{"id":8774,"date":"2014-11-27T21:05:05","date_gmt":"2014-11-27T19:05:05","guid":{"rendered":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=8774"},"modified":"2014-12-09T18:41:35","modified_gmt":"2014-12-09T16:41:35","slug":"die-stilleben-von-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=8774","title":{"rendered":"Die Stilleben von Hamburg"},"content":{"rendered":"<p>10.11. Der Bl\u00e4tterteppich vor dem Fenster. Aus Gelb wird Orange.<\/p>\n<p>Ich habe untersch\u00e4tzt wie sehr mit London fehlen wird, Stephan nicht.<\/p>\n<p>Ambulante Wohnbetreuung meldet sich. Frau aus Hameln heult und alles Trauma und Gerichtsverfahren, die jahrelang dauern und aus denen ihr Leben besteht, dabei will sie nur einen Abschluss, dabei prozessiert sie mittlerweile selber. Das Leben besteht aus anderen Dingen. Ich bin da immer recht rigoros und unterst\u00fctze die Leute nicht dabei sich in ihrem Elend zu suhlen, sondern sage auch ehrlich meine Meinung. Fast wie beim Hund, \u201ethey don\u2019t follow weak energy\u201c und es bringt nichts, wenn man da ganz viele Emotionen reingibt, das macht es noch schlimmer. Man muss stattdessen einen anderen Weg aufzeigen. So mache ich es zumindest und auf mich h\u00f6rt sie dann mehr. Ich vermittele zwischen ihr und der Wohnbetreuung, die immer versucht alles richtig zu machen und damit an ihre Grenzen st\u00f6\u00dft. Sie hat eine Ausbildung in Traumabehandlung und lobt meinen Ansatz.<\/p>\n<p>Kollegin, die Schwiegermutter hat Demenz und ist jetzt im Heim, weil sie zuhause nicht mehr zurecht kommt. Betreuung anregen, f\u00fcr die Wohnungsk\u00fcndigung braucht man eine Genehmigung. Krebs hat sie auch. Brustkrebs, die eine Brust steht und ist hart und die andere h\u00e4ngt. Der Pflegedienst hat nichts gemeldet. Das kann auch aufbrechen. Schwierige Person, schon vor der Demenz, K\u00fcnstlerin, kann fies sein und raucht wie ein Schlot.<\/p>\n<p>Erfolge in der neuen Betreuungssache, neue \u00c4rztin, am Jobcenter vorbei das Beschwerdemanagement. Der Betreute braucht ein Schlafmedikament und was zu Rauchen.<\/p>\n<p>Termin beim Jobcenter f\u00e4llt aus. Betreuten mit dem Sparbuch (die Bank hatte gestresst und ich habe alles organisiert) haben sie wieder weggeschickt, weil sie einen gerichtlichen Beschluss brauchen. Nein, brauchen sie nicht. Mitarbeiterin fragt beim Amtsgericht und ich hatte Recht, sie will trotzdem Zustimmung, brauchen wir gerade nicht. Das w\u00fcrde den Irrtum n\u00e4hren. Sie soll mal ein Rundschreiben machen und die Mitarbeiter schulen. Das ist falsch und eine Diskriminierung.<\/p>\n<p>Mutter von Herrn Diazepam kommt vorbei mit dem abgelaufenen jordanischen Pass und der Fiktionsbescheinigung und ich will meine Erfolge zeigen und sehe, dass die von der Staatsanwaltschaft die fehlenden 10,- \u20ac doch wollen und dann die Kosten von 155,- \u20ac ausbuchen. Das war aber telefonisch anders abgesprochen. Gut, dass ich es noch mal genauer lese.<\/p>\n<p>Der Typ mit der vers\u00e4umten Frist kommt Morgen vorbei.<\/p>\n<p>12.11. Der Freund, der heute Geburtstag hat ist in Amsterdam und schreibt: &#8222;Mir gef\u00e4llt Amsterdam total, -wir gehen jetzt Fr\u00fchst\u00fccken, dann ins Rijks-Museum, dann vielleicht High Tea im Greenwoods, dann haben wir einen Tisch in der Seafood-Bar, und danach umme Ecke in ein klassisches Konzert im Concert Gebouw. Volles sch\u00f6nes Programm, bei bisher t\u00e4glich scheinender Sonne (wahlweise Sonnenauf-Untergang von unserer Dachterrasse zu bestaunen (da oben will ich heute auch noch den kleinen Schampus wegschl\u00fcrfen). Ja, alles sehr romantisch, da bin ich ja der Typ f\u00fcr\u2026&#8220; Ich hatte ihm geschrieben, dass ich Amsterdam romantisch finde und wir m\u00fcssen da auch mal wieder hin, gerade das Museum steht dringend auf der Liste.<\/p>\n<p>H\u00f6re meinen AB ab. Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt ist krank. Termin f\u00e4llt aus.<\/p>\n<p>Kaffee auf dem Markt. Mein \u00c4rger mit den Mitmenschen im Haus ist wieder verflogen.<\/p>\n<p>Mein Betreuter, der pers\u00f6nlich geladen wurde, kann nicht zur Verhandlung, ist krank. Der Arzt kommt um 11 Uhr zum Hausbesuch. Der Richter ist es nette junger Schwuler, der mal als Staatsanwalt in seiner Strafsache t\u00e4tig war. Ob ich Bedenken habe wegen Befangenheit. Nein, habe ich nicht. Wir haben schlechte Karten. Die Gegenseite hat eine Referendarin geschickt. Sie freut sich. Ich erkl\u00e4re, dass der Titel theoretischer Natur sein wird, weil man nichts vollstrecken kann. Sie sollen das von der Mietkaution entnehmen. Das hatte ich vorher schon angeboten. Neben den Raten an die Staatsanwaltschaft kann ich keine weiteren anbieten und ich wei\u00df nicht, was f\u00fcr Reparaturen wieder auf uns zukommen, weil die aus dem fernen Berlin das Nottelefon einfach nicht behindertengerecht installieren lassen in ihren Servicehaus mit der teuren Miete. Denen ist es egal. Ja, er ist Grobi. Als ich im B\u00fcro bin meldet sich der Pflegedienst, er hat eine dicke Backe und muss ins Krankenhaus eingeliefert werden.<\/p>\n<p>Sehr teuren Sattel gekauft, das neuste von Brooks, wartungsfrei, weil nicht aus Leder. Das hat mich nat\u00fcrlich angesprochen. Ich bin beratungsresistent, weil der passt nicht auf mein Fahrrad, Lenker muss tiefer und nicht der aufrechte Sitz. Ist auch f\u00fcr M\u00e4nner, egal, schaffe ich schon. Neuer Sattel muss her, meiner liegt nur noch oben auf den Federn nachdem sich alle Verankerungen gel\u00f6st haben und der neue sieht cool aus, die Auswahl ist gering. Schnell merke ich: so ist das ohne Federungen. Man merkt alles und selbst auf k\u00fcrzesten Strecken schmerzen meine Sitzbeinh\u00f6cker. Oh, den Kauf werde ich noch bereuen. Verstehe jetzt den Sinn von Federn&#8230;<\/p>\n<p>Der neue Betreute sieht aus wie Robert De Niro, aber mehr Boxernase. Ganz sympathisch. Er ist 51 und lebt seit 42 Jahren in Deutschland. Seine T\u00f6chter sind 30 und 26. Er war im Ma\u00dfregelvollzug und lebt im Heim mit Anbindung an Tagesklinik und Arbeitstherapie. Er nimmt strake Neuroleptika, die Herr Ihme auch bekommen hat und soll in die T\u00fcrkei abgeschoben werden. Dort kennt er keinen und hat Panik. Was denken die sich? Ich bin mal wieder geschockt. Telefoniere mit Betreuungsrichterin und dem Arzt aus der Institutsambulanz. Dann mit meinem Kollegen, dessen Kollege die Frist verpasst hat und der Ausl\u00e4nderstelle mitteilt, dass er freiwillig im Januar ausreisen wird, aber Dinge vorbereiten muss, da die T\u00fcrkei ein fremdes Land f\u00fcr ihn ist. Der Strafrechtler und ich sind uns einig, dass H\u00e4rtefallkommission keinen Sinn macht. Die Kollegin, die ich auf dem Markt traf hat das empfohlen und damit gute Erfahrungen gemacht. Die Verfahren dauern \u00fcber 2 Jahre und haben aufschiebende Wirkung. Schmalstieg hat meinen Antrag nach 2 Wochen abgelehnt. Wenn sie straff\u00e4llig geworden sind, dann m\u00f6gen die das nicht. Man muss aussehen, wie die Babytiere am Flughafen mit den riesigen Augen, wie auf Droge oder Mangas, dann sind sie ein Fall f\u00fcr diese Kommission bin ich mir sp\u00e4ter mit Stephan einig. Der Strafrechtler und ich sprechen in der Sache Ihme. Die Verfahren werden eingestellt, Kosten des Verteidigers werden nicht \u00fcbernommen. Macht nichts, sagt mein Kollege, Hauptsache eingestellt. In einer Sache wurde er schon als Pflichtverteidiger bestellt. Ich habe ohnehin die Arbeit gemacht. Lese gerne einen Aktenvermerk und denke, ist der ausversehen da reingeraten. Zustellung war fehlerhaft, wie Betreuerin schreibt. Er war in Klinik mit Beschluss und es h\u00e4tte ihr zugestellt werden m\u00fcssen. Rechtsmittelfrist wurde nicht in Gang gesetzt, \u00fcber Wiedereinsetzungsantrag der Betreuerin muss daher nicht entschieden werden. Neu zustellen. Der Herr Verteidiger wird voraussichtlich Beschwerde einlegen ist so richtig in 18 Punkt-Schrift geschrieben. Sie meinte, die bl\u00f6de Sau sage ich dem Kollegen und er lacht, ja, lieber einstellen bevor man einen teuren Verteidiger bezahlten muss. Ich soll es ihm schicken, weil es ihn auch interessiert. Ich mag den Mann und mit ihm l\u00e4sst sich gut arbeiten. Er arbeitet gut und reagiert schnell. Das gef\u00e4llt mir.<\/p>\n<p>Beim Sport war es so voll, dass es mir vor kam wie eine Grace-Sekte, wenn ein ganzer Raum voller Frauen sich synchron bewegen und klatschen. Das hat schon eine gewisse Energie und sieht auch gut aus. Ich sage der Trainerin in der Umkleide als alle schon gegangen sind bis auf eine Mitturnerin, die aber auch Spa\u00df versteht, das sei wie Scientology mittlerweile. Mein Fahrradh\u00e4ndler schlie\u00dft gerade ab als ich vorbei fahre und ich \u00fcbergebe ihm reum\u00fctig mein Fahrrad. So tapfer bin ich doch nicht. Nehme doch den schwarzen Ledersattel von Brooks mit Federung und mache eine Plastikt\u00fcte dar\u00fcber gegen Regen und nutze Lederfett und was es braucht. Warum nicht Gel? Das gibt es gar nicht bei ihm weil es zu unstylisch ist und gezahlt habe ich schon, umtauscht wird nur hier gehen. N\u00e4chstes Mal. Ich muss jetzt zu Fu\u00df laufen. Er ist angetrunken und l\u00e4uft ein St\u00fcck mit mir. Er hat Morgen erst ab 14 Uhr ge\u00f6ffnet, aber ich bin auch selber schuld.<\/p>\n<p>Handn\u00e4harbeiten an einem neuen Sakko. Schweizer St\u00e4dtenamen in Glitzer. Repariere ein H\u00fctchen, neues Papierschwein muss ran, war als Partypieker gemeint, jetzt hat es blaue Ohren, statt rosa und ist das letzte in der Schublade. Wenn das kaputt geht, was dann? Habe Haarausfall, es wird mir ergehen wie meiner Mutter. Wenige Haare. Ich will nicht drei Haare auf einen Wickler rollen und versuchen Mehr draus zu machen, habe aber trotzdem Panik, vor allem weil ich meine Kunst fl\u00f6ten gehen sehe. Nur noch ganz kleine Haarkugel. Kann meine gro\u00dfen H\u00fctchen nicht mehr tragen, ich mache ein kleines und schiebe weiter Panik. Vielleicht muss ich wieder auf gro\u00dfe Ohrringe umsteigen. Das will ich aber eigentlich nicht oder H\u00fctchen mit kurzen, offenen Haaren. W\u00fcrde das gehen? Soll ich mal zu dieser sympathischen Friseurin und die ran lassen?<\/p>\n<p>Abends meldet sich Claudia, dass sie Tickets bekommen hat (hatte sie wohl vergessen, aber bekommt es noch hin und ich sage, kein Problem, w\u00e4re auch so nicht schlimm gewesen). Wir fahren nach Hamburg.<\/p>\n<p>13.11. Packtraum. Irgendwie fliegen wir wieder Business und haben ganz viele Koffer. Eine H\u00e4lfte des Koffers ist voll mit Stephans dreckiger W\u00e4sche. Ich packe in einem Apartment und gleichzeitig ist es der Terminal eines Flughafens und Leute schauen zu. Die sitzen da mit ihren ordentlich gepackten Koffern. Ich pr\u00fcfe ein Glas mit tr\u00fcber Fl\u00fcssigkeit, was Dunkles schwimmt in der Mitte, es ist verdorben. Ich will es in den M\u00fclleimer werfen und treffe nicht. Sage dem Mann, dass ich keinen Kommentar will. Vorher hatte mein Vater meiner Mutter fasziniert beim Packen zugesehen. Sie faltet alles ganz ordentlich, so dass es ganz klein wird. Irgendwie magic. Unsere neuen Koffer sind in den alten mit ganz viel Platz drum herum. Es ist wie Hohlraumpacken.<\/p>\n<p>Werde wach. Soll ich Claudia mein Calexico T-Shirt anbieten? Macht das Sinn?<\/p>\n<p>Die B\u00e4ume werden kahl. Ich muss einsehen, dass der Sommer vorbei ist.<\/p>\n<p>Streit mit Stephan, weil ich mein Fahrrad zum falschen H\u00e4ndler bringe und nicht zu RadUp nebenan. Es nervt. Ich gehe zu Fu\u00df ins B\u00fcro. Mir wird ein Franzbr\u00f6tchen angeboten von einem jungen Vater und er hat Recht, ich konnte ihn erst nicht zuordnen.<\/p>\n<p>Telefonat mit der Ober\u00e4rztin wegen Herrn Diazepam und wie es weiter geht. Er wird auch wieder substituiert, hatte einen Monat nichts genommen, quasi kalter Entzug, aber ohne geht auch nicht. Wenn ich mir jetzt noch die Haare von wem anderes schneiden lasse ist ganz der Ofen aus.<\/p>\n<p>Kleines Mitbringsel f\u00fcr die Stuttgarter, der K\u00fcnstler, der gut kocht und seine Frau (alte Serviette mit Stadtplan, habe ich bei meiner Tante mitgenommen). Soll mein Kollege \u00fcberbringen. Ich will meine Sachen \u00fcberallhin verteilen. Die Weihnachtsfeier steht auf t\u00f6nernen F\u00fcssen. Es ist offenbar schwierig mit dem Termin und die Kollegin und ich meiden uns auch mehr oder weniger. Am 18. hat mein Kollege einen Auftritt. Stephan ist sauer, dass es nicht ins Clichy geht. Oh Mann, auch hier oh Mann.<\/p>\n<p>Ober\u00e4rzt in der Forensik ruft mich an in der Betreuungs-\/Abschiebungssache und sagt mir, er k\u00f6nne kein Gef\u00e4lligkeitsgutachten schreiben nur weil ein Anwalt eine Frist vers\u00e4umt hat. Er wei\u00df ganz offensichtlich nicht um was es geht. Ich versuche es ihm zu erkl\u00e4ren und seine Stellungnahme ist aber so d\u00fcnn, dass es f\u00fcr eine vorl\u00e4ufige Bestellung nicht ausreicht. Ein ganz unsicherer Typ, wie so einer Oberarzt wird ist mir schleierhaft. Nachmittags hat er bei meiner Kollegin einen Steuertermin und kann mir seine nicht hilfreiche Stellungnahme noch mal im Original vorbeibringen. Ich habe schon alles mit der Ausl\u00e4nderstelle gekl\u00e4rt und hole eine Duldung f\u00fcr ihn ab am 27.11. Der Richterin sage ich, dass mein Ma\u00df an ehrenamtlicher Arbeit irgendwann ersch\u00f6pft ist und ich dann n\u00f6tigenfalls den Termin absage, wenn es bis dahin nicht geklappt hat mit der Betreuung. Ich \u00e4rgere mich, wenn nicht alles so l\u00e4uft, wie ich es mir vorgestellt habe.<\/p>\n<p>Ich muss 300,- \u20ac nachzahlen f\u00fcr das Atelier, wo ich so froh war, dass es gek\u00fcndigt ist. Dann dieser schlechte Sattel und das ich kein Fahrrad habe. Ich will mir eine g\u00fcnstigen, der nach meinem Geschmack ist im Internet suchen. Selle oder wie dieser Sattelhersteller hei\u00dft und Naturmaterialien, sch\u00f6n beige, kostet 59,- \u20ac. Schei\u00df auf stylisch. Schlussendlich ist der Brooks-Sattel schon festgeschraubt und ich kriege 25,- \u20ac wieder und bequemer ist er auch und ich gebe mir selber die Schuld und will es n\u00e4chstes Mal besser machen und jetzt erst mal Augen zu und durch. Das Lakritze-Eis auf dem Weg dorthin hat geholfen das alles zu schlucken und vielleicht wird der Sattel auch bald geklaut und ich kriege noch eine Chance.<\/p>\n<p>In der Post ein KSD-Jahreskalender in deren Zeitschrift. F\u00fcr Claudia denke ich gleich. Sie hatte immer den h\u00e4sslichen vom Sch\u00e4delspalter in Hamburg an der K\u00fcchenwand. Das hat mich immer gefreut. Da hat sie die ganzen Konzerttermine eingetragen und wer zu Besuch kommt. Das l\u00e4sst sich noch steigern optisch und die neue Wohnung ist auch kleiner, au\u00dferdem ist es lustig.<\/p>\n<p>Der Beamtenmusiker bricht die Reha ab. Das ist so Ballermann und die sind alle gesellig und er au\u00dfen vor. Dem netten schwulen Therapeuten und mir gelingt es nicht, ihn umzustimmen.<\/p>\n<p>Herr Grobi ruft an und hatte eine Zyste im Kiefer. Ich sage, er wird zahlen m\u00fcssen. Wir k\u00f6nnen 100,- \u20ac Gerichtskosten sparen durch das Anerkenntnis. Er will es sich \u00fcberlegen und wir telefonieren noch.<\/p>\n<p>Herr Balzac kommt, der Mann aus Ghana, heute leger in Trainingshose. Sch\u00f6ne Schei\u00dfe mit meiner Steuererkl\u00e4rung f\u00fcr ihn. Der neue Pass war auch so teuer. Er hat vielleicht wieder einen Nebenjob in der Pflege. Den soll er blo\u00df ohne Steuerkarte machen und pauschal versteuern lassen. Wir geben nicht auf und ich mache die Steuererkl\u00e4rung f\u00fcr 2014 (bzw. Stephan) und da wird er was wieder bekommen und so arbeiten wir uns langsam wieder ins Plus. Es muss ja weiter gehen.<\/p>\n<p>Die Hilfeplanung sage ich ab, weil ich schnalle, dass es um meine Ausnahme f\u00fcr die \u00dcbergangsregelung zwischen Heim und Drau\u00dfen geht und habe mich genug mit denen angelegt und f\u00fcr anderer Leute Bezahlung gek\u00e4mpft. Wenn sie sehen wollen wie krank mein Betreuter ist, sollen sie das alleine hinfahren. Ich bin bereits im Bilde. Wenn sie was mit mir kl\u00e4ren wollen, wissen sie ja wo sie mich finden k\u00f6nnen und von der Region Hannover lasse ich mich nicht zu einem Termin laden. Es folgen erkl\u00e4rende Telefonate, aber das schafft mir viel Freiraum zum Arbeiten. Einer Spiels\u00fcchtigen, die ihrer Tochter geliehenes Geld nicht zur\u00fcck zahlt Geld leihen. Das geht wohl nicht bl\u00f6der, aber ich hatte es leichtfertig angeboten und mache keinen R\u00fcckzieher, wie bei dem teuren Sattel. Sie hat ein Vorstellungsgespr\u00e4ch in Tiefenbrunn und f\u00fcr mich h\u00e4ngt es mit Vertrauen zusammen und ist ein Experiment. Ich bekomme eine Schweigepflichtsentbindung f\u00fcr die \u00c4rztin und ab n\u00e4chsten Monat soll ich ihr Geld mit einteilen, wenn es gar nicht klappt habe ich 25,- \u20ac verloren. Sei\u2019s drum. Bevor wir fahren ziehe ich meinem Sattel, der wirklich edel ist und man rutscht so gut darauf eine Plastikt\u00fcte \u00fcber. Ich muss ihn lieben, so wie ich mich auf einmal reinh\u00e4nge. Die Logik ist halt verkehrt, weil ich mir aus so was nichts mache und schon gar nicht einen Gebrauchsgegenstand, ob Klamotte, M\u00f6bel oder sonst was in neu ben\u00f6tige. Ich wusste keinen Ausweg, weil mein Mann gut anfassen kann, aber technisch\/handwerklich, Nagel in die Wand schlagen ist nicht so seine Sache. Statt zu sagen, Schatz, bestell einen im Internet und ich mach Dir den ran, sagt er: Sattel anschrauben, das ist nicht ohne und heikel und ich denke, schei\u00dfe, ich bin auf Profi-Hilfe angewiesen und anders als teuer bekomme ich das nicht hin.<\/p>\n<p>Zug nach Hamburg, nutze ich Zeit f\u00fcr Tagebuch und rege mich schon im Zug \u00fcber die Leute auf, die viel glotzen und Entschuldigung sagen, aber vorwurfsvoll, wenn ihr Koffer klemmt. Ich steigere mich gerne in so was rein und bin total geladen. Wir fahren nach Altona und gehen durch den langen Zug. Mit so was kennt sich mein Mann aus. Ein kleiner t\u00fcrkischer Mann ist Zugf\u00fchrer. \u00dcberhaupt f\u00e4llt mir diesmal was Positives an Hamburg auf. Sie haben viele T\u00fcrken, bestimmt noch mehr als in Hannover, aber wir haben zum Gl\u00fcck auch welche abbekommen. Dann 2 Stationen mit dem Bus. Wir kommen bei Claudia an und es gibt viel und lecker zu essen (das Pastinaken-Sellerie-Gem\u00fcse ist superlecker) und f\u00fcr mich einen Tee. Claudia ist eine Gastgeberin der Extraklasse. Meine USA-Karte auf der drei Frauen vorne &#8222;Sex, sex, definitely sex&#8220; sagen und innen hei\u00dft es: &#8222;What would you rather do without: sex or cake&#8220; kommt nur mittelm\u00e4\u00dfig an. Ich erfahre, dass die Hooligan-Demo in Hannover genehmigt wurde, auch deswegen m\u00fcssen wir zur\u00fcck wird gewitzelt. Elena w\u00fcnscht sich keinen Teddy, sondern eine gestrickte Babydecke, aus Baumwolle. Ich versuche mir alles vorgeben zu lassen. Material, Farben, Gr\u00f6\u00dfe. Ostern zusammen nach London. So ist der Plan. Molotov, Innenhof mit bunter Beleuchtung. Den Molotov-Button als Pfandmarke werde ich nicht los, weil ich kein Glas damit zusammen wiedergegeben habe. Eine bleibt \u00fcbrig und wir nehmen ihn ausversehen zur\u00fcck nach Hannover. Die Band ist poppig, aber taugt. Die Musiker sehen super aus, einer asiatisch, einer mit einem Pornoschnauzer, wie gecasted aber die S\u00e4ngerin ist die Hauptattraktion und sie singt in einem sehr s\u00fc\u00dfen Englisch. Es ist voll, aber ich lasse mich nicht wegdr\u00e4ngen und reiche kein Bier durch f\u00fcr Studenten. Die haben selber lange Arme. Die S\u00e4ngerin ist echt megas\u00fc\u00df mit ihren Gr\u00fcbchen und sieht aus wie eine Mischung aus Steffi (unserer Freundin) und Blondi (der S\u00e4ngerin). Claudi meint auch, sie sehe aus wie Steffi in jung. Sie macht auf 80er und hat einen Neon-BH an und ein weit an den Seiten ausgeschnittenes T-shirt. An Steffi erinnern mich die schmalen H\u00e4nden und filigranen Finger, lackierte N\u00e4gel und sie nutzt sie um damit zu gestikulieren oder mit den Fingern zu posen. Sehr wirkungsvoll jedenfalls. Claudia ist es zu Mainstream und alles klinge gleich. Ich war schon immer f\u00fcr Mainstream bei Musik, muss an Mattafix denken, deren Name mir nicht einf\u00e4llt und die wie auch mal in Hamburg gesehen haben, im Knust wie ich erfahre, au\u00dferdem ist es schwerer als man denkt Popmusik zu machen. Mein Kollege probiert das. Ich wei\u00df Bescheid. Ich finde das junge Publikum wieder spie\u00dfig, aber die Band war zu meiner Zufriedenheit. Sie haben 2008 schon mal hier gespielt, verr\u00e4t uns die S\u00e4ngerin. Sie sieht so jung aus, wie geht das? War sie letztes Mal minderj\u00e4hrig?<\/p>\n<p>Ich will noch in eine Bar und was trinken. Wenn man was in Hamburg gut kann, dann das. selbst das Wasser im Molotov kommt in stylischen Glasflaschen daher. Wir landen im Landgang. Daneben ist voll was los und alle G\u00e4ste stehen vor der T\u00fcr. Die aufgeblasenen Ballonzahlen drehen sich im Schaufenster und ich sage mehrfach: da feiert einer seinen 52zigsten Geburtstag und freue mich \u00fcber meinen Witz. Es gibt einen Moscow Mule (sch\u00f6n krass Ingwer, die leckere Brause in den kleinen Flaschen) und einen Dark and Stormy (mit ganz viel Rum) und dann angeregte Gespr\u00e4che mit dem Barmann und Inhaber. Man soll immer vorsichtig sein, was einem die Fremden ins Getr\u00e4nk r\u00fchren! Nachdem ich schon festgestellt habe, jeden Abend die selber Lieder runter dudeln und so tun als h\u00e4tte man Spa\u00df, da w\u00fcrde ich lieber Leichen waschen stelle ich das hier auch fest. Arbeiten im Nachtleben, dann doch lieber Steinbruch. Das w\u00e4re so gar nichts f\u00fcr mich. Ich komme wohl nicht von hier. Nein, aus Hannover. Dann h\u00e4tten wir das auch gekl\u00e4rt. Ein weiblicher Gast will mein H\u00fctchen erkl\u00e4rt bekommen, da kann der Barmann mit seiner Brille aus dem Yps-Heft nicht anstinken dagegen. Ein Monatsprogramm, ich kann die HipHop Schrift nicht entziffern und lese \u201eKrankenhaus St. Pauli\u201c und denke, das ist abgek\u00fcrzt. Der Barmann fragt, ob er mir mit dem Flyer helfen kann. Sie haben noch einen zweiten Laden. Kraken hei\u00dft der und Morgen gibt es Punkrock. Da kennen wir uns mit aus, wir kommen ja aus Hannover. Wie finanziert ihr eigentlich den DJ will ich wissen, weil es nur ca. 7 G\u00e4ste sind. Sie sollten eine Zwangsabgabe f\u00fcr die Musik machen schlage ich vor. Da h\u00e4tten alle Verst\u00e4ndnis f\u00fcr und in Wien machen sie das auch f\u00fcr den Drehorgelspieler. Sonst w\u00e4re mehr los, am Wochenende, Morgen ist eine krasse Party. Nein, das sei schon gut, dass wir heute da w\u00e4ren das w\u00e4re mir lieber. Er kann es sich nicht merken, wo wir her kommen und fragt erneut und will dann wissen, ob wir es da gut finden. Ja, sonst w\u00fcrden wir da nicht wohnen. Wir kommen schon ziemlich viel rum und wenn es schei\u00dfe w\u00e4re, w\u00fcrden wir woanders hinziehen. Gut, so Profi-Bars mit leckeren Drinks und rauchen und DJ gibt es nicht so, aber selbst die eine, die es gibt wird von uns nicht frequentiert. Claudia hat an diesem Abend ein anderes Thema, was mir erst verborgen bleibt, aber ich hatte ihr schon gesagt, dass der DJ mit den phantasielosen Bildern auf den Armen ausschaut wie ihr Ex und die Richtung stimmte schon mal. Taxi und schlafen. Bett ist hart, einmal muss ich pinkeln und der Boden quietscht und ich muss an Claudia vorbei, die auf der Erde liegt. Blo\u00df nicht \u00fcber das Kabel stolpern.<\/p>\n<p>14.11. Dann Musik, das muss der Wecker sein. Claudia liegt mit verrutschtem Augenmakeup auf der Matratze als h\u00e4tte sie in ihren Klamotten geschlafen. Sie sieht s\u00fc\u00df aus und tut mir leid. Ich erz\u00e4hle ihr von meinem Traum, der Club brennt und Stephan geht betrunken noch mal rein und will irgendwas von ganz oben. Erst Rauch, die T\u00fcren brennen rot durch und alle filmen mit ihrem Handy (der Traum scheint mit dem gestrigen Abend unmittelbar zusammen zu h\u00e4ngen). Es gl\u00fcht und scheint durch an den R\u00e4ndern und oben an der Decke. Gleich werden die W\u00e4nde einst\u00fcrzen. Ich bin an der Stelle wo alle rausrennen und denke, ob Stephan noch kommen wird, ob er es schafft. Ich bin ersch\u00fcttert \u00fcber meine Haltung im Traum, dass ich nicht reinrenne und ihn suche. Ich erz\u00e4hle Claudia von dem Traum und denke, weiterschlafen alles andere macht keinen Sinn, Stephan schl\u00e4ft auch noch und es gelingt und ich wache gl\u00fccklich und zufrieden auf und es ist 9:20 Uhr. Toll!! An der Wand h\u00e4ngt Everlast unplugged oder so. Verkehrte Welt. Das ist doch mein Held und nicht Claudias. Ist doch nicht Poison Ivy oder so.<\/p>\n<p>Will man gut gelaunte Hamburger treffen muss man zu Edeka. Ich kaufe Butterkekse mit Salzbutter, 2 T\u00fcren Chips und Kindershampoo, also lauter n\u00fctzliche Dinge, die man unbedingt morgens in Hamburg einkaufen musste. Dann Kleidermarkt, gut sortiert, vorbei an der Internetbank meiner schwierigen Betreuten. Die Netbank. Hier sitzen sie also. Kann verstehen, dass Steffi den Laden \u2013 Kleidermarkt- liebt. Kaufe einen japanischem \u00dcbergangsmantel. Sehr edel, das merkt man schon beim Anfassen. Leider kennt sie die Personen, die die Preise hier macht auch gut aus, was Schn\u00e4ppchen verhindert. Wie er hergekommen ist? Das wird man sich auch nach meinem Tod fragen, wie die ganzen Klamotten nach Hannover gekommen sind. Kaufe au\u00dferdem ein kariertes kurzes Wollsakko aus England. Dann Portugiesen. Leider leckerer als meiner in Hannover. Das muss ich zugestehen, will trotzdem nicht tauschen. Stephan entdeckt ein cooles Motiv in der N\u00e4he der Roten Flor. Wir wandern durch die Stadt und genie\u00dfen den freien Tag.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08358.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8753\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08358-300x199.jpg\" alt=\"DSC08358\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08358-300x199.jpg 300w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08358-624x415.jpg 624w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08358.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dann Beckmann-Ausstellung und die st\u00e4ndige Sammlung im Keller. H\u00e4ngt alles wahllos nebeneinander. Das Ambiente macht doch viel aus (siehe KHM). Uns gef\u00e4llt am besten ein Otto Dix Bild. Die Nachbarn haben vielleicht ihren Munch oder Klimt, aber wir lieben Otto Dix.<\/p>\n<p>Pensionierte Lateinlehrer im Bucerius Kunstforum, das nervt. Da war ich noch nie. Ausstellung: Wandmosaike im Rahmen. Die Stimmung geht dabei fl\u00f6ten. Rathaus, war ich hier schon mal? Alster, lauter Schn\u00f6sels unterwegs. Das Messer geht mir in der Tasche auf. Sch\u00f6nes Schaufenster, schlimme Mode bei Dolce und Gabbana. Den Weihnachtsmarkt bauen sie hier wesentlich fr\u00fcher auf. Dann Gl\u00fcckwunsch Hamburg. Aber die Baustelle an der Alster gef\u00e4llt mir dann wieder.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08359.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8754\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08359-300x199.jpg\" alt=\"DSC08359\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08359-300x199.jpg 300w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08359-624x415.jpg 624w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08359.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08360.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8755\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08360-199x300.jpg\" alt=\"DSC08360\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08360-199x300.jpg 199w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08360.jpg 426w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Waren lange nicht mehr im Marinehof. Nett ist es hier und man sitzt sch\u00f6n und das Essen ist total lecker. H\u00fchner-Zitronen-Suppe mit Einlage, Eierstich und Reis, eine riesige Portion, Walnusstarte mit einer leichten Salznote. Nette Kollegen, gerade die neuen Frauen im Service. Die Claudia mit blauen Augen mit einer dunklen Umrandung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08361.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8756\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08361-300x199.jpg\" alt=\"DSC08361\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08361-300x199.jpg 300w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08361-624x415.jpg 624w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSC08361.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Franzbr\u00f6tchen f\u00fcr zuhause, leichte Zugversp\u00e4tung. Das k\u00f6nnen wir \u00f6fter machen, gerade so Donnerstag auf Freitag und den Freitag schw\u00e4nzen (80% halt) und dann sch\u00f6n das Wochenende trotzdem noch haben. Danke Claudia f\u00fcr die Konzerteinladung und das ganze leckere Drumherum und f\u00fcr Deine Freundschaft und dass Du so viel bei mir durchgehen l\u00e4sst. Wir sind so verschieden, aber es taugt dann doch.<\/p>\n<p>Die armen Neandertaler hatten viel zu wenig leckeres Essen und gar keine Franzbr\u00f6tchen.<\/p>\n<p>Nachts tobt die Party von oben. Erst schlaf ich, aber als ich nachts wach werde ist es vorbei. Muss ins G\u00e4stezimmer ziehen. Stephan hat Ohrst\u00f6psel drin. Es ist keine Musik und kein Tanzen, sondern eine Herde, die oben Rundlauf spielt und in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden f\u00e4llt ein Schrank auf den Boden und das Haus bebt. Man muss standhaft bleiben und darf hier nicht rumspie\u00dfen. Das sehe ich ein. Schreibe dem Stiefvater trotzdem am n\u00e4chsten Morgen was sie in aller Welt gemacht h\u00e4tten, weil da w\u00e4re ich neugierig und ob sie nicht ruhig in der Ecke sitzen und Drogen nehmen k\u00f6nnten wie andere junge Menschen. Er war mit der Mutter selber nach Hamburg gefl\u00fcchtet.<\/p>\n<p>15.11. Auf zur Demo. Das hat Vorrang vor den Kalendern. Wir m\u00fcssen Hannover verteidigen oder halt Spa\u00df haben. Die bl\u00f6de Pelztussi, die mir einen Lederrock gen\u00e4ht hat und einfach von meinem Auftrag abgewichen ist und statt ein\u00a0rosa Futter habe ich Baumwollstoff mit 70er Jahre Apfelmuster, der an\u00a0jeder Strumpfhose h\u00e4ngen bleibt! So viel zu Auftragsarbeiten, die nicht von Andrea kommen, da ist kein Verlass drauf. Sie bel\u00e4stigt mich mit ihren\u00a0Werbemails und heute, statt zur Gegendemo aufzurufen, soll man bei ihr Pelze kaufen kommen. Sie beruhigt ihre Leder- und Pelzkunden, dass die Polizei ihr gesagt habe, dass man sicher bei ihr Pelze shoppen\u00a0kann und man ruhig vorbei schauen soll. Wohl\u00a0kaum, bl\u00f6de Kuh.\u00a0Das schreibe ich ihr auch noch mal und, dass sie mich gef\u00e4lligst aus dem Verteiler nehmen soll und ich nie wieder was bei ihr kaufen werde. Da bin ich ja nachtragend. Zu fr\u00fch am Steintor, dumm rumstehen, aber die Musik ist gut. Gegen\u00fcber bei den \u00c4lteren werden Gewerkschaftsansprachen gehalten. Dann doch lieber die\u00a0Zeit nutzen, Wollladen, Wolle f\u00fcr die Babydecke. D\u00e4mliches Gespr\u00e4ch. Die Strickkundin: Punker sind dumm, kennt sie von damals, als ihre Kinder auf die Tellkampfschule kamen und au\u00dferdem wohnt sie in der Nordstadt. Die pinkeln \u00fcberall gegen und machen Sachbesch\u00e4digungen, aber nicht gegen Menschen. Fr\u00fcher haben die Hippies gestrickt und nicht so was! Im dritten Laden kaufe ich endlich, dann b\u00fcrgerliche St\u00e4rkung vor der Demo. Ich liebe die holl\u00e4ndische Kakaostube. Katja ohne Detlef. Zwei M\u00e4dchen haben diese Metallicheliumballons. Der eine ist mit Hello Kitty gegen Holgesa. Hekigehogesa. Der andere ist ein Unicorn mit Edding steht darauf &#8222;Einhorn frisst Nazis&#8220;. Das finde ich sehr lustig. Die Stimmung ist gut. Wir laufen durch die Innenstadt und dann zum Pavillon durch kleine Stra\u00dfen, die ich noch nie lang gelaufen bin. Die Tochter einer Freundin war bis 7 Uhr bei uns. Die Mutter spricht uns an, dass wohl Party bei uns im Haus war. Als ich nach Hause kommen treffe ich den jungen Mann von oben, der Gastgeber war. Ob er mal gleich runter kommen soll, unsere Terrasse sauber machen. Ist da was? Uns ist noch nichts aufgefallen. Ist was passiert? Schlimm, frage ich. Das wird bejaht. Ich errate es: Kotze? Es ist ihm peinlich und er kommt mit einem Eimer mit Seifenwasser und wir versuchen Smalltalk. Leipzig zum Studieren. Er bedankt sich f\u00fcr unsere Toleranz. Ist eher meine, Stephan findet das dann alles immer nicht so lustig. Halb so schlimm tr\u00f6ste ich ihn. Das passiert ja nicht jede Woche, nicht einmal so oft im Leben. Fange mit Strickprojekt an. Zigmal wieder aufmachen. Das f\u00e4ngt ja gut an.<\/p>\n<p>16.11. Alptraum mit Susann, die nicht mehr mit mir redet und ich wei\u00df nicht wieso. Sind das die alten Kamellen weil ich mich bei einer krebskranken Freundin zu aufdringlich verhalten haben soll? Eine gemeinsame Freundin aus Hannover, mit der versteht sie sich noch blendend. Was habe ich verbrochen? Sie soll es mir sagen, ich habe ihr sogar noch einen Kalender gemacht, aber eben nur einen kleinen, weil wir uns kaum gesehen haben im letzten Jahr. Der Grund, warum ich in Ungnade gefallen bin: ich habe bei einem Sommerfest nicht mitgeholfen. Stellt sich heraus, ich wusste nichts davon, sie hatte mir nicht Bescheid gesagt. \u201eDieser Film\u201c schreibe ich schon, besch\u00e4ftigt mich den ganzen Tag auf einer emotionalen Ebene. Schiffe, Lkws fahren gegen ein Geb\u00e4ude im Hinterhof als Verschrottung.<\/p>\n<p>Kein Flohmarkt in Gehrden, basteln, packen. Kalender f\u00fcr meine Schwester und Schwiegereltern wird fertig und ich spiele mit den Motiven f\u00fcr unseren eigenen. Das ist immer die Kr\u00f6nung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10.11. Der Bl\u00e4tterteppich vor dem Fenster. Aus Gelb wird Orange. Ich habe untersch\u00e4tzt wie sehr mit London fehlen wird, Stephan nicht. Ambulante Wohnbetreuung meldet sich. Frau aus Hameln heult und alles Trauma und Gerichtsverfahren, die jahrelang dauern und aus denen ihr Leben besteht, dabei will sie nur einen Abschluss, dabei prozessiert sie mittlerweile selber. 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