},"content":{"rendered":"<p><strong>F.<\/strong><\/p>\n<p>Ist ein dicker brauner Vogel ein Spatz, frage ich mich auf dem Weg ins B\u00fcro. Vorher habe ich meine vermeintlich bequemen Sandalen, bei denen meine F\u00fc\u00dfe aber streiken, einfach vors Haus gestellt. Das ist jetzt mein neues Ding. Rausstellen und freigeben in den Kreislauf der Dinge. Neulich habe ich einen Karton mit Sachen rausgestellt mit einem Schild &#8222;Zum mitnehmen&#8220; und alles, wirklich alles war am Ende des Tages weg, sogar angebrochene Haarspraydosen aus dem Ausland, Holland usw. Jahre alt. Es kann immer einer gebrauchen, zumindest bei uns in der Gegend und man muss nur den leeren Karton wieder reinnehmen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Sandaletten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-889\" alt=\"Sandaletten\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Sandaletten-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Sandaletten-300x225.jpg 300w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Sandaletten-624x468.jpg 624w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Sandaletten.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Heute wird die Woche mit etwas weniger Druck zu Ende gehen. So ist meine begr\u00fcndete Hoffnung. Manchmal denke ich, dass ich am Klang des Aufschlie\u00dfens erkennen kann, wie voll der Briefkasten bei der Arbeit ist und manchmal liege ich richtig und manchmal nicht. Heute klingt er voll, ist es aber nicht. Da t\u00e4usche ich mich gerne.<\/p>\n<p>Ich treffe um 10:30 Uhr einen jungen Sch\u00fctzling beim Jobcenter. Vorher erfahre ich im B\u00fcro, dass Herr PM nun doch nicht mehr freiwillig da bleiben will und wir einen Beschluss brauchen. Schade, dass das gestern nicht schon so gesehen wurde als die zust\u00e4ndige Richterin zu Anh\u00f6rungen in der Klinik war und ich es eh schon mehr als absehbar fand. Kann man nichts machen. Klinik will \u00e4rztliche Stellungnahme schreiben. Antrag habe ich ja schon Dienstag gestellt. Alles klar. Ein Herr Soundso, offenbar ein Klinikmitarbeiter l\u00e4sst mich gr\u00fc\u00dfen. Ich kann \u00fcberhaupt nichts mit dem Namen anfangen, t\u00e4usche es aber vor.<\/p>\n<p>Bevor ich losfahre noch ein Telefonat mit dem Jobcenter in meinem Eilverfahren. Es geht um Wohnkosten, die zu teuer sind und nicht mehr anerkannt werden und Kinder, die nur selten besuchsweise in der Wohnung verweilen und noch seltener \u00fcber Nacht. Ich habe alle m\u00f6glichen Atteste eingereicht und es dauert mir schon zu lange das Ganze. Das werte ich als schlechtes Zeichen und greife zum H\u00f6rer um mit der Gegenseite zu besprechen, wie ein L\u00f6sungsweg aussehen k\u00f6nnte. Das mache ich um einer gerichtlichen Niederlage zu entgehen und schnell eine pragmatische L\u00f6sung zu finden. Keine Ahnung, wie, aber ich muss mal wieder \u00fcberzeugt haben am Telefon und der Sachbearbeiter will sich das alles noch mal durch den Kopf gehen lassen und wir telefonieren am Montag. Die AOK ruft mich an und die Frau sagt: \u201eSie schreiben immer so b\u00f6se Briefe\u201c. Und ich sage darauf: \u201edabei bin ich total lieb\u201c. Das ist meine Strategie von Zuckerbrot und Peitsche mit der ich wirklich gute Erfolge habe und Dinge im Sinne meiner Klienten regeln kann. Wenn andere zu lahmarschig arbeiten, kann ich das nicht ab. Au\u00dferdem muss ich hier zusehen, dass ich die Arbeit wegbekomme und den Dschungel rode. Ich gehe allerdings gerade in den Betreuungssachen sehr auf. F\u00fcr anwaltliche Mandate interessiere ich mich zunehmend weniger. Wenn eine Anfrage an mich herangetragen wird, ich wirke so durchsetzungsstark und die Frau f\u00fchlt sich nicht richtig vertreten ist f\u00fcr mich absehbar, dass wird nur anstrengend. Tendenziell Querulanten ohne Geld, also wie ein Betreuungsfall, aber eher ehrenamtlich und die Bezahlung ist unklar. Ich kann mich in so einen Fall meistens nicht so sch\u00f6n reinsteigern und emotional binden wie bei meinen Sch\u00fctzlingen und nur diese Bindung l\u00e4sst die L\u00f6wenmama in mir zum Vorschein kommen. Das ist mein berufliches Zwischenfazit.<\/p>\n<p>In meinem Kopf will ich zum neuen Jobcenter Vahrenwalder Stra\u00dfe fahren und zum Gl\u00fcck schaue ich noch mal nach der Hausnummer vor dem losfahren um zu sehen, nein, ist Calenberger Esplanade. Direkt vor der Haust\u00fcr. Ich habe es meinem Betreuten falsch geschrieben, aber der hatte auch die offizielle Einladung mit Adresse, Zimmernummer usw. und ist hoffentlich nicht auf meine Verwirrung reingefallen. Ich habe durch den unerwartet nahen Zielort mindestens 25 Minuten gewonnen und kann noch etwas meine Telefonkunst spielen lassen. Ich wei\u00df ja jetzt nach dem Telefonat mit dem Gutachter wo der Hase lang l\u00e4uft in meinem schwierigen Unterbringungsfall, in dem es um Wohnheim geht und f\u00fchre entsprechend Telefonate um hier die Sache voranzubringen. In der Weinstra\u00dfe hei\u00dft es: \u201edie sind gerade am Steuern\u201c. Da muss ich lachen. Das nennt sich zwar Steuerungsstelle, aber das klingt schwer nach Moby Dick, wie ich meinem Gespr\u00e4chspartner sage.<\/p>\n<p>Meiner sitzt schon oben im Wartebereich im Flur und macht mir die T\u00fcr auf. Die Sachbearbeiterin sieht aus wie die Hauptdarstellerin aus die Fabelhafte Welt der Amelie und ist auch vom Wesen her ganz entz\u00fcckend. Ich beichte gleich meinen Irrtum mit der Adresse und sage, da hat Frau A. wieder Quatsch erz\u00e4hlt, aber er habe den Intelligenztest bestanden. Meiner will einen Bildungsgutschein und eine 1-j\u00e4hrige Ausbildung zum Pflegehelfer machen. Er hat schon ein freiwilliges soziales Jahr hinter sich und wartete nur auf die Bereinigung des F\u00fchrungszeugnisses um in diesem Bereich weiter machen zu k\u00f6nnen. Sie erkl\u00e4rt, dass er zum Eignungstest muss und auch eine Schadensersatzvereinbarung unterzeichnen, d.h., wenn er abbricht, bekommt er nicht nur 3 Monate 30 % weniger, sondern muss auch die Lehrgangskosten zur\u00fcck zahlen und hat damit Schulden. Meiner, der schnell zu allem, \u201eja\u201c und \u201eklar\u201c und \u201edas wei\u00df ich\u201c sagt, willigt ein. Ich punkte mit meinem aktuell erworbenen Wissen \u00fcber Fachkr\u00e4ftemangel in der Pflege (Gutachtertelefonat von gestern Abend) und lobe seine berufliche Wahl. Zum Eignungstest sage ich ihm, die Frau Amelie muss sich absichern, wenn sie hier Geld in die Hand, weil wenn das nicht klappt und sie hat es vorher nicht pr\u00fcfen lassen, dann bekommt sie \u00c4rger und auch kein Weihnachtsgeld. Auch Frau Amelie muss \u00fcber meine Ausf\u00fchrungen lachen. Sie sagt, es schade nicht, sich vor dem Test die Grundrechenarten noch mal zu Gem\u00fcte zu f\u00fchren. Es ginge n\u00e4mlich nicht nur um Motivation, sondern auch um Eignung im Sinne der geistigen F\u00e4higkeiten. Die Tests seien nat\u00fcrlich abgestuft, je nach angestrebtem Beruf. Ich sage ihm, also kein Medizinertest, sondern nur ein bisschen Dreisatz, eine Pizza kostet 2,50, wie viel &#8230;. Das sei deswegen, damit man der Oma das Wechselgeld nach dem Einkauf richtig rausgibt und so was. Nach diesen Ausf\u00fchrungen m\u00fcssen der Sch\u00fctzling und ich beide sehr lachen \u00fcber ein Hinweisschild im Geb\u00e4ude der Agentur. Apropos Wissenstest, wer hat das denn geschrieben?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Umbauarbeiten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-892\" alt=\"Umbauarbeiten\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Umbauarbeiten-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Umbauarbeiten-225x300.jpg 225w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Umbauarbeiten.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Da wir keinen Kaffee mehr zuhause haben, biege ich rechts ab und will ein Kilo Bohnen in der Calenberger Stra\u00dfe in dem einen Caf\u00e9 kaufen. Das tue ich und vor der T\u00fcr sitzt die Mutter einer Freundin, die ich begr\u00fc\u00dfe. Sie klangt etwas \u00fcber das Wetter und ich sage, sie komme doch aus Wien und m\u00fcsse Schlimmeres gewohnt sein, so hei\u00df, wie es da immer sei und sie darauf: Aber i w\u00fclls nimmer. Mir f\u00e4llt die Freundin ein mit dem Grillplatz an der Donau und der Absage und sie kl\u00e4rt mich auf, da gibt\u2019s feste Grillpl\u00e4tze, die man mieten muss. Das kost sogar Geld. Da ist nicht einfach wild grillen wie bei uns hier. Sie fragt nach meinen Wienpl\u00e4nen, weil sie wei\u00df, dass wir oft hinfahren und ich sage, im Winter waren wir 3 x. Erst mal sei nix geplant au\u00dfer grob n\u00e4chsten Juli. Vorher aber vielleicht auch noch mal im Winter, Kaffeehauszeit. Sie vers\u00e4umt keine Gelegenheit mir zu sagen, wie gl\u00fccklich sie und ihr Mann in Hannover seien. Wien w\u00fcrde ihr nicht mehr taugen und sie sei Wienerin. Die Menschen san b\u00f6s. Ich sage, das stimmt schon, gerade Rentner k\u00f6nnen nerven, die sonntags oben aus dem vierten Stock herunter b\u00f6lken: verkehrt rum in die Einbahnstra\u00dfe, wo gibt\u2019s denn so was?\u201c wenn man dort mit dem Radel langf\u00e4hrt und sonst weit und breit weder Auto noch Fu\u00dfg\u00e4nger vorhanden ist, den man st\u00f6ren k\u00f6nnte. Ich sage dann, nix gegen Rentner an sich und sie stimmt mir aber zu, die Rentner seien die Schlimmsten. Sie sei bei einem ihrer letzten Wienbesuche beim Zentralfriedhof gewesen, weil sie dort Familiengr\u00e4ber h\u00e4tten. Da f\u00fchrt eine breite und lange Stra\u00dfe dran vorbei an der auch die S-Bahn lang f\u00e4hrt. Es sei kein Auto zu sehen gewesen und sie sei bei rot \u00fcber die Ampel. Da h\u00e4tte ein Rentnerp\u00e4rchen so geschimpft und so b\u00f6se Sachen gesagt. Sie zitiert im herrlichsten Wiener Dialekt, aber ich verstehe sinngem\u00e4\u00df: Schau Dir die Alte an, wie sie sich auff\u00fchrt. Um die ist net schad, aber der arme Autofahrer, der se dawischt\u201c&#8230; Sie haben erst mal zur Beruhigung der Nerven ins Caf\u00e9 Schwarzenberg gehen m\u00fcssen. Eine vortreffliche Wahl und so mache ich es auch immer, wenn die Spie\u00dfer mich \u00e4rgern, den \u00c4rger mit einem Topfenstrudel und einem gro\u00dfen Braunen hinunter sp\u00fclen.<\/p>\n<p>Im B\u00fcro die Frist eintragen f\u00fcr den Bildungsgutschein bzw. Beginn der Ma\u00dfnahme, damit ich da ggfls. auch nerven kann, wenn sich abzeichnet, dass das Amt nicht in die G\u00e4nge kommt und ich wieder b\u00f6se Briefe und \u00fcberzeugende Telefonate f\u00fchren muss.<\/p>\n<p>Der Nachmittag verl\u00e4uft ruhig und die W\u00e4rme staut sich etwas in meinem B\u00fcro, so dass ich meinen Armschmuck wieder ablegen muss, weil es zu sehr qu\u00e4lt. Bei diesem Wetter zeichnen sich ganz deutlich zwei Gruppen ab, die L\u00fcfter und die Nichtl\u00fcfter. Wir\u00a0 zuhause geh\u00f6ren eher zu den letzteren und schmoren gerne im eigenen Saft, aber bei dem Wetter wird schon etwas auf Durchzug gesetzt. Im B\u00fcro wird gel\u00fcftet was das Zeug h\u00e4lt und da sind grds. immer alle Fenster auf kippt. Dauerl\u00fcften. Nach meinen Beobachtungen gibt es vor allem unter den Frauen, die gerne putzen und Raucherinnen sind fanatische L\u00fcfterinnen, die dauernd die Fenster sperrangelweit offen lassen, ob sie da sind oder auch nicht. Der Frischluftbedarf bei diesen Raucherinnen ist sehr ausgepr\u00e4gt, wo ich immer denke, weniger rauchen hilft auch bei der Verbesserung der Luft, aber egal.<\/p>\n<p>Um kurz vor 3 ruft die Klinik an in Sachen PM, ob ich schon einen Beschluss bekommen h\u00e4tte, weil die Stellungnahme sei dort vor 12 Uhr hingefaxt worden. Jetzt muss ich mich darum k\u00fcmmern, weil das sonst rechtlich nicht in Ordnung ist. Beim Amtsgericht l\u00e4uft das Band, aber ich habe Geheimnummer und dort geht tats\u00e4chlich noch eine Mitarbeiterin ans Telefon und schaut nach, nein kein Fax vorhanden. Ich stimme die Faxnummer ab und faxe die Klinikstellungnahme aus meiner Akte und meinen Antrag noch mal und sie will es dem Eilrichter vorlegen. 10 Minuten sp\u00e4ter ist der 6-Wochen Beschluss geboren. Ich google den Menschen aus der Klinik, der mich hat gr\u00fc\u00dfen lassen, weil ich seinen Namen unter der \u00e4rztlichen Stellungnahme wieder erkenne und dann wei\u00df ich wer es ist anhand eines Gruppenfotos. Ich kannte nur den Vornamen von einer privaten Geburtstagsfeier. So, jetzt wei\u00df ich auch, was er beruflich macht. Schreibe ihm kurz eine mail wegen des gemeinsamen Falles.<\/p>\n<p>Heute Nachmittag hat die Sportpause ein Ende und ich bin mit meiner Freundin Steffi in Stephans Fitnessstudio verabredet um einen Probetag zu absolvieren. Wir haben uns nat\u00fcrlich f\u00fcr das fortgeschrittenen Yoga interessiert und wie Yoga in einer Mucki-Bude unterrichtet wird und damit es sich lohnt wollen wir vorher Bauch intensiv eine halbe Stunde lang machen. Der Typ habe total gute Muskeln bereitet mich Stephan auf diesen Kurs vor, so dass meine Erwartungen schon recht hoch sind. Einchecken tut uns eine junge Frau mit k\u00fcnstlichen Wimpern und dann geht es in die Umkleide, die riesige Ausma\u00dfe hat wie in einem Schwimmbad und dann weiter in den Kursraum. Der Trainer ist optisch eine Entt\u00e4uschung. Die Muskeln m\u00f6gen definiert sein, aber er leitet den Kurs nicht oben ohne und sein T-shirt ist auch viel zu gro\u00df und labberig. Au\u00dferdem sieht es langweilig aus. Wie eine Schaufensterpuppe, wie meine Begleiterin treffend anmerkt. Wir sollen uns erst mal Hanteln holen, eine leichte und eine schwerer. Ich greife erst zu den runden Dingern, die L\u00f6cher haben und farblich sortiert sind und denke, so sehen die Hanteln also hier aus, bis ich merke, das sind die Gewichte f\u00fcr die Stangen und die Hanteln sehen hier ganz normal aus. Dann geht es auch schon los. Alles Frauen nur ein Typ im Kurs und es l\u00e4uft die Techno vom Schlimmsten wie Scooter und \u00e4hnlich und der Typ feuert uns an wie der reinste Drillinstructor, aber er schreit damit nicht, sondern skandiert Pseudoanfeuerungss\u00e4tze wie \u201ejetzt Gas geben\u201c. Die Sprache ist verk\u00fcrzt im Anweisungsstil und nie wird ein ganzer Satz gesprochen. \u201eSet vorbei\u201c hei\u00dft es dann oder \u201ejetzt alles rausholen\u201c. Ich muss lachen, was meint er damit, die Br\u00fcste oder was sollen wir rausholen. Ich will gleich vorwegnehmen,\u00a0 dass der Kurs Wirkung gezeigt hat in meiner gesamten Bauchmuskulatur, von allem der seitlichen. \u201eI love my sixpack so much, I protect it with a layer of fat\u201c sage ich nur.<\/p>\n<p>Dann ist Yoga angesagt. Das macht eine Frau, die aussieht, als w\u00fcrde sie sonst Thai-Massage anbieten. Sie freut sich \u00fcber die bunten Teilnehmerinnen, das sind u.a. wir und stellt zu Recht fest, dass der Raum in zwei H\u00e4lfte geteilt ist, die Schwarzen sind rechts und die Bunten links. Es ist wieder nur ein Typ im Kurs, der aber beim Yoga st\u00f6hnt als w\u00fcrde er ein Kind bekommen. Die Lehrerin macht ihre Sache gut und l\u00e4sst uns Balance\u00fcbungen machen und R\u00fcckbeugen und alle \u00dcbungen werden zwei Mal gemacht, was ich sehr gut finde. Kurz nachsp\u00fcren, hei\u00dft es immer und sie kommt zum Schluss auch zu jeder und dehnt noch mal nach, d.h. man selber ist passiv und l\u00e4sst sich ziehen und dehnen. Dann gibt es einen ganz kurzen Exkurs in Sachen Atmung, Feueratmung. Es sind auch \u00e4ltere Frauen im Kurs, u.a. auch T\u00fcrkinnen. Das f\u00e4llt mir positiv auf. Dann ist es vorbei. Sie macht wohl nur noch n\u00e4chste Woche, ist also Urlaubsvertretung.<\/p>\n<p>In der Umkleide sind viele Frauen voll im Wellnessprogramm und laufen nackt herum die Haare zu Turbanen mit dem Handtuch umwickelt, cremen sie sich ein und haben wohl vor, hier Stunden zu verweilen. Das ist nicht so meins und wir verlassen rasch die Umkleide. Es geht vorbei an M\u00e4nnern, die Eisen stemmen und auch B\u00e4nken liegen. Ich komme mir vor wie ein Voyeur in dieser fremden Welt. Am Tresen sollen wir noch mal einen Fragebogen ausf\u00fcllen und bekommen als Belohnung ein isotonisches Getr\u00e4nk, bunt gef\u00e4rbt und Aspartam verseucht. Wir verweilen am Tresen, weil es drau\u00dfen angefangen hat zu gallern. Im offenen K\u00fchlschrank stehen 100 Liter fettarme H-Milch von Aro f\u00fcr die Eiwei\u00dfshakes. Der Chef guckt immer wieder auf mein H\u00fctchen und will wissen, \u201ewas es das?\u201c. Kopfschmuck sage ich \u201eD E K O R A T I O N\u201c. Sollte es so sein oder habe ich es gemacht? Ich habe es gemacht. Wie sieht es innen drin aus. Ich beuge den Kopf nach vorne und nehme es dann ab und sage: er k\u00f6nne sich jetzt mal die technischen Details anschauen. Er will dann wissen: \u201eBin ich der erste, der fragt\u201c. Nein, ist er nicht. Ich muss jetzt gehen, egal wie sehr es sch\u00fcttet drau\u00dfen. Die Musik macht Gehirnkrebs.<\/p>\n<p>Ich bin m\u00fcde von der Woche, esse eine riesige Dose Sardinen in \u00d6l und gegrillte Artischocken ebenfalls in \u00d6l und bin ein sehr uninspirierter Gespr\u00e4chspartner als eine Freundin aus Hamburg anruft. Duracell, Akku leer. Wie bei 3-4 j\u00e4hrigen, wird die Sprache dann verwaschen, S\u00e4tze werden nicht beendet und ich muss ganz schnell ins Bett. Unvermittelt gebe ich den H\u00f6rer an Stephan. Das Gespr\u00e4ch ist damit f\u00fcr mich beendet ohne Tsch\u00fcss. Zum Gl\u00fcck kennen mich meine Freundinnen und die guten nehmen mir so etwas nicht \u00fcbel. Sie kennen es auch, wenn sie da sind, dann verpisse ich mich auch einfach ins Bett ohne Abschied wenn es soweit ist, \u201efranz\u00f6sischer Abgang\u201c nenne ich das und kenne diese Praxis von zuhause. F\u00fcr mich dient es dem Zweck, keine Aufbruchsstimmung zu erzeugen, sondern einfach sang- und klanglos zu verschwinden. Meine guten Freundinnen m\u00fcssen noch mehr abk\u00f6nnen. Denen gratuliere ich auch am falschen Tag zum Geburtstag. Ich will im Erdboden versinken. Mit den Geburtstagsfristen bin ich einfach beschissen und bekomme eine 6.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Anwaltsgebiss.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-881\" alt=\"Anwaltsgebiss\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Anwaltsgebiss-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Anwaltsgebiss-225x300.jpg 225w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Anwaltsgebiss.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Wort an meine treuen Leser. Jetzt war ich flei\u00dfig und wegen der Sportpause war es zeitlich m\u00f6glich und habe genau Protokoll gef\u00fchrt und ihr habt einen Einblick in eine typische Arbeitswoche von A \u2013 F. Das wollte ich einmal machen, weil ich mir sicher bin, dass ich so ein Tagebuch nicht dauerhaft durchhalte, sonst m\u00fcsste ich die anderen Hobbies abschaffen. Es ist exemplarisch und diente der Anschauung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F. Ist ein dicker brauner Vogel ein Spatz, frage ich mich auf dem Weg ins B\u00fcro. Vorher habe ich meine vermeintlich bequemen Sandalen, bei denen meine F\u00fc\u00dfe aber streiken, einfach vors Haus gestellt. Das ist jetzt mein neues Ding. Rausstellen und freigeben in den Kreislauf der Dinge. Neulich habe ich einen Karton mit Sachen rausgestellt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-909","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-der-himmel-voller-butter-aus-dem-leben-von-buttermusch"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/909","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=909"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/909\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":913,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/909\/revisions\/913"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=909"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}