{"id":44445,"date":"2021-01-25T17:50:53","date_gmt":"2021-01-25T15:50:53","guid":{"rendered":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=44445"},"modified":"2021-01-25T17:56:05","modified_gmt":"2021-01-25T15:56:05","slug":"khm-schreibwerkstatt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=44445","title":{"rendered":"KHM Schreibwerkstatt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"664\" height=\"1000\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210125-KHM-Schreibschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44446\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210125-KHM-Schreibschule.jpg 664w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210125-KHM-Schreibschule-199x300.jpg 199w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210125-KHM-Schreibschule-624x940.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 664px) 100vw, 664px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Vielen Dank f\u00fcr Ihren Text \u2013 er ist gut bei uns angekommen!<\/td><\/tr><tr><td>&nbsp;<\/td><\/tr><tr><td>Hier ist Ihr Beitrag zum Thema \u201eH\u00f6here M\u00e4chte\u201c:<\/td><\/tr><tr><td>&nbsp;<\/td><\/tr><tr><td>Ich schreibe noch einen Text, weil ich es kann. Eigentlich ist die Frist abgelaufen, aber es gelingt mir noch durch diese sich schlie\u00dfende T\u00fcr zu kommen. Vielleicht ist es auch Zufall oder einfach eine Verl\u00e4ngerung (das passiert ja gerne im Museumsbereich), aber heute Morgen f\u00fchlt es sich so an wie F\u00fcgung und ich f\u00fchle mich gl\u00fccklich, zumindest im ersten Durchlauf. Denn mein erster Text war verschwunden und ich muss ihn noch mal schreiben. 2 Stunden und einige Wutanf\u00e4lle sowie Bastel\u00fcberreaktionen mit geschmolzenem Plastik und Moltofil liegen dazwischen.<br><br>Die Figur war mir gleich von Anfang an sympathisch. Die baumelnden Hoden. Solche habe ich auch schon geh\u00e4kelt, aber einen Ganzk\u00f6rperanzug aus Kartoffels\u00e4cken habe ich nicht zustande bekommen. Ich kann mich mit ihr identifizieren. Die Scheuerpads an den Innenseiten der Ellbogen stehen f\u00fcr mein Verh\u00e4ltnis zu Ordnung und Sauberkeit. Die Kette um die Knie erinnert mich daran, dass ich mir oft selber im Weg stehe. Die gro\u00dfen Ohren an meine Schwerh\u00f6rigkeit und meine noch schwerh\u00f6rigere Mutter und wo das enden wird. Die dunkle Maske an meinen Anflug von Angst und Unsicherheit und sei es nachts im dunklen Flur der Wohnung, wenn ich schlaflos durch die Zimmer wandere. Ich kann sie mir rational nicht erkl\u00e4ren.<br>Die Maske erinnert aber auch an eine Totenmaske und l\u00e4sst mich an die denken, die von uns gegangen sind. Aktuell an den guten Freund eines Freundes, der sich vor einer Woche das Leben genommen hat. Erh\u00e4ngt im Wald und vorher die Polizei angerufen, die ihn finden sollten, aus R\u00fccksichtnahme, damit es Fremde sind und nicht die eigene Freundin, die ihn suchen geht. Peter hat viel mit Dingen zu tun, er war Sammler, so wie ich. Er hatte einen Blick f\u00fcr die sch\u00f6nen Dinge und konnte in einem Haufen M\u00fcll, den 100 vor ihm schon durchgeschaut haben, genau das eine St\u00fcck finden was alle fragen l\u00e4sst, wo er das denn her h\u00e4tte. Das verbindet uns. Seine Wohnung war ein Gesamtkunstwerk. Selbst die H\u00e4ndler aus Berlin rufen an und wollen wissen, was mit seinen Fotos und Bildern geworden ist und, dass das hoffentlich noch alles da sei. Der gemeinsame Freund musste erst mal die Familie bremsen nicht gleich Tabula rasa zu machen und den Entr\u00fcmpler zu bestellen. Ich war nie drin. Habe ihn bei dem gemeinsamen Freund getroffen und ich von seinem Tod erfahren habe als erstes \u00fcberlegt, was wir als letztes zusammen gegessen haben. War es seine auf dem Balkon gegrillte Dorade oder die Tortilla mit viel \u00d6l, die einfach vorbildlich geworden ist. Sein Rezept f\u00fcr die leckerste Currywurstsauce hat er mit genommen. Er hat mir eine Jesus-Krippenfigur geschenkt auf Stroh gebettet, leicht und aus Holz, sehr sch\u00f6n gearbeitet und viel sch\u00f6ner als die Gipskrippenfiguren, die ich schon hatte und mal im Set bei Ebay gekauft. So konnte ich dieses Jahr zwei Jesusse in meine Krippenlandschaft einbauen und hatte neben Jesus im Stall einen weltlichen Jesus in der Stadt mit Andeutungen auf Coronaschlie\u00dfungen und die amerikanische Wahl. Peter lebte in einer Parallelwelt mit b\u00f6sen D\u00e4monen, die er nicht los geworden ist. Hilfe annehmen wollte er nicht oder sie war keine f\u00fcr ihn. So ist er dann gegangen trotz Freunden und Freundin. Das haben ihn nicht halten k\u00f6nnen. Schon im Kindergarten ist er wohl am ersten Tag aus dem Fenster gesprungen und nach Hause gegangen und kam nie wieder erz\u00e4hlte ein alter Freund.\u00a0 <br><br>Fast das Gegenteil von Peter habe ich gestern erlebt. Die alte und demente Frau, die ich besucht habe und die sich so gefreut hat mich mal wieder zu sehen. Erst nannte sie mich Schwester um sich dann selber zu korrigieren und festzustellen: &#8222;nein, Schwester sind Sie gar nicht, Sie sind die Chefin, stimmt&#8217;s&#8220;. Sie wird dieses Jahr 90 (ich habe jetzt nachgeschaut). Wir sa\u00dfen in ihrer aufger\u00e4umten K\u00fcche und auf dem Tisch standen 2 Tomaten und ein Ei in einer kleinen Schale und ich dachte, es sei wohl hartgekocht und sagte &#8222;nicht schlecht&#8220; und sie fragte, was daran schlecht sei. Nichts, korrigierte ich, im Gegenteil. Das war wohl ein Maskenmissverst\u00e4ndnis. Ja, sie werde gut versorgt sagte sie und die w\u00fcrden ihr essen bringen. Vielleicht sei auch welches in dem Topf auf dem Herd. Der war aber leer und gefr\u00fchst\u00fcckt hatte sie noch nicht. Es war 11:30 und vielleicht w\u00fcrden die bald kommen. Diese Frau ist vergleichsweise arm und doch so zufrieden. Sie zeigte mir den Getr\u00e4nkevorrat in der Ecke und hob eine Flasche Hibiskuseistee mit Erdbeer-Kiwi Geschmack hoch, mit der sie nichts anzufangen wusste. An die anderen Flaschen kam sie nicht ran als sie sich b\u00fcckte um mit dem Buttermesser das Plastikumschwei\u00dfung zu \u00f6ffnen. Ich schon. Es war Orangennektar und den wollte sie lieber trinken. Ich machte die Flasche auf und holte ein Glas aus dem Schrank nur um wenig sp\u00e4ter zu entdecken, dass bei ihrem Stuhl auf dem Boden schon eine ge\u00f6ffnete Flasche stand. Dann wollte sie das Ei pellen und mit Salz und ohne Brot essen. Ich suche Salz und finde nach einiger Zeit auch welches in einem der Schr\u00e4nke und f\u00fclle es nach, aber da hat sie schon mit dem Pfeffer Vorlieb genommen und mache ihr dann noch ein Salamibrot und schneide eine Tomate dazu auf. Das Brot m\u00fcsse ich in kleinere St\u00fccke schneiden leitet sie mich an. Das sei schwer, ganz alleine und ohne Familie, aber sie habe die beste Mutti der Welt gehabt. Da hat sie mir bestimmt schon von erz\u00e4hlt. Ja, ich wei\u00df. Die war erste Geigerin und sie dann wieder: und zu Weihnachten hat sie immer gespielt und sie Kinder haben dazu Weihnachtslieder gesungen. Ich spreche sie auf den Fleck auf ihrem Unterarm an, der dunkel ist und mir etwas Sorgen macht. Da habe sie sich wohl gestossen, aber es tue nicht weh. Sie dr\u00fcckt drauf um das zu testen. Ja, sie sei am allerliebsten in ihrer Wohnung. Da habe sie die Stube mit dem Fernseher (und da m\u00fcssten wir mal testen, ob der funktioniert bevor ich gehe). Sie soll froh sein und dankbar, dass sie mit dieser guten Gesundheit gesegnet ist und k\u00f6rperlich noch so fit ist und zuhause wohnen kann und nicht bettl\u00e4gerig im Altersheim ist. F\u00fcr manche sei das vielleicht richtig, weil die Gesellschaft haben wollen, aber sie hatte sich da nicht wohl gef\u00fchlt erz\u00e4hle ich ihr. Sie wollte da nur weg und wieder nach Hause. Ja, sie sei eine alte Frau und habe nicht mehr so viel vom Leben zu erwarten, aber sterben wolle sie ja nun auch noch nicht, sondern in die Kneipe nebenan gehen und ein Bierchen trinken. Wenn das wieder geht erg\u00e4nze ich. Apropos, sie w\u00fcrde bald Post bekommen wegen der Impfung und dann m\u00fcssten wir einen Termin machen im Impfzentrum. Das kann sie gar nicht sagt sie. Das mache ich dann. Der Pflegedienst sagt Bescheid und ich hole sie ab und wir machen einen sch\u00f6nen Ausflug. Sie glaubt, sie sei schon geimpft worden, vor ein paar Wochen, gleich hier auf dem Platz. Da ist jetzt ein russischer Supermarkt bei dem ich immer Sauerrahm kaufe, so auch heute und fr\u00fcher war da ein Edeka. Da hat sie gearbeitet und der Laden hat ihrem Bruder geh\u00f6rt. Ja und dahinter sind Schreberg\u00e4rten erz\u00e4hle ich. Da bin ich heute durchgefahren. Die seien wohl ganz in Ordnung vermutet sie und ich sage: total gepflegt und man kann sich daran erfreuen, wie schon geschnitten und aufger\u00e4umt das alles ist und die anderen machen die Arbeit. Das sei ganz praktisch. Da muss sie total lachen. Ich gehe wieder ohne den Fernseher zu kontrollieren nur ihren Schl\u00fcssel, den sie sucht und in der Tasche hatte. Der muss wieder an das Schl\u00fcsselbrett neben der T\u00fcr. Sie bedankt sich noch mal f\u00fcr meine Zeit und sagt, dass ich bald mal wieder vorbei kommen soll und meinen Mann gr\u00fc\u00dfen nach dem sie sich erkundigt hatte und ich denke, ja, das sollte ich. Von dieser Frau kann ich so viel lernen. Zufriedenheit, Bescheidenheit, gute Laune. Sp\u00e4testens zum Impfausflug.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihren Text \u2013 er ist gut bei uns angekommen! &nbsp; Hier ist Ihr Beitrag zum Thema \u201eH\u00f6here M\u00e4chte\u201c: &nbsp; Ich schreibe noch einen Text, weil ich es kann. Eigentlich ist die Frist abgelaufen, aber es gelingt mir noch durch diese sich schlie\u00dfende T\u00fcr zu kommen. 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