{"id":36077,"date":"2019-06-03T14:22:24","date_gmt":"2019-06-03T12:22:24","guid":{"rendered":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=36077"},"modified":"2019-06-18T18:23:33","modified_gmt":"2019-06-18T16:23:33","slug":"unbsoffene-wiener-gschichten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=36077","title":{"rendered":"unb&#8217;soffene Wiener G&#8217;schichten"},"content":{"rendered":"\n<p>Vergesse meine Armbanduhr und die Schlafbrille \u2013 beides Dinge, die ich nicht brauchen werde dort wo ich hin fahre, nach Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vermieterin empfiehlt das Caf\u00e9 C.I. Das war als erstes am Yppenplatz. Das steht f\u00fcr Club International (w\u00e4hrend CAY f\u00fcr Caf\u00e9 am Yppenplatz steht, knick-knack) und hier kann man Sprachkurse machen A1 usw., also sie arbeiten politisch. Der Kaffee ist stark und lecker, die Mohnschnitte, warm mit Schokosauce und Haferflocken oben drauf gestreut (was Lehar an ihre Oma erinnert, immer was Gesundes hinzuf\u00fcgen\u2026.) begr\u00fc\u00dft mich richtig gut in Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Humana in der Josefst\u00e4tter gibt es Ente im What the duck. Die Lampen mit ausgestopften Enten unten den bunt bezogenen Schirmen sitzen sind originell und werden im Dorotheum versteigert, die Drinks sind lecker und auch die Keule mit Sauce und Fr\u00fchlingszwiebeln zum Selberwickeln, wer nur Brust nimmt, hat langweilig gew\u00e4hlt. <\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Morgen mit kleinem Wiener Fr\u00fchst\u00fcck im Weidinger, abgetackelter DDR-Charme, graue Zugm\u00f6bel, wechselnde Kunst und auch durchaus frequentiert und der geile Kellner, lustig, die Uniform etwas verrutscht, der sich entschuldigt, dass er uns ausl\u00e4ndisch angesprochen hat (nachdem er es englisch bei mir probiert hatte). Raucherlokal und das gleich morgens und gleich im Separ\u00e9e neben uns, wo der Aschenbecher gef\u00fcllt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Neubau-R\u00e4dern (die Frau ist spa\u00dffrei\/unsicher und irgendwie habe ich sie nachhaltig irritiert, mit dem Wort Puch-Rahmen) habe ich Tourette vor lauter Freude: \u201eFelber b\u00e4ckt selber\u201c rufe ich immer wieder laut vom Rad. Alternativ ist: \u201eVerlasse zu fr\u00fch das Haus und die Mittagsmen\u00fcs sind aus\u201c in Vorfreude auf Bilderbuch. Die R\u00e4der von Reanimated Bikes sind wieder spitze. Auch wenn die Alpenvereinsfreundin meint, der Radverkehr habe zugenommen (und jetzt noch die e-scooter &#8211; es wird eng) wir k\u00f6nnen das nicht feststellen, wenn alle Radst\u00e4nder immer (auch samstags vor einem Wochenmarkt oder einer gut besuchten Abendveranstaltung) doch alle leer sind und alte M\u00e4nner ihre H\u00e4nde in Gebetshaltung vor\u2019s Gesicht nehmen, wenn man sie zu viert auf R\u00e4dern passiert (haben so was offensichtlich noch nie erlebt und bef\u00fcrchten das Ende der Welt, zumindest ihrer Welt, man hat sie halt zu Tode erschreckt mit dem Anblick), dann hat das nichts mit Radverkehr zu tun, wie sie in jeder deutschen Durchschnittsstadt (Bayreuth) \u00fcblich ist. Dass wir radeln war auch n\u00f6tig, weil Stephan eine schwarze Zehspitze hat oder zumindest dunkelblau. Zum Gl\u00fcck ist der Nagel nicht betroffen, aber es gibt einen kleinen dunkelblauen Fleck zwischen dem kleinen Zeh an der Innenseite zum Nachbarzeh, wie ein getuschter Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Flying High, was f\u00fcr eine eindrucksvolle Ausstellungen. Bilder von 1865, die supermodern wirken. Irrenanstalt Waldau und so. Als ein Arzt es genutzt hat um die Entwicklung seiner Patienten zu dokumentieren und dann erstaut war \u00fcber die Qualit\u00e4t der Arbeiten. Toll gemacht vom Forum Austria, auch das gedruckte Begleitheft mit allen Frauen und deren Biographien, soweit bekannt. Madame Fauvre, die feine Zeichnungen aus B\u00e4rten, Z\u00f6pfen und Haaren mit Gesichtern dazu, ineinander \u00fcbergehend malt und \u00fcber die nichts bekannt ist z.B., aber auch andere, die viel gemacht haben, gereist sind, als Schauspielerinnen t\u00e4tig waren bis sie euthanasiert wurden. Das Atelier Goldstein f\u00fchrt die Tradition fort. Art Brut ber\u00fcht. Es ist wie in den Puff gehen, diesen studierten K\u00fcnstlern kann man technisch nichts vorwerfen, aber das Gef\u00fchl bleibt auf der Strecke. Die Laien k\u00fcssen eben auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ins Kameel mit der Kameelbrosche. Lehar muss mir zeigen, was ich nicht kenne. Saftige Trockenpflaumen beim Meinl neben dem frischen Obst. Die schmecken nicht nur, sondern helfen auf Reisen und werden mein Begleiter sein in die L\u00e4nder von Pasta und Wei\u00dfmehl&#8230;. Das Mitskandieren macht Spa\u00df: Kurz \u2013 weg, Kurz \u2013 weg, Kurz, Kurz, Kurz \u2013 weg, weg, weg und Ibiza, Ibiza, Antifascista! Dann durch die Stra\u00dfe rasen. Wenn ich hier vom Rad fliege bei dem Tempo, ist es vorbei, aber Meixners wartet. Grammelkn\u00f6del gibt es auch in der gro\u00dfen Portion mit 5 statt 3 \u2013 ich Depp. Stephan ist schlau und meldet gleich Nachtisch an, weil die K\u00fcche schlie\u00dft. Der Nachwuchs findet es nicht so ansprechend, eher etwas r\u00e4udig und heruntergekommen, nicht so sch\u00f6nes Ambiente, aber es ist unser Lieblingsladen. Gut, auf die Frage nach vegetarischen Hauptspeisen ein Cordon Bleu vorzuschlagen, bei dem man den Schinken weg l\u00e4sst, wirft einige Fragen auf&#8230;.und es ist geschultes Personal. Zweigelt Ros\u00e9. Die Freundin hat schon getankt. Sie l\u00e4dt zu sich nach Hause ein. Wien, der Bahnhof und die Gleise liegen uns zu F\u00fc\u00dfen auf dem Balkon.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fahren zum Kutschkermarkt und Stephan kauft den Bestand an Mohn-Zelten auf. Zuerst hei\u00dft es 11, aber 10 nimmt er zur Not auch. In dem Gesch\u00e4ft mit alten M\u00f6beln, die auch 60er Jahre Sofas aufpolstern mit den Stoffmustern aus Schottland und einem Engl\u00e4nder, der sich \u00fcber die Meinl-Buttons freut. Er hat die Tassen mit den roten Henkeln, die nach vorne geschwungen sind erfunden (finde ich nicht so \u00fcberzeugend, was ich aber f\u00fcr mich behalte), aber ich mag die Kunst von dem befreundeten K\u00fcnstler und die Lampen und Vasen. Kaufe eine Pfefferm\u00fchle aus Holz, angeblich d\u00e4nisches Design. Wir fahren erneut zum Hundertwasserhaus und gehen in die Fotoausstellung, die echt wieder sehr gut ist. Ich sage nur: Too tired for sunshine. Der Kollege und ich haben dieselbe Idee, aber das Buch ist vergriffen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Mittagstisch im Sperl und wie super ist das denn. Einzig, dass ein junger Kellner unter der Last des XXL Tabletts in einer halben R\u00fcckbeuge beim Abstellen fast zusammengebrochen und dann noch eine Beschwerde: \u201eIch habe keine Kartoffel bestellt, sondern Salat\u201c und dann ein wenig im Stadtpark auf dem wahnsinnig \u00fcppigen Rasen chillen.  Eis bei Tuchlauben (der Kollege nimmer Maccaron und das schmeckt erst crazy, etwas s\u00fc\u00df, aber toll) und er will nach Prada-Schuhen schauen. \u201eSuper rich kids haben Stress, wir haben Sandwishes, sandwishes, sandwishes\u201c. Nur Bilderbuch kann hier weiterhelfen. Es gibt Socken f\u00fcr 80 \u20ac. Das ist echt nicht angemessen. So kann man es wohl ausdr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gelbe Sissi-Kulisse ist Hammer. Schwarze V\u00f6gel tummeln sich vor der Schlosskulisse. Der Gitarrist von Bilderbuch ist ein Gott. \u201e5 tausend likes, aber nicht so cool wie Mike\u201c sage ich nur. Das durchsichtige Netzoberteil, die neon-farbenen N\u00e4gel, das Muster aus rasierten Smileys auf dem Sch\u00e4del, wie er hinter dem Kopf seine E-Gitarre spielt. Als er das erste Mal auf die Knie f\u00e4llt, kann ich mir vorstellen, wie es den jungen Dingern bei den Beatles ergangen und kann mir eine Ohnmacht bei so was vorstellen. Maurice ist eh spitze. Ja, es ist kein Clubkonzert, aber eben eine B\u00fchnenshow mit Rauch gef\u00fcllten Seifenblasen und krickel-krackel-Zeichnungen auf der Fassade des Schlosses von Sch\u00f6nbrunn. Die Jungs sind sympathisch und ich stelle mir vor, wie anstrengend es f\u00fcr sie war. Immer gefilmt werden auf Schritt und Tritt und dann das angespie\u00dfte Publikum, die Probleme haben mit M\u00e4nnern mit lackierten N\u00e4geln und Homophobie ist voll schwul. Eh. Da war die 60er Jahre Halle bei der Faust doch viel entspannter f\u00fcr die Jungs.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Parlament in der Hofburg. Hier heiraten heute nebenan&nbsp;Adelige mit einer schlagenden Verbindung vor der T\u00fcr, eine abgemagerte Braut, die fotografiert wird von den Schaulustigen \u2013 doch keine Weinprobe, wie Stephan meint als sie morgens schon die Stehtische mit wei\u00dfen Bez\u00fcgen aufbauen. Die moderne Kunst kommt gut in den schw\u00fclstigen R\u00e4umen, sehr gut sogar, war vorher schon da, nach einem Brand. In diesen R\u00e4umen und mit der \u00fcppigen Julia will ich gleich The Favourite Teil 2 drehen. Julia ist Queen Anne und ich eben ihre erste Liebhaber, die von der blutjungen, gut aussehenden und schlauen Lehar abgel\u00f6st wird\u2026Auch die Pavillons sind mit allem ausgestattet, was es braucht, vor allem immer gleich mit Gegenwartskunst. Da w\u00fcrden sie bei uns irgendeinen Schrott aufh\u00e4ngen. Oben unterm Dach ist eine abh\u00f6rsicherer James Bond Kugel im Raum, innen ein runder Besprechungstisch. Giftshop mit den Mitarbeiterprozenten. Die Angestellte ist barfu\u00df, wie man sieht als sie von hinterm Tresen zu uns kommt \u2013 wie sympathisch. Der Kollege kauft einen Aufklappbaren Automatikschirm mit Reichsadler, den man aber nur von innen sieht, oben dezentes Grau.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittagstisch im Palmenhaus und hier waren wir noch nie und das Kuchenbuffet sucht seines gleichen. Der Marchfelder Spargel solo mit Beinschinken ist sehr gut, aber auch mein Seesaibling, der im Ganzen serviert wird und dazu Salat. Dann in den Augarten zu den Flackt\u00fcrmen. Ich liebe sie sehr. Hinter Z\u00e4une so eine Art zahme Eichh\u00f6rnchen, die sich f\u00fcttern lassen. Wir verstehen es nicht ganz. Auf den Rasenfl\u00e4chen wird hier und da ein Geburtstag gefeiert. Im Biergarten am Nachbartisch eine junge Familie, die alles richtig gemacht haben. Zwei Kinder gleich hintereinander. Die Mutter hat den S\u00e4ugling und der Vater das Kleinkind, der erst mit Autos spielt und dazu redet und dann so m\u00fcde ist, dass er das W\u00fcrstchen (Frankfurter nicht Wiener) mit Ketchup nicht mehr essen kann und die Waffel mit Nutella und Rhabarber im Extrasch\u00e4lchen, was eigentlich abbestellt worden war und sich nur in Paps Schoss verkriechen will. Die Eistruhe l\u00e4uft wie bombe und st\u00e4ndig muss ein Karton aufgeschnitten und irgendein Twister nachgelegt werden. Ich komme an den Tisch mit der Frage: soll ich ein Ben and Jerry\u2019s Erdnuss Salzkaramell oder halten wir noch an der Eisdiele am Schwedenplatz. Das reicht den Nachbarn, mit denen wir noch kein Wort gewechselt haben, dass sie nicht mehr an sich halten k\u00f6nnen und der Typ sagt mir, das sei Dreck und die Eisdiele am Schwedenplatz die beste der Stadt, was ich wiederum nutze f\u00fcr die altbekannte Diskussionen, Tuchlauben, Tichy&#8230;Herrlich. Ich gebe ihnen den Tipp mit Mohnzelten am Kutschkermarkt und zeige die total eingesaute T\u00fcte mit P\u00f6hl &amp; Mayr, zerknittert und voller Fettflecke, einfach m\u00f6rderunansehnlich. Er z\u00fcckt sein Handy und macht ein Foto. Das liebe ich an den Wiener, das Essen nehmen sie ernst.  25 hours mit Blick \u00fcber die Stadt und Drinks. Am Nachbartisch die Friseurinnung wie ich feststelle. Lehar kann schon sehr gut die Sprache und wird f\u00fcr eine Einheimische gehalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich alle in der Eingangshalle vom KHM versammeln und der Mitarbeiter sie mit Handzeichen, aufstehen, herkommen&#8230;aus der Ferne dirigiert ist gro\u00dfes Kino. Der reinste New Yorker Verkehrspolizist. Dann kommen die Schauspieler und schnappen sich einzelne Leute f\u00fcr eine lange Umarmung (Gany Med in Love). Ich kommen 3 x an die Reihe und es tut echt gut. Wie im Puff. Ich traue mich mehr als bei Freunden und Bekannten, wo man sich immer \u00fcberlegen muss, ist das zu doll, wenn ich meine Br\u00fcste da voll ranpresse, hier kann man einfach reinhauen. Ich bekomme viel Komplimente f\u00fcr mein H\u00fctchen, auch von Frauen, die ich rattenscharf finde, die alleine im Caf\u00e9 in der Mitte sitzen mit der Wahnsinnskulisse drau\u00dfen vor einem roten Abendhimmel und einen 0,1 Sekt trinken. Sie schauen mich an und zwinkern sehr lange mit einem Auge w\u00e4hrend der Daumen nach oben zeigt. Sonst ist das Publikum sehr unruhig und respektlos. Kommen und gehen und knatzen auf den ehrw\u00fcrdigem Holzboden und das w\u00e4hrend den Darbietungen, so dass eine Schauspielerin so irritiert ist, dass sie wieder von vorne anf\u00e4ngt. Ich denke, die sind Theater erfahren in dieser Stadt&#8230;. F\u00fcr den kleinen Theaterhunger danach geht\u2019s ins Schwarzenberg. Die Frauentoiletten sind so sch\u00f6n und ich schicke den Kollegen los. Die Herren wohl weniger. Ich spreche den Kellner darauf an, der meint, er kennt sie nicht und darf da auch nicht rein, nur das Reinigungspersonal oder im Notfall, wenn er erste Hilfe leisten muss. Das kann ihn seinen Job kosten. Denkt er, ich bin ein Lockvogel und das hier Ibiza Teil 2?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wundern uns, dass so wenig Menschen es genie\u00dfen, durch die Hofburg zu fahren, wenn der Himmel rosa ist oder hinter einem Fiaker ganz langsam mit dem Drahtesel- gro\u00dfe Freude.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder Kaffee am Yppenplatz. Die 3 silbernen Eichen, eine klassische Trinkerkneipe \u00f6ffnet als erstes und kann auch Kaffee. Hier sind die meisten Besucher bzw. die anderen Hippsterdinger sind f\u00fcr die Touristen. Raucher, dicke Hunde wissen wo sie hin m\u00fcssen und werden pausenlos mit Keksen gef\u00fcttert, wie der reinste Streichelautomat. 3 T\u00fcrken gesellen sich dazu. Albertina geht auch noch. Neben Nitsch, Ochsenblut und den R\u00e4umen mit Farbe (die Arbeiten mit den Verl\u00e4ufen sind sehr sch\u00f6n, Rotho&nbsp;schwach dagegen) und dann gibt es noch eine tolle Fotoausstellung. Der Typ hat Sachen gemacht, die etwas wie Leuchtk\u00e4sten von Jeff Wall wirken oder Tischszenen wie von Sp\u00f6ri und das alles schon 10-20 Jahre vor den anderen. Tolle Arbeiten sind dabei und tolle Serien auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Favoriten hat mir gefehlt. Die neue Bleibe der Atelierfreundin ist gro\u00dfartig und ich freue mich, dass sie hier eine neue Familie gefunden hat. Wir machen Atelierchillen vom feinsten mit 2 Flaschen Prosecco. Der Keller ausgebaut mit Holzwerkst\u00e4tten mit allen Maschinen und 20 Schraubzwingen in Reih und Glied, davor ein \u00dcbungsraum und die Raucherbar, im Innenhof essen wir 1 Liter Eis und neben dem Tichy gibt es noch Gavaz in der Laxenburger Stra\u00dfe empfiehlt die Vermieterin. Da seien die Schlangen nicht so lang. Als ein paar Tropfen fallen wechseln wir nach innen. Ich darf mir 2 Insektenbuttons raussuchen und bastele etwas, Lehar steigt irgendwann mit ein. Gela kommt nach und wundert sich \u00fcber die riesigen Sandalen (die ausgelatschten Birkenst\u00f6cker meines Kollegen). Ich mag Wanda Kanterreit und Konsorten nicht. Ist mir zu heimatverbunden. Andreas Gabalier l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Gut, ich bin fies und das ist Geschmackssache. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Naschmarkt gibt es heute asiatisch und das gef\u00e4llt dem Nachwuchs am allerbesten von allen L\u00e4den bisher. <\/p>\n\n\n\n<p>Humanic und der Kollege wird Mitglied um sich die F\u00fc\u00dfe ausmessen zu lassen was ergibt dass der 45,5 hat, wo er in Wirklichkeit aber 47 hat; ich um 30 % zu sparen. Habe Lehar eine Tasche von DKNY gekauft und mir neue Turnschuhe in Lachs- oder Shrimpsfarbe. Sie ist so bescheiden und wehrt sich lange (kann ich doch nicht machen\u2026). Es ist sch\u00f6n zu sehen, wenn sich jemand so freut. Als es anf\u00e4ngt zu regnen nimmt sie die Tasche unter ihr Sweatshirt und tr\u00e4gt sie am K\u00f6rper, damit ihr nichts passiert. Sie liebt sie wirklich. Meine Schuhe haben schon deutliche Tragespuren nach der ersten halben Stunde. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Roastbeef vom Gerhard ist pornographisch genug, da h\u00e4tte es der angeblichen deutschen Lyrik nicht bedurft. Wondratschek: \u201eIch folge, jeder Frau nach Rio, jedem Hund zur H\u00fcndin&#8230;.\u201c \u201eIch stehe nackt vor Dir, ich will mehr, ich will\u201c&#8230;.das braucht kein Mensch. Was ist mit dem Sperl los? Ich hatte unsere Reisegesellschaft vorgewarnt, dass hier Frauen bedienen statt der \u00fcblichen Wiener Kellner, die sie jetzt schon kennen, aber sie haben die tollen Bedienungen gegen M\u00e4nner ausgetauscht. Das finden wir nicht in Ordnung. War gut so, wie es war. Wir kaufen Lebensmittel ein gegen die Verg\u00e4nglichkeit. Essig, Kuchen, K\u00e4se, Zotter bis wir bis oben voll sind. Lehar zeigt mir wieder was in gewohnter Umgebung. Es gibt hier die sch\u00f6nsten Blumen \u00fcberhaupt. Pinkfarbene Riesenpfingstrosen &#8211; so toll, ohne Schleierkraut und Bindungschichi. Wenn ich hier wohnen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich den Eimer voll kaufen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Dem Kollegen gefallen die Tassen von Hornig J. mit Spr\u00fcchen auf der Untertasse, die zum Vorschein kommen, wenn man die Tasse abhebt. \u201eDie dunkle Seite ist sch\u00f6n\u201c oder \u201eNichts ist f\u00fcr die Ewigkeit\u201c usw. Au\u00dferdem \u00fcberzeugend, dass die Aussparung f\u00fcr die Tasse nicht mittig ist und man so Platz auf der Untertasse hat f\u00fcr den L\u00f6ffel oder einen Keks. Warum ist da bisher keine drauf gekommen? Er will welche f\u00fcrs B\u00fcro. Auf dem Weg zur R\u00e4derr\u00fcckgabe kommen wir an einem Laden vorbei und halten kurz. Hier ist auch Kaffeebetrieb, aber man soll im Internet bestellen.  Der Traditionsbastelladen Dieroff und S\u00f6hne os\u00e4 (Nachfolger) mit Bast, Holz zum Flechten und riesigen Bambusstangen, alles gut sortiert und s\u00e4uberlich ist wieder so spitze. Es gibt auch dicke Holzperlen und Seile (falls ein anthroposophischer Kindergarten Makramee machen will frage ich und wo ist hier der Zusammenhang will ich vom Chef wissen, Naturmaterialien? Lehar kauft sich Karabiner um ihre durchsichtige Umh\u00e4ngetasche zu reparieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir brechen auf, der Kollege tr\u00e4gt seine Birkenstocks mit gebrochener Sohle und holt sich nasse F\u00fc\u00dfe an der Haltestelle in den Pf\u00fctzen, seine Latschen bauen einen Damm, aber einen br\u00fcchigen eben. Wir begleiten Lehar zum Bahnhof, Berlin Mitte, 17:30 nach Innsbruck zu einer Freundin von Gleis 8, wir fahren 17:42 von Gleis 9 zum Flughafen Wien-Schwechat. Ich finde einen schwarzen Automatik-Schirm von Pierre Cardin im Netz des Sitzes vor mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Merke erst nach Wien, wie schrottig mein Fahrrad wirklich ist. Es wackelt und f\u00fchlt sich total unstabil und unsicher an. Wie kann es sein, dass sie ausgerechnet dort bessere R\u00e4der bauen k\u00f6nnen. Gott sei dank vergisst man das schnell und es f\u00fchlt sich am Tag danach wieder ganz normal an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ganymed-Texte will ich noch mal nachlesen \u00fcber die Liebe zu einem Leben, was nur noch ein d\u00fcnner, rissiger Faden ist. Vergi\u00df mein nicht mit einem vergleichsweise schlechten Bild a la Spitzweg, eine Szene am Fenster mit Blumen davor, die Frau auf der Pritsche, die eine Bettl\u00e4gerige gespielt hat, die am Leben h\u00e4ngt, auch wenn es nur aus so wenig noch besteht. Aufwachen, Schmerzen haben (der K\u00f6rper erinnert sich) und man nur noch wenig versteht und zahnlos mitlacht. Nur das was sich nicht ver\u00e4ndert, die Wolken, der Himmel, man h\u00e4ngt an dem br\u00fcchigen, d\u00fcnnen Faden des Lebens. Sch\u00f6n, dass wir 2 Exemplare bekommen haben und Stephan seines weder zerschnitten noch entsorgt hat. Das hilft mir heute. 30.05.2019 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergesse meine Armbanduhr und die Schlafbrille \u2013 beides Dinge, die ich nicht brauchen werde dort wo ich hin fahre, nach Wien. Die Vermieterin empfiehlt das Caf\u00e9 C.I. Das war als erstes am Yppenplatz. Das steht f\u00fcr Club International (w\u00e4hrend CAY f\u00fcr Caf\u00e9 am Yppenplatz steht, knick-knack) und hier kann man Sprachkurse machen A1 usw., also [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-36077","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36077","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36077"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36077\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36293,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36077\/revisions\/36293"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/buttermusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}