{"id":3511,"date":"2013-12-18T19:19:31","date_gmt":"2013-12-18T17:19:31","guid":{"rendered":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=3511"},"modified":"2013-12-19T09:34:28","modified_gmt":"2013-12-19T07:34:28","slug":"u-wie-uuneinsichtig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=3511","title":{"rendered":"U wie uneinsichtig"},"content":{"rendered":"<p>16.12. Die Woche beginnt. Ich bin Beraterin f\u00fcr den Fall: Mutter in der Psychiatrie und habe ein offenes Ohr. Ich kenne die Frau von der Feier einer Kollegin.<\/p>\n<p>In der Mittagspause \u00fcberlegen wir Spiele f\u00fcr Silvester. M\u00e4xchen und Flaschen drehen sind meine Vorschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>In unserer K\u00fcche h\u00e4ngt eine Liste mit Bildern der Mitarbeiter unserer Computerfirma, die so grob versagt hat. Die sehen durch die Bank nach Joeys Pizzaservice aus. Alle bis auf 2 sehen aus wie Fahrer und die 2 sehen daf\u00fcr aus wie Stammkunden, die t\u00e4glich bestellen. Ich habe die Sache schon fast \u00fcberwunden. Hatte zwischendurch Gewaltphantasien und dachte bei einem hellblauen Flippchart mit dem falschen Blauton an Taubenblau, Babyblau und blaues Auge Blau auf den Spezialisten bezogen, der hier tagelang herum sa\u00df, der immer nicht zur\u00fcck ruft und nicht mit denkt f\u00fcr 5 Pfennig. Jetzt denke ich nur noch, dass die echt armselig ausschauen, wie Pizzafahrer halt. Mein Kollege hatte die Idee mit dem K\u00fcchenaushang und dachte dabei an Darts. Danach ist mir gar nicht mehr. Wie verflogen. Gut, schlechte Laune bekomme ich schon, wenn ich den noch mal in Echt sehe, aber so ergreift mich wieder vorweihnachtliche Milde.<\/p>\n<p>Nachmittags bin ich bei Herrn Ma\u00dfregelvollzug verabredet und habe Stephan zwei Ern\u00e4hrungstabellen aus dem Internet ausdrucken lassen, au\u00dferdem habe ich den Ausweis im Gep\u00e4ck. Gottseidank entscheide ich mich gegen Fahrrad und fahre dann sch\u00f6n spie\u00dfig und doof mit dem Bus in Wunstorf. Der Zug ist megavoll und viele mit umst\u00e4ndlichen Eink\u00e4ufen, z.B. Bilderrahmen, finden nur einen Stehplatz. Ich lese Tante Jolesch und freue mich. Noch bevor der Zug losf\u00e4hrt kommt im Sekundentakt eine Durchsage, dass der Ausstieg links ist. Dann eine sehr trockene, nieders\u00e4chsische Livedurchsage des Zugf\u00fchrers, dass wohl der allerletzte jetzt mitbekommen habe, wo der Ausstieg ist. Das sei der Boardcomputer, der einen m\u00e4nnlichen Namen tr\u00e4gt, den er auch nennt und der w\u00fcrde heute viel labern und sei nicht abzustellen. Alle m\u00fcssen schmunzeln. \u00a0Im gem\u00fctlichen, ausbruchssicheren Besprechungszimmer der KRH gibt es die gro\u00dfe Runde. Meiner ist verzettelt und will immer wissen, wer ihn beruflich f\u00f6rdert und wegen Abi, das macht er dann schneller als es die Regel ist. Ich sage, bevor es um ein Hochbegabtenstipendium geht, muss erst mal eine Butze her. Es ist mal wieder lustig festzustellen, dass es nicht darauf ankommt, was einer sagt, sondern wer und wie. Der Schlie\u00dfer oder Pfleger, die \u00dcberg\u00e4nge sind hier sehr flie\u00dfend sagt was und Herr MRV sagt nein. Ich sage dasselbe und er willigt ein. Dann sei das so. Erst mal vielleicht Wohnheim anschauen, auf jeden Fall ambulant betreutes Wohnen akzeptieren. Innerlich spreche ich ein Sto\u00dfgebet. Au\u00dferdem sage ich ihm, zu wackelig wieder zu dem Vermieter, der ihm per Untermietvertrag Unterschlupf gew\u00e4hrt. Geduld reicht keine 3 Tage, dann ist er auf der Stra\u00dfe und Frau A. im Weihnachtsmodus mit Telefon im Flugmodus und nicht zu erreichen. Ich hoffe, er hat es verstanden. In der Bahn ist es richtig voll, dass die Hannoveraner genervt sind und echt Leute nicht einsteigen k\u00f6nnen, damit ist da f\u00fcr japanische und auch englische Verh\u00e4ltnisse noch viel Platz in der Mitte, aber die Leute r\u00fccken nicht vern\u00fcnftig auf und sind schon am Limit. Eine sehr kleine Frau steht neben mir, die sich beschwert, dass es schon seit Monaten so voll sei. Ja, ist doch lustig, denke ich da. Sch\u00f6n auf Tuchf\u00fchlung gehen.<\/p>\n<p>Anruf wegen Rechte am eigenen Bild. Fotos eines Toten. Trauerbew\u00e4ltigungsarbeit der Freundin. Jetzt meldet sich die Familie und ein Anwalt. Mit Lebenspartner ist nicht die uneheliche Freundin gemeint, sondern eingetragene Lebenspartnerschaft, gleichgeschlechtlich, wie Ehe. Ohne Ehe nix Wert, rechtlich, oder? Gottseidank hatten wir die Rechte an unserem toten Hund.<br \/>\nDen haben wir ganz viel fotografiert zur Bew\u00e4ltigung des Schocks und mit den Fotos konnte man auch schon Leute schocken und das war nur ein Hund.<\/p>\n<p>Der Mond ist schon sch\u00f6n. Ich bin immer wieder verliebt. Mit den Wolken als Beilage. Gerahmt vom Fenster meines Sportstudios. Es sieht traumhaft aus. Letztes Mal mein Montagssportkurs in diesem Jahr.<\/p>\n<p>Wir lieb\u00e4ugeln mit Wien schon im J\u00e4nner. Letztes Jahr waren wir auch 2 x Anfang des Jahres dort und wenn so eine \u201eTradition\u201c erst mal Einzug erhalten hat. Sch\u00f6n Naschmarkt und Kaffeehaus und die Lucian Freund Ausstellung. Das w\u00e4re schon eine feine Sache und mein Schatz und ich sind uns Gesellschaft genug, auch wenn ich die Wiener Freunde sehr liebe, sollte man sich nicht in Abh\u00e4ngigkeit begeben und auch keinem auf den Zeiger gehen. Das muss nicht sein, oh nein. Da kann man sch\u00f6n unabh\u00e4ngig hin, was Sch\u00f6nes anmieten und herrliche Stunden dort verbringen, wo die Zeit stehen bleibt. Im Caf\u00e9 Sperl z.B. Und da sehe ich auch schon das perfekte Apartment. Die Frau schreibt geiles Englisch mit deutschem Satzbau: \u201eFridge and Waschmaschine are hiding behind red courtains\u201c ist dort zu lesen. Dusche in der K\u00fcche, alles gut. Lustig schaut\u2019s aus und gleich neben dem Sperl. \u201eSuper clean\u201c sei es dort, preist die Vermieterin ihre Bude. \u00c4hhh: next to Sperl = super clean! Zumindest in meiner Definition der Dinge.<\/p>\n<p>17.12. Nein, ich meine nicht heute, wo ich schwitze im Wintermantel mit Wollschal und meine Riemchenschuhe wieder ausgepackt habe und die Handschuhe bleiben in der Tasche, ich meine Freitag auf dem Weg ins Kino, Sp\u00e4tvorstellung. Es war eisig kalt und Stephan tr\u00e4gt bei eisigen Temperaturen auf dem Fahrrad eine d\u00fcnne Sommerhose und zwar extremd\u00fcnn und ist stolz darauf, freut sich, dass er so m\u00e4nnlich ist. Lange Unterhosen werden abgelehnt. Schon als Kind sei es dem\u00fctigend gewesen eine Strumpfhose zu tragen. Wie Leander, der mir verr\u00e4t, die m\u00fcsse er nur tragen, wenn er in die Hose gemacht hat. Ich sage, Schatz, eine lange Baumwollunterhose, sch\u00f6n gem\u00fctlich, es m\u00fcsste Dir ein Bed\u00fcrfnis sein und dann sitzt Du wie gepolstert und warm auf dem Fahrrad. Meine Worte verhallen ungeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ich habe keinen anwaltlichen Killerinstinkt. Es geht mir ab mich dar\u00fcber zu freuen, wenn die Gegenseite einen Einlauf bekommt. Ich habe Mitgef\u00fchl. Heute m\u00fcndliche Verhandlung in meiner Mietsache. Die behinderte Mandantin wurde krank durch den Kontakt mit Behinderten (quasi Hund mit Hundehaarallergie) und hat fristlos gek\u00fcndigt, was der Vermieter ablehnt, wobei vorher gesagt wurde, dass es mit \u00e4rztlichem Attest kein Problem sei.\u00a0 Vorgerichtlich wollte ich mich einigen und hatte mich noch ge\u00e4rgert auf ein Angebot 2\/3 in Raten zu bezahlen nicht eingegangen zu sein. Jetzt fragt die Richterin die Gegenseite, einen d\u00fcnnen Mann mit Outdoorkleidung \u00fcber dem Anzug nach Untervollmacht. Nein, der Typ ist aus Berlin angereist. Dann nach Einigungsbereitschaft. Gottseidank sage ich nichts an dieser Stelle. Sie will mal sagen, wie sie das sieht. Meine Argumente greifen alle. Mietverh\u00e4ltnis endet zum 30.11. und nicht erst 3 Monate sp\u00e4ter. Nicht wegen des K\u00fcndigungsgrundes meiner Mandantin, sondern hier gab es einen anderen, vertraglichen Kniff auf den ich aufmerksam gemacht hatte. Es gab einen zweiten Vertrag, den die Behinderten mit einem Pflegedienst abschlie\u00dfen m\u00fcssen und diese waren aneinander gekoppelt. Beim Pflegevertrag war es mir jedoch gelungen, diesen zum 30.11. aufheben zu lassen. Die Renovierungskosten sind verj\u00e4hrt, weil Verl\u00e4ngerung der Verj\u00e4hrungsfrist in den AGB nicht zul\u00e4ssig. Keine Abweichung vom Gesetz, nur in Ausnahmef\u00e4llen. Die liegen hier nicht vor. Wir vergleichen uns so, dass die Klage insgesamt hinten runter f\u00e4llt. Daf\u00fcr behalten sie die Kaution, die sie schon haben. Meine Kosten m\u00fcssen sie auch zahlen, au\u00dfer der Vergleichsgeb\u00fchr. Daf\u00fcr hat die Mandantin Prozesskostenhilfe bekommen. Mal sehen, ob der Vergleich h\u00e4lt, sonst Risiko Landgericht, was alles anderes sehen kann. Hey, das ist ja mal besser gelaufen als erwartet. Der Vermieter ist ein Arschloch, aber f\u00fcr den Kollegen, der extra angereist ist, tut es mir leid. Ich gehe zur Belohnung ins Fairkaufhaus und da ist heute \u201eAdventskalender\u201c T\u00fcrchen 17. Dezember, 30 % auf Damenkleidung. Hey, heute ist mein Tag! Daf\u00fcr muss ich schon in der Adolfstra\u00dfe auf dem Weg zum Gericht \u00fcber das Plakat von Scooter lachen. 20 Jahre Hardcore. I don\u2019t think so. Was hat das mit Hardcore zu tun? Kann mir das bitte mal einer erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Scooter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3508\" alt=\"Scooter\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Scooter-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Scooter-300x225.jpg 300w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Scooter-624x468.jpg 624w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Scooter.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich verschiebe Zahlungsfristen und meine Betreute fragt sich, warum? Ich sage entweder weil mir langweilig ist oder weil sie sonst nichts zu essen hat im Januar und wir jeden Euro gebrauchen k\u00f6nnen. Ja, auch ein Abschlag der Stadtwerke von 35,- \u20ac, der erst am 13.02. f\u00e4llig ist. Ihre Idee war, sich in der MHH einweisen zu lassen, damit sie dann warmes Essen hat. Das ist noch weniger sinnvoll und ich bin gegen eine unbegrenzte Aufstockung des Dispo, der die 2.000,- \u20ac Marke schon gesprengt hat. Ich bin sauer, aber sie kann es wohl nicht besser. Es t\u00e4uscht mich, dass sie alle Zahlen auf dem Schirm hat, nur danach handeln gelingt ihr nicht. Das meint auch die MHH. \u201eFrau Arnhold, ich habe gute Nachrichten f\u00fcr Sie. Das Blindengeld wird erh\u00f6ht im April\u201c oder so \u00e4hnlich lauten ihre Worte. Warum sind das gute Nachrichten f\u00fcr mich, lautet meine Gegenfrage. Ich bin nicht sehbehindert.<\/p>\n<p>Ich verrichte die Dinge, die vor Weihnachten noch sein m\u00fcssen. In der Erbschaftssache war ein Vergleich schon beschlossen. Die Gegenseite hat ihre Anw\u00e4ltin gek\u00fcndigt. Ist jetzt alles wieder offen und kann von vorne anfangen? Habe ich nicht schnell genug den Vergleich angenommen? H\u00e4tte nichts genutzt. Die m\u00fcssen zum Notar. 35.000,- \u20ac zahlen und dann nicht in der richtigen Form, dass es auch beim Grundbuchamt anerkannt wird, w\u00e4re auch keine L\u00f6sung gewesen. Schei\u00dfe ist es trotzdem. In der Familiensache ruft mich die neue Freundin an, ob mein Mandant den Dauerauftrag f\u00fcr Kindesunterhalt \u00e4ndern soll. Ja, so haben wir es besprochen lautet meine Antwort. Er versteht es manchmal nicht richtig. Gut, dass sie noch mal nachfragt. \u00dcberzahlten Unterhalt bekommt man nicht zur\u00fcck. Sie lobt mich, dass ich viel besser sei als ihr Anwalt, weil ich schneller bin und ihr Freund schon geschieden. Das ist mal wieder ein Blick auf die Sichtweise der Klienten.<\/p>\n<p>Dicke Akten vom Versorgungsamt und ein gro\u00dfer Kalender werden zur Post gebracht. Lange Schlange. Bei den Akten ist es mir ein Einschreiben Wert.<\/p>\n<p>Morgen lerne ich meinen neuen Hasen kennen f\u00fcr den der Strafverteidiger mich vorgeschlagen hatte. Ich klingele bei ihm zuhause. Das ist mit dem Bew\u00e4hrungshelfer, der Stille Post f\u00fcr uns macht, so vereinbart. Morgen haben wir auch B\u00fcroweihnachtsfeier. Bis zuletzt war unklar, wie viele Personen teilnehmen 11 oder 12. Wie im Gro\u00dfraumb\u00fcro geht das hier zu. Hintergrund sind aber immer irgendwelche Krisen, also nicht so lustig, auch wenn ich nicht direkt betroffen bin. Schrottwichteln hatte ich letztes Jahr initiiert im Titus. Da mochte man den Anblick nicht besonders. Ich habe das beste Geschenk ever bekommen und daher keine Ambitionen das zu wiederholen. K\u00f6nnte nur eine Entt\u00e4uschung sein. Von Schwiegermutter aus dem Osten, Glas mit Griff und Sandlandschaft und k\u00fcnstlichem Vogel und echten, aber toten Kakteen sage ich nur.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/DSC02140.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3506\" alt=\"DSC02140\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/DSC02140-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/DSC02140-300x199.jpg 300w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/DSC02140-624x415.jpg 624w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/DSC02140.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schnell zu Sport, au\u00dferhalb der Reihe, aber letzte Chance \u00fcberhaupt in 2013, also auf. Danach essen und Haare waschen nach Wochen. Kopf kratzt nachher schlimmer als vorher. Stephan schneidet die Spitzen.<\/p>\n<p>18.12. Morgens viel Telefonate u.a. mit der Grundbuchabteilung eines ausw\u00e4rtigen Gerichts in meiner Erbschaftssache. Der eine sagt so, der andere so. Dort anfragen, wo der Entscheider sitzt.<\/p>\n<p>Die Vegetarierin hat sich krank gemeldet f\u00fcr die Weihnachtsfeier. Erst eine Extrawurst und dann unp\u00e4sslich. Ich muss das anders sehen. Ich bin dankbar, dass ich so wenig gesundheitliche Probleme habe. Da gibt es R\u00fccken oder Magen, kein Sekt- oder Wei\u00dfwein darf mehr getrunken werden und das sind Leute, die j\u00fcnger sind. Ich denke immer, ich strotze vor Kraft und der Zenit ist noch nicht erreicht. Klar, ich bin faltig geworden um die Augen und sehe nicht mehr so prall aus im Gesicht wie fr\u00fcher und auch nicht mehr so niedlich, aber ich bin zufrieden.<\/p>\n<p>Der Hase ist nicht im Hochhaus. Mittags sollte eine gute Zeit sein. Die Tante steht unten vergeblich vor der T\u00fcr. Ich bekomme seine Nummer vom Bew\u00e4hrungshelfer und er kommt vorbei. War erst in einer anderen Stra\u00dfe. Da ist unter der Hausnummer 10 auch ein gr\u00fcnes Haus. Er schaut mich mit gro\u00dfen Augen an und erz\u00e4hlt mir was von den Magneten in den W\u00e4nden und der Bew\u00e4hrungsauflage eine ambulante Therapie zu machen.\u00a0 Nach Familie gefragt gibt es eine Oma und die Pflegeeltern und -schwester. Ich rufe gleich den Betreuungsrichter an. Der will ihn noch mal begutachten lassen. Dann ruf ich ihn noch mal an und frage ihn, ob ich dem Gutachter seine Handynummer geben darf. Dann tue ich das und der hat zuf\u00e4llig nur noch heute Termine in Linden. Alle Vorzeichen stehen positiv bzw. was bin ich nur f\u00fcr ein resolutes Organisationswunder.<\/p>\n<p>Auch in meinen anderen F\u00e4llen l\u00e4uft alles super. Fotos f\u00fcr die neue Versichertenkarte. Eine ruft an, dass sie mir die Urkunde vorbei bringen will. Welche Urkunde, frage ich. Ach ja, eingetragene Lebenspartnerschaft. Sie hat geheiratet. Wie unsensibel von mir. Sie will ein Praktikum in der Pathologie machen. Das sei immer ihr Traum gewesen. Auch wenn sie da nich arbeiten k\u00f6nne, dann wenigsten ein Praktikum. Nachmittags kommt eine neue Betreute und lacht als ich schnell alles erledige und sage, dass mit der Stadtwerkenachzahlung reichen wir erst mal nicht ein, haben die \u00fcberhaupt Z\u00fcndstrom f\u00fcr die Therme gezahlt? Ich merke mal wieder, was es den Leuten f\u00fcr eine Last nimmt, wenn ich Ihnen die Dinge abnehme. Erst mal dem Amt schreiben, was sie \u00fcberhaupt meinen. Sie schreiben Reha und schicken Rentenantr\u00e4ge und wegen der bevorstehenden Weihnachtsfeiertage sowieso Fristverl\u00e4ngerung bis Mitte Januar. Auf die 2 Wochen kommt es wirklich nicht an. Wie kann man meinen Hasen so viel Stress machen vor Weihnachten. Das werde ich nicht dulden! Zumal das diejenige ich, die nicht so sehr am Leben h\u00e4ngt, wie sie mir anvertraut hat und seit dem 9 Jahr regelm\u00e4\u00dfig Suizidversuche unternimmt. Ich h\u00f6re mir das an, weil es mir so fremd ist als am Leben Klammernde, habe aber keine Gesundheitssorge.<\/p>\n<p>Dazwischen ein loyaler Mandant, der immer kommt und bar zahlt und dann soll ich was machen. Er ist sehr zufrieden mit meinen Leistungen. Er lobt mich und sagt immer: viel besser w\u00fcrde ich arbeiten, als die, die er fr\u00fcher hat arbeiten lassen. Ich bin auch mit unserer gesch\u00e4ftlichen Liaison. Er ist zuverl\u00e4ssig. Kommt p\u00fcnktlich, sagt ab, ist freundlich. Manchmal bringt er mir Essen. Schnelles Schreiben, 50,- \u20ac. Das geht. Jeder bekommt den Dienstleister, den er verdient hat. Das ist schon lange mein fester Glaube.<\/p>\n<p>Bekomme Fax. Ich glaube, die familienrechtliche Klage wird sich doch nicht abwenden lassen.\u00a0 Manche Anw\u00e4lte verstehe ich nicht, aber vielleicht vertreten sie die Interessen nur besser oder anders. Einen anderen Kollegen, der mir bis heute eine Frist gesetzt hat, rufe ich nur an. Mehr als Ratenzahlung wird schwierig und dann ohne seine Kosten und Zinsen. Er wirkt sehr umg\u00e4nglich. Mittellosigkeit ist manchmal ein tolles Argument. Auf die Weihnachtsfeier bin ich auch gespannt, weil es dieses Jahr auch bedeutet, neue Leute, zumindest eine neue Mitarbeiterin kennen zu lernen. Eine wird in K\u00fcrze wieder ausscheiden. Mal sehen, ob ich jemanden beleidige oder wie der Abend l\u00e4uft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.12. Die Woche beginnt. Ich bin Beraterin f\u00fcr den Fall: Mutter in der Psychiatrie und habe ein offenes Ohr. Ich kenne die Frau von der Feier einer Kollegin. In der Mittagspause \u00fcberlegen wir Spiele f\u00fcr Silvester. M\u00e4xchen und Flaschen drehen sind meine Vorschl\u00e4ge. 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