{"id":2330,"date":"2013-10-05T09:47:35","date_gmt":"2013-10-05T07:47:35","guid":{"rendered":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=2330"},"modified":"2015-06-08T16:22:10","modified_gmt":"2015-06-08T14:22:10","slug":"99-kilo-und-untertemperatur-das-passt-doch-nicht-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/buttermusch.de\/?p=2330","title":{"rendered":"99 Kilo und Untertemperatur &#8211; das passt doch nicht zusammen"},"content":{"rendered":"<p>30.09. Morgens der totale Alptraum. Bei uns bricht die komplette Wohnung auseinander. \u00c4hnlich vom Gef\u00fchl her, wie diese Tr\u00e4ume, bei denen einem die kompletten Z\u00e4hne nach und nach aus dem Mund kr\u00fcmeln. Die Fenster samt der Fensterlaibungen fallen raus. Stephan versucht eines der Fenster, das au\u00dfen an einem seidenen Faden h\u00e4ngt nach oben zu dr\u00fccken, wo der Nachbar es in Empfang nehmen soll und schneidet sich an dem zerbrochenen Glas die Hand. Ich denke, der Depp h\u00e4tte sich Handschuhe anziehen sollen. Alles ist auf einen Wasserschaden zur\u00fcck zu f\u00fchren. Die Decke besteht aus Holzbrettern, die nach und nach herausbrechen und den Blick auf die Wohnung dar\u00fcber freigeben. Keine Versicherung zahlt, die Gew\u00e4hrleistung ist abgelaufen, die Anspr\u00fcche gegen den Architekten verj\u00e4hrt, nur unsere Wohnung ist betroffen und es kostet in etwa so viel wie seinerzeit die Sanierung. Meine Laune ist bestens als ich wach werde.<\/p>\n<p>Wieder einmal Anh\u00f6rung wegen Betreuungsverl\u00e4ngerung. Meine Betreute ist superschwer zu erreichen und ich sehe sie kaum. Sie attestiert dem Gericht, dass Frau A. sich den Arsch f\u00fcr sie aufrei\u00dfen w\u00fcrde. Manchmal kann ich nur staunend daneben sitzen. Ich bekomme neu den Bereich Gesundheitssorge. Das wird schwierig und ich sage ihr, dass ich auf ihre Mitarbeit angewiesen sei. Noch bevor der Tag zu Ende geht, hat sie sich tats\u00e4chlich bei mir gemeldet und wir haben am 07.10 bei ihrem langj\u00e4hrigen Haus- und Substitutionsarzt ein gemeinsames Gespr\u00e4ch. Das hatte ich vorgeschlagen. Der Beginn einer neuen Zusammenarbeit? Ich bin gespannt. Den Richter duze ich und er war 2007 wie mein Kollege auf dem Police-Konzert in Hamburg. Das Plakat ziert sein Dienstzimmer.<\/p>\n<p>Mittags treffe ich Stephan kurz in der Bar auf einen Toasti und Kaffee. Hier staune ich \u00fcber einen Flyer der Infa, auf dem f\u00fcr Infalino geworben wird. Eine Hausfrauenbabymesse. Wie doof geht es noch?<\/p>\n<p>Nachmittags kommt der Mann aus Ghana, den ich schon seit Jahren begleite und der sich ebenfalls gegen eine Aufhebung der Betreuung wehrt. Mit seiner neuen Wohnung hat geklappt. Wir sprechen durch an was bei der \u00dcbergabe zu denken ist.<\/p>\n<p>Es sind nicht nur die Betreuten, die an mir h\u00e4ngen. Ich h\u00e4nge auch an ihnen. Eine, die ich Jahrzehnte hatte, hat mir das Gericht \u201eweg genommen\u201c. Sie wohnt jetzt im Heim und da ist jetzt nichts mehr zu regeln (lustige Einweisungen, Finanzen etc. das geh\u00f6rt der Vergangenheit an) und das ist echt nichts f\u00fcr eine Berufsbetreuerin. Ich habe es eingesehen. Ich hatte nur Angst, dass sie dann trotzdem bei mir anrufen w\u00fcrde (was gerne mal 5 mal die Woche passierte) und ich das halt nicht abrechnen kann. Es macht jetzt eine Frau von einer Landesbeh\u00f6rde, die aber ganz fit zu sein scheint. Meine Betreute hatte immer einen siebten Sinn daf\u00fcr, wenn ich im Ausland war. So sicher wie das Amen in der Kirche, sobald ich gelandet war oder in Oberitalien im Zug sa\u00df, kam der Anruf. Sie hat immer gerne obsz\u00f6ne Sachen am Telefon gesagt, dass ihr Leute an der Fotze herumpr\u00f6keln w\u00fcrden und \u00c4hnliches. F\u00fcr mich hatte sie immer Tipps, dass ich mich mal richtig ausspannen soll mit meinem Mann, wenn mich die Arbeit \u00fcberfordert, Urlaub machen oder wenn ich sie im Heim aufgesucht habe (sie sa\u00df immer rauchend auf ihrem Zimmer) kommentierte sie meist meine Frisur, die ihr nicht gefiel. Ich nehme an wegen der Filzanteile. Sonst sah ich immer \u201eflott\u201c aus, aber die Haare gefielen ihr nicht. \u201eFrau A. nehmen Sie mal eine Kr\u00e4utersp\u00fclung\u201c riet sie mir dann. Sie schickte und schickt mir regelm\u00e4\u00dfig Post ohne Briefmarke. Komisch, bei mir klappt das nicht. Sie nimmt einen Schuhkarton und schneidet eine Postkarte daraus oder eine Umsonstpostkarte vom Heim mit einem deprimierenden Foto des Hauses und schreibt keinen Absender drauf und nur \u201ebez. Empf\u00e4nger\u201c und das Zeug kommt an und zwar 30 mal.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639521.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12016\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639521-300x212.jpg\" alt=\"163952\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639521-300x212.jpg 300w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639521-624x442.jpg 624w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639521.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch andere tolle Schriftst\u00fccke habe ich von ihr u.a. eine Kalenderblatt Oktober, wo sie jeden Tag notiert hat, was sie gegessen hat um es mir dann zu schicken.\u00a0Ja, da werde ich ganz wehm\u00fctig, wenn ich daran denke.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-11741\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639111-214x300.jpg\" alt=\"163911\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639111-214x300.jpg 214w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1639111.jpg 457w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unsere Freunde aus Kriftel sind auf dem Heimweg und holen ihr Auto in Hannover ab. Sie fragen um ca. 17 Uhr nach Mittagsschlaf und ich rechne fest damit, dass ich sie antreffen werde nach dem Sport. Das ist aber nicht der Fall.<\/p>\n<p>01.10.\u00a0Morgens bekomme ich eine MMS oder so was \u00e4hnliches vom Susann, einer Freundin aus K\u00f6ln, die wir Freitag auf einen Kaffee treffen. Sie ist auf der Durchreise. Ich freue mich, dass wir uns wenigstens sehen und sie sich auch und schickt mir ein s\u00fc\u00dfes Foto von sich, wie sie geguckt h\u00e4tte, wenn wir uns nicht gesehen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die Frau, deren Wohnung gek\u00fcndigt werden soll, ruft mich aus dem B\u00fcro des Heims an, dass sie heute nach Hause geht. Ich telefoniere mit der Rechtspflegerin, die mir sagt, der Betreuer sei gerade bei ihr gewesen. Der soll sich um seine Betreute k\u00fcmmern verdammt noch mal! Dieser Fall macht mich w\u00fctend. Ich versuche mit der AOK zu kl\u00e4ren, wie das abgerechnet werden kann bei einem ruhenden Heimvertrag. Das w\u00e4re gar nicht meine Aufgabe. Dann erkl\u00e4re ich der Rechtspflegerin, dass ich Beschwerde gegen den Einwilligungsvorbehalt eingelegt habe. Daf\u00fcr sei ich nicht bestellt sagt sie. Das ist mir egal. Ich war mandatiert. Sie soll die Akte der Richterin vorlegen. Nachmittags ruft die Rechtspflegerin mich an, dass sie bei ihr zuhause war. Das sehe noch ganz manierlich aus. Es soll jetzt Essen auf R\u00e4dern geben und sie gebe ihr eine Karenzzeit von 2 Wochen und stimme der Wohnungsk\u00fcndigung erst mal nicht zu. Sie sei aber schon hirnorganisch eingeschr\u00e4nkt und viel Fassade. Sie kenne das von ihrem Vater. Ja, es spricht viel pers\u00f6nliche Betroffenheit aus dem was sie sagt. Ich sage, immerhin bekommt sie es gebacken mich anzurufen aus dem B\u00fcro des Heimes. Sie wei\u00df, wer ich bin und kann sich ausreichend durchsetzen.\u00a0 F\u00fcr eine Wohnungsk\u00fcndigung gegen den Willen ist nach meinem Daf\u00fcrhalten kein Spielraum.<\/p>\n<p>Eine Haus\u00e4rztin von Elisabeth ruft mich an, dass sie einen Asthmaanfall hatte und eine Bronchitis, weil sie im Baggersee baden war im Langenhagen um sich abzuh\u00e4rten. Sie habe sie ins Nordstadtkrankenhaus eingewiesen, aber dort sei sie wieder gegangen. Heute ginge es ihr wohl wieder besser, aber sie kann aus psychiatrische Bild nicht richtig einsch\u00e4tzen und wann ich sie sehe. Ich sage: Morgen und, dass ich es mit ihr besprechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Kollegen sind jetzt zwei Wochen weg, da mache ich heute mal fr\u00fcher Feierabend und bastele den Jahreskalender f\u00fcr meine Freundin Susann. Leider vergesse ich beim Einkleben den Februar. Hier hatte ich ein Bild gew\u00e4hlt mit wenig Bl\u00e4ttern an den B\u00e4umen vor dem Neuen Rathaus. Dadurch ist meine Faschingscollage mit tollen Gerhard Polt und Gisela Schneeberger Bildern in schwarz-wei\u00df aus Kehraus (als Taschenbuch) in den Februar und damit den falschen Monat geraten und in M\u00e4rz habe ich meine Ostercollage reingeklebt, dabei ist das erst im April. Ich \u00e4rgere mich \u00fcber den Bastelunfall. Zu doof zum Basteln. Da passt ja der Juli, \u201emein Monat\u201c mit der Demenz-Collage ganz gut.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01273-e1380879596572.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2302\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01273-e1380879596572-199x300.jpg\" alt=\"DSC01273\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01273-e1380879596572-199x300.jpg 199w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01273-e1380879596572.jpg 426w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01274.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2303\" src=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01274-300x199.jpg\" alt=\"DSC01274\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01274-300x199.jpg 300w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01274-624x415.jpg 624w, http:\/\/buttermusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/DSC01274.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>02.10. Kalenderbasteln macht mich manisch. Ich muss echt aufpassen. Werde um vor 7 Uhr wach. Es ist dunkel. Als ich Viertel vor 9 aus dem Haus gehe, steht eine Polizistin vor der T\u00fcr. Nicht erschrecken sagt sie als erstes und dass sie zu meinen Nachbarn wolle. Die h\u00e4tten einen Bulli und da sei eine Scheibe halb herunter gekurbelt, so dass man den aufmachen und Sachen entwenden k\u00f6nne. Ich: ist das nicht deren Problem? Nein, wenn sie Kenntnis davon h\u00e4tten, m\u00fcssten sie das Fahrzeug bewachen und da das nicht geht dann teuer abschleppen lassen. Ich gehe in die Wohnung zur\u00fcck und versuche meinen Mann mit den Worten, &#8222;es stehen zwei Bullen im Hausflur&#8220; aus dem Bett zu treiben. Handynummer der Nachbarin. Sie will gleich in eine Besprechung und hat keine Zeit, ob ich den Wagen nicht einfach abschlie\u00dfen k\u00f6nne. \u00c4hh. Wie soll das gehen, gebe den H\u00f6rer weiter. Ich bin \u00fcberfordert mit dieser praktischen L\u00f6sung, auf die die Ordnungsh\u00fcter offenbar auch nicht gekommen sind (nicht ausermittelt, nehme ich an). Sie verbleiben so, dass die Polizei das versucht, durch die Scheibe durch zu greifen, die T\u00fcr aufzumachen, die Scheibe hoch zu kurbeln und den Knopf nach unten zu dr\u00fccken und die T\u00fcr wieder zu. Eigentlich ganz einfach.<\/p>\n<p>Morgens Schreibkram und Telefonate. Mein Erbschaftsfall gestaltet sich schwieriger, weil der Typ nicht imstande ist das selber zu regeln und kurz vor der Klinikeinweisung, weil ihn das alles \u00fcberfordert, nicht intellektuell, aber so halt. Telefonate mit der Sparkasse Recklinghausen, ob und wie wir das alles schriftlich machen k\u00f6nnen. Was die brauchen. Termin mit der Wohnbetreuung und dem Mandanten am Freitag. Wollte eh nicht den ganzen Tag frei machen. Telefonat mit dem Bruder, der enterbt wurde, aber die 4 Sparb\u00fccher hat ohne die wir nichts anfangen k\u00f6nnen. Er willigt ein, sie beim Sachberater abzugeben.<\/p>\n<p>Ich fahre in die MHH. Das Fahrrad lasse ich am Kr\u00f6pke stehen und steige in die Bahn. Es ist eindeutig zu windig und das nervt, gerade wenn man mit H\u00fctchen f\u00e4hrt, was einem immer fast vom Kopf geweht wird.<\/p>\n<p>Verfahrenspflegschaft f\u00fcr eine junge Frau, die fixiert ist und nach PsychKG untergebracht. Hatte gestern angerufen. Telefonieren geht nicht, muss ich mich hinbewegen. Auf dem Weg dorthin kaufe ich 2 weitere Kalender und neue Bettw\u00e4sche, die mich total gl\u00fccklich macht. Mit der schweren Einkauft\u00fcte Einrichtung Bettenburg. Sie ist nicht nur fixiert, sie hat auch jemanden der am Bett sitzt und sie bewacht, ein indisch aussehender junger Mann, der Student ist. Sie hatte in der Fixierung, die nicht kurz genug war, die Klammern aus einer 20 cm langen Bauchnarbe entfernt und die wieder aufgemacht. Sie hat wohl auch versucht Feuer zu legen auf Station. Jetzt ist sie sediert. Im Bett liegt eine sehr kr\u00e4ftige junge Frau, persischer Abstammung. Der dralle K\u00f6rper ist \u00fcbers\u00e4ht mit Narben, die sie sich selber zugef\u00fcgt hat. Ihre Stimme ist sanft. Irgendwie sieht sie es ein, dass die Angst haben, sie loszubinden, aber Fixierung seit Freitag ist auch doof und die Betreuerin soll sich mal blicken lassen. Immer wieder nickt sie weg von den starken Beruhigungsmitteln. Sie wollte eine Traumatherapie machen und hier kam es zum Eklat. Das Personal spricht mit Respekt vor ihrer ungeheuren Kraft, die sie dann hat und dem unbedingten Zerst\u00f6rungswillen, sie sei sehr rabiat gegen sich selber und blitzschnell. Jetzt wird sie f\u00fcr Klog\u00e4nge defixiert, wenn ausreichend Personal da sei. Sie h\u00e4tte heute Morgen auch rauchen d\u00fcrfen, sie fragte danach, wollte sich dann aber von sich aus wieder ins Bett legen. Ich versuche ihr das zu erkl\u00e4ren und, dass eine Beschwerde nichts bringt. Der Fixierungsbeschluss l\u00e4uft bis zum 05.10. und ich melde mich Montag noch mal. Immerhin hat sie sch\u00f6n Bettwache und kann interessante Gespr\u00e4che mit den Studenten f\u00fchren, wenn sie nicht vor sich hin d\u00e4mmert. Das rate ich ihr zumindest. Jetzt sitzt eine junge Frau an ihrem Bett. War wohl Wachabl\u00f6sung. Sie schl\u00e4ft wieder als ich gehe und sieht aus wie ein gro\u00dfer Engel mit weichem Gesicht und dunklen Haaren.<\/p>\n<p>Mittags kurz ein Honigbrot und einen Kaffee zuhause und die braune Bettw\u00e4sche mit leichten Retromustern Stephan vorf\u00fchren, aber vor allem zuhause abladen. Irgendwie sieht es aus, als w\u00e4re die Eckkneipe, die aufwendig renoviert wurde und jetzt offenbar wieder er\u00f6ffnet kurz davor. Es werden Gl\u00e4ser poliert. Auf den Schildern hei\u00dft es: Astra im Exil. Der Name ist geblieben, der Laden wurde offenbar in eine GmbH umgewandelt und aufgeh\u00fcbscht. Ich hatte ja auf was v\u00f6llig Neues gehofft.<\/p>\n<p>Nachmittags weitere Termine. Der letzte ist mit Elisabeth. Sie bekommt schwer Luft und st\u00f6hnt aber \u00fcbertrieben bei mir im Zimmer herum. Dann, sie muss was trinken. Oh, ist das Safran-Tee? Lecker. Nein, Fr\u00fcchtetee. Bekomme ich eine Tasse? Ja, ausnahmsweise. Lecker. Sie zeigt mir einen Ausdruck von Erwin J. Dezernent f\u00fcr Soziale Infrastruktur bei der Region Hannover, ob ich ihr da einen Termin machen k\u00f6nne. Sie will was mit ihm besprechen von fr\u00fcher. Seine S\u00f6hne, die damals zusammen in der WG gewohnt haben und der Oliver, der wei\u00dfe Adidas-Sachen getragen hat, auf den sie stand, ob sie von dem schwanger war. Ihr Haus soll verkauft werden, die beiden M\u00e4nner die da waren, waren Makler. Sie will jetzt in eine M\u00e4dchen-WG. Ich will zu den gesundheitlichen Themen kommen. Die Haus\u00e4rztin hat sie ins Nordstadtkrankenhaus eingewiesen und sie ist dort wieder gegangen. Was haben die denn mit ihr gemacht? Ja, gar nichts. Eine Frau, die sah aus wie eine Putzfrau wollte ihre Versichertenkarte. Sie hatte Streit mit der Ober\u00e4rztin. Die hat sie drei Mal gefragt, ob die Haus\u00e4rztin ihr Penicillin gegeben hat und dann wurde es ihr zu bl\u00f6d und sie hat gesagt, das haben sie schon drei Mal gefragt, ich gehe jetzt und die hat sich aufgeregt: Ich bin hier Ober\u00e4rztin. Insgeheim bin ich stolz auf meinen Sch\u00fctzling. Dieses arrogante \u00c4rztepack. Ich sage nur: wenn alle Schizophrenen zusammen stehen, habe die Ingenieure keine Macht mehr \u00fcber uns. Ich sage, Antibiotika soll sie nur nehmen, wenn sie einen bakteriellen Infekt hat. Das sei gr\u00fcn in ihrer Nase. Hatte sie denn Temperatur, frage ich. 34 \u00b0. Ich sage, das sei\u00a0Untertemperatur. Das habe ihre Mutter auch gesagt. Wie kann sie 99 Kilo wiegen bei Untertemperatur? Das passe doch nicht zusammen. Im Laufe unseres erbaulichen Gespr\u00e4chs merke ich, dass wir vereinbart hatten, dass sie in der ersten Woche immer kein Geld bekommt, weil die Vermieterin ihr da 100,- \u20ac gibt und damit eine Schuld bei ihr abzahlt. Ich entschuldige mich, dass ich sie umsonst herbestellt habe und frage, ob sie denn Geld hat. Sie sagt, 100,- \u20ac von der Mutter zum Geburtstag, davon soll sie sich eine Sp\u00fcle kaufen und von der Vermieterin bekommt sie auch noch Geld und das macht doch nichts, sie komme gerne zu mir und unterhalte sich gerne mit mir.<\/p>\n<p>Beim Sport fragt mich Luisa, ob ich einen Veranstaltungstipp f\u00fcr sie h\u00e4tte. Ich sage, nein, weil wir Morgen zu meinen Schwiegereltern fahren und ich gar nicht geguckt habe. Kurz darauf stellt sich heraus, dass sie vom Tanz in den Mai ausgeht. Eine s\u00fc\u00dfe Verwechslung der Perserin, die allerdings hier sozialisiert wurde, die ich gerne unterst\u00fctzen w\u00fcrde. Lieber 2 x im Jahr Tanz in den Mai und den Deutschen Feiertag daf\u00fcr streichen. Auf dem Weg nach Hause vom Sport ist es dann so weit. Das Exil \u201eneu\u201c ist in Betrieb.<\/p>\n<p>Zuhause schauen wir \u00d6sterreich Nachrichten. Erste Meldung ein Erdbeben, bei dem nichts passiert, keine Sachbesch\u00e4digung mit einem Experten im Studio, der Auskunft dar\u00fcber geben soll, was denn bei so einem Beben passieren kann oder k\u00f6nnte. Was sind das f\u00fcr Nichtmeldungen? Ich sage zu Stephan, es kann eine Kaffeetasse zu Bruch gehen, die z.B. ziemlich auf der Tischkante steht bei so einem Ereignis. Dann geht es um die Wahlergebnisse in \u00d6sterreich. Ein deprimierendes Thema. Stephan stellt die Theorie auf bzw. fragt, ob das bedeutet, dass \u00d6sterreich jetzt ausstirbt, weil bei den Frauen unter 29 w\u00e4hlen 30 % gr\u00fcn und ca. 10 % FP\u00d6 und bei den M\u00e4nnern sei es umgekehrt. Welche vern\u00fcnftige geb\u00e4rf\u00e4hige \u00d6sterreicherin l\u00e4sst sich von einem Vollpfosten schw\u00e4ngern? Berechtigte Frage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30.09. Morgens der totale Alptraum. Bei uns bricht die komplette Wohnung auseinander. \u00c4hnlich vom Gef\u00fchl her, wie diese Tr\u00e4ume, bei denen einem die kompletten Z\u00e4hne nach und nach aus dem Mund kr\u00fcmeln. Die Fenster samt der Fensterlaibungen fallen raus. 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